Indiana Tribüne, Volume 16, Number 270, Indianapolis, Marion County, 18 June 1893 — Page 3
Brunhilde. Roman von Ka Aornfets. ' (5. Fortsetzung.) Ich erwarte den Herrn," beschied sie das Mädchen. Bereits nach zwei Minuten trat der Direktor im tadellosen Lesuchsanzuge ein. Er mußte die AntWort schon vor dem Schlosse erwartet haben. Sein gr?ß;Z, ernstes Auge streifte den Lieutenant, der ihin einen Herlegen freundlichen Gruß zunickte. Ich bat um eine Unterredung unter vier Augen, Gräfin," begann er mit Nachdruck. Vor meinem Verlobten habe ich keine Geheimnisse erwiderte BrunHilde noch schroffer, doch schlug sie dabei vor dem mächtig'n Blick des ge kränkten Mannes die Augen nieder, sie hörte einen tiefen Athemzug und dannWieder die vollkommen ruhig, wie tiefer Glockenklang tönende Stimme: Leider muß ich entschieden auf meinem Ersuchen beharren und überlasse es Ihnen, den Herrn Lieutenant später selbst nach Ihrem Ermessen zu unterrichten." Wenn diese geheimnißvolleGeschichte mich nichts angeht " begann Viktor mit befangenem Zögern; er dachte an Letty. , Durchaus nicht!" So sehe ich nicht ein, weshalb Du den HerrnDirekto? unn'othig aufhältst," ergänzte Viktor aufathmend und trat mit einem neckenden Lächeln: Ich bin ebensowenig neugierig als eifersüchtig!" in das Nebenzimmer, die Thür hinter sich fest ins Schloß ziehend. Hätte er geahnt, wie scharf sein Scherz traf! . Ein jähes Roth schoß in Vrunhildcs Wangen. Stumm deutete sie auf einen Sessel. Auras blieb stehen und begann: Allem anderen vorangeschift sei die Benachrichtigung, daß ich dem Gericht soeben die Niederlegung meinesAmtes mitgetheilt habe und dasselbe nur noch bis zu dem hoffentlich recht baldigen Eintreffen meines Nachfolgers verwalten werde." ' Brunhilde zuckte zusammen. Sie hatte sich in der letzten Zeit in ihre geschäftlichen Verhältnisse klaren Einblick verschafft und wußte deutlich zu beurtheilen, welcher Schaden ihr aus dem Scheiden dieses Mannes erwuchs. Der zweite, der Hauptpunkt, derlaugt eine Vorgeschichte, bei der ich mich so kurz als möglich fassen will," fuhr Auras fort. Zuvor gestatte ich mir noch die Anfrage, worauf Sie Ihre Behauptung, ich strebe unrechtmäßig nach Ihrem Erbe, stützen?" Und wenn ich die Antwort verweigere?" entgegnete die Gräfin trotzig. So bescheide ich mich sehr gern da mit, ich glaub: die Quelle zu kennen. Ich bitte jetzt um gütige Aufmerksamkeit. Mein Großvater Sie sehen, Gräsin, daß ich in der That weit auszuholen gezwungen bin war Beamter in einem .kleinen Städtchen der Lombardei, dessen Namen nichts zur Sache thut, österreichischer Beamter damals noch, ein streng ehrenhafter. schlichter Mann von unbeugsamerEnergie. Seine Familie, bestand nur aus zwei Töchtern, Charlotte und Theresia, schönen, auch geistig hochbegabtenMädchen, von gediegener, mehr als gewöhnlicher Bildung. Es war damals eine bewegte Zeit dort unten. Das junge Italien conspirirte. das in seinem Besttzstand bedrohte Oesterreich sah sich zu Gegenmaßregeln genöthigt. Die Revolution, der Krieg schwebte bereits in der Luft. In jenem Städtchen war nur die kleine Anzahl der Beamten, durchweg Deutsche, treu kaiserlich gesinnt. Ein deutscher Maler, der in der Gegend, allen Kriegsprophezeiungen zum Trotz, landschaftliche Studien betrub, fand bei ihnen daher jetzt noch mehr als sonst -freundliche Aufnahme. Es war ein noch junger, sehr schönerund elegante? Mann, der sich sichtlich in den feinsten Lebenskreifen bewegt hatte. Besonders mein Großvater fand Gefallen an ihm, lud ihn öfters in sein Haus, und was fast vorauszusehen gewesen, geschah. Charlotte lernte den Maler lieben, er betete sie an. Allem Anschein nach war er ?icht nur talentvoll und ehrenhaft, sondern auch so vermögend, daß seine Zukunft als völlig gesichert gelten konnte Die öffentliche Qerlo bung stand bereits bevor, als eines Abends eine Schwadron österreichischer Husaren ins Städtchen einrückte. Man war einer weitverzweigten Verschwörung auf der Spur. Es gelang, eine heimliche Zusammenkunft der Carbonari zu überrumpeln, diefe setzten sich verzweifelt zur Wehr. Ein förmliches Gefecht entspann sich. Angstvoll lauschten die beiden Mädchen allein in ihrem Häuschen dem heftigen Schießen, der Vater war in die Stadt geeilt, seines Amtes zu walten, der Geliebte fern. Noch'sprachen sie von diefem, als er erschien, von Pulver verbrannt, mit mehreren leichten Wunden bedeckt. Offen bekannte er nun, daß er, obwohl Deutscher und Edelmann, doch ein Kämpfer