Indiana Tribüne, Volume 16, Number 297, Indianapolis, Marion County, 16 July 1893 — Page 5
Sonnwgs-Vlcmderei. Kürzlich bemerkte ich auf dem BahnHofe, wie Jemand einem Anderen für eine Dienstleistung ein Trinkgeld einhändigte und da mir in denselben Tagen ein Artikel in der Gartenlaube", tnt Unsitte betreffend, zu Gesicht kam, so mochte ich etwas naher aus den Punkt eingehen. Der Trinkgelderunfug, dem man seit einer Reihe von Jahren in den davon heimgesuchten Ländern auf den Leib zu rücken versucht, scheint sich' somit ganz allmählich hierzulande einführen zu wollen. In Europa ist das Trinkgcldgebcn so eine Art'Landplage geworden, wie z. B. die Heuschrecken, Feldmäuse und Rebläuse, nur mit dem Unterschiede, daß die Feldmäuse etc. von alleine" und ungerufen kamen, während man sich das Trinkgeld künstlich auf den Hatt geladen hat. Früher wurde es zC dem den Namen besagendcn.Zwecke gegeben, jetzt ist daraus eine direkte Bezahlung geworden. Die Sache ist mancher Orts soweit gediehen, daß ein Kellner nicht nur nichts an Lohn be kommt, sondern nach dem Pariser System sogar noch etwas bezahlen muß, um seine Stelle antreten zu dürfen. Man erweist somit dem Angestellten nichts Außergewöhnliches, sondern macht ihm vielmehr in demüthigender Weise seine abhängige Stellung klar ; denn demüthigend über alle Maßen ist es, tagtäglich seinen Lebensunterhalt zusammen zu kriechen. Alles dieses wird jenseits des Ocean's erkannt und man möchte es entfernt sehen, so schwer es auch zu sein scheint: hier dagegen begiebt man sich leichlfer tig in die Gefahr. Mit den Porter's sus den Schlafwagen sing es an und nu dehnt es sich auf andere Dienst leistungen aus; ist es doch im Osten schon gang und gäbe ein Trinkgeld zu geben resp, zu erwarten, dabei kann oder will der Nehmer das Herabsetzende einer solchen Gabe nicht empsinden. Besonders wenig Empfindung für die Würde ihrer Person scheinen auch diejenigen zu haben, welche als Lakai aufgeputzt ihrer Herren Kutsche fahren. Er ist unrepublikanisch im höchsten Mae nicht nur sich in "ein derartiges Ssmlfol stecken zu lassen, sondern ganz besonders das Ansinnen an einen Angestellten eine solche KnechtschastSjacke anzulegen. 2 diesen Livreen steckt ein schlimm Stück Mitteüllter, doch man denkt sich nichts dabei, wie Wilh. Busch 4'tia Leibpoet zu sagen pflegt, denn
sonst geschähe es wohl nicht. Wenn man nun so unglücklich veranlagt ist sich um seine Mltmenjchen mehr alt gerade nöthig zu kümmern, so kann man estveder nur weinen oder lachen Da mir die Stelle sehr passend erschewt so will ich die Erzählung beisöge, wie einstmals berühmte Philosophen verauktionirt wurden. .Berschiedene Denker waren schon verkauft, unter anderen Diogenes, der wenige droschen nur einbrachte, als der Käufer zwei absonderlicher Gestalten ansichtig wurde, die zusammen losge schlage werden sollten und von denen der eine beständig lachte, der ander, dagegen weinte. i ES entspannt sich dabei folgende Dialog. Käufer : O, Himmel, welch ein Kontraft ! der eine hört nicht auf zu lachen, der andere scheint in tiefer Trauer. Hör einmal was sog das warum lachst Du! Demokrit : Du fragst noch ? Weil mir all euer Treiben und Thun lächerlich erscheint, und ihr selber