Indiana Tribüne, Volume 16, Number 263, Indianapolis, Marion County, 11 June 1893 — Page 7
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Sem Name war Holmes, und zwar atte man ihm, als Unterscheidungszei chen von einem anderen Holmes, der sich aleichzeitig mit uns auf demCo!lege" be fand, den Spitznamen Frosch" beige legt. Daß man auf diesen seltsamen Namen gekommen war, hatte seinen Grund darin, daß Holmes beim Gehen mit Armen und Veinen gewisse Vewe gungen machte, welche an die eines Fro scheö lebhaft erinnerten. Er gewöhnte sich diese Bewegungen zwar bald ab, doch der Spitzname blieb. Holmes schien sich in sehr beschränkten Verhältnissen zu besinde?l. Er bewohnte das kleinste, ungemüthlichste Zimmerchen des College-Gebäudes, und ich bin fest überzeugt, daß er im Töinter oft leinen Ofen auf die Art des berühmten Colonel Seilers heizte, nämlich mit rothemEisen' glas in den Ofenthüren und cin?m Siebt in dem Lfen anstatt des Feuers.. Er hatte sich außerdem bei einer Frau in Kost gegeben, ktxtn Kosthaus bei sammt lichen Studenten als der Schrecken alle? Schrecken belsnnt war, und deren J?y.nb schaft sich felglich nur aus dem ärmsten Theile der Studentenschaft rkrutirte, bei welchem Billigkeit das erste Erfordernis War, welches sie an ein Kosthaus stellten und billig war es bei Mistreß Vouton, das ließ sich nicht leugnen. Obgleich Holmes bedeutend älter war als ich, entstand zwischen uns doch bald ein vertrauteres Verhältniß, und ich hatte Gelegenheit, sowohl einen Theil seiner Lebensgeschichte kennen zu lernen, als mich auch mtt seinen! kleinen Liebha - bereien und Eigenthümlichkeiten vertraut zu machen. .In der Brust des armen Studenten 'hatte ein 'unwiderstehlicher Reisedrang Plat gefaßtund die Lektüre von Neisedeschretbunge, von HerodotuS bis zu Jules Verne, bildete seine Lieb lingsbeschäftigung in den Mußestunden. So weit es seme 'bescheidenen Mittel zu ließen, leistete er diesem Hang nach Nei seabenteuern schon auf dem College Ge nüge, und es gab in der Umgegend keinen Berg, den er nicht auf dem gefährlichsten Wege erklettert, keinen Fluß oder Teich, 5ie er nicht nach allen Richtungen durch' schwömmen hätte. Mitunter hatte er i bei derlei Expeditionen-freilich Pech, und mehr als einmal mußten wir ihn mit l lels Stricken von einer Klippe, die er, N Lott weiß .auf welchem Wege, erklom men hatte, retten, oder ihm mit einem Boote zu Hilfe eile, wenn er seine Schwimmerpeditionen zu weit ausge "dehnt.hatte. ' Die .Zeit verfloß, - das Examen kam . heran ! und nach Beendigung desselben stoben die Studiengenojfen ' nach allen Richtungen auseinander. Eine Anzahl derselben fand sich bei den üblichen 9le. Unionen" der Klasse des betreffenden Jahres freilich wieder zusammen, doch Holmes befand sich nie unter diesen. .Jahre waren vergangen, als ich eine? Tages von meinem Principal den Auf trag erhielt, in Geschäften nach Albany u reisen. Ich muß nämlich bemerken, oaß ich schon 'längst die Klassiker mit Hauptbuch und Kladde vertauscht hatte, und daß das lateinische Dictionär dem Kasshuch weichen mußte. Da mir Zeit genug ur Verfügung stand, beschloß ich, idas Tag-Voot nach Albanv zu benutzen, inn mich an den herrlichen Scenerien des Hudson-Ufers ergötzen zu können, ge wiß ein verzeihlicher Wunsch für einen Menschen, welcher - jahraus, jahrein nichts Anderes sieht,-als die vier kahlen Wände seines. Comptoirs, oder die mo -notonen Straßen der Weltstadt, Am. Landungsplatze des Dampfbootes herrschte -das - übliche Gedränge. Die meisten Passagiere kamen, wie gewöhnlich, - erst im letzten Augenblick vor Ab , ang des Bootes an und drängten sich, sobald -sie an Bord: waren, nach echt -amerikanischer Weise auf dem Vorder 'theil des Bootes zusammen, als glaubten sie, dadurch Zeit zu gewinnen und be rächtfich früher ihren Bestimmungsort ,zu-erreichen, als ihre übrigen Mitreisen denim hinterenTheile des Bootes. Was mich betrifft, so - hatte - ich -mit weiser Vorsicht einen Platz gewählt, von dem auS ich,:von ZuAlnd Sonneunbelästigt,--einen möglichst 'freien Ausblick auf die -romantisch enHudson'Ufer genießen konnte Natürlich hatte ich mich hinlänglich mit Literatur versehen,-für den -Fall, daß Auge und Geist, .vom Schauen und Beobachten ermüdet, sich nach anderer Tlnterhaltung sehnten. ' Der Fluß bot daS übliche, belebte Bild, fiährboote, Nuderboote, ' schwer fällige Schaluppen? mit 'Backsteinen be Lsden,. -Kanalboote. -mit Getreide: befrach ttt, -dir. in kleines. Dampf aind Funken svciendes 'Ungeheuer in .Form eines Schleppdampfers keuchend ' scrtbugsirte,' dazwischen elegante Dampf-Aachten,' d mrt blitzähnlicher Geschwindigkeit die Wellen .