Indiana Tribüne, Volume 16, Number 284, Indianapolis, Marion County, 2 July 1893 — Page 6

Sin Künstler.

Ein Blatt ans dem Leben d e r H a u p t st a d t. - ' Von Heinriö Vollrat Schumacher. Er war ein Wunderkind gewesen. Seit das (Zeigenspiel des achtjährigen Knaben in einem Wohlthztigkeitsoncerte lärmenden Beifall und öffentliche Anerkennung gefunden hatte, sprachen seine ältern sein Vater, der Tanz lehrcr. und seine Mutter, die Theater Garderobieie. von nichts anderem mehr, als von der glänzenden Zukunft, die vor ihm liege, wenn er fleißig übe. Aber üben raune er! Und er war ein stilles, gehorsames ituto, cr übte. Wenn die anderen Jungen draußen auf den Straßen und Plänen der Vor stadt spielten, ging er mit haftigen Schritten .drinnen in der dumpfen, lichtlosen Wohnung auf und ab. Läufe, Triller, Harpeggien über seine Geige jagend, stundenlang, bis ihm der Schweiz; von der Stirn rann, und die Kräfte erlahmten. Nachts schlief er einen qualvollen, unruhigen Schlaf. Die Geige ließ ihm keine Ruhe, sie verfolgte ihn bis in leine Träume. Er sollte den großen xau spielen, den er schon so ost vergebens versucht hatte, und cr war doch lnuöc. so müde aber sein Vater stand hinter ihm und hatte den schweren Stock erhoben noch einmal! Noch einmal! Also Tas war Heinrich Gerhardts Jugend gewesen! Dann kam das Konservatorium mit seinen erhöhten Anforderungen. Heinrichs Besicht wurde täglich hagerer und blasser, 'eine Augen glühender, seine Bewegungen hastiger, aber er setzte es durch. Im Schlusiprüfungs Concert war Heinrichs Geigenspiel der Glanzpunkt des Abends, gerade wie damals bei dcm 29o:)lthättgkeits-Concerte. Allein inmitten des glänzenden Triumphes, der ihn umrauschte, beherrschte ihn jetzt der einzige Gedanke: Ausruhen! Endlich einmal ausruhen! Er konnte nichts anderes mehr den Un, und so geschah es auch wie im Traum, daß er den Engagements' trag für die berühmte Kapelle eines Hoftheaters, den ihm der anwesende Intendant, selbst ein gefeierter Künstlcr, gleich nach dem Eoncerte machte, nnahm. Erst als der Meister ihm freundlich auf die Schulter klopfte und sagte: Run aber auch nicht nachlas, sen, junger Freund!" da erwachte er. Noch weiter?" Ja. mein Lieber, Künstler sein heißt endlos ringen! " Er rang weiter, übte. . . übte. . . Tcr Arzt wollte ihm Schonung auf erlegen, Heinrich hörte nicht auf ihn. Er mußte das Vierteljahr ausnutzen bis zum Antritt der neuen Stellung. Er wußte, daß er noch viel zu lernen hatte, viel! Darum, wennauch.... In dcrNacht vor seiner Abreise wurden seine Hausleute die Eltern wa ren gestorben durch einen furchtbaren Schrei geweckt. Sie fanden Heinrich am Boden liegend, irre spre chcnd. die Hände krampfhaft zusammen geballt, die Geige unter ihm. zerbro chen. Das folgende Nervensieber brachte ihn an den Rand des Wahn sinns. seine jugendliche Natur rettete ihn noch einmal. Aber cr war ein Anderer geworden. Nie mehr wird cr Geige spielen !" lautete das Urtheil des Spezialarztes. Seine Fingernerven waren in Folge der Ueberanstrengung unheilbar erkrankt. Bei jedem Bogenstriche emPfand er einen Schmerz, als wenn ihm glühendes Eisen unter die Fingcrnägel getrieben würde. Er schrieb dem Intendanten ab. und das war Heinrich Gerhardts Künstlerlausbahn gewesen! Was nun? Dieser Schlag schleuderte ihn nicht nur in das Nichts zurück, aus welchem sich emporzuschwingen er eben im Be griff gewesen war, er vernichtete auch das Kostbarste, was er hatte, seine Energie. Widerstandslos ließ er Alles über sich ergehen, that nichts, sich das Leben neu zu gestalten. Die treibende Kraft der Maschine war zu sräh verbraucht, auch er theilte dieses Schicksal fast aller Wunderkinder. Seine Lehrer verschafften ihm Unter--richisstunden im Gcigenspiel. Er gab sie auf, seine Nerven ertrugen es nicht. Man versuchte es mit ihm in allen möglichen Dingen. Ueberall stellte sich se ne völlige Ünbrauchbarkcit heraus, Fols,c