Indiana Tribüne, Volume 16, Number 277, Indianapolis, Marion County, 25 June 1893 — Page 3

rnnhNde.

Roman von Kans AornselS. (6. Fortsetzung.) .Ich kann es nicht antwortete Vetty Mit gepreßter Stimme. Auch dann nicht, wenn ich Ihnen -sage, daß Ihre Träume nicht in Erfüllung gehen werden, da Sie Ihr Herz meinem Unwürdigen schenkten, der Sie um einer Anderen willen, vielleicht auch nur um Reichthum und Stand derläßt?" Erglühend fuhr Vetty empor: Pfui, der erbärmlichen Lüge! Je'des Wort aus Ihrem Munde ist 'mir 'verhaßt, wie Ihr Anblick. Spioniren 'Sie mir nach, verleumden Sie, wieS wollen ich habe nur Verachtung dafür." Sie eilte so schnell davon, daß sie den 'bittinden Ruf Würzburgs nicht mehr vernahm. Armes, blindes Kind, wie. bald wirst Du sehend werden!" murineltc er traurig und ging ins Haus. Wolf Auras sprang vom Schreibtisch empor und begrüßte ihn mit herzlichem Händedruck. Lebhaft wechselten Rede und Gegenrede, bis der Oberförster beincrlte: Du sitzest ja im Papier vergraben wie ein Winkeladvokat . . klappt es noch nicht?" Es verging eine Minute, ehe Auras antlöortete: Du weißt, daß mein kleines Erbtheil und meine Ersparnisse geradc hinreichten, das Gut zu übernehnien. Man spricht jetzt viel von dem Vorkommen werthvoller Kupfererze in unserer Gegend. Nun habe ich gewichtige Gründe zu der Annahme, daß auf meinem Besitz die Hauptadern liegen. Will ich aber nicht alles einem Unter nehme? überlassen, das heißt von vornherein den Löwenantheil des etwaigen Gewinnes und das Heft aus der Hand ;eben, so bin ich genöthigt, die ersten Aohrversuche und Anlagen auf eigene Kosten zu unternehmen. Bettys Vermögen, daZ ich verwalte, greife ich unter keinen Umständen an. Heymann & Sohn osserirten mir ohne Anfrage das nöthige Capital heute ziehen sie ihre Zusagen unier den bekannten höflich nichtssagenden Entschuldigungen zurück." Sehr begreiflich Heymann & Sehn sind die Bankiers der Gräfin Wildenh?f tfnd des Kammerherr von Nuwer, und wollen sich natürlich dieser für die Zukunft viel versprechenden Kundschaft gefällig erweisen." Du meinst?" Beschwören möchte ich es. Heymann war gestern selbst in Wildenhof; es handelt sich jedenfalls um Vorschüsse, welche die Gräfin als persönliche Schuldnerin aufnimmt. Der glatte Äammerhcrr, der selbst beständig auf "dem Trockenen sitzt, ohne daß ihm jernand einen Dreier leiht, wird es ihr schon plausibel gemacht haben. Was veistcbt das Mädchen von Geldqeschäften? Was sind schließlich fünfzehn oder zivanzig Procent Zinsen für die zukünftige unbeschränkte Besitzerin von -Wildenhof? ... Du hast Dich ja genug c;cplazt. sie recht bald wieder dazu zu ir.achc. Deinen Dank hast Du nun inaedimst; jedenfalls sieh in diesem Wis, des Juden seinen Ausdruck." .ch glaube es nicht," schüttelte Äuras d'n Kopf; auf diese niedrige Weise kann sich Brunhilde Wildenhof nicht xSÄcn." Der Oberförster lachte bitter auf. Rührendes Vertrauen auf das fub Ehr- und Zartgefühl einer Edeldamc! .... Du hast ja noch nicht einmal gefragt, wozu sie so viel Geld ' braucht. Heute feiern sie drüben Verlobunz, ich habe mich davon gemacht, um nicht gratuliren :.nd ein erfreutes, böslichcs Gesicht schneiden zu müssen. Bräutigam ist natürlich der elegsnte Lieutenant, die würdige Pflanz? unseres werthen Freundes Ruwer .... er hai's erreicht, dieser edle Octavio!" AluraS war emporgezuckt. Nur einen kurzen Augenblick verzerrten sich seine Züge, dann nahmen sie wieder denAusdruck eherner Ruhe an. In hartem Tone erwiderte er: Ich wei'ß das seit Wock?n aus derGräfin eigenem Munde. Sie bälte leicht eine schlechtere Wahl keifen lönnen." Oder eine bessere!" murmelte Würz-, bürg. Hast Du mir nichts weiter zu. sagen, Auras?" Ich bin fertig!" Etwa mit allm Glück und Seben'z Pah, es wiegt nicht schwer in einer Hand, die einen Wappenring trägt, ein bischen Menschenleben, ein wenig Menschcnglllck !" . . . Der Oberförster ließ abermals sein schrilles Lachen hören.... Den Kopf hoch, mein Junge, auch Andere machen ihre Erfahrungen. Im Uebrigen, dasGeld, dessen Du bedarfst, kannst Du von mir erhalten. Und wenn es auch in Dciilen Bohrlöchern stecken bleibt : Schwamm drüber! Für mich brauche ich es nicht, und die anderen Träume sind ausgeträumt." , Prüfend ließ Auras sein klaresAuge über, des Freundes Antlitz gleiten. .Auch Du, Brutus?!" lachte er. ' Jawohl mein Junge! Es laufen gar viele versteckte Fäden an dem großen Webstuhle, der sich dieWelt nennt. Soll mich verzweifelt wenig kümmern, wohin sich der meine verliert . . . Und nun kein Wort mehr! Reiche mir mal die Zeichnungen, herüber.... Aha, das sind die projectirten Stellen, . schade, daß wir uns kein: Wappenschilder und Dragoneruniformen daraus herdorho len können! ... Hast Du eine Cigarre zur Hand?" , ... Die Freunde vertieften sich mit geschästZmäßigcr Ruhe in die Pläne und Kzsienanscs)!äg5, bis die einrückenden Gespanne sie an das Neigen des Tages erinnerten. Auras schellte . und fragte daZ ei-'.tretende Mädchen nach Betty sie fei ins Dorf gegangen, lautete der Bescheid. E? runzelte die Stirne, wäh cend der Oderförpn pumm die Achseln

