Indiana Tribüne, Volume 16, Number 228, Indianapolis, Marion County, 7 May 1893 — Page 7

Slit gelöstes Räthsel.

or nahtzu vierzig Jabrcn sirteTk sich in dein kleinen Stadtchen C!ke. ville in der Grafschaft Montgomery ein. junger französischer Toktor Namens Fran-oiZ Foi'.teneq an. der sich rasch den Ssuf eines äußerst geschickten Arztes erwarb. . Tie Tüchtigkeit in seinem Beruf und seine Liebenswürdigkeit im Umgang öffneten ihm Kald die Thüren der besten Häuser in ganz Montgomcrv, vnd Tr. Fonteney war in kurzer Zeit der Hausarzt und Hausfreund in den angesehensten Familien, und. wie man sich zumunkelte. d?r Held manch' eines galanten Abenteuers. Am häufigsten rcrkehrte er jedoch in dem Hause des Nektors der evangelischen Kirche in ClarkeviUe. des Rev. A. M. Feltncr, der jung vcrhcirathet war und dessen Frau als erste Schönheit der Graffchaft galt. Zwilchen Herrn Feltner und Fon tcncy entspann sich ein Verhältniß der innigsten Freundschaft, das einige Jahre lang nicht die geringste Trübung erfüll?. Tie döse Welt begann allerdings nach und nach sich zuzuflüstern, daß zwischen dem Toktor und der Frau Feltncr gleichfalls ein sehr intimes Verhältniß bestehe, bei dem die pwto nischc Freundschaft eine sehr untergeordnete Rolle spiele; allein Feltncr hegte nie oen geringsten Verdacht ;egcn seinen Freund und gegen seine Frau, die er abgöttisch liebte.' Wahrend der fünfjährigen (5he waren dem Bunde zwei flinker entsprossen, ein Knabe und ein Mädchen, auf welche Tr. Fonleney die innigen Gefühle zu übertragen schien, die er für die Eltern hegte; manh2t!e sagen können, er liebe sie rätcrlich, und man sagte es. Das Gcrcde wurde immer lainer, und erreichte endlich auch den junge:: Rektor. 2öurde er mißtrauisch Forschte er nach? Fand er, daß die döse Nachrede ihren guten Grund hatte? Daß ibn die ge liebte Frau und sein bester Freund de trogen? Tie Antwort auf die , Fragen wird nie gegeben lvcrden! Tcr Retter und die Äeltorin sind todl. Sie starb im Jahre lS.'.ü ganz plötzlich. An Herzschlag, hicß es, und so erklärte auch '.er Arzt, der herbeigerufen wurde, als sie im Sterben lag. Es war nicht der Hausarzt gewesen, nicht Tr. Fonteney. Tcr Rek:or hatte auffälliger Weise um sinen anderen Arzt geschickt und hatte sogar, als sich Tr. Fonteney nach dem Tode der jungen Frau einfand, diesem den Zutritt ins Haus verweigert. Tcnl Tode der jungen Frau war eine äußerst heftige Auseinandersetzung mit ihrem Gatten vorausgegangen, der erste und der lcte Streit, den die Beiden zusammen gehabt. Ter Tod mischte sich ein und rnochie eine Aussohnng unmöglich. Tcr sRe: tor schloß sich ein und empfing Niemanden, der ihm das Vlleid auszuspttchen kam. Nach drei Tagen, einer in Eng land ungewöhnlich kurzen Zeit, wurde die arme Rektorin begraben. Ter bester kehrte ganz gebrochen heim. Um 11 Uhr Nachts ging er, mit einem schweren Stock bewaffnet, aus. Ein Brief lag unbcendigt auf seinem Schreibtisch, un) er hat ihn nie zu (inbe geschrieben. Er verschwand spur los. 'ew Verschwinden erregte na türlich das größte Aufsehen. Die ganze Umgegend wurde durchsucht, überall wurde er geforscht, aber nirgends gefunden. ir blieb spurlos vcrschwun den! Tie armen Kleinen waren soilötz lich elternlos geworden, und in ihrer vcrlastencn und hilflosen Lage bethä tigte Tr. Fonteney sein gutes Herz und seine Freundschaft; er nahm .den Knaben und das Mädchen an Kindesstott an, und wurde ihnen zum besten Vater. Er lebte nur für sie; der le denslustige Mann zog sich plötzlich vsn der Welt zurück; er wurde ernst und in sich gekehrt; er verkehrte mit den Men schen nur noch in seiner Eigenschaft als 21r;t;' er war und blieb gesucht .ünd sammelte ein sehr beträchtliches Vermö gen für .seine Kinder" an. Tie Jahre kamen und gingen. Dr. Fonteney war zu einem alten Jung gesellen geworden, und endlich schlug anch seine Stunde. Er starb vor eini gen Tagen, und als .er fühlte, daß er iem Tode nicht mehr entrinden könne, daß cr von der irdischen (Zercchtigkcit nichts mehr zu fürchten und nur Gott Rcde ünd Antwort zu stehen habe, da sandte cr um den Friedensrichter und gab diesem die Lösung des Räthsels, welches das Verschwinden des AectorZ bildete. Ter HlöZzliche Tod der jungen Frau., so erklärte der Sterbende, hätte ihn mit dem Verdacht erfüllt, daß sie das Opfer einer Gewaltthat geworden. Taß cr nicht zum Krankenbette gerufen worden, baß ahm der Zutritt ins Haus verweigert wurde, bestärkte ihn in die sem Verdachte. Er wollte -Gewißheit haben. Als Arzt Xü'ixt es ihm allerdings leicht gewesen, eine gerichtliche Tootenbeschuu zu veranlassen. Dr. Fonteney wallt aber diesen einfachen Ausweg nicht betreten. Warum, sagte iv nicht. .' Tie Vcweggründe ließen