Indiana Tribüne, Volume 16, Number 214, Indianapolis, Marion County, 23 April 1893 — Page 3
Aus vtt(tng,tntn Sagen.
in Novelle vsn Carl GS. Klopser. (2. Fortsetzung.) Sapperlot!" rief Stellerich auf springend. Diese angenehme Aussicht könnte mich nur noch hartnäckiger ma 2)cn, denn in solcher Gefahr liegt doch wirklich ein pikanter Reiz. Aber Du Hast Recht, Gabriele steht zu hoch, um sie zum Gegenstand eines leichtfertigen Abenteuers zu machen. Wenn ich vorgestern, als ich . m'ch bei ihrem Pflegevater cinschmuggeue, vielleicht noch sträfliche Absichten 'hegte, so kann iä) Dir schwören, daß ich, als ich das -Haus verließ, gründlich bekehrt war. Ja, wiege nur Dein zweifelndes Lö Zvenhaupt! Ich bin in den beiden Nachitn mit mir ernstlich zu Rathe gegangen und zu der Entdeckung gekommen, daß -ich bis znr Stunde tro allem und allem noch nicht gewußt habe, was wahre, echte Liede ist. Siehst Du, alle die Dummheiten, die ich bisher so zum Zeitvertreib in Scene fetzie, das sind wie soll ich nur sagen das sind lauter knabenhafte Gelegenhcitsdichtungen gewcsen; mein Gefühl für Gabriele aber ist reine, himmlische Poesie. Da bast Tu den Unterschied, der mir so plötzlich klar geworden ist, daß ich seit den letzten achtundvierzig Stunden ein ganz cnderer und ich darf wohl sagen: ein besserer Mensch geworden bin!" Das heißt also. Du hast ehrenhafte Absichten auf das Mädchens fragte Aoland nach kurzem Schwaigen. Mein Wt darauf!" ' Und vermuthest Tu, daß sie Deine Neigung erwidert?" Ich hoste es. Sie war vorgestern Nachmittag so lieb und reizend zu mir und übrigens bin ich mir jent auch so innig bewußt, sie glücklich machen zu kennen) daß ich es wohl wagen darf.um sie zu werben." Schön," cntgcgnete Roland trocken. .Aber gib acht,' od Du Dich nicht mit Teiner gewöhnlichen jugendlichcnRaschheit getäuscht hast; Gabriele ist ein ganz eigenartiges Geschöpf. In ihrer Ünrerd'orbenhe'lt und Unersahrcnheit ist sie noch weit mehr Kind geblieben, als es ihren Jahren nach eigentlich gerechtfertigt wäre. Sie ist das Kind eines nervenkranken Vaters sie ist' ungemein empfänglich für jede äußeren Eindruck und sann bei oberflächlicher Beobachtung leicht für bizarr, für unberechenbar gelten. Ich glaube immer, daß sie scheu und verschlossen werden müßte vo.l dem Moment an. wo Liebe an sie heranträte. Eine sensible Natur wie die ihre empfindet die Macht dieses geheimniß, ollen wie einen erschütternden Schlag." , Nun. kann sein, daß die zarte Blume Wunderhold noch nicht Wurzel geschlagen Hai in ihrem Herzen. Ader ich will es nicht daran fehlen laen.den Boden hierzu urbar zu machen. Die Gewalt meiner Glutb wird auch sie in Brand setzen, das hoffe ich im Betrauen auf die Größe meiner Liebe." Das klingt ja Alles recht hübsch, mein Lieber, aber ich stehe Deinem ra fcheh Auflodern doch sehr skeptisch gegenüber. Tu kennst das Mädchen ja taum." Schon der Umstand, öafc Professor i Roland für sie eintritt, ließe auf den Wenh Gabrielens schließen," entgeg ne e Bruno lächelnd. Uederdies liegt ihr Wesen klar und einfach da wie alle wahrhaft Schöne. Wer diese Natur nicht vom ersten Augenblick an -vergeht, der wird's in Ewigkeit nicht lernen. Gottlob, daß mir auf dem Grund meines Herzens genug unverkünsteltes Empfinden geblieben i.st, daß ich mir sagen darf, du kannst dir diesen reinen Engel noa, verdienen." solltest Tu den Namen eines Engels nicht schon öfter an anderen Orlen und mit demselben Brustton der Ueberzeugung angewandt haben?" lirnyiii" fuhr der andere auf, setzte aber nach kurzem Besinnen mit mitleidlgem Lächeln hinzu: Aber ich kann Dir, dem Stoiker, diese Skepsis nicht übel nehmen. Ich darf auch wrh! noch nicht verlangen, daß man meinen bloßen Bersich'crungen in dieser Sache Glauben schenkt." Mein Gott, ich glaube ja, daß eS Dir mit Deinen Borjätzcn und Deiner Liede jcjjt wirklich ernst ist, aber Tu kennst Dich selbst nicht.gan;. Am Ende bängst Tu doch zu sehr an den Tradit'.oncn Deiner guten Herkunft, um Dich über alle Borurtheile hinwegzu. ser.cn." 