Indiana Tribüne, Volume 16, Number 297, Indianapolis, Marion County, 16 July 1893 — Page 2
Sie TliV)U auf heu H)he Von Paffy.
Ein Seitenstück zu der bekannten Anekdote von der Mühle von SanSlouci theilt General Montholon in seiner Geschichte der Gefangenschaft Napoleons auf St. Helena mit.' Der Kaiser wollte auf den Höhen von Passt), dem Mars selbe gegenüber, den Palast für den kZönig von Rom. seinen Sohn, bauen lassen, mußte aber zu diesem Behufe nicht nur den Grund und Boden zum Bau. sondern rch die auf dem Platze besindsichen Gebäude erwerben. Nun besaß ein armer Böttcher daselbst ein Haus, welqes nothwendiger Weise ab getragen werden mußte. Es wurde von den Baumeistern auf 1000 Francs tarirt und mit dem Eigenthümer ver handelt. Dieser jedoch, welcher dachte, daß sich eine so günstig Gelegenheit, riii hübsche? Stück Geld zu verdienen, nicht zum zweiten Male bieten würde, verlangte 10.000 Francs. Der Kaiser befahl, ihm die geforderte Summe aus zuzahlen. Doch die unerwartete Frei gebigteit Napoleons machte den 23ött cher noch habgieriger: er sagte, der Kaiser störe ihn durch die Hinweznahme seines Häuschens in seinem Gewerbe, .er wisse nicht, ob eran einem anderen Orte sein Brod wieder finden würde und müsse deshalb 30,000 Frcs. fordern. Der Kaiser, als er das hörte, versetzte: die Forderung ist allerdings eine höbe, jed-och haben die GrUnde des , Mannes etwas für sich; man zahle ihm die 30.000 Francs und lasse mich von der Sache nichts -mehr hören." Doch auch jetzt war der Eigenthümer nicht zufrieden, er stellte vor. was ihm die Niederlassung und Einrichtungen Pa ris kosten würd? und schloß damit, er könne das Haus nicht unter 40,000 Francs verkaufen. Napoleon wurde über diese uncerhältniVmäßici hohe Forderung zwar anfangs ärgerlich, be fahl aber dennoch die 40.000 Francs zu zahlen. Drese Nachgiebigkeit diente jedoch nur dazu, den Böttcher in seiner Forderung noch unverschämter zu machen; als man den Eontrakt mit ihm abschließen wollte, nahm er sein Wort zurück und verlangte 50,000 Francs. Da aber war die Geduld des Kaisers erschöpft. Er ist ein elender Menschl. sagte er. und ich mög nun seine Hütte nicht, sie soll da. wo sie ist, stehen blei ben als ein Zeichen meiner Achtung vor dem Gesetze." Eine sparsame Hofhaltung. An dem Hofe des Herzogs Albrecht von Preußen, des letzten Hofmeisters des deutschen Ritterordens, welcher den Ordensstaat Preußen in ein weltliches, unter polnischer Lehnsherrschaft stehen des Herzogthum verwandelte, ging eS sehr sparsam zu. Dessen ungeachtet tonnte der Herzog zuweilen niH .die Kosten für den'Hofhalt bestreiten. Als er sich am Johannistage 1526 mit Dorothea, der Tochter des Königs Friedrich 1. von Dänemark vermählte, bat der ritterliche Bräutigam den Räch der Stadt Königsberg. :ihm dreihun dert bewaffnete Bürger, welche sich des Volltrinkens enthalten könnten.und alle einträchtig 'schwarz und.weiß an Hosen, wie an Wämsern gekleidet seien." zu senden, dar selbst keine Tienstmanuen habe. Sogar die Abhaltung eines Rit terspiels, welches zur Feier der Ber mäyluag stattfinden sollte, streß an fangs auf große Schwierigkeiten. ' - Der Oberhofmarschall 'Friedrich von der Oelsnitz sollte . die Vorbereitungen zu dieser Feier treffen, doch lehnte er den Auftrag mit den Worten turzweg ab : .Wir werden, auch ohne den Har nisch abzulegen, die Treppen genug auf und nieder zu Turnieren haben:" Als dann schließlich doch das Turnier ver anstallet wurde, fehlte ;5 an .guten Pferden.. Man mußte , sich dieselben von Privatleuten leihen, denen man Schadenersatz versprach, lfallsdie Thiere in d?m Turn verletzt oder gar ge tödt?t werden sollten. - Diese Sparsam keit des Herzogs steht in auffallendem und wohlthuendem Gegensatz zu der maßlosen Verschwendungssucht mancher Fürsten jener Zeit, undnst Albrecht von Preußen um so hoher anzurechnen, tn er pie Gelder, welche er durch Vermei dung aller nur irgendwie nicht noth rocndigen Ausgaben in seiner Hrftal tung ersparte, zur Förderung von Kunst und Wissenschaft, sowie zur.Er richtung von Volksschulen willig hin gab. Edle Seelen.' Jki einem kleinen Städtchen wohnen, drei alte, thiersreundliche Fräulein. - ' Dieselben sind im Besitze dreier Katzen, (die mit allem Guten gesüitert werden. Der freche Mops der Hausfrau hat dies schon längst bemerkt uud stellt sich des halb regelmäßig zur Essenszeit in, um ' den KaZen, zum Aerger Der d&i Fräu lein, das Beste wegzufressen. Den MopS fortzujagen, geht gegui ihr Ge sühl. Sie studiren sich ' frecher etwas aus, um den fremden Eindringling aus die humanste Weise fernzuhntten .und füttern denselben so dick üxlo kugelrund, daß er absolut nicht mehr durch die Gitterthüre der Wohnung tommen kann. . , Schlau. Der Bauer Johann Michael Haas sammt zum Landrath und muß da mehrere Schriftstücke un terzeichnen; nachdem er mehrere Male langsam und mit großen SchmieriHkei ten sein .Johann Michael Haas gemalt hat, öiird der Leamke. der uech viele Partein abzufertigen hat, ; unae duldig und sazt:. Aber so kürzen Sie doch etwas ab.- . .IS. sehr recht, Gna. den, Herr Mbrath," meint der-Bauer und unterschreibt die übrigen Protocolle mii .Johann Michael Haa." : , Der. schlaue Wirth. Gast: Aber sagen Sie. Herr Wirth das hier soll Rennthirr Braten sein, wie Sie ankündigen? Ich hege die starke Vermuthung, eö ist gewöhnliches Pscrde fleisch. Wirth: Aber. Euer noökn, M ttnn't Pferd kein Rknnthier'l!
