Indiana Tribüne, Volume 16, Number 207, Indianapolis, Marion County, 16 April 1893 — Page 4

J.

3

fapMBBBBgaarAgJi

Gtn Ulk" und seine Folgen Humorcttk von tt. ZZindner. In dem Parke einer kleinen UniversZ iätsstadt gab es ein solenne Gartenfest,

zu welchem nebrn Einem Hochverehr seine benznnSerndcn Blicke auf diesem len ADei" und P. 2. Publikum- auch Mustcrbilde eines Jracks da drin im Die Studentenschaft und das Professo i Spiegel ruhen. Ueberhaupt. wie er ?en-(ollegium des Städtchens cingcla ! da stand, war, er nicht ein ganz passabden waren. Tcn Herren Professoren ! ler Bursche? Zumal diese Figur. Ja,

und Studenten (den radikalsten Bier consumenten der Gesellschaft) sollten einer Anordnung des prungeii Gast wirtbs zu Folge die EntteebilletZ aratis verabreicht werden: nur mußten 2. m. , f - t I sie sich, der leichtern Eontrole halber. beim Eintritt in den Garten, dem da sebst postirten Kassirer gegenüber legi timiren. Dies benutzten unsere hoch achtbaren Stuoiosi, um ihrem allge mein übel beleumaulten Professor Ro bert Schaf einen Schabernack zu spie len. Vier seiner Hörer", bei denen er in besonders üblem Gerüche stand, erwar teten ihn in vollem Wichs im Vorhofe des Universttatsgebäudes. Man empfing ihn mit brausenden Hochrufen und gab ihm als Zeichen besonderer Verehrung das Geleite. In der Nähe des FestplatzeZ angelangt, verabschiede ten sie sich unter irgend einem Vor wände von ihrem Osterlamm, indem sie gleichzeitig versicherten, auaendlick .ich nachkommen zu wollen. Thatsäch lieh eilten sie auf einem anderen und näheren Wege demselben Ziele zu, wie der Professor. Nun sollte der Ulk los gehen." Man beginnt einzelweise die festlich geschmückte Eingangspforte zu Passiren, wobei ein jeder von dem pflichtgetreuen Kasstrer um seinen werther. Namen" gefragt wird. Tie werthen Namen" lauten: 1. Karl Ochs!" (Wird no Zirt.) 2. Josef Kuh!" (Man lächelt und notirt.) 3. Wilbelm Rind!" (Man er staunt, äußert halblaute Bedenken" und notirt.) 4. Franz ffameel!" (Tas scheint zu bunt. Man springt auf und stellt den Herrn Doctor" wegen dieses .schlechten WiZes"ur Rede. Doch ge lingt es der Vertheidigungsrede des angehenden Advokaten seine völlige Unschuld zn erweisen. Wird also auch notirt.) 5. Nach einer Weile kommt der Herr Professor. Türfte ich um Ihren Namen bit ten?" Robert Schaf!" Das war zu viel! Wüthend läßt der Herr Kassirer den Schutzmann holen. Dieser ruft schmunzelnd den Polizei 5ommissär. Letzterer eilt vorsichtiger Weise zu dem Bezirksvorsteher. Der Bezirksvorsteher traut sich nit recht" und bringt wedelnd den Bürgermei' fter. Ter Herr Professor ist wie aus den Wollen gefallen. Seine Betheuerungen, thatsächlich Ein Schaf" ra sein, nützen nichts. Er wird wegen vorlätzllcher Erregung önentlichen Aer oernisseZ- und willkürlicher Jrrelei lung obrigkeitlicher Behörden" ziemlich unsanft unter Dach gebracht. Erst der nächste Morgen und der auf Befehl des Bürgermeisters mit Hilfe des Be zirlsvorstehers durch den PolizeiEom missar vermittelst des Schulmannes herbeigeholte Rector der Universität dringt Licht in die Dunkelheit der Ge. fängnißzelle, der obrigkeitlichen Schä del und der ganzen Affaire. Rüh' rende Erkennungsscenen. Vier Stu dentcn haben sich wegenFalschmeldung" zu verantworten und werden in ein anderes Witzblatt relegirt! Exfant tereiele. Der kleine n?ritz (zu dem soeben hereintretenden Freunde seines Vaters): Hat's sehr weh gethan, Onkel?" Onkel: Was denn, mein Junge?" Fritz: Das Ohr." Onkel: Ich versteh' Dich nicht. Fritzchen!" Fritzchen (flüsternd, in geheimnißvollem. mitleidigenTone): Nun Dein Ohr. Onkel: Aber wie kommst Du auf diesen Einfall, inein Junge?" Fritz: Papa erzählte doch der Mama vorhin, daß er Dich gestern beim Spiel derb üder's Ohr gehauen hätte." Schwere Errungenschaft. Striesel und Streusel treffen sich nach Jabren wieder. Striesel: Ach, erin erst Du Dich noch des Fräuleins Ha igcn, dessen Alter wir damals gar nicht . herausbekommen konnten? Wir hätten uns um die Sache beinahe duellirt." Streusel: - Ich habe ihr Alte? später erfahren. Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, es herauszubringen, und ver lobte mich mit ihr, aber da kam ich erst recht nicht dahinter. Nun ging ich auf's Lete, ich ließ mich mit ihr trauen, und da habe ich es endlich auf dem Standes omt erfahren." Hm. hm! Aus Pr. Star gard wird der Danziger Zeitung" ge schrieben: Ueber die nun fest be schlössen? Errichtung der neuen Provin zial-Jrrenanstalt herrscht in den streifen der zunächst daran Beteiligten große Befriedigung. Ob eine Ver mehrung des geistigen Lebens dadurch herbeigeführt werden wird, bleibt wohl abzumarken. Auch eine Passion. Prin. . . cr.y . t. . r. ... - r . gipai: zuo oieioen oie, Aceyer, es i)t bald neun!" Uomnns: .Entschuld! gen Sie, ich habe mich beim Hühner augenoperateur etwas aufgehalten." rrnz'.pai ernaum): Hühneraugenvperateur? So, so, Sie haben auch uovie Pa?nonen. Ein Hauptkerl. Offiziers. vur ffie zanlowlak: .Mach Ncd rechts um, gnädigstes Herr Hauptmann! Da - ts sich was Liebes, wmkt mit Reaen schirm seinigeZ." Hauptmann: Na. wer ist es denn?- Jankowiak: Jz C) gnädigstes 2cavam Hauptsrau! FürchterlicheKrankbeit. Bäuerin: Herr Doktor, was fehlt eir?" Arzt: 7ne Bagatelle....' Bäuerin: Jessas, von so 'ner Krank keit bab'i' noch aatnir a'böctl"' -

