Indiana Tribüne, Volume 16, Number 242, Indianapolis, Marion County, 21 May 1893 — Page 7
Der Jagdschein. Cw LuÄwlz Vt$ttU Der Schnee knirschte unter nefnen Schritte, der 23ihb be strich scharf mei ne Wangen, aber ich achtete dessen nicht. Mit vollem Frohsinn dagegen gewasfnet, schritt ich stark aus. Wohl hatte ich ge ügend Zeit, in aller Ruhe jinn Bahn Hof zu raarschiren, aber es war mir, als käme ein unbestimmtes Etwas hinter mir hergesaust,' das die Macht besäße, ie bewilligende Unterschrift mein? Ur laubsgesuches in höhnende, verneinende Krähensüße zu verwandeln, um mich zu rück zu bannen in Uniform nd Dienst. Seit längerer Zeit zum trftin Mal wieder frei auf vierundzwanzig Stunden mit der Aussicht, in frischer Winterluft ine Treibjagd mitzumachen und einen yanzen Tag in der Gottesnatur unbc hindert umherlaufen zu können, ohne von Straßengewirr, Wagenlärm, Poli tik und Dienst etwa zu fehen und zu hören, das gab eine Stimmung, in der ich im Stande gewesen wäre meinen 'er gcnen Bruder zu verleugnen, falls er mich hätte zurückhatten wollen, änd meinem ärgsten Feinde zu vergeben, nenn ich mir dadurch eine Zeitvertust ersoart hätte. Die Witterung, welche ich wohl unter gewöhnlichen Umständen als Ungemüth lichkeit der Morgenstunde 'empfunden hätte, stimmte mich zetzt heiter, denn sie gab mir Hoffnung auf klares Jagdwct ter, bei dem ich etwas Kälte und Schnee gern in den Hau nahm.; kaufen die Hasen dabei doch besser. Tiefer schob ich die Hände in htn JagdMuss oder griff 'nach dem Jtintenriemcn, wenn es an ei nem Poflcu vorüberging, denn in alter Gewohnheit wollte ich die Hand zumGru tze heben, was zu Joppe und' Kalabreser sich seltsam genug würbe ausgenommeu haben. Die Gsslaternen brannten noch, als ich am Bahnhofe anlangte. Fröhliches Grüßen schallte -mir dort von einigen meiner Jagdkameraden entgegen, die gemeinschasllich mit mir die Fahrt zu rücklcgen wollten. Bald wurden die Coupes geöffnet, schnell besetzte ich einen gemüthlichen Eckplatz und stimmte in die Heiterkeit meiner drei gleich glücklichen Gefährten ein, nväurend die Andernet was von schlechtem Tagsanfang brummten, ober trotzdem unsere Gesellschaft ei nem anderen1 Goupe vorzogen. Geheimralh -Bolzen aus Berlin, der Intimus unseres Jagdgebers, und die ser selbst. Rentier Pohlert, empfingen uns aus das Herzlichste. Ich versprach dem letzteren, den Bauführer, der seine erste Treibjagd mitmachte, unter meine Flügel .zu nehmen, unö schwor mir zu, den derLiebe verdächtigen Jüngling so zu plaeiren, 'daß er keinen Schaden an richten könne. Die Wagen standen be reit, -und fort ging's nach dem Jagdre vier. Wir waren unserer vier außer dem 'Kutscher. und zu meinem Verdruß blieb der sechste.Platz frei. Gerade als ich rieinem.Jagdkttid zuwinkte, schrie der Geheimratb Bolzen dem Kutscher p.
daß er losfahren solle, und mein junger Bauführer nahm deshalb im nächsten Gefährt Platz,, wie mir schien, höchst un gern. Aber lieber Geheimratb sagte ich g .gelassen zu dem alten Herrn, mir ist daran gel?gen, den jungen Mann zu uns auf den Wagen zu nehmen ; er ist eiaganz liebenswürdiger Mensch, wenn auch, was die. Jagd betrifft wieein neu geborenes Kind." Ach was .liebenswürdig,? fuhr mich der Angeredete höchst verdrießlich an, .thun Sie mir nur den einzigen Ge fallen und halten Sie mir diesen Herrn aus meiner Nähe; er würde mir den ganzen Tag .verderben; sein Hiersein hat sichon genügt, mir die Galle in's Blut zu jagen. Wo Zoll da eine sichere Hand .herkommen .... na, da haben wir schon die Bescheerung fuhr er fort, während seine Hände ungeduldig zwi schen 5cm Wagenstroh und den Decken wühlten, .nun habe ich die verwünschte Jagdtasche auch noch aus dem andern Wagen .gelassen, es ist, um aus der Haut zu fahren. ' . . Ter Kutscher hielt. Ich überlegte, was fc'.e arme Lasche und Herr Wöhl bach unserem sich sonst so gewählt aus drückenden Geheimrath gethan haben könnten, und.uahm sie dann dem hoflich grühendcn'Herrn Wöhlbach ab, der sie ur.Z schLn.entgegenhielt,i als sein Wagen heranksm. Wir s:tzttn '.uns wieder warm znrecht, und da ter Larn meines, alten Freundes sich etwc:-S gelegt zu haben, schien, wagte ich ihn nach dem Grunde 'seiner Abnei .gung zn sr,gen. Aber dcaulkam ich schön, an. Bolzen versichert mich, .da, obgleich, er durch cus nichts Ehzzrrührigeö von Wöhlbach wüßte, derselbe ihm doch der unange nehmste,.?i.sch.aus Gölte? Erdboden. sei. .Ich habe mich. einmal dermaßen über ihn geärgert fügte er hinzu, .daß Sie mir einen Frennds.chaftsdienst erweisen, wenn