Indiana Tribüne, Volume 16, Number 270, Indianapolis, Marion County, 18 June 1893 — Page 7

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Citt zwanzigjähriger Krieg. Es sind jetzt zwanzig Jahre her.daK rer Ecneralgouverneur von Niederlän-disch-Jndicn, Loudon, den Krieg an Atjeh (AtfchZn) erklärt hat. Die zweite Kolonialmacht der Welt, die im Indischen Archipel allein über 30 Millwnen Menschen herrscht, über eine Kolo-nial-Armee von 18.000 Mann und eine starke Flotte verfügt und überdies im Besitz aller zur KriegZführung nöthigen Mittel ist, ringt nunmehr beinahe ein Menschenalter mit einem kleinen Raubsiaat, der nicht einmal eine Million Menschen zählt und der hochstens 45000 Bewaffnete in's Feld stellen kann, ohne auch nur das geringste Ergebniß für alle Mühe und Kraftanstrengung, für alle Opfer an Menschenleben und horrenden Suminen aufweisen zu können, denn man sieht heute genau auf demselben Fleck, wie vor zwanzig Jahren. Der Oberst Deykerhosf. der heute die Stelle des Höchstcommandirenden ein nimmt, ist der elfte Gouverneur von Ateh; während dieser Zeit regierten fünf Generalgouverneure über das in dische Jnselreich, und was am allerschlimmsten war. das wichtige Amt des Minister der Kolonien wechselte seinen Inhaber dreizehnmal! Wenn man dabei bedenkt, daß fast jede PersonalVeränderung auch einen Wechsel der atjeh'schen Kriegführung und Politik bedeutete, so braucht man nach keinen andern Ursachen dieser Mißerfolge zu suchen. Bald betrat man den Weg der Offensive und hoffte, durch einenMassenfchlag den Widerstand zu brechen., bald verlegte man sich auf Unterhandhingen, oder auch man erfand ein ge mischtes System, indem man dem Militärgouverneur einen gleichberechtigten C?ilgouverneur zur Seite stellte, wo durch die Lage ' nur noch verwirrter wurde. Es ist nachgewiesen und durch einstimmige AuZsagrn von atjch'scher Seite auch beglaubigt, daß der Widerstand vollständig erlahmt war, daß die einflußreichsten Stammeshäupter bercits an Unterwerfung dachten, und daß es von niederländischer Seite gar keiner KraftenfaÜui'.g mehr bedurft hätte, um zum erschnten Ziele zu gelangen. Das war, als General van der Heydcn durch seine stramme Kriegführung Erfolg aus Erfolg errungen, und die militärischen Streitkräfte der Atjeher vollständig theils zersprengt, theils aufgerieben hatte. Aberrr wurde mitten in seinem Siegeslauf abberufen und Atjeh athmete wieder auf, denn die Civilzewalt oder.' was ungefähr dasselbe bedeutet, die 'Bureaukratie und zwar die schlimmste Sorte, die militärische, war am Wort und hatte es auch ohne besondere .Anstrengung in äußerst kurzer Zeit fertig gebracht, den Muth und den Widerstand des bereits demüthigen Feindes wieder -anzufachen. Die zweite Gelegenheit hatte man sich vor einigen Jahren entschlüpfen lassen, als der General Von Teijn die Küstenblokade streng handhabte und die Ein- und Ausfuhr lahm legte, so daß sich im Lande bald der empfindlichste Mangel einj?ellte und die Friedenspartei eine Zeit lang die Oberhand gewann. Allein auf atjch'scher Seite wußte man, daß ein Wechsel in der militärischen Oberleitung bevorstand und demgemäß auch eine Aenderung des Systems eintteten mußte; man beschloß deshalb, noch eine Zeit lang zu warten. Die Berechnung war auch eine vollständig richtige gewesen, von Teijn trat ab und die erste Maßregel seines Nachfolgers war die Aufhebung der Blokade und , deren Ersetzung durch eine Schiff 'fahrtsregelung", deren letztes Ergebniß war. daß den Atjehern. wieder Lebens Mittel, Massen und riegsbedarf zugeführt werden konnten.' Eine weitereFolge dieserSystemlostgkeit war der Umstand, daß man sich bald mehr.bald Weniger conzentrirte", d. h. man erweiterte oder beschränkte den vonTruppen zu besetzenden Rayon, es lag aber auf der Hand, daß der Orientale das freiwillige Zurückweichen für ein Zei chen der Schwäche halten mußte und sich deshalb von neuem KampfeLmuth begeistert fühlte. . Ein weiterer Fehler, der sich schwer gerächt hat, war die ge--ringe Sorgfalt, die man den kleinen Staaten, an der Ost- und Nordküste . Sumatras zugewendet hatte. Diese waren ursprünglich Vasallenstaaten Atjehs gewesen, harte? zwar alsbald nach Ausbruch des Krieges die niederländische Oberhoheit anerkannt, standen aber, wie sich nunmehr herausgestellt hat, mit den Atjehern in geheimem Einverständniß. ließen es zu, daß atjeh'sch: Banden von ihrem Gebiet aus Einfälle in die Langratschen und Delischen Tabaksdisirikte planten und theilweise auch wirklich -ausführten und vermittelten die Einfuhr von Waffen und Lebensmitteln