Indiana Tribüne, Volume 16, Number 214, Indianapolis, Marion County, 23 April 1893 — Page 6

Für unsere Frauen.

$n unt rer eigenen SSrut Ja ok nirgend fließt D.e CiieH wadrer Lu?, LZ i, land. Wo bleibt das Glück? Je länger unser Leben währt, je mehr Kummer. Leid und Mühen. Ent Täuschungen und Erfahrungen es uns schon gebracht, desto berechtigter erscheint uns die Frage an das Schicksal. .Wo bleibt nun das .Glück?" Tie Antwort darauf ist nicht leicht zu ertheilen und sie bedingt zuerst noch einige egenftagen. Wer hat uns denn Lodn und Glück überhaupt jemals zu versprechen vermocht? Wem durften wir bestimmt glauben, daß jedes Menschenkind Anwartschaft auf Glück hat? 'Niemand anderer war der irreleitende ; UVrfü&rer als wir selbst, unsere eiacne Sehnsucht nach Genuß, Freude und j Erfolg hat das Verlangen nach harrionischer Uebereinstimmung unserer Gefühle mit der Außenwelt hervorgebracht, was wir gewöhnlich Glück zu nennen pflegen. Warum, wenn das irdische Glück hienieden so über allen Zweifel sicher zu erwarten ist, warum mußte man uns gleich den Kindern eine Belohnung, eine Vertröstung in Gestalt ewiger Glückseligkeit für ein besseres Jenseits versprechen? Wäre es nicht viel -wei ser, klüger und rathsamer, anstatt iminer nur sehnsüchtig und ungeduldig einem zukünftigen, möglichen Glüc5 cntgegenzuharrcn und zu seufzen, wir würden versuchen, das Glück in aller nächster Nähe, in jedem gegebenen Au genblick zu erfassen und darin bei imjeren Kindern in die Lehre gehen. Ach W frohe, glückliche, selige Kinderzeit!" rufen wir Alle der entschwundenen Herr lichkeit nach! Und wenn wir sie zurück zaubern könnten, würden wir dann glücklicher sein? Wirevollen es einmal öuf den Versuch ankommen lassen! Wes die Kinder und die Jugend überhaupt so glücklich macht, das ist ihr Tückhaltsloscs Aufgehen im Moment, -sie denken weder an noch sorgen sie für die Zukunft, was ihnen Heute beut, 'das macht sie selig. Sie hüpfen,. singen. lachen und tollen so unvernünftig und doch so unauZfrechlich behaglich und wohlig, freuen sich über die lachende Sonne, das glänzende Steinchen, die frischen Blumen, die süßen Früchte, das schimmernde Wasser, das singende Äägelchen, ein lärmendes Spielzeug, in buntes Bändchen, einen rollenden 25aH über Alles und Nichts. Wenn das kleine Wesen vom Schlaf aufwacht .und die bekannten Züge der lieben Mutter erblickt, dann lächelt cs sie glückstrahlend an und streckt ihr die Aermchen zärtlich entgegen. Wo finden -wir alten Kinoer aber das im Leben, ivas uns die liebe Nähe der ernährenden, Mutter, die leuchtenden, glänzenden, frischen, süßen, schimmernden, fingenden, lärmenden, bunten, rollen--den Spielzeuge der Kinder ersetzen und tin wahrhaft frohes, glückliches Leben uf unsere ermüdeten Züge zaudern ckönnte? Auch uns leuchtet dieselbe Kinder Sonne noch freundlich auf unserem Dfad. aber das ist ein gar zu alltägliches Vergnügen geworden, wir emv''.den cs kaum als solches, und merUn erst, wie hell sie wohl früher geschien'ii haben muß. wenn sie unseren blicken bereits entschiIUnden. es trüb selig regnet, stürmt oder schneit. ', So genießen wir auch die freundliche Nähe -unser.?? Lieben nicht, reinen sie kaum zu schützen und zu würdigen, so lange sie uns täglich umgeben, wenn aber Stürme ihr Lebenslicht verdunkelt oder gar auslöscht, dann merken wir erst,! wie bell es damals wohl um uns her ausgesehen haben mag. und wenn das Glück entschwunden, dann strecken wir die Hände sehnend darnach. Auch an manchen glänzenden Stein röen feblt es nicht auf unserem Wege; oder zumeist gehen cix achtlos an ihnen rrüber. und erst wenn der Nachbar, sich zufällig bückt und ein schönes.' n?erthvolles Eremplsr gefunden, dann lugen auch wir aus. aber wir haben eben kein Glück und können kaum einen ähnlichen mehr erspähen. Und was nun die Blumen angeht, so könnten euch wir uns der frischen lachenden Kinder Floras ungetrübt er freuen, ab:r dazu sind wir zu voiloso Pbisch und pessimistisch angehaucht uns fehlt der freudige, gläubige Kindersinn. Wenn die Blume noch to strahlend tii;l)t und