Indiana Tribüne, Volume 16, Number 270, Indianapolis, Marion County, 18 June 1893 — Page 2
5r PlngsZbesuch. Es klingelte, und es mußte wohl eine kräftige männliche Hand sein, die das Läutwcrk in Bewegung -gesetzt hatte, denn es wollte eine geraume Zeit nicht zur Ruhe kommen. Da ich allein zu Hause war. stürzte ich, mit der Rasirseife im Gesicht, hinaus, um zu Öffnen. Ein stuttlicher Husar stand vor mir und grüßte militärisch. Ich bitte." sagte er mit polnischem Accent,' ick) möchte Ihr Mädchen besuchen, was Heißt Anna und was ist meine Eou sine. Werde ich sie heirathen, wenn ich ausgedient habe, und wenn sie usgedient hat. Habe ich mich beur iauben lasten zu Pfingsten, um sie zu besuchen. Ich bitte nicht ungütig zu ,nehmen, bin ich ehrlicher Kerl." Der Husar machte in der That den Eindruck eines ehrlichen Burschen, nd da es mein Princip ist. dem Glücke meiner Dienstmädchen nicht im Wege zu stehen, nöthigte ich ihn mit seinem Handköfferchen' in die Küche nd sekte ihm, da er wohl nach der Reise einer Erquickung bedürfte, eine Flasche Bier und einen Bratenrest vor. den ich noch glücklich im kalte Spind" entdeckte. Während er sich unverdrossen zum Frühstück niederließ, gab ich ihm die -tröstliche Versicherung, daß Anna wohl bald aus der Markthalle zurücklehren würde, worauf ich mich zur Wiederaufnähme des unterbrochenen Rasirge schäfts in m:in Zimmer zurückzog. Ich war damit zu Ende, als mir das Cerf rien der Entreetyür verkündete, daß Anna von ihrem Geschäftsgang zurück gekehrt war. Ich wollte mir die Freude nicht versagen, Zeuge des Wiedersehens der Liebenden zu sein,, und warf durch die Thürspalte einen Blick in den halbdunklen Flur. Der Husar war aus der Küche greift und empfing die Ankommende mit einer stürmischen Umarmung, worauf einige veit hörbare Küsse folgten. Darauf trat eine kleine Pause em, die der Husar mit der Bemerkung beendetem Hätt' ich nicht gedacht, daß Du so ge wachsen wärst, Änna. Und bist so dick geworden, daß ich Dich nicht wieder erkenne. Ist sich eine sehr gute Ver Hflegnng hier bei Deiner Herrschaft.Aber ich bitte,- sagte Anna, die ihren Marltkorb aus den Boden gestellt hatte und picht ohne Wohlgefallen, aber doch mit großer Verwunderung zu dem Soldaten aufblickte, mit wem habe ich denn die Ehre?" Höh," sagte der Husar jekt auch im Tone des (Srstslii nens, sollte ich mich haben geirrt? Bist Du nicht meine Cousine Änna? Haft Tu mir doch geschrieben vor zwei Monaten, daß Du bist hier in Dienst. Hab' ich doch Briefchen Deinigtes mit der Adresse hicr. Ach," rief Anna schmerzlich enttäuscht, das war wohl die vorige ich bin ja erst vor drei Wo .chen zugezogen." O, 0," rief der Husar, so erklärt sich auch die große Umänderung, was mit Dir vorgegangen ist in dem einen Jahr. Aber wo ist denn nun meine Cousine Anna, was die richtige ist. aber viel kleiner als Du, nnd nicht so rund, nein, so rund." Ach, die ist ja in ihre Heimath zurück und heirathet einen Schneiderge sellen." 0, 0, ist in ihre Heimath zurück und heirathet inen Schneidergesellen? O. o! Und habe ich Urlaub genommen, um sie hier zu besuchen. Das ist sehr schlimm, und weiß ich nicht, was ich soll dazu sagen. War Herrchen Dei nigtes so freundlich und hat mir Früh stück vorgesetzt, und weiß ich jetzt nicht, ob ich essen und trinken foll " Ich machte den Gewissensbeklemmünzen des braven Polen ein Cnde.
indem ich aus dem Hintergrund her vSrtrat und ihn rjuchte, seine Mahl zeit ruhig zu beenden. Anna, die falsche" Cousine, schien dieser meiner Maßregel vollen Beifall zu zollen, denn t beeilte steh, den ruhstuckStisch noch etwas zierlicher zu ordnen. In welcher Weise die beiden jungen Leute sich dann unterhielten, weitz ich nicht, zeden falls aber sind sie nicht in Feindschaft oezchikden. denn als der Hujar nt sei nem Köfferchen abzog, bat er mich. seiner beinahigen" Cousine während seiner Urlaubszeit, die er ja nun doch einmal in Berlin zubringen müsse, noch einen Besuch machen zu dürfen. Haben Sie nichts zu fürchten," sagte er, mn is) em eqrncyer neri - Berl. Tagbl.) AlsSeitenftück zu der That fache, daß es in vielen Gasthäusern kein Zimmer No. 13 gibt, mag erwähnt sein: Bei der letzten amtlichen Besichti gung der Droschken in Heidelberg stellte s sich heraus, daß es dsrt keme Droschke mit .der verhängnißvollen Nummer $ibr, gegen die sieh jeder Fuhrmerksbe sitzer entschieden verwahrt. Auck ein Andenken. A.: Ich bin in fürchterlicher Verlegenheit. jzumpen Sie mir .doch zehn Mark." B.: Aber Sie haben doch einen Dia mantrina. versetzen Sie fcc-i doch!' A.: Das kann ich nicht, der Ring ist ein Andenken von meiner seligen Tante." B.: So? Na, mein Geld ist ein Andenken von 'meinem seligen Vater!" Aus der Schule. Lehrer : Also, liebes Lieschen, ich habe Cuch erzählt, dag der Herr die Blinden sehend, die Lahmen wieder gehend machte, was machte er nun mit. den Tauben ? Lieschcn (sich besinnend): Die Tauben (freudig) Die ließ er fliegen. Eiaensinnia. Als Mädchen war meine Frau herrlich, sag' ich Dir: in der Kleidung so eigen, in ihre Briefen so sinnig !" Und u als Deine Frau?" Beides zusam men!" In Sachsen. A.: Ich möcht Sie blos wissen, wodrum m r die d:cke - - Wittwe eechentlich 'n Gorb jegikn hat! 23.: Na. har'n Se, bei där ihrer Gor Hulenl !
vietn cz$t& Journaltstendedut.