der z?rsiöeitssache. ein geheimer Emissär Garibaldis sei. Er mußte fluch teil. Born.' das heißt mein Großvater, "bex inzwischen nachgekommen, gab ihm, um der früheren. Liebe willen,"'Mi Stunden Zeit dazu, sagte sich und die Seinen aber für ewig von ihm los. Jener benutzte die ihm gestellte Frist und Charlotte begleitete ihn; sie ging lieber in Elend und Tod, als daß sie -ouf ihn verzichtet. Er war ein Mann, der wie Wenige Gewalt über Menschenherzen und besonders über Frauen besaß. Ich habe ihn oft mit dem gleich glänzend und abenteuerlich veranlagten Fürsten Felix Lichnowsky vergleichen hören. M!t Mühe und unter tausend Gefahren erreichten die Flüchtlinge italienischcs Gebiet.' In einem kleinen Grenzdorfe ließen sie sich trauen es nar am 4. Juni 1853 und erst jetzt erfuhr Charlotte Voi den wahrenNainen und Stand ihrrs nunmehrigen Gatten. Er lautet''--
ras Wolf von Wildenhof fiel ' Brunhilde ruhig ein. Jch habe es er-
wartet; ete können aus dem Munde seiner Zeitgenossen ein Dutzend ähnk eher Abenteuer dieses entarteten Sprosses der Wlldenhofs entnehmen... ein Mann, der sein glänzendes Genie in ei-. nem wüsten, ezcntrischen Lebenswandel selbst erniedrigte, sein Wappen schandete durch das Fraternisiren mit dem Pöbel." Sie sprechen von meinem Vater, Gräfin!" rief Auras, und zum ersten Male verloren feine Stimme und Züge ihre eiserne Ruhe. Ich spreche von dem Bruder meines Vaters und wiederhole nur das allgemeine Urtheil über ihn." Das heißt, das Urtheil seiner Stan. desgenossen, welche es nicht verzeihen konnten, daß einer der ihren, der Träger einer Grafenkrone, . für Recht und Freiheit gegen Mittelalterliche Vorurtheile ankämpfte. Er war ein Ehrenmann, freilich nicht von dem Holze, aus dem man elegante Lieutenants und dienstfertige Kammerherren schnitzt . . . Gestatten Sie, daß ich fortfahre. Durch ihroSchwester erfuhr meineMutter, daß ihr Vater sie verstoßen; um so fester schloß sie sich an den Gatten an. Im folgenden Jahre brach der Krieg aus, mein Vater war eines seine: ersten Opfer. Meme Mutter meldete seinen Tod seinen und ihren Verwandten. Die ersteren waren zi,erst zur Stelle. Gerade am Tage vor der Schlacht beiMagenta kam ein Herr, ein vornehmer Herr aus Deutschland, an und hatte eine heftige Unterredung mit ihr, von der leider die nur des Italienischen mächtigen' Wirthsleute nichts verstanden. Am Morgen darauf, am Jahrestage der Vermählung, wurde ich gebo-" ren, am Abend war meine Mutter eine Leicbe. Der fremde Herr besorgte die Beerdigung in enifachster Weise, bat die'freundlichen Wirthsleute, sich meiner anzunehmen, bis er mich, jedenfalls nicht vor Ablauf einer Woche, abholen werde, und reiste ab. Er kam nie wieder und mit ihm waren sämmtliche Papiere meinerMutter verschwunden, auch ihr Trauschein." Gräfin Brunhilde nickte spöttisch. Ich habe das erwartet und weiter?" Mein Großvater war den Soldatentod für seinei Kaiser gestorben, Tante Thersia erzog mich unter dem Namen Born. Sie. kannte den Namen meines Vaters, sie wußte, daß er der rechtmäßige Gatte meiner Mutter geWesen, und wandte sich mehr als einmal an seine Verwandten. Zu schüchtern und furchtsam, um energisch aufzutieten oder gar die Hilfe des Gerichtes in Anspruch zu nehmen, versäumte sie die günstigste Zeit. Jahre vergingen, Graf Wolf von Wildenhof wurde von seinen Freunden, die ihr vielleicht zur Seite gestanden hätten, vergessen; sie starb endlich ich stand allein, hilf- und freundlos.. Wenige Stunden vor ihrem Absckzeiden hatte sie mir die Geschichte meiner Eltern erzählt, mich ermahnt, mein Recht zu erkämpfen. Ich suchte die Stadt auf, in der der einzigeVerwandie meines Vaters, sein Erbe, lebte. Man Wies mich in einen Palast, in einZjmmer, wie es der in biterster Armuth aufgewachsene Jüngling nicht in seinen kühnsten Träumen gesehen. Als ich meine Geschichte erzählt, bot mir der Mann, der meines Vaters leiblicher Bruder gewesen, eine Hand voll Thaler. Ich verlangte nur mein Recht, meinen Namen er überhäufte mich, meine Eltern mit den niedrigsten Schmähungen, die ich nicht wiederholen kann, obwohl sie fester irt mein Herz gegraben sind als in Granit. Finden Sie es unnatürlich, daß ein tödtlicher, unversöhnlicher Haß in mir emporwuchs, als ich wie ein Verbrecher aus demHause getrieben wurde, welches von Rechts wegen mein Erbe war?" So daß Sie es für nöthiA empfänden, ein mitleidiges, schwachesKind zu mißhandeln," sprach die Gräfin scharf. Jenes Kind war ich." Zum ersten Male