'Äas willst Tu damit sagen?" Daß Tu eben viel zu rasch inS Zeug gehst. Hast Tu denn auch die Möglichkeit erwogen, daß Gabriele von Verhältnissen abhängig ist. die Deinen Erwartungen nicht ganz entsprechen dürsten? Hast Tu Tich nach ihrer fia uüiie erkundigt und nach alk' den viel' fachen Details, die ein wohlerzogencr junger Mann aus gutem Hause lei einem so schwerwiegenden Entschlug stets in Berechnung zu ziehen pflegt?" Du spottest meiner. Tas . könnte -ich ruhig hinnehmen; aber in Teiner Rede liegt auch so etwas, das fast wie ine Verdächtigung Gabrielens aussteht. Tarüber erbitte ich mir eine nähere Erilärung." Tie ist sehr kategorisch gegeben. Äoer Tu bist mein Freund, und als solchem will ich Dir die Bedenken mit theilen, die ich sonst wohl verschwiegen kzätte. Sage mir, hast Du schon einmal den Namen Ägnes Ottenstein gehört?" Agnes Ottenstein? Das ist. so viel iq weiß, eine berühmte Schauspielerin. die auf so vielen großen Bühnen gastirt,' Aber wie kolnmst Tu " Eine berühmte Tragödin. viztn Heriönlicher Auf leider nicht der alleröestc 'ist." sagte Roland sehr ernst. .Nun diese Dame ist Gabrielen Mut-Ux."-Was? Wie ist denn das möglich? Tu sagtest doch " - .Altenstein ist nur der Künstlername
eteser Frau. Sie war cinlt an einen Herrn v Wilberg vcrheirathet, ehe sie zum Theater ging. Gabriele ist die Frucht aus dieser Ehe." Na also!" athmete Stellerich erleichtert auf. Außeroem würde ich mich auch nicht erschüttern haben lassen, wenn ach, lassen wir das! Was den Ruf ihrer Mutter anbelangt, so sehe ich mich darüber hinweg. Gabriele ist unberührt davon, dafür stehe ich ein! Du hast mir selbst mitgetheilt, daß sie von jeher so verlassen war, wie eine Waise. Ich danke Madame Ottenstein für die Außerachtlassung ihrer Mutterpflichten, denn so kann ich wohl annehmen, daß sie auf den ferneren Lebensweg ihrer Tochter keinen Einstoß nehmen wird. Und nach dem Urtheil der Welt habe ich Gott Lob! nicht zu fragen; ich bin vermögend und unabhängig genug, um mir. wo es mir beliebt, mein West bauen zu können." Roland preßte die Lippen zusammen und ging mit großen Schritten in dem Atelier auf und nieder. In seinem Innern schien etwas Ungewöhnliches vorzugehen. Bruno betrachtete ihn mit immer zunehmendem Erstaunen. Hast Tu vielleicht sonst noch etwas gegen Gabriele vorzubringen?" fragte er nach einer Pause mit eigenthümlich nachdrücklicher Betonung. Ich könnte Dich noch auf mancher lei aufmerksam machen." entgegnete der Aeltere schroff, aber ich sehe. Du bist einmal in Deine eigensinnige Laune zu sehr verbisien, um den Worten eines wohlmeinenden Freundes zugänglich zu sein. Nur eines will ich Dir noch bcmerken: Gabriele ist, wie ich wiederhole, das Kind eines kranken Batcrs und einer nicht ganz tadellosen Mutter. Gabriele ist schwach, hysterisch und ich fürchte, ein Natiucli wie das Deine paßt nicht recht " Bruno unterbrach ihn mit einem höhnischen Auflachen. Gieb Dir keine Mühe, mein Alter! Du schreckst mich nicht, magst Du Dich auch wenden wie Tu willst! Weißt Du aber, auf welche Vermuthung Du mich mit Deinen sogenannten wohlgemeinten Nathschlägen gebracht hastt" Ich bin begierig .. .." Bruno trat dicht an Roland heran, legte ihm die Hand auf die breite Schnlter und flüsterte ihm mit funkeln dem Blick in's Ohr: Daß Du Dein? kleine Schülerin nicht weniger liebst als ich und daß Du bis zum Wahnsinn auf mich eifersüchtig bist, lieber Freund!" Roland schüttelte die Hand des jungen Mannes mit einer brutalen Bemegung ab. Er war merklich bleicher geworden. Seine Stimme klang rauh und heiser, als er erwiderte: . Tu Du bist ein Narr!" Und Kinder und Narren sagen oie Wahrheit!" Glaubst Du denn, ich werde mich gegen Deine absurden Muthmaßungen vertheidigen?" rief Roland fehr erregt. Ob ich aber Gabriele nun liebe oder nicht, das Eine weiß ich, daß daß Du nicht der Mann für sie bist. Was Du da Alles von der Echtheit Deiner Gefühle und der Ehrlichkeit Teiner Borsätze fafelst das glaube
ich emsach nicht. Du bist ein leichtse?tfger. gewissenloser Thor, vor dem Gabriele zu warnen meine Pflicht ist." Noland!" sagte Bruno ebenfalls die Farbe wechselnd, indem er sich aufrichtete. Mißbrauche nicht die Nachsicht, die ich Tir jetzt entgegenbringe, wo ich weiß, daß Dich die eigene Liebesleidenschast unüberlegt macht! Deine Drohungen verlache ich und ebenso das sogenannte Batersrecht, das Du Dir über das Mädchen anmaßest. Wenn Gabriele mir vertraut, dann brauchen wir Deinen Segen wahrlich nicht. Und um Teiner Intervention ein für alle Mal die piye abzubrechen, theile ich Dir mit, daß ich noch diese Stunde an Frau Agnes v. Witbexg. alias Ottcnstein schreiben werde, an jene Person, die allein das Necht hat, über die Zu lnnft Gabrielens