Indiana Tribüne, Volume 16, Number 214, Indianapolis, Marion County, 23 April 1893 — Page 2
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1 MohaMedanische Sprichwörter.
In einem kürzlich veröffentlichten Werk über den Mohamedanismus sindet sich ein lehrreiches Kapitel über die Sprichwörter der sich zum Islam bcken ncnden Völker, aus dem wir an dieser Stelle das Bemerkcnswcrtheste mitthei len wollen. Ein arabisches Sprich wort lautet: Almosen sind das Salz des Reichthums" und ein anderes mit tiefem sozialem Sinn: Wenn ich Herr bin und Tu bist Herr, wer soll dann die Esel treiben?- Mit den Worten: Du wirst mehr Fliegen mit einem Lössei Honig, als mit einem Faß Essig sangen."' soll wohl gesagt werden, datz man bei den meisten Menschen mehr mit Schmeicheleien, als mit bitteren Wahr heiten erreicht, und in dem Sprichwort: Halte Deinen Mantel ausgebreitet, wenn es Gold vom Himmel regnet", liegt unzweifelhaft der weise Rath, die Eingebungen und Anregungen von oben, oder überhaupt alle günstigen Fügungen einer höheren Macht nicht unbenutzt vorübergehen zu lassen. Zur Mildthätigkeit und Barmherzigseit ermahnt das arabische Sprichwort: Erkaufe die nächste Welt mit dieser, dann wirst Tu beide gewinnen." Ueber den Sinn des persischen: Sri nicht ganz Zucker, oder die Welt wird Dich aufsaugen", kann man vielleicht verschiedener Meinung sein. Uns scheint die Deutung am nächsten zu liegen, daß allzu große Gutmüthigkeit gründ lich im Menschenleben ausgebeutet zu werden Pflegt. Widcrsvruch werden gewiß hier und dort die Worte hervorrufen: Von vier Dingen hat jeder Mensch mehr, als er weiß von Sünden, Schulden. Iahren und Feinden", aber wer möchte nicht die tiefe Lebenswahrheit anerkennen, die in dem Sprichwort ausgedrückt liegt: Die ganze Welt ist zu eng für zwei Feinde; ein Nadelöhr dagegen ist weit genug für zwei Freunde", und ebenfoin dem folgenden: Nur uach fruchttragenden Bäumen wirft man mit Steinen und Stöcken!" Aber die Krone in Bezug auf Lebensweishcit scheint uns ein anderes persisches iprichwort zu verdienen, welches lautet: Einen Stein, der für die Mauer paßt, läßt man nicht auf der Straße liegen". Es kann als Trost für Diejenigen gelten, deren Ver dienstc um das öffentliche Wohl eine Zeit lang verkannt werden; schließlich iommt die Stunde auch für sie, da man ihren Werth erkennt und ihnen den Play einräumt, den sie am wür digsten auszufüllen vermögen. Auch unter den türkischen Sprich Wörtern gibt es einige, die es wohl ver dienen, weit und breit beherzigt, zu werden, so z. B. das, welches dchaup tet: .Es gibt keinen besseren Beweis gründ, als das Schwert", und auch wohl ein anderes mit dem Wortlaut: Sobald Deine Karre umgeworfen ist, will Jedermann Dir den rechten Weg zeigen". Selbstsüchtige und erniedri qende Schmeichelei wird treffend gekennzeichnet durch das Sprichwort: .Derjenige, welcher sich eines Hundes dedienen will, nennt ihn Herr Hund". Mit den Worten: Nicht dadurch, daß Du immer Honig, Honig sluzst kommt Süßigkeit in Deinen Mund" soll wohl ausgedrückt werden, daß es mehr als dlcöer Wünsche bedarf, um sich die Annehmlichkeiten des Lebens zu errin gen. Als weisheibZvoll wird gewiß überall das türkische Sprichwort gelten: .Der ist der wahre Weise, reelcher von aller Welt lernt". Die Muhamedaner Indiens brau chen den Berglcich mit ihren arabischen, persischen und türkischen Glaubensgeoffen, was die Sprichwörter anbe trifft, nicht zu scheuen. Wenn sie sagen: .Hänge Deine Sorgen nicht an meinen Hals", so bedeutet das wobl dasselbe, als wenn wir sage : .Hilf Dir selber". In dem AaSspruch : Der Faden folgt dem Pfad der Nadel" tonnen wir keine andere Meinung sin den, als die, daß es Menschen giebt, die sich in ihrer Unselbständigkeit blind lings an anderen Menschen' in Allem, was sie thun und treiben, ein Beispiel nehmen. Das weibliche Geschlecht hat keine Ursache, über die folgenden indischmuhamedanischen Sprichwörter besor ders erbaut zu sein: Wenn eine Frau schimpft, so erzittert die Erde"; Lieber eine Nacht einsam an einem gesährli chen Ort verbringen, als einen Tag in einem Palast mit einer eifersüchttgen Frau"; Fürchte ein böses Weib mehr, als einen dösen Mann". Allen Wen schen wird zu bedenken gegeben: Ueber. Dein ungesprochcnes Wort bist Du Herr; Dein gesprochenes Wort ist Dein Herr". Das schönste aber von allen Sprichwörtern, welche die Muhameda ner Indiens ixn Munde führen, scheint uns zu sein: Der Sandelbaum macht die Art, die ihn fällt, wohlriechend", und es liegt unzweifelhaft die Mahnung darin. Böse mit Gutem zu ver gelten. E. W. Sinnspruch. Ein traurigere? Schaf gibrZ nimmer mehr. Als dem die eig'ne Wolle wird zu schwer; Und was soll man vom Menschen sa aen. Dem nie sein Schicksal will behagen?" Gefährliche Höhe. Ein Tenorist erhebt bei seinem Auftreten seine Stimme allmälig biZ zu einer, solchen phänomenalen Höhe, daß athem loses Schweigen und gespannteste Auf merksamkeitimZuschauerraume herrscht.. Plölich ruft von der Gaöerie herab die urwüchsige Stimme eines Schuster jungen: .Männeken, fallen Se man ich von de Tonleiter.- : Zarter Wink. Sie: ES gibt Augenblicke, wo ich wünschte, ich wäre ein Mann!" Er: Wann, zum Beispiel?" Sie: .Wenn ich' an einem Juwelierladen vorbeigehe und bedenke, wie glücklich' ich meine 'Frau machen könnte, indem ich ihr einen neuen Schmuck kaufe'."
