Indiana Tribüne, Volume 16, Number 235, Indianapolis, Marion County, 14 May 1893 — Page 3

Srnuhilde. Roman von Lans Aornfcls.

I. Verehrtester Herr Direktor, bitte -auf ein Wort: Da theilt mir meine Nichte soeben per Expreß" mit, sie hoffe, nicht in der üblichen, feierlichen Weise empfangen zu werden; nichts sei ihr widerwärtiger, als diese Schau slellung, Reden u. s. w.! Was um Himmels willen ist nun in der zwölften Stunde sozusagen zu thun, nachdem wir nach unserem Ermessen, oder vielmehr, nachdem Sie alles aus's Beste vorbereitet haben?" Auf Ihren ausdrücklichen Wunsch vorbereitet, Herr Kammerherr!" Auf r?.eine Bitte, Herr Direktor, nun ja," betonte der Andere nachdrücklich. Es widerstrebte mir, die Herrin, oder sagen wir, die letzte Comtesse von Wildenhof tcie eine Wirthschaftsmamsell in das Schloß ihrer Väter einziehen ZU lassen. Sie kamen mir in der liebensnzürdigsten Weise entgegen, an der Dorfgrenze versammeln sich bereits die Schulkinder und der Lehrer mit seinem ellenlangen Gedicht, da am Waldrande sieht der Schmied mit den Böllern, dort an der Rampe die Herren von den Gütern und Dörfern, da die Jäger, Vögte und Arbeiter ... und nun " Schicken wir sie einfach nach Hause!" Das heißt. Sie, Herr Direktor, da ich hier nicht die geringste Machtvollkommenheit besitze . . . Wird sich das thun lassen?" Warnm nicht! Was den Leuten schließlich die Hauptsache ist, der er beitsfreie Tag und ihr Essen, soll ihnen nicht entzogen werden. Damit werden sie sich über die ausfallende FeierlichZeit zu trösten wissen." Der Kammerherr von Ruwer, eine distinguirte Erscheinung im Anfang der Fünfziger Jahre, ' machte eine Bewegung. als wolle tx dem Anderen beide Hände reichen, was dieser wohl nicht bemerkte, denn er hatte sich bereits schnell der an der Auffahrtsrampe des Schlosses versammelten Gruppe der Wirthschaftsbeamten und sonstigen ländlichen Honoratioren zugewendet, welche sich nach seiner kurzen Mittheilung, daß kein offizieller Empfang" stattfinde, unter Äusrufen derVerwunderung, vielleicht auch des Mißvergnügens, zerstreute. Nur einer der Herren blieb auf einen Augenwink des Direktors zurück, seiner grünenUniform nach der Oberförster, ein etwas korpulenter, hübscher Mann, mit schnellen Bewegungen und einem außerordentlich gei. r L l T . zuno und zusrieoen au-leyenoen Besicht. Er schob seinen Arm in den des Direktors und sagte in parodirendem Tone: Wenn kein offizieller Empfang stattfinden soll, meldet sich nur der Gouverneur oder Commandant, sowie die Generalität und die Regimentscomrnandeure im Paradeanzug mit - Ordensband. Ein Rapport wird nicht überreicht Soviel weiß ich noch aus meiner Einjährigenzeit. ein glänzendes Zeugniß, daß ein militärisches Genie mit mir unbeachtet im Dunkeln zu Grunde geht. Das Vaterland thut mir leid! Ins Wildenhofsche überseht, ist der Generaldirektor Auras der Gouverneur oder commandirende General, ich. der ObersörsterWürzburg, bekleide denRang eines Regimentscom rnandeurs. Ha, welche Lust, Gräsin Wildenhof zu sein! Wie der Onkel spricht, so geschieht's, wie sie telegraphirt, so laufen sie fort die Ehrencompagnie und die Musik nämlich und wir stehen da. wie die erlasse . mir gütigst die Fortsetzung, welche zu Deinem famosen Frack nicht passen würde. Räumen wir vielleicht die Ehrenpforten, Guirlanden und Kränze auch beiseite?" Wenn Du es selbst thun willst, mei'.letwegen! Den Leuten habe ich einen arbeitsfreien Tag versprochen und sie sollen ihn haben, trotz aller gräflichen Grillen." Ich? Hättest Du Nafael geboten, seine Sixtinische Madonna zu vernichten. ehe eines Menschen Auge sie gescheut? Mein ganzes künstlerischesVcrrnögen ist in diesen Ehrenpforten und Guirlanden ausgedrüÄt. Ich betrachte sie als das Hauptwerk meines Lebens, die Krone meines Schaffens. ! Sie vernichten, ehe die schöne Comtesse AproPos sie ist doch schön? Zur Erörterung dieser überaus wichtigen Frage können wir es uns übrigens bequemer machen; noch sind wir ja unter uns," unterbrach sich der Redselige, rückte auf derRamp, welche, da sie ihrem eigentlichen Zwecke feit Jahren nicht mehr diente, als Veranda benutzt wurde, zwei Stühle zurecht, setzte sich und zog eine Cigarrenrasche hervor. Dann wiedrholte er seine Zwischcnfrage: Schön ist sie doch?" Wer?" Heiliger Jrgendjcmand! Kann sie" eut und in aller Zukunft ei geringere Persönlichkeit bezeichnen, als Comtesse Wildenhof! Hast Du sie je gesehen. Wolf?" ein." antwortete derDirektor kurz. : fast barsch, und sein Fuß berührte tjef iig das Eisengeländer der Rampe. ' Pardon .'. . Auras! Komischer Wi'derwille, den Du da gegen Deinen Vorriamen hegst; und er klingt doch so alt'deutsch biderb, so ritterlich feudalhocharistokratisch." . Du weiht; ich hasse dieses Feudale." Und doch unterbrichst Du Deine Staatscarriere, um Generaldirektor der sehr feudalen,, momentan leider unter 'gerichtlicher Verwaltung . stehenden .Herrschaft. Wildenhof zu werden?" Nimm an. ich hätte meine befänden Gründe dafür gehabt." - -So schlau bin ich. mit Deiner gut!,ö,en Erlaubniß, langst gewesen, wenn Du es auch nicht für nothig hältst. m!r inm Einblick in diese jedenfalls sehr

