Indiana Tribüne, Volume 16, Number 249, Indianapolis, Marion County, 28 May 1893 — Page 6
,,Jur goldenen Thrüne. (Eine Alt-Wiener-Geschichle.)
Nur ein einziges Wiener HauZ hat so geheimen. In einer alten Chronik der Bedeutsamen Geschehnisse, so sich zugetragen in der kays. Haubt- und Residen'ystadt zu Wienn in Oestreich anno D. 1593," finden wir darüber: Mart. 25. So der Palmsonntag ar, trieb ein erschröckliches Gepolter die Menschen aus der PeterZkirche, da man vermeinte, der höllische Steinregen have die Stadt heimgesucht. Etzliche Personen verfielen in Verzückungen, Gliederreißen und schreckhaftes Gesichterschneiöen, als wie Teufelssratzen, Andere wieder fielen in starre Krämpfe und standen mit aufgespannten Mau lern da. Es war das Haus im Pater nostergaßl zur goldenen Thräne" ein gesunken und nur die Jungfer Mag dalena Lingerin, so hohen Alters halber im Hause war, verschüttet und todtge schlagen worden." Seitdem sind ja in Wien bekanntlich schon geuugsam Häuser eingestürzt und es sind wiederholt Menschen dabei zu Grunde gegangen. So wäre die Eeschichte nicht so bedeutsam, wenn sich da ran nicht eine Erzählung knüpfen würde, die nicht vergessen werden sollte. Das Paternostergan'l war ein finsteces, schmales Gäßchen, das sich am Graben parallel mit dem Jungferngasi'l hineinzog, und das zweite Haus rechts war die goldene Thräne". Es war seit einem Jahrhundert in dem Besitze der Familie Wurmyolzer und als eine Wurmholzerin den königlich böhmischen Rath Wenzel Euseb. Linger beirathete, ging es in dessen Eigenthum über. Magdalcna Lingerin war die Tochter dieses Aathes, der früh verstarb und der Frau die Erziehung der einzigen Tochter überließ. Tie Magdalena war schön. Sie war groß, wie ihr gottseliger Vater, und stark, wie die Mutter. Pechschwarzes Haar umsloß das in die zarten Farben der Psirsichblüthe getauchte Anttik und die großen, lebhaften Augen erschienen bald blau wie ein lieblicher Alpensee, bald in grünlich - grauen Lichtern, wie die Oberfläche des wildbewegten Meeres. Purpurübergossen waren die vollen 'herrlich gezeichneten Lippen, von denen die untere leicht herDortrat. was dem Antlitz den Charakter des Stolzes und der Unnahbarkeit verlieh. Die Mutter betete ihr Kind in, und als Magdalena heranreiste, ivar sie es gewohnt, daß man ihr hulfciae. Ihr Ohr hatte sich an Lob und Schmeichelei gewöhnt und sie konnte nicht mehr unterscheiden zwischen aufrichtiger Anerkennung und fader Schönsagerci. Und als dann die Jünglinge mit zierlichen Gewändern und seinem Ga-lanterie-Degen an der Seite heranrückten und Kratzfüße machten und Werdüngen vorbrachten, da begannen Mama und Tochter zu wählen und zu prüfen.' und endlich kamen sie übercin, daß es noch Zeit wäre. Die Magdalena ging zu den Jesuiten Am Hof in die Kirche und dort stand am Ehore ein blasser Kapellensänger mit braunem, lockigem Hliar und schaute auf das Mädchen voll Verzückung, das in andächtiges Gebet versunken auf den Knieen lag. Er fühlte sich von geheimnißvoller Macht zu dem Mädchen hingezogen und eines Tages raste er nach dem Gottesdienste hinab über die Treppe und stellte sich bei dem Pfeilerthore hart an den Bognern auf, bis Magdalena kam. Jungfer! Ich bin Kapellensänger und frage, wann die Frau Mutter Namenstag hat, wir wollen ihr ein Ständchen bringen!" Magdalena schaute auf den jungen Menscken. der die Augen niederschlug. Es ist nicht schicksam. hier stehen zu bleiben. Komm Er zu mir in s Paternostergass'l und da. wollen wir den!Wie glücklich war Willibald Kendler! Des anderen