Indiana Tribüne, Volume 16, Number 256, Indianapolis, Marion County, 4 June 1893 — Page 7
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S fünfte Element in Baiern. ier Elemente, innig gesellt. bildZN bis Leben, bauen die iMt!" singt Schiller. In Baicrn aber giebt es fünf Elemente. Das hat schon vor hundert Jahren Ireilzerr von Kreitrneijer, dessen Standbild auf dem Promenadcnvlaö u München die Inschrift ziert: Baicrnö Gescngeder", in einer ; Anmerkung zu seinem baierischen Land j recht behauptet: Das Bier mache in j seinem Heimathlande das fünfte Elc I rnent aus. Wenn der gelehrte Herr ober erst sähe, welchen Siegeszug das baierische Bier seitdem über die ganze Erde angetreten hat, und wie König Eambrinus im eigenen l'aiiDe beHerr schend das Szepter schwingt, er würde sich baß verwundern. Zu seiner Zeit braute man in ganz Baiern. wenn's hoch kam, drei Millionen Hektoliter, die das biedere Völkchen selbst bis auf den legten Tropfen Ztrank, ohne sich dad.'i allzu sehr anzustrengen, denn es kamen im Jahr wenig über 100 Liter aus die einzelne Kehle. Heute aber erzeugt das deutsche Bier land jährlich fast 15 Millionen Heltoliter. von denen ungefähr ein Sechstel sich in tausenderlei strömen und Bit chen über die wcißblauen Grenzen hinüber ergießt, während die wackeren Zecher daheim 221 Liter pro Kopf der Bevölkerung vertilgen muffen, nm die Keller zu leeren. In einzelnen Städttn steigt der Bierconsum zu Riesensummen an: in Jngolstadt mit seiner großen Garnison werden von jedem Einwohner, Säuglinge, zarte Jungsrauen und ehrwürdige Greise mitgerechnet, über 500 Liter jährlich hinter die Binde gegoffen, in München etwa 470 das macht auf eine Normal familie" von fünf Personen über 23 Hektoliter im Jahr mit einer Ausgabe von rund 5Ö0 Mark, und wenn auch der Münchener Vollbürger, übrigens mit einem neidischen euszer. bchauptet, 'das beste Bier tränken ihm stets die Fremden weg, so bleibt ihm doch jedenfalls noch genug übrig, um selbst den -riesigsten Durst zu befriedigen. Wenn der Reisende nach München einfährt, von welcher Himmelsrichtung er wiU, so muß er an den Bastionen der Bierkcller vorüber, die die Stadt in weitem Kranze umzirkeln. Hier sitzt im Sommer Mann, Frau und Kind, andächtig vergnügt, und trinkt nach des Tages Last und Hitze. Tie Kultur hat je&t auch die früher etwas rauhen Kellersitten beleckt : heut zu Tage herrscht nicht wie früher souverän der steinerne Mankrug, sondern man sieht Halbe" und Gläser ihm die Herrschaft streitig machen. Noch vor zehn Jahren erfuhr ich aus die Frage, wie viel Eeidelgläser ein besuchter Keller habe zur Antwort : G bis 7, Maß. krüge aber über 4000. Und Wirthe, die in ihrer urwüchsigen Grobheit ein werbendes Kapital hatten, schnauzten einen schüchternen Gast, der sich nur einen halben Liter zutraute, verächtlich an: Warten's bis Maß vertragen könna ! Und mit welcher Hingedung wird getrunken ! Wenn am 1. Mai im Hofbräuhaus der Bock" aufgeht, dann sn.en ernste Männer zu Gericht, still, bcdääztig. feierlich. Lange dauerl's, bis sich der Brust das gewichtige Wort entringt : Dös is a guars Bier ! Und der Nachbar bekräftigt : Und g'sund ! Nach weiteren Stunden aber fühlt er sich vervflichtet. die Unterhaltung fortzuspinncn, indem er seinerseits bemerkt : Tös is a g'sundes Bier ! Und guat ! ertönt die Antwort. Mehr Worte werden nicht gewechselt, aber die Thaten reden eine verständliche Sprache. Wozu denn das Geschwätz, wenn man den M'ind zu besseren Dingen gebrauchen kann ? Und wie im (zinzelhaushalt von früh bis spät in den äußeren Straßen der Hauptstadt kann man oft genug angeschlagen sehen: Anstich früh 5 Uhr! , so spielt auch das Bier in der Wirthschaft des Staates Baiern die entscheidende Rolle. Unser gesummtes Budget be!ä.ust sich auf rund 300 Mil Zionen in Ein und Ausgaben, so hoch ist der Werth der Bierproduktion allein; von ihr.erhebt der FiskuS 3(5 Millionen Mark Steuer -r die ganze norddeutsche LZrausteuergemeinschaft nur 24 Millionen; bei uns belastet die Staatsstcuer den Bicrkonsum pro Kopf der Bevölkerung mit 7 Mark, in Norddeutschland durchschnittlich mit 153 Pfennig. Nun kommen aber auch noch die Gemeinden und. leiten ein Büchlein aus dieser ergieHigen Quelle in ihren Privathaushalt; nicht. weniger als 1007 Gemeinden ha ben lfc91. in Baiern Lokalzuschläge vcm Biere erhoben. Unsere.größten Brauereien, der Spaten. die Löwenbrauerei, erlegen an Malauffchlag jährlich an 2 Millionen Mark, sie verkaufen bis zu 10 und 12 Millucn Mark Bier, der Spaten allric besit 140 der bekannten weihen Bierwagen auf der (5isenbahn. Die Braue rci nimmt einen ganzen Stadttheil ein, eine auch nur flüchtige Besichtigung erfordert mindestens zwei stunden, schier in's Unendliche dehnen sich .die Räume, .in den &er Dampf, die Maschine, die ünstlich5 Kälte die primitive Technik früherer Jahrhunderte verdrängt ha6en. Wer Gelegenheit hat, solches Ziie'enetablissement einmal zu besehen, tiersäume dies, nicht; das stolzc Gefühl, vas ein derartig .machlvoller Betrieb Hervorru't, schränkt das Bedauern, daß alle diese Millionen und Millionen Werth die Gurgel hirabrinnen, doch , ewigermaßen ein. . Baiern war aber nu$t immer das Land, in dem Gambriniis Hof ljklr. Bis in's 16. Jahrhundert hinein war Wein das beliebte Getränk seZbstge zogene Äeben lieferten ihn, die bis a die Verberge der Alpen wachsen und aller Bermuthung nach einen gräßlichen Krätzer produzirten. Norddeutschland dagegen war es, wo die .güldene Nah, cung" florirte. Das königliche Hof bräuhauZ zu München.