Indiana Tribüne, Volume 16, Number 297, Indianapolis, Marion County, 16 July 1893 — Page 3

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rttttlNde.

Roman von Kans Asrnseb. (9. Fortsetzung.) 17. Januar. '' Set meinen Spazierg'äng-N habe ich. fo einsame Wege ich auch aufsuchte. Mehrere Male Besagte getroffen. Die einen schirmt mich überhaupt nicht zu sehen, die anderen maßen mich mit spöttischen Blicken, und nur einige, die sich jedenfalls als besonders mitleidig' und großmüthig hervorzuthun und dabei ihre liebe Neugier zu befriedigen suchten, gönnten mir einen Gruß und einige herablassende Fragen nach mei nem Befinden. Vorzüglich," antwortete ich aus nahmslos ohne zu lügen. Jener feste Entschluß, das Unrecht rr.eines Vaters selbst gegen Auras Willen auszugleichen, erfüllt mich mit einer Ruhe, welch: mich'jede Anfechtung ertragen läßt. Es ist jetzt die Zeit der großen Bälle. Noch nie ist der Wunsch in mir aufge taucht, daran theilzunehmen. Ich finde mein kleines Stübhen behaglicher, ja unbedingt schöner als den glänzendsten Salon. 23. Januar. - Auras hatte recht, als er mir sagte: gibt nur einen wahren Adelsbrief, und diesen verleiht die treue Pflichterfüll.ung, die redliche Arbeit, die selbstlose Gesinnung, welche zugleich das höchste Christenthum ist. .Und zugleich liegt auch darin einzig das wahre Glück." Als ich noch reich war, gefeiert und beneidet wurde, ersehnte ich täglich neue Gelüste.... heute fühle ich die tiefe Wahrheit des Grillparzer'schen WorV3: (ineZ nur ist GlüZ bienicden. EinZ: bc3 Innern stiller Friedenlhib die schldbefreite Brust.. Und das Bewußtsein, alle Schuld nach Möglichcit abzutragen, füge idj Hinzu. Was 5?llroe Auras sagen, wenn er dieses Bekenntniß lesen könnte? 30. Januar. Wieder einmal Auras: Es ist seit fam, daß ich rn ient so lebhaft an einzelne seiner Bemerkungen erinnere und stunden-, ja tagelang darüber nachdenken kann. Einst sagte er mir: 2er Mensch hat keinen besserenFreund als die Arbeit; sie gibt der Stunde einen Zweck, hat auch das Leben keinen." Wie mir der Professor G. einst sagte, habe ich ein hübsches Talent zur Aqua-rell-und Holzmalerei. Ich werde versuchen, es nutzbringend zu verwerthen. Fast bin ich gezwungen Älzu. Es widerstrebt mir durchaus, mir von Wildenhof Geld senden zu lassen, und der kleine Bestand, den ich bei meiner fluchtähnlichen Abreise mit mir nahm, schmilzt bedenklich zusammen. Soll ich versuchen, um Geld zu arbeiten? 9. Februar. Als ich die letzten Zeilen schrieb, regte sich in mir noch ein hochmüthiges, thölichtes Schamgefühl. Jetzt habe ich es überwunden; ich stehe ganz auf dem Boden der Anschauung, welche in der Arbeit eine Ehrenpflicht jedes Menschen steht. Hub ist das Forschen der Gelehrt?n. die Ausübung der Kunst, der Wasfcndienst für das Vaterland im Grunde genommen nicht dasselbe, wie das müh selige Tagewerk des Handarbeiters? Und selöst den König ehrt seine Arbeit, nicht nur seine Würde. Jetzt . verstehe ich das Goethe'sche Wort: 23a3 Tu ererbt von Deinen Vätern hast, Erwirb es, um eZ zu besitzen ! . : Wie siolz war ich einst auf dies Erbe! Heute wünschte ich nur, eirxn kleinen Theil daran rechtmäßig zu besitzen, um alle die Gedanken und Pläne auszuführen, die in meinemGe.hir.n auftauchen. Ich wollte eine andere Gutsherrin sein, als ich bisher gewesen Auras Abschied von Wildcnhof ha! mir gezeigt, wie ich gefehlt, wie er den rechten Weg gefunden. Thörichtes Geschwätz! Von meine? Arbeit wollte ich sprechen, vielmehr schreiben, da ich niemand habe, mit dem ich schwatzen könnte.' Ich war zu der Einsicht gekommen, daß ich mir irgend eine Einnahmequelle verschaffen mußte. Gegen jede Art Dienstbarkeit, und sei es diejenige einer Hofdame, sträubt sich rnein Charakkr. So verfiel ich wieder .auf mein Maltalent. Ich packte einige -meiner Aquarellen ein und sandte sie "dem Kunsthändler, bei dem Papa und -ich früher kauften. Was er wohl gedacht haben mag bei Meinem Angebot, für ihn zu arbeiten? Entweder hälk er mich für fabelhaft geizig oder, was wahrscheinlicher ist, für überspannt kurzweg gesagt: verzückt. Gleichviel, er acceprirte die Arbeiten für einen mäßigen Preis und bat um weitere Zusendungen. Nie habe ich vordem ein kostbares Geschenk mit so reiner Freude empfangen, als diese ersten Goldstücke, die ich mit meiner Hände Arbeit verdiente. 