Indiana Tribüne, Volume 16, Number 221, Indianapolis, Marion County, 30 April 1893 — Page 6
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2te Blutrache bet de Mainote. Oon Willi, Varth. Tc? rauhe TaygetoZ, der im Süden -des PeloponneZ eine weit in'S Meer vorspringende und in dem Vorgebirge Matapan endende Haldinsel bildet, ist die Wohnstätte eines tapfern Gebirgs Äolkes, der Mainoten oder, wie sie sich selbst nennen, der Maniaien, deren Land, die Main oder Vkani, allen Stürmen, die über den übrigen Theil des PeloponneZ hereingebrochen, stets siegreich standgehalten hat und nicht selten die Wiege d.'r zahlreichen Erhe düngen gegen da? Joch der Frcmdherrschaft gewesen ist. Der Unabhängig feitZsinn der Mainoten hat unter ande reu lharaktereigenihümlichkeiten auch das Gesetzter Selbsthilfe in ihrem äii ßersten Gipfelpunkte, der Blutrache, bewahrt, troZi aller Bemühungen der griechischen Regierung, die hierin ebenso machtlos ist, roie andere bei ähnlichen Erscheinungen, bei denen es sich ebenfalls um tief' eingewurzelte Worurtheile handelt, wie z. A. beim "Duell. Die Grundlage des Gesetzes der Blut?ache bei den Mainoten bildet der Sat: Aug um Aug', Zahn um Zahn! E ist ihrem unbeugsamen Charakter unfaßbar, daß die Verletzung der Ehre, und als solche fassen sie auch den Mord uf, nicht in derselben Weise gerächt werden müsse, wie sie zugefügt worden ist; danach richtet sich also auch die Art der Rache, Schlag wird durch Schlag, Mord durch Mord gesühnt, und das Gesetz unterliegt nur kleinen Modinkationen, indem bei geringen Beleidigungen, wie z. B. Schlägen, die That als gerächt erscheint, wenn die Beleidigten auf den Thäter geschossen haben, gleichviel, ob mit ober ohne (h solg. Tie Verpflichtung, für die Sühne Sorge zu tragen, liegt den Blutsverwandten ob, dagegen sind die Berschmä gcrten ausgenommen, ja es kommt vor, iaK diese sich, einander im Kampfe als feinde gegenüberstehen; und vor nicht langer eit erschoß im Kampfe der Schwiegervater den Schwiegersohn, achdem die Blutsverwandten des Er steren mittlerweile mit der Familie des Letzteren in den Bann des Blutes getreten waren. Während nun zuerst die nächsten Blutsverwandten die beleidigt: Ehre, und in den meisten Füllen jjan Zielte es sich um Mord, reinzuwaichcn suchen, indem sie dem Thäter oder einem seiner Sippe ebenfalls nach dem Leben trachten, werden allmälig immer mehr Theilnehmer in den Kampf hineingczogen; die feindlichen Parteien stellen die besten Kämpen auf, um ein möglichst großes Resultat zu erzielen, und fivfcn die gefürchtetstenGegner auZ dem Spiele zu bringen, zu welchem Zwecke ußer dem direkten Angriffe auch andere Mittel, wie wir weiter unten sehen werden, bei Gelegenheit benutzt wer den. So reiben sich die Parteieu gegenseitig auf, zuweilen bis zur gänzlichen Vernichtung, wenn es nicht irgendwie zu einft Versöhnung kommt. Cs kann sich nun treffen, daß die Rache für einen verübten Mord aus irgend einem Grunde im Augenblick nicht möglich -oder wenigstens nicht rathsam ist. In diesem Fall.5 erscheint es nicht als un .eyrenhaft, dieselbe zu verschieben; die beleidigte Partei wartet einen geeigne ten Zeitpunkt und einen günstigen Ort oh. um das Blut zurückzunehmen (..sie bewahrt das Blut"). So kann plötzlich nach Jahren ein Mord an einer Person geracht werden, die vielleicht W. diesem gar nichts weiß oder' die That vergeuen hat, und an einem Orte, der vo.i dem Schauplatze dessel ben w it enksernt ist. Der Sohn des Ermordeten wird von der Mutter mit der steten Ermahnung groß gezogen, den Tod des Vaters zu rächen, wodurch e3 dann sreilich nur zu erklärlich wird, tvenn jener, kaum im Stande, das Geiccfr zu handhaben, 'sich beeilt, den Äu'trag zu erfüllen und selbst zum Mörder zu werden, sei es auch nur als Äergeltcr srüherer Unthat. Sobald ein Mord vorgefallen ist, zieht sich die Familie des' Thäters in ifrt Behausungen zurück. Es ist das um so leichter, als nach angestammter Sitte die zu einer Familie Gehörenden na, zusammen wohnen; ihre Häuser s ix Ci r 3 -rv - : 1 w ifc.i v i ciu eigene ucincs? orscyen, ocren Mittelpunkt einer der zahlreichen Äurgcn oderThürme abgiebt, mit denen Sie Maina übersät ist. ' Hier verschanzen sie sich, so gut es geht: auch sind die Hauser und Ihürme trefflich für den Guerillakrieg eingerichtet. Die untern 'Jcnstcroffnungen werden mit Steinen ausgefüllt, so daß nur die nöthigen Schießscharten offen bleiben. Draußen lauert die Rache; hinter jedem Baum ttx Strauch, hinler stdem Felsblock 1 av.i der Feind im Anschlage liegen, .