- das 1589 be gründet wurde,, um den Bierbedars des Hofes zu decken, - verschrieb sich einen Braumeister aus ßimbeck, dessen Bier,
MIHHkUBEllMl wahrscheinlich heuR noch das Pro:eN)p des Bockes, die tierischen Herzöge bis her durch Berittlung eines Nürnberger Kaushauses bezogen hatten. Den Grundstein zur Blüthe der Brauindu-' strie in Baiern haben dessen Fürsten gelegt, sie nahmen das Brauwesen seit Beginn des 10. Jahrhunderts unter ihre landesherrliche Oberhoheit, wäh rend man bis dahin die Berwendung von Getreide zum Biere vielfach noch als eine Verschwendung betrachtet yatte, die die Nahrung des Volkes be. einträchtige. Schon 1510 finden wir die Vor schrist. daß fürern allenthalben in unsere Stette, Märkte und auf dem Lande keinem Pier merer Stukh. dann allein Gersten, Hopsen und Wasser gelommen und gebraucht solle werden und diese goldene Regel steht heute noch, seit fast' vier Jahrhunderten, un krschütterlich sest in Artikel 7 des baieriichen Mal;ausschlaggesetzes. Zur AuS iibung der Brauerei bedürfte es der herzoglichen Belehnung. Es gab .dräuknde' Stände". Ritterschaft, Klerus. Stadt- und Marktbürger. Seit 1616 vurde eine zweijährige Lehr- und Wan derzeit gefordert. Eine bis in das zweite Drirtcl'des 19. Jahrhunderts formell in Kraft stehende Bierpolizei bestimmte genau, wie das Bier hergestellt werden durste, wie es verkauft wurde und an wen. Es durfte nur . in den Wintermonaten gebraut werden, denn die Technik gestattete damals nicht, ein haltbares Bier im Sommer ?u bereiten. So und so viel Bier durste nur aus einer bestimmten Menge Malz gezogen werden, etwa 1 Hektoliter aus ' 1 Hektoliter Malz, während man jetzt über 2 Hektoliter daraus gewinnt ; doch war ichon in früheren Zeiten eine ausschweifen' dere Gum'ührung'" gestattet, .so lange des schlechten Bieres halber kein Ge schrei im Publiko entstehet.". Die Preise waren durch die Biertare, oie erst 1808 endgiltig beseitigt worden ist. genau geregelt. Seil 1753 wurden der Schank und der Eauterpreis, das heint der Verkaufspreis beim Wirth und beim Brauer, alljährlich zu Martini beim Geheimen Rath in München unter Zugrundelegung eines Probe fudes vom Hosbräuhaus für das ganze Land festgesetzt. Dreißig Jahre vorher hatte man die .amtliche Bierbeschau ein geführt : die Bierkieser waren Leute, in keiner Weise mit den Brauern ver sippt sein durften und durch Geschmack, probe die .Pfennigvergiltigkeit" deZ Bieres zu prüfen hatten. Die privilegirten Stände aber, der Adel und die Geistlichkeit, -waren um der Standes ehre" willen von der Kontrole dieser Bierkiestr. die der brauende Bürger biZ in dieses Jahrhundert hinein sich ge. fallen lassen mußte, befreit. 1671 wurde bas Hinauslaufen und Zechen der Unterthanen in ausländischen Wirthschaften" bei Strafe unter sagt, auch der Bierimport war verbo ten. Die Wirthe waren an bestimmte Brauer gebunden, und vergeblich blieb im vorigen Landtag 181)1 ! eine Anregung, die Borschrift zu beseitigen, die dem Wirth verwehrt, während' des Sudjahrcs seinen Brauer zu wechseln. Es gab Noth und Fveiwirthe, und durch allerlei Ehikanen suchten die Braue? sich den eigenen Absatz zu er weitern, d Eoncurrenz zu schädigen: die Wirthshatz" ist ein ständiges kapi. telvolles Klagen in der alten Braulite ratur. In diesen Jahrhunderten gemerklicher Unmündigkeit und stillste hender Technik hat die stete Fürsorge der Landesherren für die Bierbrauerei in Baicrn sicherlich viel Gutes gewirkt: Nirgends als in diesem Lande", se schreibt ein Reisender vom Ende deZ vorigen Jahrhunderts, trinkt man nunmehr so gut und wohlfeil Bier al dort. Selbst als eine neue Zeit an den ältesten Traditionen rüttelte, blieb Baierns Bierpolitik noch in den herge brachten Bahnen einer behutsamen Bormundschaft über Brauer und Pu blikum. Graf Montgelas, der Schöpfer des modernen Baiern, verfolgte mit seiner 1811 eingeführten Regulative wohl den Zweck, manch' drückende Fessel des Gewerbes zu beseitigen und eine freiere Entwicklung .anzubahnen, aber er glaubte doch, neben der finanziellen Sicherung für die Staatskasse, auch für den Schuß des Eonsumenten gegen theures und schlechtes Bier und für