Indiana Tribüne, Volume 16, Number 200, Indianapolis, Marion County, 9 April 1893 — Page 7
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UcvLLaU dle NäMliÄcn I. $T::3 cjrcnt er Vorzeit so beginnt ne blte, vergilbte Handschrift ohne Sutel blatt, lit ich einst in Jugendtagen in ei; nein u:odcrbedccktcn Dschbodenl?mkel des Elternhznscs gefunden hatte aus grauer Vorzeit wird vom Könige Misgyn in Ll:sitania berichtet, der hoch zu fahren gekommen und Willens war, Reich und Herrschaft an seinen Sohn, den Prinzen Philgyn, z geben. Damit er ebex mit ruhiger Zuversicht das 'Scepter in des Priz? Hände legen und !gewiß sein möchte, daß derselbe mit Weisljeit regieren und den glücklichen Zustand ies Volkes aufrecht erhalten werde, so beschloß der alte König, daß sem Thronfolger vorerst ines der großen W!r schiffe besteigen und eine weite ?teise thun, die Welt besehen und fremder Lön "ktx Sitten kennen lernen sollte. Der Tag der Abreise war unter Fcfi'lich ketten und Vorbereitungen aller Art herangekommen. Am Gestade stand tin 'prächtiges Zelt, um dasselbe die Großen 'des NeichcS,; im weiten Halbkreise aber lagerte daö Volk unter den rauschenden 'Sykomorcn; Alle waren an den Strand -gekommen, um den künftigen Herrfcher. vor der Abfahrt nock, einmal vl sehen, und ihm Glück- und Segenswünsche zuzurufen für die lange Reise. Im Zelte aber saß ber greise König Miögyn und richtete Abschiedsworte voll zärtlicher Liebe an den blühenden Jüng ling; der kniete zuletzt vor ihm nieder und empfing des Greises Segen. Zum letzten Mal schloß der König 'den Prinzen in die Arme; und da dieser dcs Boot bestieg, um zum großen Schisse zu fahren, rief er noch mit lauter Stimme: (v5 sind überall die Mämlichen, Phil .gyn. überall die Nämlichen!" Dann mischte sich tausendstimmiger . Zuruf der Menge in's Nudergeplätscher und Tauwcrkknarren, und langsam 'zog der Drcidccker mit geschwellten Segeln aus dem Hasen, bog um das Vorgebirge und entschwand den Blicken der Zurückbleibenden. Tage waren hingegangen ; der fugend liche Prinz hatte bewegten Herzens die väterliche Küste im blauen Meere versinken, manches lachende Eiland, manch' grünes Gestade dem eilenden Kiel seines scetüchtigin Fahrzeuges sich nahen und wieder fliehen gesehen; endlich umgb nur Himmel und Wasser sein kleines, schwimmendes Reich. Oft stand er in der stillen Stcrnennacht am Vordrand dcö Schisfes, horte das leichte Rauschen der leuchrcndcn Wellen und überdachte die Taae der Kindheit, die kommende Zeit, die wesenlos vor ihm lag wie die Lcebelgcbildc ans der brauenden Wasser fläche; und unverstanden, wie in der Abschiedsstunde, klangen ihm die letzten Worte dcö greisen Vaters wieder: Es sind überall die Nämlichen, Philgyn, überall die Nämlichen!" Noch unberührt war des jungen SeefahrerS Herz von Lust. und Leid derLicbe. Unter Männern iwar der früh Mutterlose am heimischen Hofgroß geworden. 'Den Speer und .da3 Schwert' hatte er führen, den Schild handhaben, ein fcuriges Noß tummeln gelernt, geheimnißvolle Staatsweishcit war ihm gepredigt worden aber wie man mit Weibern umgehen müsse, 'ihre Gunst gewinnen, ihren Ränken begegnen könne, davon hatte sein jugendliches Gemüth keine Ahnung. Einmal lehnte er, da die Sonnen schcibe sich zum Niedergange in die Flnthcn neigt ', am Mast, die Augen auf die Wolken gerichtet da kam's ihm vor, als tauche in weiter, weiter Ferne ein festes Gebilde aus den Wogen; grün schimmerte es durch den Aether, wie Pal menwivfel meinte er es zittern