gerieth Auras in Verlegenheit. Er erröthete und schlug ein Blick zu Boden. Ich habe es tausendfach bereut." sagte er leise. Ich war ein Knabe damals und auf das furchtbarste gereizt und beleidigt worden . . . Wie ein Zusall mich mit dem .Professor Auras zusammenführte, ewem Freunde meines Vaters, wie dieser sich meiner natürlich annahm, mir sogar seinen Namen gab, gehört nicht hierher. Nur erwähnen will ich noch, daß alle meine Versuche, mein Recht zu beweisen, fehlschlugen. Das kleine italienische Grenzdorf war im Kriege verwüstet worden, die Kirchenbücher verbrannt, der Priester verschollen . . . Was gilt der Einzelne, wo ganze Völker im -Elend bluten? Endlich gab ich es auf; der Mann, der an meiner MutterSterbebett gestanden, hatte wahrlich kein halbes Werk gethan. .Das erschlichene Erbe brachte wenig Segen. Es wurde verwüstet, in alle Winde zerstreut und der stolze Name Wiloenhos, den man mir geraubt, ein Gespött der Geldleiher. Ich bin kein Aristokrat und doch sraß'es mir am Hcrzen. Deshalb kam ich hierher, deshalb arbeitete ich rastlos, mehr als ich es selbst für mich gethan haben würde. Nie mehr habe ich gehisst, hier Herr zu sein, wie ich es sein müßte, ich lasse Ihnen Wildenhof ohne jeden weiteren Kampf und gehe als Wolf Auras willig aus meinem Erbe . . . mein Wort darauf. Ich bin zu Ende!" Mit einer Verbeugung schritt er der Thür zu. Ein scharfer Ruf der Gräfin hielt ihn zurück. ' Jener Mann, von welchem .Sie sprachen, war er mein Vater?" , Dieser oder, oder wie ich noch mehr vermuthe, Herr von Ruwer." , Wie von einem Backenstreich getrofsen,,wich sie , zurück; ihre Augen funselten stahlscharf aus dem erblaßten Gesicht hervor. .Mein Vater ein Dieb, ein Fälsckier
. . . Sie beschimpfen einen Todten, mich selbst, mein Herr. Jener Schein hat nie ezistirt." Sie beschimpfen zwei Todte," gab Auras gelassen zurück. Der Schein hat existirt, die Trauung hat stattgefunden, Gräfin WildenhoZ, ich wünsche Ihnen, Sie möchten unter diesem Dache, das Sie das Ihre nennen, stets so ruhig schlafen, als ich unter demje nigen, das ich mir zu erwerben wissen werde; ich wünsche Ihnen dasselbe unerschütterliche und untrügbare Vertrauen zu den Ihren, das ich ewig für meine todten Eltern hegen werde; ich wünsche Ihnen das Bewußtsein des Rechtes und dis Gewissensruhe, welch mich durchdringen." Damit ging er. Auf Brunhildes Lippen schwebte ein zorniger, empörter Ausruf: Lügner, Verleumder!" ... sie brachte ihn nicht hervor. Erst die beschwichtigenden Worte Viktors, der den Direktor sich entfernen gehört, riefen sie zum Bewußtsein zurück. X. Späte? als sonst ritt Viktor davon. In der Allee, die nach der Chaussee führte, glaubte er eme menschliche Gestatt fest angedrückt an einen der starken Baumstämme zu bemerken. Unwillkürlich lockerte er den Säbel in der Scheide . . . sein aufmerksam lauschendes Ohr vernahm ein leises Rauschen gleich dem eines Frauengewandes. Unbesorgt, über sein Erschrecken lächelnd, wollte er. werter . . . eine Magd, die auf ihren Liebsten wartet!" .... er täuschte sich, es war Betty. Sein Herz hätte es ihm sagen können. Er dachte, viel, fast allein an sie. Seine Ernüchterung war nichts weniger als angenehm. Vergebens sagte er sich, daß' neunzig Männer unter hundert gleich ihm gehandelt haben würden, daß er absichtslos überrumpelt worden sei die Thatsache seiner Treulosigkeit blieb nichtsdestoweniger unverändert. Treulos und falsch gegen Beide . . . Und welche von ihnen liebte er wahrhaft? Er wußte selbst nicht, sie waren gleich schön, gleich begehrenswerth, liebten ihn mit derselden Leidenschaft! War es denn möglich, sein Herz zweimal zu verschenken? . . . Es mußte wohl so sein, denn es bauchte ihm ebenso unmöglich, auf die eine zu verzichten, als auf die andere. Leider durfte er nicht darauf rechnen, die Rolle eines Grafen von Gleichen spielen zu können, und seufzte, mit. einer klassischen Reminiscenz: Eine Gunst ist die Nothwendigkeit!" Das gewöhnliche Hilfsmittel unentschlossener Naturen, blieb auch das seine: das Abwarten eines äußeren Zwanges. Nachdem er, zu Hause angelangt, ein halbes Dutzend Vriefanfänge an Betty wieder zerrissen hatte, pcus er das ganze Schreibzeug bei Seite und brummte: Es geht wahrhaftig nicht! Der Esel Buridans war gegen mich in einer beneidenswerthen Lage.' Schreibe ich, meine Liebe sei erloschen, so lüge ich; schreibe ich Brunhilde, ich habe mich in meiner Neigung für sie getäuscht, so lüge ich nicht minder . . . Hol's