Indiana Tribüne, Volume 16, Number 284, Indianapolis, Marion County, 2 July 1893 — Page 7
3?73
See lspklast. t?an E0soch. In einem mit asiatischem LuxuS ein gerichteten Gemach saß eine junge, rei zende Frau auf einem türkischen Divan, über den ein Bärenfell gebreitet war, während ein zweites ihren Meinen Fü Hen als Teppich diente. Ein großer, schöner Mann stand an den holländi schen Kamin gelehnt da u.ld spielte mit ihren Flechten, die loSgegangen waren und gleich goldenen Schlangen auf ihren Meißen Schultern schaukelten. Die schöne Frau war die Gemablin "btl Staatö raths WolinSki und ihr An beter der Herzog Biron von Kurland, der allmächtige Günstling der Zsrtn Anna. . Wissen Sie, Alexine," begann der Herzog, daß Sie mir ungleich besser gefallen ohne diesen Modeputz, diesen Küraß und diesen Kord, in dem die Siebesgöttinnen von heute stecken, und vor Allem ohne Puder?" Sie haben überhaupt einen mytholo yischen Geschmack," spottete Frau Wo Unski, man könnte Sie für einen Halbgott, einen Sohn Jupiters halten, wenn Tie olympischen Götter nicht schon längst entthront wären." Sie meinen," erwiderte Biron ga lant. .weil Sie aus nietner Knute ihren Spinnrocken gemacht haben, schöne Omphale!" Wenn dies wahr wäre," , erwiderte Alexine, so würden Sie nir einen kleinen Gefallen erweisen." ' Jeden, Alexine, befehlen Sie über mich." Also schicken Sie meinen Mann nach Sibirien!" Biron begann lant zu lachen. Mit Vergnügen-, sprach er, während sein brutal schönes Gesicht einen unheimli chen Ausdruck bekam, sobald Sie mir einen Vorwand liefern, Alcxine, aber wir müssen vorsichtig sein. 3tr Deut sche sind ohnehin verhaßt genug bei den Russen." Wolinski scheint zu wissen, daß ich Sie liebe," fuhr die blonde Schöne fort, er fängt an, mir unbequem zu wer den." Nur einen Vorwand, meine Liebe", wiederhol: der Herzog, und Sie sind von ihm befreit'" Gut, Sie sollen ihn haben," sagte Alexine, während sie ihre Fußspitze in dem dunklen Bärenfell auf und ab tau. cden ließ, und dann habe ich Ihr Wort " Dann sollen Sie selbst sein Urtheil sprechen." .. Seit diesem Abend suchte die schöne Messallme mit dem Eifer einer uner müdlichen Jägerin diesen Vorwand. Sie umstellte ihren Mann mit Netzen, und endlich war er ihr Gefangener, ja mehr als das, sie konnte ihn an daS Messer liefern. Da. im letzten Augendllck schien ihr daS Wild entschlüpfen zu wollen und sie selbst sah sich plötzlich in Gefahr. Der Herzog chatte sie eben verlassen, als Wolinski eintrat. Wer war bei dir?" fragte er. Biron," erwiderte Alexine kalt. Wolinski schloß die Thür und näherte sich dann seiner Frau. Alexine", begann er, du spielst ein gefährliches Spiel." Du auch," erwiderte sie mit ei nem bösen Lächeln. Da ergriff er sie bei den Handgelenken und riß sie zu Boden. WeÜ," murmelte er, es ist genug an dem, was du mir zufügst; wenn du aber spioniren, wenn du über gewisse Dinge schwatzen solltest, dann stirbst du von meiner Hand." Ach. du bist eifersüchtig !" erwiderte sie wir einer? verächtlichen Blicke, das ist Alles." Ich habe dich immer geliebt. Alexine," erwiderte Wolinski, wie sollte ich gleichgiltig bleiben, wenn ich sehe, dafc dein Herz sich von mir ab wendet." Altmodische Ideen, mein Freund!" Nun. eure neue Mode wird wohl bald ein Ende nehmen," entgegnen Wolinski,' der Tag der Vergeltung ist vielleicht näh?r, als man glaubt." Alexine zuckte dte Achseln und gähnte. .JÄ bin schläfrig, tch will zu Bett. Sie ging wirklich zur Ruhe, aber sie schlief nicht. Nach einiger Zeit trat Wolinski leise ein, näheUe sich ihrem Lager und beugte sich über sie, dann, als er überzeugt war, daß sie schließ, ver.ließ er ebens? vorsichtig das Gemach. .Jetzt schlupfte Alexine, gleich einer Schlange, aus ihrem Nest und kleidete fic rasch als Bäuerin an. Alles, lag be ireit zu dieser Metamorphose. Wenige Minuten später trat sie unbemerkt aus dem Hause, in Männerftiefeln und einem langen Schafspelz, eilte durch den Gar ten, schlich zu dem kleinen Pförtchen hin aus, dessen Schlüssel sie sich verschasst batte. und erwartete WolinSki auf der Straße. Er ließ nickt lange trns sich warten. Auch.er hatte sich verkleidet, aber Alexine erkannte ihn sofort, trotzdem er nicht nur die Kleider eines Matrosen, son dernuch dessen Gang und Haltung ge schickt nachahmte. Sie folgte ihm un bemerkt bis in einen entfernten Stadttheil, tan itx an die Thür emcS kleinen, einsam .stehenden Hauses klopfte. Nach dem er eingetreten war, kehrte sie rasch zurück, erbrach seinen Secretär, fand Derschiedne Papiere, welche die Ziele Zder Verschörung, an deren Spitze WolinSki itend, verriethen, und ent deckte schließlich in einem geheime Fach fcie Liste der Verschworenen. Vermummt iio verschleiert kam sie jetzt mitten in der Nacht zu dem Herzog von Kur .land. Ich habe ihn, flüstere sie ihm zu. .Wen?" Meinen Man' erwiderte die schöne Messaline triumrhirend, ersteht au der Spitze einer Verschwö' rung." Sie scherzen." , Er und seine Freunde, haben sich verbunden, um die Czariu zu stürzen und die Großfürstin Elisabeth, die au? ihren altrussischen Gesinnung keinen Hehl macht, auf den Thron zu hebeg.
