Indiana Tribüne, Volume 16, Number 290, Indianapolis, Marion County, 9 July 1893 — Page 7

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Saß rfie ins.

'Eine Betrachtung fürEltervz und Solche, die es wer- , den wollen. Con Vsrzs'Vgal. Aus blauer, von LämmerwöNchen durchzogener Höhe schwebt der Storch hernieder und das Frauchen schlüpft hinter die Bettvorhänge, um den lieben Vogel zu empfangen. Man hat den Klapperer längst erwartet, aber er wollte auf das gewisse Dach noch immer nicht herunterfliegen. Vielleicht to.nmt er gar nie. Er hat das Püppchen in seinem rothen Schnabel immer in ein anderes Haus getragen, selbst wenn man daK Haus vor ihm verriegelte bis es ihm endlich eines schönen TageS einfiel, daß ja auch dort ein Herd flackert, wo man es gar so gern sehen würde, wenn er durch den Schornstein ein kleines Kindchen hinunterfallen ließe. Und richtig hat er eines hinunterfallen las sen. Keine schönere Musik als das bitterliche Wehgeschrei des kleinen Wesens. Es ist eiontlich kein LZehgeschrei. Das winzige Geschöpf begrüßt damit das Leben, zu dem es erwacht ist. Mit dem Anbeginn seines Daseins spannt seine kleine Lunge sich zum ersten Mal aus.um mit dem lebenerweckendenSauer stoff auch den Keim des Todes einzu athnren. Oh, der bitteren Wahrheit! Denn mit seinem ersten Athemzug, der das Leben bedeutet, hat sich auch schon der Keim der Zerstörung hineinge stöhlen. Wozu auch ewig leben? Wel chen Werth hätten Jahre, wenn sie sich in's Unendliche ausdehnen würden? Der Schmerz ist der Preis des Glückes. Besch ist nichts, als umgekehrter Ver lust. Daß es nur endlich gekommen ist! Du starker, kräftiger Junggeselle, der du stumpf bist gegen die Freude, die das Beglücken bietet, der du deine Tage in ödem, schroffen Egoismus hinbringst geh' in dich und trinke aus dem' Vorn der wahren Wonne! Kein Zaudertrank schmeckt so süß, wie der Kuß des Kin des. Da liegt es, das Neugeborene, in sei er göttlichen Nacktheit, der jüngste Sproß am großen Baum der Mensch heit,und jchreit.Jrgend ein Vater", der ungenannt bleiben will, nimmt es mir aus der Mitte meine Seele, wenn er ausruft: Himmlische Musik des ersten Schreiens, heilige Stimme des Seins, erste Silbe des Gedichtes eine Herzens, erster Akkord der Symphonie desLebens, Widerhall des schöpferischen Werde"! ich grüße dich!" Wenn man es zu ihm hinträgt, sieht der Vater das unbeholfene Tbiercheu befangen an. Die weise Frau schaukelt eS eifrig in den Armen, um es zu be ruhigen. Wem sieht es ähnlich? Die Nase ist ganz der Vater", die Augen sind dieder Mutter, versichert die wackere Dame. Das arme Tröpfchen gleicht aber noch nicht einmal sich selbst, so unvollkommen ist es. Die Großmama vergießt Freudentbränen. O, wenn das ihr Mann,der Voter ihres Sohnes, erlebt hätte! Es gibt doch kein vollkom menes Glück auf Erden! Auch die jungen Eltern rufen sich mit neuen Namen. Bisher war der Mann Pipi" und die Frau Mimi Aus ersterem ist Papa", aus letzterem Mama" geworden. Der kosende, inhaltlose, seichte Vokal hat sich in einen tieferen, wärmere Laut umgewandelt. Mit Thränen des Dankes und der Liebe in den Augen kniet Papa vor der blei chen Mama und drückt auf die herabhängende weiße Hand einen heißen Kuß. Im matten Gesicht der jungen Mutter strahlt der sanfte Abglanz unaussprech licher Seligkeit. An ihrer Brust oh reizende Ausnahme ! schwelgt das Kleine, das ihm schier der Athem aus geht. Denn die heutige Frauengeneration betrachtet als .Büste", als bildhauerische Schönheit, was die gütige 'Natur ihr zn einem höheren Zwecke an's Herz gefügt hat. Weibliche Schönheit! Wer dich nicht erblickt bat, in der jungen Mutter, die ibr Kind säugt, der kennt dich nicht. Unsere seligste Frau, Ma donna 9laia?r, zeuge sür mich! Süße Mutterbrnst! Du nie durch dachtes, nie genug besungenes zauber hasteS Geheimniß ! Das Kind, das im tiefsten Dunlel der Sinne noch unbehol fen umhertappt, erwacht, wenn fein .Kopschen an der Bruft ruht, nach eini gen Stunden bereits zu dem Bewußtsein, daß dies hier sein Heim sei. Erst quiekt es aus voller Kehle, klagt und ist ungeduldig, als ob von diesem Augen blick das Leben abhinge und wenn es Zann an der süßen Mllchquelle der Mutterliebe xicht, beeilt es sich nicht im Mindesten. Das Kind Ziimmt alle Kräfte der "tnrniTip ir S)irt tarits llrtS maS St jurniliv tu Mltuu. VitV VltUVh Vlfc heule Zartheit, die dem unverheirathelen, einsamen Manne unausstehlich ist. nacht uns das Kind so theuer. Was zväre das Aermste ohne uns.? Seine' Anbeholfenheit rührt uns ; was .es von 2iu4 verlangt, ist zneh? als Theilnahme, s ctf Liebe. Wie viel ist in den voransgegange neu Tagen und Achten für den kleinen Anköinmllng geschneidert, genäht, gestrickt, gehäkelt worden! Oh müttterliche Verieyuiig. die stch mit uns beichämgt. bevor rolv sind, und in ihrer Liebe uns früker das Dasein gibt, als die Natur! Nun ist das Kleine satt geworden. und wen sich dieS mehrnrals des TaeeS ereignet. 0 nimmt es zusehends zu. Es )t wahrhaftig bereits stark gewachsen, und beginst schon aufzumerken. Und jetzt wahrhaftig ! Hit es lieblich ,das Mündchn verzogen. So lieb! Da sieh: das Puppchen hat qelachelt. ES war nur ein flüchtiger Schein, aber kein Zweifel, es war ein winziges, klein--wiv:!qes Lächeln. Aus das erste Lächeln folgt der erste Thränentropfen. Denn das Wnnen, mit dem es in seinen ersten Tagen in die Welt hlnemgreint, ist nur em trokkenes Weiuen. Aber was ihm jetzt ito Augenwinkel schimmert, ist schon ein erster Thräuentropfen, ein Theil vom SRtttt der. LAnSbittMlib. DaZ