TaS Jubiläum. Humorcöe ten Lnn.
Für eine neucingcführte Firma ljttiti gen Tages mit Erfolg auf die Tour zu gehen, ist schwerer, als eine der zwölf Arbeiten des Herkules. Hätte man die. sem einen Mustcckoffer in die Hand ge drückt, er wäre von dieser Last nieder gedrückt worden und hätte bedrückt sich alsbald gc)rückt soviel ist klar. Und für eine neue Firma reiste Adolf Fliege. Xorninaodiosasiint! Er flog förmlich aus feiner Tour, aber weniger im Erfolgsfluge: er flog nämlich überall hinaus, wo er anpochte und die Waaren der Firma Schmutze? & Francr anbot. Tas war zwar bedauerlich, aber es war so. Schon wenn er begann: Ich erlaube mir, bei Ihnen vorzusprechen. Mein Name ist Fliege, ich vertrete die Ihnen gewiß vorteilhaft bekannte Wcltfirma Schmutzer fc Froher" wurde er an gcdrüllr, und wenn er dann fortfuhr und seine Waaren auspacken zu dürsen bat, hörte er ein Packen" Echo, aber das lautete zumeist: .Packen Sie sich mit Ihrem Muster pack mit solchem Pack wie Schmuser & Fraher will ich durchaus nichts zu thun haben.Das waren schmerzliche Momente in seinem Leben und diese Momente häuf ten sich in ganz bedenklicher Weise. Säuberlich notirte er sich jeden Hin auswurf, jede bissige, zornige oder bos haste Bemerkung über Schmutzer ifc Fratzer. Sein Gencralbericht über die vollendete Tour, wenn er alsdann noch am Leben sei. sollte eine getreue Ab schrist dieses ungeheuren Schimpsmate rials sein. Mit Zagen kam er nach 2.' Dem Ehei der Firma A. Kugel sollte er im ter allen Umständen einen Auftrag ab ringen. Er sollte in sterken Farben die 'Güte und das Preiswerthe der Stoffe austragen, damit cr den Auftrag einheimse. Das wäre ja alles noch gut gewesen, aber ein Umstand kam hinzu.' der den Auftrag zu einem unangenehmen machte: Herr, Kugel war die personificirte Grobheit; ein Ehef. der im Hinausschmeißen der Rei senden die Fähigkeiten von einem Dutzend Hausknechte vereinte und der zudem noch malitiös genug war, dem Hinausgeworfenen nachzurufen: Bitte, empfehlen Sie mich Ihrer Firma!" Seufzend kam Adolf Fliege vor dem Laden des Herrn Kugel an. Mit emem zweiten Seufzer trat er ein und sein: .Ich habe die Ehre Adolf Fliege vom Hause Schmutzer & Fratzer," brachte er seufzervoll und klüglich her, aus, als fei er der Todtenanfager mit Krepphut und Citrone und als habe er zu sagen: .Es hat dem Herrn gefallen, den ehrfamen und wohlbelobten Bürger dieser Stadt und Schneidermeister, Euscbius Wolfram " Kaufe nichts!" knurrte die dicke &c: statt, die ihrem Namen die vollste Ehre machte. ; C, bitte, das macht nichts!" seufzte Adolf Fliege. Wenn ich mir nur erlauben dürfte, Ihnen meine Muster .Ich sehe nichts an." 0, bitte, das macht nichtsseufzte Fliege weiter. Wenn Sie mir nur gestatten wuroen, vaz ,9 jeicn it einmal hier bei Ihnen wieder ansehe !" Dunkel erinnerte er sich, diesen Witz einmal m irgend emem Wltzblatte gelesen zu haben. Die Kugel wälzte sich herum: Herr sind Sie Witzreisender ?" .C bitte, das macht " Hinaus!" Adolf Fliege klappte zusammen und seine schon geöffneten Musterloffer wiedcr zu. . Mechanisch machte er mit dem Bleistift einen Strich aus die Man, schctte. So bezeichnete er die Zahl sei' ner Hinauswürfe. Demüthig ging er, aber kaum war er draußen, als ihm der besondere Auf trag feiner Herren wieder einfiel. Nein, sg leicht durfte er nicht weichen. Noch einmal betrat er den Laden. . Gestatten Sie mir Adolf Fliege vom Hause Schmutzer & Kratzers" Die Kugel walzte sich herum und der Gesichtspol erglühte, als wenn die Mit' ternachtssonne ihn beschiene. . Herr!" prustete es aus dem glühen den Antlitz heraus: Sind Sie denn schon wieder da?" O bitte, das macht nichts ich komme gern wieder! Solche Frechheit ist mir denn doch noch nicht vorgekommen!" O bitte, das acht nichts - Hinaus!" Adolf Fliege knickte auf's Neue zu. sammen. Er schaute Herrn Kugel sie hcnd an und sah dabei so unglaublich, dumm aus, daß dieser seinen lauten Ruf noch wüthender wiederholte. Dies mal macht Fliege seinen Merkstrich erst., draußen vbr der Thür. Als er dann sein Notizbuch hervorholte, flog etwas' wie tin Freudenschimmer über sein bleiches bekümmertes Antlitz. Da stand es: U7. Dazu die beiden. Striche von heute sind 99. Noch emen Hinauswurf und sein Jubiläum des Hinausgeworfenwerdens war vollendet seine Leidenszeit für Schmutzer & Fratzer vorüber! Warum noch ein HauS .weitergehen, da er das ersehnte Ziel hier bei Herrn Kugel mit Sicherheit erreichen konnte? Und kurz entschlossen betrat er zum dritten Male den Laden. . Als die menschliche Kugel mit dem gleichen Namen sich wieder aus seinem Dcehschemel herumgewälzt hatte und die unglückselige Fliege zum dritten Male erblickte, tauchte sich sein Aritlid in dunkle Gluth.. Das Tintenfaß floa in welteu .Bogen herunter, er selbst aber auf seine kurzen dicken Beinchen, und auf den armen Reisenden mit ae sträubten Haar losfahrend, schrie er mit heilerer Stimme: , .Mensch ftnd Sie denn schon wie der da!- . .. .Ja", hauchte Adolf Fliege. .Bitte. haben Sie die Küte und werfen Sie mich noch einmal hinaus!"