-er sich von der Familie des Thäters ?i kicken läßt, gibt ein willkommenes 3iel für bi: Kugel der Rächer. Oft ent wickeln sich ganze Schlachten zwischen den Häusern und Thürmen, wenn die dciden Parteien sich nahe genug woh neu. Aus den Fenstern der ' oberen Stockwerke und von den Plattformen ttx Dächer fliegen die Geschoffe hin und ijer; selbst die Frauen, denen sonst die .'erp-lichtung der Rache nicht obliegt, nehmen zuweilen Theil an dem allgemeinen Kampfe und handhaben mit besonderer (Leschicklichkeit die Schleuder. Nur ein Mittel gewährt dem bedrohten Theile außerhalb seiner Mauern Schutz, 'as ist der sogenannte Helser ooer Begleiter", nämlich ein Mitglied einer .anderen mächtigen Familie, die dem streite fern steht. Seine Gesellschaft -schützt unbedingt, sogar unter den Fen tern der Gegenpartei selbst, aber nur iri Tage; bei Nacht wird aus ihn keine Äiückstcht genommen, weil man ihn nicht zu erkennen braucht. Die Lösung des Zwistes durch die Berichte ist von keinem Belang für die Äekheiljgten; kein Urtheil kann die Zu rück::cchme dcs Blutes von Seiten der beleidigten Familie aufheben. Doch cond das Einschreiten v:s Gerichtes oft
vl Zwecken benitfct. die der Absicht des selben allerdings wenig entspricht. Zinerseits suchen die Parteien sich gegen scitlg zu schwächen, indem jede möglichst viele Glieder der andern in den Prozeß hineinzieht und dem Gcfängnine zu führt; andererseits kommt cs auch wohl oor, daß die undenkbarsten Mittel auf geboten werden, um den Gang ce3 Rechtes zu vereiteln, daß z. B. der Bruder des Gemordeten .den wirklichen
Thäter als nichtjchuldig bezeichnet, da. mit dieser leiner Rache Nicht entzogen und dadurch die Erfüllung der von den Vätern angestammten heiligen Ver pslichtung unmöglich gemacht werde.' Eine Versöhnung kann nur nach einer' Reihe von gegenseitigen Thaten" zu: Stande kommen, wenn ein gewisses! Gleichgewicht hergestellt ist. Doch gibl es noch eine andere Lösung, die des, geistigen" Vergleichs, der geschloffen wird, wenn der Thäter der Rache zu-, vorkommt und die beleidigte Familie' um Verzeihung bittet. '. Er begiebt sich zu diesem Zwecke mit! seinen Verwandten zu dem Hause jener,; beugt sich vor den Mitgliedern nieder und bittet um Vergebung seiner That ; daraus bedecken ihn diese mit ihreir Kleidern, die Eltern dcs Getödteten nennen ihn ihren - Sohn, die Gcschwi ster ihren Bruder und behalten diese! Bezeichnung auch in Zukunft bei.j Indessen gilt diese Lösung für erniedrig geno, und dem Mainoten ist ein fiH scher, fröhlicher Kampf, bei dem das Leben der, Einbildet, entschieden lieber und erscheint ihm mehr des Mannes, würdig. So wird denn wohl noch eine Weile vergehen, bis daß diese eigenthümliche Sitte durch innere Kultur und äußeren Druck verschwindet. In nicht wesentlich vnschiedener Weise existirt die Blutrache auch noch auf der Insel Kreta, deren! tapfere und todesverachtende Bewohner mit hem rauhen Bergvolke der Maino ten auch in anderer Weise verwandte Züge ausweisen. Monolog. .Hab' heut' Braut gefunden, so phänomenal, hat mehr Mitgift, als alle bisherigen zusammen genommen!" Ein Schmeichler. m Ich habe seit längerer Zeit ei nen Katarrh, der mich nicht verlassen tv'.ll.- , Aeh, dieser Katarrh ist aber ein Gourmand, mein gnädiges Fräu Um" Lakonisch. üs. " )s.i&?i Polizist: Sie haben einen Verbote ncn äez betreten, das kostet fünf Mark!Engländer: ,VVell, hier hab' Sie Mark fünfzig, geb' Sie mir alfo zehn Billets für das verbotene Weg'.Zweierlei. (Vor dem Weg gang) Frau: Mußi Du denn heute Abend schon wieder in Deinen Elud? Wann kannst Du . denn wieder zu Hause sein? Mann: Heute Abend kann ich um zehn wieder bei Dir sein! (Nach der Ankunst) Frau: Jch' meinte. Du könntest um zehn wieder hier sein, und jept ist die Uhr breitß nach zwei! Mann: Ganz recht Fran ich tonnte, wohl, aber ich- wollte nur nicht! . ' ' ' i Ein fideler Schwieger söhn. Alter Herr: Wissen Sie, Herr Baron,, heirathen ist keine Kunst man muß aber auch , eine Frau, bezie hungswcise eine Familie unterhalten rönnen." Freier: Da werde ich s 'nicht fehlen lassen. Gnädiges Fräulein soll sich famoZ amüsiren.
