Indiana Tribüne, Volume 16, Number 263, Indianapolis, Marion County, 11 June 1893 — Page 3
S v n ttiilde. Noman von ,&:.r.s Jornfcsi. (4. Fortseyung.) Gin Fiebersrost rann durch Bntn Hildes Adern. Ein Ktwas, das in ihHerzen unbewußt gekeimt, schien urplötzlich zu erstarren und zu sterben. War es nur der Glaube an edle, selbstlose Männlichkeit, war es mehr? . . . . s:e hob den starren Blick zu Ruwer empor und sagte leise: .Onkel Edmund, toerni Du die Wahrheit sprächest?!" .Öenikt Dir mein Ehrenwort?" Sie nickte stumm und schritt dann so schnell weiter, daß er ihr kaum zu foljen vermochte. Im Schloßhofe wandte fit sich noch einmal zu ihm und bat: 2cft mich allein, Onkel Edmund! Das ist die schwerste Erfahrung, die mich bisher qetroffen hat." Danke Gott dasür, sie wird Dich vor schwereren bewahren," 'entgegnete der Kammerherr salbungsvoll und sandte der heftigen Schrittes Eilenden einen zi'.friedenen Blick nach. Er fühlte sich wiedc: gesichert. VII. Als der Kammerher? nach Hause fuhr, begegnete ihm Viktor. Vater und Sohn hatten ein stillschweigendesUebereinkommen getroffen, sich gegenseitig möglichst wenig zu geniren, und derZehrten mit einander in einem mehr kameradschaftlichen als liebe- und ehrfurchtsvollem Tone. Der Kammerherr stieg aus und ließ feinen Wagen langfam voranfahren. Du willst nach Wildenhof?" begann er. Gut, ich werde Dick nicht lange aufhalten, nur möchte ich Dir rathen, IDeine Zeir fortan besser zu benutzen als bisher. Die Sequestration gehtihrem Ende zu. Ich habe sichercNachricht, "dast man hier in der Gegend Kupfergruben anzulegen beabsichtigt. Wird Wildenhoftr Terrain von denAdern be TÜHrt. so ist die noch darauf hafknde Schuld mit leichter Mühe sofort ge teett." Viktor athmete auf; er hatte gefürchtet, Bettns wegen interpellirt zu werden. Nun zündete er sich gleichmüthig eine Cigarre an und erwiderte: Bester Papa, ich halte es auch in der Liebe mit dem Erst wägen, dann wa Zudem ist Brunhilde keines der Mädchen, die sich bei erster bester Gelegenheit überrumpeln lauen. Habe ich sie früher unterschätzt oder hat sie sich rn kurzer Zeit überraschend entwickelt aus Ehre, sie flößt mir Respekt ein." .ieb wäre mir angenehmer!" Ob aber auch ihr?" Ungeduldig klopfteRuwer demSohne euf den Arm. Was für thörichte Besenken oder etwa gar Ausflüchte? Du weißt, ich habe Dich weniger überroacht und im Zaume gehalten als Hirn dert andere Väter ihre Söhne; doch eben weil ich Dich Deine Jugend frei g:nießen ließ, darf ich erwarten, daß Du nunmehr meinem Nath und entschijdenen Willen gehorchst. Es hanfcelt sich um einen Schritt, der Dein ganzes ferneres Leben bestimmt. Du ijast zwischen dem glänzenden Elend eines nur von seiner Gage lebenden Ofsiciers und der unbeschränkten Freiheit eines Grandseigneurs zu wählen. Ver--giß las nicht!" Jammer, daß man es nicht vergessen darf!" murmelte Vikwr. Herr von Ruwer begnügte sich mit -einem Achselzucken. ,Das ist das Leben, mein Sohn, und unzähligen Anderen bietet es weit N?eniger noa; als Dir. Du bist der einzige ,junge Mann, mit dem Brunhilde verkehr:, in ihren Jahren verlangt in Mädchenherz nach Liebe. Sie kann Dir nicht entgehen und ist auch . als Weib schön genug, um des Begehrens und Werbens werth zu sein . . . Oder willst Du, ein Officier, ein Ruwer, Dir von Auras den Rang ablaufen lassen?" Der Direktor?" lachte Viktor. Ich bltte Dich, Papa! Daran denkt er eben so wenig als Brunhilde." Um so besser! Du hast mehr Gelegenheit als ich gehabt, sie zu beobachten. Dergleichen Naturen, die sich mit dem Nimbus catonisöcr Tugend zu umhüllen wissen, sind den Weibern oft am gefährlichsten; sie lassen sich von ih?er Eitelkeit verleiten, die scheinbare Eleichgiltigkeit zu besiegen, und gehen dann, anstatt zu fangen, unbewußt dem schlauen Nehesteller selbst m Garn. Zum Glück neigt Brunhilde sich nicht zur Nomantik." Viktor sah ungeduldig'nach der Uhr. Es wird spät, Papa." Nur noch eines: Ich hoffe. Du hast unsere Verhältnisse stets genügend in Betracht gezogen, um Dich nicht in ernster Weise unpassend zu liiren. Jedenfalls ersuche ich Dich, etwaige Verbindüngen dieser Art schleunigst zu lösen," sagte der Kammerherr in sehr nachdrücklichem Tone, schüttelte seinem Sohne die Hand und hastete seinem Wagen nach. Ein wenig aus der Fassung gebracht, setzte Viktor seinen Weg nach WildenIzof fort. Wie wild auch Bettys Leiden- ' schaft ihn entflammte, es kamen doch Stunden, in denen er sich mit ihm in dergleichen Angelegenheiten sonst fremder Besorgniß fragte: Was soll daraus werden? Bettn war anders geartet, als die Mädchen, mit denen er bisher gespielt, ihr Temperament erschreckte ihn Äst fast, und in sein Glücksgefühl mischte sich berits ein leiser Anflug der Neue. Nicht als ob er an seiner Liebe gezweifelt hätte, o nein! Aber er fühlte nur zu gut, daß die Kraft seines Eharakters nie ausreichen würde, die luft zwischen ihnen zu überbrücken. Und nun diese natürliche Mahnung, der zu widersprechen er gar nicht gewagt hatte, da er ihre Berechtigung deutlich selbst erkannte! Wie einen Ausweg finden? Er zermarterte seinGehim ziach einem Rettungsmittel! VerebenZ.