zu sehen in der blauen Luft, und der Windstrom, der von den undeutlichen Umrissen des Gebildes immer merklicher gegen das Schiff webte, schien ihm Waldcödüfte und Vlüthcnhanch ;u führen. .Die Jnfel Koursneira, Prinz!" sprach der bärtige Befehlshaber der Schiffsmannschaft; sie liegt in einem Gürtel stürmischer Cee,ikein"Schisf mag ihr nahen wenigstens 'ist von den vielen, die hier verschwanden, Verbleib. und Schicksal nie bekannt geworden. Wir steuern vorüber, um außer dem Vann: kreise der zornigen Wellen fahrbare iund säbrdclosc See zu behalten!!" Indem der Scemann sprach, klappte und rauschte es befremdlich über dem Deck. Die Naaen schlugen an die Masten, die Segel sanken schlasf herunter, die Wimpel, die noch soeben lustig im Winde Kattcrten, legten sich an die Stnnc;en. Die Lust wurde schwer und farblos, im Westen, berührte die Sonne ohne Glanz und Schein dir .Fluthlinie das Schiff stand still. Umsonst begannen d?Nudttknechtedie langen, mächtigen Ruder mit gleichmäßigen, festen Schlägen zu handhaben; es -.war, als ob eine unsichtbare Strömung ihren Anstrengungen entgegenarbeitete; ? des Prinzen kleines, schwimmendes Reich iwar festgehalten wie von Zaubermacht, .und gespenstig drohten n der .einen 'Schiffsscite, immer unverrückt an gleicher Stelle, die formlosen Massen .der am .heimlichen Insel Kouronnra. .Nachdenklich stieg de? Prinz in den Schiffsraum, während der Bcfchlshalxr .alle Seeleute auf ihre Psstr rief, die -LLachen verdoppelte, und für die böse L!acht. die nun zu fürchten war, seine Weifungen gab. DsS Schreckliche an der Lage des Schifses bestand darin, daß bei jeder Äeimühuxg. die unheimliche Stelle u verlassen, Getöse und Ausrnhr im MeereSschocke und Sturmgeheulinden Lüsten entstand während alsbald, wcmi die Ruderer die Hände sinken ließen. Erstes stille eintrat. 3ch fürchte," sagte der Befehlshaber zuui Steuermann, .wir sind der schlimineu Insel zu nahe gekommen und tön: neu vor dem Morgen ihrem Bann uuu r.icht mehr eujfliehen!" ' Judesien roer die Nacht herelngebrseben. Eine bange, schauerliche Nacht. Schläfrige Ernuzdung hatte sich aus der dunstigen Luft aus alles Lebende gefcnkt. Wer nicht am Deck durch Pflicht und Furcht vor der auf Pflichtverletzung gcsetzten Todesstrafe wach gehalten wurde, sank alsbald in bleischweren Schlum jner.
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Prinz Philgrn aber empfand einen nnwidcrstehlichen Dräng, dem ersten Abenteuer, das sich ihm auf der Reife zr bieten schien, mit Augen entgegenzuge hen. Der Lenker des Schisses zwar verwehrte ihm ehrerbietig, doch fest das Betreten dcö Deckes; desto eifrigerspähte der Prinz,' den di Leute oben wohl gleichfalls längst eingcfchlummert wähnten oder unter dem Einflüsse eigenen Schreckens nicht weiter beachteten, dnrch die Lücken der dem Eiland zugekehrten Schiffswand hinaus in die Nacht. Immcr mehr gewöhnten sich seine Augen an das Dunkel, immer deutlicher glaubte er die Umrisse der lnscl zu erkennen, ja, manchmal war es ihm, als leuchteten farligc Feuer an verschiedenen Punkten ihrer Küste auf, Ttnd immer mächtiger ward in ihm die Sehnsucht nach dem räthselhaftcn Eilande. Gab cö kein Mittel, dasfclbe zu erreichen? ' Wieder 'leuchtete es drüben auf und,, weit aus der Lücke gebeugt, gewahrte der Prinz über seinem Haupte das kleine Boot, welches während der Reise oftmalS ausgesetzt worden rc-r, um an passenden Stellen in Küstennähe srischeö A.'