Indiana Tribüne, Volume 16, Number 290, Indianapolis, Marion County, 9 July 1893 — Page 3
g r n n h N d e. Nomail von Kans Zornfet). (8. Fortsetzung.) Verzeih darin möchte ich mich -aber denn ooch mehr auf Papas Seite stellen. Ich gestehe gern zu, daß Auras, sofern sich Deine romantischeErzählung .als Thakssche bewahrheitet, was wir doch erst genau prüfen und abwarten wollen, einen berechtigten Anspruch auf ein: angemessene Entschädigung hat. Co mir" nichts dir nichts einenVesitz wie WildenHof aufzugeben, halte ich jedoch für gänzlich unstatthaft. Äor allenDingen weißt Du noch nicht, ob Auras diese unkluge Eroßmuth acceptirte er ist ja ein so sonderbarer Mensch und ob sich auch nicht die Gerichte hin.einmischen würden. Die crsteFolgz wäre ein furchtbarer Scandal, der den Nawen WildenHof für Jahrzehnte in der Gesellschaft unmöglich machte. Dein Vater und Onkel Wolf müßten sich im Grabe herumdrehen und wir würden von keinem anständigen Menschen mehr angesehen . . . Und dann bedenke, daß auch der langjährige Besitz ein gewisses Rech! qibl ... Nein, nein. Papa hat recht: Wildenhof darfst Du aus ftinen Fall aufgeben!" Du willst also," sagte Brunhilde, sich langsam aufrichtend, in gepreßtem 'Tone, daß ich zur Diebin werde? Du würdest D:ch nicht scheuen, ein Weib heimzuführen, das sich ihrem Verwandten gegenüber der Unterschlagung schuldig macht?" Du bist so furchtbar aufgeregt, was ich ja nebenbei ganz begreiflich finde, daß Du alles bis auf die äußerste Spitze treibst." begütigte Viktor, ohne jedoch einen leisenVerdruß gänzlich verbergen zu können. In der unüberlegten Hast des Augenblicks, des ersten Eindruas willst Du einen Schritt thun, der für unser Leben die schwerwiegendsten Folgen nach sich ziehen muß. In solchen Fällen handelt man doch nur nach reiflicher Ueberlegung. Gewiß bin ich dafür, daß Auras entschädigt - wird aber es muß doch alles in den Grenzen der praktischen Vernunft bleiben. Ich meine, Du zahlst ihm, sobald die Sequestration zu Ende, eine angemessene Rente. Wir thun am besten, darüber einen tüchtigen Rechtsanwalt zu Rathe zu ziehen. Jedenfalls kannst Du bei Deinen jetzigen beschränkten Mitteln gar nichts thun, eben so wenig als er, soweit ich ihn kenne, Anforderungen an Dich stellen wird. Er ist Sonderling, aber im Allgemeinen doch wohl Gentleman, und jedenfalls viel zu klug, um sich gerade auf Wildenhof zu capriciren. Was will er. der Mann der nüchternen Arbeit, der Feind jedes aristokratischen Selbstgefühls, in Wildenhof? Er fühlt sich zwischen denPferdeställen und Hüttenbautcn von Liebenfelde wahrscheinlich viel behaglicher, als in irgend einer Ahnengallerie. Ich möchte jede Wette eingehen, daß er nicht einmal seinen Namen wird ändern wollen. Weshalb sollte er auch? Diese Metamorphose wäre ihm wohl eben so unbeczuem, wie Dir und mir." Viktor bette so lebhaft gesprochen, daß ihm dieVeränderung in Ärunhildes Zügen ganz entgangen war. Erst als er nun inne hielt, bemerkte er ihr Erblassen, das Zucken ihrer farblosenLipPin. ErsÄrocken fprang er auf und suchte den Arm um ihre Schulter zu legen. Mit einer entschiedenen Bewegung wehrte sie ihn ab. Wir verstehen uns noch nicht," saote sie herb. Du scheinst nicht in Betracht zu ziehen, daß ich Auras noch denErsatz der ihm durch dreißig Jahre vorenthaltenen Bezüge schulde, die Sühne für Entbehrungen und moralische Demüthigungen, welche " Welche sich ebenso wenig berechnen läßt, als jener Ersatz, man müßte denn mit ungezählten Millionen herumzuwerfen haben," fiel Viktor nunmehr satt ärgerlich ein. Mit einem derart!gen Zartgefühl machen wir uns nur zum Gespött derWeli und zuVettlern." Viktor spricht so ein Edelmann, ein Offizier, mein Bräutigam, dessen Ehre so nrn sein muß. wie Diamant?" Eine tiefe Falte erschien unheilverkündend zwischen den Brauen der Gräfin. Ich habe schon vordem Schweres durchgekämpft; zu Dir rettete ich mich, Du allein schienst mir der Mann der Wahrhaftigkeit, Treue und Ehre. Auf Dich baute ich mein ganzes ferneres Leben laß mich nicht erkennen, daß ich mich auch darin betrog, wie ich mich in " Ihre Stimme verstarb in einem unverständlichen, gepreßten Mur- ' mein; sie vermochte es nicht auszusprechen, daß ihr Vater ein ehrloser BetrXgcr gewesen war. Trotz seines Leichtsinnes begriff Viktor die Schwere dieses Moments, der über seine Zukunft entscheiden mußte. Ein plötzlicher körperlicher Schmerz, die Folge der Aufregung bei seinem noch wenig befestigten Gesundheitszustand, befiel ihn. Mit einem leisen Stöhnen sank er, die Hände gegen die wunde Brust pressend, in die Sophakissen zurück. Entsetzt eilte ihm Vrunh'lde zu Hilfe. Sie wusch seine Schläfe ruitKölnischem Wasser, rieb seineHande, reichte ihm Wein und Tropfen und erschöpfte sich in Liebkosungen und zärtlich besorgten Fragen. Der Schlaue verstellte sich noch, als der Anfall bereits geraume Zeit vorüber war ... es war so süß, von diesen weichen, bebenden Händen gestreichelt, von diesen dustenden Lippen geküßt zu werden. Du siehst, wie morsch bereits diese? Grundstein Dcin:s Glückes ist." scherzte er, sie an sich 'ziehend. Auch darum übereile nichts! Laß Papa, meinetwegen in Deiner Gegenwart, mit einem Necht-nwalt berathen, ehe DuDich mit Deiner Entdeckung an Auras wendest. L?ache diesem anfangs ein wenn auch
