Indiana Tribüne, Volume 16, Number 221, Indianapolis, Marion County, 30 April 1893 — Page 7

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Wunder in Chicago. (Bkrlluee .Stiftn) Wir schreiben uns aus Chicago: .Was den Besucher der Ausstellung un Uebcrraschungen erwartet, das auch nur anzudeuten.' übersteigt die Fähigkeit eines eingefleischten Lügners. Es werden von de Architekten (Zcväude aufgeführt, in denen Pferderennen in Gegenwart, vl einer viertel Million Zuschauer stattsinden sollen, int daß der das Gebäude betretende Fremd, rierkt. tort überhaupt etwas statt findet. Ein anderes Gebärde soll so groß Und $0$ werden, daß die darin aufzustellenden genauen Fachbildung des Eiffslthurm, des Kölner Tor??s und. des Straßburger Münsters nur einen Brgriff von ihrer Kleinheit geben, so coloftcl ist der Roum, in dem sie -er scheinen-wcrden. Im Vergleich roit diesen Gebandrn erden alle Maschinenhallen der Pari ser, Londoner und Wiener A-stcllun gen wie Puppellküchen aussctt. So wirb jekt ein (fehaus projecrirt, in welchem der Kellner beritten sei wird, um den Weg zwischen dem Büffet und bzw. Hast in längstens zehn Minuten znrücklegen zu können, zu welchem Sxzi für die Kellner die schnellsten Lienner Amerikas anqcschaffr werden. Die erste E:a:t,e, woselbst die Billards stehen. man spricht von S00 in einem einzigen Saal, wird nur durch Zahn Tradbahn und Luftballons erreicht. Was nun die Billards betrifft, so wer -den diese natürlich gleichfalls eine kleine Neuerung bieten. Ter Spieler bedient 'sich nicht des Queues, sondern der a .'nonc, aus welcher mit wirklichen Bom den geschossen wird. Man kann sich mun einen Begriff von der Größe eines solchen Billards machen. Berühmte Artillerieg?nerale aus dem amcrikani schen Kriege sind als Billardkellner ge Wonnen. " viel sür heute ans den (snätjlun gen eines bekannten Berichterstatters, der unter dem Namen von Miinch Hausen- auch in Teutschland rühmlichst bekannt ti. Indem wir diefem die Verantwortung für das Mitgetheilte überlassen, berichten wir in Folgendem über einige Wunder, die nch in Chi cago ereignen werden. Freilich können wir nur vom Hörensagen erzählen. müssen es aber ablehnen, eine Gewahr .dafür zu übernehme!:. Es wird bereits un Hotel bezeichnet, in welchem ein Fremder ein. wenn auch elnfcnjtrlges, Z'.mmer finden 10H, das er. wenn er sein eigenes Bett und sonstige nötüige'Modilien mitbringt, für einen Preis beziehen kann, der zur Noth für einen reichen Mann erschwing llch ist. Ferner hat sich eine Aktiengesellschaft mit einem O'avital von 10 Millionen Dollars qcbiloet, welche dem nrcmdcn (Gelegenheit geben wird, ein Bierhaus besuchen zu können, in welchem er ein Glas Bier bekommt, das zwar theuer sein, aber auf Abzahllina, getrunken wcrdcn kann. Es l?t dies eine (5m ricktung. welche besonders von Nicht Millionären, deren einige doch wohl auch nach Chicago kommen werden, willkommen geheimen werden wird. Mit Grund wird befürchtet, daß die Troschkenführer den ankommenden Frcmoen ergreifen und übcr's Ohr hauen werden. Zum Glück ist Abhilfe geschaffen. Wer eine Droschkentour unternehmen will, braucht sich nur an ein eigens zu diesem Zweck etablirtes . Bureau zu wenden, .in .welchem ihm gegen Erlegung Cines Dollars gesagt .wird, ob er einen solchen oder nur -einen halben oder mehr -an .den Kut scher zu bezahlen hat. Hieraus geht hervor, daß, wenn in Chicago das Imposanteste für das ;Aüa,e geleistet wird, auch für den Ausstellungsdesucher viel geschieht. Jdami derselbe während seines Aufenthalts möglichst gut aufgehoben sei. Der (Srsittöee der kugelstcheren Uniform. Der meistgenannte Schneider ist seit einigen Tagen, lrol; Worth in Paris, der bescheidene Heinrich Dowe in Mannheim. Und fast schein: es. als sollte er der Ruhir. und tcl,z des Schneidergcw:rdes werden für alle Zeiten. Stedt er doch im Begriff?, die Armeen fest" zu machen und eine Um wälzung in die gcfammte Kriegsührung zu dringen! Cs half nichts, daß man sich zunächst sträubte, an das Wunder zu glauben, cS half nichts, daß man da und dort achielzuckend etwas Don Er finderphntastereien brummte und .die Vorsichtigen, die wohl gar einen ver frühten Aprilscherz witterten, rücken nach und nach wieder herzu, horchen 'doch auf?und nehmen an den sehr ernste basten Erörterungen über die kugel sichere Uniform ernsten Antheil. Am End: war es doch nicht richtig, daß d Friedländer einen Teufel aus der Hölle im Solde hielt" unö es ging mit aanz .natürlichen Dingen zu. wenn Wallenstcin etwa wirtlich unverwund bar war. Wie erzählt doch der Wachtmeiste? in .Wallenstems Lager" ( Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel; Denn m der blut gen Anair bei Nutzen Äitt er euch unter des FeuerZ-Bliten. Äuf und nieder mit kühlem Blut. Durchlöchert von Kugeln war sein Hut, Durch den Stiefel und Koller fuhren Die Ballen, man sah deutlich die Spu rcn; i ' Konnt' ihm keine die Haut nur ritzen. Weil ihn die höllische Salbe that schützen. Tarauf meint der erste Jäger: Was wollt' ihr da für Wunder brm - gen ! , Er trägt ein Koller von Elenshaut, Da- keine Kugel kann durchdringen. Wachtmeister: Nein, es ist die Salbe von Hexenkraut, , . " 7 . " s ," unler Zauoerzpruchen . geloql . uno ge . braut. Am Ende war eZ veder ein Koller