den Schutz des Producenten durch Gewähr des Ersatzes .der Produktionskosten und eines Untnnehmergewinns sorgen zu müsien. Vermittelst einer complizir ten Berechnung wurde dem Brauer die Mannsnahiung" bei der Festsetzung der Preise für Verkauf und Ausschank garantirt. Das hinderte aber Alles nicht, daß nicht Unordnungen vorka. men; alle Regulirerei machte aus dün znem Bier kein gutes, und als gar nach einer schlechten Ernte die Gerste sehr theuer wurde nn die Maß Schankbier aus den unerhörten Preis von-tKreu zern 1 Pfennig stieg, da wurden die langmüthigen Seelen wild, und es kam zuerst 1844 und dann bis 134V häufiger zu Bierkrawallcn. Man erzählt, das die durstige Sok dateska des Qefteren mit dem Pöbel bei diesen Elementen sraternisirt und die Regierung anfangs die Unruhen gar nicht io ungern gesehen habe, weil der rubige Bürger dadurch einen heilsamen Schreck vor der anderwärts schon bumps grollende Revolution bekommen habe. Schließlich aber wurde doch der Philifier rabiat, und als wieder einmal die Regierung einem Bierirawall mit ver schränkten Armen zusah, da empörten sich, in ihre heiligsten Rechte, ihr Bier in Frieden zu trinken, tief gekränkt, die Bürger selbst und prügelten dcu Mob sammt den Sldaten windelweich. - Jndesien ermirS sich weit wirksamer als alle Fürsorge einer wohlweisen Po lizei für die Brauer und ihr Publikum die Entwickelung der Technik. Die rohe Empirie vermischt mit Aberglau ben und Geheimnißtriimerei, wobei un ter 10. Suden drei mißlangen, wich einen FabrikationZproLeß an dem die
" 1 TB NiueVlfchast Trab die Praxis gletq ' hervorragenden Antheil nahmen. ' Die Brauerei watt, eine Kunst. Die Mün chener Akademie behandelte mit Eifer die einfchlöqigen Fragen, und der bahn brechende Einfluß Gabriel SeydlmayrS zum Spaten", der sich feit 1832 fühl. . dar machte, brachte das Münchener und das gesammte dairische Brauwesen mächtia vorwärts. Die Produktion
stieg ungeheuer, der Verbrauch im j Lande wuchs, die AuZluhr, erU von Franken, dann von München, machte die bairische Bierbrauerei zu einer Wcltindustrie. Aller technischer Fortschritt in diesem Gewerbe ist mit dem Ausblühen des Großbetriebes verbun den. Das konstatirt auch ein unlängst (bei Duncker u. Humvlot, Leipzig) erschienenes, höchst lesenswerthes Buch, die Entwicklung des daierischcn Brau gewcrbes- von Emil Struve, obwohl der Autor sonst sich sehr besorgt um das Schicksal der Tausende von kleinen Brauereien zeigt, die auf dem Lande und in kleinen Städten BaiernZ als Neben- und Hilfsqewerbe für Land Wirthe. Gafthosbesitzer, Bäcker, Metzger. Wirthe betrieben werden. Und nicht uur der technische, auch der wirth schastliche und sociale Fortschritt im Brauwesen hängt mit der Entwickelung der Großbraucreien zusammen. Eine Gerstensortir- und Pu km aschine z. B. erspart bei je 100 Hektoliter Gerste 840 Mark durch gründliche Rei. nigung des Rohmaterials; Lüuterap parate gestatten aus 10 Eentner Malz das gleiche Quantum Würze zu ziehen wie vordem aus 12; je nach der Ver vollkommnung der Heizanlagen schwan kcn die Heiz!os:en für 1 Hektoliter Bier zwischen 21 und 3 Pf.: 184 kostete in München der Eentner Natureis fast 2 Mark, da trat die Eismaschine ein und lieferte den Brauereien 800.000 Eentner Kunsteis zu 12 Pfennig und weniger den Eentner. Welche Qual in den kleineren Brauereien, wenn in den Malzdarren beständig bei einer Temperatur von mehr als 60 Grad die Braugehilscn das Malz drehen und wenden mußten: jetzt wird das fast ohne Bemühung der Menschenkraft durch automatische Apparate besorgt. Welche Schererei und Schwierigkeit srüber. in den Laaerkellern die ricbtiae Temperatur zu erhalten: daiür i,'. jetzt Alarmtb.'rmometer. und im u schinenhause hebt ein Finger den 7r del, um mehr kalte Luft zuz'.lsührl. bis die nothwendige Kühle von I I i Grad Eelsius im vollen Keller erreicht M. ' ' . ' - Das Beste aber ist, daß gerade in den Großbrauereien ein Product er zeugt wird, das durch Wohlgeschmack, Feinheit, Haltbarkeit. ' alle Ansprüche verwöhnter Gaumen ebenso befriedigt wie durch seine Billigkeit wahrhaft zum Volksgetränt werdew kann. Das Bier, das nicht getrunken wird, hat seinen Beruf verfehlt" uns Baiern braucht man dies nicht erst mahnend zuzurufen: hier verfehlt kein Tropfen des fünften Elementes- seinen Be ruf! Schiller und die Schrammet inJena. Als Schiller seine Professur in Jena 1789 angetreten hatte, wohnte er in der Schramme!, einem großen Mietshaus, das zwei Jungfern Schramm gehörte, wo er sich mitten unter Studenten ein quartirt fand. Diese Jungfern waren sehr dienstfertig, aber auch sehr rcdselig. Das weibliche Jena hatte über Haupt keinen günstigen Eindruck auf ihn gemacht. .Hier haben mich," schreibt er, .alle Göttinnen der Schönheit ver lassen: denn die grimmigen Gesichter der Gelehrten verscheuchen alles, was Freude