lnteres)anten Gründe zu gewähren, mir der ich täglich mein ganzes Herz in Deinen Busen ausschütte, derDir schon auf der Akademie die Ehre erwies. DirGeld abzupumpen, der für Dich durchsFeuer gehen, ja, selbst das theuerste Opfer, wenn Du es verlangtest. Dir bringen, diese Ehrenpforten abbrechen würde, ehe die schöne Gräfin sie bewundert und dem genialen Erbauer durch ein huldvolles Lächeln gedankt ... na, da wären wir ja wieder auf unseren Ham unsere Comtesse, wollte ich sagen, zurückgekommen. ' Ich halte sie entschieden für schön. Die alten Wildenhofs da droben im großen Speisesaal und drllben in der Kapelle haben durchweg schöne Gesichter, freilich auch verd hochmüthige, mit solch einem gewissen Blick von oben herunter: wer sind wir und wer seid ihr, brr! aber es ist doch Rasse darin, feines Blut! Das erbt sich fort, just, wie bei meine? Diana, von Hektor dem Zweiten aus der Juno, deutsches Hundestammbuch Nr. 793 . . . Wie heißt sie denn? Ich meine natürlich die Comtesse." Brunhilde, glaube ich." Wie, was, Brunhilde?" rief der Oberförster und patsckte mit der flachen Hand auf feinen Schenkel. Da seh' ich

leibhaftig vor mir stehen: Her trat, mit Augen veilchenblau. Tie schwanenbusigste Schildjiingfrall. Mir wird schon ganz waznerisch-wal-kürenhaft. Morgen reite ich nach Westerode und kaufe mir die Edda und die Nibelungen, den Wagner und Hebbel und Jordan und was sich sonst Brunhildiges auftreiben läßt. O, o, BrunHilde! Getraust Du Dir auch die Rolle des Siegsried mitEhren durchzuführen, Freund Auras? Sie wird die Herrin herauskehren, diese Walküre aus dem edlen Geschlecht Wildenhof, und - Dir böse Stunden bereiten." Ueber des Direktors kräftiges Gesicht flog ein eigenthümliches, fast hartes Lächeln. Sei versichert, daß ich auch der Gräfin Wildenhof gegenüber meine Rechte zu wahren und Uebergriffe zurückzuweisen wissen werde," antwortete er. und seine Stimme hatte trotz ihrer Gedämpftheit einen seltsam -metalli-schen Klang. Ja wohl, aber wenn sie nach dem Beispiele ihres edlen Oheims, welcher bei allen seinen Unverschämtheiten versichert, er wisse wohl, daß er hier nicht das Geringste zu befehlen oder einzuwenden, sondern nur ganz höflichst und ich, wenn auch sie bittet? Eine bittende Walküre .... und wenn Du neunmal sehr ergebenst zu bitten habe, also, sage neunundneunzigmal in Drachenblut gebadet wärest, h'örnerner Sieafried, die bittende Walküre macht Dich Windelweich." Mich nicht!" Wie Hammerschläge auf einen Amboß, so hart und klingend fielen die beiden kurzen Worte von Auras Lippen. So sagst Du jetzt, natürlich, bet Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert, und je besser man sich dieses Pflaster ausstattet, desto leichter und schneller läuft man darüber hinweg. Ich kenne das, mein Söhnchen. Eines schönen Tages wirst Du in Deine I veilchenblauäugiae Walkür: verliebt sein, sie natürlich noch meor in Dich eigentlich hatte lch die edle Abjlcht, doch lasse ich in bekannter Gutmüthigkeit Dir gern den Vorttitt Du arbeitest durch Deine geniale Bewirtbschaftung die paar hunderttausend Thaler Schulden schleunigst herunter, und dann baue ich nochmals Ehrenpforten für das Brautpaar. Des Direktors Gesicht kzatte sich langsam mit einer dunklen Röthe bedeckt; jetzt hob er die Faust, als wolleer sie auf die Tischplatte niederschmettern, und donnerte: Eine Wildenhof, die Tochter des " Er vollendete nicht. Mit einem gewaltsamen Ruck gewann er im Augenblick seme Selb'tbeherr schung wieder. Seine Hand senkte sich langsam und griff nach der Cigarre, seine Züge erschienen ruhig wie vorher, während er in seinem gewöhnlichen, kühl und ein wenig sarkastisch klingenden Tone fortfuhr: Ich wundere Mich nur. So? Und worüber denn?" Ueber denAlöosinn, den Du zuTage zu fördern verrnazst. Ich weiß wohl. daß Dich die Hitze des Gesprächs Ziem lich weit fortzureißen pflegt; diese mehr als blühende Phantasie hätte ich denn aber docu nicht in Dir vermuthet." : Phantasie? wir werden ja sehen . . . ich glaube, ich habe wieder einmal einen Anfall des zweiten Gesichts. WaZ kein Verband der Verüändiqe'.: siebt. TaZ ahnet in Einialt mein kindlich Gemüth. Ich habe Dich gewarnt und wasche meine Hände in Unschuld," sagteWürzbürg mit beleidigter Miene und schwieg ganze fünf Minuten, nach deren Ad lauf er soweit versöhnt war, um .eine außerordentlich fabelhaft klingende Jagdgeschichte erzählen zu können. Dieselbe hatte kaum ihr ungemein merkwürdiges Ende erreicht, als die Ruwersche Equipage in den Schloßhof brauste, um mit einem schneidigenRucke am Fuß der Rampe zu halten. Der Kammerherr sprang zuerst heraus und half den beiden Damen aussteigen. Ein leises Alle Wetter!" entfuhr den Lippen des Oberförsters, der mit Auras Kinabgeeilt war, und dieser selbst war so betroffen,daß er sich kaum verbeugte, als Herr Nuwer etwas weitschweifig die Vorstellung mittheilte Was waren alle die regelmäßig schönen, aber fast ausdruckslosen, maskenähnlichen Gesickker auf den Ahnenbildern droben im großen Saale gegen diese lebensvollen, energischen und doch so wunderbar edel gezeichneten Züge, gegen diese 13 nigliche .Haltung der hohen Mädchengestatt, die langen, losen Flechten, die wie zwei , goldschtmmernde Schlangen ihr Über die Schulter fielen, als sie das stolze Haupt zum kühlen Gruße neigte!