zuckte. Sie nahmen das frugale Aben,

brot zuZweren ein. Betty war noch nicht zurück, als Wurzburg aufbrach. Im langsamen Trabe ritt er heimwärts. Gewohnheitsmäßig bog das Pferd in den Weg ein, der in einige? Entfernung vom Schloß direkt nach der Oberforftem führte. Sich selbst trotzend, zog er es zurück und zwang es den Parkzaun entlang. Das ganze Corps de Logis", in welchem die seit Jahren verschlossenen Gesellschaftsräume lagen, war hell erleuchtet, durch einzelne geöffneteFenster drang das undeutliche Summen fröhlicher Menschensiimmen zu dem Reiter nieder, desscn Brust sich ein g'cimmiger Fluch entrang. Mitten darin brach er ab sein Pferd bäumte sich hoch empor, er hatte Mühe, cs mit Zügel, Gerte nud Schenkel zu bändigen. Vor ihm im Wege lag ausgestreckt eine menschliche Gestalt, ob Mann oder Frau, blieb in der Dunkelheit unerkennbar. Hallo h, aufgewacht!" schrie Würzbürg. 'Ist Euch der Liebesschwindel und Verlobungswem auch zu Kopfe gestiegen, daß Ihr den Heimweg nicht mehr findet? Platz, oder Ihr lernt ein Paar Pferdehufe kennen!" Kein: Bewegung, nur das leiseWimmern einer Frauenstimme antwortete! Er sprang aus dem Sattel und beugte sich über die Liegende, jetzt unterschied er ihre Worte: Sterben sterben sterben!" Fast wäre er neben ihr nndergchürzt, er erkannte Betty. Betty Gott erbarme sich, was thun Sie hier? Was ist Ihnen geschehen? Was soll ich für Sie thun? Liebe, füße Betty, sprechen Sie nur ein Wort, schauen Sie mich nur einmal an, ich bin es ja, Karl Würzburg " er wußte nicht, was er sprach, , während er sie emporhob. Leblos hing sie auf seinen Armen; nur ihre Lippen behxgtai sich, sie flüsterten das schaurige Sterben Sterben" und den Namen Viktor. Ein wilder, unartikulirter Wuth- und Weheschrei rang sich aus Würzburgs Brust empor; das schien sie zu erwecken; sie öffnete die Augen und starrte ihn wie irrsinnig an. Sie sagten es zu Wolf, ich glaubte es nicht es kann ja nicht wahr sein," murmelte sie mit einem vergeblichen Versuch, sich seinen Armen zu entwinden. Lassen Sie mich, ich muß fort" . . . vom Schloß her klang gedämpft ein schmeichelnder Walzer, das Mädchen warf die Arme empor und den Kopf zurück, daß die duftenden Locken weich um Würzburgs Wangen flogen. Ein gellender Aufschrei: Heissah, tanzen, tanzen, Viktor, mem süßer Viktor, mein Liebster,l meine Seele, mein Leben!" und dann wieder das herzzerreißende Murmein: Sterben sterben!" Ein Fieberfrost schüttelte den Mann. Ihm grauste. Die willenlose, schwanke Mädchengestalt an seine Brust pressend stieg er wieder in den Sattel und unter den fröhlichen Walzerklängen ritt er langsam heimwärts. Der Kutscher und die Wirthschafterin, beides alte Erbstücke von seinenEltern her, die ihn empfingen, prallten erschrocken zurück, als sie seine Last gewahrten. Er reichte sie ihnen vom Pferde aus zu, stieg aus dem Sattel und saate mit tonloser Stimme: Es ist Fräulein Auras sie ist während eines Spazierganges krank geworden oder verunglückt. Ich konnte nicht mehr zurück nach Liebenfelde." Damit trug er sie felbst in das Gastzimmer und legte sie auf das Bett nieder. Ihr wißt, welch' thörichtes Gerede durch diese einfache Menschenpflicht entstehen könnte. Erfährt irgend Jemand von der AnWesenheit des Fräuleins in meinem Hause, so verlaßt Ihr Beide es sofort für immer; richtet Euch darnach." Mit dem vertraulichen Murren, das sich alte Dienstboten so gerne erlauben, blummte Johann, 'daß er sein Leben lang kein Klatschmaul gewesen, und Malwine versicherte unter strömenden Thräpen, sie sei ja dem lieben, armen Fräulein viel zu gut, um seinem Ruse durch Schwatzhastigkeit zu schaden;, freilich wenn der Her? Oberförster verheiratbet wäre, wozu sie, seine alte Freundin, ihm so ost gerathen Schon gut, ich weiß ja, daß ich mich auf Euch verlassen kann," schnitt ihr Würzburg gütigen Tones, doch mit tu ner heftigen Handbewegung, das Wort ab. Thue, was Du vorläufig kannst, Malwine, und Du, Johann, fährst sofort nach Westerode und holst den Sanitätsrath Krüger, keinen anderenArzt; aber fahre, fahre, und wenn die Gäule draus gehen!" Johann flog, so sehr es seine schon etwas steifen Beine ' ' gestatteten, der Oberförster aber ging in sein Zimmer hinüber. Schon -nach einigen Minuten lopfte, er wieder an die Thüre. .' Laß es dem Fräulein an nichts sehlrn, Malwine, ich muß noch einmal in den Wald." Hätte die alte Wirthschafterin seinen Schritt nicht so genau gekannt, sie würde geglaubt haben, einen Fremden zu hören, so seltsam klang ihr seine Stimme. XII. So war denn der Würfel gefallen Brunhilde wußte felbst kaum, wie es geschehen. Der Kammerherr hatte auf möglichst baldige öffentliche Verlobung gedrungen, sie sich nicht dagegen gesträubt. 