zu entscheiden. Unk jetzt: Gott befohlen....!" Als die Portiere hinter dem rasch DaVoneilenden zugefallen war, sank Roland mit der ganzen Wucht seiner Riesengestalt auf den Divan. Der starke,' im Kampf des Lebens doch so gestählte Mann drückte die Hände an die Schlä fcn und stöhnte qualvoll auf wie ein Verzweifelter.... Am Nachmlltag betrat Bruno das Haus des Pflegevaters Gabrielens. Äie alte Haushälterin des verwittweten Universitätsvrofesiors. Jungfer Adelgunde. war schon im Begriff', den jungen Maler, wie Tags zuvor, mit dem Borwand abzuspeisen, es sei Niemand zu Hause, aber der gewandte Mann kam ihr zuvor mit der dringlichen Bersickcrung, er begehre lediglich Herrn Professor Stüder und zwar in sehr wichtiger, keinen Aufschub duldender Angelegenheit- zu sprechen. ' Der Gelehrte empfing den Besuch in osfenbarer Berlegcnheit: cr schien nicht recht zu wissen, wie er sich ihm gegenüber zu verhalten habe. Entschuldigen Sie meine Zudring' lich eit. Herr Professor!" begann Skellerich ohne Umschweife. 'Jq weiß, welche Bedenken Sie haben, mir den Zutritt in Ihr Haus zu gestatten. Eine offene, unumwundene Aussprache zwizchen uns dürfte jedoch die peinliche Situauon ein für alle Mal klären. Ich komme, um an Ihre Pstegelochler und Mündel, Fräulein von Wilderg, eine ehrliche Frage zu stellen, Sie werden mir dies nicht verweigern, wenn ich Ihnen zum Beweise meiner redlichen Absichten, die Mittheilung mache, daß ich vor einigen Stunden an Madame Agnes Ottenstein, die, wie ich aus den Zeitungen entnehme, derzeit in Dresden gastirt. geschrieben habe. Ich erlaubte mir die ehrfurchtsvolle Anfrage, ob mir die gnädige Frau gestatten wolle, mich um die Hand ihre? Tochter zu be werben. Und diese Anfrage führt mich auch zu Ihnen, verehrter Herr Projes Mer.- !
Stüber rü.kte mit nervösen Fingern , an meiner Brille, nahm eine Verlegen! heitsprise und hüstelte mehrmals in die vorgehaltene Hand, wie es zu seiner. fSmrihrihiMt npsinrtr tn?nrt er nr Tilsits!
' V V -m v 1 war. Aeh! hm! Mein bester Herr Herr Stellench lviinn wenn Sie wirk lich den wohlüberlegten Borsazz hegen, meine Münoel Gabriele hm! hm! Dann freilich es ist gewissermaßen meine Pflicht als ihr Bormund, einem solch.' Antrag gegenüber hm! Aber verzeihen Sie mir die Sache kommt doch ein Bischen hm! hm! unvermittelt über Hals und Kopf." Bruno verfehlte nicht, dem alten ; Herrn mit der größten Beredsamkeit über alle Bedentlichkeiten hinwegzuhel sen, er wußte ja sehr wohl, wieder UN' praktische schwache Mann zu fassen war, und in weniger als einer Viertelstunde schüttelten sie sich mit herzlicher Vertraulichkeit die Hände und Bruno besaß in alle? Form die Erlaubnis, sich Gabrielen mit seiner Werbung zu näHern. Das Mädchen sah ihn groß an, als er. von dem Professor geführt, ihr Zimmer betrat. Er hat sich gerechtfertigt es ist gegen seinen besuch nichis einzuwenden!" flüsterte Stüder seinem Mündel hastig zu, um sich gegen den Borwurf zu rechtfertigen, den er in ihren Augen las. Dann beeilte er sich, die beiden jungen Leute zunächst allein zu lauen, herzlich froh, daß er dem Verlauf dieser Liebessache" mit weniger Besorgniß entgegeusehen durfte. Bruno hielt es für gerathen, Gabrielen mit seiner Erklärung nicht gleich zu überrumpeln. Vergeben Sie mir," begann er mit ehrerbietigem Ernst, der ihr Vertrauen weit eher erringen . mußte, als sein gewohnlicher leichtmüthiger Ton, rergeben Sie mir, mein Fräulein, wenn ich es wagte, gegen Ihren ursprünglichen Willen dieses Haus zu betreten. Es genüge Ihnen die Versicherung, daß Niemand daran Anstoß zu nehmen Ur. sache dätte. Sie selbst aber sollen dar über entscheiden, ob ich Ihr Vertrauen verdiene.' Prüfen Sie mich mit dem strengsten Auge, od ich nicht doch etwa eines Gefühles würdig bin. das Sie Freundschaft nennen mögen!" Es lag etwas in seiner Stimme, im treuherzigen Blick seines Auges, waS den künstlich geweckten Argwohn, in dem jungfräulich reinen Gemüthe Gabrie lenö beschwichtigen mußte, ohne daß sie den eigentlichen Sinn seiner Worte so recht verstanden hätte. .Ich möchte Sie wohl meinen Freund nennen." erwiderte sie mit einer Befangenheit. die sie ungemein reizend kleidete, und ich glaube auch, daß Sie gute treue Kameradschaft halten ich weiß nicht, wie das kommt, daß es mir ist, als od wir uns schon, viel länger kennen würden, als dies in Wirklichkeit der Fall ist es geht mir