aus Penang, wo die englischen Autoritäten ihre eigenen Ansichten über die Pflichten der Neutralitat baben. Nach elf dem tarf man darauf gespannt sein, wie die ganze Geschichte noch ausgehen wird: ob die Niederlänfccr Atjeh in diesem Jahrhunderte noch unterkriegen werden, oder ob gar Atjeh mit den Niederländern fertig wird. Die GeseAsÄs'stder Gabel". Neben verschiedenen andern Verbre-cher-Gesellschasten -gibt es in Italien ine internationale Hochstapler-Bande, die sich .Societa della Forchetta- (Gesellschaft der Gabel) nennt. Vor Kurzem ist es nun einigen Geheimpolizisten aus Rom gelungen, das Haupt diefer Bande iu Venedig zu verhaften. In verschiedenen italienischen Städten trieb sich seit Langem ein Mann herum, der sich für einen Grafen Raphael Henry Maiffedy 'aus Frankreich ausgab. Vor etwa Jahresfrist entstand nun bei der römischen Polizei ' der Verdacht, daß der Mann nicht das sei. wofür er sich ausgab. . Die erste Handhabe zu dieser An-

nähme, gab ein berüchtigter Diebstahl, der voriges Jahr bei der Ausstellung in Palermo in dem mit fürstlichem Luxus eingerichteten Hotel des Palmes" verübt wurde, während der angebliche Graf eine Reihe von Zimmern in jenem selben Hause bewohnte. Eine zweite Bestätigung dieses Verdachtes erhielten die beiden römischen GeheimPolizisten, welche mit der Ileberwachung der Verdächtigen betraut waren, anläßlich eines Eostümfestes, das die franzosische Colonie in Nizza veranstaltete und bei welchem der französische Graf costümirt und mit Juwelen geschmückt erschien, die eine merkwürdige Uebereinstimmung mit jenen im Vorjahre zu Palermo im Hotel des Palmes" gestohlenen aufwiesen. Dann kamen die Etappen: Monaco undRom. Ueberall bewegte sich der von der Polizei Beobachtete unter der vornehmsten Gesellschaft und erfreute sich offenkundig der Gunst der schönsten und vornehmsten Damen, denn Marcello Marcellino, wie der Hochstapler mit seinem wahren Namen heißt, ist eine ungewöhnlich bestrickende Persönlichseit und in afl-n nfr, r ., rungskllnsten wohlbewandert. In T3t r.edig endlich, wohin der angebliche französische Graf abermals mit den besten Empfehlungen und einem vom französischen Botschafter in Rom, Herrn Billot, unterschriebenen Passe 'intraf, gewann die Polizei vor einiger Zeit die Sicherheit, daß man es mit :inem wiederholt abgestraften VerbreHer und dem Haupte der Gesellschaft btx (3aM" zu thun habe. Die Gefangennahm: des hocheleganten, bildschönen Fremden hat in der dortigen Gesellschaft die unliebsamste Sensa-,

. tion hervorgerufen. Noch einen Tag' vor seiner Verhaftung konnte man den .hochgewachsenen schlanken Mann mit dem fascinirenden Blick in Gesellschaft italienischer Offiziere, während die Nusik spielte, am Markusplatze vor dem Cafe Quadri fröhlich plaudernd sitzen sehen. Er fehlte bei keiner Fal-ktaff"-Vorstellunq m der Feniee", wel2&er er in einer Ersten-Rang-Loge, die uncr bekannten schonen Frau Venedigs zehört, beiwohnte. Die Verhaftung :ines Genossen Marcellinos in Rom, ven man bei -einem Taschendiebstahl tappte, hat Licht in die Angelegenheit zebracht. Die Polizei und das Publi kum können sich zu diesem Fang gratutiren, denn so wird hoffentlich dem Unvesen gesteuert, das diese über alle Großstädte Europas verbreitete Gesellschaft von Veutelschneidem getrieben hat. Von der Polizeibehörde Berlins ist übrigens bald darauf der Venediger Polizei die Verhaftung eines anderen luf großem Fuße lebenden italienischen Hochstaplers gemeldet worden, welcher 'benfalls der Societa della Forchetta" lngehört. Marcello Marcellino. obgleich erst 27 Jahre alt, hat, wie die Briefe und Photographien, die er mit sich führt, Härten, eine höchst abenteuerliche Verzangenheit hinter sich. Er ist der Sohn nner höchst anständigen gebildeten Familie in Neapel, hat in keiner Schule rat gethan, entfloh in sehr jungen Zahren nach Paris, wo er sich die vollkommene Kenntniß des Französischen ind feine weltmännische Manieren anzeeignet, aber auch wiederholt kleinere Lefängnißstrafen erlitten hat. NachDem er in seine Heimath zurückgekehrt z?ar, wurde er in Macerata wegen Diebsiahls zu zwei Jahren schweren Kerkers verurtheilt. Sobald er in Freijeit gefetzt war, ging tt nach Rom, wo :r sich mittelst gefälschter Zeugnisse die Stelle eines Erziehers im Hause des Srafen Vuonacorsi zu verschaffen vußte. Bald jedoch verschwand er auS Rom, begab sich auf Reisen und grünöete die Gesellschaft der Gabel'. Seit fahren führte er das Leben eines vrand Seignenr, ohne daß man im Stande gewesen Ware, sich semer, stets unter anderer, Namen