Kugel starrte den Mann derblüsft
an. So etwas ist mir doch noch nicht vorgekommen! Ein Reisender, der selbst darum bittet, daß man ihn hinaus wirft!" Sehen Sie," bemerkte Fliege weh mütbig. Ich kam mit 97 Hinaus würfen zu Ihnen, zweimal waren Sie schon so liebenswürdig dies dritte Mal würde das hundert gerade voll machen. Darf ich ie um Jhr .Hinaus" dlttcn;" In dem guten Kugel war eine merk würdige Veränderung vorgegangen. sem Zorn war verraucht Milde trat in jcin Herz. Nein!" rief er: Bleiben Sie und zeigen Si: mir Ihre Muster, ich will bestellen!" .Ich habe wohl nicht recht gehört. stotterte Fliege Das hat noch Nie mand zu mir gesagt!" Und dzch war's so. rnicge bekam statt ves Jubiläums" einen guten Auftrag uud von siunV an konnten sich schmutzer Fratzer keinen besseren Reisenden wünschen, als Adolf Fliege! Line angenehme ttriegSerinne rttng. Wie die alten Trofchkenhnscher, wenn sie nicht mehr recht sahren können, doch immer noch gerne mit der Peitsche knallen, so geht es auch mit manchen ande ren Dingen. Die Erinnerung spielt eben eine Hauptrolle im menschlichen Leben iinoj beionders lelbstvollbrachte Heldenthaten sind eine nahrhaste Speise, von der man noch Jahrzehnte hindurch sich und andere Leute billig und geistig durchfüttern kann. Der nunmehrige Lebensversicherunqs Agent und, wenn man ihm Glauben schenken wollte, ehemalige Vice-Fe!dwe bcl Tr. hatte sämmtliche drei Feldzüge G'4, G6 und 70 71 kühn mit durch fochten und, wenn man ihm noch mehr Glauben schenken wollte, so wären ge wlL einzelne Schlachten obne ihn ein such verloren gewesen. Nur meinem energischen Eingreifen bei Erstürmung der am meisten nach links gelegenen Höhe bei Spichercn war es eigentlich zu verdanlen " oder aber: Hätte ich damals bei Gravelotte meine Kerrrls nicht noch im entscheidenden Augenblick mit der flachen Klinge in Feuer ge trieben, wer weiß, was dann " Aehnliche Redensarten konnte man bei jeder Gelegenheit von dem guten Tr. zu hören bekommen, und wenn es einen dann Wunder nahm, daß der Herr Le bensversichcrungs'Agent aus all' diesen Triumphen so ga?iz und gar keine hervorragende Decorationen auszuweisen hatte,' dann erwiderte er wohl so recht bescheiden: Ich habe mich eben nur im Gefecht vorgedrängt, sonst nie!" Nun gab eS freilich satirisch ange legte Leute, welche meinten, daß Tr. wohl bereits schon während der Feld züge stets ein großes Talent für die Le bensversicherung beseffen habe, welches dann später zu einer wahren Virtuosi tät weiter ausgebildet sei; denn ein sehr tüchtiger Agent war er allerdings; aber im Großen und Ganzen hatte man ihm doch immer Glauben geschenkt und ihn bisher wegen seines dramarbassi gen, schnauzbärtigen Aussehens immer für einen ehemals sehr tapferen Mili tär gehalten, dessen . lebhaften Rück erinnerungen man gerne lauschte. Da wollte'es der Zufall, daß er kürzlich mal mit mehreren Bekannten einen Spaziergang durch den Grunewald bei Berlin unternommen hatte und man an einem der Kreuzwege einen armen, alten Invaliden traf, der einen jäm merlichen Orgelkasten drehte. Schon hatten einige Herren der Gesellschaft gutmüthiger Weise das Portemonnaie gelockert, um dem Aermsten den übli chen Nickel zu spenden, als Tr. mit Donnerstimme dazwischen fuhr: Halt, meine Herren! Das wäre entschieden verkehrt! Wenn der Mann im Kriege Invalide geworden ist, so brauchen wir ihn nicht zu unterstützen, denn cr be kommt in diesem Falle vom Staat sein Auskommen, das muß ich als alter Soldat wiffen!" Die Portemonnaies wurden also wie der zugeklappt und schon war man im Begriff weiter zu gehen, als der alte Invalide, nachdem er den Sprecher scharf firirt hatte, plötzlich in die Worte ausbrach: So? -Dann hätten Sie mir ja b.i Gravelotte gar nicht erst das Leben zu retten brauchen, wenn Sie mir jetzt eine kleine Unterstützung ver weigern wollen!