Indiana Tribüne, Volume 16, Number 207, Indianapolis, Marion County, 16 April 1893 — Page 11
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Mz OaS sich det Ho? cr.lt. Oon rSilhtl CMllf. - Ter Hof. in welchem Franz BerthoTd wohnte, war ein ganz gewöhnlicher Hof, nicht enders. wie die weiften derartigen. Kam man von der Straße her durch den Thorweg . d?S hochragenden Vorder baueS, so las man schon an der einen Mauer: Hier dürfen keine Wagen hin einfahren. Die beiden sich gegenüber liegenden. Zanggestreckten Häuser hatten nur noch jene Irische, die allen mit Cewent verputzten Neubauten eine Zeit lang eigen ist. Tcr Zwischeurauw war nur schmal. Tie Leute konnten sich in die Fenster sehen. Auf dem ungepfla sterten Wege lag der helle Sand, in de die Kinder sich bis an die Kniee eingruden. Ter Besitzer der benachbarte?! Terrasse hatte kleine Gärten vor den Thüren herrichten lauen, die einen ganz freundlichen Eindruck mit ihren weißen Holzstaketcn und den grün bewachsenen Lauben machten, aber dem Eigcntbümer unseres Hofes wäre Derartiges niemals ingefallen. Wozu auch? Er vermierhete seine Etagen ja ohnehin, und es max ihm glcichglltig. wenn sie ihn den .Fil;", den Geizkragen oder .Geld sack- nannten, wenn er nur seine Miethe rechtzeitig erhielt. Die kleinen WohnMgen, welche au? drei ' bis vier nicht seyr geräumigen .Zimmern bestanden, wurden ausschließ:iich ron Handwerker- und Arbeiterfamilien bewohnt. Die Arbeiter waren zumeist in den nahe gelegenen Fabriken beschäftigt, deren Qualm diese Gegend zeitweilig wie mit einem schwarzen, undurckzdringlichen SÄleier bcdcckle. Die Gesundhett ging dabei zu Gründe, doch die Arbeiter wollten schnell zu vause sein, denn NittagS dursten sie sich nur jür eine Stunde entfernen. Tie Mei sten saßen bereit wenige Minuten nach Zwölf vor der dampfenden Schüssel und dann griffen sie wacker zu; sie brachten einen respcblen 'Hunger nach Haufe. Allein nicht alle fanden eine so prompte und zuverlässige Bedienung. Manche Frauen wurden nie sertig. Sie begegneten bei der Rückkehr vom Ein kaufen gewöhnlich der Nachbarin, und, den Krrb am Arme, tratsch:en sie stun denlang vor den Thüren, bis der schrille Vnff, der die MittagZstunde anzeigenden Tam'zfpfeifen sie ins Haus trieb. Wenn der Mann später eintrat und das Essen nicht bereit war. hörte man den Lärm cus dem Fenster heraus. Und die Frauen lächelten sich und meinten achselzuckend: JSit betornmt'sZ ordentlich; sie verdient eS auch, die Schmätzerin!" Nach 1 Uhr gewann der Hof wieder sein rubigeS Ausseben. Die Kinder spielten im Sande und trugen hinten, an der das Grundstück begrenzenden niedrigen Mauer, einen Berg zufam mcn. Selbstverständlich gab es stets Streit; die älteren schlugen die jüngeren, die jämmerlich zu schreien begann nen. Enige Fraui blickten hinunter, sonst war man das schon gewohnt. Die halbwüchsigen Mädchen versuchten den Streit zu schlichten, und nachdem es von Qllen Seiten Püffe geregnet hatte und die Unruhestifter heulend fortgelaufen waren, nahm das Spiel seinen Fort gang. Am Abend füllte sich der Hof von -neuem. Tie Arbeiter kehrten trupv weife heim, die wenigsten blieben in den Schänkcn. Bis Dunkelwerden saßen sie vor den Thüren oder lehnten zum Fenster hinaus und unterhielten sich laut mit den Kollegen. , Ter Ta takrauch schlangelte sich an den Wänden entlang und der Geruch gebratener Kar toffeln und frischer Zwiebeln drang aus den Häusern. Unter dem Thorweg standen die jungen Burschen und beobachteten, die Thonpfeife im Munde, die Vorübergehenden. Mit breitem Munde lachend, die Hände in den Hosentaschen, lchntm sie an der Mauer und erzählten sich luftige Erlebmize aus der Fabrik und aus der Familie. Auch Franz Berthold .plauderte auf der Straße. Er war drüben in der Maschinenfabrik angestellt und als ttei ßiger Arbeiter und ordentlicher Menfch überall bekannt. Seine SÄlafstelle Latte er bei den Eltern eines Kollegen, und seit zwei Jahren lebte er in dieiem Hofe st:ll und anipruchslos. Sem Ge sieht war nicht unfckön, die Nafe nur etwas breit. Der stattliche Schurrbc. xatzte recht gut zu der kraftigen Gestalt, und ein absichtsloses Selbstbewußtsein sprach aus jeder Bewegung. Er hielt sich immer fauber. Wenn er, die ble,cherne Kaneeflascye über der Schulter, am Morgen hinaustrat, waren der ins Gelbliche schimmernde Rock, linier dem das blaue Hemd hervorlugte und die braune, mit einem schmalen Riemen sestzehaltene Lederhose von jedem aufsälliaen Fleck srn. Wenn seine Freunde Sonntags den Tanzboden besuchten, begleitete er sie