der Henker, ich schreibe gar nich?. Die Zeit wird es wohl lehren, welche der Beiden für mich bestimmt ist. Ewig kann doch diese verteufelt pikante Situation nicht dauern." Mit diesem billigen Troste legte er sich zu Bett, um in. einem echten Lieutenantsschlaf allen Zwiespalt des Herzens und Gewissens zu vergessen. Diese sorglose Zuversicht auf sein Glück täuschte ihn nicht ... am endern Vormittage stürzte er mit dem Pferde und trug eine Fußverrenkung davon. Der Stabsarzt sprach von einigen Wochen Schonung und Zimmerarrest. Viktor fluchte über diese Niederträchtigkeit, die ihm zu keiner ungelegeneren Zeit hätte begegnen können" innerlich beglückwünschte er sich zu dem kleinen Unfall, der ihn vorläufig der Besuche in Wildenhos enthob und damit zugleich die nothwendige Entscheidung hitiausschob. Dann folgte das Mannöver und dann nun irgend etwas würde schon geschehen, seinen Zweifeln ein Ende zu machen. Mochte das Schicksal selbst über ihn und seine Liebe entscheiden! Ist das Leben denn mehr als ein Spiel, in dem Fortuna in wetterwendischer Laune blind die Trümpfe vertheilt? - Er kritzelte ein Briefchen an BrunHilde die Meldung seines Unfalles, zärtliches Bedauern des dadurch hinausgeschobenen Wiedersehens, die Bitte, seiner nicht zu vergessen und dann fast das gleiche an Betty. Damit. hatte der Leichtlebige "seinem Gewissen völlig Genüge gethan. Brunhilde empfing den Brief zugleich mit dem Besuche des KammerHerrn. Ihre Besorgniß und Verschämtheit deutete dem vielerfahrenen Weltmanne das Geschehene an. Klugerweise enthielt er sich jeder Frage oder Bemerkung darüber. Ein hingeworfenes Wort lenkte das Gespräch aus Auras. Brunhilde berichtete ihre letzte Unterredung mit ihm. allerdings mit Hinweglassung jeden persönlichen Antheiles. Der Kammerherr hörte ihr scheinbar sehr gleichgiltig zu, während er, ihr den Rücken zuwendend, am Fenster stand. Erst als sie des Direktors Abschiedsgesuch erwähnte, drehte - er mit einer jähen Bewegung sein farbloses Antlitz herum. , Er geht fort?" rief er - erstaunt. Das hätte ich kaum erwartet! !Jst es Zartgefühl, Trotz oder die Einsicht, seinen Zweck verfehlt zu haben? . . . Das letztere glaube ich fast. Bedaure es nicht, wenn ich auch, um gerecht zu fein, gern zugebe, daß Wildenhof ihm viel verdankt. Freilich er glaubte für sich felbst zu arbeiten." Onkel Edmund," sprach Brunhilde zögernd, er warf auf Dich und meinen Vater einen Verdacht, töi ich nicht zum zweiten Male nachsvrnbcn mar
Wiederhole e5 mir, daß er gelogen, daß er keinen rechtlichen Anspruch aus Wildenhof hat, daß mein Vater ' nur
seine Pflicht that, alS er ihn abwies!" Der Kammerherr kniff die dünnen Lippen zusammen. Ich sagte Dir bereits, dan von einem Recht nicht die Rede sein kann. Graf Wolf war nie vermählt, Dein Vater hat sich selbst davon' überzeugt." Er war der Herr, 'per Ja, und er brachte mir die Versicherung zurück, daß jene Person, das heißt Auras' Mutter, einer Menschenklaffe angehorte, mit welcher Du Hoffentlich nie in Berührung kommen wirst. Denke nicht weiter darüber nach; es ist nicht gut, im Schlamme menschlicher und besonders weiblicher Verworfenheit zu wühlen!" Und dennoch bleibt er mein Verwandte?," bemerkte Brunhilde nachdenklich. Der Kammerherr zuckte d:e Achseln. Hm, wer weiß!! ... laß Dir daran genügen, daß wir. Dein Vater und ich, gewichtige Gründe hatten, selbst diese Verwandtschaft zu bezweifeln. Der Mann muß'Dir stets mehr als em Fremder sein, so lange Du an Deines Vaters und des Namens Wildenhof Ehre glaubst und festhältst." Errathend hatte sich Brunhilde abgewandt. Während der schlaflosen Nacht rm m m 4 war ue zu oem lim qiub gekommen. Auras eine angemessne Abfindung zu bieten, sobald sie in den unbeschränkten Besitz ihres Vermögens gelangt sein werde... nun, nach kälterer Ueberlegung, nach Onkel Edmunds Andeutunaen mußte sie davon abstehen. Es gab kein Band mehr, welches sie mit jenem Manne verknüpfte. Sie wollte ihn vergessen wie em haßliches Traumbild . . . Nur leider, daß auch hier das Können hinter demWollen zuruckbueb! Stille Tage folgten den stürmischen. Frau von Leist überfiel jeden, der ahnungskos sich ihr näherte, mit mystischen Prophezeiunqen, in denen die auf die Gotttosen lauerndeRache die Hauptrolle spielte.' Im, abendlichen Dunkel schlupfte Betty einmal ins Schloß, um wenigstens von dem Geliebten sprechen zu können, da Brunhilde durch den Kammerherrn' fast täglich Nachricht von seinem Befinden empfing. Gegenseitig