Indiana Tribüne, Volume 16, Number 249, Indianapolis, Marion County, 28 May 1893 — Page 2
MauruS Jokai al5 Zldvocat. Tem ungarizch.' Blatte LVcrwedelc Lapja entnimmt daZ Neue Pester Ionr nal folgende Plauderei : Anläßlich der bevorstehenden Erwhlung Mori Jokai'S zum Ehrenmitglicdc der Buoa bester Ad?o!atcilkammer wird es nicht uninteressant sein, der Thätigkeit Iokai's als Advokat einige Worte der Er innerung zu widmen. Es giebt kaum ein größeres Vergnügen, als dem ge feierten Dichter zuzuhören, wenn er ein jclne Taten aus dem reichen Schatze seiner Vergangenheit hervorholt und mit dem ihm eigenen bezaubernden Humor die kleinen Begebenheiten seiner Lebenögesch-.chte zum Besten giebt. Solche kleineren Begebenheiten sind auch die, die mit seiner Advokatur praris in Verbindung stehen und die er selbst zu seinen angenehmsten (Sri nerungen zählt. Wiewohl nicht zum Juristen geboren, gedenkt Jokai auch heute noch mit Freuden des in den Gerichtskästen so haung sich zeigenden unbeabsichtigten Humors und des glan zenden Erfolges der ersten und zugleich letzten Prozeßangelegenheit, in der er als Vertreter 'der kläoerischen Partei
fungirte. Indem erwähnten Prozesse 1 hatte Jo'al im Auftrag einer Bierbrauerei den. Eigenthümer des damals weitbekannten Komlo - Gartens aus VertragsersüJnng :c. zu klagen. Romlo war wie Jokai erzahlt der Bierbrauerei gegenüber die Verpflich tung eingegangen, den Bierkonsum LUsjchließliä) bei ihr zu decken, außerdem oder ÄUcs daranzusetzen, damit die Käste nicht Wein, sondern Bier kon sumiren. Da geschah es aber, daß Herr Komlo unter der Hand eine grö fcere Partie Wein kaufte, und die erste Folge davo-n war. daß er seiner Verpflichtung uneingeoenk sein ganzes Streben dahin richtete, daß möglichst viel Wein von dem wunderbaren Dreißiger" getrunken werde. Wegen dieier Nichterfüllung der Ver irazsbestlmmungen klagte die Brauerei, vertreten durch den Pcster A)ookaten Moritz v. Jokai. Hma Komlo auf Schadenerfay. Zur Beweisführung aufgefordert, ließ Jokai einigfßrverten. durchgehends be!annts...z. J1Wünt Yit den Nachweis 'erbrach, ten, daß es Speisen gebe, die so wie .Fische. Mehlspeisen :c. Wein erfor iern, und wieder andere, nach denen man Bier zu trinken pflege. Nachdem diese Tepositionen der Sachvcrständigen zu Protokoll genommen waren, ließ Jokai eine ganze Schaar lustiger Zuraten, Komlo'sche Stammgaste von anerkanntem Appetit und Turst, als Zeugen vorladen. Dieselben sagten gleichlautend dahin aus, daß Herr stomlo das Menu der letzten Monate stets derart zusammengestellt und nur solche Speisen bereitet hatte, nach denen tin Mensch mit gesundem Geschmack nichts anderes als Wein hätte trinken können. Durch diese Aussagen sah Jokai die böse Absicht des Wirthes als erwiesen n und das Gericht theilte diese Auf. sassung. indem es den Beklagten nebst Verlust des bedungenen Pönales dazu verhielt, dem Kläger den entgangenen Nutzen binnen acht Tagen bei 'sonstiger Exekution zu bezahlen. Gelegentlich einer zur selbes Zeit durchgeführten Pfändung, bei der er die lepte Kuh einer armen Wittfrau hätte wegführen lanen sollen, erkannte Jokai, daß das Advokatenhandwert denn doch ein härteres Herz als das seine erfordere, und kaum wenige Monate nach Erlangung des Divloms kehrte er dieser Profession den Rücken. Und wiewohl bis heute regelrechter Advokat." meinte Jokai im scherzhasten Tone, hab? ich dennoch nie unterlassen, von Zeit zu Zeit gleichsam als Nebenbeschäftigung auch die Litera tur zu kultiviren. Sein Diplom erlangte Jokai im Jahre 1840, also im Alter von 20 Jahren. Das Diplom wurde laut altem Brauch in den Kongregationen des Pester Eomitats und der königl. Freistadl Komorn publizirt, mit dem amtlichen Vermerk, daß die Kommis. sion die Prüfung für lobenswerth befunden. Warum Jokai. der bekannt, lich stets zu den besten Schülern zablte. gerade bei der Advokatencensur nicht ausgezeichnet, sondern blos belobt wurde, das hat w Jokai dem Schreiber dieser Zeilen lächelnd er. zählte seinen Grund darin.'daß die glänzend bejtandene mündliche Urii fung durch die schriftlichen Aufgaben stark beeinträchtigt wurde. Vom Stil dieser Aufgaben konstanten die Mit . glieder der Prüfungskommission mit seltener Einstimmigkeit, daß derselbe schwach, sehr schwach sei Daß die Budapester Advokntenkammer Moritz Jokai troz seines schwachen Stils in Bälde zum Ehrenmitglied wählen wird. das gereicht der ersten Advokaten-Ver, einlgung des Landes und ihren Mit gliedern zur Ehre." Steine An svielun'a. esin. fcent: Ach, lieber Onkel, geh' doch nicht fort. Ich bin immer so traurig, wenn ich gar keine menschlichen Gesichter um mich habe! Onkel: Thut mir leid mein Junge: aber unaufschiebbare Ge schäfte . Student: Na. dann lass, mir wenigsten einige Brustbilder deä anvesyerrn zu? ejellschast hier. Vierhändig. FrauA.:Me!n jiemn und ich spielen jeden Abend zu sammen vierhändig Klavier, ein der tiaer Genun aebt unmusikalillden Leu ten natürlich vollständig ab. Freu B. (plqmrt): Unmusikalische Leute wls sen sieb scbon auf andere Weise m amü siren. mein Mann und icd (vielen iede Abend zusammen sechsundsechSzig such vierhändig: Sentenz. Ueber Zwei Dinar soll man sich nicht ärgern: nicht über loicye, oie nttyr meyr zu andern sind uns rnazt uoer oiqe, Die noch zu an fccrnjino. Allü eine Auskunft Papa, was ist denn eigentlich Lethe? Vaz war oer allen rleqen ager bier! -
Für unsere Frauen. ' V,n S. ReigerSberg.