-durchschnitten, mm iihreEigen thüm rechtzeitig nach lderStadt" zu Briefe. So interessant alles . dieö für Jemand ifein mußte, welcher nur 'selten Gelezmheitthatte, dem Dunstkder Städte tu enchiehen, so wurde meine Aufmerk Zeit doch hauptsächlich durch diePassagiere auf Deck Hofe.sselt, die n Mannigfaltig' Zeit nichts zu wünschen üblig ließen.Da war der XLtmt Emigrant, der sein' Heil im fernrn Westen" suchte; der' bescheidenen Verhältnissen lebende Bür, er, welcher fch mit sein Familie den' LuruS eines größeren Ausflugs. gestatte U ; auch der Äasirte Engländer fehlte nicht, der. sich, ausgerüstet it Schirmen Stöcken und Plsids, hier ebens) arro. gant benahm, tak er eö nur immer auseinem Rheindampfer hätte fertig brin gen können ; daß endlich die erikanische Familie nicht fehlte, welch sich mit' allem Pomp, einschließlich Lakai, Bonne und Ccoom, auf tex Fahrt nach Saratoza befand, bedarf ischl keiner befonderen Ertvähnung. . Doch in all diesem Menschengewühl war cs besonders eine Persönlichkeit, die mein JnteiesZe erregte. Es war dies ein Herr in mittleren Jhrcn, dcsien ebenso tlegante wie gediegene Neiseausstaitung darauf schließe ließ, daß er ftch in gu. 1ck Verhältnisse befand. In der Nähe dieses Herrn, jedich in immerbut respekt voller Entsernunz, hielten sich beständig' zwei andere Persönlichkeiten auf, welche ihn keiuen Augenblick unbeachtet, ließen, öd tön, .ner schttMr .haxmWften
Wnle ans Tritt und tqxxit folgten. Mir siel die Sache auf, und ich erging
mich in d'e weitgehendsten und roman lifcbfic.i Spekulationen darüber, was es wohl mit 'nemHerrn für emeBewandt niß haben möchte. War eS ein Bank' kajstrer auf dem Wege nach Canada ? Oder ein berühmtes Berbrecher, dem die Detektivs aus den Hacken sanen i Oder war es gar ein Mörder und die beiden andern Herren die Schergen, die nur aus: den günstigen Augenblick warteten, um' ihm die unangenehmen stählernen Arm bänder anzulegen ? Bei Tische saß der' Fremde neben mir, während an seiner andern Seite und ihm gegenüber die beiden andern Herren Platz genommen batten und ihn auch jetzt nicht auS dem Auge ließen. Ich beobachtete den inte renanten fremden genau, und nach und ' nach tauchte in mir die Ueberzeugung -auf, daß ich ihm schon irgendwo im LeI den begegnet sein müsse, doch lvo das ae'. Wesen, dessen konnte ich mich nicht ent ' sinnen. Daß er sich nicht immer in so' kuten sinanzzellen Berhaltnchen befunden atte, wie aeaenwärtia, das wurde mir dadurch klar, daß er, so oft er seine Serviette benutzte, den Kopf vorbeugte ein Heichen. r in früher -. n an ljHen gespeist hatte, die nur init knapp geschnittenen Tischtüchern' versehen waren und wo man anstatt der Servietten diese Tischtücher zum Ab : putzen der Lippen gebraucht hatte. Das Boot erreichte schließlich seinen Bestimmungsort und die Passagiere eil ten ans Land. Auf dem Wege nach dem Nataplan House" stellte ch Ve lrachtungcn darüber an, .was wohl aus dem geheimnißvollen Fremden werden würde. Ich kam schließlich zu der Ueberzeugung, daß er sicher auf der Pritfche einer Gefängnißzelle Platz nehmen würde, während ich mich behaglich in meinem Bett im Hotel ausstreckte. Wer beschreibt jedoch mein Erstaunen, als, nachdem ich meinen Namen in das Frem denbuch des Hotels eingetragen hatte, der Fremde dicht an mich herantrat, mir mit einem : Ich bitte," die Feder auS der Hand nahm und seinen Namen dicht unter den meines in das Buch schrieb. Ich hatte, während der Fremde schrieb, auf das Buch geschielt un lss den Na men Holmes. Jetzt siel es mir wie Schuppen von den Augen! Richtig! Das war der alte Frosch ! Ich ging so fort auf ihn zu, redete ihn an und auch er erkannte mich wieder. Wir sprachen von den alten Zeiten, und, um ihn mit theilsam zu machen, erzählte ich ihm meine, freilich ziemlich prosaischen Er lebnisse während der Zeit, daß wir unö nicht gesehen. Und wie ist s Dir gegangen, alter Junge V schloß ich meine Erzählung. Ich kann nicht klagen," entgegnete Holmes. Doch 'komm dort in das Rauchzimmer, ich will Dir meine Ge schichte erzählen, die manches Interessante enthält." Nachdem w in dem Rauchzimmer Platz genommen und eine Flasche Wein bestellt hatten, zählte Holmes : Kurz nachdem ich das College verlas sen, starb mein Vater. Wir hatten ihn alle für arm gehalten, doch wer beschreibt unser Erstaunen,, als es sich nach seinem Tode herausstellte, daß er sein Leben zu einem sehr hohen Betrag versichert hatte und daß er nur deßhalb bei Lebzeiten so sparsam, ja geizig gewesen war, damit er die bedeutenden jährlichen Pramun zah len konnte. Wir waren so mit einem Schlage reiche Leute und es stand mir nichts mehr im Wege, um meiner Lust am Reisen volles Genüge leisten zu kön