Indiana Tribüne, Volume 16, Number 256, Indianapolis, Marion County, 4 June 1893 — Page 3
rnnhNde.
Roman von Kens Aornscüs. (3. Fortsetzung.) Sie sah nicht, wie Auras Lippe zuckte. Er hatte sich abgewendet und blickte, die Arme über die Brust gekreuzt, in Un strömenden Regen hinaus, der ih:n den Bart um die Wangen schlug. Endlich antwortete er in ruhigern Tone: Es scheint mein Verhäng mß ZU sein, Mißdeutungen Ihrerseits zu begegnen, und wenn ich jetzt antWorte, so geschieht dies wahrlich nicht in der Hoffnung, Sie mit Erfolg eines Äesseren zu belehren . . . Mein Personliches Empfinden und Handeln decke ich nie mit dem Banner meiner Pflicht. Daß ich dieses vor Allem hochhalte, daß ich ihr selbst den sehnlichsten meiner ei -genen Wünsche unterordne, ist doch leÜiglich die Folge meiner gesellschastlichen Stellung. Ich bin ein einfache? Mann Uz stillen Arbeit, mir blüht kein nderes Verdienst und keine andere zhre, als mich stets und ganz meiner Pflicht zu opfern , und ich glaube, 'das ist heute die einzig wahre Ehre, was auch Sie und Ihre Standesgenosscn dagegen sagen mögen. Wie aber sollte ich, kurz gesagt, den Adel als solchen Haffen oder gar beneiden? Als bevorzugte Menschenklasse vielleicht? Abgesehen davon, daß dieser Vorzug, falls nicht Vermögen und Stellung sich damit verbinden, ein ganz imaginärer ist, daß Recht und Weltbrauch einen solchen überhaupt nicht mehr anerkennen, und selbst ich mit gar manchem Edelmanns nicht tauschen würde müßte ich denn nicht fürchten, von Seiten meiner Ar beiter das gleiche Gefühl neiderfüllter Abneigung zu empfangen, da ich wohl immerhin böher oder mindestens günstiger gestellt'bln, als diese? Weder dem Stande, noch dem berechtigten Standesbewußtsein stehe ich feindlich gegenüber, wohl aber dem auf nichts gegründeten, unduldsamen, blinden Hochmuth, den feudalen Launen,' dem junkerlichen Cliquenwesen, dem kein eigenes Verdienst zur Seite steht. Die Namen Wildenhof und Ruwer habe ich in dem goldenen Ehrenbuche unseres Vaterlandes vergeblich gesucht neben den HundertenAdelsgeschlechter, vor dercn Namen ich mich in Ehrfurcht beuge. Vielleicht sind sie in der inneren Geschichte unserer kleinen Höfe verzeichnet , das weiß ich nicht und will es nicht Wissen." Und ich soll das entgelten?" rief Brunhilde mit glühenden Wangen; mich hassen und verachten Sie um dieses Mangels willen?" Sie ich Sie hassen?" . . . Nun wandte sich Auras mit einer jähen Bewegur.g herum. In seinen stahlfarbenen Augen leuchtete ein Blick aus, der wie eine lodernde Flamme an der stolz tm porgerichteten, ideal-schönen Mädchengestalt herniederfuhr, von dem ' goldig schimmernden Stirngelock an bis zu der Spitze des hochgewölbten, schmalen Fußes, der sich herausfordern unter dem Saume des Kleides hervorschob. So heftig er jene Worte hcrvorgestoßen, so ruhig, fast freundlich, fuhr er nun fort: Ich bedaure, daß Sie mich wiederum mißverstanden haben. Es muß dies an mcincrAusdrucksweise liegen . . . Was ich Anderen nicht als persönliches Verdienst gelten lasse, kann ich doch unmöglich Ihnen zu Ungun - , sten annchnen. Die Großthaten oder Sünden der Väter, sie sollen vergefsen sein, ein Jeder gelte nach seinem t genen Werthe, bezahle mit dem, was er selbst ist und vermag, frei soll das Herz zum Herzen sprechen. 'Ach, ich fürchte, das ist nur ein schöner Tra'm, der bald vor einer häßlichen Wirklichkeit v'rschwinden wird" . . . Seine Stimme hatte einen schweren, nachdenklichen Klang angenommen, sein Äuge schaute wieder träumerisch ins Weite. Unter seinem Blick noch dunkler erglühend, war Brunhilde einen Schritt zurückgetreten. Eine plötzliche Beklemmung preßte ihr die Brust zusammen, und doch war ihreEntrüstung wie durch einen Zauberschlag verschwunden, nicht allein durch die Erkenntniß, wie viel ron ihr bisher unbeachtete Wahrheit in jenen Worten laa. Mit bittendem Augenausschlag sie wußte selbst nicht, wie hinreißend schön sie in dieser unge wohnten, fast demüthigen Bescheidenheit erschien sah sie zu Auras empor. Und ich ich habe noch nichts gethan, was mir Ihre Achtung und Freundschaft sichern könnte... Was aber kann ich thun, ein einsames, hilfloses Mädchen mit sehr beschränkten Mitteln? Wo bietet sich mir ein kungskreis, der mich beweisen läßt, daß ich den Vorzug meines Namens auch verdienen möchte?... Krankenhäuser zu stiften, verbietet mir meine Kasse," fügte sie fast schalkhaft hinzu, um Verwundete zu pflegen, müßte erst ein Krieg ausbrechen; die Amazonen sind längst a'u'gestorben, und mich durch Gelehrtheit hervorzuthun . " Um Gotteswillen!" fiel Auras