."fr in!iT!!fhri!i. Die'c ilttnelirntirnj craqre i einen ausvammernoen Vlan zur Reise. .Ihr hier", sagte er seise'Ztt sich, mögt schlafen; Ihr "oben mögt auf Mittel sinnen, der Gfahr zu entgehen; Ich will die Gefahr suchen, denn ich bin der Erste am. Schiffe und daheiin nach meinem Vater der Edelste; mir ziemen Thaten!" Unter diesem Selbstgespräche hatte sich der Prinz aus der Lücke in das Voot geschwungen und mühte sich nun, das Tauwerk zu lösen, an dem es hing. Als hätten ihm unsichtbare Hände geholfen, gab das letztere allmählich nach, und sanft senkte sich der Nachen auf die schwarze Wasserfläche. Vorsichtig loste ihn der Prinz vollends von den Banden, ergriff das Nuder und tauchte eS lautlos in die kräuselnden Wellen, die ihn sogleich vom Schisse abtrieben. Immer mehr schrumpfte der dunkle Nnmpf zusammen ; bald sah er nur aus weiter Ferne mehr daS Licht auf der höchsten Mastspitze; jetzt verlosch auch dieses und zährend im Osten der Tag zu granen anfing, glitt das kleine Fahrzeug mit dem Prinzen fanft.wie-aLlSpiegeldeSheimath lichen Tagus,gegen die Jnfel Kouroucira. II. In siegreicher Pracht entrang sich der Sonncnball dem weißen Gewölke, das wie ein Hauch des Himmels auf der blauen Mccreöfläche ruhte, und im Uebermaße von Licht und Farben jauchzte das All dem hehren Gestirne entgegen, mit harmonischem Wcllenrauschcn, mit dem Jubellicde zahlloser buntgefiederter Vögel und mit dem Wehen mächtiger Baum j wipfel ; leuchtend erschlossen die prächtigen Blumen, die der ewige Frühling des weltentlegenen EilandcS entfaltet, ihre duftigen Kelche; schimmernde Schmcttcrlinge, blitzende Libellen umgaukclten die Blüthcnknospen, welche balsamische Düfte ausströmten. Ein silberheller Bach vermählte seine geschwätzig murmelnden Wasser dem ehernen MeereSpurpur. Im hoben Ufcrschilfe, halb an's Land gezogen, rnhtc ein kleiner Nachen im blendenden Kieselsande, und auf schwellendem Mooskissen ausgestreckt unter'm Schattendache breitblätteriger Palmen schlummerte der KönigssohuauS dem fernen Lande Lusitania. Mit ernstem, wehmüthigen fächeln über ihn gebeugt, lautlos, ohne Regung wie ein Marmorbild, stand neben dem müden Schläfe? ein Mädchen.- Starr umklammerte die weiße Hand den glcißendc.i Schaft des Wurfspeeres ; die Linke lag am silberschuppengepanzerten Busen, daS blonde Hur siel in reichen Wellen unter dem Silberhelm auf den blendenden Nacken. Am Palmeustamme lehnte das glänzende Schild. Lange starrte das Mädchen in'? ruhige Antlitz des schlafbefangcncn Prinzen. Endlich löste ein schwerer Seufzer ihr Schweigen. .Beweinenswerther Jüngling," fprach die WaffenglZnzende, ach, daß Dich ein grausames Geschick an unserm Strand sühren mußte!" Vom Wohllaut der Mädchenstimme erwachte der, Schläfer und wnrde gewahr daß er nicht allein fei. Erstaunt betrachtete er die fremde Mädchcngestalt, den blitzen den Wasfer.schmuck die berückende Schöne dcö edlen GesichtchcnS, das Ebenmaß der jugendlichen Glieder. Eine gebieterische Handbewcgung der Jungfrau forderte den Prinzen auf, sich zu erheben uud ihr zu folgen. Wer bist Du, schrecklich Schöne?" kam eS von seinen Lippen. Bin der Specrjungfrancn Eine vom Eiland Kouroncira, der drei Jnselköniginnen Gesellin, kundig, wie sie, der Sprachen und Geschicke der Menscheu nach der Göttin Willen und Ordnung. Tu bist Phllgnn, Miszn von Lusitania königlicher Sproß o, daß Du der Jungfraueninfel Strand betreten! Jetzt solg'!" Mit wachsender Verwunderung ging der Prinz an der Seite seiner Führerin, deren Schönheit Verzückung, dca Würde Scheu in ihm