Indiana Tribüne, Volume 16, Number 284, Indianapolis, Marion County, 2 July 1893 — Page 3
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Roman von Kans Asrnseks. (7. Fortsetzung.) i Sieso verloren?" erwiderte Würz bürg philosophisch. Meinst Du, ich würde auch nur einen Tag jünger sein, wenn ich diese Zeit in der Freiheit derlebte? Uebrigens braucht der Staat mich viel zu sehr, um mich so lange unnütz auf der-Festung zu füttern... Ganz nett, diese Gerichtsverhandlung heut', nicht wahr? Ich hätte gar nicht gedacht, daß solch eine Gerichts Verhandlung sich so gemüthlich heruw terhaspeln könne. Und das ganze Resultat dieses furchtbaren Apparates? . . . Zwei lumpige Jahre! Der kreisende Berg gebar wieder einmal ein VZäuslein. Ich glaubte bereits, der staatsanwalt würde seine Hand auf rncin mit Brillantine gesalbtes Haupt legen und gerührt sprechen: Dies Kind, kkin Engel ist sa rein. Laßt's eurer Huld empfohlen sein!" Du spottest und mir blutet das herz!Darf ich mit Heftpflaster dienen? Oder nimm da den Hochheimer, der virkt noch besser!" Und NUN im Ernst, Karl! Berge5ens habe ich gehofft, durch die BerHandlung eine Aufklärung zu erhalten; )er Vorwand des politischen Zwistes rar zu durchstchtöar. . . .-Wie kam :s? Ich habe wohl ein Recht, danach u fragen." Ein finsteres Zucken überlief Würzöurgs Gesicht. Er ließ Messer und Säbel fallen, stützte den Kopf in die and und sprach langsam: Wie es lam? . . .ich weiß es wahrlich selbst fcum. Als ich dds arme verzweifelte rUnd fand, da faßte mich ein Grimm, '.ine Wuth, daß ich mich selbst für vahnstnnig hielt. Ich hätte das Schloß inzünden und mit Wonne das ganze zoch- und hochwohlgeborene Gesinde!
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r'v. .v...v. MtlviIMtwtl I jin können. Es war wie ein wildes EChier in mir, das nach Blut schrie. )iV Sorge um Betty machte mich ein venVig ruhiger. Ich steckte meine Dullpistolen zu mir, fest entschlossen, en Lieutenant nötigenfalls mir twl aus dem Saale heraus zu holen. Zum Glück spazierte er im Garten z?nher ... es war bereits hell. Wie rh sein hübsches, freundliches Gesicht uit dem dunklen Kraushaar betrach!ete, hätte ich in der Erinnerung an so manche fröhlich zusammen verlebte Stunde fast Mitleid mit ihm aehabt. Da glitzerte der Berlobungsring an jeincni Finger, nun war ich wieder loll. Ich sprang vor, schleuderte ihm xine Gemeinheit, meine Verachtung, ncine Forderung in's GesiKt und die Pistolen vor die Füße. D!uth hat er, :r nahm sofort an, selbst die Bedinjung der einzigen geladenen Pistole zefiel ihm. Leider erwischte er doch )ie unschuldige mit dem Kupferzütchen." . - ...Und wenn er die andere gewählt? So wären wir vielleicht Beide :esscr dran ... Bei Gott, ich hatte die festeste Absicht, ihn so todt zu schießen, lls nur ein Mann sein kann. Die erwünschte Wuth, die mir in Hirn und Zldern tobte, ließ mich auf die zehn Schritte Distanz das Schwarze seh!en. Auch gut, ich bin es zufrieden . . . 's ist vorüber, das heißt bis auf das vrunmen," schloß Würzburg in seiiem gewohnten leichten Tone. Und in pfeif' ein anderes Lied, das biszerige erinnert mich zu stark an die mt bevorstehende Mußezeit. Mir ist, lls sähe ich lauter rothe Kragen: Hör' ich daZ Pförtchen nicht gehen? Hat nicht der Riegel geklirrt? Nein. e5 roar des KeUnerfrcks Wchcn, Ter dnrch leere Tische schwirrt. Man läßt mich ja noch ach! Tage )e.r göttlichen Freiheit genießen, läßt -iiid) in vollen, in durstigen Zügen trinken die freie, die himmlische Luft ind außerdem noch diesen famosen hochheiner, außerdem Bier und andere :ngen:hme Dinge. Frau Justitia kann unter Umständen doch eine cht H5km?s?irt. . Corsf isf hi?1 T?slAs Vicht benutzen, um ihr überhaupt das Nachsehen zu laen? . . . Auf nach Valencia oder AmerUa? Wie sie mich m zärtlicher Sorge in allen Winkeln suchen wurde, doch Nicht in dem Sa nicht in der Flur . Fand sich von Jkobert eine Spur! Nein, es wäre schofel aeqen die liebe SJute gehandelt, sonst immerhin! varum nicht?" Du hast" sagte Auras, die Stirn runzelnd, da ihm die Ironie des JCrpnnhi mehr rtmiT hnrft di,s,? i,n I w wm m m O i v r wvv i roraaz irrn voaicicn: Die größteSeHnsucht, etwas Neues lus Liebenfelde zu erfahren. Man erzählt sich Wunderdinge, daß mich die )?cugier bis auf's Blut peinigt, doch Du läßt Dich wochenlang nicht blicken, ind ich hatte leider mein Wort gegesen, nicht aus diesem Unkennesie herluszugehen." Zum ersten Male verschwand der m . - i g