nen. Wayreno uv emes .ages uoer een ebenso unerwarteten wie ' glücklichen Wechsel m unseren äußeren Verhältnis sen sowohl wie über die Ursache dieses Wechsels nachdachte, kam mir ein groß artiger Gedanke. Wie, calculirte ich, wäre es, wenn du auch dein Leben ver sichertest, um nach 'dem Tode ein Wohl thc..er der Menschheit zu werden? Du bist noch jung, dle Prämien sind folg lich niedrig, und du kannst es mit den' dir zu Gebote stehenden Mitteln leicht ausführen. Ich spann den Gedanken weiter aus und sah mich im Geiste als Besitzer einer zahllosen Menge von Po licen, welche nach. meinem Tode meinen Verwandten zufielen . oder deren Betrag an gelebrte oder wohlthätige Institute ausgezahlt würde, zum. unvergänglichen Glanz und Ruhm meines Namens. Die Sache Üeß mir keine R.uhe, und noch an demselben Tag begab ich mich nach der Ofsice einer .unserer-renommir testen Lebensversicherungs-Gesellschaften und nahm die erste Police auf mein Le den heraus. Ach, hätte ich damals ge wußt, wohin mein Leichtsinn führen würde! Bald bemächtigte sich meiner' eine wahre Sucht nach cdiesen bunten, knisternde, g Lavieren, :und. selbst meu e Leidenschat für dasÄeisen wu d: ;ci weise durch diese neueManie.in den Hintergrund gedrängt. Außerdem hatte ich in geschäftlicher Beziehung Glück, so daß ich durch keinerlei finanzielle Schwie rigkeiten daran verhuürt'wurdemeinen Gelüsten im vollen Maße Hu ?fröhnen. ES dauerte nicht lange, und iich.war Be sitzer von Policen von sämmtlichen Le bensversicherungS Gesellschaft, n ider Welt, und mein Ziel,der höchst versichert ste Mensch auf dieser Erde sein, war bald erreicht. Der eingefleischteste Geiz. halS kann seine angehäuften Schatze nicht mit mehr Genugthuuug viederatnd wiederwählen, als ich eine Policen zähle, nd der Gedanke, was nach mei nem Tcde alles mit diese Gelde (; schehen ösird, bereitet mir mehr Genua thuung, ols es der Besitz der Schätze .emes KrösuS bei Lebzeiten thun könnte." y)un freund schwieg emen Augenblick, um eine neue Cigarre anzuzünden und seine, von dr. vielen Sprechen trocken gewordene Kehle mit etwa! Wein anzufeuchten. Nachdem dies ge scheren, fuhr er in seiner Erzählung fort, doch versinsierten sich seine Züge, wühnd er sprach, immer mehr. T?ch cS giebt kein vollkommenes Glück Quf Erden. W.nn ich auch mein Ziel erdicht hatte und mein Leben, we nigstc.s nach Ansicht der Nep?äsen:anten der Lebens BersicheruugsgeMchaften, tal kostbarste auf Erden war, hatte die Sache doch seine unangenehme Seite. Ich Ukrkte nämlicü bald, daß ich vsn ei ner unsichtbaren Macht beschützt würde, daß ich keinen Schritt thun konnte, ohne ttnau beobachtet zu werden. - Zum er ßenSkalk bcmttlchden Ein?uLdjeser-
ßehe'tmnttzvollcn Vkaq?r, als q am
ktrande von Lona Äeach badete. Ich hatte mich etwas zu weit-hinausgewagt, ich gerieth in eine Strömung und wurde in das offene Ä!eer hinausgerissen. schon gab tch tntch verloren, alsich mich von einer nervigen Faust gepackt fühlte, und glücklich nach dem Ufer gebracht tvurde. Als ich meinem Retter eine Be lohnung anbieten wollte, siel mir sein Betragen auf und es kam mir vor, als ob it die Rettung meines edlen Lebens nicht lus eigenem Trieb unternommen habe, sondern dieselbe nur als reine Geschäfts sache betrachte. Cm andermal reiste ;ch durch vcert ko. Unsere Postkutsche wurde von Sfra ßen-Agenten," wie man dort zu Lande die Straßenräuber höflicher Weise nennt. angehalten und ch gab ich sch?n ver loren, als plötzlich zwei meiner Mitrei senden aufsprangen, mich mit ihren Le bern deckten und meine Vertheidigung übernahmen. De Herren entpuppten sich als wahre wandelnde Arsenale und krosneten em solches mörderisches Schnellfeuer auf die Banditen, daß die selben schleunigst das Weite suchten. Als mir einige Monate später beider Mittagstafel in einem Hotel am Boden see ein Knochen in die Kehle gerieth, sprang sofort mein Tischnachbar auf, packte mich beim Kopfe und entfernte mit zeschicktem Griff den Knochen und rettete inich auf diese Weise vom Erstickung?; !ode. Eines TageS. ich befand mich zur Zeit in Paris, beschloß ich eine Rund leise durch die Spelunken jener an der' rrtigen Lokalen überreichen Stadt zu nachen. Selbstverständlich war ich noch' licht weit gekommen, als ich in ein,' klneipe, die enllaffcnen Bagno'Strüflin. ;en, entsprungener? Zuchthäuslern und ähnlichen ehrenwerthen Männern als Zufluchtsort diente, in eine Rauferei ge ' :ietb, die von den Anwesenden' zu dem Zwecke angezettelt worden war, um mich väbrend des PeleMele zu berauben, öielleicht zu erschlagen. Noch hatte mich jedoch keine Faust berührt, als sich ein' oerkules, der einem Sullivan ein Double vorgeben konnte, an meine Seiteö 'teilte