Indiana Tribüne, Volume 16, Number 235, Indianapolis, Marion County, 14 May 1893 — Page 6
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Für unsere Frauen.
Eine Frau werdet ihr nie ohne eine Alttwort finden, es wäre tcim, ihr findet sie ohne Feder! Frei nach Shakespeare. Einwanderung und Dienst , mädchen. Tie Heiraths' und Dienstbotenfrage scheinen offenbar diejenigen Themen zu sein, welche unter uns Frauen" die lebhaZt:ste Theilnahme finden, wenn man nach der Anzahl der jeweiligen Zuschriften einen Rückschluß ziehen kann und darf. Tikses gesteigerte In tereffe ist eine durchaus natürliche (ir scheinung. denn sowohl Männer als Mägde bilden ja das Centrum, den Mittelpunkt jener beiden Kreise, in welchen sich das Leben tat Mehrzahl weiblicher Wesen dahinbewegt. In richtiger Erkenntniß dieser Wahrheit sagte'schon unser klassischer Irauenken ner Goethe: 1 Welä-e Frau hat einen uten Mann. Ter sieht man's am Gcsichl wohl an.f Nur daß die modern realistische Zeit sich noch folgenden, allerdings etwas ' profanen Zusah gestatten dürfte, um diesen Theil der grauensrage erschöpfend oder genauer zu fchildern: ' lind wenn die Hilf' der Frauen gut, Tanu sind sie stets bei frohem Muth." Doch nun werden die sonst so sreund lichen Leserinnen mich sicherlich verur thcilen. und noch mehr an der gesun den Richtung meiner Ansichten zwei seln, als es ohnedies bei Gelegenheit der legthin mit dem drohenden Ein wanderungsverbot in Verbindung ge brachten Tienstmädchenfrage schon geschehen ist. Nachstehend lasse ich die interessantesten über diesen Gegenstand erhaltenen Schreiben möglichst unver kürzt folgen, und werde mir nur jewei lig erlauben, einige Randbemerkungen hinzuzusügen. Der erste Brief lautet : Sehr geehrte Frau Anna ! Ist es denn wirklich so sehr zu be dauern, wenn unsere Töchter fleißig in der Wirthschaft helfen, müssen sie denn unbedingt außerhalb des Hause-Eiwas verdienen oder ihren Geist mit dem Schach:?!halm der höheren Wissenschaft bepflanzen ? Lon den Familien ganz zu fchwl.-igen. deren Kinder das dolce i'ar niente in allen möglichen ZZerÜeidüngen genießen. Sicher ist es vom Standpunkt des Deutschthums, welches in den letzten Jahren hier so großartig sich entwickelt hat, zu bedauern, daß die freie Zusuh? von frischem Blut unterbrochen wird. In Sachen der Dienstbotenfrage jedoch kann dies nur selten heilsam wirken, da viel nulos an Rebendinge vergeudete Krast sich dann vom Parlor und der Straße hinweg in der Küchs oncentri ren würde. So manche Dame hätte dann keine Zeit, ihre Begehrlichkeit spazieren zu fuhren, und so mancher Mann würde schneller und freudiger nach Hause tom inen, wüßte er. daß sie es ist, die für ihn sorgte und schasste. Ist es denn unmöglich, daß der .Haushalt einer Iünfundzwanzig-Dol-lar,vamilie von der Hausfrau allein besorgt werden kann? Nach meiner Meinung geht dies sehr gut, es gibt dier genug arme Frauen, die Gott danken würden, wenn man ihnen ein paar Stellen zum Retnmachen, Waschen und Putzen u. s. w. geben würde; Bäcker, Schlächter, Grocer und KohlenHändler senden ihre Waaren in's Haus. die Kartoffeln schält eine Maschine, und wenn dann die Dame sich nicht scheut, das Geschirr zu waschen und das Qel tllch auszuwischen, kenne ich weiter keine schwere Arbeit, die dem Teint, der Schönheit oder Gesundheit nachteilig wäre, es sei denn, daß sie sich fürchtet, sich in den Finger zu stechen, wenn eine eilige Reparatur vorgenommen werden muß, die man nicht zum Ausbessern weggeben kann. Man schreibt unseren hier geborenen Töchtern doch sonst stets prallischen Sinn zu; in den von Ihnen, geehrte Frau, rcdigirtrn Spalten ist dies doch emphatisch genug hervorgeh sbrn worden. indem Sie selbst crtlarten. sehr wohl mit den Verhältnissen rechnen zu könne::, wohlan, laßt ihnen stet vor Augen sein, daß sie einst unbedingt ohne Dienstboten auskommen müssen; ich weiß, es wird gehen. Ihre Sie verehrende H. K. Jawohl, unsere Töchter sollen unbe oiiiat im Haushalt mithelscn, aber lei der kommen dieselben ebensowenig wie die Söhne gleich als Erwachsene in diese schöne Welt, und die Anzahl der Jahre, wo die Kinder den Müttern nur Ardr.t verursachen, ist eine viel größere. als diejenige, wo sie denselben die Ar deitslast erheblich zu verringern im Stande wären. Deshalb habe ich schon in dem ersten Artikel hervorgehoben: daß selbst unter emsachen Ledensver hältnissen eine gewisse Hilse im Haus nöthig is?. namentliiH dort, wo es sich um eine zahlreiche Familie mit kleinen Kindern handelt. Sonst stimme ich mit der Dame voll ständig darin überein. daß viele Frauen im Parlor und ans der Straße gar viele gute KZaft arg nutzlos vergeuden. Aber auf diese Kategorie ist auch das (!:nwanderungZvervot im oder ohne Dienstmädchen mit keinerle Einfluß. Wenn nur der Mann das nöthige weid yerveizu,a)assen lm Stanee ist." an der Zeit für den Schau kclstuhl und die geschmackvollen Laden wird eS nicht fehlen. Uedcrdies giebt eS ja selbst unter d amcrikamlchtn Hausfrauen der tage narnten fünf und zwanzig Dollar Fa mitten auch heute schon unzählige Künstlerinnen, die gar kein Mädchen halten, und doch Muße genug haben im. Parier zu sitzen und shopen- zu tzehen,' denn diese modernen Damen verstehen cs eben 'besser wie die schwer fälligen 'Teutschen" sich Kinder und HausbaltunaSsoraen möglichst vom
Halse zu schaffen. Was nun die armen Wasch und Putz'Frauen anbetrifft, so würden sie vielleicht heute schon eben so häufig verlangt werden, als die Dienstmädchen, wenn sie ebenso verläß lich. vünktlich und preiswürdig arbeiten würden. Und schließlich steht die von der Dame erwähnte Gefahr des Finger stechens eigentlich nicht in diicttem Widerspruch mit meiner Auffassung der Dienstmädchenfrage, denn ich wollte hauptsächlich nur die Hälfte für min derwerthige Ardeilen jenen Haus frauen und Müttern gesichert haben, welche auf die körperliche und geistige Wohlfahrt der Kinder bedacht, die Besorgung des Hauswesens und der Küche und das Jnstandhalten der Klei' dung und Wäsche selbst zu versehen be strebt sind-.
Tie Verfasserin des zweiten Briefes tritt für ihre Meinung wie folgt ein: Werthe Frau Anna! Mit großem Interesse lese ich Ihre Artikel Für unsere Frauen" ; viele kostbare Perlen kommen darin vor, ich halte Sie für eine jchr kluge und geist reiche Frau und freue mich, daß endlich eine deutsche Frau das Wort führt. Leuten Sonntag aber bin ich ganz irre geworden; ich gebe nicht viel auf die hiesige Politik, habe aber mit Freuden die S!unde von der Emigrantenbill be grüßt. Nun zu meinem Erstaunen sprechen Sie sehr dagegen, well die Frauen (Hausmütter u. . w.) dadurch beschädigt würden und zwar durch das Aufhören der Tienstmädchen-Einwande rung. Diese solle den Frieden, die Ordnung und alle Freude der Häus lchkeit stören? Also, d:e verachteten Dienstmädchen kommen nun doch zur Geltung. Glbt cs nicht Frauen der Menge hier? Warum können diese icht arbei enk Ich für mein Theu habe viel mehr viespekt vor einem anständigen, braven Dienstmädchen, denn vor allen den Ladenmädchen, Fabrikmädchen und onylgen Mädchen, die alle Morgen rnd Abend die Straßen durwandern und müde und abgestumpft, verhungert und verfroren nach Hause eilen. Was bleibt ihnen, nachdem sie Board, Rente, Schuhe. Kleider u. f. w. bezahlen? Nicht viel oder gar nichts und dabei geht noch sehr' ost die Moral in die Brüche. Derweilen ist da) Dienstmädchen un er Dach und Fach, bat warme Kost und in der Regel ihr Zimmerchen und am Ende des Monats ihren vollen Ge halt, und diese verachteten Dienstmädchen werocn fast alle bald verheirathet, weil sie gesund, tüchtig und fähig sind, einem einfachen Manne eine gute Frau zu werden. Meine Eltern waren reich und hatten viele Leute, wir Kinder wurden gelehrt, nur bittend zu den Dienern zu sprechen. Nichts macht mich so verächilich fühlen. als dieser dumme Hochmuth von Frauen ihren Dienerinnen gegenüber, es be weist Mangel an Bildung. Herzens gute und Gediegenheit. Alle reichen Mädchen sollten lernen die Hausarbeit zu thun, wenn sie arm werden, ver stehen sie cs, un) wenn sie Herrinnen werden, können sie die Diener unter weisen. Ich habe nie gehört, daß Ar beit im rechten Sinne der Gesundheit schädlich ist. Ich bin die Frau eines Arztes und habe genug gelernt, um das zu verstehen: Wohl aber, kommen Nervosität, Histerie und andere Zustände durch Faullenzen zu Stande. Hier im Lande, wo ich wohne, sind fast nur Amerikaner, ich kenne sehr feine, gebildete Frauen, sie thun alles selbst, weil es sehr schwer ist, außer Farbigen, Hilfe zu bekommen. Sie eben ihre Wäsche den Negerinnen und ich muß sagen. dleHäuzer und aus s Relnllchste. Schönsie ausgeschmückt. Dabei 'sind die Frauen kräftig und frisch bis in's hohe Alter und ergehen ihre Töchter wiederum zur Arbeit. Und in der Stadt, wo Wanerleituna und alle andere Erleichterungen sind, da zetern die kleinen Frauen. ! tines will ich ho.7cn, sollte die Bill von Herrn Ehandler durchgeset wer den. also die Tienerichast rar und nur noch für sehr reiche Leute möglich sein. dieselbe zu halten, daß es dann Kaffee klatsch ohne Tlcnstr.'