J oelummerle Äusorua in Auras Zuicn. Stolz und freudig leuchtete sein
kluge, als er ausführlich über die noch sie kühnsten Hoffnungen übersteigenzen Schürfarbeiten berichtete. Nicht au: war das Vorhandensein der kostbaren Erze so zweifellos nachgewiesen, baß man ihm nun von allen Seiten .'"Capitalien anbot, sondern es hatte sich 1 zugleich herausgestellt, daß der berg- ' männische Abbau nur von seinem Besiktbum aus erfolgen konnte. Während
:r voraussichtlich bereits' im folgenden J Frühjahr damit beginnen konnte, wurI den auf Wildenhoser Terrain noch im-Vr-rner kostspielige Bohrversuche ange-
stellt,' trotzdem Dieselben nach ijein ur ieil berqwissenschqftlicher Autoritäten .n günstiges Rejultat gar nicht erwar:n ließen. Würzburg rieb sich die Hände. .Den Kammerherrn möchte ich wu-
then hören. Als Du ihm damals riethest. Liebenfelde für die Gräfin oder für sich selbst anzukaufen, lachte er Dich aus und nannte Deinen Hinweis auf die vermuteten Erzgänge eine überspannte, fixe ' Idee; noch mehr, er glaubte. Du stehest mit dem Vorbesitzer in heimlicher Verbindung, um Dir bei demVerkauf eineProvision in dieTasche stecken zu können. ' Nun steckt er , seine letzten Groschen nutzloser Weise selbst in die Taschen eines schlauen Ingenieurs, der natürlich so lange graben und ihn vertrösten wird, als jene zureichen. Sobald sie glücklich eingebuddelt sind, was ja jedenfalls nicht lange dauern kann, ist es wieder einmal Matthäi am letzten mit der geträumten Herrlichkeit der erlauchten Wildenhof und Ruwer. Schau nicht so finster drein, Freund! Ich bin nicht schadenfroh, das aber gönne ich dem alten Schleicher, dem ganzen hochmüthigen Pack." Würzburg!" Auras Stimme klang unsicher und vorwurfsvoll. O, o!" schüttelte der Freund den Kopf; ist es denn möglich, daß Du noch immer beschönigst und hoffst?" New," sprach Auras hart, der Traum ist ausgeträumt, das letzte Band zerschnitten." Wobei es jedoch nur auf den Versuch einer schönen, weißen MädcheHand ankäme, die zerrissenen Fäden von Neuem zum Knoten zu schürzen!" stieß WUrzburg grimmig hervor. Von einem Manne Deiner Art hätte ich Anderes erwartet." Liebe fordern, erzwingen wollen, ist das Beginnen eines Thoren. sich für die versagte rächen, ein Scburkenstreich. Vielleicht war ich ein Narr, zum Elenden möchte ich nicht werden." Armer Kerl, die verführerischeWalküre spukt Dir noch immer in Hirn und Herzen!" Auras strich mit der Hand über die schöne, breite Stirn.
Du irrst! Es ist da drinnen wieder alles klar, wie es einem nüchternen, arbeitenden Geschäftsmanne geziemt. Die Romantik ist aus meinem Dasein gestrichen; gestorben ist, wonach ich einst strebte und kämpfte. Der Name Wildenhof gilt mir fortan so viel und so wenig als jeder andere." Wie schade, daß die Leist, die falsche Betschwester, dieses rührend christliche Bekenntniß nicht hört! Schlägt Dich Jemand auf Deinen rechten Backen, so biete ihm auch den linken dar" .... es wird ja alles vergeben und vergessen!" Wenigstens bin ich ruhig genug geworden, um gerecht zu urtheilen. Selbst der gereiftMann ist doch meist nur das Produkt feiner Charakteranlage, seiner Erziehung, Umgebung und Erfahrungen wieviel mehr nicht ein Mädchen aus jenen Kreisen, die sich so streng gegen die Allgemeinheit abschließen! Willst Du ihr persönlich zum Vorwurf machen, was das Vorurtheil ihres Standes ihr einimpfte von Kindheit an, ihren Kurzblick schelten, weil eine falsche Erziehung sie nie über den beschränkten Horizont hinausschauen ließ? Von ihrcm Standpunkte aus hat sie vielleicht nach bester Ueberzeugung gehandelt. Daß dieser selbst ein falscher, durchaus einseitiger ist. fällt ihr selbst am wenigsten zur Last. Ich habe keine Veranlassung, ihre Auffassungen zu corrigiren. Möge sie darin glücklich werden, wenn sie kann." Der Oberförster lief wüthend zwischen den leeren Tischen des kleinen Speisezimmers hin und her. Nun blieb er vor dem Freunde stehen und höhnte: Das ist ja reizend! Jetzt fehlt nur noch, daß Du auch dem Lieutenant einen ähnlichen Vertheidigungsspeech hältst. Ick werde dann sofort Beiden einen submissesten Entschuldigungsbrief schreiben und sie sür einen Tugcndpreis in Vorschlag bringen." Dann rannte er wieder fort, ohne darauf zu achten, daß er einige ihm im Wege stehende Stühle umwarf. Dein Hohn trifft mich nicht," sagte Auras finster. Es ist noch Anderers geschehen, wovon ich vielleicht erst nach Jahren zu sprechen vermag, Dinge, die ein Mann vielleicht mit der