Mit gift'gem Weib ist lebenslang gequält. Wer sich ein Weib der Mitgist wegen wählt; Denn Gift bleibt Gift, von welcher Art eS sei, Und solche Hochzeit ist (Liftmischerei. H. Hoffm ann. . Wenn der Dichter gesagt hätte, ron ein Weib nur der Mitgist wegen wählt", so hätte er unbedingt Recht ge habt, und ein Mann, der sich bei der Wahl seiner Gattin lediglich durch die Größe des Vermögens bestimmen läßt, welches sie. mitbringen wird, der ver dient nicht allein kein Mitleid, sondern es geschieht ihm vollkommen Recht, wenn er sein ganzes Leben lang an dem frei willig eingenommenen Gift -zu leiden hat. - - ' Wie jedoch das Verschen ohne das entscheidende Wörtchen nur lautet, so istes einer jener vielen Epigramme, welche nicht allein mit dem bekannten Grau, sondern mit einem gut gewogenen Psunde Salz genossen weiden muß. Wenn sich ein Mädchen aus maßlo sem Hochmuth, Eitelkeit und Genuß sucht freiwillig und mit voller Kennt, niß der Sachlage an einen reichen Mann verlauft, so verdient sie bei dem mit ziemlicher Sicherheit zu war tenden unglücklichen Resultate des Experiments ebenso wenig Sympa. thie. wie der nur für Geld Heirathende Mann. Doch nicht alle Mädchen, die sich verkaufen oder verkaufen lassen, thun dies aus verächtlichen Gründen. Im Ge gentheil, sehr viele davon opfern sich aus Rücksicht für die Bequemlichkeit und Pflege ihrer alt und gebrechlich werdenden Eltern oder die dienstliche Laufbahn ihrer Brüder oder auch die in einzelnen Hallen schwer bedrohte Ehre, zuweilen sogar die frivolen An sprüche an einen durch legitime Mittel längst nicht mehr berechtigten äußeren Glanz ihrer Familien u. s. ro. (Zs ist nicht die Sache eines jeden Mädchens, ein solch riesiges Opfer bringen, und kein Mensch, außer einem total verknöcherten, herzlosen Egoisten, wird sie tadeln, wenn sie mit aller l5ntscbie ixct! ablehnt, es zu thun. Diejeni- ? .i . frnfA rtitä fffst. gen xftaoajcii je,.?? i.4U loser Liebe für ihre nächsten BlutZver wandten sich das Kreuz einer lebend anaen Sklaverei auterleaen, verdienen unser aufrichtiges Mitleid. Doch dies sind die Ectreme der Mit giftehen, d. h. die ganz gemeinen eld-, Wald, und Wiesen - Geldheirathen. Ursprünglich sind die Mitgift oder der Brautschatz (lateinisch dos) und' die Aussteuer etwas vollkommen legitimes; die letztere ist sogar eine durchaus deutsche Einrichtung. Unter der Aussteuer verstand man und versieht heute noch die von einer öhesrau eingebrachte bewegliche Habe, ivelche zum häuslichen und wirthschaft liehen Bedarf oder zur Bekleidung, beziehungsweise zum Putze der Frau dient. Die Aussteuer besteht neben dem Vrautschut) oder der do, und ist unter diejenigen Vermögenstheile (Rccepti tion) einer Ehefrau zu rechnen, welche sie selbst oder diejenigen, welche sie ihr geben, entweder von der Verwaltung und Nutznießung des Ehemannes aus schließen oder ebenso behandeln lassen können, wie die dos. Letzteres geschieht natürlich sehr ost, namentlich, aber in fast allen Fällen, in welchen die Aus teuer das ganze und einzige der Ehefrau mitgebende Vermögen rcpräsen. tirt. Zur cloz oder dem Brautschahe ge. hört Alles, was um der Frau willen in das Vermögen des Ehemannes zur Bestreitung der ehelichen Lasten übcrtra. ! gen wird, wozu jede Sache, die einigen 'ermögenswerth hat, gebraucht werden kann. Die des war in den ältesten Zeiten, in welchen der Mann die Frau lauste, unbekannt. Sie verdankt ihre erste Einführung der Milderung 'bei Sitten Griechenland's, wurde jedoch von d;r Lykurgischcn Gesetzgebung verboten und von der Solonischen, außer dem baaren Gelde, auf einiges Hausgeräth und drei Cewänder beschränkt. Nach dem römischen Rechte, welches zugleich die Grundlage des deutschen Rechts bildet, mußte der Vater oder der Großvater, im Nothfalle auch die Mutter der Tochter einen Brautschatz geben. Jetzt kann ihn der Schwieger söhn nicht fordern, es sei denn, dav er ihm vom Vater speciell versprochen wurde oder daß ausdrückliche Partiku iargesetze den Letzteren zur Ausstattung seiner Tochter mit einer dos verpslich ten. Heutzutage wird die dos mehr durch das Herkommen, als auf legisla ivem Wege bestimmt, obwohl es in einzelnen Ländern diesbezügliche Be stimmungen gibt. Aber das Herkomme. ist bekanntlich ebenso stark, wo nicht stärker, als alle Gesetzparagraphen, und so ist die Mit gist in bestimmten Kreisen auch heute noch eine conditio sine qua non, d. h. der liebenswürdige Schmiegersohn in pv erklärt einfach, daß er seine Braut für 500 Dollars nicht genügend lieben könne, um mit ihr die Reife durch das Leben zu wagen, aber für 800 Dollars wolle er sie heirathen, hegen und Pflegen u. s. w.. bis der Tod ihn von ihr scher