VeilÄen!

Von H Inriö LadSberger. Vortrefflich! Ganz vortrefflich und noch einmal ließ der brave Eduard sie war sein Stolz. Tazu außer diesen körperlichen Vorzügen seine sonstigen. Erstens ein entschieden llebenswurdlger Charakter, denn warum soll der Mensch sich unterschäncn? Sodann seine Visi . JY ' 1 icninne, Aflcfloi: am ammergeril. Und drittens bei seinem Banquier die hübsche dicke Ledermappe mit den kur märkischen Pfandbriefen, alles Taufen der uns Fünfzig Stücke. Hatte er also nicht alle Ursache, mit sich zufric ten zu sein? Und nicht nur er, sondern -und das war doch eben die große Hauptsache, auf die es ankommen sollte auch sein hochzuvcrchrender unmit telbarcr Herr Vorgesetzter, mit einem Worte, der Herr Präsident. Nrni, Herr Präsident," wollte er ihm nämlich sagen betrachten Sie mich gütigst, wie ich hier bin, meine Verhältmne Md Ihnen bekannt, urz und bündig, ich bitte um die Ehre, mich Ihren Schwiegersohn nennen zu dür sen." -Und warum sollte der Präsident dann nicht einwilligen? Und Elli? Edu ard schmunzelte sehr vergnügt. Aller ding, er hatte noch keine Silbe mit ihr darüber gesprochen. Ganz einfach des halb, weil man nach dem Brauch der guten Gesellschaft in solchen Dingen eben erst mit den Eltern sprechen soll. Aber, nein wahrhaftig, da war ihm nicht bange. Gab sie ibm nicht fort während und bei jedem AnlaJ Beweise ihrer Sympathie? Im letzten Winter auf den Bällrn, bei den Begegnungen im Theater, die reizenden Zufälle auf der nun leider verflossenen Eisbahn, und nun am vorigen Sonntag, gerade vor acht Tagen, dieses entscheidende Diner, wo er drei Stunden lang an ihrer Seite saß und allerliebste Knall bonbons mit ihr zog. Und bei den Knallbonbons eben war es auch. Wenn's der Mund Dir darf nicht sa gen, darf es dann daZ Auge wagen?" So lautete die unvergeßliche, in Poe sie getränkte Devise. Und da sab er sie an und sie ihn . . . und die Folge . . . nun eben dieser Gang, den er somit be schlössen hatte ... Ein paar be schränkte Menschen nannten sie kokett, sogar Berechnung und Gefühllosigkeit wurden ihr, wenn er nicht irrte, vorge warfen . . . Pah! Als ob die Menschen nicht immer etwas zu lästern hätten. Das sollte ifjtf wirtlich nicht hindern. Was sie aber hinzuzufügen vergaßen, war, daß Elli's Papa eben Präsident war und junge Leute, welche Ear riere machen wollen, können einen Präsidenten als Schwiegerpapa immer brauchen, zumal heutzutage, und wenn dieser Präsident der unmittelbare Vor gesetzte ist. Noch einmal, es soltte ihn wirtlich nicht hindern. Zwölf Uhr? Also Zeit! Nur einen Blick noch, einen legten in den Spiegel..,. Ten Som merüberzieher über, trotz der warmen Maisor.ne draußen, da man im Frack bekanntlich nicht auf die Straße kann. und nun, mein lieber Eduard, aus nach Valencia! Wie prächtig da? doch ist, solch' ein schöner goldener Maitag. Eigentlich das erste echte und rechte Zrühlinzswetter. lwas warm auerolNf,s, aoer zn seiner unternehmenden Stimmung ganz vortrefflich passend. Die Skcaße. die Häuser und auch die festlich gepuy ten Menschen, wie licht und freundlich das Alles. . Tie Bäume in hellblüben dem Grün und droben über dcn Tä cbern wolkenlos der blaue Himmel. Die kleinen Gärten vor den Häusern. Gebüsch und Beete, aus tausend quel lenden Blüthen duftend. Unter den Blumen gaukelnde Schmetterlinge, brummende Bienen, auf dcn Zweigen ZTJitschernde Vögel. Dazu eur Weben, e?n Hauch in der Luft und das Al les im warmen goldenen Sonnenschein. Auch Eduard kann sich dem holden Zauber nicht entziehen .... Sonnenstrahl, Sonnenscheinlachst mir in's Herz hinein!" summt er un willkürlich stillvergnügt vor sich hin. h!anz funoZ wird's ihm zu Muthe. Was so ein Maiensonntaq nicht Alles ml'.cht. Als ob lhm so ein leuchtender warmer strahl letver allen Erntes in's Herz hineingebuscht wäre. Da mache sich Einer noch über die Herren Lyriker lustig, und bei Gott, auch er fühlt das Bcdünnlß. diesem wunder samen Hexenmeister Mai seine Huldi gungdarzubringen. So ei? Sträußchen oer Blümchen, eine Rose, ein Veilchen, wo steckt denn eine dieser Verkäuferin ncn? Er hat ihn förmlich berauscht,' dicier Hexenmeister. Er mun. eins. muß durchaus eins . dieser kleinen Sträußchen haben. Vergebens natür lich, daß er sich umsieht, da Blumen vcrkäuserinnen mit Droschkenkutschern bekanntermaßen das Vorrecht genicnen. niemalSdazu sein,wenn man sie braucht. Nun, dann wird sich hoffentlich noch auf dem Wege eine diezer Duennen sin den. . . Fast mußte Eduard über sich lächeln. Wie lange,, wie lange war.'s her, daß er mal dieje Einfülle hatte. Em Veü chc:i, eine ircoie an der Arvn. er Aktenstaub war eben nicht gefund für die zarten Dinger, und hinter den Akten sas er nun schon io , manches Jahr. Da dachte man auch an andere Sachen! Karriere! das war. die große Lcjung. Unaufhaltsam, in grader, gestreckter Marschroute, so gedachte er auf, sein Ziel loszumarschieren. Darum befand er sich aus diesem Wege, und nun, wie der mußte er darüber lächeln, nun blieb er auf diesem Wege stehen und sah sich nacd einem Veilchen um. Einem Veilchen! ..Warum machte nur daZ kleineWort. das bescheidene unscheinbare Blümchen den guten Eduard aus einmal so nach dentlich ? k . ,