Zeit vergeben, doch nie vergessen lernt.... nie. Nie!" Seine Wangen hatten sich mit einem dunklen Roth bedeckt und er verharrte in düsterem Schweigen, bis Würzburg, neben ihm stehen bleibend, die Hand auf seine Schulter legte. Also noch etwas? Das freut mich, um Deinetwillen, mein Junge! Wenigstens läßt es mich hoffen, daß Du diese fatale Geschichte nicht Dein Lebenlang mit Dir herumschleppen wirst, wie ein Sklave seine Kette. Mach' ein Ende damit! Wie der Arzt, ein scharfer, entschlossenerSchnitt es thut zwar weh, aber das fressende, böse Geschwür ist ausgemerzt Hast Du Nachricht von Betty?" Nein, und das bekümmert mich mehr als mein eigenes Schicksal." Ich hatte gestern einen Brief von meiner Cousine Betty befindet sich den Umständen angemessen wohl; natürlich ist sie noch schwach und still, möchte sich am liebsten in die Einsamkeit vergraben u.s.w. Du kannst Dir das ja alles denken. .. aber sie befindet sich doch auf dem Wege der Genesung." Ob sie je diesen Schlag völlig verwinden wird?" Laß es uns hoffen! Sie ist so jung, die Zeit wird das ihre thun." . Willst Du sie noch einmal sehen, ehe Du Deine Strashaft antrittst?" Um keinen Preis verwundet wie ihr Herz jetzt ist, würde es mich nur hassen lernen. Jetzt würde sie noch eher dem Lieutenant seine Treulosigkeit, als mir seine Verwundung vergeben." Und die Zukunft?" Bringt vielleicht Dornen, vielleicht Rosen wer kann es wissen? Ich will den Kartenlegerinnen nicht ins Handwerk pfuschen. Offui gestanden: für mich selbst hosfe ich wenig. Hätte ich keck und frischweg zugegrifse wie 1e-
ne?'anstatt wie ein bleichsüchtiger, lyrischer Dichter zu toggenburgern, was weder in Bettys, noch in meinem Charakter liegt vielleicht wäre ich früher, als er zum Ziele gekommen und heute ein glücklicher Mann. AuZ den Wvlken N'llß ti fallen. Aus der Götter Schooß das Elück! Ich kann nichts Anderes mehr thun, als harren, allerdings in der Voraussicht, nur einen neuen Beweis für die alte spichwörtliche Wahrheit zu liefern. Auch das werde ich zu tragen wissen, nicht leicht, doch wie ein Mann." Würzburg schien eine Antwort des Freundes zu erwarten, doch als dieselbe nicht erfolgte, schenkte er die geleerten Gläser wieder voll und stieß an. Wenn nichts Anderes, bleibt mir noch mein Wald, meineBüchse und unsereFrcundschaft genug des Reichthums! O mein göttlicher Schiller, Du hast recht: Trink ihn aus. den Trank der Labe Und rcrziß den aroßl Schmerz! Wunderi?oll ist BacchuS (abe, . Balsam für's zerrisj'ne Herz! ... Kellner, eine frische, einen Silber köpf! Zum Teufel ist der Spiritus, das Phlegma ist geblieben ... wir müssen nachheizen!" . XIV. Der Kammerherr befand sich in ar ger Mißstimmung. Die Verurtheilung Würzburgs hatte den ersten Anstoß da zu gegeben die gerichtliche Auffassung des Rencontres als Zweikampf entsprach durchaus nicht seinen Wlln schen, denen zu Folge der Strafantrag auf Mordversuch oder doch mindestens auf vorsätzliche schwere Körperverletzung hatte gestellt werden müssen. Natürlich verfiel Viktor nun der gleichen Strafe, und die bösen Zungen, welche chnehin das unliebsameEreigniß in für ihn nichts weniger als schmeichelhafter Weise glossirten, erhielten neuen Stoff. Dazu hatte ihm Herr vonSeblitz soeben die Mittheilung gemacht, daß die für die Bohrversuche verfügbaren Gelder vollständig verausgabt seien und der leitende Ingenieur erlärt habe, die bisher aufgefundenen Erzgänge verliefen theils zu ungünstig, theils zu unbedeutend, um eine, das hohe Anlagecapital auch nur mäßig verzinsende Aus-
beute zu gewahren. Es war nur die Bestätigung dessen, was man sich bereits in der ganzen Umgegend unter spöttischen Bemerkungen erzählte und er selbst längst geahnt hatte. Am bittersten freilich empfand er die Erfolge, welche Auras in Liebenfelde erzielte und er selbst konnte heute dort der Herr sein, hätte er nicht dem Direktor mißtraut! Mißgeschick über Mißgeschick! Wie ein schwarzer Faden zog sich seit dem gestörten Verlobungsfest eine Kette von Widerwärtigkeiten durch sein Leben. Kaum zu neuem Glänze erweckt, tauchte derStern der Wildenhof und Ruwer auss Reu in trübe Wolken nieder. Die dürren Blätter, die unter seinen Füßen raschelten, als er von der Kanzlei nach dem Schlosse schritt, ärgerten ihn wie eine höhnende Musik. Er hatte für den Anfang des Winters die Prachtvolle Vermählungsfeier, für das junge Paar eine Reise nach Italien, für sich einen Abstecher nach Nizza und einen Aufenthalt in der