Wir kamen von einer sehr ge müthlichcn Sitzung aus dem Deut schcn Schriftsteller Club und da eS erst zwei Uhr Morgens war, schlug ich vor, noch das Cafe Friedrichshof mit unserem Besuch zu beehren. Dieser Borschlag wurde mit Begeisterung an geirommen, namentlich von meinem Freunde,. dem jungen Gymnasiallehrer Heinrich, welcher seit drei Wochen die bildhübsche schwarzäugige Austetdame des Cafe Friedrichshof hoffnungslos liebt. Mein nreund Heinrich liebt schon seit Jahren hoffnungslos, nur pflegt er den Gegenstand seiner schmerz llchen Neigung alle drei Monate zu wechseln, mit der Regelmäßigkeit, mit welcher ein treuer Leser sein Abonne ment erneuert. Lärmend drang die literarische Horde in das aneaus em uno an oen schnell zusammengerückten runden Mar mortischen entwickelte sich alsbald eine philosophisch ästhetisch socialpolitische Unterhaltung, daß sich den anderen in der Näh: si'nenden Gästen die Haare sträubten und zwei der servirenden Kellner ängstlich den freundlichen Wirth fragten, ob es nicht gut wäre, für alle Zvälle die Polizei zu benachrichtlaen. Meine Herren !" rief plötzlich mein Freund Heinrich, nachdem er sich den Rest eines Knickebeins von seinem blonden Schnurrbart gewischt und der hübschen Büftetdame einen ersterbend-zart-liehen Blick zugeworfen hatte, wie Sie mich hier sehen, wäre ich um ein Haar in die Literatur hineingerathcn, ja, ich bin log? schon, wie Ihnen mein neben mir sitzendes airer bestätigen kann. zweiundeinehalbe Woche lang Publicist gewesen. O, ich werde es mein Lebtag nicht vergessen mein Jou allsten debüt in Neutomischel 1" In Neutomischel, Donnerwetter !" Hören Sie, das müssen Sie uns erzählen !" ertönte es von verschiedenen Selten, und mein Freund Heinrich ließ sich nicht 'lange bitten. Cr gab die folgende Geschichte zum Besten, die für die Corona, meine Wenigkeit ausge nommcn, den Neiz der Neuheit hatte: Das ist nun eine Reihe von Jahren her und ich drückte damals noch eine gymnasiale Schulbank ' in der Ober feecunda. Da mich die Mathemaiik gewaltig verdroß, meine Aufsätze aber Parabel waren, trug ich Mich schon seit einiger jcii mit dem Vedanlen, das Studium aufzugeben und mich der Presse zuzuwenden Dieser Gedanke reifte zum Entschluß, als ich in einer hiesigen Zeitung das folgende Inserat fand: Cin Fachblatt in einer f leinen Provmzstadt sucht einen Hussredacteur, der eine gewandte Feder führt, Volks wlrthzchastliche Kenntnisse iat, mit der Landwirthschaft vertraut ist, in der Politik, etwas Be cheid weiß, den Feuilletonstil beherrscht, womöglich In Haber eines Ordens ist und bescheidene Honoraransprüche macht.'" Ich beschloß sofort, mich zu melden. allerdings hatte ich noch keinen Orden, aber dafür machte ich die allerbefchei dcnsten Honoraransprüche. Ich schrieb sogleich unter der zir : Schluß angege denen Chiffre: Ich wäre nicht abgeneigt, meine Krast Ihrem Blatte zur U)eriügunq zu stellen. Die verlangten Eigenschaften besitze ich. Einen Orden habe ich allerdings noch nicht, doch halte ich es nicht für ausgeschlossen, daß ich im Lause der Zeit noch einen bekomme. Auch ist ein Onkel von mir Inhaber des Allgemeinen Ehrenzeichens!" Zwei Tage darauf erhielt ich aus Neutomischet einePostkarte des Inhalts: Km?lmen Sie und stellen Sie sich vor! Die Redaction der Hopsen - Blüthe", Or gan sur die Interessen des hopsen Handels und der Brauerei-Jndustrie."-Ich ging also am nächsten Morgen mit meinen beiden Frühstücksschrippen, dem Sallust und Herodot nicht nach der Obcrsecunda, sondern fuhr nach Neu tomischel. Als ich mich dem Verleger der Hop fen'Blüthe", einem reichen Bierbrauer, vorstellte, sagte er: Hm, so sehen Sie aus?" Ich erwiederte: Ja, so sehe ich auö!" Ich hätte Sie mir anders vorgestellt," fuhr er fort sind Sie schon gcimpst?" Ich bejahte und versicherte obendrein, daß ich auch alle Kinderkrankheiten bereits durchgemacht vattei Wie Sie sich denken können," sagte er weiter, vertritt unsere Zei tung, schon der Titel besagt es. haupj sächlich die Interessen des Hopfenhan dels und der Bierbrauerei. Daneben, sind wir auch Localblatt und haben eine, Unterhaltungsbeilage Das Gärt chen". In diesem Gärtchen haben wir bisher sämmtliche Erzählungen von Hans Hopfen uno die Noveletten von Gcrstäcker abgedruckt. Jetzt ist aber der orrath erschöpft und Sie werden na mcntlichdiesem Gärtchen" Jhre beson dere Aufmerksamkeit zuroeuocn müs sen." Ich werde eS täglich begießcn!" er widerte jch. Zuweilen können Sie auch passend gewählte Gedichte mit einschicken" belehrte er mich weiter aber natürlich nur von Klassikern, da wir Honorare nur in den seltensten Fällen und auch dann nur ungern zah len. Ich hoffe übrigens, daß Sie we nigstenS einige Kennnisse vorn Hopfen bauhaben." Zum Glück hatte ich mir vor der Reise nach Neutomischel den oetrenenden viniicl aus dem Eonver lationsicxiion auswendig gelernt, und ich erwiderte deshalb: Gewiß! Hopfen (Humulus lupulus). die einnae Art ihrer Gattung, welche in den ö'anfoe. wüchsen gezählt wird, eine zweihäusige, windende Pflanze, deren große Frucht deckdlätter am Grunde innen mit tlei ä .. . . , nen yarzlgen ornern oeiki)l sind; letz tere enthalten eine bittergewürzhafte Substanz, das Lupulin.daZ zum Wür zen des Bieres unentbehrlich ist. Die in Wäldern und Hecken wildwachsende Stammart" Bravo", unterbrach mich der Verleger, ich sebe, Sie ver stehen etwas von der Sache.' Hier" damit reichte er mir ein Verzeichnis ift kie Liste unserer Abonenten in I SieutrmiÄ.'l es jnn serade 66!