Tages schon war er bei seiner Angebeteten und machte ihr Vorschlüge zur Uebcrraschung für dieMama. Er legte ihr mit Absicht Unausführbares vor. um nur mit neuen Anträgen somnien zu können, und alsbals hatte es Magdalena heraus, daß der junge Mensch in sie verliebt sei. Nun'sah sie ihn mit anderen Augen an. Sie prüfte ihn. sie erkundigte sich um seine Herkunft und erfuhr, daß er ein Biir qerssohn von der Brandstatt sei, reicher L:ute Kind, der die Musik und den Gesang aus Leidenschaft betrieb und über dies das ehrsameHanöwerteinesSchneiöers gelernt habe. Der Willibald gefiel ihr. Er war der einzige Mensch, der ihr auch manchesmal Unangenehmes sagte, der ihr hier und da zürnte. Aber aus seinen Vor ivürfen, aus seinem Zorn sprach mehr 5iebe. als aus den Eomplimenten all der Lobhudler, die sie umschwärmten. S:e wurde dem . jungen Menschen immer geeigneter und zugethaner und indlich fühlte sie, daß er ihr fehle,! wenn 'er abwesend sei. daß sie mit Sehnsucht die Stunde erwarte, da er kommen werde, ihr Herz klopfte stärker, und lauter, wenn man seinen Namen, nannte, mit ihr war eine merkwürdige Veränderung vorgegangen wie Frühlingsdust rn) Lust, w'e Blumenpracht nnö Sonnenschein war es in ihr Herz .gezog-n !. Die Liebe ! Und - merkwürdig ! Manchesmal,. ttenn er fort war. da drückte es sie auf der linken Seite der Brust, da schien cs ihr. als fühlte sie einen harten t ,g:nstand in der Nähe ihres Herzens,jiiib es .war ihr, als müßte sie weinen.' deinen? - Thränen? -ie wußte' nicht, was das ist ! Sie hatte nie ge' weint, sie konnte sich nicht erinnern,! daß eine Thräne jemals ihrem Auge, entquollen sei.. Und es muß ja so sch:n sein, weinen ;it können 1 Wie glücklich sind die, Menschen, denen ein gütiges Geschick zum Troste,, zur Gr leichterung Thränen verlieh ! Wehe. Am. der keine Thränen W !
Magdalena wollte, aber sie konnte nicht weinen. Es wurde ihr in solchen trüben Stunden unendlich wehe um's Herz. Was hätte sie für eine einzige Thräne gegeben !
In athemloser Hast kam die Mutter hereingestüzt und verkündete ihr das große, große Glück. Der kaiserliche Rath und Mitglied des äußeren Nathes der Stadt Wien, der vornehme und edle Hieronymus Kuniher war bei ihr soeben mit seinem einzigen Sohn Balthasar erschienen und hatte um die Hand Magdalena's geworben. . Er verschrieb ihr sofort am Verlobungstag zwei Häuser unter den Naglern und setzte sie und den Sohn zu gleichen Theilen als Erben der beiden Häufer auf dem Kohlmarkt ein. ! Magdalena stand wie versteinert da. Die Nachricht schien sie mehr zu. erschüttern, als zu erfreuen, und der erste Gedanke, der in ihr aufstieg, : war: Was wird Willibald dazu sagen?" Der bleich: Jüngling stand vor ihr mit vorwurfsvollem Blicke, aus den. Mienen sprach unaussprechliche Wehmuth und wie glitzernde Perlen hingen an seinen langen, dunklen Wimpern Thränen. Thränen! O, hätte sie doch nur in diesem Moment eine einzige Thräne gehabt, um ihrem gepreßten Herzen Luft zu machen! Balthasar kam und Willibald ging. Er ging mit einem schweren Fluche auf den Lippen. Es wird ein Tag kommen, da Du es beklagen wirst, mich, den getreuen Geliebten, von Dir g?stoßen zu haben. und Du wirst nicht aufhören, um mich ' zu weinen! Aber Deine Thränen werhfrt Ysstrnfhstni f(iirtt i&turifr itnft ' s vyv j. Thränen öffnen die Gräber nicht und rufen die Todten nicht zurück!" An-dem Tage, da sich Magdalena Lingerin zur Verlobung schmückle. war auf.' dem Graben ein Werbezelt aufge schlagen worden, um .dem Kaiser Streiter gegen das türkische Heer zu