Indiana Tribüne, Volume 16, Number 263, Indianapolis, Marion County, 11 June 1893 — Page 6
Die Liede einer Suigin. , CZ war am 10. Januar 1774. In den prunkvollen Sälen des franzosischen Königspalastes ertönte die gedämpfte, zarte Musik der Geigen und Flöten. Schöne Damen in seidenen Röckchen mit hochaufgethürmten Frisuren und Schönpflästerchen im Gesichte tanzten zierlich da? Menutt und suchten mit heißen und lockenden Blicken ihre kalten unr, blasirten Kavaliere zu begeistern. Schöne Frauen waren sie wirklich schön? Sie waren Alle verführerisch und ko!ctt ist das nicht genug? Vor nehnlc Kavaliere waren sie nicht be gchrenswerth? Sie bewegten sich so elegant und blickten so siegesbewußt, so siege-mlide es mußte wohl so sein. Wer möchte a5ch mehr verlangen von einem Hose, an dem der alte, in sich zusammengebrochene fünfzehnte Ludwig müde und matt sich dahinschleppte und eine Tudarry die Königin spielte? Und die Flöten erklangen immer süßer, die Blicke wurden immer unzweideutiger, die. Complimente der Herren erschie nen beinahe natürlich die warme, parfümgeschwängerte Luft berauschte die vornehme Gesellschaft, es derauschte der Glanz der Lichter, das flimmernde Gold der Wände, das me lodische Lachen hinter sanstbemegten Fächern.... Nur Eine blieb nüchtern und starrte immer wieder mit großen, vermunder ten Augen in das' tolle und zärtliche Getändel, das sie nicht begriff. (5s war die ..kleine Nöthe". So hatte sie die Tubarry benannt, und wenn die getreuen Schranzen derselben jener An deren gedachten, hießen sie' sie immer nur die kleine Rothe". . Die kleine Rothe" aber war keine Andere, als die Tochter Maria Theresias, die Gemah lin des Tauphins, Maria Antoinette. Wie fingen es die anderen Frauen an, so viele Männer verliebt zu machen? Vier Jahre hatte sie, die Tochter des österreichischen Kaiserhauses, sich bereits erfolgt bemüht, ihren Gemahl zu erobern. Am Tage der Vermählung hatte er sie bis zur Thüre ihrer Ge mächer begleitet, hatte ihr dort höflich die Hand geküßt und sich diskret zurück gezogen. Er liebte die Bequemlichkeit, das gute, starke Essen, die Jagd, kräf tige Handarbeit, (jr hatte keine Zeit, für sie. Am Hofe der Bourbonen lernte man bald die kleinen weiblichen Künste des Fefselns und Verführens. Alles hatte sie aufgewandt. Alles, und immer vergeblich! , Wie beschämend, wie erniedrigend, wie verletzend sür die Eitelkeit einer Frau ! Und der ganze Hof wußte es, jeden Tag erzählte, man eine andere spöttische Anekdote über ihr Eheleben, spöttisch war das Lächeln der Männer, d-e sich ihr näherten, spöttisch waren die Blicke der Frauen, die sich vor ihr verneigten. Das machte sie so einsam, so verschüchtert, so linkisch Nun nähert sich ihr der schwedische Gesandte und stellt ihr einen jungen Mann vor, den der Vater auf Reisen geschickt hatte, damit er die Welt kennen lerne. Der junge Mann ist erst neunzehn Jahre lt. gerade wie die Tauphine, feine Gestchtszüge. ein kaltes, blaues Auge. Graf Johann Are! von Fersen", sagt der Gesandte. Der jungeMann blickt auf diePrin z?ssin und sein Auge belebt sich. Ueber die Wangen der Dauphine huscht eine flüchtige Röthe, während er sich über ihre Hand beugt, um den feinen Handschuh mit seinen Lippen zu berühren. Und es küssen ihr doch so Viele die Hand, und nie hat sie etwas dabei emPfunden. Er erzählte ihr dann von seiner Heimath, von dem Weg. den er -nach Paris gemacht, und meinte, daß ihn das nicht gereue. Sie hörte gerne auf ihn, und er wurde erst Huld voll entlasten, als die Tauphine den Saal verließ. Wenige Stunden später fnd der Pariser Opernball statt, der damals noch das Rendezvous der vornehmsten Gesellschaft