ädchcndrühe gibt; und ferner, daß die lächerlichen Schlüj selkörbe in's Kamin gehangen werden, denn es wird dann kein naschendes, stehlendes Dienstmädchen zu fürchten geben; Küchenmeister Schmalbans geht dann auf Reisen. Denken die Frauen nicht darüber nach, wie gröblich, wie beleidigend eZ für ein ehrliches, anstän diges Mädchen ist, Alles vor der Nase zugeschlossen zu bekommen? Wie würde das ihnen selbem gefallen? Wer mir mit Mißtrauen entgegenkommt, dem traue ich gewiß nicht ich habe viele, verschiedene Dienerinnen gehabt, niemals aber meine Speisekammer ver schloffen. Ais heute habe ich nicht ent deckt, oa ich bestohlen wurde: ich ver stand es, die Liebe und Achtung mei ner Leute zu erringen. Es grüßt Sie auf's herzlichste Sophie M... Indem die Dame zuerst einräumt, daß NUN die "cornrnou servants" doch zur Geltung gelangen und a'eichzeitia den anständigen Dienstmädchen den Vorzug vor Shopgirls- ertheilt, be stätigt sie das Haup!moment, weshalb auch ich für den steten Zufluß von drü den so energisch eingetreten bin. ' Weil auch ich die anständigen Dienerinnen schätze, die wir. aber unter den Kindern dieses Landes nicht zu finden im Stande wären, aus dem einfachen Grunde, weil diese eben es sind, welcbe keine .aemeine Mägde- sein wollen und sich ihren Le bensunterhalt lieber in zweifelhafter Freiheit als Shopgirl verdienen. Fer ner weiß ich wohl,'daß die berüchtigten, viel belächelten nervösen Mcdekrankhei ten der Weltdamen, welche Leiden zu meist im Uederfluß a Zeit und Geld der zarten weiblichen Pflänzchen wur zew. sc&t schon häus'g vorkommen, und auch in Zukunft weite? auftreten wer j den, daß jedoch aus diese höheren Ge
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sellschaftsleiden das Einwanderung; verbot auch keinen tiefen Eindruck aus geübt hätte. Aber das hindert nicht, daß gerade jene anderen 'minder zarten Frauen, welche heule noch gesund sind, krank würden, wenn sie z. B. für ein halbes Dukend Kinder, Boarder" u. s. w. alle häuslichen Verrichtungen allein be sorgen müßten, weil mit geringen Mitteln eben absolut keine Hilse mehr zu erhalten gewesen wäre. Solche harte Arbeit könnte selbst ein kräftige grünes Mädchen, um wie viel weniger eine Frau auf die Dauer vertragen, wie aus der nachfolgenden letzten Zufchrift zu entnehmen ist. , Das Thema über die Dienstmädchen Frage habe ich. mit Spannung erwar tet. Man bekommt, scheint es,- schon Angst, daß es nicht mehr genug Grün Hörner geben soll, die dumm genug sind, für zwei Personen zu arbeiien, und den Lohn für eine selten bekom men. Hier will ich meinen lieben Leserinnen die Geschichte eines Grünhorns erzählen, welche viele Damen in Er staunen setzen und viele Mädchen an ihre eigenen Erfahrungen erinnern wird. Bor sechs Jahren kam ein Mäd chen aus guter Familie nach. New K)ozl, um hier das Glück zu suchen, welches sie so stiefmütterlich in der Heimath im Stich ließ. Sie hatte die bürgerliche, sowie die feine Küche und alle Arbeit gelernt; wenn auch nicht lange zurück eine Dame behauptete, daß ein Mäd chen, welches kochen kann, nicht für all gemeine Hausarbeit und geringem Lohn geht Ein grünes Mädchen versteht hier von Kochen und aller Arbeit gar nichts, und es ist deshalb das Beste, zuerst für Hausarbe't zu gehen, auch weiß ein Mädchen, das erst landet, nicht was hoher Lobn ist! Das Mädchen dachte. 8 Dollars, die ihr die Dame in Eastle Garden zu geben versprach, sei schon sehr viel. Die Arbeit war nicht zu hart, denn die Familie bestand nur aus Herr, Frau, fünf Jungen, einer Gouvernante nebst Bruder, einem Piano-Lehrer. zwei Boarders, mit.dem Mädchen 14 zusammen. Montag 2 Uhr aufstehen und waschen und was noch alles den Tag über in so kleiner Familie zu thun ist; Dienstag 3 Uhr. bügeln, die Damen des Hauzes halfen immer ein wenig mit, auch wollte die Dame icht das zu frühe Aufstehen. Die Arbeit war da und das Mädchen, welches nebenbei nicht einmal eine Waschsrau wollte, dachte: besser zu srüh. wie zu spät. Den Rest der Woche war 5 Uhr die Ausstehzeit. Das ging so vier Monate. da5 Mäd chen war zufrieden, die Dame gab ihr anstatt öcht, zehn Dollars, bis daZ Mädchen zu kränkeln anfing. Sie ging zum Arzt, der ihr sagte, die Arbeit sei zu hart. Sie blieb noch zwei Monate, und getraute sich kaum zu sagen, daß eZ den Platz verlassen wollte. Die Frau war sehr böse, anstatt es selbst zu wünschen. Das Mädchen nahm eine leichtere Stelle als Zimmermäd chen, dann eine für bürgerlich Kochen; die Dame wollte auch Referenzen, sie wurde natürlich zu der ersten Frau ae