angemessenes, so doch mäßiges Angebot. Nachgeben, zulegen kannst Du dann immer noch. Denk' an unsere Zukunft. süßes Herz. Ich will mein Blut für Dich verspritzen, aber ich kann Dich nicht von meinem Lieutenantsgehalte erhalten. Wir sind Beide nicht dazu geboren, zusammen drei Zimmer zu bewohnen und die Woche zweimal Rindfleisch mit Reis zu essen . . . nein, mein einziger Schatz,' mein strahlend schöner Diamant, mein unschätzbarer Edelstein, es wäre unverzeihlicher Frevel, würde ich nicht verhindern, daßDu Dich selbst der Dir gebührenden Fassung beraubst . . . ." Lachend wollte er ihre Wange küssen, aber er erschrak vor dem Ausdruck eisiger Kälte, mit welchem sie von ihm zurückwich. Sollte er versuchen, ihr zu imponiren? Schließlich blieb ihm kein anderes Mittel. Im Ernst. Liebchen," fuhr er fort. Du bist wohl kaum berechtigt, nach Deinem eigenen kleinen Trotzkopf in dieser, gelinde gesagt, thörichten Weise vorzugehen. Papa als Familienvater und ich als Dein Bräutigam haben dabei wohl auch ein gewichtiges Wort mitzusprechen. Es handelt sich um unserer Aller Ehre undEnsienz, die Du so ohn: Besinnen aufs Spiel setzst." Mit einer jähen Bewegung riß sich Brunhilde von ihm los. Laß mich nicht auch an Dir irre werden. Viktor, laß mich nicht glauben, daß Dir der Besitz von Wildenhof mehr gilt a3 unsere Ehre und Selbstachtung oder daß Du nicht um das geliebte PZädchen, sondern um die Erbin von Wilnhof geworben hast!" Auch Viktor hatte sich erhoben. Jetzt handelt es sich um meine Existenz und die Herrschaft im künftigen Ehestande," dachte er nicht ohne Berechtigung. Seine schmächtige Gestalt so imponirend als möglich emporreckend, antwortete er in einem Ton?, als habe er einem widerspenstigen Rekruten die Kriegsartikel zu erläutern: Du verlangst hoffentlich nicht, daß ich diese Unterstellung erst widerlege. Ebenso bitte ich Dich vor allen Dingen um ein weng mehr Mäßigung. Ehe Du Papas und meine Ehrbegriffe so schonungslos verurtheilst, solltest Du doch billigerweise prüfen, ob Klugheit, Erfahrung und Recht nicht mehr auf unserer Seite sichen, als auf der Demigen. Einem vernünftigen Vorschlage wtrde ich natürlich gern beitreten; bis jetzt scheinst Du nichts Anderes zu wollen, als uns unsterblich zu blamiren und zu ruinircn. Dem widersetze ich mich ganz entschieden, muß es thun, wenn ich nicht meine Carriere aufgeben und auf unsere gemeinsamen Hofsnungen verzichten will. Daß ich arm bin und als Officier kein armes Mädchen hcirathen kann, hast Du stets gewußt. Das ist ein Zwang, den alle Welt kennt, dem sich die meisten meiner Kameraden bcugen müssen, ohne daß es ihnen zur Unehre gereicht. Nun entscheide zwischen Deinen thörichten, romanhaften GroßmuthZideen und mir!" Er hatte sich schließlich ernsthaft ereifert und unwillkürlich fchrfer, drohender gesprochen, als dies in seiner Absicht gelegen. Brunhilde trat einen Schritt zurück. JhrcAugen glänzten fieberhaft aus dem schneeweißen Gesicht heraus. Viktor, weißt Du, was Du sprichst?" Ihre Stimme klang wie halb erstickt. Er zögerte einen Moment würde er den Bogen nicht zu straff spannen? Gleichviel, jetzt zurückweichen hieß, für immer unterliegen. Ich sprach meine unerschütterliche Ueberzeugung aus, der Du hoffentlich einen bestimmenden Einfluß auf Deine Handlungsweise einräumen wirst!" antwortete er barsch. Brunhilde schien zu erstarren. Eine Minute lang glich sie mehr einer Marmorstatue, als einem lebenden Wesen; nur in ihren Augen glühte leidenschaftliches Empfinden, fo daß Viktor ängstlich zu werden begann. Noch ehe er einzulenken vermochte, brach sie in ein leises, doch schneidend scharfesLachen aus. O, über Eure vorsichtige, tugendhafte Entrüstung! Ich hätte es ahnen können. daßie Besitzerin von WildenHof eine ganz Andere war, als nun die arme Brunhilde sein wird. Heuchelei, falscher Schimmer, Flittergold, damit ziert und brüstet JhrEuch und bebt entsetzt zurück, sobald Euch eine harte Wahrheit ins Gesicht schaut. Ihr drückt die Augen zu und meint, sie sei nicht vorhanden, wenn Ihr sie nicht mehr seht Auch Du. Viktor, auch Du! Und hättet Ihr wenigstens den Muth Eurer Ueberzeugung! Feig verkriecht sich Eine Furcht vor dem ernsten Kampf mit dem Leben hinter tönenden, inhaltslosen Phrasen. Erbärmliche Comödie, ein Maskenball, bei dem Jeder den Andern durchschaut und ihm doch, der lieben Gegenseitigkeit wegen, den Gefallen thut, wenigstens scheinbar an seine Maske zu glauben! " Sie brach hart ab. Dann zog sie den breiten, goldenen Reifen vom Finger, legte ihn auf den Tisch und fuhr leisen, weichen Tones fort: Leb' wohl, Viktor! Ich habe Dich sehr geliebt, doch zuviel stiht zwischen uns .... Ich könnte Dich nicht glücklich machen, ich bin -ja auch nicht mehr die glänzende Partie, die Dir unentbehrlich ist. Du wirst leicht eine andere, passendere finden!" Ihre Hand berührte flüchtig d seine, die er bei seinem Irhirn Tstnrfe.
