Indiana Tribüne, Volume 16, Number 242, Indianapolis, Marion County, 21 May 1893 — Page 3
SrnnhNde. Nomsn von ans Zornfels. (1. Fortsetzung.) Wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöhet werden, doch wer sich selbst er?höhet, der soll erniedrigt werden," be -merkte die Gesellschafterin in leisem, 'salbungsvollem Tone: Des Herrn - Wege sind wunderbar." Aergerlich wandte sich Ruwer herum. Ich bitte, Frau von Leist, die S3il denhof und Ruwer erniedrigen sich noch keineswegs, wenn sie es verschmähen. Streit mit dem Pöbel zu suchen. Uebrigens möchte ich Ihnen rathen, Herrn Auras gegenüber in der Anwendung derartiger Kraftstellen eine weise Vorsicht zu beobachten. Er ist fähig, Ihnen sehr bald mit dem zweiten Gebot oder dem Gleichnis von den Wölfen in Schafskleidern zu antworten." Erschrocken knizte Frau von Leist, die Hände über der Brust faltend, zu sammen und murmelte mit niedergeschlagenen Augen eine Entschuldigung. Mit den Zähnen an der Unterlippe nagend, war Brunhilde an das Fenster getreten, das nach dem arg dernachlässigten Parke hinausführte. Vor liner Hecke stand der Direktor mit einizen Gartenarbeitern. Das kräftigeProfil seines gebräunten Gesichtes hob sich, scharf wie eine Silhouette von der dunkelgrünen Blätterwand ab; hoch und frei saß der starke Kopf auf den breiten Schultern, mit markiger Stimme ertheilte er Befehle für den morgenden Tag. ES lag etwas ungesucht Jmpo nirendes. Sicheres, Vefehlshaberisches in der ganzen Erscheinung, und die Männer standen 'oor ihm mit abgezozenen Mühen, in strammer Haltung, rote Soldaten vo5 ihrem General. Gräsin Brunhilde Wildenhof fühlte das Blut in einem schmerzhaften Stich heier zum Herzen dringen: dieser Mann befahl bier mit dem Gebahren des unumschränkten Gebieters, nachdem er ihr, der Herrin, vor wenigen Minuten höhnisch den Gehorsam verweigert. Das tiefe Purpurroth zorniger Empörung schoß in ihre Wangen, und in eben diesem Moment sah Auras herauf. Ihre Blicke kreuzten sich, bitter höhnisch der seine, wie ihr däuchte, zornig, feindselig öer ihre. Sie wollte rasch zurücktreten, doch hatte er sich sofort wieder seine? Leuten zugewendet, und sprach ruhig, zls habe er sie überhaupt nicht bemerkt, weiter. . Mit einem hastigen Schritte wandte sie sich herum. Ich bleibe, Onkel Edmund, ich heiße Brunhilde Wildenhof.III. Mit dem Glockenschlage zwölf ließ sich Auras bei der Gräfin melden. Sie hatte fast den ganzen Vormittag dazu verwendet, die Conkurs- und Seque-stration-verlrndlungen durchzulesen, und dadurch eigentlich zum ersten Male :ine genaue Kenntniß ihrerVermögensläge gewonnen. Als Gras Kraft, ihrVater, seiner sert Jahren vorangegangenen Gemahlin in den Tod nachfolgte und als dann über seinen Nachlaß der Conkurs eröffnet n?urde, befand sie sich in einer Schweizer Pension. Dann fand sie ein Heim in Oem Hause einer Freundin der Familic, welches zu den vornehmsten der Hauptstadt zählte. Deren kürzlich erfolgte Ableben bewog sii zu dem Entschluß, nach Wildenhof überzusiedelu, und aller Vorstellungen des KammerHerrn ungeachtet, kam sie mit dem Vewußtscin der fast unbeschränkten Befehlsgewalt; die Sequestration erschien .ihr kaum mehr als eine Art Vormund-- . schaft. welche ihr die Bürde der VerHaltung abnahm und dafür in erster Linie verpflichtet war, ihre eigenen Wünsche oder vielmehr Befehle zu be rucksichtigen. Nun jedoch entrollte sich oor ihren Augen ein ganz anderes, für sie entsetzliches Bild: nur den Majocatsbestimmungen hatte sie es zu danken. daß Wildenhof nicht unter den Hammer gekommen war; sie selbst war hier A?enZz mehr als eine Geduldete, jeses Verfügungsrechtes beraubt, auf -knapp zugemessene Bezüge gestellt, in manchen Kleinigkeiten sogar direkt von dem gerichtlich bestellten Generaldirektor abhängig das stolze Mädchen herz blutete unter dieser bitteren Erkenntniß und füllte sich mit einem.versichtlichen Groll gegen die Urheber dieser Demüthigung und ihre Werkzeuge. Daß die Verschwendung ihrer Eltern in wenigen Jahren ein fürstliches Vermögen ruinirt, daß den Gläubigern kein anderer Weg geblieben war, ihre Forverungen einzutreiben, daß Auras da ran nicht den geringsten Antheil hatte, bedachte die weltunkundige, hochmüthige Arisiokratin nicht. Für sie war auch er ein Frevler an dem stolzen, alten. edlen Namen Wildenhof. Dennoch trat sie ihm mit vollkomrnener Ruhe entgegen. DerNothwendizseit mußte und konnte sie gehorchen, nicht aber ihm eine Schwäcke zeigen, und wäre es auch nur die gewesen, das Geringfügigste mehr zu erbitten, als ihr von Rechts wegen zustand. Würzburgs Prophezeiung: Direk torlein, Direktorlein. Du gehst jetzt einen schweren Gang, dergleichen ich und mancher Kriegsmann nicht gegangen sind!- und Auras eigene Befürchtungen erfüllten sich demnach durchaus nicht. In zehn Minuten war das Erforderliche anstandslos geregelt. Nur' als der Direktor des Pferdefutters und der Kutscherwohnung erwähnte, hätte Brunhilde fast ihre mühsam behauptete Fassung verloren.' Seine Frage klang ihr wie eine absichtliche Verhöhnung, er mußte doch wissen, daß ihr Einkam rnen die Anschaffung und y den Unter- ' halt einer standesgemäßen Equipage nicht erlaubte, trotz der freien Fouraae.
