Indiana Tribüne, Volume 16, Number 235, Indianapolis, Marion County, 14 May 1893 — Page 7
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Tie kleine VZarie.
O? J atatt. . ..Venn Tu diese Zeilen erkältst, -weile ick, nickt, mekr unter den Ledenden. Du Kast mir, der armen Verlassenen, der Du Liebe und Treue geschworen, den Laufpaß gegeben, um eine Reiche ?u deirathen. Sei glücklich mit ihr. Ich werde es euch sein, denn ich bin er löst? Marie". m Er starrie auf da? zerknitierte $axier, das leick: in seiner Hand zitterte. Er war so völlig in Gedanken und Erinnerungeri vertieft, daß er nicht hörte. Wie die TKüre Ui vornehm ausgestatteten immers geöffnet wurde und eine schlanke Frauengestalt herein huschte. Einen Moment blieb sie zögernd ste hen, als sieden Gatten so in sich cer funken am Fenster sitzen sah. Dann schritt sie zaghaft und auf den Zeden zu ihm hin, beugte sich üfcer ihn und sah ihm über die Eckiulter. Eine fableBlSsse überflutbete ihrGe ficht, ein leiser Aufschrei entrang sich .hren Lippen. Wie aus einem schweren Traume fuhr er empor und wandte sich ihr zu. Er zuckte zusammen und das Pavier. das er zu vernichten niemals den Muth gefunden batte, entfiel seiner Hand. $n hast gelesen V fragte er mit tonloser Stimme. Ja, nun weiß ich. warum unsere Ehe eine so unglückliche war. Wie ein Seufzer der Erleichterung kam eö aus seiner Brust. u weißt ei endlich. Warum all' meine Versuche, Dein müdes, düsteres Wesen zu verscheuchen, fehlschlugen, ich weiß i nun! DaS Gespenst einer Andern stand zwischen uns einer Andern, die ein Elen der in den Tod getrieben. Und diese? Elende, dieser Wortbrüchige 0 meut Gott, mein Gott'.' Sie schlug die Hände vor'S Gesicht und brach in krampfhaftes Schluchzen aus. Er that nichts, um sie zu trösten. Er starrte sie nur an und strich sich mit der Hand über die glühende Stirn Nun ist Alles zwischen uns aus; begann er endlich mit leiser, vibriren "er Stimme, wie zu sich s:lbst sprechend., Nun herrscht volle Klarheit zwischen UN?. Sie antwortete ni6 aber-ibrSckluch zen erstarb und sie fau ihn mit scheuen, fast furchtsamen Blicken an. Du verabscheust mich?" fragte er tonloZ. Ja.- antwortete sie kurz und rasch. .Wir werden uns trennen?!" Jetzt fccrte seine Stimme einen wei üen, flehenden Klang angenommen und er streckte die Hand nach ihr auS. Lass' mich lass' mich jetzt. Ich bedarf erst der Nuhe, der Ueberle-gunz.-Verzeike mir, Martha." Verzeihen? . Und wenn ich n der Stelle jener Armen gewesen wäre? Verzeihung einem Ä)!anne, der onie! nie! Tu bast Recht, zwischen uns ist Alles' aui Schlaff ließ er. sich in seinen Sessel zurücksinken und sagte nichts mehr. Als er endlich wieder aufsah und sich nach iir. umblickte, hatte sie daZ Gemach' bereits verlassen. Ta also war das Ende. Was blieb ibm nun zu thun übrig? Jene hatte er in den Tod gelrieben, diese für immer unglücklich gemacht. T'sui! Dfui!" kam eS laut und zischend von seinen Lippen, er fuhr hastig' vom Sessel. empor und riß das Fenster auf. Der frische Luftzug, den der heran dämmernde Herbstabend hereiniandte, kühlte seine Stirn und beschwichtigte den Sturm in seinem Innern. Was habe .ich gelitten." flüsterte er vor sich hin. in den fünf Jahren an' der Seite dieser edlen, draven Frau die m meine Liebe bettelte, die mit sorzsamer, zärtliche? Hand die Falten von meiner Stirn strich und mit rüh rendn Aufopferung mich glücklich zu machen suchte! Wie namenlos elend' war ich seit meinem Hochzeitstage und r.irn ollein ganz allein !" Tief aufseufzend lieg er sich wieder !n den Sessel gleiten und starrte von Neuem vor sich hin. Und wie unzählige Male schon wah. rcnd d letzten Jahre, schweiften seine Gedanken zurück in jenen Tagen, die. einte daß tf gewußt oder geahnt, sein' Gluck, ferne Zusnedenheit für immre vernichteten. Er hatte Marie, die kleine, zierliche Näherin, die arme, verlassene Waise, geliebt, wie bi flottes lebenslustig Studenten solche Mädchen gu .lieben vflegen. Niemals war ihm der Ge danke gekommen, daß sie seine Versiche rnnaen und Betheuerungen ernst .neh mcn könne. Die nmlen ja, wie maAas .jnttni, batte er sich gesagt und ohne Bedenken weiter getändelt. Dann tsax endlich daS Examen ge kommen und er hatte ti glänzend bestanden. Nun war er Was. Nun war er Totori Jetzt bezaL.nst das ernste Lebe, jetzt war eS