abwehrend mit einem herzlichen Lächeln ein, das sie berührte wie ein Sonnenblitz aus umwölktem Himmel. Eine so genannte bedeutende Frau ist meist ebnso widerwärtig, als ein Mann, der die Teller abwäscht und mit Passion die Stube ausfegt. Im , Ernst, Gräfin, schauen Sie nur um sich, unter Ihre Arbeiter und' Dorfleute, und Sie werden ein reiches Feld segensreicher, uinV Sie selbst beglückender, wenn auch' ruhmloser und nicht immer dankbringende? Thätigkeit findend Hierin, nicht im conventionellen Almosengeben oder .Comite-Dame-Spielen bei Wohlthätigkeitsbazaren. liegt neben den häuslichen und Familien-Pflichten des Weibes ! schönste, edelste Zier, und, glauben Sie kni?, selbst dem Namen Wildenhof kann - ,sie nur zur Ehre gereichen. ,, Ich werde es versuchen, gewiß mit reudigem und festem Willen, und bitte aber um Ihre Unterstützung, wenn
Ste auch " ihre Stimme, welche schon nach den ersten Worten zu einem kaum verständlichen Murmeln herabgesunken, versagte. Auras hatte ihre Hand ergriffen und preßte sie heftig in der seinen. Wieder schien sein Auge brennend bis in ihr Herz dringen zu wollen, das unter diefem Flammenblick seinen Schlag aussetzte mühsam rang sie nach Athem, ein leiser Schauer durchrann sie, das Bewußtsein hilfloser Ohnmacht. Traumhaft schienen Groll und Hochmuth verweht, in die bange Furcht mischte sich ein weiches, süßes Empfinden, unklar und seiner selbst unbewußt . . . nicht der Dünkel der Aristokratin, der herbe, keusche Mädchenstolz lehnte sich dagegen auf. Wie hilfeflehend glitten ihre Augen an dem lächelnden Manne vorüber, der sie in seinen Bann gezwungen, während sie das Gegentheil beabsichtigt. Ein Jubelruf drang über ihre Lippen; da kam er, der Retter, das ritterliche, geliebte, treue Herz, dem sie allein vertrauen, angehören wollte und konnte. Den überraschten Direktor bei Seite schiebend, flog sie ihm entgeaen. Vorsicht, nicht anfassen!" rief Viktor von Ruwer und schüttelte sich lachend, daß ein wahrer Regen von Wassertropfen von ihm spritzte. Auf dem halben Wege hat es mich erwischt; scheußliches Malheur! ich muß nett aussehen ... wie eine gebadete Katze!" . . . Er bi:lt mit beidenHänden VrunHilde, welche sich am liebsten an seine Brust geworfen, von sich ab und nickte dem Direktor einen freundlichen Gruß zu ... . Der Himmel weint über mein Pech. Ich komme nämlich erpreß nur, um für morgen abzusagen. Eine unerwartete Einladung vom General was soll man anders thun, als Ordre pariren? Ich darf den Alten doch nicht kratzbürstig machen. Dafür, beste BrunHilde, bitte ich mir Montag Nachmittag eine Erdbeerbowle aus, dort in der Grotte. Wir wollen uns für den verpfuschten Sonntag entschädigen, alle Puppen müssen tanzen." Auras beantwortete die halb an ihn gerichtete Ansprache nur durch einen förmlichen Gruß. Als er an Brunhilde vcrüberkam, streifte sein flüchtiger Blick so hart und kalt an ihr hernieder, daß ein Frösteln durch ihre Nerven rann. Brr!" machte Viktor, der hat wohl Essig getrunken oder ist ihm jeht die Petersilie verhagelt! Ihr habt Euch wohl gezankt?" Brunhilde antwortete nicht. Ihr war, als steige anstatt des freundlichen Regenbogens, der sich in zarten Farben über die tropfenden Bäume hinweg zu spannen begann, noch einmal die drohende dunkle Gewitterwolle empor. VI. Das Diner war vorüber rnitAch und Krach wegen des fehlenden Lieutcnants" flüsterte der Oberförster seiner Tischnachbarin Betty zu, wosür sie ihn mit einem unbeschreiblich geringen Blick bestrafte. Sie fchicn die einzige zu sein, welche Viktors Abwesenheit schmerzlich empfand. Ihr war dadurch im Voraus jedeFreude vereitelt worden. Desto besser hatten sich bis jetzt die Anderen im terhalten. Der Kammerherr glänzte wie stets durch die verbindlichste, glatteste Höflichkeit. Würzburg durch seinen ungenirten Humor. Die Gräfin war wie der letztere zu dem Jnspector sagte die mädchenhafte Liebenswürdigkeit selbst und Auras überhaupt nicht wieder zu erkennen, der amüsanteste, geistreichste Plauderer. Die kleineGesellschaft war in den Nebensalon getreten. Der Diener, den der 5iammcrherr bereits am vorhergehenden Abend herübergeschickt, reichte den Kaffee und Cigaretten herum. Frau von Leist nahm das geistliche Ehepaar und den Inspektor in Beschlag, um mit ihnen über die Einführung der inneren Mission zu verhandeln. Die Jnspektorin, das Pfarrerstiichterlein, Betty und Würzburg bildeten die Mittelgruppe ; neben ihnen am Kamin stand der Kammerherr und hielt Auras mit der Erörtcrung landwirtschaftlicher Fragen fest. Brunhilde ging plaudernd hin und her. Es war ihr