Sie schien sich dieses frappirenden'Em druöes ihrer Erscheinung vollkommen

bewußt zu sein, ein leises Lachein zuckte um ihre Lippen, fast noch mehr hoch müthig überlegen als spöttisch. . . Der Direktor bemerkt: es. und im Augen blick gab es dem weltgewandtenMannj seine völlige Sicherheit wieder. In ge schäftsmäßiger Weise sprach er einige Acgrüßungsworte, dann führte der Kammerherr seine Nichte die Rampe hinauf nach dem großen Wappen- und blumengeschmückten Portal, die Gesellschaftsdame. Frau von Leist, folgte ihnen, nachdem sie, wie es schien, eine Minute gewartet, ob einer derBeamten ihr den Arm bieten werde, wozu sich jedoch keiner von beiden veranlaßt sühlte. Sie blieben im Hofe und spazierten Wieder langsam auf und ab. Würzburg unterbrach zuerst das Stillschweigen, indem er, die Hände über dem wohlausgefüllten Nocke faltend, mit kläglicher Stimme rief: Na. was sagst Du nun? . . . . Eine Brunhilde, wie aus dem Nibelungenlicde herausgeschnitten! Ach, wir werden nette Dinge erleben!" Wenn Du nach dem heutigen Muster fortfährst, zweifle ich nicht daran," erwiderte Auras spöttisch. Uebrigens glaube ich die Stunde bis zum Diner besser ausnützen zu können als mitMüßiggehen und sinnlosem Geschwätz." Oho!" fuhr Würzburg beleidigt auf . . . aber in einer Weise hast Du eigentlich recht: unser Herumstehen sieht aus, als ob wir erbärmlich hungerten. Du gehst nach Hause darf ich mitkommen?" Diese Frage verdiente eigentlich ein Nein zur Antwort." lachte der Direktor, sich umwendend, doch verfinsterte sich sein Gesicht wieder, als der Kammerherr von Ruwer' eiligst aus der Rampe erschien und ihm mit einer seiner graziösen Handbewegungen, welche wie vor dem Spiegel einstudirt erschienen, zuwinkt Aus ein Äort, verehrtcster HerrDirektor. bitte sehr!" Sie wünschen, Herr Kammcrherr!" Meine Nichte erfuhr soeben erst von der Anwesenheit Ihrer FräuleinSchwester und gibt sich die Ehre, Fräulein Auras ebenfalls einzuladen, mit der herzlichsten Bitte um gütige Entschuldigung. daß dies nicht eher geschehen ist. Ich schließe mich dem vollkommen an. Da es sich nach unseren vorhergetroffenen Bestimmungen um ein Diner sämmtlicher Herren Beamten handelte, glaubte ich Fräulein Auras nicht mit einer Einladung behelligen zu dürfen, um " Worin Sie ihren und meinen eigenen Wünschen nur entgegen kamen," unterbrach Auras den Verlegenen. Wollten Sie die Güte haben. Her? Kammerherr, der Gräfin Wildenhof unseren ergebensten Dank und zugleich im Voraus unsere Entschuldigung zu übermitteln. Meine Schwester muß lcider ablehnen." Er verbeugte fich fluch tig und folgte schnellen Schrittes dem inzwischen vorangegangenen Oberförster. Wie angewurzelt blieb der KammerHerr stehen, das trotz seiner fünfzig Jahre noch immer feine, anziehendeGesicht verzerrte sich zu einer häßlichen Grimasse. Erbärmlicher, hochmüthigerPobel!" zischte er halblaut zwischen den aufeinander gepreßten Lippen hervor. Mein einziger Trost rst es, daß Du selbst so eifrig an DeinemUnterganae arbeitest... Nur einige Jahre noch und wir werden Dir und Deinesgleichen wieder nachGebühr den Fuß auf den Nacken setzen, einer Frechheit mit der Reitpeitsche bcgegnen . .. und seme überaus gepflegte Hand ballte sich zur Faust. Er vergaß, daß Brunhilde seineAntWort erwartete, und lehnte stch in grimmigem Grübeln an das zierlich aeschmiedete Eisengitter der Rampe. Als vor Zwei Jahren nach dem Tode des früheren Generaldirektors zu dessen Nachfolger der damalige Oberförster Äuras, Dozent an der Land- und Forstwirthschaftlichen Akademie, vor geschlagen wurde, war er selbst mit sei nem ganzen Einfluß für diesen eingetreten. Dem stolzen Aristokraten fraß die Sequestration der Herrschast Wll denhof am Herzen, umsomehr. als er. der Besitzer eines kaum eine Meile entfernten unbedeutenden Gutes, in frühe rer Zeit an Stelle des fast stets abw: senden Grafen, seines Schwagers, hier selbst die Rolle des Gebieters gespielt hatte. Der frühere Direktor, ein ehema liger höherer Beamter der StaatsDomänenverwaltung, hatte in bureaukratischem Pflicht- und Selbstgefühl seinem Einfluß wenig Spielraum gegeben; den schlichten, jungen Dozenten hoffte er durch die Wucht seines Ranges und Namens zu einem gefügigen Werkzeug heraozudrucken. Er wurde bitter enttäuscht. Auras sicherte sich im Voraus eine fast unbefchränkteMachtvollkommenheit und trat alsdann der Anmaßung Nuwcrs noch weit entschiedener entgegen, als sein Vorganger. Es kam zu eimaen uner quicklichen Scenen, bis der junge Di rektor sich jeden weiteren Besuch des Kammerherrn in Wildenhof verbat. und sein Recht dazu aus seinem Con tract und den Seauestrationsbestimmungen nachwies, welche nur 'der einzigen Tocyter des verstorbenen aräfli Äen Ehepaares das Bewohnen des Schlosses gestatteten. Nur zu deutlich fühlte Nuwer. daß er hier einem ihm überlegenen Charakter von unbeuasa mer Festigkeit gegenüberstand. Ergab, äußerlich wenigstens, nach, um sich doch den freien Verkehr m Wildenhof zu si chern, und befleißigte sich von nun - an einer außerordentlichen Höflichkeit allen von der gerichtlichen Verwaltung an stellten Beamten, namentlich aber dem Direktor gegenüber. Die aerinaste. t dem Gebildeten selbstverständliche Gefalligkeit erbat er sich wie eine Gnade: niemals mehr lich er sich hinreisn, eine Forderung zu stellen, einen Tadel auZ-