Tröpfchen ist kaum größer,' als 'ein

Stecknadelkopf., Der Vater küßt diese salzige kleine Perle weg: er trinkt die erste Thräne semes Kindes. Erstes Läckeln! Erste Thräne! Welche Ströme von Gefühleu entspringen aus diesen Quellen! Es schläst. Ninas herum herrscht Stille. Plötzlich schreit es laut auf. Doch man kann es nicht Schreien oder Seufzen nennen; es ist viel.'uehr ein feines Aufathmen oder dergleichen. So zwitschert der Vogel im. Schlaf. Auch )tm Geist erwacht. Er hat Alles bekommen, decn er bedarf, und jetzt legt man, es schön in sein Bettchen. a. Veilchen, und nicht Wiege. Die Herren Hygieniker verucherr., das Schaukeln störe den Blutumlaus im kleinen Korper. Gluallcherwelje veyatten die Feen Recht: )it wiegen das Kmdlein ein und es gedeiht. Aber Mama schwört auf ibren Hausarzt, d'rum liegt auch yas Sind im Bettchen. ES liegt ruhig. '.U lltWal.il tU lv lll tll'l l vUUl . rerzwciseltes. zum Ersticken söwere? Schluchten. Nasch nimmt man e aus, und Der kleine Bösewicht schweigt in cA s?i:l Auge ruhig im Zimmer .:.f .t .i .k7.. 0m umherschweifen. 'Er woll'te Gesellschaft. Aristoteles nennt den Menschen em sociales Thier und wirklich sehnt sich auch der Säugling ach der menschlichen GeMchaft. Selbst das aewndeste Kmd ist krank; die rasche Entwicklung zieht ihm viele Leiden zu. Die Mutter schuent rn sol cher Zeit nnr ein Auge, und ibr Schlaf ist nichts als ein wacher Schlummer, aus dem sie ein Seufzer, ein leises Wimmern ihres Kindes aufschreckt. Ach, das kranke Kind! Gibt es etwas, was das Herz schmerzlicher berührte? Es leidet, und weiß nicht, warum. ES thut ihm etwas weh, und es weiß nicht, was. Ich habe das theuere, schöne, kleine Söhnlein einer Mutter gekannt, das von der Diptheritis befallen wurde. )er sechsjährige Knabe grub seine kleine Hand in krampfhaftem Schmerz 1 "W . W . C t 1 " tu oen Arm oer Neuner uno rar iie dringend, sie möge ihn von den ersticken den Klammern befreien, die ihn würgen; sie werde schon sehen, wie ein artiges Bübchen er dann sem werde. Und Mutter und Vater mußten den Todeskamps des Kindes ohnmächtigen Hände ringens ansehen. Die Mutter leidet viel; sie hat nie Ruhe. Die Pflege, die Erziehung des KindeS nimmt alle ihre Körper- und Seelenkräste in Anspruch. Das kleinste Opfer, das sie bringt, ist das ihrer Frei beit. Ist sie die Amme ihres Kindes, so fesselt das strenge Gebot der Ernährung sie an die Wiege. Da erinnere ich mich an ein reizendes Bildchen, das ich in Havre gesehen habe. Die Brust vx das tief ausgeschnittene Mieder zu rückdrängend, beugt die zum Ball ge rüstete junge Mutter sich über das kleine Bebe und rust dem kleinen, satten Men schen, ihm mit dem bereits im Handschuh steckenden Finger drohend, zu: .Ich hoffe, mein kleiner Tyrann, Sie werden gestatten, daß petite inaman sich im Saale drcimckb herumdrehe, dann bin in wieder ganz die Ihrige!" Der Vater, welcher seinen Beruf außer dem Hause hat und daher das Kind seltener sieht, entdeckt an ihm, so oft er heimkommt, etwas Neues: einen Fortschritt odereine Veränderung. Das lallende Baby hat heute zum ersten Male den artikulirten Laut a vernehmen lassen, den ersten von den sechsundzwanzig, au? welchen die menschliche Sprache besteht, die Alles umfaßt, was die Menschheit von Homer bis Shakespeare, von Moses bis Darwin gefühlt und gedacht hat. Von diesem Augen blicke an ist die Seele des Kindes mit der Seele der Welt zusammengeschlossen. Nach dem ersten Lächeln, der ersten Thräne und dem ersten articnlirten aute kommt der erste Blutstropfen. Das Kleine müsse geimpft werden. Wie beklommen ist die Mama, wenn sie des sen settes, weißes Aermchcn dem Arzte hinhält. Ein kleiner Stich und das rothe, warme Blut Blut von ihrem Blute quillt in einem dicken Tropfen heraus. DaS Kind nimmt so rasch an Verstand zu, daß e? heute wahrscheinlich auch schon gegähnt hat. Das Gähnen ist nämlich das stärkste Kriterium der Ur theilskraft. DaS Gähnen ist nichts anderes, als der Hunger des Geistes; das Kleine langweilt sich und sperrt den Mund weit auf. Es erinnert da mit sehr an das kleine Vöglein im Nest, wenn es ien Schnabel ausspannt. Auch sonst erinnert das Kind an die Vögel, denn es erwacht mit der Wachtel, mit i)tt Schwalbe, so wie es zu tagen an -fängt Vogclgezwit scher, K inderlallen wie lieblich begrüßt ihr den Morgen! Matt vom Wachen, versinkt die Mutin in einen schweren Morgenschlaf; doch das Baby liegt schon mit offenen Augen da. Welch' lieblicher Anblick ist das Erwachen des Kindes! Es streckt sich, greift mit den kleinen Händchen in's Nichts hinaus und strampelt mit den runden Füßcher. s gewaltig, bis es sich die Decke glücklich vom Leibe geschafft hat. Nur, daß es nicht davon fliegt so guter Line ist es! Und was könnte es sonst thun, als fliegen? Seine Beinchen trage es ja noch nicht! Versteht Ihr nun,. warum man die Engelein ohne Füße, nur mit Flügel abbilöet? Inzwischen ist die Mama erwacht und hebt das lustige kleine Ding zu sich herauf und schaut ihm in's Auge. DaS Auge des Kindes! ES ist klarer und tiefer, als das Meerauge" der Tatra. Die sich loslösenden Geheimnisse eines erwachenden VerstundeS, einer sich Ha renden Seele leuchten uns daraus ent gegen. DaS Auge eines Kindes besitzt eine große Kraft. Ich erinnere mich der Aussage eines Mörders, der, nachdem er den ringenden Vater nieder gestochen hatte, vor dem unschuldigen Blick deS wehrlosen Kindes erschrak und das meuchlerische Messer aus feiner blutigen Hand fallen ließ. ' I DaS Kind, das ich küsse, ist ein klei'nes Mädchen. Hab' icheS noch nicht " ' - .- --T