sich aber leicht erklären, wenn man .annehmen sollte, daß die Welt mit ihrer schlim rnen Nachrede Recht gehabt. Mit der Seststellung des gewaltsamen TodeZ wäre dann nicht nur da Geheimniß der Ursache des plötzlichen Ablebens der jungen Frau, sondern auch der Grund, der ' dazu geführt, offenbar geworden. Ob es Mord oder Selbstmord war, der Gatte hätte zu seiner Vtttheldigung das Geheimniß preisgeben müssen, an des sen Wakrung Tr. Fonteney dsS größte Interesse hatte. So ab ihm der Tod der jungen Frau ging, so gerne er die scn auch gerächt sehen mochte, er mußte schweigen. Wie tonnteer außerdem den Gatten, wenn dieser wirklich durch ihn betrogen war der Strase überlie fern? Wer war die Ursache zur That? Wer war der Schuldigere? Was immer die Veweggründ: Tr. Fonteneys waren, er stellte nicht das Verlangen nach einer gerichtlich?n Todtenbeschau; aber er wollte die Leiche noch einmal sehen, er

wollte Gewtßrzeit haben, was dle Freun-, din so plöklich txm Leben entrissen.' Und als die Nacht hereingebrochen und Elarkeville zur Ruhe gegangen war. da schlich sich Fonteney aus seinem Hause. 1 Er trug eine Schaufel und eine kurze, Leiter, und als die Thurmuhr die elfte' Stunde verkündigte, stand er auf dem Kirchhofe bei einem frisch ausgeworfen nen Grabe. Er horchte in die Nacht hinaus. Alles war still. Am fcirn mel zogen schwere Wolken, durch welche das Mondlicht nur selten auf einen 'urzcn Augcnbli durchbrach. Von der Finsterniß begünstigt, be gann er rasch zu graben und das kaum gefüllte Grab auszuhöhlen. Es war! leine lcichteArbeit; der Arzt grub bei; nahe e::.e stunde, ehe die Schaufel auf den Sarg stieß: e? entfernte die letzte Schicht Erde mit den Händen, und im Gra'e stehend, brach er den Teckel des Sarges, auf. Tiefe Stille herrschte' ringsumher. Nur die dumpfen Schlüge' der T!.urmuhr, die gerade die Mitter! nacht verkündigte, drangen dumpf in! das Grab hinad. Fonteney zog eine kleiuc Handlaterne hervor, leuchtete in das Mache starre Angesicht des iimacir Weibes, bob dann die Leiche au5 dem Sarge, und sie mit d:r Linken fest an sich drückend, sch'cppte er sie auf der Leiter aus dem Grabe. Seine Krüste verließ? ihn beinahe: cr legte die Todte behutsam auf den aufgcworscncn Erd Hügel, und setzte sich ibr zur Seite nie dcr. Tie Nacht war finster. Alles war still. Nur in dem unfcrncn Reeforut brannte noch ein Licht und erhellte das Fenster des Arbeitszimmers des Man nes, dcr am vorigen Tage seine hinge Frau zur ewigen Ruh.-" gebcttc. h itte. Wenn c? geahnt Hütte, was rn diesem Augenblicke vorging! Fonteney schauerte unwillkürlich zusammen. Er mußte rasch wieder an die Arbeit ; es galt noch, das Grab zu schlichen und die Leiche fortzufchaffen. In diesem Augen blicke brach der Mond durch die schwe rcn Wolken. Fonteney hielt schon die Schaufel in der Hand, konnte aber der Versuchung nicht widerstehen, in das Antlitz dcr todten jungen Frau zu sehen und beugte sich zur Leiche nieder. Und als er so that, da' tauchte lautlos hinter ihm eine große, dunkle Gestalt auf. Ein Arm hob sich, und im nüchsten Augenblick traf den Leichenräuber ein surchtbarer Schlag auf d.'tt Hinter köpf. Nur der dicke Filzhut, den er trug, rettete ihn vom Tode. Halb be täuot wandte sich Fonteney um und sah sich dem Rctror gegenüber, dcr zu einem neuen tcdtlichcn Streiche aus holte. Fonteney hob mechanisch die Schaufel zur Abwehr und parirte den Streich. Ich konnte in meines Geg ncrs Gesichte lesen." erklärte cr. daß cr entschlossen war, mich zu erschlagen. Ich mußte mich meines Lebens wehren. Ich wollte ihn betäuben und versetzte ihm einen Streich mit dem Spaten. Zum Unglück traf ich ichn mit dcr schar fcn'Kante, und cr stürzte, ohne einen Laut von sich zu geben, zusammen. Ich sprang zu idm er lag todt mit zer jpaltcnem Schädel vor mir." WaZ thun? (i3 galt keine lange Ucberleguttg. Rasch cntschZossen. schlepp:? Fonteney den frischen Leich nam ZUM offenen Grabe und ließ ihn in dieses hinabgleiten: cr stieg dann in das Grab, zwängte den todten Ä)!ann, so gut es ging, in den Sarg, dcr seine Frau geborgen, stülpte den Teckel zu und kroch aus dem Grabe heraus; bald darauf prasselten' die ersten Schollen mit dumpfen schlügen aus den Sarg und dessen neuen Schläfer nieder, und in einer weiteren Stunde war das Grab geschlosien. Die Hahne krähten schon. Ter Mor gen war nicht ferne. Tie Nacht war aber finster, und ein schwerer Äegen