vorbei mit den Tändelu und lustigen TehwstüTknen. Nun mu&t ausgeräumt taetden mit den nichtigen Freuden der $xJ denen Vurschenzeit Weg tmt den Zch brüdern, den tolle Commiliton, weg mit den Kneip studitt und Paukereiea. tveg auch mit der ziemlichen kleinen 2Ra rie! Ein Absagebrief nit letztem Gruß ad Kuß, und AlleS pat vorbei. Viel leicht, wenn sie'S wünschte, ein kleines Sümmchen mit auf den Weg dank toat Alles in Liebe und Güte geordnet. Aber Marie gehörte zu denen, die .so etwas" ernster nehme. Er tsax erstaunt, als er sie so tragisch der sich stehen und weinen sah. An solche Beharrlichkeit der kleineu batte erwahr lich nicht gedacht. Aber er hitte sie gern nd auch noch keine anderen ernsten Verpflichtungen in dieser Beziehung. So wurden sie denn wieder eimg sür ein Weilchen. ' Inzwischen hatten Tanten und Basen em , jungen Dcctor" eine Zrau auSge-
luckt. E:n braves, ein yerz,?nSguteS
Mädchen, m&t eben hervorrezend schön, aber sehr reich wie geschahen für einen' eten zur Praxis fchrnlenden - jungen Arzt. Man stellte sie ihm vor. sie ge nel ;hm und er fad völlig em, dag sie zu seinem Glück 'und seinem' Fortkom men nöthig sei. Nun mußte .ja die kleine Marie Vernunft annehmen, gegen. diese Gründe konnte sie doch nichts ein zuwenden haben! Tennoch hatte er mit der Erklärung gezögert, und das doppelte Spiel, das Heucheln und Betrugen begann. Erst als seine Vermählung mit Martha kurz bkvorltand, hatte er den Muth gezun den, einen langen ausführlichen Scheide brief mit genauer Auseinandersetzung aller Gründe an Marie zu schreiben.' Jene wenigen Zeilen waren ihre Ant wort gewesen. Sie hatten sein Lebensglück für immer vernichtet. Er hatte inzwischen den wahren Charakter und die Empfindungen des jungen Mädchens gut genug kennen gelernt, um zu wissen, daß diese ihre Worte ernst zu nehmen waren. Außerdem lieferte ihm der eäaliüe Poli;eibericht Beweise dafür. da& diese Mädchen doch nicht immer von vornherein willen, wie man' meint l Sein Charakter war welch und edel. sein ganzes Wesen ziemlich sensitiv ver anlagt; jener Abschiedsbrief, da; Be wuntiein, bieie arme Berlanene tn den Tod getrieben zu haben, er schütterten ihn furchtbar und machten ibn zu einer willenlosen Beute der Reue und bitteren Selbftanttagen. Mit einem Schlage erkannte er die Verwor fenheit seiner bisherigen DenkungS und Empnndungsmeise und er fand kein Entschuldigung, kein Beruhigung! littet. Aber er batte ja eine Brant, die er in wenigen Tagen vor den Altar führen sollte. Ihr munte sein Seelenzustand natürlich geKeim gehalten werden. Sie liebte ihn und vertraute hm er durste nicht auch sie unglücklich machen. Es waren schwere, bittere Tage, die seiner Hochzeit vorangingen. Fast all morgendlich, während seine Braut mit den Toilette Borbereitungen zur Ber mählung, und die Tanten mit der Ab fanunz der Einladungen oeichaftigt waren, schlich der zmglückliche Bräuti gam zur Morgue, um verstohlene Blicke aus die dort eingelieferten Unglücklichen zu werfcu. Ach, es waren derer so viele! Aber immer zögerte sein Fuß auf der Schnelle bei düsteren Hauses. Angst und Grauen packten ihn er wagte nicht, hineinzugehen. Wie, wenn er sie wirklich kalt und bleich vor sich liegen sah? Hätte er, dieses Bild im Herzen, jemals wieder mit Zuversicht lichem Lächeln vor seine glückliche Braut treten können?! Nein, er wollte die grauenbafte Gewißheit nicht. So blieb ihm wenigstens noch eine Hoffnung, ein Trost: der Zweifel! Aber dieser Zweifel erwies sich nickt als stark genug, daS Bewußtsein seiner Schuld zu unterdrücken. Bei Taufenden hate eine leichtsinnige, frivole An ahme schon genügt; er fand diesen Trost nicht, weil er gar nicht daran glaubte. So konnte seine Ebe mit Martha eine wahrhaft glückliche nicht werden. Eö stand etwas zwischen ihnen, und die arme junge Frau vermochte sich selbst nicht zu erklären, warum der von ihr über Alles geliebte Mann meist so ver schlössen, oft so trübsinnig und so selten herzensfroh und heiter war! Er erkannte, wie sie ihn liebte und vergalt es ihr. Mächtig zog ihn sein Herz zu ihr er lernte sie verehren und lieben nicht aber zufrieden und glücklich zu sein. Nur in flüchtigen Stunden ver gaß er. was ihn niederdrückte und auf ihm lastete aber nur zu bald kehrte die Grundstimmung seiner Empfindun, gen zurück. Er wurde em