gewöhnlich und trank im Saale sein -Glas Bier. Er hatte keinen Schatz". Äuch aesielen ihm die Mädchen seines HofeS und deZ ganzen Viertels nicht sonderlich. Er hielt sich von ihnen fern. Als die Blätter sich bereits röthlich färbten und vom Winde durch die . Straßen gewirbelt wurden, zog im Hesse eine neue Familie ein. Man achtete nicht sonderlich darauf; es war da-s ein bekanntes Schauspiel. Die Leute hatten nicht viele Möbel. Nach Verlauf einer halben Stunde fuhr der kleine Wagen wieder fort. Dennoch ging eö Don Mand zu Mund: Ein Schuster, ein Schuster! Was der eigeutlich im Hofe wollte? Wohnte da nicht bereits seit drei Jahren Meister Wolters, der die Stiefel zu alle? Zuftiedeaheit besohlte? Ein Concurrent, hieß, es schnell und die Frauen riefen sich dies gegenseitig zu. Aber Meister Wolter5 war bereits aus seinem Keller herausgekommen. Angethan mit der blauen Schürze und die Hornbrille auf der Nase, stand er vor dem Eingang seiner Werkftätte und beherrschte das ganze Terrain. Stine scharfe Stimme übertöute das Gemur , Qel der Versammelten und deutlich
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hörte man )tnea bitteren podn: Wer wird's sein? So'n Pfuscher, so'n Schnellkünstler, dessen Sohlen an den Steinen kleben bleiben." Das ihn umringende schwache Geschlecht bekräftigte seine Entrüstung durch Nicken und Bejahen, und wie ein . heiliger Schwur klang die feierliche Versicherung,' daß man dem guten, alten" Meistex Wol ters die Treue bewahren werde. ?iefgerührt über diese Anhänglichkeit nah er beruhigt seine Arbeit wieder auf. Berthold vernahm am Abend von diesem für den Hof allerdings wichtigen Ereigniß. Der schadenfrohe Schneider erzählte es ihm und freute sich schon im Voraus auf die Consequenzen der Feindschaften zwischen diesen beiden Schustern. Während er noch sprach, trat aus dem Thorweg ein junges Mädchen, zögerte einen Augenblick und rerschwand in dem zunächst gelegenen Treppenaufgang des linken Hosflügels. Der Mafchinenarbeiter starrte die Er icheinunz wie ein Wunder an. Doch die am Fenster sitzenden Bewohner hat cn das Mädchen auch bemerkt und tauschten hastige Fraacn aus. Nicraaud kannte sie Der Schneider rieb sich vergnügt die Hände. .Die sieht wenigstens proper aus." meinte er, und Berthold fragend, fuhr cr fort: Haben Sie das graue Jaquct beachtet? Ich sage Ihnen, das ist modern, ganz modern. Und wie ikr der Hut sitzt? Hm! Diese schwarz haarige Kleine versteht sich zu kleiden." Der also Angeredete hatte noch mehr gesehen. Jchm war ob dieses dunklen Augenpaares, das unter den dichten Brauen herausfunkelte, ganz heiß im Nopse geworden. Er blickte noch im wer nach der Stelle hin, wo die neue Personlichkeir verfchwunden war, und ochtete kaum auf das Geschwätz des mit ihm Sprechenden. Er glaubte, das Mädchen müsse zurückkehren, und b'ieb wie angewurzelt der Thür gegenüber.
Sie verließ aber das Haus mcht mehr, ' sie gehörte zur Familie de neuen Schuh machers, und Berthold mußte sich heim begeben. Die FamiliedeS Schuhmachers, welche die Wohnüng in der dritten Etage.bezogen hatte, lebte ziemlich dürftig. Da waren drei Knaben, die sich im Größen Verhältniß der Orgelpfeifen befanden, und ein Mädchen von vierzehn Jahren, das mit der Mutter den Hausstand führen mußte. In den- drei Zimmern konnten sie sich's nicht besonders bequem einrichten. Die kleine Stube sollte deS Vaters Werkstatt sein und das Lager der Tochter ausnehmen; das Schlaszim mer der Eltern und das der Knaben war etwas geräumiger. Für die zman zigjährie Jda Holm, des SchusterS Kind aus erster Ehe, bot die Wohnung absolut keinen Platz mehr. Allein man wußte sich zu helfen. Jeder MiethS panei gehörte ein Theil des Bod.enS, ein unbedeutender, durck Bretter abgetrennter Raum. Dieser wurde der tagsüber außer Haus Beschäftigten be stimmt. Jda Holm begrüßte ihre Bodenkam mer mit ungeheucheltem Entzücken. In der früheren Wohnung hatte sie vor ihren Stiefgeschwistern keine Ruhe gehabt; jetzt ließ. man sie allein, und auf die Frage, ob sie sich dort oben unter dem Dache nicht fürchte, lachte sie laut auf. Sie fürchtete sich durchaus nicht; man konnte ein Schloß vorlegen, und das genügte ja völlig. Kam der Winter heran.