leicht umsHerz wie seit langem nicht. Betty erzählte irgend ein Erlebniß aus ihrer Jugendzeit und antwortete auf der Inspektors Frage, wie sich ihr Bruder dabei verhalten, unbefangen: Damals war er ja nicht mein Bruder, kannten wir uns überhaupt noch nicht." Auras, der es gehört hüstelte bemerkbar und warf ihr einen verweisenden Blick zu. Noch bevor er die Lippen zu einer ablenkenden Zwischenbemerkung öffnen konnte, rief Frau von Leist vom Fenster her: Ach bitte, Herr Direktor, wollen Sie die Güte haben uns oder vielmehr dem Dienste des Herrn eme Minute zu widmen?" Nur widerwillig folgte er dem Rufe, wahrend dieJnspektorin sich von Neuem an Betty wandte. Wie soll ich das verstehen? Das klingt ja so räthselhast und geheimnißvoll" Und erklärt sich ganz natürlich daraus, daß Wols erst als Student von meinem Vater, der, wie Sie wissen, Akademiedirektor war, adoptirt wurde. Ick) war damals noch so jung, daß ich die näheren Gründe und Umstände nicht kenne, doch darf ich diesen Schritt mernesVaters als einen wohlerwogenen und glücklichen bezeichnen, denn Wolf hat sich mir stets mit echt brüderlicher Lieb und Fürsorge zugethan erzeigt." Und seine Eltern?" , Mein Vater hat sie sedenfalls ge. kannt. Ich weiß von ihnen nur, daß sie wohl sehr unglücklich gewesen und fcitf) gestorben sind, in oder bei Venebig, wie eS scheint, wo Wolf auch geboren ist und seine Jugcndjahre verlebt hat. Doch bitte, sprechen Sie zu ihm nicht darüber. Es ist dies ein Capitel, dessen Berührung ihn stets auf mehrere Tage völlig perstimmt. Es müssen sehr traurige Erinnerungen sein, welche sich
für ihn an seine Blutsverwandten knüpfen." Der Kammerherr hatte sich mit dem Ellenbogen auf den Marmorsims ,des Kamins gestützt und starrte die Sprecherin mit schreckhaft weit geöffneten Augen an. Brunhilde, von dem Gesprach lebhaft interessirt. stand neben ihm und bemerkte sein Erblassen. Du bist unwohl, Onkel Edmund?" fragte sie leise. Nicht doch nur Nervenzucken, es ist schon vorüber gab er ebenso zurück und richtete die gebeugten Schultern empor. Indeß kamAuras zurück. Sein Blick streifte flüchtig die Schwester und richtete sich dann fest auf den KammerHerrn. In stummem Forschen schienen sich di: Augen der beiden Männer in einander einbohren zu wollen, so prüsend und feindselig, daß Brunhilde, obwohl sie nichts begriff, in ängstlicher Besorgniß vorschlug, in denPark zn gehm. Sie hatte Auras gebeten, die gesiern vom Blitz getroffen Linde heute fällen zu lassen, und er bereitwilligst zugesagt. Herr von Ruwer war der erste, der das Zimmer verließ. Drei Arbeiter standen mit Aezten und Säge bereit. Nach WürzburgsÄngaben schnitten sie den Stamm an und hieben an der entgegengesetzten Seite einen segnientförmigen Spalt aus, so daß er nur noch auf einem fchmalen Keil im Holzkern ruhte, worauf sie unter taktmäßigem Zuruf an dem in der Asthöhe umgeschlungenen Tau ruckweise zu ziehen begannen. Stöhnend und knarrend schwankte der zu Tode verwundete Baumriese. Plötzlich ergriff Auras mit dem Aufschrei: Fort, fort, er fällt falsch!" die Gräfin an beiden Armen und zog oder trug sie vielmehr einige Meter zurück. Während die Gruppe auseinanderstob, sprang er noch einmal vor, um den am meisten gefährdeten Arbeiter zurückzureisen. Fast kam er zu spät. Mit betäubendem Prasseln stürzte der mächtige Stamm nieder, die ihn umgebenden Sträucher mit seiner weitausgebreiteten Krone wie Schilshalme zerschmetternd. Auch der Mann am Tau stürzte, richtete sich aber an des Direktors kräftigem Arm bald wieder auf. Ein breiter Vlutstrom färbte fein Gesicht. Holt den großen Lehnstuhl auS meiner Schreibstube," befahl AuraS ruhig. Du, Betty, schließe meineHausapotheke auf, bereite Arnika-Compres-sen vor; Herr Inspektor, wollen Sie einen Wagen bereit halten, falls der Arzt nöthig sein sollte." Alles eilte fort. Frau von Leist. welche beim Anblicke des Blutes fast .in Ohnmacht gefallen wäre, wozu ihr leider ein: bequeme Sitzgelegenheit fehlte, schwankte am Arme des Pastors und des Kammerherrn, dem nicht minder alle aufregendenScenen verhaßt waren, nach dem Schlosse zurück. Nur die Grafin und die beiden Beamten blieben bei dem Verwundeten zurück. Dieser hatte sich auf den gefällten Stamm gesetzt und versicherte, es sei ihm nur ganz dumm um den Kopf." Auras sah nach der Wunde. Mach' Dein Taschentuch naß, Würzburg, dort im Teichabfluß!" Noch ehe der Oberförster sich in Bewegung gesetzt hatte, war Brunhilde an den Bach geflogen. Ihr Battisttuch fiel im Wasser wie ein Blatt SeidenPapier zusammen. Ohne sich zu besinnen, riß sie die Spitzenärmel