nur zwei Wege lagen vor tym: die dauernde Verbindung mit Betty, das hieß die Armuth, die er mehr fürchtete, als den Tod, der unversöhnliche Bruch mit den Seinen, mit denKameraden, Standesgenossen und allen seinen Lebensgewohnheiten, der Selbstmord seinerCarrierre und Existenz oder der Verzicht auf 7ie Geliebte ... es schien ihm eines so unmöglich als das andere. Das finstere Gesicht des Lieutenants wurde nicht eben- Heller, als ihm Würzburg nom Walde her in den Weg kam und mit ihm Schritt hielt. Er ahnte in ihm den argwöhnischen Nebenbuhler. Zum Unglück kam ihnen am Parlsaume Betty entgegen und wechselte beim Anblicke Würzburgs die Farbe so auffallend, daß dies auch einem minder scharfen Beobachter hätte auffallen müssen. Glückliche Jagd, da uns eine junge Dame begegnet," rief der Oberförster mit einem eigenthümlichen, kurzen Auflachen. Ein Troubadour, der zum Stelldichein geht, könnte uns beneiden!" Betty erröthete abermals, Viktor zerknirschte einen Fluch zwischen den Zähnen. Ein wenig auffällig zwei frische Patronen in die Büchsflinte schiebend, sprach Würzburg weiter: Hüten Sie Ihre Tauben. Fräulein Vetty! Ich kenne einen Falten, einen schönen, edlen Vogel, der den unerfahrenen, jungen Feldslüchtern nachstellt. Wehe ihm, wenn " Das Weitere erstarb in einem undeutlichen Gemurmel. Er warf das Gewehr wieder über die Schulter, pfiff seinem Hunde und schritt grüßend davon. Die Beiden sahen ihm betroffen nach. Ich möchte ihm die Reitpeitsche um die Ohren schlagen," grollte Viktor. Und daurch alles verrathen!" Als ob er nicht schon alles ahnte, wüßte! Jedenfalls doch durch Dich." Kein Wort kam über meineLippen." Es bedarf nicht immer der Worte, um ein Geheirmiß auszuplaudern. Du solltest Dich verborgen halten, als Du ihn bemerktest." UndDu nicht diesenWeg verfolgen, da er Dich begleitete. Ihr bliebt mir durch das Gebüsch verdeckt, bis ihr vor mir standet." Natürlich an billigen Ausreden ist nie ein Mangel." Du thust mir Unrecht, Viktor!Nein, Du mir, was Du freilich nach echter Weiberart nie zugestehen wirst." Immer heftiger waren sich Nede und Gegenrede gefolgt. Nun trat einePause ein, da Beide fühlten, daß das nächste Wort einen ernsten Streit entfachen mußte. Mit gnötheten Wangen machte sich der Lieutenant, dessen Groll durch dieErinnerung an das vorhergegangene Gespräch mit seinem Vater noch verschärft wurde, anr Zaunzeug seines Pferdes zu schaffen. Vetty sah ihm mit zusammengepreßten Lippen stumm zu. Ihr heftiges Temperament ertrug keinen Widerspruch. NurAuras mit seiner bestimmten Nuh-: vermochte diesem Feuergeist straffe Züzzl anzulegen. Endlich sagte sie leise, doch noch immer zürnenden Tones: Ich werde jeizt gehen Ich auch," antworte!: Viktor trocken. Nach dem Schloß?" .Ja!' , Leb' wohl!" ; ! Adieu!" Ohne ihm die Hand zu reichen, ging sie, das Haupt stolz erhoben, jede Versuchung, zurückzublicken, dem Geliebten ein versöhnendes Wort zuzurufen, trohig niederkämpft. Sie fühlte, daß er ihr nicht nachblickte, das Herz blutete ihr, doch eben dieses Maßlose ihrer Liebe verstärkte noch ihren angeborenen Starrsinn; das Bewußtsein, diesem Manne ohne Kampf und Widerstreben ihre ganze unberührte Seele geschenkt zu haben, verlangte von ihm die gleiche Hingebung. Der Zwist wäre unmöglich gewesen, liebte er sie so selbstlos, so überschwänglich wie sie ihn. Da wären wir nun glücklich beim ersten Streit angelangt. Wäre sie nur nicht so schön.liebt: ich sie nicht so toll... verwünscht!" murmelte Viktor, als er, sein Pferd am Zügel führend, dem Schlosse zuging. Da kommt bereits die Duenna Ob sie mich nicht mit :inem Bibelspruch empfangen wird?" Seine Ahnung trog ihn nicht gänzlich. Frau von Leist, welche ihm die Rampe herab entgegenkam, rief mit tu nem gcnHimmel gerichteten Blick: D Herr sendet Sie zu rechter Stundet. . . Gesegnet sei Ihr Eingang!" Trotz seines Aergers vermochte Vi5tor nur mühsam sein Lachen zu verbeißen. Als Sendbote