vielleicht wie in meiner frühesten Kindheit, wo ! f. i v rv i - III) MII iressenoem ttNlNll empfand, wer mir wirkliches Wohlwollen entgegenbrachte und wer es blos aus irgend einem Grund heucheln zu müssen glaubte " Sie rühren mich durch diese gütigen Worte, mein Fräulein, Sie machen mich stolz wie Sie mich vom ersten Augenblick an gut und uneigennützig gemacht haben! Und doch, wenn ich Sie recht verstehe, liegt in Ihrer Rede ein verstecktes Aber " Sie senkte den Blick zu Boden und biß sich auf die Lippe. ' Eine dunkle Nöthe schoß ihr ins Gesicht. Sehen Sie! sehen Sie!" fuhr er lächelnd fort. Und da Sie zu ehrlich sind, selbst einen Hinterhalt zu hegen, so muß ich wohl annehmen, daß dieses bedenkliche Aber nicht aus Ihrer eige nen Anschauung entspringt. Ist es nicht so?" .Herr Stellerich! Ich ich weiß wirklich nicht Es wird mir so schwer, Ihnen das zu sagen " Dann erlauben Sie mir, daß ich Ihnen auf halbem Wege entgegenkomme!" flüsterte er, wahrend sich seine Miene r erfinsterte. Man hat Sie vor mir gewarnt?" In der That. Verzeihen Sie. ich möchte ja so gerne glauben, daß daß nur ein Mißverständniß " Daß man mich ungerecht beur theilte. Ich danke Ihnen für diesen Wunsch, mein Fräulein! Sie wollen jedoch sagen, daß Sie anderweitig zu dem Urtheil einer gewissen Person zu viel Vertrauen hegen, um sich eines Zweifels an meinem Charakter erwehren zu können. Nun, vielleicht gewinnen Sie eine richtige Anschauung von der Objektivität diese gewissen Jemand, wenn ich Ihnen eine freimüthige Mit theilung mache. Darf ich?" .Ich bitte Sie darum!" entgegnete sie zögernd, da sie offenbar nicht im Entferntesten ahnte, wo er hinau? wollte. Es wird mir nicht ganz leicht, Ihnen das zu sagen, Fräulein, aber es ist nothwendig, daß Sie klar sehen über jene Person warum wollen wir sie nicht gleich offen nennen? daß Sie erfahren, warum Erwin. Roland in seinem Urtheil über mich nicht so un parteiisch ist, wie Sie noch annehmen. Erschrecken Sie . nicht, mein Fräulein. ich will ihn ja nicht anklagen. Mein Gott, es ginge mir an seiner Stelle vielleicht nicht besser! Haben Sie schon einmal etwas über den sogenannten Johannistrieb gehört?" Sie sah ihn fragend und verwundert an. 1 So bezeichnet .matt bekanntlich die zweite Blüthe der Bäume. Im Leben ines ManneZ ist t eine verspätete Liedesleidenschaft." Ihr Blick wurde noch fragender: noch trat ein in ihrem Innern tief ' schlummernder Gedanke nicht in das ' Tageslicht ihres vollen Bewußtseins. Muß ich es Ihnen Noch' näher er klären?" fuhr Bruno nach einer klei nen Pause fort. Ist Ihnen die Schroffheit, mit der Roland Sie, mein
Fraulein, behandelte, nicht zuweilen lo vorgekommen, als ob sie nur ein Panzer wäre, um den Kampf zu verbergen, der in feinem Innern toben mochte? Mit Einem Worte, haben Sie noÄ nicht verrathen, daß Sie es sind " Er brach ab. als er die plötzliche Ber änderung gewahrte, die in ihrem Gesichte vorging. Sie war mit einem Male kreideweiß geworden, ihre Lippen bebten leicht, ihre Brust arbeitete mit fieberischemAthem, wie unter einer erdrückenden Last. . Was sagen Sie da?" keuchte sie end lich nach mehrfacher vergeblicher An strengung. ihrer Bewegung Herr zu werden, hervor. Wo woher wollen Sie wissen ." Vergeben Sie ihm. Gabriele, ich beschwöre Sie um Himmelswillen! Er hat es mir ja ganz wider Willen verralhen. Der Arme mag schon seit Langem Höllenqualen leiden mit diesem traurigen Geheimniß in der Brust, dessen Hütung ihn wahrhaft heroische Selbstverleugung kosten mußte." Höllenqualen ! Erwin ! Er und um mich!" stöhnte sie mit irrem Blick. Sie schlug die Hände vor das in Purpurgluth sich tauchende Antlitz und siel in den Stuhl, den ihr Bruno, fast betäubt vor Schreck über diese fürchterliche Bewegung, rasch unter schob. Mit blassen Wangen und weit geöff neten Augen starrte er auf die in sich zusammengesunkene Gabriele, auf ihre bebenden Schultern. Es dauerte geräume Weile, bis er sich selbst so weit gesammelt hatte, um zu einiger Ueberlegung zu kommen. Es war ein schwerzendes Licht, welches in ihm ausdümwerte.. .. Gabriele, ich beschwöre Sie lassen Sie mich nur das Eine wissen!" stieß er dann bastig hervor, zu ihr her tretend, daß sein heißer Athem, als er sich herabneigte, ihr Ohr berührte. 