Wer zuletzt tischt!
Eine Napoleon-Ermnerünci von E. Rossi. Josesme schmollte! Die schone Kai. serin veranstaltete mit Vorliebe kleine Liebhabertheatervorflellungen ;ihr kirnst verständiger Gatte aber, der Verehrer eines Talma und einer George, fand indeß wenig Gefallen an diesem Dilet tantiSmuS bei Hof, obgleich er gegen denselben keinen Einspruch erhob. Wenn aber schon daS Lustspiel an sich wenig auf ihn wirkte, so langweilten ihn diese unkünftlichen Leistungen im Vaudeville besonders, und als die Kai serin ihn eines TageS frug. & es ihn vielleicht v.tteressiren würde, wen sie im Lustspiel: Jeannektons Schäschendie Rolle der schönen Schäferin selbst übernehmen werde, lachte er ihr gerade, zu ins Gesicht: Nein, nein. Josefine, begnüge Dich mit der Rolle einer Kai. serin auf dem Thron im Welttheater und mit der Nymvhenrolle in meinen Armen aber Du hast gar kein Talent, absolut 'kein Talent sür die Bühne und ich sage Dir. wenn -Du dennoch, gegen meine Warnung. Dich lächerlich zu' machen, ein Debüt versuchen solltest, so werde ich als der Einzige, der ehrlich sein kann und darf. Dich ohne Gnade auszischen!" Nun schmollte sie sollte sie ihren Lieblingswunsch aufgeben oder sich auf sein Ausfischen gefaßt machen? Sie wußte, daß er dessen fähig war; zu klug, um ihm offen Widerstand zu lei sten, sprach sie nicht mehr von ihrem Vorsatz, ftudirte aber mit Vertond im Geheimen die Jeannetton". deren Rolle neben naiver Plauderei Gesang und Tanz verlangt, desto .eifriger; , an irgend einem Abend, an welchem der Kaiser nicht anwesend sein würde, wollte man die Aufführung veranstal ten. Napoleon schien von nichts zu wissen, man sprach also nicht mehr von iem Liebhabertheater. Trotzdem fiel gerade 'in dieser Zeit dem Kaiser ein, wie sehr er stets da; Theater geliebt, und wie er nach der Eroberung von Toulon, wo er ohne Mittel und in unfreiwilliger Geschäfts, losigkeit in Paris lebte angeregt urch den Verkehr mit einigen Schauspielern des Theatre Francais, auf den Gedan ken ogdommex, sich durch dramatische .Schriftsteller eine Hilfsquelle zu erö.j nen. Schon als Jüngling hatte er den Umriß einer Tragödie Hektor" ent warfen, ein Trauerspiel m Alerandri nern ehe .aber die Vollendung mög lich, wurde er zu neuer militärischer Thätigkeit bufen. und das Drama ruhte unter den kriegerischen Lorbeeren des Kaisers vergraben. Jetzt aber suchte er Dies ihm liebgewordene Stück hervor und'übergab .es dem Dichter Luce de Lanceval, Verwässerter Achmelde,, der hin und wieder bei Eugen und Hör ten'e als Vorleser fungirte. Es war jedoch zwischen Napoleon und dem Dich, ter tiefes Geheimniß, denn der Kaiser w5lltedas Stück .auf der. Bühne zum Leben'erstehen sehen, sichaber vor jeder Kritik schützen. Mein Sinn, der so sehr auf Pra! tischcs' gerichtet ist," schrieb er u. A. an Lancevul,tann in der cheinmelt nur durch ldas Großartige und Erhabene befriedigt. werden, und diesem versage ich zu keiner Zeit meine Bewunderung. Vorzüglich liebe ich die Tragödie, sie erwärmt die Seele, erhebt das Herz und kann unduß Helden erzeugen. Die höhere Tragödie war .stets die Schule .großer Männer : es -ist die Pflicht der Fürsten, Dichter dazu er. muntern, es ist iihre Pflicht Ichre Werke zu verbreiten ! Frankreich ht vielleicht Eorneilleeinen Theil seines Ruhmes zii danken! Auch Racine muß ich joben, aber Voltaire schätze ich nicht ;er' ist voll Schwulst und falschem Flitterstaat, er kennt weder -die Welt noch die Menschen, . weder, die Wahrheit noch die Größe der menschlichen Leidenschaften' im Mahomev z. B. hat er sich gleich schwer an über Geschichte, wie .am menschlichen Herzen vergangen. Er besticht den Leser .nur für den Augen. blick durch äußere Kunst, deshalb, mein lieber Lanceval. lassen Sie meinen HektorEntmnrf bestehen und füllen Sie nur. die Form! Keine Umarbeitung, nur eine llebcrarbeitung!" Diesen Brief sand Josefine in einem Exemplar des Eid, das der vorlesende Dichter, zerstreut und unvorsichtig ae nug, im Nebenzimmer liegen gelassen, sie wußte nun. idaßd.'r Kaiser ein Stück HeHo?" geschrieben, und sie brütete auf Rache und Genugthuung, denn inzwischen war Jeannetton", das heitere Liederspiel, für sie wirklich zur Tragödie getvordel. ' Kurz vorher war Napoleon nämlich aus drei Tage verreist sofort war Probe am ersten Tag. Generalprobe am zweiten uud Hofvorstellung zum dritten Abend angesagt.' Die