auftauchenden Persönlichkeit zu versichern. Er stand iberall zu den höchsten Damen in zar!en Beziehungen, ein Schwesternpaar sollte seinetwillen kürzlich in den Tod zehen. Eines der Mädchen starb, das :ndere kam mit dem Leben davon. Ein Beispiel unter vielen, das die italienifchen Alätter bringen, mag die Frechheit kennzeichnen, mit welcher Mar :ellino vorgeht. In der Station SamPier Darena bestieg er das 1. Classe Toupe eines Courier-Zuges. . Eine llleinre'vsende englische Dame saß ihm zegenüber. Er fixierte dieselbe eine Weile mit seinen stahlblauen Augen und sagte endlich im besten Franzöfisch: .Sie sühlen sich unwohl, MaDame Durchaus nicht! entgegnete sie Dam? verblüfft. Gewiß; ich bin Arzt, und es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß Sie einer Ohnmacht nahe sind", und schon halt der angebliche Zlrzt der Fremden ein Flacqn mit Kiechsalz unter die Nase eine wirkliche Ohnmacht ist die Folge. Mar:ellino nutzt dieselbe aus, um die Handtasch: der Dame mit 16.000 Lire Laargeld an sich zu nehmen und den Zug. welcher eben i die Station euäf)tt, zu verlassen. . DaS Recht zum Dlebstahlk Em Streik höchst sonderbarer Art ist in der großen Veloiiped-Fabrik! Element in Paris ausgebrochen. Die' Fabrik, deren Zwei und Dreiräder sich in Frankreich große? Beliebtheit er freuen, beschäftigt 300 Arbeiter. Seit geraumer Zeit bemerkte der Fabrikant, daß Maschincntheile in namhaftem Umfange und so systematisch gestohlen wurden, daß sie von dem Diebe oder, den Dieben zur Zusammensetzung von' Bicycles benutzt werden konnten. Eini zur Hilfe herbeigezogene GeheimPolizisten fanden bald aus. daß unter den anarchistischen Arbeitern, die in der Fabrik beschäftigt waren und nahe an fünfzig zahlten, eine förmliche Verschwörung bestand, daß sie gemeinsam stahlen und mit Hilse der gestohlene' Bestandtheile eine Art eigener BelociI ...et , : rr ii m.i-l.t. L:.ri. iaHU IN WHJll JOZlllZVZ tjlZlllU.

Das ging dem Fabrikanten über den Spaß. Sein Vermst war ein sehr be trächtlich:r und er ließ 17 der , am schwersten Betheiligtcn verhafte; er beschloß auch, nach und nach die anarchistischen Arbeiter zu entlassen, die beständig Propaganda sür ihre Ideen machten und daS ganze Personal demoralisirten Ehe es aber zur Ausführung dieses Entschlusses kam. schürten die Anarchisten unter dem Personal, und eme starke Deputation erschien bei M. Element und verlangte, er solle so-' fort dieKlage- gegen die 17 Verhafteten zurückziehen, ihre Freilassung erwirken und sie entsprechend entschädigen, widrigenfalls er besser thäte, seine Fabrik gleich zu schließen. Element erwiderte, sie könnten ihm unmöglich zumuthen, die Diebe, die ihn so schwer geschädigt, nicht nur unbestraft zu lassen, sondern auch noch zu 'entschädigen. Er wurde aber sofort eines Besseren belehrt. Sie sind ein größerer Dieb als Wir antwortete ihm der Sprecher der Deputation unter lauter Zustimmung seiner fünfzig Begleiter. Was wir Ihnen stehlen, ist nichts im Vergleich zu dem, um was Sie gleich jedem anderen Fabrikanten die Arbeiter bestehlen. Der Arbeiter hat ein heiliges Anrecht auf das Erzeugniß seiner Arbeit! Er muß lebm! Er darf darum, wenn sein Lohn nicht zureicht, von sei ncm Erzeugniß nehmen, was er braucht, um sein Einkommen entsprechend zu erhöhen. Nach diesen Grundsätzcn haben die Meisten "gehandelt; es sind nicht 17.' sondern 200 Diebe hier!Der Fabrikant wollte natürlich diese neuen Lehren und Grundsätze nicht anerkennen; er wollte es aber auch nicht zum Aeußersten kommen lassen und sprach darum sehr versöhnlich. Er sagte, er habe nur mit Bedauern die Hilfe der Polizei in Anspruch genommen, er hoffe aber.daß seine Wertstätten deswegen nicht verlassen werden würden ;er habe eine bes sere Meinung von seinem Personal und glaube nicht.da 200 von ihnenGrund Sätzen huldigten, die er nur als Diebstahl bezeichnen könne.' Das gegen die 17 einge!eitte Verfahren könne er nicht rückgängig machen; aber nxrde für ihre Familien Sorge tragen und die Arbei ter. wenn siz ihre Strafe abaeöüßt hakben und Besserung versprachen, wieber ? aufnehmen. DaS , genügte aber der Deputation nicht, die sich murrend zu, rückzog und nach einem benachbarte Wirtshaus begab, wo der allgemeine Ausstand verfügt wurde. Und so ge.schah es. Am nächsten Morgen sian. .den die Anarchisten vor dem Thore di ' Fabrik und überredeten alle Arbeiter zu streiken. Ein Manifest wurde ci das Thor geschlagen, in welchem bjt Recht des Diebstahls gegenüber dft großen Dieben von Arbeitsschindett?' proklamirt und die Fabrik Element im Boycott erklart wurde. .