duftet, wir blicken sie doch n?.'lz:nüthig an und denken fröstelnd.: wie bald sie verblüht und entblättert zu einem traurigen Schattenbild einstiger Herrlichkeit zsrfällt! So hört das Glück euch aus, ein remcZ. beseligendes zu sein, wo der Gedanke an seine Ver gnglichkeit den schalsten Moment des ''cuui',cs schon vorher angekränkelt innälU und verdüstert hat. Je süßer die Früchte sein mögen, die iv.Z zufällig einmal in den schooB fallen, desto mehr empfinden wir den nagenden Neid gegen Jene, deren Tafel damit täglich im Uederslu besetzt ist, nnd der vielleicht glückliche Genuß zer xinnt vor dem verbitternden Nebengedanken. Und wo bleibt das Glück beim An ilicf des schimmernden Wassers? ' Wie gerne möchten wir ihm unser Lebensschifslein anvertrauen, aber wir glau den der tückisch spiegelnden Oberfläche iichr. wir ahnen, welche verheerenden Stürme, spike Klippen und qefahr dringende Sandbänke hinter der scheinixircn Glätte verborgen sein dürften und 10 blicken Wir abermals sehnsüchtig hinüber nach unerreichbarem, fernem ölück! : . Selbst dem singenden unschuldigen Äöalem können mx nicht Vorurtheils jrci 'lauschen. Je süßer der Lockruf. desto bitterer oft die Enttäuschung, desto, chlupsrlger. steiniger der Voden seines HcimathZwaldes. Alfo auch dort ist das Glück nicht zu eriagen! Und erst die verschiedenen lärmenden Spielzeuge, bunten Bändchen und llende Balle, find scdon aaz nicht im.

Stande, ui's ein dauerndes Glück zu gewähren! Haben wir das (Sine erfaßt, so erscheint uns das Andere be gcbrenswertlzcr. und werfen wir Tiefes übersättigt fort, fo rollt der G'.ücksdall, dem wir eben nachspringen wollten, dem anderen Svielcr in's Fangneti. Wohl strecken auch wir in sehnendem

Verlangen die Hände nach un'ercr er 1 nährende Mutter aus. aber reicht sie uns fuße Milch, so lechzen wir nach prickelndem feurigen Schaumwein, und könnten wir in dessen Strömen selbst das Glücksbednrfniß momentan betäuben, so würde der nächste Morgen uns unglücklicher als je erwecken und wir stöhnend ausrufen: Wo , bleibt das Gluck?" Ja. wir sehen, also auch uns könnte das Glück gerade dort erblühen, wo es die unschuldigen Kinder anlächelt, hier und da. allüberall in greifbarer Nähe! Nur vermag es uns nichts zu nützen. denn uns fehlt der ungetrübte Blick des Kindes, fein ahnungsloser, bescheidener, genügsamer und anspruchsloser Sinn. o lange mir fortfahren zu mißachten. nißgönnen, mißtrauen, zu zweifeln. ürchten. ahnen, erwägen, haltlos chwanken, uns nur nach dem Unerreichbaren sehnen, werden wir inzwischen alt u.nd verbittert, und haben vergebens auf das Glück gehofft und gewartet. Während wir meinten, ihm nachz aoen,' haben wir es vcriaat. während es noch in unserer Hand lag, haben wir cs von der Hand gewiesen, wir haben es vielleicht mit Füßen getreten, während wir ihm nachstürmend zuriefen: Wo bleibt das Glück?" Fast stets ist es da zu finden, wo wir es am seltensten suchen in uns felbst! Kleidermacherei. Die Kleidermacherei ist zu einer Kunst geworden, wie man sich dies noch vor zwanzig Jahren nicht hätte träumen anen. Wenn ich noch daran denke. wie vor dreißig Jahren zehn 7)ards (saico ein Kleid gaben, das aus einem glatten Rock von vier bis fünf Bahnen. eine? glatten oder Bousentaille. an ein Bündchen ae?ckt, bestand! Wer trägt Heuer noch Kattun? Nachdem wir die Reifröcke, die Tournüre, die drapirten Kleider hinter uns haben, so tritt uns ietzt in den glatten unfchembaren Gewändern eine solche rafsinirte Kunst entgegen, daß die Schneiderin ihre ganze Kraft anwenden muß, um mit der (5oncurren,z fortfchreiten zu tönyen. Tie moderne Kleidung ist eine fo kon plizirte, daß man fchon sehr geschickt sein muß, um ein solches Kleid herzu, steifen. Ich hatte unlängst Gelegenheit zu sehen, wie die jetzigen Schneide rinnen zu Werk gehen um ein Per iect Fit" zu erzielen, und dies will ich nelnen freundlichen Leserinnen, fo wett mir dies möglich ist, klar machen. Also, zuerst nimmt die Modistin ein ganz dünnes Futter, wie Glanzperkal, und patzt dieses Futter genau der Fi qur an und zwar so. dag die