- Was? Gravelotte! Leben retten? Das war entschieden Waffer auf Tr.'S Mühle. Im freund! lichstcn Tone meinte er also: Sie ken nen mich, alter Freund? Haben Sie vielleicht bei meiner Compagnie gestern den?" Na, gewiß doch! Sie waren' ooo) mir im zweiten Zuge, man Aor öermann. Und als Sie damals denn' ausrissen, da lief ich hinter Ihnen her und so retteten Sie mir das Le den!!!" Es regnete förmlich Fünfzigpfennig stücke in die Mütze des Invaliden, aller! dingZ nicht aus Tr.'S Tafche. Aus der höheren Töch' .er schule. Nach der Besprechung' von Leffing'S Fabel .die GanS", des! Inhaltes, da? eine GanS sich ln dem' Bestreben, lediglich durch beffere Hal tung dem Schwane an Schönheit gleich werden zu, wollen, lächerlich gemacht hat, fragt die Lehrerin: Was für eine. Lehre können wir aus dieser yabtt lieben?" nräulein Irma: .Man soll nie mehr sein wollen, als eine GanZ!"j Ismen verrannt. Krau lein: Denken Sie nur. Papa duldet! keinen einzigen dienstbaren Geist im HauS; ich frisire mich selbst, reinige selbst meine Kleider und Schuhe "I Herr: Wirklich, da hab .lch Ihnen. im Geiste oft unrecht gethan, als ich mir; dachte: .Ist die aber immer schmutzig!" Des LandmannSttlage.! .Zu dumm Don den Hühnern, das sie dann gerade am wenigsten legen, wenn die Eier am theuersten sind !"
Der Ollvenzweig. ?on ÄSkk- de Jerbi.
Bor Kurzem besuchte ich einen Herrn. Er ist ein eleganter Mann, der sein schon etwas im Abwelken begriffenes Ich mit sehr großer Sorgfalt behan delt. Früh Morgens, wäscht er sich, bierauf wäscht er sich nochmals, trocknet sich mit dem Handtuch fein säuberlich ab. bestreut sich mit (iyperpulver und wäscht sich dann wieder ; vor dem Spiegel bleibt er gute zwei Stunden stehen, ehe er sich entschließt, sein Zimmer zu verlassen, und niemals würde er es wagen, über dessen Schwelle zu treten. wenn auch nur ein Härchen beweisen könnte, daß er sich nicht mit sorgsam stcr Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt rasirt habe. Im Amte gibt er sich ein großes Ansehen. Wenn er spricht, scheint es, als ob er konspirire ; wenn cr Jemanden ansieht, scheint es, als ob er inquirire ; jedes Hemmniß weiß er rücksichtslos zu überspringen, wenn er nur an's Ziel gelangt. Und sein Ziel war immer nur sem eigenes Wohl ergehen und die Befriedigung seines Ehrgeizes. Die Leute alle sagten : es ist ein Mann voll Schlauheit,' voll Talent, abcr ohne Herz. Und doch hat er Herz. Und wie viele Leute, von denen man behauptet, sie hätten wenig Herz, aber viel Geist, haben weit mehr Herz als Geist: denn es hat eben Alles seine zwci Seiten, und wie' es e'.n lachendes (ilcnd und ein düstere. Elend gibt, so gibt es auch zweierlei Arten von Herzen, Herzen, die ihr Gesühl unter der Maske des Spottes und der Frivolität verbergen, und solche, die es mit aller Wucht der gesuchtesten Rhetorik ausposaunen. Und meist ist Erste res weit mehr werth als das Letztere. Der Herr lud mich zum Eisen ein. Er ist ein allcinstebender Mann ohne Familie: bei Tiscd aber ist cr nie allein, sondern stets in Gesellschaft eines wel ken Blumenstraußes, der in einer Porzellanvase steht. Diese Blumen, die schon vor Jahren verwelkt sind. haben ihren To) überdauert. Einige sind welk, andere schwanken in der Farbe zwischen gelbgrau und staubrar den. Trotzdem sind sie nicht häßlich. Sie haben auch keinen Duft mehr. Ich weiß cs, denn unwillkürlich roch ich daran. Es sind Blumen, die in dem Vorgefühle, daß sie ihren Tod über leben mußten, aneinandergedunden zu sein scheinen, so wenig sind sie vom Zerfalle berührt. Sie gleichen fast jenen Gefühlen, welche verurthcilt sind, ertödtet zu werden, weil die Gesellschaft sie nicht duldet, und die dennoch weiter leben, um so intensiver, je tiefer sie im Herzen verborgen sind. .Erzählen Sie mir die Geschichte die ser Blumen." sagte ich, sie muffen eine Gesichte haben. Sagen Sie mir, ob dieses Weiterleben der Todten sich nur auf die Blumen beschränkt! Sagen Sie mir, ob jene, die sie Ihnen einst gegeben hat, erbleichen