'Stur das Eine! Erwin Roland liebt seine Schülerin Nicht hoffnungslos?" Erwin! Erwin!" kam es nur wie im Weheruf aus der Kehle der Fassungslosen. Ich blöder Thor!" zischte Bruno mit grimmig zusammengebissenen Zähnen. Einen Moment blieb er.wie mit einem großen Gedanken beschäftigt, stehen, dann athmete er tief auf und fuhr sich mit beiden Händen durch das. dichte, dunkelbraune Haar. Leise, als gälte es, die Ruhe eines Schlummernden nicht zu stören, suchte er nach seinem Hut und schlich sich aus dem Zimmer.... Es war eine eigenthümliche Haltung, mit der Roland und seine Schülerin das nächste Mal entgegentraten. Ter Maler zeigte ein wahrhaft steinernes Antlitz: nur sein Blick war unruhig und weilte überall, nur nicht aus Gabriele. Diese war wie ein Kind, ' das einem Seltsa
men, Grauenhaften und doch geheimnißvoll Anziehenden gegenübersteht. Auch ihr Auge wagte es nicht, dem seinen zu begegnen. Sie begrüßten sich gar nicht. Erwin hatte ihre Schritte vernommen und wußte, daß die Erwartete vor ihm stand, eine Ewigkeit schon, wie es ihm fast erschien. Warum, sprach auch sie kein Wort?.... .Fräulein Wilberg!" warf er endlich kurz hin. Sie erkannte taum seine Stimme, die sich vergeblich zu dem gewohnten, gleichgiltigen Ton zu zwingen suchte; und sonst hatte er sie immer nur bei ihrem Vornamen genannt. Fraulein Wilberg ich muß Ihnen eine Mittheilung machen!" .Herr Professor " hauchte sie. Borgestern sah ich. mich veranlaßt, Ihnen die Malftunde zu kündigen und wir einigten uns wieder zur Fortsetzung derselben. Leider bin ich nun genöthigt den Unterricht trotzdem aufzugeben." cij!" kam es als ein cigenthümlicher, erstickter Schrei von ihren Lippen. Sie fühlte das Blut bis in die Spitzen der Finger toben, die den Ledergriss dcr Reißbrcttmappe krampfhaft umklammert hielten. ' Ich bedaure das wirklich, mein Fräulein. Ich habe gestern erst ganz unvermuthet einen dringenden Auftrag erhalten ich muß zu diesem Zweck verreisen es wird längere Zeit in Anspruch nehmen .... Vielleicht sehe ich mich bewogen, mein Domicil hier überhaupt aufzugeben es ist nämlich sehr wahrscheinlich, daß jener Auftrag noch bedeutend erweitert wird es gilt die Ausschmückung eines ausländischen Museums....' Kurz, Sie müssen sich nach einem anderen Lehrmeister umsehen, Fräulein Wilderg!" Herr Professor Sie Sie haben wohl erfahren, daß ich Ihnen gestern abermals ungehorsam war, indem ich Herrn Stcllerich empfing. Aber ich versichere Sie auf' mein Wort " Sie konnte nicht weiter. Ein seltsaZ mes Etwas erstickte ihr das Wort in der Kehle. Ah glauben. Sie. es wäre eine Ausflucht von mir?- polterte cr, das mächtige Haupt in den Nacken wer fcnd. ' Wozu hätte ich das nöthig? Tit'in halten Sie das mit Herrn Stellerich ganz wie Sie wollen! Ich werde noch diefer Tage vnreifen, um dem mir gewordenen Auftrag gerecht zu wer-den.-.Rein, Herr Professor!" rief sie leidenfchaftlich, fast empört. Sie sind ein schlechter Lügner!Einen Moment blickte er sie ganz verdutzt an. Dann fuhr er mit donnern '.der Stimme auf: Was erlauben Sie sich. Madcmoiselle?! Woher nehmen Sie den Muth, mir das in's Gesicht zu sagen? Das hat mir noch Niemand zu ' bieten ge-wagt.-Müßte ich mich denn überhaupt rechtfertigen, wenn ich Ihnen ganz trol !e:i anzeigen wollte, daß es 'mir eben
nicht mehr paßt, Sie hier bei mir zu
fchcn?Das Reißbrett siel geräuschvoll zu Loden. Gabriele preßte die HälUe an die Augen und brach in ein erschütterndes Weinen aus. 3!o!and ging mit den Händen auf dem Rücken ein paar Mal durch das Atelier. Endlich blieb er vor eine? großen chinesischen Base stehen, die auf einer Marmorsäule in der einen Ecke stand, eine Hände fingerten eifrig in dem Bouauet von Palmzweigen und Pfauenfedern, als gölte es da ein plötzlich entdecktes Untraut auszujäten. Sein Zorn schien noch immer nicht be schwichligt. das war aus dem raschen Athem zu entnehmen, den er durch die Nase blies. Na ja. nun kommen wieder die Weiberthrünen!" brummte er, ohne sich nach der schluchzenden umzusehen. .Jetzt soll vielleicht ich noch derjenige fein, der um Entschuldigung bittet. So hören Sie einmal auf mit dieser Kinderei ! Ich will Ihre Acußcrung meinetwegen Ihrer jugenolichen Unüberlegtheit zu Gute halten damit wir denn doch nicht in Groll und Unfrieden von einander ge hcn....!" Seine Hände schienen plötzlich auf etwas ganz Ungeheuerliches in der Base gestoßen zu sein, denn sie wirthschafteten jetzt geradezu vandalisch in dem Bouquet. Gabriele warf sich in einen altdeut schen