schickt, wo das Mädchen besonders die letzte Zeit selbst kochte; trotzdem waren aber die Referenzen gerade darüber nicht zum Besten. (Nach einem Bericht über d?n ferne ren Berbleib, dessen Einzelheiten wir wegen Raummangels nickt bringen können, heißt es schließlich indem Brief des Mädchens): Aber es dauerte nicht lange, da kam der jetzige Herr Gemahl, und in drei Tagen wzr es ohne Referenzen verhci rathet und zwar sehr gut. Zwei Schwe stern von ihr sind in seinen Häusern als Grünhörner gekommen, find sehr beliebt und die Eine wird sich auch jegt verheirathen. , Hoffentlich habe ich meine Leierinnen nicht gelangweilt, denn die Wahrheit ist manchmal ein bischen langweilig. Auch wünsche ich zuH Schlüsse, daß die Ehandler'sche Einmanderungsbill nicht angenommen wird und empfehle mich für heute. Susie E. So sehen wir also, daß die beiden wichtigsten Faktoren der weiblichen In teressen, die Dienstboten und die Hei rathsfrage auf dem Gebiete der Ein Wanderungsgesetze sich sogar begegnen. also beide durch em Berbot gleich hart getroffen worden wären. Da aber weder der liebe Gott im alten, noch jetzt der Senat im modernen .Sodom die Gerechten mit den Ungerechten bestra fen. die fleißigen Frauen zur Ueberanstrcnzung und ziele , Mädchen zur Ehelosigkeit verdammen wollte, so dür fen wie damals der brave Loth aus, jetzt alle anständigen Europäer auÄ ferner hierher einwandern. Einer der barocksten Für sten der napoleonischen Zeit war Emil August von Gotha, der von 1804 bis 182 regierte. Jean Paul nennt ihn den ..pcrsonifizirten Nebel". Er theilte zunächst mit vielen anderen Für sten seiner Zeit die Schriststellerleiden schast und schrieb ein dickes Buch über die Liebe zusammen, betitelt: Kyllemon. oder ein Jahr in Arkadien". Die Liebe in Arkadien ist ein Arka' dien in der Liebe und ein LiebesZau bertrank in einem Zauberschloß", so lautet das Motto dieses in mehr als einer Beziehung ans Wunderdare strei senden Werkes. Dann beherrschte ibn eine gewaltige Sammelmuth für rw Hkneliiaze acyen aller uno zeoer Art. Er hatte ein: :o!ch unsinnige Liebe für China, daß er seinem Staatörathe so gar in Mandarinentracht' präsidirte! Napoleon I., mit dem er nach der Jenaer Schlacht zusammentraf, fand Gefallen an dem Sonderling und, er laudte ihm, sich eine Begünstigung aus zubi.'ten. Der Herzog begehrte ei nen Kuß. Der Kaiser wandte sich ab mit einem Ausdruck, der zu grob ist, um mitgetheilt zu werden. Er verleugnet sich nie. Cchnzcizer: Nun, wie gefällt Ihnen die Gegend am Genfersee? Berliner: Ah! janz hübsch. bloS en bischen zu adjelegen.
Die Hüt,.
Z?oa hristlan trm. Maler. Schriftsteller. Sänger n& andere derartige Götterlieblinge wer den zwar bekanntlich in der Regel eben von diesen Göttern in treue, sorgsame Hut genommen, zuweilen , kommt eZ aber ocunoch vor, daß sich auch bei die sen Begnadeten ein Hutmangel einstellt und dann kann die Geschichte unter Umständen recht peinlich werden, denn einen ramponirten Lampen Eylinder kann man allerdings wohl mal ein halbes Jahr lang mit Papier bekleben und zusammenhalten, einen desecten Kopf'iylinder aber nicht. Derjenige des Schriftstellers I. war in einem Zustande, der das Ausgehen damit am hellen Tage schon längst zur Unmöglichkeit gemacht hatte, denn es regnete bei nassem Wetter direct oben hinein und von einer Krempe war überhaupt keine Rede mehr. Der alte, gute I. kam daher elnes Tages in die höchste Verlegenheit, als er bei dem Wirtlichen Geheimrath v. P. deS Nuch mittags eine sogenannte Staatsvisite machen sollte, denn er konnte wirklich mit seinem alten Bibi weder Staat noch Bisite machen! . Aber, wie gesagt,' die Götter behüten stets ihre Lieblinge, und so denn auch dieses Mal. Bevor