IteaiflHWMP

Und se mehr er dachte und sann, um s 14 1 k IS V iltktft U WUllk UIIW UIUI( II tll I so deutlicher erhob es aus dem dunklen k Schooße der Vergangenheit sein blaues ! winziges Köpfchen. Und plöklich nickte eZ ihm mit noch anderen Geschwistern, sauber von schim merndem Staniol umhüllt, , aus dem Fenster eine Blumenladens und inmit ten duftcnöer Rosen und Nezcden zu. Er ging grade dabei vorüber, es war auch so ein leuchtender Maientag wie heute, der ihm d'.e Lust nach etwas Blühendem weckte. Damals, da war er noch jung und liebte die Blumen sehr. . . . und da trat er in den Laden ein und da lagen die kleinen duftenden Blumen auf dem Tisch der Herr könnte aber, wie die alte, runzliche Frau, die Verkäuferin, hinzufügte, wenn es ihm gefällig sei, auch echte ParmaVcilchen baben. Gleich rief sie auch danach: Lieschen die Parma Veilchen. Lie?chm!" Gleich. Großmama.... Und dann that sich hinter dem Tisch das grüne Gebüsch auf und Kervor schlüpfte eine ttlnbergeitalt, so hold und lieblich und so jugendfrizch. wie die Rosenkno.ipe da, nein, wie die bescheidei.en und doch so süßen und duftenden Blümlein. die sie ihm bot. Nun '?ar er ganz rerduAt von dem plölichen anmuthigcn Wun der und starr:e es groß an. Da wurde sie roth und senkte d?e Augen, auch so blau wie die Veilchen in ihre? Hand. Da rief die alte Frau etwas und nun erst wachte er auf und nahm eins von den Sträuschen aus ihrer Hand. Meine Enkelin." sagte die Alte mit wohlgefälligem Lächeln Dcn gan zen Tag trug er s aus der Brust und dachte des holden Geschöpfes, das es ihm gereicht, uns als es Abend aus seinem grünen Kragen matt und müde das Köpfchen senkte, da that er es so gleich in ein Wasserglas, und anlande ren Morgen da sah er zu allererst da nach, und immerfort dachte er der Au gen, die ihn gerade so blau und lieb angeschaut hatten. Und dann, als die Mittagsstunde kam, da stand er plöklich abermals vor dem Blumenladen. Erst sah er behüt sam durch die Scheiben, da war sie wie der in aller Holdseligkeit, das liebliche Gesicht mit dem etwas fürwitzigen Stumpfnäschen und dunkelbraunen Wellenhaar über einen Kranz gebeugt, an dem sie emsig flocht.... Hui, wie er hinter die große Fäckx:rpalme ver schwand, denn saft hätte sie ihn bemerkt . . . :und dann trat er wieder höchst ehr bar in dcn Laden und die alte runzliche Frau lächelte gutmüthig sie er kannte wohl den stummen Bewunderer von gestern .Ein Veilchensträuk chen." Parma.Veilchen?" Gewiß, gewlL. Parma-Veuchen." Vor lauter Euer schoß ihm betn das Blut ins Gesicht und wieder rief sie : Llcschen. die Parma'Vttlchen!" .... und Lieschen kam. Wie sie zurückfuhr. als sie ihn sah, fast erschrocken; dann aber als ärgerte sie die hohe Ehre, die sie dem fremden jungen Herrn damit zeigte, lächelte sie ganz freundlich und unbefangen Bitte sehr, mein Herr, wenn Sie sich auszusuchen belieben" und das fürmikiae feine Stumpf naschen blickte noch viel entzückender drein. Jetzt wagte er auch eine Bemer kung, od die Veilchen denn wirtlich aus Italien kämen. Wie der Herr zweifeln könnte, entgegnete Lieschen, und beinahe in Entrüstung. Nun, weil das doch gar zu weit sei. ES war nichi besonders geistreich. aber da sing Lieschen nun zu plaudern an, daß die Veilchen in Watte verpackt würden, daß ihnen der Transport nichts auhabe; auch die Großmutter gab ihre Weisheit dazu. . .. und dann machte er irgend einen Spaß, da kicherte Lies chen, so hell und so srisch und so silbern; und sah mit dem Grübchen und den wekßen Zähnchcn noch viel reizender aus., und da kicherte rs nicht auch aus allen Blüthenkelchen plöKlich und herein da leuchtete der goldene Maien lag und ringsherum nur Sonnenschein und Blumendujt, und sie sie überall. . . . Alle Tage kam er nun. sich seine Veilchen zu volen, Großmutter tächelte nur wohlwollend zu dem haimlosen urmachcr und Lieschen !:ev NÄ mun ter und neckisch, das Kindcrherz voll kleiner E.telteiien aus den aeireuen. stattlichen Verehrer, seine unschuldigen Huldigungen gefallen 5ie da, Herr Eduard ?" that sie manchmal in lustigem Spott bei seinem Kommen ganz erstaunt hat man denn auch mal wieder die Ehre ? Wi? dachten schsn, Sie mögen gar keine Veilchen mehr." Der übermüthige Schelm und zum Abschied drückte er ihr die Hand, dasselbe kleine, weiche Händchen, das ihm die Veilchen wand' und, so klein es war, doch mit tausend Fäden ihn an sich zog und nicht mehr ließ. Eines Morgens kam er wieder, da war Lieschen ganz, allein im Laden,denn Großmutter war krank geworden und lag hinten im Stübchen im Bett.' Mein liebes Lic-chen," sagte er da auf einmal zärtlich und beugte sich zu" ' r - Ist . ' ir UNS iqtang oen virm um oie zarie kindliche lÄestatt. Wie sie erzitterte . . . und so küßte er sie und nun alle, alle Tage.... .Lieschen," .rief es manch mal auS der hingen Stube, aber im mer ichivächer und schwächer, und als er wieder eines Morgens kam, da war auch Lieschen nicht mehr im Blumen laden, aus der Hinterftube aber drang leise ein Weinen und Schluchzen, und da kniete Lieschen an einem Bett, den Kops in die Kisten und auf ihrem braunen Haar eine weiße, erstarrte eh? würdige Hand. - Nun war sie mit einem Male ganz allein in der großen weiten Welt. Denn Vater und Mutter, die waren schon lange todt und darum hatte sie Großmutter auch zu sich genommen, nun deckte auch die dcr Hügel. Das Einzige, was ihre Großmutter zurückgelassen hatte, das war 'der blühende duftende Kram. Wohl oder übel, jetzt mußte sie. ihn mit eigenen schwachen Kräften weiter führen. Und