- so stellte man einfach einen Ofen auf und leitete die Ofenröhre 'zum Bodenfenster hinaus. Viele halfen sich ja in ähnlicher Weise gegen den Platz mangel. Berthold wußte es bereits am nachften Tage, weshalb die Tochter des Schusters sich so hübsch kleiden konnte. Jda arbeitete in einem Damenmänel geschäft der Stadt und verdiente, wie er glaubte, viel Geld. Von jetzt ab folgte er ihr auf Schritt und Tritt. Als er sie zum ersten Male. grüßte, war sie da rüber erstaunt und begnügte sich mit einer flüchtigen Erwiderung. Dann grüßte er sie immer. Doch er mußte vorsichtig sein, um nicht den Spott der .Hosbewohner auf sich zu laden. Sie begriffen fchon anfangs nicht, weshalb er sich den ganzen Abend vor dem Thor weg herumtrieb und seinen Sonntags . Hut trug. Schritt sie in ihrer gemesse ncn Weise die Straße entlang.' so ging .er gewiß in kurzer Entfernung 'auf der anderen Seite und ieß sie nicht aus den Augen. Er schlief sogar schlecht, der arme Patron. Nachts warf er sich hin und he? und träumte von allerlei Irrfahrten und Abenteuern. Auch in der Fabrik waren seine Gedanken nicht bei der Ar beit. Sein Sinnen richte:? sich lediglich auf die Frage, ob erJda Holm nach Feierabend sehen werde oder nicht. Wiederholt hatte er sich vorgenommen, ihr entgegenzugehen und sie anzu sprechen, allein sie lam zu unbestimmter Zeit nach Hause. Ihr Feierabend tia tete sich nach den vorhandenen Aufträ' gen, und oft verließ sie das Arbeitt ' zimmer nicht vor zehn Uhr. Ja. hätte er nur wenigstens ein Gespräch an knüpfen können, so wäre das EiS wohl gebrochen gewesen, indeß das war für unsern Besold leichter gesagt als ge than. Guten Abend" hatte er bereits hau. sig g-wünscht, und in dieser Begrüßung lag wirklich nichts Besonderes. Ob er auch hinzufügen durfte: Wie geht's, Fräulein?" Nein, das klang zu gewöhn lich und ungeschickt, solche Frage wäre dumm gewesen. Hier schien Oirklich LenholdS Weisheit zu Ende. Was hätte er mehr sagen sollen? Er va von Tag zu Tag unentschlossener. Es schien leicht begreiflich: durch ähnliche Redensarten würde er mit , einem Mäichen wie Jda Holm keue Bekannt' schast geschlossen haben. PlöHlich leuchtete ihm vor feinet Drehbank eine Idee ein . Er stieg zu Schuster Holm hinauf inrt ließ sich ein paar Schuhe anmessen. Mei ster Wolters, sagte er, fertige zu engeZ Schuhzeug an. Er log, denn de? altk Wolters arbeitete ganz zufriedenste! lend.aber für HerrnHolm war diese Bei sicherung sebstverständlich ein Quell nster Zreude, .nd rnit strahlendem H . , ,
Gesicht hätte er den lungen Mann Itu nahe umarmt. Und Berthold erreichtt seinen Zweck. Der Schuhmacher lud ihn im Eifer seiner LiebenZwürdigkeil
zu einem Sonntagöessen ein.' Man müsst' Freundschaft schließen, versicherte Jdas Vater, der schnell begriff, das, das Wohl wollen des Arbeiters ihm viele Kunden zuführen würde. Jetzt kam Berthold oft in die Wohnung deS Schusters. Er saß mit Fräulein Jda sogar an einem Tische, ohne daß er vermocht hätte, lange mit ihr zu reden. Wenn er allein war, so sprach er Alles, was er ihr sagen wollte, halb laut vor sich hin, doch sah sie ihn nachder an. so war eS weg, die Worte blie den ihm in der Kehle stecken und n fühlte, daß er einen rothen Kopf bekam. Er war wüthend über sein zurückhalten deS Benehmen und . schwor sich zu, ihr bei nächster Gelegenheit ein Liebesgeständniß zu machen; doch blieb eS stets bei dem ewigen Hin und Hertappen. ' Sie batte aber auch etwa? so Ernstbaftes. Respekt Herausforderndes. Der Anblick ihrer Augen wirkte wirklich im pomrend. und die trotzige Grazie, die sie zur Schau trug, war von entschiede nem Reiz. Berthold widmete ihr alle seine Gedanken und war nahe daran, den Verstand zu verlieren. Er gab sich wahrlich Mühe genug, um ihre Sym pathie zu erringen; er opferte sich für die Familie Holm geradezu auf. Sonn tagS besuchte er mit den Kindern die Volksbelustigungen und kehrte gewöhn lich mit leerer Tasche zurück; er besorgte Gänge und befestigte in JdaS Boden kammer die lange Ofenröhre. Es sah aus, als ob er zur Familie gehöre. Aus Jda schien seine Freundlichkeit ohne Eindruck zu bleiben. Sie behan delte ihn nicht unfreundlich, aber so etwa wie einen Gesellen ihres BaterS und nahm nicht die geringste Rücksicht auf ihn. Seine Hossnungen, Sonntag? sie begleiten zu können, erwiesen sich als trügerisch, da sie sich gewöhnlich mit Freundinnen auö dem Mantelge schäft verabredet hatte und allein fort ging. Als er sich dennoch aufdrängen wollte, war sie so unfreundlich gewesen, daß er den Versuch nicht wieder erneuerie. Und die Eltern konnten ihm in dieser Sache nicht helfen. 