praljclte nieder, als Fonteney mit sei ner leblosen Bürde sein Haus wieder erreichte. T Regen hatte alle Spu ren von dem verwischt, was unter dem Mantel der Nacht sich auf dem Kirchhof abgespielt, und so hatte Niemand eine Ahnung, daß iie todte Nettorin aus dem Grabe geholt worden, und Nie mand verfiel' darauf, daß der Rektor ihre Stelle eingenommen. Er war und blieb mysteriös verschwunden", und schlief unter dem Grabsteine, den die Gemeinde feiner Frau gefegt. Tie Leiche dcr Frau begrub der Arzt in dem Keller seines Hauses, nachdem er seine Wißbegierde- befriedigt und sich überzeugt hatte, daß sie eines ge waltsamm Todes gestorben. Aon eigener Hand, oder t Dr. Fonter.ey schmieg natürlich auch stber diese Ent deckung. Erst der nahende Tod löste ihm die Zunge und erleichterten Her zens schied er aus der Welt, die für ryn zu einer VuLanflalt semorden war. Sein ganzes Vermögen hinterließ ei seinen beiden angenommenen Kindern, die in ihm einen zweiten Bat aefun den hatten. Und doch, mit was für Gefühlen und Gedanken stehen sie an semer Bahre k Müjjen sie nicht wüu scheu, daß das Räthsel des ÄZerscbwiu dens ihres Vaters, dessen sie sich nicht innern, ungelöst geblieben wäre, und daß ihr zweiter Bater sein furchtbares Geheimniß mit w's Grad genommen miiti In dem Keller fand man richtiq da Gerippe der Frau und in ihrem Grabe auf dem Kirchhofe das Gerippe ihres Gatten mit zerfpaltencm Schädel. Die Knochen, die von dem einst o aluck liehen Paare übrig geblieben, ruhen nun friedlich vereint in einem Grabe. Tr. Ionteneys Wunsch, in demselben Grabe zur Ruhe bestaltet zu werden. wurde aber nicht willfahrt; man legte ihn in einem eigenen Grabe zur Rube. doch auf demselben Schauplatz der Handlung", die Ston zu einem Schaw derdrama oder einem Schauderroman btctet, dcr als .lvaa:" bezeichnet 'wer den kann und von Neuem darthut, daß, wie der Engländer sagt, lifo is straner than hetion. ' N i ch 1 3 t t i q 1 1 rn rn e r, -oi wenn es von einem Verheiratheteu heißt: er ist von seinen Leiden erlöst. Man weiß da nicht recht,. ob er oder sie ge üorben ist. -

Der Spielteufel in Deutschland.

Einem Aufsatze im neuesten Hefte oon Marimilian Hardens Wochen schrift Tie Zukunft": Skat" von Tr. Paul Äurth,' entnehmen wir fol aende Darlegungen: In den lekten zehn Jahren sind nach dem Statisti Ichen Jahrbuch sur das Teutsche Reich in Teutichland versteuert, also auch verbraucht worden 37, 177.500 Karten spiele zn je mindestens 3li Karten. Und zwar ist der Verbrauch von Jahr zu Jahr gestiegen, von 3,370,300 im Jahre 1831 auf 4,123,100 im Jahre 1891, d. h. weit über das dcr Volks Vermehrung entsprechende Maß, um 24.8 Procent, während die Volkszahl nur um 9.3 Procent gewachsen ist. ' Tividircn wir mit der letzten Zahl in die 49.428,470 Seelen, die am 1. Tecemb.'r 1S90 gezählt wurden, so kommt fast auf je 12 Seelen ein ver brauchtcs Spiel. - Unter dicfcn 12 Seelen sind etwa 5. Kinder, von den übrig bleibenden 7 Erwachsenen wie derum die Hälfte Frauen,' deren Be theiligung am Spiel immerhin noch gering ist, so daß fast der ganze Ber brauch des Spiels auf die 3j übrig bleibenden erwachsenen männlichen Seelen fällt. Wieviel Seele wird in diesen 3 Mannesscclen noch übrig bleiben, wenn sie im Jahre ein Spiel Karten zur Unbrauchbarkeit gedroschen haben ! Man bedenke nur, wie lange die Karten mit Staub und Schweiß imprägnirt werden müssen, ehe sie dem Philister ersatzbedürftig scheinen ! Oder fassen wir den Verlust kollektiv : 4. 128,100 Kartenspiele im Jahre 1891 verbraucht ! Um in kurzer Zeit dienst unfähig zu werden, muß wohl jedes Spiel täglich längere Zeit, sagen wir 3 Stunden, gedient haben. Das ergabt schon 4z Milliarde Le bensstunden eines Triumvirats oder Duumvirats oder, wenn man auf jedes die Hälfte rechnet, 101 Milliarden Stunden eines einzelnen Menschen, die nach dieser sehr niedrig greifenden Schätzung in das Nichts versenkt wor den sind. Rechnet man die erwachsene männliche Bevölkerung in Tcutschland zu 15 Millionen, so kommen von jenem Gesammtrerlust auf Jeden etwa 684 Stunden oder den Normalarbeitstag zu 8 Stunden gerechnet 851 Arbeitstage, der vierte Theil des Ar'. beitsjahres. Und diele ungeheure Zeit wäre dann durch das Kartenfpiel allein vernichtet worden. Wo bleiben die übrigen Zeitmord niascli ien? Borne konnte schon fra gen: Wenn man alle d:e Kraft und Leidenschaft, die eelendcwcgungcn und Anstrengungen, die Aengste ünd Hoffnungen, die jährlich in Europa an Spieltischen vergeudet werden, wenn man dieses Alles zufammensparte, würde cs nicht ausreichen, ein römisches Volk und eine römische Geschichte da rvus zu bilden?" Heuie würbe cr mit größerem Rechte fragen: Wenn man die Zeit und die Kraft, die alljährlich den Karten oder ähnlichem Unsinn ge opfert wird, zum Nachdenken über so.