gesagt. Aber wer oenkt aucq oaran Für die Eltern ist cS genug, daß es ein Kind ist. Ihr habt vielleicht noch gar nie daran gedacht, wie poetisch, wie jungfräulich daS Wort -Kind" ist! ES macht keinen Unterschied zwischen Kna bcn und Mädchen, sowie wir im zarten Alter der Kinder deren Unterscheidung auch äußerlich vermeiden. Man Neidet Knaben und Mädchen eine Zeit lang ganz gleich. Erst später stolz reißt vom Mädchen sich der Knabe". Die Frau wünscht gewöhnlich, daß das Erstgeborene ein Knabe sei.' Sie möchte den eitlen Vater verpflichten, denn Jeder fürchtet, es könnte in ihm das ausgezeichnete Geschlecht der Mül lcr" oder das mächtige Geschlecht der Lehmann" aussterben. Und doch hat Papa noch drei jüngere Brüder, und sein älterer Bruder hat vier Benzel, die alle sckion in die Schule gehen. Es gibt auch solche Frauen, die wünschen, daß das erste Kind ein Mädchen sei. Eine solche Mama hat sehr früh gchcirathet und sieht in ihrem Kinde die noch nicht vollständig verwundene Puppe, sie wünscht sich ein Mädchen, um es nach Herzenslust ankleiden zu können. Heute ist der große Tag, wo man das Kind zum ersten Male der Welt vorstellt. Die junge Mutter sieht alle Binder auf der Gasse an. Vordem hat