20. Februar. Onke! Edmund ha! geschrieben: ein r:kuer Versuch, mich umzustimmen, das Vergangene nach Möglichkeit zu vertusehen! Begreift er denn noch immer nicht, daß mich eine unwiderstehliche, innere Gewalt vorwärts treibt auf dem Wege, den ich nun einmal beschulten, daß es moralisier Selbstmord wäre wenn ich umkehrte? . Durch meine Bilder sKeine ich wieder mehr in den Vordergrund des öffentli- ' chen Interesses getreten zu sein. Man lauert mh bei meinen Ausgängen auf, selbst einige Besuche stellten sich ein, rsurden aber ausnahmslos abgewiesen. Soll ich der albernen Klatschsucht trotzen oder aus dem Wege gehen? 12. März. . Ich habe das letztere vorgezogen, ein Zeitungsinserat machte mich auf Riemberg aufmerksam, seit acht Tagen zählt

mich daZ hübsche Dorf zu seinen Bewohnern, und seit gestern habe ich mich entschlossen, immer hier zu bleiben. Die Brandung der großen Welt schlägt ihre Wogen nicht bis in dieses freundliche, Wald- und bergumqürtete Thal. Und für den Sommer bietet mir doch der Besuch der Sommerfrischler einigen an regenden Verkehr, wenn ich dessen bedürfen sollte. Doch, habe ich noch Menschen nöthig? Ich glaube es nicht. Mir ist. als hätte ich mich aus dem wilden Meer als Schiffbrüchige auf eine einsame, unbcwohnte Insel gerettet. Das Häuschen, in dem ich bei der Wittwe des früheren Pastors wohne, liegt ein wenig abseits vom Dorfe. Ich sehe auf den Wald hinüber, an dessen Rande die Konigliche Oberförsterei mir einen angenehmen Aussichtspunkt gewährt. Der greise Oberförster, ein altcr, derber Waidmann, mit einem goldenen Herzen und Humor, ist bereits mein treuer Freund. Schade, er will sich pensioniren lassen, doch hat er mir versprochen, jedes Jahr einzig um meinetwillen einige

ocyen m 'ilemverg zuzubringen. 17. März. Ich habe mich einige Tage recht UNglücklich gefühlt. . Ueber Nacht war der Frühling gekommen, ein würziger Hauch zog durch das schneefreie Thal, allüberall ein geheimnißvolles Regen und Leben, die berauschende Ahnung von kommender Sonne und Liebeswonne und nur in meinem Herzen noch alles starr und todt! Mir blüht kein Frühling mehr, da' ich selbst in thörichtem Hochmuth und Trotz die zarten Keime brach, aus denen mein Glück emporgewachsen wäre.' Ich selbst, ich allein trage die Schuld meiner Vereinsamung. Ich besaß ein Herz, ein starkes, treues Manncsherz, und stiefe es von mir; mir winkte ein Glück ohnegleichen ich trat es mit Füßen. Nun büße ich dafür mit meinem ganzen Leben, und recht geschieht mir aran! 23. März. Gestern Abend ließen mich die Thrä nen nicht weiter schreiben. Heute erkenne ich dankbaren Gemüthes, daß mir doch noch vieles geblieben i, vor allem Anderen die innere Befriedigung, das Bewußtsein, mich selbst überwunden und zur Entsagung gezwungen zu haben. Mir blieb mein Stolz darauf, die Erinnerung an so manche frohe Stunde, die Bildung und Geistesstärke, die mich über dumpfes Brüten erhebt, die Freude am Schönen in Kunst, Literatur und ?!atur, das Vertrauen auf Gott und die eigene Willenskraft, die Liebe zur Arbeit. Zufällig schlug ich am frühen Morgen den Mirza Schaffn auf und traf auf die .Stelle: Arbeit, edle Himmelsgabe. Zu der Menschen Heil erkoren, Nie bleibt ohne Trost und Labe, Wer sich deinem Dienst geschworen, ?ir entspringt der Weisen Labe Und dich meiden nur die Thoren. Ungestützt von deinem Habe, Ach. wie o t wär ich verloren! Lasz mich, edle Himmelszabe, Treu dir bleiben bis zum Erabe! Das hat mich wunderbar getröstet" und gestärkt. Welches Urtheil würde Auras nun über mich fällen, wenn er mein jetziges inneres Werden und Leben beobachten könnte? Vielleicht nein, gewiß ist es gut für mich, daß er es nicht kann. Sollte der aussichtslose Kampf, den ich kaum überwunden, nochmals beginnen? XVI. Es folgten noch einige Seiten in de zierlichen Buche, doch Brunhilde legte es nunmehr beiseite und trat an den Gartenzaun. Von der Oberförstern her rollte ein kleines Korbwägelchen heran, der weißoärtige Lenker im grünenRock hielt den wohlgenährten Braunen an und rief grüßend herüber: Waidmanns Hell! Wie geht's, FräuleinNach. barin? Wollen Sie mit zur Bahn?" Danke, Papa Rübezahl! gabBrun