Teufel!" rief Biron erregt, haben Sie Beweise?" Beweise?- Alexine lächelte und übergab ihm die Papiere; hier Alles, was wir brauchen, um un'.erc Feinde eem Henker überliefern zu kön nen, und hier die Liste der Verschwöre nen." Während Alexine eilig in ihr kleines Hotel zurückkehrte, stieg Biron selbst zu Pferde und eine Stunde später waren sämmtliche Verschworene verhaftet und in seiner Gewalt. Als Biron, von Gard:soldaten be gleitet, an die Thür WolinskiS pochte, eilte ibm Alexine entgegen und führte ihn selbst in das Cabinet ihres Gatten, der eben nach Hause zurückgekehrt war. Während man dem Unglücklichen Handeisen anlegte, hatte sich Alexine in einen Fauteuil niedergelassen und be trachtete ihn, Ke Arme über die Brust verschränkt, mit einem höhnischen Lä cheln. . Der überaus strenge, ja geradezu '''Ircknerliche Winter von 1729 hatte dem Herzog Biron, welcher zu gleicher 3t der Tyrann und der maitro da plaisir der Zarin war, den pbantasii! schen Einfall gegeben, aus dem Eise der Newa eine Art Feenpalast zu er bauen. Der Kamnerber? Tatitschew leitete das unerhörte Unternehmen. Im De zenber wurde damit begonnen irn Mitte Januar erhob fii) der seltsam: Prachtbau zwischen dem Aömiralitäts fort und dem Winterpalast. Die Bausteine lieferte die Eisdecke der Newa und das Wasser des Flusses diente als Mörtel. Zer Eispalast Biron'S, welcher 'zweiundfünfjig Fuß lang, halb so breit und zwanzig Fuß hoch war, zeigte sich der staunenden Menge zuglelch als ein neues Weltwun der und als ein geschmackvolles Werk 'der Architekten im antiken Geschmack, mit Säulen und Sculpturen reich pt schmückt. Vor demselben standen Ge schütze aus Eis. welche geladen und ab gefeuert werden konnten und Delvhine, welche bei Tag Wasser und des Nachtbrennende Naphtha spinn. Im Innern, war Alles, die ganze Einrichtung, bis auf die Spitzenvorhänge des großen Himmelbettes, daS Service auf dem Buffetschrank und die Leuchter, in denen Hunderte von Ker zen brannten, gleichfalls aus Eis auf der Drehbank hergestellt, und selbst daS Holz, daS im Kamin brannte, war mit brennendem Naphtha übergosseneS Eis.
In diesem Gebäude, daS der hellem Sonnenschein aus reinem Krystall er baut und Nachts aus Mondlicht gewo ben schien.sollte die Hochzeit des Fürsten Galitzyn stattfinden, welcher zur Strafe für seinen Uebertritt zur katholischen Kirche verurtheilt worden war, eine Wäscherin zu heiratchen und daS Amt eines Hofnarren zu bekleiden. Am Vorabend erhielt Alerine ein Billet deS Herzogs von Kurland, in welchem der Allmächtige sie einlud, sein Wunderwerk, das eben fertig ge worden war, in Augenschein zu nehmen. Die schöne Frau beeilte sich, dem Wunsche BironS zu entsprechen. Eine Viertelstunde später bXt ihr reich vergoldeter Schlitten vor dem Eispalast, und sie entstieg mit Hilfe BironS, eine nordische Venus Anadyomene, den weißen, schimmernden Eisbärenfellen, selbst ln einem purpursammtenen Zobelpelz gehüllt, eine Zobelütze auf dem schnee weißen Haarthurm, der ihr stolzes Haupt krönte. Der Herzog gab ihr galant den Arm, führte sie um den ganzen Eispalast herum und zeigte ihr dann das Innere, wobei er sie selbst auf alle Einzelheiten aufmerksam machte. Indem Schlafgemach ließ sich Alexine auf den mit Bärenfellen bsdeckten Divan nieder. Damit ich Jhnee nicht die Ruhe forttrage," sprach .sie lächelnd. Als wenn Sie mir dieselbe nicht schon längst geraubt hätten," erwiderte der Herzog, welcher vor ihr stand und sie mit sichtlichem Vergnügen betrachtetem Ich bin also die Erste," versetzte setzt die blonde Zauberin, welche Jh ren Eispalast fertig sieht?" Allerdings," gab Biron zur Ant wort, oder, besser gesagt, Sie sollen Zeuge seiner Vollendung sein." ÄaS fehlt devn noch?" fragte sie. Es fehlen noch die Statuen, welche die Galerien schmücken sollen." Sollen dieselben jetzt aufgestellt werden?" Ja, meine Göttin." Und diese Statuen sind also auch aus Eis gemeißelt worden?" Wir haben es versucht," sprach 23i so, da aber das EiS unter dem Mei ßel sprang, so habe ich eine andere .Idee, welche Sie ohne Zweifel interes -firen wird. Ich werde eine Anzahl Verbrecher, die zum Tode verurtheilt sind, mit Newawasser begießen lassen." Herzog. Sie sind ein Phantast, aber Ihre Phantasien sind grausam. Sie erschrecken mich fast." Und ich gedachte, Sie angenehm zu überraschen." .Mich?" rief Alexine, sich erhebend, nein, nein, ich will an diesem ueroui schen Sch?rz nicht theilnehmen-. Auch dann nichts versetzte der Herzog mit einem teuflischen Lächeln, .wenn ich Ihnen sage, daß es die Ver,chniSrer sind, welche Ihre schöne Hand mir über liefert hat, welche ich in dieser spaßhaf ten Weise bestrasen werde. WolinSki an der Spitze?" Wolinski?" wiederhslte Alerine, und schon begannen ihre kalten, stahl blauen Augen zu funkeln und ihre Lippen zeigten ihre kleinen weißen Zähne. Ja. Wolinkki". DaS ist ja wunderbar", rief Alexine auS, Sie sind et Gott, Herzog, ich möchte Sie küssen". Thun Sie es doch". Das schöne Weib nahm ihn rvsch beim Kopf und küßte ihn. Sie wollen also zusehen?" Gewiß, mit Vergnügen". Kommen Sie also". DttLerzoz gab ihr wieder den Arm - - X . .