zusprechen oder auch nur die geringste

Anordnung zu treffen . . und unter dieser geschmeidigen Höflichkeit wuchs em glühender Hag gegen den Mann empor, der, ein einfacher, bezahlter Beamter, ih.r aus dem Stammschlosse seiner nächsten Verwandten auszuweisen gedroht hatte, ein Haß, welcher vielleicht um so unversöhnlicher war, als ihm, trotz der hochmüthigen Geringschätzung, die er gegen Niedrigerstehende empfand, gerade Auras eine gewisse Achtung und Scheu abzwang es lag in dem Wesen diess einfachen Beamten etwas, was selbst dem maßlosen Stolze Ruwers bisweilen imponirte. Ein Trost nur blieb dem KammerHerrn, wie er selbst dahin gesagt: Auras grub sich selber sein Grab; seine umsichtige und rationelle Verwaltung hatte den Ertrag der Güter, Forsten und technischen Betriebe in ungeahnter Weise vermehrt, so daß die völligeTilgung der Schulden und die Aufhebung der Sequestration jedenfalls weit früher erfolgen konnte, als dies vorausberechnet war. Dann ein gehässiges, triumphirende's Lächeln umzuckte bei diesem Gedankcn die Lippen des Kammerherrn war die Stunde gekommen, alle diese Demüthigungen, die er jetzt mit lächelnder Freundlichkeit - stumm . ertragen mußte, Mit gleicher Münze hzimzuzaylen . . . . und wieder hob sich die kleine, weiße Faust wie zum Schlage. Onkel Edmund, rief eine helle, kräftig: Mädchenftimme vom Balkonfenster herab. verr von Ruwer schreckte aus semem verlorenen Sinnen auf . . . Ah, Brun hilde! Wird st: diesen Bauern zu zahmen wissen? Ich hoffe es. Sie ist trotz alledem die Herrin hier und in ihren Adern fließt vereinigt das unverfälschte, stolze Blut. Und wenn Viktor" Ich komme," unterbrach er sich mit lauter Stimme, zog seinen tadellosen Frack scharf in die Taille und trat in das Portal zurück. II. Obwohl dem Direktor ein: Wohnung in den best ausgestatteten Räumen des Schlosses zustand, hatte er es doch vorgezogen, das leerstehende Pächterhaus zu beziehen, welches von jenem durch einen schmalen Streifen des Parkes geschieden war und seine Front dem Wlrthschaftshofe zuwendete. . Während Auras sich mit dem HofVerwalter besprach,' sprang der Ober förster di: mit einem einfachen Läuser belegte Holztreppe empor und trat nach kurzem Anklopfen, ohne das Herein abzuwarten, , in ein mit schlichter Behaglichkeit ausgestattetes Wohnzimmer. Guten Tag, Fräulein Betty, darf ich um ein Plätzchen in Ihrem Reiche bitten? Wissen Sie schon alle Nemgker ten? Kein Empfang, keine Böller, kein Musiktusch, kein Diner! Nur Wolf und ich sind in den engsten Familienzirkel geladen oder befohlen ' ich" weiß nicht, soll ich uns als glückliche Bevorzuate oder bedauernswerthe Opferlam mer betrachten . . . Brunhilde heißt sie, die Comtesse nämlich, und ste steht auch gerade so aus. Vierundsechzig Ahnen sieht man ihr auf eine Viertelstunde Entfernung an. Uebrigens war sie so nett, als man eben von einer Gräfin Zuden:)os, welche Brunhilde heißt, ver lanqen kann. Sie sind jetzt eben noch gleichfalls bef nein, eingeladen, Wolf hat jedoch entschieden abgesagt. Ist das nicht abscheulich? Der Kammerherr bat noch viel hoflicher als sonst, und außer dem riecht es da drüben berits so wun deröa? hocharistokratisch, ich sage Jh nen. ein Hochgenuß für gewöhnliche sterbliche wie wir! Soll 'ich hinüber fliegen und als Herold Jh? Erscheinen trotz Wolfs Adsage verkünden?" Dazu haben Se ja gar nicht genugend Muth!" lacht: die junge Dame, aus welche der Redegewandte seinen Erguß ntedergesprudelt hatte, indem sie ihm mit einer freundlichen Handbewe gung den Stuhl an der anderen Seite ihres Nahtlschchens anwies. Mit einem sehr hörbaren Seufzer nahm er Platz, so geschickt manoven nd, daß er fast neben ihr saß. Ich bin ein verkannter Märtyrer Wolf zweifelt an meinem Verstände, Sie gar an meinem Muthe. . Nur meinem Bruder aezenüber: ihm zu widerspreqen, wagenSie nicht. Doch nicht ausFeigheit, das schwöre :ch Ihnen bei allem, was Sie wollen. Sie wissen es ja, Fräulein Betty, . er hat eine so eigenthümliche Weise, Anderen seine eigene Ikberzeugung bei zubringen, daß man schließlich nicht umhm kann, sich selbst die schmeichel hafte Versicherung zu geben, man sei mit seiner bisherigen gezentheiligen Meinung dem bekannten grauen Freunde ganz erschrecklich ähnlich gewe sen. Und dennoch Ihnen zu Ge fallen fliege ich wie auf den Fittigen des Sturmwindes hinüber' und flüstere dem kammerherrn em vertrauliches Wortchen zu. Ich bin überzeugt, er küßt mir die Hände dafür oder schenkt mir einen seinen Fruhitucksorden.Um Gotteswillen nein!- rief Betty. und hielt mit ängstlicher Geberde den Ausstehenden zurück. Sie kennen Wolf, er würde uns das nie verzeihen. Wollte er doch nicht einmal erlauben. daß ich mir die für die Comtesse bestimmten Zimmer ansah." Allerdings eine frevelhafte Grausamkeit, die zum Himmel schreit Sie spotten natürlich wieder, doch verdroß es mich in der That ernstlich. Gestern Abend bin ich heimlich hinüber. geschlüpft . . . . welche Pracht, ich war geblendet, wie berauscht!. Ein Feenmärchen schien sicb mir zur Wirklichkeit zu gestalten. Nichts Köstlicheres, als in solchen Räumen zu herrschen!. An ihrer Schwellmüssen Sorgen und' Kummer zurücke'.cben. lind 'i-;i . ', . So weiter!- fiel, der Oberförster ein. . Fräulein Betty. dieser Ueber, laß ist keine Gewähr des Glückes, ni&t