sonst so unmuthige Frau aber war, wie Nap. leon mehr ehrlich als galant behauv tete, wirklich sehr talentlos für die Bühne, und ihr Gans, itre Sprache, ihr Tanz und Gesang ein solches Ge misch von Unnatur usd falscher Be tonunA. daß nur der gernaltige Respekt und die große Falschheit d.er Hofleute einen Elat verhüteten. Die unter drückte Heiterkeit der Spötter durfte sich in Veifalllachen und L lutschen entladen) unö jede Tirade. jede Scene rief' dn? brausenden Applaus tes ser ivilen AudiUriums bervor. . Besonders nach Fallen des VorhaugZ cm Schluß ! ' Da ertönte plötzlich tin gellender Pfiff und in die schnell ei. Zretene Stille des Entsetzens, ein an haltdS Zische. Unwilliges. Rufen vrde laut, mau suchte nach dem Ur Heber dieses unerhörten Skandals, da jtaz die Gardine der kleinen kaiserlichen Seltenloge, zurück, die so lange dunkel uud, wie man glaubte, unbesetzt ge' wesen, und der Kalser, der Kaiser" tönte es durch das Auditorium, welches nun vor Schreck vööig verstummte. Ja, cs war der Kaiser, der, von Allem untcnichtet. heimlich zurückae
kehrt war Nun richtete"' sich noch einmal voll auf, zischte in die lautlose Stille noch ein paar' Sekunden kräftig hinein und verschwand dann, , indem er sehr deutlich accentuirt zu einigen Ossi zieren in der Nedenloge sagte: M, muß gestchen, daß dies eine kaiserlich schlechte Leistung' war!" Die schone kaiserliche Schauspielerin war innerlich' sehr erbost, äußerlich aber lachte sie. Auch dann als der Kaiser ihr, später unter vier Augen sagte: Wenn man sich aufs Theater wagt, muß man eS sich gefallen lassen, iritisirt zu werden, und wenn die Kai serin Komödie spielt, so darf der Kaiser sich auch wohl erlauben, ihr Kritiker zu werden . und sie auszufischen-. Noch mehr aber lachte sie, als sie nun das Schreiben ihres Gatten an Lance val las. Also uch er hatte, ohne Talent für die Bühne, Lust, sich auf die Bretter zu wagen? Sie war we igstens ehrlich genug gewesen, sich in Person zu kompromiltiren, ihr Bona varte ai?r versteckte sich hinter dem Namen eines bereits berühmten Dich kers? Warte nur-, lächelte sie. als sie den Brief heimlich wieder in den Eid barg wer zulekt zi'cht!-, Ihre Ans'cht, daß das Stück trotz Lancevals glänzender Ueberarbeitung nichts tauge, wurde durch die Thatfache befestigt, daß die Direktoren des Theatr franoaia, die den alternden Dichter, der aus der Mode gekommen, für den Verfasser hielten, 'das Stück als ungeeignet zurücksandten. Aller dmgs ging ihnen das Licht der Wahr heit auf, als sie das Manuskript so gleich mit dem Kabinetsbejehl zugesandt erhielten: Die Schauspieler' deS " Theatre franoais werden von Heute ab in einem Monat diese Tragödie, die man die Dummheit gehabt hat,' zurückzusenden, ausführen. Napoleon.So kam der Premieren Abend 5eS Hektor" heran' das Theater war von dem distinguirtesten Publikum gefüllt, .in derofloge saß Napoleon mit Jo sefine und ihren beiden Kindern. DaS Stück, dessen Urheberschaft die Direc tion richtig muthmaßte, -war brillant einstudirt und wurde so vorzüglich ge spielt, daß ein wirklicher Erfolg statt fand, nur daß man das Spiel mit dem Inhalt verwechselte das Drama war im Aufbau, trotz der blendenden Verse LancevalS sehr schwach. Als man nun .aber den Verfasser rief und der greise Poet, . schüchtern ob dcS fremden Besitzrechtes, auf der Bühne erschien und sich ties Dor der kaiserlichen Loge verneigte, erhob sich plötzlich die Kaiserin zu ihrer vollen Höhe und stieß einen anhaltenden Zischlaut aus. Madame was thun Sie?- rief der Imperator verletzt. . Josefine aber deckte ihr Schelmenlächeln mit dem zarten Spitzentuch und flüsterte in spöt itischer Travestie jenes Momentes: 65 kommt nur darauf, an, Majestät, wer zuletzt zischt! Wenn man sich auf's Theater wagt, muß man es sich gefallen lassen, lkritisirt -zu werden, und wenn ider Kaiser Komödien schreibt, so darf die Kaiserin eS sich auch wohl erlauben, sein Kritiker zu, werden und ihn auS zuzischen!-. .So war's .gemeint?! lächelte ?!a ipoleon, Du haft eln gutes Gedächtniß also .nur Eittlkeitsrache! Aber der 'Erfolg ist doch wahr und echt, trotzdem das Publikum in Lanceval den Dichter sieht und nicht .dem Kaiser den falschen Beifall spendet. Es kommt also, wie Du siehst, nicht darauf an, wer zuletzt fischt, sondern wer es ist, der zuletzt zischt.Die Stiefelhelzer. '.Eine Leipziger Geschichte von. Edwin Bor mann. .