und rechtS und links so wuchtige' giebe -eilte, daß unsere Angreifer' wie die Fliegen auf die schmutzigen Die len der Boutique stürzten. DieS nur einige Fälle e'S Hunderten. Es ist entsetzlich ich kann an den Ufern langes pXft stttnnnnr0mr wandern, ch kann in Nischne?cowgorod die Meffe besuchen oder in Kimberley nach Diamanten graben, eS ist gleich giltig, meine Schutzengel" werden mich immer begleiten. So lnge ich auf See bin. hat mich der Schwimmer in seiner Obhut, und sobald ich das feste Land be trete, nimmt mich der Klopffechter unter seine schützenden Fäuste, während der Arzt mir folgt, wie mein eigener Echatten. Siehst Du. dort sitzt er und liest scheinbar die Zeitung, aber 'daS ist nicht der Fall, er beobachtet ganz genau, wie viele Glas Wrin ich trinke und wie viele Cigarren ich rauche." Aber ich verstehe nicht,'" entgeynete ich, was das alles bedeutet. Wer nimmt denn so regen Antheil an Dir, daß er gewiffermaßen jedes Haar auf Deinem Haupt bewachen läßt V Das ist doch fcbr einfach;" erklärte men Freund. Diese entsetzlichen Lebens v?rsicherunZsGeseUschaften thun daS. Nehmen wir an, mein Leben 'ist zur Höhe von einer MillionDclars versichert. Die Jntereffcn auf einer Million Dollars betragen circa einhundertundfünfundsech zig Dollars iper Tag. So lange die Ge sellschaften die Million, für welche mein Leben versichert ist, in ihren Gewölben behalte, profttiren sie jeden Tag an In teresien allein . hundertfünfundsechzig Dollars, da lohnt eS sich schon, mir einen Arzt, einen Faustkämpfer und einen Schwimmmeister zu halten. : Doch damit enden meine 'Leiden nicht ! - Meine Verwandten, welche wis sen, daß ich mein Leben zuihcen Gun ,sten zu hohen Beträgen habe versichern laffen, wünschen ebenso, sehnsüchtig mein sanftes Verscheiden, als die Gefellschaf ten die krampfhaftesten Versuche machen, mir das ewige Leben, wenigstens auf dieser Welt, zu verschaffen. So oft meine Verwandten hören, -daß Jemand gestorben ift, hadern sie mit dem Schick sal, daß ich nicht dieser Jemand bin, während die Gesellschaften, oder doch ihre Repräsentanten, dem Himmel 'danken, daß dieser Kelch noch einmal an ihnen vorüber gegangen ist. . Wie Du siehst, bin ich das Object zweier 'verschiedener, nicht zu sagen sich bekämpfender Ein flüffe, und ich erwarte, daß ich in kurzer . . rr l r r i Heu zwijwen venjetven zermalmt werve, wie ein Maiskorn zwischen den Mühl steinen. Doch ich muß schließen, dem armen Doktor fallen die Augen zu, und ich möchte nicht um Alles in der Welt, daß er sich um tsriruMillen ckber wachte." Hiermit schied mein . Freund. Am nächsten Tage reiste ich zu früher Stunde ab, und ich sah HelmeS nie wieder! Wenige Monate später laS ich in einem westlichen Blatt die Anzeige von seinem Tode. Er hatte sorgftlltig vermieden, daß etwas von seiner Jdiosyncrasie, ie ihm die letzten Jahre seines Lebens so arg verbittert hatte, in die Oessentlichkeit irang, und fo entging den Zeitungen dieser interessante Stoff. Die Sache war fast gäntlich meine Gedächtniß entschwunden, als mich eineß Tages einer jener bekannten elegant ge kleideten Herren besuchte, welcher sich mit mir über alles Mögliche und Unmögliche unterhielt, bis er den Zeitpunkt für ge kommen glaubte, von der Vergänglichkeit alles Irdischen, der Unsicherheit unseres Lebens und den Vortheilen der Lebens Versicherung zu sprechen. Als Beweis der Nichtigkeit seiner Behauptungen legte er mir einen Check mit der Bemerkung vor, daß es nur einer von zehn ähnlichen ei, die nach dem Tode des Versicherten an deffen Erben verabfolgt wurden. N. B. Sarah war eine Cousine von Holmes, die er besonders hoch schätzte) : lks. 2C5G1. IiiP0VIDET Lir ISUSAXCX Co. THE " NATIONAL BLANK BANK M will par tn Min. Sarah Holmes ord orr, tbe um I tue buadrcU tboutand Dollars, I F. II. &MITII. Treiiurer. $100,000. .Bis S" 2.000,000 Eier PCXmag eine einzige Auster zu legen.
Bitu englisye Artstorraten.ye.
In London hat wieder einer jener Fhescheidungs'Proceffe begonnen, wclcke kinen Theil der englischen Aristokratie in so ungünstigem Lichte erscheinen las sen. Lady Howard de Waldcn verlangt )ie Ehescheidung, weil sie von ihrem Manne mißhandelt worden sei, und er :rhebt Gegenklage, weil sie sich mit tinem Eapitän Noel Winter und einem Grafen de Madre vergangen habe. ES war schwer, eine Jury zusammenzu bringen, da vierundzmanzig von den zum Schwurgericht berufenen Bürgern nicht erschienen waren. Jeder derselben vurde zur Zahlung von zehn Lstrl. ocrurtheilt. Lady Howard de Waldcn, welche jetzt 6 Jahre alt . ist, halte mit neunzehn Jahren geheirothet, und zwar gegen den Wunsch ihrer Butter, welche davon gehört hatte, daß Lord Howard de Watden dem