5da verdiente monatlich ibre w'era Mark baar und melr. uno man mußte sie gewähren lassen. Die Mutter schalt zwar über ihren Starrkopf und mit den Geschwistern lag sie. immer in Streit, aber sie tbat dennoch, was sie wollte. Schließlich glaubte Berthold, daß sie scin unsauberer Arbeitsani.ug abschrecke. Sie hatte einmal seine schwielige, vom Eisen geschlrärzte Hand, die er ihr hin Iziclt. mit einem Blick des Ekels be trachtet. Sie wolle sich nicht beschmutzen, hatte sie grob bemerlt, und er bat noch um Entschuldigung. Hierauf wusch er sich beständig im Fabriküofe und ließ sich deshalb ruhig von vielen Gesellen verspotten. Man witterte im Hofe irgend eine Liebschaft, und Zöertbold mute von allen Seiten Sticheleien boren. Als es infolge dessen zu einer Vrügelei gekommen war, trug er eine klaffende Kopfwunde davon. , Trotzdem blieb Jda theilnahmsloS. Berthold machte dxm Schuhmacher An deutungen und dieser war ganz damit einverstanden, daß der Arveiter seine Aelteste Heirathe. Nun kam e5 zu einem heftigen Auftritt. DaS Mädchen lachte Berthold inS Gesicht und versi cherte, sie möge ihn nicht. Dergleichen fo?e er sich nur nickt einbilden. Da ergriff es ihn und die LiedeSwuth, die er so lange still in sich herumgetragen hatte, brach hervor. Er griff nach ihrem Arm und drückte ihn mit seinen gewal tigen HandmuSkeln so zusammen, daß die Adern hervortraten. Sie schrie nicht; sie .biß die Zähne aufeinander und brachte eine Geberde des AbscheuS h.'rvcr. Das traf ihn. Er ließ den Arm fahren und die Thränen liefen ihm über die Wangen. In diesem Moment fühlte er sich so schwach wie ein Kind. Er trug seinen Kummer zur Schänke. Tort saß er bis nach Mitternacht und stürzte einen Schnaps nach dem anderen hinunter. DaS that wohl. Zuletzt wußte er weder von Jda Holm noch von dem Schuhmacher- und seiner Fabrik. Er .schlug auf den Tisch und betheuerte, daß er ein Mordskerl sei. Man trank auf sein Wohl, denn er hielt alle frei und verausgabte über fünf Mark. Gegen 1 Uhr taumelte er lärmend nach Hause. Am anderen Morgen sprach der ganze Hof von nichts anderem, als von Franz Berthold's Rausch. Er war früher nie betrunken gewesen, in Zukunft sollte er es häusiger sein. Er sing an, mit den anderen. Arbeitern blauen Montag" zu .machen und den mühsam erworbenen Verdienst burch die Finger gleiten zu lassen. Tann hatte eS den Anschein, als wollte er mit der Schusterstochter absichtlich in Streit gerathen. Er lau erte ihr in de? Stadt auf und verfolgte sie mit höhnenden Bemerkungen. Dabei blutete ihm das Herz; denn er liebte sie leidenschaftlicher denn je. - Um sich zu betäuben, griff er immer von neuem zum Schnapse. ' . Eines Tage? . erfuhr er, daß Jda .Holm einen Liebhaber habe Sie war mit einem elegant gekleideten Herrn ge ehen worden. Berthold paßte jett ge en Abend auf. Richtig, sie gingen Ärm in Arm, dutzten sich und scherzten laut. Wie ein Schatten schlich er hinter ihnen her. Als sie eine finstere Stelle psssirten, drückte er den Stock mit dem Todtschläger fester und zielte nach dem Kopfe dcZ ahnungslosen ManneS. Alleiner hielt inne. Diese Geschichte sei zwecklos; wenn der nicht wäre, käme 'ein anderer. Und sollte er sich an's Beil liefern? ... - Er wußte etwaS anderes. Er zeigte ein so gleichgiltigeS Gesicht, daß Jda Holm, die ihn gefürchtet hatte, wieöer ganz forgloS wurde und bei jeder Ver nlässung den Widerwillen vor ihm zeigte. Er ging wieder bei ihren Eltern ein und aus, trank keinen Schnaps mehr und'wurde der solide, ordentliche Ar beiter, der er gewesen. Man vergaß fast, daß er eine Zeit lang zu den Trun kenbolden gehört hatte. -- - -
Doch er vergaß nichts. vrülete und brütete. Als er eines Abends die Familie be sucht hatte, verließ er nicht daS HauS, sondern versteckte sich auf den Boden. Nach kurzem Warten stieg Jda die Treppe hinauf und betrat ihre Boden kammer. Berthold hörte, wie sie ein heizte und wie daS Feuer lustig im Ofen prasselte. ES war eine kalte Winternacht und ihn fror erbärmlich in der Ecke, wo er niedergekauert fast zwei Stunden ausharrte. Ab und zu ver ließ er seinen ungcmüthlichev Winkel und lauschte nach dem Ofen hin. Nein,
die Kohlen brannten noch. Endlich t . -ff'-w'i. cn:. . ! .Zien er jneoigi. ic eme seaze r.:j. ; i i " v i schlich er auf den Strümpfen zu der Ofenröbre, die er selbst angebracht hatte. Mit einem Ruck drehte er die außerhalb der Kammer besindliche Ofenkleppe um. Das verursachte knarrende Geräusch be
unruhigte ihn. Er horchte xefpannt. j Fächern vor Allem die Natur und EntAllein nichts regte sich. Vorsichtig eilte stehungsgefchichte der Sündenböcke ge er hinunter und in sei Zimmer. hört. Wenn wir uns nun auch ein Der folgende Tag erfüllte den Hof . klein wenig mit diesem Specialstudium