gleich falls. ' Käufer : Wie Du lachst uns Alle auö? : Demokrit 3ust so ! eS ist in euern Sachen nichts Ernstes und in der unendlichen Lre tanzen die Atome durcheinander. Käufer : Das nun wohl nicht, viel mehr, scheinst Du mir ein unendlich leerer Schwätzer zu sein. Aber Du mein Bester warum weinst Du denn? .' Aimtlit ' bxfinf n SVrrnMinrt. ytlUtl v., j ' jj weil mir die menschlichen Dinge so traurig und th'ränenwerth vorkommen . und alles so hinfällig! darum bemitleide und beklage ich die Sterblichen. Und daö Gegenwärtige möchte noch ange.hen, aber waö kommen wird, ist geradezu gräßlich, ich meine den Weltbrand und den Untergang des All, und das ist mein Leid... ' Wie, daS ist die Frage, soll man es nun halten mit den Thorheiten unserer Mitmenschen, der eigenen nicht zu 'vergessen. Soll man dem Beispiel Heraklitö oder dem des Demokrit folgen? ' O ungewisses, rathselvolles Dasein, wie kömisch ist deine Tragik ! Der and re Plauderer. Meerlsaumpsenen, lange oeul cd t -'v . r w . M fnken .Ciaarrensviden etc. bei Wm
ncho, Ro.M Oft Washington Str.
Mein Freund Fortunatus. Ich reiste mit meinem Freund For tunatus von Novara bis Genua zu sammen. Obgleich daö nur eine kurze Strecke ist, so währt diese Jabrt sehr lange, denn solch ein italienisches Dampfrob hat den Rheumatismus in allen Gliedern, und die Eilzüge stehen nicht, wie bei uns, nur auf dem Fhr plan, sondern vor jedem Sechshundert seelenstädtchen. Da lobe ich mir doch mein lieb?s Vaterland wenn man das Glück hat, wird man auf der Eisen bahn schneller vom DieSseitS inS Jen seits befördert, als hier von Novara und Genua. Mein Freund FerturatuS. mit dem ich nach Genua fuhr, ift ganz anders geartet als ich. Er hat im Leben und in der Lieb: nie lange auf einem Stuhl sitzen können; wenn er einen Berg hinaussteigt, will er unterwegs zwölf Mal umkehren, und Karten spielt er auch nur so lange, als c? gewinnt. Das Unangenehmste aber für mich war, daß er Glück bei Frauen hatte. Wir steigen in Genua in dem be rühmten Hotel am Hafen ab, in dem einst FieSco, der bekannte Verschwörer, gewohnt haben soll. In den reich auf geputzten Zimmern, in denen die Ver schwöre? zusammenkamen, wohnen jetzt meist HochzeitSreisende. So erzeugt ein Geschäft daS andere. Daß man aus dem Palast des Gra fea von Lavagna ein Hotel gemacht hat. finde ich sehr entschuldbar. Wieviel Aehnlichkeit zwischen dem Damals und dem Heute! Die Hausknechte und Stubenmädchen mit den geöffneten Händen, das sind die Unzufriedenen Genuas, die Schiller uns zeigt. Und Oberkellner haben mit Verschwörern die peinliche Eigenschaft gemeinsam, daß sie sich manchmal verrechnen. ES war gerade Allerseelentag, alS wir ankamen, und eS war ein merkwür diges Drängen und Treiben in der Stadt. Auf der Piazza Teferrari, wo die Wagen der Omnibusgesellschaften halten, schlug man sich um ein Plätzchen in diesen schmutzigen Gefährten, wie man sich bei uns in Berlin vor dem Zoologischen Garten am billigen Sonntag" schlägt. Und in all' den engen Straßen war ein Gedränge von Leuten mit Festtagsgesichtern, Blumen kränzen und Wachskerzen, daß man die Arme einstemmen mußte wie ein Höker weib, um hier durch zudringcn. Und das alleS lief und fuhr und humpelte hinaus nach