Trunke er geben sei. Als Letzterem davon Mittheilung ge macht wurde, war er sehr erbost und bezeichnete das Gerücht als eine Ver läumdung. Allein schon bald nach der Heirath, so erzählte Lady Howard de Waldcn. habe ihr Mann angefangen, sie zu mißhandeln. Einmal habe er sie, als sie halb angekleidet war, mit einer Haarbürste so aus die Schulter geschlagen, daß Blut floß: ein anderes Mal habe er mit der Faust drcinge schlagen: häufig habe er sie -aus dem Hause ausgeschlossen, wiederholt Schüsse im Hause abgefeuert und sie zu ermor den gedroht. ' Im Jahre 187 lilt der Lord an einem Anfalle von Telirium tremens, so daß er von einem Arzte de handelt werden mußte. Er habe sich einmal aus einem Zuge stürzen wollen, ein anderes Mal kam er in daS Schlaf zimmer und riß ihr alle Decken und selbst das Nachtgewand ab. Als sie im April 188Ö ihrer Niederkunft ent gegensah, habe sie ihr Schlafzimmer neu herrichten lassen Lord Howard aber habe Alles zu zerstören und die Fensterlüden anzuzünden versucht! Lady Howard deutete auch an, daß er mit einem ihrer Dienstmädchey ein Verhältniß gehabt habe. Im Jahre 1831 hätten sie sich auf 3 Monate getrennt, allein aus sein Ber sprechen, daß er sich bessern werde, sei sie wieder zu ihm zurückgekehrt. Er habe sie jedoch nach wie vor vernach lassigt und sei häufig betrunken gewe sen. In diesem Zustande sei er einmal die Trepve hinuntergefallen und habe sich am Kopfe verletzt, daZ andere Mal habe er sich zwei Rippen gebrochen. Er habe beständig mit einem Revolver geschossen, und sie mit den gemeinsten Schimpfnamen belegd. In den Jahren 1885 und 1886 sei die Behandlung eine immer schlimmere geworden. Zwei mal habe er sie nicht inS HauS gelassen, als sie von einer Gesellschaft bei Lady Salisbury heimkehrte, und die Diener schaft habe sie heimlich einlasien müssen. Im Jahre 1837 habe er zwei Monate lang kein Wort mit ihr gesprochen. Schließlich habe sie ihn im Jahre 1833 verlassen. Obgleich sie damals ernst lich krank war,' habe der Lord sie doch zu belästigen versucht, und es habe der Dazwischenkunst des Herzogs von Portland, des Familienhauptes, bedurft, welcher gemeinsam mit seinem 'Bruder. Lord Henry Bentiuck, dem Lord Howard be Waloen Vorstellungen machte. Ein anderes Mal sei Letzterer von seinem Schwager, dem Major Burroughes, hinausgeworfen worden. Ladn Howard de Walden sagte serner aus, sie glaube, daß ihr Mann ein Einkommen von 3000 Lstrl. jährlich habe und daß ihm nach dem Tode seiner Mutier .ein Grundbesitz im Werthe von 150,000 Lstrl. zufallen werde. Die Verhand. hingen dürften längere Zeit in Anspruch nehmen. ' Ein bekannter, amerikanischer 'Neger-Minstrel wurde eine Tages vor Gericht als Zeuge vernommen und von einem Advokaten scharf ausgefragt. .Sie sind Minstrel, glaub ich?" sagte der Advokat mit Nasenrümpfen. Jawohl.- Ist das nicht ein ziern lich ordinärer Beruf?" frug der Advo kat weiter, in dem Bemühen, die Aus sagen veZ Minstreks, die ihm unbequem waren, abzuschwächen. Ich will darüber nicht urtheilen," antwortete der Minstrel. Ich weiß nur, daß mein Beruf viel besser ist. als der meines Vaters war.- Was warhr Va 4Ct? .Der war Advokat!" lautete die Antwort, welche ein schallendesGe lächter im .ganzen CerichtZsaal' hervor alti Der Eitelkeit zum Opfer gefallen sind in Rogowo in Posen zwi junge Mädchen, die Töchter des Schul macherS T. Dieselben hatten sich bei ihrer Gesundheit eines blühenden Am sehenS zn erfreuen. Plötzlich hielten sie es für unschön, -rothe Backen zu ha. den, und um ein schmales, bleiches Ge sicht zu bekommen, aßen sie gewöhnlich Schreiblreide. Sie wurden hiervon krank, verriethen jedoch dem sie behandelnden Arzt nicht, was sie gegessen hat ten. Ihr Zustand verschlimmerte sich. Kurz vor dem Hinscheide bekannte die Zweite, d?ß sie Kreide, und zwar bis zu einem halben Pfuud auf einmal. hinuntergeschluckt 'hUteu. Leider kam dieses Eeständniß zu spät,, der Arzt konnte nicht mehr helfen und die tröst losen Eltern waren ihrer zwei hoff nunaZvollen Kinder beraubt. Bäurische Blätter be. richten zus Oettingcn:. In einer hiesi gen Gastwirthfchäft saßen mehr?re Gäste uzd ließen sich neben dem Bier auch eiue Häring prachtig schmecken. Plötzlich fing Einer, der ein grätiges Stück hasti verschluckt hatte, zu keuchen und ZU pustru an,' denn es 'war ihm dasselbe im Schlund stecken geblieben. Schnell entschlossen nahm ein anderer Gast den am Kasten hängenden Eylinderwischer und fuhr dem Erstickenden ein paar Mal kräftig im Halie auf unz nieder. Mit dankbarem Ausblicke uns dem erleichternden AufeiAH! JeZit i . i 1 4 a - w. cf -. Mi orunienii. vergaii ,oer enoyl - stluem Lebensretter die Radikalkur.
Der Kostgänger.