-iale Probleme verwendete, könnte man dann nicht zu dem matcriellen Reichthum unseres Zeitalters d?n so schmerzlich vermißten socialen Fort schritt und damit geistigen undsittli chen Reichthum hinzufügen? Einer der Alcoholgcgner. Professor Bunge, in ascl, denk! wahrschcinlich zunächst an die Deutschen, wenn er sagt: Tie Hülste der Männer ist in ihren GcsichtZzügen durch den . sogen, müßigen Alkoholgenuß entstellt.- " Er hätte hinzufügen können: Dieselbe Hälfte ist auch durch stumpfsinniges Kartendrescheu verdummt. esonderZ ist es ein Jammer zu schen, wie die deutsche wdeutenschaft die blühende k'goldene Zeit" ihres-geistigen &chs thums durch die beiden Gepflogenheiten verwüstet. Ich glaube, auch der alte Eato, der Ecnfor, war dcshald sovicl bedeutender als sein geistloser Urenkel, der politische Ton Quixote, der sich in Utica tödtcte. weil der Erst: das Würfelspiel verabscheute, der Zweite aber nach Plutarch den Wew und die Würfel sehr liebte." rdbeven. Ueber das Erdbeben in Süd-Ungarn liegen in Budapester Blättern ausfüh? liche Trahtbcrickte vor. denen wir ent nehmen, daß das Gebiet, auf welchem das Naturerclgniß sich abiplelte, unqe mein gron war. da die Erdstöüe in Semlin. Ncgotin und Esseg in gleicher Starke verspürt wurden wie in Arad, Temesvar. Klauscnbura und Karls bürg. Tie Baichterftattr melden übereinstimmend, daß das Erdbeben in der Jett Zwilchen 2 Uhr 40 Minuten und 3 Uhr 55 Minuten am 8. April beobachtet ti. Größere Schäden wa ren nirgends zu verzeichnen, ollcin an manchen Orten gab es heuloie Angn, zumal d:e Mobnurn von der Stelle ge rückt wurden und hängende Gegen stände in Schwingungen gerlethen. Hier und dort entstanden an alten Ge bäuden Sprünge und Nisse, auch Schornsteine sind eingestürzt; allein es sind weder Menschenleben noch größere Verluste an materiellem Gut zu bella gen. Aus Temesvar wird berichtet: .Der erste Erdstoß, welcher um 2 Uhr 50 .Minuten verspürt wurde, war so stark, daß die Leute nicht aufrecht stehen konnten. Von den Schränken sielen Gegenstände, von den Wänden Bilder herab, Uhren blieben stehen, Gebäude wurden erschüttert. Besonders hestiq wurden die Erdstöße in den oberen Stockwerken verspürt. An den Appa raten des Haupt Telegraphenamtes wurde die außerordentliche Heftigkeit und Tauer des Erdbebens festgestellt, welches sich von Nordwest gegen' Südost richtete und glücklicherweise horizontale Schwingungen brachtet Wären diese wellen- oder spiralförmig gewesen so wäre großes Unglück geschehen. Zu sammcn wurden 49 - Schwingungen von crn wählender, dann abnehmender Krast beobachtet. Die ganze Erschcinung dauerte 40 Sekunden."

In Mohatsch waren die t?dstSke von

unterirdischem Rollen begleitet. .Eine stunde vor dem Natureignlsie nahm dcr Wind an Stärke zu, wüh rend eine halbe Stunde nach dem Erd beben vollständige Windstille eintrat. Tie Uhren blieben überall stehen. Mauern zeigten an vielen Häusern Sprünge; mehrere Schornsteine sind eina.cstürzt. In Semlin sielen mehrere .Leute auf den Straßen um. In Szegedin begannen die Thurmglocken zu lauten. Uebrigcns wurde das Erd beben auch in Serbien und Rumänien verspürt. In Belgrad fand um Uhr Nachmittagseine heftige, sekunden lange Erderfchütteuing, zehn Minuten spater eine lei.'btere Wiederhslung statt. Ter erste Stoß war sehr heftig und dauerte 27 Sekunden. Zahlreiche Häuser wurden' beschädigt, darunter vier im Mittelpunkt der Stadt. Im Stadttheile oderhalb oes Königskanals. dem sogenannten Wratscha. sind die Wände' des österreichisch-ungarischen Eesandtschastsgebiudes geborsten. Das Strashau-gcbäude in Topschider ist gleichfalls start beschädigt. In Liva dia. im Kreise Pozarevatz, sowie in Eupriva und der Oravainsel entstan den Spalten, aus denen eine bleigraue Masse entströmte. Popovic und So lajinatz sind zerstört. , Tie Bevölkerung ist auf die Felder geflüchtet. Tec Kreisrichter von Jagodina wurde unicc den Trümmern seines Hauses todt auf gefunden. Tie Erschütterung wie derholte sich am Sonntag und Montag, jedoch in schwächerem Grade. EinpeinlicherZwlschen fall hat sich in einer der legten Sitzun gen des Petersburger GemeinderathS zugetragen. Man "schreibt der Pol. Eorr." darüber unter dem 24. März Folgendes: Im Verlaufe der Siung stürzte sich ein Individuum auf den als Mitglied dieser Körperschaft anwcsen den General Durnowo und traktirte ihn mit Stolschlägen. Ter Attentäter, der in der Provinz Charkow ansässig ist, soll seit einer langen Reih: von Jähren von Haß gegen General Durnowo er füllt, sein, well derselbe gewissen Bau planen des betreffenden Individuums seine UnterstüFung versagt hatte. Der brutale Ueberfall auf Herrn Durnowo, der in. der hohen Petersburger Gesell schaft .großes Ansehen genießt, hat allenthalben dos unangenehmste Auf' sehen erregt. Die furchtbare Ueber schwemmung. welche die Stadt Arisdane in Queensland und die aan weite Umgebung am 4., 5. und (i.. Februar