det. Ob in junger Mann, welcher den Werth seiner Herzschläge so genau in baarem Gelde angeben kann, ein wünschenswerther Tochtermann ist oder n ich t, das wird die betreffende Tochter und wahrscheinlich auch ihr Vater bald genug erfahren. Thatsache ist, daß es auch solche Käuze geben muß, und daß dieselben auch Frauen bekommen. Betrachten wir die Mitgistfrage von der freundlichsten Seite, von welcher sie beleuchtet werden kann, so spricht sich in der Mitgabe einer. Ausstattung und gewisser Baarmittel das Bestreben der liebenden und vom Schicksal begünstig, ten Eltern aus, den Lebensweg der aus dem Hause scheidenden Tochter von An fana an nack besten Kräften iu .ebenen ' jdr eine möglichst behaaliche Heimath
zu bereiten und ir auch einen Noth I Pfennig für .etwaig: regnerische Tage mitzugeben. Je reicher die Eltern, : desto kostbarer sind natürlich dann '
auch die Au?stattunqsgegenstände und desto schwerwiegender ' ist der Noth Pfennig". Das Gefühl -der Eltern ist ein scbr natürliches und sie sind dafür sichtlich nicht zu tadeln. Das Unglück dabei ist nur. daß gerade diese liebevolle Für sorge für gewöhnlich eine Anzahl von Abenteurern herbeizieht, welche untcr allerlei Masken, wie die der Biederkeit u. f. w., die Goldfische zu fangen suchen. Es bleibt natürlich der Erfahrung und dem gereiften Urtheil der Eltern und auch den! hoffentlich genügend ent wickelten und selbständigen Urtheil der Tochter vorbehalten, solche Leute baldigst zu durchschauen und dann selbstredend links liegen zu lassen. Ucbrigens wäre es traurig, wenn ein reiches Mädchen, nur weil sie reich ist, unter keinen Umständen genügende An illcounasttülte oaven und mau um ; ihrer eigenen guten Eigenschaften willen begehrt' werden könnte, selbst wenn sie kein Vermögen hätte. Immerhin bleibt dem Mädchen noch eine schmierige Auf. gäbe zu lösen übrig und das ist die, aus der großen Anzahl' ihrer Anbeter denjenigcnjhcrauszusinden, der es ehr lich mit ihr meint. Und wie soll dies geschehen? Soll das Mädchen auf die Minncproben der Ritterzeiten zurückgreifen und von ihrem Veau" verlangen, daß er in voller , Turnierrüstung auf dem Söller des Schlosses fpazrcren reitet? Armer Dude, die Rüstung ' allein würde Dich schon so zu Boden drücken, daß nur mehr ein Fettflecken von Dir übrig bliebe! Oder soll der Unglücksmensch i Ritter. TelorgeZ den Handschuh seiner Schönen aus den weitaufgesperr ten Rachen von BarnumZ Bestien rci ßen oder irgend einen anderen der da malS üblichen Scherze ausführen? Da wir übrigens doch schon einmal am Fragen sind: Soll nur ein reicher Mann das Recht haben, eine Erbin zu lieben, ein armer aber nicht, weil er sich dadurch dem Verdacht der Spekulation aus das Geld der Betreffenden aussetzt?". . Und förner: Soll ein wohlhabendes Mädchen nur einen Millionär heirathen, weil sie von allen anderen Männern fürchten muß, daß sie nur ihr Geld ? i . r i fr nt r ; ivouen, wayreno iqre Perion lynen mehr oer minder gleichgiltig ist?" Und schließlich: Ist lzas Mitgift geben überhaupt in der größeren An zahl von Fällen ein Segen der ein Fluch für das junge Paar?" Die ersten beiden Fragen lassen sich nicht mit einem kurzen Diktum abferti aen. Die richtigste Antwort darauf ist wohl die, vaß in jedem einzelnen ' Falle die i Individualitäten der beiden ! zungen xtmt genauenens veosawlei werden müssen, ehe man sich ein Ur theil überiden voraussichtlichen glückli chen oder i unglücklichen Ausgang der betreffenden Ehe machen kann. Und selbst nach sorgfältigem Abwägen aller Für und Wider fällt das Resultat zu weilen ganz ander? aus, als wir erwar ten. . DäS alte Sprichwort: Gleich und Gleich gesellt sich grn" würde, auf un seren Fall angewandt, bedeuten, daß die reichen Leute auch in A?zug auf das Heirathen unter sich bleiben sollen und in den meisten Fällen geschieht dies ja auch. Doch werden auch Ausnahmen von der Regel gemacht, deren Mehrzahl leider nicht glücklich verläust. Denn auf eine , ursprüngliche arme Dame, welche durch eine reiche Heirath an die plKe eines Milllonenyausyaltes ge stellt wird und ihrem Manne und ihren Kindern daS glücklichste, sonnigste Heim der Welt bereitet, und einen armen jungen Mann, der durch eigene harte Arbeit und ebenso gewissenhafte, wie geschickte Benützung der Mitgift seiner Frau ihr Vermögen verdoppeln und seiner Familie eine glänzende Stellung in der Welt geschaffen hat, kommen Hunderte von Modenärrinnen., die, wenn sie 'einen reichen Mann bekom men, nichts Eiligeres zu thun haben, als sein Geld für kostbaren Schmuck und unnützen Pud ZUM Fenster hiN' auswerfen, und ebenso viele Tüdes, die reiche Mädchen geangelt hab:n und deren Ehrgeiz nicht weiter