I " r " " v --w, j energisch zur Faust geballt, auf den Tisch gestemmt hatte. Dann em rascher, fast sprungartiger Schritt die Thüre öffnete sich, wurde zugeworfen, Viktor war allein, wie betäubt von dieser' unerwarteten Entwicklung. Im Hofe rollte der Wagen. Er stürzte ans Fenster und riß es auf: Brunhilde Brunhilde!" Es schien, als wende sie das blonde
Haupt ein wenig zurück, aber ' di: Pferde griffen noch schärfe? aus. Verfl !" Klirrend warf er , das Fenster zu und lehnte sich in die Sophaecke. Die Scene hatte ihn erschöpft; der stechende Schmerz in der Brust mahnte bedenklich an die kaum vernarbte Wunde. , . Jetzt fehlt nur noch, daß ich mich für ein Nichts zum halben Krüppel schießen ließ," murmelte er verdrießlich, als sein Auge auf den Verlobungsring fiel. Er griff darnach und betrachtete ihn sinnend; der von kleinenPerlen umrahmte Brillant verschleuderte freigebig eine Unzahl bunter Feuerstrahlen, die röthliche Farbe des Goldes erinnerte an Brunhildcs Haar .... der leichtsinnige Lieutenant lächelte und steckte das Kleinod in die Westentasche. Es braucht ihn niemand zu sehen, es ist ja doch Unsinn, Mädchenlaunen! Sie liebt mich und wird von selber wieder kommen, ich bin ihr noch unentbehrlicher, als sie mir!" Und er griff nach einer zweiten Cigarette und begann leise den FatinitzaMarsch zu pfeifen. XV. Ein breites, muldenförmiges Thal. begrenzt von mäßig ansteigenden Höhin, auf denen sich hellgrüne Buchen und leuchtende Birken anmuthig in das ernste Dunkel der Fichten und Tannen mischten; in der Tiefe ein bläulich schimmernder Fluß, an seinen Ufern saftige Wiesen und sorgsam bestellte Felder, und weiterhin eine klappernde Mühle und eine Bleiche, die mit ihren Hunderten Quadratmetern Leinwand ein Stück Winter in die lachende Sommerlandschaft gezaubert zu haben schien, als der Anfang einer Ortschaft, welche zwischen Dorf und Stadt die Mitte zu halten mochte... zwischen stattlichen Bauernhöfen und ärmlichen Holzhäusern hier und da eine Art Villa mit Veranda und wohlgepflegtem Garten, oder eine fast elegant zu nennende Gastwirthschaft, welche sich selbst auf dem Schilde als Hotel bezeichnete hinter einem sonnverbrannten Bauer, der sein Ochsengespann mit vielem Zerren an der " einzigen Hotteleine" und manchem kräftigen Fluch dirigirt, ein städtisch gekleideter Flaneur mit Botanisirtrommel und hellblauem Entoutcas . .. in einem Grasgarten eine Schaa? luftiger Sommervögel, rosenwangigc Backfische beim Federball, bewacht von zwei bebrillten Anstandsdamen und angestaunt von der hinter dem Stacketenzaun versammelten, barfüßigen und -häuptigen, gesundheitsstrotzenden Dorfjugend. . . aus cinemPartcrrefenster das Gebet einer Jungfrau" auf dem Piano, vom Felde her der eintönige Gesang derKühe hütenden Mädchen.... das ganze, nicht besonders charakteristische oder lebhafte, aber anmuthige Bild' im Hintergrunde von schachbrettartig ineinandergeschobenen bunten Feldern und einer dahinter coulissenähnlich aufgebauten, bläulich schimmernden Waldmasse abgeschlossen! Unverkennbar eine Sommerfrische, wie deren seit den letzten zioanzigJahren unzählbar, Pilzen gleich, emporgeschössen sind zu Nutz und Frommen eines thatkräftigen VerschönerungsVereins oder unternehmenden Badearztes" und solcher Erholungsbedürstiger, denen zum Besuch der großen, geräuschvollen Badeorte Geld oder Lust mangelt. Ungefähr am Ende des Dorfes, etwa hundertSchritte abseits derStraße und bereits halb auf der ansteigenden Berglehne, stand ein einfaches, freundlicheZHäuschen inmitten eines sehr zierlichen Miniaturgärtchens, alles so Peinlich sauber, so gedrechselt und geputzt, daß man es aus einiger Entfernung mehr für ein niedliches Spielzeug, als für dieöehausung menschlicher Wesen halten konnte. Eine dichtbewachseneJelängerelieberLaube im Hintergrunde- des Gartens blickte nach dem Walde, von dessen Saum ein stattliches, von Linden und Obstbäumen eingerahmtes Gehöft herübergrußte. Brunhilde Wildenhof sah mit dem gleichgiltig-n Blick der Gewohnheit hinüber, ehe sie die Laube betrat. Das Arbeitskörbchen auf den unpolirten, aber schnttweiß glänzenden Tisch stellend, liefe sie sich nachlässig auf dem gleichfalls rohen Bretterstuhle nieder. Sie war eine Andere geworden in dem Jahre, welches seit ihrer Vcrlobunz velflossen