sie ue gar nicht bemerkt; zetzt ist es. als ob sie ihr's angethan hätten. Bcson ders die Kleinen, die mit dem ihren von gleichem Alter sind, hält sie auf der Gasse an. Sie prüft, vergleicht, fragt die Amme aus uud sieht sich verstohlen den Schnitt deS Kindermantels an. Wie viele Kinder gibt es doch auf der Welt! Das bemerkt sie erst, seitdem sie selbst eins hat. Und auch auf die Kinder Anderer blickt sie zärtlich. Es ist etwas Heiliges, Göttliches in der Mutterliebe, das uch auf alle Kinder erstreckt. Des Kleme ist von der freien Luft betäubt und schläft tief. Es thut ihrem Herzen wähl, wenn die Augen der Men schen an ihm haften bleiben und die Vorübergehenden -saqen: Em schönss Kind!- Schön! WaS heißt .schön"? Für welche Mutter ist ihr Kind nicht schön? Die Genugthuung, daß eS ihr gehört, oer Stolz, daß es lebt, sich be wezt, verschönen ihr Kind auch wenn es sonst ein häßlicher Balg" ist, wie eine eldljche, ttudertsse .Freuuöm' behiptet. Gestern st ihm der erste Zahn her vorgekommen. Ein kineS, weißes, blinkendes Zähnchen. Wenn das Kin chen lacht, so sieht daS Zähnchen in sei nem Munde aus, wie ein Maiblümchen zwischen Rosen deklamirt der poetische Papa. Man sagt, das Mädchen gehöre dem Vater, der Knabe der Mutter. Die Eltern streiten auch miteinander, wem von ihnen das Kind am meisten gleiche, und buchstabiren auS dem Gesichte dke charakteristischen Züge gründlich heraus. Jede der beiden Parteien schreibt sie sich zu. Kind, du süßeS Mysterium, du gehörst Beiden an! Es ist ein reizen' der Anblick, wenn das kleine Mädchen mit seinen Armen den Hals des Vaters umschlingt, und nach Jahren, wenn eS erwachsen, der Vater der Ritter seiner Tochter ist. Entzückend aber ist der übermüthige Knabe auf dem Schooße der Mutter, und wenn er nach Jahren der Beschützer seiner ergrauenden, viel leicht verwittwetcn Mutter ist, so erhebt uns der Anblick. Und nichts ist ergreifender in Gegen satz zwischen Mann und Weib, als wenn er rm Bilde des Lohnes und der Mutter versöhnt erscheint. O himmlisch:? Stolz, mit dem die Mutter aus den ge feierten Mann blickt, der ihr Sohn ist! Jeder GeichlechtS-Unterschied ist ver schmuuden, der Sohn sucht in seiner Mutter nicht mehr daS Weib, sondern dasJdeal, daS ihm so nah .doch so sem ist, wie die unsichtbare Gottheit ! so schließt ein Vater" seine über das Kmd geschriebenen Tagebuch'Aufznch nungen. Das Baby anschauend, schmieden Va ter und Mutter tausend Zukunftspläne. Wemt ich ihr schon daS Haar mit Bandern werde entflechten können!.... Wenn ihm schon der Schnurrbart wach sen wird!- So die Mutter. .Wenn ich daran denke, daß meine kleine Tochter sich einmal in irgend einen Taugenichts verliebt und er sie aus dem elterlichen Hause fortnimmt! .... Wenn der Junge einmal mit dem Doktor-Diplon uach Hause kommt! Wenn ich einmal seine Schulden bezahlen werde!" So der Vater. Das Kind schließt sich immer enger an dieGesellichaft an. Aber ehe dasMäd chen heirathsfähig wird, schätzt der Va ter sich glücklich, daß seine Tochter ihm schon die Pantoffel bringen kann. Und wer hätte daS gedacht?! DaS Kleine kann kaum gehen, und der Storch ist schon wieder aus das HauS herabge. flogen. Run soll'S wirklich ein Juuge wer den! Keckheit rettet vor Strafe. Herzog Karl von Württemberg, der Grunder der Mmtarschule ,u Stutt gart, erschien fast täglich in den Klassen und war bei den Prüfungen der Schu ler, denen er oft selbst Fragen vorlegte, gegenwärtig. Bei emer solchen Gele genheit nun hatte sich ein Schüler in der Mathematik so schwach bewiese, da ter Herzog, darüber erzürnt, ihn an. fuhr: Schenr Er sich zum Teufel uni lasse er Wollzogen an die Tafel!" FreiHerr Ludwig von Vollzogen (-der nach malige preußische General der Jnfan terie) war aber nicht viel besser beschlagen als sem Vorgänger und befürchtet gleiches Schicksal, indessen . erinnerte e sich noch rechtzeitig, daß 'der Herzog selbst von der Mathematik wenig oder nichts verstand und daher woht durch Keckheit zu täuschen sein werde. Er begann also darauf lns zu demonstrire und gelangte zu einer Gleichung, bei welcher dem Lehrer und den Schülern die Haare zu Berge standen. Ter Her ivg bemerkte jedoch nichts davon, belobte lqn und stellte ihn der ganzen Klasse als i Muster vor.

-dachte.sich J.tofo$

Graf von i'taisau, wenn Keckheit voi der Strafe rettet, so werde ich das auch bei Gelegenheit probiren."' Und diese Gelegenheit ergab sich nur allzubald. ES war in der Karlsschule Vorschrift, daß Bergehen der. Schüler kuf Zetteln verzeichnet wurden, welche sie eigenhändig dem Herzoge Karl über reichen mußten. Eines Tages nun kam dieser am Arm seiner Gemahlin Iranziska. Gräfin von Hohenheim, in die Klasse, wo ihm vorerwähnter Graf Nassau, der gewöhnlich sehr reichlich mit dergleichen Zetteln versorgt war,' auch diesmal ein ziemlich starkes Sündenregister überreichte. Das war dem Ne genten denn doch zu arg, und er herrschreden Delinquenten zornig an: Aber Graf Nassau, wenn er nun der Herzog wäre, und ich Graf Nassau, was würde Er denn mit mir ansängen?" ' ' Ohne sich zu besinnen, ergriff der so Gefragte den Arm der liebenswürdigen Franziska, gab ihr einen derben Kuß