geht, als die Männer ihrer Frauen" zu sein, .Ei garretten zu verrauchen" u. s. w. Sehr große, ausschließlich von der einen oder der anderen Seite in die Ehe gebrachte Vermögen sind daher in den meisten Fällen nicht besonders glückverheißend für ein junges Paar, namentlich wenn der geldbringende Theil auch noch die liebenswürdige Ge wohnheit hat. dem Lebensgefährten seine finanzielle Abhängigkeit bei jeder Gelegenheit fühlbar zu machen." Dagegen gibt cZ in den breiten mittleren ' GesellschaftSschichten Fälle, in welchen sich, eine kleine Mitgist als ein wahrer Segen erweist. Nehmen wir z. B. einen jungen Mann, der eine vererbte jofotx selbstgegründete Fabrik besitzt. Die Verhältnine fangen eben an. ihm . ein wenig über den Kopf zu wachsen. ; Er kennt und liebt ein Mäd chen mit etwas Vermögen, die er ohne hin gedeirathet hatte, sowie die kleine Nrisiz überwunden gewesen wäre. An statt zu warten, gehen nun die. jungen Leute in Anbetracht der Umstände ih ren Lebensbund sofort ein. ein Fll. der einer Heirath wegen 5er Mitgist" so genau .gleicht wie ein Ei dem an der. Und doch, wer wollte sie dafür tadeln? , Gewiß ' Niemand. Daß die junge Frau vollständiges Vertrauen zu ihrem Manne hat. versteht sich doch von selbst: wem sollte sie trauen, wenn nicht ihm? Und ebenso selbstredend ist es, daß der junge Ehemann, wenn er, wie zu er. warten, aus dem richtigen Holz ge schnitzt ist, keinen Dc-llar' des Verm'ö ! gens seiner Frau u,::iüK ausgibt, son der nur, so viel davon in Anspruch ' nimmt, wie nöthig ist. um ihr gemein- . sames LebenSschifflein wieder in ruhi aereZ Fahrwasser zu lenken. Und ist
dieS ihren vereinten Anstrenaunaen ge
lungen und ihr Geschäft steht nach Jahr und Tag ebenso fest und unerschütter 'lich da, wie ihre Liebe, so werden sie sich wohl glücklich und zufrieden anein ander schmiegen und zuflüstern: Richt Tu, nicht ich. wir Beide ha ben uns das erworben. Gott er Halt's!" Hier hätten mir demnach einen Fall von Mitgist ohne Gift", der noch dazu durchaus nicht vereinzelt dasteht. Trotz dem fcheint uns das übrigens allmählich abkommende amerikanische System des Keinemitgiftgebens vorzuziehen zu sein. Ter Amerikaner geht von dem sicher lich nicht unrichtigen Grundsatz aus, daß der.enige, welcher keine Frau er nähren kann, auch nicht zu, heirathen braucht. Wer ihn aber um die Hand seiner Tochter bittet, von dem setzt er voraus, daß er ihr auch eine, wenn auch bescheidene, so doch sichere Existenz die ten kann. Das Mädchen erhält daher eine den Mitteln ihrer Eltern entsprechende Aussteuer, die Letzteren tragen auch noch die Kosten der Hochzeit von da an muß aber, und zwar mit Recht, der junge Ehemann für den Husstand sor gen. Daß die guten Alten dem Töchterchen auch später noch in die Hand drücken, was sie entbehren können, und wenn Noth an Mann geht, auch, noch mehr, als das, versteht sich von selbst, obwohl sie es sich zuweilen nicht ein mal gegenseitig zugestehen. Was immer man im Allgemeinen über die Mitgist denken mag. sicher ist Eines und das ist. daß die Eltern sich nicht wehthun sollen, um ihren Töch lern eine unverhältnißmüßig große Mitgift, vielleicht sogar auf Kosten r O fy, r - ' , 1 i!"-Ä anstatt die ,ungen Leute sich ihren eige ncn Wg erkämpfen zu lassen, wie sie es zu ihrer Zeit auch thun mußten. Wir sind gewiß große Kinderfreunde. können uns aber trotzdem der Wahrheit des uralten deutschen Spruches nich! verschließen: .Wer seinen Kindern gibt das Brod Daß er muß selber leiden Noth. ' Ist werth, daß man ihn schlägt mit der Keule todt!Ein Bauernstüklein. AuZ der Mark wird folgendes jüngst geschehene Bauernstücklein berichtet: Hatten da zwei Dörfer, nennen wir sie Schulzendors und Müllerdorf, eine ge meinschaftliche Kirche mit einem Glok tenthurm aber keine Uhr an diesem 5burm. ?to DentlicktVit frnftVr rnn6 bemerkt werden, daß die Kirche mit dem Thurm im Müllersdorf stand. Lange Jahre und Geschlechter hindurch hatten ... ... - . ' . L ' ' beide Dörfer sich be: Kirche und Thurm wohl befunden, bis eines Tages ein '' Neunmalweiser von außerhalb die Müllersdorser höhnte, daß ein Kirch thurm ohne Uhr ein klägliches Unding sei. DaS leuchtete ihnen ein und nach Reden und Widerreden und langen" Unterhandlungen mit den Schulzen dorfern wurde beschlossen, eine Uhr mit . zwei, vergoldeten, großen Zeigern anzu ' schaffen: Es war ein förmlicher Fest ' tag. als sie zum ersten Male in der Morgensonne am Thurme prangte und die ersten Schläge durch das Dorf hall ten, und im 5krüge fand fröhliche EinweilZung und erneuerte Berbrüderung ' mlin mh. ta. ODnffi.: n CJ..