Frankreichs bildete. - Der ganze Hof wohnte ihm bei mit allen Prinzen und Prinzessinnen, Maitresien und Kavalieren. Man hatte Fersen dringend gerathen, diesen Lall zu besuchen, der etwas ganz Auserlesenes bilde, und der junge Mann begab sich mit dem Gesandten seines La 'es dahin. Im Gewühle hing sich ein Do mino in seinen Arm und begann ihn zu intriguircn. Es war zweifellos eine seine, liebenswürdige interessante Dame, sie plauderte ganz allerliebst und ihre Worte klangen kosend in's Ohr wie Musik. Die Stunden an ihrer Seite verflosien wie Minuten. Plötzlich blickte der Morgen durch die Fenster und das Zeichen wurde für die Damen gegeben, sich zu demaskiren. Als der Domino am Arme Fersen's die Larve abnahm, ging ein Ruf der Ueberrafchung durch
den Saal. Die Dauphine! Die Tauphine!" rief man von allen Seiten und die Menge drängte sich um das Paar, so daß die Prinzessin ihren Ka valicr ersuchen mußte, sie in ihre Loge zu bringen, wo sie ihr Gemahl und der Gras von Provence erwarteten Vier Jahre später. Es ist ein Zi schein und Flüstern am ganzen Hofe. König Ludwig XVI. hat noch immer Nlcht'demerkt, daß seine Gemahlin rer zend sei. aber der Graf von Ferien, der schöne Schwede, so sagt man, ist sterb lich in sie verliebt, und sie erwiderte diese Liebe mit aller Gluth der Jugend und des stürmischen, in Sehnsucht sich verzehrenden Herzens. Ein Unglück mehr, denn sie ist Königin und die Tochter Maria Tbereua's, ein Weib. das sich nicht vergeben, eine Frau, die ibren Gefühlen nicht folgen darf. Diese Liebe ist ihr Glück und ihr Martyrium. Aber sie zischeln und flüstern Hat er nicht gestern bei Hnse ein Lied ge funden, 'das seine Gefühle nur zü deulllch verrieth i Welche uuuyeu! Würde er es wagen, wenn n chr ? Ta faßt der Gras von F.-r,e.i den heroischen Entschluß, allem Gerede mit einem Male ein Ende zu machen und V abzureisen, so rasch wie möglich. Er läßt sich in da 5 Korps einreihen, daZ
unter Lasayette und Rochamdeau nach
Amerlka entsendet wird. Die Königin will ihn vergebens zurückhalten, er bleibt fest, sie ist trostlos, aber die Günstlinge, die bereits für ihre Macht gefürchtet hatten, jubeln. Wie, Herr Grat." fragt die Herzo gin von Fitz-James, SU reisen ab und lasten Ihre Eroberung im Stich?" Wenn ich eine aemacht hätte, so würde ich sie nicht im Stich lassen," er widerte der junge Mann. - .Ich reise aber frei, und unglückllcherwelje, ohne ein Bedauern zu hinterlasten." Der schwedische Gesandte Baron von Kreut berichtet aber an seinen Souve rän in Stockholm in einer geheimen Note, die man erst kürzlich unter den Papieren Gustav III. im Archiv von Upsala gesunden, wie folgt: Ich miiB Ew. Majestät vertrauen. daß der junge Graf von Fersen bei der Königin so wohlgelitten war, daß dies bet verschiedenen Personen Verdacht erweckte. Ich gestehe, daß ich selbst nicht umhin kann, zu glauben, sie hätte eine Neigung zu ihm gefaßt; ich habe zu sichere. Anzeichen gesehen, um zweifeln zu können Die Königin tonnte die legten Tage nicht die Blicke von ihm abwenden: und wenn sie ihn betrachtete, waren ihre Augen mit Thränen gefüllt " Vierzehn Jahre spater. Die Wogen der französischen Revolution gehen hoch, die königliche Familie wird seit ihrem Fluchtversuch in den Tuilerien auf daZ Strengste bewacht. Vor der Thüre der Königin schlafen die Offiziere der Na tionalgarde, sie dringen drei', viermal in der Nacht in ihr Schlafgemach, um zu sehen, ob sie da sei; einer sehte sich jüngst sogar an ihr Bett und begann xix plaudern Welche Schmach, welche Beschimpfung qen und Demüthigungen muß die Tochter Habsburgs erdulden! Und kein Rettungsstrahl! Die Assemblee wird lmmer wüthiger, die auswärtigen