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Die Boomers für herokee Ttrip. ' Die Geduld der vielen Tausende, welche an den Grenzen des sogen, tzhe rokee Strip- nunmehr seit 'über zwei Jahren sehnsüchtig auf das erlösende Wort des Präsidenten warten, durch welche ihnen das gelobte Land erschlossen werden soll, ist wahrhaft bewundernswerth. Geduldiges Warten ist an sich so unamerikanisch. Eine lange Zeit wird damit nudle? vergeudet, und ein richtiger Yankee würde auch längst von unbezähmbarer Ungeduld ergrif fen worden und davon gelaufen sein, um sich einen anderen und lohnenderen Job" zu suchen. Dieses stille, beschauliche Harren, mit den unthätigen Händen im Schooß, den träumerischen Blick auf das ferne Nebelland gerichtet, hat so etwas Orientalisches. Lazzaroni Haftes, wie man es in Amerika unter den fieberhaft thätigen Yankees nir gendwo findet. lZben darum ist das Leben und Treiben dieser Wartenden", welche der Zufall an der Grenze eines ungewissen Geschickes bunt zusammenge würfelt hat, für den Beobachter so außerordentlich interessant. Jeder Ein zelne, jede Familie ist losgelöst aus öem bisherigen gewohnten Wirkungskreise. Man ist bereit, sich irgend einer Beschäftigung unter gänzlich neuen Verhältnissen anzupassen, vorausgesetzt, daß sie lohnend ist. Jeder gedenkt in dem neuen Gemeinwesen den Lerrn zu spielen. Man erzählt sich gegenseitig zur Aufmunterung Geschich ten von dem über Nacht aufgehlühten Oklahoma und seiner Hauptstadt Guthrie, und wer speeulativ veranlagt ist, horcht mit Gier aus Berichte von den fabelhaft 'gestiegenen Grundstück preisen.
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.Ich kann warten". Alle Stände sind unter diesen Voo mers" vertreten. Nicht zum wenigsten Farmer, doch bilden diese keineswegs die überwiegende Mehrzahl. Ein Be weis, daß auch das abenteuernde und speculircnde Element ebenso zahlreich ist. wie bei 'jener denkwürdigen Völker Wanderung nach Oklahoma im April 1889. WM kaum die Hälfte jener Boomers" sind noch auf den Heim stätten seßhaft; ihre damaligen kühnen Anführer. Couch und Payne, welche im vorahnenden Geiste schon als die zu künstigen Senatoren des neuen Staa tes" Oklahoma verherrlicht wurden, sind gänzlich verschollen Auch die .Boomer" des Cherokee trip müssen ihren Anführer, ihren Abgott haben K .j5JS m - m i7er ? : rtjm& XMWV r$4'i$ttyY sfr 'jM&t&rdi '-"5 -Sirrt.lf A , Pawnee Bill. Pawnee Bill, der dieses seltsame Ge meinwesen in musterhaster Ordnung hält, ist der freiwillig gewählte Anfüh. rer dieser buntscheckigen Menge. Der Geist der Ordnung macht sich schließlich doch überall geltend; instinctiv fühlt der Mensch, daß, um das berüchtigte homo homini lupus nicht aufkommen zu las scn, man sich nach einer mit Ansehen und gebietendem Wesen ausgestatteten Persönlichkeit umsehen müsse. Der Genius des Vertrauens- blieb auf Pawnee Bill" hasten; man erwählte ihn einstimmig. Kein Widerspruch regte sich, und doch war der Mann nur Wenigen bekannt. Aber als Major Gordon Lillie dies ist sein eigentlicher Name . unter sie trat, die kühnen Augen ernst und doch zugleich mild unter dem breiten Schlapp Hut hcrvorstrahlend, da feierte der Ge nius dcs Vertrauens- seinen höchsten Triumph. Niemand anders, als Pawnee Bill!- war die Losung, und alle anderen Nominationen wurden zu rückgezogen. Carlyle hätte kein glän zendereS Beispiel von seinem Lehrsatz her worship" finden können. Ist pawnee Bill wirklich ein Held? (5r ist es jedenfalls in den Augen seiner bc geisterten Anhänger. Und ehe diese Begeisterung verraucht ist. wird wohl auch der Cherokee Strip eröffnet und Pawnee Bill ergenen sein! Zwei Inschriften. In einer amerikanischen Restauration in der unteren Stadt New )orks ist an einer der Wände eine Inschrift ange bracht, die lautet: Vertraue auf den Herrn und er wird Dich bewahren auf allen deinen Wegen, damit du deinen Fuß an keinen Stein stoßest!- Direkt geg?nüber davon befindet sich ein ande id Schild, woiuus die Worte geschrie den stehen: 'Man habe Acht auf seinen Ueberrock' und Hut, da der Eigenthü. mer des Restaurants für Nichts verant wortlich ist.Im botanischen ja rten. Professor: Hier meine Tomen, er blicken Sie die Tabäkspflanze." Höhere Tochter: Ach, wie interessant, Herr Professor, wie lange dauert es denn, bis die Cigarren reif sind?Gedankensplitter. Ver leumdung ist wie falsches Gold, man macht es nicht selber, aber man gibt cS weiter.