ihres Mullkleides ab, tauchte sie ein und eilte damit zurück. Mit der sanften, geschickten Hand, welche die Natur fast jeder Frau für die Krankenpflege verliehen, wusch und preßte sie die Wunden. Auras war ihr dabei behilflich. Die bis fast zur Schulter entblößten, wunderfchönön, weißen Mädchenarmc streiften seine Hände, sein niedergebeugtes Geficht eine jähe Röthe schoß ihm in die Wangen, seine Finger zitterten. Er schloß die Augen, wie um dem berückenden Reiz dieser weichen, edlen Formen zu entfliehen, und Lfsnete sie sofort wieder zu einem noch heißeren Blick, der sich in verlangender Bewunderung an der schönen Mädchengestalt festsog. Da kamen die Arbeiter mit dem Lehnstuhl mit einem tiefen Athemzug richtete er sich auf und trat neben sie, einige Schritte zurück. Dann ging er mit den Leuten seinem Hause zu, die Gräfin nach dem Schlosse. Finsteren Blickes sah der Oberförster den beiden hohen Gestalten nach. Den Baumstamm mit dem Fuße anstoßend, murmelte er: Besser vielleicht, Du hättest ihn zu Tode getroffen das ist schlimmer, als ich dachte." Der allgemeinen Geselligkeit war durch den Unfall ein unerwartet schnellesEnde bereitet. NurWürzburg schlenderte noch eine halbe Swnde allein im Garten umher. Als er dann den Wagen desKammerherrn fortfahren sah, schlug er mit den verdrießlichen Worten: Wenn sich alles drückt, empfehle ich mich auch auf französisch!" den Weg nach dem Dorfe ein, um den verletzten Arbeiter zu besuchen. Sein Fortgehen war für Betty das Signal, wieder in den Park hinabzuschlüpfen. Sie fuchte keine Gesellschaft. Nur an der Stätte, wo sie ihn" zuerst gesehen, wollte sie an den denken, der im Wachen und Träumen ihr ganzes Herz erfüllte. Die Hände um das Knie verschränkend, saß sie mitten unter den Rosen des Rondels und träumte mit offenen Augen. Wie körperlich sah sie das liebe, feine, hübsche Gesicht, die kecken, dunklen Augen, das seidige Haar. Ein Fink schmetterte über ihr im Gezweige es bauchte ihr das Echo seiner fröhlichen Stimme, seines hellen, übermüthigen Lachens. Ihr Hcrz flammte in sehnsüchtigem Verlan gen; ihre Wünsche flogen voraus in die Zukunft und bauten goldene Luftfchlosser ein Leben an seiner Seite, in der großen Welt, befreit von diesen engen, kleinbürgerlichen " Fesseln, ein Glück, so unermeßlich und berauschend, daß allein der Gedanke daran alle ihre Pulse fiebernd hämmern ließ.
Betty!" rief es leise mben ihr es war seine Stimme. Langsam, al? fürchte sie, von ihrer Phantasie getäuscht zu sein, wandte sie den Kopf Viktor von Ruwer bahnte sich mühsam einen Weg durch das Rosengebüsch. Die Blumen schützen ihre holdeste Schwester und Königin," sagte er lächelnd. Ich bitte, mich nicht etwa für einGespenst zu halten. Das langweilige Diner war früher zu Ende als ich Hoffen konnte; zu feiner Whistpartie brauchte mich der Alte nicht, und so hatte ich nichts Eiligeres zu thun, als Betty. was ist Ihnen?" unterbrach er sich erschreckt, und kniete neben ihr nieder. Sie war sehr blaß geworden und hatte di: Augen geschlossen. Als er sein Gesicht dem ihren näherte, schlug sie sie voll zu ihm auf mit einem Blick, der flammendes Feuer m seine Adern goß. Betty," sprach er langsam, indem er ihre eiskalten, zitternden Hände ergriff und sie an sich zog, darf ich Dir sagen, daß ich Dich liebe?" Sie nickte nur ihr Hcz war so voll, daß sie kein Wort hervorbrachte. Dann legte sie ihre Arme um seinen Hals, sah ihn lange starr an und murmelte endlich: Ich könnte sterben um Dich, ich liebe Dich mehr, als die ganze Welt, Du bist mein Gott, mein Leben!" und wie ine süße, bcrauschende Flamme preßten sich ihre Lippm auf seinen Mund. Diese maßlose Leidenschaft hatte wohl auch einen besonneren Mann als Viktor hingerissen. Sie hätte ihn entflammen müssen, auch wenn nicht schon seit Wochen die gleiche Gluth sein Herz entzündet. Mit der ganzen Sorglosigkeit feines Charakters und der vollen Gluth seiner Jahre warf er sich in den Strudel der Leidenschaft. Solche Liebe hatte er noch nie kennen gelernt. Was waren all'' die flüchtigen Liebschaften, die kaum sich gestaltenden und schon wieder gelösten Beziehungen, die gewissermaßen künstlich gezüchteten und ängstlich ihre Schranken bewahrenden Verhältnisse, in denen er bisher, oft mehr seiner Eitelkeit, als einer wahren Neigung folgend, einen wohlseilen Ruhm als Don Juan errungen, gegen diese elementare Gluth, welche alles Klügeln, Berechnen und Bedenken allgewaltig verschlang? Zephyrfächeln gegen einen Orkan, flackerndes Salonlicht gegen die Flamme eines Vesuv! Er brannte vor Begier, sein Glück zu