nervöser, mürrischer Geselle und ein schlechter Arzt. Selbst ein so weicher, ergebener Eharacter, wie der MarthaS, konnte da nicht bestehen. Auch sie wurde fchlien lich zeitweise launisch und mürrisch. eS gab Streit und unfreundliche Scenen. Die Tanten schüttelten betrübt die Köpfe. DaS war kerne glückliche Ehe. Woran konnte daö nur liegen? Bon der klemen Marie wußten sie ja nicktS. ES war um die Mittagsstunde des anderen Tages. Ziel und planlos schleuderte der unglückliche Gatte durch die Strafen der Stadt. Er wußte nicht, wohin er ging und wohin er ge hen wollte. Das Bedürfniß nach Luft, nach Bewegung hatte ihn hinausgetrie den. Und fo wandelte er mtt gelenktem Haupt, gleich einem Träumenden, durch die Straßen, unbekümmert, ob bei seinem achtlosen Weien etwa tn Wagen ihn niederiß und überfuhr, .oder ein an derer Passant mit ihm ziuammenrannte. Da erhielt er plötzlich emen heiNgen Stoß vor lie Brust nd .eine rauhe Stimme riet ihm zu: .Na, Sie lönnen wohl nicht 'vor sich -sehen?! ES hatte einen Zusammenstoß mit nem vaumlanzen Schlächtergesellen ge geben, der nun den achtlosen Wandler eine Moment wüthend ansah und dazu lanivvfend werter trabte. Uederrascht und verwinli-m lay ver aus dem Traum Erweckte. pch. Wo war er denn eigentlich? Seine Blicke sielen aus daS vor ihm liegende ufer, das mit Zauderen Obftouden besetzt war. Unwlllkurllch. tt udem. schlaf fem Ausdruck musterte er d Umge bung. Da zuckte er plötzlich zusammen. Starr hafteten seine Äugen auf einer der Buden, in welcher eine Aerküuferin eifrig ihre Waaren feilbot Sie war ein schmuckes, sauber gekleidetes Weibchen, mit einein runden, sreundlichen Antlitz, daß nicht' so gewöhnlich und derb aussah, S die Gesichter ihrer Be rufSgensssinne. Diesem Weibchen starrte der Unglück liche Mann in'S Gesicht, lange und nn verwandt, an den - Pfeiler eieS HaS thoreS lehnend. Dann überschritt er hastig den schmalen Fakrdamm und trat direkt an den von melen Käufern um gebenen Verkaufs stand. --Sie wünschen ? 'fragte die Verkäu
serin mechanisch. ' . - . ""","'
,Veoen Ele mir Aepsel.-.Wieviel?-.Soviel Sie wollen. " DaS heißt
oieseS Maaß hier. . Von denen da.- , Seine Bllcke verschlangen sie faft. als sie mit berufsmäßiger Fertigkeit, aber dabei aufmerksam die Straße, hinauf spähend, die Früchte emman. . Er legte eine Münze auf da'S. Brett und sie gab ihm, siaz schon an'ande're Kunden wendend, heraus. In demsel ben Moment hatte sie gesunden, waS ihre Blicke vorher gesucht. Ein stämmi ger. hochgewachsener Mann trat m die Bude und sagte: Mahlzr. So. Alte, Ablösung vor! Hat der Herr schon bezahlt? Oder noch 'was gefällig ?- Ohne zu antworten wandte der Käufer sich hastig um und schritt schnell da von. Aber nach wenige Stunden, am Nachmittag, kam er wieder. Er verlangte abermals Aepfel. Die Aepfel von heut' Mittag waren gut," sagte er zu dem jetzt allein an wesenden Verkäufer. Sind Bit schon lange hier auf diesem Stand?vn r l . U nee: iiisxt und er l vor n paar Tagen mit unserm Kahn von Dresden 'reingekommen. Ich war seit fünf Jah-i ren mcht mer m der Stadt.So lange nicht? Bei den guten Ge schäften hier? Warum das?" .Ja Zey'n Se, uever Herr." antwor. tete der Verkäufer mit geheimnißvoller Miene, da sind Familienangelegen, heizen. Und Familienangelegenheiten " hier hielt er inne, schüttete daS Obst in die Tüte und bat sich daS Geld auS, ehe er fortfuhr: .geh'n keinen An dern 'was an. N'Abend. Kommen Sie hübsch wieder." Damit drehte er sich kurzweg um und ließ den Käufer stehen, der schließlich unverrichteter Sache wieder fortgehen mußte. Ader er hatte mehr Gluck bei einer Standnachbarin des Obsthändlers, wel cher er im abendlichen Dunkel einen Besuch abstattete. Wle n Wanmall floß eS von den Lippen der Matrone, als der vornehme, neuaierige Herr sich mit ihr in'S Blau' dern einließ und wiLbegierig nach je nem neuen Händler und deen Frau fragte. Ach, das ist ja mein Land?mnn der brave Johannes.- plauichte sie;" der kann 'was erzäblen. der bat sich ferne Frau auS dem 'Zaner gekolt. AiiS dem Waer?: Was jagen Sie da!