Mir Veuurzung uno niiesen. i&qon Vormittags verbreitete sich die Nach richt, daß die zwanzigjährige Jda Holm in ihrer' Bodenkammer durch Ausströmung von Kohlengas erstickt sei. Man hatte die Ofenklappe gefchlcs sen gefunden' und beklagte die Unglück liche, die an ihrer eigenen Unvkrsichtig keit zu Grunde gegangen war. Man verwünschte diese unheilvolle Ofen klappen und betheuerte, sich sofort ent fernen zu wollen. Auch die ZkitungeH verurtheilten von Neuem diese Ursache so vieler Todesfälle. An dem Begräbnis der Armen be I
theiligten sich sämmtliche Bewoiner deS v i " ubofes. Nur Franz Berthold fehlte, ehme, was ihnen, sei es durch eigene Aber wem hatte seine Abwesenheit auf er. durch die schuld ungunjliger Verfallen können? Zwar wollten ihn die ! MW P'W.- ltZ andere Mengen Kinder in der Nähe des Friedhofes ge. ' verantwortlich zu machen. Am meisten ?.w ftflf,. w;,.,,). !.;. ! rindet man dleie sonderbare Erichei
ivtyiti iwvhti, . w viiwiiiuuw vuuyiv tvb4t daran. Kurz darauf wurde unter Geschrei und Halloh ein blutiger Körper in den Hof getragen. Die entsetzlich entstellten Züge ließen Franz Berthold erkennen. Alles lief zusammen, und die beiden Nabnwärter. melcke den T,n3bnrl veranlaßt hatten, gaben Bescheid: Bei dem nahen Eisenbahnüberganz' sei der Verunglückte trotz ihrer Warnungsrufe über die Kette gestiegen und von der her anfausenden Locomotive ersazt rnd zer malmt worden. Er war rein vie taub ! und rannte in sein Verderben,- erklär ten sie. Und die Weiber theilten sich in zwei Lager. Die einen meinten, Berthold sei betrunken gewesen, die anderen witterten einen Selbstmord und tusche'.trn von unglücklicher Liebe. Keiner ahnte, daß hier die unerbittliche, ewig gerechte Ne ittsiS gesprochen hatte. S ai l a . t . rr 'a i t r Tre,tel und Veite! habenzusammen eine Vergnügungsreise nach Italien gemacht. Eines Tages sitzen sie in A w WX. M I am j. am k t am ciitti u.uuuu ixirn iiui9ciiu,uyycii, um sich für die Besuvbesteigung zu stärken, da sagt plötzlich Beitel: Trei tel ! Ich hab' die vergangene Nacht ge habt 'n merkwirdigen Traum !" ' Beitel ! deiner Seele, ich auch! Hafte aach getreimt von Ahasve rus ?" Trntel. ja! Und. vom Vesuv -?" .(Sott, was ern Zufall, ja ! Und von de tausend Mark V Sprachlos starr vor Staunen blickten sich die beiden Freunde an. thatsächlich hatte ihnen Beiden dasselbe, genau dasselbe ge träumt ! Ahaöverus war ihnen cr schienen und hatte ihncn verkündet, daß sie hundertfache Millionäre, berühmte Leute und Stammväter eines nicht minder berühmten (Geschlechts werden würden, wenn sie bei ihrem Vesuv besuch, ls Zeichen ihrer Verachtung des schnöden Mammons, jcder für sich ohne ein Wort zu sagen, in den offenen Krater tausend Mark hineinwerfen würden ! Da das Zusammentreffen dieser beiden Träume nun merkwürdig, das cdlc Paar gleichzeitig aber auch etwas abergläubisch war, so wurde beschlossen : Ristiren wir ! Schlichlich ist eS 'ne verfehlte Spekula tion, wenn'S weiter nichts ist, und haben thun wir'S ja !" Der Vesuv wurde also erstiegen, bei der Rückkehr daS Mittagsmahl in derselben Locanda eingenommen ! Nach einer Pause sagt Beitel : .Hast Du tausend Mark geopfert, Treitcl .Natür. lich. Beitel: Was der Trcitel der spricht, das hält er ! Du auch Selbstverständlich. . Taufend Mark in Gold habe ich rcingeworfen ! Bei Dir hat's aber gar nicht geklappert V Nebbich ! Seit wenn klappert ein Check auf die NcichSbank" I m himmlischen Reiche ist ' hinsichtlich des Häuferbaues eine wahre Revolution zum Ausbruch ge kommen. BiS jetzt waren alle chinesi fchen Gebäude, sowohl Paläste als klei nere Häufer mit jenen charakteristischen Dächern bedeckt, deren Enden nach Hör nerart in die Höhe ragten, solche Dächer sind sehr theuer, lasten schwer auf den Mauern, und gewähren gegen Sturm und Wetter einen sehr ungenügenden Schutz. Tie Chinesen sind nun end lich zu der Einsicht gelangt, daß es nicht gut sei, unter solchen gehörnten Dächern zu schlafen, die besonders den in China lebenden Fremden zirallerlei ironischen Bemerkungen urd beißenden Witzen Veranlassung geben. Die Söhne des himmlischen Reiche? -haben daher begonnen, ibre Hauser nach Eu ropüerart zu bauen und nehmen sich da bei die Besitzungen der in den groben Städten des Reiches der Mitte residi. renden Gefandten und Consuln zum Muster. Tie Baulust ist gegenwärtig in China so groß,, daß für Jahre hin aus cii 'grosse Anzahl von Arbeitern lohnende Befchäftigung.hat. Schmerz mlt 'untervre chung. ..Wie? Gnädige Frau aber malS m Trauer?" Ja, für meinen ver ttsrbenen (öötten." 3t- . -ji -w.v yi..vi doch aber schon abgelegt?" Da war nur wäbrend deS LasldinaS."