Hauptstadt, das Wiederanknüpfen der halb erloschenen Hofbeziehungen geplant nun waren alle diese hochfliegenden Projekte in der dunklen Tiefe der nutzlosen, theuren Bohrlöcher versunken. Er fand Brunhilde in dem sogenannten Bibliothekzimmer. Seit Viktor nach Vroshausen übergesiedelt und sie der Sorge für seine Pflege enthoben war, hatte sie ein besonderes Vergnügen daran gefunden, in den alten Familienpapieren und Gutsakten zu wühlen, eineBeschäftigung, welche demKammerHerrn bereits mehr als eine scharf tadelnde Bemerkung entlockt hatte. Er fand sie unpassend, unweiblich, freilich ohne ihr damit Einhalt thun zu können. Auch heute runzelte sich seine Stirne. In schärferem Tone, als er sonst gegen die Nichte und zukünftige Schwiegertochter anzuschlagen pflegte, sagte er: Welchen staubigen Wust hast Du da wieder aufgestöbert? Es ist traurig, daß Du keine geeignetere Unterhaltung zu finden vermagst V Ich' halte das Studium der Geschichte meines Hauses sogar für außerordentlich passend," erwiderte BrunHilde ein wenig gereizt, erhob sich aber trotzdem, um den Onkel nicht zu verletzen. Es zvar etwas wie ein kleiner Kriegszustand seit der Verlobungsfeier zwischen den Beiden zurückgeblieben. Brunhilde beklagte sich über den Mangel an Vertrauen. Ahnte sie auch die volle Wahrheit bei weitem noch nicht, so glaubte sie doch noch weniger als jeder Andere an den politischen Streit, welcher offiziell als Ursache des Duelles galt. Durch Auras auf die richtige Spur geführt, verlangte sie entschieden offenen Aufschluß über die etwaigen Beziehungen zwischen ihrem Verlobten und Betty Auras. Viktors Zustand gestattete noch keine aufregende Auseinandersetzung, der Kammerherr behalk mit beschönigenden Gemeinplätzen, welche sie nicht zu befriedigen vermochten. Sie verlangte Gewißheit, ob Betty ein Recht auf Viktor gehabt oder nicht und diesmal erschien ihr die runde Äbleugnung Onkel Edmunds ihr doch wohl nicht völlig glaubwürdig. Er nahm seine Lieblingsstellung am Kamin ein, den Fuß auf die Messingstäbe und den Arm auf den Kamin gestützt, und fuhr fort: Zum mindesten würde es sich empfehlen. Du überließcst mir die Auswahl der sür Deine Jahre und Dein Verständniß geeigneten Aktenstücke. Diese Sachen sind nicht sür Mädchen geschrieben . . . Indessen, ich komme von Seblitz und bringe eine wunderbare Neuigkeit mit. Jener Herr in Liebenfelde hat wieder einmal Ursache, uns gründlich auszulachen." ,
. Er erzählte. Jdj glaube fast, ich freue mich, daß eZ so gekommen ist," antwortete die Gräfin ruhig. Freuen? .... Ich muß Dich schon bitten, meinem mangelnden Verstandniß ein wenig nachzuhelfen." Wir sind, was Du, Onkel Edmund, so gern betonst, Aristokraten, keineKrämer, Speculanten und Bergleute. Jetzt, da die Gefahr vorüber, kann ich wohl sagen, es wäre mir als eine Entwürdigung meiner selbst erschienen, meine Wiesen und Wälder in ein schmutziges Hüttenwerk, das Schloß meiner Väter in ein Kaufmannshaus, den Park vielleicht in eine Kohlenniederlage verwandelt zu sehen und im Courszettel
lesen: Wildenhofhütte so und soviel Procent." Eine reizende Ausfassung," spottete der Kammerherr in verbissenem Groll. Daß uns diese Entwürdigung, wie Du Dich auszudrücken beliebst, jährlich fünfzigtausend Thaler oder mehr eingebracht haben würde, ist für einen romantischen Mädchenkopf eine zu geringfügige Kleinigkeit, um überhaupt, in Betracht gezogen zu werden." Er sah ein Helles Roth langsam in Brunhildens Wangen steigen und beeilte sich, begütigend hinzuzufügen: Es ist doch einmal nicht anders, liebes Kind! Du weißt, wie Deine Verhältnisse stehen; es konnte sich seine bessere Gelegenheit finden, den alten Glanz Deines Namens wieder aufzufrischen."' Kupfervergoldung!" Gleichviel! Ist dasGold nur echt, sv frägt die Menge wenig darnach, woher es stammt." Ich bewundere nur Deine Jnconse quenz, Onkel Edmund; seit Wochen widersprichst Du stündlich mit Worten und Thaten den Grundsätzen, die Du wie ein Evangelium einst selbst in meine Brust pflanztest. Der Arbeite? und Bürger galten Dir als Plebejer, die Industrie als der Ansturm gegen die uralt geheiligten Vorrechte des Adels, die Macht des Geldes als Protzcnthum; der Edelmann, der mit Kopf oder Hand sein tägliches Brot erwarb, schändete in Deinen Augen sein Wappenschild und nun bist Du selbst unglücklich, daß Du diese vornehm stillen Schloßraume n:cht Mit den Schachten Deines Bergwerks und das ezclusive Hofparfum mit dem rußigen Dunst einer