Ich bin keine Freundin ?es Fah-. ns. antwortete it kurz und errothete.
dcdet das tilgen sie! ihr schwer. Höflich stellte i)x AuraS sein eigenes Gespann zur Verfügung und empfahl sich. Brunhilde Wildenhof war weit da von entfernt, von diesem Anerbieten, das ihr wiederum als eine indirekte Demüthigung erschien, Gebrauch zu machen. Sie wäre lieber tagelang im alühendsten Sonnenbrande durch eine Einöde gewandert, als jenem Mann zu
Dank verpflichtet gewesen. In der ersten Woche fuhr sie fast täglich hinüber nach Broshausen, dem Gute des KammerHerrn, der ihr seinen Wagen sandte. Doch auch dort fand sie keine der Zerstreuungen, welche ihr durch das Großstadtleben zum Bedürfniß geworden waren. Herr von vtuwer war ülm:wer, seine eigene Zeit meist sehr beschränkt, da die kleine Besitzung ihm den Luxus eines Inspektors nicht gestattete. Ein anderer standesgemäßer Verkehr fand sich in der näheren Umgebung nicht. Brunhilde würde ihn auch keineszHegs gesucht haben, so lange sie nicht dem Namen Wildenhof entspn chend aufzutreten vermochte. Für Auras schien sie kaum vorhanden zu fein. Er grüßte sehr artig, sobald er ihr begegenete, doch dies mit so glelchguhger Miene, als sei ne eine ihm völlig Fremde. Diese Nichtachtung, wie sie es nannte, empörte die Eitelkeit de? gefeierten Schönheit nicht minder, als das stolze, blaue Blut der Aristokratin. Sie pflichtete der Meinung des Kammerherrn bei, welcher ihn für einen gegen alle Höhergestellten mit Neid erfüllten, leder edleren Regung baaren Charakter erklärte. Die schüchternen Versuche Bettys, ihr näher zu treten von denen deren Bruder nichts ahnen durfte, obwohl ein Verkehr der beiden gleichaltrigen Maochen doch nur fast selbstverständlich geWesen Ware mit anfänglich nicht ganz ungezwungener Freundlichkeit ermuthigend, erfuhr sie durch jene das Nähere über des Direktors Dienstobliegenheiten und wußte es nun zu veranstalten, daß sie, scheinbar zufällig, fast täglich mehremale seine Wege kreuzte. Es war ein an Haß und Nachsucht grenzendes Gefühl, das sie in seine Nähe trieb, das brennende Verlangen, ihn auf einem Unrecht, einem Miß brauch seiner Amtsgewalt zu überraschen. Spähend verfolgten ihre Augen jeden seiner Schritte, und er schien es nicht einmal zu bemerken. Emes Vormittags war sie allem in den nahen Wald spazieren gegangen. Hinter einem Strauche verborgen, sah sie den Oberförster rn Begleitung nnes ungemein ärmlich aussehenden Mannes herankommen. Der letztere trug eine junge Lärche auf der Schütter, jedenfalls eine gestohlene, denn er bat in der jämmerlichstenWeise, nur noch dies mal die Anzeige u unterlassen. In der That schien Würzburg im Begriff, ihn mit einer derben Strafpredigt fortzuschicken, als im letztenAugenblick Auras zus derselbenRichtung herangaloppirte, dem Oberförster die Hand schüttelte und sich dann mit dem härtesten Tone seiner mallischen Stimme an den erblaßten Waldfrevler wandte: Ah. Sie sind es, Leymann? Dacht' ich es mix doch gleich, als ich den erbärmlich zugeyauenen Baumstumpf sah.. Das ist NUN der dritte Wiederholungsfall, Hoffentlich kommen Sie diesmal unter einem Vierteljahre nicht davon.Herr Direktor," stammelte ,der Mann, ich bin so arm und elend, Holz kaufen kann ich nicht und da da " Müssen Sie uns dicht am Wege die schönste Lärche umhauen, frecher patron!- ' Der Holzdieb, der das schlanke Stämmchen fallen atlassen, machte MZene,unter herzbewegendem Wehkla gen oaS Kme ' des Direktors zu umklammernwäre aber fast zu Boden ge warfen worden, denn dieser ließ sein Pferd steigen und hob die Reitpeitsche,. moetz em Ausdruck grimmigen Zornes in seinen Augen aufflammte. DieMä ßigung, die sie sich selbst gelobt, völlig vergessend, trat Brunhilde aus ihrem Versteck hervor und rief empört: Wol len Sie den schwachen, kranken Mann ' mißhandeln? Ich werde den Baum bezahlen Ueberrascht wandten sich ihr die drei Männer entgegen. Der Holzdieb überschüttete sie mit einer Fluth von Bitten und Klagen, dazwischen donnerte deS Direktors Stimme: Ruhe! zumTeu werden Sie sofort den Mund halten, Lehmann!" . . . .' Dann erst, als dieser erschreckt schwieg, lüftete er gegen die Gräfin den Hut und sagte kühl abwei send: Der Mann hat gestohlen!" Doch nur ausNoth, ich sagte Ihnen bereits, daß ich den angerichteten Schaden ersetzen werde." Das thut er selbst durch die Forstarbeit, zu der ihn das Gericht neben der Gefängnißstrafe verurtheilen wird." Brunhilde zitterte. ' WennJhnen dasMitleid so gänzlich fremd ist, Herr Direktor, so respektiren Sie mindestens den Wunsch der Besi tzerin des Baumes. Das darf ich mich doch wohl nennen, wenn mir auch momentan kein Verfügungsrecht darüber zusteht." Es würde mir einVergnügen sein," antwortete Auras ruhig, indem er am ttandarenzügel etwas ordnete, sodak er die Gräfin dabei nicht anblickte. Le! der muß ichJhnen bemerken, daß meine Pflicht gegen die gegenwärtiq: Ober Verwaltung mir, dieses Vergnügen versagt. . . . Sie geben den Baum . beim Hofverwalter cvb.Lehmann; Du,Würzbürg, hast wohl die Freundlichkeit, mich zu Mittag zu besuchen. ... 'Ich empfehle mich Ihnen ganz ergebenst, gna-, diges Fräulein!" Und in kurzem Ga lopp stob er davon. Wenn Ihr durchaus stehlen wollt, sc betreibt es wenigstens mitVerstand brummte der Oberförster, während Lehmann die Lärche wieder auf die Schulter nahm und lamentirend totU teraing. . ; .. .