dem Campo Santo, dem großen Kirchhof Genuas, der draußen sich hindehnt vor der Stadt. Es lag eine abscheuliche Luft über der langen Chaussee, eine graue kustenerre gende Luft. Nie habe ich eine so stau bize Stadt gesehen und niemals ist mir des allen Predigers Wort wahrheits voller erschienen, als an diesem Aller seelentage, daS Wort, daß AlleS pux Staub sei auf Erden. So wie die Genueser im Leben woh ven, in der terrassenförmig an den Bex gen emporkletternden Stadt, sy wohnen sie auch im Tode. An dem Berge stei gen die Gräderreihen empor, eine Niesentribüne, von der die Todten ihre
Vaterstadt grüßen. Lange, endlos lange Säulenballen bergen dort die Gräber der Reichen, aber über den klei nen Hüzcln der Armen lacht der blaue Himmel. In zenen' Säulenhallen, die unten den Berg umschließen, die sich an ihm hznaufwlnden oder m ihn hmeingedaut sind, ist oll' daS vereinigt, was Genua an moderner Kunst aufweisen darf. Und vielleicht gi6i ei keinen 5)rt m der weiten Welt, wo der Schmerz so vielgestaltige 'künstlerische Verklärung ge funden, wo daS Märchen von dem Kinde, das Vater und Mutter verloren und mit dem Thranenkrüglein suchend durch'S Land irrt, so- hundertfach voy Künstlerhand variirt worden ist, wie hier. Es sind marmorne Hymnen des Leids, marmorne Bitten um Trost, marmorne Schwüre, nie zu vergessen, ewig zu gedenken. Tort fitzt der Tod als alter bärtiger Pilger gedankenschwer auf dem Sarge, hier tritt er als mildleuchtender Engel mit liebendem Kuß an das Bett des Kranken und eS ist immer wieder der Tod und ewige niemento inori! Uns warmorarmen Teutschen aber, unS rauscht dieses Lied von Leid gar zu gewaltig. Wir, die wir immer noch die alten poetischen Stimmunzen mit unS herumschleppen, die wir von unserem lieben Heine geerbt haben . und v.on Eickendorss und den Andern wir sind solche gottsjämmerlich unverstän dkgen'Bariaren, daß unS der schweig samen Trauerweide leiser Todlengruß schöner dünkt. alS die verschwenderische Pracht dieser Todtenpalüste. Und in dem leichten Duft unserer purpurnen Grabesroien ahnen wir mehr von der Zaubermacht der Göttlichkeit, als in der Kochaufsteigcnden Berkündizung auf den Grüften G.nuaZ. Aber an diesem Allerseelentagr huschte auS tausend Lichtern und Lamp' chen der matte Flammenschein über all' pen bleichen Marmor, er huschte hinauf zu den Engeln der Liebe und deS TodeS und ging streichelnd über die Wangen der Trauernden und Büßenden, wie ein einziger Schein von dem großen, strahlenden Himmelslicht in der anderen Welt. j . , . Äbcr die Trauernden und Büßenden richteten sich nicht auf, wie auf den stillen Gräbern in der Heimath, die rothen Rosen gläubig sich aufrichten, wenn der Sonne wärmender Strahl zu ihnen niedersteigt, und die . festlich ge kleideten Leute schoben sich langsam hindurch zwischen diesen Gräberreihen und nannten sich die Namen der großen üünstler, die lai AlleS geschaffen, und Ällcs. wie bei unS die Leute aus der Provinz im Panoptikum. Sonderbar, wie verschieden die Völ ker geartet sind! In Genua hat man aus dem Frieddof einen Tempel der rinnst gemacht und nun ist man bei uns am Werk, den Tempel der Kunst in einen Friedhof.zu verwandeln! Aber während ich so mit lehrreichen Vergleichen mich befaßte und bei diesen nuesischen Marmoraräbern der keud