Hilde munter zurück. Ich hole ein Paar Damen ab." O ich kenne Ihr Latein." Nichts von Latein diesmal. (5ink Frau GutsbesttzerinRothberg theilt mir .mit, sie beabstchtige. das Heim meines neu ernannten Nachfolgers, ihres Cousins, häuslich einzurichten, und treffe zu diesem Zwecke heute mit einer Freundin hier ein. Der junge Herr ist noch, unverheirathet und kommt erst in vierzehn Tagen. Darf ich Sie bitten, meiner Schwester ein wenig zur Hand zu gehen und dann repräsentiren zu helfen? Wollen den Damen dsch mal zeigen, daß Riemberg eigentlich ein verfl ncbles Nest ist." Recht g:rn, ich schlüpfe sofort zu Fräulein Lorchen hinüber." ' Der Oberförster grüßte dankend und' fuhr weiter. Brunhilde drückte den einfachen, dreiten Strohhut auf das goldig leuchtende Haar und schritt über die Wiese. dem Heim des alten Freundes zu. Fräulein Lorchen, seine Schwester, und GarconWirthin, kam ihr entgegen wie - einer Lebensrettenn. Seit fünfzehn Jahren Zaben wir keinen Logirbesuch gehabt, und nun zwei junge Damen auf einmal und gew,iß recht vornehme, verwohnte, welche alles nach der neuesten Mode beanspruchen. Ich bin halb todt vor Anqst." Fräulein Lorchen, sagen Sie den Dc:n??n, es habe mir, der Gräfin Wilfcericf, in keinem Fürstenpalast so wohl gefallen, als zwischen den altmobischen Möbeln Jhr Stübchens. DaZ ist die vollkommene Wahrheit, und so mit können auch jene sich zufrieden geden," beruhigte Brunhilde lächelnd die schi'rchterne. alte Dame. Vor allemAn-j drren wollen wir uns in der Küche um-, sehen. Eine gute Limonade und ein'

paar Sandwiches dürften den Damen lieber sein, als Makartbouquets und gebrannte Holzmobel." Damit ließ sich denn auch Fräulein Lorchen beruhigen, freilich verging kaum eine Minute, ohne daß sie gefragt hätte, ob nicht Kaffee besser sein würde, als Milch, oder das bunte Gedeck Passender als das weiße Damasttuch, ob der Canarienvogel wohl im Logirzimmer stören oder die Damen eigene Bediennng mitbringen' werden .... und immer gab Brunhilde freundlichen, begütigenden Bescheid, mit emer Geduld, welche sie selbst früher als etwas Wunderbares. Unmögliches betrachtet haben würde. Nach einigen Stunden hielt daS Korbwägelchen wieder unter den Linden vor der Thüre. Brunhilde trat neben Fräulein Lorchen hinaus, dieGäste zu begrüßen. Die eine der Damen, eine etwas corpulente, behaglich und heiter aussehende Blondine, war zärtlich beschäftigt, der anderen bei dem etwas unbequemen Abstieg vom Wagen behilslich zu sein, und diese andere Brunhilde blickte noch schärfer in das bleiche, müde, schmale Gesicht, und erst als sie in den gleichgiltigen Augen ein leises. freudigesAufschimmern erkannte, wurde ihre Ähnung zur Gewißheit Betty?" Nur ein tiefes, krampfhaftes Schluchzen beantwortete den Ruf; die Heiden Mädchen hielten einander fest und stumm umschlungen. Fräulein Lorchen schlug mit einem lauten Herrjemineh!" die Hände über dem Kopfe zusammen, der Bruder marlirte sein Erstaunen durch einen halblauten Waidmannsfluch, und Frau EmWa Rothberg, geborene Würzburg so hatte sich die andere Dame inzwischen mit einer gewissenZungenfertigkeit vorgestellt lächelte vergnüglich vor sich hin. Nachdem man Fraulein LorchenS Kochkunst alle mögliche Ehre angethan, lieb n Betty wie ein müdes Kind zur Ruhe betten, und Frau Rothberg und Brunhilde wandelten mit einander langsam den Waldrand auf und nieder. Die behäbige, junge Frau besaß nicht wenig von dem trockenen Humor und der verständigen Weltklugheit ihres Vetters, hinter deren anscheinend derb zufassender Offenheit sich in Wahrheit eine sehr feine Berechnung verbarg. Also Sie sind die Gräfin VrunHilde, von der ich so viel gehört habe," begann sie ganz ungenirt. Von meinem Vetter, auch wohl von Betty im Anfang wenig Gutes, desto mehr freilich jetzt von deren Bruder." Herr Auras " Brunhilde fühlte zu ihrem Aerger, daß sie über und über erröthete. War erst vor einigen Wochen .bei uns, leider nur auf kurze Zeit. Seine Hütten- und Bergwerksgeschichte nimmt ihn zu sehr in Anspruch. Freilich wird er auch Millionär dadurch . . . Darf ich Ihnen erzählen, was er mir über Bettys Krankheit mittheilte?" Ich bitte." Frau Nothberg wußte genau Bescheid, und der hübsche Lieutenant . v. :t m : jci ca.CX..