von Elendshaut , noch eine !ö?albe 'von

Zä7j

Hercnkraut sondern ein kuzc'.sicheres I Tuch, das Wallemtem schabX und em Mannheimer cgneid ift wieder hm I ter das verloren aeaanOTJ Geheimnis ackommen! ! Die hochn Militärbehörden aller euroväiicd.' Staaten wenden der Sacke I das lebhatteste riKterene zu. Eine allen beteiligte Personen und Bei qiltn theilt Äuthent düng und seine Aussichien mit: $rr Schneidermeister Heinrich Don in der Mannheimer Neckarvor stadt nahm im- Herbst v. I. auf den theils vom Neckar, theils vom .alten" (todten) Rheinarm umspülten Wiesen flächen Schiemibungen gegen ein Ziel vor, denen aucryasllglett er erproden wollte, dieses juh veuand in einem dunkeln, tuchartiaen Stoff, der an Äaumzirelgln ausgeoreutt, später in den Scheibcnstand der dort übenden Abtheilunaen des Jnianterle.Ncalments I eingefpannt wurde. Herr Dowe mußte seine privaten SchlkLpreden Wochen I lang unterbrechen aus Mangel an Munition. Während dleier Vauie I flickte er entweder Nöcke oder Hosen sei ner spärlichen Kundschaft, oder er han I tir!e mit allerhand für eine Schneider Werkstatt allerdings recht wunderlichem Material herum: aon. klopfte und I welkte, so daß es kein Wunder ist, wenn sein: näheren Bekannten mit ih rcr Meinung über seinen unsteten Ar beitstried nicht hinter dem Berge hiel ten. Sm Winter vertraute Dowe einem an der .'ceaarvornadt pralticirenden I . 4h A . . I Ante an. dan er mit der nerstelluna tne5 luaeiTC n tetoncs fieicviittiLit 1. I . " . . . . , .. ,' . - . . . . .' i .daß ihm aber die Mittel fehlten, die I 9 I Borarbe ten und Broden i beendiaen. Allen Bedenken über den Erfolg seiner Mühen septe er die unerschütterliche ' ' W Uederzcuauna von dem Ge naen der Versuch: 'entgegen. Die Bitte um ein Darlehen erfüllte schließlich der Ant in der Wciie. dan er Dowe nack und nack einige hundert Mark lieh. Sicherheit konnte Dowe nicht bieten, dagegen ver sprach er Gewinnbetheiliauna. Diese Mithilfe sente ihn in den Stand, weiter zu .erfinden", und seine fortgesetcn Schießprobcn waren der AuZgang er weiterter Versuche, für welche er durch - ' sein bezcheidencs. aber in seiner Art selbstbewußtes Auftreten den Eomman deur der Mannheimer Garnison, Herrn Oberst v. Oppen zu interessiren vermöcht hatte. Ueber die Widerstandsfähigkeit des Stoncs steht heute Folgendes fest: Für Gewehrkugeln jeden Kalibers und jeder Geschoß Eonst?uction, mit Ausnahme des nicht in Probe genommenen Lcbel Gewehres ist der Dowe'sche Stoff un cmnnndlim. snrpnt heim Aufschlagen die Rückwand des Stahl 7. r r- , mantels und legt sich vorn gleichzeitig um die Rundung desselben nach rück warls, so oan oaz Proiectil einem Schwammpilz nicht unähnlich sieht. Bei den ersten Versuchen durchschlugen die Kugeln zwar den. Stoff, sielen aber dann rn einem Winkel von hoch stens 41 (örad nieder; zetzt, nach der Verbcncrung des Materials, ist bis auf 100 Meter Entfernung der Wi dcrstandunübcrwindbar. WieSchüffe oaraus aus unmitteivarer caye wir i.ken. ist mir nicht bekannt. Die Gutachten aeben den kühnsten Hoffnungen des Erfinders nichts nach. Z0crr vauptmann .lealer. der die Schießversuch: leitete, bat nichts unver sucht geladen, um den Ruf des Maga zm-)emeyrez und rauchschwachen Pul vcrs in oer xeiofchtaql zu stufen: an gesichts des Dome'schen Stoffes ist dies nicht mehr in gleichem Maße wie bis her möglich. Er kennt das Geheimniß eben so wenig wie ich. Herr Maior v. Kamecke, ein Fachmann von Rang und Ruf. früher Mitglied der Prüflings Eommifsion der Spandaue? Gewcdr und Munitions .Fabrik, 'erklärte mi reren Herren, daß er eine Erfindung wie die Dowe sche für unmöglich halten würde, wenn er sich von ihrem Dasein Nicht überzeugt hatte. Die Wissenschaft wie die Industrie . ;r; i . . t . n rocrocii vcgrelsilerweife zunächst nach den Bestandtdeilen des Dowe ichen Stoffes fragen. Soweit daraus Vermutdangen zulaffig find, dal; der Ston durch GuL hergestellt wird, dars man wohl auf mlnerallfche Substanzen schließen: nach der Form, welche sich den Geschossen aufprägt, schließen die Osficicre auf das Vorhandensein eines r -1 t i - rt-r -i ragesiechie?. er widerstand wäre darnach n rem mechanizcher. .nicht AVt . vr ? f 4 A t liiwu im uiiiuyu. le vraltifche Berwenddarlelt des neuen Stoffes ist die rage, welche 'für den Werth desselben an letzter Stelle entfchelend ist; mit Bezug auf die Ausnutzung für die Fußsoldaten schein nen die Schwierigkeiten leine unüber. steigilchen ;u fern, er vom sche Stoss ist allerdings elastisch, doch an. scheinend keineswegs in - einem Maße. dag von emem .lugelfesten Anzug" fri y . ? . - . -rv - - - . . utcoe iein lonnrc. as Tqciirrr onen. bar an der Schwierigkeit der Leitin dung' der Stofftheile. Roch weniger kann die Bezeichnung .Panzer" zu treffen. Ssomtt würden die unteren Hals die Brust und Weichtheile vor Kugel' schüssen geschützt sein, unbeschadet na türlich der Wirkung von Prellungen. welche die Schleudertrast des modernen Pulvers im Gefolge hat. Aus nähere Kntsernungen wurde der Getroffene wahrscheinlich niederfallen, vielleicht bei Treffern 'gegen Herj oder Magenhöhle ohnmächtig wer den. wahrscheinlich aber nicht kämpf unfähig dielven. Auch geen die ge wohnliche Kraft eines Bayonnettmeffer bezw. Lanzenstiches soll der Uniform Einsatz Sicherheit gewähren. Eine weitergehende Anwendung würde sich aus dem Grunde verbieten, dan vor -rt . 4tf i-L . ' rlt aucm ous jjciöii cwöu or ü gramm bei dem. beschriebenen Uniform , . . .X tf . 1 lt " t Einia?) rne Äeyenvlglell. 2)carfch .X. i vrri erhcwch 7tclötücctiaieit der Soldaten heeinträchtiaen würde' An eine Toi T W 1 n I