des Himmels war er in seinem Lieuteuantsdasein doch noch nicht begrüßt worden. Er küßte der Dame die Hand und fragte geziemend nach ihrem Befinden. Mit kläglicher Miene schüttelte sie den fopf. Es scheint Unheil über uns zu kommen. Die Comtesse wird erfreut sein. Ste 31t sehen. Herr Lieutenant, ich glaube, sie ist tief gekränkt worden." Von wem? Weshalb?" , Wüßte ich es doch! Leider schütte! sie mir nie ihr Herz aus,, wie sehr ich sie auch darum gebeten. Aber ich ahne bereits" Sie schüttelte die Hand in der Richtung des Direktorenhauses und murmelte: Die Hoffährtigen höhnen und spotten, aber ie Rache lauert auf sie, wie ein Löwe. Wer einem Anderen stellet, der sänget sich selbst. Wer dem Anderen Schaden thun will.dem kommt es selber über seinen Hals, daß er nicht weiß, woher!" Es geht etwas vor, Herr von Ruwer.Was denn, meine verehrte Frau von Leist?" Darübe? vermag ich Ihnen keine Auskunft zu geben, man vertraut mir nicht, man wartet auf Sie," antwortete die Dame in einem weit minder als gewohnlichen salbungsvollen Tone und ließ mit gekränkter Miene den Lieute-
nant an sich vorüber.
Das Mädchen meldete ihn an, BrunHilde kam ihm bis auf den Corridor entgegen und reichte ihm beide Hände. Willkommen, tausendmal willkommen! Ich habe mich recht nach einem treuen, ehrenhaftenHcrzen gesebnt, nach Dir, Viktor!" . . . Ihre Stimme klang erregt, ihre Augen schienen umflort und dennoch leuchtender, unruhiger als gewöhnlich. Schon aus Frau von Leists iinfla ren Aeußerungen entnahm ich. daßDir irgend welche Unannehmlichkeiten Zuge stoßen," antworteteViktor, indem er die Thüre des Zimmers hinter sich schloß. Ich hoffe, daß Du mir vertraust und jede Hilfe, deren Du bedarfst, von mir annimmst." Von keinem Anderen," sagte sie und schaute ihm so scharf in die Augen, daß er ihren Blick nur mit Mühe ertrug. Nur von Dir, Viktor," wiederholte sie noch herzlicher, ihm beide Hände auf die Schultern legend. Ja, Du bist treu und ohne Falsch, Dir allein will ich fortan trauen, sonst keinem mehr, und wäre ihm die Tugend auf die Stirn geschrieben." Ich danke Dir, Du sollst Dich in mir nicht täuschen . . . Aber noch immer schwebe ich in vollkommener Ungewißheit. was eigentlich geschehen ist." Ein Nichts, eine Lappalie werden Weltkundigere, als ich bin, es nennen. Laß mich darüber schweigen, frage Deinen Vater. Ich hatte geglaubt, in eine neue Welt zu blicken, in der nicht Name oder Rang, nur eigene Würdigkeit und Verdienste gelten, ich begann eine Tugend und Heldenhaftigleit zu ahnen, die in bescheidener Selbstverleugnung nie Vortheil noch Vergeltung sucht, ich hoffte dadurch mich selbst empor zu arbeiten aus dem Bann der Vorurtheile und des falschen Scheines, der mich bisher umfangen, und es war alles Trug und Lüge, ein schändliches Gaukelspiel, mich zu bethören und zu berauben." Das ist ja eine ganz colossaleFrechheit!" rief der Lieutenant, dem noch immer jedes Verständniß mangelte. Erlebte ich doch nie wieder eine so unsäglich bittere Enttäuschung! O Viktor, verlaß Du mich nicht, sei Du mein Freund, Berather und Helfer, ich bin so ganz allein!" seufzte Brunhilde, und fast schmerzlich fühlte er den noch heftigeren Druck ihrer Hände auf den Schultern. Welche Ersahrungen er auch gemacht, in einer ähnlichen Lage hatte er sich noch nicht befunden. Das Mädchen, um das er freien sollte nach dem Gebot seines Vaters, die schöne, stolze Gräfin, deren Unnahbarkeit alle ihre Verehrer in Verzweiflung gesetzt, deren Geist und Charakter ihm ebensoviel ehrfurchtsvolle Scheu abgerungen als ihre königliche Schönheit bewunderndes Entzücken sie lag hilfeflehend an seiner Brust. Er fühlte den. stürmischen Schlag ihres Herzens, den warmen Hauch ihres Mundes und den Duft des prachtvollen Haares sein Blut begann schneller zu kreisen, sein Arm die schlanke Hüfte kräftiger zu umspannen. Erröthend vor sich selbst, denn wie in einem Zauberspiegel sah er plötzlich Vettvs Bild