Indiana Tribüne, Volume 16, Number 249, Indianapolis, Marion County, 28 May 1893 — Page 3
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Romctn von Kans pontfefe. (.2 Fortschimg.) Sie finden die Gräfin in derGrotte, . Herr von Ruwe?." Nur läßt sich leider die Grotte von mir nicht finden." Darin kann ich Ihnen behilflich fein, ich bin hier zu Haufe." Sie gingen neben einander her, S3ik ior in der Ueberzeugung, daß diese unerwartete, neue Bekanntschaft allein Veranlassung genug sei, die Besuche in 'Wildenhof fleißig fortzusetzen. Er hielt das Mädchen für dieTochter eines höheren GutZbeamten und täuschte sich darin nur sehr wenig es war Betty Auras. Kurz vor der Grotte kam ihnen die Gräfin entgegen. Nichts von unserem Abenteuer!" flüsterte Viktor seiner Mihrerin mit einem Blick zu, der sie dunkler erglühen ließ, als die Rosen in ihrer Hand. Brunhilde gewahrte nichts .davon. Auch auf ihren Wangen blühte verräiberischer Purpur empor, ihr Fuß sackte einen Augenblick, dann flog sie mit ausgebreiteten Armen heran. . Viktor, Viktor!".... es klang wie ein jubelnder Erlösungsruf, wie der jauchzende, dankende Schrei aus tiefster Seele eines Schiffbrüchigen, vor dessen Augen das Rettungsboot auftaucht. Mit einem danke es meiner gütigen Führerin, daß ich Dich überhaupt gefunden!" kürzte Viktor die Begrüßung, deren Zärtlichkeit ihn überraschte und ihm momentan nicht ganz zu bebagen schien, ab. Vetty machte Miene,' sich zurückzuziehen. Fürchtete Brunhilde, beim Alleinsein noch einmal zu einem Ausbruch des Gefühles hingerissen zu werden, das sie bisher in feiner ganzen Bedeutung sich selbst. nicht einzugestehen gewagt und das nun in der Ueberra schung des Wiedersehens dennoch verätherisch emporgeflammt war, oder folgte sie einzig der freundttchenAbsicht, nicht zu verletzen, gleichviel, sie ergriff Bettys Hand: Bleiben Sie bei uns,, Sie werden das Neueste von unserem Hof- und Weltstadtleben hören, das Sie so sehr interessirt. . . . Du hast Dich doch im Schloß restaurirt, Viktor!" wandte sie sich an diesen. ' Er log tapfer ja". Die Gesellschaft Bettys ersetzte ihm das Frühstück, das ihm im anderen Falle sehr willkommen gewesen wäre, mehr als zur Genüge, 's So gingen sie zu dreien zur Grotte zurück. Die Felsenbank bot nur knapp : für sie Raum. Viktor saß ziemlich eng 'eingepreßt, für sein persönliches-Em-' pfinden freilich desto angenehmer,. zwij fchen den beiden-Mädchen, Betty am weitesten im Hintergrunde. So sehr er ! Frauenkenner war, es mindestens zu ; fein glaubte, der Eindruck, den dieMiti theilung seines längeren Aufenthaltes .in der" unmittelbaren Nachbarschaft 'machte, entging ihm doch: Brunhilde !fah ihn lange mit ' einem festen, hoff'nungstrahlcnden Blick an. während ihre Wangen sich rötheren; Betty schlug die i Augen zu Boden und zitterte. wie ! die Blume beben mag, wenn sie. noch lim träumerischen Winterschlaf befanjgen, im tiefsten Marke das ahnungs- : volle Wehen des kommenden Frühlings j empfindet, der ihr Sonne und Leben und Blüthen bringen wird. ) Dann berichtete er von den neuesten j Ereignissen des High Life, von dönBekannten und Festlichkeiten, nichtssalgende Dinge im Grunde, einzig für-die mir Personen und eryaltnissen dertraute Comtesse von Interesse , und dcch .hing cuchBettys Aüae unverwandt an seinen Lippen. Für diese Art der Unterhaltung besaß er unstreitig Ta-' lcnt, jene glatte Sprachweise, die für den mangelnden tieferen Geist undWitz durch flotte Eleganz und pikante Boniinots entschädigt. Dem unerfahrenen, Mädchen, das bisher nur das arbeits' reicye. in sireng geregelter Glelchmäßigkeit hinfliehende Dasein bürgerlicher Einfachheit kennengelernt,- eröffnete sich ein verführerischer Einblick in eine fremde Welt Das war die Welt ihrer sehnsüchtigen Träume, derGlanz, derGenuh, das sonnige, sorgenlose föTiks? tnnlrrh lrrfrTnS in ?mrtf wr. .,.v.j..Wf IWUVtllV llt litttitlV tlvUtll, i bunten, bezaubernden Bildern. Und der Fuhrer in diese Welt erschien ihr :r.ri i: . t"c n - , jui wiz ein yoyrres Jüjejen, eine An Halbgott, mit seinem bildhübschen, fei-, nen Gesicht, seinen weltmännischen Allüren und der schmucken Uniform. Wie ein Sonnenstrahl leuchtete der Blick, mit dem er sie ab und-zu streifte, in das sie umgebende Halbdunkel. . Ein süßer Schaue? durchrann sie, ließ . ihr Blut heiß und stürmisch zum Herzen drngen. Brunhilde bemerkte davon so wenig, als sie eigentlich verstand, was Viktor' sprach. Den Blick in ungewisse Weiten gerichtet, hörte sie nur seine weiche, melodische Stimme, ohne dem Sinn seiner Worte nachzugrübeln, empfand sie nur die Nähe des Mannes, nach welchem ihr Herz verlangt hatte, als dem Retter 'gegen den Feind, der es täglich . mehr. ;und mehr mit einem uner!larl:chen, b:Zeugenden Jangen erfüllt ' So spannen sich zauberhafte Doppelfäden unsichtbar herüber und hin'über, bis der die Mittagsstunde ver'kündende schrille Klang' der Glocke auf 'dem Wirthschaftshofe sie nicht zerwohl aber d:m gefährlichen Weben .Einhalt gebot. Die Prosa des Alltagsledens trat wieder in ihre Recöte.Mit Entsetzen dachte Vetty. an ihre, vergesjene Küche und eilte davon, .nicht ohne tdaß ihr der Lieutenant e!n" keckes Schweigen! Auf Wiedersehen!" zugeflüstert und seine förmliche . Verabschiedung mit einem sehr vielsagenden Blicke gegleitet hätte. ... .... .. Dann ging auch er mit Brunhilde nach dem Schloß zurück, wo die GeieSf schaft der frommen Frau vonLeist jedes poetische Empfinden Verbannte. Es wurde ihm unbehaglich. Den notbwen
