Indiana Tribüne, Volume 16, Number 277, Indianapolis, Marion County, 25 June 1893 — Page 2

Die Mutter und ihre Kinder i freien.

Dieses Thema tritt nun mit dem Er scheinen der Sonnentage an die Müt ter heran, deren Pflicht' es ist, 'ihren entwielungZbedürftigcn Sprößlingen mögligs! viel Aufenthalt und Bewe gunz in der herrlichen Frühlingsluft 5u verschaffen., und den wohlthatigen Einfluß des unersetzbaren Sonnenlich teZ, sowie der reinen Luft auf dieselben einwirken zu lassen, während der.Ge mahl an seine streng inne zu haltenden Arbeitsstunden gebunden ist. Wir hatten nun Gelegenheit, eine Mutter, dabei zu beobachten, die mit ihren drei kleinen noch nicht schulpflich tigen Kindern an einem Tische in einem Garten der Umgebung Platz genommen hatte. Sie selbst, .der kleine Knabe, aber am allermeisten die in der ersten Entwickelung sich befindenden Mädchen waren nach der neuesten Früh sahrsmode gekleidet, letztere in tadellos stralendes Weiß. Die beweglichen ju endlichen Körper sitzen keinen Augen blick ruhig, die Augen und mit ihnen der Kopf drehen sich nach allen Seiten, denn der rege Geist sucht Anschauung; objekte. .Sitzt doch still," tönt es ih. nen in verschiedenen Variationen entlegen. Nicht lange währt es, so sitzen iie, während die Mama liest, mit ih ren schönen Kleidern im Sande. Schelten, Abputzen, Schlagen auf die zanz beschmutzten Hände ist die Folge, Zlerger einerseits, Weinen andererseits och dazu. Kaum haben sich die Gesichter wieder zeglättet. ist die Be weglichkeit auch wie er da, eins ist schon wieder vom Stuhle herunter; nach dem Schelten be sinnt es sich erst, daß ihm das verboten Dar. Endlich nach vorhergehendem Fragen dürfen sie sich Dies oder Jenes ansehen. Allein wie erscheinen sie wieder! Hier und da schimmert auf dem so empfindlichen Weiß ein häßliches Frau, das Gesicht ist beschmutzt: eines von den kleinen Geistern, die überall hinschauen, nur nicht auf die unbehol fenen Füße, ist gefallen. Welcher Schrecken für die ?ama! Eins ist klar, Vergnügen wartn diese zwei Stunden Aufenthalts im Freien für beide Theile nicht. An wem liegt die Schuld? Ter Mutter Ergötzen liegt im Anschauen ihrer Lieblinge. Schön sollen sie sein schon in der frühchen Jugend. Die Kinder jedoch sind noch nicht einmal im Stande, sich selbst zu beherrschen, sie folgen einmal dem unwiederstehoaren Dränge, den die allweise Natur in sie gelegt, dem für die körperliche Entwirf jlung außerordentlich nothwendigen Faktor, dem Dränge nach Beweguncz. Den wohlthätigen Einfluß von Lust und Licht hat die Frau Mama ihren Kindern wohl erlaubt, aber keine S3e wegung. Es darf den Kindern natürlich nicht ein zu tolles Herumtreiben mit wüstem Geschrei erlaubt sein, al lein Bewegung ist ihnen nöthig im Freien wie frisches Wasser: darum können die Spielplätze als wohlthätige Einrichtung nicht genug ayerkannt und zur Nachahmung empfohlen wer den. . Ändere Völker sind bezüglich des stets geputzten Aussehens der Kinder nicht so penibel. Ein Pädagog, wel 'cher England durchreiste, berichtet: Wenn hier ein Junge nach einer Viertelstunde noch reine Hände hat, hält man ihn nicht für einen richtigen Jungen." Jene Mutter ist auch nicht ganz frei von Egoismus. Weil ihr ihre Kinder im tadellosen Staat gefal len, verlangt sie, daß sich dieselben ihretwegen bezwingen gegen ihren Na turdrang. Sie läßt sich nicht herab, die natürlichen Eigenheiten ihrer Schutz befohlene zu berücksichtigen. Der Er zieher bat diese nur nach dem Guten und Anständigen zu leiten. Natürlich verfahren nicht alle Mütter so, leider aber doch ein großer Theil. Aphorismen. Die köstliche Perle ruht nicht bloö auf dem Meeresgrunde, sondern auch an dem Rand des ChampagnerkelcheZ. - Tichtertraum ist wie der Wein: Wahrheit schließt sein Funkeln ein. Im geselligen Umgang sein wahres Geficht nicht z.'igen, das nennen die Leute seh: richtig verkehren. Am meisten wird der Hof im Salon gemacht. Ob sich das Schaf wundert, wenn eZ geschoren wird? Ist Jemand nicht würdig, daß man eine Frage an ihn richtet, dann nennt man ihn merkwürdigerweise eine fragwürdige Person. ' Man benützt oft einen guten Aus spruch zu emer schlechten Ausrede. Wär' jeder Reiche ein Wohlthäter, wie wohl that' er. Ja d ann! Dienstmädchen: .Der Herr Registrator kennen" mich wohl nimmer f Hab ja bei Ihnen gedient!" Registrator: . Ja, lieb Kind, glauben denn, ich erinnere mich an alle Dienstmädchen, die meine Frau gehabt hat?!- Dienstmädchen: Aber mich sollten Sie doch kennen, die Nannl! Hab ja fast acht Tag' bei der gnä Frau ausgehalten !" Gute Ausrede. Sie: .Aber Männchen, warum mußt Du denn eigentlich jeden Abend in die Kneipe geyenk" i$r: .Ja. je, au. lieb'S Welberl, wenn ich allewell da heim bleib', kann ich ja nie Sehnsucht nach Dir haben!Unterschied. Welches ist der Unterschied zwischen einem Herrenabend' and einer Dmengesellschaft? Bei .inem Herrenabend kann man sich Herr' sich, in einer Dam'engesellschafr aber ,anz damifch unterhalten! .