lose und doch so duftumsponnene Hügel mir in's Gedächtniß, kam, unter dem auf dem fernenMontmartre mein armer, verkannter und verlästerter Sänger, des neuen Frühüngs modert, so ein echter Tickterhügel während ich so die un; vernünftigen Gedanken in weiter Fremde spazieren wandern ließ, hatte ich ganz vergessen, meinen guten Freund Fortu natus. der zwischen Marmorbildern noch niemals glücklich war. Ich suchte ihn und bald fand ich ihn koch oben auf der Spitze des Berges, wo der kleine Tempel mit dem Sarkophag Mazzinis steht. Dort sah ich meinen Fortunatus, in den Eingang tos Tempels gelehnt, lauernd, wartend. Ich begriff sosrrt, daß ihn Mazzini eigentlich weniger interessirte, als die kleine Engländerin mit dem blonden Lockenköpfchen, die dort drinnen mit andächtiger Neugier vor dem todten Mazzini stand, vor diesem Mazzini, von dem man ihr vor einer Viertelstunde gesagt hatte, daß er ein großer Mann gewesen war. Ich aber machte meinen Freund daaus aufmerksam, daß sie sehr verheira tbet schien, und Italien deiuiuuiiuj das. "and der sauren Trauben sei. Das leuchtete ihm seltsame? Weise ein und mir gingen. Dicht hinter dem Fried Hof faß die Wahrsagerin mit verbünde nen Augen, ganz wie Kassandra in Troja. In der That, es mußte ein hölzernes Pferd sein, daS zu dieser Kassandra kommen konnte! Tn Fremde findet Genua schön, sonderbar schön, weil es vom blauen tyrrenischen Meer so gar wirksam wie auf Treppenstufen emporsteigt. Aber sie waren doch nur Barbaren, diese Genuesen, und sie sind eS geblieben. O, sie haben nie etwas besessen von dem köst lichen Kunstsinn ihrer Nachbarn in Oberitalien, sie haben eS nie verstan den, wie herrlich eS ist, seine Stadt, sein Reich in ein rauschendes Götterland der Kunst umzuwandeln, sie haben im mer mit kaltem Lächeln zu jenen hinü bergeschaut, die zu der großen Meister Herrlichkeit den Tust aus güldenen Weihrauchkesseln emporsteigen ließen. Wie selten ist ein Hauch von jenem hohen Geist zu ihnen gekommen, der zu Raphaels, zu LionardiS, zu TizzionS Zeiten durch das jubelnde Italien ging,
und während das verhaßte Venedig in einem Künstlertaumel schwellte und längs des Kanals eine Zauberwelt auf erstehen ließ in Formen und Farben, malten die,e Genueser wie die meisten Indianer in ihren bunt beklecksten Dörfern, in den Festsälen ihrer Paläste, ihres Palazzo Roffo, ihreS FieSco-Palastes, Säulen und Kamine mit schlechter Oelfarbe an die Wand. Ueberall diese miserable Farbe, hineingetragen in die Renaissancebauten des alten verständigen Meisters Alessi. Nichts ist da drinnen echt "tut ta imitaziono", wie der Führer in der Villa Pallamcini in Pegli sagt, nach dem er all' die denkwürdigen Ereignisse erzählt hat, die dort sich zugetragen haben sollen tut to irnitazione, iilti Schwindel! Nur drr eine alte Doria, dieser brave Andreas, den man im Doriapalast zu sammen mit der treuen Lieblingökatze auf dem Bilde siehV dieser tüchtige GreiS hat in seinem vielvergitterten Hause hübsch AlleS auS Marmor und echtem Stuck herrichten lassen. - Das laiin man wenigstens in den fünf-oder sechSZimmern konstatiren.die denFreun den für gewöhnlich gezeigt werden in den andern wohnen