Von . Su.ldar.ar v. Lltt?. Das Eh.'paar Naburop lebte in geordneten, aber .armen Verhältnissen. Er verdiente als Buchhalter jährlich achthundert Gulden;' t ergantzc durch ttlcidermachen das Budget auf zwölf hundert. Damit kam man aus, allein Sprünge durfte man dabei keineswegs machen. Oftmals beriethen die Zwei, wie man no.1z auf anstündige Weife etwas ins Haus dringen könnte, etwa dadurch. dan man einen oder zwei Knaden in Verpflegung nahm, allein eine genaue Berechnung hatte immer gezeigt, daß man für die Sorgen, die Einem so etwas aufbürdet keine ent sprechende Entschädigung hatte, und so wurde denn das Vorhaben fallen ge lassen. Eines TageS kam jedoch Herr Naburop mit einem Zeitungsblatt nach Haue. Da lies, Christine" sagte er und sie las: Ein alleinstehender kränklicher Greis sucht bei einem kinderloscu Ehepaar liebevolle Aufnahme. Da er keine Ver wandten besitzt, ist er geneigt, solche Menschen, die ihm ein Heim bieten und dadurch seine letzten paar Lebenstage versüßen, zu Erben seines Vermögens von zehntausend Gulden einzusetzen. Zuschriften unter Nächstenliebe" an die Erpediliott des Blattes." Na, was meinst?" frug Herr Na burob, als sie fertig war. Armer Alter," versetzte Frau Christine mitleidig. Wäre daS nicht etwas für uns?... Wie, wenn ich ihm schriebe"? Ah, Du glaubst, wir sollten unS melden?" Der Gatte nickte lebhaft bejahend. Probiren könnte man's ja." Freilich, das denk' ich auch!.... Nimm nur: zehntausend Gulden, die Einem so cincS schönen Tages ins HauS fallen." Aber Mathias es ist doch, als ob man da af den Tod eines Menschen rechnete. Er selbst müßte auf einen ähnlichen Gedanken kommen und" Warum nur gleich so etwas! Der gute Alte kann ja in aller Seelenruhe seine paar Jahre leben;, sie sind ihm vom Herzen vergönnt. Einmal müssen wir Alle sterben, dem weicht er freilich nicht aus." Gut, wie Du glaubst; mir ist Alles recht." Vier Tage später erhielt Herr Nabu rop ein Schreiben, worin ihn der In serent, der sich Kaspar Buschwürger unterschrieb, um seinen werthen Besuch bat. Pünktlich zur angegebenen. Stunde trat Mathias Naburop in das kleine Hotel Garni und er wurde sogleich'rlach der entsprechenden Nummer gewiesen. Der Inwohner empsing ihn in einem großen Lehnstuhle sitzend und hüstelnd: Entschuldigen Sie. lieber Herr, daß ich nicht aufstehe, aber dieser schlimmeKatarrb. der mich seit ein paar Wochen Plagt, schwächt mich von Tag zu Tag mehr. ES ist ein Kreuz'... Wenn es einem so mit zwciundsiebzig Jahren in den Bronchien sitzt, hat man nicht viel mehr zu erwarten." Der Besucher fühlte sich gedrängt, einige ermunternde Worte zu sagen, allein der Andere wehrte sie kopsschüttelnd ab. "Na. reden wir von Anderem; also mein lieber Herr. Sie wären geneigt, mich alten Krüppel in den Schoß Ihrer Familie aufzunehmen?.. Das ist menschenfreundlich von Ihnen, in der That, sehr menschenfreundlich. So ein alter Bursche, wie ich. ist in mancher Beziehung ein: größere Last, als ein Kind; wissen Sie das?" ' Es kommt darauf an, was man unter Last verstehen will," erwiderte Herr Naburop freundlich. Ich glaube, meiner Frau und mir wäre es keine sc schwere Aufgabe, einen Hausgenossen als Familienglied zu betrachten." "Nun ja, ich sehe, Sie sind eben kein Egoist Sie gefallen mir. Herr Naburop; ich denke, ich könnte mich bei Ihnen ganz keimisch fühlen." Das müßten Sie auch, verehrter Herr!" versicherte der Andere eifrig. Wir würden schon sorgen, das cs Jhnen an nichts fehlt." So wären wir ja eigentlich im Princip einig." Geung, ich bitte, mir nur Ihre nä hercn Wünsche bekanntzugeben, damit ich weiß, ob ich mich verpflichten kann." Ganz richtig: verpflichten." unter brach Herr Buschwürger. Mit Rech ten übernimmt man immer Pflichten. Ich will Ihnen also sagen, wie ich mir die Sache denke; Sie werden mir dann aufrichtig sagen, ob das auch nach Jh rer Idee ist." Herr Buschwürger legte nun der Reihe nach seine Vorschläge vor: Er beanspruchte Wohnung mit vollständi ger Verpflegung.' die er spezifizirte. Geselligen Verkehr durch gemeinsame Einnahme des Mittag- und Abend mahls. Für seine kleinen Privatbedürf N'sse wollte der Alte selbst sorgen; dazu diente die Rente des Kapitals, das je doch selbst als unantastba-es Ganzes für seine Pfleger sichergestellt werden sollte. Sehen Sie,- lieber Herr," schloß er, man hat mir nahegelegt. . die Summe auf eine Leibrente anzulegen. Wie es jetzt mit mir steht, würde mir eine Gesellschaft jeden Augenblick eine Rente von zweitausend Gulden gewährcn, aber wozu soll ich das schöne Geld einer Gesellschaft in denRachen werfen? Da wäre doch schade darum! So ha den wenigstens ein paar anständige Punschen einmal etwas davon und wie mir scheint. recht bald." und der Husten packte den Aermsten, daß cs dem guten Naburop in die Seele schnitt. Er bat sich nun noch aus. seiner Frau Bericht erstatten zu dürfen und versprach, am nächsten Tag seinen end ailtiaen Entschluß kundzugeben. Ei gentlich war er bereits mit sich einig, aber er hielt es für taktvoller, nicht so . ha zuzuarcifen. 1
Wcnize Tage später war Herr Busch