i)txr nahegehende Persönlichkeit damit die Ausnutzung des lugellichcren der Kölnischen Volkszeitung das Stoffes nicht erschöpft ist. Berhane sür

ischc üfcr Dome, seine Er sin- die Artillerie, chutzwehren aus Deck

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lette ror der dlacht" .ist wohl Nicht out denken: es mußten alfs auer dem übrigen ohnehin fcyon zu schwerem kzeldgepack Borderlorptt, Arme und Beine beschient getragen werden ein Umstand, der die raste der oloa:en mehr erdrücken würde, als die halbe lln verwundbarkeit seine moralischen heben könnte. Es liegt auf der Hand, das von Kricqsfahrzeugcn, vielleicht ein Er satz für die metallenen Schiffspanzer platten von so und so viel Dowe fckjen EiulagcStärken u. s. w. wären mög lich. kurz der ganzen Kriegsührung würde für den Fall, daß die Sache sich bewahrt, eine andere Wendung gegeben werden. Das Gebeimniß der Eomposition und Fabrikation ist das Eigenthum der Patentvera-erthungs'Gesellschaft Joh. tnedr. Wallmann in Berlin, vertreten durch Alfred clnemann cc Eomp. in Mannheim, käuflich übergegangen. Herr Dowe hat naq der Deponirung der Kaufsumme und nach Vollziehung des einmietende Bcrtraaes vor dem Notar einen formulirten Eid geleistet. in welchem er sich zui Geheimhaltung der Kausbedlngungen sowie des Ge schäftSgeheimnisses in der Hauptfache verpflichtet hat. unmittelbar nach die scm Act sind die , fraglichen Urkunden dem Ncichzkanzler mit dem Angebot ndersanor worden, die Ersindung um den Betrag von drei Millionen Mark Nur das ttciq zu erwerben oder eer ge nannten irma die Lieferung der Uni 4j MM m'4MA 4 Mf A Alk. A iuv5uiiuk. ... ,. u., m eme einhundertiährige (!) Garantie über . ... .. c. uuu, ja uuiuiuuiu. ct LieierungspreiZ beträgt pro Stück 12 .i-- h. j AM A - 4f - . 'carr (megt lo 'carl. wie venazicoen! 4 4 ..wv r I licy ge?agi wird). . er elqs.anzler hat Nch binnen cmcr Ausschlußfrist von cyr iagen uoer oas Vingeooi zu er klären: denn in Mannheim sind noch die österreichischen und ungarischen ttlrmcn.Vertrcter anwefend, welche an dcrnfalls sofort in Unterhandlungen treten. Daß die cichZrealerung die Zache nicht leicht nimmt, ist daraus zu ersehen, dag .verr Dowe am 25. d. telegraphisch nach Berlin berufen würd:, um mehrere Aufklärungen zu geben, Welches Resultat die Verhandlungen t f , yaocn. ist erllarttqer eije nicht vor auszusagen. Nach ö:m sachlichen Interesse erklärt sich wohl auch eine gewisse Antheil nähme für die Person des Erfinders. Man geht durchaus fehl, wenn man ihn beute für eine stadtbekannte Perfön lichkeit" in Mannheim hält. Schnei dermclst:r u.owe macht von sich aar kein Aushebcns; das sichert ihn vielleicht am besten vor Enttüu chungen und vor der Erfahrung, daß der Proph:: in feinem -noc y ui. ouocncr in -ii it-i ;n D. nicht, aber seit mehr als zehn Iah rcn hier ansässig. Seine .Hcimath ist Westfalen. Er ist sehr arm. Wittwer und hat zwei schulpflichtige