Indiana Tribüne, Volume 16, Number 242, Indianapolis, Marion County, 21 May 1893 — Page 2

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El Millionenbettler.

Unter den Sträflingen, welche in Wien jüngst zur Abgabe an die ein zelnen Strafanstalten die gerichtliche Berwahrungshast verließen, befand sich auch ein Mann, der die medicinischen Kreise Wiens bereits öfter beschäftigt hat und der andrerseits dadurch, daß er. zu sieben Jahren schweren Kerkers verurtheilt, weit über eine Million und außerdem Ländereien in mehreren Kronländern der Monarchie, besonders im Küstengebiete besitzt, Aufsehen er regt. Simon Opvasich, der jetzt sech zig Jahre alte Millionär, war vor un yefähr zehn Jahren noch ein Bettler. Der Mann ist von Geburt ein Krüppel so schrecklicher Art, daß er nur schwer geschildert werden kann. Die Füße fehlen ihm ganz und statt der Arme hat er zwei armähnliche Rudimente, deren er sich zum Fortbewegen bedient, indem er sich an den Enden des Rumpfes zwei Räder anschnallen läßt, weil sonst der ganze Leib am Boden schleifen müßte. Oppasich gedieh trotz dieser entsetzlichen Werkrüppelung vortrefflich und hat, wie erwähnt, ein relativ hohes Alter er reicht. Jetzt allerdings meinen die Aerzte, er werde die siebenjährige Ker kerstrafe kaum überleben. Oppasich war in den ersten Tecennien seines Lc dens ausschließlich auf das Betteln an gewiesen. Wenn der aiff den Straßen ,ich mühsam auf den Rädern dahinschleppende Krüppel gesehen wurde, so erregte er solches Miileid, daß er nicht erst die Passanten um Almosen bitten mußte. Die Gaben flössen so reichlich, daß er sich bald ein kleines Vermögen erspart hatte. Durch Wucher- undBör sengcschäste brachte er es im Jahre 1883 schon zu einem Vermögen von 250,000 Gulden und er war über dies schon .Besitzer mehrerer Häuser und Grundstücke in Trieft und Parenzo, wo er abwechselnd Aufenthalt nahm. Je reicher er wurde, desto größer wurde lein Geiz und seine Habsucht, und die letztere brachte ihn schließlich in den Kerler. Schon im Jahre 18J1 wurde er wegen eines aus Gewinnsucht abge legten falschen Eides zu achtzehnMona ten schweren Kerkers verurtheilt. Kaum hatte er die Strafe abgebüßt, als er wieder, gleichfalls aus schnöder Ge winnsucht. zwei falsche Eide ablegte, einen zum Schaden des Verwalters, der ihm während seiner Strafhaft die Hau ser und Güter administrirt hatte, und den anderen zum Nachtheile einer grauen-person, der er die Heirath versprochen hatte und die er mit 10 Kreuzern täglich abfertigte. Die Sun znen, die er dem .Verwalter und der Frauensperson zahlen sollte, betrugen nur einige hundert Guloen. Er war ober zu den Zahlungen nicht zu, b?we gen und leistete im Zuge des Eivilpro esses den falschen Eid, daß er den bei den Personen nichts mehr schulde. Er wurde abermals der falschen Zeugen aussage überwiesen und diesmal zu sie den Jahren schweren Kerkers verur theilt. Der oberste Gerichtshof bestä tigte kürzlich dieses Urtheil und nun hat Oppasich diese Strafe angetreten. In Wien wurde (ewi Geisteszustand wiederholt geprüft und stets normal tcfund-n. Seine abnorm: Körperbe schaffenheit bildete einmal vor circa zwanzig Jahren den Gegenstand ei ner Demonstration und lebhaften Dis 1 cussion in der Gesellschaft der Aerzte. Nunmehr haben sich hinter dem Harpa gon die Thore des Gefängnisses wahrjcheinlich für immer geschlossen. Eine schwierige Frage. " Zu einem alten, erfahrenen und tragen s:'mer Klugheit berühmten Advo taten kam eine Frau und klagte ihm, ihr Mann wolle sich von ihr scheiden lasten, weil sie ihm zu häßlich sei. Hm, hm, hm" sagte der Advokat, .eine schwierige Frage'.- und sing an, unter seinen Büchern zu suchen. Einen Folianten nach dem-andern von denen, die auf dem Tische lagen, schlug er auf aber Alles umsonst: dann ließ er sich Don seinem Diener mehrere große Bü cher, welche er genau bezeichnete, aus den Regalen herunterholen gleichfalls ohne Erfolg. Endlich sann er ein wenig nach, nickte dann mit dem Kopfe und bezeichnete dem Famulus einen großen schweren Band ganz oben ouf der höchsten Siellage. Kaum lag dieses Buch vor dem Advokaten auf Km Tische und er hatte es geöffnet, da erhellten sich seine welken Züge. Die bange harrende Frau athmete erleich' tert. Er hatte jetzt auch in der Thot gefunden, was er so eisrig suchte seine Brille! Diese setzt er auf, wirft einen langen. Prüfenden Blick auf die Frau und sagt sodann mit 'tiefem Ernste: Jhr Mann hat wirklich recht!Der von der StaatSan valtschaft des Landgerichts zu Freiberg unterm 23. Januar d. Js. erlassene Steckbrief gegen die Freifrau Mathilde von Billing-Trenburg ist jetzt laut einer amtlichen Bekanntmachung durch deren Verhaftung erledigt. Die beiden Söhne dieser Betrügerin, von denen der eine ebenfalls wegen Betrug?, der andere aber wegen Fahnenflucht ge. richtlich verfolgt wurde, befindet sich jchon seit mehreren Wochen hintei Schloß und Riegel. Der erstgenannte von den beiden Brüdern war bis vor iurzem Besitzer des Rittergutes Bären Klause im Lockmitzgrund. Ueber legen. Frau A.: Sie sind ja wohl die zweite Frau Ihres Gatten, nicht wahr 'i- Frau Jawohl.- Frau A.: .Ist das nicht unangenehm? Bei einem Zank lernn er docd immer die Wor,üae her ersten Gattin in's Feld führen.Frau B.: Das ist bei mir nicht mög. jick), er ist ja mein vierter Mann, ich a . ? . .. .. ' Hin tyr cijo nocy etwas uoer. Berecbtiate Klaae. NeS had' ich! Als mei' Sohn-noch lein Ärzt war, war ich'S ganze Jahr krank, und jetzt, wo mich der Doktor, nix kosten zthZt', bin ich immer cz'sund wie'n Fisch iim ttClnil .".'!