lielmsuchte. hat sich, um das Unglück voll zu machen, Ende Februar wiederholt und alle mühsam Hergestell ten Bauten, Nothbrücken :c. vernichtet, die kaum gereinigten Straßen und Häuser abermals mit schwarzem, fuß hohem Schlamm bedeckt. An einzelnen Stellen stand das Wasser höher als vor vierzehn Tagen, z. B. in Bundaberg. wo die Eisengießerei und die Säge mühlen vollständig unter Wasser stehen. Mehrere Schiffe, wie die deutsche Barke .Hulda" und der Dampfer Stingaree" sind zum zweiten Male gestran det. Seit Tagen regnet es wieder ohne Aushören und dazu gesellte sich ein furchtbarer Orkan, der bei Sandgate mächtige Ääume entwurzelte, Gebäude umwarf und die Wogen über die Tümme trieb, so daß ein See entstan den ist. der weite Ackerflächen bedeckt. In Brisbane durchsuhr ein kleiner Dampser die Ereek. Adelai'de-. .Ed ward und Queenstraße. Während der Nacht herrscht tiese Finsterniß, da die Gas und Elektricitätswerke den Tienst versagen. Tie Strömung des BrisbaneflusseZ ist so stark, daß. der Tampfcr Aramae-, welcher stromauf gehen sollte, nicht vorwärts kam, son dern zurückkehren mußte. Der mühsam hergestellte Eisenbahnverkehr mit Sid ney ist abermals unterbrochen; denn auch die angrenzenden Bezirke von NeuSüdmales haben schwer gelitten. Tcr Elarencefluß ist dort weit über seine Ufer getreten, und es wird längere Zeit dauern, ehe die auf große Strecken hinweggefpülttn Dämme wieder her uettellt sind. BiS 1870 gad es. Lehre. rinnen abgerechnet, nur 5 (3000 weid lie Angestellte in Frankreich. Seit her aber haben sich diese auf mehr als 30,000 vermehrt. Gegenwärtig züblt man 5353 Frauen, die kleinen Post und Telegraphenämtern vorstehen. 1070 Telegraphistinnen sind in 21 Städten abstellt. In 69 Städten haben die Sprcchleitungen 745 weid liche Angestellte. Die Hauptvermal rung der Post in Paris beschäftigt 545 Frauen, die Hauptverwaltung der Spartassen 425. Beide Verwaltn gen. so berichtet die .Vossische Zei tung". sind gesonnen, ihre weiblichen Angestellten noch bedeutend zu ver mehren, sie überall anzubringen, wo Männer nicht unumgänglich nothmen dig sind. Tie weiblichen eingestellten ha bc'n sich hier vortrefflich bewährt, beson dcrs für das kleinere Rechnungswesen und Abschreiben. Bei der Post sind im Ganzen schon 2123 Frauen beschäf tigt. Die Bahngesellschaften sind ebenso günstig für sie gestimmt. Die Ostbahn zählt 3082 weibliche Angestellte bei der Hauptverwaltung, an den Schaltern der Bahnhöfe,' bei der Verwaltung der Zinsen und Bahnpapiere, Leitung dcr Bahnhofwirthfchaften und Beaufsichti gung der Haltestellen. Die Nordbahn zählt 2700; die PariSLyonMittel. mcerbahn 5728; die. Wegbahn 3503; alle Bahnhoskassen und Schalter sind Frauen anvertraut. . Die Paris Or leansbahn ählt 4358, die Südbahn 2502, die Staatsbahn 2112. Zusam mcn also 24,080 Frauen, die im Bhndienst angestellt sind.. ' Mit den '8123 weiblichen Angestellten der Post macht dies 32,208.' Nach diesen zählen die meisten weiblichen Angestellten: Iran zösische Bank. Eomptoir d'Escompte, Eredit Foncier, Stempel und Tabak Verwaltung. Viele Geschäfthänscr vertrauen ihre Kasse einer Tame an. Buchführ'tng ist indessen wen,ger ihre Sache. .

Carl Seydelmann über Schau spielkunst.

V,a . v. Winterseld. 5arl Scdclmann besaß, neben sei ner schauspielerischen, auch eine nicht gewöhnliche schriftstellerische Begabung. &x verstand cs wie Wenige, seinem Gedanken einen stets treffenden Ausdruck zu geben. Nicht bloö auf dcr Bühne war cr ein Meister des Wortes. Den noch hatte er die allercntschiedenste Ab Neigung dagegen, als Schriftsteller auf zutreten. In einem Brief äußert er sich folgendermaßen darüber: Bon vielen Seiten erhalte ich Aufforderunacn. über das Theater zu schreiben. Wenn ich auch zugebe, daß das, was ich zu sagen we,B. vielen Leuten von In teresse sein dürste, so mache ich doch an ?lle. die sich der Truckcrschwärze bcdienen. weit mehr Ansprüche, als ich selbst, wenn ich schriststcllern sollte, zu befrie digen vermöchte. Und darf ich etwas unternehmen, was ich im voraus für mangelhaft erklären müßte? Ist es denn nicht genug, ein guter Schauspie lcr zu sein?So finden sich denn Ser,dclmanns interessante Aussprüche übe? seine Kunst zerstreut in seinen Briefen, von denen namentlich die an feinen Sohn, eben falls Schauspieler, gerichteten eine Fülle werthvoller Anschauungen und Mah nungcn enthalten. Da sie nur gelegentlich ausgesprochen werden und aus dwi Bedürfniß des Augenblicks hervor gegangen sind, so tragen sie um so mehr die Farbe und Frische dcr vollen Unmittelbarleit. Im Nachstehenden geben wir einige davon wieder: Nachdem Seydelmann dem Sohne geschildert, welche unendliche Mühe und Geduld, wie einst Temosthenes, er