Nahte nach Außen kommen, so daß man etwaige Veränderungen abstecken kann. Ist das. was zu weit ist, abgesteckt, die Länae der Taille, der ßateau3dmitt. ie Armlöcher richtig und bequem aus geschnitten, so geht e5 an den Aermel, dessen Futter eben so genau passen muzz, wie die Taille; ebenso der Rock. Hat man dies Alles guk gepaßt, so schneidet man von dem Futtcr alles Ueberslüinge ab und trennt die qanze Geschichte aus einander, legt einenTkeil auf den ande ren und schneidet AlleZ egal. Auf diese Weise erhält fnanein Muster, das manfür alle anderen Kleider benutzen kann, Tann schneidet man aus dem Futter. das man benützen will, alle Theile ad, befestigt den Oberston darauf. heftet Alles wieder zusammen und pro bin eS abermals an,wobel man nzchmalS alle Aenderunaen wieder absteckt. Nun werdm die Theile festgenäht, die Näht: auseinander gepreßt, mit Band eingesagt oder mit bunter Seide, nachdem die Nähte egal abgeschnitten und am Taillenabichlufz Einschnitte gemacht sind, überschlnngen, abermals' tüchtig gebügelt, was am Besten an der Kante des Busendrcttes, worauf man die Herrenhemden bügelt, geschieht. Tann wird das Fischbein eingenäht, die Ha ken und Oezcn angenäht die Aermel eingefügt, die Taille befetzt, dem Halsausschnitt der beliebige Kragen aufge setzt und dann das Kleid verziert. In großen Geschäften hat man für jeden Theil des Kleides eine Specialistin eine Zuschneiderin, eine Rockhängerin. eine Aermelverfertigeün. ein Mädchen blos zum Aufheften, eine Verziererin u. s. w.. neben der Haupt lleidermacherin und dem Tamenschnei der. Einen Damenschneider sollte es eigentlich gar nicht geben, denn erstens, sind sie nur für Mantel und Tailur made" Kleider zu gebrauchen und be nützen doch Mädchen zu den -leichteren Arbeiten; zweitens, sollten Frauen schon um ihr Geschlecht zu schützen, bei Frauen arbeiten lassen; und drittens, kann kein Mann in künstterischer Ber zierung. in rasfinirtem Geschmack, in Verständniß für die Trägerin mit einer Frau concurriren. Die tonangebenden Geschäfte hier hatten ; dieses Jahr leine Erössnung (Opening). - Ich habe mir eine Zeit lang den Kopf zerbrochen, was wohl 'die Ursache sei, bis ich von einer mir bekannten Vorsteherin eines solchen Geschäftes auf meine Frage die Antwort erhielt, daß so viele Kleider macherinnen die. ausgestellten Kostüme kopirten und die Damen, die einen hohen Preis für importirte oder auf Bestellung gemachte Kostüme bezahlten. es nicht lieben, wenn sie dasselbe Kleid auf der Straße sehen oder doch mindt ftenS eme gute Kopie. Warum importiren Sie überhau p't der von Europa .?"- frug ich dle.-Tame. Weil manche Damen absolut nichts anderes tragen als was von der, underen Seite der großen Pfütze kommt,? antwortete sie. Aber," sagte ich. die eigenen Schöpfungen der ytczigen Geschäfte ge fielen mir viel besser, wie die importir ten Kleider. Die Amerikanerin bat

doch' so viel Geschmack, sie ist doch, die best gekleidete Frau der Welt, muß sie erst in das alte Land zurückgreifen für Ideen Ist die Amerikanerin so ideenarm?" Es scheint so." sagte die Vorstehe rin zu mir. denn alljährlich geht ein: von uns nach Paris, um neue Ideen zu bekommen." Paris :" rief ich, wissen Sie nicht, daß die Mode in Teutschland'erfunden wird?" Dies mag sein," sagte sie. aber Paris gibt den Namen dafür her." Ja," sagte ich, Paris gibt den'

Namen dafür her, aberTeutschland verrichtet die Arbeit." Dies qestehm sogar amerikanische Zeitungen zu. In Deutschland, sagte unlängst eine amenkarnfche Zeitung, wird die Mode erfunden, in Paris kar rikirt und in Amerika moderirt. Die Jmportationen, die ich in New )ork in den verschiedenen Ausstellungen aefehen. streifen seh? an Karrikaturen; dabei sind die Geschäftsleute im alten Lande nicht reell, denn ich sah dieselben Eostüm.? in drei verschiedenen Häusern in New )ork. Da fagt der europäische Geschäftsmann, er verkaufe nur ihnen und verkauft dasselbe Kostüm Kdem Anderen ebenfalls; natürlich schadet er nur sich felb'r, denn einmal angeführt, genügt gewöhnlich. Ich habe immer die Großherzigkeit der