verschassen. ' Willibald that den Werbetrunk, und des Abends, als Magdalena mit ihrer Mutter untrr Vo'rantritt zweier Laternträger nach dem Kohlmarkt ging, zog Willibald verzweifelt jauchzend die Straße gegen Ungarn nach der Schwcchat ab. Balthasar war ein langweiliger Bursche und das hübsche Mäöchen übte keinen Reiz auf ihn aus. Mit Schrecken erfuhr Magdalena. daß sie eigentlich die Aufgabe hätte, ihn zu bessern, daß er lin hausiger Gast in den Schänken am Spittelderg sei und des Vaters Geld mit leichten Dirnen verprasse. Ein tiefer Ekel erfaßte sie. und da das Versprechen vor sich gehen sollte, faßte sie Muth und sprach ein entschiedenes ..Nein!" Entsetzt erhoben sich die Gäste, nur Balthasar lachte und sagte: as Gänschen hätte mich auch nicht besser gemacht. Vater! Es ist klüger, daß es jetzt sogekommen ist!" Es war eine furchtbare Nacht, die Magdalena durchzumachen hatte. Sie wälzte sich ruhelos auf ihrem Lagerund die Sonne erhob sich schon langsam, als endlich die Müdigkeit ihr Schlaf verschaffte. Sie schlief, und da sie erwachte, war ihr Auge feucht sie weinte, sie fühlte zum ersten Male Thränen an ihren Wimpern. Wie glücklich war sie, wie wohl, wie leicht war sie um'S Herz. Sie hatte aufschreien mögen vor Freude. Da kam eine Schreckenskunde nach Wien. Der Pascha von Raab hatte einen Ausfall aus der Festung gemacht und den Kaiserlichen eine schwere Nie-j vertage bereitet. oOl) Mann, zumeistens Wiener Angeworbene, waren todt, 600 Mann verwundet und gefangen. Unter Denen, die unter den Streichen der Janitscharen ihr Ende gefunden, nyr auch Willibald, der bleiche Kapellensänger von den Jesuiten Am Hof. Er war der Tapferste der Tapferen gewesen, und erst als er ein Duzend der Feinde niedergemacht, starb, er wie ein Held. Magdalena verschloß sich in ihr Kämmerleln und wemte. Die Thrünen thaten ihr wohl. Aber wie seltsam! Sie hörte nicht auf zu weinen, sie weinte bei Tag und Nacht, wenn sie ihr Lager aufsuchte, rannen die Thränen über ihre Wangen, und wenn sie dasselbe verließ,' war ihr Auge feucht. Es vergingen Jahre und Jahre und noch immer weinte Magdalena; der Thränenstrom, war unstillbar. Die gelehrtesten Aerzte wurden gerufen, aber sie konnten nicht helfen sie fänden, daß die Thränensäcke Magdalenens zerrissen waren und daß die Folge davon das unaushörliche Weinen der Armen war. Und so wurde siealt und saß immer weinend im Hause .zur golde nen Thräne-, dem sie damals den Na men gegeben, als sie die erste Thräne in ihren schönen Augen entdeckt hatte. Hgchbetagt faß sie in dem Lehttstuhle. ihre Füße waren gelähmt, ihr Gesicht zerknittert, ihre Schönheit, ihre Kraft gebrochen, sie hatte nur mehr Thränen, die unaufhaltsam liefen, ohne den treuen Willibald wieder zurückrufen zu können. Am Palmsonntag krachte e5 über ihrem Haupte, das Haus .zur goldenen Thräne" wankte und stürzte zusammen und begrub die Aermste unter seiner' Trümmern. Der Fluch des Verstoßenen war in entse?licher Weise in Erfüllung gegangen. 5 Bauern Comvlimen.. Bauer: Nu aber. H?rr Pastor, hat Sie aber Jbr Herr Sohn scheene gepredigt: der hat Sie so eene schccne Aussprache und macht so viele Begebenheeten mit den Händen uff der Kanzel, daß mer allemal gan,; gerührt wird. Mer han'5 schon oft in der Schenke gesagt: Wenn nur erst derllAlte todt wäre daß mer den Jungen zum Pastor krieaen könnten! . E S g i b t M e n s ch e n , die nie ihres Lebens froh werden-; in der Ju. gend ärgert sie das kommende Alter,. im Al:e5die entschmundeue Juaend.
Der gute Fang. HumoreZke vo X3. Paeck.