verkünden und damit sobald als möglich zu vervollkommnen. Betty selbst machte ihn auf das Thörichte dieses Vorsatzes aufmerksam. Bei aller Romantik fehlte es ihr doch nicht an Klugheit, die durch das nüchterne, kleinbürgerliche Leben sich zu praktischer Weltkenntniß entwickelt hatte. Unsere Liebe veröffentlichen, hieße sie morden," sagte sie entschieden. All' mein Empfinden drängt heraus aus diesen beengenden Fesseln, und doch sehe ich ein, daß ich sie weiter tragen muß. wenigstens noch eine Zeitlang. Ich bin nicht verblendet genug, um die Hindernisse zu verkennen, die sich unscrer Verbindung entgegenstellen. Dein Vater hat andere Plane für Dich gefponnen, die " Die nie zur Wahrheit werden können," fiel Viktor rasch ein. Ich weiß es. Er dauert mich, doch wenn er Dich kennte, wie ich Dich kenne, wie würde er meine Wahl mit Stolz und Freude begrüßen!" ' Eben darum lasse ihm Zeit, mich kennen zu lernen, ehe er von unserer Liebe weiß. Sieh, Viktor, ich liebe Dich so heiß, daß ich nicht ohne Dich leben kann ich möchte tausendmal lieber sterben, als Dich verlieren, und deshalb muß unsere Liebe geheim bleiben. Werde ich stark genug sein, sie vor aller Welt zu verbergen, werde ich Deines Vaters Gunst zu erringen wissen, meines Bruders Abneigung gegen die Aristokratie überwinden? Nicht diesen finsterm Blick, Viktor! Es ist ja nur die Unendlichkeit meiner Liebe, was mich so vorsichtig, so listig und scheinbar falsch macht." Vikwr küßte ihre Hände und flüsterte zärtlich: Mein- süßes, kluges Mädchen, ich füge mich." Seine finstere Miene hatte wahrlich nicht ihrem Plane gegolten. Die Erwähnung seines Vaters hatte ihn urplötzlich ernüchtert, wie ein eiskalter Wasserstrahl. Wie aus einer Versenkung auftauchend, traten alle die VerHältnisse vor ihn hin, welche sich der Erfüllung seiner Herzenswünsche widersetzen muhten: der aristokratische Hochmuth des Vaters, seine eigene-ge-sellschaftliche Stellung und Vermögcnslage, di: ihm die Ehe mit einem vermögenden Mädchen von gutem Adel zur Pflicht machten, seine von Bettys bisherigem Jdcenkreise so weit entferntenLebensanschauungen und -Gewöhn-heitcn. Er seufzte erbärmliche Ketten, die .auch ihn gefangen hielten! Als er, ohne auf dem Schloß vorgesprochen zu haben, heimritt, seufzte er nicht mehr. Auf feinen Lippen brannten noch Bettys letzte, heiße Küsse und in sein wonniges GlückZgesühl mischte sich die beruhigende Gewißheit, vorläufig von all' den Kämpfen und Sorgen befreit zu bleiben, welche die Liebe zu einem armen und unebenbürtigen Mädchen mit sich brachte. Schon am folgenden Tage kam er wieder. Er traf die beiden Mädchen zusammen und bewunderte Bettys Selbstbeherrschung. Nur ein langer, brennender Blick offenbarte das Geheimr.iß ihres Herzens. Im übrigen zeigte sie weit mehr Ruhe und ZurückHaltung als sonst. Und darin blieb sie sich auch in den nächsten Tagen gleich. Das unerfahrene, blutjunge Mädchen beschämte den weltgewandten Mann.' Freilich brachten diese Tage auch manche Stunde des Alleinseins. Dann brach die mühsam zurückgehaltene Leidenschast mit vdopp.elter, oft mu
hast daznsnischer Gewalt hervor,, sodatz'. sie- ihn fast erschreckte ... Wie würde' sich dieses glühende Wesen in' die engen? Formen des Gesellschaftslebens ein--zwängen lassen? Er- träumte mit ihr von einer, gemeinsamen, goldenen Zukunft, aber er: träumte mit offenen Augen, wie Jemand, der sich der reizenden Traumbilder nicht zu entschlagen vermag, obwohl er weiß, daß nur die gefällige Phantasie sie ihm vorspiegelt und er über kurz oder lang doch zur nüchternen Wirklichkeit erwachen muß. Die Wirklichkeit repräsentirte sein Vater, der Direktor, Brunhilde. Letztere imponirte ihm immer mehr. Er war zu
viel mit sich selbst beschäftigt, zu wenig r . .1 ... t r y. r iceicniunoig, um nu) jagen zu luiiucii, was in ihr vorging, doch fühlte er, daß eine Veränderung in ihr Platz griff. Sie war ernster und nachdenklicher als sonst. In das leichte Geplauder warf, sie bisweilen eine unvermittelte Frage über sociale VerhältNisse ein und konnte lange Zeit dabei verweilen, während er ihr klassisches Profil studirte oder heimliche . Blicke und Händedrücke mit der Geliebten wechselte. Der leichtlebige Lieutenant besaß im allgemeinen eine gründliche Abneigung gegen sogenannte gelehrte oder bedeutende Frauen. Brunhilde aber gefiel ihm nur desto mehr. Der nachdenkliche Ernst stand ihrer Junostirn gut, und die blauenVeilchenaugen schienen ihm nie reiner gestrählt zu haben, als wenn sie, die Beantwortung einer ernsten Frage erwartend, spannungsvoll an seinem Munde