Der Gräsin waren die Thränen deZ Zornes und der Scham in die Wangen geschossen. Muß ich das dulden auf demGrund und Boden, der seit Jahrhunderten meiner Familie gehört? Bin ich in meinem Eigenthum in der That nichts als eine Null?" Ich hätte den Kerl auch laufen lasfen," antwortete Würzburg ausweichend. Dieses Gewinsel ist unerträglich; Auras freilich " Kennt weder Mitleid noch sonstige Rücksichten." Er ist ein ungemein pflichttreuer Beamter." Gehört es auch zu seinen Pflichten, mich meine, von mir nicht verschuldete Lage in dieser kränkenden Weise fühlen zu lassen?" Der Oberförster zuckte die Achseln und empfahl sich. In heftiger Erregung kehrte BrunHilde heim, und während sie grollend dem stattgefundenen Austritt und ihrer eigenen niederdrückenden Ohnmacht nachgrübelte. Meg wie eine Vision eine längst vergessene Erinnerung in ihr auf. Sie mochte etwa sieben Jahre zählen, als sie, im Flure des väterlichen Hauses in der Hauptstadt spielend, aus dem Zimmer ihres Vaters dessen Stimme ungewöhnlich laut und heftig, fast kreischend ertönen hörte, etwas gänzlich Ungewohntes an dem feinen, eleganten Manne, der sonst selbst in Augenblicken heftigster Erregung die ruhig verbindlichen Formen des Weltmannes zu wahren wußte. Während sie noch erschreckt lauschte.kam ein armlich gekleideter, blutjunger Mensch, ein halber Knabe noch, mit blassem Antlitz und thränenden Augen schwankenden Schrittes die Treppe herab. Mitleidig suchte sie seine Hand zu fckssen und fragte in kindlicher Weise, weshalb Papa so heftig mit ihm gescholten. Kaum aber berührte sie ihn, so stieß ei sie von sich, daß sie zu Boden stürzte. Brüt!" schrie er und seine Augen flammten in jäher Wuth, seine Zügk erschienen plötzlich in maßlosem Grimm verzerrt, hart und starr aus Stein ge hauen und dieselbe Donnerstimme hatte sie soeben von Auras gehört, in seinen Augen das gleiche blitzartige Flammen, in seinen Zügen den nämli. chen harten, grausamen Ausdruck gesehen, es war eine erschreckende Aehn. lichleit zwischen jenem Jüngling und diesem zornigen, erbarmungslosen Manne... . Als si: damals den Vater nach dem jungen Manne gefragt, hatte er ihr eine unwirsche,, ausweichende Antwort ge geben sie solle sich nicht um jeden unverschämten Bittsteller kümmern und sie hatte dann im Laufe der Zeit die ganze Scene vergessen. Nun stand sie, durch den Auftritt im Walde angeregt, wieder so deutlich, als habe sie sich erst gestern ereignet, vor ihren Augen, und allmählich schienen ihr diese beiden. im heftigsten Zorn wie versteinten Ge sichter in ein einziges zusammenzufließen. Diesem Räthsel sann Brunhilde noch nach, als sie am Nachmittag ihr Lieblingsplätzchn im Park aufsuchte. Es war dies eine künstliche Grotte, im dichten Gebüsch versteckt und dennoch durch einen Durchhieb durch die beträchtliche Länge desParkes einen wunverschönen Blick auf den im reichsten Renaissancestyl ausgeführten Mittelbau des Schlosses gewährend. Im er sten Anblick der Grotte vergaß Brun Hilde' ihr Räthsel. Das seit langen Iahren verwahrloste, unter Gras, Unkraut und Geröll halb vergrabene Bauwerk, das sein Dasein der für derartige Naturkünsteleien schwärmenden Rococozeit verdankte, schien über Nacht eine Wiedergeburt vollzogen zu haben. Die von ihrer Flechten- und Schmutzkruste gesäuberten Feldsteine der Ummauerung waren in. dichtem, phantastischem Gewirr mit frisch gepflanztem Epheu und Hopfen überzogen; Frauenhaar hing in langen Strähnen von dem den Eingang krönenden Wappenhelme nieder, di Boden bedeckte weißer Flußsand und statt des bisher als Sitz dienenden, halb vermoderten Baumstammes streckte sich eine mit dickem Moos bedeckte bankähnliche Felsenplatte bis in das Halbdunkel des Hinterzrundes. Onkel Edmund? Ode? sollte Viktor " unwillkürlich sprach Brunhilde ihren Gedanken über den Urheber duser zartsinnigen Ueberraschung' halblaut aus. Ein leises Lachen antwortete ihr. Hinter einer der uralten Rüstern trat Bettys volle, zierliche, Gestalt her vor, fröhlich in die Hände klatschend. - Diesmal irren Sie, Comtesse. Sie werden denZauberkünstler schwerlich errathen, und um Ihre Geduld nicht auf eine allzu harte Probe zu stellen, will ich seinen Namen ohne weiteres preis geben. Er lautet einfach AuraZ." Ihr Bruder?" rief die Gräfin, und der Fuß. der sich bereits auf dem silber-