ic Sklavin deö Todten.

??ou:l eile vvn Anna Vogel v. SpiclSerg. I. Obwohl keine Freundin jener immer mehr schioindcnden Sitte, sich in Ge sellschaft mit einer Handarbeit zu be schäftigcn, entschloß sie sich endlich doch dazu; nun saß sie da und sitckte mit bunier Seide an dem altdeutschen Muster einer winzig kleinen Thee serviette. Sie war ein vollerblühteZ. schönes Weib voll Stolz und Selbstbewußtsein schlank, ebenmäßig von Gestalt, mit edlen, durchgeistigten Zügen. Wie sie so, das blonde Haupt über die Arbeit gebeugt, in der lauschigen Sophaecke saß, lachte sie plötzlich halb lautauf. Der junge Mann im braunen Sam metrock, der ihr gegenüber saß, mochte, ihr Lachen wohl auf sich beziehen, denn er fragte mit bitterer Betonung: .Sie lachen nun wohl über mich. Jda?O, durchaus nicht", erwiederte si heiter. Tann aber setzte sie mit einel gewissen Entschiedenheit hinzu: .Ucbri aenö möchte ich um eine weniger der trauliche Ansprache bitten. Herr Wag. ner! i Die Zurechtweisung beschämte ihn ein wenig, dann aber regte sich auf's Neu sein zurückgewiesenes, beleidigtes Ge fühl, und noch viel bitterer als Vorhiv sagte er: Gut denn! Also meine Gnä digste! Aber ist das mein Verschuldens Warum verwehren Sie mir " Fragen Sie schon wieder an?" gab sie kalt znr Antwort, ohne von ihrer Arbeit aufzublicken. Ich bat Sie doch in allem Ernste, diese Sak nie wieder zu berühren, und Sie ver sprachen mir sür heute wenigstens ein angenehmer Gesellschafter zu sein. Ich freute mich auch auf eine heitere Plauderstunde an diesem abscheulichen Regentage. Dieses Wetter ist ja tröst los! Sie aber setzten sich hin. schlangen die Arme ineinander und . starrten sin fier in die Luft. Vergeblich wartete ich' wohlgezählte fünf Minuten auf den Anfang Ihrer mir verheißenen Unter Haltung: dann griff ich zu dieser Stillem und mußte darüber lachen, daß ich mich eben mit dem hier beschäf' tige." .Ist das so lächerlich?" Ich lachte ja nicht allein über die Arbeit, sondern über mich selbst unr über die Menschen im Allgemeinen." Warum?" Er fragte nur, um anzuzeigen, daß er zuhöre; doch bei der Sache war er nicht. Wie sich der Mensch doch verwandeln kann, oder dielmchr. . wie ver änderte Umstände den Menschen selbst ganz umdrehen wie eine Wetterfahne! In der Theorie -läßt sich eine Sache ganz gut vertreten, und eine andere verwerfen; doch in der PrariZ ist'S 'was Anderes." Sie wollen doch nicht phil.osophi ren?" rief er, ihr Geplauver unterbre üend. Nur daS nicht nein! Mein 5kopf ist dazu nicht in Ordnung." Beruhigen Sie nch, ich loiu nicht Philosophien", versetzte sie lächelnd. Ich wollte nur von mir sprechen, mich über mich selbst lustig machen. Seit Jahren habe ich stets den Grundsatz vertreten, daß die Sitte, in Gesellschaft Anderer Au arbeiten, eigentlich eine arge Unsitte ist. Der unö besucht, dem müssen wir doch Gastfreundschaft erwei. rn: darunter sollte man zarteste Ruck ichtsnahme und möglichste Selbstver eugnung verstehen nicht wahr? Aber das wird wohl bestätigt, wenn die Hausfrau nichts BeereS zu thun weiß, als in unschöner, steifer, oder auch ge bückter Haltung über einer Arbeit zu sitzen und derselben ihre Hände, ihre Augen ausschließlich zu widmen? Fort mit dir! Ich willicht länger un höflich fcni!" Lachend warf sie die Arbeit fort. Sie sind doch eine recht schwerfällige Teutsche", wandte er lächelnd und wider seinen Willen angeregt ein. Wie kann man sich denn über jede Kleinigkeit solche Gedanken machen?" Jawohl, ich bin eme schwerfällige Teutsche", entgegnete sie heiter. Sie aoer sind oft so empfindlich, wie eine eille Frau. Gott schütze Einen vor Verliebten!" Oh web! da war's nun wieder! Sie hatte ihn gebeten, er möge ihr nie mehr von seiner Liebe sprechen, und nun hatte sie ihn selbst daraus gebracht! Am liebsten hätte sie sich dafür auf den Mund geschlagen. Gott schütze Einen vor der Liebe, hätten Sie besser sagen sollen", erwi derte er herb. Wenn Sie e5 mir auch untersagen ich kann . nicht an ders ich muß ich muß davon sprechen. Wenn Sie schon kein Em psindcn haben fehlt es Ihnen denn auch an Phantasie? Können Sie sich'- nicht vorstellen, wie mir zu Muthe ist?" Sie gab ihm keine Antwort. Sie saß zurückgelehnt im Divan und blickte mehr qleichgiltig als streng nach ihm hin; sein Kummer erfüllte sie mehr mit Unbehagen, als mit Theilnahme, und helfen helfen konnte sie ihm nicht. sie hatte ihn nie ernst' genommen. Ein eraltirter Künstler was weiter? Er wird schon zur Besinnung kom men! Jetzt aber schien e- ihr doch rathsam, lhn ernst zu nehmen und ihm damit auch volle Klarheit zu geben. 