Sie von ähm ganz schweigen." . Ich that's ; nuriraar mein alter Jagd kamcrad wirklich zu lieb, um .ihm das Vergnügen zu verderben. Wan.denke sich das Ideal eines preußischen Bam ten alten Schlages in eine J&gdjcppe gesteckt, und das Bild ist fertig. Dies Kleidungsstück trug ttx Herr Geheim reis), der häusig zur agd ging. aihbc soziderer Vorlirbe. Zwar habe ichie teilgenommen, bastor alte Her? jeti wa5 geschossen, aber t gab doch zwo seilte Fälle, wo ihm icht , der Tref ser geschrieben werden konnte. Dies genügen, um ant Zzgdleidenschaft sietS nem anzuregen. Mein Freund Bolzen ist Wittw und lebt z?it seiner einzigen Tochter, die r wie sollen Augapfel hüteU in einer der Vorstößen . der Haichtsttdt. Sein Weib war hm nach kurzem glücke ent risien worden. Die Erinnerung an dasselbe genügte noch heute, das etwa? zantische Wesen des echtenBüreaumen schul poetisch aushauchen.' SeLa Lott chcii war eine FSrsterötochter gewesen, und obgleich jhr Verehrer und Mann sie, stets nur in der Stadt gesehen, glau be ich bestimmt, dai dieser Umstand mei ven lieben geheime Oanzleirath in sei i:;n alttn Tagen zum Jäger gemacht otte. ' Nachdem vir eine halbe.Stunde durch die prächtige SVinteklalldchaft gefehre
waren, wue Hakt gemacht, ündeslim. ringten uns die übrigen Herren der Jagdgesellschaft. Seelenvergnügt, seine Gesellschast endlich zusammen zu, haben, vJ 2t Wirrt oi einem , um An
dern. Er ist Rentler, körperlich, pelu ., ( - - ' - - -7 - viär und moralisch im besten Stände, ein Urbild des gemüthlichen Berliners! .Schad't nischt, wir amüsiren uns doch ist sein Wahlspruch. Vergnügt sein aus alle Fälle und unter allen Umständen; das ist für ihm die Parole. Alte und neue Bekannte begrüßen sich, alte, und neue Scherze flogen hinüber und herüber und wurden, von der guten Laune abgewogen, für voll in den Kauf genommen. Die Jagd begann. Wir steckten im? die Nummern an den Hut, und rechts und links wurde zum Kesseltreiben abge lausen. Die Familie Lampe war zahlreich vertreten, und es wurde 'tapser darauf losgeknallt. Nachdem wir noch zwei Kesieltreiben gemacht hatten, ging eS in den Busch; die Schützen wurden angestellt, und bald hörten wir die Trei der. Wäbrend verschiedene Treiben macht; mir Wöhlbach die größte Freude. .Der wird sagt. ich -aiuind schloß ihn damit in mein Jägerherz. Wie stols r der Neuling, als ein Herr Lampe. die .ganze Schützenlinie entlang gesetzt Zum knack, knack, knack, ging es wie in Pe lotonfeuer hinter ihm her und erst nach Wöhlbachs - Schuß schlug 'er sein vorschrislsmäßiges Nad, Der neue Waidmann hatte aber noch immer einen etwas umslortcu Blick mit bt Dichtung, wie es schien, mehr nach Geheimraty Bolzen, als nach der Jagdbrulc. Was die Äeiden nur miteinander vorhatten? Bei weitem schlechter stand es um das Waidmannsglüt des Geheimraths. Er batte sich ein. Pincenez ausgesetzt, das ihm ein sehr vornehmes Aussehen gab; aber trotz der Bewaffnung des, Auges wollte ihm doch lein Treuer gelingen. Eben hatte ich auf einen Hasen Feuer gegeben und wandte mich um, als ich den alten Herrn in peinlichster Verlegen he.it sah. Da stand er damit dem Blick eines Armcnsünders, in der Hand hielt er sein Pincenez und betrachtete es wehmüthig. Er hatte sich selbst ein Glas herausgeschossen. Wie er -es angestellt hatte, das weiß der Himmel allein; er versuchte mir das Unerklär liche auseinanderzusetzen, ich hörte .ihm theilnahmsvoll zu .und .versprach ihm ewiges Schweigen. Wir glaubten uns ohne Zeugen.; aber o weh ! Da stand plötzlich der Bausührer vor dem alten Herrn, der zu der Erscheinung ein Ge sicht machte, als .ob ihn. der Schlag ge rührt hätte. Und der junge Mann gab sich doch alle mögliche Mühe, seinen Gegner freundlich gegen ihn zu stimmen. Fast jedesmal, wenn er einen Hasen nie hergekimllt hatte,-bestritt er' daß er ge trosien habe ; immer wollte er ganz ge nau gesehen haben, daß des Geheimraths Kugel das W:id erlegt, und die ser nahm eS auch mit Großmuth und i tTOiirb ,,k -.firfi ßrt faM nUt 4 Mfr V UU ' 1 1 V4 ß 7 V w Herr schon eine .ansehnliche Beute bei sammen, als noch ein Hauptstück dieselbe vermehrte. -Einem Forstgehülsen, der zu stark der Flasche .zugesprochen hatte, war das Mißgeschul passirt, eine Ricke zu treffen. Um .leinen Preis durfte der Herr Obersörster davon Wind bekom men, denn obwohl .eS nicht .Schonzeit war, mochte eres nie gestatten, daß eine solche geschossen würde. Aus .Mitleid sür den .Forstgehülsen nahm d Ge heimrath auch dieses Wild auf seine Rechnung. Wir einigten uns daher, es sür iinen