Die Stadt Muckelmitz befand sich i großer Aufregung. Auf dem RathHaufe dieses Ortes wehten zi Fahnen. Sämmtliche Patrizierhäuzer prangten im Schmuck: frischgemaschencr Gardinen. Sämmtliche unverhciratheten Töchter trugen eine nervöse Ausregung und helle Kleider zur Schau, sämmtliche Mütter derselben theilten die erstere und umwoben sie mit einem grünen Hoffnungsschimmer. Warum ? Der Äusgcregteste und Eifrigste von allen Einwohnern aber war der Stadt erster und einzigster Polizeidiener, Herr Gottlieb Schnurr. Bereits des Morgens acht stolzirte Herr Schnurr in Galauniform durch sämmtliche Straßen, runzelte die Brauen über alle sich breit machenden Pfützen, unterzog alle Rinnsteine einer peinlichen Ocularinspection und prüfte sorgsam, ob alle Hinterlasienschasten von Rind und Rößlein sorgfältig vom Pflaster getilgt seien. Warum ? Weil der Mittagszug den neuen Herrn Bürgermeister dringen sollte! Als Herr Schnurr den Bezirk der inneren Stadt genügend besichtigt hatte, lenkte er seine Schritte nach dem Bahnhofe. Auf dem einsamen Wege von dort her schritt ein Fremder der Stadt zu. Es war ein bürgerlich ge klcideter Herr mit goldener Brille, breitem Schlapphut und üppigem, roth braunen Vollbart. Fremde waren seltene Artikel in Muckelmitz. Man wird es daher be grcislich finden, daß Herr Schnurr -seine gespannteste Aufmerksamkeit auf :. den Nahenden richtete. Bejonders der Schlapphut und der üppige Vollbart desselben erregten sein Interesse, denn die Leute in Muckelmitz trugen sämmt lich steife Hüte und gingen glattrasirt. TieserSchlapphut und dieser Bart!" murmelte er. Das ist verdächtig. Solche Schlapphüte und Bärte tragen nur Sozialdemokraten. Sollte dieser Mensch - Plötzlich stand der Fremde still. Er schien bestürzt. Dann wandte er sich und ging nach dem Bahnhof zurück. Er hielt seinen Kopf gebückt, seine Augen waren ,auf den Boden geheftet. Des würdigen Polizeidieners Verdacht ward mit einem Schlage Gewißheit. Das ist em Sozialdemokrat," murmelte er. Der Kerl hat mich an der Uniform erkannt und scheut eine Begegnung. Donnerwetter, wenn ich das verdächtige Subjekt singe und ent larvte, was für Augen würde der neue Bürgermeister machen." Und mit langen Schritten stelzte Gottlieb hinter dem Fremden her. Plötzlich bückte sich derselbe, hob einen Gegenstand von der Erde auf, befah ihn und steckte ihn,.anscheinend sehr vergnügt in die Tafche. Halt." sagte Gottlieb Schnurr, der den Fremden in diesem Moment ein holte und eine Hand auf den Arm des-; selben legte, Sie haben sich durch Ihr Benehmen sehr verdächtig gemacht. Als Sie mich kommen sahen, wandten Sie sich um und liefen spornstreichs zurück. Wer sind Sie und was wollen Sie hier?" Das geht Sie gar nichts an!" sagte der Fremde. Schon," entgegnete Gottlieb Schnurr, das wird sich finden. Zweitens, was haben Sie soeben von der Erde aufgehoben?" .Zum' Henker, was kümmert Sie das?" entgegnete der Fremde. Sehr 'viel, verfeKte Gottlieb Schnurr. Sie haben soeben ein Por temonnaie gefunden. Sie sind verpflichtet, dasselbe der Polizei abzuliefern. Geben Sie das Portemonnaie heraus!" Fällt mir gar nicht ein,- sagte der Fremde. Uederhaupt, ich weiß gar nicht " Aber Gottlieb Schnurr' Hand war bereits in die Hosentasche des Fremden gefahren und zog das corpus delicti daraus hervor. Mund halten," sagte er, mitkom men! Sie sind ein Sozialdemokrat und Sozialdemokraten traue ich nicht! Wer weiß, wegen welches politischen Bergebens Sie verfolgt werden! Dazu gesellt sich das Vergehen des Funddiebstahls. Na, der Herr Polizei-Jnspector wird Ihnen den Standpunkt schon klar machen." Funddicbstahl!" rief der Fremde erswunt. 5 Ja, ganz gewiß," versetzte Gottlieb Scynurr, Sie Haben's mir ja selbst eingestanden, daß Sie das Portemonnaie nicht abliefern wollten. Vorwärts, marsch, zum Rathhaus!" Lieber Freund," versetzte der Fremde lächelnd, .Sie irren sich. Ich-' Ihr lieber Freund bin ich nicht," sagte Gottlieb Schnurr barsch, und i-d ich mich irre, wird das Verhör leh ren. - Kehen Sie voran, damit ich Sie im Auge behalte.Ter Fremde fügte sich und schritt voran. Mit wichtiger Miene mar schirte Gottlieb Scdnurr hinterdrein. Aus allen Fenstern schauten neugierige Köpfe und ein langer Zug von Jungen gab Gottlieb Schnurr und seinem Opfer das Geleite. Beide verschwanden in' der Flügel thür des RathhauseS und betraten das Zimmer des Poltzei-Jnspectors. Gott lieb Schnurr trug seine Verdachts Momente vor; der hohe Mann nickte mehrmals mit dem Kopf, schaute arg wöhnisch auf den Fremden und fragte schließlich: Warum weigerten Sie sich, das Porlemonnaie abzugeben?" Weil es mein eigenes Portemonnaie ist, desien Verlust ich noch , rechtzeitig bemerkte, um mich mit Erfolg auf die Suche zu begeben. Das war auch der Grund, weswegen ich mich plötzlich um wandte und zurückging.'DuS klingt glaublich. Aber noch möchte ich Sie um Ihre Papiere bittell."