'Haben Sie denn- kein Wort für mich?" begann er nach längerer Pause neuerdings, indem er aufsprang, vor sie hintrat und sie mit düsterem Blicke betrachtete. ' Sie schien ihm schöner als je in ihrem Sinnen. ES milderte das Stolze und etwa Harte ihrer Züge, und dabei trat ein Ausdruck von Mii digkeit uud ungestillter Sehnsucht um lhren Mund so recht hervor. So sprechen Sie doch!" rief er er regt. Ein Hund, der sich vor Ihnen m Oualcn winden würde, bekäme ein mitleidiges Dtreicheln, eine beruhigende Liebkosung von Ihrer Hand; mich ab

lassen Sie ganz ungerührt zu Grunde gehen! Sind Sie denn wirklich ganz ohne Herz?" . . O nein," erwiderte sie nun mit tieftm Ernste. Ich habe ein Herz, aber es fühlt nur Mitleid keine Liebe weder für Sie, noch für sonst wen. Und dann ganz abgesehen davon warum wollen Sie sich jetzt schon für das Leben binden? Ein Künstler bleibe frei die Muse allein sei seine Braut. Hängen Sie sich nicht an ein Weid, Ihre Muff würde sich dasür rächen. Hören Sie auf meine Worte Sie werden Ihnen im Au genblicke wohl wehe thun, aber später werden Sie mir dafür danken. Ich meine eS gut mit Ihnen, Erich. lau ben Sie mir das, und seien Sie ver nünstig. Gilt's?" ' Sie hielt ihm die Hand hin.. Er ergriff dieselbe, drückte einen leiden schaftlichen Kuß darauf, und ehe sich die junge Wittwe dessen versah, lag er ihr zu Füßen. Erich!" rief sie erschreckt. -Was thun Sie? Stehen Sie auf!" Er rührte sich nicht. Sie wurde roth vor Unwillen, dann bleich vor Erregung. Erheben Sie sich augenblicklich!" herrschte sie ihn an. Sie , sind herzlos, grausam!" rief er, und Zorn bebte aus seiner Stimme. 9?n, Erich, ich bin'Z nicht,- ent gegnete sie traurig lächelnd. Sie thun mir weh damit sagen Sie mir's nicht wieder. Sie thun mir auch mit Ihrer Liebe weh ich will Sie nicht leiden sehen, darum wünschte ich, Sie blieben fern und versuchten eZ, mich zu vergessen. Ich kann Ihnen nicht an gehören ich darf nicht heirathen mich bindet ein Gelöbniß." Ein Gelöbniß?" fragte er er. staunt. Ja," sagte sie wehmüthig. Ich schwur eS meinem sterbenden Gatten in die Hand, ihm wie er es nach mei nem Tode gethan haben würde die Treue über'S Grab hinaus zu halten. Er starb so jung, und niemals werde ich seine Grabesruhe durch einen Mein eid stören. Jetzt wissen Sie es, Herr Wagner, und jetzt so hoffe ich werden Sie sich und mich nicht länger quälen. Versprechen Sie mir das." Versprechen? Nein! Ich kann eZ nicht! Was sollte ich Sie und mich darüber täuschen? Die Lebenden haben Recht! Wie darf ein Todter unS um'S LebenSglück betrügen? Wie darf ein Todter ein schönes, junges Weib auf Lebenszeit zur Entsagung veru? theilen?" Sie sah starr vor sich hin von einer bitteren Regung übermannt. Doch nein, und nochmals nein! Sie durfte mit dem Schicksal nicht rechten! Freiwillig hatte sie es auf sich genom men und Richard Richard hatte sie so sehr, so überschwänglich geliebt, mehr als sie ihn. So stand sie tief in seiner Schuld, und es war einfach eine heilige Pflicht, wenn sie nur seinem Angedenken lebte. Dieser Gedanke be nahm ihr nun, wie in so manchen muthlosen Augenblicken früher, alle? Bittere. " Sprechen Sie nicht so von meinem armen Richard," entgegnete sie dem Maler in herb verweisendem Tone. Ich bin ihm endlose Liebe, man dellose Treue schuldig, und. nichts wird mich von meiner Pflicht abbrinnrnl

0 doch, die Liebe!" wandte er leb. haft ein. Denn Sie werden wieder lieben, und dann wird der Todte kein Recht meör über Sie haben, dann wer den Sie eidbrüchig werden, ohne Zau dern, ohne Zögern, ohne Reue! Ja, dann wird es Sie sogar erzürnen, daß ein Todter Sie zu tivtt Sklavin machen wollte, gleich jenen armen, in dischen Wittwen, d:e nach dem Tode ihrer Gatten den Scheiterhaufen besteigen mußten. Nun, die Engländer haben mit dieser barbarischen Sitte aufgeräumt, und hier im civilisirten Europa sollte eS möglich sein, daß Wittwen derart ungeheure Opfer brächten und sich c!S freie Lebewesen zu Sklavinnen der Todten hergäben? Er unterbrach sich plötzlich, schlug sich vor die Stirne uno starrte in'S Leere. Vor ihm entstand mit einem Male ein Bild so