digen Besuch bei seinem Vater vorschützend, brach er noch vor Tisch auf, und als er wieder auf der in brennender Mittagsgluth staubenden Straße dahinritt, stand nicht mehr wie vorhin die blauäugige, stelze Gräfin vor seinem Auge, sondern einzig das zierliche Bürgermädchen mit den leidenschaftlichen Zügen und den feurigen, nachtdunklen Stermen unter den breiten Brauen. Abermals begegnete ihm der Direktor, dem er jetzt als dem Bruder einer so reizenden Schwester einen doppelt freundlichen Gruß schuldig zu ' sein glaubte. Er mäßigte die Gangart seines Pferdes zum Schritt, um wzmöglich mit einem hingeworfenenWort alsbald auch diese Freundschaft zu eröffnen, fand aber sehr wenig Entgsgenkommen. Auras ritt im Trabe vorüber, und das fröhliche Lächeln des Anderen rief auf seinem Antlitz nur einen finsteren Schatten hervor. Nach einigen Minuten. wandte sich Auras noch einmal um, und ein grimmiger Fluch flog zwischen seinen Lippen hervor dem schlanken, hübschen Offizier nach. Ganz gegen seine sonstige Gewöhnheit nahm er den Weg über den SchloßHof. Die Comtesse stand auf demBalkon und. neigte im Voraus das Haupt zum Gruß. Er sah sie nicht oder wollte sie nicht sehen, ventre parouette brauste er auf seinem mächtigen Rappen vorüber, zwischen den alten Linden hindurch, so daßBrunhilde über derFurcht, er könne unÄ müsse sich den Kopf an einem Stamme zerschmettern, ganz den Zorn über seine Nichtachtung vergaß. Dann richtete sie ihren Blick wieder in die Weite, wo sich die Allee nach BrosHausen wie ein immer schmäler werdendes Band durch dieFelder wand. Selbst ihr scharfes Auge vermochteVikior nicht mehr zu erkennen. Sie sandte ihm ein grüßendes, glückerflllltes Lächeln nach, das noch auf ihren Zügen lag, als sie in das Zimmer zurückging, sich an den Flügel, setzte und zu spielen und zu singen begann, alles, was ihr just in den Sinn kam, den Blauen Donau-Walzer mit derselben Verve, wie Saint-Saens Danse macabre", Schuberts gewaltiges J&m Meer", Wohlauf Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd" und Ach, wie ist möglich denn", und so fort in wahlloser, buntester Abwechslung, bis sie auf das Volksliedchen Mein Schatz ist ein Reiter" verfiel, das sie in allen möglichen Tonarten variirte, nicht ahnend, daß sie außer Frau VonLeist noch einen anderenZuhörer hatte, und welche Kritik dieser übte. Unten im Park stand Auras, und als sie zum Schluß noch einmal die einfache Weise gespielt und mit Gesang begleitet hatte, brummte er: Verwünschte Narrheit!" und ging, seinen Rappen am Zügel führend, langsam nach demWirthschaftshofe hinüber. Noch im Laufe der nämlichen Woch; wiederholte Viktor seinen Besuch. Diesmal ritt er auf einem Umwege bei den Ställen' vor und ging ' sofort in den Park. Wenn auch, nicht gänzlich, so wurde seine Hoffnung doch in ziemlich unangenehmer Weis: getäuscht; er fand Vetty. aber in Brunhildes Gesellschaft. . Der Blick, das Lächeln, der leisetzändedruck, den er erhielt, söhnten ihn mit dem Fehlschlagen seiner Erwartung bald aus, unter Umständen konnte er recht genügsam sein. Ein kleiner Liebesroman ' war ihm ebenso sehr Lebensbedürfniß, wie etwa Vier und Cigarren. Spann sich derselbe nach Wunsch fort, um so besser! Traten ihm unübersteigbareHindernisse entgegen, , so redete er sich einen Tag lang ein, der unglücklichste Mensch unter der Sonne zu sein, und suchte am zweiten frisch und fröhlich nach einem Ersatz, stets fest überzeugt, nun zum er-