Mit feinem Lächeli' reichte der Fremde dem Polizei -Jnspe.tcr seine Visiten karte. ' . Dieser IaZ. Plödlich erblaßte er. Auf seinen Zügen spiegelte sich namen loseS Entsetzen. Schnurr!" schrie er. Mensch, Esel, was haben ?ie gemacht?" Und mit zitternden Händen hielt ihm die Karte vor die Nase. Was stand darauf? Dr. ju'r. M. Rtinhard, Bürgermnsier von Muckelwitz.
(Specialbriis.) lelnAmerik auf derWsrld'S Z?air ES wird jetzt eines nach dem anderen der Gebäude eingeweiht, welche vm Nordosten des Weltausstellungs.Vlatzes in reizender Gruppirung beiiammen liegen und die Hauptquartiere der zur amerikanischen Union gehörigen Staaten und Territorien darstellen. New floxt, Pennsyloanien, Iowa und Flo rida sind bereits im vorigen October mit der Einweihung vorangegangen, und die meisten anderen sind jetzt nach gefolgt. Daher ist ein Rundgang durch Klein-Amerika" an der Zeit, welches auch für ausländische Besucher sicherlich vieles Feffclnde bietet. Fast alle Län der unserer großen Republik, soweit sie nicht etwa durch eine, vorsintfluthliche Verfassung daran verhindert sind, haben sich hier ein mehr oder weniger auffallendes Heim geschaffen. ' Das Gebäude des gqstgebenden Staats Illinois mit seinem mächtigen, weithin leuchtenden vergoldeten Dom habe ich bereits bei früherer Gelegenheit' dem Leser flüchtig vorgestellt. Es befindet sich in äußerst glücklicher. Lage, gerade wo Wald und Teich sich berühren. Westlich davon liegt das im Stile allen kalifornischen Missionshäuser erbaute Staatsgebäude von Ealifornien, mit einem Thurm in der Mitte, welcher demjenigen der San Dicgo-Kirche nachgebildet ist. Ein hübscher spring brunncn in dem offenen Parterre speit jeden Tag eine Stunde lang den schönsten kalifornischen Wein; noch hübscher wäre es vielleicht, wenn das ganze be suchende Volk dort trinken könnte, wie, weiland an dem Römerbrunnen in Frankfurt bei mittelalterlichen Kaiser krönungen. Doch das Trinken versteht man bei uns noch nicht gut genug In dem Parterre besindet sich auch eine reizende Obstausstellung. und das Dach ist als Garten hergerichtet. Lide ty BeU" m Staat? gcbaade von Pennsyloanien. Der Staat Eolorado hat ein eisen deinfardigeZ Häuschen im zierlichen Rococostil, mit zwei schlanken Thürmen. In merkwürdigem Contrast dazu steht daS benachbarte wildwestliche- Gebäude des Staates Washington: ein riesiges Blockhaus aus einheimischen Fichtenstämmcn; vor dem Bau ragt 150 Fuß hoch ein riesiger Baumstamm empor, von welchem die amerikanische Bundesflagge weht. Im klassischen Stil, mit offenen Sänlengängen, ist das Gebäude von Kentucky aufgeführtr' ein lururiöses Musterhaus eines reichen südlichen Sklavenhalters. Das stattlichste der Südstaatcn-Eebäude ist aber das von Miffouri, mit seinem Dom über dem Hauptportale, welchem lleinere Dome zur Seite stehen, und seiner an das Portal stoßenden Rotunde dem Mosaikboden. - - Massaclusktt?. ' Nahe dem Gestade des MichZgansee) liegt, das höchst interesiante.'gr'anitene Haus von MaffachusettZ, dessen Vor derseite dem östlichen Anbau des Kunst Palastes zugewendet ist. Alles erinnert hier an die Glanzzeit der alten behäbi gen Holländer im Osten, sowie der Yankee ?Kabeljau - Aristokratie. Ter Vorhof an der Front und an der einen Seite ist mit Blumen geschmückt. TaS Ganze ist eine Nachahmung des alten Hancock-Hauses. welches bis zum Jahre 1807 aus dem BeacoirHill in Boston stand. . ' Virzmken. Nicht weit davon liegt VirginienS kleiner, woblaesälliaer Bau. im Eolo nialstil, mit Spitzdach, sowie der eigenthümlichc Bau von Kansas in Gestalt eines Erucifires (da kann man wirklich ! an das dlu ende Kansaö- denken) und das seltsame Hauptquartier von Flo rida, eine Nachbildung deZ alten Jn l dianersortS Ft. Marion.