und führte t öuraz das ißejttcait des
Eispalastes, dte Freitreppe hinab n daS Freie, wo inmitten von Grnadierea der Garde die Opfer bereits ihres Rich ters und Henkers harrten. Ein paar Worte BironS an seine Ad jutanten ergänzten die Anordnungen, welche er schon früher getroffen hatte. Wolinski, welcher den Reigen' eröffnen sollte, wurde jetzt bis zuletzt aufge spart. Der Henker und seine Knechte führ ten nun seine Leidensgefährten vor und zwangen sie, die Stellung anzunehmen, welche Biron ihnen, nach antiken Sta tuen, zugedacht batte. Dann begannen die Soldaten, sie mit eisigem Wasser zu begießen. Und WolinSki?" fragte Alexine, welche sich im Vorgefühl teuflischen Ge nießenS schauernd dichter in ihren Zo belpelz hüllte. Er erwartet von ihnen Gnade soer Ungnade. . . O ! Ich bin Nicht ln der Laune, ihm das Leben zu schenkn!" Dann befehlen Sie, dag man ihn vorsührt." Alexine gab dem Ofsicier einen Wink. Ueberlassen Sie eS mir", wendete sie sich dann zu Biron, Wolinski eine Attüude anzugeben-. Er steht vollkommen zu Ihrer Ver fügung", gab der Herzog zur Antwort. Schon stand der Unglückliche vor ihnen. Auf die Kniee!" gebot die schöne Messaline. WolinSki erwiderte ihren Befehl mit einem Blick voll Haß und Wuth. Willst du nicht gehorchen"! fragte Alexine spöttisch. WolinSki blieb stumm und regte sich nicht. Sonst lagst du ja so gerne zu mei nen Füßen", fuhr Alexine fort, muß man dich diesmal dazu zwingen?" Da er noch immer nicht gehorchen wollte, zwangen ihn zwei Grenadiere,, sich vor seinem schönen Henker nieder' zuwerfen. Alexine betrachtete ihn durch ihre Loranette und wendete sich dann zudem' Herzog. Er nimmt sich gut aus, nichtwahr?" fragte sie scherzend. Man begann nun Eimer voll eisigen Wassers über ibn u aieken. Wäbrend jedoch die anderen Verurteilten gräß liehe Flüche ausstießen, blieb Wolinski stumm und undbeweglich. Ich möchte, daß er um Gnade bittet". sagte Alerine zum Herzog, oder doch wenigstens einen Laut vcn sich gibt". Nur Geduld, meine Schöne", er widerte Biron. Sie werden auch die sei Vergnügen haben". Betest du mich noch an?" fragte Alexine, indem sie vor WolinSki hin trat. Bist du nocy eifersüchtig?" Er gab keine Antwort, aber endlich begann er leise zu wimmern uns Alexine brach in ein lauteS, brutales Gelächter aus. Welch' entsetzliche? Schauspiel", sprach ein Soldat des PreobcafchenSki 'schen Regimentes zu seinem Kamera dcn. Man schifft sie auS der Welt," er widerie dieser, weil sie unS aus dem grausamen Joch befreien wollten, aber i der Tag der Vergeltung wird Um men." Endlich war daS grausame Werk vollbrackk. und die EiSstatuen wurden in der Galerie, die den Eispalast um gab, aufgestellt. Während Alexine sich-in-den köst lichen Fellen zurecht setzte, mt dem ihr Prachtschlitten gefüllt war, verschlang le Biron mit Blicken, auS denen ein unheimliches Entzücken sprach. WaS haben Sie?" fragte die schöne Frau lächelnd. Si? sehen auS, als ob Sie sich eben erst in mich verliebt hätten." Ich finde Sie jetzt noch einmal so schön," erwiderte Biron. Und warum?" Weil sie grausam sind," gab der Herzog zur Antwort, und Sie wissen, daß ich ein Phantast bin. Ich habe .mir immer gewünscht, einmal eine schöne Tigerin zu küssen." . Der Soldat der Garde hielt Wort. Der Tag der Vergeltung kam. In der Nacht deS 5. December 1741 erhob sich zuerst das PreobraschenSki 'sche Regiment. Man wollte nach dem Tode der Zarin Anna nicht wieder einen Fremden auf dem Thron sehen. DaS Regiment Tobolsk folgte dem gegebenen Beispiele und bald schloffen sich alle anderen Truppen an, welche in Petersburg lagen. Die Großfürstin Elisabeth, die Doch, ter Peter deS Großen, das Haupt der altrusii schen Partei, von ihrem Arzt, dem Franzosen Lestocq, dem Kammer Herrn Warengew, dem Grafen Schuwa low und AstraSki begleitet, stellte sich an die Spitze der Militär.Revolution. In zwei Stunden war Alles vorbei und Elisabeth Petrowna zur Kaiserin von Rußland ausgerufen. Münnich und Ostermann wanderten nach Sibirien, wohin Biron bereits nach dem Tsve der Czarin Anna geschickt worden war. .Jetzt ereilte auch Mexine die ver diente Strafe. Sie bekam die Knute und wurde dann gleichfalls nach Sibi rien geschickt, wo sie nach zwei Jahren der Buge and vielleicht auch der Reue an der Luugenschwindsucht starb. St Drama in Lteserunge. Jose Echegarey. der hervorragend spanische Dramatiker, ist auf den Ge danken gekommen, dem Publikum ein ueueS Drama in einer bisher noch nicht dagewesenen Weise zu bieten. Im vorigen Jahre ließ er am Lope de Vega.Theater zu Valladolid ein Stück aufführen, welches hieß: Prolog einei l. Dramas", darauf folgte der zweitt Theil, betitelt: Der erste Akt nneß DramaS". Die Handlung deS Pro logS- ist in kurze Worten folgende: Donna Mariana, eine edle und schönt Dame aus Sevilla, wird in der Hoch Mönacht von ihrem Bräutigam Wlaß