hingen. Auras blieb meist unsichtbar. Es hieß, er wolle die Herrschaft Wilden Hof durch den Ankauf eines benachbarten Gutes noch vergrößern, und die damit verbundenen Verhandlungen führten ihn so ost nach der Stadt, daß ihm für gesellige Erholung keine Zeit blieb. Betty war glücklich, auf diese Weise seiner scharfen Beobachtung zu entgehen, wenn auch andererseits fein noch mehr als sonst verschlossenes Wesen sie mit Besorgniß erfüllte. Zu fragen. was ihn bedrücke, wagte sie nicht; er war nie mittheilsam gewesen, am wenigsten, wenn Sorgen auf ihm lasieben. ' Eines Nachmittags, als er wieder fortgeritten war, ohne eine Andeutung des Wohin, trat zu ihrer Ueberraschung Herr von Ruwer in ihr Zimmer. Ein jäher Schreck lähmte ihre Glieder und Zunge, so daß sie kaum sich zu erheben und seinen freundlichen Gruß zu erwidern vermochte. . . Sollte der Kämpf, auf den sie noch nicht genügend vorbereitet war, schon jetzt beginnen? Der Kammerherr schien ihre Verlegenheit nicht zu bemerken. Er entschuldigte seinen Besuch damit, daß er die Gräfin nicht angetroffen, plauderte in feiner geschmeidig freundlichen Weise über die kleinen Tagesereignisse und sagte schließlich, wie beiläufig: Sie haben kürzlich durch Ihre Bemerkung über Herrn Auras mein lebhaftes Interesse geweckt. Halten Sie es nicht für müßige Neugier, wenn ich Sie nochmals frage, ob Ihnen über die Blutsverwandten Ihres Bruders in der That nichts Näheres bekannt ist!Betty verneinte. Schade!" murmelte der Kammer. Herr und sah nachdenklich schweigend j zu einer Photographie des Direktors hinüber, die über ihrem Nähtischchen hing. Weshalb diese Frage, die, wieBetty klug genug war zu erkennen, einzig den Zweck seines Besuches bildete? Ihre stets nur mit Viktor beschäftigtePhantaste brachte diesen sogleich damit in Verbindung. Alle geheimnißvollenVerWicklungen undFamiliengeschichten, von denen sie ja in Romanen gelesen, schossen ihr durch den Kopf. Wenn Ruwer doy ihrer Liebe erfahren hatte? Wenn Wolf der verstoßene'sohn eines vornehwen Geschlechtes, sie selbst dadurch der gesellschaftlichen Sphäre des Geliebten näher gerückt war? Es durchrann sie wie ein süßes Erschauern! Mit einer kurzen Entschuldigung eilte sie in das Nebenzimmer und brachte nach einigen Minuten ein kleines Etui zurück. Es ist das Erbtheil seiner Eltern sagte sie, das Medaillon enthält ein Frauenporträt, wahrscheinlich das seiner Mutter. Bestimmt kann ich es nicht behaupten." Ruwers zitternde Finger berührte die Feder. Auf dem verschossenen, blauen Atlaspolster lag eine kurze, stark gegliederte, golden: Uhrkette, dem Anschein nach aus einem Armband umgearbeitet. Ein mattgoldenes Mittelschild trug ein aus Brilknten geformtes, gekröntes Monogramm: L und W." Dsn gleichen gleißenden Schmuck zeugte das Berlocque-Medaillon. Da derKammerherr zögerte, öffnete es Betty. Ein unbestimmbarer, scharfer Laut klang von Ruwers Lippen. Wie felbst davon erschreckt, kniff er die dünnenLippen zusammen und beugte sich weit vornüber, so daß fein Gesicht das von seiner goldenen Hülle befreite Frau'enbildniß berührte. Es war ein wunderschönerKopf, mit feinen, blassen Zügen und melancholischen, dunklen Augen, eines tntz sinnigen, rührendenGesichter, denen die Natur im Voraus den Stempel eines tragischen Schicksals aufgedrückt zu haben scheint. Ruwer starrte das liebliche Antlitz an, als sähe er das Haupt der Medusa, seine bleiche Gesichtsfarbe begann ins Grünliche zu schimmern, die kleine, elegante Gestalt schien geknickt in sich zusammen zu sinken und richtete sich dann Plötzlich, wie von einer Feder geschnellt, wieder empor. Ein boshaftes Lächeln umspielte seine Lipden. als er in heiserem Tone, sagte: .Sehr hübsch, sehr hübsch! es wäre mir interessant. Näheres über diesen schönen Frauenkopf zu erfahren, mein liebes Fräulein, obwohl er mir gänzlich unit kannt istForschend ah Betty zu ihm auf. Seine Stimme htte ihr trotz all