'Nun Auras schroffes Auftre-, ten. das selbst ihres todten Vaters Eh nicht geschont,, jedes Band zwischen ihnen endgiltig zerschnitten hatte, begann sie sich allgemach einzugestehen, wie nzhc sie daran gewesen war, der eigenthümlich zwingenden Macht dieses Mannes zu unterliegen. Sein Charakter war ihr ein Räthsel, das ihr um so unbegreiflicher erschien, je mehr sie darüber nachgrübelte, bis sie selbst über daS Interesse erschrak. das sich noch immer für ihn in ihr. regte. 'Der Stolz

war ihr ein stärkerer und treuerer 2fcrn desgenosse als selbst ihre Neigung zu Vikwr; ihn rief sie. er begann Auras Bild in ihrem Herzen in immer dunkleren Farben, zu. malen,, erinnerte sie ' stündlich daran, daß der Frevler an ih res Vaters und ihres stolzen Namens Ehre kein Gedenken verdiene. Wie er ihr Herz vor einer entsetzlichen Verirrung bewahrt, zwang er sie nun, zu ver gtssen. Den Wünschen dd Kammerherrn zuvorkommend, drang sie nun selbst auf die möglichst baldige Veröffentlichung des Verlöbnisses. So wurde der Geburtstag Viktors dafür angesetzt, der etwa eine Woche vor Beginn der Herbst-. Manöver fiel. Zum ersten Male seit Jahren füllten sich die prächtigen Riume ' des stolzen Schlosses wieder mit einer, wie Herr von Ruwer befriedigt lächelnd sagte, ausnahmslos ihrer- würdigen Gesellschaft: Verwandte und Freunde in hohen Stellungen Kameraden ViktorZ mit althistorischen Namen waren in ihn selbst überraschender Anzahl der von ihm ausgegangenen Einladung gefolgt. Man wußte, das Haus Wildenhof werde binnen Kurzem eine neue Glanzepoche erleben, eineAktiengesellschaft.

welche sur mt Ausarbeitung der von Autoritäten nachgewiesenen Erzlager eine die Schuldenlast weit übersteigende Rente zahlen wollte, war bereits in der Bildung begriffen und mit der sieten Bereitwilligeit der sogenannten Gesellschaft, dem Reichen und Mächtigen gegenüber den bekannten Mantel der christlichen Nächstenliebe in AnWendung zu bringen, waren sie alle erschienen, die eleganten Damen, die besternten hochbetitelten' Herren, die noch vor Wochen bei den Namen Wildenhof und Ruwer ablehnend die Achseln gezuckt hatten und nun mit liebenswürdiger Beredsamkeit ihrem Entzücken über dieses Wiedersehen nach so trüben Zeiten Ausdruck zu geben wußten. Kannte auch Ruwer diese Welt zu gut, um sich von der herzlichst klingenden Freundschaftsversicherung täuschen zu lassen, so war ihm doch der Verkehr in eben dieser Welt zu sehr Lebensbedürfniß, sein eigener Charakter zu sehr ihr Produkt, als daß cr sich nicht hätte befriedigt fühlen sollen. Weit minder welterfahren, fühlte sich Brunhilde um so glücklicher, wie nach dem Erwachen aus einem schwerenTraume, das sie aus der dunklen Kerkernacht in die sonnige, Lebenslust strahlende Wirklichkeit zurückführte. Noch nie hatte die als unnahbar bekannte Schönheit so echt mädchenhaft liebenswürdig gescherzt, noch nie so verschämt innig gelächelt wie heute, wenn jemand eine leise Anspielung auf das bevorstehende- Ereigniß des Abends wagte oder Viktor mit ihr sprach. Sie schien Allen eine Andere geworden zu sein, noch begehrenswerther als vordem. Der lange Hohenau, der . seinen Schmerz in Champagner ertränkte, schwur Jedem zu, an Ruwers Stelle würde er nicht mit dem Sultan- von Fez und Marokko tauschen, er wette seine neun Perlen gegen eine Bockbiermütze, daß in allen fünf Welttheilen kein reizenderes Weib gefunden werden könne, u.s.w. . . . und Frau von Leist beeilte sich, dem dicken Domprediger unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitzutheilen, daß es durch den Beistand des Allmächtigen ihren schwachen, aber unermüdlichen Kräften endlich gelungen sei, die Comtesse auf den einzig wahren Weg des Heils zu führen und hierdurch 'diese wunderbare Veränderung hervorzubringen. Und endlich kam der erwartete große Moment bei der Tafel: Herr von Ruwer schlug mit dem Messer an sein Glas, erhob fich und verkündete mit vor Rührung bebender Stimme er hatte sich das vortrefflich eingeübt die Verlobung seiner Nichte BrunhlldeWildenhof mit seinem Sohne. Dreimaliger Tusch .der Tafelmusik; allgemeines Ah! Aufstehen. Glückwünsche. Gläserklingen, hier eine gefühlvolle Thräne, dort heimlich ein boshaftes, neidisches Wispern für Brunhilde verschwamme alle diese Einzelheiten zu einem