und sprach: Eure Durchlaucht, das .ürde ich thuu und sagen: Komm Franzel. laß den dummen Jungen stehen." Der Herzog, frappirt von solcher Geistesgegenwart und Unverschämtheit, hielt es für das Gerathenste, die Sacke als einen Scherz aufzufassen und obendrein dem Schuldigen die wohlverdiente Strafe zu schenken. Der Tab krauche r. Sultan Murad IV., der siebzehnte Kaiser im 'türkischen Reiche, der im Jahre 1693 starb, war ein sonderbarer und launen voller Fürst, er vereinigte mit seltenen GcisteZgaben Grausamkeit und Härte. Die Geschichtschreiber erzählen, eS seien durch ihn während semer siebenjährigen Negierung vierzehntcmsend Menschen durch das Schwert und den Strang um's Leben gekommen, diejenigen nicht mitze rechnet, welche aus dem Schlachtfelde sielen. Während seiner Kriege in Persien und bei der Belagerung von Bag dad erhielt er den Beinamen des Tapfe ren. Unter anderen hatte dieser Kaisr auch den Gebrauch des Tabaks und Opiums verboten und oft mit eigener Hand die Uebertreter dieses Verbotes bestraft. Ein Türke, leidenschaftlicher Freund des Stauchens, konnte sich der Mach: dieser Gewohnheit nicht entziehe, und da er doch unbestraft bleiben wollte, so ließ er in seinem' Garten eine tiefe Grube griben und solche mit GeMeig und Blumen überdecken ; dann setzte er sich hinein, rauchte seine Pfeife und ent ging so für einige Zeit der Strafe, bis einer seiner Dierer ihn verrieth. 3Ru rad, höchst erbittert über diesen Trotz, verfügte sich sogleich in d?n Garten, übsr rasch) den rauchenden Sünder auf der That und zog das Schwert, um ihm den Kopf abzuschlagen. Der Raucher verlor in diesem kritischen Augenblick seine Fas sung nicht, sondern sagte : Hinweg, Du gekrönter Sohn einer Sklavin ! Du haft zu befehlen über der Erde, aber nicht un ter ihr!" Diese Kaltblütigkeit überrasch te den Kaiser um so mehr, da sie eine sei tene Erscheinung für einen Herrscher war, der nur zitternde, aber keine frin Männer kannte.' Er ließ ihn ungestraft und gab ihm sogar die Erlaubniß, in seinem Hause rauchen zu dürfen, j DaS kluge H ä n s ch en. Vater : Jetzt wirst Du bestraft, HSnS chen. Ich sagte Dir ja -. Wenn Du mor gen wieder unartig bist, giebt's Schläge! Hänechen : Aber, lieber Papa, heut ist doch schon übermergen! Der schwarze Pu'.el. Eine Unmasse von Menschen erwartet auf dert Bahnhof den herankommenden Zug. Fremder (zu einem Postillon, der vor sei' nem Omnibus steht): Ei, ei, was für eine Menge von Menschen ! Wen erwar tet Ihr denn heute Postillon : Ja, wissen S', Herr, das ist eine eigene Ge schichte! Da ist der Gilaenbaucr von Mcierhofen vorgestern in die Stadt auf die Schranne gefahren und weil das Ge treibe da 'runtergegangen ist, da hat sich der Gilaenbaucr vermessen und Hai ge sagt: I, da möcht'st doch gleich a schwarzer Pudel werden!" Kaum aber hat er daö g'sagt, so ist er auch schon ein schwarzer Pudel gewesen. Nu soll er heut' mit den: Zuge kommeil." Jrcm der: Ah.daL ist sehr gut ha, ha, ha!" Postillon: Ja, ja, Sie haben gut lachen, aber wem so was passirt, sür den ist's hart o.cnng." 'er i ii einer Tasse guten Kaffees Erquickung zu suchen gewohnt ist, dem giebt der Verner- Bund" dcn'Nath, zur Bereitung dcsMokkatrankcs destillir tcö Wasser zu nehmen ; er werde über den Erfolg angenehm überrascht sein. Der so bereitete Kaffee gewinne an Wohl geschmack und an Feinheit deS Dufts au herordentlich, denn alle im Korne verbor gencn schätzbaren Eigenschaften gelangen so zur vollen Entwickelung. Der Ver. such ist leicht zu machen und sehr billig ;, destillirtes Wasser erhält man in-jeder Apotheke um einen geringen Preis. , Adelsstolz. Der Graf von Strammbach hatte eine kleine Abendge sellschaft um sich versammelt, zu welcher natürlich nur Auserwählte geladen wur den. Unter diesen befand sich auch ein junger Gelehrter, der Schützling deS Grafen. In demselben Augenblicke, dck derselbe seine., Platz einzunehmen ge denkt, stößt die Gräfin von Aberden einen Schrei auS: Was ist Ihnen, Frau Gräsin. fragt Baron von Nudbelfeld be sorgt als Tischnachbar. Mein Gott, sehen Sie denn nicht, wir sind ja zu drei zehn ! Pah, meine Damen, keine un nöthige Angst ! Der Dreizehnte ist ja em Büraerlicber. ES gibt keine Kinder mehr, das ist eine oft gehörte Klage. Ader sie wurde bisher noch nicht auS dem Grunde erhoben, weil die Kinder auch schon Manneszier, einen wahrhaf ten Bart besitzen. Von einer solchen Ausnahme, die troZi ihrer kindlichen acht Jahre einen wirklichen Bart besißt, sei hier berichtet. Es ist dies der acht jährige Ludwig Kern; der Knabe, Schü ler der zweiten Normaltlasse in Wien, ist Besitzer eines recht gut ausgewachse nen Backenbartes, der ihm unter seinen Kameraden eine ganz exceptionelle Stel lung einräumt.' Ter Knabe ist Aerz ten wiederholt vorgestellt worden, deren Interesse das auffallende Naturschau spiel in hohem Grade erregt hat.