Herr Engelmann war lange Jahre Aufwärter an der Thomasschule in Leipzig und betrieb nebenbei die Fabri katron von'Stiefelhö?Zer,' einer Art Lei sten, die den Kanonenstiefeln beim Wichsen als Steife dienen. In beson dcrs guter Laune pflegte tx wohl bei einem Glase Bier seine Begegnung mit dem großen Napoleon zu erzählen. Wenn ich mich recht erinnere., marsch nach der Schlacht bei Jene, a.ls sich Na boleon mit, seinen Generalftawe so'ä Dager verzihn zur Erholung in Leib zig uffhielt. Sei" Marschall ,Ne? wohnte in Hobel de Sare in der Klo stergasse, Nadokeon .selwer in Dhomas Haus an Marchte. Eines Morgens fällt's ' ein, seinen Warschall ze besu chen. Wie er bei'n in de Stuwe tritt da bleibt, er ga! versteinert stehen und verwendt teen Blick von Bulte. Uff'n Bulte nämlich da stand eene Glas glocke. un unner der Glasglocke ö Aaar jcheenbolirte Stiefel he lzu. Marschaü! spricht Na boleon mit er Tegter Stimme, ws -awen Se Äiesk Sliefelhe!zer her? ' Sire! antwortete Ney, diese Stiefel öelzer hame ich vou nen gewissen Herrn Engemann bezogen. Aufwärter cn der Dhomas schule uff'n' Dhomasser Kerchhofe. Marschall! spricht. Nabsleon, nee die Stiefelhelzer sinn ja u scheen:. So & Aaar Sticfelhelzer muß ich ooch .ha wen un sollt es mir hundert Thaler koslrü. Ich sitze also nach Dische an meinem Fenster owen vier Trebben in der DhomaZschuIe un' trinke mei' Schälchen Heeßen da gehts uss eemal un)en usf'n Pflaster: krabbelte, krabbelte, trabbel te Ich also, mit dem. Knöbbe zum Fenster 'naus is der ganse Thomas ser Kirchhof voll Federbische : lauder Generäle ! Da guckt Eener ruff bei mich un' schreit: Ach. entschuld'gen Se, wohnt hier nicht Herr Engemann ? Ich sehe doch gleich. daßeS Naboleor iS un' sage: Jawohl, vire, sag' ich un' der bitt ich selwer. Ach. Herr Engemann, woll'n St nich -freindlich sinn un' emal ' 'runter kommen ? Jawohl, sag' ich. S!tt, mit'n greß ten Vergniegen !
' Ich also 'runter ; un' rickt' er 'raus: Herr Engemann, sagte er, da hawe ich Heide frieh bei meinen Marschsll Ne? ü Baar Stiefelhelzer von Sie gesehen.' Nee. die waren doch zu scheene! 'S Herz hat mer ordentlich vor Freiden im Leime gebewert. Heren Se. sagte er. Herr Engemann, wirden Sie wohl die Gewogenheit bawen, un' mir voch so ä Baar' Stiefelhelzer machen ? 'S darf Ihnen aroer nich unangenehm sinn ! Jawohl, sag' ich, Sire; mit'n greß' ten Vergniegen ! Amer'nich war. spricht Naboleon, ooch so scheene bolirt wie mei'n Mar schall seine ? Daderfor lassen Sie mich sorgen, fag' ich, Sire. Un' Ihre sollen noch fcheener wer'n als wie Ihrem Marschall seine. Herr Engemann, spricht Naboleon. nehmen Se in Voraus meinen besten Merci. Wenn die Stiefelhelzer fertig sinn, da bringen Se mer se gefälligst in meine Wohnung nicht währ ? Ich wohne in Dhomä's Haus an Marchte, eine Trebbe hoch. Empfehle mich Ihnen, Herr Engemann! Nach ä Baar Dan hadd' ich also meine Stiefelhelzer fertig. Wie ä Spiegel glänzten se! Ich llehme se also unter'n Arm und gehe dermit nach'n Marchte in Dhomä'S Haus. Wie ich iu's Vorzimmer trete, is alles voll Fersten un' Mameluken un' Generäle un' eben will mich Eener fragen, was ich hier zu suchen hädde da Zommt mer ooch schon Naboleon mit offenen Armen bis in de Dhiere ent gegen: Ach. Herr Engemaun! Sie bringen gewiß meine Stiefelhelzer? Jawohl, sag' ich, Sire, hier sinn fe.Nee, sagt er, Herr Engemann, hier Hamen Sie sich werklich selwer iebertroffen. Das hädde ich mer vorn' Jahre noch nicht dreimen lassen, daß ich heier in Besitz von so ä Baar PrachtVoll scheenen Stiefelhelzer sein wirde! Na, sagte er. Her? Engemann, bidden Se sich'ene Gnade aus! Nee, fag' ich mit ' männlichen Stolze. Sire,' ich danke. Ich brauche tone Gnade von Sie! Awer, Herr Engemann, spricht Naboleon, Sie bringen mich da in de preßte Verlegenheit. Ich kann doch werlich fo ä Baar herrliche Stieselhel zer nich fiehr nischt und wieder nischt annehmen! Na, sag' ich, Sire, wenn Se' durchaus nich andnsch wollen, so lassen Se zum ewigen Angedenken meinen Namen un' Ihren werthen Namen eweneinaner uff de Stiefelhelzer brennen! Da winkte der Kaiser, mit der Hand, un herein trat ä Adjudant mit en gol denen Kohlenbecken. Und der wurde L un' ä N uff de Sties.'lhelzer gebrennt: Engemann un' Naboleon!