Jubelschrei, wie ihn der Schiffbrüchige ausstößt, wenn er endlich die Küste erreicht, und krampfhaft, wie dieser das rettende Land, erfaßte sie Viktors Hände ... so wollte sie ihr Leben lang sich an ihn klammern, den Mann der unverfälschten Ritterlichkeit, den Edlen. Wahren, Treuen. Mehr als gewöhnlich tanzte sie, doch wer auch ihr Tänzer sein mochte, ob der elegante Prinz Rauenstein ihr bis exet andeutete, daß heute sein Dasein einen unheilbaren Schlag erlitten, oder der lange Hohenau mit bereits ein wenig schluchzender Stimme betheuerte, die ostafrikanische Schutztruppe werde sich nächstens um ein gebrochenes Herz vermehren stets ruhte ihr Auge auf Viktors feinen, hübschen Zügen, lag sie in Gedznken an seinem guten, treuen Herzen. Das ganze Fest hätte sie, so glücklich sie sich fühlte, preisgegeben um ein Plauderstündchen allein mit ihm. Viktor gab ihr recht. Er fühlte sich überhaupt äußerst unbehaglich. Mit seiner gewohnlichen Sorglosigkeit hatte er erst heute an Betty geschrieben die gewöhnlichen Klagen, Entschuldiggen und Beschönigungen, die in ähnlichen Fällen üblich sind und schwebte nun in peinigenden Zweifeln, ob der nicht minder leichtsinnige Bursche den Brief auch wirklich besorgt habe, und Was, wenn es geschehen, Vetty darauf thun wur.de. Wenn sie vielleicht luch den endlichen völligen Bruch vorausge sehen, so konnte sich ihr so leiden schaftlicher Charakter durch die überaus verletzende Art seiner Treulosigkeit doch zu einem Verzweiflungscouv hmreißen lassen. So oft die Thüre sich öffnete, glaubte er in der That, sie erscheinen zu sehen, um ihm eine Scene zu machen,' die ihn unsterblich blamirte,"" ein fürchterlicher Gedanke, der ihm jedes

Behagen raubte. Um sich das Gleichge wicht wiederzugeben, trank er mehr, als dies sonst seine Gewohnheit war, bis mit der rmmer weiter vorrückenden Stunde auch das beständige Es wird schon alles gut werden" seines sanguinischen Temperamentes ihn wieder stärker und stärker zu beherrschen begann. So stürzte er sich endlich, als bereits die frühe Dämmerung des Sommermorgens hereinzubrechen beaann, mit doppeltem Uebermuth in den Taumel des lustigen Tanzens und Trinkens, jede weitere Befürchtung nun selbst verlachend, bis ein mahnender Blick des Kammerherrn ihn an die Nothwendigkeit erinnerte, ein wenig frische Luft im Parke zu schöpfen. Brunhilde folgte ihm mit denAugen; ihr war seine Stimmung noch nicht aufgefallen. De? Lichterglanz des Saales schien ihr zu erlöschen, als sie seine schlanke Gestalt, sem freudestrahlendes Antlitz nicht mehr fah. Eine halbe Stunde verging, er war noch nicht zurück. Leise gab sie einem Diener den Befehl, nach ihm zu sehen,' der KammerHerr, der es gehört, fügte einige leise Worte hinzu. Dann, nach einigen weiteren Minuten des Barrens, mischte sich unter die taktmäßiq wogenden Walzertöne von

draußen her ein seltsames Stimmengemurmek; der Diener erschien wieder mit verstörtem Gesicht, , er winkte, entgegen jedem Ceremoniell, dem Kammerherrn und flüsterte ihm etwas zu, was diesen erblassen ließ. Jenes Flüstern, unHeimlicher klingend als lautes Geschrei, setzte sich in dem Saal fort. Die Musik brach, ohne das Zeichen des Capellmeisters abzuwarten, mit einem schrillen Mißklang ab. Brunhilde stand 'jetzt neben dem Oheim. .Viktor?- stieß sie hervor, aber der alte Mann war schwächer als je. Mit krampfhafter Anstrengung versuchte er zu antworten, doch kein Laut drang über seine farblosen Lippen. Er brach zusammen, der Diener fing ihn auf und Brunhilde flog, keiner weiteren Auskunft bedürfend, die Treppe hinab. Aus der Thüre eines der zu ebener Erde gelegenen Domestikenzimmer trat ihr der unter den Gästen befindliche Kreisphysikus entgegen. Nur ein Unfall, ohne, wie ich hoffe, weitgehende Bedeuwng," sprach er so laut, daß auchie nachdrängendenGäste ihn verstehen konnten. Sie dürfen gänzlich unbesorgt sein, Gräfin, in einer Viertelstunde erhalten Sie nähere Nachricht." Darf ich ihn sehen?Der Arzt zuckte die Achseln. Wenn ich bitten darf, bestehen Sie nicht darauf. Die Aufregung " Brunhilde unterbrach ihn nur durch eine abwehrende Handbewegung, und während er wieder im Krankenzimmer verschwand, stellte er sich mit dem Rücken gegen die Thür, einer Schildwache gleich, welche den ihr anvertrauten Posten mit dem Leben zu vertheidigen entschlossen ist. Sie sprach nicht, sie börte offenbar kein Wort von den Beileidsbezeugungen und Fragen, mit denen man sie überschüttete; aus dem farblosen, wie versteigerten Antlitz schauten die weitgeöffneten Augen, deren Blau nun fast schwarz erschien, starr hervor in unbestimmte Ferne. Fort, laßt sie allein!