Kinder, welche günstigenfalls die Früchte sci.ies Glückes genießen werden. Er ist nichts weniger als ei-n Erfinder von Fach". Er wollte, wie er selbst sagt, ganz etwas Anderes" sinden. als er die Ent deckung machte, daß seine Masse un durchdringlich sei. Das Uebrige ergab nch dann aus weiteren Versuchen. Seine Schulbildung ist unfertig. er kennt w.ihrschinllch kein einziges phy sikalisches Gesetz; aber er ist ein Mann von Intelligenz und grübelndem Nach' denken. Er ist jent 34 Jahre alt und kann durch Selbstunterricht noch etwas vor sich bringen, wenn anders ihm die ungewohnte. in der Zukunft winkende Stellung eines ' TantiemenDirectors der A tien.GeseUsch.ist für Dowe'schen kugelfesten UnlsormÄton Zeit dazu übrig lassen wird. Der Menschenvcrdrauch der Kriege. ,Je überraschender und mächtiger die Waffenwirkungen sich kundgeben, desto eher werden sie abschrecken, und so zeigt es sich, das die schlachten im Ganzen immer unblutiger geworden sind, je mehr sich die Krieqshöllenma- ! ... . r . i schmen veroouiommnel yaoen. eo I lautet ein Tiktum Eolmar von der GolyS, das die Angst vor dem rauchlo ,en Pulvcr und dem kleinkalibriaen Schnclllader zu bannen bestimmt ist. Darnach wäre es eigentlich eine gute That, dem Feinde eine möglichst voll ! kommene Waffe in die Hände zu spie len, und sich selbst etwa des Ehasscpots I . ' . . . 11 oder irgend einer anderen reaktionären I Waffe zu bedienen. Aber entspricht das I ullw!il!il.. O - - . V t( . s u 3 i uyuuuiuiuj!: -uruuuiüii von ocr )0is wirklich den Thatsachen? Dr. Gustas Rolon unterzieht sich in einem Ter Menschcnverbrauch in den Hauptschlachten der letzten Jahrhun dertc" betitelten Aufsatz lBreuische Jahrbücher. Aprilheft) der Mühe, die Richtigkeit jenes graufamen Scherzwor tes von der Heiltraft der verfeinerten Mordtechnik nachzuweisen, indem er die Hauptschlachten mt wUÖn)ig xiv. aus I. . - m . I den lutprociit an untenueüt. Auz dieser furchtbaren Ziffernreihe geht tzi nes mit Sicherheit hervor, daß die Ver vollkommnung der Waffen zweifellos größere Opier zur Folge hat, daß fer ner. wo schlachten unblutiger sind, nicht die Wasse. sondern vornehmlich die Taktik die Ursache ist. Eine gerade lvegS auf oder absteigende Kurve bil den die Blutböhen" überhaupt nicht. I die Kurve verläuft vielmehr sehr unre aelmäma. Für den kommenden ttriea ist mithin nichts vorauszusagen, wenn nicht das Eine, daß die der Technik proportionale Blutsteuer eine grausame Höhe reichen würde, sofern' nicht die Taktik oder sonstige Bedingungen hem mend und fänftigend dazwischentreten. Und dabei ist nvch zu bemerken, daß selbst ein Abneiqen der Pro.entsäse an Todten und Verwundeten nichls bedeu ten will gegenüber der Steigerung der I r, - ' avfoiutcn eriuflnpern.. Selbst eine Halbirunq der Heere des I . s I. k,, . , . . ... oü.r i 1 ou , 50,000 Mann bcDcutet sin Krnö:rpid A4.AM1I HA lMAAM4aM gegenüber ein paar Procenten, welche