.stenMale wahrhaft zu lieben, bisUeberdluß oder Mißerfolge ihn zu der Einficht bekehrten, sein Herz sei eigentlich gar nicht betheiligt gewesen, mithin wiederum in der angenehmen Lage. ohne weiteres eine neue Königin, und diesmal bestimmt die Rechte" erkiesen zu können. Die Zukunft kam dabei für. ihn''gar nicht in Frage. Zwar dachte er stets au ein Binden fürs Leben, indeß war er noch nie in die Verlegenheit gerathen, einer zu erwartenden großen Mitgift halber, auf die er angewiesen war, sich mit der ungewohnten Tugend der Treue bekannt machen zu müssen. Ebenso wenig, freilich hatte er je, ', und das gereichte ihm wohl zur Ehre, eine der ihm oft genug gebotenenGelegenheiten ergriffen, seiner meist recht bedrängten finanziellen Lage durch eine nur auf kalter. Berechnung .beruhende Geldheirath aufzuhelfen, ... Betty bildete vorläufig keine Aus nähme auf seiner langen Leporelloliste. Ohne sie hätte er sich sicher in Vrunhild: verliebt, wie es vordem fast scineAbsicht gewesen; nun freilich würde er mit ruhigemGewissen geschworen haben, Betry sei seine erste und einzige wahre Liebe, nie wetde er eine Zweite lieben wie sie.. Daß er hier, wenigstens bei ihr selbst, keinen Widerstand finden werde, sagte ihm jeder Blick des leidenschaftlichen Mädchens deutlicher, als endIseWorte. . : Nichts gefährlicher für junge Herzen, als ein gemeinschaftliches Geheimniß, und sei es an sich das harmloseste, unschuldigste! Jedes Wort wird zur Anspielung, jeder Blick zurVerständigung, jede Handbewegung spinnt einenFaden der - nur zu 'schnell zum unlösbaren Bande sich verstärkt. Co auch hier. Viktor wußte sehr wohl, daß Unaufj fälligkeit und Verschwiegenheit eine der ersten Garantien des Erfolges ist, wie die Heimlichkeit einer der anziehendsten Reize. der Liebe. . Als geübter Taktiker befolgte er. die weise Regel, die Wahrheit durch eine anderweitige Courmacherei zu verdecken, deren Gegenstand hier eben nur Brunhilde sein konnte. ' BeideMädchen waren zu unerfahren, dieses Spiel zu durchschauen. Betty fühlte sich zurückgesetzt, verging bisweiZen fast vor rasender Eifersucht und war trod alledem doch nammlos alück
lich, Viktor nur zu sehen, seineStimme zu hören. Noch war kein klärendes Wort gesprochen worden; so schwankte sie, da sie sein Benehmen nicht verstand, von seliger Hoffnung zur tiefsten Verzweiflung, je nachdem er sich viel oder wenig mit ihr beschäftigte, und dieses Hangen und Bangen in schwebender Pein" schürte die heimliche Flamme immer höher. Ein einzer Blick entschädigte sie tausendfach dafür, daß er eine Viertelstunde lang seineWorte nur an die Gräfin gerichtet. Diese befand sich ihrerseits in einem ähnlichen Irrthum. Zu ihrer Unerfahrenheit trat noch der Stolz der Aristokratin und der gefeierten Schönheit. Nie kam ihr der Gedanke, daß Vetty neben ihr überHaupt beachtet werden könne. Ueberdies war sie daran gewöhnt, Huldigungen zu empfangen und ihr Empfinden zu verbergen, letzteres in solchem Maße, daß Viktor mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangte, der lange Hohenau habe sich, wie er selbst, über jenes mehr als verwandtschaftliche Faible gründlich getäuscht.was zwar einerseits seiner Eitelkeit einen derben Gtojj versetzte, andererseits ihm jedoch zur Beruhigung gereichte. Sie erschien ihm anders, bedeutender, als er sie früher angesehen, flößte ihm Respekt ein. Es schien ihm, als lerne er erst jetzt ihr innttst.es Wesen kennen und entdecke da eine Charakterstärke, welche ihm dringend anricth. sein Spiel nicht über zu nichte verpflichtendenNeckereien hinauszutreiben. Diese soeben geschilderte WeiterentWickelung fand natürlich erst allgemach statt. Dank der Liebenswürdigkeit seines Generals 'und dem Fleiße seines Brigadeschreibers blieb Biktör genügend Zeit, wöchentlich mehrere Male nach Wildenhof zu reiten. Der Kammerherr, der diesen Besuchen jedenfalls andere, als die thatsächlichen Beweggründe unterlegte, störte selten durch
ferne Gegenwart; Frau von Leist fand es behaglicher, rm Salon Missionsberichte zu lesen, als in der rheumatismusdrohenden Grotte dem sehr weltlich gefärbten Geplauder eines Lieutenants zu lauschen so blieben die Drei fast beständig sich selbst überlassen. Betty in ihrem Glllcksgefühl stets von der geHeimen Furcht gequält, von ihremBruder überrascht zu werden, obwohl er auch an den Abenden mit seinen Arbeiten beschäftigt oder sie mit WUrzburg, dem Inspektor und dem Pastor verplaudernd wenig danach fragte, wie sie die ihre verbrachte und sich anscheinend um die häufigen Besuche dcsLieutenants durchaus nicht kümmerte. So mochten seit dem ersten Besuche Viktors etwa drei Wochen vergangen sein, eine verschwindend kurze Spanne Zeit und doch genügend, in drei junge Menschenherzen unauslöschliche Funken zu werfen, welche nur der Gelegenheit des anfachenden Windstoßes harrten, um in helle Flammen auszubrechen. Nach einem heißen Tage raunte der Abendwind erfrischend seine geheimnißvollenWeisen durch die altenBäume, die feurigen Tinten am Horizont erblaßten allmälig, über die Landschaft legte sich jener duftige, silberschleierartige Hauch, der dem nordischen Som merabend seinen eigenthümlichen, weh-müthig-friedlichen Reiz verleiht. Die Drei in der Grotte empfanden nichts von diesem- wundersamen Zauber, in ihnen und um sie woben andere Mächte ihr bestrickendes Gespinnst. Die beiden Mädchen saßen auf der Felsenbank, ihnen gegenüber auf einem Gatenstuhl Viktor von Ruwer, der in dem für Un eingeweihte kaum halbverständlichcn Jargon seiner Kaste