Amerikaner bewundert und mich gefreut, daß die kleinliche Mißgunst und der Neid ihr fo ganz fehlt und icr.t fängt sie auch an und spricht von Eigenthumsrecht. Ist dies nicht komisch? Uebnaens ist dies ein großes Kompliment für die hiesiger Kleiderkünstlermnen und auch für Amateurs, daß sie so gut kopi ren können, daß die tonangebenden Kleidermach.'rinnen ihre Produktionen nicht mehr ausstellen. A propos, unter den Amateur giebt es auch ganz anständige Kräfte, die Alles imit'iren können, was sie einmal aesehen, und diese Amateurs sind in allen Kreisen zu finden. .So sollen die Königin von Portugal und Mrs. Elevcland ihre eigenen Hüte machen, ebenso die Prince sof Wales. Na", sagte ein Herr meiner Bekanntschast, von der Princess pf Wales glaube ich es, denn ihr Herr Gemahl braucht fo viel Geld für sich selber, daß seine arme Frau sparen muß". Tiefe Theorie wirft aber lem schö nes Licht auf Sie", antwortete ich ihm. denn wie mir bekannt ist, macht Ihre Frau auch beinahe alles selbst!" Ja, m der Selbstsabrikation ist die Amerikanerin, oder die Adoptivamerikanerin, groß, es liegt dies an dem furchtbaren Arbeitslohn, der hier be zahlt werden muß. In Europa kann man Alles viel billiger gemacht bekomm men, daher werden die hiesigen Damen erfinderisch, denn Noth lehrt beten. Manche freilich sind zur Kleidermache rin geboren und zwar aus den ärmsten Verhältninett; die Triebfeder ist aber die Putzsucht und reiche Damen sind oft auf der Jagd nach solch einem Mädchen, das, ohne je das Kleiderma chen erlernt zu haben, solchen Geschmack, solche Geschicklichteit entwickelt, daß die Dame sie sofort zu ihrer Kleider- und Putzmacherin ausbildet. Die Dame trügt dann Kostüme, die den Neid ihrer Freundinnen und die Bewunderung ihrer Mitschwestern erregen. Aber kaum hat sie nch dieses Unlverfalgenie ausgebildet, so kommt eine gute Freun din und schnappt ihr dieses Weltwunder weg. Ja, die Kunst, sich zu kleiden, macht heuer viele Sorgen. Früher machte die Kleidung uns 'spaß und Vergnügen, jetzt ist es eine Last und eine Mühe, die mancher Frau ihr ganzes Leben verbittert. Der Lurus, die Genuv sucht, die Prunksucht ist auf einer sol chen Höhe wiezu LouiS -XVI. Zeiten wir taumeln an einem Abgrund da hin. die Welt wird immer ansvruchS voller, die Ausschweifung, die Genußsucht, die Schwelgerei und Ueppigkeit nimmt übtrhand. Ob wir auch nicht so jäh erwachen wie unfere Vorsahren am Ende deS achtzehnten Jahrhunderts ? Ein Sittenbild aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Den zu Hofe geladenen Kaiserlichen Offizieren mußte 1624 eme Belehrung mttge theilt werden, wie sie sich bei Tische zu benehmen hätten. Diese besagte u. A.: Man soll am Tische nicht den Gürtel vom Bauch schnallen, nicht mit dem Finger in Senf. Salz und in die Schüssel stoßen, sondern die Speisen, die man aus der Schüssel holt, mit einem Löffel oder einer Brodkruste an fassen, die man vorher mit der Hand und nicht mit dem Munde zugespitzt hat. Niemand soll aus der Schüssel trinken, nicht abbeißen und wieder in die Schüffcl legen, nicht zwei sollen einen Löffel gebrauchen, beim Schneiden soll man nicht die Finger auf die Klinge legen, man soll nicht trinken und sprechen, devor man die Speisen hinabeeschluckt hat, nicht schmatzen und rülpien, sich nicht in das Tischtuch schneuzen, nicht über den 'Tisch legen. nicht krumm sitzen und sich nicht auf die Ellbogen stützen. Man soll beim Effen gegen feinen Gemäßen" billig sein und ihm nicht seinen Antheil wegessen. endlich die Zähne nicht mit dem Messer stochern. Scharf beobachtet. Du. schau', das sind Neuvermählte!" Woran erkennst Tu denn das?" Weil er ihr immer auf's Kleid tritt!" Da? kann doch später auch noch passiren! O nein, da gibt er schon Obacht, wenn er einmal weiß, was die Kleider kosten!" Motivirun g. Ein wenig beliebter Sänger bittet seinen Direktor um GageErhöhung. Was erhöhte Gage wollen Sie?" .fährt der Direktor auf Sie werden ja immer auSge lacht!" Eben darum,? erwidert der Sänger, glauben SietwaS. es ist an genehm,' sich immer auslachen lassen zu munenk!"