vcächte zögern und schwanken und wa gen es nicht, an eine Intervention zu denken. Nur einen Freund hat die königliche Familie in der Ferne: den Grafen Johann Axel von Fersen. Er war es gewesen, der den ersten Fluchtplan entworfen und betrieben hatte, der die Berline bestellt und be spannt, die leider nur bis Varennes gekommen war. Man wußte, daß er der Anstlster des Fluchtversuches qe wesen, er mußte damals fliehen, sonst wäre das Schaffst fein LooZ gewesen. Nun aber ist er wieder nach Paris ge kommen, verkleidet, unter tausend Schwierigkeiten, um die königliche Fa mille nochmals zu emer Flucht zu über reden, die sie an die Meeresküste und nach England bringen soll. Er ist da und hat Geleqenheit, selbst zu sehen. daß jede Flucht unmöglich ist, die Bewachung ist zu strenge. Und dann hat der König versprochen, zu bleiben, und er ist ein 'ehrlicher Mann. Durch eine geheime Pforte (eus meinem gewöhn lichen Wege", steht in seinem Tagebuche) dringt er in der Nacht in die Tuilerien. 'Welches Wiedersehen! Die Königin ist vergrämt, ganz abgemagert, das schöne,, golvglänzende Haar ist grau geworden! Sie ringt die Hände und weint Noch zweimal kommt er ver steckt in die Tuilerien, er spricht den König, .der nicht fliehen, die Königin, die an seiner Seite ausharren will. Und dann nimmt er von ihr Abschied, die er so heiß geliebt. Er hat sie zum legten Male gesehen.. .. Siebzehn Jahre später. ES herrscht gewaltige Aufregung in der Staot Stockholm. Prinz Ehristian von Hol stelN'Augustenburg, der von Karl XIII. adoptirte Thronsolger, ist plötzlich an Herzschlag gestorben. Die Aerzte haben es sestgejtkllt, aber man spricht von Vergiftung und beschuldigt den Grafen Axel von Fersen, ein Eomplott ge. schmiedet zu haben, um Gustav IV. wieder auf den Thron zu bringen. Dieser Gustav war seine Puppe und die Rathschläge des reaktionären Staatsmanne hatten zur Vertreibung des Königs geführt. Dieser Fersen haßt das Volk, alle seine Thaten waren gegen dieses gerichtet.und das Volk haßt ihn. Wird er es wagen, an dem Leichenbegangniste des Prinzen theizuneh. men? Wehe ihm! Die Polizei will ihn warnen, aber der König sagt: Es stünde diesem stolzen Herrn eine Lektion nicht übel an." Nun erscheint sein Wagen im Leichenzuge. Man wirst mit St:inen nach ihm. man hält ihn zurück. Tann reißt die rasende Menge-den Grafen aus dem Wagen und er stirbt nach stundenlangen ' Mißhandlungen unter Faustschlagen und Fußtritten .... Welches schreckliche Ende, ähnlich einem anderen, dort in Paris, auf dem Greveplatz! Nach dem Tode der Köni gin Maria Antoinette schrieb er in sein Tagebuch: Mein Herz wird ohne die Rache niemals Ruhe finden." Die Rache aber hat ihn an denselben Abgründ geführt wie sie DaZ ist die Geschichte der zärtlichen, rührenden, keuschen, entsagungsreichen, schmerzensschweren, verhängnißvollen Liebe einer Königin.. .. Hundert Jahre .sind seit dem Tode der Königin Maria Antoinette verflossen und zum ersten Male wird jet.der Schleier von ihrem Liebesroman mjt dem Grafen von Fersen hinmeggczogen. Wer mehr darüber rfahrcn will, lese das Wert von Paul Gdulott "Un ami de la lieine", das eben bei Ollendorf in Paris erschienen ist. Dasselbe ist auf Grund der kürzlich in Schweden veröffentlichten Korrespondenz des Grasen von Fersen und zahlreicher unzweifelhafter Dokumente aus französischen Archiven gearbeitet. Der Historiker ha! seine Arbeit gethan. Nun. heran, ihr Dichter, und besingt einen der erlchüt terndsten Romane, der sich je an den tusen des Thrones abgespielt! F. Walvenser. Wer mit sich selbst unzu r w t n , i w ' srieoen iu, rann mqji rnu oer velt zu frieden sein.
Ostindien aus der Worlds Fair".