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zreüylkng. SZcch htm JtiZirni'ch.'. Zur Zeit, als Paolo mit einem dicken Notenheft unter dem Arm nach Mai land gekommen und noch jede Frau für ihn schön war. da begegnete er das erstemal der Prinzessin-. Die Mäd chen im Puhmachcrladen hatten ihr diesen Namen gegeben, weil sie ein zartes Gesichtchcn ünd feine Hände hatt?, aber besonders deshalb, weil sie etwas stolz war und des Abends, wenn ihre Ge fährtinnen wie ein Schwärm von Sper lingen in die Galerie Viktor Emanue! stürmten, vorzog, ganz allein, in ihren weisen Shawl gehüllt, bis zur Port Gäribaldi zu gehen. So hatte sie Paolo, während er musitalischen Ge danken und Träumen der Jugend und des Ruhmes nachhing, an einem jener seligen Abende getroffen, an dem er sich um so leichter fühlte, sich zu den Wol ken und Sternen zu erheben, je wem ger ihn der Magen und die Börse be lästigten. (5s gefiel ihm, den freund lichen Bildern, die ihm in seinen Ge danken vorschwebten, in jenem arunu thigen kleinen Wesen zu folgen, das raschen Schrittes vor ihm herging und zuweilen das graue Kleid emporhob, wenn sie genöthigt war, auf der Spide ihrer ein wenig vom Koth besudelten Stiefelchen vom Trottoir herabzutreten. Aus dieselbe Weise begegneten sie sich zum zweiten oder dritten Mal wieder und fanden sich endlich zusammen. Sie brach bei den ersten Worten, die er an sie richtete, in ein Helles Gelächter aus; sie lachte immer, so oft sie ihm begeg nete. Hätte sie ihm gleich Anfangs Gehör gegeben, so würde er sie gewiß nie mehr aufgesucht haben. Endlich an einem regnerischen Abend Paolo besaß damals noch einen Regenschirm sah man sie auf der einsam werdenden Straße Arm in Arm miteinander gehen. Sie sagte ihm, daß man sie die Prin? zessin" heiße, und er begleitete sie nach Hause, bis auf fünfzig Schritte vor dem Thore, ie wollte nicht, daß irgend Jemand, und er noch weniger, als jeder Andere, sehe, in welchem Schlosse, zu 30 Lire für den Monat, die Eltern der Prinzessin- lebten. Auf diese Weise verstrichen zwei oder drei Wochen. Paolo erwartete sie in der Galerie, in seinen fadenscheinigen Uebcrzieher eingemummt, der wohl nur geringen Schutz gegen den scharfen Ja nuarwind gewähren konnte; sie kam flüchtigen Schrittes zu ihm, den Muff vor das kältcrothe Gesicht haltend, und nahm seinen Arm. Dann unterhielten sie sich, langsam miteinander wandelnd, bei 23 Grad Kälte damit, die Steine zu zählen. Paolo sprach viel von Fugen und Canons, und das Mädchen bat ihn, ihr die Sache im Mailändifchen zu erklä ren. Als sie ihn das erste Mal in sei nem, im vierten Stock gelegenen Käm merchen besuchte undaufdemVianoforte eine seiner Romanzen spielen hörte, von der . er ihr so viel vorgesprochen hatte, degann sie die Sache, noch wie im Nebel, zu begreifen, fühlte ihre Au gen feucht werden und gab ihm einen schönen Kuß aber das geschah viel später. Die Modistin flüsterte leise hinter denPappschachteln und den Haufen von Blumen und Bändern, welche auf dem Arbeitstische lagen, von dem neuen .Geliebten" der .Princessin-, der seiner Schönen niemals auch nur das ärmlichste Kleidungsstück zum Geschenk mache. Die Prinzessin" that, als ob sie nicht höre, zuäte die Achseln und nähte still und stolz weiter. Ter arme große Künstler der Zu (unst hatte ihr so viel von seinem ein stigcn Ruhme und von den anderen schönen Dingen vorgeredet, die im Ge folge von Madonna Gloria" kommen sollten, daß sie ihn nicht beschuldigen konnte, sich für einen russischen Fürsten oder sizilianischen Baron ausgegeben zu haben. Einmal wollte er ihr ein Ninglein verehren einen einfachen Goldreif mit einer eingelegten halben, falschen Perle es war in den ersten Tagen des Monats. Sie wurde roth und dankte ihm tiefgerührt zum er sten Male , drückte ihm fest die Hand,, wollte aber das' Geschenk nicht anneh mcn; sie hatte vielleicht errathen, wie viele Entbehrungen diese geringfügige Kleinigkeit dem Verdi der Zukunft ko stcn music. Doch ohne viele Bedenken und auch ohne große Dankbarkeit hätte sie viel mehr oon einem Andern" ange. nommen. Tann unterwarf sie sich, um dem Geliebten Ehre zu machen, schweren' Auslagen; sie nahm auf dem Cordusio' Pla ein Kleid auf Borg; kaufte auf' dem Korso eine Manl'.Ue um zwanzig Lire und einigen Glasschmuck in der: alten Gallerie. Ter Andere" hatte ihr Geschmack und das Aedüriniß einer gewissen Eleganz eingeflößt. Paolo wußte es uicht, er wußte nicht einmal,, dak sie sich in Schulden gestürzt habe, und sagte zu ihr nur: Wie ichon Du so -bist:" Es