Martin Loody'S Brautwerbung.

Skizze aus dem amerikanischen Landleben. Von Paul Julius Immergrün. Zwischen der Farmerwohnung deS Samuel Twissel und der an derselben vorbeisührenden Landstraße stand ein mächtiger Hollunderbusch. ' Da das Gebüsch zur Zeit sich im vollsten Blät ter- und Llüthenschmucke befand und. für das schärfste Auge undurchdringlich war, so konnten sich hinter demselben an der Landstraßenscite Dinge ereig nen, von denen man im Twissel'schen j Hause nicht die leiseste Ahnung hatte. ! Gegenwärtig befand sich in diesem blühenden Versteck ein Liebespaar. Der männliche Theil desselben war Martin Looby, ein junger Mann von einund zwanzig Jahren. Derselbe sah etwas , linkisch d'rein trotz der Glückseligkeit, die man bei solcher Gelegenheit wohl ! voraussetzen darf. Sein neuer Anzug aber war aus tadellosem Stoffe und nach dem neuesten Schnitte gemacht, j Martin hatte denselbenzmar nicht durch eigenes Verdienst erworben;. aber er war darum nicht weniger stolz dar auf. Der alte Looby besaß ja die Mittel. den Sprößling jeden Tag, wenn er. wollte, in einen neuen Anzug zu stek ! ken. Auch die Feiertage schuf der junge Mann sich ganz nach Gutdünj ken; denn die Arbeit stand in der Fa 1 milie Looby nicht sehr hoch in Ehren. ! Der Vater. Pat. Looby Esq.. der seine Ortschaft viele Jahre in der Staats Legislatur vertreten, war ohne viel Mühe reich geworden: und Martin, der Sohn, war start beflissen, nach dieser Richtung hin nicht aus der Art zu schlagen. Das schönere Seitcnstück zu Martin Looby war Susie Twissel; sie stand im Alter um ein paar Jahre hinter Jenem zurück, war ihm aber an Verstand und praktischer Lebcnsauffanung weit überlegen: denn wie die nachfolgende Un terredung ergeben wird, war sie es, welche die zarten Fäden des Verhält nisses in Händen und ihren Ritter stramm in den Schranken hielt. Auch im Aeußern unterschied Susie sich merklich von ihrem Liebhaber. Sie trug ein schlichtes Kattunklcid, hatte die Arbeitsschürze vorgebunden und die Aermel halb ausgestreift. Ein aefüll ter Wasscreimer, der an dem nahen j Ziehbrunnen stand, deutete an. in I welcher Beschäftigung der Ruf der i Liebe sie plötzlich unterbrochen hatte. Unser Bild wird nun noch um ein Bedeutendes interessanter, wenn wir , demselben die dritte Figur hinzufügen, die sich thatsächlich an der entgegenge setzten Seite des Busche? in der höchst.' eigenen Person des Herrn Samuel Twissels befand. Wie der alte Farmer das heimliche Versteck ausgekundschaftet, hatte, mag unerörtert bleiben ; wie leicht hätte er uns sowohl als den Lie j benden 'den Spaß verderben können, wenn er plötzlich um die Ecke getreten wäre! Glücklicherweise besaß Samuel Twissel ein ungewöhnliches Phlegma, das er seiner holländischen Abkunft ver-. dankte. Der Urgroßvater unseres Far ' XCtfi m(4 X 4 A wi i 4 t i m Jf um:? jaiyui nui ju uu yuamyiiu sorglosen Einwohnerschaft New Am fterdams, welche selbst in der höchsten Gefahr die Pfeife nicht ausgehen ließen. Ter alte Samuel ließ sie aber doch aus gehen; nicht, daß er seine Gemüthsruhe , verloren hätte, sondern weil er fürchtete. e,ne inme enveik ourcv oen aoaks, i qualm zu verrathen. Nach einer Weile süßen Kofens be gann das Liebespaar mit geschäftlichen Angelegenheiten. Du willst also durchaus, Suue. daß ich den alten Mann erst um seine Ein willigung frag??Versteht sich. Martin, will ich, daß Tu meinen Vater fragst und nicht nur fragst, sondern recht anständig bittest. Hörst Tu? ReHt anständig! Das geyzrt na) lor Du mit Deinem Das gehört sich so!" Ist es denn nicht ganz genügend wenn Du ihm einfach mittheilst.' daß Martin Looby Dich hcirathen will? Bei meinem Alten wird ' das genug seil!." .Ja, ja," meinte Susie, die Väter sind allerdings verschieden. Ter meine würde mich freilich wohl auch nicht dran hindern; aber er würde mir einfach die Thür zeigen. Und so möchte, ich doch um Alles in der Welt nicht von' ihm gehen, zumal es sich mit einem Worte anders machen läßt." .Was kann denn dem alten'Manne dran liegen! Tie Antwort kann er-ja doch nur in einem Wege geben; er wird doch ja" sagen müssend ' Das ist noch garnicht so sicher. Martin; mein Vater könnte auch nein sagen," meinte Susie. ' Ra. das müßt ich erst hören! So einen alten Narren gibts doch wohl im ganzen Orte nicht, .der dem Snhne des Pat. Looby die Tochter verweigern wird." Ich hcirathe Dich nicht Deines rei chen Vaters wegen, Martin, vergiß das nicht!" .Tarauf könnt' ich mir ja etwas ein. bilden. Susie. Aber sieh, aus dcmfel. den Grund ist mir ja auch Dem Vater völlig gleichgültig in der Sache. . Aber sragen werde ich ihn doch, weil Du es so willst. Du würdest wohl gar von mir ablassen, wenn er. nein" sägte. Das findet sich, Martin, erst thu' nur, was sich gehört." . , , Na. wir haben nichts zu fürchten. Tu wirst sehen, Susie, es wird dem alten Samuel Twissel eine angenehme Ueberraschung scin, wenn Martin Looby als Brautwerder vor ihm erscheint.' Ich wette, es nimmt noch keine drei Minu ten Zeit, bis ich mit ihm einig bin. Bleib nur einstweilen hier, bis ich zu rückkomme, Susie." Ter alte Mann an der andern Seite des Gebüsches verzog sein Gesicht nach allen Dimensionen, .je nachdem die Ge fühle, die in ihm wechselten. Ab und zu konnte er ein'Löcheln nicht, unter drücken, wenn seine dralle Tochter ihrem Liedhaber so entschiedene' Antworten