Kupferhütte vertauschm kannst! Du ahnst nicht, welchen Zwiespalt Du damit in meiner Brust entfachtest, wie oft ich über Deine Wandlung nachgegrübelt habe! Du selbst gibst nun zu, daß Name und Rang allein in der heutigen Gesellschaft fast bedeutungslos sind; warum aber sträubst Du Dich gegen die weitere Schlußfolgerung, die sich meiner Ueberzeugung unwiderstehlich aufdrängt: was wir unsere Standesvorrcchte nennen, ist nur die Sicherheit des ererbten Besitzes, das mühelose Zehren von dem, was einst unsere Vorfahren erworben haben, mit einem kurzen Worte: der Müßiggang. Ob und wie weit ein Stolz darauf berechtit ist, wage ich nicht zu entscheiden; dock svreche ich: ein Jeder, der dem Gelderwerb nachgeht, steht dcmAnderen gleich, und statt Namen und Abstammung entscheiden hier Fähigkeiten und Erfolge." So daß Du mich etwa mit jenem Herrn Auras oder mit dem Bankier Goldsteiner auf die nämliche Gesell-' schaftsstufe stellst?" lachte Herr von Ruwer höhnend. Trägst Du nicht selbst die Schuld daran durch Deine Jagd nach dem Goide? Hast Du nicht in diesen wenigen Wochen den untadelhaften Edelmann, als den ich Dich bisher kannte, vollständig abgestreift, um mit Juden und Christen, mit Geldmännern, Agenten und Ingenieuren zu schachern, zu rechnen, zu speculiren. wie nur je ein professionsmäßiger Gründer?" 'Das ist der Dank für meine schlaflosen Nächte und Sorgen um Deinetwillen," sagte der Kammerherr nach kurzer Pause achselzuckend. Für Dich und Viktor, für den Namen Wildenhof habe ich gearbeitet und gesonnen. Euch wollte ich ein sorgenfreies, glänzendes Loos sichern, nicht mir. Wäre es mir gelungen, so hätte man mich jedenfalls als den besten aller Oheime und Väter gepriesen. Mein einziger Fehler war mein Mißerfolg." Der Widerspruch zwischen Deinen früheren und Deinen jetzigen Anschauungen. der sich naturgemäß auch auf mich übertragen . mußte," corrigirte Brunhilde. Damit lehrtest Du mich selbst die , tiefe Wahrheit so manchen Wortes erkennen, das ich noch vor wenigen Wochen als Anmaßung oder Unzlrechtigkeit veructheilte." . Zielst Du damit auf die Volkswirthschaftlichen und socialpolitischen Privatvorlesungen des Herrn Auras? Wie schade, daß er ihren Erfolg nicht mehr zu beobachten vermag." Zum zweiten Male an diesem Morgen fiel der Name Auras. der sonst streng verpönte. Brunhilde warf dem Spötter einen fast zornigen Blick zu. Ich habe nur zu hoffen und zu wünschen,' daß Viktor diese meine Ansichten theilt," sagte sie und ließ sich wieder an dem mit Schriften überladenen Secretär nieder.' - Das ist sehr wahrscheinlich!" Der Kammerherr lachte ironisch, doch war er nicht so ruhig, als er gern scheinen wollte. Seine schlanken, weißen Finger trommelten ungeduldig auf der Marmorbekleiduna des Kamins, seine Augenlider zuckten nervös, wenn er unter ihnen hervor emen prüfenden Bück nach dem eifrig blätternden und lesenden Mädchen hinüber schoß. Er fühlte, daß er die Herrschaft über diesen scharf denkenden, i mächtig aufstrebenden Geist durch eigene Schuld verloren hatte, daß es seiner Sophistik kaum wieder gelingen werde, ihm den leitenden Zügel an zuleaen. Deine Lectüre scheint eine unge
ckein. fesselnde zu sein,", bemerkte er endlich. Briefe oon Onkel Wolf an meinen Vater." Im folgenden Augenblick stand Ruwer neben der Nichte. Dagegen muß ich denn doch ganz entschieden protestiren. Wolfs Briefe sind nicht fürMädchen geschrieben." Ein heißer, halb drohender, halb ängstlicher Strahl funkelte in seinen Augen, der Brunhilde fast erschreckte. Mit einer ungestümen Bewegung rieh er die Mappe an sich, ein einzelnes, großes Blatt fiel heraus und flatterte wie ein müder Bogel zu des Mädchens Füßen nieder. Sir hob es auf, legte es auf die Tischplatte und stimmte die zur Faust geballte, kräftige, weiße Hand darauf. Ihre Stimme zittexte in namenloser Empörung: Onkel Edmund, ich bin kein Kind mehr, die einzige Erbin meines Vaters, an den diese Briefe gerichtet waren. Gib sie