Würger glücklich keim Ehepaar unterge bracht. Man hatte das beste und größte Gemach, oas Schlafzimmer,' für den neuen Hausgenossen geräumt und Nch lm Kabinct einzuartirt zum ch!afen genügte dieses ja schließlich auch. Das EtZZ'mmcr, das zugleich ?alon war. sollte zum gemeinsamen Gebrauch zur Verfügung stehen. Herr Auschwnrger nickte besrtcdtgt; gau; recht so; -Khr brav organisirt. Der Wohnungswechsel schien dem Patienten treiflich zu bekommen, denn schon am nächsten Tage nach dem inzug war der Katarrh wie wezgeb sen, und auch der Appetit, über deffen .inz llchm Mangel er so bitter ge agt, stellte sich in ganz erfreulicher 'eise 4. nr ein. ucoeruaupl lernen ocr Psi-geve-fohlcne jetzt Herrn Naborup viel traf tiger. sozusagen förmlich verjüngt. Nun, das konnte einen Menichcn freund nur freuen, und der brave Mann gab auch dem neuen Hausgenossen gegenüber dieser Empfindung Ausdruck. Ein Monat verlief in ungestörtem Frieden. Herr Buschwürgcr war ein angenehmer Gesellschafter, gutgelaunt, gesprächig und voll der besten Einfälle. Freilich, als Frau Ehristine am Ende des Monats die Bilanz zog, kam sie zum Ergebniß, daß man, um eine Person mehr zu erhalten, auch mehr einnehmen soll, und es hieß somit, ungemein knl'.pp wirthschaften, um das vor geschriebene Budget einhalten zu können. Da blieb denn nichts anderes übrig, nls sich gewisse Dinge versagen, die züweilen erlaubt gewesen waren. Vielleicht konnte man die Portionen etwas vcrkleinern. Aber Herrn Buschwürger siel eS sogleich auf, daß der Umgang der Gerichte plötzlich abzunehmen begann. Er plante nicht gerade direkt mit seiner Entdeckung heraus, sondern sagte nur so nebenbei: Sie sollten den Fleischhauer wechseln. mir scheint er betrügt im Gewicht." Frau Ehristine fühlte sich wie eine ertappte Verbrecherin, und sie war nun doppelt besorgt, den Hausgenossen mit tüchtigen Portionen zu versehen; lieber stahl sie es sich und wenn es sein mußte dem Gatten ab. Alles das stellt indeß nicht das noth, wendige Gleichgewicht her. Nach einem halben Jahre standen Nechnungcn beim Fleischer, beim Bäcker, beim Viktualien Händler aus und der armen Frau wurde schwarz vor den Augen, wen sie über legte, wie das noch in der Zukunft wer den solle. Endlich mußte Mathias in's Ver trauen gezogen werden, es blieb nichts anderes übrig. Er rieb sehr bedenklich die Nase. Hm, hm. das war freilich schlimm, sehr schlimm! Und jetzt auf seinem Wege nach und von der Kanzlei grübcltc er unaufhörlich, wie das zu 'machcn sei. um das nothwendige Plus in's Haus z:l bringen Mit Ablauf des Jahres war 'wenigstens soweit mit sich im Reinen, daß unbedingt etwas geschehen mußte, sonst gingen die Dinge fchief: man schuldete bereits zweihundertfünfzig Guloen, und die Leute begannen drängend zu werden. Eine Anspielung, die Herr Naburop einmal wagte, indem er über die enorme Theue ruriq klagte, prallte am Hausgenossen wirkungslos ab. Ja, ja," jagte er gleichmütig, das Leben wird von Tag zu Tag theurer; da heißt es eben mehr verdienen." Mehr verdienen! Das war e?; danach hieß es streben, obzwar es einfachcr gewesen wäre, wenn Herr Buschwürgcr gefragt hätte: Kann ich Ihnen vielleicht ein wenig unter die Arme greisen?" Freilich, seine Rente war nicht groß, aber er hatte auch keinen Kreuzer Auslagen; die überließ' er ruhig seinen Pflegern. Endlich glückte es Herrn Naburop. eine Eftraarbeit zu erhalten und auch einige Schüler zur Erlernung der doppelten Buchhaltung fanden sich, so daß er jetzt, kaum aus dem Geschäste nach Hause gekommen, schon wieder an den Arbeitstisch gefesselt war. Früher war er doch um sechs Uhr Abends sein freier Herr gewesen: nun aber dauerte die Sklaverei bis Acht, und dann hieß cs noch oft nach dem Abendefsen ein paar Stunden opfern. Mit der Zeit fühlte er sich nur mehr als Maschine, und die angestrengte Thätigkeit ließ auch bald ihre Spuren an ihm zurück: er magerte ab, wurde gelb, fühlte sich nervös und unbehagiich, während Herr Buschmürger sichtlich an Körperfülle und gutem Aussehen zunahm. Dabei war dieser immer jo vial und wußte für alles ermuthigende Trostworte. Als Herr Mathias . einmal eine Jeremiade von Ueberbürdung. Zutodhetzen losließ, versetzte der Andere mild: Aber, lieber Naburop. ein kräftiger. jungcrMann, wie Sie! Da sollte Einem ja die Arbeit eine Lust fein Als ich noch im Staatsdienst stand, war meine größte Leidenschaft die, nach den Bureaustunden noch Akten bei mir zu Hause auszuarbeiten." Sie haben im Staatsdienst gestan den?" - Nun freilich; vierzig volle Jahre." Ja, aber da sollten Sie doch pen 'stonsbercchtigt sein." Bin ich auch, bin ich auch, mein Lieber." Herr Naburop war starr. Der Mann bezog also nebst seiner Rente noch eine Pension und sah ruhig zu, wie man sich hier für ihn zu Schanden rackerte! Schon lag cs Mathias aus den Lippen, aber er beherrschte sich noch. Was hätte da eine Auseinandersetzung gefruchtet? Es war schwarz auf Weiß ausgemacht, daß man für die Anwartschaft auf die zehntausend Herrn Buschwürger bis zu seinem Ableben zu aKen hatte. Wollte er daran rütteln, nun, dann sagte der Alte einfach Adieu und ging mit seinen zehntaufend eine Station weiter .. Atzer die Stimmung blieb von da an Ieine erbitterte, und die Gutmüthigkeit s . ' "
des Alten schlug auch um. sobald er be