i ivulve in uyiciii -ocuuyi ui ucuuuuuci l Schwärze gemalt. Kein Schmerzgefühl zuckte mehr in Brunhildes Herzen empor; sie konnte sogar lächeln über ihre thörichte Blindheit. Frau Rothberg fuhr mit einem scharf prüfenden Seitenblick fort: Ich bitte um Verzeihung, daß ich so offen spreche das von der Leber wlg reden liegt einmal im Würzburgschen Blute der Herr von Ruwe? ist doch kein Mann, um den ein Mädchen wie Betty lebenslang trauern kann? Ihr eigenes Beispiel beweist es." Brunhilde nickte stumm. Und doch ist Betty noch heute so gebrochen, wie an jenem Tage, als meines Vetters Dienstleute sie mir todtkrank ins Haus brachten. Der Körper ist genesen, der Geist noch nicht. Was habe ich alles gethan, sie aufzuheitern, für irgend etwas zu interessiren, damit nur einmal diese furchtbare Letharle ein Ende nehme! Alles umsonst! Sie thut ja, wozu man sie ermuntert, doch stets mit einer Miene wie ein Lamm, daö zurSchlachtbank geführt wird. Jetzt weiß ich mir keinen Rath mehr, obwohl ich sonst nicht zu Denen gehöre, welchen das Bischen Spiritus bald ausgeht..... Und ich habe das arme Mädchen lieb wie meine leibliche Schwester, und weiß auch, welche Hoffnungen Vetter Karl auf sie setzt der gute Junge, er thai so gut wie keine Aussicht; sie will ihn nicht einmal sehen." . Uebt nicht die energische, kraftvolle Persönlichkeit ihres Bruders einen heilsamen Einfluß auf sie aus?" Das wohl aber er ist an Liebenfelde gefesselt und Betty will nichts von einer Rückkehr dahin wissen . . Meine Kunst ist zu Ende, wenn auch nicht meineGeduld " Frau Rothberg drehte ein wenig verlegen, wie es schien, an ihrem Armbande und wandte sich endlich mit einer plötzlichen Bewegung an Brunhilde. Versuchen Sie es, Comtesse! Wenn in der That Jemandem, so kann es nur Ihnen gelingen; bedenken Sie, Sie retten ein junges, hoffnungsvolles Menschenleben.... Mir fehlt der Schlüssel zu BettyS seltsamem Wesen, vielleicht finden Sie ihn und das Wort, das diesen unheilvollenBann löst."' Brunhilde reichte ihr die Hand. ' Ich werde es versuchen, mein Wort darauf!" Fräulein Lorchen gesellte sich zu ihnen; das vertrauliche Zwiegespräch war zu Ende. Während FrauRothberg in den nachsten Tagen eine rege praktische Thätigkeit entfaltete, hatte Brunhilde Zeit und Gelegenheit genug, ihr Werk zu beginnen. Die Vorliebe, welche Betty einst für sie gehegt, schien sich noch vergrößert zu haben. Die beiden Mädchen ! waren unzertrennlich. Selten jedoch

wurde der gemeinsamen Lergangenbeit' erwähnt. Betty spräch überhaupt nicht viel. Jede Spannkrast. jeder Thätigkeitstrieb und Lebensmuth des einst so keck emporstrebenden Charakters schien vernichtet, jedes Interesse erloschen." Eines Tages sprach sie: Ich gleich: Ikarus. Auch ich wollte zur Sonne emporfliegen und stürzte zerschmettert in die Tiefe nieder." Zur Sonne empor an der Seite eines Mannes wie "?" entgegnete Brunhilde mit freundlichem Nachdruck. Die Paläste und Salons, von denen Sie träumten. Kind, bilden mit nichten die wahre Höhe des Lebens, und in dem schlichtesten Bauern, der dem armseligen Acker mühsam sein kärgliches Brot abringt, steckt oft mehr wirklicher Heldenmuth. als in irgend einem ordengeschmückten Officier..So hat mich Ihr Bruder gelehrt und ich habe es bewahrheitet gefunden." Betty schwieg, doch griff sie nach BrunhildeS Tagebuch und begann zu lesen. Diese ließ sie gewähren. Einige Tage später kam ein Brief von Viktor. Der Kammerherr lag krank darnieder und bat nochmals, die letzten Stunden eines Sterbenden durch das Versprechen des Schweigens zu erleichtern die nämlichen Phrasen und Beschönigungen. welche Brunhilde schon zum Üeberdruß gehört, zum Schluß eine überraschende Mittheilung: Ich habe mich mit Fräulein von Blachmann verlobt. Vielleicht nehme ich den Abschied und bewirthschafte die Güier meines Schwiegervaters. Du wirst diesen Schritt begreiflich finden, die Nothwendigkeit macht kühl überlegend und vernünftig. Von den Idealen meiner Jugend, von Glück und Liebe nehme ich freilich für immer mit blutendem Herzen.Ab-, schied. Zürne mir nicht!" Brunhilde reichte der Freundin den Brief. Ehe er den ernsten Kampf um das tägliche Brot aufnimmt, opfert er doch lieber einiges von seinen Vorurtheilen und heirathet die Tochter eines geadelten Güterspekulanten," sprach sie. Armer Viktor, ich glaube, daß es Dir nicht leicht fällt, die hübsche, bunte Uniform auszuziehen und auf Dein lustiges