gab. Auch war es ihm durchaus nicht so unangenehm, daß eö Martin Looby war, der seiner Susie den Hof machte; denn es , gab für ein Mädchen in der ganzen Ortschaft keine bessere Partie, als d.r junge Mann es war. Nur ärgerte ihn der hochmüthige Sinn des Burschen und seine Geringschätzung, die er qchen das Aiter kundgab. Wart Junge, ich werde Tir schon die richtige Antwort geben." brummte Samuel Twissel. als Martindie letzten Worte gesprochen hatte, zog sich dann leise vom Gebüsch zurück und eilte mit Riesenschritten in die Wohnung. . Als der junge Mann den Kiesweg heraufkam, stand der Alte bereits mit brennenderPfeife wieder aus derSchmelle des Haufes und sah dem Ankömmling mit eigenthümlichen, aber festen Blicken entgegen. .Wie gehts. Papa Twissel?" Guten Tag. Martin Looby! Was für ein Fest gibt's denn heute bei Euch, daß Du schon so früh am Tage spazie ren gehst?" Ich denke, der heutige Tag wird ein Festtaj für uns Alle werden, Papa Twissel." ... Oho! Hier bei uns sind keine Fest tage angebracht. . ES ist Frühjahr: wir haben viel Arbeit." , Tann will ich'S rasch machen. Ich will nämlich ich soll ich muß Sie um etwas bitte:. Papa.Tmissel." So dann nur heraus damit!" Sie geben doch zu. daß ich Ihre Tochter Susie heirathe?" Der alte Samuel' nahm die Pfeife aus dem Munde und stellte sich furcht bar erstaunt. , Du meine Tochter hcirathen junger Mann?" Ei. ja.- erwiderte er. Ich sprach bereits mit Susie und Susie verwies mich an Sie." -An mich?" Und Papa Twissel lachte, daß es über den ganzen Hof schallte. Ja, ja," sagte er dann und strich sich mit der Hand über'S Kinn, die Susie ist ein gutes Mädchen, ein braves Mädchen. Sie hat das nöthige Zeug zu einer Haussrau schon. Aber wie steht's mit Dir. Martin Looby? Wärst Tu auch im Stande, für mein Kino zu sor gen, wie sich's gehört?" ,.O. wenn Sie meinen, ob ich in der Lage bin, eine Frau zu ernähren, so versichere ich Sie " Ich weiß, was Tu sagen willst, Martin," unterbrach der alte Farmer. Du hast einen reichen Vater, der Dich vielleicht mit allem Nöthigen ausstattet. Aber ich setze voraus, meine Susie will nicht Dein Vermögen, sondern Dich heirathen. Gesetzt nun der Fall. Dein Vater zöge einmal seine Hand von Dir zurück oder Tu verlörst Tein Hab und Gut auf irgend eine Weise, was doch immer möglich ist, würdest Du auch dann im Stande sein, meinem Kinde das gewohnte komfortable Heim zu er halten?" ' : Ich hab ja Kopf und Arme " wollte Martin unterbrechen. "Jawohl, Du hast Kopf und Arme; aber würdest Du in dem erwähnten Falle auch Gebrauch davon machen können, und welchen? Antworte, Mar tin." Auf solch ein Esamen aber war Martin Looby keineswegs vorbereitet; er starrte den Frager recht linkisch an und blieb die Antwort schuldig. Ich weiß," fuhr der alte Farmer fort, Du hast eine ganz gute Schule besucht. Aber das thut's nicht allein. Verstehst Du ein Handwerk?" .Das nicht, Mr. Twissel ich dachte ich " Treibst Du irgend ein Geschäft?" .. Nein, Mr. Twissel mein Vater dachte " Dein Vater dachte, wie ein Narr denkt." -Er hätte Dich anhalten sollen, ein