freute s'.e; zum ersten Mal war sie glücklich, ihrem Geliebten nichts von ihrer Schönheit zu veroan len. Am Sonntag bei schönem Wetter machten sie einen Spaziergang über die Zolllinie oder längs der Bastionen nach Jsola Bella, ooer Jfola Aotta, einer jener im Staub begrabenen In sein" des Festlandes. Es waren die Tage der närrischen Ausgaben, so daß wenn die Stunde kam. die Zeche zuj bezahlen, die Prinzessin die während des TageS begangenen Thorheiten be reute und .ch dos Herz zusammenge preßt fühlte. Er ging dann zu ihr hin, stellte sich knapp an ihre Seite und während die ksonne hinter dem, Simplonbogen unterging, fühlten sie: eine tiefe und melancholische Luft Bei Regenwetter suchten-sie sich einen; andern Zeitvertreib; sie fuhren im Ommbus von Port Nuova nach 'Porta Ti.-inese und von PortaTici'i j nefe nach Porta Vittoria, gaben drei -ßlg Coldi aus, und kutschirten zwk Stunden herum wie ..Signori". Die Prinzessin kräuselte mit den Ge, danken an diese Sonntaasseier durcd
sechs Tage ihre Blonden oder heftete, prachtvolle Kunstblumen .an Messing' stiele, und der junge Mann nahm oft! den Tag zuvor und den Tag nachher keine Mittag'smahlzeit ein. So vergingen der Winter und der Sommer, indem sie mit der Liebe spiel ten. Sie gestano ihm nichts zu. obgleich sie ihn von Herzen gern hatte; aber sie hatte wegen des Andern" schon zu viel geweint und glaubte jet ver nünstig geworden zu sein. ES kam der Oktober. Er fühlte die tiefe Schwermuth des Herbstes und hatte ihr den Borschlag gemacht, einen Ausflug an den Eomcr'-See zu machen. Sie benütten einen Tag. da Papa nicht zu Hause war, und fuhren aus einen ganzen Tag nach Eomo. Als sie im otel abgestiegen waren, fragte sie der Äirth, ob sie mit dem Abenozug wie der zurückkehren würden. Paolo hatte unterwegs die Frage an die Prin zejsin" gerichtet, wie sie es anstellen würde, wenn sie gezwungen wäi. eine Nacht außer dem Hause zuzubrin 'gen. Sie hatte lachend geantwortet: Ich würde sagen, daß ich die Nacht wegen einer dringender Arbeit im Ma gazin zugebracht habe." Jcht blickte eer junge Mann verlegen sie und den Wirth an und wagte nichts zu erwi )ern. ie ließ den Kopf sinken und antwortete, daß sie morgen zurückkehren würden; als ste allein waren, wurde sie dlutroth und schlug die Augen zu Boden. O die schönen Tage, da sie Arm in Arm unter den blühenden Kastanienbäumen spazieren gingen, ohne sich zu verstecken, ohne die scheuen Seidenklei der in den vorüberfahrenden Bierge spannen und die schönen, neuen Hute der jungen Leute zu sehen, die sich mit der Cigarre im Munde hcrumtummel ten! Die Sonntage, an denen sie sich mit fünf Lire einen guten Tag mach ten! die schönen Abendeda sie, ehe sie sich trennen, noch eine tunde an der Thüre standen, im Ganzen keine zwan ;ig Worte sprachen und sich bei der Hand hielten, während die Leute aus der Gasse hastlg an ilzuen vorübereilten! Als sie ihr Berhältniß angefangen, da hatten sie nicht geglaubt, daß sie sich ernstlich ineinander verlieben würden: jet fühlten sie sich aus andere Weise beunruhigt. Paolo hatte mit ihr nie von dem Andern" gesprochen, dessen Existenz er gleich beinl erften Male, als sie ihm unter dem Regenschirm gefolgt war, errathen hatte. Er hatte es aus hundert Kleinigkeiten, aus hundert unbe deutenden Einzelheiten, aus einer ge wissen Art des Benehmens, aus dem Laute verschiedener Worte geschlossen. Sie hatte im Grunde ein durchaus red liches Herz und gestand ihm Alles. Sie wußten, daß diese Festzeit ihr Ende erreichen würde; sie wußten es Beide und ließen sich deshalb das Herz nicht schwer werden, vielleicht, weit sie noch die große Festzeit der Jugend vor Nch hatten. Er fühlte sich sogar durch das Gcftändnlß des Mädchens crleich. tert, als ob es ihm auf einmal von je dem Skrupel befreit und es ihm mög lich gemacht hätte, ihr Lebewohl zu sagen. An diesen Augenblick dachten beide häusig, als an ein etwas Unabwendbares, mit einer gewissen antizi pirtcn Ergebung, die ein böses Omen war. Aber je&t liebten sie sich noch und hielten sich umarmt. Als jener Tag wirklich kam, war es freilich etwas Anderes. Der arme Teufel hatte Schuhe und Geld dringend nöthig. Die Thorheiten seiner Lrede kamen ihm theuer zu stehet Mit fünfundzwanzig Jahren, wenn man nur Kops und Herz besitzt, hat man nicht das Recht, ZU lieben und wäre es auch eine Prinzessin". Vorwärts, immer vorwärts, heißt die Losung, das Herz geschlossen, die Ohren taub, den Fuß unermüdlich und uner bittlich, wenn er selbst über das Herz hinschreiten sollte. Paolo