vor sich, drückte er den blonden Mädchenkopf fester an seine Schulter, seine heißen Lippen suchten mit scheuerGier den blüthenweißen Nacken, der unter ihrem Druck purpurn erglühte. Mit einem leisen Aufschrei riß sich Brunhilde aus feinen Armen.... Was flackerte in ihrenAugen, die bis in sein Inneres dringen zu wollen schienen, Zorn oder Verlangen? Er wußte es nicht, aber er zeigte sich stärker, als er sich selbst geschätzt hatte. Mit seinem leisen, melodischen Lachen wandte er sich zur Seite und sagte, auf einige die breiteSchreibtischplatte völlig bedeckende Aktenstücke deutend, mit gut gespielter, unbefangener Ruhe: Darf man sich erkundigen, welches Studium Du da so erfrig betreibst?" Es vergingen einige Augenblicke, ehe Brunhilde zu antworten vermochte. Wie eine schmerzliche Enttäuschung flog es über das schöne Gesicht. Ihr Blick suchte bittend Viktors Augen, aber er sah, ungewiß.' ob seine Kraft auch in einer zweiten Probe bestehen würde, beharrlich zur Seite. Endlich erwiderte sie: Es sind die Beschtitel von Wildenhof und sonstige FamilienPapiere, die ich aus der Bibliothek hervorgesucht habe. Du würdest mir, da ich zu unerfahren bin, einen Gefallen erweisen, wolltest Du darin nachsehen, ob irgend ein Fremder scheinbare Ansprüche auf mein Erbe erheben könnte." Recht gern!" .... Viktor nahm bereitwillig vor dem Secretär Platz, txnu germaßen erleichtert durch diese Ablenkung und auch wieder unzufrieden damit .... " Mir ist, als bewege ich mich heute in einer Welt von Räthseln. Die Herrschaft Wildenhof ist doch Majorat und nach Aussterben des Mannesstammes in der weiblichen . Linie erblich. Wie sollte irgend Jemand, da Du die letzte Wildenhof bist, einen Anspruch zu erheben vermögen?" , Du hältst es sür unmöglich?Ganz und gar! Wer Dir von der-, gleichen gesprochen, Der gehört mit Deiner gütigen Erlaubniß unter die Verrückten. Natürlich will ich und werde ich zu Deiner völligen Beruhigung gern nachsehen. Da haben wir ja schon eine beglaubigte Abschrift des FideicommißStawks".... Und Viktor begann mühsam das.reichlich mitJuristenlatein gespickte Schriftstück durchzuftudiren. Du entschuldigst, daß ich Dich allein lasse bat Brunhilde, meine Dorfarmen erwarten mich. In einer Stunde hoffe ich zurück zu sein und Dich noch anzutreffen." Gewiß." versicherte er. begleitete sie bis zur Thür, küßte ihr die Hand und vergrub dann seinen hübschen Lockenköpf in die vergilbten und verstaubten Akten. Leider war mit dieser mehr körperlichen als geistigen Anstrengung sein Eifer schon erschöpft. Zwischen denZeilen alteithümlich verschnörkelter Buch
slaven ein dunkles und ein Veilchenblaues Augenpaar, dann gar zwei völligc Mädchengesichter, beide bestrickend schön, beide in Liebe strahlend. Er warf den Fascikel beiseite, streckte die Hände in die Hosentaschen und brummte: Verfl , wer nur daraus gescheut werden könnte! Kürzlich nannte sie mich mal ihren Bruder und heute hatte, ihre Zärtlichkeit einen mehr als schwesterlichen Beigeschmack. Der Teufel bleibe kalt dabei. Wenn der lange Hohenau doch Recht gehabt hätte, wenn sie mich einfach ein bischen gcschnitten, um mich daher mehr ins Feuer zu bringen? Bei allen Göttern, sie ist schön genug, um einen völlig um den Verstand zu bringen. Es müßte eine wahnsinnige Wonne sein, von diesem Mädchen geliebt zu werden . . Und Betty. diese verkörperte süße Liebesflamme, Betty, die mein Wort und mein Herz besitzt . . . mein Herz, gereiß, für jetzt und ewig, hm, ja, das heißt aber . . . ." Der Lieutenant brach seinen Monolog, der sein Denken und Empfinden noch mehr verwirrte, anstatt zu klären, verlegen ab und starrte tieffinnig zum Fenster hinaus, als ob die kleinen Vögel, die lustig durch die schwanken, grünen Zweige schlüpften, mit ihrem Gez.itscher alle Lebens- und Herzensräthfel zu lösen vermöchten; aber aus dem übermüthigen Jubiliren und Flöten klangen' ihm nur die Nanun Aetty und Brunhilde entgegen.