jetzt Verdi und ei flige viel weniger berühmte Leute. Aber was man sieht, ist echt, und darum rufe ich es lebe Doria und nieder mit dem Grafen von Lavagna ! In dem Hotel traf ich eine von den alten Damen, .die ich liebte, eine von jenen alten Damen mit grauem Haar und klugen Augen, die wie jene prächtige Herzogin in der Welt, in d sicher man langweilt" nicht leugnen, daß sie auch emmal jung gewesen sind und i daß sie noch die Jugend in sich verspüren. Ach, eS ist sehr selten, daß die alten Frauen noch jung find, heutzutage, wo die jungen Frauen so oft schon alt find! Wo haben Sie denn Ihren Freund?- fragte mich die alte Dame mit den klugen, jungen Augei; ,Jh ren Freund FortunatuS?" Richtig, ich hatte ihn wieder verloren! .Ich will eS Ihnen sagen, wo er ist", sazte meine Herzogi wieder den ich dachte immer, eS müßtp die erzogin auS der französischen Komödie sein .er schmachtet. Ja. er schmachtet por der jungen englischen Schönheit, die auch einen Mann hat und oben in FieScoS Zimmern wohnt". Ah, die ist also hier?" .Ja. Und ibr Gatte ist sehr trau rig seben Sie ihn pur an, dort fommt er". . Ich sah ihn an. Er sah wirklich sehr traurig aus. So ungefähr wie ein ffaflinchep, dem man ans Leben will. .Was fehlt ihm?" fragte ich mit seidSvoll. , .Er wünscht sich einen Nachkommen. Einen Erben. Nun, er wird ihn schon bekommen, seien wir beruhigt. . Der ?leichen kommt manchmal überraschend chnell wie der Wind, bei dem auch Niemand weiß.wober ex plötzlich kommt, jlnd bei diesem Klima ist MeS mög lich. ES läutet wollen wir zn Tisch gfhen?"' Mein Freund FyrtunatuS faß einige Plätze entfernt von der kleinen Engländerin. Sie war wirklich rei zend ; sie hatte ein wunderhübsch feines Köpfchen mit einer blonden Frisur, der Thusneldafrisur ganz ähnlich, aber auf gelöst in lauter einzelne, goldschim mernde Löckchen. . . Hinter .allen Schüsseln und in allen Blumenvasen auf dem Tisch saßen die kleinen Liebesgötter und schössen ihre Pfeile hinüber und herüber. . Und sie sah, daß: mein guter FortunatuS drei Schüsseln vorübergehen ließ, und wußte, daß er das that, um sie besser anblicken zu können. .. O, sie bemerkte das AlleS! Die Andern am Tische aber, bemerkten nichts, sie ließen sich alle. Schüsseln zwei
mal retchen, denn das Diner war sehr theuer. Er halte wirklich Glück, dieser ver verteufelte FortunatuS! Er fand eine Schleife der kleinen blonden Englände rin und schrieb! eS der Angebeteten in einem Briefcken, dessen letzte Worte lau teten: .Darf ich sie behalten? Ich will Sie immer verehren. (Nein, ich habe mich geirrt nicht .Sie" mit einem großen .S", nur .sie" mit einem klei mn.s")." Und sie antwortete umgehend: .Die Sckileife war mir werth. Ich möchte Sie wiedersehen. (Nein, ich irrte mich nickt .Sie" mit einem großen .S", nur .sie" mit einem kleinen .s" )." Da er nun glücklich war, überließ ich ihn seinem Schicksal und ging mit mei ner Herzogin hinauf zu dem Balkon, um die Sonne niedersteigen zu sehen, weit hinter dem Mastenwald des HasenS in den blauleuchtendea Iluthen des tyrrhenischen MeereS. RecktS sah man hinunter bis zum