wundersam uud sinnbethö rend schön sein Genius umrauschte ihn und gepackt von einer Idee, begeistert, hingerissen, lieh er ihr auch beredte Worte. Ah, die Sklavin eines Todten!" fuhr er nach kurzer Unterbrechung fort. Ich hätte gute Lust, ein derartiges Bild zu malen: ein Mausoleum ernste, strenge, düstere Pracht drau ßen lockt die Welt, das Leben und die Liebe und drinnen, an das Grab mal angekettet, ein junges, scböneS Weib, das ihre Züge trägt,' den schwär zen Wittmenschleier um' daS blonde Haar geschlungen, im Blick der blaiten Augen stille Verzweiflung' und auf glimmende Empörung um den zarten Mund cm Zug herber, peinvoller Ent sagnng. Und die Ketten drücken sie sind so schwer, so hart' so unzerreißbar und der Todte, er halt t seit in seiner . bleichen Knochenhand, er hütet unbarmherzig ein unschätzbares Kleinod. Die Sklavin bei Todten! Ja, meine Phantasie entflammt sich daran ich werde das Bild schatten. und dann, Jda, wenn ; Sie eö sehen. dann werden auch Sie ruien: Die Le benden haben Recht!" und Sie wer den danach handeln! Ein Lebender wird den-Todten in Ihrer Seele tödten und " 'Rein!" unterbrach sie ihn kalt. schroff. Rein, niemals! Reden Sie nicht mehr davon ich will's nicht hören!" Er erbleichte neuerdings bis in die Lippen. Ist das Ihr letztes Wort?" Mein letztes." Run, dann leben Sie wohl!" Er sprach mit Aufbietung seiner ganzen Selbstbeherrschung, machte ihr eine Verbeugung und ging mit sesten

Schritten, in stolzer Haltung hinaus. Es war ihm anzusehen, daß er endlich, endlich den schweren Sieg über .sich selbst errunaen hatte. Sie fühlte daS

und daß er , niemals, wiederkommen werde. ' bre erste Reauna wac'S. ibn zu rückzurufen, allem der Trotz verwehrte ihr's. Die Thüre fiel hinter ihm inZ Schloß er war fort auf Nimmer Wiederkehr ! Sie wußte es. ES mußte fein, . und wenn sie auch nicht in Haß und Groll hatte von ihm scheiden wollen eZ war nun einmal so weit, und besser ein Ende mit Schrek. ken, als Schrecken ohne Ende. Unruhig, erregt, beinahe fiebernd ging sie im Zimmer auf und ad. Plötzlich blieb sie, wie von einer ge yelmnlLvollen Macht angezogen, vor dem Bilde ihres verstorbenen Mannes stehen und betrachtete es mit schmerz lichem Blicke. Sie dachte an'ihr kurzes Eheglück es währte nur drei Jahre, unv ihr Mann hatte sie so über alles Maß ge liebt, daß er voll Eifersucht sie von der Welt ganz abschloß. Und einmal gab eS einen d)fen Auf tritt zwischen ihnen. Die lunqe Frau lehnte sich gegen dieses Abschließungssystem des Gatten offen auf, es kam' zu leidenschaftlichen Vorwürfen und Klagen und zu harten Worten, und das Ende davon war, daß sich die Gatten wochenlang erbittert, beinahe feindlich, gegenüberstanden. Aber es kam doch zu 'der Aussöhnung, und in der überwältigenden Seligkeit des neugeschaffenen Friedens gelobten sie sich. Eines nur für das Andere zu leben und zu sterben gelobten sich Liebe und Treue für Zeit und Tod. Kurz darauf mußte Richard in ae schäftlichen Angelegenheiten verreisen. Er blieb ein Vierteljahr fern, und als er wiederkam, schien er seiner jungen Frau etwas verändert: er sah bleich und befangen, fast gedrückt aus. Auch fand sie ihn öfter, wenn sie unvermnthet in sein Zimmer trat, in tiefes Sinnen versunken dasitzen, den Blick in's Leere gerichtet, und dabei gab er sich auch oft ungemein nervös nervös bis zur Zerfahrenheit. Nun quälte sie im Stillen die Be fürchtunq. daß er ihr irgend ein Ge heimniß verberge, und sie zermarterte sich den Kopf, was es wohl sein könnte. Errathen konnte sie es nicht und fra gen wollte sie nicht. Er sollte es ihr selbst sagen, er selbst so viel Vertrauen zu ihr haben, ihr Alles, was ihn anbe traf, frei zu bekennen. So ging em Jahr vorbei, dann kam die schreckliche Stunde, wo Richard am Typhus erkrankte, und neun Tage spä ter der grauenhaste Augenblick, wo er dahinschied in der Blüthe seiner Jahre verzweifelnd darüber, sein schönes, heißgeliebtes Weib verlassen zu mülien, noch mehr aber gequält von dem Pein vollen Gedanken, sie könnte später einen Anderen mehr lieben als ihn und vergessen. Am meisten aber quälte ihn ein Anderes, das in Worte zu fas m i k. rtV , l jcn er NH! oen 2)tttty sano. Als er ihn doch endlich fand, da war es bereits zu spät er konnte nicht mehr. sprechen; so mußte er denn sein Geheimniß mit sich in'S Grab nehmen und m?hr als das: die