ein lustiges Manövererlebniß erzählte. Die Geschichte selbst war ihm wie seinenZuhörerinnen Nebensache; er verstand es jedoch vorzüglich, feine, vielsagende Anspielungen untersließen zu lassen wie blind ist die vom Gifthauch der Eifersucht noch unberührte Liebe, zumal wenn sie die erste, ihrer selbst kaum bewußte ist! eins der Mädchen ahnte das Feuer, das heimlich in der Brust der neben ihr Sitzenden brannte, jede bezog jene versteckten Andeutungen nur auf sich und glaubte sie von der anderen unverstanden. Und wie ein Steuermann sein Schiff durch ein Meer voll Untiefen und Klippen lenkt, lavirte der Lieutenant mit seinen Worten so geschickt.daß auch erfahrenere Frauen hätten irre werden müssen, welcher von Beiden seine besondere Aufmerksamkeit galt, ja, ob eine solche überhaupt in feiner Absicht lag. ' Er war eben bei der Pointe seiner Geschichte angelangt, als ein sonores Guten Abend!" , dazwischen fuhr. Auras ging langsam voürber, offenbar erst von einem Ritt über die Felder zurückzekehrt. Erbleichend fuhr Betty empor und stammelte eine verwirrte Ausrede, die er gar nicht beachtete, da Viktor die günstige Gelegenheit benutzte, sich ihm vorzustellen. .Entweder befand sich der Direktor in ausnahmSweise'zugängliche? Stimmung, oder die verbindliche Liebenswürdigkeit Viktors behagte ihm wirklich, oder ein noch anderer Grund leitete ihn. genug, schon nach zwei Minuten saß er auf dem Stuhle des Lieutenants, welch' letzterer neben seiner Cousine Platz nahm. : Betky war, etwas von Abendessen und Küche murmelnd, davon gehuscht. . Durch den unumgänglichen Verkehr mit bürgerlichen Kameraden und Vorgesetzten, überhaupt mit weiteren als den exclusiven Hofkreisen, besaß Viktor von Ruwer sehr wenig von dem maßlosen Adelsstolze seinesVaters, für den auch sein ganzes Temperament, nicht angelegt war. ' Einestheils wußte er sehr wohl ' den Mann zu schätzen, der noch in so jungen Jahren für eine so verantwortungsreiche, selbstständige Stellung wie diejenige des'Generaldi rektors berufen worden war, anderen theils fühlte er wohl auch das Bedurf niß, sich mit dem Bruder der Geliebten auf nnen möglichst guten Fuß zu ftel len . . . . er bot demnach feine aanieUn-
terhaltunzsgabe auf und verwickelte ihn in eine Unmenge landwirtschaftlicher Erörterungen.wobei er allerdings mehr Originalität als Nichtigkeit der Anschauungen bewies und mehr als einmal ein herzliches Lächeln des Direktors hervorrief. Dann kam man auf Pferde undMilitärverhältnisse zu sprechen, und schließlich spielte sich das Gespräch auf allgemeinere Stoffe hinüber. Brunhilde war starr vor Staunen, anfänglich über ihres Cousins unangebrachte Herablassung, wie sie es nannte, dann noch mehr über Auras. Seit jener Scene in der Grotte hatte sie seine Begegnung ängstlich gemieden, er die ihre so wenig gesucht wie vordem. Durch sein räthselhaftesBetragen auf's tiefste verletzt und beleidigt, war sie, nach dem kurzen Aufflackern einer günstigeren Beurtheilung, wiederum nur , zu geneigt, in ihm, nach Onkel Edmunds Ausdruck, einen verkappten Anarchisten zu sehen, der sich in den Mantel starrer, bürgerlicher Tugend hüllte, um, durch die Seltsamkeit der
Verhältnisse begünstigt, seinem niedrlgen Haß und Neid gegen d:e hoher gestellten Gesellschaftsklassen in lleinlichen Chikanen Luft zu machen." Freilich erfuhr sie auch, daß er in den besten Häusern der Nachbarschaft verkehrte, daß seine Untergebenen ihm, so sehr sie seineStrenge fürchteten, ein unbegrenztes achtunas- und nebevollesVertrauen entgegentruzen, und dann drängte sich ihr immer wieder von neuem die un-. lösbare Frage auf: Warum erweist er nicht auch mir die Freundlichkeit, diealle Welt rühmt? Warum stieß er mich zurück, da er für den ärmsten Tagelöh-; ner stets ein williges Ohr. ern gütiges Wort, eine hilfsbereite Hand hat? Was that ich ihm zu Leide?" Viktors häufige Besuche . drängten dieses Interesse in den Hintergrund, ohne es zedoch ganzlich vernichten zu können. In mancuen stillen Stunden, die sie träumend in ihrer Grotte verbrachte, trat Auras' Gestalt wie ein drohendes Räthsel vor ihr Auge, und ihre Seele flüchtete erschreckt m das Heiligthum ihrer Liebe. Der Gedanke an Viktor war der Schild, mit welchem sie sich gegen den vermeintlichen Feind und gegen die eigenen Gedanken, die wider ihren Willen immer wieder zu diesem zurückschweisten, zu schützen hosste. Und nun faß der Gefurchtste vor ihr, trotz feines bescheidenen, verstaubten Anzuges in der Haltung eines Gentleman. Auf seinem kräftigen, klugen Gesicht thronte "ein unbefangenes Lächeln; von seinen Lippen klangen harmloser Scherz , und verständiger Ernst in fesselnder Wechselrede. ,Sie fchämte sich plötzlich, ihrer Scheu und warf ein Wort in die Unterhaltung ein.. Ehe sie recht begriff, wie es geschah, war sie lebhaft ganz darein