Gleichgültigkeit heuchelnd, suchte eine Jede kleine Mängel an ihm zu entdecken, innerlich stolz und hochbeglückt, da die Andere mit Eifer widersprach und den scheinbaren Fehler ins rechte Licht setzend, denselben als glänzenden Vorzug darzustellen wußte ein harmloses Spiel, das erst endete, als durch Zufall Auras Name fiel. Brunhilde warf den Kopf zurück. Ihr Herr Bruder" ... sie unterdrückte den nichts weniger als schmeichelhaften Nachsatz, der ihr bereits auf den Lippen schwebte. Begreifen Sie ihn?" klagle Betty. Ich weiß nicht, welcher böse Geist in ihn gefahren. Durch freundlicheGesprächigkeit hat er mich nie verwöhnt; jetzt gar geht er umher wie ein Stummer, beantwortet alle meine Fragen undBitten meist nur durch Blicke, in welchen eine ganzeWelt vonZorn liegt. Ich muß mich zur Abreise rüsten, ohne daß ich weiß warum und wohin!" Um Jhretwilleii, liebe Betty, bedaure ich es," sagte Gräfin Brunhilde freundlich. Ihnen werde ich ein freundliches Gedenken bewahren . . . DerHerr Direktor hat sich über den Grund seines Fortganges also nicht ausgesprochen?" Ebenso wenig wie über seine Zu kunftspläne. Ich weiß nur, daß ein Herr vomGericht hier war, um ihn zum Bleiben zu bewegen, wenn auch mit erhöhtem Gehalt. Er hat es abgewiesen und fährt jetzt fast täglich zur Stadt. Auch heute," Betty unterbrach sich und sah erschreckt nach der Uhr so spät bereits? Er muß zurückkommen und darf mich hier nicht vermuthen." Leichtfüßig huschte sie davon. Wider BrunhildesWillen hafteten ihre Gedanken noch immer bei Auras. Es wäre ihr ein unverzeihlicher, ja überhaupt undenkbarer Frevel gewesen, an der tadellos ehrenhaften Handlungsweise, ihres Vaters oder dem Ehrenwort OnkelLdmunds zu zweifeln. Wie im ersten jäh emporwallenden Zorn verurtheilte sie Auras auch jetzt, doch ihr Zorn undAbscheu that ihr selbst im tiefsten Herzen weh. Wie sie zu Ruwer gesagt: sie hatte eine andere Welt geahnt, nun lag das Ideal zertrümmert und besudelt zu ih? ren Füßen! Sie würde es leichter verwunden haben, wäre ihr nicht auchViktor fern geblieben. Von ihm. sprach außer Frau von Leist, deren frömmeln-der-Ton ihr stets Widerwillen erregte. Niemand, von Auras Jedermann. Die Mägde und Knechte, die Feldarbeiter und Holzfäller, die Frauen und Bauern im Dorfe sie a3e bedauerten sein Fortgehen, riethen ihr, ihn um jeden Preis festzuhalten ... von allen Lippen klang ihr sein Lob entgegen, die Anerkennung seiner tadellosen Pflicht ireue, Ehrenhaftigkeit und Güte, das schmerzliche Bedauern seines Scheidens. Q3 konnte ste nicht umstimmen, doch mischte sich allmählich in ihren Groll ein gewisser Anflug von Mitleid . . . warum war all diesen unstreitigen 23ot zügen, welche ihr Gerechtigkeitsgefühl anerkennen mußte, nicht ein gleich makelloser Charakter betgesellt? ' Eines Tages empfing sie von Seitm des Vormundschaftsgerichtes die Mit theilung, daß an Stelle des Oberforsters und Privatdocenten Wolf Auras. der dringend um seist sofortige Entlassung gebeten habe, der Amtsrath Rudolf von Seblitz zum Generaldirektör der unter Sequestration stehenden Fideicommißherrschaft Wildenhof ernannt worden sei. Bereits am folgenden Tage fand die Uebergabe statt. AusVeranlassung des Kammerherrn, der herübergekommen war.. lud Brunhilde die
Herren zum GabelfrühstJS. Nur die Vertreter der Behörde und der Amtsrath erschienen, letzterer ein ältlicher, ziemlich unbeholfener Mann, von vierschrötigem Gliederbau, ein Krautjunker vom Wirbel bis zur Fußsohle, der den beiden Verwandten gleich mißsiel. Wie es scheint, hat man den ersten besten angenommen," murmelte Ruwer verdrießlich. Er wurde auch während des Frühstücks nicht heiterer. Die Herren vom Gericht sprachen offen ihreVerwunderung und Bedauern über Auras Fortgehen aus, der Amtsrath lachte im rauhen Baß: Die Wirthschaft ist, in Ordnung, wie ich noch keine gesehen. daS muß ihm der Neid lassen, sonst aber ein recht sonderbarer Heiliger, dieser Monsieur Auras! Kneift hier aus. wo er wie ein Graf, so selbstständig wie der Besitzer, aber ohne dessen Sorgen leben kann. Werden das bei mir nicht erleben, gnädigste Gräfin, besonders so lange Sie diesen Niersteiner führen. Zu 'diesem lade ich mich schon im Voraus öfter zu Gaste . . alle Wetter, ein Wundertrank!" Mit der Zung6 schnalzend, leerte er sein Glas und fuhr unter behaglichem Schmatzen fort: Uebrigens hat er. das heißt Auras, gestern Liebenselbe gekauft. Ich hörte es heute früh vom Justizrath Keil, der den Kauf dermittelt." Herr, von Ruwer erblaßte. Liebenselbe lag in unmittelbarer Nähe, schob sich wie eine Zunge in die Wildenhos'schen Besitzungen ein. Ei, ei, also Liebenfelde," sagte der behäbige Gerichtsrath. Wie schade, daß dieser Mann nicht in den Staatsdienst zurückkehrt! Ein musterhafter Beamter, Sie verlieren viel an ihm, Gräfin .... Er würde eine brillante Carriere gemacht haben, der Regierung stehen nicht viele ähnliche Arbeitskräfte zur Verfügung." . Zur Uebernahme von Liebenfelde gehört doch ein nicht ganz unbedeutendes Vermögen?" warf Ruwer in maliiios fragendem Tone ein. So viel ich weiß, besitzt AurasVer-