nämlich unser Geistesheld seine Schritte zu dem hohen Staats beamten lenkte, kam ihm noch der ebenso naheliegende, wie gesunde Gedanke, sei nen hohen Redakteur und Verleger auf zusuchen, um von'diesem den üblichen Vorschuß zu erbitten, denn so ganz ohne Baarmittel Staatsvisiten zu ma chen, ist doch nicht gerade rathsam. es kann einem ja irgend etwas Mensch liches passircn. Kurz und gut, der Schrift und Bittsteöer wurde auch auf das Freundlichstc, wie immer, empfangen und er hielt selbstverständlich, ebenfalls wie immer, auch feinen vorzüglich motivir ten Vorschuß, denn der Herr Redakteur war nicht bloß ein guter, sondern auch ein einsichtsvoller Herr, der eS sehr wohl begriff, daß man im Umgange mit wirklichen Geh?imräthcn nicht als Schnorrer austreten dürfe. Unter den allerherzlichsten Dankes bezeuguilgcn verließ also I. seinen lie den Geschäftsfreund; verdat sich energisch die Hinausbezleitung aus den Korridor und war eben im Begriff, sich seinen großen, alle Schäden (außer dem HutschAiden)' bedeckenden .ffaisermantel umzuhängen, als ihm plctzlich an dem im Korridor aufgestellten Kleiderständer ein nagelneuer, blitzblanker Prachtcylin der in's Auge siel, der sofort seine allergrößte Aufmerksamkeit, und Freude erregte. .Den haben Dir die Götter gesandt!" jubelte es in seinem Innern, und mit der Schnelligkeit eines Gedankens, die bei gottbegnadeten Schrift und Wei chcnstcllern bekanntlich noch viel rapider ist, als bei gewöhnlichen Sterblichen, hatte er die willkommene Beute erfaßt und stürmte sofort die Treppen hinun ter, um seine Staatsvisite zu machen. Das Erstaunen des biederen Verle aerReoa!teurs, als er eine halbe Stunde darauf den alten Schabbes decke! dcZ niederträchtigen I. an seinem Garderobenständer prangen sah. ist unmöglich zu beschreiben, weshalb ich dies auch hier unterlasse. Da er aber, wie bereits erwähnt, ein überaus präch tiger und gutherziger Mann war, der außerdem ouch noch mehrere Cylinder hüte sein eigen nannte, so zürnte er nicht weiter und machte von der Ge schichte zunächst kein Aufhebens. Am Nächsten Morgen ging er jedoch, theils um sich sein rechtmäßiges Eigen tbum wieder zurückzuerobern, theilweise aoer auch, um dcm frechen Kunden mal ordentlich den Text zu lesen, zu semem verehrten Mitarbeiter" auf die fünf treppige HinterhauSbude. den krempen losen Bibi allerdings nicht etwa aus dem Kopf, sondern sorgsam in Papier gewickelt in der. Hand tragend. Er traf den schamlosen Attentäter denn auch bereits vollständig zum Ausgehen angezogen und. mit dem wohlcrhaltc nen Beutestück auf dem Kopf, gerade im Begriff, seine elende Bude- zu ver lassen. Anstatt daß aber, wie man wohl hltte erwarten können, der Verbrecher nunmehr in größter Zerknirschung eine tüchtige Sträspredigt über sich datte er gehen lassen sollen, ergriff derselbe zum sprachlosen Erstaunen dcS geschädigten Hutbesitzers selbst baS Wort, indem er unter unansgesetzten Bücklingen selbst das Wort, indem er unter unauSge setzten Bücklingen folgendermaßen loS legte: Abe nein, liebster Her? F., daZ kaun ich denn doch wahrhaftig absolut nicht verlangen, daß Sie mir nun auch noch selbst mein Eigenthum wieder zu rückbringen! DaS kleine Versehen war ja doch ans meiner Seite, und eben wollte ich daher zu Ihnen, um mir die mir sehr werthvolle Kopfbedeckung wie der zurückzuholen! Der Hut stammt nämlich noch von meinem seligen Herrn Vater her, wie Sie mir wohl auch gü tigst glauben werden, und ich daher, nachdem ich heute früh meinen Verlust bemerkte, eine entsetzliche Angst aus gestanden!!- fügte tt noch erläuternd hin;. Wie gesagt, der Redakteur war sprachlos. Ja. er war sogar mehr als sprachlos, er war vollständig baff! Stillschweigend senkte er emer solchen unerhörten holden Unverschämtheit ge genüder sein Haupt und ging cedan tenvoll die Treppen hinunter. Da er aber nicht nur em ausnahmsweise gut herziger, sondern auq ein hervorragend humorvcrständiger Herr war. so that er, unten aus die Strafe gekommen. Folgendes : Er ging in den nächsten Hutladen, erstand für sein schweres l Geld einen wahrhaft unübertresflichen ? k . . i. .:asioryui uns lanole venseiven mi, frn: Visitenkarte sofort hinauf zu dem schändlichen B.'.ben von Schrift steller. Auf der Karte standen folgende Worte : .Mein lieber I. ! Damit Sie
das von Ihrem seligen Vater ererbte!