würde, wenn sie die Blumen sähe, und ob dieser Fehde Handschuh, der den Naturgesetzen damit ins Antliy gescleud:rt wird, anderwei tig ein Widerspiel findet?" Von welchen Naturgesetzen sprechen Sie?" .Ton dem obersten derselben, dem Tooe, und seiner unzertrennlichen Ge fährtin. der Vergessenheit." Sie haben Nccht. Diese Blumen widerstreiten, dem Naturgesetze wirk lich!" .Und haben auch ihre Geschichte?" Vielleicht, doch werden Sie dieselbe von mir nicht erfahren." Soll dann ich Ihnen eine erzählen. die der Jhrigrn vielleicht sehr ähneln kann? Kann, nicht muß. Diese Blumen allein können beispielsweise das Symbol der Trauer sein, die Sie im Herzen um eine Lebende tragen." Kann sein; ich weiß es nicht. Erzählen Sie Ihre Geschichte." ' .Gern. In das Wohnzimmer eines jungen Mannes, der glücklich schien und in den Tag hinein lebte, eines je ner eleganten Lebekünstler, deren cs so viele gibt, traten einst zwei seiner freunde, um, ich weiß nicht was, zu sehen. Einer von ihnen war nur ein Geck, der Andere ein Dichter. Ter Geck sah über dem Bettende einen alten, vertrockneten Olivenzweig hängen und brach in lautes Spottgelächter aus. dichter lachte mcyt. xtx zunge Mann aber entschuldigte sich und sagte: Du hast ganz recht zu lachen es ist auch lächerlich, aber ich bin einmal ge wohnt, den Zweig dort zu sehen, und .T " j. r- r ir rt oarum iniic icq lyn. A)er VJUnC) xt so ein Gcwohnheitsthier." Als der Geck fortgegangen war, sagte der Dichter: .Ich denke noch immer an den Oli venzmeig. Er hat gewiß eine Geschichte; Du kannst sie mir erzählen." Ja, eine Geschichte ebenso kurz als traurig. Es war Psalmsonntag. Fünf Jahre ist es schon her. Ich mna an der aro ßen Domkirche vorüber, und ein kleines Aürschchen. das einen Kreuzer oder zwei verdienen wollte, bot mir den Oelzweig an und sagte: ' Sie können ihn Ihrer Geliebten ge den. ' Ich lachte, nahm den Zweig und gab dem Burschen zwei Kreuzer. In demselben Moment gmg ein sun aes Mdchen an mir vorüber.' mit dem ich bisher nur ein einziges Mal gespro chen hatte. Ich weiß nicht, ob sie schön war, in meinen Augen war sie wunder schön, rein wie Margarethe, ehe sie Faust begegnet war; ein gut, liebes Gesicht, ein liebes, gutes Herz. - Ich grüßte sie laut, und ihre Mut ter. welche glaubte, ich wolle sie an reden, blieb stehen. Ich trat zu den Frauen hin und fragte die Mutter, wie es gehe. Waren auch Sie bei der Palmen, messe?- sragte die Tochter. .Nein." entgegnete ich. .diesen el zweig gab mir ein Knabe, und ttenn 'vle lyn annehmen, maözt es mir eine Freuoe. Ihnen denselben zu geben.
Ich danket und sie nahm ihn, wo
rauf ich sagte: Bewahren Sie ihn gut auf. wer weiß, vielleicht wird er Ihnen Glück bringen." Ich will Dir hier keinen Noman er zählen. Ich überspringe Vieles und eile zu den chlußkapiteln. Eine Ehe zwischen mir und dem Müd chen war ausgeschloffen, nicht weil wir nicht wollten, sondern weil die Eltern dieselbe für unmöglich erklärt hatten. Ich aber sah das Mädchen wieder und begann es zu lieben. Eines Tages wurde ein Bricfchen von mir bei ihr gefunden. Die gute Mutter sagte: Weshalb wollen Sie Kummer und Herzeleid in unsere Familie bringen? ile wissen selbst, da es zu nichts süh ren kann." Ich wußte, was meine Pflicht sei: nicht mehr an sie zu denken. Man sagte ihr alle möglichen häßlichen Dinge über mich; und sie hörte zu und schwieg. Sie schwieg immer. Da, elnes-Tages wurde sie krank. Ich erfuhr cs erst drei Monate spater, als sie schon aufgegeben war. Ich konnte nicht mehr widerstehen. Ich pochte an jene Thür, an welche ich so lange mcht getreten war, um zu bitten, man möge' mich zu ihr hin las scn. Ein Diener öffnete mir. Er hatte Thränen in den Augen. Ich ahnte Alles. .Wie geht es ihr?" fragte ich. Sie ist soeben gestorben." Ich trat in das Zimmer. Ihre Mutter lag dort ausgestreckt über der Leiche. Die Todte selber hatte tief in den Höhlen liegende Augen, ein blei