an einen Edlen de Terronegrä verkau,. Aus dieser Vereinigung sproßt ein Knabe, Lionel, der. zum jungen Manne herangereift, dcn Verrätber seiner Mut. terRojas. ermordet. Unter der Last derlnschuldigunq deS VatermordeS entflieht er noch Flandern. Richter so wohl wie die Bevölkerung halten ihn für einen Vatermörder, denn Niemand ist daS Geheimniß seiner Geburt be kannt. Im Ersten Akt" schreitet die Hand lung in folgender Weise fort: Di Scene ist ein Schloß in der Nähe von Barcelona, wo Donna Mariana. die unglückliche Mutter Lionels und Wittwe Rosas Gastfreundschaft fand, da sie aus einer Reise erkrankte. Die Tochter deS Sckloßherrn Don Alvaro. Beatrix, ein schönet und edles Mädchen, läßt der unglücklichen, kranken Frau alle Sorg fält angedeiben. Lionel, der eigentlich
Held deS Drama?, der, seit tz seinen ; Stahl in die Brust deS verruchten NojaS j gesenkt, iilandern gekampst und Jta lien durchirrt bat. erscheint und verlangt Kunde über seine unglückliche Mutter, im bangen Zweifel darüber, ob sie über hauvt noch lebe. Die unglückliche Mutter will den Na menVatermörder, mit dem die WM i nen Sobn verfolgt, von ihm nehmen, doch Lionel steht die Ehre seiner Mutter höher wie sein Lebensglück und er be kämpft in kindlicher iebe den Ent schluß. Donna Mariana besitzt Pa Piere, auS denen unzweifelhaft hervor, geht, daß sie von RojaS in der Hoch, zeitsnacht an den Marquis von Torre negra verkauft wurde, und daß der Marquis der Bater LionelS sei. Diese Papiere, welche Lionel von dem Vor würfe und den Folgen des fluchwürdi gen Verbrechens deS VatermordeS er lösen können, übergibt Donna Mariana an Beatrix, damit sie diese nach ihrem (Marianas) Tode bekannt mache und dadurch den "Beweis erbringe, daß ' s- ' m I lionel nur einen eocioien sschurken er mordet habe. Mariana stirbt uud Beatrix will ihren letzten Willen er. füllen, doch Lionel bemächtigt sich de, Blätter, die seine Unschuld künden un wirft sie in's Feuer; lieber will er noal ferner als Vatermörder gelten, als dajj das Andenke seiner Mutter auch nu, im Geringsten befleckt werde. So endet der .Erste Akt eineS DramaS. Im nächsten Jahre wird der zweite", in übernächsten Jahre endlich der drittl Akt folgen. Niemand weiß, wie daß ganze Drama heißen wird; ebenso wenig ahnt mau die Lösung. Hast du ein ind. Hast du ein Kind, so heg' eS wohl, Kein rauhes Wort ihm lieblos sag' Z Du weißt'S : ein einz'ger Nord zerstört Des NösleinS duft'gen Schmelz im Hag Sast du ein Kind, so sei ihm gut, ieb deine Lieb' ihm allzznnal: Dennin der Liebe nur gedeiht's, Wie'S Blümlein in der Sonne Strahl Hast du ein Kind, erhalt eS froh ! ES fcberzt und tändelt nicht zu viel. Und süß're Lust giebt'S nicht zu seh'a Als Kinderlust beim stehen Spiel. Hast du ein Kind, behüt' eS treu In dieser Jugend gold'nen Zeit : Die böse Welt mit rauher Hand Reißt's allzu früh von deiner Seit'. Hast du ein Kind, laß lieben dich ! So strahlt kein Aug', so lacht kein Mund, So glüht kein Herz, je mehr für dich ' Im weiten, weiten Ervenrund. Schlecht berathe n Hai Manchen gereut. (Aus dem Türkischen.) Glaube nicht Alles, was man Dir räth," sprach der Vater zu seinem Sohne, daß Du nicht wie jener Dieb auf dem Dache Schaden leidest ; denn schlecht be rathen hat Mcmchen gereut." Was ist das für eine Geschichte mit dem Dieb auf dem Dache? fragte der Sohn, und der Vater erzählte : Es war in Stam bul ein schlauer Dieb, dessen Niemand habhaft werden konnte. Der war auf das Dach eines Hauses gestiegen, um von dort in dasselbe zu dringen. Er lauschte nur noch, ob Allks drinnen ru hig sei. Es war gerade Mondschein, un der bezeichnete Almansors Gestalt auf einer Mauer des Hofes, der mit feiner Gattin schon zur Ruhe gegangen war, den lauschenden Dieb und sprach flü sternd : Fatme, Licht meiner Seele, frage mich doch recht laut, wie ich zu meinem Hab und Gut gekommen bin." Sie thar, wie er gewollt und drang in ihn, als er sich Anfangs sträubte. Da