Lernen Sie ttch die Namen auswendig und lassen Sie sich die Herren von unserem EhefRedacteur Dr. Biermann zeigen. Wenn Sie auf der Straße einem Abonnenten begegnen, so müssen Sie natürlich zuerst grüßen. Auch wäre es gut, wenn Sie sich jedesmal bei dieser Gelegenheit nach dem Besin den der Frau und der Kinder des betreffenden Abonnenten erkundigten. Die Anzahl der Kinder sind hinter jeden Namen auf der AbonnentenListe verzeichnet." , Schön." erwiderte ich. habeich den betreffenden Herrn auf der Straße
Geehrter Herr Abonnent" oder Lie der Leser" anzureden?" Hm. das können Sie halten, wie Sie wollen! Wenn Sie Beiträge für 'das Gärtchen" liefern oder redigiren, so bitte ich Sie, darauf zu achten, daß an Stellen, wo in den Erzählungen Wein oder Schnaps getrunken wird, dafür Bier servirt wird. Auch müssen Sie allzu derbe Aeußerungen vermeiden; meine Frau ist sehr prüde; sie erröthet schon, wenn von einem nackten Butterbrod die Rede ist'.- Und wie ist'S mit der Theaterkritit?" warf ich noch schüchtern ein. 0, die liefert uns der Rabbiizer von Neutomischel, welcher dafür die Frei billets bekommt. Wir haben übrigens hier im Jahre nur vier Wochen lang ein stehendes Theater." Und wie ist cs mit dem Honorar, Herr Berlegeri" .Ich zahle Ihnen 45 Mark monat . H r iicy, oazu yaoen sie freien Vierconsum und können alle Sonntage bei mir Abendbrod essen."' Diese Bedingungen schienen mir an nehmbar und so hüpfte ich denn in die .Hopfen-Blüthe" hinein. Zunächst meldete ich mich bei dem Ehefredacleur Dr. Biermann, einem Ehemiker, der die Interessen des Hop fcnhandels noch mehr durch lern map. loses Biertrinken als durch seine Arti kel förderte. Er sah mich vom Kopf bis zu den Füßen ironisch an, brummte zwischen den Zähnen etwas, wie Burschchen" und sagte Dann: Sie sind wodl für die Rubrik Aus Kindermund" engagirt?" Gleich in den ersten Minuten unserer Bekanntschaft erklärte er mir. daß nüchterne Menschen ihm in der Seele zuwider feien. In seinem Redationsbureau standen mehrere geleerte Achtel. Em frisches Fag chen wurde gerade hereingetragen und während Tr. Biermann arbeitete stand er wiederholt auf und zapfte sich eigen händig ein Seidel voll. . Was soll ich nun hier zunächst ma chen, Herr Doctor?" fragte ich. Ma chen Sie die Politik!" brummte er. Wie mache ich denn das, Herr Do tor?" Himmeldonnerwetter, stellen Sie sich och nicht so dumm an! Sie werden djch schon mal eine Scheere in der Hand gehabt haben! Die Politik wird einfach aus der Posener Zeitung" geschnitten passen Sie aber auf, daß Sie mir dabei nicht in den Saaten martt reinschneiden da schneide ich!" So schnitt ich mich denn allmählich in die Politik hinein und da ich Heuch ler über die blödsinnigsten Kalauer meines hohen' Vorgelebten regelmäßig ein helles GCicht anschlug wenn er sich einen Bierokcaten" nannte, be' kam ich jedesmal einen Erstickungsan fall so äußerte sich Dr. Biermann dem Verleger gegenüber in anerkennender Weise, indem er sagte: . Der Säugling lutscht sich allmäh lich heran!" Nur in-einem Punkte vermochte ich mir nicht die Zufriedenheit des Ehefredacteurs zu erwerben ich trank zu w.'nig, und gerade Dr. Bier mann hatte den honor vacui; er konnte keine leeren Seidel sehen. Allein in den Vormittagsstunden leistete er sich seine zwölf bis fünfzehn Seidel, die er wie Wasser hinuntergoß. . Der Bicr dunst drang ihm aus allen Poren und sein Bauch wölbte sich in so unHeim licher Fülle, als hätte der Ehcfredacteur der - Hopfen-Blüthe" einmal in der Zerstreutheit ein AchtelTönnchen mit hinuntergeschluckt. Ich hatte auch den lokalen Theil zu redigiren; das war aber eine Sinekure, denn in Neuto mischet geschah überhaupt nie etwas und als wir eines Tages die Nachricht brach teu, daß der penjionirte Geheime Kanz leirath Kriglerin seinem zweiundsechs zigsten Lebensjahre gestorben sei, be stätigte sich auch das leider nicht ein mal. Herr Geheimer Kanzleirath Krihler war sogar dermaßen lebendig, daß er uns um Aufnahme der folgenden