athmet. Unser hiesiges Frauen zimmer taugt wenig." Tagegen war er mit seiner Wohnung in der Schräm rnei sehr zufrieden. .Mein Logis habe ich über meine Erwartung gut gefun den. Der freundliche' Anblsck um mich herum giebt mir eine sehr angenehme Existenz. Es sind drei Picccn, die in einander laufen, ziemlich hoch, mit hel len Tapeten, vielen Fenstern und alles entweder ganz neu oder gut conservirt. MeubleS habe ich reichlich und schön: zwei Sophas, Spieltisch, drei Eommo den und anderthalb Dutzend Scs.'l, mit rothem Plüsch .ausgeschlagen. Eine Schrcibcommodc .habe ich mir selbst machen lauen, die mir zwei 'aroline Zostct. Dies ist, wonach ich längst ge trachtet habe, .weil ein Schreibtisch doch mein wichtigstes Meuble ist und ich mich immer damit habe behelfen müssen. Ein Vorzug. meines LogiZ ist auch die Flur, die überaus geräumig hell und reinlich ist." Die Kost bezog er eben falls von den Jungfern Schramm auf snem Jlmmer, um zwei Groschen das Mittagessen. Wäsche, Friseur, Vedie. nrmg u. dgl. :wurde vierteljährlich be zahlt und kein Artikel betrug über zwei Thaler, so Daß Schmer von Hause aus nach incm gar nicht strengen Anschlag glaubte, schwerlich über einhundertsünf zig Thaler zu 'brauchen. Wie beschci den lebten die damaligen Profesioren und Hofrätbe! :G lückliches Jena, glück liches achtzehntes Jahrhundert! möchte man ausruscir. Wenig bekannt ist eS, daß SchiUrr auch in der Schramm lauge Zeit mit seiner zungen Frau ae wohnt, daß er anfangs keinen -eigenen Haushalt geführt Hut. Er miethete. nachdem er am 22. Februar 1790 mit der anmuthlgm Charlotte von Lenge selb in der Dorskirche von Weniqenjena getraut worden war, noch zwei Zimmer hinzu nnd hegte nur darüber schmerz liches Bedauern, dak EharlottenS Schwester. Caroline von Beulwip. nicht ebenfalls m der Schramme! ein unter kommen fand. Seine gleichzeitige Liebe zu beiden Schwestern, lst e,m mertwürdl geS Blatt in seiner Lebensgeschichte, und wir würden über die Art, wie er seine Empfindungen an Beide vertheilte, noch .Nähere wissen, wenn deS Dichters Tochter, Frau von Gleichen, nicht sei nen Briefwechsel mit Caroline vernich tet hätte. In die Zeit jeneS Aufent Haltes in der Schrammet fällt auch die erste schwere Erkrankung Schillers im Jabre 1791, dcTen.Wge.n besonders
Athemnoih und Brustkrampfe. er lange nicht verwinden konnte. In seiner aka demischen Thätigkeit gehemmt, war er auch nahe daran, in große äußere Be drängniß zu gerathen, wenn nicht die die großmüthige Unterstützung ftiner Freunde und Verehrer aus Dänemark, die ihm anf drei Jahre eine sichere jähr liche Einnahme von tausend Thaler
verschastte, sein Leben sorgenfrei gestal tet hätte. Jetzt durfte er frei aus. athmen und es begann in der Schräm mei ein oft lustiger gesellschaftlicher Verkehr, an welchem sich auch Lotte in der ungezwungensten Weise betheiligte; denn wenn sie auch nicht so freigeistigen Ansichten huldigte wie ihre Schwester, so war sie doch von jeder Engherzigkeit weit entfernt. Junge Studenten schlos sen sich mit begeisterter Hingebung an Schiller an, so Fritz von Stein, der Sohn jener seinsinnigen Charlotte von Stein, der Freundin GoetheS; er war Schillers Hausnachbar in der Schräm mei geworden. Er sowohl wie Fische nich von Bonn,- von Fichard aus Frank furt und zwei Landsleute Schillers, die Schwaben Göritz und Niethammer.hat ten sich mit dem Dichter und seiner Frau, die noch immer keine eigene Wirthschaft führren. verabredet, beiden Jungfern Schramm einen gemeinsamen Mittagstisch einzurichten, bei dem das Gespräch lange bei den höchsten Gegen ständen, namentlich Kants .Kritik' der reinen Vernunft" verweilen konnte und dann wieder zu allerlei Lustigem über ging, das der Tag mit sich brachte. Nach Tische wurde L'Homdre gespielt oder Kegel geschoben; der Dichter gab sich dabei fröhlich und ungezwungen. Schiller hatte sich von der Augusten burger Pension ein Reitpferd ange schafft; man ritt oft gemeinsam aus, bevorzugte verbotene Wege, wo es zu Händeln mit den Bauern kam; man erfand besondere Uniformen, dunkelblauen Frack mit himmelblauen Knöpsen für die Angehörigen des Kreises; man trank, Herren und Damen, in der gehobenen Weinlaune eines Abends Schmollis, was natürlich in der folgen den Zeit der Nüchternheit nicht weiter zur Geltung gebracht wurde. Kurz, nicht bloß Weimar, auch Jena hatte seine lustigen Tage zur Zeit als Schi! ler in der Schramm wohnte. Leider traten oft kleine Rückfälle in dessen r i r , r
ranlycii ein; oej onoers im er ieyr an v,",v" ,",,.7 7 Schlaflosigkeit; er gewöhnte sich deshalb wegen ihrer dogmatischen Alltäglichkett daran, spät zur Ruhe zu gehen und erst belachen werden. Die Italienerin, am hellen Tage aufzustehen; er plau-' Den sie aflen, ifl Uibcnidjattlidj, l)ic bette nicht nur oft' bis der MorgenFranzölin kokett und liebenswürdig, graute, sondern auch das Kartenspiel Dw Deutsche naw und romantisch, die wurde bis in die Nacht verlängert, und Engländmn re,ervlrt und.eln klein