Rehbock auszugeben. In einer .kleinen Vertiefung des Waldterrains 'sollte .um ein Uhr daS Frühstück stattsinden. Schnee und Reis überzog Busch und -Baum. Prächtig glänzend brachen sich die Strahlen der Wtnlersonne .n den Krystallen. Dle Tannen und die Wachholder hoben durch ihr dunkle, stellenweise freies Grun die übrig: bereiften.Zwcige und Zmeiglein doppelt hell heraus. Dazu die, köstliche reiue Lnst, das .herrliche Jagdvergnü gen. ich mußte laut hinausjubeln .in den Wintertaa aind stimmte. ein Waldlied an; je näher wir den .Andern kamen, je mehr sielca fle em. Unser Lölld wlrd sich über solche Jäger , wohl .in's' Fäustchen gelacht haben. ' Eingerammte Pfähle mit Brettern darüber vertraten die Stelle der Tische, und darauf land sich em. Frühstück, das Pohlert Gastsniheit im hellsten Lichte erstrahlen ließ. Jeder arm cchne llmstände zu. .von unserem liebenswürdigen Wirth aus's Elsrigste ermuntert. Es waren Lebens mittet in wahrhafter Ueberfülle vorhan den, und doch sollte einer von .uns Hun er leiden. DaS trug sich'sou. Ge heimrath Bolzen , stand gerade .bereit, 'sich zu bedienen, IS Pohlert Herrn Wöhl vaq yeroel vracyle, oer, cus iremo m der Gesellschaft, .ein- wenig bemuttert werden sollte, -Kaum aber holte .der Geheimrath ihn gesehen, als er mt ein StoRvootl von bannen sckok. Jnlwi schen tauchte in nserem Ges!chrS.luis hin und wieder ein Äeiter auf, den ich als königlich preichifchen ' GevSdarmen erkannte, und von em ich vermuthete. da& er unsere Jagdscheine zu revidinen die Absicht habe. Nun. wir alle hatt ein gutes Gewis sen. Nachlässigkeiten in diesem Pjuitt noxtn die allgemcme Stimmung. Plötzlich zog mich nser Wirth zi: ach vervrteßltch abselts. .Der Geheime," begann er, hat bit Dummheit begangen, semen Jagdschein r f r 4zu uau e zu ta en. er ungtuas wurm' hat noch keinen Bissen gegessen, und nun sehe ich' ihn eben ganz bleich ifortschleichen. WaS machen wir nur? Wenn er gefaßt wird, ist im Stand?, sich das zu Gemüth zu ziehen Sle ken en seinen Spken, .was die Ehre ei neö preußische Beamten betrifft", und so t?ti!er. Wenu wir ihm auch einre den, daß eS Unsins ist, ich saqe Ihnen, für ihn ist'S Sinn, und er hält'S für ein Unglück. Ich wollte gern den Straf thaler bezahlen, wenu der arme Geheime die Angst loS würde. Ab:r sehen Sie nur, w:e der Kerl uns mzmgelt. Nun kommt ' Bei diese Worten giua Pohlert mög llchst unbefangen aus den Gensdarm zu. Beamte begnügte sich, zu fragen, obwir alle mit Jagdscheine 'versehen I eien, und als Jsix dies beikhtea ritt er
onannen. .Bolzenam.rmnttr' noq zum Barschem. Pohlert hatte -'W.H pZte schnell etwaS EkbareS zusammen nd händigte eS zur Uebergabe an den
rf Flüchtling dem Bauführrr Wöhlbach ein, der dle Richtung, welche der Ge heimrath genommen hatte, zu kennen meinte. Es wurde wieder zum Jagen aufgebrochen, und bald darauf stieb Bolzen zu mir; ich fragte ihn, ob er sein Frühstück bekommen. .Bewahre sagte & . er, .yave yaenrnno mit ijruynua gce hen. nur der Mensch ist mir wieder auf Schritt und Tritt nachgeschlichen, aber ekt habe ich ihn m die Irre gesuhrt und Pohlert hat ihm auf meinen Rth die mtgegcngesttzte Nummer gegeben." .Aber Wöhlbach joll Ihnen ja grade das Jrübstück bringen," sagte ich so ernsttiast wie möglich. .ak ich daran ersticken sollte. Lie ber " Der Sak wurde nicht vollendet. Bolzen verschwand in der nahen Tannen schonung. Der Gensdarm nahte von Neuem. Er bat um Vorzeigung meines Jagdscheins und ritt dann sehr langsam weiter. Dort drüben aber drückte sich der ehrsamste Kanzleibeamte wie ein Strolch umher und ttaate kaum sein würdiges Haupt für einen Augenblick zu erheben. Für heute war da? Waidwerk been det. Wir fuhren in's Dorf. Vom Schukzenhause schallte ns schon Lärm und Musik im Gemisch entgegen. Die Fenster waren belagert ron den jungen Burschen des OrteS ; drmnen ging eS gar lustig zu. Die .Dirne.l drehten sich unter Jauchjen und Lachen im Tanze, während aus einer gebrechlichen ErhS hung zwei Gestalten, die ich sur wan dernde Schneider hielt, die Trompete dazu bliesen. Ich erlöste die draußen harrenden Ritter, lud sie zum ahertre ten ein, und bald hörte man ihre zarten Fußtritte aus oem Estrich. Dann half ich Bolzen einen Punsch sür die ganze Gesellichast brauen, den wir Aue zum Best gaben. Leider tonnte ich cs nicht verhindern, daß Wöhlbach uns dabei be hu l stich war. Der arme Mensch dau erte mich ausrichtig, denn Bolzen behan delte ihn schlecht, bis zur Grenze des Erlaubten. Warum war der junae Mann auch so dauerhast? Ich blieb na