mögen, wenigstens hat er damals bei seinem Amtsantritt eine Baarcaution von dreißigtausend Mark hinterlegt," antwortete ver Naty nzoylwolleno. Uebrigens kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß ihm Jedermann auf zehn Meilen im Umkreise auf sein bloßes Wort so viel vorschießen würde, als er nur verlangt. Ich selbst ohne Weiteres, Auras ist mir sicherer, als die englische Bank. Ein Mann wie Gold; nun. Sie kennen ihn ja, Herr Kämmerherr! DerKammerherr kniff die Lippen zusammen, zupfte an seinem Halsorden und räuspzrte sich. Die Gäste brachen auf. Unausstehliche Narren, die sich von einer tugendhaften Bureaukratenmiene dupiren lassen!" grollte Ruwer ihnen nach, zu Brunhilde tretend. Ich hoffe, mein Kind, Du läßt Dich davon nicht zum zweitenmale täuschen." , Ich vertraue Dir und der Ehre meines Vaters," gab sie zurück, aber ihr suchendes.Auge vermochte dem Blick des Oheims nicht zu begegnen; er haftete wie erstarrt auf den Spitzen der seinen Lackschuhe. Und, daß Auras in unserer unmittelbaren Nähe bleibt " Ist mir völlig gleichgiltig ... ein Fremder, welchem ich keineriei Beachtung schenke!" . Ruwer athmete auf und begann von Viktor zu spreazen. Am folgenden Tage herrschte ein reges Leben. Fremde Gespanne holten Möbel und sonstigen.Hausrath ab. Und wieder einen Tag spater rüsteten sich die Gutsleute zur Abschiedsfeier. BrunHilde schlich, sich selbst mit weiblicher Neugier entschuldigend, an den Parkzaun, von wo sie, ohne gesehen zu werden, einen freien Blick über den Wirthfchaftshos hatte. Da standen sie alle im Feiertagsgewande, die kräftigen, arbeitsharten Gestalten, feierlichen Ernst und Wehmuth auf den Gesichtern, die Männer mit abgezogenen Mützen, die Frauen mit Blumen, und unter "der Glocke Auras selbst, die kräftige Gepalt hoch emporgerichtet, das Haupt unbedeckt. Ein Sonnenstrahl spielte aus seinem wie aus Bronze gegossenen Antlitz und milderte die energischen Züge, weithin klang die volle, tiefe Stimme: und wenn Einer von Euch mich hart gescholten, ich nehme den Vorwurf gern hin. Ich habe kein Mitleid mit Schwäche,' Falschheit und Unrecht; diese habe ich stets als meine und er ganzen Menschheit ärgste Feinde betrachtet und verfolgt. Wohl mir, daß ich sie hier auszurotten vermocht! Nun ich scheide, wenn auch freiwillig, so doch schwereren und betrübteren Herzens, als Eines von Euch ahnen kann, gehe ich mit dem stärkenden Bewußtsein, daß ich die Liebe zur rechtschaffenen Arbeit, dasBewußtsein dessen, was Eure Pflicht ist. in Euch zurück lasse, daß diese Saat, die ich in Euren Herzen geweckt, köstliche Frucht treiben wird zu Eurem Wohl und Eurer Ehre, deirn es gibt nur die eine Ehre, das einzige Wohl: Zu thun, was dasRecht gebietet. So danke ich Euch allen für das Vertrauen und die Liebe, die Ihr mir geschenkt; ich werde sie nie vergessen, keine Königskrone wäre mir ein kostkcheres Geschenk, als diese freiwilliae Gabe Eurer Herzen. Dienet auch fernerhin Eurer Hlrrschaft treu, wie Ihr unter meiner Leitung gedient! Gedenket meiner, suchet mich auf, sofern Ihr einer Hisse bedürft, nehmt nochmals den Dank meines tiefsten Herzens' für Eure Anhänglichkeit lebt Alle. Alle wohl!" Ein gebückter Mann trat vor, . das Haupt von silberweißem Haar .geschmückt. Brunhilde kannte ihn; es war der Schäser. der älteste der Diensileute. Herr Direktor," hob x on; schon stockte er in seiner, wie es schien.tiorbereiteten, Rede. ' und 'da er den Faden nicht wieder fand, 'stieß er im Tone tieZster B:weguno..hervor: Saaen kann
ich's nicht, was für ein Trauertag daS heute für uns ist, aber im Herzen thut es uns Allen bitter weh, wie wenn ein Bruder oder Vater davon inge. Das sind Sie uns ja gewefen. kein Herr . . . wollte Gott, Sie wären unse? Herr oder Sie könnten bleiben. Muß es denn sein, das Fortgehen?" Es muß. alter Freund!". Auras Stimme klanq noch tiefer als vorher.