....Uni nacft 3u-n c ti Ortmani, Zu der Mulker. d,e dsZ He,mm,i stillt.Nicht alle exotischen Aösonderlichkei ken und Merkwürdigkeiten der Ehica zoer Weltausstellung drängen sich an der Midmau Plaijance zusammen: auch die Weiße Stadt bietet solche vielfach, sowohl da und dort in den großen Aus stellungspalästen, roft a-uch in Einzel gebäuden. A- - - 2 ,-XJ 7j x j o q. j 'ILO,' iif.r 1 1 . O 'Cm fr j .&' V I. I 1. ittzz - 'i V yrr. Zudem Bedeutendsten dieser Gattung gehört jedenfalls die neuerdings einge weihte Ausstellung von Ostindien. Sie birgt sich in einem von außen ziemlich bescheiden aussehenden Bau an der nordwestlichen (?cfc des Jackson'Park. unweit des Gebäudes von Illinois und anderer einheimischer und auswärtiger Repräsentationshäuser. Hinter der einfachen Aufschrift .Jndia" über dem Thorwege steckt aber ein außerordentlich reicher Inhalt, darunter Dinge, die noch nie in einer ostindischen Ausstellung geboten wur den und auch in Ostindien selber nur sehr selten zu sehen sind. Die Deutschen sollten nicht die Letzten sein, die sich sür diese merkwürdige Ausstellung intcressiren, zumal ja auch jenes wun dervolle Land die uralte Heimath der Germanen ist! :!er Hinterkaber von Hyderabad. Beginnen wir sogleich mit Etwas. was der Leser wohl an dieser Stelle am allerwenigsten erwarten wird, nämlich mit einer Hinterlader Ka no ne von ganz erstaunlichem Alter. Selbige ist so alt. wie die Entdeckung Amerikas, und wurde sich höchst gelun gen neben der modernen Riesenkanone im Krupp'schcn Gebäude ausnehmcn. Das Geschütz wurde ungefähr zur Zeit hergestellt, als Leonardo da Vinci in Italien das Princip des Hinterladers entdeckte; die diesbezüglichen Pläne die ses vielKitlgen Künstlers und Erfinders gelangten aber , niemals zur AuSfüh' rung, und die beschaulichen Ostindier sind unS also drel bis vier Jahrhun derte in der Erfindung dieser furcht baren Wasse der Neuzeit- voraus. Die Ausstellung enthält überhaupt eine sehr mannigsache Sammlung in discher Waffen aller Art. einheimische Panzer. Streitärte, Säbel, Messer. Schilde u. s. w. Es ist. hier zu be merken, daß jede der vielen Nationen Indiens in dieser Hinsicht ihre eigenen Moden und Manieren hat, und diese sich noch dazu fortwährend ändern. Ganescha. Gott der Klugheit. Auf den Besucher macht das ganz Innere der Ausstellung schon wegen bei Farbenwirlung der Dekorationen an Wänden und Decke, sowie der ausqe stellten Gegenstände selbst, einen sehl tunstvollenoeten Eindruck. Die wolle nen und seidenen Teppiche mit ihrer bunten Bildern, der- Marmorschmuck, die Götterstatuen, die messingnen Basen. Schaden und noch manches Andere ver einigen sich zu einer harmonischen Far benmischur.g von zariem Rosa, matten Roth und Gold und Blagrün. Selbst das kleinste Räumchcn ist au! das Geschickteste ausgenutzt, und da! Ganze entZckt jeden Kenner Ostindiens, der sich höchstens noch außen herun einen echten ostindijchen Palmenhail Wünschen könnte. .