merkte, dafc man ihm nicht mehr wohl gesinnt war; es gab jetzt Hccheleicn, die ost recht unerquicklich waren. Naburov lies; seinem Zorne freien Lauf, wcnn sich eine Gelegenheit bot,' den Anderen durch Steinhiebe zu treffen. Stand in der Leitung von iraend. einem allen Pfründner, der gestorben und in deen lroh!aa ein Vermögen gefunden worden, so ließ sich Herr Na, durop breit über gewisse Parasiten der Menschheit aus, die an den Anderen saugen, von deren Güte und Dumm heit'led'en, um ihnen den letzten Blutstropfen aus dem Leib zu preszen. Und Herr Buschwürgcr wieder kritisirte die Geldgier der heutigen Welt, deren Den ken und Trachten nur dahin ginge. Andere um ibr sauer Erworbenes m bringen, ja. oft vor einem Verbrechen Nicht zurückschrecke. Aber zum Gluck, er war ein -vorsichtiger Mann; so habe er beilpielsweile m seinem Testament angeordnet, daß nach seinem Tode sogleich eine gründliche Section vorzu nehmen sei. ' denn man konnte nie wissen und ein hämischer Blick traf den Andern, was diesen veranlaßte, ent rüstet zu rufen: Nach Ihrem Tod? El was. mir scheint. Sie nähmen eS mit dem ewigen Juden auf!" So standen d:e Tlnae. als öerr Naburop ertränkte. Acht Tage später lag er aus der Bahre. Nach dem Begräbniß sagte Herr Buschwürger mild zur Wittwe: denke. Sie werden jetzt nicht in der Lage sein, die Verpsllchtungen des armen verstorbenen weiter einzuhalten." ' Nein, das war sie gewiß nicht! Wie sollte sie auch mit ihrem kümmerlichen Verdienst noch eine zweite und dazu anspruchsvolle Person erhalten!. . . . . Nun. sehen Sie. da muß ich schon Nachsicht walten lassen. Solche Ab machungen verpflichten zwar auch die Erben aber da wollen wir doch eine Ausnahme machen." Er ließ ihr2iobel zwanzig Gulden und übersiedelte am nächsten Tage in sein altes Garni. ' Bald darauf stand wieder eine Annonce in der Zeitung: Ein alleinstehender kränklicher Greis sucht bei einem kinderlosen Ehepaare liebevolle Aufnahmt'. Da er keine Verwandten besiyt. ist er geneigt, solche Menschen, die ihm ein Heim bieten und dadurch seine legten paar Lebenstage versüßen, zu Erben seines Vermögens von zehn tausend Gulden einzusetzen. Zuschristeu unter Nächstenliebe" an die Erpe dition des Blattes." ' China das Ursprungsland der Ostereier. . Dem Ostasiatischen Lloyd zufolge wäre der Gebrauch der buntgesärbten Ostereier auf das chinesische Alterthum zurückzuführen. Die Ehinesen daben nämlich ein Fest, welches sie das Kalte Fleischfest" nennen; es ist auch unter dem Namen Tsing-ming"-Fest bekannt und fällt stets auf den Tag, an welchem die Sonne den 15. Grad des Widders betritt, (d. h. 103 Tage'nach dem Wintersolstitz), oder in ungefähr dieselbe Zeit wie unser Cstern. ' Dieses Kalte Fleischfest" dient zur Heiligung der Wiederbelebung der Natur durch die Frühlings- wie Sonnenwärme, demge maß war es auch verboten, während desselben Feuer anzuzünden. Diese Sitte herrschte bereits zu Anfang der Tschau-Tynastie (1122255 v. Ehr.) Herolde, die mit einer hölzernen Glocke umhcrginzen,zdejah!en Jedermann alle Feuer int Kaiserreiche auszulöschen. Das Fest währte drei Tage, und da man während desselben seldstrerständlich auch n'chts kochen konnte, so wäre das Volk genöthigt gewesen, entweder rohes Fleijch od.'r kalten Reis zu essen, Spesen, die innerhalb dreier Tage verderben würden. Es blieb aber ein wohlbekannter Ausweg übrig, nämlich: harte Eier, die sich mehrere Tage lang halten, zur Nahrung zu wählen. Wie uns alte chinesische Bücher mit theilen, wurden diese auch thatsächlich während der drei Tage an Freunde geschickt und gegessen. Das Jahr, von welchem an das chinesische Volk harte Eier an diesem Tage genoß, ist nicht genau bekannt; man findet die Sitte zuerst in den Annalen eines alten Staates, Namens Kingtfu (im 7. Jahrhundert v. Ehr.) erwähnt. Die betreffende Stelle, lautet: Die Sitte, Hühnereier für das Kalte m.Z ZZlt lA.4llfl.AUAM MltC fei UlClUltl VUl jUÜClvlUll, ItUJll UJll einem mächtigen Fürsten her, der im Alterthume regierte; er aß solche Eier und nannte sie gemalte Eier. Heutigen Tags färbt das Volt Eier ebenfalls blau, roth sowie verschiedenfarbig, und beschenkt sich gegenseitig damit." Hier aus geht . hervor, daß man die Sitte zum wenigsten siebenhundert Jahre vor Christus kannte. Dieselbe, war wäh. rend der Tang.Dynastie (613 V07 u. Ehr.) noch allgemein in Ehina im Schwünge. Der Grund, warum be. sonders Hühnereier zu diesem Zwecke verwendet wurden, ist darin zu suchen, daß der Hahn ein dcr Sonne geheilig tes Thier ist. Man sieht das Feuer für die subtile Essenz der Sonne an, und daher, wie das Volk sagt, kräht auch der Hahn beim Sonnenaufgang. So hätte sich ein alter heidnischer Brauch von Ehina nach den Urwäldern Deutsch lands verpflanzt, wo nicht nur die Sitte beibehalten wurde, sondern auch der Name Qstern (Ostara), den man jenem Datum gab, weil es in alten Zeiten Frühling war, wenn die Sonne über das östlich: Viertel des chinesischen Him melskrciscs sich bewegte. Jetzt kehrt dieses 5?alte Fleischfest'- unter seinem neuen Namen Ostern nach Ehina zu. rück, wohin es christliche Missionäre ge bracht haben, und chinesische Christen essen jetzt baxtt Eier zur Erinnerung an die Auferstehung Ehristj, wie ihre Ahnen dieselben einst zum Andenken an die Wiederbelebung der Sonne aßen." Auch in der Galerie bei Lebens haben die unbedeutendsten Bit der oft die kostbarsten Nahmen.