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CtaatSgkbaudk von MlZsgan. MichiganZ. Staatsgebäude stellt ein großes Schweizerhaus dar. mit einem hervorragenden. AussichtZthurm als Mittelpunkt. Es ist drei Stockwerk hoch, und ohne besondere architektori fche Eigenthümlichkeiten bildet es doch einen sehr repräsentablen Bau. Florida. Im Eolonialstil ist auch das Staat?, gebäude von Ohio gehalten, ein höchst vornehmer Bau mit einem prachtigen Haupteingang innerhalb eines halbtreissörmigen Säulenganges von 33 Fuß Höhe. Die großen Marmorsäulen, welche das Dach stützen, und die breiten, mit Glasmalereien gezierten Spiegelscheiben machen einen imposan ten Eindruck. Allerliebst blickt das Gebäude von Wisconsin mit teinem rothen Schieferdache drein. Der 30 thische Bau von Jndiana.' mit seinen vielen Giebeln und Thürmen, ist eben falls als ein sehr gelungenes Werk zu bezeichnen; dasselbe ist aus BedsordStern und F.chtenholz kunstvoll ge baut. Maryland. Nach klassischem Vorbilde ist daZ Maryland-Haus gebaut, das sich vor : Allem durch reichen Mauerscbmuck aus-; zeichnet. Auf dem Dach mit seiner Balustrade kann man' sich gemächlich ' ergehen. ' Das Minnesota-HauS ist in italienischein Renaissanccstyl gehalten; in der Vorhalle steht ein Standbild, welches . die schöne Sage von Minnehaha'und i Hiawatha darstellt; em rothes Ziegeldach überdeckt das weiße Gebäude. Durch klassische Schönheit .zeichnet sich auch das Nebraska-Gebäude, mit seinen korinthischen Säulcnaänaen, aus. ? Sehr bemerkenswerth ist auch das ! Granitgebäude von Iowa, das aller dings eigentlich nur einen weiteren Ausbau eines schon langst im JacksonPark stehenden Baues bildet: die Ecken des Schieserdaches sind mit kegelartigen Thürmen g?ziert, und auf dem Dache steht Holz ein gypsener Hirsch Staat?gebäude vo Pennsylvania ES ließe sich noch allerlei über diese, allen möglichen Geschmäckery" Rechnung tragende Gebäude und Pavillons erzählen. Doch die Stunde mahnt mich zum Aufbruch. Wer sich in diese Mi-niatur-Union noch mehr vertiefen will, der möge selbst kommen. Ein ander Mal geht'S mied nach Groß-Amerika. P. K. tttag. Isaak. habt Ihr eingenommen Die Medicin, die ich verschrieb ? Also frug der Doctor Lenig, " Den Isaak Meschenunderied. Jo, ich hob' se eingenimmen. Verehrlester Herr Doctor.Leniz, Gott, gelostet hat se sehr viel. .' ' Aber g'holfen, Gott, wie wenige , i.j - - - Finanzgenie. Herr szu einem Gast): Und -wieviel gibt man hier Trinkgeld. Gast; Ja. nicht un ter ()0 Pfennig! Herr (zur Kellne. rin): Bringen Sie mir Kase und But ter, Frau: Und mir ein kaltes Huhn! Herr: Du bist wohl toll? Frau: Gar nicht: ich werde doch nicht wegen Kase und Butter. 50 Pfennig Trinkgeld bezahlen!. ...... I a. s o; Dame: Mein' Bild soll eine Uederrafchung für meinen Mann sein. Maler:- Sehr wohl, gnädige Frau.'' Dame: Run bitte ich .Sie. machen Sie es nicht gar zu in." lich. damit er es etwa nicht gleich er kennt!