New JorkS Spttidubengalerle. Um die öffentliche Sicherheit des Lan

dcS wäre es wahrlich recht übel bestellt,, wenn New York nicht seine Spitzbubengalerie hätte. .Es steht nun einmal fest, daß jeder Verbrecher von Nuf und Ehrgeiz, mag er nun in irgend einem' Theile des Landes leben, sein Heil schließlich in der Metropole am Hudson versucht. Hier findet er stet Genossen, welche ihm. in feinen lichtscheuen Thaten mit gutem Rath be-' hilflich sind: hier findet er die meiste und gewinnbringendste Gelegenheit zum Verbrechen, und -hier' endlich kann er' auch die Früchte seiner verbrecherischen, Thätigkeit am besten und' auf Vortheil: hafteste Art an den Mann bringen.. Es scheint, als ob die Behauptung, daß New )ort ein Eldorado der Verbrecher, weit bilde, ein .sehr schlechtes Eompliment für die doch allseitig gerühmte Eriminalpolizei der Weltstadt fei. Dem ist aber keineswegs so. Der Polizei ist, es selbstverständlich nicht erlaubt, einen Verbrecher, solange ihm nichts bewiesen ist, zu verhaften oder ihn auszuweisen Wenigstens letztere Errungenschaft der deutschen Polizei hat auf amerika nischem Boden noch nicht Wurzel ge faiLt. Ebensowenig kann die Polizei, Zusammenkünfte von Verbrechern oder, das Schmieden von Eomplottcn zur' gemeinschaftlichen Ausführung von sogen. Bandenverbrcchen verhüten. Aber einen großen Nutzen hat das Beisammensein so vieler verbrecherischer Elemente auf vcrhältnißmäßig kleinem Raum und unter den Argusaügen cincr vachjamen Polizei. Man kennt mn' verdächtigen oder bereits bestraften Eha-' rakter ganz genau. Und das will sehr' viel sagen. ' Der wirklich gefährliche Verbrecher ist Gewohnheitsverbrechers er kann es ebensow.'nig lassen, wie die Katze das Mausen. Er verschmäht den? sicheren und ruhigen Erwerb, selbst: wenn er reichlich Gelegenheit dazu hat.'; Und ist er noch fo oft bestraft er kehrt. doch, von einer unsichtbaren Macht ge-' trieben, zu der dunklen Bahn zurück und in die Kreiie seiner alten Genossen. Ntt f ; 5 ll. Jnk Sheppard. Diese Geschworenen Feinde der mensch. lichcn Gesellschaft bilden die immerwäh rcnde Gefahr derselben. Vor ihnen vor allen Dingen muß die Sicherheit Polizei den . ruhigen Bürger schützen.: Neben ihnen finkt der Verbrecher durch Gelegenheit, oder aus Noth, zu einer völlig unbedeutenden Größe herab, die man in der Eriminalstatistik ohne be' deutende Fehler zu machen, ganz gut übergehen darf. Aus dem gewerbsmä ßigen Verbrechertum ergänzt sich das Heer der Feinde der Gesellschaft immer, wieder von Neuem; sie bilden die Hoch schulen des Lasters. Mit ihnen arbeiten Vagadundenthum und Prostitution, in würdigem Verein an der beständigen Ergänzung des Verbrecherthums. Da, Heer wächst. Mit zunehmendem Wohlstand, mit dem Größerwerden der Kluft. zwischen den arbeitenden Klassen und den Besitzenden mehren sich die schlechten' Leidenschaften und döfen Begierden.' Ueber die neulich von einem englischen Philanthropen aufgestellte Behauptung.' daß in London eine ersichtliche Abnahme, der Verbrechen ersichtlich sei. kann ein so praktischer Mann, wie Erimmal: Jnsp.-cter Bynes in New York, nur mitleidig lächeln. Das Verbrechen abnehmen in dem alten Sündenpsuhl, dev uns die gefährlichsten und gewiegtesten Verbrecher alljährlich in stets steigender Zahl herüberfendet? Das mag man' einem Anderen weißmachcn als demj Ehef der New Vorker Eriminalpolizei. 7h?ma5 O'Brien. Doch welches Mittel hat die New Yorker Polizei an der Hand, um die Verbrecher, die ihr sozusagen ganz von selbst in die Hände laufen, bei späteren Gelegenheiten wieder zu erkennen? Je der weiß es: Das Institut der Spitzdubeng. l rie ermöglicht es. Gerade in Amerika ist diefckbe wichtiger, als mirgend einem anderen Lande. Bei un seien Gerichien besteht ein sehr wenig ausgebildeies System der Verbrechens controlle. - Man geht eben von dem Grundsatze auZ. daß eS nicht Sache des Richters ist dem Verbrecher nachzuweisen, daß e, ein schon mehrfach bestraftes Subject sei. sondern Sache deZ önent' lichcn Anklägers. Da aber bei us die Acien uoer einen ervrecyer fedr iummansch geführt werden und wege des