die modernen clUioncnyeere verlieren würden. ' Dr. Röloff faßt feine Aus führungen folqendermaßen zusammen: Jn der That. Wörth, Vionville und Gravelotte kosteten wenigerBlut als Kollin und Borodino: aber mehr als Königgräl) und S:'lferino: Napo leonS 1. Schlachten sind verlustreicher als die der ersten Revolutionsjahre, und der siebenjährige Krieg endlich ist bluti ger als alle früheren Die Verlust Ziffern schwanken fortwährend und sind in ihren Schwankungen von den ver schiedensten (zinflüffen abhängig. Als solche Bestimmungsgrößen haben wir erkannt Stärke der 'Armeen, Festigkeit der Stellung. Theilnahme der Waffen am Kampf, Qualität der Truppen, Energie der Kriegsführung. Dauer des Kampfes und vor Allem das Verhält niß der Bewaffnung zur Taktik. Jene Momente wechseln unaufhörlich und treten bald mehr, bald weniger hervor, dieses ist überall zu erkennen und charakterisirt die verschiedenen Epochen. So lange die Taktik in ihren Grund lagen unverändert blieb, von Ludwiz XIV. bis Friedrich Ii., und die Feuer-

wanen einzeltia fortgebildet und ver mehrt wurden.. s ieam die erlus e liicitcii öic ociiuiic I konstant: umgekehrt als die Waffen im Großen und Ganzen dieselben geblie den waren, und eine neue Taktik, das zerstreute Gefecht, eingeführt wurde. fielen sie ebenso rapide. Sobald sich in der Folgezelt eine gewiste Rückbil dunq in der Taktik vollzieht und qe schlössen? Massen auftreten, schwellen die Verluste wieder an, und zwar je stärker, t mehr sich sogleich die Feuer' Waffen vervollkommnet haben." tn grausiger Rauvmttro. Schon seit zwei Wochen beschäftigt sich die gesammte spanische Presse tag lich in spaltenlangen Artikeln mit der Sckilderuna der Einzelheiten eines furchtbaren Verbrechens, das am 2ö. r -v w cr w ' ftr 'inniiar in ner vttint oc-: md nigsichlosses Escorial begangen wurden und denen Urheber je&t entdeckt zu ,cin scheinen. Um die Mitte des vorigen Lkonats verschwand plölich e'N bild bübscher Knabe. Namens Pctcr Bravo. öcr S?hn cmer armen Bauerniamilie; das 5?lnd blieb verschollen, bis man vor einigen Tagen seinen haldoerfaulten Leichnam in einer Düngergrube sand. Durch die sofort eingeleitete Unter' iuchuna wurde sestacztcllt. dan er e:wa am. 21. Januar in ein Haus gelockt. dort 'in der schimpslichnen Weize ims braucht und darauf erwürgt worden var. Man nahm einen gewissen Julian Farcia seü, einen fünfundwanzigzäh" eigen Jüngling, der im Verdacht stand. das Berdrechen begangen zu yaoen: in 'einer ganz in der Nähe des Fundortes der kleinen Leiche gelegenen Wohnung waren nämlich verratherifche Blutfpu rcn entdeckt worden. Garcia leugnete fcdoch so hartnäckig und entichiedcn. ? ' . ( T ' sag Die onenliicve ceinung sich zu nen Gunsten aussprach. Der Untere suchungsrichter Estirol blieb jedoch trot alledem von feiner Schuld fkft über zeugt. Am zwanzigsten Februar wu'r den zehn Zeugen vorgeladen, die Ju lian. der den plnamen (lCLto' (Flachslops) führte, am 26. Februar UU9 IVmilUI. CUli II, Uil Wliil VU3 rdrech... begaben wurde. gesbn Hmi"I htr m Nni hrmpn Ilnter trt Vitnn hrnnh uirt auch Geora. Erifanto. der Schwager J i VV'BW st GarciaS, der als er den des Verbrechens Befchuldlgten erblickte, verwirrt wurde. stotterte und sich in Widcriprüchcn ver wickelte. Ot w ' . , , r 1 V . Nachdem ihn der Untersuchungsrichter streng ermahnt hatte, die Wahrheitzu HVII V)klUIIV V VIV VlVi iii mV. Januar kam sein Schtoager Julian i ihm und machte ihm die Mitthei lung. daß er in dem Stalle seines Hau seZ einen Knaben ermordet habe. .Ich." so fuhr Erifanto 'ort. forderte . z - - . itjn auf. mein Haus fofoit zu verla.fen imo w nmi rnegr oci mir oiiaen zu lnl(n kii!irtrt Unlla TinK v u,;u. O4,u. lyu.. WU3 ouuu uui ji. Januar aufgeqrinen. es in iein Haus geschleppt und es in seinem Ver steck mit Milch und Zmiedack gefüttert. 5tachdem er es mehrere Male in der schändlichsten Weife mißbraucht hatte. ermordete er eS und machte seinem Schwager Mittheilung von dem Ge schehenen. damit er ihm bei der Verbergung des Leichnams behilflich , sein sollte. Erifanto weigerte sich jedoch, und sc kam es, daö der Flachzkopf" den Leich nam in ine unaeraruve warf, -c der Eonfrontation zwischen dem Ver breche? und feinem ihn so schwer bclastcnden Schwager spielte sich eine schreck llche Scene ab. Ter Mörder suchte sich, trokdem er an Händen und Füßen gefcnclt war, aus den Zeugen zu stür zen und konnte nur mit Mühe von den Gefängnibeamten festgehalten werden. Mit beiferer stimme schrie er ununter drochcn .er lügt, er lügt!" Aber Eri santo ließ sich 'nicht aus der Fassung bringen und erwiderte: Du Kalt mir gestanden, was. Du gethan hast. dufze es cttr Wie ein Rasender schlug Julian um sich und kreifchte noch, als man ihn in seine Zelle zurückführte: Erlügt! Er lügt!" Erifanto und seine Frau wur den natürlich gleichfalls in Hast qcnom' men. weil fie von dem Perbrechen ge wutt und es nicht schon früher zur An zeige gcvracht hatten. Fürst und Herr zu. Löwen stein.Wertyelm.,Freudcnverg. Gras zu LlMdurg. gefursteter Graf zu Umpfen dach. Herr zu Breuberg und Mondfeld, erblicher RelchZrath des Königreichs Bayern, königlicher württembcrgischer und grofzverzogllcher badllcher 5?tan desherr u. f. w., u. s.w., Durchlaucht, , i i . im n var. naq oen cuncyener ceuencn Nachrichten", seinen Austritt aus dem SchMsahrts und Kanalverern. der in diefen Tagen in München tagte, erklart, wei er in einem cdreiden der Äor qreiven der or I . . . nanoiqoTi nicar mi: dem lyni gesuyren den Prüditat Durchlaucht bezeichne! w -. wurde.