türlich bei den Beiden, um eine Explo sion zu verHuten, was bei dem angehäus ten Zündstoff leicht möglich war. Gegen acht Uhr zogen wir Jäger uns von dem Ball an unsere Mahlzeit zu rück. Bolzen hatt es so eingerichtet, daß Wöhlbach an dem ihm entgegenge setzten Ende des TischeS Platz nahm. Kurz vor dem Zutischgehen waren die Treiber mit der Beute angelangt. Es stellte sich heraus, daß Bolzen mit dem auf seine Rechnung gestellten Rehbock und verschiedenen Hasen der Jagdkönig war. ' Unser aufmerksamer Jagdgebee überreichte ihm, als. wir bei der Nach tischcigare waren, unter feierlicher An spräche darsür eine Pseife als Ehrengabe. Der Gcheimrath nahm sie fast so ge 'rührt entgegen, wie den rothen Adler orden, den ihm sein Fürst sür sünsund zwanzigjährige Dienste verliehen. .Wenn Loltchen daS doch erlebt hat .te," flüsterte er mir zu, .ich hänge die Psei e unter ihr Bild. Ich drückte dem Erznimrod die Hand und stieß mit ihm an. Als wir die Au gen wieder vom Glase erhoben, gig die Thür auf, und grade vor uns im Rük ken von Wöhlbach stand der Gcnsdarm. Pohlert und ich wechlelten emen viel sagenden Blick miteinander und ver mieden Bolzen anzuseheu. Meine Furcht war nur zu begründet. Der Gensdarm ging aus den Geheimralh zu, sagte, daß er ihn heute , Morgen zur Jagd' ausge rüstet gesehen, aber nicht, wie bei den an deren Herren Gelegenheit gehabt hätte, inoch seinem Jagdschein zu fragen. - Äer alte .err erhob sicy, nahm eme Miene an, als wollte er eine dienstliche Meldung machen und sprach langsam, abe,, ohne Zögern : ..Ich habe meinen Jagdschein verges ifen." . Plötzlich sprang Wöhlbach auf und rief herüber : Aber Herr Geheimralh, er steckt ja ;in der Jagdtasche ! .Junger Mann," wandte sich Bolzen mit der ganzen ihm gegebenen Würde und mit einem niederschmetternden Blick -zu dem Bauführer, .wollen Sie mich hier zum leiten haben? ..Um Gottesmillen, Herr Geheimralh -entgegnete dieser eisrig, wie würde ich mich solch einer Bcieidigung schuldig machen ! Aber lch bitte inständig, nachzu sehen." Ich svrang aus und hatte die Tasche; :ja wohl, da war der Schein. Bolzen griff darnach, ihielt ihn wei .von sich, schaute staar darauf hin, schüt .telte den Kopf,, setzte das Pincenez auf und sah trotz des fehlenden GlaseZ deut ilich seinen Namen, seinen Stand, kurz seinen eigenen Jagdschein. Er war starr vor Erstaunen. Als x sich ein wenig ge sammett,reichte er den Schein dem Gens darmen. Dieser erneigte sich dankend und empfahl sich mit dem Bemerken, daß er, da seine Besehle sehr verschärft seien, sich . verpflichtet geluhuchave, noch em mal zu fragen. Ans iner anderen Jagd habe er heute sirns Herren getrof sen, die gar nicht i Besitz won Jagd schemen gewesen. Sobald wir Alle der gemüthlich saßen, drängte ich Bolzendie Sache doch aufzuklären. Wöhlbach xs-ax offenbar j?tzt fehr vergnügt, und ,sein Gegner schaute auch weniger seindnch, aber doch iDt) sehr mißtrauisch zu ihm hinüber. Ossen gestanden," begaun nun der Geheimrath, .habe ich, soviel ich weiß. minenScheln wirklich vergessen; ich sucht ihn schon heute Morgen . sergeblich und und entsann mich auch, daß ich, als ich ein Paar wärmere Handschuhe auzog.ihn auf meinem Tifche zu Haufe liegen sah. Wie kommt nun Itt Schein doch inmn ne Tasche 5" : .Herr Geheimrath" begann Wöhlbach vorsichtig, zögernd, .ich habe den Schein heute, als die Tasche auf unserm Wagen lag, hineingesteckt .So habe ich ihn den ganzen Tag bei mir gehabt und bin in TodeSanast da mit umhergelaufen, ohne ihn zu' demerIkN !' - r. : . n .ES war, mir wirklich nicht möglich. NndaWLMHeUung.zu. machen
trotz aller Mühe, dle ich Mlr gad, und ich wußte nicht, ob ich in Ihrem Sinne
handelte, wenn ich zu einem der anderen Herren davon gesprochen hätte."' .Gut, daß Sie meinen Sinn so ge nau' kennen, Herr Wöhlbach," ent.zegnete mit eigenthümlicher, Betonung der. alte Herr. .Ich denke, er wird doch wohl einer Wandlung sahig sein.Die Worte des Bauführers klangen fast wie eine Bitte. . -.' ' Plötzlich, als ginge ihm letzt erst ei fürchterlicher Gedanke auf. stellte Bolzen mit Jnquisitormiene diezenige Frage, welche unö Allenwohl längst auf der Zun ge schwebte, ihm aber wegen der sreudi gen Errettung noch nicht zum Bewußtsein gekommen war. .Aber wie kommen Mieden eigentlich zn meinem Jagdschein?" .Ihr Fräulein Tochter hat ihn m ge geben, um ihn demBater zu überbringen antwortete Wöhlbach. .Mein Fräulein Tochter ? Habe ich Ihnen nicht verboten je ein Wort wieder mit dem Mädchen zu reden, öiS " .Ja, Herr Geheimrath, daS war'S