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Für unsere ffrauen. Tie Ikhe ist die ,i7,!ge lvirtliHe Leii eigknstft. die unser Ge'rg kennt. S! gibt kkir.e Sklaven mehr, ausser den Herrinnen j'deS Hausei. - VI HL Der Sündenbock. Der Titel klingt wohl männlich, aber nicht der Inhalt, und wie die etwaigen herrlichen Leser gerne bestätigen werden, ist du Grundzug diese? wie überhaupt jeder weiblichen Schreib und Denk weife ein durchaus subjektiver und einseitioer. Ich hoffe jedoch alle Frauen auf meiner eite zu haden. wenn ich . .. r . . . v oeyaupie, oa wir, was parieliicye uns . . . a , , t sudjective Auffassung anbetrifft, bei unseren hochwerthe'n. Herren der Schöpfung noch m die Lehre gehen könnten. Namentlich in qanz bestimmjcn Unterrichtsaeaenftänden. zu welchen befant und die folgenden Fragen tt antwortet haben werden, dürften die Tumen mir vielleicht gerne Aecht geben. Also erstens: Vie so entstehen eigentlich diese interessanten Thierchen? Zwei tens: Wo gedeihen sie am besten, und drittens: Wovon ernähren sie sich mit Vorliebe? Wie nach Darwin da? ganze Mcn schcngeschlecht vom Affen abstammt, so stammen die Sündendöcke wieder direct vom Menschen ab und zwar durch fol aendcn fehr interessanten Borgang: ES !ül TT.7 rl11 V ""' ,7""". gibt nämlich Menschen, welche die üble nndet man dieie sonderbare Ersch nung (eigentlich ein Zeichen der Uncultur)' bei Kindern und ungebildeten Leuten, aber merkwürdiger Weife tritt dieselbe. auch bei reifen und gebildeten männlichen Individuen fehr häufig aus. AUS der negesgewlncn. Teiien K st eigenen olllommenycii, oie lieg wrTT mit emem prächtig entwickelten Stolze Paart, entsteht nun die b-sprochene Gattung der- Sündendöcke. Der Eigendünkel ist also der Bater nnd die Selbstüberhebung die Mutter der er tonten geyornien , unoigen uierc. Wo diese nun am besten gedeihen. das läßt sich nicht so rasch erklären, denn da die Sündendöcke zu den gemeincn untergeordneten Hausthhieren gehören, so sind auch ihre Lebensbedir gungen höchst bescheidene. Sie kommen eigentlich überall fort. In Kin dcrstudcn. Schulzimmern, Prüfungs fälen, Geschästölokalen, Elubräumen, Gasthäusern, Gerichtshöfen. Polizei Bureaus, auf Exercierplätzen und föitenUnUrtiinitn in .(Snfn linT fns I iinin)'nni W i ' , ,,!; rtw Ym fnm nh im ! ,,n Xnmifif. 5allt in r Kjerstube beim wil I ' . . . den Spiel der eine Klettergeist hin, so werden wir unzählig oft den zornigen Ausruf hören: Daran bist Du Schuld! Weinend läuft cr zur Mutter und verklagt den Sündenbock. Hat sich in der Schule der Unaufmerksame Tadel zugezogen, so fällt die ganze Schuld auf den sündigen Nachbarn, der seine Aufmerksamkeit abgelenkt. Wird die Prüfung nicht bestanden, so ist es der ungerechte Lehrer, welcher den armen Sündenbock seinen Groll hat sühlen lassen wollen. Im Geschüftsleben kom mcn viele Individuen vor. die glauben stets die härteste Arbeit für Andere ver richten zu müssen." Können die Herren sich vom Karten spiel in ihrem lieben Club nicht losrei ßen, so hat stets der andere Sündenbock nicht aufhören wollen, und auch beim Trinken waren immer die Anderen die bösen Verführer. Im Polizei und Gerichtswesen fehlt es niemals an klei ncn Tieben und Ehebrechern, die de strast werden müssen als Sündendöcke für die großen, die frei herumlaufen dürfen. ' Kein Ofsicier hat jemals unter seinen Rekruten vergebens nach c.nem Sündenbock gesucht, kein Eisen bahndirector sich jemals erfolglos den sündigen Weichensteller auszusinden be müht.' Daß es der Sündendöcke auf ländlichen Bauernhöfen und in den bcimathlichcn Ställen im Uebcrfluß gibt und wir im täglichen Leben, im Haus und in der Familie einer Unzaht de gcgnen, wenn sie den verrütherifchcn Hörnerfchmuck zumeist auch recht gut zu verbergen wissen, das braucht kaum besonders erwähnt zu werden. Toch sind eS zumeist diese Art von Sündenböcken, welchen wir Frauen die größte, lebhafteste Sympathie entge gendringen, obgleich damit durchaus nicht gejagt ist, daß wir vielleicht ganz im Geheimen selbst zu den verschämten armen Wesen gehören. - Es. soll z. B. schon vorgekommen sein, daß Männer des Morgens die Zeit verschlafen, in der Eile die Schuhbänder zerrissen ha den. dann die Absätze' vertreten, die Kleider befleckt und die Wäsche nicht ge nügend steif befunden worden sind, daß der ftnopf vom Ueberziehcr auf der Straße heimtückisch ausreißt, die Geschäftsfchlüssel beim Kleiderwcchseln unverantwortlicher Weife in den anderen Taschen zurückgeblieben, die Handschuhe verwechselt worden. Schirm und Gum mischuhe sich consequent immer dort be finden, wo sie nicht nöthig sind, und on allcdem hat Niemand anders Schuld, als der vrivilegirte UniversalSündenbock die Frau. Allein die verantwortliche Redaktion dieser hänslichen gehörnten Thierchen erstreckt sich noch viel weiter, z. B. da hin, ob die Suppe versalzen, der Braten verbrannt, die Eier zu hart, de? Wein zu worm das Bier zu kalt ist. Sind aber die Hörner vorlaut, unrein oder ungezogen, schwächlich oder unbe gabt, langsam oder träge' so ist das Alles uüvermeidliches Erbthcil von ihrer ZiegenMutter, welch' letzterer auch ausjcilleßlich die Verantwortung in vii utyi vvv vvu.;ivyii7 lijhfct ! Kinder zufallt. - Doch um .das Bild ' toUftändia ;u m.ei-. aebören auck für die Wahl des Geschlechtes ihrer - i v w w