ehrlich Geschäft zu erlernen, odcrhätte Dich wenigstens hinaus in die Welt schicken sollen aber ohne Geld dann wäre aus Tir vielleicht etwas gemo'-den. Wa5 kannst Du aber jetzt? Nichts, garnichts! Da stehst Du vor mir. ein großer, starker ?)Zensch mit gesunden Knochen, einundzwanzig Jahre alt und bist nicht fähig einen Dollar zu verdienen. 'Du möchtest meine ' Tochter heirathen? Schämen solltest Tu Tich. Martin Lopbq!" . . Ter alte Mann holte ein paar derbe Züge aus seiner Pfeife und fuhr dann fort: Ich habe meine Tochter angehalten. Alles zu, l:rnen, was ein Mädchen aus dem Lande lernen kann: und sie hat die Zeit richtig benutzt. Wohl hätte ich auch ein Dienstmädchen halten können, mehr als eines; aber ich that'S , nicht. Ich wollte meine Tochter nicht zu einer geistlosen, an DiSpepsia und andern städtischen Krankheiten leidenden Krea tur werden lassen. Da sieh sie nur einmal an, was für ein rotwangiges, gesundes, dralles Ding sie geworden ist. Ich hab ihr vi gesagt, keinen Burschen zu deirathen. der das Unglück habe, einen reichen Vater zu besitzen. Da'.sie aber doch einmal so närrisch war, sich in Dich zu öergaffen, so hör' an, was ich von Tir fordere. Geh von heute ab an die Arbeit und lerne, ein Mann zu werden, der sich zu jed.'r Zeit selber, helfen kann. Lerne irgend ein Geschäft es soll mir ganz gleich sein, welches. wenn'S nur ehrlich ist. Ver stehst Du'S aus dem Grunde, dann magst Du meinetwegen wiederkommen; und ist die Susie dann noch Willens, Tich zu heirathen, - so mag'S in GotteS Namen sein. Im andern Falle erhal tet'Jhr meine Einwilligung und mei nen Segen nicht. Und damit Pun tum!" ... Nach diesen Worten klopste Samuel Twissel seine Pfeife aus. schob sie in die Westentasche und-trat in'S Haus zurück, ohne sich um Martin Looby weiter zu kümmern. ' - ; Als der junge M5NN an den Platz der Zusammenkunst zurückkam und nun wie ein begossener Pudel vor sei ner Geliebten stand und derselben den Heraana und das Äesultat seiner

, , Werbung mittheilte, sagte das Mädchen küchelnd rIch habe AlleS mit angehört, Mar tin. und ich dachte mir doch, daß Du nicht so leicht mit ihm fertig werden würdest. ' Ader mein Vater meint es gut." Und nach einer gedankcnvollcnPauje. die auch der junge Mann nicht unter brach, fuhr usi'e fort: Ich weiß nicht, Martin, ob er grade ganz recht gehandelt hat; aber mir scheint cS auch in der Ordnung zu sein, daß Jedermann ob reich oder arm eine bestimmte Beschäftigung haben sollte, auf die er sich in der Noth stützen könnte." Und als sie dann sah. wie der junge Mann so trübe dreinschante, fügte sie besänftigend hinzu: Aber eS jhut nichts. Martin, ich warte schon für Dich. Heirathen wer den wir uns doch, wenn Tu nicht an dern Sinnes wirst." Martin Looby g ng fort. Nach we nigen Tagen hieß c im Orte, er sei plötzlich verschwunden, und Niemand wisse, wohin er sich gewandt. Selbst seine eigenen Eltern mußten keine Aus kunst zu geben. Auch zurTwissel'schen Farm drang die Kunde sehr bald, aber Niemand, am wenigsten der Alte und Susie, ließ irgend eine Bemerkung über das Ereigniß fallen, der alle Hollunderbusch hatte von nun an nicht mehr die Ehre, als Hort der Liebe zu oienen. Ein volles Jahr und etliche Monate waren nach der verunglückten'Brauv Werbung verflossen. Es war an einem sonnigen Oktodermorgen. Ter alte Samuel Twissel war in seinem Garten beschäftigt, indem er die von der Last der Trauben niedergebeugten Reben aufband, als vor der Pforte plötzlich ein Fuhrwerk hielt, von dem Martin Looby heruntersprang, so leicht und elastisch in seinen Bewegungen, daß der alte Farmer ihn im ersten Augenblicke kaum wiedererkannte. Guten Morgen, Papa Twissel!" Ei. guten Morgen. Martin Looby. Woher des Wegs und wohl gar in Ge schästen?" Ja wohl, Papa Twissel, ich komme in. geschäftlicher Angelegenheit. Feste werden nicht mehr gefeiert, als gerade nothwendig find. Hab' 'gehört,' daß Sie Eiderfäfser wünschen. Die auf meinem Wagen befindlichen würden Ihnen vielleicht passen." Ei, ei! Wer macht denn die Fäs ser?" fragte der Alte, dem Wagen näher tretend. Ich selbsk. Mr. Twissel, ich selbst," erwiderte Martin mit einem gewissen Stolz. Ich bin Küper gemoroen und habe mir im Ort ein Geschäft eingerichtet, liefere gute Arbeit und kann es mit Jedem aufnehmen." Da sieh einmal, was aus dem Men schen werden'kann; hab' schon so etwas gehört," schmunzelte der Alte, nahm dann die Fässer eins nach dem andern vom Wagen, prüste sie und setzte sie beiseite. ' Was verlangst Tu dafüc?" fragte er dann. Genau dasselbe, was ich im Mai vorigen JahrcZ von Ihnen verlangte Ihre Tochter Susie." Samuel Twissel lächelte und erwi derte: Du scheinst mir jetzt das ' richtige Metall in Tir zu haben. Junge. Komm' herein, es sollte mich nicht wundern. wenn wir um den Handel eintg würden." " Martin folgte dem alten Manne in die Wohnung. Bereits im Hausgangk kam ihnen Susie entgegen. Ihre run den. weißen Arme waren wieder halb entblößt und trugen die Spuren von