Die Moment Photographie. In einer der letzten Sitzungen der Polytechnischen Gesellschaft in Berlin hielt Regierungsrath Beitel einen interessanten Vortrag über MomentPhotographie. Redner gab zuerst eine kurze Geschichte der Photographie im Besonderen und schilderte dann in anschaulicher Weise, wie es die MomentPhotographie ermöglicht hat, streng wissenschaftliche Unterstützungen wchrend der Bewegung vorzunehmen. Wenn auch Momentphotozraphien zuerst in Amerika gefertigt wurden, so gebührt doch das Verdienst, die Versuche zu einem glänzenden Ergebniß gebracht zu haben und wissenschaftlich exakt verfahren zu sein, Herrn Ottomar Anschütz. Erst ihm ist es gelungen, die Phase einer Bewegung in gleichmäßig genauen Abstanden zu Photographiren, ' beispielsweise in dreiviertel Secunden ein Pferd in 24 Stellungen. Durch Anschütz ist das Verwendungsgebiet der Momentphotographie ein ungemein ausgedeites geworden. Sehr bemerkenswert h ist. wie sich ihrer als eine? neuen Hilfsmittcls die Medicin bemächtigt hat. Graphisch stellt sie mittels der MomentPhotographie den Pulsschlag dar ein für diagnostische Zwecke ungemein wichtiges Ergebniß. Der betreffende Apparat, Sphygmograph- genannt, wird um das Handgelenk gelegt, ein an ihm befindlicherHebel, der oben eine Scheibe mit kleinem Loch trägt, vibrirt, wobei ftlbstverständlich auch dieScheibe ribriren und je nach der Bibriatwn durch daS Loch der Lichtstrahl fallen muß, soaß auf der Platte das gra phische Bild entsteht, zur Gewinnung zutreffender Krankenbilde?, zur Darsiellung des ZZehlkopfeS in der Bewegung, zur genauen Bestimmung der wahren Größe der Pupille des menscr lichen Auges, die früher unmöglich w. weil sich daS Auge im Hellen zu sammenzieht, hat sich die MomentPhotographie ausgezeichnet bewährt. Die letzterwähnte Bestimmung der Größe der Pupille hat Prof. Dr. Cohn in Breslau vorgenommen. Sehr be Oerkmswerth sind auch Momcntausnahmen von Menschen und Thieren, die sich im Todeskampfe befinden bezw. eben ihr Leben aushauchen. Echt amerilanisch ist die Momentaufnahme eines Esels in dem Augenblick, da eine Dynamitpatrone, die man dem bedauernswerthen Bierfüßln' vor die Stirn gebunden hat, ezplodrrt: man sieht, wie der Kopf des Esels zerschmettert, der übrige Körper aber wie gebannt stehen bleibt, und wie sich nur der Schwanz schmerzvoll nach oben krümmt. Weiter wird die Verwerthung der Momentphotographie für die Bestimmung der Geschwindigkeit und des FlugeS der Geschosse, ferner im Dienste d Astronomie und Meteorologie eingehender gedacht. Dann ging Redner auf Momentaufnahmen ein, die von Ballons auS gefertigt wurden. Als Erster hat der bekannte Luftschiffer Nadard die VallonphotograPhie im Jahre 1859 während deZ KrimkricgeZ für französische Iwecke be-

trieben. Im Jar? isa pyowzra. phirte man in Amerika von einem Fes selballon, und im Jahre 1862 wurde schon rc.ht gut von einem freien Val lon auS phowgraphirr.Vom freienBal Ion aus Aufnahmen zu machen, ist un gemein schwierig, da sich der Ballon stets um seine Achse dreht, die Gondel pendelt und beide in der Windrichtung mit fortgerissen werden. Nichtsdeftowe niger sind die Aufnahmen, welche vorn Humboldt" auS gefertigt wurden, trefflich gelungen. NuS dem europäischen WetterWinkel. Der Londoner Standard", welcher für die Militarreformprojekle de3 Grafen Caprivi mit einem Eifer in'Z Zeug gegangen ist, der den Berliner Osfiriösen zur höchsten Zierde gereichsn würde, lieh sich vor Kurzem aus St.

.Petersburg mt Alarmnachricht telegra i phiren, daß einem weit verbreiteten Gerücht zufolge" die russische? Arnieecorps von Kiew-und Odessa unlängst d:n Befehl erhalten hätten, sich zur LesetzungBulgariens bereit zu machen; Gegenbefehl sei erst ertheilt worden, als die Vertreter des Dreibundes erklärt hätten, datz ihre Regierungen in dem Versuch, Bulgarien zu occupinn, :inen casus belli" erblicken würden. Der aus inneren und äußeren Gründen gleich unglaubwürdigen Meldung ist :er Stempel tendenziöser Erfindung u dcutlick aufgeprägt, als daß man nit ihrer Widerlegung sich ernstlich zu .efchä'fttgen . brauchte. Prinz Ferdi'.and ist St. Petersburg gewiß nicht ',um besten accreditirt, aber auS purer Bosheit, nur um ihm 'sie Ftterwschen vj. verderben, würde Rußland seine Armee kavm auf den Kriegsfuß setzen. Trüge es stch in der That mit der Abficht, bn Einfluß in Bulgarien, auf den es vertragsmäßig Anspruch erbeöen zu können glaubt, mit den Waffen geltend zu machen, so würde eS