- . Jawohl. Sie war 'reinze:'örungen u::S LiebeSgram. Steckte wieder fo em Schubdiak von jungem Kerl dabin ter. Sie wissen schon. Der Johannes bat sie 'rauöqeholt und gerettet. Na und weil sie so arm und rerlassen war und krank wurde, da baben sie seine El tern auf dem Kahn behalten. Da hat sich denn die Sacke gemacht. Zuerst war sie ganz verzweifelt, die arme kleine Marie, und wollte von uicktö nicht wis sen. aber schlieölick bet sie koch einge seh'n, daß der Johannes ein braver Junge i,'t na, da haben sie sich eben getzeirathet..Und sind wobl seb? glücklich? ?! und ob! Sind wohlhabende Leute und einen strammen kleinen Bendel baben sie auch scbon. Sie hat sich denn auch endlich über den andern erbärmlicbenMenschen getröstet... Ja aber wie sehen Sie denn aus? Gerade, als ob Sie mir um den Hals fallen! möchten?" Aber bevor sie sich noch von ihrem Staunen recht erholen konnte, wnr der neugierige Herr ohne Antwort auf und davon. Kurze Zeit darauf betrat er rasch und erregt da Zimmer seiner Gattin. .Ich bringe gute Botschaft, Mar thz rief er ihr zu und versuchte ihre Hand 'zu ergreifen. JeneS Mädchen, das ich todt wähnte, ledt und ist glück lich." Sie antwortete ihm nicht, aber er be merkte wohl, wie ein heller Schein über ihr Antlitz flog. Hastig, in beredten Worten schilderte er ihr daS seltsame Wiederseben und fuhr dann mit erhobener, zitternder Stimme fort: .Und nun verzeihe mir, verzeihe, Martha, was ich im frevelnden Leicht sinn der Jugend gethan. Daß ich wäh rend dieser langen Jahre, trotz all' Deiner Güte und Liebe so schwer gelit ten und keine Nuhe z finden vermochte, daS gerade muß Dir beweisen, wie tief ich bereue, wie daS Bewußtsein, gesün .digt zu haben, alleS iu mir erstickte' und selbst meine Gefühle für Dich nieder hielt. Berzeihe mir und laß nnS ein neues Leben beginnen. Sieh', nun kann Alles sich zum Guten wenden. Kein drohender Schatten steht mehr mahnend vor ihr der Alp, der auf meiner Seele lastete, ist ton mir ge nommen. Nun laß mich Dir all' daS vergelten, was Du in unserer Ehe Gu teS an mir gethan. Es gibt kein Ge heimniß kein Dunkel mehr zwischen unS wir können glücklich fein! Kannst Du mich noch lieben, mir noch ver trauen?- ' .Ich will eS versuchen," sagte sie, indem sie ihm die zitternde Hand reichte. In ihren Augen 'aber vermochte er deutlich zu lesen,, daß sie fest au daS Velingen dieses Versuches glaubte. . in Idiot l9l(4cnrünllr Schopenhauer tröstet sich und andere begabte Leute einmal über ihren Man gel mathematischr und rechnerischer Befähigung: Man könne in der Ma tbematik in der Terkia, in allen andere Fächern in der Prima sitzen. Bekannt ist, daß große Dichter und Künstler und bedeutende Philosophen schlechtev'Nech. er waren. Es scheint also in derhat, daß die Begabung sür Maß und Zahl eine ganz besondere Anlage ist. ' die rnit hervorragendem Können aus- anderen Gebieten wenig zu thun hat. Mancher Leser entsinn: sich wohl auch aus eige er Schulzeit, daß der beste Mathema tikuS seiner Klasse sonst gerade keim Leuchte gewesen war und namentlich an dem Prüfstein großer . Geister, dem deutschen Aufsatz) eine nur sehr dürsti gen Goldgehalt zn erkennen gab. .Wi dem nun auch sei daö man geradezu
ein Wunder ln der Kunst des Rechnens und dabei sonst ein Idiot ist, daS dürft überraschend klingen. Und doch stand dieser Tage vor dem AmtSanwalt deS Berliner Polzeipräsi' diumS der Rechenkünstler Friderici, ein Italiener von Geburt, der seit Jahre in Berlin und Umgegend' seinen Aufent halt hat: er sollte gebettelt haben. Nach einem amtlichen Zeugniß seiner Heu mathSbehSrde ist Friderici. der Rechen künstle?, schwachsinnig. Bei der Beur theilung deS Vergehens mußte man daZ in Betracht ziehen, andererseits auch be rücksichtigen. da der angebliche Schmach sinnige ein Rechenkünstler ist. Freilich will er nicht gebettelt, sondern nur Pro ben seiner Kunst in Lchanklokalen ab gelegt und hierfür Geldgeschenke genom men haben. Für seine geistiae Engt sprach das durchaus echte, amtliche Attest und sogar sein Benehmen. Friderici legte trotzdem sofort glänzende Beweise seiner Rechenkunst ab; er sagte dem AmtSanwalt und mehreren anderen Personen, als man ihn auf die Probe stellte, binnen einer Minute, wie viel Sekunden Jeder bis zum Augenblick ge lebt bat. sobald man ihm Geburtstag und Jahr angegeben hatte. Alle seine Rechnungen wurden sofort geprüft und richtig befunden. Kopfschüttelnd sah man einander an; nachdenklich blätterte der AmtSanwalt in den Acten. Der Mann wurde freigesprochen. Vielleicht befaßt sich die Wissenschaft einmal mV ihm.