Mehl, das ue zu Brot verarbeitet hatte. Sie lächelte glückselig, als sie Martin jah, und backte fragend in das Gesicht lyrcs aiers. ' Ja. ja, Susie, er ist es, obgleich ei heute ganz anders aussah, als damals. Er brachte mir eine Ladung Fässer, selbstgemachte Arbeit nnd gut gemacht dazu.: Ader er verlangte einen hohen Preis dafür. 'Damals Tu erinnerst Dich wohl noch hast Du ihn an mich verwiesen, und ich war etwas hart ge gen ihn. Darum verweise ich ihn heute lieber an Dich. , Susie. Schließ Du den Handel mit ihm, wie Du willst. Ich bin mit Allem einverstanden." Mit diesen Worten schob Samuel Twissel die jungen Leute in ein Zimmer hinein und ließ sie allein. Er- selbst verfügte sich wieder in den Garten und setzte die Arbeit an seine Reben lang sam fort. Daß die jungen Leute mit einander einig wurden, bewies die bald darauf folgende Hochzeit. ' - Jedes Jahr, an seinem Hochzeitstage, bringt Martin Looby seinem Schmie gervater eine neue Ladung Fässer und gibt damit die Versicherung, daß er einsieht, wie gut es der alte Samuel Twissel mit ihm gemeint hatte; auch gilt es als ein gutes Zeugniß für Susie, die ihm in der That eine gute, drave Hausfrau geworden ist. -- In einer 1855 in Bern er. schienencn Biographie des dortigen Pro fessors Blauer wird u. A. erzählt, wie dieser seinen Schülern die Eeutrisugal. kraft zu erklären pflegte. Ihr Herre'. sagte er. die Eentrifugaltraft, die het e Herr in England erfunden, e g'wüssk Herr Reuten (Newton). Das isch grad aß wie i Bäretryber. der hat e Bar anere Ketti. Te schlat er uf sey Bär mit em Stäcke, daß er soll tanze. Te läuft de Bär e so weyt surt von sym Herr, als ihm 's Ketti erlaubt. U wenn 's 5?ctti. no länger wär', so lüff' er no wytcr. Ihr Herre, das isch d' Eentrifugaltraft." Vergebliche Drohung. Frau:' Das sag' ch Dir, wenn ich heu' einmal sterbe, so eine Frau, wie ich b.n. bekommst Tu nimmer." Mann (ruhig): Wer sagt Tir denn, daßich so eine wieder will?" Sitzen bleiben ist die lci' dende 5o?m.von beiratben wollen. .