(. i JlVlUtll U(lltil UVll J.'lUUtl3 UUU UfUl zendorf statt. Die Müllersdorser hat ten als die Besteller die Uhr natürlich bezahlt und meldeten den Schulzendor fern den Betrag der entstandenen Un kosten. Aber nun kam das dtcke Ende: die Schulzendorfer blieben harthörig und machten nicht im Geringsten Miene, die ihnen zugemutete Hälfte der Ko . . ' ' , sten zu zahlen. Seit -zahrzehnten war das gute Ver bältniß zwischen beiden Dörfern durch keinen Mißklang gestört worden: jetzt schlug die Uhr dazwischen. Das Ober Haupt von Müllersdorf sah sich zu einem gelinden Mahnbrief an das Nach. 4 n oaroors veramakr umionn, es er folgte weder Zahlung noch Antwort. Hingegen standen die Schulzendorser, wenn sie Sonntags die Kirche besucht hatten, nach dem Gottesdienste in hel len Schaaren vor der Thurmuhr und regulirten nach ihr ihre eigenen Zeit .t? ... 1 1 T.". v 1 JL Messer mit unverfrorener Gründlich keit. Ter Grimm der Müllersdorser wuchs und endlich fand er seinen ge nüaenden Ausdruck nicht in einer
Prügelei, wie das, anderswo Brauch Der Ueberzicher paßte vortrefflich, und sein mag, wie eö sich aber für ein ge. ein Liedchen vor sich hin trällernd, bildetes Dorf der Mrt sicher nicht schlenderte Lieutenant P einem be schickt. . EineS Sonntags hatten die liebten Restaurant zu, wo er sich der Schulzendorfer wieder die Kirche be z Verabredung gemäß mit einigen Käme sucht und pflanzten sich wie gewöhnlich ' raden trcsien wollte, um noch vor dem vor der neuen Uhr auf, ihre eigenen Besuch der Vorstellung einen Abend Uhren zum Vergleich betrachtend. Aber imbiß einzunehmen. , - . da sahen sie 'zu ' ihrem schrecken,, daß DaS Lokal war gerade um diese Zen vor dem Zifferblatt der Kirchuhr ein sehr überfüllt. Eine Anzahl Stammgroßer Sack hing, auf dem weithin tische war schon fast vollständig von so
sichtbar die Zahl 50 mahnte.. Beschämt i. ::L... . X . ! . . . r 1.1 v . r oruaien ucy oie von cyuizcnoors ,un ter dem Hohngekicher derer von Mül lersdorf. Folgenden Tag traf in MüUerödorf ein Schreiben . mit fünfzig Reichsmark ein. Seitdem leuchtet die uyr roicoer Odoen gemeinden, und oie Eintracht ist ungetrübt. . Der Sammler. A.: Ich würde sehr gern 5brer freundlichen Einladung folgen, . bin aber schon bei Eommercienrath Roller eingeladen! B.: ?!un sagen Sie mir blos, was Sie immer zu diesem Eommercienrath hin zieht, zu einem Atenzchen, der auch gar t . . ; v . i - nn .w Nichts Nieren! aulweinl vl.: Ah, den scheinen feie nicht .zu kennen, recht: Die Markensammlung liegt, im, Keller! . ' : Schmeichelhaft. Gast: Jch wünschte, ich wäre schon vor einer Woche hierher gekommen!" Wirth: ' Sebr jÄmeichelbaft:'''inein 'nerr' - j Gast: Das weiß ich nicht,' über wenig stenS hatte ich den Hasenbraten dann frisch bekommen!-
der 'I'cann beptzt eine colonale Marken j l: An dem sonst so ruhigen P siel sammlung! B.: EineMattensamni Allen diesmal eine ungewöhnlich' freu lung? A.: Ja. aber verstehen vie diae . Stimmuna ans.' die sieb dutcb
Vom Negen in die Tranfe.
Humoreske von N. TümS. . Guten Tag. Lanosmann, hier schick! mein Herr dem Herrn Lieutenant den Uederzieher. dann ein in Flüsterton ge haltenes Zziiegespräch, ohne das eine Bestellung unter Ofsiciersburfchen nun ', einmal nicht möglich ist, und eine Eorridorthüre wird wieder laut dröhnend in's Schloß geworfen. Diese kleine Scene spielte sich am Nachmittag eines trüben Dccembertages im 3. Stockwert eines der modernen kasernenühnlichen Mielhsyäuser in der . Garnison L ab. j Die Außenseite der so arg mißhan j delten Eorrioorthüre zeigte auf ihren' r- , - t. . r r ! tfeiocrn recyis uns ilnis in .'canncs Höhe noch andere Acte äußerer Einmir kung. Es mußte öfter auf den Feldern ttmas geklebt oder genagelt fem. die Spuren waren noch unverkennbar. Jetzt zeigte eine kleine Visitenkarte, mit vier roth unterfilzten Messingnägcln zierlich angeheftet, den Lieutenant P. . als den Inhaber dieser Wohnung von Stube, Kammer, Küche und Zu dehör an. Nicht lange nach diesem Intermezzo, es war mittlerweile fünf geworden, kehrte P , den der Nachmittags dienst, noch dazu an einem Sonnabend , bei dem nebeligen kalten Decemberwet , ter, sichtlich ermüdet hatte, heim. Sein ? mlmuthiger Blick siel bei feinem Ein treten sofort auf den im Eorridor auf , i gehängten Uederzieher und alsbald erhellte ein Lächeln der, Befriedigung seine düster blickenden Augen. ' , He, Friedrich, schnell eine Tasse Thee, dann noch ein Stündchen Ruhe, und diesem abscheulich trüben Tag, den ai vuvuuiwii viw wvnuv uv l 11IUJI w"'b l" ha" Ich., wird ja bffntzu beleuchten die ?onne selbtt nicht lich für mich ein Abend folgen, alän zender und schöner als der sonnigste Frühlingstag." In gehobenster. Stimmung, las er einen auf keinem Schreibtisch liegenden Theaterzettel, der