- . . . Niemand wußte, wer zuerst das Wort gesprachen, doch jeder sprach es nach und beeilte sich, ihm zu folgen. Niemand nahm Abschied, die Wagen rollten davon. Einige scheu und neugierig aus den Winkeln und Thurspalten hervorlugende Bedientengesichter abgerechnet, war Brunhilde allein. Sie verließ ihren Posten und schritt langsamen, schwankenden Ganges in der weiten Treppenhalle auf und nieder. Die Viertelstunde, von welcher der Arzt gesprachen, war längst vergangen, anscheinend ohne daß sie ungeduldig wurde ... sein ernstes Gesicht hatte ihrem scharfen Blick weit Schlimmeres verrathen, als sein Mund gesprochen. Der Morgen war herangebrochen. Ein kühler, erquickender Hauch strich durch die Halle und mischte sich mit der betäubenden Wolke von Parfüm und Kerzenduft, die aus den Gesellschaftsräumen herniedersank. Rothgoldene Sonnenstrahlen funkelten .durch das trübere Licht der Kandelaber und Gueridons. Unheimlich' laut durch die geisterhafte Stille schallte der vorsichtige Schritt des die Kerzen verlöschenden Dieners. Brunhilde schauerte urplötzlich zusammen. Wie um sich zu stützen, griff ihre Hand nach dem Broncegeländer der Treppe. Sie faßte eine der Blumen, mit denen es umwunden waren . . . arme Blüthen, gestern noch am mütterlichen Stamm, lebend, frisch und duftend glückliche Blüthen, die ihr sterbet, ehe der Sturm euch entblätterte! . Der lange Hohenau und derStaatSanwalt von Groll,' die einzigen der Gäste, welche zurückgeblieben waren, kamen mit dem Generaldirektor durch die Parkthllr. Ihnen entgegentretend, sprach Brunhilde, wieder mit voller Fassung: SagenSie mir offen, meme Herren, was geschehen ist; ich fürchte, kein Unglücksfall, sondern ein Verbrechen." . . Das kluge Auge des Staatsanwalts ruhte fast bewundernd auf ihren unbewegten Zügen, ihrer stark emporgerichieten Gestalt, während er' erwiderte: Dem Anschein nach, fürchte ich, daß Sie nur zu recht haben, Gräfin. Der Diener fand Herrn von Ruwer in der Nähe der sogenannten Grotte;" Brunhilde zuckte zusammen unter Beobachtung der nöthigen Vorsichtsmaßrezeln untersuchten wir soeben den Ort. Wie ich erwartet, fanden wir eine zweite Fußspur.die sich imGebllsch verlor, einen ziemlich, derben Männerstiesei tritt Sporn, dann aber noch zu unserem Erstaunen in kurzer Entfernung von einander zwei einläufige,

schön gearbeitete- Pistolen, du eine frisch entladen, die andere nur mit einem Zündhütchen versicheu. Wo sind die Waffen?" Wir haben sie sorgfältig wieder in dieselbe Lage zurückgebracht. Es ist dies für die Aufnahme, des Thatbestandes unbedingt erforderli. Ebenso ersuchte ich den Herrn Direktor, jedes Betreten des Parkes auf das Sorgfältigste zu verhindern." Bezieht sich dieses Verbot auch auf mich?- ' Ich bedaure von Herzen unendlich, Gräfin, aber meine Amtspflicht" Das Hinzutreten des Arztes unterbrach Herrn von Groll.. Erschossen?" warf ihm die- Gräfin eiskalten Tones entgegen. Der Arzt räusperte sich, und erwiderte: Schuß in die Brust, jedenfalls aus sehr geringer Entfernung, Die Kugel habe ich. Wie weit die Lunge verletzt ist, vermag ich noch nicht zu fagen. Ich bedarf dazu meines großen Bestecks; in drei Stunden bin ich wieder zurück, bitte aber, bis dahin Herrn von Ruwer unbedingt nicht zu stören." Er empfahl sich, der Staatsanwalt schloß sich ihm an mit dem Bemerken, daß jedenfalls norb im Laufe des VorMittages eine Unterfuchungscommission eintreffen werde. Hohenau, der plötzlich sehr ernüchtert schien, stand allein mit der Gräsin, und sein hageres Gestcht erschien wahrlich nicht geistreicher, als sie nach einigen Minuten des Stillsckweigens sich an ihn wandte: Sie waren stets mein Freund, Gras; wellen Sie es auch jetzt sein, mir diesen .feigen Meuchelmord rächen helfen?" Gnädigstes Fräulein, mein Leben gehört Ihnen", stammelte er ohne jedes Verständniß, indeß hier die Polizei daS Gericht " DaZ Gericht? .... Wüßte ich die Waffen zu führen! Doch ich werde, es Gellend scharf lachte sie dazwischen: eines Tages vergeben, und dann" nun unterbrach sie sich selbst mit einem Aufschrei, der, so leise er klang, kaum aus einer menschlicken Kehle zu dringen schien. Flüchtig, so daß selbst die langen Beine Hohenaus ihr kaum zu folgen vermochten, eilte oder vielmehr sprang sie nach dem Hauptportal. Auf dem Schloßhofe, vor der Rampe stand Auras,. seinVferd am Zügel, im Gespräch mil einem Diener. Bei Brunhildes Anblick wurde sein übernächtiges Gesicht noch um einenSchein fahler. Er lüftete den Hut und verneigte sich: Verzeihen Sie gütigst mein unberufenes Eindringen, Gräfin. Es wäre gewiß nicht erfolgt, triebe mich nicht die Sorge um meine seit gestern Abend spurlos verschwundene Schwester hierher. Ich fürchtete" seine zitternde Stimme verklang in einem undeutlichen Murmeln.