Freiheit seiner jungen u?au. Sie wuyie es nicht, ahnte eZ nicht, sie deutete es falsch und handelte danach. Trostlos, verzweifelnd über das früh. Sterben deZ geliebten Mannes, be stürmt von reu:gen Gedanken über ihre so oftmals an den Tag gelegte Unver nunft und Undankbarkeit, leistete sie ihm Angesichts des TodeS freiwillig noch einmal den Schwur ewiger Treue.. Ihr wurde dabei leichter um das Herz und ne mahnte, ihr Gelöbnis stets hei. teren Geiste, frohen Muthes halten zu können. Und wieder wollte er svrechen und konnte nicht. Nur sein Auze sprach mit einem Blicke so voller Jammer. Angst und Qual, daß ihr daZ Herz vor Weh zeripringen wollte. Sie errieth ihn nicht, errieth nicht. daß er an der Schwelle der Ewigkeit alle menlch'.iche Selbstsucht und Unge rechtigkeit abgestreift'hatte und sie frei machen wollte. Ihr schien es nur, als spräche bitterer Zweifel aus seinem Blick, und um ihm auch den letzten Zweifel zu benebmen, spruch .sie noch einmal laut und feierlich: Ich schwöre eS!" Da kämpfte der Sterbende den letz ken Kampf mit dem entfliehenden Le den. In seinen Zügen arbeitete eS schmerzlich, als er mit übermenschlicher Anstrengung der Lebenskrast die schmin denden 'Lebensgeister bahnen wollte. Und es gelang ihm. Er richtete sich halb auf. Nein!" kam es von seinen mehr und mehr erbleichenden Lippen, gemalt sam hervorgestoßen, und sonst nichts als dieses eine Wort. Denn im näch sten Augenblicke sank er todt zurück. Fünf Jahre waren seitdem' hinge schmunden. Sie waren ihr recht lang, manchmal auaz was bang gewesen, ihre Unfreiheit hatte sie in so manchen Augenblicken gedrückt, doch tapfer hatte sie sich immer wieder übermunden. Nein! Es durfte ihr nicht schwer fallen! Es war süß und erhebend, eine Dankes uud LiebeSschuld abzutragen, und Richard hatte sie ja auch in man delloser, nicht wankender Treue geliebt. Doch wie sie so in ernstem Sinnen auf sem Bild sah, da schien eS ihr ur plötzlich, als prägte sich aus .diesem feingeschnittenen MSnr.erantlltz keine Gute, keine GroMUch, keine Men schenliebe auS. Jeder Zug schien ihr herzenskalt, selbstsüchtig, nnd der Aus druck der hellen Augen so stolz, herrisch, zwingend, daß eS ihr wehe that. Wenn sie ihn für besser gehalten hätte, als er es wirtlich gewesen war! Wenn er

Sie preßte die Hände an die Brust nd starrte beinahe entsetzt das BilÄ an. i Belebte eS sich wirklich, oder schien eZ nur ihrer aufgeregten Phantasie, als ob die von einem braunen Barte halb' verhüllten Männerlippen da oben ei Äächeln ' grausamen Triumphes um 'spielte ein Lächeln, das sagen wollte: 'Alles nutzlos ich halte Dich ich lasse Dich nicht frei!" ! Ein Schauder flog sie an das Bild wurde ihr unheimlich. Rastlos schritt sie im Zimmer auf und ab. Der Regen schlug noch immer 'an die Fenster so monoton, daß es die Nerven quälte, so unermüdlich, daß et schien, als wollte es für Zeit und Ewig keit nicht aufhören. Trüb, grau uni kühl und düster war'S zum Sterben traurig, zum Verzagen trostlos, so vk in Jda s Seele. Jede Sekunde schien ihr eine Ewig keit voll dumpfer Qual. Und war es nicht, als folgte ihr allüberall hin dtä Augenpaar dort oben mit dem her rifch zwingenden, erbarmungslosen Blicke, der ihr zu sagen schien: Laß alle Hoffnung fahren Du gehörst mir!" Entsetzen faßte sie; dann fiebernde Erregtheit. Weh' über sie, daß sie kein Kind be saß! Das wäre Trost und Halt gewe sen in ihrer elenden Vereinsamung, in ihrer schrecklichen Verlassenheit. Und plötzlich überkam sie ein qualvolles Ver langen nach Trost, ein rasendes Begeh ren nach Zärtlichkeit. Dort, in dem Nebenzimmer, das sie, weil es sein Arbeitsraum gewesen nach seinem Tode pietätvoll hütete, tonnte sie finden, was sie suchte. Der Schreib tisch, daran er einst gesessen, barg Zärtlichkeit und Trost. Dort hatte er die Briefe an die Braut geschrieben dort lagen sie auch.von ihrer Hand verwahrt. Sie flog hinein, sie eilte an den Schreib tisch und zog die rechte Seitenlade auf. Daraus entnahm sie einen mit Gold beschlagenen Ebenholzkasten, stellte ihn aus den Tisch und wollte den kleinen Schlüs sel, den sie an einer feinen Goldkette um den Hals trug, hervorziehen. Aufgeregt und ungeduldig zerrte si? zu start an dem Kettchen, es riß entzwei? und der Schlüssel flog in die offeni? Lade hinein. ES klang hohl. Sie wurde stutzig. War da etwa noch ein Fach verborgen?