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3.-n Vlai i tal. Der Aniiirctl) Hcgemann feierte sei ic;i sciiicil , licdurls:g. . Diesem ioiin Tag zu Ehren traf man alle orvercllullgen zu einem glänzenden ,est in Burgsvorf. und man erwartete zahlreichen FamilicnlogiSdesuch. Schon einige Tage vor diesem Ereigniß waren alle Arbeitskräfte in und auer dem Hause thätig, um Speisekammer und Wohnräume zum Empfang der Gaste zu rüsten. Helene, die Tochter des Hauies. und ihre Cousine. Lulu Hartwig, die soeben eingetroffen war, um beim Schweine schlachten" zu helfen, standen eifrig slu fternd bei der Wurstmafchin'. ulu drehte, und Helene stopfte das Fleisch in den Trichter. Bist Tu denn ganz sicher, daft er Dich liebt (" frag:e die zierliche Lulu mit den schalthasten Augen uns dem' krausen Braunyaar. O ja!" flüsterte errathend die schlanke, schöne Helene, aber erst seit tturzem. Lange Zeit begean.'ten wir nnt umttt ÖÖCr bald, . - m crtf sag er immer gerade uoer oen jo ging, wenn ich in den Kuhstall mugte. zum Milchmesscn oder in den Hühner stall. Tu glaubst nicht, wie huofch er aussteht, in feinen hauen Stiefeln mit der Pelzmütze! Endlich kamen wir uns näher, als mein Liedlinqskalb krank aiurdc. Er brachte mir selbst Korn und zab mir guten Rath, das Thier zu pfle zen. Und Sonntags sahen wir uns bei Tisch, denn an onn- und Feier tagen speist er mit uns. Das ging so in Vierteljahr. Wir wußten es Beide lange, dan wir uns gut waren, und hatten es uns doch noch nie gesagt. Ich hatte auch schreckliche 'Xnqst vor Papa, Du weißt, wie streng er in solchen Din zen ist. Und vor Mama durste ich mir erst recht nichts merken lassen. Sie märe außer sich bei dem Gedanken an Papas Inspektor als Schwiegersohn. wenn er auch aus ebenso guter Familie ist, wie wir. Aber sie hat das Unglück selige Heirathsproect mit dem neuen Landraih für mich im Kops, dem alten. verknöcherten Junggesellen. Er ist adelig und retq, na Du kennst a Mama!" Erzähl" mir mal erst, wie Du mit Deinem Geliebten einig wurdest." Gleich. Niete, reichen Sie mir mal )as Mettwurstfleisch zu. Mine, springe u schnell zum alten Kilian und frage. oo die urstjveife fertig wäre, r vcrden gleich ansangen, die Semmel !vurt zu stopfen. Mamsell, wenn &t sie Blutwurst mischen, nehmen Sie et z?as mehr Gewürz als das le.)te Mal, sie war Papa zu nüchtern. Die Leber Lurst und die Mettwurst will ich selbst mischen." Es folgte eine Einsprache von Frau blinke uns ein lebhafter Disput wegen der Mischung der Blutwurst, und erst nachdem Helene gekostet und ein cntscheidendes Urtheil abgegeben hatte, 'ehrte sie zu dem unterbrochenen inter kssanten Gespräch zurück. .Vor unge'ahr acht Tagen kam ich Abends spät von einem Krankenbesuch im Dorf nach Hause. Es hatte gercg net. und die Torfstraße war so furcht bar schmunia. daß ich den Fußpfad t . , . . t-, ( - -1 ' ? hL t "5? " Ich hatte' mich verspätet, es I Wfci3w.4 war dunkel geworden und sehr windig. Plölich bei dem alten Backofen, unter den Rüstern, begegnet mir' eine dunkle Gestalt. Ich fürchtete mich und wollte schnell vorbei. Da redet mich der schwarze Mann an. und ich erkenne UJIVUll. .kMIIII . II' V V.. Vfa Forbes. Wir haben, glaube ich icht viel zusammen geredet, und 6 ich kann nicht sagen, wie es kam. ich wer:: nur noch, daß mit einem Mal meine Hand in der seinen ruhte, und hinter dem alten Strohschober, bei den Pyra midenpappeln, voc unserm Hosthor, hilf 9r itff jiirn rtri Vitnl npfnef i .i... Lulu, ich kann es Dir nicht be scheiden, wie mir zu Muthe war! Wir I . ' . . . ' , tintT tteenviiike. rett reir erst später bemerkte, es war pechfin stcr. der Wind blies uns beinah um. so daß die alten Pappeln üchiten und mit den Zweigen klapperten. Aber uns war fo wohlig warm, so selig zu Muth, als wäre es Frühling! Aber, Mine. Du schneidest die Speckbrocken viel zu groß für die feine Fleifchwurft! Halb fo grog müffcn sie sein! Wenn das Mama jähe!" In diesem Augenblick trat ein jun aer Mann in hohen Stieseln, mit einer grauen Joppe und schwarzer Pelzmütze, in die Küche. Er grüßte die beiden Mädchen höflich und meldete. der Wagen nach der tadt sei zum Abfahren bereit, ob Fräulein Hege mann oder die gnädige Frau noch Aufträge sür den Kutscher hätten. Er sah dabei Helene mit seinen hübschen. blauen Augen so zärtlich an, daß diese kaum affung hatte, sich auf die wich tigsten Aufträge zu besinnen. Sie ging mit ihm an einen saubern Tisch und ichricb ihm die nothwendigen Besorgungen auf einen Zettel, aber es ereignete sich, daß, als der Kutscher eben vom Hofthor gefahren war, Mine athemlos hereinstürzen mußte, weil dennoch, das Allerwichtigste vergcffen worden war. jum (Äluck hatte rau Klinke zur rechten Zelt noch aufge schrieen: Herr Je,eS. raulein, der Baumkuchen." .. - Und ..Mine! Schnell! So schnell Du laufen kannst! Er soll den Baum kucken vom Konditor abbolen!" 'Kaum war Mine abaerast. so tönte eine Stimme von oben in daS-outer rain herunter: ..Helene! Hast Du auch dem Kutfchcr aufaetraaen.- mein schmariieidenes Kleid von der Schnei verin abzuholen?" .Himmel! Mamas Kleid! Rieke. sg schnell Du laufen kannst binterhcr! I ' ' . ' . ... . , . . Er soU nicht odne Mmas leid wieder kommen!" Rieke folate Minen im Dauerlaus. und als Irin ForbeZ braunen begriffen katte. um was es sich bandelte, unter hnhe I f - stükte er Beide. -Nun litten alle drei ' dem laut die Fahrstraße hinunter