Berichtigling, ersuchte: Auf Grund des II bitte ich die vereyrliche Redaktion der HopfenAlüthe", meinen lieben Mitbürgern von Neutomischel die freu dige Mittheilung zu machen, daß ich, soweit mir bewußt, durchaus nicht gestbrben bin und auch vorläufig gar nicht daran denke, aus unserem schönen Städtchen in das Jenseits zu verziehen. Die betrübliche Nachricht von meinem Tode schreibt sich vielleicht daher, daß ich mir gestern Nachmittag habe Schrövftöpfe fepen lassen, und zwar vier Stück ! ! . Hochachtungsvoll und ganz ergebcnst. Kart Friedrich Krittler, Geh. Kanzleirath a.'D., Schatzmeister des Lese- und Gesang'KrünzchenS Uni versitas", Inhaber des ErunierungS kreuzeS von 1880 für Nichtcombattan ten. am weißen Bande." . . Diele Berichtigung erschien und erregte in Neutomischel ein derartiges Aufsehen, daß von der betreffenden Nummer der .Hopsen Blüthe" in der Expedition unseres Blattes drei Exem vlare nachverlanat wurden. Als das dem Herrn Verleger zu Obren 'kam lud er sofort die gesammte Redaction, d. h, Herrn Dr. Biermann und mich, S für den nächsteu Sonnabend zu Tisch ; i w r - n.A . t : i n. um oieie oci1 o" ocicus über vierzehn Tage verstrichen, seitdem ich für die Interessen des Hopsenhan veks und der Brauerei-Jndustrie wirkte und es gelang mir. mich bei dem Ver leger in das höchste Vertrauen zu seßen. m emem Mo:nent, der in zwei facher Beziehung ein kritischer war. Gerade batte in Nktttemischel die vier wöchlge Theatersarso.'! begonnen, und ! UN .chusengarttn- sollte zur Erösl
nung eine Novität gegeben werde,', Uriel Acosta" von Karl Gutzkow. Da geschah.etwas Unerhörtes. Ent schlichest Der Recensent der Hopfen Blüthe", der Rabbiner .von Neutomischel, sandte die Billets zurück man hatte ganz daran vergessen, daß die Premiere von Uriel Acosta- am Frei tag Abend stattsand und die strengen. Vorschriften der Sabbathheiligung eS dem Geistlichen überdies unmöglich machten, am Sonnabend auch nur eine Feder anzurühren! Dilemma! Man sandte eiligst nach Tr. Biermann, den man nach langem Suchen endlich in
einer odscurcn ötneipe enioeaie. r war total betrunken und erklärte dem Sendboten mit sittlkher Entrüstung, das; er nach vier Uhr Abend" über Haupt nicht mehr arbeite. Uebrigens wäre cs ein Skandal, jemanden in Da mengesellschait zu stören! Da die Hop fen-Blüthe" jeden Mittwoch und Sonn abend Abend erschien und m ganz Neu tomischel sich ein besonderes Interesse für die Novität kundgab, so sprang ich in die Bresche. In seiner Angst willigte der Verleger ein; ich besuchte die Uriel Acosta"Vorstellung als Kritiker der HopfenBlüthe". 'Das zweite Billett hatte ich meiner Wäscherin gegeben, mit der ich übrigens bcn ganzen Abend kein Wort sprach, um sie nicht zu compromittiren. Noch in derselben Nacht schrieb ich die Kritik, in welcher ich das Stück eine von sittlichem Ernste getragene, hoch erfreuliche Ausgeburt einer starken, elementaren. dramatischen Kraft" nannte. Am nächsten VZoracn, in aller Frühe, begab ich mich züem Rabbiner übrigens ein charmanter, kluger Herr! und las ihm die Recension vor. Er sagte lächelnd, die Kritit sei im Ganzen befriedigend und rieth mir nur einige kleine Abänderungen an. Ich folgte dem Rath des erfahrenen ManneSund meine Recension erschien also gleichsam unter Aussicht des Rabbinats. Mit tags die gesammte Redaction speiste an diesem Tage, wie bereits erwähnt, bei dem Verleger war ich der Held des Tages. EZ gab Bier.Suppe. Karpfen in Bicr und BierFleisch. Nach der Suppe bereits hatte der Verleger sich erhoben, feierlichst die gesammte Redaction begrüßt und dann erklärt, daß fr? in Anerkennung meiner erfolg reichen Thätigkeit und meines Pslichtei fers mein Monatsgehalt von 45 auf 55 Mark erhöhe. Auch könnte ich zwei mal' im Hause Kaffee trinken. Ich war überglücklich und begann bereits, mich zu fühlen. Als Biermann wieder einen seiner blödsinnigen Kalauer machte, wieherte ich nicht mehr, sondern lachte nur gedämpft, mezza voce. Dafür trank ich aber mindestens acht Seidel, ein