von einem leisen Zittern bewegt. Der I leuchtende Strahl seines Auges erlosch; i em Zug tiefster Bitterkeit flog um die bärtigen Lippen. Da schwenkte Lehmann seine Mütze und schrie: Unser lieber, guter Herr Direktor soll leben hoch und abermals hoch und zum drittenmale jetzt und sein ganzes gesegnetes Leben lang hoch!" Brausend fielen die Anderen im Chor ein, die Dorfmusikanten bliefen einen Tusch, die Männer drängten sich um Auras, seine Hand zu schütteln, die Frauen und Mädchen warfen ihm die mit ihren Thränen bethauten Blumen zu . . . Und Gräfin BrunHilde floh, im allgemeinen Aufruhr ungesehen, dem Schlosse' zu. War es Neid, war es Haß, war es ein anderes Empfinden? ... sie wußte es nicht,' sie fühlte nur ein schmerzliches Zucken, als sci sie soeben im tiessten Herzen verwundet worden. . , XL Müden Schnittes ging Betty AuraZ in dem kleinen Garten umher, der das schlichte Herrenhaus von Liebenfelde wie ein etwas dürstig ausgefallener Kranz umrahmte. Sie war schlanker und bleicher geworden in den wenigen Wochen. Das Leid der Liebe lastete aus ihr. Seit der kurzen Benachrichtigung von seinem Unfall hatte Viktor nicht mehr geschrieben; seit sieWildenhof verlassen, war sie selbst des kargen Trostes beraubt, von ihm sprechen zu können. So war ihr Trotz allgemach einer weichen, brennenden Sehnsucht gewichen.. gestern hatte sie an Viktor geschrieben, einen zusammenhangslosen Brief voll hestigerAnklagen und noch leidenschaftlicherer Liebesbetheuerungen und Bitten. Nun erwartete sie in schmerzvoller Unruhe seine Antwort. Ein Reiter tauchte auf der Straße auf, ein Jubelruf entflog ihren Lippen, der in einem verzagenden Seufzer endete. Das war nicht Viktors eleganter Fuchs, nicht seine Uniform. Sie setzte sich in die Laube und stützte den dunkellockigen Kopf in die Hand, in trübes Sinnen sich .verlierend, so daß sie nur wie traumhaft das Heransprengen des Reiters vernahm. Erst ein Fußtritt in unmittelbarer Nähe und der freundliche Gruß einer Männerstimme schreckten sie auf. ' Würzburg stand vor ihr. Lässig warf er den Hut auf denTisch und setzte sich neben sie. Sie erlauben wohl, FräuleinBetty? Ich möchte, ehe ich zu Wolf hineingehe, mich nach Ihrem Befinden erkundigen. Sie fühlen sich nicht glücklich hier. fürchte ich." Was bringt Sie zu dieser Voraus setzung?" gab Betty gereiztenTones zu rück. Liebenfelde liegt so abgelegen, es mangelt Ihnen jeder Verkehr." Was ich vielleicht als einen Vorzug empfinde." . Ich wollte, Sie sprächen das aus innerster Ueberzeugung heraus, doch kanü ich das, wenn Sie mir auch zürnen, nicht glauben .... Oder sind dem Adler bereits die kaum flüggenSchwingen beschnitten? Hat er eingesehen, daß das Glück im beschränkten, behaglichen Nestcken und nicht auf unzugänglich schroffer Höhe wohnt?" Der vorwurfsvolle Ernst, der leise in der sckierzenden Anspielung durchklang, trieb Bctty das Blut in die Wangen. Noch heftigeren Tones antwortete" sie: Vielleicht 'ist dem Adler der rechteTag noch nicht gekommen, seine Kraft zu erproben. Sie wird ihn emportragen, gemiß: und wenn nicht lieber zerschmettert in grausiger, unzugänglicher Tiefe, als lebenslang an kurzer Kette in den engen Käfig gespannt." Es gibt auch goldene Käsige, denen man ihre Bestimmung kaum ansieht, und sie sollen die engsten, die martervollsten sein." Betty schwieg. Der Oberförster zeichnete mit der Spitze 'feiner Reitgerte Schnörkel in den Sand. Endlich begann er, ohi aufzusehen, wieder in seinem gewohnten leichten Tone: Auch das Vergnügen meiner Gegenwart wird Wildenhof am längsten genossen haben. Meine Herren Vordermänner haben endlich eingesehen, daß ich nachgerade genug Geduld entwickelt habe. In nächster Zeit erwarte ich meine Zurückberufung in den Staatsdienst, da die Regierung nun wohl begreift, daß sie ohne mich rettungslos zu Grunde geht. Zur Aufrechterhaltung des europäisciMi Gleichgewichtes werde ich also demnächst in die vacante Obersörsterstelle zu Rothenburg einrücken . . . eiae hübscheMtt telstadt in reizender Gebirgsgegend, ein kleines Pensionopolis mit Garnison. Theater, Touristenverkehr und zehn taufend anderen Annehmlichkeiten. Mein Herz, was willst du noch mehr?- ' Ich wünsche Ihnen Glück dazu." sagte Betty einfach. . Jetzt blickte Würzburg empor. ' Lassen Sie diesen Wunsch Wahrheit sein." : sprach er mit tiefer Bewegung. .Sie wissen, was meinem Glück noch mangelt, was einzig .mein Glück ist. Verzichten. Sie auf die Phantome, nach denen Sie streben ... es wird Ihnen leichter sein, als Sie vermuthen lassen Sie sich genügen an meiner schlichten, innigen, treuen Liebe. dieSie wohl nicht auf die glänzende Hohe des Lebens, . doch zu wahrer Befriedigung, führen wird. Auch Sie findn darin ein dauernderes, schöneres Glück, verstoßen Sie es nicht, ich bitte Sie um Ihrer selbst willen. Lassen Sie mir zum Mindesten eine Hoffnung!'' liortsekuna kolat
DaA F?ayussteyen.