ches, abgezehrtes Gesicht, bläulich ver färbte Lippen, auf denen cs wie feuchter Schaum lag. Sie war hinübergeschla sen und hielt noch im Tode die linke Hand zusammengepreßt, als wolle sie darin etwas sesthalten. Das Dienst mädchcn hatte m diese Hand, die über den Bettrand überhing, eine Wachskerze gesteckt. Die rechte Hand der Todten aber lag auf ihrem Herzen, und mit zwei Fingern hielt sie einen Oelzweig, denselben Oelzweig, den der Knabe mir vor der Domtirche gegeben hatte, und den ich ihr mit den Worten gereicht hatte: Bewahren Sie ihn gut auf, vielleicht wird cr Ihnen Glück bringen!" Der Oelzweig hier ist derselbe. Er lebt noch, wenn auch verdorrt; von ihr aber, von der Geliebten ist nichts da, nichts, was sie von, den anderen Todten unterscheidet." Hier endete die Geschichte des jungen Mannes und hier beende auch ich sie. Diese Geschichten," sagte mein Freund, .sind schon abgedroschen. Derlei Dinge," und er wies auf die Blumen, .wie so ein Olivenzmcig. ein Kreuzchen, ein Buch, ein Handschuh, sind oft Zeichen für ein Gefühl, das in dem Einen erstorben ist und in dem Anderen weiterlebt; aber ich glaube nicht, daß solche das Zeichen eines Ge fühls sein können, das irgend einem das Leben gekostet hat. Nein. nein. Die Liebe töotet heutzutage die Frauen nicht; die Frauen todten die Liebe!" - Und er schwieg. Ich aber begriff, daß jener welke Blumenstrauß aus dem Tische dort eine Enttäuschung, einen bitteren Schmerz für jenen Mann bedeute und gab dem Gespräch eine andere Wendung. Gesundheitspflege. Der Appetit. ES gjbt viele Menschen, die das Ge fühl eines wirklich tüchtigen Appetits ost jahrelang entbehren, und dadurch,daß sie diesem Gesühl nachgeben, sich den Magen ernstlich verderben, d. h.ihn vom regelmäßigen Annehmen der Speisen zur rechter Zeit entwöhnen. Durch übermäßiges Effen überläd man den Magen allerdings, durch ein wem ges Genießen entkräftet man ihn, und es ist fraglich, welches der beiden Uebel das kleinere ist. Jedenfalls ist es falsch, bei eintretender Appetitlosigkeit auch gleich mit den regelmäßigen Mahlzeiten aufzuhören, es schadet garnicht wenn man selbst ohne Appetit zwei oder dreimal am Tage mäßige Portio nen ißt, und je mehr man es versteht, mit den dann eingenommenen Eßwaaren und Speisen den Gaumen zu reizen und ihm zu schmeicheln, desto schneller wird wieder die Verstimmung vergehen. Der Appetit kann ebenso gut gewöhnt werden, wie jede , andere Körpcrfunktion, und eine große Beihilfe dazu ist die Eontrolle und Gewöhnung der Ver dauung. ES ist ferner als Prinzip und Grundsatz richtig, daß man Kindcrn anhalten soll, alles zu essen, aber cS giebt auch selbst bei artigen Kindern kleine Verstimmungen im körperlichen Besinden, zufolge deren sie oft Abnei gung vor einem oder dem anderen Gericht empfinden. Dann sollte man den Kindern irgend eine andere Speise ge ben, nicht aber zwingen, etwas zu ge nießen, was ihnen momentan widerstrebt, ein . andermal werden sie das verschmähte Gericht vielleicht wieder ganz gerne essen. Nur wenn Launenhastig teit die Triebfeder war, dann thut man recht, Folgsamkeit zu erzwingen. Die Heilkraft des Salzes. Ein einiacheZ, wenig kostspieliges.' aber sehr wirksames Heilmittel ist das, Salz. - Wenn man sich die Augen durch anhaltende Schreib .und Näharbeit ermüdet hat. so wasche man sich mit' warmen Salzwaffer. Eine stärkere Lösung verwende man bei ermüdeten Füßen. LaueS Salzwaffer ist ein ans-' gezeichnetes Zahnwasser. Bei Schnu psen ziehe man alle drei Stunden'Salzwasser durch die Nasenlöcher und er. wird schnell verschwinden. Auch bei' dem gewissen rauhen kratzenden" Ge-' fühle im Hals wirkt das Gurgeln mit Salzwaffer sehr erfrischend und tödtet den Keim mancher Halsentzündung. Und Bäder mit einem Zusatz von See--salz sind ein bekanntes Mittel zur Kräftigung von Jung und Alt. Kindermund. Ach, Mama wie freue ich mich, daß der Klapper storch mich gerade zu Dir gebracht hat!