nach seinem zerknit werten Aussehen nicht zum ersten Male eingehend durchstudirt sein mußte, mit sichtlichem Behagen durch. . Die F!eöermans, Operette in 3 Acten von Johann Strauß," darüber in gleich fettgedruckter Schrift, heute nur einmaliges Auftreten der Soubrette Frl. A. aus Berlin," und . feine , Ge. danken wanderten traumend nach der Residenz, wo er vergangenen Herbst während eines dreimonatlichen Eom inandos so 'oft Zeit und Gelegenheit gefunden hatte, für die genannte Kunst lerin in .schwärmerischer Verehrung zu ! schmachten. ! Im Grunde genommen zog unseren 'P die, leichte Operettenmusik gar ' nicht so sehr an. Er gehörte zu jenen . rv . ii. k .. .ni! .in. w...f i 'laluren oie oas auragiicye Amu,emenl einer großen Stadt mit ihren Eoncer ten, Bällen u. s. w. wenig berührt. Deshalb hatte er daS Operettentheater inL.. .. noch garnicht besucht, aber der heutige Abend sollte eine Ausnahme machen. Hatte er sich doch wie ein Kind , schon Wochen lang auf den Abend gefreut und verehrte er doch in Frl. '5., und das mit Recht, das Ideal graciöser, anmuthigcc Weiblichkeit, Sie allein, so rühmte er ost. besäße die große Kunst, auch bei der gewagtesten Operettensituation nicht aus dem duf tigen Rahmen der Weiblichkeit herauszutreten. . . - ; S)f ttt fiMrttihjr2 QriAert ffttter I viv.v. vivvu vmw, ' Verehrung hatte P schon seit einigen Tagen ein geschmackvoll und sinnig arrangutes Roicndou.iuet für das heu , ,..? -i i.n.rn tiae Austreten bestellt. Da es unter Kameraden Sitte war. das Operettentheater nur in Eivil .. lleidung zu besuchen, so war er. der sast ,' nie Eivil trug. Anfangs in einer Irr.'.' . 5 ? i ? r w - r. schwierigen Situation gewesen, da sein hellgrauer Eivilpaletot sich nur mit den Ansprüchen eines schönen Sommertage . vertrug und bei dem abscheulichen Hundewetter zum Mindesten recht aus fallend erscheinen würde. Aus dieier . Verlegenheit hatte ihm ein jüngere, I f . V . f r V.. Zmimm Kamerad geholfen, der P. für heute Abend seinen eigenen ganz neuen Win t.'rübe'rzieher gernzur Verjügunz stellen wollte. Daher die große Freude, als P ... . bei seiner Helmkehr die Zusage als vol ! lendete Thatsache auf seinem Eorridor I fi4t..w tv (tf is 4 Hänger erblickte. Pünktlich sechs Uhr war die Toilette, die dieses Mal mit ganz besonderer Sorgfalt vorgenommen wurde, beendet. j liden, Familienvätern besetzt, die hier ' , 4 . . vor dem Ävenoenen ryren cyoppcn zu I trinken und die Stodtneuigkeiten ein ' gehend auszukramen pflegten. . i . ,nfT rf b,s iimfifr n'rnitmi. .'n Lokals war ein Tisch von Gästen . belekt, deren Kleiduna in Scknitt und Zusammenstellung schon darauf, hin wies, daß ihre Besitzer zu den tempo raren Civilisten gehörten. . An diesem Tische nahm Lieutenant P....' nach vorausgegangener Be grüßung der schon vollzählig anwesen den Kameraden Platz,, nachdem. er sich seines Ueberziehers schnell entledigt und denselben ebenso razch an einem noch 'r .f.. r - geviieoenen leloeryalen anver traut yatte. große. sonst karg bcmeffene- Mtheil samlit und auch in . einer gewissen "Unruhe äußerte , Seine Augen sprüh, ten . vrdenttich Feuer '.in Erwartung des .bevorstehenden Genusses, so daß - min scherzend meinte, P:. müsse - heute einen besonders 'glücklichen Tag i hben. Der bestellte Imbiß war bald der
zehrt, und nach einer halben Stunde rüstete sich die Gesellschaft zum Auf. bruch. Während die Kameraden in ihre Mäntel schlüpften, stand P. ... im ersten Augenblick etwas consternirt da. Hatte er sich doch in seiner ersten Freude zu Hause den gebsrgten. Ueberzicher nicht einmal ordentlich angeschen, um ihn wieder zu erkennen, und jetzt den Ort, wo er ihn gelassen, bei der Begrü ßung der Kammeraden sich nicht genau genug eingeprägt. Töch nur einen Augenblick währte diese Unsicherheit. Schnell gefaßt überblickt und überlegt er noch einmal die Situtation, dann greift er ebenso schnell entschlonen gleich rechter Hand nach dem dort hängenden Ueber zieher. Kaum hat er denselben vom Haken befreit, so ruft ihm ein .Gast vom ne begehenden Tisch zu: Mein Herr. Sie irren sich, daß ist mein Ueberzicher." Vielmals um Entschuldigung bittend, greift P nach dem baneben hängen den. Wieder dieselbe Antwort eines Anderen, diesmal schon bestimmter, und der gehört mir." Mit einer abermaligen Entschuld!gung, erhöbe sich den Platz des feinigen nicht ordentlich gemerkt, setzt sich P.'