begann er: Ich bin einst Dieb gewesen und alle meine Unternehmungen waren glücklich, da mein Zauberspruch mich stets befcbirmte." Ein Zauber svruch?" fragte Fatme. Er ist sehr einfach. Spreche ich ihn dreimal aus, kann ich mich ruhig den Mondesstrahlen überlassen ; die tragen mich sich? in je des Haus und aus jedem Hause." Wie das, Mann meines Herzens ?" Ich rufe dreimal: Muhammed ist Allah'S Prophet und Ali sein Schwie gersohn, seid gerecht!" Dann springe ich von dem Dach in die Luft." Und die Mondesstrahlen tragen Dich?" . Wohin ich will!" Bald darauf ver nahm der Dieb auf dem Dache lauteS Schnarchen. Er trat zu dem Rande des Daches und dachte den Zauberspruch an zuwenden. Als er jedoch in die Luft sprang, siel er auf die Straße und brach in Bein. Hierauf ward er ergriffen, und der Kadi verurtheilte ihn zum Gal gen." Als der Vater die Geschichte be endet hatte, meinte der Sohn : Du sollst nicht vergebens erzählt haben; ich werde jetzt jeden Rath prüfen, den man mir giebt; denn schlecht- berathen und dar nach gethan, hat Manchen gereuet ; All' alauben iii Wabn." ' Knfaxt ternible. Frau Dob tor i kommt verspätet in eine Kaffee schlacht die Damen sind alle sehr ver legen): '.Bitte, meine Damen, sich j nicht stören zu lassen! (Zu ihrer Nach barin:) Haben denn die Herrschaften so gewaltigen Respekt vor mir. daß sie meinetwegen so in Verlegenheit kom mcn?" Töchterchen des chauseS: 0 nein! Abn ci ist gerade, als Sie ge kommen siuo, so arg über Bt geschimpft worden !"
F ür unsere Frauen
Wcr'tragi die Schuld ? Alltäglich strömen die Svalten unse ccr großstädtischen Zeitungen von jenen gewissen pikanten od.'r sensationellen Gerichten über allerlei Vorgänge zwi schcn Mann und Frau. -die dann in einem saftigen Scheidungs-, Ehebruchsoder Mordproceß vor den. öffentlichen Gerichten ausklingen. Bestürzt über diese traurigen Erscheinungen des modernen Fortschritts drängt sich uns mit unabmeisdorer Dringlichkeit die Frage aus, warum dem so ist, worin wohl die -Ursache bieder unglücklichen Ehewrhältnisse zu suchen sei. Es wäre sehr ungerecht, antworten zu wollen, daß die' Frau allein an den immer zahlreicher vorkommenden ungesunden Zuständen des Familienlebens die Schuld trägt, aber wir können uns doch nicht verhehlen, daß ihr minde stens der gleiche, wenn nicht gar der größere Theil der Verantwortung für dieselben zufällt. Darum halten wir es für geboten, dem Warum, dem eigentlichen Grunde dieser ehelichen Corruption, soweit der weibliche Theil in Betracht kommt, nachzuspüren, um ihr vielleicht mit etwas Äussicht auf Erfolg steuern zu können. Das Urtheil mag hart oder gar ab surd klingen, aber meiner Ansicht nach tragen an gar vielem ehelichen Unglück die Mütter der Frauen die Hauptschuld. Jeder Menjeh ist das Prooult seiner Erziehung, also auch die weiblichen We sen das' Resultat dessen, wozu ihre Mütter sie gestalten. Diese bilden den eigentlichen Boden. - das gesunde Erdreich, aus welchem wir kräftige weidliche Pflanzen ausblühen sehen können. Wie auch immer die menschlichen Ver hältnisie sich im Laufe der Jahre schon geändert haben, noch ändern mögen, die tüchtigsten, besten grauen und Ehegattinnen werden nicht aus den Hochschulen allein, sondern aus dem Hauie aus der Mutterhand hervorgch.'n. Es ist ein müßiger streit, was der eigent liche Beruf des Weibes sei. ob nur geistige Ausbildung oder nur häusliche Thätigkeit; aus der Vereinigung beider allein kann die Frau sich entwickeln, wie unsere Zeit sie erfordert. Ter Verstand mag auf den Universitäten und Akademien sine Schulung erhalten, aber die richtige praktische Ausbildung sei das Werk der Mütter. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, den Kochlösfdl, die Nadel, den Vcfen mit richti gem Verständniß handhaben zu können. sondern daß man die vollständigste Kenntniß dessen erlange, was von der grau mit Recht in jeoem Lebensverhältniß gefordert werden darf, die richtige Erkenntniß des bestimmten Kreises der von ernster Pflicht gebotenen Thä tigkeit. ! Lehrt die tüchtige Mutter ihre Tochter wirkliche Pflichten kennen, anstatt zumeist nur Tändelei zu dulden, gibt sie dem Mädchen einige ruhige Jahre der Entwickelung mehr, anstatt es schon mit o und 10 Jahren zur jungen Dame zu stempeln, gemährt 'sie ihm Zeit, sich innerlich auf eine gewisse Stufe des ernsten Könnens und Leitens zu stellen, anstatt sich mit