ja eben, ich mußte Fräulein Hildebald doch sagen, daß ich nun mein Bausührercra men glücklich bestanden habe, und dazu schien mir gestern Abend die Gelegenheit besonders gunstig, da ich doch nothwen digerweise erst erfahren mußte, ob sie noch derselben Meinung sei, wie vor fünf Jahren." .Junge ! Mensch Der alte Herr rief eS unter Wränen lächelnd. .So bist Du ihr treu geblieben, die ganze Zeit her: .Ach Gott und wie es mit ihr steht ! das war es ja, was mich äng stiote, ich fürchtete, meine Perle könnte grade an ihrer Echtheit zu Grunde ge hen." , Wir hatten den Beiden längst Platz gemacht. Hand in Hand saßen sie nun, und besprachen, was ihren Herzen so na he lag. Die Stimmung unseres srobcn Srei seS wurde immer gehobener; stillschwei gend hatte Pohlert aus seinem Keller ei ne Batterie dickhalsiqer Flaschen kommen lassen, süllte damit Gläser jedweder Form und toastete auf Fräulein Hildegard, seh? zartfuhllg hinzusetzend, daß unser Fest zwar nicht mit, aber doch .durch den Damen" wieder seine Weihe empsangcn hätte. So ging der fröhliche Tag zu ' Ende. Um zehn Uhr saßen wir wieder im Coupe ganz eng bei einander. Wöhlbachs Blick hatte jede Sur von Melancholie verlo ren, und als ich dem Geheimralh erzähl te. wie brav sich sein künftiger Schwie gersyhn als Jäger gemacht habe, schlug er ihm kachelnd aus die Schulter und sprach wohlgefällig schmunzelnd: .Er kommt ja auch in eine echte WaidmannSFamilie. in mn:tu .Familie Ein ucuer SaiZvinde!. Der Berliner Criminalpolizei ist eZ gelungen, den Anstifter eines Schwm dels dingfest zu machen, der sich von der durch die Flktio:: einer m Deutsch land vergrabenen Kriegskasse allgemein bekannt gcvordenen betrügerischen Vorspiegelung nur durch neveniach lichc Umstände 'und dadurch untcrschci det, daß in diesem Fall vonTeutschland ous nach dem Ausland gearbeitet wird. Unter der Adresse hochgestellter Perso nen in Italien sind nämlich in den letz ten .Monaten wiederholt in Potsdam und in Berlin aufgegebene Briefe ein gelaufen, deren Absender sich als .Giovanni Cainpiglio", .Giovanni Par vli".und Padre Gerolamo" gezeichne und' durch die der Absender dem Adres säten mittheilt, daß er schwer krank in einem Potsdamer Lazarett) darnieder lieqe. Er habe einen Koffer mit Werth papieren, wichtigen Dokumenten und revolutionären Schriften, für die - er keine Verwendung mehr habe und die er seinem alten Freunde, dem Adrei säten, zustellen wolle, falls ihm an ein bestimmtes Postamt in Berlin dostla gernd 500 Fr. zugestellt würden. In allen bis jetjt bekannten Fallen sind diese Briefe in Italien kurz nach dem Tode der betreffenden Adressaten em gegangen. In Folge dessen wurden sie von den Hlnt:rbllebcnen eröffnet. Of fenbar war der Absender von der An nähme ausgegangen, daß die Hinter bliebenen des Adressaten von dem Wunsche beseelt sein würden, den Ver storbcrn nch , dessen Tod vor dem Verdacht zz sichern, in revolutionäre Umtriebe verwickelt gewesen zu sein und dan sie. um dieses zu verhindern, sich grn bereit finden würden, das in Anbetracht lhrer Verrnogensverhältmsse geringe Geldopfer von 500 Iran ken ZU bringen, um die Papiere an sich zu bringen. Diese Annahme hat sich als richtig erwiesen, 'denn es ist sestgestell worden, daß bet einem Berliner Post ämt unter dem Namen Gerolamo aus Italien postlagernde Werthsenduugen eingelaufen und von dem, Adressaten erhoben worden sind. Länge Zeit wurde der Schwindle? vergebend .gesucht, bis der Prasekt von Palermo die Berllnc Behörden auf den Bildhauer Canaia Iori aufmerksam machte, der, aus der Umgegend von Palerrno gebürtig, mt ansässig war. DieBehörden stellten fest. dctz Cangialon vor Kurzem Mit seine Frau, angeblichen Familienanqehör! gen und einer aus Aegypten gebürtigen Gesellschafterin eine Villa in Pankom bei Berlin bezogen hatte. Dort ist. er von dr Polizei verhaftet worden. Er .behauptet,. daß sein eigentlicher Name .Gerolamo Prinz del Belmonte" sei und daß er, ohne besonderen Grund zu haben, aus Chicago nach Berlin gekommen sei. In seiner Wohnung fand man eine vollständige Druckerei, viele Druck fachen und Correspondenzen, die , noch nicht alle durchgesehen sind, doch spre chen Anzeichen dafür, daß man es mii einem desertirten Unterofficier der ita lienischen Armee zu thun hat, jedenfalls eber mit einem internationalen Hochswpler ersten Ranges. Man hat bei' ihm Visitenkarten mit dem Namen Gerola rno gefunden; er leugnet, der Schreiber der Briefe an die hochgestellten' itafieni -,fchn Perfönlichkeiten gewesen zu sein, v
Lord Vlack."