Fremdes lua l F e r n a n f l o r. -uZ dem spanischen

Juan un) ich betraten eines Mor gens dcn Part des Buen Retiro. wie gewöhnlich heig miteinander streitend. Denn wir stimmten über nichts über ein und lagen uns jeden Augenblick in den Haaren. Ich war noch sehr jung, sehr 'Optimist, bekannte mich zum Lebensgenuß und hatte das Herz voller Illusionen. Mein Freund Juan da gegen war kalt, skeptisch, verbittert und hatte bereits graue Haare. Endlich wurden wir des Streitens müde, lier.en uns auf cinti Steinbank nieder und dielten den Mund. Es war ein Junimorgen. Der( Himmel war unbewölkt ; die Sonne beleuchtete die Vegetation und ver te ihre Farben, ohne sie zu verbrennen. Ter leichte Wind trug feuchten Dust heran ; kurz, es war ein Morgen, mh cher von der Vorsehung dazu bestimmt zu sein schien, die Menschen, wclche ihn einathmen, mit Glück und Frieden zu erfüllen. So stellte ich mir das Werden dieses Tages vor ; der Andere degnügte sich damit, trocken zu erklären daß dieser Spaziergang unserer Ge sundheit zuträglich sein werde. - Tie Bank, auf welcher wir Platz genommen hatten, befand sich am äußer ften Ende einer langen, aus Akazien und Kastanien gebildeten Allee. Durch ihre Blätter hindurch zeichnete die Sonne ein fortwädrendes bewegliches anmuthiges Schattenspiel auf den Bohm. fcMich entzückte dieses einfache Schauspiel, das für meinen Freund natürlich unbemerkt blieb. Plötzlich bemerkte ich etwas, das mein Auge unverwandt auf dem entgegengesetzten Ende der langen Allee verweilen ließ. Zugleich schlug mich Juan auf die Schulter. Sieh dort!" .Was wir Beide zu gleicher Zeit be merkt hatten, war indessen weit ent fernt davon, sonderbar zu sein. . Der gleichen konnte man 'in d:n schattigen Baumgängen des Buen Retiro alle Tage wahrnehmen. Von d.'m dunkel grünen Hintergrunde hob.'n sich zwei Gestalten ab, welche lang'am näher kamen. Das Mädchen war beinahe noch ein Kind und auch ihr Begleiter schien kaum die Zwanzig überschritten zu haben. Man bemerkte auf d?n ersten Blick, daß es ein Liedes;iaar war. obgleich Beide sehr schweigsam und in sich versunken herankamen. Sie hatte eine schlanke Gestalt und trug ein Helles Kleid; Alles war einfach, besaß aber natürliche Eleganz. Ihr Antlitz konnten wir nicht sehen, denn sie hatte den Schleier herabgelassen; aber wir zweifckn nicht daran, daß sie schön war. Denn die Schönheit ist ein Ding, welches man fühlt. Er war hochgvach sen, trug einen grauen Anzug und seine Manieren verriethen d:n Mann von guter Familie. Sieh", sagte Juan, sie scheinen sich gestritten zu haben. Weder sie noch er heben die Augen empor, und obwohl sie schon nahe heran sind, ha den sie uns doch noch Nicht bemerkt." Sie waren in d?r That so nahe herangekommen, daß wir sie volllommen unterscheiden konnten. Sie ließen uns auch Zeit daz::; denn sie blieben stehen. Er hatte die Hand ausgestreckt, dieselbe auf ihre Schulter gelegt und sie genöthigt, gleichfalls stehen zu bleibcn. Nun hob er ihren Schleier em por, und betrachtete sie. Hast Du es bemerkt. Juan? Wie sonderbar! Hast Tu gesehen, wie seine Hände zitterten, als er den Schleier in die Höhe hob !" Ich bemerke nur, daß Deine Einbildung wieder thätig ist. Das einzige, das ich bemerke, ist, daß sie sehr hübsch ist." Er nannte sie hübsch und profani siite sie durch diesen Gemeinplatz Tenn siebesaß eine so edle Schönheit, daß die letztere nur durch einen Künst ler hätte d'efinirt werden können. Sie weint," bemerkte Juan. Blaue Augen! Wie weich, wie schön, und doppelt schön mit diesen Thränen. Ich habe es mir gedacht; ein Liebespaar, welches sich gestritten hat." Er wird eifersuchtig gewesen sein. Die Unbeständigkeit pflegt die einzige Tugend der Weiber zu sein. " Nein, Tu bist ein schlechter Phy. siognomist, Juan. Sie haben sich nicht gestritten, und am Wenigsten au Eifersucht; denn aus den Augen Bei de? strahlt heifze, wahre Liebe: Liebe, wclche Alles opfert, Alles, auch Leben und Ehre." Tu siehst nicht wenig. . Die Liebe ist weiter nichts als die Berührung zweier verschiedener Arten Blutes. Die eryabenen Gedanken, welche Dir manch, mal darüber einfallen und welche ich, wie ich gern eingestehe, früher ebenfalls gekannt habe, sind vergoldete Worte, welche mit den Jahren den Glan; verIicren. Der da ist ein hübscher Mensch, sie ist ebenfalls nicht häßlich: das ganze Idyll dort besteht ausschließlich in einer künstlerischen Empfindung,. welche Beide für einander haben, in der Liebe zur Form sieh' dort, habe ich nicht Recht?" Ich schaute hinüber. Ter junge Mann drückte schweigend einen langen Kuß auf den Mund des Mädchens. Juan hatte laut aufgelacht. Die Beiden schraken zusammen und bemerk ten uns. Er schaute uns unbefangen an, und zuckte die Achseln. Sie ließ den Schleier wieder herab. ' Dann schritten sie Arm in Arm an uns vorbei, ohne uns anzuschauen; eS schien, als wollten sie sich in die Nächste Seitenallee hineinbegeben. Am Eingange derselben wurden sie einen Augenblick aufgehalten. Das Wasser eines kleinen den Part durch. schneidenden Kanals hatte hier eine Pjütze gebildet. Billeicht wären sie umAtlehrt, wenn wir uns nicht auf I dem Wege befunden hätten. Sie

schwankten; dann aber nahm sie -das Kleid aus und sprang-auf den Fuß spitzen hinüber. "Er ging mitten durch die Pfütze hindurch, ohne sich darum zu kümmern, daß das Wasser ihm bis. an bcn Knöchel reichte. Juan lachte über diese Einzelheiten, mich machten dieselben nachdenklich. Woran denkst Du?" fragte er mich. Hast Du gesehen, wie Jener eben urch die Psütze ging?" - , Gewiß. Er that es mit einer Ent schlossenheit, die einer besseren Sache würdig war. ES steht fest, daß der unge Herr entweder ein großer Philo loph ist, oder daß er wasserdichte Stiefel sein eigen nennt." Ich erhob mich. Ich will ihnen nachgehen: sie flöße:, mir Interesse ein. machen mich ueugie rig. Ich will wissen, wer sie sind,' zu welcher Gesellschaftsklasse sie gehören, ob sie sich auch wirklich so lieb haben, wie es den Anschein hat; ob sie glücklich sind, und od ich ihnen irgendwie nütz-