verwickelt. Viktor erzählte von einer italienischen Sängerin, deren südlicheSch'önheit und Leidenschaft er, vielleicht in demGedanken an Bettys dunkle Locken undFeueräugen, etwas schwärmerischer als gebührlich pries. Kein Mann hätte ihr widerstehen können, wenn sie gewollt," schloß er mit Ekstase. Und keiner würde ihr treu bleiben, wenigstens kein Deutscher," entgegnete Auras. Diese südliche Leidenschaft mag unwiderstehlich hinreißen, fesseln kann sie nicht. Ich und damit spreche ich wohl für das deutsche Gemüth überhaupt ich liebe am Weibe, die ruhige Klarheit, die weiche Innigkeit, die dennoch des zielsicherenDenkens und verständigen Handelns nicht entbehrt. Als Gefährtin meines Lebens könnte ich mir weder eine charakterlose, hübsche Puppe denken, noch eine Frau von unberechenbarer, rastlos glühender Leidenschaft wenn ich auch nicht," fügte er in scherzendem Tone hinzu, behaupten will, daß nicht die eine oder andere mich für einige Zeit um mein bischen Verstand zu bringen vermöchte.Es geht uns Deutschen darin wie mit der vielgepriesenen Schönheit Italiens. Ich habe sie kennen gelernt, das unvergleichlich tiefe, leuchtende Blau, das sich imGo'f widerspiegelt, die feurige, rothgoldene Sonne, die auf blühenden Ole-ander-und Orangenhainen brütet, die märchenhafte, purpurne Abendgluth und die flammenäugigen, dunklen Weiber am Strande und blassen Principassen in der Toledo Straße ich war berauscht, wie in ein Feenland versetzt sieh Neapel und stirb! Ach, schon nach wenigen Wochen ist es zu viel der Sonne und Gluth und flammenden Pracht, man stirbt höchstens vor Heimweh nach einem deutschen.mildenMondscheinabend oder stürmischen Herbsttage in einem deutschen Eichenwalde und würde die ganze blüthendurchdustete, strahlende Herrlichkeit dahingeben für ein tüchtiges, heimathliches Cchneewetter, und alle die schwarzgelockten FZschermädchen und Principassen für eine blauäugige, blonde, deutsche Frau. EZ ist nur das Fremdartige, was uns im Augenblick gefangen nimmt, doch auch nur für den Augenblick."' : Selbst verrathen Sie schwärmen also für Blondinen?- lachte Viktor. ' Sckwärmen? das liegt, hoffe ich. überhaupt nicht in meiner Natur, doch hege ich in der That eine gewisse Vorliebe für ein Frauenauge, das. den sanft gefärbten heimathlichen Himmel wiver zu spiegeln scheint und zugleich den Himmel eines reinen, klaren Ge müthes, wie nicht minder für-das'fei denweiche Haar, das sich in goldschimmernden Ringeln um eine weiße, kluge Mädchenstim legt." , Es war inzwischen so dunkel gewor den, daß Brunhalde den .neckenden Blick, den Viktor ihr zuwarf, wohl nicht bemerkte. Sie stand . auf . und ging, nachdem Auras sich verabschiedet. mit dem Lieutenant nach dem Schlosse zurucr. . Euer Vorurteil gegen tn Direk tor ist mir absolut schleierhaft sagte dies uach einigen. Minuten des
Schweigens. Denzlcichen kann naturlich nur in einem so traurigen Spinnwebenwinkel wie VroLhausen
groß wachsen. Demokrat, Anarchist, unleidlicher Rechthaber Nonsens! Er hat einen kapitalen Prerdeverstand, ist Nefervelieutenant bei den Jägern, überhaupt ein ganz patenter Kerl a la bonheur! Daß er sich in seiner Stellung von Papa nicht commandiren läßt, kann ihm doch kein vernünftiger Mensch übel nehmen.- Was habt ihr eigentlich gegen ihn?" Brunhilde schwieg. Auch wenn sie gewollt, hätte sie keine Antwort zu geden Vermocht. . . : Kann mir s denken, verschrobene Standcsvorurthcile . . . . Du lieber Himmel, die spuken nur noch in Euren KSpserr herum. - In der Welt, wie sie faktisch ist, regiert die Frage: , was kannst Du, mit Derneni Kopse oder Deinem Geldbeutel? ... Und darin ist er mindestens meinem Herrn Papa entschieden über, leider brummte der Lieutenant und- bot ihr kühler als sonst die Hand zum Abschied. Als sie eine Viertelstunde spater beim Entkleiden ihre Zöpfe aufgeflochten, trat die Erinnerung an Auras' Worte in ihr Gedächtniß. Der übermannshohe Toilettenspiegel warf ein bezauberndes Bild zurück: schimmernd wie geschmolzenes ' Gold und elastisch wie die zartesten Seidenfäden' wogte die aufgelöste Haarmasse in gleißenden Wellen über die vollen, weißen Schultern, sich den edel geschwungenen Formen der kräftig schlanken Gestalt anschmiegend, bis an die Kniee hernieder. Lächelnd wog sie einen der Strähne in der Hand wenn er diese zarte und doch wuchtige, goldslammende, üppige Fülle sehen könnte?! . . . Sie erschrak über sich selbst, wurde blutroth und löschte rasch die Lichter aus. k. V. Nach zwei Tagen voll innerer' Unruhe war Brunhilde zu einem sie selbst überraschenden Entschluß gekommen. Sie wollte zum ersten Male als Herrin von WUdenhof Gäste empfangen, allerdings in engster Beschränkung., Onkel Edmund und Viktor, Auras und Betty, Würzburg, , der Inspektor .mit seiner Frau und der Pastor mit Gattin und Tochter, das waren mit