seiner einseitigen Erziehung. Das erschütternde war, daß er mit der Fähigkeit selbständigen Handelns uch die Erfindung des Leidens verloren hatte! Sein eigen' Los war ihm vollständig gleichgiltig. Wenn er noch eine Leidenschaft gehabt hätte, durch deren Erregung man ihn aus seiner dumpfen Lethargie hätte, aufrütteln können! Aber er liebte und haßte nichts. Alles war todt in ihm. Endlich schien man etwas sür ihn ge funden n haben. Man benutzte das ivenige Klavierspiel, welches er gelernt hatte, ihm eine Stelle als Klavierspieler in einem Cafe chantant zu verschaffen. Es war ein elendes Stückchen Brod sür srcies Essen und ein paar Mark Lohn mußte er täglich fünf bis sechs Stunden arbeiten! aber er war doch verforgt! Man hatte ihn untergebracht, man brauchte sich also nicht mehr um ihn zu kümmern. Ich war auf dem Eonservatorium sein Mitschüler gewesen. Ich konnte selbst nichts für ihn thun, aber es trieb mich, ihn zu besuchen. Ich stieg in den Keller hinunter, in dem er arbeitete-. Eine Atmosphäre umfing mich, ver pcstct durch den Qualm von schlechten Eiaarren. dem eklen Geruch von abge standencm Bier, den aus staubigen Kleidern aufsteigenden Moder. Es benahm mir für einen Augenblick den Atbem. ich mußte mich gleich neben der

Thür niedersetzen. ES dauerte einige Zeit, ehe meine Augen de.l. Dunst zu durchörmgen vermochten. 2vüste. verlebte G.'sichtfer. auf denen alle Leidenschaften ihre Spuren zurückgelassen hatten, die Gesichter der Gäste. Man bigleitete die Vorträge der Sängerinnen mit schalen Witzen, Stampfen der Füße. Aufschlagen der BierZläser auf die schmutzigen Tische, dröhnendem Gejohle. Die Sängerinnen selbst meist widerlich-keck in grellfarbigen, abgerisienen Kostümen, die ihr Herstammen aus der Maskengarderobe nicht verleugnen konnten, ibre Lieder, mit bald klotzigen, bald schrillen Stimmen absingend, ein stereotypes, halb irres Lächeln um die welken Lippen. Und Heinrich Gerhardt? Er saß an einem alten, verstimmte:. Klavier und leierte die Begleitung her unter ohne ein Spur, vonEmpfindung, wie eine schlecht zusammengesetzte Malchine. Und ich hatte ihn Geige spielen gehört, spielen oh ! In den Pausen starrte er apathisch vor sich hin. Es war klar, er sah und horte nichts von dem Lärm um ihn her. Sein bleiches, edelgeformtes Gesicht war leer, wie das eines Toöten. : Ich richtete mich auf, ihn zu begrüßen. Sein Blick fiel auf mich, glänz los. trübe, ohne eine Regung dcr Freude. . Er erkannte mich nicht ! Er reichte mir euic feuchte, kalte Hand. Ich fragte, wie es ihm gehe. , iscfjr gut !" Tann begann wieder ein Vortrag, und er beachtete mich nicht weiter. Ich ging und ich hätte fast geweint! ' .Ein halbes Jahr später. Ich' hatte eben meine erste Oper vollendet und

suchte einen verständigen Notenschreider. Heinrich Gerhardt siel mir ein. Wenn nicht Alles in ihn zerrüttet war. mußte er das können. Im Keller glaubte ich eine Verände rung zu bemerken. Die Luft schien mir nicht so dumpfig, das Gebahren der Gäste nicht so roh. das Aussehen der Sängerinnen nicht so widerlich wie frü her. Und Heinrich Gerhardt Sobald er mich erblickte, sprang er auf und streckte mir beide Hände entgegen mit frischem, herzlichem Lachen. Und in seinen Augen lag ein Ausdruck warmen, strahlenden Glücks, wie nie zuvor. Ich letzte mich neben das Klavier, und während er das Lied einer Sängerin begleitete, theilte ich ihm den Zweck meines ttommenS Mit. Er nahm sofort an, in freudiger Hast. .Brmge nur recht viel, Freund, recht viel!" rief.er. Und empfiehl mich weiter! Arbeit! Arbeit! Je mehr, um so lieber!" Wirst Tu's aber auch bewältigen können?" fragte ich erstaunt und besorgt. Ich hielt seine Regsamkeit für ein letztes Aufflackern seines Geiiies. Bewältiaen? Gott! jch wurde die ganze Welt überwinden, mein Junge, wenn sie sich mir entgegenstellte!" Kein Zweifel, er war aeneien, er hatte seine alte Energie wiedergefun den! Aber