Eigenthum nicht mehr jedem Wind und Wetter ausiUfeZ'-en brauchen, dedicire ich Ihnen hiermit ein anderes Erem vlar. Hoffentlich werden jetzt derartige Verwechslungen,, resp, kleine Versehen nicht wicder vorkommen !" Nicht wahr, das war brav, mehr wie brav ! Leider sollte es aber nichts nützen und die Geschichte sollte noch viel, viel tausend Mal schlimmer kom men. Daß der tückische I. mit dem neuen Prachtculinder kolossalen Staat machte und denselben bei gutem Wetter auch energisch zu Ereditzwccken aus nutzte, ist ja klar, ebenso wie es selbstverständlich ist, daß er manches Mäd chcnherz mit demselben bethörte. Wenige Wochen später war er aber auch mal mit dem generösen Verleger Redacteur zusammen m dieselbe Gesell schaft zu inem gemeinsamen Bekannten geladen, und da ihm bei seinem roh an gelegten Naturell der feine Ton in die scr Gesellschaft wohl nicht besonders be hagte, so verließ er dieselbe weit eher als unser Freund, eben der Redacteur. Es war ein sehr stürmischer und furcht bar regnerischer Abend! Mehrere Stunden später wollte der Redacteur als der Letzte das gastfreie Haus verlassen; siehe, da hing im Eorridor allerdings auch nur noch ein ein nger Hut, aber es war nicht der sei nige! Kopfschüttelnd nahm er densel ben vom Nagel und entdeckte nunmehr zu seiner weitaus größten Verwunde rung, daß die Visitenkarte des vorber fortgegangenen I. in demselben steckte. Hm! Also wieder eine Verwechse lung? Wunderbar!- Ticsmalkonnte die Sache ja aber doch nicht auf eine Niederträchtigkeit hinauslaufen, denn der Hut war ja der eleganteste von allen. Der gute Redacteur setzte sich also, auf der Straße angelangt, wie stets, in eine Droschke und fuhr ver gnügt nach Haus. Am andern Mor gen zeitig, heftiges Läuten an der Klin gcl des- Redacteurs. Sie sind's, me,n Ueber I.? Sie wollen sich wohl Ihren schönen Eylinder abholen? Nun sagen Sie aber mal, Menschenkuid, wie konnten Sie den selben denn blos wieder verwechseln? Das Versehen ist mir diesmal unerklär lich., absolut unerklärlich!" Da zieht der bodenlos gemeine, sv'.ß bübische I. den vom Regen und Sturm gänzlich verunstalteten Eylinder des Redacteur hinterem Rücken hervor und grinst: Im Gegentheils durchaus erklärlich! Ich rechnete eben mit Bestimmtheit darauf, daß Sie sich eine Droschke neh men würden und wollte doch Ihr kost bares Geschenk möglichst schonen!Daö Interview, oder: Staats, man. und Aeporter. I. II. rihm i " V. 'I, 1 V-i-VVT Hi III. IV. Immer dasselbe. Thea terDirecto? (dem ein Schauspieler die brennenden Kleider vom Leibe gerissen): r 7.... , r ..... i k cv c. . st r o . . .u ; IUUCUU 4.UUI im clliC!jHcHCJ ! wart, sprechen Sie einen Wunsch aus, ! wenn es irgend in meiner Macht liegt, 'er wird'Jbnen erfüllt! "Schauspieler: ,So bitt' ich um fünfzig Mark Vor ' schuß!
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Recept gegen Neifrölke.
9l. Wiener Tag.") In unheimlicher Stille bereitet sich ein Gespenst, da wir für immer abge than wähnten, vor, aus'S neue in das Reich des LedenZ zurückzukehren und die Menschen mit seiner scheußlichen Erscheinung zu quälen. Dieser Äeve nant ist man sollte es in unserer Zeit kaum für möglich halten die Krinoline. der Reifrock. In der That haben wir mit unseren eigenen Augen bereits die Vorboten der Kranlhcit' in eine? Modenzeitung gesehen, wo einige sogenannte Glockenröcke bgebUdrt waren. Ter Anblick war zum Rasendwerden: die inen Figurinen füreinen Ball im Irrenhause. Und das soll nun Mode werden, soll wohl gar über gehen in den eigentlichen Reisrock, in dem die Frauen einherwackeln wie mandelnde Hühnersteigen i Da soll döch ein unheiliges Donnerwetter . . . 1 Nein, nicht gleich fluchen, versuchen Iir es vorerst mit dem liebreichen, vernünstigen Znsprnch. Wenn ihr die beschichte der Trachten verfolgt, schöne Frauen und liebreizende Mädchen, sowerdet ihr sindm, daß Nurin den finste ren Zeiten der Fleischadtödtung ein Werth daraus gelegt wurde, das Eben maß des weiblichen Körpers durch aller lei geschmacklose Künsteleien in der Kleidung zu verunzieren. Das Gewand sollte das Weib darunter zu einem unergründlichen Räthsel machen, wie denn auch wirklich jahrhundertelang die Frauen Kostüme trugen, die alle die herrlichen Linien ihres Körpers- durch schnitten und verzerrten, bis eine un förmliche Puppe daraus wurde.. Wir wisien, daß Zucht und Sitte durch diese Verunstaltung wenig gefordert wurdeu, weil sich die Menschen nun einmal nicht nehmen lassen, für einander in' Liebe zu entbrennen. Das römisch-katholische Zeitalter hm gegen gab den Frauen die