flatterbaster, hohler Halbheit zu begnügen, dann wäre schon viel auf dem Wege künstigen Glückes erreicht. . ! Die Jungfrau, welche in die Ehe das Verständniß dessen mitdringt, was ihre neue Stellung von ihr fordert, wird das Ehe-Bans mit gesteigerten Gesüh len, mit einer Ahnung wenigstens da von schließen, daß sie nun eine höhere Aufgabe zu erfüllen haben wird. , Von : wem anders kann abcr das Weib auch wirklich die Bildung zu einem höheren Zweck erhalten, üls von jenem weiblichen Wesen, welches ihm am nüchlten steht, von seiner Mutter. Wer sonst sollte im Stande sein, jene Bildung zu erzielen, die wirklich reine Herzensgüte verleiht, welche richtig em psindcn lrhrt. als abermals die Mutter. Diese wird am besten zu beur theilen ivincn, dan. es nur ein krank haftcr Begriff unserer Zeit ist, die da meint, dan die Beichästlgung mit häus lichen Dingen den Sinn leicht roh und gemein werden laste, und aljo für das gebildete Mädchen nicht tauge. Uno umgekehrt wird-die verständige Mutter den Einwand durchaus nicht gelten las sen, daß das Lernen die höher gestn gerte Ausbildung, welche man den grauen zu geben sich bemüht, sie unbedingt dcn häuslichen Pflichten fremd machen und entziehen müsse. Dies ist einfach nicht wahr! Aus eigener Be obachtung sollte die Mutter wissen, daß nicht das Lernen, sondern die Toilet ten- und Vergnüqnngs-Sucht Schuld daran sind, wenn die Frauen ihre Pflicht nicht kennen und nicht üben nicht aber die Bücher, aus denen sie lernen können, welche dedeutungslose Nullen sie ohne Bildung wä ren und wie yiel dazu gehört, um all' das zu wissen, was der verständigen Frau und Mutter noth thut. Und Niemand sollte über allen Zweifel da von überzeugt sein, daß die UuÜchtig seit der Frau in ihrem häuslichen Beruf, sowahl wie ihr Drang nach äuße ren Zerstreuungen die hauptsächlichste Quelle so vieler Unzufriedenkeit, Miß stimmung und Unglück ist. Gegen beide müöte die wahre Mut ter in ihrem Erziehungswerk an kämpfen; denn blos Unvernunft kann die Bestimmung deS Weibes daris er blicken, daß eS nur blühen, nur glänzen, nur eine hübsche Staffage sein soll, deren innere Hohlheit und Ober flächlichkeit unmöglich einen ernsten Ansturm aushalten wird. Dieses ie fühl ihrer eigenen inneren Haltlosig keit stempelt auch die zukünftige Hand lungsmeife des Mädchens und führt sie jedem Manne leichtfertig in die Arme, er mag nun ihr Gatte oder ihr Liebhaber werden. Solche haltlose Mädchen, ohne Spur von Selbstbewußtsein, die blos unter der Herr fchaft einer zu früh erregten Phan taste stehen, , die sich einreden, daß sie obne einen Mann aar nicht begeben
können, wenn er auch von ihrem
Ideale noch so sehr entfernt ist, die, lernen nur liebeln, aber niemals aufrichtig lieben. , Und auS dreien Mädchenreihen rekrU' tiren sich jene Frauen, welche die Ge richtshöfe füllen, welchen, nichts von edler Weiblichkeit anhaftet, die slch selbst zu Mägden des momentanen Bedürf niffeS erniedrigt haben, die nur in die Ehe getreten nnd, lediglich um dadurch eine ' gewisse äußere Lebensstellung, vielleicht auch Geld, zu gewinnen, nicht aber, um innerhalb derselben irgend welche heilige Pflichten zu erfüllen In ewiger Unzufriedenheit und un larer, unverstandener Sehnsucht hasä :i sie fortwährend nach neuen Göhenbi.zcrn, um dieselben, sobald sie deren ber drüssig sind, wegzuwerfen. Die ver heirathete Frau muß vor Allem wissen, daß sie Pflichten übernimmt, die sie auch redlich ausführen sollte, und daß sie keinen Schein von Recht dazu hat, sich denselben zu entziehen und doch die Vortheile eines Ehebundes besitzen zu wollen. Ter Mann wird vom Gesetze ange halten, seine Familie anstündig zu er halten; für die Frauen gibt es kein solches Gesetz, aber ihre moralische Verpflichtung ist es, das was der Mann erwirbt, möglichst pflichtgetreu zu verwalten und nicht durch leichtfer tigen Sinn, durch Putz und Vergnü güngssucht zu vergeuden. Sie hat kein Recht dazu, sich glücklich und frei zu machen, auch in idren Liebcsbezeu gungen auf Kosten derer, deren Be glückung und Wohlfahrt ihr ander traut ist. Ein Mädchen aber, in wel ehern niemals strenge Pflichten, sondern nur eine Masse von Bedürfniffen großgezogen worden, muß sich danach seh nen, eine sichere Lebensstellung zu er ringen, und es sucht diese mit dem Manne gleichzeitig zu erwerben um jeden Preis. Und dort liegt die wahre Gemeinheit der Ehe, daß sie ohne höhere