was hatte diese Umwandlung hervorgebracht, was diese todtgeglaubte Seele auferstehen lauen? Er lachte. Warte nur! Warte nur! Wirst's gleich selbst sehen!" Und dann begann er die Einleitung zu einem neuen Liede. Mozarts: Em Beilchen aus der Wiese stand! Und er leierte Nicht mehr, er spielte. wie er früher Geige gespielt hatte, er spielte seine Seele. Aber was sollte das keusche, zarte Lied in dieser Umgebung? Meines Frage wurde durch ein stürmisches Bei fallklatschen der Gäste unterbrochen. Heinrich Gerhardt nickte mir mit einem beinahe humoristischen Augen zwinkern zu, während er weiter spielte, und deutete mit einer Bewegung seines Kopfes nach der Bühne hin. Ich konnte von meinem, Platze aus nichts sehcn und so bog ich mich vgr und Da wußte ich, was Heinrich Ger hardts Seele zu neuem Leben erweckt hatte. Welch ein süßes, liebliches Geschöpf sie war. wie sie o dastand in ihrem geicblonenen. ücktiaen Kleidchen, mit den großen, dunklen, fragenden Kinderau gen und dem weichen, redenden Km bermund! Und wie sie das Lied sang! Ich war außer mir. Mensch", schrie ich ihm zu. Du bringst es über Dich, diese Stimme hier in dieser Hölle.. ..?" - Er lächelte wie triumphirend. Ihre Stimme ist mein, mein ganz allein! Dies Kleinod soll nicht hinaus zu Euch in die Welt! Ihr wurdet es mir ja doch nur verderben!" Aber man wird es entdecken trotz Dir, man wird es Dir stehlen!" Wieder lächelte er. Eh! Sie sollen nur kommen! Sie ist mein Weib!" . Und dann lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und starrte aus glänzen den Augen auf sie hin, und sie merkte es und lächelte ihm zu, und ich hörte ihn flüstern: Mein Weib! Mein Weib!" Das war Heinrich Gerhardts Ehe!... Später übernahm ich eine ausmär tige Tbeaterkapelle und kam lange Jahre hindurch nicht nach der Haupt stadt. Heinrich Gerhardt schrieb mir ein paar sMal. und über seinen Mit theilungen lag es wie ein zarter Duft stillen Glücks. Dann plötzlich blieb alle Nachricht von ihm aus. und meine Briefe wurden ulS unbestellbar zurück gesandt. Erst die erste Aufführung eines meiner Werke am dortigen vor nehmsten Kunstinstitut, die ich persön lich leiten sollte, führte mich nach der Hauptstadt zurück. Schon auf dem Bahnhof wünschten mir meine Bekannten, die mich empfin gen. in enthusiastischen Ausdrücken Glück zu einer solchen Vertreterin der Hauptpartie. Ebenso der Intendant,

dem ich meine Aufwartung machte, und die Presse. Lora Gerardi- war die neue Sonne am Kunsthimmel dr Hauptstadt, eine phänomenale Erschil' nung. der alle Welt huldigend zu Füßen lagen. Sie tdnr aus dem Volke hervorge gangen ; ein reicher Kunstliebhaber hatte sie in einer armseligen Spelunke entoeckt und ihre Ausbildung in die Hand genommen. Als ich sie zum ersten Mal sah. war ich frappirt von ihrer Schönheit, und doch es war mir. als habe ich sie schon einmal gesehen ! Und ihre Skimme. . Diese Stimme brachte am Abend der Premiere das Publikum zu rasendem Entzücken und meinem Werke einen vollen Erfolg. . Nach dcr Aufführung sollte ein Sou. per alle Mitwirkenden und einige Knnstfreunde vereinigen. Lora Gerardi bot mir einen Platz in ihrem Wagen an. An. der kleinen Pforte des Obern haufes wurden wir von einer harrenden Menge enthusiastisch begrüßt. ES fe zlte nicht viel, so hätte man uns die Pferde ausgespannt. Im Moment der Abfahrt drängte sich ein zerlumpter, augenscheinlich be trunkener Mensch an den Schlag un sercs Wagens und suchte zu öffnen.' Doch die Pferde zogen an, und der Mensch wurde eine Strecke mitgeschleppt. Unter der nächsten Laterne ließ er loS und brach taumelnd zusammen. Das Gaslicht fiel gerade aus sein Ge ficht. DieZ Gesicht Auch die- Diva halte es gesehen. Fröstelnd zog sie den Pelz um ihre Schultern. Sie soll an diesem Abend, außerge wöhnlich heiter gewesen sein. Ich war trotz meines künstlerischen Triumphes traurig, tief traurig. Ich hatte gesehen Heinrich Ger? hardts Ende !