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n?ch versäumte Ouvertüren und erste Akte, verregnete Landpartien, ver säumte Eifenbahnzüge und zerbroche neZ Glück, Glas und Porzellan, zu dem alleinigen Ressort der weiblichen Sün denböcke, welche nur so pro Forma und nebenher noch die Namen Hauösrau, Gattin und Mutter führen. Tie Beantwortung der letzten Frage, wovon die sündendöcke mit Borliebe sich ernähren, ergiedt sich hauptsächlich aus dem Orte ihres Aufenthaltes. Durchschnittlich besteht ihre Nahrung aus Ungerechtigkeit. Launenhaftigkeit und Rücksichtslosigkeit. Das einzige Moment, welches das Leben der Sün denböcke erträglich macht, ist, daß die selben, namentlich die weiblichen, sich mit solch' rührender Resignation an ihr Schicksal gewöhnen, daß sie selbst die unverdaulichste Kost nach und nach vertragen, denn sie haben meistens einen sehr guten Magen, und ihre Anspruchs losigkeit geht so weit, daß sie sogar manchmal aus der Hand esscn. Nur einen großen Nachthe.il hat das Geschlecht der Sündenböcke, es pflanzt sich fort, und so bedingt ein Sündenbock gewöhnlich eine ganze Generation von kleineren Böcklein, auf deren schwachen Schultern die Frauen nun ihrerfeitZ ihre Pflichten abzuwälzen suchen. Daß die Verantwortung für diesen Uebelstand allein auf die liebevollen Erzeuger der Haupt-Sündcnböcke zurückfällt, das ist klar, wenn die Herren der Schöpfung ob dieser Vaterschaft auch nicht gerne zur Rechenschaft gezo gen werden möchten. Moral: Macht Eure Frauen nicht zu Sündenböcken! Glänzendes Elend. Ion Ftrdlan Ruukel. Von der Benolcrstraße in Berlin ging es breite, mit dicken, rothen Läufern belegte Treppen hinauf. In der ersten Etage hielt man vor einer schweren Korridorthür im Rokokostil, ihre Flügel bewegten sich zwischen hohen weißen Marmorsäulen, um die golden? Epheuranken gewunden waren. Ter Flur war geräumig und hoch elegant eingerichtet. Aus einer großen Anzahl Birnen fluthete weißes, mildes Licht, Diener huschten geräuschlos hin und her mit silbernen Tabletten und Theegläfern in silbernen Untersätzen. Hinter den Flügelthüren in dem Salon bewegte sich eine fröhliche Menge. In den verschwiegenen Erkern saßen galante Männer und geistvolle Frauen in anregender Unterhaltung. Hier und da pelen sehr gewagte Pointen. Der Stern der Gesellschaft war die Baronin Arthelm. Die schöne Frau war heute in selten guter Laune, sie lachte, scherzte und kokettirte. nur manchmal fuhr sie sich mit der schmalen weißen Hand über die großen brennenden Augen, ließ die Finger eine kurze Zeit auf der Stirn ruhen, löste ste dann und schlug die breiten müde ge wordenen Lider mühsam auf, ihre Augen waren auf einmal glanzlos und todt. ' Tann schüttelte sie ein leichtes Frösteln. Besorgt trat ihr Mann zu ihr: Fühlst Du Dich nicht wohl, mein Kind?O ja", sagte sie matt und rückte wie schaudernd ihren Stuhl ein wenig von der Gesellschaft weg, die sie umgab. Das waren aber nur Augenblicke. Tann schoß wieder Leben in ihre Augen. die Wangen rötheten sich leicht, sie athmete tief und lächelte hold wie zu? Entfchuldigung. Ihre Bewunderer verstummten dann und warteten geduldig, bis die Baronin wieder sprach. Man hielt es für einen kleinen Nervenznfall. Die schöne Frau war fehr ver wöbnt und hatte-sehr zarte Nerven. Es schlug eben 10 Uhr. Zu Tisch," befahl die Hausfrau, und zu gleicher Zeit trat sie an den General von Meh remberg heran : Sie führen die Baronin Arthelm, wenn ich bitten darf." Ich danke Ihnen, gnädige Frau, Sie haben ein feines Gefühl für die Sympathien Ihrer Gäste." Nicht wahr ? Aber ich muß Ihnen vorher bemerken, daß Sie mit der Baronin viel Geduld haben müssen, sie ist nämlich unheilbar geisteskrank." Der General erschrak heftig. Seitdem er die Baronin kennen gelernt hatte, war er rafend in sie verliebt. Wie der sagenhafte Magnetberg der Alten zog sie ihn an. diese nächtigen, flimmernden Augen fesselten ihn, und wenn er die schlanke, geschmeidige Gestalt sah. stiegen heiße Wünsche in seiner Seele auf. . Und sie unheilbar geisteskrank?! Daran war der Gatte schuld, sicherlich. Ist sie glückliche." fragte er wie im Traume die Hausfrau. Sie liebt ihren'Gattcn, verehrt ihn, vergöttert ihn. und