einmal im Märchen sind alle Königs

ochter in lyren gsldenenPalasten gluckich. Kind, Kind, das sich vom äußeren Schimmer blenden läßt!Das Mädchen warf den Kopf zurück und blitzte Würzbur. der urplötzlich ehr ernst gesprochen haue, aus den dunklen Augen fast empört an. Ihre ur eine ideale Schönheit fast zu vollen Lippen zuckten; beideHände auf die wogende Brust pressend, rief sie heftig: Ich bin kem Kmd mehr, und eben deshalb werdenSie mich nie zu überzeugen vermögen, daß das Glück in der Beschrankung und Niedrigkeit liege. Der Wurm mag sich im Staube behaglich fühlen, den Adln drängt es gewaltsam empor zur Ssnne, hinaus über das niedrige, enge Gewühl . . . Wäre ich ein Mann, ich wurde dem Adler nicht werchen, das höchste Ziel nur genügte mei nem Streben, und glauben Sie mir, ich würde es erreichen, würde herrschen und glänzen, beneidet und bewundert werden und glücklich sein...." Ein tiefer Athemzug schwellte ihre Brust, dann ließ sie dieHände sinken und fuhr leiser fort: Nie wird sich diesesTräumen und Verlangen, das in meinem Herzen brennt, erfüllen ich bin nur ein hilfloses, armes Mädchen, und. Sie thun Recht daran, mich thöricht zu schelten, zu verlachen." Nem, Betty, zum Lachen stimmt das wahrhastig nicht, imGegentheil, ich finde es herzlich traurig, daß ein Geist wie der Ihrige sich so weit verirren kann. Halten Sie die Comtesse für glücklich? Sie besitzt alles, wonach ihr Wünschen steht, hohe Geburt, Namen, Rang, Stellung und ist doch nur eine Geduldete in ihrem eigenen Hause." - Das letztere ist tin Ausnahmefall, und auch das nur auf kurze Zeit. In einigen Jahren verfügt sie wieder frei über ein fürstliches Einkommen." Und wird an der Seite eines ebenbürtigen Gemahls, irgend eines blast?ten Lebemannes oder Hohlkopses mit altem Wappenschilde, ein äußerlich glänzendes, innerlich unbesnedigendes, vielleicht elendes Dasein fristen, strahlend und doch erstarrend kalt, wie die Juwelen, die an ihrer liebe- und freudeleeren Brust funkeln. Geblendet, berauscht nannten Sie sich vorhin und sprachen damit eine tiefere Wahrheit aus, als ste beabsichtigten . . . Blendmerk und Rausch, täuschend, betäubend, vergänglich und als Rückstand todte Asche, bittere Hefe, trübes Erwachen. Es gibt Besseres und Edleres, als das glänzende Leben auf einsamer, kalte? Höhe: eine bescheidene Heimath in einem friedlichen Thale, das keinSturm erreicht, die Freude am Schaffen für den eigenen kleinen Herd, der reine Genuß, den nur die wohlverdiente Ruhe nach redlicher Arbeit und das harmonische Zusammenleben mit geliebten, gleichgesinnten Angehörigen gewähren können, diese köstlichsten Gaben des Geschickes, die uns immer treu bleiben." Wer sich damit zu begnügen vermag . . . . ich gönne es ihm