rasselnden Fuhrwerk nach, in Hos knecht. der ihnen entgegenkam.- wurde

durch Rufe und Schreien veranlagt. den Wettlauf mitzumachen, und ihm, ser den größten Vorivrung. hatte, ge lang es endlich, den Kutscher zum Hat ten zu bringen. .Schrecklich." sagte rau Amtsrath Hegcmann. die oben auT dem Fenster :in'er Giebelstube mit Tante Meta dem Dauerlaus zugesehen hatte, was das Mädchen seit einiger Zeit vergeßlich ist' Na, ein Wunde? ist es nicht mit Helenen. Der Landrath macht , ihr h auf fallend den Hof. und weißt Tu. Meta ich glaube bestimmt, daß er sich zu Pa-. pas Geburtstag erklären wird. Er, läßt ja schon neu tapezieren bei sich und hat die Familienkutsche auflaZiren lafim. Ich habe Tante Emilien und Hildegard so kleine Andeutungen ge macht, daß es eine Ueberrafchung und eine Verlobung geben wird. Hübsch ist es doch, solch' einen Schwiegersohn zu bekommen von Adel und Land rath!" Aber sag' mal, liebe Hermine, ist :r nicht eigentlich zu alt für Helenen ?" fraate Tante Meta. eine altere, unverbeirathete Schwester des Amtsraths, die kbenfalls zum Helfen" früher als die übrigen Logirgaste eingetroffen war. Sie-steckte eben mit Frau Hegemann frische Gardinen in den Fremdenzim mern auf. ' - i Unsinn '." sagte Frau Hegcmann er ist höchstens zwanzig Jahre älter. Sie passen sehr gut zusammen. Das Verlieben und all der romantische Un sinn ist heutzutage nicht mehr Mode. Das war ganz gut, als wir jung waren. Aber man weiß jz, was dabei rauskommt mit der sogenannten Liebe!.. Es ist in der Ehe furchtbar egal, ob er braun oder blond ist, dick oder dünn, ob er für Schillern oder Goethe schwärmt, oder ob ihm alle Beide Wurst sind da kommt es auf ganz andere Dinge an. Darum macht eine vernunstige Mutter ihren Töchtern bei Zeiten den Standpunkt klar !" Ich meinte nur so'" entschuldigte Tante Meta, indem sie mit einem heim lichen Seufzer die Zimmerleiter emporstieg, um die Gardine über dem Fenster zu befestigen, die ihr die dicke Frau Amtsrath reichte. Ach. sie hatte ia immer noch ein faible für die Blonden, weil sie um eines blonden Lieutenants willen ledig geblieben war ! Der große Tag war gekommen. Im Salon auf den gelben Damaftmöbcln der Frau Amtsrath saßen nach einem solennen Diner die Familientantcn in Seide und Brokat mit Spl!)enhäubchen beim . Schälchen Kaffee noch etwas cchauffirt von den schweren Weinen und der Tischunterhaltung mit den Toasten. In Herrn Amtsraths ccm fortablem Rauchzimmer nickte hie und da ein Onkel beim Nachmlttagstchlafchen, einige probirten die guten Eigar ren. und an einem Whisttisch hatte' sich schon ein Partiechen zusammengefun den. Im Festsaal hielt die Jugend, Helene und Lulu mit einiaen Bettern und Cousinen, die lekte, große Gencralprobe der Aufführungen, die den Festabend eröffnen sollten. Fn Forbes hatte seine Arbeiter gestellt und nach Kräften geholfen, die Bühne und die Tecorl Non des Saales fertig zu stellen; er durfte auch je?t nicht fehlen, denn es gab noch allerlei zu andern und zu ver benern. Dabei geschah es. daß Helene und er eine längere Berathung in einem Sei tencabinet hatten, über die Mechanik des Borhangaufziehens. und daß Lulu während dieicr Zelt Niemand einlieg. da die wichtige Berathung nicht gestört werden durfte. Helene kam mit so strahlendem La cheln hervor, daß das schwierige Problem zu ihrer vollsten Zufriedenheit ge löst schien. Im gelben Salon der Frau Amt? rath herrschte edler Wettstreit um den rechten Sophaplaß, der der Höchstgestell ten Dame zukam. Um den Herrn Amtsrath schaartcn sich die Gratulanten; die Herren Familicnhäupter mit besternter Uniform, hie und da bestem tem Frack und furchtbar ehrwürdigen E,laken,. hatten ihm schon fast den Arm aus den Gelenken aefchüttelt. Da machte er mit allen hübschen, jungen Damen, die ihm gratulirten, kurzen Proceß. Er umarmte sie und küßte sie auf den Mund, mit dem Bemerk, das sei das Privileg des Sechzigers. Endlich trat auch der Herr Landrath ein. Klein und zierlich von Gestalt, mit peinlicher Sorgfalt gekleidet, mit langen Schnurrbartzipseln und einem goldenen Pincenez,-tänzelte er mit zwei radförmigen , Tellerbouquets in den Saal. Eins für das Geburtstagskind und eins sür die Tochter vom Hause. Leider ließ sich die schöne Tochter durchaus in diesem Augenblick nicht sinden, und Mama Hegemann mußt: ihm mit süßestem Lächeln den zweiten Strauß abnehmen.' - - - Als die Vorstellungen begannen, zeigte der aufgehende Vorhang zuerst eine malerische Gruppe Korpsstudenten, um ein Faß Bier gelagert. Einer von ihnen trat vor und gratulirte in Versen ihrem alten Herrn, dem Geburtstag? lind. Es enoete mit einem solennen Salamander und dem Landesvater". Auf dem zweiten Bild waren Schnitter und Schnitterinnen bei der Ernte, um die Garben, mit Sensen und Harken, aufgestellt. Eine Schnitterin in rothen Röckchcn, mit langen Zöpsen, tiat vor und gratulirte dem Geburtstagskind im Namen aller seiner Arbeiter! und Arbeiterinnen. Sie sagte dabei in sehr hübschen rührenden Versen, was für ein guter Herr er ihnen immer ge wcsen sei. Tarauf folgten vier junze Herren und Damen als Kartenkönige und Da men verkleidet, um im Namen des Whistkränzchens zu gratuliren und das Lob des seinen Whistspielers zu ver künden. Zulegt stand die Büste des Amtsraths unter Oleander und Oran genbäumcn, bengalisch beleuchtet auf der . Bühne. Helene im aricchilche