lich sem kann." Mache Dich nicht zum Narren und habe den Muth Deiner Meinung, d. h. versuche Deinen Fehlern auf den Grund zu kommen und sie beim Namen zu nennen, denn Deine Neugierde und Tcin plötzliches Interesse sind wei ter nichts wie Neid. In Deinem Alter pflegte mir dasselbe zu Passiren ; wie oft habe ich früher in diesen Alleen ge seufzt, wenn Liebespaare wie jenes an mir vorübcrkamen! Die Empfindung, welche sie mir damals in derselben Weise, wie Tir heute einflößten, nannte ich wie Tu Poesie: aber eS war weiter nichts wie Neid 'die Prosa der Sinne, aber nicht die Poesie der Seele." Meinetwegen. Also Neid. Viel leicht hast D:i Recht. Denn die Beiden dort sind schon wieder ledhaft geworden sie schwatzen mit einander, sie drük ken sich die Hände nun legen sie die Arme über die Schultern, nun bringen sie die Köpfe einander näher ha. Du hast Recht, eS war weiter nichts wie Neid. Und ich fahre fort, sie weiter zu beneiden und Du, beneidest Du sie nicht ebenfalls?" In diesem Augenblick sielen zwei Schüsse. Hast Tu gehört? fragte der An dere kalt. Wir erhoben uns und bogen in die Allee ein, in welcher das Paar ver fchwunden war. ' Ich hatte die Beiden für glücklich ge halten und sie beneidet. Da ruhten sie auf dem Rasen, Thränen in den Augen, aber die Brust voller Blut. - Die Frauen in Australien. Wohl nirgends genießt die Frau o viele Rechte wie in Australien und dies naturgemäß, da. ein so junges Land sich nicht anders als nach den modern sten Anschauunzen entwickeln konnte. Dazu kam die bedeutend geringere An zahl von Frauen als von Männern, eine in der ganzen Welt seltene Erscheinung, eine Erscheinung, die in den Augen der Männer deren Werth erhöhte. Nicht zum Mindesten trug der Umstand, daß die herübergekommenen Frauen energische, zielbewußte Englün derinnen waren, die mit den Männern arbeiteten, die nach jeder Richtung hin Danlenswcrthes leisteten, dazu bei. ihnen ihre jetzige Sclbstständigkeit und Freiheit zu sichern. Da die Frauen geholfen hatten, Städte zu bauen. Schulen, Kirchen, Krankenhäuser zu errichten, da sie ge halfen hatten, die Kinder zu unterrichten, die Kranken zu warten und zu pflegen, konnte man sie da von der Stadtverwaltung, von der Schulcommifsion ausschließen? Sicherlich nicht, und man ist sogai mit den Resultaten ihrer Thätigkeit so zufrieden, daß man nunmehr gewillt ist, ihnen auch das politische Wahlrecht zu ertheilen. In der vorigen Session in Neu - Seeland wäre ein "Gesetzent wurf, der dies beantragte, beinahe durchgegangen. Da das Mißlingen nur einem Formfehler zuzuschreiben ist. so ist man ziemlich sicher, daß die Bill das nächste Mal angenommen wird. Die Frauen selbst machen wenig Auf Hebens von der Sache und schlagen überhaupt nicht viel Lärm über das Wahlrecht. Es sind die Männer, die es befürworten, die cZ verlangen. Die grauen abr haben eine viel bessere Methode als die des Redens und der Agitation. Sie verstehen es. sich unentbehrlich zu machen, sie verstehen es. ihre Leistungen so beredt zu gestal ten, daß diese leibst den lebhaftesten Protest gegen eine Zurücksetzung der selben bilden. Sie besitzen auch die Klugheit, nichr den alten, ausgelretcnen Pfaden der Männer zu folgen; mit offenen Augen sehen sie um sich, und wo sie finden, daß die Männer es fehlen lassen, da treten sie ein. Wohl widmen sich auch Frauen dem Studium,' wohl gibt es weibliche Ho spitalärzte, und was die Krankenpflegerinnen. Missionärinnen und Lehrerinnen anbelangt, so ist ihre Zahl Legion, aber dieselben waren auch unbedingt nöthig, und im Allgemeinen widmen sich die .Männer in Australien in verhältnißmäßig geringer Zahl die sen letzteren Berufzarten. Ein Hauptverdienit der Frauen aber ist eS, den Werth der Bodenbebauung, die in Australien noch recht vernachläs sigt ist, erkannt zu haben. Statt mit den Männern in Berufsarten, 'die be reits hinlänglich ausgefüllt sind, in Konkurrenz zu treten, haben sie sich ein Gebiet auserlesen, das noch im Argen liegt und das sie grog zu bringen nunmehr im Äegrisse sind. Besser konnten die Befürchtungen, die gegen die Freiheit der Frauen noch herrschen und die eine Vernichtung der Männerberufe prop't?ezcien. nicht wider legt werden. Keine Spür von Kampf, Neid u. s. w. I:: der natürlichsten Weise der Welt finoc! da jeder den sür sich geeigneten Platz und füllt ihn nach k,ltm Willen und kennen aus.