war krank, und durch' drei Tage wußte Niemand etwas von ihm, nicht einmal die Prinzessin". ES hat ten die trübseligen Tage begonnen, an denen das Wager, welches unter den Brücken des großen Schinsahrtscanals läuft, beim Hmunterschauen Schwindel erregt und man beim Emporblicken nur immer die blendend weißen Spisäulen des Domes sieht. Des Abends, wenn Paolo in der Straße Silvio Pellico wartete, war es kälter als gewöhnlich, die Stunden verflossen langfamer. und die Prinzessin" hatte auch nicht mehr ihren ungezwungenen und anmuthige Gang. $u jener Zeit fiel dem jungen Mannt ein kolossales vermögen zu, so ungefähr 4000 Lire im Jahre, wofür er weit ad von Mailand in Kaffeehäusern und amerikanischen Eoncerten aus dem Pia. noforte zu klimpern hatte. Er nahm. es mit derselben Freude an, als ob ihm die Wahl freigestanden wäre dann dachte er an die Prinzessin. DesAbends führteer sie nach einem Ehamvre separee bei Bifsi nach Art eines reichen' Wüstlings zumSauper. Er hatte einen. Borjchuk von 100 Lire erhalten und, 5b einen guten Theil davon aus. Das arme Mädchen riß bei diesem Sardanapalfest die Augen auf und lehnte sich, als sie nach dem Kaffee auf den Dtvan sank, mit etwas schweremKopfe an die Wand. Sie war ein wema; blaß, ein wenig traurig, aber schöner als je. Pasto küßte sie öfters auf den Nacken; sie ließ ihn gewähren und sah ihn mit erstaunten Augen an. als ob sie das Borgesühl eines Unglücks be schleiche. Er fühlte sich das Herz zu sammengeschnürt und um ihr zu sagen, daß er sie jehr lieb habe, fragte er. was sie thun würde, wenn sie sich nicht mehr sähen. Die Prinzessin- war ganz still, wandte mit geichloiienen Augen das Haupt ab und machte keine Bewegung, um die großen und leuchtenden. Thea nen zu verbergen, die ihr fortwährend über die Wangen herabrollten.' ' Als es der junge Mann bemerkte, war er überrascht; ti war das erste Mat. da er sie einen sah. .Was hast
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Du" fragte er. Sie antwortete nicht, oder sagte nichs!" mit erstickter Stimme. Denkst Du an jenen Andern?" fragte Pao'.o zm ersten Male. Ja." deutete sie mit dem Kopfe ja," und eS war die Wahrheit. Dann fing sie zu schluchzen an. Der Andere." bedeutete die Ver gangenhcit; bedeutete die schönen Tage ver onne und der Luft, den Frühling der Jugend ihre arme Liebe, die bestimmt war, sich so hinzuschleppen, von einem Paolo zum andern, ohne zu viel zu weinen, wenn er traurig, und ohne sich zu viel zu freuen, wenn er heiter war; er bedeutete die Gegenwart, welche entschwand jenen Jüngling, der nunmehr einen Theil ihres Herzens ausmachte, und der ihr auch in einem Monat, in einem Jahr odcr zweien ein Fremder sein würde. Paolo brütete in diesem Augenblick über denselben Gedanken und hatte nicht den Muth, den Mund auszumachen. Er schloß sie nur in enger Um armung an sich und begann auch selbst zu weinen. Sie hatten mit Lachen angefangen. Wirst Tu mich verlassen?" jtam melte die Prinzessin." Wer hat es Dir 3esagt? Niemand, ich weiß es, ich ahne es. Wirst Du fortreisen ?" Er ließ das Haupt sinken. Sie firirte ihn noch einen Augenblick mit thränenvollen 2lugen, dann wandte sie sich und weinte stlll vor sich hin. Dann, vielleicht weil sie nicht recht bei sich war oder das Herz zu voll hatte, degann sie zu phantasiren und erzählte ihm das, was sie ihm bis jetzt immer aus Scheu oder aus Selbstliebe verdor gen gehalten hatte, wie es mit jcnem Andern" gegangen war. Sie waren, um die Wahrheit zu sagen, zu Hause eben nicht 'reich: der Bater bekleidete eine kleine Anstellung bei der Eisenbahnverwaltung und die Mama stickte; aber ihr Gesicht war schon seit langer Zeit geschwächt, und da war die Prinzessin" in ein Modegeschäft getreten, um der Familie etwas zu helfen. Dort hatten zum Theil die schönen Klei der. die sie sah zum Theil die schönen Worte, welche man ihr gab ein wenig die Eitelkeit, einwenigdie leichteGelegenheit, ein wenig ihre Gefährtinnen und ein wenig jener junge Mensch, der ihr aus allen ihren Schritten nachfolgte das Uebrige gethan. Sie hatte es nicht gefaßt, etwas Uebles begangen zu haben, blZ fie auch das Bedürfnis gefühlt hatte, es ihren Eltern zu verbergen: der Papa war ein Ehrenmann, die Mama eine Heilige; sie wären vm Schmerz gestorben, wenn sie das Ding" hätten ahnen können. Sie sprach mit leiser Stimme, wie im Schlaf, indem sie das Haupt auf seine Schulter stützte. Als sie von Biffi heraustraten, verweilten sie ein wenig auf dem Wege, indem sie den ganzen' traurigen Kreuz weg ihrer lieben