DaS Eirkular. KommisfionSrath X. ist ein glücklicher Mensch, denn er hat eine hübsche Frau und einen guten Freund. Letzterer ist natürlich Baron und heißt Walter von .... ich weiß nicht recht, ob ich F. oder von Z., sagen wir von V" X. und F. geboren einem vornehmen Klub an, in welchem Ersterer als VorstandSmit glied fungirt. Der Tag der VorftandS wählen ist nicht mehr fern. Daher sitzt der Kommissionsrath zu Haufe und versendet gedruckte Cirkulare, in wel chem eS heißt : Der Wahltermin ist auf den kommenden Montag Abends 3 Uhr festgesetzt u. s. w. DaS liebe Frauchen hilft dabei. eS packt die Cir culare ein und schreibt die Adressen. Endlich ist alle fertig. Da fällt dem CommisfionSrath ein, daß er seinem sreihcrrlichen Freunde noch eine private Mittheilung zu machen hat. Er erbricht daS betreffende Couvert und sinkt vernichtet zusammen. Dastand: ( Der) Wa(h)lter(min) (ist aus den) komm (enden) Montag Abends 8 Uhr (fest gefetzt.)" Die eingeklammerten Worte waren durchstrichen, so daß eS nun hieß: Walter, komm Montag Abends 3 Uhr.Während also der gute KommissionS rath im Klub die VorstandSwahlen lei tete, sollte der Baron die Sitzung schwänzen. Nach acht Tagen war daS Ehepaar geschieden. Der Selbstmord auf dem Par tkenott. Ueber die Motive de5 Sclbswndz einer jungen Hofdame der Kronprin zessin von Griechenland werden jetzt ausführliche Mittheilungen gemeldet : Mary Weder, ein Mädchen von höchst sympathischer Erscheinung, das mit der Kronprinzeistn Sophie nach Athen qe kommen, war in ihrer Heimath verlobt. Bei ihren Spaziergängen auf der Akro poliZ lernte ste jedoch einen zungen Me diziner kennen, der ihr die heftigste Lei denschaft. einflößte. Die jungen Leute sahen sich häufig an der Stelle, wo sie sich zuerst ihre Liebe gestanden, hon n'ungslos. wie sie sich selbst sagten. Beide ohne Vermögen und ohne sicher Aussicht auf die Zukunft, und sie dazu noch m,t einem Anderen verlobt. zog sich die ache durch sieben Monate hindurch fort. Mary Weber hatte ihrem Vater ihre Liebe mitgetheilt und ihn gebeten, ihr früheres Verhältnis zu lösen. Vo, einigen Tagen jedoch erhielt sie von ihm eine definitiv? abschlägige Antwor und gab ihrem Geliebten ein Rendez, vouö. zu dem dieser nicht erschien. Noch zwei weitere Briefe sandte sie an ibn ab, aber ohne Erfolg. Der jung Mann war krank, und da die Briefe iu das Militärhospital geschickt worden waren, ln dem Jener als Unterarz Dienste leistete, so kamen sie nicht in seine Hände. Erst am Morgen des unheilvollen Tages war er so weit her gestellt, dak er sich zum Hospital begab, wo er dann die Briefe vorfand. Auf geregt durch den Inhalt und nicht im Stande, seinen Dienst zu versehen. kehrte er wieder ln seme aus der ande ren Seite der AkropoliS gelegene Woh nung zurück und erhielt hier einige Mi nutcn vor elf Uhr einen am vorher gehenden Abend auf die Post gegebeueu Brief, in dem Mary Weber ihn be schwor, sie auf der AkropoliS zu treffen; we:m er bis elf Uhr sich nicht eingelun den hätte, so würde sie durch einen Sturz vom Parthenon ihrem Leben ein Ende machen. ES war schon zu spät; er stürzte an'S Fenster, von dem er oft der Geliebten, die den Aufstieg auf den Parthenon liebte, ftlnen mu$ mit dem Taschen tuche zUoesandt hatte. Er ttebt sie au dem hohen Giebel stehen und lvinlt lhl zu; sie verschwindet plödlich von der Höhe, und er stürmt durch die Straßen der Stadt; und wie er kaum zum Ma. rinehospital gelangt, bringt man die illnalualiche eben dorthin. Bettweifel iftürzt er sich auf die blutige Gestalt de, lL)elledten. 2)e? wachhabende Ant län ihn mit ihr allein. was er ihr in den letzten Augenblicken geschworen, lieg sich aus den Worten erkennen. . die tt dem Arzie sagte, als er sich von de, Weiche fortführen ließ: Ach, ich kenne 'meine Pflicht. In der. Nacht wußte 'er die Aufmerksamkeit selneS Bruders, der. ihn vorahnend stets bewacht hatte, abzulenken und schoß sich mit einem iRevolver.- den er verborgen gehalten hatte, eine Kugel in'S Herz. Sie ruhen aus dem Kirchhofe, nur wenige Schritt, von einander getrennt, im Tode vev eint.