mit der Ausführung dieses Entschlusses wohl nicht so lange gewartet haben; jedenfalls hätte es wiederholt schon einen besseren Vorwand z.'irn activen Ein greifen sinken können, als die Vermählung des Prinzen Ferdinand und die ihm aus diesem Anlaß von ver schiedenen Seiten erwiesenen Aufmerksamkeiten und Auszeichnungen. Sehr bezeichnend ist es übrigens, daß der Standard" den angeblichen Protest gegen di: russischen Occupationspläne von den Dreibundscabinetten ausgehen, das Cabinet vn St. JameS dagegen hübsch im Hintergrund bleiben lävt, obwohl an der Gestaltung der Dinge im Orient England ohne Zweifel ein ungleich größeres Interesse hat als das Deutsche Reich oder Italien. Schön-wäre es freilich, wenn früh oder später der Dreibund sich dazu hergeben wollte, den Engländern die orientalischen Kastanien aus dem Feuer zu holen, allein so. schnell wird sich dazu Niemand beraeben. Der Geldumlauf in den fdeu , Ztaattn Aus einem neuerlichen Ausweis des Schatzamts-Departements geht hervor, daß der Geldumlauf während des vergangenen Monats eine Netto-Abnah me von -B.492.471 erfahren hat. Allerdings steigerte sich der Umlauf von Goldmünzen um $2,$59,569, von Greenbacks um 53.013.803 und von Scheidemünze um $224,967. Andererseits aber verminderte sich die Circulation von Gold.Certisicaten um Z6.212.950, von Silber-Certificaten um 51,251.227, von Courant-Certificaten um $830.000, von Nationalbanknoten um 5497.118. von Standard Silberdollars um 5721.807 und von SilberSchahscheinen (Sherman-No-ten) um 5177.673. Die Gefammt'Circulation des Landes wird sür den 1. 9Jtor zu 51.599.028.335 angegeben oder $23.97 per Nopf der Bevölkerung, gegen , $1.631.572.244 am 1. Mai 1892. was eine Abnahme von $14.543.909 wäh. rend der letzten zwölf Monate bedeutet. Die nachstehende übersichtliche Tabelle zeigt, welche Veränderungen im Umlauf der verschiedenen Geldsorien während des letzten Monats vor sich gegangen sind: . , l. Lvril MZ. l.Mai!8?Z. Idmü,e ,.. 0I.796.S51 ilO.759.520 Ctoabat eiltxtboaatl 69.557.JV9 5&83.S.343 eSt fBlÜ!te M.0?175 6li.2M.142 ÖUfcfitrtifuatt 105.27i029 &tiT.6erhTua!e 3je.Ka.e53 321.707.721 Schichtn, k. 128.95. 781 128.779.103 SrecnbZctt 316:793.314 813.807. 117 loutapt.3irhficle 16.7(X0OO lst.JMO.OOO 91aliiiaMnfuotta 17.L7.42Z 171.770.315 Insgesammt. ...11.602,517.30 11. 600.02a 315 Der Geld- und Vullisn-Vorrath deS Schatzamts nahm letzten Monat um netto $9,668,882 ab. Die Menge der Goldmünzen verminderte sich um 517.120.883. der Greenbacks um $3.013.803 und der Scheidemünzen um $51.582, während der Vorrath von Sherman.Noten sich um $3.757.303 vermehrte, von Nationalbanknoten um $1.258.183. von Gold-Vullion um $1,026,014, von Silber-Bullion um 3.606.074 und von Standard Silberdollars um $869.807. Die nach folgende Tabelle zeigt den Vorrath des gemünzten oder ausgegebenen und des im Schatzamt befindlichen Geldes für den 1. Mai: mn,t 2m ...'? 6$uamt minie t 353Z.513.105 3131.753.5 Etanbatb eiQxtboOavi.. 4il.lft5.305 sco.359.922 fctSttVmünit 77.S7S.7I5 11.111571 ftol.CfTtifute. 114.1M.S3 8.888.310' fetltof'trrtifUftt 82l80t.504 5 5773 bchatzZch! 135.vAv.778 10. m. 675 rnndmks. tU.ai.013 24.8:3.890 tsuitiiHtattfUfttc. L5.ft0O.OOO MO. 000 JlftttomllairtBt tt 17fc5MU 5.0S5V9 Das Schatzamt enthielt am 1. Mai' Soldbullion im Werthe von $30.529. 774, gegen $79.503,760 vor einem Monat, und Silberbullion im Werthe von $110.315,196. gegen $106,709.122 am 1. Avril 1893. Zu leng. Nichter : Jhre flfogji auf Ehescheidung kann erst nach den Ge richtsferien erledigt werden." Herr: ..Wie? Zwei Monate soll ich warten Z Unmöglich ! Bis dahin könnt' ich mich ja mit meiner Frau wieder ausgesöhnt r T i tri

DaS Taschengeld

' ?o:: C. Reigersberg. Wie der bekannte rothe Faden durch das gesammte große wie kleine Tauwerk der englischen Marine, so ziehen sich die kleinen -üblen Gewohnheiten unfcrer Jugend, und zwar meistens in erhöhtem' Maße, durch unser ganzes späteres Leben. '.'ficht die geringste und ungefährlichste darunter, sondern diejenige, welche zuweilen über unser ganzes Schicksal entscheidet, ist die Art und Weise, wie wir uns von früh auf ge wohnen, Geld auszugeben. Wir sagen absichtlich wie w i r unS gewöhnen", weil die Verschwendung?sucht da, wo sie in sehr hohem Grade besteht, in der Regel ein angeborenes Laster ist. welches durch die äußerste Wachsamkeit in der Erziehung zwar gemildert und in ihren Ausbrüchen beschränkt, aber nur in seltenen Fällen ganz ausgerottet