und traurigen Erinne rungen durchmachten. Die Straßen ecke, wo sie sich zum ersten Mal begeg. net. das Trottoir, auf dem sie stehen geblieben waren, um zum ersten Male ein Gespräch anzuknüpfen. Da," sagten sie, hier ist es." Nein, weiter dort." Sie streiften rolt im Traume müßig umher und be stellten sich beim Scheiden quf den an deren Tag. ' Den Tag darauf packte Paolo sein Felleisen, ünd die Prinzessin" half da. nebend knieen. die wenigen Kleidungs stücke, die Bücher und Noten in dasselbe legen. Eins deckte das Andere, und cz schnürte ihr das Herz zusammen. Alles jiach und nach verschwinden zu sehen. Vaolo reichte ihr Stück für Stück die Kleidungsstücke und Wäsche, wie er sie aus dem Schranke nahm; sie blickte sie einen Augenblick an, drehte sie hin und her und legte sie dann säuberlich, ohne daß sie eine Falte machten, zwischen die, Taschentücher und Strümpfe; sie spra chen wenig und schienen Eile zu ha. den. Das Mädchen hatte einen allen Kalender bei Seite gelegt, auf wel. chem Paolo Anmerkungen zu machen pflegte. Wirst Du mir ihn lassen?" fragtk sie. Er machte ein bejahendes Zeichen, ohne sich umzuwenden. Als das Felleisen voll, war, drückte das Mädchen mit dem. Knie aus der. Regenschirm, die sie auf dem Bette ge lasten hatte, und setzte sich traurig auj den Rand desselben. Die Wände waren nackt und kahl; im Zimmer war nichts mehr, als das große Felleisen und Paolo, der hin- und herging,, ir den Schubladen nachsah und das Zu rückgebliebene in einen, großen BünöÄ zusämmenthat. : Abends gingen sie zum letzten Mal .spazieren. Sie stützte sich schüchterr auf seinen Arm, als ob ihr der Geliebte ein Fremder zu werden anfinge. Su kehrten bei Fostati ein, wie in jener glücklichen Tagen, gingen aber zeittc wieder fort und waren einsilbig. junge Mann dachte, daß alle diese Leuti wieder einmal kommen unö die Prin zessin" sehen würden; sie. daß sie Paolc unter diesen Menschen nicht mehr wieder erblicken würde. Sie pflegten in einem kleinen Kaneehause auf den' Fora Bonaparte ihr Bier zu trinken Paolo liebte diesen großen Play, auf dem er so oft an Sommerabenden niii seiner Prinzessin" unter dem Arw spazieren gegangen war. Bon Weitem hörte man die.MusiZ des uafe Gnocchi imft sah die leuchten den Fenster des Teatro dal Berme. Tie Sterne schienen, an dem tiefen, dunkelblauen Himmel zu zitiern; dc und 'do?t im Dunkel der Alleen unk zwischen den Bäumen leuchtete ein, Gasflamme, vor welcher paarwei' schwarze und schweigsame Schatten vor überzogen. Paslo dachte: Das ist de: lete Ädcnd!" Sie hatte sich ferne von der Meng' w dem am wenigsten erleuchteten Wln ke! niedergesetzt, den Rücken an cir Spalier von, verkrüppelten Bäumch.'r gelehnt, die in alten Petroleumfäncri
'gepflanzt waren. V:e Prlnzezun' !riß zwtt Blättchen ab und gab ciue, Äavon Paolo zu einer anderen 3ti
::ird:n st - darüber gelacht haben. EZ :rn ciu Blinder, der ein ganzes Äeper . oire auf der Guitarre klimperte; Paolg '.ab ihm alle Soldistücke, die er in der lasche hatte. Sie sahen sich zum letzten Male auf dem Bahnhof? im Augenblicke der Ab reise, in der bitteren Stunde des eilt gen. zerstreuten Abschiednchmcns ohne Herzcnsergieszung. ohn Poesie, zwischen oem Drängen d:r Masten, der Eleichgiltigkeit. dem Lärmen und Treiben d.-r Abfahrt. Die Prinzessin" folgte Paolo wie ein Schatten vom Gepäcks platze bis zur BiUeten-Ausgabe und hielt mit ihm gleichen Schritt, ohne den Mund zu öffnen, mit ihrem Äegcn schirm untr dem Arm ; sie war todlen blaß. Er hingegen war ganz aufge regt und voll EZefchäftigkcit. Im Moment des Eintretens in den Wartesaal forderte ein Beamter die Billete ab; Paolo zeigt das seinige vor. aber das arme Mädchen hatte keines. Dort drückten sie sich also in der Eile die Hände vor einer Unzahl von Leutm, die sich hineindrängten, und dem Be amten, der das Billet abstempelte. Sie war gerade neben dem Eingang stehen geblieben, ihren Regenschirm zwischen den Händen, als erwarte sie noch Jemanden blickte da und dort hin auf die großen, an die Waijd g klebten Kundmachungen und die Rei senden, welche von der Billcttenkasse in den Wart:saal gingen, begleitete sie mit demselben verstörten Biick in den Saal hinein und kehrte sich dann wie der zu den Anderen, welche ankamen. Endlich, nach zehn Minuten, läutete die Glocke und hörte man das Pfeifen der Maschine. Das Mädchen preßte heftig ihren Regenschirm zusammen und ging langfäm, langsam, etwas wankend von danncn. Außerhalb des Bahnhofes feie sie sich auf eine Siein dank. Lebe wobl! Du. der Du dakinnek.