wie ernsthast, wie gcnz erwacysen sie nun auf einmal in ihrem schwarzen Kleide aussah und plötzlich war aus dem Kinde ein wobierzogenes, anmuthi ges stilles Mädchen g'worden Nun durfte er ncht mehr alle Tage kommen die Leute sprächen schon darüber davon aber mochte er nichts wissen und kam wieder wie zu vor. und glücklich wu er, so duldete sie's und kümmerte sich nicht mehr um die Leute, und Abends, wenn sie dann zu später Stunde den Laden schloß, dann wartete er drüben an der wohlbewußten Ecke und dann gingen sie zusammen dicht aneinander Ar in Arm und wa ren glücklich, so glück.ich. Da kam der Mo?, wo er, gerade in so feierlicher Tracht wie heute, in das große düstere Haus hineinschritt, sein Examen zu michen, und dann nacy vielen, schwenn Stunden der Abend, und da stürmte er wieder hi naus, voll eitel Stolz und Glück, und darüber stand Lieschen, daZ Herz voll Bangen und Hoffen. .. Herrgott, was das sür eine Freude var Und dann der Tag der ihm die An stellung brachte fern in der fremden Stadt, und da er säeiden mußtet .. Bis in die Lippen bfcich, die weit ge öffneten großen Aug?n starr auf ihn gerichtet, hörte sie ihm zu: Du willst will't von mir?" War's ihm doch se'.ber so schwer, so