Für Kurzsichtige. Die Möglichkeit, hochgradige Kurz, sichtigkeit durch Entfernung der Linse zu beseitigen, war nach der alltäglichen Erfahrung, daß durch Staropera'tionen der Brechzustand des Auges ganz erheb lich herabgesetzt wird, seit langer Zeit in der Augenheilkunde erwogen'. Doch kam die Frage über theoretische Erörte rungen nicht hinaus, da man die Ge fahren fürchtete. Auch nachdem zuerst im Jahre 1890 Fukula, Augenarzt' in Pilsen'Karls bad, und nach ihm Th. v. Schröder in Pctersburgdurch eine Reihe von glück lich verlaufenen Fällen die Vorzüge des Verfahrens für die Gebrauchsfähigkeit der Augen bewiesen, verhielt sich die Mehrzahl dcr Ophthalmologen kühl und ablehnend. In der neuesten Num mer-der Deutschen Medizinischen Wo chenschrift- veröffentlicht nun Profeor Dr. SchweiggerBerlin seine Ersah rungen über diese operative Beseiti gung hochgradiger Kurzsichtigkeit. Nach ihm sind die Befürchtungen wegen der damit verbundenen Gefahren nicht mehr begründet, denn diese Gefahren bestanden allergrößtenthcils in der Wundinsektion, welche mau jetzt zu verhindern weiß. Professor Schweigger hat nach die sem Verfahren fünfzehn Kurzsichtige operirt, von denen dreizehn im Alter von 9 bis 20 Jahren standen, zwei wa ren 32 und 34 Jahre alt; 12 waren weiblichen. 3 männlichen Geschlechts. Auch die für diese Frage untersuchten, aber nicht zur Operation gekommenen Fälle hochgradiger Kurzsichtigkeit ju gendlicher Personen ergaben das Ueber wiegen weiblichen Geschlechts die Brille trägt zur Verschönerung eines Mädchengesichts auch nur wenig bei. Die Herabsetzung der Kurzsichtigkeit durch die Entfernung der Linse ist na türlich gleich dem optischen Werthe der Linse, der sich durchschnittlich in den von Schmeigqer operirten Fällen als 15 16 Meterlinse ergab. Nach Schweigger's Erfahrungen ist die operative Beseitigung der' Kurzsichtigkeit nur dann zu empfehlen, wenn der Fern Punkt etwa 7 Eentimeter oder noch näher am Auge liegt. Für diese Grade ist eine Verbesserung durch Brillen nicht mehr zu erreichen da die zum deutlichen Sehen für die Ferne nothwendigen Konkavgläfcr die Augen nicht vertra gen werden: es kommen also nur Fälle höchsten Grades in Betracht, bei denen das Auge durch Gläser für irgend eine Näharbeit nicht mehr brauchbar gemacht werden kann. Für Kurzsichtige! welche Konkavgläfcr noch mit Nutzen anwen den können, soll natürlich von einer operativen Behandlung keine Rede sein, sondern durch Beseitigung der Linfe kann dann von der Kurzsichtigkeit ein geringer Grad bestehen bleiben, oder sie kann sogar in Weitsichtigkeit übergehen, die beide durch Gläser leicht zu korrigi ren sind. AllerdengS ist ein solches Auge akkommodationslos, aber man gewinnt ein Auge zu Sehen, in die Ferne; schon in einer Entfernung von einem Meter wird deutlicher gesehen, als eZ vorher mit Konkaogläsern erreichbar war. Professor Schweigger operirt meist nur ein und zwar das kurzsichtigste Auge, während das andere nicht operirte durch Konkavgläser auf eine zum Lesen, Schreiben u. s. w. brauchbare Entser nung von etwa 25 Eentimeter cinge stellt wird. Verrannt. Richter: .Sie .vollen von dem ganzen Dieb stahl nichts wissen! Können Sie denn ein Alibi nachweisen?- Angeklagter: .Nun natürlich! An dem' Abend haben wir ja ganz wo anders eingebrochen!In der Kneipe. Student: .Was habe ich zu zahlen, Kellner?" Kellner: Mit gestern und v gestern zusammen?" Student: Ach was, das bin ich Ihnen ja bereits schuldig geblieben!Bescheidenes LooS. A: .Was sind Sie?- B: Mitarbeiter mehrerer Zeitschristen!- A: So! Nun. was bekommen Sie da?- B: .Meine Manuskripte zurück!"