glänzenden Sande vorwärts schob, stockte. Betty nickte und zog sie halb gemalt sam auf die moosgepolsterte Steinbank nieder. . . Gestern Abend überraschte ich ihn darüber, heute Morgen war alles sertig. Er hat selbst mit dem Gärtner ge arbeitet und wie Sie sehen was er beabsichtigt, gelingt ihm. Sind Sie nun endlich einmal zufrieden mit ihm? Ist es nicht reizend?" Brunhilde dachte an den Auftritt im Walde und sagte bitter: Ich fürchte nur, fortan von diesem Platze verbannt zu sein, denn ich kann nicht glauben, daß diese Arbeit um meinetwillen geschah.- , Für wen sonst und warum nicht für Sie?" Weil Herr Auras nie etwas thun wird, waö mir, wie diese Aufmerksamseit, eine Freude bereiten würde. Kenntniste und Pflichttreue darf ich ihm nicht abstreiten: 'ebenso sicher jedoch weiß er
nichts von Wohlwollen und all dem Zartsinn, der den Gentleman, den Ca valier von dem starren Ehremanue un tcrscheidet. Ich beleidige ihn damit nicht, auch will ich Ihnen, liebe Bettq, nicht zu nahe treten, sondern spreche nur auS, was Onkel Edmunds und leider auch bereits meine eigenen Ersahrungen mir bewiesen haben." Nein, nein, darin thun Sie Wolf unrecht. Seine Stellung hier ist so schwierig, daß er nicht anders kann, als sich strict an seine Pflicht zu halten. Er ist' streng, ost bis zur Härte, doch stets gerccht,und. wo er es sein darf, voll Güte. Das werden Ihnen alle Beamte und Arbeiter bezeugen, sie lieben ihu ebenso sehr, als sie ihn fürchten. Allerdings hegt er bisweilen recht seltsameAn sich ten. wie er ja auch " Betty unterbrach sich in ihrer Vertheidigung, sie hätte im Eifer fast verrathen, daß er ihr den Verkehr mit der Comtesse untersagt, und diese fragte, um das unerquickliche Thema abzuschütteln, dazwischen: Wolf heißt Ihr Bruder? Em seltener Name! der schon vor meiner Geburt verstorbene altere Bruder nur nes Vaters, der frühere Besitzer von Wildenhof, führte ihn. Da cr nicht vermählt gewesen, fiel das Majorak an meinen Vater und kam von diesem als Kunkellehen an mich. Es ezistirt kein erbberechtigter männlicher Verwandter, ich bin überhaupt die letzte, die den Namen Wildenhof trägt" .... ein leises Roth färbte Brunhildes Wangm. sie gedachte ihres Wunsches, ihren Namen dem ihres dereinstigen Gatten hinzuzufügen, um ihn nicht aussterben zu lassen. Schon während ihrer ersten Worte hatte Betty lauschend den dunkellockigen Kopf erhoben. Jetzt sprang sie mit einem Sie entschuldigen mich gütigst. Comtesse!" empor und huschte wie ein aufgescheuchtes Reh davon. Noch ehe sich die Gräfin den Grund dieser plötzliehen Flucht zu enträthseln vermochte, vernahm auch sie feste, männliche Schritte, und gleich darauf stand AuraS in dem spitzbogigen Eingange, dessen Ranken sich wie eine Epheukrone um sein hoch aufgerichtetes Haupt legten. Erschrocken richtete sich Brunhilde Wil denhof auf und sprach ihren Dank für seine Aufmerksamkeit aus. War es Täuschung oder Wahrheit? sie glaubte ein feines, ironisches Lächeln um seine Lippen spielen zu sehen. Es empörte sie wußte sie doch nicht, daß dieses Lächeln durch die Erinnerung an seine eigene, ahnliche Verwirrung bei ihrem ersten Anblick hervorgerufen wurde ihre freundlicheStimme klang urplötzlich in schneidender Schärfe: Indeß irre ich wohl in der Annähme, diese Freundlichkeit gelte mir, der nur Geduldeten. Sie, der jetzige Herr, verbanden damit gewiß einen anderen Zweck als den meiner Bequemlichkeit. Ich werde die Grotte nicht mehr betreten dürfen," setzte sie nach kurzer Pause mit scha: ser Betonung hinzu. Verzeihung. rafm, der Irrthum liegt auf Ihrer SeiteWeder maße ich
nur im Allgemeinen mt Rechte des Herrn- an, noch im Besonderen die eigenmächtige Verfügung über Schloß und Park, deren Benützung, mit Ausnähme meiner Dienstwohnung, allein Ihnen zusteht. Ich bin einfach Beamter und habe als solcher die Pflicht, das Schloß in wohnlichem Zustande zu erhalten." Fast wider ihrenWillen fühlte Brun Hilde ihren Zorn durch seinen vollkommen höflichen Ton entwaffnet. Von neuem und noch stärker drängte sich ihr die Ueberzeugung auf, daß er durch die sinnige Ausschmückung gerade ihres Lieblingsplatzes ihr eine persönliche Aufmerksamkeit zu erweisen gedachte. Von dem Kammerherrn wußte sie. dag die im äußersten Parkwinkel gelegene, Grotte seit mehr als vierzig Jahren verfallen, unbenutzt, fast vergessen war. Und welcher andere Grund konnte Auras geleitet haben, als die Einsicht, daß er in