Neigung geschlossen wird. Macht sich aber die Frau zur leichten Beute eines Jeden, der sich ihr naht, dann ist sie nicht die Gebieterin, sondern der Spieldall des männlichen Geschlechts, welch? ihn wegwirft, wenn die Lust' am spiel vorbei, und dann treten die streitenden Spieler vor die Gerichtshöfe und wollen gewaltsam von der Gesell fchaft des unwillkommenen Partners gefreit werden. Wir aber dürfen uns dann nicht verwundert und betrübt fragen, warum geschieht dies so häufig, sondern müssen uns selbst antworten, weil die Mütter ihre Töchter nicht zu biederem Ernst, sondern nur für leicht fertiges Spiel des Lebens ausstatten und großziehen. WaS ist ein Kind 1 So frug man unlängst in England, woselbst die Kinderwelt vielleicht mehr als anderswo noch den Himmel auf Erden hat. und sicherte der besten Ant wort einen Preis zu. Von allen Sei ten kamen Antworten, so daß es sich lohnt, die schönsten wiederzugeben. Ein Kind, so lautete die eine, ist ein? menschliche, von dem Finger der Sorge noch unberührte Blume. Es ist des Vaters Nebenbuhler in der Mutter Liebe. Es ist der magische Zauber, durch welchen ein Haus in ein Heim umgewandelt wird. Ein Miniatur atlas, der die ganze Welt der Ehefreu den und Ehesorgen auf seinen kleinen Schultern trägt. Ein von der Natur pünktlich präsentirter Wechsel, dcn man nicht zurückziehen kann. Eine aufgebrochene Knospe am Baume des Lebens. Ein zartes, nützliches, sterbliches We sen, ohne welches jedoch die Welt sehr bald stille stehen würde. Die letzte Ausgäbe der Menschheit, bei der ein jedes Paar sich einbildet, daß es die beste Eopie besitzt. Ein Eingkborcner aller Länder, der doch die Sprache keines einzigen spricht. Eine Erfindung, um die Menschen wach zu halten. Ein ganz kleines Ding, das einen großen Haufen Aufmerksamkeit erfordert. Ter Sonnenstrahl des Hauses, der die traurigen Sorgen verscheucht. Die beste Verwendung für 'des Weibes Arbeitskraft. Ein' winziges Wesen, dessen fröhliches Lächeln einen guten Menschen an die Engel denken läßt. Das Schloß an der'Kette der Liebe. Ein Schlüssel, der die Herzen aller Klassen, reich oder arm, und in allen Ländern öffnet. Das süßeste, von Gott je geschaffene Wesen, dem er nur die Flügel beizugeben vergessen. Das. was das Haus glücklieher, die Liebe stärker, die Geduld größer, die Hände geschäftiger, die Nachte länger, die Tage kürzer, die Börsen leichter, die Kleider schäbiger, die Ver gangenheit vergessen und die Zukunft Heller macht. DaS ist das Kind! Trinklied. Ein leeres Glas kann ich nicht leiden. Ein volles mag ich auch nicht seh'n. Den Krieg erklärt' ich allen beiden. Wann wird der Kampf zu Ende geh'n? Den leeren Becher muß ich füllen Mit gold'nem oder rothem Wein, Und dann um meinen Durst zu stil. len Muß bald geleert er wieder fein. So wird der Kampf wohl immel dauern Bis man mich einst zu Grade trägt! Ten Freunden, die um mich dann trauern. Sei Fortsetzung an Herz gelegt. 'Lieser. Nicht zu viel gesagt. Aber. Frau Jnspector, mit dem Dienstmädchen, das Sie mir empfoh len. haben Sie mich schön angeführt: Sie sagten, nicht eine Stecknadet nehme sie, und nun hat sie mir vier silberne Löffel gestohlen!" Aber die Steck nadeln hat sie gewiß alle liegen lassen!" Annonce. Hier ist ein lufti aeS Zimmer für einen Herrn von sieben . Meter Länge und fünf Meter Breite zu I vermiethen
Eine englische Stimme die über deutsche Schule. Unverständlich, war mir stets dk Vorliebe," schreibt Charles Löwe in der Jllustralcd London News", mit der so viele 'englische Eltern ihre Söhne nach Deutschland auf die Schule sen den. Gut. Ichickt sie als Jünglinge dorthin oder irgendwohin, damit sie sich dem als letzte Polltur" belnnnten Pro cesse unterziehen, der darin besteht, daß sie sich in der Welt umsehen und etwas vom Leben kennen lernen. Unter allen Umständen aber haltet sie in der Hei math, bis das Gebäude ihrer körper lichen und seelischen Beziehung nur noch des Tach?s bedarf. Was wir hier für Knaben und Jüng linge sagen, gilt auch für Mädchen. Es' ist ja vielleicht begreiflich, daß Deutschland in einem Zeitalter geistiger Ueberfütterung als Erziehungsseld er fien Ranges betrachtet wird. Jenen jedoch, denen die Erziehung mehr ist, als einfach nur die Vorbereitung zu späterem Wettbewerbe in Amt und Be ruf, mehr als sozusagen ein geistiges Stopfen Straßburger Gänse, jene, die sie von einem weit umfassenderen