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Ctrcchentempel. Besonders in die Augen fällt auch ein zierlicher Schrein oder Tempel aus buntem Marmor, etwa 6 StUB hoch und 4 Fuß breit, mitten im unteren Stock stehend. Solche Altare werden vielsack iz Ostindien an Straßenecken und Kreuzwegen errichtet. Rechts und links von dem .empelchen sitzen zwei Gestal ten von Buddba oder Gautama in der gewöhnlichen kauernden Haltuug. Den Kops des weisen Bildes zur Lmten be schattet ein anderer Kopf: der einer hei ligen Eobra.Schlane, wie solche auch Gautama. der indischen legende zu folae. vor den Strahlen der Sonne schützte. Auch sonst spielen diese Schlangen eine aroe Aolle vel oen Verzierungen. tfaTir. An den Ecken der Gallerie gewahrt nan zwei außerordentlich natürtreue. lebensgroße Nachbildungen von indiaNischen Fakiren oder religiösen Bett lern. Büßern und Wunderthätern, wie sie der Reisende z. B. in den Straßen von Ealcutta sehr häufig findet, und deren abgemagerte Glieds.- sich gar nicht mehr aus ihrer gekrümmten Stel lung aufrichten können. Alle die bekannten indischen Gölter, Volkshelden und Bolkserlöser mitsammt der ganzen indischen Weisheit, die ja in der Neu ;eit das Interesse des Abendlandes wie der lebhafter erregt, treten uns hier mtgegcn. Die Mahabharata und die s?amajana stehen förmlich verkörpert dor uns. Wir lernen den rohen indi schen Volksglauben ebensowohl wie die' seine indische GotteSgelahrthcit und Philosophie im Bilde kennen, und ein gelehrter Pundit ist erb.Stig. gegen Ver gütung per Stunde' auch alle ge wünschte mündliche Auskunft zu lie fern. Daneben enthalt die Ausstellung noch eine Menge der auserlesensten Handarbeiten weltlicher Gattung, z. B. auch wunderschöne Spitzenmustcr aus Elephanten Stoßzähnen herauZgeschnitzt. Man muß an diesen Arbeiten die Geduld noch mehr bewundern, als die Kunst selbst. Die indische Regie rnq hat 50.000 Rupien für die Errichtung des Gebäudes beigesteuert, doch ist die eigentliche Ausstellung ein prlva teZ Unternehmen. Der Bergbau auf derAuSstellung. Immer mehr vervollkommnen sich auf der Ehicagoer Weltausstellung auch die Ausstellungen unserer großen Re publik. und wahrlich nicht den letzten Rang nehmen darunter Die amerikanischen Bodenprodukte ein. Wenden wir uns zur Abwechslung einmal den tod ten Produkten zu, und betreten wir daZ Gebäude für Bergbau und Hütten Wesen. Dieser Bau liegt unweit des südwest. lichen Endes der grokm Lagune, welch sich im Mitteltheil der Weißen Stadt be,indet, und hat östlich den Elektricitätspalast und westlich das Transpor tationS-Gebäude zu Nachbarn. Er ist aus demselben Material hergestellt, dessen man sich bei der letzten Pariser Weltausstellung zur Errichtung der Hauptgebäude bediente, .nämlich auS sog. Beton oder Stoff", welcher im mittelbar am Weltausstellungsplatze in außen Mengen gegraben wurde.
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o 3 t) Cl 3 a H s er ?au nimmt einen Flächenranm von 350x700 Fuß ein und ist nur ein stöckig. im Uebrigen ein sehr schmuckes und repräsentatives Werk. Von den Promenaken aus, welche mit GlaS gedeckt sind, führt eine Anzahl Zugänge in das Innere. Der innere Raum ist 640 Fuß lang und 230 Fußbreit, und erreicht in der Mitte die Höhe von 100 Fuß. Die Hauptfacaden außen sind reich mit Bildhauer-Arbeiten geschmückt. Erzb!cre auS MifMn. welche das Leben und Treiben !m Bergwerk darstellen. Vier Pavil?oirs mit hübschen Kuppeln bilden die Ecken des Gebäudes. Die Decke wird von Stahlsäulcn getragen. Geräumige Treppen führen drinnen zu den Gallecien hinauf, welche 2.') Fuß über dem Loden liegen. Es ist nur natürlich, saß ein Bcrgbau-Gcbaude etwas Masfives haben muö: dasselbe beeinträch' tigt jedoch den gefälligen Eindruck nicht. n 3 & O cU Im inneren Raum sind fast alle im sere Staaten, welche Bergbau-Jndustrie haben, vorzüglich vertreten, und die meisten Ausstellungen der Mctall-Erze, Kohlen u. s. w. sind recht geschmackvoll und in die Augen fallend geordnet. Zu den reichsten Edelmetall-Äusstellungen gehört natürlich die von Ealifornien, welches überhaupt eine sehr vielseitige Vertretung in den verschiedenen De partementS hat. Zwei der hübschesten Bergbau-Ausstellungen sind die von Eolörado und die von Wisconsin. Weiße, graue, rothe und anderfarbige Säulen und Obelisken ragen ringS empor, und zwischen ihnen sind die Metallerze u. s. w. recht wirkungsvoll aufgestellt, zum Theil in mächtigen Blöcken. Die WiSconslner Ausstellung, von der manche patriotische Wisconsiner crnsthast versichern, daß sie schon allein den Besuch der Weltausstellung lohne, bietet jedenfalls ein sehr in teressantes Bild und hat einen prächti o.en Mitt.elpavillon. . ' Brgbana;i3t: u :z des S c.lc? W s)!ngt?u. Unter den übrigen bemerkenswerthen Ausstellungen in diesem Raum seien nur noch die Erzblöcke von Missouri und die imposante Ausstellung des ju gcndlichen Staates Washington her vorqehoben. Wenige dürften dieses Gebäude verkästen, ohne dem Mineral reichthum unseres Landes manch: neue Genatsvunlte avaeVonn.'n ;" .,.;den.