edelste Bekleidung: diejenige, welche der Scham hastigleit genügt und doch der Schön heit leinen Abbruch thut. Und in der Gegenwart, da man sich über den Eiser der Zeloten lächelnd hinwegseht, war man wieder nahe daran, eine Frauen, tracht zu haben, die alle Vorzüge des Wuchses, der Haltung und des Ganges bei dem Werbe zur vollen Geltung kom men ließ, ohne durch Indezenz das Auge zu verletzen. Der gefältelt sal lende Rock, der anliegende eib : sie er setzten in unserem rauheren Klima glücklich das herabfließende Gewand der Griechin, ließen ahnen, wie hübsch die Frauen gewachsen seien und verriethen noch w'eeer nicht mehr, als ihre Trä gerin selbst verrathen haben wollte ; sie waren bequem und aller erdenklichen Variationen fähig, so daß die Modisten diese Leutauszieher und Anzieher, ohnedies alle Hände voll zu arbeiten hatten. Aber nein, daZ genügte ihnen nicht. Sie kamen darauf, daß zu wenig Stoff verbraucht werde bei den modernen Frauenkleidern. Folglich schickten sie die Schlevpe in die Welt und erlitten damit eine empfindliche Schlappe, denn sie grisf nicht durch, obgleich aus üsth tischen Rücksichten nicht so viel gegen ;ie einzuwenden wäre, als aus prallt fchen und gesundheitlichen Bedenken. Mit der Schleppe im Ballsaale kann man iich sogar befreunden: sie hat etwas Feierliche, Majestätisches, das am rech ten Pla?e schon seinen Umdruck macht. Alsdie Damen merkten, welchen Schmutz sie bei trockenem Wetter aufwirbelten und welche Blößen sie sich bei Regen gaben, wenn sie die Schleppe hochnebinen mußten, da verschwand dieses Anhangsel überraschend schnell und die enttäuschten Modistcn sannen auf ein neues rttchloscs Mittel, ihrer Hypertrc phie an Stoffen ledig zu werden. - Da verfielen sie denn auf den Reif rock, dieSchlaumeier, und um die Frau cnwelt recht zu ködern, flöten, sie ihr zugleich vor. daß anstatt der 'niedern englischen Schuhbekleidung die Hakenschuhe wieder eingeführt werden sollen. Reisrock und Hake.n.schuhe warum nicht auch die weiße Perrücke und die Schönp,!ästerchcn und der Teig ausEselsmilch und Mehl, den man als Maske über Nacht auf dem, Gesichte trägt' Das möchte sich ja über die Maßenergötzlich machen, wenn unsere Frauen in altmodischen Rcifröckcn sich-in dem modernen Tramwaywaggon zusammen drängten und beim ersten Oeffnen der: Thüre durch die Federkraft der Krino linen ein paar zarte, Wesen heraus, flögen wie auZ demRohr geschoben!. Halten wir uns im Ernste bei. diesen grotesken Vorstellungen-, nicht weiter auf es ist ja nicht denk dar Dic Wienerinnen werden - den gallischen Gänsen, die Krinolinen. anziehen, diese eklige Mode nicht, nüchmacheu. Davor wird sie ihr guter Geschmack bewahien, d:r ja stets an der französischen wie an der englischen Mode, so lange henimkor rigirt.' bis die Sache ein Gott und den Menschen wohlgefälliges Aussehen gewinnt Sollte eS aber wider alles Erwarten thörichte Jungfrauen und Weiber geben, die sich beim helllichtcn Tage mit einer rinoliue in Wien sehen lassen, so habe.? wir Männer auch noch ein Eisen im Feuer. um solchem gröblichen Unsinn ein Brandmal auf zudrücken. . Es ist dies der Boycott des Reif, rockes. Unverzüglich .wird dann ein Aufruf an die Männer von Wien er gehen, der Jeden beschwört, keiner Frau, die einen Reifrock trägt., und sei sie durch die : heiligsten Bande: als Mutter. Schwester. Braut, Gattin mit ihm verknüpft, öffentlich seine Beglei. tung angedeihen zu lassen. Mag sie allein gehen, wenn ihr-der Reifrock lic be? ist. Ein verständiger Mann darf eine solche Nauethei mit seiner Person fTfist in inpm liaerl ! müßte sich das Gewissen regen. Wenn "die'Münner festhalten .an dem Boycott und daZ werden sie in diesem Fa dann sind sie stärker ' als die Krinoline. j Die Modisten mögen dann 'von ihren? i UlUll 'HVHVIll ... 71"
überschüssigen Stoff Luftballon? stel gen lasten, das ist ein unschuldiges Vergnügen: uns aber werden sie damit nicht mehr steigen lassen. Ed. Pötzl. Zunge und Sprache. Die Vorstellung, daß der Verlust der Zunge stets auch einen Verlust der Sprache mit sich bringe, ist im Volke allgemein verbreitet. Und doch sind die Chirurgen im allgemeinen mehr ge neigt, mit dem Verlust der Zunge gar keine oder nur in geringem Grade eine Störung der. Sprache anzunehmen. Schon im vorigen Jahrhundert hatte ein berühmter französischer Ehirurg Louis mehrere Fälle zusainmengestcllt, um für die ganz unerwartete Thatsache den Beweis zu führen, daß der Mangel der Zunge, fei er angeboren oder in Folge Verschwörung oder durch Opera tion entstanden, die Sprache nur