Sie suchte, vrutte. tastete lmmei derselbe hohle Klang, und endlich fand sie auch die fast unsichtbare Feder. Ein Druck, und vor ihren erstaunten Blicken lag das Geheimfach, dessen Vorhandmsein sie nicht geahnt, ossen vor ihr. Sie arm hinein und zog ein in weißes Papier gehülltes flaches Päckchen heraus. Dem Anschein nach enthlet! eZ Briefe, und etwas Steifes, Festelag auch dabei es fühlte sich wie eim Photographie an. Eine Weile starrte sie mit scheuel Neugier das Päckchen an, dann öffnete sie entschlossen das rotbe. Band, den stark vergilbten Umschlag. Obcnauk laa ein Bild das Bild eines jung?n Weibes voll Liebreiz und attmuthigcr Schönheit. Rasch wandte sie es um. Da stand auf der Rückseite in zierlichen Schrift zügen die Widmung: Zur Erinnerung s fAMt.i 0ffA M ) w CV.M2 Ul -CliUt itimu. iHüu, iiii O'Uiii 1686". 3rn :ui ienes Jahres hatte Richard in Geschäftsangelegenbeiten, die ihn unerwartet lanae von Wien fernhielten. zuerst in Berlin, hierauf in Prag ge weilt, und dann dann kam er t verändert zurück und war so seltiam lange, lange Zeit und auch vor seinem Tode. Ihr flimmerte eS vor Augen, in ihrem Kopse schwirrte, brauste, dröhnte es. Sie preßte die fieberhaften Hände an die hämmernden Schläfen, sie zwang sich, 'mit Aufbietung ihrer ganzen Willenskraft zur Ruye und machte sich sodann an das Lesen der Briefe, aus denen hervorging, daß Richard jene Alma, die damals als Schauspielerin in Prag weilte, im Theater kennen ge lernt, sich in sie verliebt, so leiden schastlich, so maßlos, daß in. ihm der Wunsch entstand, seine Ehe scheiden zu lassen. w2S vielleicht auch geschehen wäre, bätt: Alma der unbesiegbaren Hindernisse wegen, die sich der Wieder verehelichung in den Weg stellten,darcin gewilligt. DaS aber that' sie'nicht, so sehr sie ihn auch liebte. . Nnd dieser Mann hatte eS noch auf dem Sterbebette über sich vermocht, sie, die so grausam verrathene, . zurückge, setzte Gattin, um ihr Lebens und ihr Menschenrecht, um ihre Willensfreiheit verkürzen zu wollen! Ein heiliger Zorn erfüllte sie. Doch nein, nein! das konnte ja nicht fein, das war unmöglich, daß Richard eines, solchen Frevels fähig gewesen wäre! Sie rief sich Alles in'S Gedächtniß zu rück insbesondere die Stunde seines Sterbens. Er, hatte etwas sagen wollen und jener, letzte Blick, so voller Jammer, Angst und Qual . Q, nun erst konnte sie ihn deuten nun erst wußte sie, daß Richard gestor ben . war, trostlos darüber, daß er ihr nicht, mehr beichten, ihre Kette nicht mehr sprengen konnte. Nur ein Wort noch hatte er hervorgebracht Auch das verstand sie nun,, verstand nun, was dieses Nein" bedeuten sollte seinen Verzicht und mehr als daS: sein bewußtes und entschiedenes Verbot ihres SchmureS. Eine furchtbare Erschütterung kam über sie. Qualvolles Mitleid mit dem Armen, der so .schwer gestorben war. weil er sein Vergehen nicht sühnen konnte. Und doch empfand sie gleich zeitig auch ein überfluthendes Gefühl von Freude. Sie war nun frei, nicht mehr des Todten Sklavin. Und nun nun glomm es auch in ihrer Seele auf erst leise, dann ; in auflodernder Flamme , die Liebe zu dem Manne, den sie vor wenigen Stun den erst so schwer gekränkt, so tief be leidigt hatte, und mit erdrückender

Schwere fiel eS ihr auf das Herz: Wenn er nun unversöhnlich wäre?" Sie ächzte leise auf und fank in die Knie. Schutzsuchend, flehend streckte sie die Arme aus. sie faltete ie Hände, unk in ersticktem Tone rief sie verzagend.' .Erich, Erich vergib!"