war. Noch lag der feine Schmelz der Jugend auf ihren Wangen, doch auch um Lippen und Kinn ein fester, fast harter Zug, in den Augen ein ernster, weltkundiger Ausdruck, welcher sie um Jahre älter erscheinen ließ. Eine Zeit lang saß sie in stummem Sinnen, die schlanken Hände, an denen kein Ring länzte, im Schooße gefaltet. Dann griff sie nach hm Buche in ih remArbeitskörbchen und öffnete es. Ein halb wehmüthiges, halb sieghaftes Lächeln schwebte um ihre Lippen, als sie den Inhalt zu überfliegen begann. Sie hatte ihn selbst geschrieben, und auf der ersten Seite stand in großen, etwas unsicheren Zügen Tagebuch. ' . Es begann: ... . . , . . 24. Dezember. . . Heiliger Abend ein Freudenfest, der Tag' an welchem auch das Herz des ärmsten Kindes hoher schlägt, und das meinige mochte brechen vor Weh. Wie lange Wochen habe ich in früheren Iahren mich darauf vorbereitet, Uoie glücklich war ich, wenn ich empfangen und verschenken durfte! Wie viele betrachteten es als eineMnst, mich ' durch eine Gabe zu erfreuen., heüte beksimmert sich niemand mehr um mich. x Ich ging am Vormittage auf den. Wcihnachtsmarkt. Die Luft war erfüllt von würzigem Tannenduft; der Platz, auf dem die Bäume feilgehalten werden, glich einerVolköversammlung. Em Händler warf ein Bäumchen, das ihn wohl zu unscheinbar und unverkäuflich
erscheinen mochte, über die SÄnur, die seinen Stand umspannte, gerade vor die Füße einer ärmlichen Frau. Sie hob es auf, ja!) den Mann fragend an, und ols er ihr lachend zunickte, eilte sie mit ihrer Beute davon, so strahlenden Antlitzes, daß ich glaube, die Welt trug in diesem Augenblicke kein glücklicheres Wesen, als dieses arme Weib aus dem Volke. Sie hat zu Hause einen' Mann und Kinder. Jetzt, wo ich dieses schreibe, sitzt sie mit ihnen um das lichtergeschmückte Bäumchen und erzählt ihnen, wie der heilige Christ es ihr bescheert habe, und dann singen sie trotz ihrer bitteren Armuth fröhlich mit ein ander: O dll fröhliche, o b;i selige Enadcubrlngettde Weihnachtszeit'. Die arm: Frau trug die Schuld dar an. daß ich keinen Baum kaufte ... ich habe ja niemand Liebes, der sich mit mir daran freuen konnte.... Statt seiner erwarb ich dieses Buch, das mein einziger Freund, mein Vertrauter und Beichtvater werden soll. Ich brauche nicht zu fürchten, heute in meinen Auf-' Zeichnungen gestört zu werden. Meine Wirthin ist bei ihrer verheiratheten Tochter, und sonst weiß und kümmert sich niemand darum, wo und wie BrunHilde Wildenhof sich heute befindet. , Doch nein da klopft es! 25. Dezember. Draußen rufen die Glocken zur Kirche. Ich wollte ihnen folgen, unterließ es aber doch. Die Andacht fehlte mir, ich hätte nicht zu. beten vermocht. So will ich denn fortfahren, meinem verschwiegenen Freunde zu beichten. Der Klopfende war der Postbote, der eine riesenhafte Kiste brachte. Natürlich glaubte ich an einen Irrthum, sobald ich sah, daß die gekritzelte Adresse weder von Onkel Edmund noch von Viktor herrührte. Da sie. jedoch so genau als nur möglich war, nahm ich nach kurzem Ueberlegen an, ohne den Absender zu kennen. Die Begleitadresse war verloren gegangen. Das Herz klopfte mir wie einem Kinde, als ich mit vieler Mühe den Deckel öffnete. Ein riefenhafter. prachtvoller Strauß kam zum Vorschein Rosen. Veilchen, Maiglöckchen. Vergißmeinnicht, alles meineLieblingsblumen, dazu eine Karte: In unveränderlicher Ergebenheit gestattet sich. Ihnen, gnädigste Comteste, diese bescheidenen Blumen als Interpreten seiner herzlichsten Glückwünsche zu Füßen zu legen Ihr Sie allezeit hochverehrender Holm Grf. Hohenau. , Der sonderbare Mensch, was er mit en wunderlich stylisirten Worten ei-, zentlich sagen will! Aber doch wenig stcns einer, der mich nicht vergessen hat. Ich habe vor Freuden geweint und dennoch, . waS mochte ich eigentlich erwartet haben? Ich fühlte mich wie enttäuscht i'ls ich den Namen Hohenau las. ' ' 1. Januar. .Die Blättei. welchz ich in den. letzten Tagen geschrieben, habe ich heute aus dem Buche geschnitten und verbrannt. Es waren nur thörichte Klagen und Selbstvorwürfe; mein vertrauter Freund würde, falls ich ihn mit Phrasen füllte, den Zweck verfehlen, zu dem ich ihn bestimmte: ein Spiegel zu sein, in welchem ich mich selbst ohne Verzerrung und Beschönigung schaue, aus dem ich noch nach langenJahren