Na. es mochte ä Sticker siewen Jahre vergangen sinn, de große Velkerfchlacht war geschlagen, un' der nein;ehnte Oc dowcr 1813 brach an. Reißaus! war die Losung der Frauzosn. Naboleon badde eben bei seinen Freinde. den Kenig von Sachsen, ene Abschiedsvisite gemacht un' empfahl sich mit eenigen ?iehrcnden Worten von de sächsischen Garden, die uff'n Marchte Bosto gefaßt Hadden. Ich stelze üox Sticglitzcns Hofe, sehe mer de Sache ruhig mit an un' nehme mer' eben ene Prise. Da -ruft uff eenmäl Naboleon ieber das ganse Mensch.'ngewärqe weg: Ach, Herr Engemann, feie verlowcn mer wodl ooch ä PriZchn? Un' eenS, zwee, bxti is er an meiner Seite. Jawohl, sag ich, Sire mit'n greßten Vergnigen: nn'' es dhnt mer in ider Seele weh', daß Se Ihren Aufentchalt in Leibzig so pleklich abzubrechen in de Lage versetzt sinn, sag' ich. . Ja, spricht Naboleon. dasmäl. Herr Engemann, is de Sache lähisch gegangen. ' Sire. sag' ich. Niemand kann vor Maleu! Awer sinn denn ' Sie wollen gewiß nach Ihren Stiefelh.'lzern fragen? Beruhigen Se sich, Herr Engemann, die sinn bereits beide frieh Morgens mit der Bagasche fort. Ihre Hand. Herr Engemann! Die Schlacht is verloren, awer de Stie selhelzer sinn gereddet! Dieser Gedanke soll meinen gerechten Feldherrnschmerze ein lindernder Aalsam sein! Nach diesen historischen Worten ritt Naboleon mit gesenktemHaupte weider. An der Hainstraße drehte er sich noch emal um. winkte mit der Hand un' gab seinen Feröe de Sporen.' Ahnte er wohl, daß er weder mich, och Leipzig wiedersehen werde? Höchste Zerstreulheik. Ein alter Professor, der sich bisher stets eines gesunden Schlafe? erfreut hat. kann eiues Nachts nicht einschla'en. Er wacht bis gegen Morgen da fällt ihm endlich der Grund seiner Schlaflosigkeit ein: er hatte vergessen, die Augen zuzumachen. S ch l i m m e A h n u n g. A.: Du, ich sah gestern, daß Dne Braut ein Paar Pantoffel stickt; die sind wohl für . Dich bestimmt? , ' A. (seufzend): Nein, ich fürchte, ich bin für die Pantoffel bestimmt!" . Au öder höheren Töch Vorschule. Fräulein Irma, wel cheS war die bedeutendste Eroberung AleranderS des Großen?- Staüu, eine Tochter des Darios!" - Hof ton. Hofmarschall: Wie fanden Sie Seine Hoheit?" Mrti. zmalrath: In hohem Grade nervös! Hofmarschall: Bitte in Aller höchstem Grad:!- ' Allerdings. Wer ' hat dik jPsalmen geschrieben? fragte der Su lperintendent sehr ernst. Kleines Mäd che'n (weinend): Ich bin eZ wirklich nicht gewesen, Herr Superintendent! Auch ein Grund. HausWirth : Hör',' Alte, der Herr im zwei 'ten Stock zahlt feine Miethe so pünkt' lich ich glaub', den könnten wir stei' gern!"
Ei:i Opfer der herabgesetzten Preise.
' Jüngst fand ich in einer englischen Zeitung eine klein? Erzählung, deren moderne tragische Helden mir 'große Sympathie einflößten, und ich bin überzeugt, daß auch oaZ Herz mancher dräven Hausfrau und vielleicht sogar deren Gatten von regem Mitgefühl überströmt, wenn sie die Schicksale des Ehepaares vernehmen werden. ES war also einmal ein allerliebstes junges Frauchen, vor der ihr Mann anbetend auf den Knieen lag und ihr jeden Wunsch an den leuchtenden Au gen absah. In den ersten Wochen ihres süßen Honigmondes reiste unser Pärchen von Stadt zu Stadt, ohne eigentlich mehr als ihre eigenen verlieb ten Gesichter zu sehen, und dabei waren sie so überaus selig, daß ihnen die ganze Welt ebenso rosig erschien, wie ihre kußrothen Lippen.' , Sie, Anita, stammte aus einer sehr ' anständigen aber nicht gerade vermö ; gender Familie, so daß sie mit allem, ! was ihr der wohlhabende Gatte bieten konnte, sich wie ein glückseliges Kind von ganzem Herzen freute, und für jedes Geschenk, jede kleine Ueberraschung voll dankbarer Verehrung zu ihm emporblickte. Von der Hochzeitsreise heim gekehrt, fanden sie ein reizend und ge-: schmackvoll eingerichtetes Nestchen, wel ' ches die Mutter des jungen Ehemannes mit zärtlicher Fürsorge ihren lieben Kindern bereitet. Das junge Weib chen erwies sich als geschicktes Wirth fchaftstalent, die überall in Haus und Küche gut Bescheid mußte, so daß auch k hier kein leljestes Wölkchen den azur blauen Himmel ihres ehelichen Glückes trübte. Anita liebte Ordnung über Alles und deshalb bat sie ihren Robert in ständigst, ihr doch sagen zu wollen, wie hoch sein Einkommen sei, damit sie darnach berechnen könne, wie viel sie für Haushalt und Toilette mit gutem Gewissen ausgeben könne. Ein herz liches Lächeln und ein süßer Kuß be gleiteten seine -freundlichen Worte: Ach, darüber Liebchen, laß Dir keine grauen Haare wachsen und mache Dir nur ja keine'Sorgen; was Du für unsern