die 5Xuna5ern Sckramm mukten sick als Mtspielcnde dabei betheiligen. Frankreich und San Domingo. Zwischen Frankreich und der Republik San Domingo sind bekanntlich vor Kurzem die diplomatischen Veziehungen abgebrochen worden. Wie die Franzosen behaupten, liegt der Grund hierfür in den Geldverlegenheiten deö Präsidenten don San Domingo, deS Generals Ulysse Heureaux. Nach emn Darstellung des Pariser Correfpondenten der .Times- verhält sich jedoch die Sache etwaZ anders. Die Banque Dominicaine, welche von französischen Capitalisten gegründet ist und ihre Centralverwaltung in Paris hat, ist wegen 200,000 Frcs. mit der Regie rung von San Domingo in Streit gerathen. Die Beamten der Republik hatten vom Präsidenten die sofortige Zahlung ihrer rückständigen Gehälter gefordert und da General Heureaux angesichts der bevorstehenden Wahlen sich die Beamten nicht verfeinden wollte, so wünschte tx von der Bank einen Vorschuß gegen Hinterlegung von Schatzbonds zu 50 Proc. ihres Nomi nalwerthes und zu 15 Proc. Zinsen. Die Stempelsteuern sollten zum Theil als Sicherheit dienen. Det Vertrag wurde unterzeichnet und die Schatz dondö wurden deponirt, allein die Bank, deren Direktor Marcenas der rivalisirende Candidat für die Präsidentschaft war, weigerte die Zahlung der 200.000 Frcs. ehe sie nicht den Werth dieser Summe in Stempelmarken erhalten habe. General Heureaux verlangte nun die Schatzbonds zurück und die Annulirung des Vertrages, da eine andere Bank ihm den gewünschten Vorschuß machen wollte. Die Banque Dominiccune lehnte dieses Ansinnen ab, worauf die vom Präsidenten ange rufenen Gerichte dieBank zur Rückgabe der Bonds oder zur Zahlung der genannten Summe verurtheilten. Die Bank fugte sich auch jetzt nicht und General Heurau?. welcher mittler weile wieder zum Präsidenten gewählt worden Kar. ließ die Schränke der Bank versiegeln, worauf der von der Bank angerufene französische Consul seine Siegel über diejenigen der Reqie rung von San Domingo setzte. Der Präsident befahl, die französischenSie gel abzunehmen, die Schränke wenn nöthig aufzubrechen und die Bonds herauszunehmen. ' Der Consul tele araphirte alsbald cm die französische Regierung, welche zwei Kriegsschiff, nach San Domingo beorderte. - Der Präsiden! erbot sich -lun, nicht alsPrä sident, sondern als s.trivatperfon 200,000 Frcs. in einer anderen Bank, welche die. franz'ösif he Regierung bezeichnen n-.öge, zu dcponiren. Letztere wollte jedoch davon nichts wissen und brach die diplomatischen Beziehungen ab. ' So wird die .Angelegenheit von Dominikaniscber Seite dargestellt. Nähere Nachricken sind noch abzuwarten. ' Bessellu'ngen nach allen Hinrichtungen führt prompt aus die Ja drik von Jeromi (f. Danziger Jntelligenzblatt No. 277). Aber wie selten kommen in Deutschland Hinrichtungen vor! . ytotbtotnbiat Griorherm niß. Examinator: Herr Kandidat, t r f 1 rr w . w zoa9 i i iu einer veiwe,duna unumaän. kick nöthig ? Kandidat : m, hm . . . Ach so ! Daß die Antragsteller vorher sich her sich
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DaS europäische Weid. V?n tst&l$ Vkanttgajja. Abgesehen von der Türkin, die als eine in Enropa lebende Asiatin zu betrachten ist, und der Lappländerin, einer armen, wilden Nomadin aus unseren Polargegenden, sind die europäi schen Frauen, welchem Bekenntniß sie immer angehören mögen, mehr oder minder freie oder mehr oder minder civilisirte Geschöpfe. Sie unterscheiden sich jedoch untereinander durch ihre vtt schiedenartige sociale Stellung, durch die Rasse und die Religion, nicht zu reden von den individuellen Unterschieden, die in einzelnen Fällen einen be stimmten Coessizienten außer Rechnung stellen. Da wo sich die Individualität auf kräftige Weise accentuirt, ist sie im Stande, jeden Einflnß der Rasse, der Religion und der socialen Stellung zu neutralisiren. Darum finden wir auch zuweilen unter den italienischen Frauen in physischer Hinsicht einen englischen oder russischen TypuS und unter den Deutschen einen italienifchen Typus. Das sind jedoch Ausnahmen. Die große Menge der Frauen unterliegt den Einflüffen des Landes, in welchem sie gebo cen und aufgewachsen sind. Eine dergleichende Psychologie der europäischen Völker ist bis heute noch nicht geschrieben worden und wahrfcheinlich könnte ein einzelner Mensch allein sie nicht schreiben, weil das menschliche Leben für ein solches Stu oium zu kurz ist und weil die Nationalität des Autor die Ursache die ler persönlicher Irrthümer wäre. Niemals ward ich mir dieser Wahrheit so sehr bewußt, als nachdem ich meine Psychologie der Liebe" geschrieben hatte. In Teutschland, wo diesem Buche das seltene Glück mehrerer Uebersetzungen und zahlreicher Auf lagen zu Theil ward, lehnten sich die Kritiker gegen meine Behauptung auf, daß man in Italien mehr und besser liebe als irgendwo. ' Befragt man Männer, die in ihrer Jugend ' viel gereist sind und - mit grauen der verschiedenen Nationalität ten verkehrt haben, um ihre Meinung über die spezisisch-nationalen Vorzüge des deren Geschlechts, so werden ihre Antworten aus konventionellen Phra ' len bestehen, die alle Jene, welche nur i in frnri hnn 4Vlf nrfi nt nn i hprltpficn .enig ,a)naemg. 