ihr selbst und Frau von Leist, sechs Damen mnd sechs Herren, just die passendste Zahl. Die fromme Gesellschafterin entsetzte sich anfangs der dem Gedanken, ,. mit Auras, in welchem sie den leibhaftigen Antichrist fürchtete, nochmals an demselben Tische sitzen zu müssen, ließ sich aber sehr bald durch die Erwägung beruhigen, daß dieses Diner das-ge-ringste" zulässige Maß der Nepräsentationspflichten einer Gräfin Wildenhof bedeute und namentlich der Direktor und der Oberförster durch mancherlei Aufmerksamkeiten z. B. die Ausschmllckung der Grotte sich ein begründetes Äccht auf diese' übrigens selbstverständliche Höflichkeit erworben. Mit dem etwas unvermittelten Ausspruch: Denen, die auf reinen Wegen wandeln, müssen alle Dinge zum besten dienen" setzte sie sich dann bereitwilligst hin und schrieb selbst die Einladungskarten für den nächsten Sonntag. Auras sandle seine Zusage ebenfalls schriftlich. Er schien noch mehr beschäftigt als sonst, so daß Brunhilde ihn nur ab und zu von weitem sah oder seine markigeStimme vom Wirthschaftshofe herüberschallen hörte. Sie fand eine gewisse Befriedigung darin. In Gegenwart Anderer, an der Seite Viktors hoffte sie ihm sicherer entgegenzutreten,, als bei einem Alleinsein. Die von ihm nun selbst versuchte freundliche Annäherung sollte durch das Diner bekräftigt und zum dauernden, ungezwungenen Verkehre werden. . , Der Nachmittag des . Sonnabend brachte ein heftiges Gewiter. Es erregte ihr ein eigenthümliches Gefühl. die von einem fahl gelblichen Schimmer überhauchte, tiefgraue Wolkenwand zu betrachten, die sich in schräger Richtung auf das . Gebäude niedersenlte, in kurzen Zwischenräumen von grellen Blitzen zerrissen, deren Flammen das noch eben kaum erkennbare Schloß mit seiner Umrahmung alter Bäume wie ein leuchtendes Bild scharf aus dem Dunkel hervortreten ließ ... so schwer und dunkel lastete auf- ihrer Brust, ein schwüles, drückendes Gefühl, doch kein Blitz brachte Klarheit und Erkennen., Selbst der Gedanke an Viktor vermochte den beengenden Bann nicht mehr zu lösen. ' Er war der erste Mann gewesen, der ihr näher trat, 'als sie das Pensionat verlassen. Seine Ritterlichkeit und Liebenswürdigkeit nähmen sie vom. ersten Augenblick an gefangen. Selbst ' der 'nonchalante Ton,, den er bisweilen anschlug, hatte für sie etwas Bestricken? den. es galt ihr als der Ausfluß eines Charakters, der sich über die Alltäglichkeit zu erheben weiß. In einseitigen Standesvorurtheilen aufgewachsen und trotz allen natürlichen Rechtsgefüh les noch immer befangen, bisher in einer Welt lebend, die, mit geringen Ausnahmen, auch sich selbst gelten läßt hielt sie, leicht erklärlich, den glänzenden, äußeren Schliff für das Wahrgeichen einer ebenso tadellosen Gesinnung den Mann-der vollendeten Formen für den Mann von gleichem Charakter. Und Blktor war ein eleganter. glänzender CavaNer, er war auch ein gutmüthiger. wscher. durch emen gewissen (jjvnt an ziehender, hübscher junger Mann ; der ferne -kleidsame uniform mit ,'unuber trefflichem Chic zu tragen wüßte wie hatte ihn das unerfahrene, zunge Mädchenherz nicht lieben sollen? . .'. In Wildenhof fühlte sich Brunhilde ciif einen anderen Boden gesteNt. Selbst Viktor.däu.chte ihr bisweilen keine feste Sjutze. mehr , m diesem ?. haltlosen Schwanken. Was war es. das sie Ber gleiche ziehen ließ zwischen ihm und dem Manne, der. ihm so unähnlich, in
keiner Weise blendete, ihr nur wie in mü'hsam verhaltenem Groll begegnete, und ihr doch einJnteresse abzwang, des sen sie sich vergeblich zu erwehren ver suchte? Ein Interesse freilich, fast wie jene dunkle Gewitterwolke, gipfelnd in der. bangen "Frage: Was wird sie brin gen, befruchtenden Segen oder gcwalt same, unbarmherzige Bernichtung? Da flogen . ihre .Gedanken, aufge scheuchten Vögeln vergleichbar, die ver, geblich eine friedliche Zufluchtsstätte su chen, rastlos vÄl dem einen zum an dcrn, als zu ihrer Ueberraschung Auras langsam durch den Park daher kam. in dem hochangeschwollenen Teichabfluß die Schleuse zog und dann seine Schritte nach der Grotte lenkte. Vor sichtig wich sie in den tiefsten, jetzt völ lig dunklen Hintergrund zurück. Am Eingange blieb er stehen, befestigte einige vom Wind, und Negen losgerissene Epheuranken.und schaute nun, die Hände in den Taschen seines Gummimantels, zwischen den Lippen die mühsam qualmende Cigarre,' ruhig in das Toben der Elemente hinein. Offenbai hatte er von Brunhildes Nähe keine Ah nung. Sie wagte kanm zu athmen, aus Furcht, sich zu verrathen ... Da fuhr in unmittelbarer Nähe ein Blitz nieder, Strahl und Donner im nämlichen .Augenblick, das alte Mauerwerk in sei nen Grundvesten erschütternd, so flam mend und betäubend, daß Brunhilde in der. Verwirrung des Schreckes mit einem lauten Schrei dem Ausganz zu eilte. W ist hier?" wandte sich der Di.