an gewendet, um die Fthler seiner Sprache er stieß mit d.er Zunge an völlig zu beseitigen, jährt er fort: 'so, lieber Wilhelm, habe ich reden lernen müssen, da ich doch einmal Schauspieler bleiben wellte. Talent hab' ich, aber es lag Schutt darauf und darum. Es ist auch noch nicht ganz frei davon und wird cs auch wohl nie werden, aber ich arbeite! Tas darf ich Tem selbst sagen, der cs mir, zugleich mit alleii Mängeln, gab. Izt das nicht erhe bend, die Interessen endlich abzutragen sür das Kapital, das uns zur Bcnutzung übergeben ward, nicht lüderlich es hinzuwerfen auf die sogenannte geniale Weise? Den Menschen ziert am meisten das, was er in schönem, frommem Sinne seinem Schöpscr und sich selbst zu Licbe thut. Das bringt ihm unsere Achtung, ja erzwingt sie ihm. Aus Wenigen viel aus Allem endlich nichts; wofür entscheidest Du Dich?" Biel lernen, heißt, die Dummen und Bedürftigen sich zinsbar machen und sich die Freude an der Welt ver' mehren, denn je weiter unsere Kennt nisse reichen, desto mannigfaltiger wird unsere Tbeilnahme, unser Genuß. Der Tllmme und Unwissende ist arm und blind." Ern neues Bühnenmitglied wird in der ersten Zeit immer einige faule Wochen zu überwinden haben und wenn Dir Über Mangel an großen und wich' tigen Rollen klagst, so bedenke, daß eS weit vorteilhafter ist, stufenweise fort zuschreiten, als zu springen. Inder ttunst, wie in der Natur, ist das solide Wachsthum das gesündeste, festeste, beste. Arbeiten, lieber Wilhelm, ar bcilen! Stoße das Grabscheit uner inüdlichen Fleißes frisch in den Boden Teincr schönen Kräfte, frisch und tief. Tas vornehmste Talent aus der Hand dcs Schöpfers ist die Ausdauer im an ernannten Guten. Heiße Anläufe Sprung und Ermattung ruhig fester Schritt, fo heut wie gestern: was ist besser? Blick auf mich! Mag die ganze Welt behaupten, meine Mittel zum Knmödienspiele seien arm, so hat mich immer wache Lust und Liede doch aus einen Punkt gehoben, von dem aus ich manchem reich begabten, aber faulen Schlingel jetzt froh und mit erlaubtem Stolze in die Augen schaue " Tas Erworbene fest halten und dann neuen Boden dazu gewinnen, das sichert Hab' und Nuhm! Da kennst mich, furchtsam wird mich schwerlich Jemand finden. Aber von jedemioge nannten genialen (will sagen: leichtsin nigen, kecken, frechen) Borwärtsstürmen bin ich ein abgesagter Feind. Auch ist dies mit dem Wesen des eigentlichen Genie's ganz unvereinbar. Wen Gott erfüllt, den leitet, bei aller 5?raft und Gluth des Gedankens und der That auch Besonnenheit.. .. Noch schlimmer . als eitler Muth ist Zaghaftigkeit. Der erstere unternimmt doch wenigstens et was, während der Schüchterne allzu be scheiden? Sinn kaum zu kauen wagt, was ihm von günstiger Gelegenheit zwischen die Zähne geschoben wird. Am besten ist auch hier , die gesunde Mitte, weder tollkühn, noch albernbeschciden. Um ein hohes Ziel zu erreichen, bilde Tcin Talent mit ausdauerndem Fleiße. Mit dem Fleiße wächst wunderbar auch die ttrast, der frohe Muth, der glückliche heitere Sinn. Somit ist Arbeit der Zauberstab zu den schönsten Gütern der Erde und auch wohl eine gütige Einlaßkarte zu den Freuden des Him mels. Nur wer handelt, lebt!" Seydelmann warnt den Sohn, sich durch billigen Beifall der Menge über den Werth seiner Leistungen täu schen zu lassen, indem er sagt: Denke nicht an den Beifall der Hänoeklatscher. denke der Sache möglichst Genüge zu thun-(und dazu brauchst Tu nur Dich). Dann wirst Du Dich stärker fühlen, als d'rch das Zusammenschlagen tuuöser Fäuste. Auch die unbedeutenden Par tien fördern, wenn man sie in solchem Sinne benutzt. TaS vergiß nie und denke:'Stille Krast vollendet, was Un gestüm nie endet." ' Auch über die Wechselwirkung zwi schen dem Menschen und dem Künstler spricht er goldene Worte aus: Dn willst Künstler werden. Sei zuvörderst ein ehrenwerther tüchtiger Mensch! Das ist lehr fAtrr und hn.-fi fr 11 n. ' läßlich, um höheren Forderungen zu

genügen. Tu wirst überall den Schau spieler mangelhaft finden, wo Dir der Mensch wurmstichig erscheint, denn jener thut nichts, was diesen nicht zu gleicher Zeit verräth. Ein Mensch, der Komödie spielt und uns nicht schon ourch sich selbst zu fesseln versteht, wird uns fatal. Tarum eben gibt , es so selten tüchtige Schauspieler, . weil tüchtige Menschen selten sind. Ist es nicht der innere Reichthum oder die innere Armuth, die wir Buy nenleute in jedem Blick, in jeder Bewe gung, in jedem Accent zur Schau tra gen? Alles wird an uns zum Spiegel unserer Seele und hinc illae iacrlinae! Erinnere Dich, was Hamlet den Schauspielern sagt: Da: Tadel eines Einsichtsvollen ' muk in Eurer Schätzung den Beifall eines ganzen Haufes voll Tummköpfen überwiegen." Für, das anständige Benehmen" im Leben wie auf der Bühne ist schon viel gewonnen, wenn man alles Unanstän dige streng vermeidet und sein Gefühl wie sein Äuge für jede Verletzung guter Sitte schärft. Tas beste Mittel, edel zu erscheinen, ist: edel sein. Gemeine Gesinnung kann , sich einem geübten Blicke nicht verbergen, und wenn sie äußerlich in Allem eine scheinbare Mei sterschast errungen hätte. Ehre den Andern und ehre Dich selbst, und bei des auf die einfachste, natürlichste, edelste Weise. Darin liegt das Geheim niß des Ausdrucks im Briefe wie im Gespräch, der Zauber des Umgangs