t Ich komme mit dem Nachtzuge zu rück und hosse. Dich noch auf und eine Tasse Thee zu finden. Dein Papa!" Irma halte im Laufe des Abends die Karte wohl ein Dutzendmal überflogen. Der gute Papa! .Beides sollte er'fin den. eine warme Tasse Thee und einen warmen Willkommensgrufz von den Lippen seines Töchterchens, das ihm nach dem Tode der Mutter den Haushalt führte, unterstützt von Louise, dem etwas einsültigcn, aber fleißigen und ehrlichen Dienstmädchen. So saß Irma, sehnsuchtsvoll dcö heimkehrenden Vaters harrend. Im zierlichen Theekessel summte und bro delte das Wasser. Schon war es elf Uhr vorüber. Jeden Augenblick konnte die Klingel an der Eorridorthür ertö nen und der Erwartete eintreten. Leopold Kühn war ein unverbcsser lichcr Junggeselle; seit er das fünfunddreißigste Jahr überschritten, hatten auch die weiblichen Jäger auf dies Edelwild die Jagd aufgegeben. Sie war erfolglos. Leopolo wollte absolut nicht heirathen. Und doch war er angeblich zum Eh? mann wie geschaffen:' im Besitz einer sehr auskömmlichen Stellung, mit einem kleinen Vermögen obendrein, ein stattlicher Mann und ein seelensguter Kerl noch dazu. Ader er hatte' eine' merkwürdige Eheschal und diese ging allmülig in eine Frauenscheu über. Im ersten Stock des Hauses hatte er ein paar Zimmer bei einer alten Dame gemiethet und sich comfortabel möblirt. Die übrigen Hausgenossen beachtete er gar nicht. Er wußte, daß im zweiten Stock ein alter Rechnungörath wohnte, von der lieblichen D!ädchenblüth?Jrma, der Tochter desselben, hztte er kcine AHnung. Was gingen ihn die Mädchen an und die jungen obendrein! Bis elf, halb zwölf saß Leopold allein an seinem Stammtisch. Dann kehrte er heim, um am frühen Morgen seinem Berufe nachzugehen. Nur Sonntags war er langer in seinem Heim, aber dann schlief er gewöhntich. Heute war's am Stammtisch urlang wcilig gcw.'sen. Ein paar Ehemänner hatten von ihren Frauen geschwärmt.. Das hatte Leopold dazu gebracht, aus Aerger nur noch ein paar Seidel mehr zu trinken. Denn früher als sonst ging er und machte einen Umweg, um die leichten Nebel des Bieres in seinem Kopfe zu beseitigen. Aber die Reden der Beiden kamen ihm nicht aus dem Kopse. Unsinn! Wenn seiner jetzt daheim ein Weib war tete! Heilloser Unsinn! Tie würde zanken!" sagte er sich, um sich zu trö sten. Aber da redete eine Stimme in ihm etwas ganz anderes. Furcht barer Unsinn!" murmelte er mißver gnügt und ging, nach Hause. Aber die Gedanken gingen mit. Und die setzten ihm noch auf der Trcppe zu. Donnerwetter! Hatte' er denn den falschen Schlüssel, seiner schloß ja nicht. Aergerlich drückte er an die Klinge. Was? Tie Thür war unverschlossen. Seine alte Wirthin wurde doch schon recht unzuverlässig. Brummend trat er in den dunklen Vorsaal. Aber was war das? Eine Thür wurde aufgerissen und im nächsten Augenblicke fühlte er ein paar weiche Arme um seinen Nacken schlin gen und ein paar frische, köstliche Lip pcn suchten die seinen. Papa! Lieber Papa! Wie gut, daß Du wieder da bist!" Lots zur Salzsäule erstarrte Frau war beweglich gegen unseren Leopold. . Starr, starrer, am starrsten stand er da, willen und regungslos. Ein Weib hatte ihn geküßt! Da önnete sich die Thur wieder und ein Licht'chein fiel in den dunklen Eor ridor. Und zugleich ertönte cm Schrei: Um des HlmmelS Willen! E:n srem der Mann!" Ter fremde Mann war mit einem Satze draußen. Donnerwetter", fluchte Leopold, als die Thür hintcr.ihn verriegelt wurde bin ich denn heute ganz toll! . Weiber in meiner Wohnung und ich bin 'aus gesperrt?" Und da kam ihm plötzlich eine Ahnung der Wahrheit: , ich neunhäutiger Esel!" sagte er leise. Ich bin in meinem Dusel eine Treppe zu hoch gegangen. Daher die nicht paffenden Schlüssel o ich- !" Und eilig, als fürchte er, die Thür könne sich noch einmal öffnen, lief Leo pold die Treppe hinab und schloß mit bebender Hand seine Wohnung auf: Das war ein schlimmes Abenteuer!" Bleich und schwer athmend lag Irma in einem Stuhle. Was hatte sie ge than, einen zremden Herrn geküßt und obendrein einen 'Herrn', der im Hause wohnte. , - Es muß Herr Kühn gewesen sein," sagte das Mädchen, von ihrem Beob achtungsvosten an der Thür in's Zim mer zurückkehrend. Der Herr, der unten bei der Amtmannswittme wohnt. Der bat iicb im Stockmerk neirrt " Da klingelte es draußen und diesmal wars hell lm Korridor, als Irmas. Vater eintrat und sein Töchtcrchen herzlich begrüßte. Und Irma war plötzlich hochroth geworden das nahm der Vater für Freude über seine Heim kehr aus. Unten lag Leopol schlaflos in Jet nem Bett. Er hatte einen Kuß bekommen, er, der die Frauen scheute wie das höllische Feuer. Und jetzt, ganz insgeheim, gestand er sich ein, daß der Kuß ganz vortrefflich geschmeckt habe und es doch um ein paar weiche Arme, die sich einem um den Hals legen, ein ganz seltsames Ding sei ! Und dann, raisonnirte er wieder über den heillo ien Unsinn", aber der Unsinn blieb hartnäckig da und unten auf dem Bett

Elneö Kusses Folgen. Humorröke von &). avillae.

eande saß übermäßig lachend' 'v Kl dold. Ter hatte einen Bogen in der Hand und einen Köcher auf dem nackten Nucken. Warte. Junggesell!" spottete Amor jetzt ruf ich mir noch Morpheus zu öilfe und der Ecrberus soll mich loth. veis fressen, wenn ich dein versteinertes Zunggescllenherz nicht zum Ausathmen bringe !" Na das n?aren Träume ! Alles hübsche junge Mädchen, die partout, Leopold . küssen wollten. Er wehrte all? ad nur einer gelang es und )iese Eine hatte das liebliche Gesichtchen nit dem reichen Blondhaar das er in dem Lichtschimmer dort oben gesehen hatte.' Dort oben ! Heiliger Gott -r- er mußte' sich dort entschuldigen ! Das Dar sein erster . Gedanke am andern Norgen. Und der Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Er peinigte i)n den ganzen Vormittag hindurch, bis er Mittags zum großen Erstaunen der alten Frau Amtmann nach Hause kam, sich in seinen besten Anzug warf und mit einer Miene, als gelte es einen Gang auf's Schaffot, die Treppe hin auf in die zweite Etage stieg. Der Nechnungsrath sah sehr verdutzt drein, als Leopold so linkisch wie mög lich seine Entschuldigung vorbrachte und Irma war glühend roth geworden.