Ein vortrefflicher Vorwand,' das Resultat Ihres Bubenstückes zu ersahren!" höhnte die Gräfin, und. dicht, an ihn herantretend, so daß ihre wogende Brust fast die seine berührte, schleuderte sie ihm ein leises, dolchscharfes Meuchelmörder" ins Gesicht. Es zuckte fast wie Mitleid über seine Züge. Ich bedaure Sie tief und aufrich tig, Gräfin, und verzeih: Ihre unberechtigte Anklage Ihrer leicht begreiflichcn Erregung. Ich fühle mich frei von jeder Schuld, die gestern und heute hier begangen wurde." ' Sie stand ihm noch immer gegenüber, ihr fieberglühendes . Auge tief in das 'seinige bohrend. Hätten Sie wenigstens den Muth der offenen That, den Muth der Wahr-" heit... Feigling, ehrloser Feigling!" Nun lies tme brennende Nöthe über seine braunen Wangen und ' seine Stimme klang dumpf und drohend wie der ehern; Klang einer Sturmglocke, als er, sich noch weiter vorbeugend, erwiderte: Feig und ehrlos ist es, einen Mann zu beschimpfen, der Sie nicht zur Rechenschaft ziehen kann. Ich hatte stets den Muth, für mem Handeln emzutreten, hatte stets die Ehre, den Geboten der reinen Menschlichkeit zu folgen. Ihr Muth ist der Stolz Ihres Standes, die schreiende, treulose Ungerechtigkeit gegen den Mann ohne Rang und Namen, Ihre Ehre ein flitterbehangenes Phantom, ein widersinnig aufgeputztes, höhles Zerrbild. Sie berauben mich meines ererbten Namens und Vermögens es ist Ihre Ehre, die es verlangt. Jener Mann da drinnen schwört . einem armen Bürgermädchen Treue seine Ehre fordert eine standesgemäße Vermählung, er verräth die ihm Vertrauende und Sie sind seine Genossin dabei. Was thut's? Es widerspricht ja nicht Ihrer Ehre! Und Sie haben Muth genug, eine minder aristokratische, aber mehr menschliche Auffassung, zu belächeln. Diese Ehre " Auras vollendete nicht, doch das häßliche Schimpfwort lag deutlich auf seinen Lippen. Es war der Tropfen, der das GlaZ überlaufen ließ, der elektrisch: Funken, welcher die Mine sprengte. Schmerz und Wuth zerrissen die Fesseln der mit Aufbietung aller Kraft bis . jetzt behaupteten Selbstbeherrschung. Sinnlos flammte die ursprüngliche Leidenschaft des Weibes empor, dem heute der Geliebte geraubt worden, dem seine und ihre Ehre, ihr kostbarstes Idol, unter die Füße getreten war. Graf, man insultirt mich, Ihren Kameraden,' wo haben Sie Ihre Reitpeitsche? ... Ich selbst 7 sie riß Auras die Gerte aus der Hand, sie zum Schlage hebend, und seltsam, wie er in diesemAugenblicke daran denken konnte, sie schien ihm ihr?n Namen nie mit mehr Recht geführt zu haben, als gerade jetzt, die kräftige, prachtvolle Gestalt hoch aufgerichtet, das goldfarbene Haar hulö aufgelöst um das dunkelgerothete Antlitz flatternd, aus welchem die blauen Augen wie Flammen hei-

vorsprühten,- den vollen Arm wie zu vernichtenden Schwertstreich erhoben. Wie ein Blitzstrahl gmg es vorüber, dann trat in die Augen des Mannes jener zwingende Lwenblick, in sein Gesicht jener eherne Zug, der schon das Kind mit Entsetzen erfüllt. Der erhobene Arm sank schlaff herrieder, die Reitgerte entfiel der znterndei: Hc?nd. Ohne, sich zu besinnen, war der fong? Ulanenlieutenant, dem bisher die ganze Scene zu unverständlich und zu plebejisch geschienen, um sich hinein zu mischen, die Rampe hin ib gcsprungen. Es fehlte ihm durchaus nicht an Muth, sich mit dem ihm cm Kraft jedenfalls weit- überlegenen Gegner zumessen, doch kam er dazu zu spat Auras jagte bereits zum Thore hinaus - und gerade noch rechtzeitig genug, um das schwankende Mädchen seinen Armen aufzufangen. Süße Last" konnte er nich' umhin, halblaut in den spärlichen Schnurrbort zu murmeln. Wne Stimme brachte sie zur Besiunung zurück. Mein Gott was war mir? was that ich?" stammelte sie, und, seinen