wei deutsche Niesen. ' . -T . Amerikanische Muskelhelden und d lenfalls noch die englischen -und australischen Kollegen. solcher werden dem e fer hierzulande fo masienhaft vorgc führt, das; Viele, fast versucht wären. diese Menschenklasfe in. unserer Zeit, für eine Specialität der englisch lesenden Kulturwclt zu halten.' Ein großer Theil dieses irrigen Eindrucks hangt auch damit zusammen, daß cden gcraöc in ist englisch redenden Welt die Presse am großartigsten entwickelt ist und die täglichen oder wöchentlichen AildcrbüZ.er. aües andere derartige weit hinter sich
lauen, msolge deen gerade diee eiin sone und Polluxe eine ganz andere un gewöhnliche Bedeutung erlangen. Den deutschamerikauischen Lescr dürfte es intercssiren, von Zeit zu Zeit auch nn mal zur Abwcchlung derartige Erschei nungen aus dem allen Baterlande sich vorgeführt zu sehen, -7- H.'ratlesse. und Goliaths, welche seh? wohl ihr 'ganzes Jahrhundert dcS Musleltultus in die Schranken fordern können, oder zum Mindesten keinen Mitbewerb zu scheuen brauchen. Zwei derlelben feien daher in Bild und Wort vorgestellt. Sie er regen in Deutschland kaum ein gerin geres Jnterresse, als sie hierzulande sin den würden; denn bekanntlich hat auch drüben in den letzten Jahren die Volks thümllchkeil derartiger Blüthen des ed len Sports ganz erstaunllcheFortschrltte gemacht. Wenn also Caprivi oder Ahlmardt sich einbilden sollten daß sie gegenwärtig sich der alleinigen Beach tung ihrer geehrten Landsleute zu er freuen haben, fo waren sie sehr schlecht berichtet, oder, wie sich der Berliner Sport- mit einem beliebten von der nicht immer unzweifelhaften Havannah hergenommenen Ausdrucke verständlich machen w.-.cd.', sie wären etwas fchief gewickelt". Ter Niele au5 dem BzZernlande. Von diesen Beiden echt teutonischen Riesen ist der eine ein hahnebüchcner Norddeutscher-, ein geborener Hambur ger, der Zweite ein hühnenhaftcr Ver trcter des Kraftbajuvarenthums." Ersterer ist der weltbekannte Ringer i?arl Abs. noch vor kurzer Zeit alla bendlich der gefeierte Held und der Stolz d?s Cirkus Renz. sowie unzahli ger anderer ttunstiempel der Nach Hauptstadt, in denen der männlichen Kunst des Ringens Opfer gebracht werden. An die etwas weniger sanfte englische Boxerc, hat sich Äkelsterrin ger" (5arl Abs nicht heranpirschen wol len: die Faustkämpferei ist ihm zu fle gclhaft und roh. und entstellt übri g?ns auch die Visage oani' schauder haft". Ader im Ringla-npfe nimmt er cS mit ledem auf. Natürlich aibt es auch hier einige Fechterknifse. über die der Uneingeweihte dann gewöhnlich die Geduld verliert und oft sehr laut zu schimpfen anfängt. Tazu gehört vor allem die unverbrüchliche R-gel, daß der v,cgner nicht eher als besiegt gilt. als bis er mit beiden Schultern gleich zeitig den Boden berührt. Wenn es NUN Abs Mit einem sedr starken Geaner zu thun hatte, so warf er sich dann stets aui den Bauch, und stemmte uch mit so ungeheurer Kraft dagegen, daß der Maner ihn trok der grönten Ge schialichteit nicht herumwerfen und die aestellte Bcdlngunq erfüllen konnte. Dem Publikum wurde, nun das doch immerhin unthätige Daliegen des Hel den oft genug langweilig, und so kam es dann öfters zu recht stürmischen Auf tritten, die bei mehrmaligem Vorkom men die Popularität des Meisters er heblich erschütterten. ' MS und Elephant. Die größte Bedeutung unsere? platt deutschen Riesen liegt übrigens nicht sowohl in seinen nftischen" Leistun gtti; sondern in den Aeußerungen einer wirklich staunenswcrthen Muskelkraft. Bei ihm sowohl wie bei seinem süd deutsche Krastrivalen sind die Leipungen zum großen Theile das Resul tat eines mit der größten Beharrlichkeit und Umrmüdlichteit fortgesetzten Sy fiems lange und andauernd nach einem gewissen und mit Umsicht und Ersah runz ausgearteiteten Plan täglicher Uebungen. Kraft und Kunst haben harmonisch zur Erreichung dieses Ne fultats geführt, welches die Welt jetzt bewundert. Beim Heben schwerer Ge- . wichte wird zwar der ganze Körper be .'schäftigt; indeß sind nur ganz be , , stimmte Theile des Körpers besonders , dazu .tramirt". r Lange Zeit galt es bei unS sür 'eine
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zanz unübertroffene Leistung, ein leöendeS Pferd also etwa elf bis zwölf