hervorrief. Schweigend wandelten die Beiden landeinwärts.; durch Palmenhaine und verschlungenes Dickicht fremdartiger Gewachse, führte sie der sammetweiche Pfad endlich auf eine freie Lichtung, deren erhabene Mittr.ein Marmorsäulenbau mit goldstrahlender Kuppel krönte, umgeben .von wcißschimmcrndcn Gezelten; ein .Heerlager roll starrender Speere, die :vor den Zelten in der Ecke staken, deren Silberspitzen das Sonnenlicht gleißend zurückwarfen; neben -jedem Speer ein silberner Ruudschild mit goldenen Span gen und funkelnden Edelsteinen' dabei der blinkende Heluiuiit weißer wallender, Federzier. Der Königlnntti WohitfläMe," sprach mit weisender Geberde des Prinzen Füh rerin. imd um sie das Lager ihrer Ge folgschaft. Hier laß Dich nieder unter den Agaven; warte mein er Wieder kehr denk' nicht an Flucht. Kein menschlicher Fuß, der diese Insel betritt, entgeht den Mädchen, welche sie beherrsche. Armer Fremdling!" Damit enteilte die Gewappnete und bald entzogen sie die Säulen dcö Mar morbaueS den Blicken des Prinzen. Es war ihm jedoch keine Zeit vergönnt, an.Pater und LeimaH,an Schiff .und
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VefährreN, trn sein tollkühne? Wagestück, an Flucht und Rettung zu denken. Ei rauher, metallischer Ton, wie ihn der herne Hammer dem hohlen Erzbcckcn entlockt, brachte Leben in des Prinzen Umgebung. Von allen Seiten traten panzernm hüllte Mädchen aus den Zelten, ergriffen die Speere, setzten die federgeschmückteuHelme auf die mallenden Haarmähnen, nahmen die Schilde auf und reihten sich um die Stelle, aus welcher der gefangene Prinz des AusgangeS seines unseligen Abenteuers harrte. Auf der Freitreppe dcS siulennm schlonencn Rundbaues wurden weiße Gewänder sichtbar; dienende Jungsrauen schritten die Stufen herunter und stellten drei ttoldprangende Schemel in den Rar t ", (v r f l t , c, ven ein loilvarer epplcy oevecne. Nun folgten, goldgepanzert und strahlend im golddurchwirkten Purpurüberwürfe, Goldreifen im frnwallendeu Haare, drei hehre Fravengestaltcn von überirdischer Schönheit, als wären sie die Töchter einer anderen, unsterblichen Die nahmen auf den Schemeln Platz, und ans den Wink derer, die den Mittel tten Sitz eingenommen hatte, wurde Prinz Philg:)n von zwei Jungfrauen des Gefolges vor die drei Königinnen geführt. Dir übrigen zogen sich im weiten Halbkreise von den Gebieterinnen zurück, und da stand nun d ; arme Königssohn, der nie in seinem Lcben mit Weibern verkehrt, Frauen und Mädchen kaum gesehen hatte, vor einem Tribunal weiblicher Schönheit, menschlich und göttlich zu gleich an Liebreiz und bezaubernder Anmuth, dämonisch 4 Macht und Hoheit, und ein Heer von ahnlichen Wesen umringte ihn rechts und links und im Rücken. Und gelange es ihm, aus diesem Zauberkreise zu entkommen, so brandete, wo immer er die Flucht hinlenken wollte, der Ocean ihm emgegen; welche Macht konnte ihn retten? Da wurde es dem Prinzen von Lusitania schwül unter dem Wammse. III. Atheinloses Schweigen wmn wir der Erzählung mcmer vergilbten Handschrift glauben wollen herrschte in der Versammluug der wehrhaften Mädchen, bis Miaiphoue, die mittlere der drei Herrschcrinnen, da? Wort nabm und aljv ; dem Prinzen sprach: Sohn des b?k!.: acuöwcrthen MiSgizn Mit hevla Muthe haft Dn die'geHe'lltgte Jn' el der Junasrauen betreten und nach alter, un umstößlicher Satzung harret Dciurr der To). Ich und Aspidia und Tclrundra, meine Schwestern, und mit uns die speer tragenden Jungfrauen alle, die Du