Das sah nun der Besucher wieder und wurde so verlegen, daß er nur noch stammelte. Und als er die Thür wie ver hinter sich in's Schloß fallen sah. da sagte er dasielbe Wort, wie m der Nacht: Ich Efel!" Amor' aber, der kleine schelmische Gott, der auf dem Treppengeländer balancirte, lachte fidel Sein Pfeil saß schon, das merkte er wohl. Bon dtund an war Leopold em anderer. - Er kämpfte mit sich redlich' und ernst, aber mit dem eigenen Herzen ist schlecht kämpsen. Und icines zog ihn mit Gewalt nach oben". Und Irma? Ja.- es ist seltsam genug im Leben!. Da hatte sie einem wild fremden Mann einen Kuß gegeben und es schien ihr gar bald, als' könne sie das gleiche noch einmal mit voller Absicht thun. Was dann kam, lieber Le,er? Nichts Unnatürliches, sondern das Natürlichste. Erst wurden Beide roth, wenn sie sich sahen, dann' fanden sie ein paar freundliche Worte, dann wurde Leopold intim bekannt mit dem alten Nech nungsrath, dann wurde er einmal zu Tisch eingeladen, dann kam er häufiger und Gestern haben sie ihre VerlobungS karten versandt. Leopold ist unbeschreiblich glücklich! DaS Stimmrecht der Frauen. Im Pariser Gaulois" greift Alfred Fapus der Zeit vor, wo die Frauen an der Ausübung des Wahlrechts als ge setzlich anerkannte Bürgerinnen theil aehmen werden,, und schildert mit handgreiflicher Bosheit folgende Scene, die sich in einem bürgerlichen Haufe abspielt: Der Mann: Also in acht Tagen werden wir wissen, ob ich endlich in den Gemcinderath komme. Die Frau: So5 Sind Deine Aussichten gut? Der Mann: Sehr gut. Ich und mein Gegencandidat werben nur um wenige stimmen ausclnander sem. Deshalb kann ich Dich nicht dringend genug er mahnen, den Termin der Abstimmung im Auge zu behalten. Die Frau: Nächste'Woche findet die Wahl siutt? Sehr schön, da habe ich ja noch Zeit, mir das neue Kleid machen zu las sen, von dem ich Dir schon gesprochen habe. Ter Mann: Welches Kleid? Etwa das für achthundert Franken? Die rau: Hab ich denn etwas anzu ziehen, um zur Wahl gehen zu können? Ter Mann: Lächerlich! Die Frau: So, lächerlich? Glaubst Du, ich kann den erstbesten Fetzen bei einer solchen Gelegenheit tragen? Meine Schneiderin hat eine Äbstimmungs Node" erfunden, die geradezu herrlich ist. Ter Mann: Achthundert Iranken! Liebe Freundin, sei doch rernünf tlg! Meine Wahl kostet mich ohnehin ein Heidengeld. Du .wirst ' wählen gehen, so wie Tu gehst und stehst. Tie Frau: Warum nicht gleich im Schlafrock? Ter Mann: Gut, ich werde Tir ein Kleid kaufen, sobald ich gewählt bin. Die Frau: Dann wird es zu spät sein. Ter Mann: Spre chen wir nicht mehr davon! Ich bitte Dich! Die Frau: Du verweigerst mir also dieses Kleid? Ter Mann: Jawohl! Die Frau: Schön, dann werde ich meine Stimme gar nicht ab geben. Der Mann: Was? Du wirst nicht wählen gehen, wenn ich ? Tie Trau: Oder wenn ich meine Plrnm nhnrh? . tnrh irh fi trifft für w v v I . Dich abgeben. Der Mann: Wie? Was? Die Frau: Ich werde rur Jules stimmen. Ich theile ohnedies, wie Du weißt. Deine politischen Ansich ten nicht. Ter Mann: Tu würdest wagen, für Jules zu stimmen? Die Frau: Groiß! Der Mann: Madame .. ...Aber ich will ruhig bleiben! .... Sieh, mein Kind, .ich will Dir das Kleid für die Wahlen in's Abgcordne tcnhaus .kaufen. Tie Frau: Mein Gott, muß ich Dir denn Alles sagen? Ich -habe es ja schon bestellt; cö wird übermorgen sertig. Ter Mann: Ja,' wenn das so ist. . .. aber, Du wirst we nigflens' nicht für diesen Jules stim men. Die Frau: Närrchen! Glaubst Du wirklich, ich hätte nicht in jedem Falle sür Tich gestimmt? Ter Mann: Achthundert Franken!. Tie Frau: Dazu noch ein Hütchen & i Wahlurne! Du wirst sehen Ter Mann: Auch recht! Tie Frau: Macht 150 Francs eztra, aber eö ist ein wuh reS Bijou. Tu wirst gewählt, T und kein Anderer, ich garantire es Tir! Sonderbare Erll ärung. .Sie sind doch erst neulich vor Gericht gestanden!" Nein; Herr Präsident, das war mein Bruder!" Stehlt Ihr. denn alle Beide?" .Ja, wir sind Zwillinge!" -: - -