ersehen kann, wie ich gefehlt, gebüßt und gekämpft habe. Ich will mich also nach Mpglichkeit aus die Thatsachen beschränken, aus denen sich mein neues Leben aufbaut. Es begann in jenem Augenblick, als ich Viktors Ring ablegte, wie man eine drückende Kette bricht. Auf der Heimfahrt begegnete mir Onkel Edmund. Er winkte, mir, zu halten, und rief mir einige Worte zu, welche ich nicht verstand. Ich fuhr weiter. Frau von Leist kam mir weinend entgegen, halb gekränkte Märtyrerin, halb vorwurfsvolle Tregödin. Die Heuchlerin erregte nur noch Ekel in mir. Ohne ihre Bitten und versteckten Drohungen zu beachten, zahlte ich ihr das Gehalt für das laufende Jahr aus und stellte ihr den Wagen zur Verfügung. Ich habe später empfunden, was der Haß einer frömmelnden Heuchlerin zu bedeuten hat. Dann legte ich mi nieder alle meine Glieder schienen ebenso g:brochen, wie mein Geist und Herz. Jetzt lernte ich den furchtbarsten Schmerz .kennen, der ein' Menschenleben vernichten kann . . . nicht dasSorgen, Bekümmern, Bereuen oder Fürchten,' die Trauer um vereitelte, Hoffnungen, das nagende, brennende Grübeln über zwecklose Mühen, verloreneLiebe.. was ist alles gegen , jenes entsetzliche, dumpfe Gefühl einer unendlichen Leere, das mich erfüllte, alssei mir das Herz mit allen ' Empfindungen aus der Brust herausgerissen roorden! Ich erschien mir selbst als. todt, doch befähigt und gezwungen, gefühllos, wie lebend unter den Lebenden' zu wandeln, die ich mit den Augen einer anderen Welt betrachtete. . ' Wie widerlich . erschien" mir diese fromme Frau von Leist! Wie unbedeutend Viktor, wie grenzenlos meine Verblendung, wie thöricht das Gefühl, das ich für ewige Liebe gehalten hatte!- , Viktor, Dich liebte ich nicht, nur ein Gebilde meiner Phantasie, das mir in Deiner hübschen, liebenswürdigen Persönlichkeit verkörpert zu sein schien. Ich war ein Kind,, das sich von einer bunten Uniform und einer eleganten Tournllre blenden ließ! So weh es mir thut,' ich möchte, fast über meine Verirrung lachen .... meinIdeal aller Mannesraft und Ehre war eine Marionette, die nach den Commandos der sogenannten Gesellschaft tanzte' und seinen selbstständigen Schritt zu thun vermochte. Sobald ich das eikannt, war auch
meine. Liebe erloschen wie eine Flamme durch einen plötzlichen Windstoß, und ich wußte kaum, ob ich es bedauerte, ob das wirklich Liebe gewesen sein konnte, was nach kurzemKampfe kaum das Erinnern zurückließ! . ' ' Nicht einmal zürnen konnte ich ihm. Erziehung und Umgebung bilden bei den meisten Menschen den Charakter; auch Viktor mußte die lare Moral, die einseitigen Ehrbegriffe seiner Standesgenossen annehmen. Aber Onkel Edmund und mein 23a ter noch jetzt versagt mir die Feder vor Schmerz und Scham. ' ' 3. Januar. Noch immer von jenem grenzenlofeil Schmerz- und" Schamgefühl übermaltigt, hatte ich vorgestern die Feder aus der Hand gelegt. Eine Stunde später kam ein. kleiner Trost; von Hohenau abermals ein wagenradähnliches Bouquet mit einer etwas phrasenhaft schwülstigen, sicherlich aber wohlgemeinten Gratulation, und eine kleine, einfache, mit Vergißmeinnicht geschmückte Karte von Viktor. Sollte er in der alten Weise wieder anzuknüpfen suchen, oder treibt ihn das Mitleid? Ich will nicht darüber nachgrübeln. schließlich bleibt es ja doch gleichgiltig. sondern da ich ruhiger geworden, in meinen Selbstbekenntnissen fortfahren. Die Nacht, welche jenem Tage folgte, möchte ich um den Preis eines Königreiches nicht zum zweitenmale erleben ... ich stand in meines Herzens Gethse-
rmam und ersehnte den Tod als eine Wohlthat. Ich glaube noch heute, es wä mir ein Leichtes gewesen, eine Pistole zu lad'en und, den Lauf an die Schläfe gesetzt, abzudrücken. Doch das Leben war mir Pflicht, das einzige, das furchtbaze Ecbtheil, das mir mein Vater, außer seinem Betrüge, hinterlassen. , Ich schrieb an Auras. So kühl und geschäftsmäßig, als mir nur irgend möglich, setzte ich ihn von meiner Entdcckung in Kenntniß, bat ihn, die erforderlichen gerichtlichen Schritte zur Wahrung seiner Rechte zu thun, wobei ich ihm durch freiwilligen 'Verzicht auf WildenHof entgegen kommen werde. Und fügte den Trauschein seiner Eltern bei. . Wenige Minuten nach Abgang des Briefes kam Onkel Edmunde Es gab eine abermalige Scene, ähnlich der am vorhergehenden