kleinen Haushalt brauchen wirst, das sagst Du mir nächstens, und was Du Dir für Deine eigene Person wünschest, das kaufe nur einfach und lasse mir die Rechnung zuschicken!" Einen angenehmeren, splendideren Gat ten konnte sich Niemand, also auch Anita kaum wünschen, deshalb um armte sie den Jdeal-Ehemann mit über strömender Zärtlichkeit und versprach, niemals extravagant zu werden, denn als eines armen Mannes Tochter hätte sie wohl sparen gelernt. ' Wir wissen nicht, ob der gute Bob später jemals diese seine Generosität bereute, aber damals schied er von sei nem süßen Weibchen mit dem schönen Bewußtsein, daß er recht gethan, seiner Gattin keinerlei Beschränkung aufer legt zu haben, denn Niemand würde wohl besser sein eigenes Interesse wahren, als eben seine treue Lebensgefährtin. Und er schien auch wirklich das Richtige getroffen zu haben. Anita mar das beste, aufmerksamste Weibchen von der Welt, wenn er früh das Haus ver ließ, drängte sie ihm sogar noch die Morgenzeitung auf, damit er in der Hochbahn keine andere zu kaufen brauchte, und er ließ uun aus Dankbarkeit das andere Journal, welches er sonst in der Office zu halten pflegte, nach der Wohnung senden. Damit begann aber auch das Unglück im. Hause einzuziehen, und zwar in GeGestalt der großen Anzeigen der Dry goodsbäuser, welche eben in jener Zeitung , ganz besonders ausgedehnt enthalten waren. Lieber Bob, sagte sie eines schönen Tcrges mit ihrem jüs.en einschmeicheln den Stimmchen, könnte ich etwas. Geld bekommen, denn ich möchie gerne heute shövpen" geben So viel Du willst, Liebling." ant wartete er, ich bin froh, daß Du etmaZ entdeckt hast, was Du Dir wünschest. bean ich habe mich schon die letzte Zeit vergeblich bemüht. Dir eine Freude zu bereiten !" Es ist nicht gerade etwas Specielles,, was ich mir wünsch'.', aber hier ist eben bei B. ein großer Ausverkauf zu sehr herabgesehen Preisen von französischen Ehallies angezeigt und da möchte ich. mir genug für ein Kleid kaufen, welches ich dann im . Frühling wobt brau chen werde !" Der gute Bob hatte in seiner Jung geseüeLaufbahn sich zwar keine rich tige Vorstellung von französischen o)er anderem Ehallie erworben, aber sein braves Herz sagte ihm. daß der Wunsch seines Weibchens erfüllt werden müsse, er gab ihr Geld, welches sie erst für eine allzugroße Summe erklärte, sich schließlich aber doch bewegen ließ, sie anzuneh mcn. Des Abends brachteder Muster ehemann Sitze für die Oper und einige schöne Rosen für seine theure Anita mit, doch diese schalt das gute Mann chen ob seiner Verschwendung, während sie für ihn gespart. Triumphirend ent rollte sie nun die großgemusterte Stoff Herrlichkeit vor ihm, , welche nie vorher und niemals nachher, wieder zu solchen Spottpreisen abgegeben würde, und mich noch eine ganze Menge silberner Löffeln und Gabeln, die sie alle ganz merkwürdig billig für den Rest deS Gel des gekauft. . Den schüchternen Einwand ihres un prakiifchen Gatten, daß sie ja mit Eß besteck reiflich versehen seiend' ließ die stolze Anita nicht gelten. Es wäre ja Sünde, die schonen HochzeitZgeschenke für' täglich zu gebrauchen, und noch mehr solcher Beweise für Vorsorglichkeit wurden ins Tre.i'en geführt, .bis da Männchen von feiner eigenen Unkenn? niß derartiger Dinge so fest überzeugt wurde, das er seinem sparsamen Weid chen noch einen dankbaren ttuß und zärtliche Worte des Lobes für ihri Mvgh"t spendete.' Nachdem nun ihre Fähigkeit zu spa ren, von dem Manne einmal so freudig
anerkannt worden war, sollte eS ihm für die nächste Zukunft an weiteren Ge legenhciten Lob zu spenden nicht fehlen. Heute wurde ein Theekessel um 39 EentS getauft, eine Gelegenheit, die niemals wiederkehren würde. - und ebenso noch einige Küchengeräthe stau nentz billig angeschafft, trotzdem das Dienstmädchen erklärte, daß sie dafür absolut keine Verwendung und keinen Play in der Pantro habe. Morgen erstand Anita eine ' hohe Parlorlampe um zwei Dollar 97 Eents, welche stets fünf Dollar gekostet hatte, wenn dieses Ornament auch wesentlich von dem übrigen gediegenen Hausrath abstach. Nächstens gelang es der gewandten Käuferin, sich durch eine ganze Anzahl von Damen durchzudrängen, um einige Stücke grünen Bandes zu einem lach lich billigen Preise der Nachbarin vor der Nase wegzusischen. weil jedenfalls früher oder später die Farbe wieder modern würde und man dann schon einen passenden Stoff dazu dekommer werde. Sa brachten die Anzeigen der Zei tung. wenn nur genau studirt unse rem' Frauchen jeden Tag neue Gelegen ht alles Mögliche zu den aller herab gesetzten Preisen zu erstehen, bis sich