Centncr Gewicht in die Höhe zu de ben. Ader Abs sann auf Gewinn neuer und unerhörter . Lorbeeren: ihm genügte diese Leistung nicht mehr, mit der schon jeder Jahrmarkts'erkules hausiren ging. So brachte er es denn durch unaufhörliche Ucbuna endlich dahin, daß er schließlich einen lebenden Elephanten, desjcn Gewicht. das c:nes mittleren Pferdes wohl um das f'.:nsbis sechsfache übersteigt, cmvorho?. In welcher Weise er das vollbringt, d.:?on ann man sich durch das beigccscne Bild einen ungefähren. Begriff Mi.i en. Natürlich sind'viele Vorsichtsmaßr .eln erforderlich, um einen Unfall auci; .iur der Möglichkeit noch völlig aüszujlie ßen. Naturgemäß behagt dem Elephanten die schwebende Stellung in der iuft einesweg, und er würde daher icheu niqst darauf bedacht sein, sich so bald wie möglich und riöthigenfalls mit Ge walt, leine Freiheit wieder zu verfchaf fen und die Mutter Erde mit seinen breiten Sohlen zu, berühren. Man mus daher den unwirschen Nlelendlck häuter fo feffeln, daß er sich selbst unters Aufgebot inner gewaltigen öirajte nicht befreien kann, und das erfordert einen bedeutenden Aufwand der stärksten Bandagen und Fesseln, so ungefähr, wie in' der alten nordischen Sage die Fesselung des Fennswolses, der schließ lich doch den Weltuntergang und die Götterdämmerunz herbeiführen, wird.' Vor allem aber muß sich der moderne Thyr vor dem furchtbaren Rune! des, Elephanten in Acht nehmen, sonst könnte es ihm noch schlimmer ergehen', wie dem Kriegsgotte. der seit jenem Aben teuer mit dem furchtbaren Wolf ein armig in der Göttersage umherläuzt. Welche gewaltige Fmgerlrast in den Pranken dieses teutonischen Kämpen wohnt, hzt er durch das Heben rienger, Lasten mittels eines eisernen Handgriffs genugsam bewiesen; er bedient sich dazu sogar oft nur seines Zeigesingers. Etwas über die Narrheit. Die Narren baben zu allen leiten und bei allen Völkern eine hervor ragende Ätoue geipieit. früher hatte man Hofnarren, die ihre Narrheit oft so wett trieben, daß sie gescheit und klug redeten, vergnügt waren und Ver gnügen machten. Darum sagt auch der lachende Philosoph Demokrit: Es gibt vielerlei glückliche Menschen: Be trunkene. Verliebte, die Jugend und die Narren, und Lehtere sind fo glück lich. wie die Kinder bei ihren Spielen." Dem Knaben gilt sein Steckenpferd soviel, wie ein theurer Viererzug, dem Mädchen die Puppe nicht weniger wie eine Prinzessin und dem Narren ein Strobkrani soviel wie eine Königs kröne. Auch , heutigen Tages noch t ... IV i!ni hilltn f v rt ? luilil 0tutl 111 ii"" vbiiuuu wiiuQi sick an einem beliebiaen Ort ausstellen und unverwandt irgend einen Giebel anschauen: es wird nicht lanc;e wäh ren, so helfen ihm zehn Andere mit schauen. . y Schon bei keinem Feste der Griechen durfte der Lustigmacher fehlen. Montezuma, der Herrscher der Wilden Ame rikas. batte schon seinen Hofnarren eoenio gur wie oie suiian? oe irienis, die Neacrlöniae ib'rc Guiristcn. wie UN' fere früheren Fürsten, Bischöfe und Acbte ihre Possenreißer, denen die Narr heit im Blute lag. Oftmals waren sie die Klugen und ihre klugen Herren die Narren.' Ter Hofnarr Marot ging einst zur Rechten eines adeligen H?rrn, welcker ibm das übel vermerkte und ibn anließ: 3ch mag nicht leiden, daß mir ein Narr.zur Siechten geht." Aber ich." war die Antwort des auf die Seite springenden 'carren. ' Markulius haitt siZ) einst aeaen sei nen Herrn zu weit vergangen'; er sollte an einem Baume aufgehangen werden, bat aber nur noch um eine Gnade, daß er sich denjelden jelbst au-juchen ourfe, was ihm gewährt wurde. Zurückkeh rend. erklärte er mit einer solch' trauri gen Miene, daß er beim besten Willen leinen vassenden finde, daß Öobcit in lautes Lachen ausdrach und ihn wieder in iLnaden ausnaym. enaliicke Hofnarr Scoaaan schuldete der Königin 500 Pfund;' da sie aus Bezahlung bestand, veranstaltete er fein Begräbniß, doch fo, daß Elisa beth, die Königin, dem Zuge begegnen mußte. Es wurde ihr gezagt. Scoggan sei gestorben. Ter Wicht ist mir noch 500 Pfund schuldig. Nun müssen sie ihm erlassen sein," war ihre Antwort. Flugs hob der Narr den Decke! und rief: O, Königin, diese Gnade macht mich wieoer leoenoig:Nur immer fein Großvater, wenn ich 'mal groß bin. verleg ich 'Dein Geschäft in öe feinste Stadtgegend und führ' nur 's allerneuste von alten Kleidern!" : . - - Das unmoralische Pferd. Officier: Bevor ich (Zdnen das Pferd verkaufe, muß' ich Ihnen aber noch gestehen, das Pferd hält an jedem Wirthshaus still.' Äutsbesiker: Wie? das Pferd sauft? - Dann kann ich eS Nicht brauchen, lch sauf auch !
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Ein kleines Mißverstehen.