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Für unsere Frauen. Wer ist beliebt?
Das Lcbenselement der Frau ist die Liede, und ihnen ebenso unentbehrlich mie den Fischen ihr flüssiges Reich. Ohne Wasser keine Frische, Beweglich keit, Behendigkeit. Lust und Freude der glossentbiere ohne Liebe ein leeres. schales, freud fast zweckloses Dasein der gemüthlichen Frauen. Und ebenso wie es stille, reißende, klare, trübe, salzige und süße Gewässer gibt, denen die schwimmenden Bewohner in ihren Kör per-Eigenschasten und Lebensgcwohn halten sich vollkommen anpassen, so un terscheiden wir auch sehr verschiedene Ar ten von Liebe, stille, leidenschastliche. selbstlose, egoistische, begehrende und aufopfernde, deren Vertreterinnen in ihrer Seelen und Sinnes-Art, wie Eharaktereigenschasten . wieder vollkommen mit ihrem Lebenselement überein stimmen. Doch weder die ganze Naturgeschichte der Fische, noch die der Liebe läßt sich quasi in den Raum einer Nußschale zusammendrängen, deshalb möchten wir uns für heute nur mit einer einzigen ganz allgemeinen Art der Liede beschäftigen, indem wir aus dem großen Reich des Liebesgottes Eros, die Beliebtheit herausgreisen. Zu allererst suchen wir nun dir Frage zu beantworten, was eigentlich Beliebtheit ist, und welche besondere Eigenschaften des Körpers. Geistes und Herzens dazu erforderlich sind, um sich das Anrecht auf diese Form der Liebe zu erringen. Bon einem geistreichen deutschen Fcuilletonisten erhalten wir bereitwilligst folgende Erklärung: Wer gerade so klug, beziehungsweise gerade so dumm ist, wie die andern, der ist beliebt." Für dön ersten Augenblick hat diese Theorie etwas Verblüffendes; man muß erst tiefer in ihren verborgenen Sinn eindringen, um sie vollkommen zu begreifen und zu würdigen. Also jeder mann wird zügeben (erklärt man un? weiter), daß sich derjenige niemals allgemeiner Beliebtheit ersrcut, der thatsächlich klüger ist als die anderen, und daß man dümmer sein dürfte, als po lizeilich gestattet, und dabei doch sehr beliebt, ist auch nicht als wahrscheinlich anzunehmen. Wer also nun .eines Hauptes größer ist, denn alle Volk," wer sich durch irgendwelche Eigenschaf ten aus der breiten Masse hervorhebt, der gehört nicht zu den beliebten Leuten. Ich glanbe es ist überhaupt viel leichter aufzuzählen, was dazu gehört, um nicht beliebt zu stin, oder wie man es anstel len muß, um die Gunst seiner Nebenmenschen zu verscherzen als umgekehrt die Gründe der Beliebtheit genau anzugeben. Wenn z. B. Frauen hervorragende Talente besitzen, mit denen verglichen die armen anderen" in Nichts ver schwinden, wenn sie stets sagen, was sie denken, ihre Vorliebe und Abneigung deutlich zum Ausdruck bringen, wenn sie mit einer spitzen Zunge begabt sein sollten (von einer spitzen Feder gar nicht zu reden), dann ist es sicherlich um all ihre Beliebtheit schon geschehen. Aber selbst harmlose Spitzen' und Federn,, Seide, Gold und Juwelen, oder andere Privilegien der luxuriösen Welt dürfen sie ebensowig wie Geld oder Schönheit in zu reichlichem Maße be sitzen, denn wer beneidet wird, kann gleichzeitig unmöglich beliebt sein, und wir haben noch selten von allgemein beliebten Millionarsqattinnen gehört, denn großer Reichthum, ebenso wie auffallende Schönheit erzeugt stets eine kühl respektvolle Atmosphäre um sich her, und erwecken eher scheue Bewunderung als wirtliche Beliebtheit. Ader selbst andere gute Eigenschaften tragen namentlich uns Frauen noch lange keine Popularität ein. Furchtbar' gute tüchtige Hausfrauen sind nirgends gern gefehene Gäste, denn alle