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schlechten RegistersystcmZ gerade dann, wenn man sie am meisten gebraucht, nie zu finden sind, so würde wohl man cher ergraute Sünder mit einem schneeweißen Unschuldsrecord trotz seiner unzähligen Vorbestrafungen herumlaufen wenn eben die Polizei nicht wäre. Jhv Verbrcchergallcrie gibt nicht nur ein getreues Konterfei des Verbrechers, sondern gibt auch auf der Rückseite des Bildes eine kurze aber erschöpfende Charakteristik seiner bisherigen Lauf bahn auf dem abschüssigen Pfade des Verbrechens und eine genaue Angabe seiner Vorbi.strafungen.

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Charles Williams. Weracbens sucken sicb die Gefanaenen. wenn sie vor das gefürchtete photographische Instrument gestellt werden, auf alle mögliche Weise einer Aufnahme zu entziehen ; sie schneiden die fürchterlichsten Grimassen, sie bewegen den Kopf hin und her. bis sie endlich ein ener gischer Griff des Wärters zwingt, wenigstens still zu halten. Sie zu . I . Ss 3 K!(i(i(.(j(in.in 4f IttT jiuillgcil, Du? vjciiuyiciiyuiiuiti 5" ierlasfen, steht allerdings., nicht in der Macht des Beamten ; cs'ist aber auch gar nicht so wesentlich, wie der Gefangcne vielleicht zu glauben scheint, seine .4 r? , i . : o..ri.v, v k. t Z)cficyISZUge im Juuunoe ucr uuiuum mcncn Ruhe zu firircn. Denn diejenigen Züge, auf welche es zum Zwecke der späteren Feststellung feiner Perfönlichkeit am meisten ankommt, kann er . jl i t t:: i : ju iTnX iiIUU)l luiuiuiliu uuuuuiiu. uuu Ullwillkürlich. wenn der Verbrecher glaubt, cr habe eine so gelungene Grimasse geschnitten, daß seine eigene Mutter ihn auf dem scheußlich verzerrten Bilde nimmer erkennen würde, erhält sein Gesicht gerade den Ausdruck der schlimmsten Leidenschaft, an welchem ihn der Zeuge, der ihn in solchen Momenten geschaut, mit größtdr Leichtigkeit wie dererkennt. Busch McCarthy. sK? stA einmal unseren kleinen Auszug aus dem Verbrecheralbum der Metropole einmal genauer a.n! Da ist Jack Sheppard. mit semem eigentlichen Familiennamen James MahaneL geheißen, einer der berüchtigsten Elnbre cher des Landes; er wurde während feiner Opiumnarkose im Krankenhause photographirt. Man sehe sich die wild verzerrten Zuge des Bunco fteerer" Toln O'Brien an würde nicht ieder dieses Gesicht wiedererkennen, viel eher. als wenn der Verbrecher iacyeino und. als Duoe gekleidet sein Opfer in's Garn lockt Maggie Morton. Zu demselben Geschäft" schwört auch Muggie Morton, welche durch ihre Liebenswürdigkeit und -gewinnenden Manieren der Polizei als eine der gesäbrlichsien Schlepperinnen wohl de kann! ist. Oscar Decker. Mit gesenktem .Kopfe und sinsterem Eesichtsausdruck sehen wir dort einen der geschicktrsten Geldschrankerbrecher des Land-S, Oscar Decker. Der Mann ist

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ein gelernter und außerordentlich ge-