schließlich kaum mehr ein Plätzchen in der Wohnung sand, wo noch ein billiger Stuhl, eine staunend billige Vase oder ein Album hätte untergebracht werden können, bis man sich fast an den Bar gain Eounter" selbst versetzt glaubte. Schließlich erstreckte die gute Anita ihre Sparsamkeit noch auf die Toilette ihres Mannes, er, der sonst als Ken ner aller herrlichen Dinge galt, trug jetzt fertig gekaufte Kleider, billige Eravatten und Ausschuß-Handschuhe. denn er mochte doch sein Weibchen nicht verletzen und Dinge resusiren, welche sie selbst für ihn so liebevoll ausgesucht und sosehr preiswürdig gefunden hatte. Alles ließ er ruhig über sich ergehen, aber als sie ihn eines Tages mit einem Paar herabgesetzter- Schuhe beglückte, trug er dieselben zu seinem Leib schuster und bot ihm irgend einen Betrag, wenn er im Stande sei, diese äußere Form in einem anderen Paar zu copiren, welches die gute Eigenschaft hätte auch zu passen, denn wenigstens passende Schuhe wollte er haben, doch sollte seine sparsame Frau nur ja nichts von dieser frommen Täuschung ersah ren. um sie nicht zu kränken. Ein Jahr nach dem Tage seiner Vermählung saß der arme Bob als ruinirter Mann sinster brütend in sei ner mit herabgesetzter Herrlichkeit er füllten Wohnung, bekleidet mit der zu herabgesetzten Preisen erstandene Toi leite und faßte den heroischen Ent schluß, sein Hab und Gut. zu herabgesetzten Preisen zu verkaufen, um daraus die Mittel zu erlangen, New Aork auf immer verlassen zu können und nach Hayti oder Samoa auszuwandern, wo die Bekleidungs und HcNlseinrich tungs-Bedürfnisse geringer, namentlich aber die Gelegenheiten seltener sein dürften, bei herabgesetzten Preisen ei? Vermögen zu ersparen.
Der geheimnihvolle Mord. Humoreske von Paul Roderich Lehnhard. Vor einem Hause der Xstraße hielt noch in später Aocnd.stunde eine mit vielen Koffern und Schachteln beladene Gepäckdroschke. Schwerfällig kletterte der Kutscher von seinem Si herunter und unterstützte die beiden aussteigen den. altjüngferlichen Damen bei ihrer anstrengenden Arbeit. Ach, lieber Herr Kutsch.'r, nahm die Eine das Wort öffnen Sie, bitte, das Haus und tragen Sie uns die paar 'lkoffecchen hinauf." Ach ja. sagte nun auch' die andere ältliche Jungfrau verlassen Sie uns nicht in dieser Angst. Es kommt uns auch nicht auf ein kleines Trinkgeld an!" 'Mir auch iticht und wenn's noch so groß ist!" sagte der Kutscher und geleiUte die Damen hinauf. Hier wohnen wir!" erklärte das eine Fräulein. Klotilde, wandte sie sich an die andere Dame öffne doch und trete ein!" Min." gab die mit Klotilde" Angeredete zur Antwort das ge ziomt mir nicht. Du, Röschen, bist ja die Acltere!" - ,ES ist garnicht schön," ereiferte sich Röschen" daß Du mir stets mein Alter vorhältst! Die zwei Jahtt. ..." Zwei ein halb!" warf spitz Klotilde ein. Meinetwegen auch zwei ein halb! fuhr gereizt die Schwester fort. Aber...." Na, na.' meine Damen" unter brach sie der Kutscher das geht doch nicht! Ich muß ja 'runter! Warum trauen Sie sich denn eigentlich nicht in Ihre Wohnung 'rein?" Ach" erklärte Fräulein Rosa wir waren vier Wochen im Bade, die Wohnung stand allein, nur unter dem Schutze einer Aufmärterin, die unseren Lieblingen, einem Kanarienvogel, einem Goldfisch und dem dicken Kater Peter allmorgendlich Nahrung gab. Nun fürchten wir. es könne sich Jemand ein geschlichen haben " Vielleicht ein Mörder!" zitterte eS von Fräulein Klotilden's Lippen. Lächelnd suchte sie 'der Kutscher zu beruhigen und nachdem er die Damen in die Wohnung geführt, wurde er mit reichlichem Trinkgelde entlassen. Nun verdarrikadirten die Schwestern zunächst die Entreethi'lre, indem sie Gepäckstücke und Küchengcräthe vor dieselbe stellten: dann traten sie vorsichtig, jede mit einem brennenden Lichte versehen, in die Wohnstube. Alles war in bester Ordnung. Der Kanarienvogel er wachte, drehte sein Köpfchen herum und ließ ein erstauntes Piep" verneh men; auch der Gsldsisch erfreute sich gleichfalls , der besten Gesundheit. Nur Peter, der schwarze Kater, Klotil den's Liebling, war nirgends zü finden. .Das ist verdächtig!" flüsterte dtf