ederstuhl, den Arm und das Gesicht auf die niedrige Lehne legend, als wolle sie da ihre Thränen ersticken Einige Minuten verstrichen, ohne daß ein Wort gefallen wäre. Da hörte sie die wuchtigen Schritte Rolands auf dem Teppich. Sie richtete sich rasch auf, als schäme sie sich, ihm ihre Thränen zu zeigen, und kehrte ihm den Aückcn zu, das Gesicht nach dem Fenster gerichtet. Sie biß krampfhaft die Zähne zusammcn. um die letzten schluchzenden Laute zu un'erdrücken. Jetzt mußte er dicht an sie herangetreten sein, sie wußte, daß er unmittelbar hinter ihr stand; sie glaubte seinen Athem auf ihrem nachtschwarzen Scheitel zu fühlen. Wollen Sie wirtlich, daß wir in sol cber feindseligen Stimmung scheiden, Gabriele?" fragte cr leise. . Sie schwieg, denn sie brauchte ja alle Kräfte, um ihre wilde Bewegung nie derzuzwingen. Er wartete noch eine Wette aus Antwort. Fühlen Sie denn nicht, daß dieser dieser kindische Trotz ganz ungerechtfertigt ist?Abermals wartete er vergeblich auf eine Erwiderung. Da zuckte ein Gedanke in ihm auf. .Sie zürnen mir wohl, weil ich Sie vorgestern noch vor Stellerich warnte und damit vielleicht schon eine delikate Regung in Ihrem Herzen verletzte?" In diesem Falle will ich Ihnen gerne, fehr gerne gestehen, daß ich diesmal mein Urtheil widerrufe. Bruno hat mich von der Redlichkeit seiner Absichten überzeugt; ich glaube wohl, daß cr Ihnen zu Liebe seinen Leichtsinn aufgiebt und und daß Sie ihm Ihre Zukunft anvertrauen können, sobald, wie ich doch annehmen darf, die Stimme Ihres Herzens " .Und wenn wenn die Herzens stimme anders entschieden hätte f stieß sie mit dumpfen Ton heraus, unbeweglich vor sich hinsehend. Wie? Hat sich Bruno denn nicht gestern noch bei Ihnen das Jawort geholt?" Sie schüttelte den Kopf, Roland immer den Rücken kehrend. Herr Stcllerich hat mir nur wenig von seiner Neigung gesprochen. - Erwin überlegte eine Sekunde diese mit eintöniger Stimme gesprochenen Worte, dann fuhr er, wie von einer Viper gestochen zurück. Der Narr! Ter Schwätzer! Gabriele, mein Gott, ich beschwöre Sie, was hat er Ihnen gesagt?" Daß Sie ihm wider Willen ein Geheimniß verrathen hätten, welches. wenn ich es wüßte, meine Stellung zu Ihnen bedeutend verändern würde..., - .Ah!" Roland knirschte mit den Jähnen und stampfte wüthend den Booen. Dann schrie er biutal hinaus: .Das ist nicht wahr! Er hat gelogen, sag ich Ihnen!" Was ist nicht wahr?" sagte sie. sich plöylich nach ihm umdrehend. Er taumelte zurück, die Faust an die Stirn drückend. Ah, wie schmählich hatte er sich doch verrathen, erst jet verrath?n! Verrathen wie der schuldbewußte Dieb, der sich vertheidigt, ehe ihn noch Jemand anklagt. Gabriele trocknete mit dem Taschen tuch ihr erhitztes Gesichtchen und näherte sich zaghasten Schrittes dem in tiefer Zerknirschung Dastehenden. Er hatte das Haupt auf die Brust herabgesenkt und wühlte mit der Rechten im dichten Bart. Und wenn es wahr wäre!- lis pclte sie, unter Thränen lächelnd, indem sie ihm bald bittend, halb gewädrcnd das zarte Händchen hinstreckte: ein offenes Rosenblatt. . ' Da erbebte diese Riesengestalt wie ein Berg, in welchem sich die Lava regt. . . . Gabriele!" kam es so weich, so zärtlich und so wehmüthig von seinen Lippen, daß sie , nie in ihrem Leben etwas Rührenderes gehört zu haben gew.ß war. Sie wußten wohl Beide nicht, wie es geschah. ... Da fühlte sie sich an seiner! Ärust liegen, von seinem starten Arm' gehalten, und halb mit schwindender' ; Besinnung spürte sie auf ihrem Mundes einen warmen Hauch, wie einen leisen flüchtigen Kuß..... Aber kaum 'länger als eine Sekunüe währte diese traumhafte Befan-' zenheit. - Als Gabriele den Taumel äbgeschüt telt hatte, fand sie sich in dem Sessels liegen, auf welchem sie eben noch geweint batte. Sich einige wirre Löckchen ihres b!auschmarzn Haares aus den
Schläfchen streichend, sah sie sich indem sonnenhellen Atelier um, dessen grelles