fremden Staubchen, Fleckchen oder Mißgriffe wachsen förmlich unter ihren allfeh?nden strengen Blicken zu ebensovielen schweren Anklagen und Verbrechen gegen das arme saumselige Opferlamm empor. Und wenn jene Frau, die Alles so viel besser versteht wie die Anderen und Jedem so gerne ihre klugen. weisen Rathschläge ertheilt, endlich die Gesellschaft ihrer Freundinnen verläßt, dann beneidet sie wohl ?!iemand UM die deutlichen Zeichen von Beliebthnt, welche gleich einem duftenden Blumcnrcgen süßer wohlmeinender Worte die Luft durchschmirrcn. Ja, um Gottesmillen, was bleibt' denn für unsere Beliebtheit übrig. wenn weder begabte, talentvolle, wahrheitsliebende, aufrichtige, noch reiche und schöne Damen oder gute Hans frauen und menschenfreundliche Helferinnen Anspruch darauf, erheben dür fen, beliebt zu sein. Um dem Ziele etwas näher zu kom men. versuchen wir an einem Beispiel, vielleicht in der Person einer allgemein beliebten" jungen Dame aus der guten Gesellschaft doch endlich die wah ren Merkzeichen der Beliebtheit zu ent decken. Also dieses große Beliebtheit genießende Mädchen ist stets hübsch, sie wird überall, natürlich auch bei ihren Freundinnen gut aufgenommen, was nicht geschehen würde, wenn sie zu schön wäre,' denn hübsch darf sie schon sein, daZ sind ja die anderen im Alter der '-b?auto du diable" (TeufelZschönheit) ftchenden jungen Damen auch. Im Uedrigen kann sie gerade so gut oder schlecht Elavierspielcn. singen,' malen, sticken wie die Anderen, und muß einen genügenden Vorrath an gewandt vorzubringenden höflichen Redensarten und süßen Komplimenten stets an Hand haben, auch wirkliche Eandies schaden nicht. Sie ist nie auffällig gellcidet, aber stets sehr geschmackvoll und modern, mit irgend einer ganz aparten kleinen Nuance. Im Tanzsaal wird sie immer bemerkt, auch wenn sie sich scheinbar auf einen ungünstigen Platz zurückzieht und hat stets mehr Tänzer, als sie gut beschäftigen kann. An Heirathsanträgen fehlt es der allaemein beliebten junaen
Dame niemals, wenn sie auch nicht gerade den zum Manne bekommt, wel-i chem sie ihre erste oder zweite Liede geschenkt. Auch werden Ehen zwisch:n besonders beliebten jungen Männern' und ebensolchen Fräuleins fast nie ge schlössen, denn die gegenseitige große Beliebtheit macht sie mißtrauisch gegcn einander oder entfremdet sie", wie un ser Gewährsmann behauptet. Neben.! all' den glänzenden gesellschaftlichen Eigenschaften wird Niemand von der b?lieb:en Dame ernstlich verlangen, nicht einmal die eigene Mutter, daß sie noch häuslich sei, denn alle wissen ja, daß Popularität viel Zeit kostet und setzen sich über diesen kleinen Fehler gerne hinweg. So also sieht ungefähr die eine Grundform der Beliebtheit aus, und wir können mit Zuhilfenahme von etwas Phantasie und Erfahrung verfchie dene Variationen von beliebten alten und jungen Damen construiren. Untrügliche Zeichen von Beliebtheit bei verb?iratheten Frauen ist. ob ihr Kaffeetlatfch, Jour fix oder ihre Hecepiion sehr zahlreich besucht sind, welche daS allgemeine Jntereste an der .beliebten" Dame noch erhöhen, vielleicht auch ihre, nämlich der gefelligen Zu sammenkünfte, Gemeinzefährlichkeit steigern. Wir wissen nun alle wenigstens, wonach wir zn streben haben, wenn wir recht beliebt" sein wollen, und den weniger Beliebten bleibt nur der eine Trost, daß man geliebt sein kann, ohne beliebt zu sein, und daß die Beliebtheit zwar eine Abart der wahren Liebe ist, die eine Form aber auch unabhängig von der anderen vorkommen mag. Also können wir doch niemals ganz aus unserem Lebenselement