" m-iim jg riTsysgtmaigiTTiy fcio Gewono:. a: i'.uir.i?, pflaumt; dochvathetijche rrle. uu: . trc:uc zu . Schluß die B ,.s:e ir.il 'einem ttronz, wahrend der im H!!rcis aufnestelte Ehor der Darsteller eine Frcudcnlzyne anstimmte. Als der Vorhang unter rausck'endenr Beifall siel, waren Alle entzückt und äußerten laut ihre Befriedigung. ' Die brokatenen Tanten zerdrückten mit den Spißentasch'enlüchern Thrcin?tl Uz Rührung und flüsterten nein, überreizend!und .ach, die Helene! Wie schön sie aussah'.-, noch leiser fügten sie hinzu: Wißt ihr es schon, eö giebt heud noch eine Ueberrafchung. eine Verlo bung!" .Wer denn, wer denn?- Na, natürlich Helene! Mit dem Landratb!". Die alten Herren räusperten sich ftarl! nach dem gehabten Genuß und sühlterr sich etwas 'steif in den Gelenken. Sie versicherten sich unter einander famos, famos!" und brillante Idee", wäh rend sie sehnsuchtige Blicke nach den Spiel und Rauchzimmern warsen.. Aber der Amtsrath hatte noch seinekleine Nichte Lulu im Arm. die Schnit

s terin mit. dem rothen Röckchen. Er 'zupfte sie neckend . an den braunen Zöpfen und kniff ihr die rosigen Wan gen- .. . Du Teufelömädel ! DaS hast Dir. natürlich Alles erdacht und angestiftet!" Ja. Onkelchen. Was bekomme Q dafür?" Einen Schmatz!" ' Gut. da hast Du zwei. Aber ich. will auch ein Versprechen." Alles. Fordere nur. Mein hal des Königreich." Nein, nur Absolution für einen beabsichtigten Streich. Und Deinen. Beistand gegen Tante." Im Boraus gemährt. Gegen mein? Alte stehe ich Jedem bei." Schönen Dank. Aber schlecht blfl Du doch. Onkel." Sie mußte sich noch einmal küssen lassen, eh: sie los kam. Der kleine Landrath stand vor der gerührten Amtsräthin und sagte ihr objpruche über Fräulein Helene" Unvergleichlich, ganz unvcrgleichlich. Diese Haltung und die vor nehme Ruhe! Gnädige Frau haben ein. Meisterstück der Erziehung geliesert Die schönsten Naturanlagen und beste Erziehung vereinigen sich hier zu einem vollendeten Ganzen, welches ah!" In diesem Augenblick ging plöyliH ganz unerwartet der Vorhang noch ein--mal in die Höhe. Ten erstaunten Blicken des Publ! kums bot sich der Anblick eines, eng umschlungenen Liebespaares nur eine flüchtige Sekunde sofort fiel, der Vorhang wieder, aber ein Jede? hatte doch den blonden Genius imgriechischen Gewände erkannt und einen von den Schnittern, der beim Tableau durch seine prächtige Figur ausgefallen war. Im ersten Augenblick allgemeine Er starrung. dann brach ein jubelndes da capo los. " Das wär also die Ueberraschnng?' Aus der Amtsräthin entgeisterten, schreckensbleichen Mienen las man je doch, daß nicht Alles in Ordnung war mit dieser Ueberrafchung, . und jeyt fah man den Amtsrath durch eine Seiten thür hinter der Bühne verschwinden. .' Tort lag Helene einer. Ohnmacht nahe, und Frifc Forbes hielt sie verzweifelt in den Armen. Mein Herr ", begann der'AmtZrath, da sprang Lulu dazwischen. Pst! Ontelchen, Dein Versprechen! Das war eben mein Streich. Die. Beiden lieben sich zum Herzbrechen, und nun kommt Tante mit der Nippfigur von einem Landrath dazwischen! Eben als ich Dich verließ, sah ich, daß der Landrath bei Tänl.en losschoß. Ich dachte, jet ist es höchste Zeil! Helenen? sagte ich. es erwarte sie Jemand auf der leeren Bühne, und dasselbe sagteich Herrn Forbes. Siehst Tu, sie sind sich nur aus Versehen im Halbdunlel in die Arme gelaufen, und da zog ich, natürlich aus . Versehen, , fchnell' den Vorhang ein bisch:n auf. WäS wer den wir nun thun, Onlelchen, um die schreckliche Blamage dieser unvorsichtigen jungen Leute wieder gut zu ma chen? Schnell, Onkel, ich höre schon Tantens Stimme!"' ' !, Tu Blitzmädel! Du Wetter, hexe!" schalt der Onkel, was hast Tn angerichtet?" . Aber Lulu zupfte ihn gar zu n-.'dli. am Bart und streichelte und küßt' den alten Onkel, und plötzlich, ehe er eö sich versah, zog sie den Vorhang' in die: Höhe. , Da blieb dem Amtsrat) ,.ar nich!5 weiter übrig, er faßte Helenen rechtsbei der Hand, Fritz Forbes links uni stellte der verehrten Gesellschaft die Bep den als Brautpaar vor. Da war nun die Ueberrasqungk. Gedankensplitter. Was dem Herzen theuer war , In der Leute Mäuler bringen. Heißt am Heiligen Altar ' Einen Gassenhauer singen. Leichtsinnig' Wort ist wie ein Wind, Der schnell zum Sturm entfacht, Leichtsinnig Wort entfliegt geschwind Und hat es nicht bedacht, . ' . Daß man die, die uns., die Liebstes . sind. Am leichtesten elend macht. " Finanztalent. Onkel: .Liebes Karlchen, weil Du Tei.-.e Sache so gut gemacht haft, sollst Du eine Be lohnung bekommen! . (Reicht.ihm einen Thaler und eine Banknote.) Was willst Du lieber, den Thaler öder' das Pa pier?" Karl: Tas Papier auch, um den Thaler. darin einzuwickeln. - Ein guterPat.ient. ,Arzt: Sie müssen solider leben! In Ihrem vorgeschrittenen Alter soll man sich Wein, Weib und Gesang abgewö nen!" Patient: Wissen .S'-waS, Herr Toctor, da werd' ich mir vorlausic den (?elan akacmöknent". .

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