Zu jeder Frühlings, und Badekl gehört das Frühausstehen in erster Linie ; daö Beste aber ist. Jeder ge. wöhnt sich an dasselbe besonders in der; jchigen Zeit des Eprossens und Blü thens in der Natur. Am frühen Mo? gen feierte sie jeden Tag ihre Aufer stehung zum Leben von Neuem. Der Morgen gleicht der Jugendfrische, während Abends durch die Sonnenwärme die Vegetation abgemattet erscheint. Zu keiner Zeit duftet Garten, Wiese und Wald so angenehm' wie des Mor qens bei der Erqui.iung durch den Thau. Tie Luft stärkt und erfrischt morgens am'meisten, so daß Hauptfach lich der muntere Vogelchor überströmt von Lebenslust und der wahre Natur freund nicht begreift, wie andere Men schen gerade die schönste Zeit des TageS im verweichlichenden Bette und engen Schlafstuben mit schlechter Luft verbringen können.Auf den Menschen ist der Cinflußi der Morgenluft ebenso stärkend, und tx frischend wie auf die ganze Natur, und zwar sowohl auf Körper, wie auf Geist, weshalb besonders in früher Zeiten Frühauistehen als Grundbedin gung zur Erhaltung der Gesundheit galt. Natürlich gehört dazu auch' Zeitigschlafengehen. Die wohlthätige Einrichtung davon hat jedenfalls auch, einen tieferen innerlichen Grund: die! Volksanschauung ist aus der Erfah rung entstanden, und die Beobachtung an sich selbst ist der beste Arzt. Das Natürlichste ist stets das Richtige; am besten würde es sein, wie bei den Land leuten viel gebräuchlich, man ginge mit der Sonne schlafen und stünde mit ihr. auf' wie die Vögel, die auch verhält nißmäßig das höchste Alter erreichen. Die Sonne am Himmel stört alle! Schlaf. Bezeichnend hierüber ist, wie sich der Reisende Bayard Taylor über den. Mangel der Nacht im hohen Norden! zur Sommerszeit ausdrückt. Er sagt: Jch bin dieses nie endenden Tage lichtes herzlich müde. Wir werden durch den Verlust der Nacht gonz ver wirrt und verlieren die Wahrnehmung der Zeit. Man ist nie schläfrig, nur müde und nach einem Schlafe bei Sonnenschein erwacht man abgcspann ter, als man es vorher war." Die Wahrnehmung kann auch Jeder bet uns machen. 'Wer in den Tag hinein schläft, steht abgespannt auf, natürlich, wenn er nicht etwa die Ncht gewacht, hat. Der VormitternachtSschlaf ist der beste,- sagt eine Redensart aus der Erfahrung entstanden, und Erfahrung macht tlug. So gut, wie es auf Er den keine absolute Finsterniß gibt, hört auch der Einfluß der Sonne nicht voll ständig auf, und der der untergehenden ist'ein anderer, wie der der aufsteigen den. das lehrt die genaue Beobachtung des Pulses und daSErwachen des Früh lingstriebeS bei den Thieren nach der Sonnenwende, trotz der größten Kälte. Mit der Erfrischung des Leibes geht ö'e des Geistes ad in Hand, sie schafft Arbeitslust und Arbeitskraft leiblich und geistig, und ist in richtiger Folge eine Grundbedingung von le sunöheit und Wohlstand, was in Lolkssprichmörtcrn zum Ausdruck kommt. Zeitig in'S Bett und zeitig hinaüZ. bringt Gestndheit, Reichthum und Wei-Heit in'S HauS". Morgen stunde' hat Gold im Munde- birqt! darum eine Wahrheit in sich. Vieln wird allerdings mit diesem Sprichwort vergebens gepredigt, und das. sind be sonders Diejenigen, welche Genuß im Studium finden und denen hierzu die Abend und ersten Nachtstunden als die geeignetsten dünken. Das zu Rü'te gehende Geräusch des TageS. die Ru-.e der Nacht zeitigt allerdings eine größe-e Sammlung und Ruhe des Geistes während umgekehrt bei Vielen das d? ginnende Geräusch des TageS diese ammlung nicht aufkommen läßt. Redakteurs läge. Dle Leser deS Blattes, sie senden Die ersten Veilchen vom Rain; Den ersten Maikäfer in Händen Tritt mancher zur Thüre herein. Ich empfange mit frohen Blicken Raritäten, bald groß und bald klein. Mir den ersten Hasen zu schicken, . D a S fiel aber Keinem noch ein. M ißverstanden. Ein Leb rer behandelt -in der deutschen Stunoe die ehre vom Satze. Zur Wiederho lung läßt er gegen Schluß der Stunde einige Beispiele bilden. So kommt er auch an einen neu eingetretenen Kna ben, der lange Zeit bei einer Akrobs tentruppe gewesen ist. (Terselde schweigt. $ Nun. ich denke. Du wirst doch, leicht eineu Setz machen können, z. B. über den Tisch. Gewiß, sehr leicht! (springt hinüber!) Beruhigung. Tante: J$a, wenn die Herren Neffen Geld brauchen, dann denken ftc an die alten Tanten sonst nie! Neffe: Wie Unrecht thust. Du uns-1 Wärst Du nur AdendS bei uns auf der Kneipe, da hörtest Du nicht als : meine Tante, Deine Tante !" Die Beruh i gung. Frau A.: Tu bist i heute so aufgeregt. Paula. Frau B.: Kein Wunder, mein Arthur ist ja heute zum ersten Mal auf die Jagd gegangen. Frau A.: Beruhige Dich. Paula, er wird nicht gleich das erste Mal Jemanden tresjeu. Sein Lieblingscostüm. Junge Frau: Wir sind nun. sechs Wochen vcrheirathet, und ich habe alle meine Eostnme angehabt, sage mir aufrichtig, in welkem bade ich Dir am besten prallen? Er: Offen gestanden, in der Küchen schürze! . Wer. ein. Herz gestohlen zu haben glaubt, hat oft nur das eigenA verloren. Das traurigste V orrechtz ist das des Alters.