mx zurück. . Nicht, bevor ich selbst sie durchgelesen und das für Dich Unpassende daraus entfernt habe." Die werne Madchenstirn runzelte sich drohend. Du wirst es bereuen, Onkel Edmund!" Anstatt zu antworten, rollte er das Heft zusammen, steckte es in die Tasche und griff nach dem Papier auf demSekretär. Doch ihre Hand war schneller als die seine. Den Lehnstuhl zwischen sich und ihn schiebend, trat sie, den Bogen entfaltend, anZ Fenster. Nur einen Blick warf sie darauf, dann wandte sie dem Kammerherrn ein todtenbleiches, verzerrtes Antlitz zu. Onkel Edmund, das ist der Trauschein des Grafen WildFlhof der Beweis seiner Verheirathung mit Charlotte Vorn Kannst Du leugnen, daß Du darum gewußt hast?" Wie von einem urplötzlich niederzuckenden Blitzstrahl betäubt, taumelte Ruwer zurück. Ein dumpfes Stöhnen quoll aus seiner Brust empor. Langsam und laut übersetzte BrunHilde das Dokument, das die in durchaus legaler Weise stattgefundene Vermählung ihres Onkels Wolf mit Charlotte Born beurkundete. J'hre Stimme klang ruhig, kalt sogar, doch ihre Hände flogen wie im Fieber. Das Dokument ist echt? Du weißt es?" wandte sie sich an Ruwer, indem sie es sinken ließ. Er hatte Zeit gehabt, sich zu fassen, zu überlegen. Leider!" ... Er zuckte die Achseln und faltete die weißen Hände . . . Ich hatte gehofft, Du würdest nie ersahren, wie ehr- und pflichtvergessen Einer des Namens Wildenhos handeln konnte. Meine Schuld ist es nicht, daß dieses unselige Papier noch nicht dez Flammen überliefert wurde. Ich glaubte es : langst vernichtet. Doch das Versäumte .ist leicht nachzuholen" ... . er streckte die Hand'nach dem Papier aus. BrunHilde barg es schützend an ihrer Brust und trat einen Schritt zurück, leichenblaß und am ganzen Körper bebend. Das ist ein ungeheurer Betrug und Du. Onkel Edmund, Du wußtest darum?" Es lag in ihrem Blick ein Ausdruck, der ihn fast wieder außer Fassung gebracht hätte. Er war nahe daran, nun noch zu leugnen, mindestens zu besch'onigen; dieser Blick zwang ihn zur Wahrheit. . Ich wußte darum, nun ja! Dein Vater bedürfte eines Helfers, als es galt, mt Verirrung fernes alteren Bru ders, die Befleckung seines adligen Wappenschildes vor der Welt zu ver bergen und das uralte Erbe der Wildenhof vor den unreinen Händen eines medrig geborenen Bastards zu bewah ren. Was jenes Papier dokumentiren will, ist m sich selbst eme Luge, em Be trug nie konnte die von der Straße cusgelesene Drrne die rechtmäßige Ge mahlin eines Grafen Wildenhof, ihr Sohn der Majoratserbe sein. Dein Vater reiste selbst nach Italien, Recht und Glück waren auf seiner Seite, es gelcng ihm, die leidige Angelegenheit zu vertuschen, und, wie gesagt, ich glaubte sie begraben und vergessen. Sie konnte es sein und bleiben .... was haben zunge Mädchen in Familien-Dokumen ten zu wühlen?" .Pfui!" Das kurze Wort , aus Vrunhildes Mund traf den Kammerherrn wie ein Peitschenhieb. Er zuckte zusammen und stierte sie angsterfüllt an. Was hast Du vor?" stieß er mit er bleichenden Lippen hervor. Dem bestohlenen Erben sein Eigenthum zurückzuerstatten, die Ehre meines Vaters zu rehabumren, der nie um die sen schmachvollen Betrug wußte." Nicht darum wußte?" lachte Ruwer hohnend, er der Anstifter, der Aus führende, während ich nur fein Werk zeug war? Der Heiligenschein, den Du um seine Stirn gewoben, ist nicht ganz rein. Erkenne es, mein schuldlosesKind, meine kühne Verfechierln des sogenann ten Rechtes, und dapke es ihm, daß er Dich nicht durch alberne Scrupel zur Bettlerin machte, noch ehe Du geboren warst. Wende den Trauschein um dort siehst Du au seinen Schnftzügen, daß ich die Wahrheit sprach." Mein Vater?" .-. . Wie ein gellender Hilfeschrei in Todesnoth rang es sich aus Brunhildes Brust. Sie brach fast zusammen, doch als Ruwer ihr bei sprang, stieß sie ihn zurück. Fort, fort, rühre mich nicht an, sprich nicht zu mir!" Sie lief hinaus, rief nach dem Wagen und scheuchte mit fast zornigen Worten Frau von Leist zurück, welche ihr auf des Kammerherrn Befehl nachgeeilt war, um sie zu beruhigen und zu . rückzuhalten. ' I Die eleganten Braunen auch eine neue Anschaffung des Kammerherrn auf Rechnung des Kupferlagers flogen im fchlankesten Trabe dahin und doch viel zu langsam für Brunhildes ' brennende Unaeduld. Klarheit. Wahrheit! schrie es verlangend in ihr auf
und wenn die Frage, welche sie stellen mußte, all ihr Glück vernichtete, sie