Palau des alten Don, dem die demokratischen euesen den herrlichen Gar ten zerstört haben, um ihre Babnlinie hindurchzuführen, dem Einspruch und den Bitten des Prinzen Doria zum Trotz. Es war die letzte Verschwörung gegen die Doria. Und man sah an den Bergen die bunten Häuser emporklettern und hoch oben auS dem dunklen Wald der Berge die weißzrünen Mauern der Festungswerke heraustreten. ES war ein ewiges Hin und Her in dem Hafen, ein ewiges Lärmen und Rufen, ein Knarren der Taue, ein Pfei fen der Dampfschiffe. Dort drüben in der Darfcna, dem einstigen Kriegsha'en, an der Stelle, wo gerade jetzt die kleine Dampsbarkasse vorwärtspustet, dort ist vor dreihundert und fünfzig Jahren FieSco sammt seiner Berschkvörung in'S Wasser gefallen. Ich habe einmal einen Schauspieler gekannt, einen tüchtigen und liebens würdigen Schauspieler. Der konnte nie den FieSco spielen, denn um einen BühnenauSdruck zu gebrauchen er schwamm zu gut. Der Arm einmal hat er doch in einer sranzösischen.Posse nicht weiter gekonnt. Ich erinnere mich, eS war eine gemzte Situation, bei der viele Da wen hinausgehen würden, wenn das nicht so störend wäre. Da konnte, er nicht weiter. Er war plötzlich im Koth stecken geblieben. Aber nun sitze ich in Genua auf dem Balkon amyafen und denke an Deutsch land und seine französischen Possen. So wandern manchmal die Gedanken mit den Worten über die Berge, sie ver irren sich sie gehen gern zu den fran zösischen Possen, aber eS ist immer eine Verirrung. .An was dachten Sie?" fragte' die kluge Herzogin. Und ich sagte ihr, daß ich an Meilbac und Hennequin gedacht, hatte. .Sie nickte: .Ja, der arme Himmel sieht wunderliches Zeug auf dieser Erde." .Aber halten Sie den Himmel für moralischer?" , .Gewiß; haben Sie eS denn noch Nicht bemerkt daS Erste, was er thut, wenn er Morgens die Erde siebt, ist, daß er erröthet. Und dann Abends Wieder sehen Sie nur dort!" wirklich, er erröthete in wunderbarer Pracht, Feuerströme flutheten herrlich an ihm entlang, als stünden dort hin ten im Hafen verborgene Riesenflotten in Brand. Und zwischen den schweren Schissen schössen diese glühenden Bäche über daö Wasser des Hafens hin,' auf dem die kleinen Barken schaukelten und die Matrosen fluchten und die Dampf barkassen pusteten. Ja-, sagte die alte Herzogin, wie traumverloren, .er erröthet. Viel leicht steht Ihr Freund hier über unS und giebt ihm Recht." Ich sah unwillkürlich hinauf. .Sie meinen?" fragte ich. .Ich meine garnicht?. Ich denke nur, daß die kleine Frau im nächsten Jahre vielleicht wieder hierherkommt, daß wir sie dann sehen. Aber dann wiederum nicht .Sie" mit einem gro ßen .S" sondern sie mit einem kleinen 4 Londoner Prohtdittoniften. Der .Kampf ums Bier", so schreibt man aus London, wüthet immer wei ter. ohwohl die LocalVetoBill. daS Gesetz, das alles Unheil angerichtet hat, schon längst so gut 'wie begraben ift. Neulich erfochten die Temperenzler einen zroßen Sieg, ihre Kundgebung im Hgdepark war eine der größten, die London bisher gesehen hat. Um 2 Uhr versammelten sich schon die ersten Vereine am Themsekai. um 4 Uhr traf oie Spie d;ä auf 150,000 Theilneh. mer gfschähten Zuges im Parke ein. Der Zug bot ein ungemein farbiges Bild; da kamen d,e .Phöni söhne" mit ihren Orden, Bannern und sonstigen Logenabzeichen, der Orden, der Recha biter", die .guten Templer". Gewerk