VIIJ. Einem putschenden Jager gleich, der sn Wild erblickt, blieb Wolf Auras plötzlich stehen, starrte auf das kleine, mehr als bescheidene Häuschen zu seiner Rechten und ging alsdann, sich durch einen Strauch gegen das Gese hcnwerden deckend, mit vorsichtig schleichenden Schritten darauf zu. Mit ehrerbietig zutraulichem Gruß kam ihm der Mann, der den verwahrlosten Gartenzaun sauber ausbesserte, entgegen. Auras winkte ihm beschwichtigend und sagte im Flüstertone: Nur still, Lehmann. ich möchte nicht gehört werden. Ist die Gräfin drin?" Natürlich ist es die gnädigste Grafin," antwortete Lehmann, der Lärchendieb, mit unverkennbarem Stolz. Sie kommt jeden Tag zu mir, das heißt zuAnderen geht sie auch, aber doch zu mir am meisten." So? Und was macht si: denn bei Euch?" 'sie kocht!" Sie kocht?" Ja freilich kocht sie erklärte Lehmann mit verstärktem Nachdruck, als er ein ungläubiges Lächeln auf des Direktors Antlitz empor steigen zu sehen glaubte. Sie wissen es ja, Herr Direktor, wie das so mit dem Essen ist .... früh Kartoffeln, Mittags Kartoffeln, Abends Kartoffeln, da muß man einen Schnaps dazu trinken, damit sie rut s schen und dann noch einen, um den Geschmack wegzubringen, nnd da kommen der dritte und die anderen von selber. Di hat nun die gnädigste Gräfin ganz richtig gemeint, das ginge nicht, brachte also ein kleines Büchelchen mit, wo allerhand gute und billige Gerichte drin stehen, war aber so eine Sache mit meiner Alten Frau wollte ich sägen. Sie verstand sich nicht drein und nun zeigt es ihr die gnädigste Gräfin; da kochen sie miteinander, und ich esse die schönsten Gerichte und gebe nicht mehr aus als vorher." Und der Schnaps schmeckt nicht mehr?" Herr Direktor, was soll ich im Wirthshaus? Die gnädigste Gräfin sagte meinerFrau, sie müsse unser Haus und Kleidung und Geschirr auch immer hübsch in Ordnung halten, damit es dem Manne auch daheim gefiele, und von selber einen Schnaps auf den Tisch stellen und immer recht freundlich sein jawohl, und das geschieht auch und nimmt weniger Zeit weg, als sonst das Sachen Herumwerfen, und ich sitze alle Tage wie in einer Putzstube, daß mich gar nicht nach Fortgehen und Schnapstrinken und Zanken verlangt. Du lieber Himmel, wann hätte ich das früher einmal für möglich gehalten! Nichts für ungut, Herr Direktor, Sie haben mich manchmal hart mitgenommen und dann doch wohl aufgegeben, aber ich meine, es' steckt auch im schlechtesten Menschen noch ein bischen gute? Kern und er braucht nur di: richtigeBeHandlung, damit er wächst und das Schlechte wie Unkraut erstickt." Di haben Sie eine tiefe Weisheit erkannt und ausgesprochen.- sagte der Direktor mit so deutlicher Bewegung, daß Lehmann ihn fast betroffen anstarrte und ein wenig verlegener fortfuhr: Mit der Behandlung hat's unsere Gräsin getrosfen. Ich bin ein anderer Mensch geworden und, nichts für ungut, Herr Direktor, Sie haben auch Ihren Antheil daran, den wir Ihnen nicht genug danken können. Daß Sie mich wegen meiner letzten Schlechtigkeit nicht zur Anzeige brachten " Wir wollen das vergessen, Lehmann, wenn, wie ich erwarte, Ihre Besserung eine nachhaltige ist," fiel Auras schnell ein. Der Mann legte mit einem freien, schönen Blick die schwielenbedeckteHand auf die Brust, die nur ein geflicktes, aber sehr sauberes Hemd bedeckte. Darauf können Sie Gift nehmen, Herr Direktor! Ich lasse mir lieber den Kopf abhacken, als daß ich mein früheres Leben noch einmal anfange. Das möchte ich schon unserer lieben Grafin nicht anthun, um ein Rittergut thät ich's nicht. Wenn sie einen so anschaut mit den schönen, blauen Augen, so recht wie ein wahrer Engel, bis ins tiefste Herz hinein, und einem die Hand so fest drückt, da müßt' man ja härter als ein Stein sein, wenn man ihr nicht alles zu Liebe thun wollte. Und fragen Sie das ganze Dorf, Herr, es wird Ihnen Jeder dasselbe sagen. Todtschlagm '.ssen wir uns sür unsere liebeGiälin.
das ist ein Herz, nur ein großes, gutes herz." Es verging eine geraume Zeit, ehe der Direktor weiter fragte: Sie macht Euch also auch viele Geschenke?" O natürlich, ja, das heißt freilich nur das Nothwendigste, was man sich wirklich nicht beschaffen kann. Dann ist es auf einmal da wie vom Himmel heruntergeschneit, man kann ihr nur mit einem Gebet schönen Dank sagen, wie einem Weihnachtsengel." In tiefem Sinnen lehnte sich Auras an den Knüppelzaun. Er sprach kein Wort mehr. Wie in eine fremde Welt blickten seine Augen weit geöffnet durch die kleine, spiegelblanke Fensterscheibe.