'Arm zurückweisend, schritt sie mit zitternden Knieen, die ns kalten Hände gegen die glühenden Schläfen gepreßt, nach ihrem Zimmer. Stundenlang blieb sie unbeweglich, . das Gesicht nach der Wand gekehrt, liegen, jeden: Zuspruch der sich endlich von ihrem Enffttm erholenden Frau von Leist A'sgänglich. bis die Untersuchungscomission kam. Dann erst richtete sie sicb auf. Die Gesellschafterin schlug die Hände über dem Kopse zusammen und sete sich ganz unbewußt auf den nächsten Stuhl. Der Herr erbarme sich, was hat dieser Morgen ausJhnen gemach!? Ich erkenne Sie kaum wieder. Aber seen Sie getrost, der Herr hilft den Seinen; doch wer das Schwert gebraucht, soll auch duzzh das Schwert umkommen!" rief die fromme Dame,: ohne zu bedenken, daß das letztere Citat in diesem Falle etwas zweideutig klingen mußte. Brunhilde antwortete nur mit einem unwilligen Kopfschütteln. Sie erbrach den Brief, den ein Gerichtsdiener für sie abgegeben, und las, die Einleitung nur überfliegend: Allem Anscheine nach wird die Loialschau, welcher beizuwohnen ich zu meinem Bedauern verhindert bin, eine reine Formensache. Der Thäter hatte sich bereits am frühen Morgen felbst hier gestellt: Ihr eigener Oberförster. Er behauptet, es habe ein regelrechtes Duell' stattgefunden, allerdings ohne Zeugen und mit nur einer geladenen Pistole, während die zweite, dieser äußerlich völlig gleich, nur ein Zündhütchen trug. Als Grund gibt er eine rein persönliche Meinungsverschiedenheit an, deren nähere Erklärung er entschieden verweigert. Ich hoffe und dies nicht nur alsBeamter , daß Herr von Ruwer bald soweit hergestellt sein wird, das bleibende Dunkel aufklären zu können. So weit mir und Anderen Herr Würzburg bekannt ist, habe ich vorderhand keine Veranlassung, an seiner Aussage zu zweifeln. Indem ich, gnädigste Gräfin, u.s.w. v.Groll." Mit einem Ausdruck grenzenloser Verachtung schleuderte sie das Papier zu Boden. Nicht einmal er selbst, ein gedungener Naufövld .. . O Viktor, wie fehr muß ich Dich lieben, da ich das alles um Deinetwillen ertrage!" Sie schlug die Hände vor das Gesicht und zum ersten Male an .diesem Morgen drang ein Strom heißer Thränen aus ihren brennenden Augen. Das Kammermädchen hüstelte discret an der Thüre. . Der Herr Kreisphysikus kommt soeben vom HerrnLieutenant und wünscht gnädige Gräfin' zu sprechen." Ich komme," antwortete BrunHilde und raffte ihr Haar zusammen. XIII. Erregter, als'sich sonst bei dem wenig für sensationelle Fälle" eingenommenen Publikum einer Mittelstadt beobachten läßt, verließ ein dichter Menschenstrom dasGerichtsgebäudc; auf der Straße nochmals Halt. Plötzlich bildete sich eine Gasse, als ob jemand das Commando zum Spaliermachen gegeden hatte, allgemeines Flüstern: Das ist er, der Kleinere, Dicke, in der grünen Uniform . . . fehr niedergeschlagen sieht er nicht aus . . . und so gutmüthig und fidel, daß man es ihm kaum zutraut.... Pah, von seinen zwei Jahren sitzt er .kaum ein halbes ab, dann wird er begnadigt, das kennt man schon . . . Der Große, Starke neben ihm, mit dem finsteren Gesicht, ist der Liebenfelde? Herr, der das große Kupferwerk errichtet hat .... das den Wildenhofern undBroshau senern direkt an der Nase vorbei gegangen i.... Ganz recht, sollen diese Vornehmen alles haben?" ' Würzburg fing mit scharfem Ohre die verschiedenartigen Ausrufe und Bemerkungen auf. Belustigt lächelnd, zog er den Freund schneller mit fort. Wenn, ich mich heute auf dem . Jahrmarkt sehen ließe,, könnte ich noch ein unsinniges Geld verdienen.... rührende Popularität!" , ...Eine Viertelstunde spater saßen sie vor einem reich qedeckten Tifche , in Würzburgs Hotel .Nach seiner Entlas-. sung aus der Unte?f'"'snashaft, das heit seit der ersten Vernehmung Viktors, war er nicht mehr nach WildenHof zurückgekehrt. Johann und Malwine, die Treuen, waren mit sämmtlichem Mobiliar abgereist, wohin, wußte niemand zu sagen. - - Auras tvar sehr ernst und berührte die Speisen kaum. . .Zwei Jahre murmelte er, mehr zu sich selbst, als zu dem Anderen redend, zwei Jahre Deines jungen, bMhendcn Lebens verloren!" (Fonjetzuug folgt.)