01c arncrwi tsüchtig und scurig, die Nuzsin leicht reizbar u. s. w. Um nun von dem italienischen Weibe ni sprechen, von demjenigen, welches ich mobl am besten kennen sollte, so muß ich gestehen, ein solches eigentlich nie zesehen zu haben. Ich kenne dagegen kine Piemontesin, eine Lombardin, eine Toskanerin, eine Römerin, eine Nea. politanerin, die alle von einander derschieden sind, ebenso, wie die italieni scken Stämme, denen si: angehören, unter einander. Und mit so großer Liebe und Hingebung ich auch als Mensch, als Arzt, als leidenschaftlicher Beobachter des menschlichen Herzens stets das Weib studirt habe, so wäre ich doch wahrlich sehr verlegen, wenn ich den physischen, d. h. den sittlichen und intellektuellen Charakter dieser unserer Schwestern in Christo und in der iia li-nischen Tricolore beschreiben sollte. Tie Profile, die ich weiter unten gebe, sind Duretz''chnittsski.zen durchschnitt' licher Typen. Von dem ethischen Charakter der Frauen im Allgemeinen kann man sagen, daß sie denselben mit den Mannern ihrer Rasse theilen, abgesehen von den Charaktereigenschaften ihrer Weib lichkeit. Wir können aber keine Gleichungen aufstellen wie diese: Der Italiener verhält sich zu der Jtaliene ein wie der Franzose zu der Französin. Denn die Umgebung, in der das ein zelne Weib geboren wird und heranwächst, ist in jedem Lande eine andere, weshalb sich das Verhältniß des Weides zum Manne je nach den verschiede nen äußeren Cinwirkungen besser oder schlechter gestaltet. Im Allgemeinen jedoch kann man sagen, daß die Gesell schast dort, wo das Weib besser ist. als der Mann, eine sehr verdorbene sein muß. Diese Einwirkung der Umgebung, die als Summe zahlreicher Faktoren zu betrachten ist, ist in erster Linie abhangig von der größeren oder geringeren Freiheit, die dem Weibe gewährt wird. Wo diese Freiheit eine große ist. wie m Eirgland und in den Ver. Staaten, da kann sich die Individualität aus naiürliche und kräftige Weise entwickeln und das ethische Moment modificiren, indem sie dasselbe theils festigt, theils bekämpft. Da wo die Mädchen eine große Frei heit genießen, werden sie wohl leichter einen Fehler begehen, aber sie werden, einmal Gattin geworden, tugendhafter fein, als in jenen Landern, wo sie von Kindheit an Sklavinnen sind. Man hat die größere Tugendttcher h'it deZ freien Weibes auch mit den Einflüssen des Klimas erklären wollen; aber ich leugne das. denn ich habe jenen Verzug auch bei den Frauen von Bue neZ Aires gefunden, wo der heiße und lachende Himmel, vereint mit dem Reichthum, der dort herrscht, dazu bei tragen sollte, die Sitten verderbter zu gestalten. . Im vergangenen und zu Beginn die seS Jahrhunderts gingen die Mädchen direkt aus dem Kloster zum Altare, ohne zu wissen, was Liebe sei: und wer sie darüber austtärte, war nicht immer der ÜJaüe, sondern ein Liebhaber, ein Champion im Ehebruch. In jenen Gegenden, wo die Mädchen in der Wahl deS Gatten nicht selbständig und srei sind, sondern dazu gedränzt werden, sind sie schon auf halbem Wege zur Schuld. Wo sie hingegen selber wäh len dürfen, nachdem sie vttle Männer Kksehen und gekannt haben, tragen sie
auch für das. was sie thun, die eigene Berantwortuna. Aurer dem verschiedenen Grade von Freiheit, der den Mädchen gewährt wird, trägt zur Verbesserung oder Verschlcchterung ihres Charakters auch die verschiedene Form der Erziehung bei, die man ihnen zu Theil werden laßt. Um ein eingehendes Studium der europäischen Frauen vom Standpunkt der vergleichenden Psychologie au5 zu unternehmen, müßte man die Wi hierin, die Vhmin. die Ungarin und die Ära silianerin, die Spanierin und di: Hi spano-Amerilanerin. die Cngll'.loerin und die Anglo-Amerikanerin lon'äUig beobachten und aus den Vergleichen zwischen diesen einzelnen Typen ließe sich dann der Einfluß des ethischen Ele mentes leicht unterscheiden von demjeni gen der Umgebung. Hat sich die nach einem andern Erdtheil versetzte Euro päerin verbessert oder verschlechtert? Die Antwort auf diese Frage würde uns die beste Gelegenheit bieten, zu sehen, inwieweit die Einwirkungen des Klimas, der Regierungsform. der Sit ten und Gebräuche, des nationalen Reichthums einen Charakter zu ändern vermögen und bis zu welcher Grenze ein nationaler Charakter dem Hei mathöwechsel Widerstand zu leisten ver mag. ch glaube behaupten zu können, daß sich die