ganz unsagbar schwer. Eduard!" Es muß' doch sein. Lieb'. Ich komme ja wieder!" Du versprichst eS mir mit Deinem heiligen Wort?" In Noth und Verzveiflung mit ge rungcnen Händen schrie sie's zu ihm auf Und er versprach's mit seinem Wort. Und da kam die fremde Stadt mit den fremden Menschen jd den fremden 'Straßen, das Getümiiel und Gewühl der Weltstadt, wo Jeder nur sich selber lebt sich' zu, b Du vorwärts kommst das Trängm und Hasten, hier nach Geld, dort nach Ehre und auf einmal war auch er selber drin in dem Getümmel und G:mühl und vor ihm das lockende Pharnom, Ehre, An sehen, Stellung. Tie ersten Wochen schrieb er ihr, dann.... mein Gott, es bleibt Einem auf dieser wilden Jagd, wie gern man auch möchte, ' fo wenig Zeit nun schrieb auch sie seltener und die schönen Frauen, die er alle sah o, er hatte sie aber darum nicht vergessen ..-..zu Weihnachten schrieb er ihr wie der und da, da kam der Brief zurück , Adressatin nach auswärts verzogen, wohin unbekannt" ' Ganz aufrichtig, Eduzrd, war Dein Leid damals auch wirklich so echt, oder athmetest Du ganz im Geheimen, um Dir selber etwas vorzumachen nicht mit leichterem Herzen aus? L)ar Dein Geführt mit einem Aale von allen Ballast nicht frei und konnte nun erst so recht in sausender Karriere hörst Du das Wort dahin treiben auf diesem spiegelglatten Asphalt, hin bis zu dem Hause dort, siehst Du's schon blinken Mit seinen goldenen Gittern und den blühenden Akazien davor, dem ersten Haltepunkt, da Du rasten willst; um dann, nun beflügelt von mächtigster Gunzt, immer weiter und welter dahin zu rollen, wer weiß noch, zu welchem glänzenden Ziel Und d:e MaiMne strahlt, und die Büsche duften, die Blüthen, und von drüben, gerade von dem stolzen Hause bcr. weht em fluthcndcr wundersamer Hauch Veilchen! Und da stecken die blauen Köpfchen zusammen: Denkst Du noch unser? Und warst Du nicht glücklich, so glücklich?" Und hast unZ nun doch in den Staub geschleudert und Dein sausendes Geführt über uns weg.. ..und nicht nur wir. auch eine andere unter den Rädern. Und liebtest sie doch und gabst ihr Dein Wort, Dein heilige Wort. und.... ja. ja, glaub' es nur, das Wunderbare, nun sie wie der vor Dir steht, wie einst zu der gol denen Zeit in süßer Schelmerei, in schluchzender Verzweiflung, und jetzt verlassen vielleicht, elend, elend durch Dich, durch Deine Schuld, weil Du ein Wortbrüchiger warst. .. .liebst sie noch heut' Äach Ehre zogst Du aus und gabst die eigene hin. Nach Glück und meinst mit dem Wurm da drinnen, und wär' es auf der stolzesten Höh', noch jemals so recht von Herzen glücklich zu sein Ist das, ist das der frische, freie, ehrliche Bursche von einst? Was ist geworden aus Dir? Nun blicke und' starre nur vor Dich hin Was zögerst Du aber? Da ist ja das Haus mit den goldenen Gittern " Vor dem Hause aber, gerade neben dem 'aternenpsahl. halt ein Madchen, emc zarie viane Veuatt. mit einem Korb auf dem Arm und, in Moos ge bettet, dustende blaue Blumen darin. Tie Straße ist vornehm und leer, und nur selten geht Einer vorüber. Als iväre ihr das gerade so recht, als schämte sie sich so schüchtern und so leise klingt ihr Rus.. eiicvcn, miede Veilchen, mein Herr!" Er schreckt davon auf richtig. oas war s m . . . cm solcher Straun . . . Nun tritt er heran, nun sieht er ihr in'S Gesicht da. schreien sie Beide aus Blau die Veilchen vor ihm strah lender aber das. goldene Gitter Vorwärts! Vorwärts! Sie war en auf Dich!" Da stürzt er vorwärts in's HauZ. An den Laternenpfahl aber klammert sich eine zitternde todtbleiche Gestalt. . . und ord und Beuchen bedecken der iStein .... Unschuldig. Mann (start angeheitert, ist vor seiner Hausthür eingeschlafen; als er aufmacht, ist eZ bejceits 5 Uhr) : Donnerwetter, schon ; juni! '.'iaturllcy denkt meine Alte, daß C 1 4. CS j ,cy vlS zesr in ver ilnelve gelegen ' vave.

C'ln denkwürdiges Jagdaven teuer.