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?r deutsche Weltausstelluuss tag. Ehicago, im .Deutschen Dorf-. So geborte denn auch der große Tag der Deutschen auf der Weltausstellung der Geschichte an. Es waren denkwürdige, unvergeßliche Stunden für jeden Augen sno Ohrenzeugen! Auch dcr verstöck teste SmaragdJnsulaner oder Mus katnuß.ankee mußte sich Mehr oder weniger vor dem deutschen Geiye beu gen. ' Man kann von den Chicago Deut sehen mit dem besten Willen nicht sagen, daß sie sich bisher in gemeinsamen deutsch.amerikanischen Angelegenheiten hervorgethan hätten: namentlich in der Bewegung für die alljährige Feier eines deutsch.amerikanischen Gedenktages hat die Gartenstadt bis jetzt noch immer im Verein mit Gotham zu allerhinterst ge standen, obwohl die deutsche Presse Ehi cagos es wahrlich nicht an StimmungZ macherci hierfür sehlen ließ. ' Germania und die Musen. Aber die Weltausstellung hat doch auch die Teutschen der Gartenstadt elek trisirt. und in verhältnißmüßig sehr kurzer Zeit wurde eine Leistung geschaf fen. gegen welche alle bisherigen Natio nalitätentage der Weltausstellung weit in.den Hintergrund treten müssen, und die auch wohl an den noch bevorstehen den. Nationalitätentagen nie wieder erreicht werben wird au'ßer vielleicht am. 4. Juli und abermals unter deut scher Mithilfe! Ich habe den berühmten Festzug der Teutschen in New Z)ork bei der Eentennialfeier der amerikanischen Verfassung vor 5 Jahren nicht mit eigenem Äuge gesehen; abe: von Mit wirkendsn jenes Ereignisses wird mir versichert, dssg der diesmalige Jestzug in mancher Beziehung noch großartiger und glänzender ausgefallen fei. Und auch der Sonnengott meinte es mit den Deutschen gut. viel besser, als der Wetterclerk' vorher in Aussicht gestellt hatte, ausgenommen am frühen Abend. r,i imtSä'-iS: II W fJMMx lilW;KZiV:5 1 liiV if 4ty; f- ''2m iv'ssr-! sMMWHM wUV Columbia und die ersten dreizehn Staaten der Union. Es ist daher wohl angezeigt, diesen Tag (der ja auch für die Teutschen draußen im alten Vaterlande, obwohl wieder in anderem Sinne, eine so schwerwiegende Bedeutung gehabt hat) der Nachwelt in Wort und Bild im Gedächtniß zu erhalten. Die Lor beeren deZ TageS gebühren übrigens nicht den Chicagoer Deutschen allein, die vielmehr, wie ja auch billig, die eifrigste Beihilfe von Gästen und activen Theilnehmern der Weitaus stellung, deutschen wie deutschameri kanischen, erhielten. Die beiden Mili tät Musikkapellen vom Deutschen Torf- trugen schon allein mächtig dazu bei, den Gesammteindru'ck des Fest,pigeZ zu erhöhen und ernteten von den Men schenmanen. die sich in unabsehbaren Gewimmel bis an die höchsten Schau plätze'der .Wolkenschieber- im Centrum der Stadt drängten, eine Beifallssalve um die andere. Ebenso die reizende Bülow'sche Kapelle. Doch soll damit das Verdienst der vielen deutschen Or ganisationen der Weltausstellungsstadt. r i auch der deutschen Zeitungen u. s. w. keineswegs geschmälert werden. Karl Echurz. Festredner. ' Ter ganze Festzug brauchte fast drei Stunden, eine gegebene Stelle zu pas.' siren M839 in New Port waren eS etwa zwei Stunden) Nicht blos die etwa 30.000 Vkännlein und Weiblein, welche direct mitzogen, machten den Zug so lang, sondern auch die Menge der Ge sä.te und.vor Allem die vielen groß artigen Festwaaen liloatü), unter denen nur wenige einen vornehmeren Eindruck hatten machen können! Wie die Mm tärmusik und die schmucken Turner da hinmarschirtcn, und die historischen und