Die geheimnisvollen Jwillingö
schwestern. In der freien choreographischer. Vereinigung" zu Berlin hatte Jeder Zutritt, der zwei Mark für den Abend anlegen und das Tanzbein schwingen konnte. Barone und Friseurgchilfen. Kellner und Studenten. Alles bewegte sich dort im bunten Durcheinanderium. hoppste, walzte, schottischte und freute sich überhaupt seines Daseins. ' Dainen wären natürlich srei". Die selben brauchten.- wenn sie in Bcglei tung Erwachsener" erschienen, kein Eniree zu, befahlen. Da bei jedem dritten Tanze Damenwahl stattfand, so hatte das'' Plakat, an den Litfaßsäulen also auch Recht.' wenn es die Gesellschaft in der freien choreographischen Vereini gung als eine ' sehr gewählte bezeichnete. . Die beiden auffallendsten und am meisten bewunderten Erscheinungen unter sämmtlichen Tänzerinnen, die gewohnheitsmäßig in dieser freien Verei nigung verkehrten, waren aber Zweifel los zwei Zwillingsschwestern, Fräulein Lilly und Fräulein Eillu, wie sie ein fach genannt wurden, den Vatersnamen wußte man nicht, denn: Nie sollt Ihr mich befragen. Noch Wissens Sorge tragen. Woher mein Nam' und Art! galt im gegenseitigen wohl verstände nem Interesse als oberster leitender Grundsatz an diesem Orte des zwang losesten gesellschaftlichen Verkehrs. Eilly und Lilly konnten daher ebenso gilt Meyer als von So und So heißen, von Außerhalb aber waren sie auf je den Fall, denn allabendlich nach beendetem Vergnügen fuhren sie mit einem flotten jungen Gutsbesitzer, der ein be kanntes größeres Gut in der Umgegend von Berlin sein Eigen nannte, in des sen Equipage wieder von dannen. Wohlgemcrtt, aber immer nur Eine von ihr.en zur Zeit! Nie hatte irgend Jemand die beiden lieblichen Wesen zusammen an ein und demselben Abend in der choreographi schen" gesehen, und bei ihrer geradezu unheimlichen Achnlichkeit war daher schon Mancher auf den Verdacht gerathcn, Eilly und Lilly seien ein und die selbe Person. Genauere Bekannte wußten jedoch mit tödtlicher Sicherheit, daß Lilly einen ganz kleinen braunen Leberfleck auf der linken ausgeschnitte nen Schulter besaß, während Eilly dieses Reizes leider entbehren mußte. In allen sonstigen Dingen waren sie aber gleich liebreizend, die Eine lachte so laut und lustig wie die Andere, und die An dere schmiegte sich mit derselben SelbstVergessenheit an ihren Tänzer an wie die Eine. Im Uebrigen war der vorerwähnte junge reiche Gutsbesier nicht etwa ihr steter Tänzer, sondern cr brachte sie an-' gefahren, lud sie vom Wagen ab und nachher wieder auf und reiste dann mit ihnen davon. Sonst bekümmerte er sich wenig weder um Eilly noch um Lilly,' die ja auch ohne ihn Verehrer genug hatten, besonders unter den zahlreichen Baronen, die dort dem Tanzsport tzuldigten. Selbstverständlich hatte nun aber doch das gehcimnißvolle Treiben der beiden Zwillingsschmcstcrn allmählig in der sogenannten Brust einzelner dieser Verehrer den naheliegenden Wunsch rege gemacht, auch mal etwas Näheres" über Eilly resp. Lilli zu erfahren, wie z. B. wo sie wohnten, ob sie viel-' leicht gute Partieen" seien u. s. w.,' u. s. w. Aus dem jungen Gutsbcsier war. nämlich über diese Punkte auch nicht ein Sterbenswörtchen herauszubekommen.' Aber, lieber Freund," hatte ein desonders interessirter Baron kürzlich erst' wieder mal gefrggt, das können Sie uns doch wenigstens verrathen, ob die jungen Damen Gutsnachbarn von Jhnen sind!" Allerdings wohnen sie in meiner Nachbarschaft'."! hatte der diskrete junge Herr hierauf reservirt geantwortet. Weiter aber, war nichts aus ihm herauszubrin-' gen. So standen die Sachen, als eines Abends in der freien choreographischen Vereinigung mal etwas ganz Besonde res los war und zwar ein Faschings ball, bei dem es ungewöhnlich lustig herging, noch viel lüstiger als sonft, und bei dem quch der Sekt natürlicherweise in sogenannten Strömen floß.! Die Zeit der Abfahrt Lilly mit dem; Leberfleck war an diesem Abend die, glücklich Genießende hatte sich daher auch ungewöhnlich lange hingezogen., da der junge Gutsbender sich in eine! ebenfalls ungewöhnlich starke Erregung hineinget anzt hatte, und so drohte denn die rosennngerige Morgenröthe" bereits demnächst hereinzubrechen, als das Fuhrwerk sich in Trab setzte. Noch war es aber vollständige Finsterniß und diese sowohl, als auch die heutige Unachtsamkeit der etwas start anget anzten Insassen benutzte daher der jugendlich übermüthigen Barone, um sich mit kühnem Schwünge hinten auf das Vehikel zu hocken und auf diese Weise endlich einmal den Schleier des peini gendcn Geheimnisses zu lüften. O, hätte der Unglückselige doch an das verschleierte Bild von. Scis ge dacht. In raschem Trabe flog da? Gefährt über das Pflaster, bald lagen die Thore Berlins hinter den Tahinsausenden, und übcr Xdorf und Jberg ging es auf holperig; Landwegen, die aber die Strecke bedeutend abkürzten, wenn auch der wißbegierige Baron dadurch arg ge schüttelt wurde, schließlich auf eine glatte und ebene, prächtige Ehaussce. Gerade wich die Finsterniß dem an brechenden Tag und schon begegneten vereinzelte Milch- und Gemüscwagen unserem eleganten Zweispänner, so daß dem Baron hinten in seiner heiklen Ausnahme. Stellung" doch bereits recht unheimlich zu werden ansing, als plötzlich von vorne her ein lmltes: Prr! Halt Braune!" ertönte Ter Wagen hielt vor dem Ehaussee-Wärter