3. Und er vergab ihr, als sie nach schwe. rem vieltägigem Kampfe mit ihrem Stolze in einem Briefe unumwunden Abbitte leistete dafür, daß sie ihn so schwer gekränkt hatte. Er schrieb ihr sehr kurz, sehr kühl, sehr höflich, er habe länger keinen Grund mehr, ihr zu grollen, da sie ihn ja nicht 'mit Uederlrgung verletzen wollte. Sie möge also vollständig be ruhigt sein und sich nicht mehr mit Selbstvorwürsen quälen. Sie fühlte sich darüber schwer ent täuscht, bitterlich beschämt. Sie hatte ja mit Sicherheit darauf gehofft, daß er auf ihre Zeilen hin gleich selbst wieder kommen würde. So oft die Glocke im Vorgemache ertönte, schrak sie jäh zusammen und lauschte dann in banger Spannung, ob er es sei, doch nein, er war'S nicht niemals! Und so zog Tag um Tag dahin sie reihten sich zu Wochen, Monaten, und er blieb fern. Die Ungewißheit quälte sie entsetz lich. Da las sie eines Tages unter den Kunstnachrichten in der' Zeitung, daß Erich Wagner in Kurzem zur Freude aller Kunstliebhaber wieder mit einem großen Bilde: Die Sklavin des Tod ten" vor die Oeffentlichkeit treten werde. Nur die intimsten seiner Freunde hät ten es bisher gesehen. Es sei ein Werk von größter Schönheit und Genialität dazu bestimmt, seinem Schöpser dauernden Ruhm zu sichern. Da trieb es Jda auf. Diesmal schwankte sie nicht länger. Er stand in seinem Atelier vor dem vollendeten Bilde, das er genau so ge schaffen, wie er es ihr in jener Stunde des ScheidenS g'sagt hatte. . Ein Mauioleum eruste. strenge, düstere Pracht draußen sonnige Na turschönheit und lockende Weltlust: drinnen, an daS Grabmal angekettet ein junges, liebreizendes Weib, daS Jda's Züge trug den schwarzen, lang herabwallende Wittmenschleier um das blonde .Haupt geschlungen, im Blick stille Verzweiflung und auf glimmende Empörung, um den Mund einen unbeschreiblich packenden Zug herber Entsagung, den Körper etwas gebeugt unter der Wucht der schweren, in das Fleisch schneidenden Ketten, di der Todte in dem geöffneten, aus hohem Katafalke ruhenden Krystallsarge mit seiner bleichen Knochenhand erbar mungsloS festhielt das arme Weib auf ewig zu seiner Sklavin machend. Ein bitteres Lächeln lag auf seinen Lippen, und voll Trauer hastete sein Blick auf der Gestalt des Weibes, des. sen Original er geliebt, und das seine Lieb mit Hohn und Schmähungen ge lohnr. Da störte ihn leises, schüchterne Klopfen an der Thür auS seiner schmerz, lichen Verfunkenheit auf. Er rief fast unwillig Herein. Dii Thüre that sich auf und War's kein Traum? Die dort auf der Schwelle stand so bleich und schön, so gramvoll und bewegt das blaue Auge flehend, voll Angst vor kaltem Empfang und voll von namenloser Sehnsucht nach einem freundlichen Willkommenswortk war Jda! Erich stammelte sie in ersticktem Tone, mit schmerzlich zuckenden Lippen, und streckte ihm die zitternde Hand ent gegen. Und nochmals: Erich!" mit jäh hervorquellenden Thräne in den Augen. Vergieb mir ich ich Die Stimme versagte ihr. Da wich die Erstarrung, in welche ihn dckZ Traumhafte, Unglaubliche ver setzt. Mit leidenschaftlicher Innigkeit schlang er die Arme um die Bebende und heller Jubel klang aus seiner Stimme, als er ganz außer sich vor Glück rief: Also bist Du doch gekom men!" Ja", hauchte sie, sich an ihn schmie gcnd. Ich bin gekommen als ein freies Weib. O, Erich, Erich! Tu ha,t recht gehabt: die Lebenden haben Recht! Und hätte-ich d?n Muth nicht gefunden, für Dich zu sterben, hätte es mir nicht gefehlt, denn ohne Dich ist mir das Da. sein werthlos." Er blickte sie stumm an. Aus seinem Auge leuchtete ihr die alte Liebe entgegen, die Liebe, die er niemals übermunden, die er so lange nur voll Qual und Willenskraft be kämpft. . Da legte sie ihm mit seligem Lächeln die Arme um den Hals. Er preßte sie innig an sein Herz, küLte ihr voll Gluth die zarten Lippen und flüsterte erstickt vor tiefster innerer Bewegung: Ich litt Unmenschliches. Dich meidend. Dock nun ist Alles. Alles gut." Und nun zog mit dem höchsten Glücke in ihre Seele auch der Friede ein, und sie wuizte, daß letzt der Todte seme Ruhe gesunden habe. Ablehnung.' Supptikant: Gnädiger Herr, mir geht'S fo elend und jammervoll, daß ich ganz verzwei felt bin. Meine arn Frau ist seit zwei Jahren krank, mein Sohn wurde von Wölfen zerrissen, meine Unglück liche Tochter ist erblindet, meine " Banlier: Nu. was erzählen Sie mir all' das'tt Bin ich etwa e' Dra matiker?" Ans Haus gefesselt. A.: Du siehst ja so blaß und mager aus?-, B.: Ja, mir ist eZ auch mife rabel ergangen: wie Du mich hier siehst, bm ich gestern tit zwölf Mona ten zum ersten Male wieder ausgegan gen." A.: Du ar:er Kerl! Was 'hattest Du denn?" A.: .Ein Jahr Gefängniß."

Eine theure Slsendahnfayrt.