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allegorischen Gestalten von den Festwa. gen herniedergrüßten. das war eine Verherrlichung von Kraft und Schön heit, an welcher vermuthlich sogar der schneidige Zollern-Wilhelm trotz seiner einheimischen schweren Sorgen seine helle Freude gehabt hätte. Im Gegensatz zu jenem großen New Vorker Festzug waren auf dem dies jährigen nicht blos allegorische Gestal ten und allgemeine Charakterfiguren in schönster Vollendung, sondern auch eine Reihe hervorvagender Persönlichkeiten der Vergangenheit und Gegenwar' durch meist sehr gut ausgewählte und naturgetreu ausgestattete Vertreter und Vertreterinnen dargestellt, wie auch durch viele Porträts um die Festwagen herum. Die erste dieser, Columbia, war sogleich eine der glänzendsten und eroberte die Sympathie des Amerikaner thums für das Ganze im Sturm; außer der Columbia waren auf dem selben die 13 ursprünglichen amerikaNischen Staaten durch schöne deutsche Früuen und Mävchengestalten darge PM.

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Aestmagen, darstellend die erste deutsche Ar. siedlung in Germantomn. Pa. Dann folgten die nicht minder impo santen Wagen .Freiheitskrieg- und Rebellionsk'rieg-, die. Schöpfungen zweier Turnvereine. Einer der lieb lichsten Wagen des ganzen Zuges war aber Germantown-, die erste' deutsche Ansiedlung Amerikas in ihrem äußeren und inneren Leben zeigend. Bald dar auf erschien der imposante Wagen Germania.", deren lebende geschichtliche Por träts fast noch mehr bewundert wurden., als- die Sinndild-Gestalten. Das Werk eines der strebsamsten deutsch-amerika Nischen Turnvereine war der Wagerr .Teutsche Zünfte", und Turnerzöglinge waren es auch, welche in dem Wagen .Columbus-' und die Santa Maria- ein, vielleicht nur etwas zu zart gehaltenes Prachtbild schufen. An der Hermannsschlacht", dargestellt durch die Hermanns Söhne-, war namentlich die .Hauptfigur ganz un übertrefflich. Der Festmagen der Baiern. Bavaria-, war in seiner Art eine' ebenso vornehme Erscheinung, wie die bairifchen Pavillons im Jndustriepa last der Weltausstellung, und nicht dielweniaer schön und mindestens ebenso imposant war gleich daraus Ter batrische Löwe.Urgermanen in der Schlacht. Zwei Festwagen waren von deutschen Kricgervereinen ausgestattet worden und stellten eine Scene nach der Schlacht bei Rezonville und Marke tender- recht lebensmarm dar. Der noch ziemlich jugendliche Technische Ver ein der Weltausstellungsstadt legte mit dem Wagen Alle Gebiete der TechnikEhre ein, een!o ein Hamburger Verein mit der Deutschen Marine-. Ein freudiges Ah!- hörte man von gar manchem Munde, als die Festwa. gen Bater Rhein und Kölnische Bau ern- und weiterhin Burg Lichtensteinmajestätisch daherzogen. Vielleicht war die RheiN'Gruppe deZ mehrcrwähnten New Yorker TriumrhzugeS feiner und sorgfältiger vorbereilet (hatte man doch auch übergenug Zeit dazu), aber natür licher war siegewi?; nicht. Und die niedliche Burg Lichtenstcin-, diese Perle derchwäbischcn Alp, hätte nur auf imposanterem Hochgebirge zu stehen brauchen, als die umgebenden Verhält niste möglich nulchten, um sofort an das Wort deS Dichters auf das Origi nal zu erinnern: Aus einezn tiefen, grünen Thal Steigt aus ein Fels, als wie ein Strahl,. Draüf schaut die Burg von Lichtenstein Vergnüglich in die Welt hinein.Jn edlen Wettkamvf mit den Dcut schen im ettgeren Sinne traten die' 'Schwyzerdütsche- mit ihrem Festmagen Helvetia und Schweizer Kantone-.' und sie errangen damit einen Triumph. )en ibnen Jeoer von Herzen gönnt. Dann kam noch die Wassermühle- dec feucht-fröhlichen, aber durchaus nicht lväjserigen Trierer, die höchst gelungene Dresdener Vogelwiese- der Sachsen, und der von den Wirthsvereinengelei stete und da? Ende würdig krönende Festwagen Bacchus und Eambrinus-. Karamelle Santa Maria-. Es ist unmöglich, in dieser Skizze