Ein goldig glänzender Scheitel, das 5 - . r onri w sluacyen eines weinen caocyenyaiies, einer zart gerundeten, vollen Schulter, die ihm aus dem dunklen Hintergrunde der Stube entgegenleuchteten tausendfach hatte er dergleichen , schon gesehen, und doch bannte es sein Auge wie der goldene Schlüssel, der die Pforte des Märchenreiches öffnete. Ein holder Zauber stahl sich in sein Herz und ließ es erweichen und heftiger klopfen, ein süßes, mildes Gefühl, halb Wonne, halb Schmerz vertrieb den starren Trotz von seiner Stirn. Das goldige Haar, der weiße Mädchenhals verschwanden. Drinilen im Hause knarrte eine Thür, Lehmann begann wieder eifrig an seinem Zaune zu hämmern. Auras richtete sich auf. Da trat Gräsin Brunhilde aus der Thür. Sein unerwarteter Anblick schien sie zu erschrecken, sie hemmte den Fuß, ein schmerzlicher, finsterer Zug überflog ihr Gesicht und dann ein hochmüthiger Trotz. Entschlossen schritt si? weiter. Auras lüftete den Hut und bemerkte kaum d:e abweisende Kürze ihres Gegengruße). Als sie von der Dorfstraße in einen Fußweg abbog, der durch dasFeld nach dem Parke führte, eilte er ihr nach, mit ruhiger Höflichkeit bemerkend: Sie gestatten gütigst, gnädiges Fräulein, daß ich mich Ihnen anschließe und zugleich die Gelegenheit benutze, Sie um Berzeihung zu bitten. Als ich Frau von Leist meine Theilnahme an ihrem Werke der sogenannten inneren Mission versagte, geschah dies nicht aus Ungefälligkeit oder principiellem Widerstreben, sondern in Folge der früher von mir gemachten Erfahrung, daß eine derartige Wohlthätigkeit meist nur zu Mißbrauch. Heuchelei und Arbeitsunlust führt, daß derSchaden den Nutzen überwiegt. Die Leute verlieren ihr Bischen Energie und Selbstvertrauen, da ihnen die Hilfe sicher ist, sofern sie, gleichviel, ob mit oder ohne Ueberzeugung, zu den Frommen im Lande gehören. Sie vergessen das Arbeiten über dem Beten. Es wäre meist besser, auch für sie selbst, sie mehr zu ersterem als zu letzterem anzuhalten. Wie wenige haben wie Sie, Gräsin, den rechten Weg da-
zu und zugleich den Schlüssel zum innersten Herzen der Menschen gefunden. VerzeihenSie. daß ich daran gezweifelt; Sie sollen in mir. fortan einen treulichen Mitarbeiter an ihrem edlen Werke besitzen .... Wenn Sie mich dazu annehmen," fügte er fast bittend hinzu,.da sie noch immer ohne einWort der Erwiderung mit stolz erhobenem Haupte, ohne nach ihm zu schen, an seiner Seite schritt. Endlich antwortete sie kühl: Ich fürchte nur, Ihre Anschauungen decken sich zu wenig mit den meinigen." Was ich bei Lehmann gehört und beobachtet, beweist das Gegentheil." Ich glaube nein." Üii ich beginne zu fürchten, daß Ihnen meine Mitwirkung aus irgend welchem mir unerklärlichen Grunde überhaupt nicht zusagt," antwortete Auras bitter und öffnete das Parkgitter, an dem sie inzwischen angekommen waren. Brunhilde schritt hindurch und so schnell vorwärts, daß er bemerken mußte, sie wünsche allein zu sein. Dennoch folgte er raschen Schrittes und sagte mit vor Erregung zitternder Stimme: Ihre Abweisung, Gräfin, ist eine Beleidigung, die ich um so tiefer empfinde, als ich sie nicht verschuldet zu haben glaubte. Sie haben mir meine frühere Schroffheit verziehen in der Einsicht, daß meine eigenthümliche Stellung mich dazu zwang. Jetzt ich weiß nicht, was ich that, um Ihren Groll zu erregen " Nichts vielleicht!" Und um eines Nichts willen nein, Gräfin, ich habe Sie kennen gelernt und eine höhere Meinung von Ihnen gewonnen. Es lebt ein starkes 'GercchtigkeitZgesühl in Ihnen, das Ihnen verbietet, aus Laune oder aristokratischem Hochmuth dem Manne, der unter Ihnen steht, Unrecht zu thun und nicht das allein, einLeid. ein schmerzlich empfundenes Leid zuzufügen" ... Des Direktor? Stimme zitterte noch stärker, und da die Gräfin beharrlich schwieg, faßte er ihren Arm und deutete mit der freien Hand in der Richtung nach der Grotte: Vor Kurzem sagten Sie mir, ich habe Ihnen das Leben gerettet, Sie mindestens vor schwerer Verletzung bewahrt, als ich Sie mit eigener Gefahr aus dem. Bereich des stürzenden Baumcs riß. Sie sprachen von DankbarZeit ich verlange nur einen Dank von Ihnen, doch diesen fordere ich bestimmt, die Antwort auf die Frage: Weshalb zürnen Sie mir?" Mit einer leisen, doch energischen Handbewegung befreite sich Brunhilde von seinem Griff. Mit schneidender 'Stimme fragte sie zurück: Weshalb hassen Sie mich und die Meinen?" Er stutzte; seine Lippen preßten sich fest aufeinander, dann aber brach es unufhaltsam hervor: Ich Sie hassen? O. Brunhilde, sind Sie kein Weib, daß Sie nicht fühlen, wie Kiefer Haß, den ich einst hegte, sich längst in sein Gegentheil verwandelte, wie ich kämpfte mit mir selbst und doch mit Schmerz, ' Beschämung und süßer , - i ,