schickte? Kumtschlosser. der mit Leichtigkeit in jeder Maschinenfabrik reichlich bezahlte Stellung finden könnte. Der unbezwinaliche H'ana ZiNn Verbrechen hält ihn aber auf der Bahn des Lasters fest. Der ebrwürdiae Greis, der sich mit aller Gewalt gegen die Procedur, welche feine tfuge ocm nerorecheraioum für immer einverleiben soll, sträubt. Busch McEarthy, ist ein außerordentlich ver schmltzter Dieb und Betrüger, welcher der Polizei trotz der größten Anstren gungen immer wieder durch die Lappen zu entwischen wußte. Wt?W SNTvJiV. UIUJ .1 w,jt.r JameZ Lawson, Bauernfanger. Zur Weltausstellung, welcher die Gauner aller Länder mit Sehnsucht entgegensehen, und bei welcher Gelegen heit wir aller Wahrscheinlichkeit nach durch eine wahre Fluth von Taschendieden. Bauernfängern.Falschspiclern und Abenteurern aller Art beglückt werden sollen, wird die New Yorker Polizei im Verein mit der Geheim5olizei des Bundes die je wird auf demAusstcllungs terrain den Geheimdienst ausüben besondere Anstrengungen machen, um diesen verdächtigen Gesellen gleich bei ihrer Ankunft einen warmen Empfang zu bereiten und sie noch vor der Lan dung nach ihrem Hcimathlande zurktck zuspcdircn. Auch ein Compliment. VT M nW Ihnen auf dem Eise zu fallen, mein gnädiges Fräulein, ist immer noch schöner, als im Himmel allein zu stehen!" Ausgerechnet. Frau seines Emporkömmlings, der in der Oper eingeschlafen, zu ihrer Tochter): Laß'n Vater schlafen, was schadet's, wenn cr für 2 Mark 50 Pfennig verschläft!" Aller Anfang ist schwer. Bemoostes Haupt: Du, heut' hab' ich endlich mal im corpus juris gear beitet!So, und wie weit bist Tu denn gekommen?" 1 Bemoostes Haupt: Bis zur zwölften Seit' beim Aufschneiden!" Aus der Schule. Lehrer: WaS versteht Du unter Kopfarbeit? Schüler: Wenn ein Mann mit seinem Kopfe arbeitet! Lehrer: Das ist nch tig: und was ist denn Handarbeit? Schüler: Wenn ein Mann mit seinen Händen arbeitet! Lehrer: Gut, zu welcher Klasse zählst Du mich denn, wenn ich Dich unterrichte. Was benutze ich denn am meisten, wenn ich Dir Stunde gebe? Schüler: Ten Rohr Lock! Beim Spazier g an ge. Der kleine Karl: Tante, wie nennt man dort die Laube?" Tan4e: Eine Geißdlattlaube ?" Kl: Wie? Beißglattdaube Nein! Laubdlattgeige Nein! Leibblattlaube Nein! Blattlausgeige Nein ! Blattgeißlaube Nein! Geißblattlaube.-.

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Seutsche Gasthäuser in alter Zeit. Ueber die deutschen Gasthäuser im sechzehnten Jahrhundert trügt der neuerschienene 7. Band der Bibliothek des HumorS" mancherlei Unterhaltendes zusammen. Eine der zuverlässigsten und zugleich launigsten Schilderungen stammt aus der Fcder des großen Gelehrten Erasmus von Rottcrdam, der sick über das deutsche Wirthsbaus seiner Zeit so ausläßt: Bei der

Ankunft grüßt Niemand, damit cs nicht scheine, als ob sie viel nach Gästen fragten; denn sie halten cs für schmut zig und niederträchtig und des deutschcn Ernstes unwürdig. Nachdem du lange geschrien 'hast, steckt endlich Einer den Kopf durch das kleine Fenfterchen der geheizten Stube heraus, gleich einer aus ibrem Hause hervorschauenden Schildlröte. Diesen Herausschauenden muß inan nun fragen, ob man hier einkehren könne. Schlägt er es nicht ab, fo ersiehst du daraus, daß du Play haben kannst. Tie Frage nach dem Stall wird mik einer Handbewegung beantwortet. Dort kannst du nach Belieben dein Pferd nach deiner Weife behandeln, denn kein Diener legt eine Hand an. Ist es ein berühmteres Gasthaus, so zeigt dir ein Knecht den Stall. Wenn du etwas tadelst oder irgend eine Aus stellung hast, so hörst' du gleich die Rede: Ist dir cs nicht recht, so suche dir ein anderes Gasthaus." Heu wird in-den Städten ungern und sparsam gereicht und fast ebenso theuer wie der Hafer felbst verkauft, Ist das Pscrd besorgt, fo begibst du dich, wie du bist, in die Stube, mit Stiefen, Gepäck und Schmutz. In dieser allen Gästen gemeinfamcn Stube ziehst du die Stiesel aus. ziehst bequeme Schuhe an und kannst auch das Hemd wechseln. Die vom Regen durchnäßten Kleider hängst du am Ofen auf und stellst dich, um