werden kann. Je schwieriger es jedoch ist, die böse Anlage zu bekämpfen, desto leichter ist es, die einmal vorhandene immer gröber werden zu lassen, ja sogar dieselbe durch fehlerhaste Erziehung förmlich einzuimpfen und dann mit uns großzuziehen. ' "Die Frage des jungen Leuten zu gewährenden Taschengeldes und der an-, deren Äkethoden, mittelst deren man sie allmälig an den richtigen Gebrauch des Geldes gewähren kann, ist daher durchaus nicht unwichtig, sondern wohl einer ernsten Betracbtung werth. Wie bei den meisten anderen Din gen, 0 darf man auch bei der Kindererziehu: auf einen um so größeren und beständigeren Erfolg rechnen, je früher man mit seinem System beginnt. Es wiid daher von allem nothwendig sein, strenge darauf zu sehen, daß die Kinder weder von den Eltern, noch von den Verwandten und Freunden der ZZa milie. die als Verziehungsmittzl leider nur allzu beliebten EandqpennieS" ?c. erhalten,, über welche wir schon. bei einer früheren Gelegenheit geplaudert haben. Ist die Erziehung ohne Pennies glücklich gelungen, so ist auch das Beste für die Zeit zu hoffen, in welcher die Taschcngeldsrage brennend zu werden beginnt, d. h. also - mit ungefähr dem 14. oder 15. Lebensjähre. Zuweilen tritt die liebe Jugend mit ihrer, je nach der Erziehung, die sie genoffen hat, mehr oder minder hart angebrachten Forderung von Taschengeld schon früher hervor, weil der .Tschannie" oder die m des Nachdars auch ein solches erhält. Vernünftige Eltern laffen sich jedoch nicht dadurch leiten, was andere thun, sondern richten sich nach dem, was sie selbst für recht und ihren Umständen entsprechend und für die Individualität eines jeden ihrer Kinder am besten geeignet halten. Nicht wenige Familienväter sind sogar der flnstchtdaß man den hindern über Haupt kein Taschengeld geben, sondern damit warten solle, bis sie erwachsen sind und den Werth des Geldes besser kennen. - ' Diese Ideen sind namentlich populär unter der ziem'.ich zahlreichen Klasse von Leuten, die sich am liebsten auf ihre Dukaicntistc setzen und darauf siken bleiben möchten, bis Freund Hain sie mit Gewalt von ihrem Mammon hinwegreißt. Aber auch noch andere sind gegen das Taschengeldgcben. nicht gerade aus Geiz, sondern mehr deshalb, weil sie sich nur schwer an den Gedanken gewöhnen können, vag nicht allein aus ihrer Freunde. ' sondern auch ihren eigenen Kindern einmal Leute" werden u. s. w. Allen denen möchten wir die beschei dcne Frage vorleben, ob sie glauben, daß man das schwimmen lernen kann, ohne in's Wager zu gehen? Die Antwort wird natürlicher und richtiger Meise 9frrn" lauten und da mit ist auch die Taschengeldfrage entschieden. Denn so wenig mn im Stande ist,- schwimmen zu lernen, ohne erstand zwar anfangs recht hilflos im Wasser herumzuplätschern, so wenig lrird der ausgewachsene junge Mann mit größeren 'Summen richtig umzugehen wissen, wenn man ihn nie vorher gelehrt oocr Gelegenheit, gegeben hat, von kleineren Beträgen einen vernünftigcn Gebrauch zu machen. Die Kinderstube im weitesten Sinn dcö Wortes, d. h. also auch die schon etwas mehr . ennvttelte Jugend ein schliezzend. ist die Miniaturarena, iu welcher die jungen Leute allmälig zur LebenStiichtigkeit herangezogen und ihnen Gelegenheit gegeben werden sollte, sich für das praktische Leben vorzubereiten. Und wenn es etwas gibt, waS gelernt fein will und oeffen'llnkenntniß sich im spateren Leben zumeilcn furchtbar röcht,' fo ist es die Kunst, mit dem Gelde richtig umzugehen. Das gute alte Sprichwort: . . - , . Was Hanschen nicht lernt, ' Lernt HanS nimmermehr, gilt auch heute noch und so wollen wir denn sehen, was wir mit HanZchen thun können, um ihn von früh an zu veranlasten, den Werth des Geldes zu schätzen, damit er als HanS nicht gar zu unbehilflich dasteht oder allzu tolle Streiche Macht. ' Von einer eingehenden Besprechung der Höhe des Taschengeldes können wir füglich absehen. Versteht eS sich doch von selbst, daß der Sohn oder die Tochter eines Millionärs, also Kinder, welche voraussichtlich einmal über sehr große. Summen zu verfügen haben werden, ein reichhaltigeres Taschengeld erhalten und auch erhalten- sollen, als eines kleinen Geschäftsmannes, welche, wenn eö überhaupt in ihren Sternen so geschrieben steht, sich ihre Reichthümer erst' selbst erwerben muffen, oder gar diejenigen der großen Maffen von Men fchen, welche von der Hand in den Mund leben. Im Princip bleibt e5 sich ja gleich, sb ein Junae mittels eines wöchcntli.