und beneide ihn nicht darum!" rief Betty verächtlich. Nicht jeder ist ein Adler." Der Oberförster zuckte die Achseln und erwiderte in seinem gewöhnlichen humoristischen Tone: Zu des Adlers Glück; wie könnte er sich sonst auszeichnen? ... Ich meinerseits gestehe, selbst aus die schreckliche Gefahr hin, fortan von Ihrer Sonnenhöhe aus gänzlich übersehen zu werden, schamlos ein. daß ich mich in meiner bescheidenen Grünspecht-Existenz ungemein wohl befinde und weder die Comtesse noch den Kammerherrn oder sonst einen ungefiederten Adler beneide." Die funkelnden, schwarzen Mädchen äugen liefen spöttisch über seine ganze Gestalt, welche in ihrem siattlichenUmsänge und mit dem blühenden Gesicht in der That wie eine wohlgelungene Verkörperung prosaischer, selbstzufne dener Behaglichkeit erschien; dann, als sie seinem scharfen Blicke begegneten. senkten sie sich rasch auf die im Schooße lieoende Räberei. an welcker die kleinen, vollen Hände nun wieder emsig zi5 arbeiten begannen, so eifrig, daß der Gast darüber völlig vergessen wurde. Dieser ließ sich die offenbare Mißachtung anscheinend sehr wenig ansechten. Ein Zeitungsblatt aus der Tasche ziehend, begann er zu lesen, bald jedoch schweiften seine Augen über den Papicrrand hinweg nach dem durchaus nicht regelmäßig schönen, durch den Stempel eines leidenschaftlichen 'Tem peramentcs aber überaus anziehenden Mädchengesicht. Seine eigenenZüge umWölkten sich ... . War dieses reizende Gesazovs in der That nichts als eme jener Älltagsnaturen. denen der äußere Schein eines glanzenden Geschickes als einzig Erstrebenswerthes erscheint, die sich unbedenklich dem verkaufen, welcher den höchsten Preis zu zahlen vermag? Vermochte in diesem feurigen Herzen keine mere Gluth zu lodern, als das Verlangen nach dem erbärmlichen Flitter? Beim Manne mag dieses Streben seine Geltung haben, das Weio wird dadurch erniedrigt. Auras Eintritt unterbrach dasStillschweigen. Es ist Zeit, Würzburg. Habt Ihr Euch gut unterhalten?" . Was mich anbetrifft, natürlich ja ... wir sprachen von Feigheit, Grünspechten, stillen Thälern, Comtessen und Adlern also Stoff in Hülle und Fülle sagte der Oberförster launig und reichte Betty die Hand zum Abschiede. Nur für einen Augenblick legte sie ihre Rechte in die seme; . der leise Druck, den er wagte, fand keine Erwiderung. Zur bestimmten Minute traten die beiden Beamten, in den Salon des Schlosses. Gleich darau erschienen' die Herrschaften, die Damen in großer Toilette, wie zu einer Hoftafsl. Brun Hildes und AuraZ Blicke kreuzten sich scharf. Hatte ste noch emmal daraus ge rechnet, ihm durch ihre könialiche Er scheinung, welche in dem in schweren Falten niederrieselnden Seidenkleide noch imponirender erschien, aU vorder