Licht zetzt ihren Augen weh that. Das i Zimmer war leer von Roland nir-1 gends eine Spur zu entdecken.. Sie seufzte tief auf und griff nach der Mappe mit dem Reißbrett, die noch immer auf dem Boden lag. Was wird er thun?" fragte sie sich, als sie langsam die Treppe hinabstieg; was wird 'er thun?" Am Nachmittag betrat Bruno Stcllerich das Atelier.' Er sah bleich und verschwärmt aus. als ob er die letzte Nacht nicht geschlafen hälte. Seine Gest alt schien ihre ganze Elastizität einge . büßt zu haben. ' i Gott grüß Dich, Roland!" sagte er ! leife. fast demüthig, indem cr an der. Schwelle unter der Portiere stehen blieb. .Darf ich hereinkommen?" Erwin drückte das Fließpapiere auf einen eben vollendeten Brief und verließ den kleinen Schreibtisch neben der Staffel, an der sonst Gabriele gcardeitet hatte. ' .Komm herein, armer Kerl!" sagte er, dem jungen Freund , gcrübrt die Hand schüttelnd. Ich hätte Dich noch diesen Abend aufgesucht, wenn Tu nicht gekommen wärst." Bruno sah sich verwundert in dem exrte irrn ue Ilnnrnmirtn mjtmetifnrtpn Atelier um: Die Wassentrophüen waren ' fcnrr stVinh-n fcprnWnnmmim im . lagen auf dem Divan; daneben standen , Büsten, zusammengedrückte Stühle und ' Kästen mit Malrequinten. Tie Bilder waren von den Staffeleien abgehoben und standen, in grüne Tücher eingeschlagen, im Fond eines breiten Lehn stuhlcs am Fenster. Du hättest mich aufgesucht, um Abschied zu nehmen? Ist'S denn wirklich wahr? - Ich konnte Deinem Peter nicht glauben, der mir draußen eben mit' theilte. Du hättest ihm Befehl zum Einpacken gegeben." Ja, es ist wahr ; ich verreise. Und zwar schon morgen, spätestens übermorgen. 2öas ich nicht 'gleich mit nehmen kann, wird mir Peter nach schicken." Aber sage doch : warum das Alles? War Gabriele war Fräulein von Wilberg heute Morgen nicht bei Dir?" Sie war hier, ja," entgegnete Er win, den Kopf nach dem Fenster wendend. Bruno trat näher an ihn heran; eine große Spannung lag auf seinem Gesichte. ' . .Habt Ihr Euch nicht ausgesprochen?" Worüber?" -stieß Roland rauh hervor und ging zum Schreibtisch, um dem fragenden Blick des Freundes auszuweichen, den er nicht ertragen konnte. Zum Donnerwetter! Das mit leidige Bedauern, das Du mir soeben gezeigt hast, giebt mir den Beweis, daß Du weißt, wie es um meine Liebeöhoffnungen steht. Wenn Du aber das weißt, so mußt Du auch wissen, warum mich Gabriele verschmäht." Erwin sah finster brütend vor sich hin und schwieg. , So rede doch, Mann! Du bist ja räthselhast wie die Sphinx von Gizeh, vor der ich so manche Mondscheinnacht gesessen und gesonnen habe. Sei aufrichtig zu mir. Du kannst es wirklich sein! Du weißt doch, daß Gabriele Dich liebt?Das arme Mädchen!" sagte Roland kopsnickcnd. .Warum arm? Du liebst sie doch wie der, nicht wahr?" .Zum Unglück von uns allen !- .Bis jetzt nur zu meinem Unglück!" ,seuszte Bruno. WuS hindert denn !Euch Beide, dem Zug der Herzen zu fol--gen? Ihr werdet Euch die Hand reichen, Euch ein trauliches Nestchen bauen und ' und ich? Na, ich werds verwinden! iAber ich wollte, ich wär' bei meinem 'egoistischen Leichtsinn geblieben und chatte Gabriele nie in meinem Lebengesehen!" .Nein. Freund, wir werden uns kein Rest bauen, wie Tu glaubst! Da tlies! Tiefe Epistel moUti ich. eben ab schicken!- . Damit reichte ihm Roland den Brief, den er beim Eintritt Brunos vollende hatte. ' (Fortsetzung folgt.) B- ; Unbewußte Kritik. Der 'Procurist Jacobson geht zum Aerger 'des Ehefs immer in einem schlechten, fettigen Rock. Da derselbe aber arm ist, schenkt ihm der Ehef zum Weihnachtsfeste einen neuen; aber nach wie vor trägt der gute Alte feinen schmier! 'gen Rock. Als er aufgefordert wird, doch den neuen anzuziehen, ' ruft er: 'Ach Gott. Herr Prinzipal, was denken "Sie denn, wie werd' ich tragen in dem schmutzigen Gefch.lst den seinen, neuen Aock!Feine Schmeichelei. Der berühmte Rcchtsgelehrte Erskine fragte die schöne Herzogin von Gordon, ob sie nicht bal wieder nach Edinburg kom inen werde. Nein,- antwortete sie, ies ist eine traurige Stadt.- Ei,sprach Erskine, das ist, als ob die .Sonne sagen wollte:' , Ich will heute nicht aufgehen, es ist ein trüber Morgen." ' ,, Im Examen. Professor : Wenn ein Elient zu Ihnen kommt und ie ersucht, einen Prozeß für ihn zu. führen, von dem Sie annehmen, da er unbedingt verloren werden ' muß, was ist dann Ihre heiligste Pflicht? Eandidat : Mir einen großen Bor schuß geben zu lassen! ' E i n M i ß v e r st ä n d n i ß. Unterofsicier : .Warum soll ein ör dentlichcr Soldat nicht Karten spie len,?- Füsilier Krasinski (beisäl lig grinsend): .Natürlich. Herr Unter ofsicier ! Warum nicht !- Aus dem Gerich tösaa l. R Richter (sich zum Ehemann wendend): .Sie sind nun gefchieden und können nach Hause gehen.- Eheftau (nach längerer Zelt ängstlich): Herr Ri. ter. bin ick denn na ooch fefchitten ?-
Qettler.Sumor.