wenig) beeinträchtige. Dieselbe Auffassung macht sich gleichfalls noch unter den modernen - Chirurgen geltend. So sagt z. B. Butlin in seinem SpccZül werk über Krankheiten der Zunge ge legentlich eines Falles von angedorenenr Mangel derselben, der einer deutlicherr Aussprache kein Hinderniß in den Weg legte: .Dies war ein physiologische's Prvblem, welches im Anfange des jüngsten Jahrhunderts Zweifel und Erstaunen erregte, welches aber unserer Zeit nicht so befremdend vorkommen' dürfte. Wir sind Fällen von der Fort daucr eine? unbecinträchtigten Sprache, in denen die ganze Zunge entfernt wurde so häufig während' der legten Jahre gegenübergestellt worden, daß wir keinen Gruud zum staunen finden.Auch andere Lehrbücher heben mehr oder minder ausdrücklich die geringe Störung hervor, welche die Sprache in Folge- ansehnlicher Zungenfehler erlei det.. Diese poradore Vorstellung, die ja immerhin auf Grund von Ersah, rungen und Beobachtungen sich ausge bildet hat, daß nämlich die Funktion der Zunge bei Hervorbringung der Sprochlaute auch bei fast gänzlichem Verluste, der Zunge fortbestehen oder in irgend welcher Weise erseht werden könnte,. bezicht sich allerdings auf den Verlust desjenigen Theils der Zunge, den man in der Mundhohle an der Lautbildung beteiligt sieht und fühlt; und bei der künstlichen Entfernung wird fast stets nur der obere Theil, wo runter man', ja, im gewöhnlichen Aus druck die ganze Zunge versteht, wegge schnitten, während am Grunde ein un Versehrter Stummel stehen dleibs, der vermöge des- Restes der Muskulatur und der unversehrten Rerven wohl mehr oder minder, vollständig die Zunge vertreten kann; so fand sich z. B. bei einem von Jussieu beobachteten Mädchen. mit. angeborenem Mangel der Zunge, im Munöbodeu an der Stelle derselben ein Knäuel von 3 4 Linie'n Höhe vor. der. etwas beweglich war. womit sie (portugiesisch) sprechen konnte.. In. einem Fall jedoch, den soeben M. W. af Schulten. Profeffor der Chirurgie, zu Helsingfors, in , der deut sehen. Zeitschrift für Chirurgie" ver öffeutlicht, und wo bei einer Bauers frau von 32. Jahren wegen bösartiger
Geschwulstblldung die Zunge ihrer ganzen Länge-nach, von der Basis bis an die Spipe, entfernt werden mußte, blieb die Sprachbildnng nicht unbceinflußt.. In der Mundhöhle ist von der Zunge nur ein kleines Stück verblieben. so viel, zur Bedeckung der Hautwunde nöthig, lvar,. im Uedrigen erstreckt sich eine glatte Narbe vom Kehldeckel bis an die Jnnenzelte des llntertlesers, d:e den Boden der 'Mndhöhle bildet. Bon einem Schluckacte, der durch die Zunge vermittelt würden kann nicht die Rede sein, dennoch lernte die Kranke sowohl flüssige als auch weichere feste Nahrung zu nehmen, ohne daß dieselbe m die Luftröhre eindringt. Wie ist cs nun mit der Sprache? ' Sie ist fast unverständlich, bis man sich daran gewöhnt hat, so daß die Zimmergenossin ihre Sprache recht gut verstand. Dr. Hugo Pipping, Dozent der Phonetik, unter suchte die Kranke ungefähr zwei Wochen nach, der Operation zum ersten Mal,' und wenige Tage darauf verließ die Leranke Helsingors. Nach seinen Be odachtungen tonnte er feststellen, daß im allgenzeinen die geringe Zahl von Sprachlauten, über welche ihre Mut tersprache. die-sinnische, verfügt, durch d Operation bedeutend herabgeset worden war. Trot.dem hatte sich die Kranke mit ihren beschränkten Hilfz. Mitteln eine eigenartige, allerdings et roaS dumpfkli'ngende Spraye auSge bildet, indem sie mit erstaunlicher Re gelmaßigkeit einzelne von ihren Lauten für ganze Reihen der gewöhnlichen, Spra'chlante gebrauchte. Trauin und Wirklichkeit. Ich lag am Bache und träumte. Die Sonne schien hell und mild: Da sah ich im Waffer sich spiegeln Des Liebchens süßes Bild. Ich wollte sie träumend umschlingen Und stürzt in die Fluth mich hinein Da ward ich naß roie ein Pudel Und ließ das Lieben sein! -Der schlaue Lehrling.. Lehrling:' Ich bitte um 25 Pfennige -. ' in-.i..- -r -. ?-.. m c: ; :a tuiMrir 1 f3nfr- i nw r-.iii.T nirr Tir juli " für fünf Pfennige mehr. Lehrling: So schneiden Sie für fünf Pfennige'runter (da der Mesger für fünf Pfen' nige zu yiel abschneidet). ' bitte, schnei den Sie noch für fünf Pfennige 'run' ter! Nun nehme ich die zwei Stücke und da haben Sie zehn Pfennige. KurioseDecoration. A.: Was ist denn das nur plötzlich im Saale für ein eigenthümliches Klingen? B.: Der Herr Commerzienrath ist gekommen und' hat olle feine'!edaiUen angehängt, die er als Kunftt'Ztter'Fabrikant aus verschiedenen Ausstellungen bekommen, hat!
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