Daß daS neun Millionen Quadrat kilometer große australische Land ein vorzüglicher Boden für-Agrikulturar beit ist, läßt sich denken. DaS trovi' sche Klima, der billige Preis des Bo dens, all dies waren günstige Bedin gungen für die ersten von Frauen an gestellten Versuche, und Diese gefalteten sich so vorzüglich, daß sie dieselben im mer mehr erweiterten. Hatten sie qutt Erfolge mit Plantagen von cinheimi scheu Früch'.en. wie Ananas. Bauanen, Kokusnässe u. s. w., so erstreckten sie ihre Versuche auch auf europäisch Früchte und. Gemüse. Dasselbe gilt von den Blumen; und Gärtner. Far mer u. s. w. sind derart weibliche Be' rufarten in Australien geworden, daß man sie bald nur als solche betrachten wird. Kaffee- und Zuckerplantagenbesitze rinnen sind ebenfalls keine Seltenheit, besonders in den letzten Jahren, seit' dem Kaffee und Zucker so große Export artikel geworden sind. Es ist dies ein Betrieb, oer enorme Kosten und außer ordentlich: Kenntnisse erfordert, auch hierin haben die Frauen groß: Erfolg zu verzeichnen. Es ist um so erfreulicher, die Frau in Australien als Landwirthin und zwar als sclbststündige Landwirthin zu finden, als es ein außerordentlich ge sunder Beruf ist und zwar ein echt weiblicher steht er doch im engsten Zusammenhang mit der Führung deZ Haushaltes und weil man hier se recht die Metamorphose wahrnehmen kann, die die Frau seit ihrer Uebersie. delung von der alten zur neuen Welt durchgemacht hat. Auch bei uns ist die Frau in de, Landwirth'chaft sehr häusig zu finden, und in Deutschland sind zweieinhall Millionen Frauen in der Landmirth schast thätig, das sind dreißig Prozent der Gesammtzahl der in der Landwirth' schast Beschäftigten; aber wie oft sieht man die Frau da als selbsiständigi Landwirthin? Nur gezählte Male. und in diesen seltenen Fällen hat sii dann wohl meist ein ererbtes Gut über nommen, das sie im besten Zustand be kommen un) in der gewohnten Weist fortführt. Anders dort; da findet man dii Zrau meist als selbstständige Land. Wirthin, als Unternehmerin; von einem -ganz bescheidenen kleinen Anfang hat sie sich emporgeschwungen, uud die 'Fruchtbarkeit ihres Stück Landes, da! pekuniäre Gedeihen, all da ist ihr Er .folg, ihr Werk. Sie arbeitet tüchtig und unverdrossen, aber sie genießt auch die Vortheile ihrer Arbeit, sie empfindet "die große Befriedigung, die nur dii Arbeit allein gewährt. Ein noch fleißigeres und vor allen Dingen ein viel entbehrungsreicheres Leben führen die Schafzüchterinnen. Fern von allem Verkehr, tief drin nen im Hinterland, leben sie ganz ihr Arbeit ; und diese ist fürwahr nicht klein und von nicht geringen Sorgen begleitet. Eine solch: , Station", wie diese großen Viehhcerde mit ihren zuge tzörigen Anlagen genannt werden, um. faßt mindesten zehntausend Morgen, der Kampf mit der häufigen Dürre, mit den gefräßigen Kaninchen, mit den Heerdcnkrantheiten, die Häufigkeit der Strikes unter den Wollsch.'rern, daz häufige Fallen des . Greises der Wolle

sind Faktoren, mit denen gerechnet wer den muß und die ungemein erschwerend sind. Trotzdem gibt es eine große Anzahl von Schaszüchtcrinnen in Australien, die den Betrieb vorzüglich zu leiten verstehen. In Qucen-land, Viktoria, und NeU'üdwales allein gibt es d.'rcn zweihundcrtdreiundneunzig. Das ist eine ganz enorme Anzahl, wenn man bedenkt, daß die Frauen unter den erschwerendsten Umständen lauter Groß betrieben vorstehen. In den übrigen Provinzen führt die Statistik Männer und Frauen nicht getrennt aus, es läßt sich daher nicht bestimmen, wie viele Schafzüchterinnen dieselben ent hallen. Eine der bestrenommirten Stativ nen, Tarling Downs"', wird gegen wärtig von einer sehr vornehmen, ge bilScten Engländerin geleitet, wie denn fast alle Schaszüchterinnen .Tamen" im besten Sinne des Wortes find. Aus diesen Verhältnissen gebt eZ deutlich hervr, daß diese Frauen, was die deutschen Frauen nih immer nicht vollständig begreifen wollen, längst eingesehen haben, nämlich daß Arbeit nicht schändet. Durch ihre Tüchtig keit aber und durch die Freiheit ihrer Entwickelung verstehen sie es. jede Art von Arbeit auf ein so hohes Niveau zu heben, daß dieselbe auch ihre geistigen Ansprüche befriedigt. Jedes Unter nehmerthum erfordert geistige Fähig leiten; schwingen Frauen sich nun gar, wie'dies meist der Fall ist. von der Angestellten, der Aufseherin, der Leiterin u. s. w. zur Unternehmerin auf, so ist ihnen ein so weites Gebiet eröffnet, daß ihrer Thätigkeit keine Schranken mehr sefetzt sind. , Guter Anfang. Dircctor: ..Wie mir geschrieben wird, Herr Rath, so sind Sie hierher versetzt wor den zur Strafe für Ihr leidenschaftli ches Spielen.. .. da muß , natürlich jetzt unterbleiben!" Rath: Ich weiß es leider wohl An all' dem ist aber nur das verdammte Tarok schuld!" Director: sso, so! Sie spielen auch Tarok! Da trifft sich'S ja ganz Dor trefflich unS fehlt gerade ein Vierer!" Vorschlag zur ii t e. . Examinator izum Examinanden, der keine Frage beantwortet): Wiffen Sie, die ich Ihnen stelle, sind so leicht, die würde selbst mein Hund beantirorkkn! Kandipai: Ach, Herr Professor, wollen ie mir das Thier nicht verkaufen i" t- Devot. Gutsbesitzer (zum Schäfer, der seinen achtzigsten (Äebitstag feiert): Seht noch brillant au5, Ehristoplt, könnt leicht noch zvan zig Jahre leben. Schäfer: Wenn S der anädiae Herr erlauben. ,