Häuschen, welches der Baron natürlich, da er hinten hockte, vorher nicht zu er blicken im Stande gewesen war. Schon wollte er sich durch einen schleunigen Sprung von seinem Si vor der Schande des Entdecktwcrdens retten., als plötzlich aufs Neue die Stimme des jungen, schneidigen Gutsbesitzers in sein Ohr gellte und zwar vernahm cr diesmal die seltsamen Worte: So! Nu man schnell runter
vom Wagen, damit der Alte nichts merkt!" Und in demselben Moment sah er auch um die Ecke der Kutsche herum, wie die schöne Li'llie ohne jede Grandezza vom Tritt heruntersprang und eiligst in das Wärterhäuschen hin einlief. An dem Schalter desselben Häuschens jedoch, eine Täuschung war in diesem Falle ganz au-geschlos sen, erschien zu genau derselben, Sekunde im einfachen Ehaussce-Wärter-Töchter-Ncgligee die liebliche Eilly, die Zwillingsschwestcr. um von dem Len kcr dcs Gefährts mit einer Art Klingel beute! den üblichen Zinsgroschen einzukafsirenl Der Herr Baron hatte genug gesehen. Er war nunmehr informirt"! So gewandt, wie ein Elown aus EircuS Renz sprang er. um von dem jungen Gutsbesitzer nicht geschcn und ausge lacht zu werden, mit einem einsigen Satze direct von seinem Hintersitz in den Ebausscegraben. in welchem er sich in ticfgebückter Stellung eine ganze Strecke vorwäts bewegte, um erst wieder hcrvorzutauchen nachdem der Wagen glücklich außer laicht war. Das sonderbare Geheimniß, welches über den beiden Zwillingsschwestern ge schwebt hatte, war aber nunmehr doch gelüftet worden, sie mußten eben einfach eine um die ändere den Wachdienst besorgen und die .Jroschens" cinkassi ren! Das war ihre sociale Stellung! Nachbaren des jungen Gutsbesitzers waren sie aber doch, denn sein Gut lag ganz in der Nähe! Moral: Man soll sich mit der Schön heit, als solcher, allein zufrieden geben und nicht weiter ihrem Ursprünge nach forschen! Die Bkskvaftigttng der Frau. Was für den Mann Beruf ist, er .riedrigt sich für die Frau zum Erwerb zur Fristung des leiblichen Lebens nur im Nothfalle der Unvollkommenheit der menschlichen Verhältnisse. Die Frau ist berufen. Gattin und Mutter zu sein und damit den wichtigsten Antheil an der Begründung der Familie zu neh men. Das Wohl der Familie aber ist das Wohl des Staates, ja das Gedeihen der Menschheit. Die Beschäftigung der Frau ist nur beschränkt auf den Kreis dcs Hauses, dessen Gesundhcitsmäßigkeit sie möglichst anzustreben hat. Der Mann, dem es zu Hause wohl ist, wird keine rauchigen, lärmenden, kostspieligen Kneipen besuchen, und neugestärkt und mit frischem Muthe zur Arbeit gehen. Einige Geduld selbst mit ben Fehlern des Manncs wird der Familie und damit auch der Frau selbst nicht zum Schaden sein. Kein Tadel, viel Freundlichkeit, möglichst' zweckmäßige Kost, peinliche Sau berkeit macht das Haus dem Manne zum Himmel und die Frau zum Engel. Die kluge Frau wird darauf halten, daß sie mit ihren Geschäften das Erholungsbedürfniß des Mannes möglichst nicht beeinträchtigt, sondern' seine Erholungszcit mit ihm so genießen kann, wie es seiner Gesundheit und seiner Kräftigung dient. Sie kann sich mit ihren Geschäften nach ihm richten, aber er nicht mit seinen Berufsgeschästen nack ihr. Sie kann meist durch ge schickte Eintheilung. wo ihr nur der Hausstand obliegt, ihre Arbeit und Er holung zu einer ganz gesundheitsmäßi gen einrichten. Gesundheit und Schön heit aber sind immer untrennbar ver bunden und nur eine gesunde Mutter wird schöne und gesunde Kinder haben. ie wichtigste Ausgabe der Frau ist ! nicht Hand oder Kopfarbeit, sondern i die Relsung gesunder und kräftiger Kinder bis zu leiblicher Selbständigseit, ihre Ernährung, bis sie mit eigenen Zähnen weiterkommen, und ihre Verstandes und Herzensbildung, bis . sie weder Konkurrenz noch Uebcrvölkcrung zu fürchten haben, um ihr leibli ches Dasein zu fristen. Diese Ausgabe ' nimmt die Frau aus jeden Fall so in Anspruch, daß sie überhaupt nur die halbe Arbeitskrast des Mannes zu entfalten vermag, abgesehen von der Verkümmerung ihres echten weiblichen Wesens, selbst wo sie jener entsagen will oder im Dränge der Noth muß. Auch von der Beschäftigung der Kinder muß die Ncde sein. Ein Säugling hat nichts weiter'zu thun, als seine Rechte geltend zu machen, zu wachsen und zu zunehmen an Kraft. ' Im weiteren Wachsthum muß er rechtzeitig sprechen und laufen lernen und.kann eS, wenn er wohl gepflegt ist. Sauber hält er sich schon bald, wenn er stets sauber ge halten ist. Sprechen lernen heißt aber auch Gedanken zum Sprechen haben, und ein Kind zwischen dem ersten und siebenten Lebensjahre lernt mehr von der Welt kennen bei geschickter Anlei tung. es erwirbt bei moralischen Eltern festere sittliche Anschauungen, als später l in der ganzen Schulzeit, und dauerte ! sie bis zum'zuianzigsten Jahre. Mark hat dabei nur zu viele Eindrücke fern zu halten und kein schlechtes Beispiel mit seinen eigenen Thaten zu geben, denrr Worte nützen hier stet weniger al5 Beispiele. WaS bis dahin freilich int Körperlichen und , Geistigen versäumt und vcrsehlt ist, wird nur mit über menschlicher Mühe und Umsicht nachge--j holt werden können. - Höchste Loyalität. Fürsr auf der Durchreise, zur. Deputation: eines Landstädtchens): Ihr habt ja stets treu zu Eurem Fürsten gehal ten '.-Bürger (begeistert): Ja. da5dürfen Hoheit glauben! Sie sollten: nur einmal an hochdero Gedurts und NamenSfefl hier sein, was eS da für Näusch' gibt !"