zu blenden, so wurde sie entschieden ent

tauscht. Ihren herablassenden Gruß durch eine gemessene Verbeugung erwidem, wartete er ruhig, bis der Kammerherr ihr seinen Arm reichte, dann trat er an Frau von Leist heran und führte sie, jenen Beiden folgend, in den anstoßenden Speisesaal. Würzburg schloß allein den Zug, über das steife Ceremonie!! nicht wenig amüsirt. Dasselbe wurde auch während des Spcisens eingehalten. Die füns Personen an der mächtigen Hufeisentafel in dem die ganze Tiefe des Stockwerkes einnehmenden gewaltigen Saale, von dessen Wänden die schönen, hochmüthigen Gesichter langst verstorbener Grafen und . Gräfinnen Wildenhof herniederblickten, wie unwillig erstaunt über die seltsam zusammengewürfelte kleine Gesellschaft, der einzige, mit feierlicher Grandezza fervirende Diener derjenige Ruwers das schwere, alte Silberzeug, das als Famihenbesttz den Gläubigern ent gangen war, im Gegensatz zu dem neu angeschafften, herzlich einfachen Porzellan, die funkelnden Orden des Kammerherrn und die schlichte Korallenagrasfe, welche das Kleid der Comtesse an der Schulter zusammenhielt Nichts hatte den Niedergang des stolzen Geschlechtes der Wildenhof deutlicher illustriren können als dieses Gesammtbild, das auf den ernsten Zügen des Direktors einen blitzartig aufleuchtenden ironischen Schimmer hervorriefe wenn er seme ruhigen, grauen Augen darüber hingleiten ließ, und selbst der im allgemeinen nicht leicht zu erschüttcrnden Eltekeit Ruwers als eine blu tige Verhöhnung des Namens WildenHof erscheinen mochte. Er fühlte sich offenbar sehr unbehaglich und das umsomehr, als Brunhilde in wahrhaft königlicher Unbefangenheit den Applomb der vollendeten großen Dame zur Schau trug. Dementsprechend verlief auch dieUntcrhaltung, über deren Lücken nur Würzburgs dreiste Lebhaftigkeit un) Ruwers gewaltsame Anstrengung hinweghalfen. Und als endlich die Pein vorüber war. entließ die Gräfin ihre Gäste mit so herablassender Würde.daß der auss höchste amüsirte Oberförstei kaum ein Lachen zu nterdrücken ver mochte, während Auras seine stattlich; Gestalt noch höher emporrichtete, ein stummerProtest, den nur diejenige nicht verstand, welcher er galt. Noch ein Wort, Herr Direktor, fügte sie hinzu, unwillkürlich die ihrem Onkel so geläufige Redensart gebrau chend. Mein längererAufenthalt macht einige Anordnungen nöthig, und ich bitte Sie, morgen früh meine Wünsche entgegenzunehmen. Herr von Ruwer wand sich fast vor Verlegenheit über diesen unerwarteten Zwlschenfall. Auras errothete em we nig, antwortete indeß vollkommen ruhig: Zu meinem Bedauern . kann ich Ihrem Wunsche nicht entsprechen, Gra fin. Ich habe bis morgen zwölf Uhr Bureaustunden und darf die armen Leute, welche meilenweite Wege zurück legen, um mich zu sprechen, und denen jede Minute kostbar ist, nicht warten lassen. Nach beendetem Dienst werde ich mich aern zu Ihrer Verfugung stel len, soweit sich dies mit meinen amtlieben Pflichten vertragt." Noch eme ge messene Verbeugung und die breite Flüaelthüre fiel hinter ihm ins Schloß. Blutroth wandte sich Brunhilde an ihren Oheim: Das, das mir? ... was bedeutet das?" Ihre Stimme zitterte in heftigster Erregung. Ruwer zuckte die Achseln. ' Es bedeutet eben, daß dieser unge schliffene Bauer in Deinem eigenen Schlosse mehr Herr als Du selbst und überdies, wie Du siehst, fähig und ge willt ist. Dich dies fühlen zu lassen. Ick habe Dich aenügend gewarnt, hin her zu kommen. Dir gesagt, daß Dir hier auch das geringste Versügungsrecht versaat ist. Dir außer Deiner Rente nichts zusteht, als die Benutzung dieser Wohnung und de Paries, iowie verschieden? Naturalien, wie Pferdesutter, &oh ii. dal. Auf Dein vermeintliches Recht, aus Deinen Namen pochend, schlugst Du mein Abrathen in den Wind .... die Folgen davon machen

sich Dir bereits am ersten Tage oemerkbar und Dir bleibt, falls Du es nicht vorziehst, zu weichen, schließlich nur der eine Ausweg, zu welchem auch ich mich bereits, wenngleich erst nach schweremKampfe, entschlossen habe: der groben Anmaßung dieses Menschen den stählernen Schild der verbindlichsten Höflichkeit entgegen zu setzen Nie, nie!- riefBrunhilde heftig, und unter dem Saume ihresGewandcs schob sich der kleine Fuß hervor, um scharf auf den verblaßten Teppich aufzutreten. So sei versichert, daß Auras seine Macht im vollkommensten Maße ausnützen und jede Gelegenheit gebrauchen wird. Dich zu kranken. Es ist, als trüge er einen unversöhnlichen Haß gegen Höherstehende und besonders gegen die Familie Wildenhof imHerzen, einen Haß, den er unter Wühler Gelassenheit oder feiner, boshafter Ironie verbirgt, UM ihn desto nachdrücklicher wirken zu lassen. Das Blut steigt mir siedend zu Kopfe, meine Hand zuckt nach der Reitgerte bei der Erinnerung an die KränZungen, die er mir zufügte und auch Dir nicht ersparen wird." Und weshalb ziehst Du die Faust wieder zurück, Du, ein Edelmann, ein alter Offizier?" Der Kammerherr, zupfte in verbissenem Ingrimm. an seinem Halsorden. . . Die Antwort lag in den VerhältNissen,, welche dieser stolze, hartnackige Mädchenkopf noch immer nicht begreifen mochte. Der geschmeidige Hofmann hatte freilich besser mit Möglichem und Unmöglichem, . mit feiner eigenen ujib der Kraft Anderer' rechnen gelernt. (Fsrtstyung folgt.)