Tage, er bat, beschwor, drohte sogar, mich für wahnsinnig erklären zu lassen ich sah in alledem nur noch das verzweifelte Bestreben des entlarvten Betrügers, so viel als möglich aus dem Schiff brach seiner Intriguen zu retten. Es kostete mich weniger Mühe, fest zu bleiben, als ich' vorher geglaubt hatte. . . . Fast that mir der alte Mann'leid. -. Sein ganzes Leben hat er dem äuße ren Schein geopfert, dem, was erStandcspflicht ' und Standesbewußtsein nennt. In dieser erbärmlichen Spiegelfgchterei geht sein ganzes Dasein auf, vergeudet er seine Kraft, opfert er sein wirkliches Glück undBehagen. Nicht um zu genießen, nur aus Dünkel und Vorurtheil wird er zum Verbrecher. Um beneidet zu werden von einer gleich urthcilslosen, in gleichem Wahn befangenen Gesellschaft, wirft er die Ruhe seines Gewissens' ohne Bedenken dahin armer Mann! Die Gesellschaft, um derentwillen du das alles gethan, verläßt und verhöhnt dich, sobald sie gewahrt, daß du selbst den Schein nicht mehr aufrecht erhalten kannst. Du bist todt für sie, lebend begraben in deinem stillen Dorfe, für immer ausgeschlossen aus den Salons, in deren Parfüm du allein wohlig zu athmen vermagst. Das Götzenbild selbst vernichtet dich, dem du dich und mich zum Opfer gebracht." Armer Mann, er ging von mir, verzweifelnd, sich undmich verfluchend! Am Nachmittage kamen einige Zeilen von Viktor, als ob er die ganze Angelcgenheit ix eine Liebesneckerei halte. Dieser Ton, der mich früher so sehr entzückt und gefesselt, erschien mir nun unausstehlich maniriert, kindisch wie konnte ein Officier, ein Mann, der eine Waffe trägt, so läppisch schreiben wie ein Secundaner, der sich mit seiner Tanzstundenliebe neckt! , Noch am demselben Abend verließ ich Wildenhof. Ich hatte so vieleEinladungen aus den Hofkreisen, daß ich schwankte, welcher ich folgen sollte. Heute freilich . pah, es ist nicht der Mühe werth, ein Wort darüber zu verlieren! Kurzum, ich stieg bei der Gräfin Benckendorff ab, wurde mit offenen Armen ausgenommen, drei Tage als Lieblmgskind ; verhätschelt und am vierten boycoirt Ich kann es nicht anders bezeichnen. Es war ein Gartenfest bei Frau von Hören. Ganz gegen meinen Willen mußte ich den unaufhörlichen Bitten der Gräfin, sie zu begleiten, 'endlich nachgeben. Bei meinem Eintritt schien eine allgemeine Bewegung durch die gesammte Gesellschaft zu gehen, alle Augen blickten nach mir, ohne daß' ich be sonders darauf achtete. ' ' v - 'Einige , Minuten später machte mich Excellenz Röhell darauf aufmerksam, daß ich jedenfalls meinen Vcrlobungsring verloren habe." - . ' Ich fühlte, wie ich bis unter dai Haar crröthete. antwortete aber tapfer: Meine Verlobung ist aufgelöst Ernllenz lachte mir ins Gesicht: Seit wann dnn?" Seit einigen Tagen!" Und warum da Sie dock wohl aus der Ursache ebenso wenig em Gehcimniß machen, theure .Comtesse?Durchaus nicht," gab ich so ruhig als möglich zurück. - Ich fürchte, daß meineBesitzung Wildenhof an eine andere, mehr berechtigte Linie unserer Familie.fä'll und daß ich arm geworden bin odei5dsch binnen Kurzem sein werde." . .
Und Herr von Ruwer ist natürlich auf eine gute Partie angewiesen." Diesmal sah ich sie nur, ohne zu sprechen, fest an, fodaß sie endlich doch die Augen verlegen zur Seite wandte. Sie klappte den Fächer auf und zu und sagte endlich: .Sie sind, ohne Schmeichelei, ebenso schön und klug als vornehm, ein Ersatz kann Ihnen nicht seh len, sofern Sie sich ein wenig Mühe geben. Es gibt noch genug reiche Parvenus und hochgestellte Herren, denen es ein unabweisbares Bedürfniß ist. in ihren Salons eine schöne, eleganteFrau präsidiren zu sehen und sich mit einem alten, gut klingenden Namen zu liiren." .Excellenz!" Ich brachte vor Entrüstung kein anderes Wort hervor. .Nehmen Sie es mir nicht übel, Kind, aber etwas Anderes bleibt Ihnen nicht übrig, wenn es überhaupt nicht bereits zu spät ist. Ich meine es gut mit Ihnen und bin eine erfahrene, alte Frau, welche d Welt kennt. Es ist heutzutage selbst für , eine Schönheit nicht leicht, sich nach Wunsch zu verheirathen... ohne eigenes Vermögen, meine ich. und wenn dann solch ein kleiner, pikanter Accident 'dazu tritt, wie der Ihre, eine aufgelösleVerlobung, ein heimlicher Liebesroman außerhalb der Gesellschaft " Ich konnte mich nicht länger halten; der Fächer zerbrach mir zwischen den Händen, empört stieß ich ein lautes Pfui!" hervor und wandte mich ab. Im Fortgehen sah ich, wie Excellenz die Achseln zuckte, als wollte sie sagen: Ich