nach Amerika versetzte Europäerin zu ihrem Vortheile geändert hat. Von den Töchtern Washington? vermag ich nur zu sagen.'daß sie schöner sind als die Engländerinnen: von den Südamerikanerinnen hingegen kann ich mit einer gewissen Autorität sprechen, denn ich habe sie Jahre lang beobachtet, und ich zögere nicht, festzustellen, daß sie in der neuen Heimath eine größere Selbstständigteit des Charatlcrs. freiere Umgangsformen und ein aufrichtigeres Wesen erworben baden und was noch mehr geschäht werden muß daß sie allen überflüssigen Ballast an Adelstiteln u. s. w. über Bord geworfen ha ben: der erste Schritt zur wahren und gesunden Demokratie.. Ueber ihre Schönheit zu sprechen, halte ich sür überflüssig; sie ist über jedes Lob erhaben. Uebrigens hieße es eine zu weite Synthese versuchen, wollte man von dem jüdamerilanischcn oder auch nur
vomhil'pano'amerilaiiilchen Weibe sprechen. Die Argentinierin hat in ihren . Adern außer dem andalusiichen Blute 'viele rothe Blutkörperchen, die sie von Frankreich und Italien geerbt hat; die ! Chilenin hat viet englisches Blut und diese verschiedenen Mischungen haben auf verschiedene Weise, aber immer im guten Sinne, dazu beigetragen, die spanische Rasse zu modisiciren. Zur Verbesserung des argentinischen Wei des und desjenigen von Uruguay hat auch sehr viel die Leichtigkeit der Erwer buna von Glück saütern in jenen Ländern i mitgewirkt und so zeigt es sich also, daß das verächtliche Metall , m diesem Falle ausnahmsivelte kein verderbendrmgen des Element, sondern ein Factor der Moralität geworden ist. Die leichte Art, Reichthümer zu erringen, macht die Mitgift der Braut zu einer über flüssigen Bedingung und infolge dessen die Heirath zum Ergebniß einer Herzensmahl und nicht eines SklavenMarktes. Das Ehebündniß ist kein Handelsvertrag mehr, die Familie kein Kaufladen oder Bankgeschäft, sondern ein häuslichrs Nest und der Ehebruch ist eine seltene Ausnahme statt einer allge meinen Regel. Und nun einige Skizzen europäischer Weiber. Die Italienerin ist schon, wenn sie schwarzes Haar hat, sehr schön, wenn sie eme sonngebräunte Gesichtsfarbe be sitzt. Kräftig entwickelte Lippen sind zumeist mit blondem Haar vereint. Es gibt m Italien gar vielerlei Typen. Das italienische Weib ist stark gebaut, plastisch geformt, sinnlich geschmeidig. mit keltischer Nase in der Lombardei; tizianisch blond und marmorbleich ,n Venedig: von göttlich-antiken Formen m Bologna; fast lateinisch, aber elastl scher als die Römerin in Toskana; majestätisch und marmorn in Rom, sehr griechisch in Neapel und Palermo. Das italienische Weib bietet uns fast alle Schönheiten der europäischen Eva. Im Uedrigen ist die Italienerin kunst sinnig, leidenschastlich, unwissend, be scheiden, zumeist weniger treu, als viele andere ihrer europäischen Schwestern, weil sie fast immer verheirathet wird. ohne geliebt zu haben; oftmals sehr unglücklich, weil ihr der Rettungsanker der Ehescheidung fehlt. Sie gefällt ausnehmend den Äännern oes'europäischen Nordens, weil diese in ihr Vorzüge und Reize sinden, die sie ganz vergeblich bei ihren eigenen Werdern suchen. Die Französin. Kake und Schlange, Palme und Veilchen, schwach und zart dem Anscheie nach und unerschrocken und geseit gegen die Einflüsse der arg sten Licbesdrände, voller Grazie, auch wenn sie nicht schön ifl, stets dreifach Weib und .dreifach entzückend. Die kleine, impertinente Nase, die zarten 5körperlinien, der wunderschöne Mund machen sie zur anbetungswürdigen, be gehrenZwerthen Verführerin. Sie ist liebenswürdig, geistreich, unübertrefflich kokett, zumeist untreu und dies aus dem nämlichen Grunde nm die Italienerin. Sie ist einflußreicher als diese, weil sie außerordentlich sympathisch und bezau bernd ist. Sogar oie elastische, sprü hende Sprache, die sie spricht, hat einen so bezaubernden RelZ.und Wohltlang, als wäre sie eigens für das Welb ge schassen worden. Die Spanierin ist herrlich schön, be rauschend schön. Sie hat sehr kleine Hände und Füße, große Augen, welche den 'geöffneten Fenstern eine Palastes aus parischem , sonngevrauntem Mar mor gleichen, blendende Körperformen voll Reiz und Leben, schwarzes, langes, üppiges Kopfhaar. Jm Uebrlgen rell aiöS und sehr unwissend, sehr eifersüch
tz