.Zm Hlua nicht zuveln, und un Sturm nicht zagen, das Unvermeidliche mit Würde tragen!" Das ist die Devise ) des Fechtbruder-. Und. wahrlich, die ! irtflir ivrtrtöH k v trts3 f V? A Ay'r wi mm tiiivti iiukii vui: wiiu, vum nicht mit Würde, so doch mit crträglichen Gleichmuth. Ter sogenannte moralische Katzenjammer" Pflegt sich in der Regel erst dann einzustellen, wenn es durchaus nicht mehr klappenwill. Der Kunde- ist, wenn er aus die Fahrt steigt", mit dem Jäger zu vergleichen, der lern Revier bestreicht. und Alles auf's Korn nimmt, was ihm vor den Schuß kommt. Seine Aehn lichkeit mit den Jüngern St. Hubertu- zeigt auch der Spruch: .Wenn Tir beim Beginn der Fahrt kommt ein altes Weib entgegen. Laß das Fechten ruhig sein, nimmer bringt Dir's Glück und Segen!" . Nicht immer genügt das Elend allein, um die Leute zur Mildthätigkeit anzusprechen; eine schlagfertige Antwort, ein witziger Einfall bewirkt oft mehr als die augenscheinlichste Noth. : Ein Prinz aus dem Herrscherhause eines deutschen Bundesstaatcs, welcher bei einem hiesigen Garde-Kavallerie-TOpAim! ftofit slftjif fi5m CStit.iiisttcn seiner Wohnung auf einen Brukl traUOMger, Welcher die 0UN stlge vivijiiiiviii iivtfi, tvQt iyiiiuu Gelegenheit sofort beim Schöpf faßt. jjem " den hohen Herrn um eine vjjuuc uuipuii. wiuu uuq im Besitze eines FechtscheinZ?" fragt der gut gelaunte Prinz den Bettelmann .Ach, Hoheit,- verfemt der schlagfertige Fecktbruder mit kläglicher Slimme, bis dato fehlten mir noch die Mittel, mir einen solchen zu lösen. Biclleicht eschen Sie, hoher Herr, in Ihrer vielbezeugten Herzensgute sich veranlaßt, mir die drei Mark zur Beschaffung desselben vorzuschießen!" Lächelnd greift der joviale Herr in die Tafche, und der verschlagene Kunde hat alle Veranlassung, mit dem Erfolg seiner Unverfrorenheit zufrieden zu sein. Ucberhaupt gehört zur Ausführung des Fechtmetiers oft mehr List und (.3ewandtheit, als man annehmen sollte. Hat der gewiegte Kunde erst die Persönlichkcit, an welche er sein Bittgesuch richtet, vor sich, so .bohrt er bis Tausend", um einen Fachausdruck anzuwenden, um sich des gewünschten Erfolges zu versichern. Er hat jedoch erst, um zum Ziele zu gelangen, meist verschiedene Klippen zu umgehen. Da ist vor Allem der gestrenge Hauswächter. der Portier, der mit lobcnswcrthem 'Eifer die Fechtbrüder von den seiner Obhut unterstellten Herrschaften fernzuhalten bemüht ist. Stets neue Listen müffen ersonnen werden, besonders von den Kunden, welche nur in mangelhafter Schale" stecken und schon durch ihr Aeußeres Argwohn erwecken. Befindet sich beispielswcife in einem Hause eine .Winde-, d. h. es wohnt darin eine Herrschaft, die sich durch besondere Mildthätigkeit auszeichnet, so hat auch meist schon der Portier Wind davon-. Der Kunde weiß ganz genau, daß'er bei der Namensnennung des Betreffen d'en entschiedenen Admeis erfahren würde. Aber cr weiß Rath. Er zieht den zweiten Tdcil des Adreßbuches zu Rathe ünd sucht unter sämmtlichen Bewohnern des Hauses einen heraus, welchen er dem Gestrengen, ohne Berdacht zu erwecken, angeben kann, und schlüpft hindurch. Jetzt kommt jedoch oftmals noch ein zweites Hinder niß, ehe cr zum Ziel kommt, in Gestalt des dienenden Personals. Dle allzu gutherzigen Leute sind sich oft ihrer Schwäche, keine Bitte abschlagen zu können, recht gut bewußt und wissen sich vor dem Ueberlaufenwerden nur dadurch zu schützen, daß sie den Bedienten einschlägige Instruktionen ertheilen. Doch was bedeutet dies Alles für den gewiegten Kunden. Ein bekannter hiesiger Privatmann, der sich nebenbei mit Häuser- und Grundstück - Spekulationen beschäftigt und sich wegen seiner Mildthätigkeit einer weitreichenden Kundschaft unter den Armen zu erfreuen hat, gibt, um sich endlich einmal etwas Ruhe zu schaffen, seinem Diener, einem treuherzigen Pollacken, den Befehl, alle Bittgesuche einfach nicht abzunehmen. Zu diesem Zwecke erkundigt sich der gewissenhafte Pole bei jedem Briefüberbringer nach dem Inhalt des Schreibens. Ein eingeweihter Fechtbruder gibt nach dem ersten Mißlingen jedoch seine Adslcht noch lange nicht auf. - Durch Hin und Hersragen erlangt er schließlich Kenntniß von der Nebenbeschäftigung des gütigen Herrn und sein Plan ift gesaßt. Wieder erscheint er vor dem biederen Polen mit einem Brief. Miß trauisch dreht ihn ber Diener in den großen Händen herum. .Darf ich fragen, was sich drin is ?- kommt eZ instruktionsgemäß von seinen Lippen. Können sich Brief ruhig abgeben. steht sich drin Näheres über Ankauf von Grundstücken !' .Ah, weiß schon ! Herr kauft Grundstücke,- lächelt ver ständnimnnlg der Pollack und beeilt sich, seinem Herrn das Schreiben zu überbringen, das natürlich nichts als ein Bittgesuch enthält. Noch lachend über das ganze Gesicht tritt der alte Herr heraus, und lieblicher, metallischer Klang verküildet dem draußen Harren den, daß seine List Erfolg gehab! hat, (Berl. Tagbl.) M an k ann es nie reckt machen. - Eine junge Ehefrau will ihrem Gatten' in Abwesenheit der Köchin einmal ihre Kochkunst zeigen, verdirbt aber das. ganze Mittagessen. Ich glaube gar,- sagt sie zu ihrem Mann, der seinen Aerger über das verdorbene Effen unterdrückt . und sich bemüht, ihr gutmüthig zuzulächeln. Du sreust Dich noch, daß inir dies passirt ist !" Nr m tr 21 st ter! fäxt ftinW l sind mit den Zensuren nach Hause a?. lnmmtnA Sckauderbast! (?rii n, man's an sich selber erleben, daß mau lernt, und dann auch noch an sei en Kindern!"