?on . I. . Wahrhaftig, die Situation ist zum Verzweifeln, und wenn Sie da nicht helfen tonnen " Referendar Lustig rief das in einem so trübseligen, fast weinerlichen Tone, daß das vor ihm sichende kugelrunde Männchen.sein Hauswirth, halb rer legen das thnupftuch zu Gesicht führen mußte. ..Helfen ja. das ist leichter ge sagt, als gethan; zum Hause heraus werfen kann ich die Leute nicht so plötzlich und . . . . " Wciß-ich. wein ich. und das Cla vierfpitien können Sie ihnen auch nicht verbieten in der eigenen Wohnung, aber Rath müssen Sie schaffen trotz alledem! Sie sind mein Freund, sehen Sie, hier liegt eine Arbeit, zu deren Vollendung ich mir den heutigen Sonn tag angesetzt habe; reichen Sie mirIhre hilfreiche Hand und bringen Sie für nur zwölf Stunden, den Klimper kästen oben zum Schweigen.Wie, um die Pause, die nach diesen Worten im Zimmer entstand, auszufüllen, ertönte es im selben Augenblick von oben her in der Weise des alten. Reiterliedes: Schier dreißig Jahre bist du alt-! sZräu!ein Eleonore, sagte Herr Meer grinsend, während sich der Rese rendar mit beiden Händen ins Haar fuhr. Das ich auch in dieieS ungluazellge Haus ziehen mußte und daß ich nicht noch zur Stunde meine sieben Sachen packen kann!Die letzten Worte waren d:e ersten. die einen merklichen lZindruck auf das kleine Männchen ausübten, denn er trommelte eine Weile nachdenklich aus der Tischplatte. Wollten Sie mir versprechen, daß Sie den ganzen Tag keinen Schritt aus dem Zimmer thun ?" Das werde ich ohnehin schon nicht ; Mittagessen habe ich hierher beordert. aber " Alles andere ist Nebensache -. nur für den Fall garantire ich Ihnen vollständige stille dort oben !" Vo.n Herzen gern, nur " Herr Mcycr aber hatte 'von außen oen Thürgriff in der Hand, wodurch er jede weitere Erörterung abschnitt. Eine Minute verging, noch tönte es von oben durch das Pedal verstärkt : Und wenn die Kanonen geblitzet !" Da brach es plölich ab, wie mit der Schcere losgetrennt von dem Rest. Eine Weile noch horchte der Nesercndar. Alles blieb still ! Tann rollte er den Lchnstuhl zum Tisch, in dem er sich behaglich niederließ. . Endlich Ruhe, den Göttern lei ge dankt und nun an die Arbeit !" Von dem Kirchthurme drüben auf dem Marktplatze schlug es nacheinander zehn, elf, zwölf, dazwischen läutete es auch wohl zum Gottesdienste und noch immer saß der Reserendar über seine. Papiere gebeugt. Jct)t hob er plötzlich den Kopf in di Höhe. War es da nicht wie ein schlür sender Schritt die Treppe hinab gekom men, und klopste es da nicht an, an seiner eigenen Thüre? Herein!" Ein unsrisirtcr. von langen stroh blonden Haaren umgebener Kopf steckte sich durch die Spalte. Fräulein...." - Eleonore Hafermehl", ergänzte dieSchöne lispelnd, indem sie den Kopf noch etwas weiter in'S Zimmer steckte, wollte mich nur erkundigen, wie's geht ob besser, ob schlechter?" Referendar Lustig verbeugte sich der Kindlichst. . Danke, besser 7- vorzüglich sogar!" Da hatte der schlaue Hauswirth also mit seiner dringenden Arbeit bei den Leuten oben angeklopft. Die Dame nickte jetzt befriedigt, indem sie langsam die Thür wieder in's Schloß zog. Ist mir höchst angenehm zu hören ; der Sonntag ist so lang und langwei lig und die ganze Familie oben schwitzt Trübsal....Damit war sie aber schon wieder halb wegs auf der Treppe während der Referendar ihr, in stummem Grübeln nachschaute. Was hatte sie damit sagen wollen: .die ganze Familie oben schmikt Trüb sal" vermuthlich, weil 'sie den Klimperkasten entbehren mußte. aber hatte sie das nicht so gesagt, als ob das jetzt glücklicher Weise zu Ende sei, da's besser ging mit seiner Arbeit. Er wurde bald des Nachdenkens dar über enthoben. Eine Minute noch war's ruhig oben, dann ging's plötzlich loö auf dem Klimverkästen, zuerst mit dem Lieben Au gustin" und dann mit dem Walzer cincS Wahnsinnigen- aber das. war erst der Anfang zu dem Bachanale, das jetzt begann. Einen Walzer", e'.ne Polka hörte der Referendar oben durcheinander lrei schen und dann bebte die Decke von zwanzig aufstampfenden Füßen und die Hängelampe zitterte die Begleitung zu dem miserablen Instrument oben. Tie Sonne hatte sich' langst au5 dem Zimmer fort gestohlen; sie mochte nicht die blinde Wuth mit ansehen, die den Referendar überkommen hatte. Eine ganze Stunde hörte er , das Concert an. dann citirte ein wüthender Griff an der Klingel den Hauswirth. 3st das die Ruhe, die Sie verfpra. chen?" Ter kleine Mann zuckte die Achfeln. Der Lö' ist einmal los. aber das es so kam. konnte ich wahrhaftig nicht voraussehend Nun. sehen Sie, ich wußte mir nicht anders zu helfen, als daß ich Sie todt krank machte oben, das hätten sie auch respectirt bis zum Abend; wie Sie aber sagten, daß es besser ginge, sogar vor züglich, da war's natürlich zu Ende nut dem Respectiren und wird's auch wobl I sein bis in die sinkende Nackt.- - "