er hängt an ihr unlöslich. Er weiß, daß sie unheilbar ist, aber er kann sich nicht von ihr trennen. Er weiß, daß er den Wahnsinn umarmt, daß hinter ihrer schönen Stirn der Wirrwarr lauert. Und doch, er ist in ihrem Bann." 4 Entsetzlich! Und warum läßt er sie in Gesellschaft gehen?" Er läßt sie nur zu mir, sie will auch nur zu mir. zu der Jugendfreundin, zu der Frau ihres Arztes. EtmaS Zer strcuung muß. doch die Arme haben. Sie geht in kein Theater und kein Eou cert.' Sie ttidet am Verfolgung? mahn. Ehe sie bei mir eintritt, muß j ich ihr bei meinem Leben schwören, daß ,,k ihrtm stnM iinA T?iiTnnTih ?s,s f r V4p l sen, von ihrem Teller noch' Niemand . gegessen, kurz, daß nichts von den Sa- ! chcn, mit denen sie in Berührung . kommt, jemals von Anderen vorher be- ! nutzt worden ist." 1 Tann setzt sie sich beruhigt an den . Tisch, aber eS kommt doch hirr-und wie'der vor, daß sie ihren Mann fragt: 1 Weißt Du sicher, lieber Oskar, daß dies Messer nicht vergiftet ist?" Ich weiß es sicher, mein Kind, aber nimm 'zu Deine? Beruhigung Dein eigenes
Besteck, ich habe eS Dir mitgebracht" Sie ahnen nicht, lieber G:neral, wie groß das Elend bei AxthclmS ist. Es; wäre ja viel besser, sie käme in eine Anstalt, aber ich glaube, der Baron würde selber wahnfinnig, wenn man sie von ihm nähme. Er betrachtet siewie eine überirdische Erscheinung. Und Hingst nach einer furchtbaren Nacht. xt der sie so von ihrem Wahn befallen war, daß sie selbst ihn von sich stieß, rieth ihm mein Mann, sie doch in die Pflege einer Anstalt zu bringen, sie könne ja vielleicht genesen. Da kam der Sanitä:srath schon an. Dann sperren Sie mich nur auch gleich inS Narrenhaus Icb lasse meine Frau nicht gehen, mein halbes Leben geht mit ihr. Sie wissen ja nicht, Ivie ich sie' liebe, wie süß sie ist."" Da ist eben Alles vergebens. Tie Frau kostet den Baron jährlich ihre dreißig- bis vierzig tausend Thaler, sie ruinirt ihn voll ständig. Er sieht es nicht, er merkt nicht." Also sie fürchtet überall Gift?" Ja und der geringste Argwohn gegen einen Domestiken genügt, unc das ganze Haus wird desinsicirt. die kostbaren Tapeten abgerizicn, die Be züge von den Möbeln; es ist auch fchorr vorgekommen, daß die ganze Einrich tung Knall und Fall verkauft wurde.-' Und die Kinderchen?" Davon gar nicht zu sprechen, dir Aelteste ist jetzt zehn Jahre, seit ihrer Geburt hat es bei der Baronin ange. fangen, das Kind ist auch schon geistig, gestört. Es that Dinge, die ich garnicht erzählen kann. Und die anderen Kinder Mein Gott, die sind ja im Wahnsinn empfangen und im Wahn sinn geboren. Es ist ein namenloses Elend. Ja , unser Berlin umschließt viel Unglück." Aber, liebster General, wo bleiben Sie denn?" unterbrach auf einmal die Baronin Axthclm das Gespräch. Sie sollten mich doch zu Tisch führen." Ich bitte tausendmal um Entschul digung. gnädigste Baronin." Und tt bot ihr den Arm. Was haben Sie für ein häßliches Blau am Wassenrock, lieber General, ich gebe Ihnen nicht den Arm. Ich fürchte mich vor diesem Blau." Es ist Kavallcriedlau!" Die Baronin hatte sich schon zu ihrer. Gatten gesandt und sragte leise: Liebster Oskar, deS Generals Rock ist vergiftet, ich setze mich nicht neben, ihn." Aber mein Kind, sei doch klug, iH habe den Burschen des Generals destochen, er hat Alles untersucht, nichts ist vergiftet. Im Gegentheil, der Gene ral ist in Dich verliebt, merkst Tu eSdenn nicht? Gerade darum hast' Du ihn als Nachbar bekommen, denn er wird Dir sicher nichts thun." Sie sah ihn mit ihren großen schönen Augen irr an, dann lächelte sie, und mit verdoppelter Liebenswürdigkeit nahm sie des Generals Arm und ließ sich zur Tafel führen. Das Souper ging ohne Zwischenfall vorüber. Aus einmal blickte die Baronin starr auf den Waffenrock de5 Generals. Er hatte ihr voll die Brust zugewandt. Oskar, Oskar, lieber Oskar!" rief sie ängstliche nach ihrem Manne, siehst Tu das rothe Thier?" sie meinte den Adler in dem Stern, den der General auf der linken Brust trug. Oskar, das Thier fliegt, es wird immer größer, es schwebt auf mich zu " , Ter General näherte sich besorgt der Kranken. Sie stieß einen furchtbaren Schrei aus und brach in den Armen, ihres Gatten zusammen. Modern.
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Nun bin ich aber wirklich neugie rig! Im ersten Bande kriegen sie sich,, was wird nun im zweiten sein?" Ta kriegcn sie sich gewiß saitl Nichtig ausgedrückt. Naive: Dürfte ich, Herr Direktor, um einen Vorschuß bitten?" , Direktor:. .Sind Sie aber eine Iv mische Alte." Einwand. Er: Gott sei Dank, nächste Woche kann ich wieder auf die Jagd gehen. Sie: Na, ich denke, Männchen, Du hättest im vori- , gen Jahr genug Schmenensgelö ge zahlt! .
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