ryen Taschengeldes von zehn Dollars auf ein ebenfalls wöchentliches Einkommen von 2 bis 300 Dollars, oder mit fünfundzwanzig oder fünfzig Cents auf ein solches von 5 bis 10 Dollars vorbereitet werden soll. Die Hauptsache ist, daß er lernt, von dem großen, wie dem kleinen Betrage einen vcrnünstigen Gebrauch zu machen, und Eltern und Erzieher werden genug zu thun finden, wenn sie diesem Theile d:r Heranbildung der Jugend die ihm gebührende Aufmerksamkeit schenken. Wenn die Kinder nach der Ansicht der Eltern denn solche Dinge 'ollten gemeinsam besprochen und der Butter die erste Stimme darin gegebe.: werden, weil sie die ötinder mehr um sich und daher voraussichtlich auch ein besseres Urtheil hat einmal so weit sind, daß sie Taschengeld vertragen können so soll man es ihnen auch geden. aber nicht allzuviel Wesens daraus machen. Es ist ja richtig, ja sogar nothwen big, daß man die Jugend schon von früh an lehrt, daß das Geld einen ziemlich hohen Werth hat, daß cZ schwer zu verdienen ist und daher auch nicht leichtsinnig fortgeworfen werden soll: daß man, wenn man auch noch so viel davon besitzt, doch Alles .verlieren und bettelarm werden kann u.s. w. .Aber man braucht dabei nicht so weit zu gehen, daß man schon den Kindern vorerzählt, daß der Gelderwerb der einzige Lebenszweck des Menschen und der Besitz großer Reichthümer das einzige Glück ist, welches uns dieser Planet zu bieten im Stande ist. Im Gegentheil, man gebe den jungen Leuten ihr Taschengeld als etwas Selbstverständliches, wie man ihnen )a auch einen Hut oder Anzug :c. kaust, ohne viel Worte darüber zu verlieren. Eine kleine Bemerkung, daß sie jetzt in die Jahre kommen, in welchen man ihnen etwas mehr Vertrauen schenkt, dafür aber auch ein etwas gesetzteres Benehmen erwartet, schadet nicht, aber lange Predigten über den.Geldpunlt selbst sind vom Uebels Ebenso wenig taugt das regelmäßige, hochnotpeinliche Ausfragen, was mit einem jeden einzelnen Cent geschehen ist. Wenn die jungen Leute sich all

das merken und erst eine Stunde überlegen sollten, was sie mit jedem, auch dem geringsten Theile ihres Taschengeldes thun sollen oder dürfen, so wären sie eben trotz ihrer Kindergesichter schon Grauköpfe, und der, wenn er nicht übertrieben wird. der Jugend eigene Reiz eine- Bischens Wildheit und Leichtsinn wäre durch Altklugheit vernichtet. wie Blüthen und Blätter, auf die sich Mehlthau gelegt hat. Dtw;üt soll jedoch nicht gesagt sein, "daß man überhaupt nicht auf die Art zu achten braucht, wie die Kinder ihr Geld ausgeben. Im Gegentheil, nichts thut mehr noth, als eine strenge Ueberwachung in diesem Punkte,- nur darf dieselbe nicht so sein, daß sie der Iuqend auffällig wird oder in kleinliche, für beide Theile unwürdige Spionage ausartet. Auch hier wird die Mutter wieder der leitende Geist sein müffen. erstlich weil die Frauen im Allgemeinen eine bedeutend schärfere Beobachtungsgabe haben und dann auch, weil sie mehr in der Gesellschaft der Kinder sind, als die Männer. Die Mutter wird daher ohne viele Mühe und Aufsehen sehr bald erfahren, was die Krabben mit ihrem Taschengelde thun, ob sie Alles für Eandy, Kaugummi, Eigaretten und ähnliches miserables Zeug ausgeben oder hie uns da etwas vernünftiger sina und sich irgend einen kleinen Zierrath für ihren Anzug oder sonst etwas Bleibendes kaufen, oder 'einige Cents für kleine Geschenke an Eltern und Geschwister für Weihnachten oder Geburtstage zurücklegen u. s. w. Auch der Mann wird natürlich seine eigenen Beobachtungen machen und dann werden die beiden Eltern ihre Erfahrnngeu austauschen. Ergibt sich daraus, daß das eine oder andere Kind den möglichst schlechtesten Gebrauch von seinem Gelde macht, so genügen zuweilen allgemeine Bemerkungen über die Schädlichkeit dieser oder jener Dinge und den Unsinn und die Gefahr, sich damit die Gesundheit zu ruiniren, um das betreffende Kind, wenn es sonst wohlgezogen ist, von seinem Irrwege zurückzubringen. Genügt das nicht, d. h. wirken indirekte Anspielungen nicht sofort, so verliere man auch keine Zeit, sondern -nehme sich die Naschkatze oder den Naschkater gehörig vor und verbiete die Fortsetzüng der schlechten Angewohnheit in dürren Worten,: und wennauch dies .nicht hilst. so entziehe man einfach das Taschengeld ganz. Letzteres Mittel hilft fast unfehlbar. Für uns Alte die Jungen brauchen ,eö noch nicht zu wiffen sei übrigens s hier eingeschaltet, daß man der Jugend auch keine allzujcharscn Grenzen ziehen soll, und daß eS bei der KlNdererziehung zuweilen besser ist, gelegentlich auch einmal etwas nicht zu sehen oder doch mit Stillschweigen zu übergehen, als aus jeder Mücke einen Elephanten zu machen. Wir waren auch einmal jung. Leider giebt es auch Leute, welche überhaupt nicht in die Lage kommen. Viel über das Taschengeldproblem nachdenken zu müssen, weil sie selbst nur sehr wenig haben und daher nichts geden können. Und doch giebt eS gerade unter diesen nur allzu nachsichtige Eltern, welche j ihren Kindern vielleicht ohne spezielle j Absicht, vielleicht aber auch, um die ! übrigen Härten deS Schicksals etwas zu mildern. )n der Form von kleinen Nä schereien :c. verhältnißmäßig mehr ge- . ben, beziehungsweise die- Kinder mit ' eigenen Händen verschwenden lassen, als mancher wohlhabende Mann mit dem zehn und Zwanzigfachen Einkommen seinen Sprossen an Taschengeld giebt.' Zum Schlüsse noch ein Wort zu Gunsten der jungen Leute, welche schon irüb dazu -anaebalten werden.