Humorrike'von ?. Lindau. ES kann mich nichts mehr ärgern, als wenn die Leute das Aufschneiden nicht lassen können. Erzählt dann einer etwas Wunderbares oder nur Ungewöhnliches, so sind die Andern kopfscheu, es zu glauben. Darum halte ich mich stets an die schlichte Wahrheit, an die Thatsache. Es mögen so jetzt sechs Winter herum sein, als ich bei dem prächtigsten Schnee eine Treibjagd in der hohen Eifel mit machte, wo bekanntlich die Sauen sa massenhast vorkommen, daß man beim Treiben seines Schusies sicher ist. Es war ein klarer Tag und ein gutes Jagdwetter. aber ich war verdrießlich, weil mich der Racker von Förster sa unaiinstia anstellte, daß ich trotzdem nickt ZiUln Sckun oekommen war. Drei Treiber waren schon vorüber, genug hatte es geknallt, und mehrere schwere Keiler waren bereits zur Strecke ge ' - u w r 11 - - . verklingen hören und wartete auf daf Abblasen. Ich W Ihnen, ich war fuchsteufels wild! Ich hätt' meinen Zwilling an den nächsten Baum hauen können vor Wuth. Da sah ich schon den langen Meier, der mit seinen Jagdgeschichten immer so prahlt, wie er höhnend nach der Jagd sagte: Nun wo haben Sie denn Ihre Jagdbeute. Freund chen? Sie müssen doch etwas geschos sen haben, das steht fest. Sie wollen uns nur überraschen und unsere Span nung erst noch vergrößern. Was ist'S l?n? tyflh'irlick ein Keiler m?nn nicht gar zwei!" Und dann würde der schalkige Patron meckernd dazu lachen und die anderen glücklicheren Säger im Ehorus dazu o. ich hät:e mich zer reißen können vor Aerger! Da knackt's und knisterts, erst ganz fern, dann kommt's näher. Das Un terholz bricht knarrend und knackend. Aha! denk ich. Da kommt doch was. Und schon hab' ich die Büchse an der Backe. Wahrhaftig eine Sau nein, zwei Sauen, die eine dicht hinter der anderen. Und nicht im wilden Gejage kommen sie herausgestürmt aus dem dichten Unkerholz nein, ganz lang sam traten sie auf die Lichtung, als Z seien keine Treiber und keine Jäger nr Wald. Herrgott von Mannheim! Ich steh' da und guck' mir fast die Augen aus! 171 UIIV U illlfc U 1 Ull UUUlll UU 8 ÄÄ ffi Lff r., im s Jrt fauft ne im wilden Galopp davon. Hatt' ich denn nicht getroffen? Abu die Frage legte ich mir in dem Augen bna gar nicht vor. denn ich hielt Mtt nen Blick starr auf die zweite Sau ge richtet. Tie blieb stehen! Wahrhaf. lg, meine Herren, die blieb stehen, als ob's kein Gewehr, keine Kugelpatronen und somit keine Gefahr für sie gäbe. . niich mafch m! S'bäli Ich mußt in dem ersten Augenblick em Spuk oder was? Endlich denk' ich na. wenn du schon so dumm bist und stehen bleibst, bis du eine Kugel im Blatt hast dann kannst' deinen Willen haben. Ich also wieder ange legt, denn die andere Kugel hatt' ich noch im Lauf und Nein, schießen konnt' ich doch nicht. aus eine !au, die still steht und nihta j die Kugel erwartet. Nun konnt ich aber auch meine Neugierde nicht mehr bezähmen und geh' näher 'ran an daZ Thier. Jeden Mgenblick dacht', ich: das Thier ist ganz besonders tückisch gleich nimmts dich an und haut dir daö Bein auf und wenn'S lachen könnt', lacht's dich noch ordentlich dazu aus, von wegen deiner Leichtgläubig kcit. Ader das Thier rührte sich nicht. Ich steckte schnell noch eine Kugel Patrone in dcn Laus, schleiche näher i ? i i uno oenre, oie sau nlmmr an. Nein, das Vieh dreht nicht einmal den Kopf herum. Ich trete vorsichtig immer näher, und ich denk', der Aße hat mich bei den Ohren! Guckt da etwas wie eine Schlange auZ dem Maul der Sau heraus. Mein Tiras, der mit näher gekom men in, liegt ganz versteinert, az bat der Hund und 's ist ein kluges Thier auch in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Seit wann fressen denn die Sauen Schlangen, denk' ich! Aber, was zum Teufel ist denn das für eine Sorte von Schlangen? Schlangen mit Haaren hab' ich mein Ledtag nicht gesehen und erst recht nicht von ihnen gehört! Und dies Ding da, das aus dem Maul der völlig bewegungslosen Sau heraushing, hatte Haare. Das sah ich immer deutlicher'. Und schon bin ich ganz nahe, und wahrhastig, meine Herren, wenn's mir nicht um die Sau zu thun gewesen wäre, ich bätte hellauf losgelacht.. Was meinen Sie, war die Schlange? Geben Sie sich keine Mühe, Sie errathenZ ja doch nicht eS war ein Sausterz, das Hintere An hängsel einer anderen Sau der Sau natürlich, die vorhin in solchem Gallopp in das Unterholz gesaust war, als ich auf sie losgedrückt hatte. Nun, was soll ich weiter erzählen, als die nackte Thatsache. (55 war ein Bache und stockblind. Ist das Instinkt, oder ist es Verstand? Sie hatte sich feftgebissen in den Sterz, der andern Sau. die sie führte, weil sie sich ja selbst nicht helfen konnte. Ich hatte den Sterz dicht am Spiegel adgeschos sen, und nun stand das blinde Beest hilflos da, und wußte nicht ein noch aus. An sie herantretend, greife ich vorsichtig nach dem Sterz, kaum habe ich ihn fest in der Hand, als das Thier sich gutwillig hl Bewegung seht und mir folgt. Das Halloh hätten sie hören sollen, wie ich mit meiner lebendigen Sau I anspaziert komme. O Was rinen die Aerle die Mäuler, aus. Ten Schnö

hrnmk hMI nrer tiivfi nt.4if h

Ut.Wli VW 4-J V fVh fcVUJ IllUJt Wlfc

Svur eines AnläuserS aebabt. Mi, i lasten und will uns

mutbia batte ick das Gekläff der, Meute i nal.Elsel.au, srilch

Hatten sie gehört, da stand die blind Sau, und doch wollten die Kerle es nicht glauben, troK der sonnenklaren Thatsache. Das kommt von der infamen Ge wohnheit des Aufschneiden! Aber das Merkwürdigste kommt noch Der lange Meier mußte mich natür lich gleich wieder ärgern, dennn ohn' das geht's nicht bei ibm. Aber. Jung:ns," rief er. Das findet Ihr fonderbar, daß unser Freund mit einer Sau ankommt? Wer je mit ihm Stat gespielt hat, weiß doch, daß er eine Sau sondergleichen hat. Na, wenn ihm die schon auf der Jagd nach läuft, dann kann unser kleines Jagdjeu heute nett werden." Wahrhastig." sagte der Assessor. Das sieht wie eine richtige, Sau aus.