EinNäuberhauptmann. Der Telegraph meldete jüngst, daß: in der Nähe von Palermo der Brigant Giovanni Botindari, das Oberhaupt der berüchtigten Manrinabande. ge fangen und in das Gefängniß der Landstadt Tcrmini.Jmerese abgeführt -worden sei. Botindari war einer der letzten klassi'chcn Näuber, jener tühtteir. trotzigen Männer, die heute einen Raubmord und morgen einen galanten. Schelmenstreich begeyen. Schon, sein Großvater war ein berühmter Brigant, dessen Thaten noch beute in Sicilien irr' üblem Andenken stehen. Giovanni hatte in feinem Geburtsorte San Mauro Castelvcrde das Schustcrband wert erlernt. (5r ließ die Arbeit im Stich, streifte durch den statischen Busch umher und schloß sich bald der Mau rinabande an. die mehrere sicilische Provinzen mit Furcht und Schrecken erfüllte. In Palermo erinnert man. sich noch mit Entsetzen, wie viele schreckliche Verbrechen im vorigen Sommervon jener Bande begangen wurden. Männer und Kinder wurden in grau samer Weise abgeschlachtet oder ver ftümmelt und ihre zerstückelten Glieder hier und da verstreut, so wurde der Schrecken unter die Landbewohner ge trugen und ihnen deutlich gemacht, daß dasselbe Schicksal jedem drohe, der. die Bande verrathen würde. ' Giovanni Botindari machte auf je den. der ihn sah, den Eindruck eines -vollendeten Edelmann; er ist ein gro ßer blonder Mann von vorzügliche Körperhaltung, kleidete sich stets nach der neuesten Mode, trug den Bart a la Boulanger und hatte jederzeit ein siche rcs weltmännisches Auftreten. Wer ihm näher trat, merkte sofort, daß das Rä'uberhandn'crk ihm gestattet, ein Aristokratenleben zu führen und sich mit einem, wahren Hofstaat von treuen Freunden zu umgeben; er warf das Geld zum Fenster hinaus und beschenkte seine Genossen 'und Helfershelfer wie ein orientalischer Märchenfürst. Botin , dari war der schöpferische und erfinden sche Geist seiner Band?. Durch sein Talent überragte er alle seine Räuber brüder und war ein Mann von so guten Manieren, daß cs fast eine Lust war, von ihm ausgeplündert zu wer den. Seine Verwegenheit und seine gute Laune kannte keine Grenzen und erinnerten lcbhast an die unwahrschein lich klingenden Rüubergcschichten der ' Schauerromane. In der Bande wurde er mit scheelen Augen angesehen, weil . er durch seine Kühnheit und Abenteuer lust die ganze Gesellschaft gar oft in die äußerste Gefahr brachte. Er trieb die Tollkühnheit so weit, daß er die vornehmen Elubs in Palermo besuchte und sich mit irgend einem Po lizeiofficier am Billard maß; bei solchen Gelegenheiten gab er sich, da er vor züglich englisch sprach,, stets für einen Engländer aus. Auch ihn hat endlich, wie so manchen anderen ' berühmten Mann, die Liebe ins Verderben ge bracht. Botindari besuchte oft, nur'zu ost das Haus eines gewissen Scianlino, der zwei schöne Töchter hat, von denen eine die Geliebte d.'s Räubers war; das erfuhr die Polizei, und als Botindari am Morgen des 9. l. Mts. erwachte, fand er das Haus von einer Eompag nie Infanterie und von den Earabi nieri aus Ealtavuturo umsiellt. Nach verzweifelter Gegenwehr wurde er schließlich gezwungen, sich zu ergeben. Als man ihn sestelte, fand man sehr feine Schußwaffen bei ihm. Gekleidet war er wie ein interessanter Räuber in ?er Oper: er trug Sammethosen, über der gestickten Weste eine kurze Jacke von schönem himmelblauen . Tuch; er hatte hohe und sehr elegante Reitstiefel. Ein breiter rothscidencr Gürtel vcrvollstän

digte die Räubertoilettc, die Botindari ' auch im Gefängnisse zu Termini ti behalten bat. Der interessante Mann hat zwölf Morde und 16 andere schwere Bcrbrcchcn, als da sind Stra ßenraub. Betrug u. s. w. auf dem Gewissen. ' . E i n Araber war dabei ertappt worden, wie er einem Reisen-den-, während derselbe in ürnem Zelte schlief, die Brieftasche stahl. , or den Kadi gebracht, vertheidigte er sich fol gendermaßen: ö?o wahr Allah mir helfe, ich bin freizu'plkchen, weiser Kadi. Siehe, es war alio: Ich hob mit meiner Rechten die Zeltwand ein wenig empor, steckte den Kopf in die Oeffnnng und nahm des Fremden Gut an mich. Folglich, weiser Kadi, hat nur ein kleiner Theil meines Ich ein Verschulden begangen, der größte Theil ist gar nicht an Ört und Stelle gewe sen, also muß, dem Gesetz der Mehr , heit- gemäß, die ganze Person von. Deiner Weisheit sür nicht schuldig er -iannt werden." Ganz richtig," er widerte der Kadi milde. Ich verur theile denn auch nur den Kopf und die rechte Hand zu zweijähriger Einkerke rung. Der ganze übrige Kerl kann fortgehen." Der scharfsinnige Araber -blickte etwas verdutzt drein und ging nicht fort, sondern in den Kerker. Enfant terrible. Frau (über mäßig freudig gegen eine alte, zu Be such angekommene Tante): O, liebste Tante, Tu weißt nicht, wie sehr Du uns mit Deinem Besuche erfreust. Jetzt, wollen wir nur sehen, wie wir. Dir recht vul Vergnügen bereiten kön nen." Tie kleine Elfe: Wir haben uns schon den ganzen Tag darüber den Köpf zerbrochen; Papa 'meinte, das Schönste wäre. Dir gleich ein Retour lullet zu kaufen." , Ein befähigtes Wesen. Backfisch: .Wie gewisse Menschen von -,. der Natur mit Fähigkeiten ausgestattet sind, das sehe ich einmal, wieder so recht an meiner Freundin Frieda: die singt, : malt, dichtet nnd wird sich' außerdem zu Pfingsten noch verloben.Mancher gilt sür geist ' reich, der nur ein gutes Gedächtniß für -den Geist der Andern hat. Durch den. Aefit) lernt ' man eine Sache am besten kennen, dur.c). den Mangel am besten würdige.,.

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