Cchmetterlingsleben zu verzichten. Du wirst Dich anfangs recht unglücklich fühlen, dann Dich daran gewöhnen und schließlich ein wenig verbauern und Dich ganz zufrieden geben mit Deinem guten Rothwein, Deiner Jagd und einem gelegentlichen kleinen Spielchen oder einem Abstecher nach Berlin." Und diesen Mann habe ich geliebt wie einen Gott," murmelte Betty selbstvergessen. So daß Sie ihn jetzt hassen? Nein, das verdient er nicht; er ist doch nur ein leichtherziger, gutmüthiger, schwacher Knabe, ein schwankes Rohr im Winde." Ihn hassen?" Betty schüttelte den Kopf, während zum ersten Male in diesen Tagen eine dunkle Röthe in ihre Wangen stieg. Nur mich selbst hasse ich, daß ich mich durch leere Worte bethören lassen konnte. Ich glaubte zu den Sternen emporzufliegen, gleich einem Adler, und war in Wahrheit nur ein Kind, das einen bunten Flitter für die Sonne ansah." Sie lachte voll unsäglicher Bitterkeit auf und ging raschen Schrittes heimwärts. Brunhilde ließ sie gewähren. " Die kleine Scene hatte ihr den längst erwünschten tiefen Einblick in Bettys Seelenlebn gewährt; nicht die verlorene Liebe drückte sie nieder, sondern die verlorene Selbstachtung, die Scham. Und nun begann sie mit leiser, doch fester Hand die Heilung. Das erste Bedürfniß, das wichtigste von allem, schien ihr eine bestimmte Thätigkeit. So lud sie kleine Obliegenheiten des Haushalts auf Betty ab; das Bereiten des Thees, das Gießen der Zimmerblumen, das Füttern' 'der Tauben. Frau Rothberg reiste nach Hause. Betty blieb, nicht weil sie, sondern weit Ändere es wünschten. Sie war noch v'öllig gleichgiltig gegen Alles. Eines Tages unternahm sie mit Brunhilde eine Wagenpartie, nach der Kleisstadt, um Einkäufe zu' besorgen. Als sie am Abend zurückkehrten, rief ihnen Fräulein Lorchen schon vonweitem entgegen: Wte gut, daß Sie kommen, Kind, ich bin ohne Sie wahrhaftig nicht fertig geworden." Und ich habe noch 'keinen Thee bekommen und die Tauben keine Gerste," fügte der Oberförster hinzu. Was soll das werden, wenn Sie einmal ganz von uns gehen? Alle Weiter, das ganze Leben wär' mir nicht mehr lieb; Sie bleiben ebenso gut in Riemberg wie Fräulein Brunhilde." Ein leises Glänzen zog über Bettys Gesicht war denn ihr Leben wirklich noch nicht ganz verloren, konnte sie noch Jemanden nützen, Achtung abringen? Etwas wie Beschämung regte sich in ihr; sie begann ihr dumpfes, schmerzerstarrtes Trauern mit Brunhildes kräftigem. zielbewußtem Emporringen zu vergleichen. 'Was diese ihr so oft von dem Seg?n und der Heilkraft der Arbeit gesagt, wurde nun auch ihr zur Wahrheit. Sie begann langsam auf-, zuleben. Brunhilde hütete sich wohl, sich ihre Abücht anmerken zu lassen. Sie "be griff, daß die gleichsam entschlummerte Kraft und Natur sich selbst helfen mußte, sollte nicht das Selbstvertrauen, fcurn erwachsend, schon wieder schwinden. Da traf von Frau Rothberg . die Nachricht eindaß Würzburg, der nach kaum dreiöierteljähriger Hast begnadigt worden war. in den nächsten Ta gen zur Uebernahme der Oberförsterstelle in Riemberg eintreffen werde.

Durch Fraulein LorchenS Unbedachtsamkeit fiel der Brief in Bettys Hände und nun schien alles wieder verloren. Sie erklärte, Würzburg nie wieder be geznen zu können, und rüstete sich zur sofortigen Abreise. Vergebens bat daö alte Geschwisterpaar, vergebens entwickelte die Gräfin alle möglichenVernunftgründe Betty dachte nur an jene Nacht, in welcher Würzburg sie an der Mauer von Wildenhos gesunden, sie glaubte vor Scham unter dem Blick seines Auges, sterben zu müssen. Brunhilde faßte einen ihrer raschen Entschlüsse; eine halbe Stunde später trug sie selbst eine ziemlich ausführliche Depesche zur Postagentur. Der Adressat war natürlich Würzburg. Sie hatte berechnet, daß er unter den günstigsten Verhältnissen am anderen Mittch eintreffen konnte, und ging, von innerer Ungeduld getrieben, ihm sogar eine Strecke auf dem Wege zur Bahnstation entgegen. Ein Wagen rollte heran. Sie erkannte eine grüne Uniform und winkte schon von weitem mit dem Tasckenwch. Gehorsamster Diener!" rief Würzbürg und sprang aus dem Wagen, noch ehe er hielt. Sie können zurückfahren, Kutscher... gnädigste Comtesse, ich habe Sie erwartet und benutze die erste Minute unseres Wiedersehens, um demüthigst Ihre güt.ige Absolution zu erbitten. Ich habe Ihnen einst inWort, Gedanken und That viel Unrecht angethan." Doch nur, wie ich es verdiente; desto bessere