unter wahrhast gebildeten Leuten. Es ist im Komödienspiel'nicht anders. Sei auf der Bühne angenehm natürlich, wie im Leben." Sehr bezeichnend änßert sich Seydel mann über ungebildete Schauspieler: .Ter größere Theil der heutigenSchau spieler, obwohl mit bttnnender Lust um den Namen Künstler buhlend, hat doch nur deswegen zu Thaliens Fahne geschworen, well ihm der reelle Geschästsfleiß abging, oder weil ihn nur Unglück verfolgte, oder weil ihm nicht die Harfentöne der Kunst, sondern blos ihre Schellen lieblich klingelten. Ist aber ein erträglicher Schauspieler zu denken, ohne allseitige Bildung? Das Talent ist freilich No. 1. Zum guten Boden aber gehört ein guter Buuin.'und die Blume'der Kunst gedeiht nicht ohne sorgsame Pflege. Ge schick und Anlage sind oft da; man erkennt sie trotz aller Fehler, aller Dummheiten. die gemacht , werden, allein das Unentbehrliche: der ausgebildete Ver stand, die gute Erziehung fehlen. Gibt es nicht eine Mane von sogenannten Künstlern, denen nicht elwa Goethe und Shakespeare nein Kotzebae selbst ein unauflösliches Nathsel ist, deren Schul bildunq und Fassungsvermögen nicht einmal zu den allergewöhnlichsten Aufgaben ausreicht? Und solche Bursche erfrechen sich, dem gebildeten Zuichauer den inneren Menschen an sich abzuspiegeln ! Tle Zelt ist vorüber, in der sich das Publikum von ungebildeten Komödianten was weis machen ließe. Nichts gräßlicher, als ein ungebildeter. dummer Mensch! Ein unwissender. roher Schauspieler aber ist gar nicht auszuhalten. Eher gibt das armleltaste Klavier eine Melodie wieder, als ein dummer Schauspieler ein feines, kluges ci tr- a t . 4 f ori. niiegiiaje reqyni, oas Asientalent des Erstbesten für hinreichend zu halten, um den Geist unterer vornehm sten Dichter zu verkörpern! Der reicbste Naturallst kann Dir unendllches w anügen gewähren; volle, schöne Befrie diauna erhält't Tu nur aus der Hand der vollendeten Kunst. 6s bleibt ge miß: wer nicht einen unverwüstlichen guten Grund von der Vfutter Natur empfangen hat, wird 'hinter den Eouhssen zehnmal früher des Teufels, al sonstwo. Nirgends wuchert das Un kraut schneller. Nirgends steht es fetter, üppiger, glänzender, als dort! Lefsing sagt: Ein denkender Künstler ist noch einmal so viel werth. Und wer beim Theater alt geworden, sagt mit ebcn so viel Recht: Ein honncttcr Schauipteler ist dreimal o viel werth, als jeder an dere honnette Mensch." Nur einen kleinen Theil der Aus sprüche Scydelmann's haben wir hier wiedergegeben: doch wi?d aus ihnen genugsam seine hohe Auffassung der Kunst und dcs Künstlerberufes hervor leuchten. Mag im Allgemeinen heute die Bildung ünd somit der Stand der Schauspieler auf etwas höherem Nivean stehen als vor fünfzig Jahren, so haben doch seine Aeußerungen jetzt noch ihre volle Geltung und Berechtigung. Ist doch sein ganzes Leben ein harter Kamps gewesen gegen die Mllstande der , Bühnenwelt, da es ihm überall in erster Linie nicht um seine Person, sondern um die Kunst selbst zu thun gewe sen war, die er über Alles hoch hielt. Seydelmann starb, kaum'sünszlaiährla. am 17. März 1843 in Berlin, wo er :n den letzten sechs Jahren ielnes Le bens der würdige Nachfolger Jffland's und Ludwig Tevnent s an der tönigll chen Bühne gewesen, nachdem er vorher m Breslau, Praq. Eraz. .Kallel, Darmstadt und namentlich fast zehn Jahre hlMlrch lN Stuttgart als Lieb ling des Publikums gewirkt hatte. Er hlnterllen den Ruf, der erste Schauspieler Deutschlands, vorzüglich in Ehfr rakterrollen, gewesen zu sein und zu gleich ein geistvoller, hochgebildeter, edler, liebenSwerther Mensch. B e r l or e n. Du bist mein Alles, meine Welt'.So rief ich mit berauschten Sinnen, Als ich zu deinen Füßen lag," Entzückt von deinem süßen Minnen. . Kurz war der Rausch. Die große Welt Ju erkennen war dem ganzes streben. Fort zogst du ohne Ablchledswort, Dit junges, kaum erblühtes Leben. I Und niemals kehrtest du zurück. WaS sollt' es auch, da du verdorben;Noch blüht und lacht wie einst die Welt, Doch meine ist mit dir gestorben! i Der Geist ist immer de, Narr deZ Herzens.

Der Erfinder des Luftballons.