oder Liebesparadies vertrieben werden, selbst wenn wir uns beschämt eingestehen müßten, daß wir sicherlich nicht ge nannt werden, wenn man auch abermals fragen sollte: Wer ist beliebt?Allerlei AuSsprüche über die Geduld. Wohl findet man in den meisten Häufern eine kleine Hausapotheke oder noch von den Eltern her empfohlene HauZmittelchen zur Hilfe in der ersten Noth, zur Linderung der verschiedenen Schmerzen: Bald 'sind eZ Tropsen oder Pillen, bald Kräuter oder Pul ver, oder auch Pflaster und Salbe und JedeZ wird sür diesen oder jenen Fall ganz besonders anempfohlen. Nun kenne ich aber ein Universalmlttel, das hilft bei inneren und äußeren Schäden und Gebrechen, ist so einfach anzuwenden und kann für Alt und Jung, Groß und Klein empfohlen wer den. dies ist die Geduld. Wir finden überall deren Lob und Anempfehlung; somit muß dies Haus Mittel recht probat sein und unentbehr lich in jedem Hause, und daher lohnt es sich wohl der Mühe, ein wenig nach zusorschen und nachzulesen, was alles geschrieben und gerühmt wird von der Geduld. DaZ Buch der Bücher, die Bibel, lehrt hierüder: Geduld aber ist auch von Nöthen." Wer geduldig ist, der ist weise." ES ist 'ein köstlich Ding, geduldig zu sein und auf die Hilfe des Herrn zu honen." Die sogenannte Weisheit der Gasse..' das Sprüchwort, weiß auch die Ge duld" zu rühmen und sagtvon derselden: Geduld ist echte eelenspeis. Die rechte Stärke wächst im Geduldgarten." Geduld überwindet alles." Geduld und Zeit machen aus der Äaupe ein Seidenkleid." Also Geduld und immer wieder Ge duld wird gepredigt, den Großen wir den Kleinen, nicht nur bei äußerliche Schmerzen, sondern auch bei all den ver' schiedenen Widerwärtigkeiten, die das Leben mit sich bringt, in den schwierigen Verhältnissen, in welche wir ost gera-, then. und bei welchem es kein Entrinnen, nur ein Stillehalten gidt. Da ist. die Geduld gar gute Medicin, die di Herz stark und freudig und die Hand geschickt macht. ?!icht umsonst heit es: Ungeduld ist beschwerlicher als Geduld'." (Türkischer Spruch.) ESist bester, sein Kreuz tragen als schleppen.-'
(Bretoniich.) Nicht bitter blicke aus der Zeiten Wechsel; bitter ist die Geduld,.doch ihre Fruchk ist süß." (Sadi)i Glaube nur. Du HO viel gethan., Wenn Du Geduld Dir gewöhnest an.' (Goethe.) Und ob das Herz sich widersetzt. Geduld, gedulde Dich fein! Das Schlimme siehst Du jetzt,. DaZ Gute später ein." (Wilh. Emmer.) So viele Lodsprüche der Geduld in Prosa und Poesie aus alter und neuer Zeit ließen sich noch hier aufzählen:, aber besser als alle Schreiben und Lefen derselben, bester als alle Theorie,, ist auch hier die Praxis, und so wollen' wir denn Probiren, was. uns so sehr empfohlen wird, wollen Geduld ausüben im Kleinen wie im Großen dann dürfen auch wir uS eigener Erfahrung von diesem altbewährten Universalmittel rühmen: ES ist gewißlich probat, es hat unS geholfen.". Es ist Geduld ein rauher Strauch, Voll Dornen aller Enden, Und wer ihm naht) der merkt e5 auch An Füßen und an Händen. Und dennoch sag' ich: Laß die Müh' Dich nimmermehr verdrießen. Sei's auch mit Thränen spät und früh Ihm treulich zu begießen. Urplötzlich wird er über Nacht Dein Mühen Dir belohnen. Denn über all' den Dornen lacht Ein Strauß von Rosentronen. Benüte Gelegenheit. Herr (am Stammtisch laut erzählend): Wie gesagt, ich schwimme in Seligkeit !" Haustier (zusällig. eintretend) : Schwimmhosen gesällig?!" Unerwartete Antwort. Gläubiger: Wissen Sie auch, daß ich jetzt schon fast ein halbeSJahrzu Ihnen komme? Student: Richtig! Na, alter Junge, wollen .Du" zu einander raaen!"