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den einzetnen Glanzleistungen gebührend gerecht zu werden ; selbst die Vor Züge der besten konnte ich nur streifen. Die Feuerwerke, welche heute Abend in der Weißen Stadt abgebrannt werden .und uns Germania und Columbia in Riesengröße und in magischem Zau berlicht vorführen, bilden das nachtliche Seitenstück zu dem großen Festzuge und geben gleichzeitig seine geistige Quintessenz. Was in dieser Beziehung auf dem Weltausstellungsplatze geleistet werden kann, hat sich schon kürzlich an dem großen Eulalia-Prinzessin-Abend gezeigt. Augenblicklich ist Teutsch hier Trumpf, und ein stolzer Wirthschaftsbester der grünen Insel, der mich noch gestern gefragt: Vkät's th Germ an colors anjway ?- Hat sich, wie vie viele Andere, in elfter Stunde entschlossen, seinen Platz besonders fest' lich prangen zu lassen. P. K. Lappländer auf der Ausstellung.

Die Eskimos sind nicht das einzige Hochnordische Bolk, welches auf der Ehicagoer Weltausstellung, resp, am Midmay Plaisance vertreten ist. Erößeres Interesse noch, als die beiden Es' kimo-Dörfer, dürfte bei Manchem das Lappländer Dorf erwecken. Lenken wir daher auch' einmal dorthin unsere Schritte. Vierundzwanzig Lappen und LapPinnen bewohnen dasselbe, und sie kom. men aus dem höchsten Norden von' drei Ländern von Norwegin, Schweden und Rußland. An der Spihe dieser Eolonie stebt ein noch ganz rüstiger Stammesälkester, der nicht, weniger, als 112 Jahre alt ist und sich auf der Wellausstellung König Bull- nennt. Scene auS dem Lpcndorf. Jeden Tag spielt dieser Lappenkönig eine Weile mit seinem kleinen Ur-Ur-Uv-Ur-Ur-Enke!chen. Sein ältester Sohn, Bals Bull, der ihn begleitet, hat auch schon 90 Jahre auf den Schul tern und besilit seinerseits ein Sohn chen" vor 73 Jahren, welcher wiederum ein Töchterchen- von 59 Jahren hat; LeMes hat einen Sohn von 41 Jahren, welcher seinerseits der Vater eines 29jährigen Sohnes ist, der eine Tochter von 14 Jahre hat, welche endlich die Mutter eines 2jährigen Töchterleins ist! Für die Genauigkeit dieser Angaben können wir allerdings keine Bürgschaft übernehmen; unmöglich ist das aber bei den Lappen nicht,' die so sehr jung heirathen. Und wenn man diese ganze Familie in ihren Rennthier kleidern (mit Ausnahme, des letztge nannten Wii!find nebeneinander sieht, so ist es in der That sehr schwer. Eins von dem Ailderen zir unterscheiden! König Bull schlägt' auch niemalsGeschenke aus. VRö1 trR v ?Wtz?ML Ir7 ltnSu ' m rSx 'l sZ'TV ..tm n Lappländer Schlitten, und Jurten au? Filz. Doch wersen wir einen Blick auf dn! Dorf selbst. Dasselbe bildet eine so genaue Wiedergabe einer lappländrschl'n Ansiedlung. wie eZ unter den Umstände möglich war. Die Gebande sind in dem. Gelb und Blau Norwegens angestrichen, und in der Mitte des Raumes- erheben sich die eigentliche Hütten, welche zeltartig zulaufen, und aus Thierhäuten und nordischem Moos bestehen. Jede Hütte hat einen sehr kleinen Eingang,, eine Thüre, die nur aus einem Holzstück