j Und den Sterz hat sie auch im Maule. rv. ott unjer würdiger Jagdaenon Nicht kürzlich in Berlin gewesen?" Das bm ich. freilich!" Na," sagte der Assessor, dann ist's klar er bat sich eine Sau dressiren die hier als Orlgl aus dem Walde, aufschwatzen! Entrüstet protcstirte ich. Aber das half mir nichts die "Anderen, vor allem natürlich wieder der neidische lange Meier, stimmten lachend zu. Jawohl. Der Assessor hat Recht. So ist's!" Nun bitt' ich. was sagen Sie zu sol cher Gemeinheit? Endlich kommt mir ein Gedanke. He, Doctor," rief ich einem meiner Jagdireunde zu. Komm doch 'mal her. Du sollst mir helfen." Ich bm kein Specialist für Jungen fehler," sagt der spitz. k? OTtir Vit.UJl.ll auf's Neue in ein lautes Gelächter aus. Nun aber ward ich grimmig. So Toctor! Also das ist Deine Freundschaft. Bist Augcnspecialist und kannst hier etwas sehen, was keiner Deiner . Eoncurrenten je gesehen hat." Wieso?" fragte er denn nun neu gierig. Ja, seht Ihr denn alle nicht, daß die San da blind ist?" Was?" schrie der Doctor enthusiasmirt. Ja, weshalb hast Du denn das nicht gleich gesagt. Hol' mir 'mal das Bich her, ich will's gleich unter suchen. Richtig er nimmt den Sterz in die Hand und zieht die Sau zu sich. Nicht auslanen." warn' ich ihn i f , r ... , LtzNSSM Aha grauer Staar! W Aber der grauer slaar! Wart, das werden wir gleich haben. Das operiren wir nur so aus der kalten la main!" Svricbts. zieht sein Etur heraus und ein Slich hier, ein Stich da So das Vieh wird in zwei Minuten sehen können!" Richtig jetzt hebt die Sau die Augenlider, starrt unZ dumm an und burr hopp hopp saust &T '"5 "Ufj. ' laüend. Ja, nur immer wahre Jagdaeschich ten erzählen! Nur nicht aufschneiden, nur nicht aufschneiden! . Wluö dem Theaterleben. . Am städtischen Theater in Prag wurde einst AgneZ Bernauerin" gegeben. Unter der Zahl von Grenadieren, die als Reisige und Knappen figurirten, hatte sich der Regisseur Allram zwei der größten auserlesen, die unglöäliche Heldin ihrem Tode zuzuführen und über die Brücke in den Strom zu stür zen. Die bestimmten Weisungen, die er ihnen schon Morgens bei der Hauptprobe und Abends während der Vor stellung selbst noch kurz vor der betreff feuden Scene gab, lauteten dahin, dag : sie sich dabei durch kein Sträuben oder sonstiges Geberdenspiel der Schauspie lerin möchten beirren lassen. Ueberzeugt, daß sie sich nun ihres Auftrages mit Pünktlichkeit entledigen würden, ließ er sie im entscheidenden Augenblicke vortreten. Sie schritten mir Ruhe der Brücke zu. Mit aufgelöstem Haar und bleich, von Todesahnung ergriffen,' schwankte Agnes zwischen ihnen. Schon betrat sie die verhängnisvolle Brücke, schon war sie bei der Stelle an? gelangt, von wo sie in die Fluth hinab geschleudert werden sollte, da schaute si zufällig über das Brückengeländer und begann sichtbar erschreckt, erst leises dann stärker unverständliche Worte in die Coulissen zu rusen. Niemand ach tcte darauf. Ihre Verlegenheit wuchs und erreichte den höchsten Grad, als das Zeichen gegeben wurde, und die Sla listen sich 'anschickten, zu thun, was ihnen befehlen war. Noch immer rief sie, dem Publikum unhörbar, rechts und links in die Coulissen, und noch ängstlicher suchte sie die beiden Unholde zu' beschwichtigen, die sie links und rechts erfaßt hatten. Da aber alles nichts half, so klammerte sie sich krampf haft an das Brückengeländer und fchrie laut, Den Strshsack, den Strohsack her!- Das volle Haus, nun begreifend, was auf der Bühne vorgehe, brach in schallendes Lachen aus, .und der Vor hang mußte fallen, bevor noch Agnes Bernauer ertränkt- war. In der Dorfschule. Tie kleine Torfjugend ist zu Ostern neu zur Schule gekommen und der Herr Lehrer hat jedem der kleinen ABCSchüden eine große Zuckerdüte überreicht. Nur der kleine Wilhelm wurde übergangen, für ihn war keine vorhanden. Der Lehrer, welcher das zum Weinen be trübte Gesicht des Kleinen sieht, will ihn trösten, und spricht: Deine Zucker düte ist noch nicht reif, lieber Wilhelm, sie muß erst noch wschsen!- Ach, gieb sie mir nur so, Herr Lehrer, ich eß' sie auch grün!" antwortete ihm schlagfer iig der Kleine. ... Ausrichtig. Bauer: Welche Bilder gefallen Dir Unn an Besten?Tochter: .Die MannZdilder, Papa'.-

Der unverstandene Mann.