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Wie allgemein bekannt, vollzieht der Kaiser von China alljährlich die Cere monie des PflügenS um dadurch die Wichtigkeit des Ackerbaues zu veran schaulichen und das Volt anzuspornen, den Landbau eifrig zu betreiben. Die Ceremonie fand dieses Jahr, so erzählt der Ostas. Lloyd-. am 6. April statt. Seine Majestät verließ den Palast um 4 Uhr Morgens, gefolgt von seinem Hofstaat, und hielt auf dem Wege zum Kaiserfelde- bei dem Altar der Gott, heit, die der Landmirthschaft vorsteht, nn, um dort Dankgebete und Opfer darzubringen. Hierauf brach der Znc; auf, um bei dem Tai Schen Tien noch' mals Halt zu machen, zu opfern und. darauf, ein Frühstück einzunehmen. Die Prozession sete sich darauf wie derum in Bewegung und langte geqnv 6 Uhr bei dem Kaiserfe!de" an. Die ses mißt etwa i deutsche Meile im Um. fange. Um das Feld herum waren zahllose Pfähle cingeset, an welche man Flag. gen und Banner, die in allen Regen bogenfarben schillerten, befestigt hatte: an jeder der 'vier Ecken des Felde? war ein Pavillon errichtet. In der Mitte des Feldes standen eine Anzahl Hof linge in Gala Uniform, mit buntfar bigen Flaggen, und ergraute Land leute, von denen ein jeder ein Acker baugeräth in der Hand hielt, bildeten ein Spalier, durch welches der Kaiser zu dem Felde schritt. Cine gelbe Kuh die mittels eines prächtigen Geschirrs an den Pflug gespannt war und die von zwei Prinzen geführt wurde, diente für die Ceremonie; zwei andere Prinzen dielten die beiden Seiten des Pfluges. DaZ Stück Land, welches der Kaiser pflügte, war etwa 50 Fuß lang und 20 Fuß breit; er pflügte 16 Furchen d. h. acht Mal auf und nieder. Nach dem das Pflügen beendet war, nahm er einen Sack, der den Samen enthielt, und sein Hofmeister, der Präsident des Finanzministeriums, Namen- Weng Tung-ho. streute den Samen aus. Hierauf pflügten drei Prinzen ihr Stück Land und besäten es, worauf die Präsidenten der Ministerien und andere hohe Würdenträger ihrem Vei spiele folgten. Die Crndte von dem Felde, welches der Kaiser pflügt, soll dem Schang'ti (höchsten Gotte) auf den verschiedenen Altären geopfert werden,' doch diese Sitte wird heute offenbar nicht mehr beobachtet. Nachdem Seine Majestät die EhrfurchtZbezeugungen der anwesenden Prinzen und sonstigen Würdenträgern entgegengenommen, kehrte er gegen 7 Uhr MorgenZ nach dem Palaste zurück. Welten in alter Zeit. Die neuerdings wieder kräftig wü thende Seuche, absonderliche Wetten einzugehen und unter dem Judel der zuschauenden Narren und Nichtnarren auZzutragen, ist keine Erscheinung der Neuzeit. Bereits vor 70 Jahren, im Anfange unseres Jahrbunderts, kam diese Verrücktheit in England zum Ausbruch. Den Anfang machten zwei Bürger von Fawey, ein Schuhflicker und ein Schneider. Sie wetteten mit einander, wer die häßlichsten Fragen schneiden könne. !, Die Wette wurde im WirtbZbause ausgesochten, der Preis war eine Rolle Tabak. Bereits war der Schuhflicker dem Schneider um drei Fratzen voraus, als ein Mann, der eine hohe Wette auf den Sieg deZ Schneiders gemacht hatte Legerem durch List zum Siege verhalf. Cr näherte sich ihm heimlich und trat ihm vlötzlich so heftig auf die Hühner äugen, daß der Schneider vor Schmerz tine greuliche Grimasse schnitt, die von dem , Schuhflicker nicht zu übertreffen war und welchem daher vom SchiedZge richt der Preis zuerkannt wurde. Zu derselben Zeit ging ein Londoner Schiffer, der große körperliche Eemano heit besaß, folgende Wette ein: Er be hauptete, er wolle sich gegen Bezahlung eines angemessenen Preises an die Rad fpeichen einer Kutsche hängen und sich, während letztere sich im schnellsten Fahren befinde, so mit dem Rade herum drehen laien. Die Weite wurde in einer der Hauptstraßen Londons im Beisein einer großen Menschenmenge anSgefochten und richtig gewonnen. Den Gipfel der Absonderlichkeit erreich ten aber zwei altadelige Herren, der Herzog von Bedford und Lord Bary morc. Diese wetteten miteinander über die Möglichkeit, einen Menschen zu fin den, der eine lebendige Katze vollständig aufessen würde. Die beiden edlen LordS erließen dar auf ringS im Lande Aufrufe und wirk lich meldete sich nach einiger Zeit ein wilder struppiger Kerl, seines Zeichens ein Schäfer aus Beverley in Vorkfhire. Derselbe verzehrte zum großen Jubel der hocharistokratischcn Gesellschaft, die zu dem Schauspiele eingeladen war, einen schwarzen Kater, nachdem er ihn vorher mit den Händen zerrinen, mit Haut und Knochen, Haaren und Ein gemeidcn. . . M oritz Wilhelm, der vor letzte Herzog von Sachsen-Merseburg, hatte für die Baßgeige eine an's Tolle' grenzende Vorliebe. . Er strich sie sogar während des Gottesdienstes, wo er durch besondere Akkorde seinen Beifall oder sein Mißfallen. über die Sentenzen der Prediger zu erkennen gab. Er isi es, den ÄnastafluS Grün in seinen Nibelungen im Frack- so ergötzlich schildert. Unter seiner Baßgeigen Kapelle befand sich ein Zwerg, der die gewöhnliche Violine als Baß, und ein Riefe der den Baß wieier als Violine handhabte. Seine' größte Geige, zu der man auf einer Treppe hinaufsteigen mußte, war das Geschenk eines Bitt stellers, der sich damit den GeheimrathS" titel erworben hatte.' ' Z u v or k o m m end. Wenn ich um zehn Uhr nicht zu Hause bin, liebe Frau, brauchst Tu nicht mehr auf mich zu warten!-Fällt mir auch gar nicht ein!. . . . Wenn Du um neun Uhr nicht da bist, hol' ich Dich'.-