ihr, unbeschadet aller momentanen Beschränkungen, doch die Herrin zu sehen habe, deren auch unausgesprochene Wünsche ihm Befehle fein mußten? Bezieht sich diese Pflicht, welche Sie so scharf betonen, auch auf du Grotte?" fragte sie lächelnd. Sie gehört zum Schloß, folglich" eine Handbewegung vollendete den Satz. Und diese reizende Ausschmückung, für welche Sie sich persönlich bemüht, V ebenfalls nichts Anderes als pflichtgemäße Instandhaltung?" fuhr Brunhilde fast schalkhaft fort, und ihre schlank Hand faßte eine der über Auras Haupte schwebenden Epheuranken. so nahe 'demselben, daß die meißenFin gttspitzen mit den rostg schimmernden, ovalen Nägeln fast sein entblößtes Haar berührten. ' In diesem Augenblicke vergaß sie l ganz. daß sie diesen Mann Mher als ? , nnl r i f i t w r perionucyen 2moer,aazer veiraaziei, tii gehaßt hatte. War er nun der erste Fremde, der ihr in der Heimath eine wahre Freude bereitete und sie .dadurch zugleich stillschweigend als Herrin anerkannte? Auf kaum einen Schritt Entfernung standen sich die beiden hohen, gleich stolzen und kraftvollen Gestalten gegenüber. Prunhildes Herz klopfte schneller. Ihr war so sdltsam weich, versöhnlich zu Muthe, daß ein einziges freundliches Wort von seiner Lippe einen freu digen Widerhall in ihrer Brust gefunden haben würde. Ihr Auge suchte gütig ermuthigend, fast bittend das seine, doch als eben ein wärmerer Schimmer darin aufzutauchen schien, schlug er, sich plötzlich abwendend, den Blick, zu Boden und um seinen Mund legte sich jener abstoßende, harte Zug, der sein Antlitz wie das auö Granit gemeißelte Sinnbild unversöhnlichen Grolles, unbeugsamer Härte erscheinen ließ. Dieser unerklärliche, unvermittelte Wechsel berührte Brunhilde wie em
Eishauch. Erschreckt und verletzt zugleich wich sie, ihre noch immer emporgehobene Hand zurückziehend, rasch zwei Schritte zurück, während der Direktor aus der Grotte heraustrat und mit seiner markigen Stimme rief: Was bedeutet denn das? Habe ich Ihnen nicht befohlen, sich zu schonen?" Unter einer schweren Last Unkraut keuchend, das sie' im Parke gejätet, ging eine Tagelöhnerfrau vorüber. Auf die Anrede hin blieb sie stehen und zeigte ein blasses, kränkliches, verhärmtes Gesicht. Herr Direktor, mein Mann schilt mich faul, wenn ich zu Hause bleibe und " Kein Geld verdiene, das er vertrinken kann, nicht wahr? . . . Gehen Sie zu meiner Schwester und lassenSie sich in unserer Küche beschäftigen, holen Sie jedoch vorher Ihr Kind. Sie werden vorläufig bei uns bleiben." HerrDirekto.? " . Ich verstehe schon, Sie furchten sich wieder vor Ihrem Manne. Es ist schon zu lange her. daß ich ein krästigesWort mit ihm gesprochen. Lassen Sie gut sein, wenn ich nachher durch das Dorf reite, werde ich ihm das Nothige sagen." O, Herr Direktor, wenn Sie das thun wollen, machen Sie mich und mein armes Kind wieder für ein paar Wochen glücklich. ' Vergelt's Ihnen der Himmel " dleStimme derFrau stockte zitternd, wie von Thränen erstickt, und über ihr durchfurchtes, obwohl noch, jugendliches Gesicht flog ein rührender Freudenstrahl. Gehen Sie, gehen Sie," mahnw Auras in so weichem Tone, wie BrunHilde nie in ihm vermuthet hätte. Lassen Sie das Grasruch da liegen, es ist viel zu schwer für Sie. Erst wenn Sie ein paar Wochen vernünftig gegessm und sich jeden Aerger erspart haben wofür ich sorgen werde , k" nen Sie sich wieder derartige Arbeit zumuthen."' Er nickte der Davoneilenden freundlich nach und wandte sich dann cm Brunhilde: Der Mann dieser Frau ist jener Holzdieb, für welchen heute mcrrgen Ihr Mitleid m die Schranken trat,, ein Trunkenbold und Tagedieb der schlimmsten Arr, der den Verdienst sernes braven Weibes vertrinkt und es obendrein mißhandelt. Ihm und seinesgleichen gegenüber ist die gcringsteNachsicht ein unverzeihliches Unrecht. Zum Glück besitze ich noch Autorität genug, um ihn gelegentlich durch eine derbe Strafpredigt zur Ordnung zu bringen, leider stets nur auf dem Wege äußerster Strenge und auf kurze Zeit. Ein Wunderthäter bin mich ich zu meinem Vedauern nicht." Ich habe Ihnen ein Unrecht abzubitten," antwortete Brunhilde leise nach einigem Zögern ich schalt Sie heute Morgen eng- und hartherzig." Worin ie sich auch nicht täuschen, ich thue eben nur wieder meine Pflicht,' indem ich für das Wohl der Arbeiter