rektor herum, 5ie, Gräfin? Darf ich ins Schloß bringen oder jemand den Jhrenholen' - seine Züat deuteten eine fast angstvolle Betroffen heit an.' , . " .' . . . I Ich danke Ihnen, ich fürchte mich nicht, antwortete ste mit hochmütiger Ablehnung. Nur die unerwartete Näh des Schlages erschreckte mich." j JZx traf die alte Linde dort am Ro. ' senrondel. Wie schade um den Baum, trotzdem er bereits halb aboestorben war" Brunhilde trat an die Portalöfsnung heran, fo daß einzelne Regentropf auf ihr unbedecktes Haupt und Gewand ' spritzten, wo sie. wie Perlen funkelnd. hängen blieben. Den vom Ansatz der Aeste an in vier klaffende Theile ge. spaltenen Baum mit e nem aleichgilti. ? 3 zuvor Ganz recht." lachte AuraZ bitter, der Baum hat seine Schuldigkeit ge." thau, nun er alt und unschön geworden fort mit ihm!" Her? Direktor!" Gräfin Wildenhof!" ' Die scharfe Gegenrede ließ Brunhild, erkennen, auf welchem falschen Wege sit sich befand, Sich wieder aus die Fcl senbank niederlassend, fagte sie: Welche Pietät für einen Baum! 2öei Ihnen hätte ich sie am wenigsten ver muthet." Und warum das?" Weil Sie alles hassen, was Andere? durch Herkommen undAlter ehrwürdig, geheiligt erscheint, weil my.it i. nts 4 CUtll IUJ Wfc uufcliv uuviifru uiuji vw Mstn Nmnen Wildenhof un? Ru. !?."'.?buhnd E)rfurcht UHU -UCilUUIl Ulll, ttUUUAlfc UUIUJ mit einer ironischen Verneigung. Ich höre mit Zerknirschung das Echo deZ Herrn Kammerherr von Ruwer." Und dasUrtheil meiner eigenen, bit, teren Erfahrungen!" Der Ihrigen, Gräfm?"... Ein flüchtige Rothe stieg Auras in dieWan, gen, fein Ton klang betroffen .. . Ich hoffe doch, daß ich stets meine " Pflicht erfüllt habe," siel sie ihm tv bittert ins Wort, das ist doch wohl die Deckung, hinter welcher Sie SchuZ l ' r V 5 i r et rvv zu lucuen gewoynr imoi uxit oequem verbirgt sich dahinter der kleinliche Neid und Haß,, wie gefällig bemäntelt sie jede Demüthigung der höherenKaste. jede schroffe Selbstüberhebung! Ich dulde das alles, weil ich es muß, ob wohl ich es nicht verstehe, kaum für möglich halten würde, erführe ich es nicht schmerzlich genug an mir selbst. Trat ich mit unberechtigten Ansprüchen an Sie heran, so geschah dies nur an fänglich in einem Verkennen - der that sächlichen Berhältnisse, welches dem unerfahrenen Mädchen wohl minder hart anzurechnen gewesen wärr als Sie gethan haben. Ueber meine nieder drückende Ohnmacht belehit, die mich mancher Andere-wohl mit edleremZart gefühl minder hätte empfinden lassen stellte ich kein unbilliges Verlangen mehr, wenigstens nicht wissentlich, trug Ihnen eine- anspruchslose Freundschaft an mein Wunsch nach einem friedlichen. wenn nicht Zusammenleben, - sodoch Nebeneinanderhergehen konnte nicht verkannt werden, xund- dennoch treten Sie mir mit einer rathselhaften 'Feindseligkeit entgegen, für welche ich v. m c r v . leinen aneccen runo smoe. als einen urtbeilslofen Haß gegen den Stand. dessen Angehörige ich mich mit Stolz nenne."! Brunhildes. Muth wuchs an ihren eigenen Worten empor, und sich nneder erhebend, r fuhr sie mit- flam mrnden Augen und schneidend hochwüthigem Tone, fort: Ja, ich wieder hole eJ, ob es Ihnen, auch lächerlich oder verdammenswerth erscheint: ich nenne mich, mit Stolz eine Wildenhof, ich em pfmde.mit. maßlosem .Selbstbewußtsem die, Zugehörigkeit zu einemStande. der seit Jahrhundcrrm die Geschichte des Vaterlandes in erster Linie schaffen half 'deQ stets die 'Blüthe der Nation bildete,' in der vordersten Reihe stand für König und. Thron, . noch heute in je der Stunbereit ist; fern Blut für sie. z verspritzen!" (Fortsetzung folgt.)