für mich unerhörtes Quantum. In völlig verbiertem Zustand verließ ich nach Tisch das gastliche HauZ des Verlegers, um frische Lust zu schöpfen. Ich hatte einen doppelten Rausch! Ach. zu schnell nur. sollte die Ernüchterung folgen!! Ich war Vor mittags so aufgeregt gewesen, daß ich ganz vergessen hatte, für die Sonn tags-Beil'age Das Gärtchen" ein Ge dicht herauszufuchen. Im letzten Augenblicke fiel es mir noch ein, und da Lessing auch zu den bevorzugten Auto ren gehörte, welche bei der HopfenBlüthe" keinerlei Honoraransprüche erhoben, so griff ich nach einem Band und schrieb auf'S Gerathemohl mit fliegender Feder irgend ein Gedicht ab. So kam es, daß' an der Spiße des GärtchenS" am Sonntag das folgende Poem prangte: , Trinklied. Voll, voll, voll. Freunde macht Euch voll Wein. Wein. Wein. Freunde, schenkt ihn ein' Küßt, küßt, küßt. Die euch wieder !ü)t! . Voll von Wein, Voll von Liebe, Voll von Wein und Lied., Freunde, voll zu sein. Küßt und schenket ein! Die Wirkung war Am andern Morgen Verleger gerufen, bei reits Tr. Biermann Sie. toll geworden?" verhängnißvoll. wurde, ich zum welchem ich befand. ..Sind brüllte mir der Brauer voll Wuth entgegen, wie kön nen !-le eS wagen, in der Hopfen Blüthe" in einem Organ, welches den Interessen des HopfenhandelZ und der Brauerei-Jndustrie dient, ein unzüchtigs Lied zu veröffentlichen, welches in geradezu schamloser Weise den Wein verherrlicht! Wollen Sie unser Blatt ruiniren? Wissen Sie, daß von unse ren sechsundsechszig Reutomischler Abonnenien bereits fünf uns angedroht haben, daß sie das Abonnement auf die HopfeN'Blüthe" aufgeben wcr)en, Sie Unglücksmensch?!" Ich wollte einige Worte der Ent schuldigung stammeln, da erhob sich Dr. Biermann und sagte mit ruhiger Stimme: . . 3ch habe Sie vom ersten Augen blick an für ein Rindvieh gehalten und eS freut mich zu sehen, daß ich mich nicht getäuscht habe!" Sie scheinen natürlich sofort auZ der Redaction aus" nabm der Verleger wieder das Wor, Sie haben sich in Neutomischel un möglich gemacht! Nach der schweren Schädigung, welche die Hoenbrüthe durch Ihre unheilvolle Thätigkeit erlitten hat, werden Sie eS begreifen, daß Ihnen irgendwelche Honoraransprüche nicht mehr zustehen!" .... Ich begriff vollkommen, ich sah ein, daß Hopfen und Malz an mir verloren waren. Ich wankte hinaus, verabschiedete mich von meiner Wäscherin und dem Rabbiner von Neutomischel. verkaufte meine silberne Uhr und fubr von dem Erlös vierter Klassenach Berlin retour, begleitet von Sallust und Herrfdut. Bereits um Montag kehrte ich nach die sem verunglückten journalistischen Debüt reumüthig in die Obcrsecunda zu rück!" So erzählte mein Freund, der junge GyunasicUehrer Heinrich nächtlicher Weile in Eafe Friedrichshof, und als
:r geendet, strich er sich den flotten, blonden Schllurbrt, wars der hilo huoschen, schwarzäugigen Büffetdame wiederum einen zärtisch-schmachtenden Blick zu und sagte: Kellner, noch einen Knickebein!".... Eine amüsante Gerichtöveryand' lung.
Vom verlorenen Gleichgewicht" han delt eine amüsante Gerichtsverhandlung, die jüngst in München stattgefunden hat, und über welche die dortigen Reue sten Nachrichten wie folgt berichten: Zum Aufruf kommt eine Klage wegen Körperverletzung. Zeugen: Jän tens und Nitsche. In den aal tritt der Angeklagte, ein herkulisch gebauter Mann, eine Figur. wie,man solche nur in der Münchnerstadt findet. Der frü here Lohnfuhrwerksbesitzer und jetzige Privatier H. erscheint in tadelloser, aber bequem?? Kleidung. Halbcylin der, feine 2Aische, eine singerdicke gol bene Uhrtette und ein schwerer goldener Siegelring schreien laut: Wir san Leut! Wir ha'm a Schneid!" Das Vollmondgcsicht, der hervortretende c; chmerdauch lassen schließen, daß dieser Mann mit den Vcgetarianern nichts zu thun hat. Die Zeugen, zwei Norddeutsche Kausleute, betrachten etwas schall den Angeklagten. Im Zuhörerräum lispelt ein Mann: (Maß Gott, wenn die zwo mit ihre G schtell dem in d'Händ' gesall'n san." Die Anderen