Wonne zugleich unterlag, wie Sie daZ Licht meiner Tage, mein Lebensstecn, mein ganzes Sehnen und Hoffen geworden sind?" Die Sprache versagte ihm, aber er kniete nieder und bedeckte ihre Hände mit glühenden Küssen. Das brachte das Mädchen, das sich wie betäubt an einen Baum gelehnt, zur Besinnung zurück.- Erglühend riß sie sich los und flüchtete hinter den schützenden Stamm. Lassen Sie mich!" keuchte sie athemlos. ''Nie, nie!" sprach AuraS, der sich erhoben hatte, und trat ihr wieder näher. Es ist ja nur Dein scheuer, spröder Stolz, der Dich so sprechen laßt; im tiefsten Herzen fühle ich, daß Du mein bist. EinWeib gleich Dir kann nicht anders, als die Kraft, den Muth lieben. Du bist keine von denen, die sich wegwerfen an ein hübsches Gesicht, verkaufen an einen alten Namen, eine blanke Uniform, um Reichthum und Wohlleben. Wen kann Brunhilde anders lieben als Siegfried, der sie zu bezwingen vermochte? Und ich habe Dich bezwungen. Du schöne, stolze Gräfin, Du liebliches, sprödes Mädchen, Du, meine hehre Walküre. Ich weiß es ja besser als Du selbst, daß Du mich liebst u?.d mein sein wirst, und nur in meiner Liebe Dein Glück finden kannst." Die Entrüstung über seine, sichere Sprache, sein zuversichtliches Lächeln überwand ihreFurcht und mädchenhaste Befangenheit. Die Erinnerung an Onkel Edmunds Warnungen und an Viktor schoß ihr durch den Kopf, schmerzhaft wie ein Dolchstich . . . Wie fand dieser Mann den Ton inniger Liebe . . . ebenso überzeugend wie den der Wahrhaftigkeit und Ehre, durch den sie sich bethören ließ! Nicht ein zweites Mal, jetzt nicht mehr! Sie richtete sich empor, ihr Auge sprühte Verachtung, indeß sie mit eisiger Kälte erwiderte: Sie müssen wahnsinnig sein, so zu mir zu sprechen. Kennten Sie mich, wie Sie sagen, so würden Sie wissen, daß ich Ihnen nur das Gefühl der Verachtung, des Abscheus entgegen trage... Oder meinen Sie, auf diesem Wege leichter zu Ihrem Ziele zu gelangen, das sie durch Heuchelei und Trug zu erreichen streben? Ich weiß, welcher Zweck Sie nach Wildenhof führte. Noch ist es mein, und kenne ich auch Ihre Waffen der Lüge nichts so werde ich es doch fest zu halten wissen, ja, lieber mit eigener Hand ,den Feuerbrand in seine Fenster schleudern, als dem heuchelnden Erbschleicher weichen." Wie wuchtige Hammerschläge schienen diese Worte vernichtend auf Auras nieder zu schmettern. Sein noch soeben lebhaft erregtes, geröthetes Antlitz erstarrte in einer leichenhaften Blässe, seine erhoöenen Hände sanken schlaff herab, nur in den weit geöffneten Augen funkelte ein unheimlicher, irrer Strahl. Platz!" herrschte ihn die Gräfin an, und er wich taumelnd zurück; aber so lahe, daß ihr rauschendes Gewand seine Kniee streifte, schritt sie an ihm vorüber.' Als sie aus seinem Gesichtskreise entschwand, war auch ihre Kraft zu Ende. Sie umschlang einen Baum wie ein lebendes Wesen und schluchzte .krampfhaft, doch die Thränen erleichterten sie nicht. Ein neugierigesEichHörnchen raschelte im Laube, sie glaubte Auras Stimme zu hören, sprang auf und flüchtete ins Schloß. Wie eine vom Falken verfolgte Taube flog sie den Corridor entlang, ' die Treppe empor, an Viktors Brust, der, völlig überrumpelt und erschreckt durch des sonst so starken Mädchens Fassungslosigkeit, nichts Besseres zu thun wußte, als ihr unter zärtlichen Liebkosungen Muth zuzusprechen, Du Viktor, nurDu, Du!" schluchzte sie, ihn fester umschlingend, Du allein bist mein Leben und meine Hoffnung, Dich nur hat mein Herz immer geliebt und liebt Dich ewig. Verstoß mich nicht, laß mich Dein sein!" Sie preßte sein Haupt an ihre wogende Brust und küßte seine Stirn, ihr halb gelöstes Haar umwand seinenHals wie mit goldenen, duftigen Fesseln, gleich Ketten hielten ihn die Arme, diese entzückenden, weißen, vollen, warmen Mädchenarme wie hätte er sich ihnen entreißen können! Brunhilde meine Braut!" stammelte er halb sinnlos, alles Andere vergessend. IX. Eine Stunde später als der weiche Abendwind kühlend durch das geöffnete Fenster hereinzuströmen begann, die sanftere Färbung der sinkenden Sonne Brunhildes gerötheteWangen verklärte brachte das Mädchen einen Brief: Der Herr Direktor schickt ihn durch seinen Kutscher und läßt um Antwort bitten." Ich habe nur diese für den Herrn Direktor." antwortete Brunhilde schroff, den silbernen Teller heftig zurückstoßend. Viktor hob den zu Boden gefallenen Brief auf, reichte ihn ihr zu und legte einen leisen Vorwurf in seine Worle: Ein Streit mitAuras? Es dürfte vortheilhafter sein, von dem Inhalt dieses Schreibens denn doch Kenntniß zu nehmen." DieErwähnung desDirektors mahnte ihn an seinen Treubruch, an das Dop-' pelspiel, in das er sich leichtsinnig gestürzt und das vielleicht schon jetzt, sicher aber in den nächsten Tagen entdeckt werden mußte. Er fühlte sich sehr unbehaglich, als Brunhilde nun gehorsamst den Brief erbrach und las. Er lautete einfach: Mein Fräulein! Die schwere Beschuldigung, welche Sie gegen mich aussprachen, nöthigt mich zu der Bitte um eine Unterredung unter vier Augen. Ich nehme nur das Recht jedes Angeklagten, sich zu. vertheidigen, in Anspruch. - Auras," (F.ortstyunz solt.)