sorge, sagte Auras mit einem seiner stahl harten, jede Annäherung zurückweifenden Blicke. Sfe verzeihen,Grafin, mein Dienst ruft." Eine tiefe Verbeugung, dann drückte er den Hut auf das starre Haar und ging elastischen Schrittes'-davon. Aufs tiefste verletzl.solgte ihmBrunHilde mit den Augen. ' Ein eigenthümliches. me'Mor gekanntes Gefühl beklennnte ihre Brust, eine bittere Beschämung, vereint mit dem vom erstenTage an gehegten, rmu wieder jäh hervorbrechenden Wicerroillm, und doch zugleich etwas wie Schmerz, daß er ihre wohlgemeinte Anrräherung zurückgewiesen eine scheue Furcht vor den kommenden Tagen und - dem Zusammenleben mit diesem Manne, der' wie ein beängstigendes. drmttes Räthsel in ihr Leben getreten war. Warum nur Zeigte er ihr die Maske kakter Harte, weshalb war sie nicht im Stande gewesen; ihren abweisenden Stolz aufrecht zu erhalten? Sie fand keine Antwort auf diese Fragen. Sie hatte ihn fliehen mögen, ihr Selbstgefühl bäumte sich dagegen auf; sie faßte den Vorsatz, ihm bei der nachsten Begegnung mit allem Hochmuth der eingefleifchtenAristokratin entgegen zu treten und fühlte doch unbewußt im voraus, daß auch dieser der zwingenden Macht seiner ehernen Ruhe nicht widerstehen wurde. Wie unter einen ihr fremden Willen gebannt, erschien sie sich; eine brennende Sehnsucht , nach einem gleichgesinnt, trennt, starken'Helfec wallte in ihr empor, und während 'sie erschöpft wie von einer schweren, körperlichen Aufregung auf die Felsenplatte niedersank, klang halbkaut von ihren erblaßten Lippen ein brünstiger, schmerzdurchbebter Hilferuf: .Komm' Du zu mir, Vikkor, hilf Du mir!" $ , : iv. Auf der Chaussee, Kelche von Wil denhof nach der etwa dreiStunden entfernten Stadt Wefierode führt, hielt der Direktor auf seinem starkknochigen Rappen und besprach mit Würzburg die Durchforstung einer angrenzenden Waldparzelle. Der Oberförster stopfte umständlich seine kur,e Pfeife und fragte, nachdem er sie angezündet, unvermittelt: Nun, wie. kommst Du mit Deiner Walküre aus? . Ich finde sienecht nett, weit angenehmer, alssie sich am ersten Tage gab, vielleicht noch ein wenig zu wie soll ich sagen? blaublütig. doch darf man ihr das nict übel nehmen. . ES liegt eben im Wut.". . .Jedenfalls hat sie sich über ihre und meine Befugnisse genügend informirt, so daß ich es zu . meiner Befriedigung nicht mehr nöthig habe, maßlosen Ansprüchen, entgegenzutreten.?, - Und ' Euer - sonstiger, persönlicher Verkehr." Auras zuckte dje Achseln. Bon einem, solchen kann natürlich nicht die Rede sein." .Du hast ihn auch Deiner Schwester derbsten?". , ,.',......, . . ..i
' Weil ich es für gefährlich halte, sie Blicke in eine Welt thun zu lassen, der sie nie angehören .wird und nach der ihr Temperament ohnehin allzu lebhaft drängt." .Das weiß der Deubel!" seufzte de? Oberförster und schob den perwetterten Hut in den Nacken. .Ein Kaleidoskop ist das einfachste Ding von der Welt gegen daJnnere eines Mädchenkopses. Soviel Verstand. Klugheit. Güte, und dabei " er unterbrach sich, nach der nahen Chaussee blickend: .Wer ist denn das?" ...... Ein Kavallericofficier in Ueberrock und Mütze trabte heran, ein sehr jnn ger Mann mit einem bildhübschen, fröhlichen Gestcht, rostg und fein gleich dem eines Mädchens, mit zieriicbcm Schnurrbärtchen und kecken, dunklen Augen. .Wenn das nicht die kanimerherr liche Pflanze ist, will ich Hans heißen mein Lebcnlang, raunte Würzburg dem Freunde zu. Dann hielt der Offi zier seinen pfeilschlanken, englischen Fuchs neben ihnen cm und fragte mit höflichem Gruß: .Dies ist derWeg nach Wildenhof, meine Herren? Wie komme ich am nächsten zum Schloß?" .Sie biegen nach einer Viertelstund in die große Lindenallee zur Rechten ein, das Schloß liegt dann bereits vor Ihnen," gab Würzburg zur Antwort, da AuraS schwieg, und nur sein Auge mit ernstem, fast finsteremForschen auf dem hübschen Gestcht des Lieutenants ruhen ließ. Dieser dankte und trabte weiter. Viktor von Ruwer Würzburg hatte richtig gerathen war seiner Heimath seit den Kadettenjahren fern geblieben und die Oertlichkeit ihm aus dem Gedächtniß entschwunden. Die Kameraden seines Garde-Regiments oder deren Angehörige besaßen selbst zu große Güter, um sie, ohne sich zu geni ren, auf die .Hutsche" Broshausen zur Jagd einladen zu können, und er allein würde sich zum Sterben gelangweilt haben. Ueberdies standen Vater und Sohn stets im besten Einvernehmen, wenn sich zwischen