besteht, daZ von innen fest schließt. Mitten in solchen Hütten läßt der Lappländer ein Feuer in der Erde brez.nen. dcr Rauch davon zieht bei günstigem Wind oben hinaus, bei ungünstigem aber bleibt er drinnen und bereitet dem Lapplände? Genuß. In ihrer Heimath haben diese Menschen denn auch stets eine sehr gcrüucherteGesichts färbe. Das ganze Dorf steht im auffallend sten Gegensa zu allen anderen am Midway Piaisance. Es ist auch hier (was bei den Eskimos leider nicht der Fall ist) ertra durch unterirdische Kühlung un) Erzeugung künstlichen Schnees dafür gesorgt, daß sich diese Kinder des Nordens im Sommer nicht zu unbchagli fühlen. Der Renn-thierPark-, welche? zum derzeitigen Heim des besagten Stammeskönigs gehört., enthält 9 lebendige Rcnnthiere. welche bei warmem Wetter drei Mal jeden Tag aus einem Schlauch ein Mi cdigan Scewanerbad erhalten. Bei Vorstellungen werden diese Renntüiere an Schlitten geschirrt, und mit ihnen wird nach echter Lappländer Art um die Wette herum gefahren. Dann folgt die Futterung und elkuna.

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Bewohnerinnen deZ lappischen Dorfe?. Die Lappländer meist sind sehr reli gisse Leute, und jeder Vorstellung in diesem Torfe geht ein Gottesdienst der zum Ehristenthum bekehrten Lappen nach lutherischem Ritus vorher. Be sagter König und seine engere Familie nehmen allerdings nicht daran theil ; sie glauben an nichts, als an sich i'ibti; sie vertreten das Alt-Lappen thum. , emerkenswerth ist auch noch die Ausstejlung der Haararbeiten dcr Lap Pinnen, welche Armspangcn und Kettchen aus dem kurzen Haar der Renn thiere tragen und in ihrem Aeußeren gar nicht so übel sind. Rennthiere und Fische müssen den Lappländern be 'kanntlich sämmtliche Lebensbedürfnisse liefern, und der Rennthier-Küse wird auch von gar manchen anderen Men chenkindern geschätzt. Gemeinderatl)ssitzung. Härt, Kinnings, ick hebb' juch rau pen taten, do hett, as ji wißt, en gro ten Köter Nachtwächter Jsermannew beten; von uns' KöterS iS'.dat kein' West, also hebb' ick hier en chriwen' aw dat Amt upsett, un nu wull'ick Llots hüren. ob wer dat dorwcdder bett: paßd zupp." .Verleden Nacht blus der. Nachtwächter Jsermann auf sein Horn,? da kam ein in der Dunkelheit unverkennbarer Hund von rückwärts herbei und ward der Nachtwächter jsermann! von selsrigen durch seiner Hand gebis? sen, ohne dabei zu bellen, und zwar: von hinten. Da dies ein qeqen die? Gewohnheit der Hunde verwirrter Thatbestand ist, und ich mich verpflich. tet halten so möae ein könialiches Amfc damit sein Auskommen finden.Der Schulze. Berlholz." Wörtlich genommen. 1-4 .4 Karwtmann: ES ist mir gemeldet worden, daß viele von euch immer anl Sonntagabenden betrunken in die Ka ferne kommen! Schämt ibr euch denn gar nicht? Als anständiger Mensch mu& ich mir immer jagen: Ich darsf micd nicbt betrinken. um micd nackber wie ein Schwein im Kothe zu wälzen. Mayer, haben Sie sich s gemerkt? UvaScars ich also mqtf Mauer (stottern): Der Herr Sauvt, mann darf sich nicht, wie ein Schweins im olye waizen, wenn er veiruniew ist. Zu beruföeifrig. Reitlehrer: Ab& Herr' Rentier, Zipsel, warum geben Sie dem Gaul, denn immer die Sporen?Früherer - Fleischer: . .Schaun Sj das macht die Gewohnheit- vom .frühe! ren FleiichhaiZen!-. Druckfehlerteusel. Arm Saume des WaldcZ stand eine uraltes Tante, die zwei Männer kaum zu umi .Pannen vermochten.

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