(ine valzre Vkgkbnihcit au Venedig.) An einem milden Lenztage klappert Ninetta gerade wieder in, ihren , lack edernen Holzpantönelchen und schnce. weißen Strümpfen, aus welche selbst die ärmste Venezianerin nicht leich! Verzicht lklitci, dem Rialto zu, um neuen Perlenoorrath aus der Fabril ihres Arbeitgebers zu holen. Mehr denn ein Vorübergehender, wendet dcn Kops zurück nach der zierlichen lrschcinung mit dem spitzbübischen Kinder gesicht. das von einer Fülle cmiilci Löckchen umrahmt, unter dem üblichen schwanen Kopftuch befonde? verführe, risch hervorschaut. Einer, ein noch junger, elegant gekleideter, hochgewachsencr, breitichulterlger Mann mit kurz zugestutztem, rothblondem Backenbart. zeder Zoll der Engländer, wie er im Buche steht, geht aus die verdutzte Perl sasserin zu und vertritt ihr den Weg. Das erschreckte Tina lacht verlegen. will zur Seite treten, doch nein, de, Engländer verlperrt dem Mädchen that sächlich die Panaaeund ruft in semem angelsächsischen Italienisch: Asspetla! Aspetu!" (Warte! Warte!) Nmetta . w n f y. !U fiA!. wiro ang.li und oange, cyon.roiu ne oie Passanten um Hilfe anrufen.' Ter Fremde aber , beruhigt sie. indem er seinem a8jt1a, aspetta" noch un rnomento solo" (einen Augenblick blos) hinzusetzt. Einen Augenblick nun ' den kann . sie' sa wohi stehen bleiben und hören, was der feingcklcidcte Herr eigentlich von ihr will. Der Fvrestierc gibt indeß sein Anlie gen nicht in Worten kund, er betrachtet sie blos vom Wirbel bis zur Sohle mit der allergrößten Aufmerksamkeit.. Jetzt glaubt Nlnctta zu wissen, woran sie ist. Dieser Jnglese wird ein Maler sein und will sie auf ein Bild setzen! Ein Lächeln spielt um ihre frischen Lippen. Welche Achtzehnjährige fühlte. sich dc nicht , geschmeichelt? Dabei dentt sie: Er schaut mich gerade so an. als ob kl mich kaufen und zu Hause tragen wollte. Ein Maler ist's, wer sollte cs sonst sein!" Jetzt zieht er gar einen Zoll stab aus der Tasche und eins, zwei. drei, hat er ihre Höhe und Schulter breite genommen. Dieser Vorgang ist zu Enöe. ehe sie noch ihrer Verblüffung Ausdruck gegeben hat. Basta!" sagte alsdann der Fremde mid fragt: Wo wohnen Eure Eltern, Jhr habt doch nvch welche?" Die Kleine Nickt mit dem Kopfe , und thut gleich;' tig einen Schritt zurück. Der Englän der sieht ihr Zögern nd fag't in ver trauenerweckenbem Tone: Ich habe ibnen 'eine gute Nachricht zu. bringen." Eine gute Nachricht, ihren Eltern!' Daz kann sie unmöglich zurückweisen. Stot ternd gibt sie die Adresse der Ihrigen an und der Fremde schreibt dieselbe rasch in sein Notizbuch, schüttelt dem Mädchen die Hand und geht grüßend seiner Wege. . Diese merkwürdige Begegnung hat NineUa ganz und. gar-den Kopf ver dreht kaum,' daß sie sich noch erin ncrt, weshalb sie eigentlich nach dem Nialto gelaufen ist. -Ach was, sie will doch lieber gleich nach Hause eilen und ihrer Mutter das große Ereigniß an vertrauen und sie auf den Besuch deZ srcmdcn Herrn vorbereiten. Am nächsten Vormittag. eZ war ein Sonntag, faß Ninetta mitten im Gäß chen vor der Thür des dunklen Erdge fchosseS, das ihrem Vater a!S Werkstätte diente und zugleich ihre Wohnung war. Sie hatte die Hänoc in dcn Schoß gelegt und wartete offenbar auf etwas ; ihr Vater kratzte den überflüssigen Leim von einem' Stuhlbein herunter, das er eben angeleimt hätte, und die Mutter flickte aus eine blaue Zwilchhose ihres Alten einen grauen Fleck auf, wobei sie sich wohl zum hundertstenmal von ihrer Tochter die Details der Begegnung mit dem fremden Maler erzählen ließ ; denn daß er nur ein Maler sein konnte, darüber war ie Familse einig. So lange ich lebe, darf mir das Mädel nicht auf Bildern herumhängcn!" brummte der Flicktischler und stellte den reparirten alten Sessel behutsam bei Seite. .Möchte wissen," gab feine Frau zu rück, weshalb sie unter meiner Aussicht ihr hübsches Gesicht nicht sollte malen lassen? Da kriegt sie vielleicht drei Lire am Tag und so hat sie, wenn's hoch kommt, sechzig Eentesimi und wird noch blind dabei!" So lange ich lebe, nicht!": ruft der vorzeitig gealterte Tischler, dessen schlott rige Gestalt aussieht, als ob sie auch schon einmal zerbrochen und wieder zu sammengeleimt worden wäre, in tätegorischem Tone. Im selben Augen blick stürmt ein herrschaftlicher Gondolier in Livree , und., flatternoer . rother Bandschleife auf dem. breiten Matro senhut in die Ealle'und fragt, ob hier ein Sior Tonin Bonagrazia wohne. Ter bin ich!" ruft der Tischler. ..Habt Jhr eine Tochter, die Ni. netta heißt?" fragt der livrirte Gon dolicr im Tone eines, großen Herrn. . Ja, ja! Doch was geht das Euch an, Sior tovolo?" (Herr Wurstel.) Das weld:t Jhr schon hören. Mein Padrone Mylord Black wird es Euch sagen." Ein großer starker Herr mit blond rothem Barte?" fragt . jetzt Ninetta aufspringend. " Allein ber Gondolier und seine flat ternden Bandschleifen sind bereits an der Ecke verschwunden. .Also kein Maler, ein Mylord, ein großer Herr, noch schlimmer!" brummt Sior Tonin in seinen verwilderten Bart hinein, indeß Mutter und Tochter ins Haus eilen. Die eine, um die Flickarbeit bei Seite zu werfen und die Stühle zurecht zu rücken sür den Fremden, die andere, um ihr hübsches Ee sicht in einem trüben Spiegelchcn zu be,ehen. ' Der Angekündigte erscheint und Sior Tonin geleitet den großen, selbstbewußt austretenden Herrn in sein I einzig Zimmer ..und' wartet .,mit der .'.k cm .t x . v r i . . uuicu Turner, rccicgc uic.fiaurncr euer
Stände auszeichnet, bis dieser ihm den Grund seines Besuches erklärt.