vte Mttgtst derStywtesermutttk.
Ueber eine Verhandlung, die in Wien vor dem Bagatellrichter des BezirkSgecichtes Leovoldstadt l stattgefunden hat, berichten Wiener Blätter: l?ine Frau Katharina Krivvel ver klagte einen Schneidermeister Heinrich Schödcl auf Bezahlung einer Schuldi orderung' über 50 fl. Richter (zum verklagten): Sind Sie dieser Frau 50 fl. schuldig? Verklagter: Dieser grau? DaZ ist meine chwiegcrmut ter! Nichter: Das thut nichts zur Sache, man kann doch auch seiner Schwiegermutter Geld schuldig sein. verklagter: Ich bin ihr aber nichts schuldig: sie hat mir 50 fl. Mitgift ge Aeben,' als ich ihre Tochter heirathete. Ich mußte aber nicht nur die Tochter, sondern auch die Schwiegermutter über nehmen und über die 50 fl. obendrein einen Schuldschein ausstellen: Hier ist der Schein. Ter Richter nahm den in Großfolioformal gehaltenen Schuldschein und brachte denselben zur Verlesung. Er lautete wörtlich: Schuldschein, womit ich Endesgefertigter bestätige, daß ich am heutigen Tage von meiner zukünftigen Schwiegermutter, Frau Ka tharina Krippel, 50 Gulden baar als Mitgift bekommen habe, und verpflichte ich mich, diese Schuld meiner Schwie' germutter baar zurückzubczahlen, wenn ich: 1. die Schwiegermutter nicht mehr anerkennen sollte; 2. wenn sie mir nicht mehr behagen sollte; 3. wenn ich sie verstoßen sollte, oder 4. wenn meine Frau sterben sollte. Hochachtungsvoll Heinrich Schödel.- ?!achdem sich der Heitercitsansbruch. den die Verlesung dieses Schuldscheines entfesselte, gelegt halte, sagte der Richter: Lassen Sie uns, Herr Schödel, vor Allem hören, ob Sie eine der vier Bedingungen, die Sie in diesem sogenannten Schuldscheine eingegangen sind, nicht etwa gebrochen haben. Also .zur ersten: Erkennen Sie diese Frau als Ihre Schwiegermutter noch immer an? Ver klagter: Freilich, allemeil! Nichter: Behagt sie Ihnen noch? Verklagter nach einer langen Pause, während welcher er die Schwiegermutter von- der. Seite mit halb scheuem Blick betrach tete): Ja., sie behagt mir noch.. Richter: Haben Sie sie verstoßen? Verklagter: Nein, sie ist selbst weg. Sie kann doch wiederkommen. Klä germ: Ich will aber nicht! Rich ter: Und Ihre Frau ist nicht gestor bcn? Verklagter: Nein, sie lebt noch. Nichter (zur Klägerin): Un ter diesen Umständen mug ich Ihre Klage bedingungslos abweisen. Ihr Schwiegersohn ist ein braver Mann, der keine einzige der vier Bedingungen, die er sich bei Uebernahme der Mitgift Ihrer Tochter sowie Ihrer Person ge. strilt. verletzt hat. (5r braucht Ihnen die 50 Gulden nicht zu bezahlen! DaS wäre gut! Ich bitte Sich, liebes Männchen, wirf doch die Thüren nicht so sehr zu! Wenn Du sie nur auch bei Tage so leise schließen wolltest, als wenn Du NachtA um ein Uhr heimkommst! Unbegreiflich. .Spielt Ihre Frau auch Klavier? .Nein." flder Ihre Tochter?? .Auch nicht." .Was? und da gehen Sie doch m'5 Wirthshaus? Dann blieb ich daheim! Vackfischchenö Zweifel. Im Innern puppert'S seltsam mir. Bald link-, bald in der Mitte; . Bald wird mir wohl, bald wird mix flau Bei jedem meiner Schritte. Ob's Hunger oder Llebe ist Vermag ich nicht zu sagen: Ob'S schöner, wenn'S im Herzen WZ Ob'S besser, wenn'S im Magen? AuS ein S ckriftneller. ' A.: .Wovon lebt der X. eigentlich?1 A.: .Nun von seiner schriftstellen i schen Thätigkeit.- A.: .So?! Was 'schreibt er denn?- B.: .Na, e? schreibt immer nach Hause, uci : Geld!" Unnütze Vorsorge. A.5 Jch lasse meine Tochter Alles lernen, damit sie später Alles ergreisen fann. B.: .O. Ihre Tochter hat Geld, di braucht sich nur ergreifen zu lassenk?
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