meine es gut mit Dir, doch wem nicht ; zu rakyen, oem t aucy mcy: zu yeiscn. Sie hatte es wohl auch gut gemeint, mich wenigstens vorbereiten und in Schutz nehmen wollen. Ich fand Niemand, der mich ansprach. Wohin ich trat, abweisende Mienen, sv'öttiscbe oder malitiösc Blicke. boshafte Anspielungen! Es wurde mir X am U a a a YD i X am V Ci A : uiuuui lucniytu iuimuicii uui, uuß tui Theil meines Geheimnisses in die Oefsentlichkeit gedrungen war, und zwar in der boshaftesten Weise entstellt. Man sprach, ganz im Allgemeinen natürlich, von einem Betrüge meinerEltern, von. einem urplötzlich aufgetauchten Vetter, welcher berechtigtcAnsprüche auf Wildenhof erhebe, von meinen Extravaganzen und Launen, die Viktor unerträglich gefunden, von meinen hoffnungslos zerrütteten VermögensverHältnissen, von intimen heimlichen BeZiehungen -zu dem früheren Gencraldirektor (von dessen Identität mit dem gcheimnißvollen Vetter zum Glück niemand eine Ahnung hatte), freche, abfcheuliche Dinge, welche. ich -selbst meinem Tagebuch nicht anvertrauen mag. Die Venckendorsf machte mir noch am selben Abend bemerkbar, daß sie für die nächsten Tage den Besuch ihrer Schw'agerin erwarte und daher sehr beengt sei. Ich that ihr den Gefallen, sie sofort zu verstehen' In der Nacht packte ich meine Koffer. - ! Der folgende Tag brachte neue Demüthigungen. Wohin ich kam, selbst bei den ältesten Freunden, fand ich ver-! schlossene Thüren. Ich war ausgesto-' nen aus . dieser Welt des falschen Scheines, der konventionellen Lüge, und . die Ursache war Frau von eist, wie ich bald darauf erfuhr. Sie hatte sich auf ihre Weise gerächt. Daß Graf Hohenau in der ihm anfrefiriYrterT rn mpnirt Olt O.llirotf sfll tigen Ritterlichkeit für mich eintrat,' vermehrte das Uebel nur. Man erfand ( einen Grund dafür, der meinem von ' Frau von Leist entworfenen Charakter-,! bilde entsprach. Es wurde mir in we- i nigen Stunden klar, daß ich für die; Kreise, welche ich bisher als die meini-. i 1 cw . I gen betrachtet yane, rovl ti. ncan verstieß mich, weil ich gewagt hatte, meinem natürlichen Rechtsgesühl zu folgcn und der hergebrachten Heuchelei ins Gesicht zu schlagen. Nach dem, was ich schon erduldete, konnten diese Nadelstiche nicht mehr schmerzen. Ich bezog eine einfache Wohnung in einer Vorsiadt, machte keine Besuche mehr und wies diejenigen, die zu mir kamen, ab. Es trieb sie doch nur Neugierde und Klatschsucht. Auras antwortete: Er danke mir für die Uebersendung des werthvollen Dokumentes, welches ihm nun die Gewißheit gebe, daß die Ehre seiner Eltern unverletzt geblieben. Den, von mir angedeuteten Gebrauch davon werde er jedoch auf keinen Fall machen. Seine jetzige Lebensstellung, entspreche so sehr seinen Neigungen, daß ihm der Wildenhof'sche. Name, Rang und Besitz nur als eine unerquickliche Last erscheinen könne. Auch würde es ihm nicht minder als mir fatal sein, diese zweideutige Familiengeschichte durch den öffentlichen Klatsch breit getreten zu sehen. Er verzichte demnach ausdrücklich auf jeden Anspruch u.id ersuche mich, : auch fernerhin mich als d einzige Repräsentantin des Geschlechtes undBesitzerin des Erbes WildenHof zu betrachten. Vi . Ein sehr formeller Brief und doch ein treues'Charakterbild des Mannes, der mir 'als Verwandter ebenso nahe steht als Viktor. ' Offen gestanden ich hatte es kaum anders erwartet. 'Eine innere Stimme prophezeite mir, daß Auras so handeln werde. Eigentlich konnte es mir gleichailtig sein, denn seine Großmuth erschien mir unannehmbar., - In diesem Sinne antwortete ich ihm, daß ich mich unfähig fühle, die Früchte eines Verbrechens zu genießen, wenn ich ihm auch herzlich dafür danke, daß er wenigstens vor der Welt die Ehre meines Vaters schone. Da ich. wie ich durch meinen- Rechtsanwalt erfahren, jetzt zu einem entscheidenden Schritte noch nicht berechtigt sei, werde ich sofort nach meiner Mündigkeitserklärung den Äesitz von Wildenhof durch nota-' ricllen Akt an ihn abtreten.Darauf erhielt ich keine weitere Antwort. - Ich fürchte, er glaubt nicht an die Dauer dieser Bereitwilligkeit. Kortfetzung fotflt.)
In dr Hitze".