vereine. Sonntagsschulen, Missionsge selllchasten, Jünglinqsvexeine, barm herzige Schwestern,- Sir Wllfrid Law fon und yady Henry Sommerset, die Leiter der ganzen Temperenzbemegung, von einer theilmeise berittenen Ehren wache umgeben, da man nicht ohneBe sorgnisse vor einem Angriff der Bier trinker war, die .Kreuzling". demokra, tische Clubs u. f. w. Der Merkwürdigkeit halber sei noch die . Anti pia rny - rags - togethereacrue" erwähnt, deren lobensmertheS Ziel eS ist. Fabrikmädchen zum Nähen ihrer zerrissenen Kleider im Gegensatz zu dem üblichen Gebrauch von Steck nadeln anzuhalten. Etwa 150 Musik banden brachten Leben in den Zug. der sich dem Auge als eine ununterbrochene Folge von Bannern darstellte. , Diese Banner erzählen in ihren Bildern mit köstlicher Staivetüt Alles, was daS Volk bewegt; viele hatten natürlich auch Be zug auf die Temperenzbemegung. So wurde ein Gegenstand mit Vorliebe be handelt: auf der Vorderseite .Mein Ifteirn. als ich ein Trunkenbold war":
aus der NllckseUe: .Mein Mm. la ich Phönnbruder bin", im ersten Bild eine Darstellung des größten Elends, mäh rend auf der Kehrseite ein .vornehmer Herr mit Cylinder, im schwärzen Rock, in einem behaglichen Zimmer auf dem Sofa sitzt und im vollsten Bewußtsein seiner Gottühnlichkeit Thee schlürft." Auf einem anderen Banner steht ein betrunkener Strolch am Schanktisch, hinter dem die Wirthin zum Zapfer folgendermaßen spricht: Wirf den schmutzigen Kerl in die Straßenrinne, sonst macht uns die Polizei noch Schwierigkeiten!" .Frau Wirthin, er hat noch vier Pence in der Tasche." .Ach so. dann frage, bitte, den Herrn, ob er nicht Lust hat, eine kleine Erfrischung zu sich zu nehmen!" Und derartige Mäßigkeitspre)igten in Bil derbogenform wurden mit einem Ernst, wie ihn nur ein fanatischer Engländer zur Verfügung hat, in Hunderten von Exemplaren durch die Hauptstraßen spazieren g.'führt. Recht lebhaft wurde es. als Sir William Harcourt. der Vater des umstrittenen Temperenzge setzes, in Piccadilly an dem Zuge ent lang fuhr, während aus der entgegen gesetzten Richtung ein Bierwagen mit mehreren der dicksten Brauknechte, die London aufzuweisen hat. heranrasselte. Das hätte dcinahe Anlaß zu einer Prü gelei gegeben, da die Temperenzler sehr streitbare Herren sind. ; Kavallerie Schwimmen.
Schwimmen der Reiterei wirl seit neuester Zeit große Aufmerksamkeit zugewandt: im Militäretat ist ein be sonderer Posten zur Bestreitung der Kosten dieser Uebungen eingestellt wor. den. Tie Anleitung für Arbeiten der Cavallerie im Felde giebt ausführliche Vorschriften für den Betrieb dieses Dienstzweiges, der als geeignet bezeich nct wird, das Turnen und Voltigiren in oen Sommermonaten zu ersetzen. 187071 bereiteten Flüsse und Wasser, läufe der deutschen Reiterei vielfach Hindernisse, die sie gar nicht oder nur mit großer Anstrengung und Zeitver tust zu überwinden vermochte, weil sie im Frieden nicht daran gewöhnt und ohne die nöthigen Hilfsmittel war. Die jetzt eingeführten Faltboote, von denen jedes Regiment zwei auf beson deren Wagen bei sich bat, ermöglichen es geschlossenen Truppenkörpern, di Gewässer zu überschreiten, ohne auf die Brückentrains zu warten. Aber im Sicherheits und Aufklärungsdienst vor der Front werden oft kleinere Abthei' lungen und Patrouillen an Flüsse ge langen, während die Boote noch zurück iind, und so gilt es dann, schwimmend hinüber zu gelangen. Im Frieden werden daher jetzt fortwährende Ueb'un. gen angestellt, um Mann und Roß an das Wasser zu gewöhnen, und die Er gebnisse sind sehr zufriedenstellend. Schon im vorigen Jahre machte die .Köln. Ztg." einige Angaben über versuche, welche das Kürassierreginient Äraf G.'