durch ihre Arbeit zum Unterhalt der Familie beizutragen. Die Kinder, :Jungen, wie Mädchen, sind meistens ganz gern bereit dazu, denn sie arbeiten lieber in einer Fabrik oder Hantiren in einem Geschäfte herum, als daß sie in die Schule gingen und etwas lernten. Natürlich geht ihr stiller Plan auch da .hin, sich auf diese Weise bald selbstständig zu machen und in die Lage zu kommen, ganz ohne die alten Leute" leben zu können. Es ist nicht ganz leicht, hier einen Rath zu geben da sich ein solcher in den meisten Fällen erst nach Prüfung der einzelnen Verhältnisse ertheilen läßt. Immerhin riskiren wir aus das Geradewohl und wir wünschen von Herzen, daß er allen Betheiligten zum Modle gerathen möge den Vorschlag, !den jungen Miternährern nicht, wie eZ sehr oft geschieht, den ganzen Verdienste abzunehmen. Man vergällt iKnen auf diese Weise die Lust zuni Arbeiten und, mehr noch als dieses, man dämpft ihren Ehrgeiz, vorwärts zu streben; denn sie sagen sich einfach, ob es nun schön von ihnen ist, oder nicht: Wozu sollen wir uns besonders anstrengen, um mehr zuver dienen? Es wird uns ja doch immer wieder abgenommen." Aber damit, daß man die Strebsamseit des betreffenden jungen Menschen erstickt, ist weder ihm selbst, noch seiner Familie, noch der Gesammtheit gedient, welche doch auch ein Anrecht an ihn hat. Es liegt vielmehr im Interesse aller Bethciligten, ihm seine Arbeit zur Freude zu machen, was sicherlich am besten dadurch erreicht wird, daß man ihm, wenn auch ein Theil seines Lohnes in die Haushaltung geht,. den anderen Theil zu seiner eigenen Ver fügung läßt. Ist er klug, so wird er sich damit, wenn er auch etwas davon sür seine Erholung ausgibt, einen kleinen Sparbankkonto eröffnen, zu deffen Vergröße rung er jede Woche beitragen wird, und wenn eS auch nur fünfzig Cents sind. Jedenfalls macht ihm das Anwachsen seines kleinen Kapitals Freud.e und, wenn er, wie es die Verhältnisse mit sich bringen,, einmal erwachsen das elterliche Haus verläßt, so hahen sich seine Eltern wenigstens keinen Vorwurf zu machen. Sie haben ihn vielleicht nicht so viel lernen lassen, als sie gewünscht hätten, wenn ihre Mittel größer gewesen wären, aber sie haben ihn wenigstens als braven arbeit- und sparsamen Menschen in die Welt geschickt, und daZ ist aller Ehren werth. t' Orientalische Justiz.

In Kairo fiel einst bei einem Ein bruch ein Räuber aus dem zweiten Stockwerk eines Hauses und brach ein Bein Er ging zum Kadi und verlangte die 'Bestrafung deS Hausbe sitzers, da die schlechten Fenster an dem Unfall schuld wären. Der Kadi hielt das für ganz recht und forderte den Besiher.des HauseZ vor sein Gericht. Der gab auch zu. daß sein Haus schlecht gebaut wäre, behauptete aber, den Zimmermann und nicht ihn treffe die Schuld. Diese Logik leuchtete dem Kadi ein und er lies; den Zimmermann kommen. Die Klage ist leider nicht unberechtigt.- sagte der Zimmermann, aber das' Mauerwerk war so schlecht, daß ich kein ordentliches Fenster befestigen konnte." Auch diesem Argument konnte sich der Kadi nicht verschließen und schickte nach dem Maurer. Der bekannte seine Schuld, wandte aber ein, daß ein hübsches Mädchen in einem ' blauen Roi oft an dem Hause vorbei 'gegangen wäre, wahrend er arbeitete und seine Aufmerksamkeit abgelenkt hätte. Da ließ der Kadi daS Mädchen kom men. Daß ich hübsch bin, weiß ich wohl," meinte das Mädchen, aber was kann ich dazu? Wenn .mein Rock den Maurer von der Arbeit ablenkte, so sollte der Färber bestraft werden, nicht ich." Du hast Recht," sagte ver Kadi, holt mir den Färber.- Der bekannte lediglich, daß er den Rock ge färbt hatte. Das entschied die Sachen. Der Kadi übergab den Unglücklichen dem Scharfrichter mit dem Austrage, ihn am ThürgesimZ seines eigenen Hauses aufzuhängen. Frohlockend über die Weisheit des Kaois, führte die ver sammelte Menge den beklagensmerthen Färber fort. Aber bald kehrte man mit dem Delinquenten zurück und erklärte tm überraschten Kadi voll tief ster, Entrüstung, daß der Färber viel zu groß sei, um an .dem ThürgesimZ seines Hauses erhängt werden zu tön nen. Bctm Propheten!" rief der Kadi, dem die Geschichte schließlich langD weilig wurde, so sucht Euch einen Färber, der nicht zu groß ist. Gerechtigkeit vor Allem!Verständig. Wir hatten alle Beide nichts Und liebten uns voll Innigkeit, Doch schließlich gaben wir uns auf. Man sagte uns, da) sei gescheit! Vergangen ist seit jener Zeit Nun manche böse, lange Jahr Ich büßt' eS mit dem Leben-glück, Daß ich so verstündig war. Eugen Ralf. - Ausrede. Mayer: Denken Sie nicht endlich einmal hezite daran, mir Ihre Schulden zu bezahlen? Student: Aber erlauben Sie, Herr Mayer, wir haben doch heute keinen Gedenktag! Je tte ns Klage. Schon wieder ein Dutzend Mädchen für Alles" gesucht ! Und wenn man uach dem Loh fragt, ist man daS reine Mädchen für nichts! n Scheinbarer Widerspruch. Merkwürdig! Ein älterer" Mann ist niche so alt wie ein alterMann! Dem Muthigen gehört die Damenwelt.