Ein Ehegeschicdke von Ludwig Vorn. Martba war kaum dreizehn Jahre alt. als sie Herrn Bürger kennenlernte. tinc Geschäftsoperation halte den jun gen Mann nach Konftantinopel geführt, wo sie damals mit ihren Eltern wohnte. Des kleine, blonde Mädchen mit den ausdrucksvollen, sanften Augen wußte gewiß nicht, daß es auf Herrn Bürger einen tiefen Eindruck gemacht. Allmä lig reifte in dessen Herzen der Gedanke. Martha in einigen Jahren vor den Al tar zu führen. ' Und als er nach zwei Jahren wieder in dem Hause ihrer Cl tern erschien, hielt er. ohne viele Cinleitungen. um ihre Hand an. Nachdem Marthas Papa Herrn Bürger als streb samen, ernsten Kaufmann kannte, sagteer ihm bereitwilligst ja". Tie Sache" wurde als abgeschlossen" betrachtet, und Herr Bürger sollte seine blonde Braut in ferneren drei Jahren in ein liebes Wiener Nest führen. Cr besuchte sie alljährlich, freute sich an dem i prächtigen Entwickeln seines guten lindes" und verweilte stets einige Tage, um mit ihr zu plaudern und zulachen Martha war neunzehn Jahre alt, da holte sie Bürger ab. um sie nach Wien zu nehmen. Ihr bangte vor dem fremden Mann, den sie nicht kannte, sie fürchtete sich wie ein Kind, ihre Eltern zu verlassen. Toch Mama redete ihr mit schmeichlerischen Worten zu. und Papa schilderte ein glückliches Eheleben in den wärmsten und verführerischsten Farben. Und so folgte Martha Herrn Bürger in das sonnige Wien, wo die Liebe zu Hause sei", wie sich ihr neugebackener Gatte, der den ganzen Heine" gelesen hatte, fast poetisch auszudrücken beliebte. Von einem Exporteur kann kein billig Denkender einen schöneren Satz verlangen. Das junge Paar lebte ein Jahr, Seite an Seite, scheinbar glücklich, da es ihnen gut ging und jeder Wunsch Marthas sofort' in Erfüllung gehen konnte. Aber merkwürdig. Martha fühlte eine gewisse Leere in ihrem Herzttl, sie theilte nicht seine banalen Ge schäftsfreuden und Geschäftssorgen: seine Interessen wurden nicht auch zu den ihrigen. Er hüllte sie in Ziffern ein, und dennoch empfand sie Kälte. Eine Sehnsucht nach etwas, das sie nur zu ahnen vermochte, erfüllte sie. Sie suchte Schutz vor der Langweile, die sie befiel, in sentimentalen Romanen. Das führte zu Phantasien über ein männliches Ideal, das von Edelmuth, Poesie und ahnlichen Romaneigenschasten üderfloö. Ueber den Träu men vergaß sie der Wirtlichleit. ES ward ihr' immer schwerer, sich derselben anzubequemen. Ter ewige Vergleich quälte sie. Der arme Ludwig wurde so im Lause kurzer Jeit mit allen idealen Gestalten der Marlitt, Werner, Meier u. s. w. verglichen. Eine solche -Probe besteht kaum ein Gatte musterhafter Qualität. Ach. daß doch der liebe Gott diese arge Sorte von Menschen, die Dichter, geschaffen hat. Wie diele' glücklich lebende Menschenpaare haben sie schon durch ihre dreibändige Poesie" einander entfremdet! Die Sehnsucht nach dem Anderen wuchs täglich in Martha's Herzen. Wie klein' erschienen ihr die Gedanken Ludwig neben den weltstürmenden Ideen ' eines gottbegnadeten RomanHelden. Sie fragte sich, wer weiß, ob Ludwig einer unglücklichen Liebe fähig wäre, während eine anständige Roman figur auch ein Dutzend der spannend sten und quälendsten Gefühle spielend überwindet. Sie tonnte es ihm nicht verzeihen, daß er nickt gleich jenen vom Stamme Asra. Sie träumte von einem dämmerig blauen, wolkenlosen Himmel, von Nachtigallen, die ihren Beruf erfüllten, indem sie schluchzten, von einem linden Zephir, der schmei chelnd ihre Stirn umfächelte, und von Glocken, deren Pflicht es war. Friede in ihre aufgeregte Seele zu läuten

Eines Tages, bevor sie ihren Spa. ziergang in die Stadt unternahm, ging sie in die Fabrik, um Ludwig nach der Adresse einer Bekannten zu fragen. Er, stand zwischen Maschinen, in einer blaueu Blouse und schaute mit energi schem Auge in das summende, surrende Getriebe. Wie er Alles anordnete, wie ihm eine Schaar Arbeiter gehorchte. Wie kraftvoll erschien er ihr nun gegenüber ihren schwächlichen Romansigu ren, deren Beruf nichts Anderes als Liebe war. Arbeitet er nicht für mich, damit mich weicher LuruS umgebe, damit meine Augen Helles sehen?" frug sie sich. Und Dankbarkeit leuchtete aus in ihrem Herzen. Da schlug ihr die echtere Leben-voesie entgegen. Sie sühlte, daß nicht sie die Unoerstandene, war. sondern, daß sie ihn nicht verstanden hatte. Im Geiste bat sie ihn sofort um Verzeihung. Da trat er auf- sie zu und flüsterte ihr in's Ohr: Du. Marthchen. heute gehen wir in die Oper, ich habe zwei Sike genommen." Sie warf ihm einen seligen Blick zu. ein Heller Strahl, wie er noch nie in ihrem Auge geschie' nen. Um ihre schmalen Lippen spielte, ein heiteres Lächeln. Ein Lächeln, das nicht mehr verschwinden sollte niemals. Der Gatte ahnte sicherlich nicht, daß er sie erst jekt erobert, daß erst jekt ihr Bund unlösbar geworden war. Sie sieht in ibm nicht mehr den trockenen Mann mit den Ziffern. Er er! scheint ihr nun ganz a.nde:5. Wie freute sie sich, daß sie den Anderen in ihm gesunden. Welches Interesse bringt' sie' nun seinen banalen Freunden und Leiden, seinem Gewinn und. Verlust entgegen. Ja, sie hat ihn verstehen gelernt.. .'. - . Sie sucht die Voesie nicht mehr in einem blauen, wolkenlosen Himmel, in, schluchzenden Nachtigallen, im linden Stirnen umfächelnden Zephyr und in friedeläutenden Glocken. Sie hat die; Poesie dort gefunden, wo Andere nar Prosa sehen. Und sie freut siy, daß öe iö verständig ü?w?rden. 1 ;

.