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Sünerikafieder
Seit Monaten' grassirt in Wen, lesen , wir im dortigen Tagebl., ein förmliches Amerilafieber, das die seßHastesten Leute ergriffen hat. Wo man zeht und steht, klingt Einem das Wort Chicago- in die Öhren und Pro-ekte, von Leuten geschmiedet, die sonst für krnst gelten, schwirren nur so inder Luft herum. Auch kürzlich Abends hatten wir Gelegenheit, der Discussion über ein allerneuestes Amerikpro'ect beizuwohnen. Ter Maler Kronstein, der- ursprünglich den Plan für AltWien" in der Ehicago-Ausstellung conzipirt hatte, aber von einem cap'italskräftigeren Eoncurrenten ausgestochen worden war, trägt sich nun mit dem neuerlichen Projekte, den Wiener Mehlmarkt von anno 15G0 nach Amerika zu importiren und damit eine permanente Ausstellung von Erzeugnissen der heimischen kunstgewerblichen Industrie zweige zu verbinden. Herr Kronstein will nicht weniger als 40 Städte der Union bereisen und in jeder derselben ein halbes Jahr vermeilen, was in Summa 20 Jahre macht also eine ganz ansehnliche Zeit. Um sein neuestes Projekt auf eine entsprechende Basis zu stellen, strebt Maler Kronstein die Konstituirung einer, wie der etwas längliche Titel lautet. Unternehmung für ErPosition und Propagirung des ErPorts der österreichischen kunstgewerblichen Industriezweige- an. an deren Spitze ein sehr vermögender amerikanischer Fabrikant, Herr Goldsmiih. steht. An einem der letzten Abende fand sich nun in Tö'es' Etablissement eine kleine Zahl von Interesienten ein. um über die Aussüh rung des Projekts zu diskutiren. Es wurden mehrere Reden gehalten, in welchen die Ueberzeugung zum Ausdrucke kam, daß die Transportirung des geplanten historischen Mehlmarktes nach Amerika der österreichischen Jndu strie und dem Wechselverkehre mit Amerika einen ganz ungeahnten Aufschwung geben werde, da alle maßgebenden Faktoren bisher in dieser Richtung eine ganz bedauerliche, man möchte fast sa gen, Indolenz an den Tag. gelegt hätten. Die Versammlung dörre, widersprach nicht und klatschte Beisall. Nun fehlt dem neuesten Projekte nur noch, daß es nicht Projekt bleibt. .Tantchen, ist es wahr, daß Du hur die Wand aebcn kannst?" .Aber Hänschen, wie kommst Du darauf?" Na. Papa sagt doch. Du wärst 'ne alte Schraube!" Mutter: A jenem Tisch dort, wo der einzelne Herr sitzt, , neh men ir Plati.." - - - Todter: Warum gerade dort?- - Muuter: Der Mann hat so etwaZ . - ? - r u 1 Veralysfai)lges:- . : .Feurig wie d'eser Champagner ist meine Lieoe zu Jhncn. Theuerste!" ' . .So. der hat aber keinen Schaurn mehr!- ' m m m ' ' " Umgangen. Arzt: I ch oabe Ihnen doch ftreng angesagt, da Sie keinen Tropfen Schnaps mehr trinken dürfen, außer wenn Sie an Verdauungsstörungen leiden. Patient: DaS weif; ich. deshalb hab' ich auch gleich soviel gegeffen, daß ich en' ver dorbenen Magen. gekriegt hab'!. t ) v V ,Die .verli ebte K ü chijrn Mali: Warum kaufst Du denn jedt aus . dem Markt so viel Petersilie?Cenzi: Ach. Er - beidt Peter!-
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Kurlosa aus em 2rnt4er Ge
richtSsaal. Der Herr mit dem Lorbeer kr a n z. ES ist schmerzlich, einen Mann, der noch vor Kurzem zahlreiche Enthauptungei? mit einer solchen Eleganz vollzog, daß er die Zuschauer zur'Bewunderung hinriß. einen Mann, der würdigen Bürgern Mäuse aus der Nase zog' und im Handumdrehen einen Ka narienvogel in ein Stachelschwein verwandelte, unter der Beschuldigung des Betruges auf der Anklagebank zu sehen. Herr Eduard Brinkmeyer fo nennt sich der Mann, der, wie er sagt, durch den Neid der Götter in diese fatale Lage gekommen ist soll sich der ZechPrellerei schuldig gemacht haben. Herr B. ist groß, hager, mit einem verwitterten Gcncht. das von emem glänzend schwarzen Schnurrbart geziert wird. Er trägt einen etwas bunt zusammen gesetzten Anzug und zeigt in seinen Be wegungen eine Wurde, deren nch ein Grand-Seigneur nicht zu schämen brauchte. Bors.: Sie bestreuen nicht, daß Sie dollständig mittellos waren, als Sie nch bei dem Ncstaurateur W. emauar tirten? Angekl.: Gestatten