Mylord scheint es indeß damit nicht eilig zu haben. ' Mit ' derselben Ge nauigkeit, mit welcher er tags ?livor ?ttnetta gemustert und abgemessen hatte, mustert er jetzt die beiden allen cute und die ärmliche Häuslichkeit derselben. . - Erst nach' dieser gründlichen Jn;?ek. tion sucht sein. Blick Ninetta, welche nunmehr überzeugt ist, daß dcr M. l.'rd nicht allein sie, sondern auch ihre Ei. -rn und alle Einrichtungsstücke malen will. und tagt zu dem Mädchen gewendc:: Miß Ninetta, jetzt schauen Sie inmal mich an!" ' Ninetta befolgt unter Lachen die Weisung, wobei sie über und über roth wird. Signor !" mahnt der Tischler und nicht gerade verbindlich mir scheint, cs wäre Zeit " O o well Sie haben recht, also Mr. und Mrs. Tanin Bonagra ;ia, ich bin, da, weil ich wünsche, Ihre Tochter zur Fnui." Signor ! . Was wollen Sie damit sagen i" ruft Sie Tonin mit steigen dem Affekts während Mutter und Toch ter zitternd vor Erregung einander bei der Hand nehmen. Sie hören cs ja" cntgegnet der Engländer dem alten Handwerker kühl und geschäftsmäßig ich will Ihre Tochter zur Frau nehmen, weil sie mir gefüllt,' sehr gefällt, das ist doch klar !"" Aber Signor, machen Sie uns doch nichts weis Sie kennen ja das Müdchen noch gar nicht und ein Herr wie Sie!" Das ist meine Sache, Signor Tonin Bonagrazia." . Und Herr !" begehrt jetzt der Tischler mit einer Entschiedenheit auf, die man seiner Hinfälligkeit niemals zuge traut haben würde. Wir kennen cruch Sie nicht." Dem ist bald abgeholfen, Sir, kommen Sie mit mir in die Banca Venota oder IN die lianca di Xapoli und Sie werden sofort hören, mit wem Sie eZ zu thun haben." Signor" entgegnet der Tischler um eine Nuance verbindlicher das mag schon sein, allein ich thue keinen Schritt, ohne zuvor mit dem Advokaten Alenandrirn, Ninettas Taufpathen, gesprochen zu haben." ' Sehr gut, lassen Sie uns sofort dahin fahren, meine Gondel wartet an der Riva." ' Aber Signor, so eins, zwei, drei!" Kommen Sie drängt der Engländer ich muß morgen Venedig verlassen und wünsche, früher Alles in's Reine gebracht zu haben Miß Ninetta, schauen Sie mich zuvor noch einmal gefälligst an." : Ninetta blickte zu, dem sechs Fuß hohen, blonden rosigen .Manne, mit den weißen Zähnen und nüchternem Gesichtsausdruck abermals mit äugenscheinlichem Wohlgefallen empor. Ein Wohlgefallen, das der Engländer mit dcn aufmunternden Worten lohnte: Ich danke Ihnen, Miß Ninetta, Sie sollen eine sixe kleine Lady wer den" Dem Advocaten, einem kleinen, wichtig thuenden Manne, mit welchem der Tischler erst allein des Langen . und Breiten gesprochen hatte, setzte der Engländer in Kürze seine Absicht auseinander. Ich liebe Venedig und habe mir darum hier einen Palazzo gekauft, den Palazzo Rocca". Sie dürften davon gehört haben." Gewiß, gewiß!" cntgegncte der Advocat, sich verneigend. Mpord Bleck, wenn ich nicht irre." Ganz richtig, mein Name ist Black," wiederholte der Engländer, ich werde den alten Bau von Grund auf herstellen lassen, das wird mich ein paarmal hunderttausend Lire kosten, aber das thut nichts, ich werde drei Monate im Jahre darin meinem Bergnügen leben. Die kleine ?!inetta soll meine Frau werden, da sie ebenso wie der alte Palazzo ganz nach meinem Geschmack ist und ich keine Vorurtheile kenne." - Das. muß wohl der, Fall sein," dachte der Adoocat, während er eine zustimmende Verbeugung machte. Auch bin ich entschlossen, dem Mädchen für alle . Fälle, und Zwar heute noch, fünszlgtauseud Lire zu verschrei ben, zahlbar wenn ich binnen drei Monaten nicht zurück sein sollte am Tage nach Ablauf dieser Frist. Ich könnte sterben oder meinen Sinn ändern dann kann Mnetta mit dieser Aussteuer leichter einen andern Mann finden." ., .. .. Dr. Alessandrini war. gerührt von dieser leidenschaftslosen Fürsorglichkeit und kam überhaupt aus dem Erstaunen nicht heraus. In 'seiner Praxis war ihm dergleichen noch nicht vorgekommen und als ihm ,,Meylord" gar einen Einblick in den Notariatsakt über bar erlegte Hundertfünfzigtausend Lire sür den'Palazzo Rocca gestattete und einen zweiten in sein Eheebuch, da hatte Dr. Alessandrini überhaupt keine Worte mehr wenngleich er als vorsichtiger Mann beschloß, deffenungeachtetweiteie Erkundigungen einzuziehen. .Am solgenden Tag, als Mylord" mit dem Depotschein über sünfzigtausend zu Gunsten Ninettaö erlegte Lire bei dem Advokaten eintrat, sand er Letzteren noch, Höflicher und zuvorkommender. Mylord," sagte Alessandrini mit diplomatischem Lächeln, als der Englän der sich zum Gehen anschickte, ,,auch Ihnen soll bei Ihrer Rückkehr aus England eine angenehme Ueberraschung zutheil werden.. .. , Ich wünsche keinerlei Ueberraschungen, Sir, auch bitte ich mich, einfach Mr. Black zu nennen." Der Advocat verneigte sich lächelnd, er wußte dennoch, was er dem Manne vor sich schuldig war. Den Rest des Tages verwendete 'Mr. Black dazu, loftlvielige ; Anschasfungen für seine funge, glüstrahlcnde.Brautzu ma-. .hen. ,Tie Mdtter .Ninettas suchte dem 'gremdländer auseinanderzusetzen, daß