Das Aussehen, welches im vorigem Jahrhundert die Versuche der Gedrü der Mongolfier erregten, bohle leicht? hm-iTi wirm. Snf nm Ivm vhuviiw wuiuy ivut iiiv whi jmi porsteig'en zu dringen, ist Veranlassung gcwe'cn. den genannten beiden Fron zosen die Erfindung dcs Luftballons überhaupt zuzuschreiben. Zwar wurdenicht bestrittcn, daß dcr Gedanke dcr Luftschistfahrt schon früher nusgesprochen worden,, allein über das Stadmni. unklarer Pläne sei er nicht hinau-ge kommen. Neuerdings hat nun Haupte mann Moedebek, unseres Erachtend völlig überzeugend nachgewiesen, das; die Erfindung des Luftballons .1709 in Portugal geschah und dem Jesuiten Pater Gusman zugeschrieben wcrderr mutz. ! Dieser hatte einen Vorgänger in Franciscus de Lana oder de Lanis. dec in einem 1700 zu Brcscia erschienenen? Buche darauf hinwies, daß, wenn die .Luft, wie Torricelli behauptet hat, Grwicht besttze, alsdann der archimedisch? Grundsatz auf sie anwendbar fei unv ein an luftleer gemachte Metallkuzelrr befestigtes Schiff in die Atmosphäre n--porsteigen müsse. Tcr Grundgedanke dieses Vorschlages war richtig, aber die Ausführung mit Hilfe luftleer zu mo ckender Metallkugcln unmöglich. Erft Bartholomeu Loureco de Gusmao, ge borcn 1685 in der brasilischen Provinz Santos. faßte die Sache richtig an. Erwies in einer besonderen Sehnst die Möglichkeit der Lustschifffahrt nach, doch bewahrte. über die praktische Ausführung eines Luftschiffes sein Ge heimniß. Tn: gute Pater Gusman". sag? Hauptmann Moedebek, war rjämlich ein gewiegter Geschäftsmann. Er er langte durch die hohe Gunst, in welche? er bei Hofe stand, ein königliche Pri vilegium, welches wir heutzutage ci Patent nennen würden, in dem ibi allein und seinen Erben das 3iechr Luftschiffe zu erbauen und zu verlausen zugesprochen wurde. Tiefe königliche Verfügung datirt vom! 7. April 1709. Daß es sich dabei nicht nur um t'mczz Plan handelt, sondern daß Gusma wirklich einen Ballon gebaut und (durch warme Luft) zum Emporsteigen g? bracht hat, wird durch seinen Zeitge noffen Francisco Ferreira bezeugt. Hauptmann Moedebek theilt besten Be--richt wie solgt mit : Ter VersüH wurde in der That om L. August Jahres 1709 in dem Hörsaale des Easa. da Jndia vor Sr. Majestät und vielen Edelleuten und vor einer grof-.en Menge Volks gemacht mit einem Ballon, NTkl cher sonst zur Höhe (Decke?) des Gesandschastssaales stieg und der sich ebenfalls sanft niederließ. Der Ballon wurde durch einen gewissen brennenden Stoff in die Höhe getrieben, den der Erfinder selbst in Brand steckte." In cinemandern Bericht, ungefäh?aus dem Jahre 1711, wird der Versuch ebenfalls erzählt. Tarnach hatte fc5 Modell die Gestalt eines kleinen Schiff fcs. war mit Segeltuch bedeckt und mit verschiedenes Stoffen angefügt. Diese wurden in Brand gesteckt, worauf die Borrichtung in die Höhe stieg, ober gegen die Wand anstieß und Um Herabfallen in Brand gerieth. ( mans Gedanken wurden von denjenigen, die über seinen Versuch schrieben, mißverstanden, und noch mehr gilt dir? von den späteren Zeichnern und Vcschreibe? seines Luftschiffes, die beim; Mangel genügender Kenntnisse ihr Phantasie frei die Zügel schießen ließen Gusman selbst hatte dagegen sar seine Zeit sehr richtige Gedanken; er mußte genau, daß der Ballon xiurMttel zur Hebung des Schiffes sein konnte, und daß dieses,. um steuerfählA zu werden, einer eigenen bewegend? ?rast bedürfte. Solche -dachte er ihnl zu verleihen durch Anbringung vxir Blasebälgen an der Gondel. Dic. Reaction der beim Treten der Blase--bälge aus diesen strömenden Luft sollte das Schiff fortbewegen. An ein Ge lingcn dieses Planes war natürliH nickt zu denken, so richtig auch theore tisch der Gedanke ist. .An der UnmöJ lichteit," sagt Moedebek. .den gehegterr Erwartungen zu entsprechen, ist der Erfinder zn Grunde gegangen; wie man sagt, beschloß kr sein Leben 1724 zu .Toledo in dcr Verbannung. W ihm anfangs alles zujubelte und seinen. Ruhm der ganzen Welt verkündia,tk. sy überschüttete ihn später alles "inii Spott und bösen Leumund." Wie weit der Ruhm des PortugieirT? über die engen Grenzen seines Land hinausging, beweist ein auch von Moedebek in Iacsimiledruck der Zcitschrijd sür Lustschifffabrt beigegebenes Flug blatt aus dem Jahre 1709: .Nachricht von dem fliegenden Schiff, so aus Por tugal den 24. Juni in Wien mit seine?? Erfinder glücklich ankommcn." In. demselben wird erzählt, das Flugschiff sei in Wien am Stephansthurme ge landet und nahe der kaiserlichen Burgzur Erde gekommen. Ter Lustschitt?? icgitimirte sich durch Briefe als ein Portugiese. Natürlich ist dcr ganz: Bericht erlogen, aber bezeichnend für die damalige Anschauung ist die Nach schrist zu demselben, lannd: .So gleich erfahre, daß gedachter Lust Schiffer als ein Hexen-Meister in vex hafft genommen sey, und wohl dürn:c nebst seinem Pegaso ehister Tage ver brandt werden,' vielleicht damit, diese Kunst, welche, wenn sie gemein werden sollte, große Unruhe in der Welt verursachen könnte, unbekandt bleiben möge."' Das also war das LooS, welches, der damaligen Anschauung gemäß,, dni. Mann erwartet hätte, dem es gelungn: wäre, ein lenkbares Schiff zu erbauen? Daß 'es heute anders ist, verdankt die Menschheit' lediglich der Aufklärung welche die Fortschritte.der Naturwinm chaft brachten. . Nur deutsch! Jagdaa (er zählend): Und beste! ein po I nischer Schreck 7 Oberförster (ihn . unterbrechend) : .Ein damischer wollen S' saaen !"