tig. empfindlich, nachlässig. Sie bcsiht den natürlichen Stolz, den ihr die auszerordentllche chönhelt verleiht und das volle Bewußtsein der Fähigkeit, mit idrcm Blicke einen Mann todten zu können und in ihren Händen den Schlüssel zum Paradiese und zur Hölle zu haben. ! Die Deutsche ist wenig graziös in ihren Bewegungen und den Körper umrissen, dagegen kräftig gebaut und widerstandsfähig gegen die Einwirkun gen der eit und dcr Gefühle, blondhaarig, blauäugig und mit weiter Ge sichtsfarbe : mehr für die andauern den Zärtlichkeiten als für die Stroh feuer geeignet ; derart organirt. daß sie eine bessere Gattin als Geliebte ist, mehr Frau als Weib und dem Manne näher stehen) als viele andere ihrer europäischen Schwestern. Naiv, gut fleifcig, bedeutend gebildeter als die übrigen europäischen Frauen, eine vor zügliche Hausfrau, ausgezeichnete Mut ter ; grofce Liebhaberin des Tanzes und der Musik, übersinnlich auch inZden Armen des Geliebten, plrituallstm, Jdealistin und Phantastin : stets zur Bewunderung und zum Enthusiasmus fl neigt. Die Engländerin. Als blonder Ty pus der Spanierin gerade entgegengesetzt, aber dieser nicht untergeordnet. Sie ist nur auf eine andeie Weise schön. Wenn sie krästig gebaut ist und das ist häufig der Fall vereinigt sie in sich die entgegengesetztesten Vorzüge: die Größe mit der Zartheit. die Hoheit mit der Herbheit. Sie ist die Schönheit selbst in allen ihren Hal tungen und Bewegungen und ihrer ganzen Allmacht. Ihr Haar zeigt den Schimmer des Goldblond und des Sil berblond, sie hat himmlische Augen, einen Teint, der dem Pfirsich gleicht oder dem Porzellan von Eevres eine edel geformte 1!ase, vollkommen schöne Zähne. Ihre Jugend währt ihr ganzes Leben. Im Uebrigen zurückhaltend bis zur Karrikatur und ein wenig hypochondrisch, aber thätig, keusch, Sklavin der Etiquette und gleich der Teut schen patriarchalisch gesinnt; eine U denschaftliche Liebhab??in von Reisen, sehr nahestehend dem Manne, den sie oft mit den Rechten des Herzens und des Geistes beherrscht. Die Russin hat zu viel und zu ver schiedene Physiognomien und ich kenne sie zu wenig, um auch nur eine Skizzirung ihres Profils wagen zu können. Ich möchte sie fast ein orientalisches, zu früh nach Europa verpflanztes Welk nennen; sie vereinigt, wenn sie schön und gebildet ist, in sich die furchtbar verführerischen Reize des wilden und des civilisirten Weibes. Im Uebrigen nervös, eine große Liebhaberin starker Eindrücke und fortwährender Vcrände rungen. t Die Eisenbahnen tragen täglich dazu bei,dieseethnologischcn Verschiedenheiten verschwinden zu machen. In einem oder spätcstens in zwei Jahrhunderten werden wir ein europäisches Weib ha ben, dessen Physiognomie, wie leicht vorauszusehen ist, sich derjenigen der Französin nähern wird, der Verlreterin der Turchschnitts-Nation, die nicht nur in geographischer Beziehung im Cen trum Europas ihren Sitz hat, sondern auch die Mitte bildet in Bezug auf Sprache, auf eklektischen Geschmack und wegen der glücklichen Verschmelzung dcr lateinischen Lebhaftigkeit und Schlag fcrtigkeit mit dem kritischen Geiste der germanischen Rassen. Würde ein weißer Don Juan befragt werden, welchem Weibe er heute, da die europäischen Frauen nsch von einander verschieden sind, den Vorzug geben möchte, so würde seine Antwort viel leicht folgendermaßen lauten: Zur Mutter und zur Tochter möchte in eine Engländerin, zur Schwester eine Deut sehe, zur Geliebten eine Französin oder eine Russin, zur Frau eine Italienerin oder eine Spanierin." Es wäre dies eine Guirlande von lauter schönen, aber untereinander verschieden schönen Blumen. . In diesem Blumengewinde können wir aber, unabhängig von der Rasse und von der Rationalität, bei dem Weibe in physischer Hinsicht zweierlei von einander verschiedene und charak teristische Typen unterscheiden, das blonde und das dunkelhaarige Weib. Das erstere hat seine natürliche Hei math in Skandinavien vorerst, dann in Rußland, in England, in Deutschland, im nördlichen Frankreich und in Holland, obwohl es auch sporadisch in den Ländern auftritt, in welchen die Menschen schwarzes Haar haben. Tas dunkelhaarige Weib herrscht dagegen vor in Italien, in Griechenland,' in Spanien und Portugal. Das blonde Haar ist zumeist begleitet von blauen, grauen oder' grünlichen Augen, daö dunkle Haar von schwarten oder brau uen Augen. Die Ändalusierin steht am Pole der dunkelhaarigen Schönheit, die Engländerin am Pole der l-londen Schönheit und da Gott gerecht ist, hat er der erste ren den Fehler der übermäßigen ttlein heit und Schlaffheit gegeben, verändern hingegen Hände, die sich wenig zu Lieb kosungen eignen und Füße, die man nur ungern aus dem Versteck der Klei der hervortreten sieht. Aber wenn e5 der Ändalusierin gelingt, in sich jene Eigenschaften des WeibeS zu vereinigen, die unter dcr Hülle einer stolzen Eng länderin verborgen sind, oder dieser, kleine HSndc und Füße zu besinn, dann haben wir die Göttlichkeit auf Erden, das heißt, die zwei erhabensten Formen des Lebens, die zwei herrlichsten Ge schöpfe des menschlichen Universums. Verzweif elt e W a h l. Gläubiger: Ich werde Sie jetzt mei nen beiden Töchtern vorstellen einer nach der audern dann) können Sie wählen, welche Sie wollen! (Bringt die Eine, welche sehr häßlich ist.) Run. wie gesällt sie Ihnen? Oder, soll, ich dringen die Andere?" Schuldner: ,Ja, bitte! Ich nehme unter allen Um ständen die Andere!" ;