. .. ärgerlich auf seinen Platz, in der Absicht, den Oberkellner um Rath in dieser Ver legenheit anzugehen. Die Kameraden hatten unterdessen das Lokal verlassen, warteten noch ein Weilchen draußen, nicht ahnend, was dem armen P unterdessen begegnet war, und gingen dann in der Hossniing. daß derselre schon nachsolgen werde, ihrem Ziel entgegen. .Währenddem erwog P nach deutlich einen Plan nach d?m anderen, um in den Besitz seiner Garderobe zu gelangen. Noch einmal sein Glück an einem dritten Uederzieher zu versuchen wagte er nicht m dem Gefühl, daß die Sache zu ausfällig, wenn nicht gar verdüchtig erscheinen könnte. Die ursprüngliche Absicht, den Oberkellner zu befragen, ließ er schließlich auch fallen, weil er sich in dessen Augen durch die lächerliche Thatsache, daß er seinen eige nen Rock nicht wieder erkenne, nicht eine Blöße geben wollte. So blieb ihm kein anderer Ausweg, als zu warten, bis die zahlreichen in seiner Nähe hängenden Uederzieher ihre Besitzer gefunden hatten. : Eine Viertelstunde war schon ver
gangen. P tröstete lich damit. daß Fräulein Ä'.'nicht gleich im Anfang - 7 7 . I 1 der Operette aufzutreten habe. Die zweite Viertelstunde verstreicht in langem Warten ebenso. P sieht nach der Uhr, es ist gerade sieben ein Viertel und um sieben Uhr sollte das Stück beginnen. Unruhig greist er zu . der ihm zunächst liegenden Zeltung, sich zu zerstreuen. Die Buchstaben tan zen im tollsten Operettentanze kreuz n rt ?. w 1 1 it w f 4411V UUU VVl lllllltl ÜUUIU 14141UW4 Starr streift sein Blick über die Zeitung weg au die harmlos dahängen?e Gar , . ' ' ' " . . i dernd. rernslnolr irenh. was sckan hat ; emer halben stunde dort gehangen, und was neu hinzugekommen. Erhebt sich einer von den Gästen und rüstet sich zum Fortgehen, so durchzuckt sein trauriges Herz jedesmal ein .Freu denstrahl, der sich jedoch alsbald in tief oen uram, oer ucy leoocy aisoaio innci sten Schmerz erwählt, wenn durch ; d c E nqangslbür. wie gerade um die e Zeit, recht zahlreich neue Gäste hineinßrömen 'Tie verschieden, Tu. ch', die Unterlutter. d,e er nach garde und Musterung sich einzuprägen sucht. schwirrten ihm bald so wirr vor den Augen, daß er zum -Schluß über die Situation weniger oricntirt ist, als am Anfang. Seine Zunge, seine ' Kehle wird ihm trocken, deshalb versucht er seine Unruhe durch Zrinken zu ersticken. Ein ganzer Berg von Zeitungen ist ihm vom mitleidigen Kellner schon zu fammengctragen worden, aber noch im mer zeigt sich icine Aussicht, aus dem Dilemma herauszukommen. Die Uhr im Gastzimmer schlägt eben volle Stundenzahl. Jeder einzelne Schlag dringt wie höhnend an sein Ohr. 'Acht. neun, zählt er, unmöglich, aber ein Blick auf die Uhr belehrt ihn. daß ihn heute ein böses Spiel an dem besonders für ihn glücklichen Tage, wie seine Kameraden ja meinten, enogiltig um seine so lange und sehnlichst crwar rcie Freude gebracht habe. In stummer Resignation ergibt sich P. . .'. in sein Schicksal. Er gewinnt wieder eine gewisie Ruhe, die Ruhe des Berurtheilten, dem der Richteripruch verkündet ist. Er sieht schmerzlich aber gefaßt ein. daß ihm nun nichts mehr übrig bleibt, als weiter, bis zur Schi, ßung des Lokals vielleicht, auszuhar ren. . ; . . , Gegen '11. Uhr endlich begann sich das Gastzimmer zu leeren, nur in einer Ecke, nicht weit von ihm, sind vier Herren so im Spiel vertieft, daß es scheint, als werde für sie nicht so bald die Trennungsstunde schlagen. Und richtig, da hangen ja auch an der Wand die vier den Herren gehör! gen Uederzieher und zwei Haken vo, diesen ein einsam verlassener, der nach Farbe und Größe nur ihm gehören kann. : Ein kurzer Entschluß; die Zeche schnell , bezahlt und sicher, als fei ein Zweifel überhaupt nicht möglich gewe sen, hüllt sich P. ausathmend in diesen Uederzieher ein. i . Als er in die kal'e Nachtlust heraus trat, überkam ihn 5 Gefühl, als hätte er nach langer Kerkerhaft die Freiheil wiedergewonnen . ' - Beim nächsten Laternenschein mustert er vorsorglich das corpus delicti von allen Seiten. Also das war der so j schmerzlich gesuchte. Dunkelblaues ! Tuch, ein entsprechend etwas-heller far biges gewürfeltes Futter so sah das 1 Schmerzenskind au?, das er nicht ohne ' Bitterkeit zuknöpfte. k Borher jedoch entnahm er. nm jeder weiteren Lerwechslung vorzubeugen, seiner Brusttasche eine BisikÄitasche und ließ dieselbe behutsam in die rechte Sei , tentasche des Ueberziehers gleiten. ;Dann lenkte P.... deshalb seine Schritte einem von den Kameraden viel besuch