Eine theure Eisenbahnfahrt von: Mofbeiki nach Riga machte, wie wir in der Riqacr Ztg. f. St. u. Ld." lesen. ein Passagier der dritten Klasse. Als der Abendzug Mosheiti verlassen undder Schanner die Fahrkarten bereitsnachgesehen hatte, merkte der genannteReisende unter seiner Sitzbank ein zusammengekaucrtes menschliches Wesen.. Eine solche Rechtsverletzung schien dem Bewissenhaften nicht zulässig und so. meldete er die Entdeckung des muthmaßlich fahrkartenlosen Knaben dem-. Zugbcamten, welcher alsbald erschien,. aber den Denunzirten nicht sofort entöecken tonnte, da d'.eser, die bevor stehende Gefahr ahnend, feine ohnehin einzige Gestalt vollständig in dielußerste Ecke eingezwängt hatte. Auch, der Passagier spähte eifrig nach demMissethäter, wobei ihm beim Bücken der Hut herabfiel und unter die Bank rollte. Im nächsten Augenblick wär, iber auch der sonderbare Fahrqast her ausgezogen. Doch zum ' Erstaunen Aller zog der Zitternde tlcme Junge lein wohlbezahltcs Billet von Moshciki nach lga hervor und zeigte eZ dem Schaff n.-r. Da das Billet in Ordnuna war. fragte ihn der Beamte, weshalb er sich denn eigentlich unter der Bank verlrocyen yave. Ich furchte mich vor Gendarmen, weil ich ohne Paß reise, krwiderte der Bursche, worauf ihn der Schaffner berubiote. daß er deshalb im Zuge sich ganz sicher fühlen könne. Mehrere Stationen weiter wurden den Reitenden die Billets vom Eon roleur selbst abgefordert. Der Beamte näherte sich schließlich auch dem Herrn, welcher vorher den kleinen Jungen als blinden: Pa'jagier angezeigt hatte und jetzt be haglich ausgestreckt auf einer Bank schlief. Dort ist mein Billet!" ver setzte er auf die Frage deZ Controleursund wies mit dem mger auf den Rand feines Hutes. Ich sehe da aber nichts"', meinte der Beamte. Wie nichts r und erlchrcckt Tante der Reisende nach seinem Hute, hinter des sen Rand er sein Billet gesteckt batte: das Billet war verschwunden. Zwar dämmerte dem Betroffenen zosort dir Ahnung, daß der Schlingel unter der Bank den Hut aevlündert baden munte. als dieser ihm auf die Nase gefallen war, aber beweisen konnte er das nicht. Dem billetlosen Passagier blieb nichts Anderes übrig, als auf der nächster. Station das doppelte Fahrgeld für die zurückgelegte Strecke zu bezahlen und außerdem ein frisches Billet bis nacb Riga zu lösen. Wer aber den Schaden hatte, brauchte für den Spott nicht zu sorgen. Falsche und tCytt Diamanten. Eine allgemein bekannte Thatsache, ist, die Echtheit des Diamanten nach seiner Härte zu prüfen, welche so grog ist, daß nur ein anderer Diamant Ein riffe auf ihm hervorzubringen vermag.' Diese Härte dient den Juwelieren ge meinhin als Probe für die Echtheit des Steines. Eine zweite Echtheitsprobe beruht auf der Thatsache, daß Reibung, aber nicht Hitze ihn elektrisch machen und diese Eigenschaft dient dazu, ihn vom TopaS und vielen anderen Stei nen zu unterscheiden. Eine weitere Art,' sich von der Echtheit eines Steines zu überzeugen, besteht darin, daß man in ein Stück Kartenpapier mit einer Nadel eine Oeffnung stößt und durch dieses Loch den Stein betrachtet. Ist er falsch, so sieht man zwei Löcher, ist er echt, nur eins. Eine noch einfachere Methode befolgt man auf diese Weise: man hält den Finger hinter den Stein und sieht durch diesen wi: durch ein Vergrößerungsglas. Ist der Strin echt, so vermag' man das Hautgewede nicht zu unterscheiden, bei einem fal schen dagegen tritt es deutlich sichtbar hervor. Außerdem verschwindet die Fassung eines Steines dem Blick voll ständig, sobald man durch ihn hindurch sieht, bei einem falschen Steine bleibt sie sichtbar. Auf dem Aachener C ongreß war auch Angelika Eatalani er schienen, um sich vor den dort versam melten gekrönten Häuptern, Feldherren und Diplomaten hören zu lassen. Alle huldigten der unvergleichlichen Sänge rin, der Kaiser aller Reußen an der Spitze. Ihr Erwählter aber war kein Anderer, als der alte Blü'chcr, der wackere Maischall Vorwärts". Eines Abends hatte sie wieder in einem Hof' concert gesungen und unter Anderem auch die grzße Arie der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte" un ter rauschendem Beifall vorgetragen. Am kräftigsten klatschte der alte Blü cher. Schmunzelnd und seinen grauen Schnurrbart drehend, trat cr auf die c-l ... w s rrm. c?uiiitiiu zu unu uu. ijuiiii wiv das war ein schönes Stück. Singen Sie doch noch etwas aus der Zauberflöte-.- Ja, was denn?- sragte die Eatalani. Den Vogelsänger." Dm kenne ich nicht." Nicht? Na dann will ich ihn Ihnen vorsingen." Und damit begann Blücher mit seinem rauhen Baß überlaut zu singen: Der Vogelfänger bin ich ja ... . " tBravoJ B ücher!" rief Naiser Alexander un gav damit das Zeichen zu allgemeinen Beifall. O," rief Blücher geschmci chelt, ich kann den ganzen Papagen auswendig,- und frischweg begann ei sofort: Em Mädchen oder Weibcher wünscht Papageno sich...." Noch stürmischerer Beifall lohnte ihm xlto unter ungeheurem Jubel gab er schlief, lich noch die Schöne Minka" zum B ften. Der Eatalani standen vor Lach rr. und Rührung die Thränen in tm. Augen. C, Feldmarschaü!" ries ie, Sie haben nickit nur den Kaiser )a poleon, Sie haben auch die Eatalmr besiegt!" ' Muckl, wo warst Du dmre so lang? Mei. graust had'nmix halt. Aater. im, Wirthshaus; zwe. Maßkrüg' hab'n s' mir an' No)f g worf'n und den Arm hab'n f inl araj. verfchlag'n!- No ja, wenn Dl Dich, nur unterhalten haftl"