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Noch immer beschäftigt sich die Pudliziftik der alten Welt eifrig mit dem In halt der Unterredung zwischen dem Papst und Kaiser Wilhelm II., und namentlich nimmt die Phantasie und llombina'.ionsgcbe der französischen und italienischen Helden der Fean einen außerordentlich kühnen Flug. S schreibt beiipiclsweise der Pariser Co? respondent der Tribuna" Folgendes' Elsaß und Lothringen werden sou verän unter Qberhobeit des Papstes, der seine Nesiocnz in Straßbiirg nimmt. Alle Staaten garantiren die Ncütrali tät dieses päpstlichen Belgiens. Italien occupirt dcn Vatican, in dem jedoch ein päpstlicher Legat residirt. In Folge dieser Combination verständigen sich Frankreich und Deutschland und erste res verpflichtet sich, in Frieden-zeiten nicht mehr als 200,000 Mann zu ha! ten, Italien und Oesterreich nur j 100.000. Ruöland erhält freie Hand im Vatican Oesterreich vergrößert sich auf Kosten der-Türkei und Italien er hält mindestens- das Trentino und Tri polis." Cs wird schwer zu entscheiden sein, wem hier die Palme der Naivetät ge bührt: dem Correspondenten, der daZ Märchen nacherzählt, dem Erfinder, der es ausgesonnen, oder dem Blatte, daZ es gläubig aufgenommen hat. Noch einen Schritt weiter geht der römische Correspondent der Times". Dieser weiß nicht blos, was Kaiser und Papst miteinander besprochen haben, sondern auch, was sie nicht miteinander gesprochen. Seine Erzählung lautet: ? d Lage der rtc rtU n V III I I 1 1 I II 1111 111 11 11 ll UL11 AL.Llllk-l I 1 L 11 Wunsch aus, das Seinige zu dieser He bung beizutragen. Ter Kaiser erwi hn-ti fr stimm mit den Anickauunaen des Papstes überein: er habe in dersel. den Richtung für die Besserung' derLage der Arbeiter gewirkt. AlZdann berührte der Papst die allgemeine poli tische Lage nnd bemerkte, er sei conser vativ in seiner Politik, monarchisch in feiner Gesinnung; aber wenn eine an dere RegierungZform in einem Lande sich befestigt habe, erkenne er sie selbst verständlich an und bestrebe sich, gutk Beziehungen mit der Regierung zu un terha ten. Er bedaure die Neigung zu Jl,'w.,C t!"?"".4 S VPXt-tli?mtt3 Ttifohtlltl nii V(3 lUUUUI17lilU3 vt rnioviui vv Tapet zu bringen, noch wurden im Laufe der Unterhaltung die weitliche Macht des Papstthums, die deutsche Militärvorlage, oder die Rückkehr de, Jesuiten berührt." Ter Vollständigkeit wegen sei auch das Journal de .Paris erwähnt, das in .Uebereinstimmung mit dem Correspon denten der Tribuna Kaiser und Papst die Frage einer allgemeinen Abrüstung und die Anregung der Abrüstung durch den Papit veryanvein lanr, auLcroem aber die päpstlich: Genehmigung der Berheirathung des italienischen Nron Prinzen, mit einer deutschen Protestant! schen Prinzessin zum Gegenstande de, j Unterhaltung macht. So viel ist nun durch die positiven und durch die negativen, durch die UN : 1 f .. . . v v X. v t MilärI im Vatic, nicht nör. . tt m,dn ist. Frei nach Heine. Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen Da hat der Schneider Nadelöhr Den Handel" angefangen. Das Jahr darauf im Monat Mai, Als alle Knospen sprangen. Da sah man an der lLadenthür Die rothen Siegel, prangen. Verhän g n iß volle? Schwur. Er liebte seine Frau in nig, wahrhaft, hingebend, so wie ein treuer, braver Mann sein Weib nur lieben kann. Und sie, nun, sie liebte ihren Mann auch, wie eine Frau einen Mann eben lieben kann, mit Grillen, Ohnmachten, Gardinenpredig ten ic. Er aber wünschte, daß sein gu tes Weib stets heiter, und wohlgemuth sei, und darum schmerzte es ihn tief in der Seele wenn er sein holdes Frau che so oft ohnmächtig in den Seffe! sinken sehen - mußte, wenn er sie bet schlechter Laune fand, wenn sie schmollte. So vcrzing das erste Ehejahr. Da eines Abends raffte sich der gute, edle Mann zu. einer Heldenthat auf. E? schwur, eher sterben zu wollen, wenn es- ihm nicht gelänge, ein. Mittel zu sin den, wie er sein herzinniges Weibchen, welches er so sehr liebte und glücklich wissen wollte, von ihren Launen un Ohnmachten, befreien könnte. Er schwur, schlief ein, . lag morgens todt im Bette.- . - Ein kleinerUnrerfchieo. A: Sie sind bei MayerS Liebkmd im HaAZ. Wie zum Kuckuck haben Bit denn das gemacht? B.: Sehr ein fach; ich habe der Frau vom Aause ge sagt. -man könne sie von ihrer Tochter nicht unterscheiden! 23.: Teufel, das rst qescheiöt! So mach' ich's auch. ; ()laä) ach4 Tagen.) B.: Nun. Freund, so verstimmt? V.: Ja, ich, habe zum heutigen, 'Balle .bei MayerZ keine EinZadunz bekommen. 23.: Nicht möglich!. Haben Sie denn mei nen 3!ai befolgt? A.: Und wie! Ich sarA, die Alte just nicht und sagte der Tcrer deshalb, man könne sie voll der Mutter nicht unterscheiden! --Selbsterkenntnis. Schreib' icknun an meinen Geliebten : Deine theure Ella," oder .Deine treue Ella." w! Ich glaube, theure ist doch richtiger k '-Gedankensplitter. Die Schürzung des Knotens- bewirken in den meisten Lust Schau und Trauer spielen Weiderschürzen.