Du, mit dem mein Herz gelebt! Lebe wohl! Du, der Du vor ihm gegangen bist! Lebe wohl! Du, der Du 'aach ihm kommen und gehen wirst, wie er gcgangen ist! Armes Mädchen! Und- Tu, armer, großer Künstler der Bierstube, schleppe 'auch Du Deine Kette; geh. um Dich besser zu kleiden und alle Tage ZU schmausen: geh, um Deine einstigen Träume zwischen dem Rauch der Pfeifen und dem Gin" in Rausch zu wiegen,, in ferne Länder. wo Dich Niemand kennt und Niemand Dir wohl will; geh' und vergiß die Prinzessin" zwischen den anderen Prinzessinnen dort, wenn die an der Thüre dcs Eases eingesammelten Gelder das melancholische Bild des dort in jenem traurigen Wartesaal ausgetauscht ten Lebewohls rerwischt haben werden. Und dann, wenn Tu zurückkehrst, nicht mehr jung.' nicht arm, nicht thöricht, nicht Visionär wie damals, und Du begegnest der Prinzessin", so sprich ihr nicht von der schönen vergangenen Zeit, von jenem Lachen, von jenen Thränen, denn auch.sie ist dick geworden, kleidet sich nicht mehr auf Borg und würde Dich nicht mehr verstehen. Und das ist zuweilen noch trauriger! Bauernlogik. Zu einem beliebten Arzt, der gerade :i einem, wohlbestellten Abendessen im Freundeskreise seinenGeburtstag feierte, kam ein Bauer aus einem entfernt ge lcgenen Torfe und bat flehentlich, der Herr Doctor möge ihm doch ein Recept für sein krankes Weid schreiben. Nun" fragte der Arzt was fehlt ihr denn?" Da sing der Bauer an, ulFstandlich alle Symptome der Krankheit seiner grau berzuzählen; die Schilderung war aber doch so ungenügend und die ange rührten Erscheinungen so bedenklicher )!atur, daß der Arzt zuletzt verdrießlich rief: Ja, da kann ich hier wenig hel fen! Ich muß mir schon Euer Weib bei &uch zu Hause ansehen und zwar, weil die ache' gefährlich scheint, sofort! abt.Jhr Euern Wagen .)" Frci!i',.Herr Doctor, er steht vorm Haus!" Der Arzt verabschiedete sich rasch von seinen Gästen, und bat sie, bis er wie dcrkäme, vergnügt, beisammen zu bleiben; dann fuhr er. mit dem Bauern fort, indessen. die Zurückgebliebenen die fatale Störung bedauerten und seiner Opferwilligkeit Bewunderung zollten. Nach mehr, als einstündiger Fahrt unter beständigem Regm und Sturm kam der Totor halb gerädert und bis auf die Haut durchnäßt vor den Hof des Bauern. Nun", rief er vom Wagen steigend, wo ist jet Euer Weib?" Da hockt s' ja drob'n!" entgegnet ztz Bauer. Nannt, glei' steig adi!" Wie!" rief der Arzt entsekt und ge wahrte jetzt erst ein5 völlig vermummte Äeüalt auf dem Bock .das it teuer Weib?Ja, freüi'!" antorie!e der Bauer. Hab' ' a mitg.'nomma, um Jhna den Weg zu, spar'!Ja,, aber!" ruft der Do.'tor wü tbend. warum habt Ihr mir denn öas nicht gleich gesagt?" Ja. mei'! entgegnete der Bauer und krat sich hinter'm Ohr. Sie had'n ja -doch 'vor alle.Leut' gesagt. Sie wollen mei' Alle bei mir z" frius. jehenl" Höchste Zerstreutheit Frau: Denke Dir nur. Mann, ebi :rsahre ich, daß sich Herr Professor Schnupf erhängt habe." Men: Was? gestern habe ich ihn ja erst ge sprachen, da sagte er mir noch, das Dichten wolle er t$i an den Nagel hängen gewiß hat er in seiser be kannten Zestreutheit statt seiner Dich, terei sich selbst an den Nagel gehangt. - Vereinfachung. Sie. Kellner, schreiben Sie meine Zeche rnchfc mehr alle Tage aus ich bleibe sie jeKb im Abonnement schuldig ! Wahrend Manche da 5 ibnen von Anderen erwiesene Gute nur, zu schnell vttgclfen vergessen sie das. Anderen erwiesene Gute nie.