5luS der guten, alt, n Zeit. In AuaSbura fand 1446 ein VixtU

schießen statt, bei dem ein GlückSbafen von zweiundzwanzia.Gaben, aufgerichtet ward, darein 36,464 Zettel, und auf jeden acht Pfennig, eingelegt worden, daraus August. einKoch von Gmünd das beste, nämlich vierzig Gulden ge Wonnen, da eS auch ohn' allen Betrua zugegangen.- Im Jahre 1521 soll der Rath zu Osnabrück die erste Lot terie eingerichtet haben ; tnz 1582 er Menene Flugschrift (Sigisrnundi Snevi Glückstöpfe, wie die bey der jetzi gen Welt in Brauch sind") erwähnt dieselbe ; doch bestanden auch dort die Gewinne noch in. Waaren. In Ham bürg schlug die. Bürgerschaft, im Jahre lüii zur Errichtung eincZ Zuchthau ses" eine Lotterie, vor. welche mit Be willigung des Magistrates im Jahre 1015 gezogen, wurde. In Nürnberg scheint die erste Lotterie im Jahre 1715 gezogen worden zu sein, was sich au5 der Beschreibung der Merkwürdigkei ten in Nürnberg" von H. von Murr (1801) ergibt, welcher einen Kupfer stich erwähnt, der. die Ueberschrift trägt? .orltelluug des otto pubiiko, welcher auf dem großen Rathhaus Saal zu Nürnberg gehalten worden Anna 171',." Schon vor der preußischen Staats lotterie. welche Friedrich der Große nach dem siebenjährigen Kriege ins Lebeu rief, wurde im Juli 1740 zu Berlin eine Lotterie gogen, welche nur aus einer Klasse bestand; dieselbe hatte zwanzigtauscnd Loose, deren jedes fünf Thaler kostete, so daß der ganze Einsaß hunderttausend Thaler betrug. Von den viertausendachtundzwanzig Gewinn nen war der Hauptgewinn ein HauZ im Werthe von vieründzwanzigtausend Thalern. In Wien wollte sich im Jahre 1603 ein braves deutsches Mädchen von zwanzig Jahren" durch die Lotterie aus spielen lassen. ES sollten vicrund zwanzigtausend Loose, das Stück zu einem Gulden, gemacht werden. Fiel das Loos auf eine Frau, so sollte sie viertausend Gulden erhalten, zog ein .behinderter Mann" dasselbe, so sollte er sechstausend Gulden bekommen. War der Gewinner ein lediger Mann, dem da brave deutsche Mädchen aber nicht gesiel, so erhielt er ein Neugeld von achttausend Gulden. Das brave, deutsche Mädchen" machte also unter allen Umständen ein recht gutes Ge schäft. , In Wien stand der erste Glückshzfen äuf dem Graben neben dem heutigen Sparkassengedäude. Es war dies eine öude, von ' deren Giebel bunte Fühn chen flatterten. Eine Musikbande be Kleitete jede Ausrufung eines bedeu Senden Gewinne mit dem obligaten Tufch". Da gab eS Löffel. Kämme, Bürsten, Nippsachen die schwere Menge, Spielzeug. Uhren,' ja selbst lebendige Thiere: einmal sogar auch eine Pracht volle Equipage (elegante Kalesche mit. zwei prächtigen Schimmeln), die der glückliche Gewinner gleich selbst fort kutschirte und beim nächsten PferdeHändler versilberte ganz so wie heute bei den Pferdeausstellungs-Lotterien. Das Geschäft rentirte sich, an manchen Tagen wurden für 20,000 Gulden Loose verkauft. Im Jahre 1795 be. saß den Glückshafen am Graben der bürgerliche Handelsmann Johann Hat kel, derselbe, welcher sich an der söge nannten Jakobiner - Verschwörung" beteiligte, dafür zu dreißigjähriger FestunZs strafe verurtheilt wurde und dem, als er mit dem Magentaferl" (wie vom Volke spöttisch die Tafel ge nannt' wurde, welche die Schuldanzeige des Verbrechers enthielt und ihm über die Brust herab angehestet war) aus der Schanddübne stand, das Volk höh nifch znricf: Acb, Herr von Hacke!, das iZ a Speltakel!- Im Jahre 1804 wurden die öffentlichen GlückZhäfen abgestellt. Versichert gegen Knissc. Ein Jude, der in Sidney einen Trödlerladcn hielt, war mit einer Toch ter gesegnet, die zuweilen das Geschäft besorgte, wenn ihr Vater nach Ausder lausen und Auktionen ausgegangen war. Während einer solchen kurzen Abwesenheit des alten Moses betrat da ein schliöäugigcr Chinese dcn Laden und ersuchte die Rhel, ihm einige gute Taschenuhren" vorzulegen. Lt'ahel holte drei tück aus dem GlaZ tasten am Ende des Ladentisches; diese waren mit .,$50", $40" und $10 ausgezeichnet, und Rahel legte sie nach ihren Preisen geordnet von rechts nach links in einer Reihe auf den Tisch. Der Chinese besichtigte die Uhren und machte sich dabei RahelS augenblickliche Unaufmerksamkeit zu Nutze, indem er die 810-Uhr an die Stelle der für 840 legte und umgekehrt. Als Rahel sich ihm wieder zuwandte, zeigre er auf die 540-Uhr und sagte: Ich will doch nur die billigste nehmen-, übergab den Mädchcn'sl und trottelte seines We ges. Bald nachher entdeckte Rahel den Schwindel und weinte bitterlich über den ihr gespielten Streich. Als der alte Moses nach Haufe kam. erzählte sie schluchzend ihr' Mißgeschick. Rahel. Tochterleben", erwiderte da schmunzelnd der Alte, ..mach' dr kainm Schmerz weiter; hatten die Uehrchen doch alle denselben Preis, aZ fe mer halben gekostet Stück f ot Stück nicht mehr als S !" Splitter. Bei Frauen in die Schule geh'n. TaS mag auch leicht gelingen; . Doch schwerer ist'S. Jbr werdet seh'n. Das Schulgeld zu erschwingen! E r kennt sie. , Ehemann? Lieber Do'ctor. ich bin total caput, erregt nervös und abgespannt, ich muß Ruhe haben, werbe in'S'Bad reisen, Arzt: Sie? Nein! Da wollen wir lieber Ihre Gattin fortschicken!