Freunde werden wir Hossenilich nunmehr sein," gab die Gräfin zurück und streckte ihm die Hand entgegen. Er schlug kräftig ein. . Meine Coustne und mein alter College sind Ihres Lcbes voll, ich habe mich dabei geschämt wie ein Pudel. Die sprichwörtlichen glühenden Kohlen sind etwas sehr Unangenehmes, wie ich Ihnen versichern kann." In ziemlich schnellem Tempo schritten sie auf einem Raine der Oberförsterei zu. - Würzburg war ganz der Alte, wohlgenährt, beweglich, von anscheinend unverwüstlichem Humor. Man sah ihm weder die Festungshaft noch Gewissensbisse an. Erst als nun die Gräfin von Betty zu sprechen begann, verwandelte sich sein Lächeln in nachdenklichen, trüben Ernst. Das arme Kind ich wollte er schwieg, aber er preßte die geballte Faust gegen die Brust, und die blühende Röthe seines Gesichtes ging für eine Minute in ein fahles Gran über. Endlich standen sie an der Gartenthüre. Durch den wilden Wein der Laube schimmerte ein Helles Frauengewand. Würzburg küßte Vrunhilden stumm die Hand, und während sie sich langsam ihrem Häuschen zuwandte, schritt - er vorsichtig, doch schnell der Laube zu. Das Verdunkeln des Einganges ließ Betty aufschauen. Am Abend wollte sie abreisen, hatte sie beschlossen . . .. nun stand der, welchem sie Qus rm Wege zu gehen trachtete, vor ihr, so unbefangen und schallhaft lächelnd, wie sie ihn hunderteMale in Wildenhof gesehen, ihr vertraulich und ruhig die Hand entgegenstreckend, als wäre nichts Besonderes vorgefallen seit jenem Tage, da ComtesscBrunHilde in das Schloß ihrer Väter einZog. ' t Sie versuchte emporzusprmgen und zu fliehen, doch die zitternden Kniee versagten ihr den Dienst; sie wollte sprechen, schreien, ihre Kehle war wie zusammengeschnürt. Unfähig, ein Glied zu rühren, sank sie auf die Bank zurück. Mit festem Griffe erfaßte Würzburg ihre Rechte und behielt sie- zwischen seinen beiden Händen, indem er sich dicht neben sie setzte. , Gutekk.Tag. Fräulein Betty ... wie es scheint, betrachten Sie mich wohl gar als meinen eigenen Geist. Bitte, überzeugen Sie sich von meiner Körperlichkeit, sintemalen Geister nicht Mittags um zwei Uhr zu erscheinen pflegen. Endlich gab die Sklaverei Den gefangenett Joseph frei. Ich hoffe, es hat Ihnen in Riemberg besser gefallen, als mir in meinem etti zs beschränkten Festungslogis ..." Und stch umschauend: Ein reizendes Nest, das mir die hohe Regierung ausgesucht hat. Sehen Sie da unten den Bauernlümmel im Grase liegen? Seine Kühe weiden schon in Nachbars Klee, aber er ist zu - faul aufzustehen, und klatscht nur' mit der Peitsche. Was für eine wunderbare Idylle! Man denkt gleich an warme Kuhmilch trinken und Butterbrot nrit Weichquarg essen!". Noch immer hatte Betty die Augen nicht erhoben. Sie erkannte die versteckte Absicht seiner harmlosen, langen Rede, doch nichts blieb ihr ferner als Ruhe. - ; ' Mit Mühe preßte sie endlich hervor: Sie sind sehr gütig, Herr Würzburg, doch" Nicht auch ein wenig liebensw'Ilrdig, liebenswerth?" warf er ein. ' . Werth der besten Liebe, gewiß! Und darum lassen Sie mich Ihnen Lebewohl sagen," sprach sie, alle ihre Kraft zusammenraffend. Sie zog ihre Hand us der seinen und sah ihn zum erstenmale an.' mit einem. so trostlosen, , lebensmüden. Blick, daß es ihm wie ein Schauer bis tns tiefste Herz ging. Sie können noch nicht vergessen haben,- wie thöricht ich einst sprach und handelte. Ein Adler glaubte ich Zu sein, der zu deI Lebens sonnigsten Höhen empor zu steigen vermag, und nun " Entpuppt sich ein schüchternes Vogelchen, das in ein ganz kleines, bescheidenes und noch glllcklicheres!flesichen gehört," fiel Würzburg ein. , indem er mit bewundernswerther Gewandtheit seinen Arm um ihre Hüfte schlang und ' sie fest an sich zog. , Vergeblich sträubte sie sich gegen seine