ten Eafe zu. in der Absicht, dort noch ' einen Schlaftrunk zu nehmen. Beim Eintreten in dasselbe wollte er seinen Augen nicht trauen, als er seine Kameraden vollzählig hier versammelt fand. Sie hatten nach dem Theater besuch denselben Gedanken wie er ge gehabt und fragten ihn nun neugierig, was in aller Welt ihn denn abgehalten habe, seiner Absicht untreu zu 'werden. P.. .. wich ihnen mit einer geschick ten Ausrede aus. Die Kameraden ließen sich alsdann in Lobeserhebungen über die vorzüglich gelungene Vorstellung aus. Jedes Wort drang dem armen P wie ein Dolchstoß in die Seele. Und hatt ihr nicht gesehen", warf ein junger Kamerad ein. wie die kleine A. gleich beim ersten Austreten ihr reizendes Näschen so schalkhast in die Rosen vergrub nnd welchen langen, zärtlichen, und wie mir schien, dankenden Blick sie auf unsereLoge richtete. Ich möchte wohl wissen, wer der freigebige Rosenspcndcr gewe sen ist." Unterdessen hatte sich das Cafe reich lich gefüllt. War es doch die Zeit, in der mancher auf dem Nachhausewege dachte, noch vor dem Schlafengehen bei dem kalten Wetter die Lebensgeister durch einen Grog tüchtig zu erwärmen. Man kam und ging. Auch der vertiefte Spieltifch" aus dem Restaurant war von gleichen Jntensionen beseelt eben eingetreten. Einer der Spielenden, der Referen dar von E , hatte nach Beendigung des Spiels die fatale Entdeckung ma chn müssen, daß ihm sein Ueberzicher vertauscht war. Wie ersreut ma? er daher, als er gleich beim Eintreten !cn vermißten, an der Wandsäule weithin sichtbar hängen sah. Denselben gegen sein Eigcntbum zu vertauschen, war das Werk eines Äugen blick. Uud bald darauf verließ von C das Eafe, dem Zufall dankend, der ihm hier wieder zu ' seinem Eigen thum vcrholfen hatte. . Mitternacht war längst vorüber. Endlich machte der Schlaf auch bei den begeisterten Kunstenthusiastcn seine Rechte geltend, und Alles beeilte sich zum Aus bruch. Unzer armer P.... glaubte seinen Augen nicht trauen zu dürfen, als er 'an der bewußten Wandsäule jetzt einen braunen Ueberzicher erblickte.
Vorsichtig hob er denselben auf IN der Erwartung, semblaues Schmer ?k KaviihI in llnXiM zenskind darunter zu sinden. Nichts ! sein Auge schweift im gan zen Saal umher. Vielleicht hat ihn der Kellner in besonderer Fürsorge an ders wohin gehängt, aber nichts! Seufzend zieht er ihn an und geht heim. Zerschlagen wacht P.... am näch sten Morgen gegen 9 Uhr eS ist ja Sonntag und er in tfoige oenen oicni - c . -. " ctf f ff i C m - fUj; ff"n ster Blick fallt auf arglos daliegenden braunen Ueber itnX , .in man 11 r 1 11 ff 1 1 non IVr. 1"" i-"" ö"""1 eignisze des genrlgcn Avenos lreien lym wieder lebendig vor die Seele. Gegen 10 Uhr läßt sich draußen auf dem Eorridor eine bekannte Stimme vernehmen. Auch das noch,- rur melt N... für ficb bin. wie werde . : ' .' Vm;t.r; 0 m' V. ;. .,. ;(. . ?!"" LV?S? num fon nie W r Anz . , r "'".X.i"eT M iL fT, UVli UU Mlf. 4IVl)VIIVll Vzicher hinmies. .Lieber P sag Dir der Rock denn eigentlich auch be qucm?" Jch fürchtete' schon, er .würde Dir doch etwas zn eng sein. Aber sag' mal ' selbst." dabei breitete er denselben wohl gefüllig mit beiden Händen aus. ist das nicht ein süperbes Braun, daS ich da als Tuchfarbe gewählt habe?" Weißt Tu denn auch bestimmt, daß Dem Ueberzicher braun war?" Wäs! braun war? braun ist, willst Du sagen." und dabei hält er dem armen P den Stoff vor die Augen, daß das grelle Tageslicht darauf fällt. Jetzt wurde unserem armen P die Sache doch zu bunt. Mit einem stummen Wink, zuvörderst Platz neh men zu wollen, erzählte cr feinem Freunde haarklein seine gestrigen Er lebnisie. Und Deine Visitenkarte?" fragte der Andere außer sich vor Lachen. In diesem Augenblick brachte der Bursche einen Brief herein, der soeben für den Herrn Lieutenant abgegeben worden sei. P .'. . . erbricht ihn und liest Fol aendes: ' rw -- " - cein )rrr: ' Heute Morgen fand ich in einer Ta,che meines Ueberziehers Ihre Bist . tenkarte. Da ich nicht weiß, wie die ' selbe hineingelangt ist, so theile ich Ihnen hierdurch mit. daß ich, falls Sie etwas von mir wünschen, zwischen 12 1 UU Mittags in meiner Wohnung zu sprechen bin? von E.. .., Referendar. Das klingt ja fast wie eine Förde rung." versetzte P. . .. Scheint auch darauf hinaus zu wollen. Run beruhige Dich, lieber Freund, zufällig kenne ich diesen blut dürstigen Herrn Referendar und weiß. daß er. der übrigens ein sehr liebess würdiger Mensch ist.' 'wenn ich ihm heutenatürlich mit Deiner Erlaubniß. Deine Leidensgeschichte erzähle, ebenso . über , Dein tragisches Schicksal lachen wird, wie Tu das mir .jetzt wohl gcstat test." '. Ter gute P.... aber wollte seitdem nie wieder etwas von geborgten Sachen wissen. ' ' Das i st selten. Gericht? Vollzieher (zu seiner Frau):- Heute ist mir etwas vorgekommen, was mir inmeiner Prazis noch niemals passirt ist.. Frau: Nun? Gerichtsvollzieher: Es hat einer, bei dem ich pfändete, im Gedanken Auf Wiedersehen!", zu ' mir -.ri - .
gquiji. Eine Frau lieben ifr nichts; eine Frau besitzen ist etwas ; aber eine Frau behalten das ist eiw Kunststück!
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