dich'zu trocknen, selbst an ihn. Kommst du um vier Uhr Nachmittags an, so wirst du doch nicht vor neun Uhr speisen, nicht Zelten erst um zehn Uhr. denn es wird nicht eher aufgetragen, als bis sich Alle eingesunken haben, damit auch Allen dieselbe Bedienung zu Theil werde. So kommen in demselben geheizten Raum häusig achtzig oder neunzig Gäste zusammen. Zußrcisende, Neiter.'Kaufleute. Schiffer, Fuhrleute, Bauern, Knaben, Weibct, Gefundc und Kranke. Hier kämmt der Eine sich das Haupthaar, dort wischt sich ein Anderer den Schweiß ab, wieder ein Anderer reinigt sich seine Schuhe oder Reiterstiefe'l, Jenem stößt der Knoblauch auf. Wenn es schon spät am Abend ist, und keine Ankömmlinge mehr zu hoffen sind, tritt ein alter Diener xnit grauem Bart, geschornem Haupthaar, grämlicher Mie.e und schmutzigem Gewände herein, läßt seinen Blick still zählend nach der Zahl der Anwesenden umhergehen und den Ofen' desto stärker heizen, je mehr er gegenwärtig sieht. Dann geht er ab. kommt aber bald wieder und legt auf so vielen Tischen, als er für die Zahl der Gäste hinreichend glaubt, die Tischtücher auf. grob wie Segeltuch ; für jeden Tisch bestimmt er mindestens acht Gäste. Bald kommen mit großem Geprange die Schüsseln. Tie erste bietet fast immer Brotstückchen mit Fleischbrühe oder, ist cs ein Fast- oder Fischtag. mit Brühe von Gemüsen übergössen. Dann folgt eine andere Brühe, hierauf etwas von aufgewärmten Fischarten over Pökelfleisch oder nisch. Wie der eine Mu-art, hierauf festere Speise bis dem wohlgczahmten Magen gebra tenes Fleisch ooer Fische von nicht zu verachtendem Geschmack vorgesetzt werden. Aber hier sind sie sparsam und tragen sie schnell wieder ab. Am Tische muß man bis zur vorgeschriebenen Zeit sitzen bleiben, und diefe glaube ich, wird nach der Wasseruhr gemesien. Es ist unglaublich, welches Lärmen und Schreien sich erhebt, wenn die Köpfe vom Trinken warm werden; Keiner versteht den Andern. Ist endlich der Käse abgetragen, der ihnen nur schmack haft erscheint, wenn er stinkt oder von Würmern wimmelt, so tritt jener Bartige aus mit der Speisetafel in der Hand, auf die er mit Kreide einige Kreise oder Halbkreise gezeichnet hat. Diese legt er auf den Tifch hin, still und trüben Gesichts wie Eharon. Tie das Geschreibe kennen, legen, und zwar einer nach dem Andern, ihr Geld darauf, bis die Tafel voll ist. Sann merkt er sich Diejenigen, die gezahlt ha den, und rechnet im Stillen nach, fehlt nicbts an der Summe, so nickt er mit d.m Kopfe. Wünscht ein von der Reise ermüdeter gleich nachdem Essen zu Bett zu gehen, so heißt es, er solle warten, bis die Uebrigen sich niederlegen. König Ludwig XV. von Frankreich fühlte sich einst sehr unwohl, weigerte sich aber, die von seinem Leibarzt verordnete Medizin zu nehmen. Majestät," rief dieser ärgerlich, ich besch'e es!" Starr vor Erstaunen fah der .König ihn an. Was unterstehen Sie sich." rief. er. wie. können Sie e5 wagen, mir befehlrn zu wollen' Ich befehle." sagte der Leibarzt ruhig, damit Eure Majestät uns noch länger befehlen mögen." Und ohne noch, ein Vor: zu -sagen, nahm der König die Arznei. KindlicheLogik. Gouver nante: 'ieh', mein Kind, die Ami podcn sind unsere Gegenfüßler, denn ie geben jedesmal erst schlafen, wenn wir. schon aufstehend Die kleine Emma: Nicht wahr. Fräulein, da ist dann mein Bruder Fri$, der Student, auch ein Gegenfüßler?!" ' Renommage.' '... Ja. meine Gnädige, unser Geschlecht ift uralt, vorsündfluthlich!" .Das ist doch' wohl ein wenig übertrieben! Ich habe niemals gehört, daß auch ein Herr von Drachenzshn Zuflucht in der Arche Noah gefunden hätte!" Natürlich nicht, meine Gnädige! Ein von Drachenzahu hatte eben sein eigenes Boot!"