konnte Nicht anders. S hatte doch keine Sekunde mehr wahre Ruhe emPfunden, so lange jener schmachvolle Betrug ungesühnt war und sie seine Früchte genoß. Viktor lehnte in dem Sopha seines sehr einfach ausgestatteten Stübchens und hatte sich dem verbotenenGenuß einer Eigarette hingegeben. Die leichten. duftendenWölkchen spielten noch um sei mn hübschen. blassenKops. Mi! hzlbgeschlossenen Augen träumte er fast un bewußt, natürlich von einer sehr angenehmen Zukunft. Das Geheimn'ß feiner Beziehungen zu Betty glaubte er, nun sie spurlos aus der Gegend ver schwunden ivax, sicher genug verwahrt, um es nach Möglichkeit zu vergessen. Betty. Auras und Würzburg hätten doch schließlich noch weit mehr Grund zu schweigen als er; wenn er seine Strafe abgebüßt, konnte er unbesorgt heirathen... Ttitten in diesen schönen Traum, daß doch alles noch gut geworden," hinein trat Brnnhilde Wildenhof, so überraschend, daß Viktor sie anfangs für ein Produkt seiner Phantaste zu halten gewillt schien. Dann, als sie ihn durch eine offenbar nur konventionelle Frage nach seinem Ve finden von der Wirklichkeit ihrer Erscheinung überzeugt, schlug ihm plötzlich das Herz bis in den Hals hinauf Welchen anderen Grund konnte dieser formlose Besuch haben, als die Entdeckung seines leichtfertigen Doppelspieles? Alle Teufel, es lag in Brunhildeö Augcn eine finstere Entschlossenheit, welche ihm durchaus nicht gefiel. Verzeih, daß ich Dich hie? empfange," stammelte er in einer Verwirrung, die seinem elastischen Optimismus sonst völlig fremd war; wenn Du Dich hättest anmelden lassen aber wir können natürlich hinüber in den Salon gehen. Es sieht hier sehr sehr garconmäßig aus. Du wirst viele Mühe haben, mich in einen ordnungsliebenden Hausvater umzumodeln" ... er lächelte ihr etwas gezwungen ins Gesicht . . . Das heißt, Papa ist doch" , Noch in Wildenhof, denke ich. Eben darum bin ich hier," schnitt ihm BrunHilde zu seiner Erleichterung das Wort 2b. Er schob einen Stoß Journale vom Sopha herab, öffnete das Fenster, ver stäubte eine halbe Flasche Tannenuadelduft, ohne daß sie seine Geschäftigkeit beachtete. Endlich drückte sie ihn mit einer zärtlichen Bewegung, welche sein böses Gewissen ungemein beru higte, in die Sophaecke zurück, - rollte sich einen der kleinen Fauteuils dich! heran und sah ihn,' sich niedersetzend, mit einem langen, innigen und dennoq unangenehm prüfenden Blick an. Weißt Du etwas Genaueres übel Onkel Wolfs letzte Lebensjahre und seine Beziehungen zu unseren Eltern? Die geradezu verblüffte Miene, mil welcher Viktor sein Nein das heiß! so gut wie gar nichts!" begleitete, ver bürgte seine Glaubwürdigkeit. Brun Hilde athmete auf, ihre schlimmste Be fürchtung war widerlegt. Sie schöpfü neue Hoffnung. In fliegender Hast und dabei so ausführlich als möglich berich tete sie ihre Entdeckung und deren Vor schichte. Viktor war allmählich ausmerksa mer, doch auch zusehends bleicher ge worden. Mehr als einmal versuchte er. ohne Erfolg, ihren Redefluß zu unter brechen. Erst als sie völlig zu Ende mil ihrem Bericht, schwieg sie, m?i angst voller Spannung seine Antwort erwar, tend. Nun sprach er endlich: Das klingt so romanhaft, so wun derbar, daß ich es kaum fasse. Ent schuldige den Zweifel, aber Du ha P Dich wohl täuschen lassen?" Unmöglich! Mehr als das Doku. ment beweist noch das Zugeständnis Deines Vaters. Viktor, ein furchtbare! Unrecht ist an dem einzig wahren Eiber von Wildenhof verübt worden, an un serem Blutsverwandten. Wir habe, keine heiligere, dringendere Pflicht, cii es in möglichster Eile zu sijhnen. soweil dies in unserer Macht steht. Was wu persönlich von Auras denken, kann da. bei - nicht in Betracht kommen. O! Freund oder Feind, wir sind sein, Schuldner und müssen ihm gerech! werden." Es fragt sich nur, auf welcheWeise gab Viktor zurück. Das W ist hie, fast noch schlimmer als das Muß Schade, daß Du Dich mit Papa des. halb schon uberworfen, hoffentlich nu, momentan! Entbehren können wir sein, Hilfe dabei durchaus nicht." Im Gegentheil ich bedarf keine Menschen, selbst Deiner nicht. Was i$ zu thun habe, steht unerschütterlich iv meiner Ueberzeugung fest und ist seh, ' leicht ausführbar: ich trete eben allt meine scheinbaren. Rechte auf Wilden Hof an den Erben ab. Mein Besuch hil nur den Zweck. Deine Ansicht darübe, zu hören, nicht Deine Unterstützung zu erbitten." Viktor schüttelte erschrocken den hüb schen Lockenkopf. (Fortsetzung folgt.) Junger Mann: Was denken Sie, daß ich gebrauchen sollte. Doktor, um das überflüssige Haar loszuwerden?" Kahlköpfiger Doktor (mit der Hand über seinen glatten Schädel sahrend): Heirathen Sie, junger Mann, heirathen Sie!" Die Madame (welche einen männ -lichen Besucher in der Kiichz gefunden hat, zur Köchin): Wer ist der Mann hier, Mary?" Mary (in Verlegenheit):. Das ist mein Bruder. Madame!" Madame: Ihr seht Euch aber gar nicht ähnlich!" Mary (stotternd):. Wir waren unZ sehr ahnlich, der er hat sich gestern seinenBart abrasir?n lassen, deshalb sieht ti jetzt so verändert c'us!"
Wildschützen.