öler Rheinisches) Nr. 8 in Deutz gemacht hatte. ES handelte sich um nichts Geringeres, als den Rhein zu durchschwimmen. Diese Versuche landen ihren Abschluß in der anerken nensmerthen Leistung, daß sämmtliche ßferde der l..Schivadron unter Ritt meister v. Hänisch zn je sechs an einem Lonton den Rhein durchschwammen. Mit Recht macht diese Thatsache damals ;roßes Auffehen. Das Regiment hat in diesem Jahre Die Versuche fortgesetzt und dabei sein Ztreden darauf gerichtet, daß einzelne ;ut schwimmende Leute auf bezm. neben frei schwimmenden Pferden ohne Pon ton das andere Ufer erreichten. Nach oielen, in den Anforderungen sich mehr und mehr steigernden Uebungen ist das gesteckte Ziel erreicht. Kürzlich schmam men zwei Ofsiciere, Rittmeister v. Hä nisch und Lieutenant Lehmann, sowie jicr Mann mit ihren Pferden ohne Un. fall unterhalb der festen Brücke frei zurch den Rhein. Die in nur fünf Minuten im Wasser zurückgelegte Strecke betrug etwa 650 ois 700 Meter. Pferde und Menschen aiaren nicht überangestrengt. Die bishe rigen Erfolge der Schwadron Hänisch ztehcn unerreicht da, gewiß dürfen sie als musterltig für andere Truppen theile gelten. Ein Eichhörnchen lebt sel ten länger als acht, das -Kaninchen nur sieben Jahre. Schafe werden zehn Jahre alt, Katzen und Füchse fünfzehn, Hunde zwanzig, Schweine, Rehe. Bä ren und Kühe leben oft länger als zwanzig. Pfexse länger als dreißig und 'ö:oen siebzig Jahre. DaS Kameel, der Adler, der Rabe und die Schild tröte sollen ein Alter von hundert und Ächwäne sogar zuweilen, ein solche von über zweihundert Jahren erreichen. In einem l5isenbahnsracht wagen werden demnächst zwölf junge Männer von Boroeniomn. N. I., zur Weltausstellung nach Chicago reisen. Der Wagen, welcher den Frächlschnell zügen angehängt werden soll, enthält Bretterverschläge, zwischen denen die Letten stehen, ein Kachofen, sowie ein mit reich ichen Cßvorrälhen ver sehener- Speiseichrank. Die jungen Herren wollen zwei Wochen in der Gar tenftaot verbringen und die Rückreise in derselben Weise ausführen. Tie Ge. sammtkosten der Hin und Rückfahrt sind auf $10 pro Kopf veranichlaat. Wohl überlegt. .Endlich, endlich hat sich der Baron unserer Laura erklärt!" .Dann mußt Du sofort dafür sorgen, daß heute noch das freu dlge Ereigniß möglichst verbreitet wird ; morgen natürlich Verlobung, übermor gen Famiendiner, Mittwoch Ball, Don nerstag - .Aber Emil!" .Sei still da? verstehst Du nicht wenn wir 'n lassen kommen zur Ver nunnft, r.immt er sie am End' doch nickt!" . . Bauer so er ein krankes Kind zum Arzt in die Stadt' bringt),: ,Herr Docta, bei uns im Dorf san, alle Kmder krank. Da hab' i Ihn in'K zumDku ster mit'hracht da lönna S' mir alei' a' Mvin iür a 1 1 c verschreib' I
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