Sie mir die Be. merkung, Herr Präsident, daß ein Kunstler meines Ranges niemals mit tellos ist. Ein Mann, denen ganze Laufbahn, wenn ich mich so ausdrücken darf, ein einziger Triumphzug war; ein Mann, dem vom russischen Hofe ein Lorbccrkranz gewidmet wurde; .ein Künstler, der die Ehre hatte, einer Kammerfrau Ihrer Durchlaucht, der Fürstin von Hohenlohe Borj.: Holen Sie nur Nicht so weit aus. Anqekl.:. ...Dukaten aus der Nase ziehen zu dürfen, alte, seltene Dukaten.. .. , Bort.: Nun lassen Sie das aber mal gut sein und. antworten Sie nur auf meine Fragen. Waren Sie mittellos? Angeil.. Ich meine, daß davon nicht gut die Nede fein kann, wenn man sich hoher Verbindungen erfreut und zudem Meister in einer Kunst ist, die ihren Mann nährt. Es ist richtig, man kanrr in vorübergehende Verlegenheiten gerathen, wenn unser Bankhaus seine Zahlungen einstellt, wenn unser Kassi rer durchgeht, oder wenn wir das Opfer eines räuberischen Ueberfalls werden. . Vorf.: Aber da Ihnen nichts voir 'alledenr passirt ist. Angekl.: Gewiß, ich bin in der That von meinem ttassirer betrogen worden, nachdem ich im Eulengebirge eine Reihe der glänzendsten Triumphe gefeiert und eine' reichliche Ernte gehalten hatte. Aber war ich deshalb mittellos? Ist gleißendes Gold oder blitzendes Silber allein das, was wir Käpital nennen? Als Schiller seine Räuber im stillver schwlegenen Busen trug und noch keine Zeile geschrieben hatte, war er da nicht schön im Besitze eines unermeßlichen Schatzes? eines Schatzes freilich, auf den ihm keine Krämerfeele fünf Silbergrcschen gepumpt hätte. Aber ist unser Zeitalter nicht ein anderes? Steht unfer Volk noch auf jener niederen Stufe der Gesittung, die in den Worten ihre Kennzeichnung findet: Unser erst Gefühl sei preußisch Kurant? Nein, meine Herren, da denke ich größer, edler, idealer Vors.: Nichtsdestoweniger müssen Sie sich an den Gedanken zu gewöhnen suchen, daß man hierzulande nur dann zechen darf, wenn man über die erforderlichen Mitte! verfügt. Angekl.: O. ich kenne das, eS ist dieZ der Gedanke, den Scheffel in den Wor ten zum Ausdruck gebracht hat: Im schwarzen Walfisch zu Askalon wird kein Prophet geehrt, und wer verguügt dort leben will, zaht baar, was er ver zehrt. Meine Herren, ich kenne diese Sentenz, und ich muß sagen, daß ich sie bis zu einem gewissen Grade aner kenne. Aber, meine Herren, Sie erinnern, sich, daß die alten Germanen Derartiges nicht kannten, daß sie gast frei waren Vors.: Nun hören Sie aber auf, sonst muß ich Ihnen das Wort entziehen. Es ist nicht zulässig, daß Siesich dnrch solche weit abliegende Erör. terunzen um dir Sache herumzudrücken suchen. Angekl.: Das ist gewiß nicht meine Absicht, sondern ich . wollte nur meinewissenschaftliche und moralische Ueber-, zcugung zum Ausdruck dringen. Wenn ich hierin zu weit gegangen und in den Ton einer ge.ehrtenDcdüktion verfallen sein sollte, . fo bitte ich um Verzeihung. Ader tch sagte bereits, daß ich jenen Grundsatz in gewisser Beziehung anerkenne, lind ich schließe hieran die Be hauptung. daß ich nicht mittellos war. insofern nicht, als ich meine Kunst be saß, die ich gut und gern mit etwa Fünfzigtausend M. bemerthen kann. Ich darf atso sagen, in gewissem Sinne bin ich Kapitalist, ebenso wie Goethe im Besitze seines , Faust reicher war, als alle Millionäre der Erde zusam mengcnommen. ' Vor.: Aber außer Ihrer Kunst, be saßen Sie eben nichts? Angekl.: Einen Lorbeerkranz. . . -Vors.: Tazür psl.'gtman abernicht viel zu geben. , . Angekl.: Im Leihamt wohl nicht, aber ich bot ihn dem Wirth als Pfand an. gewissermaßen als Unterpfand meiner künstlerischen Ehre. Zu. feinem Leidwesen muß yerr A. erfahren, daß man hier Lorbeerkränze nicht als vollwcrlhige Taufchmittel an sieht; er wurde zu acht Tagen Gefänz. niß ' verurthellt. die durch die ; Unter suchungshaft als rurdüßt erachtet wer den. ' . fl: , " Zwei Pünktliche.. Frau : ,DaS muß ich sagen, mein Mampft wie d Uhr. - Punkt sieben "Uo? kommt er nach -Hzse!-.. FUc.din .Dann ist meiner auch wie die Uhr der zeyt Punkt sieben Uhr in'S Wi; hauS!-