So könnte sich das folgende köstliche Genrebild aus einem Münchener Ge richtssaal betiteln: In den GerichtSsaal treten zwei Herren, die einander mit jener Kalte messen, die gewöhnlich daS Uebergangsstadium zu einer Serie von Berbal-Jnjurien, wenn nicht gar zu Thätlichkeiten bildet. Heute soll eine gegenseitige Beleidigung Sühne finden und zwei Anwälte müssen der Sache besseren Nachdruck verleihen. Der Klä ger und Wiederbeklagte Schuhmacher meiste? H. findet die Situation wegen der vielen Leute im Zuhörerraum höchst peinlich und befragt seinen An walt: Wie steht's denn mit dem Aus fchluß der Sittlichkeit, Herr Toctor?Die Antwort war ein Lachen und Kopfschütteln.' Beklagter und Wieder kläger Lederhändler St. ist weniger ängstlich und bemerkt mit Wonne, dag schon das erste Dcbut seines Gegners im Gcrichtssaal zu Schanden gewordene Richter: Nun möchte ich vor Allem fra gen, ob Geneigtheit zu einem Vergleiche besteht. Herr H. als Kläger und Wie derbeklagter, wa5 meinen Sie? Kläger: Netumzwoahundert Marktt Ter Kerl muß ma diesmal eing'spirrt werden und wenn's a Haus kost't. Wo denka's denn hin, daß i' mir dös g'fall'n lass n kunnt! I' hab' nur in der Hid'n auf die vielen Ausdruck, die er mir g'macht Hot, a bisscrl 'nauS geb'n, aber von so aner Beleidigung wie bei cahm war gar kva Red. Be llagter: Was ist dös? A bisserl 'naus geb n? Sie wissen ja gar net, was d' sagst, wennst amol hoaß bist. Da bin V halt a in d' Hi'n kemma und nach red't ma um d' Würschtl. Kläger: I' wollt Dir no all's verzeih', aber Sie haben vor alle Lcut g'schrien: Gaudied,' Speckschwarten, abg'hauter Stadtrath,' Spit'l, Jammermensch und 's andere wissen Deine Zeug'n selber. Beklag ter: So und Sie schreia: Nothnickl) Rauber. Seehund und 's andere woaß i nimmer, dös hat mein Doctor proto kollirt. Richter: Gerade unter diesen Ver lältnissen wäre ein Vergleich sehr am Plae. Widerrufen Sie beide mit dem Ausdrucke des Bedauerns und nehmen die Bedingungen zurück,' jeder Theil trägt seine Kosten und die Sache ist aus. Klager: Bedauern soll i' a' no? Im Gegentheil, mich g'freut eS no' recht, daß i eahm a mal a' getigert hab. Wenn er's bedauert, nachher zahl' i' die Hälfte, der Kosten. Be klagter: Gelt, Franzl, Du hast a guatZ Herz! Alleweil sag' i' scho, wir kemma zu G 'richt, aber weiter gibt's nixn. Woaßt was, beim Terteln und Tarok.'n kannst mi' wieder schimpfen wiast magst, nacha bringst's Andere 'rein, wo Du bei der Schlacht hinten blieb'n bist. Kläger: Sehg'n S', man kann nixn machn mit dem Fadianl Wenn er wieder a mal schimpft, laß' i' eahm glei' recht umananda dös Malefiz Boanag'schtell, dös langgerippete. Was kost't jetza die G'schicht? Rich. ter: Die Sache ist erledigt, die Kosten bekommen Sie von Ihren Rechtsbestän den zuzeschickt. Beklagter: Daß m' fein net überschg'n. Herr Doctor, sonst woan i'. Grüaß Gott! Der glückliche Rechenmeister. . Ein Bauer trat bei einem Lotterie k'ollekteur ein und verlangte das Loos Nummer 42. Obwohl der Verkäufer es nicht zur Hand hatte, verschaffte er es doch dem Kunden in kurzer. Zeit und fragte oiesen, warum er denn auf Rum mer 42 bestehe. Weil ich weiß, daß das Loos tüchtig gewinnt!- erklärte der biedere Land' mann. Solche Einbildungen gewöhnt achtete der Collekteur nicht ferner auf die Sache, an die er erst ermnert wurde, als Nummer 42 wirtlich mit einem ho' hen Tresser aus dem Glücksrade hervor ging. .Run sagen Sie mir aber, guter Freund,- sprach er da zu dem. Bauer, als dieser die gewonnenen funkeln den Goldstücke einstrich, wie sind) Sie gerade auf die Nummer 42 gekom men?Na, jetzt will ich's Ihnen meinet wegen verrathen," erklärte der Pftffi tus : ich träumte kurz vor der Zie . hung die Nummer 7; da macht' ich mir nun nicht viel d'raus; am nächsten Tage aber sagte mir meine Alte, daß iie auch von der Nummer 7 geträumt hatte. Halt. sgte ich mir, das hat 'was zu bedeuten! Da .rechnete ich aus: 7 Mal 7 macht 42! Richtig, die Nun mer holst Du Dir. Na, und nun sehen Sie's ja, daß ich damit Recht .atte!- ' ; 'i - . ' ' -M- -M- - A u S d e m H e e r der H es rathSgesuche. denen man in -gewistm bürgerlicheli Blättern tagtäglich begez net, Äerdienen--so schreibt der Bor roärts-und'mit Recht die folgenden oeiden..W'tvlr.in der Sonntagsnum mer der Voss. Zeitung finden, wieder einmal besondere Beachtung. Die eine lautet: Schwiegereltern mit gutem, zur Uebernahme bestimmten Geschäft lucht gewiegter. 28jähriger, evangeli scher Kaufmann.- Und die andere : Heirath. Grän zu werden ist icher Dame Gelegenheit geboten, Diskretion Ehrensache, anonym unberückstchtigt." -Bemerkenswerth ist, daß in dem ersten Inserat von dem Madchen, daß gehei rathet werden soll, und in dem zweiten von dem Manne, der sich heirathen las sm will, mit keiner, Silbe dir Rede ist. Damit sind wir. denn endlich beinahe dei der einfachsten Form des Heiraths gefuches angekommen, in der obige beide Anzeigen etwa lauten würden : . Ein gutes Geschäft wir zu heirathen ge sucht.- und:- DerTitel Gräfin kar.n geheirathet werden.- ' Das wäre ge mein. 'nicht wahr ? Aber er wäre ve nizfiers ehrlich-.- ' - .'' , r j i .r.: '. ! I m m er P f e r d. Junge Dame:, Nun, Herr Rittmeister, wie alt schätzen Sie mich? Rittmeister: Ma chen gnädiges Fräulein nur 'mal derc Mund recht weit auf!