Von Wildschützen im bayerischen.. Hochgebirge weiß Joseph Kreillhuber in der Post" Mancherlei zu erzählen. ES fehlt dem wilden Wildschützenleben auch nicht an komischen Zwischenfällen. Ein Heidenjur ist eZ z. B.. wenn eS dem Wilderer gelingt, den Jäger hm ter'S Licht zu 'führen, und das trifft nicht selten zu. Einmal bemerkte der Förster, es mar in der Gegend von Lenggries. einen Bauern, der schon lange im Verdacht stand, ein arger Wildschütz zu sein, wie er eben einen starken Gemsbock von der Beneditten wand herab und direkt in sein HauS trug. Spornstreichs eilte der Förster mit seinem Gehilfen in das Haus des Bauern, den er jedoch an der Wiege des mit einem dichten Schleier verdeckten kleinen Kindes an:raf. Etwas über rascht, wie es möglich sei, daß der Bauer schon zu Hause wäre, da doch noch keine halbe Stunde vergangen war, stellte er den schwarzen Toni", jo hieß man den Bauer allgemein, zur 'ede über sein Wildern, ' aber Toni that sehr verwundert darüber, wie man solchen Verdacht auf ihn werfen könne, und erklärt sich sofort bereit, mit dem Jäger die Haussuchung vorzunehmen, wenn der Forstgehilfe inzwischen auf das Kind Acht gebe: , 'S ist alleweil kränklich", fügte er erläuternd hinzu. Jeder Winkel wurde aufmerksam durchsucht, aber trotz langen SuchenZ nicht die geringste verdachtige Spur ge funden, so daß der Förster endlich sich topfschüttelnd entfernte. Unter derThür sagte der Toni noch zum Forstgehilsen mit der unschuldigsten Miene der Welt: I bedank' mich, daß'S so acht geben habt's auf's Kind, b'hüt' Enk Gott." Als der Förster eine Strecke wei ge gangen war, meinte n zum Gehilfen: Bei allen Heiligen hätt' i g'schworen, daß der Toni einen GamSbock g'wilderi hat, aber so thut man einem Menschen ost Unrechi." Toni aber hielt sich die Seiten vor Lachen, denn der Forstge Hilfe hatte die ganze Zeit den GemS bock gewiegt. Toni hatte natürlich den Förster gleichfalls bemerkt und zu Hause augelangt das erregte Wild rasch entschlossen in die eben leere Wiege gelegt und sein .säuberlich zuge deckt. Eine Wrangelanekdote. Ter alte Wrangel, so erzählt du Deutsche Romanzeitung", hatte großen Widerwillen gegen alle Federfuchser-, insbesondere gegen Kriegsderichterstat ter. (5r that alles Mögliche, um ihnen das Dasein schwer zu machen und freute sich königlich, wenn er wieder einmal einen rausjeekelt- hatte. Während des Fetdzuges gegen Dänemark (1864) weilte der sonst in Berlin ansässige Korrespondcnt der Times" auch im preu ßischen Lager. Kaum hatte dies Wran gel erfahren, als er den Mann un barmherzig daraus ' entfernen ließ. Jener kam aber, mit dringenden Ber liner Empfehlungen versehen, bald zu rück. Wrangel wies ihn ab. Allein der Sohn AlbionS erschien mit cchj englischer Beharrlichkeit ein drittes Mal, jetzt mit einem EmpfehlungS schreiben Bismarcks versehen. Die mußte allerdings Papa Wrangel re spektiren, insgeheim schwur er aber, dem Zeitungsmenschen den Aufenthalt gründlich zu verleiden. Nachdem er den Empfehlungsbrief schweigend gele sen hatte, lud er mit großer Artigkeit den Gentleman zur Tafel ein. Als er erschien, eilte Wrangel auf ihn zu, Zaßte ihn bei der Hand und führte ihn zum Prinzen Friedrich Karl. Hier stellte er ihn' mit folgenden, überlaut gesprochenen, ahn im Tone äußerst ar tig gehaltenen Worten vor: Königlicht Hoheit, ich habe die Ehre, Ihnen den Korrespondenten der TimeS" vorzu stellen: es ist derselbe, der jahrelang die infamen Artikel über preußische Politik schrieb: wir sollen ihn gut behandeln, läßt Bismarck mir sagen, dann wird er wohl besser über uns schreiben." Der Korrespondent hielt sich von da an in stiller Zurückgezogenheit im Lager aus bei Wrangels Tafel ließ er sich nicht wieder sehen. Heißt es der" Rigi ode, die" Liigi? Die Presse der Stadt Lu zern hat begonnen, dem RigiBerg sein weibliches Geschlecht' wieder zukommen zu lassen, d. b., die Rigi zu schreiben. Hierzu bemerkt die N. Z. Z.": Das ist auch entschieden das einzige Richtige. Der Name stammt unzweifelhaft vom altdeutschen riga ab, welches Wort im Italienischen heute noch in seiner Be deutung Reihe", Streif" (auch Zeile) erhalten ist; im Deutschen besitzen wir es noch als Riege". Im Plural der wandelte riga sich in reginen, osls ist Reihen oder BänderBerg, und damit wird das Aussehen des Berges, der auS langgestreckten Nagelfluhschichten auf gebaut ist, sehr richtig bezeichnet ; na mentlich auf der Küßnacher und der Weggiser Seite tritt diese Schichtung recht augenfällig zu Tage. Wann die Verballhornung der" Rigi entstanden ist, weiß man nicht. Thatsache aber ist, daß die Anwohne? des Berges im mer und ohne Ausnahme die Rigi (d' Rige") sagten und noch sagen, und durch die unverdiente Maskulinistrung sich niemals beirren ließen. Der profitliche Wirth. Wirth (der mit einem Fremden bis vier Uhr Morgens gekartet hat, plötzlich): Jetzt wollen wir aber aufhören, da kommt das Mädchen, das Ihr Zimmer zurechtgemacht hat." Fremder: Jetzt erst ?" Wirth : Na ja, 's war gestern Abend Alles besetzt, da haben wir warten müssen, bis der erste mit dem Frühzuge heut' abgefahren ist!" Garantie. Darf ich auch Ihren Schwüren trauen, mein Herr 1" Gewiß, ich bin ja vereidigter Land messer !" Stoßseufz ereinesStu diosuS. Mein Leben war eine Reihe von Prösuzges, von denen ich keine bestand