schließen sich diesem Ausspruch verställdnißinnig an. Richter: Nun, Herr H., Sie sollen am 21. März, Nachts 1 Uhr, in der Zweibrückenstraße' die Zeugen Nitsche und Jänkcns durch Faustschläge miß handelt und zu Boden geworfen ha den." ' Angeklagter:. Bin so frei, Herr Stadtrichter! Wenn Sie 's erlaud'n. I' glaub, daß'mir die Zwoa nir mehr woll n in dem irdischen Jammerthal. So san die no nie g'flogen; mit die Stieflsohlna Habens aus d Uhr g'schaut, die Fretter überanander." Richter: Das kann ich sehr begreif lich finden, denn trotz Ihrer 52 Jahre können die beiden Zeugen gegen Sie nicht aufkommen. Wie war denn der Hergang?" flfrmie float er? Sm5n mar fr frtnJ? Also an diesem Tag seier' i'mein Na mcnstag mit memi pezzi lauter Leut von der Stadt Münka beim Schlicker oben auf. Z'erscht hab i' beim Sterneckcr zwoa Maß g'habt und beim Schlicker nachha elf Halbe und a Cl f. .V - tfiflicgi Vpeziai. wissen ,die ean ferei mög i' net! Wenn's amal Zwölfe iZ, dann hoaßt's bei mir, Tickt, auf gehtS". Da Spanglermoasta. mein Freund, hat a Red g halt n, dös hat Mi aufg halten und der hätt belser '3 Maul g'halt n. 's wird so Oans, da kimm i' in d'Zweibrückenstraß n. Hin ter mir genga Zwoa, dös san die Flie gensanger da. Die macha Witz über mi', aber da greift nun an. Na' sagt da Oaue: Warte man, wenn der olle Jüngling nich aus seiner Duselichkeit kommen will, werd ich ihn man um Feuer angeh.'n.-Ta wirst aber schang'n. Freund Spotz, denk i mir, daß dir nur net d Nos n verbrennst an dem Feuer, und da kimmt er . Hera und stellt mi. I' schaug dös Mannsbild on und lach. Warum? Betrachten 'S ihn selber und lacha's net. A kripvenkrachdürreZ Bürschei steckt in an Manterl mit so an Weiberkragerl von die Hosenfüaß und Rockarmel schaug n vier Kochlönel außa und. in fein Knochntatzerl hält er an Knüppl wia a Wagnleirn. daß n der Wind net mitnimmt. Weshalb lachen Sie?" fragt mir die Staberlfigur. r- " t t . eu so. neria eri san:- sag ,! Da halt mir döZ Bürschei' an Prügl unter d'Nasen und der and're Prins iS a glei vürag ruckt. Na hat a Jeder tüchtige Pretsch'n kriegt und weil's die Gschicht net glaub'n wollt'. na' hab i's sliag'n lass'n. Mitt'n in d' Straß'n san's 'nauZ groast mitsammt die Knüppl. . I' : bleib' steh'n und betracht mer die Lag'. Da komma zwoä Schandarm und frag'n Mi . woas die da aus der Stran n suacha. fa m 2 Gleichg'wicht!" sog i d'rauf, na' müaß'n die Schandarm lacha. )ie Äurschem san wieder zu sich lemma und hab'n mi' aufschreib'n lauen. I' bin hoam und sog zu mei ner Alt'n: schön war's und g'rauft hamer a!" Das Ergebniß der Zeugenverneh munq lautete zu Gunsten des Ange klagten, welcher auch freigesprochen wurde. .?, Mir 13 ilava. a so. aver,a zwanzig Markl hätt' i mir'S schon kost'n laff'n, döS wa? die G'schicht werth! Wir hab'n hawa Schmalz!" sagte der Beschuldigte beim Abzug. Von zwei neuen, ebenso unmuthigen wie geistreichen vcherzartl kein wiffen diVM.- N. N." zu berich ten. Da ist zunächst der BierJur Schwabe", ein aus Hartgummi täu schend nachgemachter Schmabenkäfer. Sein DaseinSuveck ist, daß man dieses nicht gerade als appetitlich angesehene Vieh seinem Nachbar am Biertisch un bemerkt ins Glas wirst. Da der Trinker sich dann ekelt, das ist eben der WiS. Von gleicher Güte ist auch die VerirauSlausflasche". (ParkerS A- 1 VA ., anlng Persume). dieses reizende Flaczon hat am Boden ein kleines Loch. das man zuhält, wenif die Flasche mit Wasser gefüllt wird. Füllt man die Flasche ganz Mit Wasser, so das; nach dem Verkorken keine Luft mehr in der Flasche ist. so läuft naturgemäß auS der Aodenöffnung nichts heraus. Man übergibt nun die Flasche seinem Opfer, damit eS die Güte des Odeurs prüfe, kennet der arme Kerl dann den Kork, so läuft da? Wasser aus der Bodenöff nung ihm in den Aermel. 5sehr tpabhast! Nicht wahr? BeimKirchenbau in Sien im Regierungsbezirk Trier wurden nach , dem Berl. Tageblatt" m kolge Zusammeubruchs dei GerüsteZ drei Ar beiter getödtet und fünf verwundet.
Für unsere Frauen.