Überlegene Manneskraft. SchNeßkiH brach sie in ein krampfhaftesSchluchzen aus und schmiegte sich nun in der That wie ein. müdes, gejagtes Vagelchm kraftlos in Würzburgs Arme-. O, ich danke Ihnen " stich sie ruckweise zwischen ihren Weinanfallen hervor Sie sind so gut, so freundlieh aber es ist doch nur Mitleid. nichtsANderes, und darum mutz ich von Ihnen gehen nie könnten Sie mich noch lieben und achten! So leichtgläubig, thöricht und unbesonnen setzte ich mein Glück und meinen Ruf aufs Spiel nun sind beide für immer dahin ich darf Sie nicht mehr " Was denn nicht mehr?" sagteWürzbürg lächelnd, obwohl auch ihm ganz eigenthümlich feucht um die . Augen wurde. ,Du meinst: lieben, küssen? Hast es ja noch nicht probirt, mein Täubchen! Aber Du probirst es doch mit dem einfachen Grünspecht und dem kleinen Nest, das er für Dich bauen will." Er küßte ihre Lippen, und als sie sich nochmals loszureißen versuchte, flüsterte er schalkhaft: Du mußt ich zwinge Dich Dein Herz klopft so stürmisch in dem meinen und jeder Schlag sagt deutlich: Ich liebe Dich doch und zwar mich nur, weil ich mal an einen andern Schatz gedacht!" .... Gib Dich zufrieden, Schatz, das ist schon ganz Anderen els uns passirt. Wir wollen es vergessen Hand darauf! Und ich verlangt nichts Anderes, als daß Du nicht gar zu sehr schmollst, wenn Wolf oder ein Anderer Dir mal über meine Studentenbräute ein Licht aufstecken sollte, das auf meine frühere Moral und Beständigkeit einen ganz verteufelten Schlagschatten wirft Also: unser Schvldbuch sei vernichtet! und nun. Du Einzige, Holde, Liebe, der ich immer treu sein werde " Gewaltsam hob er das gesenkteKöpfchen empor, so daß er in ihre Augen zu sehen vermochte. Und diese beiden thränenfeuchten Augenpaare sprachen noch überzeugender und die Lippen folgten ihrem Beispiel, indem sie sich in heißen, wilden Küssen zusammenfanden. Fräulein Lorchen fiel vor Erstaunen fast in Ohnmacht, als Würzburg sich verstellte und zugleich seine Verlobung mit Betty erklärte. Noch innigereFreude empfand VrunHilde. Ihr war, als habe sie eine schwere Schuld abgetragen. Zlin vergingen die Tage in heiterster Geselligkeit. Der Umzug des alten Oberförsters, der sich ein Häuschen unweit der Oberförsterri für den Sommer gemiethet, die Neueinrichtung der Wohnung und der Wirthschaft gaben Anlaß zu fröhlicher Thätigkeit, in der Betty binnen wenigen Tagen ihre frühere geistige Spannkraft wiederfand. Es war ja ihr künftiges cigenesHeim, das sie schmückte. Malwine und Johann, die ihrem

jungen Herrn, gefolgt waren, nannten sie mit Vorliebe schon jetzt unsere gnadlge junge Frau. Merkwürdigerweise sprach Betty', welche zu Brunhilde übergesiedelt war, fast gar nicht von Auras, zeigte auch nicht den Mef, welchen er ihr auf die Verlobüngsnachricht hin geschrieben. Wohl nicht mit Unrecht zog die Gr'äsin daraus den Schluß, daß jener Brief sich auch mit ihrer Persönlichkeit be' schäftigte. Bestärkt wurde sie darin durch eine zufällige Bemerkung des alten pfiffigen Kutschers, daß sein Herr Besuch erwarte, und nun war sie es, welche an Flucht, an plötzliches Verreisen dachte. Ein Auftrag ihres Kunsthändlers mußte den nöthigen Vorwand dazu liefern. Kaum hatte sie in ihrerJelängerjelie-ber-Laube den Entschluß gefaßt, als das Mädchen ihr einen fremden Herrn ! . - r r r ' ti r i . l nmeioeie einen jenr seinen, . sugie es naiv hinzu, und flog, ohne einen Befehl abzuwarten, in seineN'Holzpantoffeln klappernd davon. ' Auras! klang es in Brunhildes Herzen . . .. Noch ehe sie einen andern Gedanken zu fassen vermochte, stand der Besucher vor ihr, jedoch nicht Auras, sondern die nicht minder bekannte Ge-: stalt des Grafen Hohenau,. die in dem englischen Touristenanzug noch länger und hagerer erschien, als sonst. Er verbeugte sich sehr tief und näselte: Auf Ehre, Comtesse, Sie machen es Ihren Getreuen schwer, Sie zu finden zum Gluck erfuhr lch Ihre Adresse.durch Cassini." Cassini war der Kunsthändler. Die Gräfin bot dem langen Lieutenant einen Stuhl. Sie hatte Mühe, sich in diese Enttäuschung zu finden, doch erwiderte sie freundlich: Ich danke Ih nen für Ihr Interesse, Graf. Sie sind . sehr liebenswürdig, der einzige Freund, der mich nicht vergessen hat." O ich- bitte Sie! Wie wäre es denn möglich! Ich begreife diesen Viktor nicht, auf mein Ehrenwort, ganz und gar nicht!" . Ich bin eben arm geworden, lieber Freund das eine Wort erklärt alles genügend." Wirklich?" .Gewiß!" . Der lZraf zerrte an seinem spärlichen Bart und' schnate ein paarmal nach Luft, wie ein Fisch auf dem Sande. 9 (Schluß folgt.) Die Frage wurde einem Schüler von seinem Lehrer gestellt und der Schü ler antwortete: Selbstbeherrschung ist. . rcran ein Lehrer zornig geworden ijl und ' einem Schüler eine schlechte Note geben möchte, aber an sich hält und es nicht thut." Operateur (zu cir-:ni Patienten): Ich muß Sie bitten voraus zu bezahlen?" Patient: ..Vorauszubezahlen? Weshalb?" Operateur: wenn die Operation villeicht nicht glücklich ver laufen sollte, könnte ich Schwierigkeiten haben, mein Geld zubekommen!'