Freundlichkeit fremdartig fasr lZÄhnischgeklungen. Das gutmüthige Lächeln., mit dem er ihr die Hand reichte, beruhigte sie wieder, und sein herzlicher Abschiedsgruß Auf Wiedersehen!" ließ ihr Herz freudig schneller schlagen: Langsam schritt Herr von Ruwer durch den Park dem' Schlosse zu; den sonst so hochgetragenen Kopf tief gesenkt und die feinen, klugen Züge von sorgenvollem Nachdenken überschattet. Vor dem Rosenrondel, da, wo noch der gefällte Lindenstamm lag. blieb er siehen und blickte starren Auges nach dem Schlosse hinüber, dessen gewaltiger. Bau'imponirend aus der Umrahmung dunkelgrüner Laubmassen hervortrat. Die schmale Brust des Mannes hob und senkte sich in stürmischen Athemzügen, seine schlanken, feinen Finger krallten sich in das Gesträuch, ohne der verwundenden Dornen zu achten. . DreißigJahre," murmelte er, drei ßig Jahre, die doch nicht hielten, was sie versprachen und zum Schluß diese Entdeckung, der Zusammenbruch aller Träume und Hoffnungen, ein Nichts alsLohn der zahllosenMühen; Armuth und Schande anstatt des Preises, den ich schon fest in der Hand zu halten glaubte. . . . Darum drängte er sich hier ein, darum dieser Haß, der nicht ruhen wird, bis die letzte, rechtmäßige Wildenhof als Bettlerin davon geht und ich" er brach in ein heißeres, krampfhaftes Lachen aus. . . . Sehr gut berechnet, Herr Direktor Auras, im Lager des Feindes die Waffen zu suchen, mit denen Sie ihn vernichten möchten! Aber ich biege Ihnen doh noch ein Paroli, Sie hahen es mit einem alten Spieler zu thun, der immer noch einen Trumpf zur Reserve in der Hand behält." Er setzte den Fuß wieder vorwärts. Zugleich bog Brunhilde von der Grotte her um das Gesiräuch. Mit freudigem Blick reichte sie ihm die Hand. Du hier. Onkel Edmund? Wie lieb mir das ist." Ich wollte, mein Besuch' wäre heut' minder oder doch aus einem erfreulicheren Grunde nothwendig," gab er ernster als gewöhnlich zurück. Wie siehst Du mit Auras?" Die angefügte Frage schien VrunHilde noch mehr zu befremden als der Vordersatz. Ein feines Roth überflog ihre Wangen, und unbewußt vermied ihr Blick denjenigen des Kammerherrn, als sie erwiderte: Ich glaube nun fast, ihn ungerecht beurtheilt zu haben. Er thut seinePflicht mit mancher Rücksicht nähme auf mich und hat" Hat es damit glücklich verstanden, wenn nicht Dein Vertrauen zu erwerben. so doch Dein Mißtrauen emzuschläfern." fiel Ruwer ein. Ich hoffe,, daß Du ihm nicht Veranlassung gegeben, sich intim zu Dir zu stellen." Onkel Edmund!". ... das junge Mädchen richtete sich stolz empor.... ich heiße Wildenhof." Bitte, mißverstehe mich nicht! Ich ziele bei meiner Bemerkung nur auf ein Eindringen in unsere Fannlienverhältnisse. Du kennst das englische Sprichwort von dem Skelett im Hause". Auch unserer Familie fehlt ein derartiges Geheimniß nicht, wobei Du indeß nicht an irgend eine räthselhaft dunkle Romantragödie a la Braddon und Consorten zu denken hast. OnkelWolf. Deines Vaters älterer Bruder, hat einfach einen dummenStreich gemacht, feinem ganzen Charakter nach natürlich noch excentrischer, als Zeder Andere es gethan haben würde. Von den Betheiligten lebt niemand mehr, ich, der ich ein wenig darum weiß, habe seit langen Jahren nicht mehr daran gedacht. Auf irgend eine Weise hat Auras Kenntniß davon erhalten, die er natürlich mög lichst zu verwerthen suchen wird. Der Preise den tv zu erlangen hofft, ist nicht gerade bescheiden nicht mehr und nicht weniger als Wildenhof." Wildenhof, mein unser Eigen thum? Ein eigenthümlicherScherz, Onkel Edmund?" ' ' Es liegt wohl nun an Dir. ob n zum bitteren Ernst werden kann ode: nicht." Ich verstehe Dich nicht, Onkel Ed. mund. Welches Recht auf Wildenhof könnte Herr Auras geltend machend Wie dürfte ich es abtreten? ... Das liegt mir so aus demBereiche jederMoglichkeit. daß ich Dich um eme naher, Begründung bitten vmß." Die ich Dir nur sehr ungern geben möchte. Es ist keine Geschichte furMäd. chenohren, der Fehltritt eines CavaUers, welchen ein Jntriguant nach dreißig Jahren auszubeuten gedenkt!" Gegen Intriguen schützt mich mein Recht." ' Recht?!" wiederholte der KammerHerr mit spöttischer Stimme und einem ungeduldigen Achselzucken. Man kann es haben und doch nicht behalten. Ein Blatt Papier, ein leicht geschworener , Eid reißen es Dir aus den Händen. Dein edler Stolz, Dein gerades Rechtsbetvußtsein kennen die krummen Wege nicht, auf denen der Erbschleicher Thatsachen fälscht, beseitigt, erfindet, wie es sein Zweck erfordert. Und traue keinem weniger, als dem Manne, ' der strenge Gerechtigkeit und Pflichterfüllung stets im Munde führt; nur die gefährlichsten Schurken tragen beständig die Maske des unbestechlichen Biedermannes. Dckrum wiederhole ich Dir: Sprich mit Aüras nie über unsere VerHältnisse, noch weniger gestatte ihm, welchen Vorwand er auch erfinden mag, einen Einblick in dieFamilienakten oder die Papiere Deines Vaters. Hüte sie unter sicherem Verschluß wie schnell ist ein gewichtigeZDokument verschwunden. ein gefälschtes eingeschmuggelt und der Dieb, . der Fälscher streckt seine Bauernhand aus nach dem uralten Erbe der Wildenhof, und kein moderner Gerichtshof wird Dir wahren, wa5 als Dein Recht empfindest' (Fortleyunz sslt.)
Die Jrvfsytten eines Gauners.