ihnen eine gewisse Entfernung befand. Jetzt war diese al lerdings für längere Zeit aufgehoben, da Viktor ganz unerwartet das Com mando alsAdjutant ber dem in Wester rode liegenden Brigadestab erhalten hatte. Am gestrigenTage eingetroffen, benützte er den heutigen noch dienstfreien zunächst zu einem Besuche in Wildenhof, wo er sich mehr Vergnügen versprach, als in denr heimathlichen Broshausen.... Viktor von Ruwer war nicht der Mann, sich einer leicht zu umgehenden Pflicht halber eines Ver gnügens zu berauben. DieLindenallee brachte ihm dieOertlichkeit in's Gedächtniß zurück. Im effektvollen, kurzen Galopp ritt er in den Schloßhof ein, mute jedoch eine geraume Weile ' warten, ehe ein vor-
. übergehender Arbeiter ihm das Pferd abnahm. Brunhilde hielt a kemeDienerschaft, und dann erschien endlich Frau von Leist, um ihm zu sagen, daß sich die Gräfin imParie befände, jedenfalls in oder bei der alreir Grotte Ihre angebotene Begleitung ablehnend, durchstreifte er die weitgedehnten Anlagur. ohne eine Spur vrnr der ihm gänzlich unbekannten Grotte oder auch nur em menschliches Wefcn das ihm hätte Bescheid sagen können, zn entdecken. Eine jener glücklichenRaturen, welche allenUnannehmlichkeiten noch eine gün stige Seite abzugewinnen wissen, und wäre es auch nur diejemge des .es hätte noch schlimmer, sein können malte er sich die endliche Ueberraschune um so angenehmer aus. .Ich glaube, : sie hatte ein mehr als verwandtschaftliches Faible für mich," dachte er behaglich lächelnd. .Der lange Hohenau, der sie so verzweifelt anschwärmte, schwor mir wenrgstens, nur ich fei an ihrer Sprödigkeit und seinem Unglück schuld. Es Ware gar nicht so 'übek. Wesierrode ist ein erbärmliches Rest, wo man am Gahnkrampf sterben kann, und Brunhilde ein Prachtweib". , Der junge Mann wurde ein wenig nachdenklich und brummte endlich: .Und die Herrschaft Wildenhof' wäre hm übler Bissen für einen armen Teu fel, aber es dauert zu ange mit dieser verfl. . . Sequestration; es ist nicht daran zu denken, schade, schade!" Er laote leise und duckte sich. Hin.ter der ein Rosenrondel umrahmenden He& von Schlingpflanzen hatte er eine hellgekleidete Mädchengeftalt bemerkt, die, ihm den Rücken wendend und sich so tief niederbeugend, daß er vomKopfe nur das blaue Schleiertuch fah, einige der niedrigen Roisette- und Bourbonrosen pflückte. Kurz . entschlossen, rupfte er eine Menge der duftenden, .dunkelblauen Glycinienblüthen ab. ballte sie zusammen und warf sie nach der Dame. Erschrocken richtete sie sich empor und schäute in das noch weit mehr verblüffte Gesicht desLieutenants. ,der, noch ehe er dasGesicht sah, bereits inne wurde, daß diese kaum mittel große, volleGestalt nicht diejenige seiner hoch und schlank gewachsenen Cousine sein konnte. Verleqenheit einem Mädchen gegen
über gehörte nicht zu seinen Schwächen. So sagte er auch jetzt rasch: .Verzeihen Sie den Scherz, . meine Gnädigste, de? nicht Jhnen'galt. Ich suchte meine Cousine Brunhilde Wildenhof, konnte jedoch natürlich nicht vermuthen, außer ihr noch eine zweite Dame hier zu sinden. . . . - Viktor von Ruwer fügte er mit einer tieftren Verbeugung hinzu. Er stand nun dicht vor ihr und bemerkte mit einem kurzen Blick, daß die Noch sehr ' junge Dame durchaus kein regelmäßig schönes Gesicht, wohl aber den blühendsten Teint, daS lebhafteste Mienenspiel und die feurigsten,schvärzesten Augen besaß, - die er je gesehen hatte Ihre Verlegenheit verwandelte sich m ein keckeS Lächeln. Es ließ sie doppelt anziehend erscheinen. (FortstdULT ffllaU - -
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Vei einem Aufenthalte im Riesen gebirge nahm Friedrich Wilhelm III. von Preußen im Kreise seiner Kinder daS Mittagessen in dem schönen. auZ sichtsreichen Garten eines Wirthshauses ein. ES mundete ihm vorzüglich, de sonders die großen, frischen Forellen. Zufrieden mit der Bewirihung. schickte er nach Tisch seinen Adjutanten zum Wirthe, um diesem seinen Tank abzu statten. Doch an. seiner Stelle kam, sonntäglich gekleidet, die Wirthin. Der König drückte ihr seinen Dank aus, fragte aber : .Warum kommt der Wirth nicht?" Ach; entgegnete die Frau, .der gerieth vor Freuden außer sich, als er hörte, daß er Ew. Majestät und die königliche Familie bewirthen solle, und da war eZ mit ihm schon heute früh fmrf Uhr halb sieben..Das verstehe ich nicht, was heißt das?