Fräulein und sah sich mit ängstlicherScheu um. Oh bauchte Rosa fürchte nicht zleich das Entsetzlichste! Peter wird sich lm Schlafzimmer befinden! Sehen wir einmal nach!" Ja, sehen wir einmal nach!" stimmte ,?loti!de bei: aber beide Damen mach ten durchaus keine Miene, den Worten die That folgen zu lassen. Sieh' nur, wisperte Röschen und deutete angstvoll mit ihrem dürren Zeigefinger nach der zur Schlasstubeführenden Thürschmelle sieh' nur, was ist das?" Angstvoll lenkten sich nun auch Klo tilden's Blicke nach der bezeichneten. Stelle, dann prallte sie erschreckt einige Schritte zurück. Fürchterlich! preßte sie dann mühsam hervor daS ist ja Blut!" Wie angewurzelt standen die beiden ältlichen Jungfrauen und stierten den blutigrothen Fleck, der sich ihren Blicken darbot, voll bangem Entsetzen an. Klotilde. flüsterte eirdlich dieAeltere es ist grauenvoll! In unse rem Schlafzimmer ist ein Mord paf sirt! Man hat die Aufwärterin erschla gen!" Nur die größte Todesangst mar im Stande, Fräulein Klotilde von einem lauten Aufschrei abzuhalten. Fassen wir uns und überlegen wir, was zu thun ist!" sagte sie dann mit gepreßter Stimme. . Laß' uns vor allen- Dingen den Riegel vorschieben, damit der Mörder, venn er noch bei der gemeuchelten Auf värterin weilt, nicht zu uns herein kann!" sagte Röschen und verriegelte borsichtig die Thüre. Nun laß' uns fliehen!" wimmerte lZlolilde. Kind, wo denkst Du in Deinem jugendlichen Leichtsinn hin?" meinte überlegen die Aeltere. Ich hörte soeben leise Schnarchtöne aus dem Schlafzimmer dringen, der Mörder ist also vermuthlich nach seiner gräßlichen That eingeschlafen; wenn wir nun erst di: sämmtlichen Gegenstände wieder von der Entrecthüre entfernen wollten, so könnte ihn das dadurch entstehende Ge räusch erwecken und es wäre um uns geschehen, trotz des vorgeschobenen Rie gels! Solchen Menschen ist ja nichts unmöglich!" Was sollen wir aber beginnen?jammerte das Kind". Wir müssen lautlos den Morgen abwarten", belehrte die Aeltere. Wenn es erst im Hause lebendig wird, dann können wir auf Beistand rechnen und dann wird es uns gelingen, den Ver ruchten der gerechten Strafe zu über liefern!" Aber es ist doch entsetzlich, eine Nacht so nahe einem Mörder zubringen zu müssen!" zitterte Klotilde. Allerdings entsetzlich!" bestätigte tonlos die Schwester. - Aber eS bleibt unskeine Wahl!" fco setzten sich denn die beiden ge quälten Jungfrauen auf das Sofa, hielten sich eng umschlungen und blick ten unverwandt auf die ggenüberlie gende Schlasstubrnthüre, ' über deren Schwelle eine dicke, blutrothe Flüssigkeit langsam hervorquoll. Die anstrengende Reise, die Aufre zung und wohl auch das weiche Sofa Polster bewirkten es schließlich doch, daß ein barmherziger Schlummer sich der gepeinigten Jungfraucnseelen erbarmte, und Klctildens' müdes Haupt in die rechte, Röschens in die linke Sofaecke gleiten ließ. DaS helle Tageslicht siel bereits durch die halb geöffneten Gardinen, als ein donnerähnliches Gepolter die beiden Damen jäh erwachen machte, sie graue sam an die letzte rauhe Wirklichkeit ge mahnend. Rofa kreischte Klotilde Der Mörder kommt! Zu Hilfe! Zu Hilfe!Jetzt ist es aus! Weh' uns!" kam ks nun auch verzweislungsooll von Fräulein Röschens Lippen. Zitternd :rhoben sich die Schwestern und öffneten nun ein wenig die nach dem'Eorri dor führende Thür. O, Schrecken! Die so kunstvoll errichtete Barrikade lag theilweise zertrümmert vor ihnen und durch die nur. wenig geöffnete En ireethür guckten neugierig der Portier, der Bäckerjunge, die Zeitungsfrau und ja, war csdenn kein Traum? auch die ermordete Aufwärterin! Was, Sie leben? Ja, wer ist denn dann eigentlich das unglückliche Opfer?" wunderte sich Fräulein Klotilde. Nanu?" nahm die Aufmärterin jetzt das Wort, was ist denn nur hier vor gefallen?" Na, das sehen Sie doch!" sagte naseweis der Bäckerjunge, die ganze gute Einrichtung auf Abzahlung'." Warum der Höllenlärm?" brüllte der Portier. . . : Kommen Sie nur Alle herein, flehte Fräulein Röscben . wir haben einen Mörder im Schlafzimmer ge fangen !" Was, einen Mörder.? mischte sich die Zeitungsfrau hinein, ' und den behalten Sie die ganze Nacht bei sich? Davon steht ja noch nicht 'mal 'was im Lokal-Anzeiger !" Nachdem die Trümmer ein wenig bei Seite geräumt tsaren, begab sich die ganze Gesellschaft dorsichlig in'Z Wohnzimmer und nach allgemeiner Besichtigung der Blutspnr wurde eiligst ein Schutzmann herbeigeholt, unter dejlen Leitung die, zr Mordstube füh rende Thür geöffnet wurde." Welch' Anblick bot sich ihnen dar ! Dicht an der Schwelle lag ein umgestürzter Topf mit eingemachten Preißelbeeren, seinen reichen, saftigen Inhalt weithin ergießend, während Peter, der aus feinem süßen Schlum mer erweckte Kater, mißvergnügt von Frl. Klotild:nZ jungfräulichem Lager sprang. So klärte sich Alles zur allgemeinen Zufriedenheit auf, nur der Bäckerjunae und die Zeitungsfrau bedauerten richtig, daß sie nun nichts? zu berichten hatten von dem geheimnißoollcn Mord. Das fchnll?Wä'chSthvm der Fingernagel ist ei Zeichen vou luter Gesundheit.