Jn Bctbune (Frankreich) ist kürzlich ein Mensch, verhaftet worden, dessen Lausbabn insofern merkwürdig ist. als er im Ganzen zu 103 Jahren Zucht haus, abgesehen von Gefüngnißstrafen, verurtheill worden ist. Geboren 183S in Rairant. eröffnete Cury allaZ Remy alias Telaoiet alias Lamo seine Kar riere im Jahre 1L62 mit einer Tefertirung. Er war um diese Zeit trank und wurde im Hofvital von Bethune verpflegt. 5?aum genesen, flüchtete er und entführte gleichzeitig die KrankenWärterin, die ihn gepflegt hatte, -die er kurz darauf auch heiralhete. Diese Desertirung trug Cury die erste Verur thcilung ein: Er wurde vom Kriegsge richt in Lilie zu fünf Jahren Zuchthaus verurtheilt. Er flüchtete nach Belgien, wurde Schauspieler und trat nicht ohne Erfolg auf einer Brüsseler Bühne auf. Daraus kehrte er nach Frankreich zu rück, wo er im Jahre 1869 wegen Be trügereicn zu 18 Monaten Gefängniß verurtheilt wurde. Er wechselte da nochmals seinen Namen und ließ sich Nemy nennen. Er etablirt sich in Maus als Weinhandler. verschwindet aber schon im Mai 1873 aus dieser Stadt unter Mitnahme von 3!, 000 Frcs., welch? er erschwindelt, indem er Weine verauktioniren ließ, welche er auf Kredit entnommen. Wegen be trügerischen Bankerotts wurde er in contumaciam zu 20 Jahren Zuchthaus verurtheilt.. Ohne sich deshalb stark zu erregen, wechselte C. einfach noch mals den Namen, aber nicht sein Sy stem. Als 'Weingroßhändler Delavier etablirt er sich kaum ein Jahr später in Saint-Eermain-eu'Laye, um kurz da rauf auch dort mit einer Schuldenlast von 80.000 Frcs. zu verduften. Diese . neue Heldenthat brachte C. 10 Jahre Zuchthaus und 20Jahre Polizeiaussichr und gelang es auch der Justiz ihn dies mal ausfindig zu machen. Er wurde nach NeU'Calcdonien transportirt. Dort versuchte er mehrere Male zu entwischen, was ihm wieder Strafen eintrug. Endlich gelang es ihm doch, mit einem anderen Gefangenen auf einem schlechtes Boote das o'sfei.e Mec zu gewinnen. Die Beiden legten beinahe 1ü0 Meilen zurück; da ihr Pro viant nur aus einigen Pfunden Bis cuit bestand, litten sie bald Hunger und noch größere Durstqualen. Zürn Tode erschöpft, wurden sie endlich von einem englischen Dampfer aufgenom men, der sie in Neu -Seeland auö schiffte.. Von da. gelangte Cury nach Austra kien, den Bcr Staaten, kehrte nach Europa zurück und tauchte 1889 wieder auf. Ohne Mittel, beginnt er seine Gaunereien auf'S Neue, aber, da das Reisen bekanntlich bildet, operirt er nach einer ganz neuen Methode. Reich gekleidet, im Knopfloch eine süperbe Rosette, sucht er die kleinen Juweliere der Provinzstädte aus. Unter dem Vorwande. Geschenke zu machen, wählt er für 1000 Frcs. Juwelen aus, die er in seinem Namen nach einer Pension der Stadt schicken läp.t. Einige Stun den später begibt er sich in die Pension, reklamirt das Packet, welches auf seinen Namen abgegeben, und welches ihm auch ohne Migtrauen ausgehändigt Wird, um damit auf Nimmerwiedcr fehen zu verschwinden und dasselbe Spiel anderwärts fortzusetzen. Eine solche Gaunerei hat in Bethune seine Verhaftung veranlagt. Nach langen Verhandlungen gelang es dem Untersuchungsrichter. Eury zum Gcständniß, zu bringen. Ein seltener Zufall will es, bau in Bethune der Hochstapler seine Verbrecherlausbahn begann, und es Bethune ist, wo er hne Zweifel dieselbe beschließen wird. Robert C a r r i ck, so lesen Wir in den Münchener N. N.", einer der reichsten Bankiers von Glasgow, war außerordentlich geizig. Eines Ta ges erschienen drei Herren bei ihm, die für ein neu zu gründendes Hospital sammelten. Er zeichnete zwei Guineen (42 M.), und als die Herren über die geringe Summe eine Bemerkung nicht unterdrücken konnten, sagte er : . Ich kann nicht mehr leisten." Die drei Herren gingen von ihm zu Herrn Mil quham, einem der ersten Fabrikanten der Stadt. Was ist das 1" rief die ser, Earrick gibt nur zwei Guineen Als er hörte, was Earrick geäußert hatt nahm er. ohne ein Wort zu sagen, sein Eheckbuch und füllte einen Eheck auf 10.000 Pfd. aus. den er durch einen Eommis zum Einkassiren zu Earrickbringen liek. Fünf Minu ten später erschien der Bankier athem lo5 bei dem Fabrikanten und rief ihn an : Was ist los bei Ihnen. Milqu ham?" Bei mir ? Nichts ?" er widerte Milquham. Aber diese Her ren haben mir eben erzählt, Sie könn ten für das Hospital nur zwei Guineen leisten. Holla, habe ich gedacht, da steht's faul mit der Bank, und ich muß eilen, mein Guthaben herauszuziehen." Earrick ließ sich die 'iste noch einmal geben, zeichnete 50 Guineen (1050 Mark) und Milquham zerriß seinen Ehcck. Gutes Beispiel. Emil? .Ich sehe zar nicht ein, 'weshalb Ihr Mädchen nicht auch selber für iuch for gen sollt ! Ihr könntet z. B. ganz gut Eure Kleider und Hü:e selbst machen ! Laura : .Ich mochte nur wissen, was Du schon für Dich gemacht hast 1" Emil : So ? Ich bitte sehr ich mache mir seit vier Wochen alle Cigaretten selbst !" Höchste Kaltblütigkeit. Hausirer ider soeben höchst unsanft hin. ausexpcdirt wurde) ; Branchen Sie vielleicht ein Schild: Hausiren ist hier verboten?- vom Cour. 5k athederblüthe. Um Ca tilina schaarte sich die Hefe der römi schcn Bevölkerung : Verbrecher aller Art; vom GelegenhciUtascheuoiede an gefangen bis zum ewohnheitZdater Mörder!-