- .So sagen wir hier zu Lande, wenn einer besoffen ist. Damit er Ew. Majestät nicht lästig falle, habeich ihn eingesperrt ; er schläft jetzt sei nen Rausch aus." Darüber lachten nuner König und seine Kinder herz lich, und die Redensart halb sieben wurde das Srichwort der Unterhal tung. Sagte Jemand aus dem munteren Kreise etwas, was nicht ganz passend erschien, gleich hieß es: .Bei Dir ist es wohl halb sieben?- So stieg man unter munteren Scherzen, in denen be sonders der König und der Kronprinz glänzten, wieder in den Wagen und kam an dem Hause eines Pfarrers vor bei. Letzterer stand in Amtstracht vor seiner Thür und redete den König in ernster Rede an. Derselbe dankte und fragte dann, weil man noch mehrere Meilen bis Erdmannsdorf zum könig lich: Schlosse hatte, wie spät eS sei. .Halb sieben," entgegnete der Pfarrer. Kaum hatte er dies gesagt, so brach die ganze Gesellschaft in lautes Gelächter aus, so daß der arme 'Mann gar nicht wußte, wie ihm geschah. Der Kutscher wollte weiter fahren, doch der König rief: .Halt!" stieg aus und reichte dem immer noch betreten und verlegen da . stehenden Geistlichen die Hand. .Mus. sen nicht glauben,- sagte er, ihm die Hand reichend, .dag ' wir Sie" aus lachen! Die Sache verhält sich so und so," und nun erzählte er ihm den aan , zen Vorfall. .Speisen Sie künftigen ! Sonntag bei mir, dann wi.ll ich Ihnen - die Geschichte noch ausführlicher mit . i 4. r r lyeuen. vracy s uno ?uyr mu leinen lustigen Söhnen heiter davon. in komisches Lieiseabenteuer. Ein altes Ehepaar hatte ein Zehntet von einem namhaften Gewinn in der sächsischen Lotterie gewonnen. Nun warm die Leute fest entschlossen, auch einmal ihr Leben zu genießen und Ber lin, das Endziel aller kleinstädtischen Wünsche, sollte ihnen diesen Genuß ge währen. Nachbarn und Klatschbasen hatten bedächtig den Kopf geschüttelt und gemeint, für so alte Leute sei das schlimme Berlin eine reine Mörder grübe, man würde sie bestehlenund plündern, ehe sie vom Bahnhofs fort seien. .Ladder" aber meinte nur da gegen: .Ick wer mit de Spihbaub'n woll farrig.Ein zusällig anwesender Berliner Konfektionsreisender glaubte die alten Leute auch warnen zu müssen und sagte: I .Vor allen Dingen hüten Sie sich vor Leuten, die Sie vielleicht früher flüchtig kannten, gerade die sogenannten alten Bekannten legen oft die Fremden l 'rein. ja. eS geht so weit, daß die Bau ernfänger sich als Bekennte vorstellen, um zum Ziel zu gelangen." I Die allen Leute dankten und reisten ab. In Wittenberg hatte der Vadder die Unvorsichtigkeit begangen, en Zug zu verlassen; 'trotz .MudderS- Weh klagen suhr der Zug ohne ihn ab. Ter Stationschef war ein liebenZ würdiger Mann, er rieth dem Sitzen gebliebenen, ein Zujchlagsbillet zunehmen und mit dem Kurierzuge zu fahren, alsdann würde er noch eine halbe Srnnde früher in Berlin ankom men als- seine Ariadne. Gesagt, ge than. Er war eher in Berlin und er wartete seine Alte. Der Bummelzug kommt, Muvder steigt aus, ihr Mann eilt ihr entgegen. Na. nu tumm rnan. Mudder. gim . mi de Handtasch.j Mudder halt krampfhaft die Hand tasche fest, sirirt den Ehegatten ver wundert und verdächtig von oben bis unten. Dann bricht sie in den : Ruf ans: j .De Berliner Spitzbub': wie de sik - verstellen känen. Wenn ick nu nich wahr un wahrhaftig wüßt, dat min Oll in Wittenberg sitten Müden, denn tunn ick swöreo, dat hei dit war." ' Es bedürfte erst einer gründlichen Ueberzeugung der gewarnten Frau, unr' ihreu .Ollen- wieder als Ehemann an zuerkennen. I Rückzug. A.: .....Ihre Empsehlung war grundfalsch! Sie j habe den Einen als einen Heiligen . und den Anderen als Ehrenmann ge rühmt!- B.: .Bitte, davon nehme ' ich auch Nichts'zurück! ES mag aller . dingS der Eine vielleicht ein etwas .son derdarer Heiliger- und der Andere am Ende ein .dunkler Ehrenmann- sein!Einfacher Ausweg. Mutter: .Ach. dem Doktor scheint'S , wieder nicht ernst zu sein, und ich hatt' ( mir schon so schön nusgemalt. unsere Leni als Frau Doktorin zu sehen'.Vater: .Hm. laß deswegen den Kopf nicht hängen. Mutterchen, den arm seligen Kerl brauchen wir gar nicht, lassen wir sie einfach irgendwo studi-ren!- ' Gipfel derCifersucht Frau Meier ist so eiftrsüchtig, daß sie .ihrem Manne nicht einmal gestattet.' i Worte zu gebrauchen, .die weiblichen ' Gef&Ieiiel nnb. ....
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