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Dies Tage wurde in Berlin ein boüzeit gefeiert, bei welcher, wie dies in der Ueberschrift angedeutet ist, ei ganz gewöhnlicher Jehnpsennlg Niael )ie Rolle deS Heiratsvermittlers ge spielt hat. Die Geschichte, die von ei ner den .Betroffenen" nahejtehendea Dame mitgetheilt wird, ist d e: ES war an einem naßkalten Tage bor dem Weihnachtsfest. Die Pferde, bahnwagen wurden besonder in den Nachmittagsstunden von Leuten ge, stürmt, die noch die letzten Einkäufe de sorgen wollten, als Fräulein F., die eZ sehr eilig zu haben schien, so glücklich mar, noch einen Platz im dichtbesetzten Wagen zu finden. Die Dame hatte kaum die Freude ''ber den errungenen Sitz empfunden, tö sie auch schon mit nervöser Hast die Taschen ihres Kleide durchwühlte; denn o Schrecken, in dem Muff, in wel chem sie doch stets das Portemonnaie aufzubewahren pflegte, hatte sie eZ nicht gesunden. Gerade wollte sie den nun nahenden Kondukteur bitten, sie wieder aussteigen zu lassen, als eine ihr gegen übersitzende Dame mit 'verbindlichsten Lächeln sich erbot, den nöthigen Nickel für Fräulein F. auszulegen. Das mit vieler Freundlichkeit erfolgte Aner bieten der gütigen Fremden wurde gerrk angenommen, nachdem dieselbe auf Be fragen iksre Adresse angegeben hatte. Da jedoch die Dame ihrem Namen weder ein .Frau" noch Fräulein- vor setzte, beschäftigte sich Fräulein F. den ganzen Weg über eifrigst mit der Frage, ob ihr freundliches Gegenüber, welches etwa die Mitte der 30er Jahre erreicht haben mochte und so viel Anmuth tnt wickelte, wohl einen Trauring auf der rechten, linken oder gar keinen Hand trage. Zwei Straßen vor Frl. F. stieg die Tame aus. nachdem sie sich mit freundlichem Kopfnicken verabschiedet batte. Noch am selben Abend beglich Fräulein F. mit vielem Dank ihre Schuld. Am ersten Feiertage ging Fraulein F. in Gesellschaft ihres Bruders, eines Baumeisters und stattlichen Dreißigers, in ein Theater. Der Zufall wollte es. daß der Platz neben dem des Baumei sterS von einer Dame eingenommen wurde, auf welche das Fräulein F. zu erst nicht achtete, die jedoch durch ihre hübsche Gestalt dem jungen Baumeister aufsiel, der seiner Schwester eine bezüg liche Bemerkung zuflüsterte. Fräulein F. erkannte in der Dame, die sie nun näher betrachtete, sofort die ..Retterinaus der Pferdebahn wieder, und e5 entspann sich natürlich ein Gespräch, in dessen Verlauf das Geschwisterpaar er fuhr, daß die Nachbarin die Wittwe eines seit drei Jahren verstorbenen In genieurs sei, der ein Schulfreund des Baumeisters gewesen ist. Als achtzehn jähriges Mädchen hatte sie geheirathet, und vier Jahre in glücklichster Ehe ge lebt, als ihr Gatte von einer Lungen entzundung dahingerayt wurde. Man plauderte noch viel in den Pausen, kam vom Hundertsten in's Tausendste und begleitete nach dem Theater die neuge toonnene Freundin bis zu deren Woh nung. Beim. Abschied versprach man sich, bereits in der Festwoche mit dem so viel versprechenden freundschaftlichen Ver kehr zu beginnen. Dies geschah auch, und als man am Sylvesterabend sich wieder zusammengefunden hatte, und der Glockenschlag 12 das neue Jahr ver kündete, da gab es ein Brautpaar und ein paar frche Herzen mehr in der Millionenstadt Berlin. Beim Punsch pries man die Vergeßlichkeit des Fräu lein F., ohne welche die Verbindung deZ Baumeisters mit der reizenden Wittwe toohl kaum zu Stande gekommen wäre! Dieser Tage hat nun, wie Ein ZlangS angedeutet der Roman aus dem Vserdebahnmagen" durch die solenne bschzeitsfeier einstweiligen fröhlichen Übschluß gefunden. DerEhef der SanitätS abtheilung auf Ellis Island, Dr. W. N. Whceler, welcher vor einiger Zeit mm Zwecke einer Inspektion der AuS vanoerungshäfen nach Europa gesandt wurde, hat an den Einwanderungs kommissär Senner von New )ork über die italienischen Häfen Folgendes aus Antwerpen berichtet: Aon Genua be sorgt der Norddeutsche Lloyd den Trons dort der Auswanderer des nördlichen Italiens. Diese sind in jeder Be Ziehung den Leuten aus Süd-Jtalien und Sizilien vorzuziehen und werden bor der Abreise jeweils einer strengen Inspektion unterworfen. Von Neapel aus befassen sich fünf Dampferlinien mit dem Emigranten'Transport nach New Z)ork. ZurlLerhütung der Con ' kurrenz haben dieselben einen Poolgebildet, berechnen aber L6 weniger, als die Fahrt nach Neapel kostet. Sie spediren Neapolitaner und Sizilianer. Die Echisssgesellschaften haben keine direkten Agenten, sondern gehen Eon trakte mit Maklern ein, welche so und so viele Passagiere für ein Schiff zu liefern versprechen. Wer am meisten Commission bezahlt, erhält die meisten Auswanderer. Die Vorkehrungen und Einrichtungen für diese sind nicht gut. Eine durchgreifende Inspektion wird in Neapel durch den Umstand erschwert, daß die Schiffe nicht an den Werften liegen, sondern in der Bai. Die Pas sagiere werden in kleinen Ruderbooten übergesrtzt. Neuerdings ist ein Ge baude errichtet worden, in welchem Auswanderer geimpft und inspirt werden. Weder in Genua noch in Neapel herrscht zur Zeit eine anft.cckende Krankheit. Gegenwärtig ist die Aus Wanderung flau und wird bis im Herbft so bleiben." Die ländliche Kassa n d r a. Warum weinen S' denn gar so sehr. Mutterl?" O mei. o mei, mei Bruder iZ g'storb'n! I hab'S glei g sagt, wie m'r zu seiner -Tauf' gangen (an, daS Kind lebt net lang', 'weil a schwarze Kay g'rd üker'n Weg gclau sen is. Und richti iS das Unglück ein troyen". ' Wie alt war denn daS ttmd?" .Siebenundsechzig Jchr".