Ge sichtsvunkte aus betrachten, werden die öffentlichen Schulen Englands vorzie hen, in welchen dem Verstände, dem Gemüthe und den Muskeln gleichmäßige Sorgfalt gewidmet wird,' diesen drei Elementen, die vereint erst den vollkom menen Mann bilden. Der deutsche Schüler jedoch scheint nach der Annahme erzogen zu werden, daß der Mensch überwiegend auZ Ver stand bestehe, und daZ Wissen etmaZ dem Wollen weit Ueberlegenes sei. Ter deutschen Erziehung fehlt eS an Gleich gewicht zwischen der Ausbildung deS Wissens und der Ausbildung der That kraft, und darin besteht der Hauptun terschied der beiden Erziehungssnsteme. Ganz naturgemäß ist dies Verschieden heit aus dem markanten Unterschied der socialen und politischen Institutionen beider Völker entsprungen aus dem Unterschiede zwischen dem englischen Volke mit seinem Herrscherdrang, welche. die Pflege und Entwickelung eines star ken Individualismus fordern, und dem deutschen, das seine volle Befried! gung darin sindet, seinen persönlichen Willen den väterlichen Befehlen eines allmächtigen und alles 'adsorbirenden Staates nnterzuordnen. Daraus folgt, daß die englische Er ziehung einen Menschen ebensowenig für eine deutsche Lausbahn befähigen und vorbereiten kann, wie eine deutsche Erziehung einen Engländer für die ihn erwartenden Lebensaufgaben. Nun entsteht aber die wichtigere Frage : Ist die deutsche Erziehung' die ideale Vorbildung für einen deutschen Beruf? Kann das ein gutes Unter richtssystem sein, welches das Auczen licht der Knaben zerstört und in einigen oberen Klassen bis zu vierunsiebzig Prozent der Schüler zwingt, Brillen zu tragen? Kann das ein gutes System sein, daß die jungen Leute so mit Ar beit und Bücherstudien überbürdet, daß ihnen nur ganz wenig Zeit zu der ss wichtigen, gesundheitsfördernden Erho lung.' zu den so nothwendigen Körper Übungen bleibt? Kann das ein gutes System sein, welches mehr Gewicht darauf legt, daß die Köpfe der Schüler mit Wissen voll gepfropft werden, als daß sie in der Anwendung dieses Wissens unterwiesen werden ein System, welches das Ge dächtniß des Knaben mit klassischen Sagen überlastet und sie über die mo derne Geschichte in Unwissenheit läßtz ein System, welches die Nation mit einer Uederproduction sogenannter ge lehrtcr und gebildeter Leute überfluthct, einem Proletariat von Passenden", deren unreife Theorien und kritische Richtung sie zu einer Plage des Privat lebens und einer öffentlichen Gefahr machen. Eine Schule, die solche Resultate er zielt, Gymnasium zu nennen, also einen Ort für die Uebung und Ausbil dung des Leibes, ist ein origeneller Fall unrichtiger Benennung, der sich kühn jenem anderen Heiliges römisches Reich" an die Seite stellen kann, denn das heilige römische Reich war bekannt lich weder heilig", noch römisch", noch Reich-. Daran wird nichts durch das Faktum geändert, daß jedes Gymnasium einen eigenen Raum für zwangsweise Reck-, Barren und andere solcher Spring - Jack Uebungen be sifct. Leibesübung dieser gezwungenen und künstlichen Art kann nie. und würde sie auch in großem Maßstab ausgeübt, auch nur annähernd jene körperliche Entwickelung und pann krast erzielen, wie sie der persönliche Wettkampf auf dem luftigen Erocket Platte verleiht, das Fußballgefecht und der' eifrige Rudersport Englands. Es ist eine Folge des völligen Mangels all dieser Formen athletischer Uebungen ' an dcn öffentlichen Schulen Deutsch lands und der damit Hand in Hand gehenden erdrückenden, lähmenden Un masse von Gehirnarbeit, daß der typi sche Schüler des Vaterlandes" ein so verkümmertes, muthloses und brillen tragendks Geschöpf ist. Kein Wunder, daß der Kaiser kürzlich dem Central comite zur Beförderung der Sviele ins freier Luft" eine beträchtliche Summe Geldes überwies." Undank. '.Alle Schuld rächt sich auf Erden und Undank ist der Welt Lohn. Da sieht der Müller vor länge rer Zeit ein junges Mädchen an d'N , Fluß eilen und hineinspringen, um sich zu ertränken. Kurz entschlossen springt er ihr nach und bringt sie an's Land. Und wie hat sie ihm dafür gedank:? Geheirathet hat sie ihn! Wörtlich. Zwei Freunde haben sich arg entzweit; sie wollen ihren j Streit in einem Duell ausfechten. Einer von uns beiden muß hier aus dem Platze bleiben. Das habe ich ja schon einmal gesagt und dabei bleibe ich!" sagt der Eine. Gut, dann bin ich ja überflüssig hier!" erwidert der Andere und tzeht fort.