SUm. , TWU Ifc j eS in Venedig Sitte sei. gleich bei der Verlobung die Ringe zu wechseln und ein Fest bei Tognana zu geben. Tognana ist der Riftoratore der kleinen Leute, bei Tognana Verlobung oder Hochzeit hallen, sie der Traum aller Mädchen aus den unteren Schichten. 'Mylord" erklärte sich mit Allem einverstanden und händigte der Tischlerirr eine die Kosten dieser Feierlichkeit weit übersteigende Summe ein. er selbst würde nicht dabei sein, da er ohne Verzug abreisen müsse. Advokat Alessandrini hielt es sür seine Pflicht, den Bräutigam bei der solennen Feier, die kurz nach der Abreise des Letzteren wirklich in den Sälen Tognana's stattfand, zu vertreten. Der Wein floß reichlich und die Evvivas auf Ninetta nahmen kein Ende. Die Tischlerssamilie hatte das halbe Sesiiere geladen, da der Glücksfall Ninettas so wie so das Tagesgespräch bildete. Nach aufgehobener Tafel zog der Advokat den nagelneu herausstafsi'rten Reparaturtischler beiseite. und sagte gravitätisch: Und nun ein Wort zu Euch. Sior Tonin Bonagrazia! Bis zur Stunde seid Jhr ein armer Teufel gewesen der, wie viele herunter gekommene Sprossen un serer alten Geschlechter, um das tägliche Brod zu kämpfen hatte, demnach dürftet Jhr auch kaum gewußt haben, daß ein Tonin Bonagrazia bereits 166-1 im Senate von Benevig gesessen hat und mit mehreren Euerer Vorfahren bei San Giacomo dell' Orio begraben liegt. Schon zur Zeit, als ich Ninetta über
die Taufe gehalten, fiel mir dieser Passus in einem der Kirchenregister aus. allein ich habe der Sache weiir leine Bedeutung beigelegt und Euch auch gar nicht damit bekannt gemacht weil dergleichen einem Menschen Eurer derweiligen Kondition eher schaden, alsnützen möchte." Der alte Flicktischler nahm die Mittheilung überaus latsnisch auf und sagte blos: Va bene und was weiter, Signor Advocato?" Mylord soll bei seiner Ankunft der Beweis geliefert werden, da er keine Plebcjcrin, sondern ein Mädchen aus uraltem Adelsgeschlccht zum Altar sührt. Begreift Jhr?" Drei Monate später, anöden Tag, stand der Engländer wieder. in der Kanzlei Alessandrini's. Mylord," bub der Rechtsfreund mit ungeheurer Würde an. die Ueberrafchung. von, der ich bei Ihrer Abreise gesprochen, istdiese hier," und er deutete auf die bcglaubigte Abschrift des Kirchenbuches,, welche die vornehme und Mylords wür--dige Abkunft Niuetta's konstatirte.. Herr Advokat,"..? ntgegnete der Engländer trocken, diese Mühe hätten Siesich ersparen können, denn mein Adelsbrief ist einzig und allein dieser hier.Dabei zog er eine elegante, mit schma? zem Bordeaurleder überzogene Kactte aus der Tasche seines Ueberrocks. Sehen, Sie, das ist , Black" oder Nu bian", wie Sie wollen",, und er hielt dem erstaunten Dr. Alessandrini zwei, elegant - etiquettirte Musterfläschchen unter die Nase der beste Schuhlack, welchen Amerika. England und dcr Kontinent kennen! Ich' bin der Ersin . i , l r oer oieies numicyen cywarz uno rcie selbst für meinen Artikel, daher scherz weise Lord Black" oder Lord Nu bian" genannt, sonst aber ein sslk rnacte man durch und durch." Henry Perl. ' Sie russische 2Urti". Russische Blätter melden den Tod einer Bürgerin aus Olonez, die wegen ihrer kühnen Jagdausstüge in bald Nup.lond bekannt war und allrtemrm die russische Diana" genannt wurde. Jung und schön barg Grigoriowa So lomonide in dem zierlichen Kopfe einer Schäferin von Watteau die Energie eines Helden. Sie kannte we)er Er müdung noch Furcht, war eine unvergleichliche Schützin, führte das ganzeJahr einen erbitterten Krieg gegen Haar- und Federwild und kehrte von ihren Streifereien durch die Felder oder den Wald stets mit Beute reich beladen nach Hause zurück. Am meiste liebte sie die Bärenjagd, was ihr einmal fast das Leben gekostet hätte. Im vorigen Winter war es, als sie einem aronen Bären, den ibre unde aufaespürt hatten, eine Kugel auf den Pelz brannte UN) ihn schwer verwundete. Der 'von den Hunden verfolgte Bär eilte, indem er im Schnee zahlreiche Blutsvuren zurückließ, einem dicken Gebüsch zu und kroch hinein. Als er sich aber entdeckt sah, richtete sich Mei ster Petz auf den Hintertatzen auf und stürzte sich auf seine Berfolgerin.' Grigoriewna hatte gerade noch Zeit, ihm durch einen wohlgezielten Schuh todt zu Boden zu strecken. ' Im vorigen Monat ereilte die kühne Jägerin der Tod. Sie glitt am Saume eines Wäldchens auf sumpfigem Boden auZ dabei schlug ihr Gewehr mit dem Hahn an einen Stein und entlud sich; die Kugel entfloh dem Lauf und traf die unglückliche Grigoriewna mitten in die Brust. . Die russische Diana wird in ganz Olonez aufrichtig .und allgemein betrauert. Der Sonderbarkeit toe gen mag folgende Wette erwähnt wer den: Ein Millionär aus Euba wettete in Paris 1000 Lstr., der Oberkellner eines gewissen s?!achtSpeisehauseS auf dem Boulevard vermöge nicht binnen 24 Stunden 2000 Schinkenstullen her zustellen. Ter Obertaselwart hat je doch diese Zahl in 19 Stunden und 40 Minuten fertig gebracht und dazu, zweiundzwanzig Schinken verschnitten. , Der Eudancr zahlte natürlich auch , alle Erfordernisse der Schinken stullcn. 'die sämmtlich den Anstaltcn für Genesende und Waisen zugeschikt wur den.-, .' .. Passender Vorschlag. Ncich gewordener Schneidermeister: Ich habe mir da jetzt draußen vor der Stadt eine Ailla bauen lassen; wenn ich nur erst einen recht hübschen Namen dajür hätte.1 Freund: Aber, nennen Sie das Tina dock einfach Näbnadelrubl