Ein Kapitel über .Alte Jungfern". Vor einiger Zeit las ich einem kleinen Aufsatz : Phantasien einer Einsamen!" Es war ein eigenthümliches Bild, das ein altes Fräulein von ihrem vergan genen Leben entrollte, nicht deutlich genug für einen Roman und doch mehr verrathend, als die Ergebnisse bloßer Träumereien. Ich denke. iede alte Jungfer, wenn sie auch erst eine an gehende ist, hat über etwas zu phantasiren. Ich spreche nicht von denen, die eine vergnügte, reiche Jugendzeit hinter sich haben,, so und so viele Bälle be sucht, ein halbes Dutzend Verehrer ge habt und schließlich doch sitzen geblieben sind. Solchen alten Mädchen sagt die bose Welt gerne nach, daß sie seinerzeit in ihrer Jugend zu wählerisch gewesen und rm Alter nun bereuen, nicht eine Fran so und so geworden zu sein. Doch wer weiß, wozu es gut war ? Man sag! auch : Jeder ist seines Glückes Schmied ich denke : jeder möchte es gern scrn, aber das Schmieden gelingt nicht immer. oder wird nicht von allen verstanden. Ich habe manche alte Jungfer kennen gelernt, aber nur sehr wenige von der unglücklichen, b:klagenswerthen Sorte, die für unaussteh. iich. klatschsüchtig und zänkisch gilt ; wenn diese Eigenschasteu in einer weiblichcn Seele wurzeln, dann heilt sie in der Regel auch nicht der Titel : Frau" davon, denn warum gjbt es so viele Ehesrauen, die diesen Bezeichnungen alle Ehre machen ? Wer kann sich em Urtheil darüber bilden, was das Herz eines jener ver achteten Sorte der alten Jungfern an gehörigen Mädchens einst ' bewegte, welche Erinnerungen sie in den Herbst ihres Gebens mitnahm? Wer will achselzuckend ihre welken Züge mustern und das vorschnelle Wort sprechen: die ist gewiß nie geliebt worden?" Vielleicht nicht; aber wäre das so entsetzlich? Vielleicht zehrt sie an den Erinnerungen eines kurzengrausam zerstörten Glükkes, oder sie sah sich in ihren seligsten Hoffnungen betrogen und hat den Glauben an ein gütiges Geschick verloren. Aber sie hatte doch eine Vergangenheit, sie kann sagen: In mein Leben hat einmal ein Stern geleuchtet, und so arm ist-keines Menschen Leben, daß es nicht ein einziges Mal die Offen barung eines unendlichen Glückes er fahren hätte; ist es verschwunden, so bleibt doch der Nachklang zurück und wirkt veredelnd auf das Gemüth. Ich kannte eine arme Musiklehrerin, die sich redlich aber mühsam mit Stun dengeben ernährte. Eine verheerende Krankheit hatte ihre Gesichtszüge ent stellt, so daß man nicht erkennen konnte, ob sie jemals hübsch gewesen war. Aber sie war unendlich liebenswürdig und hatte ein edles, gutes Herz. Sie ha derte nicht mit dem Schicksal, daß sie nicht zu den Auserwählten" gehörte und.doch barg sich tief in ihrem einsa men Herzen ein Geheimniß, die stille, unerwiderte Liede für einen jungen und schönen Künstler, der die Arme täglich sah. ohne zu ahnen, welche Stürme in der Seele des unscheinbaren, alternden Mädchens tobten. Sie war immer kränklich gewesen und siechte langsam dahin; mit versagenden Krüf ten. aber immer gleicher Geduld lag sie ihrem Berufe ob, und hatte für Jeden ein freundliches Wort, ein sanftes La cheln. Erst auf ihrem letzten Kranken lager, als die körperlichen Schmerzen mit den seelischen vereint säst unertrag lich wurden, entdeckte sie. einer Freundin ihren ganzen Kummer. Dann starb sie, ohne eine -grode Lücke zu lassen, hatte sie doch Niemand, der ihr zu eigen gehörte. Auf ihrem Grab wuchert das tlntraut und nur eirr von Regen und Schnee verwaschenes Holzkreuz zeigt die Stätte an, wo ein gutes, tapferes Frauenherz feinen letzten Ruheplatz ge suuden. Aber es gibt auch glücklich: altt Jungfern. Ich erinnere mich einer originellen alten Dame, die ebenfalls den Beruf einer Musiklehrerin ausübte. Sie hieß Rosamunde, und rosig, wie ihr Name, war auch stets ihre Laune. Sie war eine gesuchte Sing lehrerin und verkehrte in den ersten Fa mllien der Stadt: ja eine königliche Prinzessin zählte sie zu ihren Schülerinnen. Die glanzvolle Umgebung der Hoheit" hatte aber nicht den gering sten Einfluß auf ihren lehr schwach aus gebildeten Schönheitssinn, der ihr er täubte, in stets sehr nachlässiger. Toi lette zu erscheinen. Nichtsdestoweniger w?r sie überaus stolz auf ihre Besuche im Schloß. Be gegnete man ihr zu irgend einer Tages zeit auf der Straße, w kam sie stets eben von der Prinzessin", wenn auch der Weg zum Schloß in einer ganz ent gegengesetzten Richtung lag und ihre fliegenden Locken, verschobenen Hutbän der und schiefsitzenden Kleider ebenfalls nicht im Einklang mit der voiziehmen Visite zu i'ein schienen. Sie war glücklich in dem Gedanken an ihre hohe Gönnerin, die ihr ihre Eigenthümlichkeiten geduldig nachsah; nie fühlte sich die eifrige Muukfreundin mißverstanden oder gar unglücklich; ihr Temperament war zu heiter, ihr Sinn zu sorglos, um Fragen an das Schick sal zu stellen, Fragen, die doch nie be antwortet werden. Und doch sind diese Fragen oft sehr verzeihlich. Wenn ein Mädchen', oaö einzig und allein auf feine eigene Kraft und Aus dauer angewiesen ist, und Niemand hat. der ihm nicht nur mit Rath, fon dern mit der viel nützlicheren That bei steht, manchmal zu der Frage, verleitet wird: Soll eS denn nie gelingen?" oder: Was kann ich thun, um vor märts zu kommen?" dann ist dies gewiß eine berechtigte Frage. ES sieht rings um Altersgenossinnen denselben Beruf ausübendste alle haben mehr Glück gehabt. Sie kleiden sich eleganter ver stehen ihre Kenntnige in beste Lich! zu stellen und ertheilen (sagen wir) Klavierunterricht zu erschreckend dilligen
Preisen, nur zum Vergnügen" (alsob das , immer ein Vergnügen wäre) oder auch, um sich ein Taschengeld zu erübrigen. Sie haben es gar nicht nöthig und nehmen durch ihre Selbst stünd'zgleitsversuche ihren Mitschwestern, die auf Erwerb engemiesen sind. daS sauer verdiente Brot. Die also in ihrem Beruf zurückgesetzte Lehrerin'zer martert sich nun das Hirn mit neuen Plänen und Entwürfen. Sie frügt da und dort an, mit Zittern und Zagen; es kostet sie ein Opfer, ihre Schüchtern heit zu bekämpfen. Man ist natürlich freundlich gegen sie, bedauert aber un endlich, im Augenblick nichts für sie thun zu können, denn die Konkurrenz ist eben so groß und die meisten Fa milien ziehen einen Profesior" für ihreKinder vor! Ja, da ist es. das zweite Hinderniß! Zum ersten Male tritt die bittere Frvgeauf: Warum bin ich kein Mann ge worden? Ihm stehen Thüren und Thore offen, er hat das angestammteRecht, sich überall hervorzudrängen, was Dir verboten, ist ihm erlaubt. Schweren Herzens geht die Abgefertigtezurück in ihr einsames Stüb'chen und beginnt auf's Neue zu grübeln: Was nun?" Kein Lichtstrahl fällt in dasmonotone Einerlei ihrer Tage wenn doch ein Wunder geschähe und sie auf einmal aller Qual enthöbe. Da tauchen die Bilder der glücklichen Kinderzeit vor ihrer betrübten Seele auf, das traute Elternhaus, alle die lieben Gestalten, die längst ihr entzogen sind, und sie rafft sich aus und schreibt bis tief in die Nacht hinein mit thrä neufeuchten Alugen. Dann sendet sie das erste Manuicript fort. Mit Ban gen, und Hoffen erwartet sie das Wci tere. Es wird angenommen. . Glück strahlend, endlich einmal einen Hoffnungsschimmer zu erblicken, wird ein zweiter Artikel verfaßt; noch einmal ist
ihr das Glück hold, und sie freut sich. daß alle Noth nun ein Ende hat und schreibt weiter. Zuversichtlich durch blättert sie das nächste Journal doch was sie sucht ist nicht .darin. Bekümmert legt sie das Hest zur Seite. Verzage nicht gleich aufs Erstemal," flüstert cs in ihr. Ein zweiter Versuch und noch einer scheitert;was bedeutet das? Ein merkwürdig dumpfes Gefühl befchleicht sie, ihr Muth ist dem Sinken nah soll der Kampf aufs Neue be ginnen? Was ihr einst in Betreff der Musitstunden gesagt wurde, eS klingt heute wieder in neuer Lebendig teit. So viele Konkurrenz, so viel schriftstellernde Frauen. Ach. sie will ja keine Federheldin sein, sie könnte auch keine Novelle schreiben, wie sie jetzt zu Hunderten von jungen Mädchen vcr faßt und mit graziösen Titeln versehen,' die leicht entzündbare Phantasie unt Begeisterung der niedern Klassen erobern. Äber manchmal so eine kleine Skizze recht aus dem Herzen heraus wäre denn das zu viel Glück? - Tief erschöpft von dem ewigen Kam pfe legt sie sich Abends nieder, um des Morgens mit dem ersten Gedanken an ihr Mißgeschick zu erwachen. Sie geht, ihren täglichen Pflichten nach und fleht nur um eins: Nicht müde zu werden in dem Ringen mit dem Geschick, und nicht' verbittert durch Mißerfolge. Wer sich tro allem Ungemach ein freundliche?,' heiteres Wesen bewahren kann, ist nicht so ganz unglücklich. Uns Frauen wird überhaupt wenig Nachsicht erwie sen. wenn wir einmal trübe gestimmt sind. Man muß dann nothwendiger, weise griesgrämig" oder liebeskrank". sein! Wenn alles Wahrheit ist, was un stre neueren Autoren von denFrauen heutzutage schreiben, dtrn möchte man allerdings mit dem alten Dichter Seume ausrufen: Flieh vor dem Weibe, Freund; ia ihren Netzen Ist erst Berauschung und sodann Ent seen !" Doch zu jener gefährlichen Klaffe wollen wir ja nicht gehören. Wir haben auch keine Zeik und keine Lust, die Studien einer Frauenrechtlerin oder einer Ko kette zu machen. Wir wollen gar? nichts, als unsere ehrlichen Bemühung gen mit ein wenig Erfolg gekrönt sehen, damit, wenn das Alter kommt und die Kraft erschöpft ist unser Le bcnsadend ein friedlicher, sorgloser sein möchte. Es ist etwas ungemein Jdnlliichcs um so ein Altjungierstübchen! So ein lie des, altes Fräulein mit grauen Lock chen, das träumend ani Fenster sißt und auf das Singen der Kaffeemaschine,, wartet. Ueber ihr zwitschert ein lusti ger Kanarienvogel,' ihr zu -Füßen schnurrt eine dicke, schwarze Katze.' Dort sieht das Instrument, dem sie seit ihrer Jugendzeit alle Fremden und Klagen des einst so stürmischen Herzens anvertraut; über demselben die ver blaßten Photographien ihrer Lieblings komponisten und die Bilder der alten, lieben Freunde, die längst dahingegan gen. Das kleine Tischchen vor dern Sopha ist mit Büchern bedeckt, ihr Leblingsbuch Ekkehard" in der Mittel Glücklich lächelnd blicken die Augen des, alten Mädchens über ihr bescheidenes, Reich, und haften an jedem einzelnen Gegenstand, den sie hicher. gerettet aus! vergangener Jugendzeit. Ist sie nicht beneidenswerth, die alte Junfer? Das, Hangen und Bangen, das Hoffen und! Sehnen eines heißen Herzens ist zurz Ruhe gebracht. Die allmälige Trösterin, Zeit hat ihr oft geguältes Herz mi linderndem Balsam geheilt. Frieden; im Innern, Frieden mit allen Mensches verklärt ihre welken Züge und gütig erwidert sie Allen, die sie in ihrer Ein samkeit bedauern: Ich bin eine glück; liebe alte Jungfer, denn ich bin,' zufrieden!" Anna Bechler. m m m - t Zeitgemäß. A: Na, Sie haben ja schon wieder einen neuen Ver-, ein gegründet?" 53: Freilich lnor! gen ist die erste' Versammlung'.Was für Zwecke und Ziele soll denn haben?" .33: ,Ja, darüber wollen wir erst moraen berarbcn. ' !