hie? schaust, betrauern Dein Geschick, das ab zuwende nicht in unserer Hand liegt. Wisse, wir sind menschlichen Ursprungs wie Du. sterblicher Eltern Töchter, do, durch Gotterspruch alle auö der Priester .lichen Heimath im heiligen Pendscha) auf diese Insel versetzt, dauernder Ju gendblüthe froh, so lange wir uns von leallchen Mannes Beruhrunq frei halten Der Zorn der Göttin, welcher wir die neu und gehorchen, würde uns und die ses blühende Eiland vertilgen, wenn Du lebend die Stätte verließest, dieDu besser nie gesehen hättest. Dein Blut muß der Boden unserer Insel trinken, damit uns ferner ewiger Jugend Krast aus ihm siromc. Doch sollst Du nicht in Schmerz und Qual vom Leben scheiden, in süßer Betänbl'.ng soll Dich unser schneller Stahl treffen. Und da wir Erbarmen mit Dir wohl empfinden, so sei zum Zeichen un scres Mitgefühls im Voraus Dir ein Wunsch gewahrt, den als bcaehrenswer thesten Deine Seele ausdenkt, eh' sie zu den schatten geht. Alles, nur nicht das 'eoeii magst !Cu verlangen. Drei Tage Frist dürfen wir Dir :ur Erwägung schenken; so lange magst Du ungehindert unsere Haine durchwandern; Du entfliehst uns, nimmer. Und nun geh oder bleib , todtverfallener Jüngling, wie es Dein Herz Dir eingiebt!" Nach diesen Worten erhoben sich die drei königlichen Schwestern und alnaen. woher sie gekommen; ihnen folgten die gewappneten Junnsrauen diS aus wernae. die sich an verschiedene Stellen des Strandes beaabcn, um andere abiulösen. die dort Ausblick hielten über das weite blaue Meer. Prinz Philgrn stand allein. Ihm schwindelte von dem. wag er gehört. Seine junge Lebenskraft sträubte sich acgen das empfangene Todesurtheil. Er . : CZX. : ' i H: 3 a . r ins viraij lio Ivcinlc. lange mochte er in dumpfem Hinbrüten aclcaen haben, als ihn wieder jene Stimme zum Bewußtsein rief, die ihn am Morgen aus dem Schlummer geweckt hatte. Die schöne Jungfrau stand waffenlos vor ihm. Sie führte ihn in eine dustende Laube, wo Speise und Trank in aoldcnen Gefäßen bemt stand. Ihr freundlicher Zuspruch vermochte ihn. von dem Gebo ttntn zu genießen. Nach dem Mahle verließ ihn die Jungfrau und er streckte sich aus die welchen Kissen des bereltite senden Lagers und dachte an den greisen Vater, an die ferne Hcimoth, die er immer wiedersehen sollte. Traurigkeit t IT. l nno viirnuoung, inarrernocs innen, er dem Verderbes entgehen könnte. gaben ihn bald wieder dem unruhigen f t c. r f r qiummer oer rscyopsung anyeim. Der nächste Tag verging wie der erst: nnr war der Prinz ruhig und gefaßt gewerden, als wäre Ergebung in s un vermeldllche chicksal der Hossende Zu verficht der Rettung in seine Brust gezo gen. Am Morgen deS dritten TageS erhob er sich keiter und vollkraitig vom aner: er eilte n den Strand, w sich die Insel am weitesten in'Z. Meer erstreckte, wusch sich bei Sonnenaufgang in klarer Quellfluth und breitete dann die Arme nach der Richtung, wn die ferne Heimath lag. Dabei sprach er leise vor sich his: .Dank Dir, ein weiser Äater, daß Du mir im Traum den Weg der Rettung geoffenbart; wenu sie irklich überall die Nämlichen, dann sollst Du Deinen Sobn noch umarmen. Gesegnet sei der Wunsch, dessen Gewährung Miaiphone mir verhieß!" Munter und gesprächig genoß hierauf der Jüngling die Gastfreundschaft des letzten Tages auf der TodeSinsel, so daß dblonde Jungfrau, die wie Kkstern und
ehegesiern seiner wartete, darov erstaunt war.
So ward eS Abend. Als die Sonne Himmel und Wasser in ein Feuermeer wandelte, als wieder des Erzbeckenö raus her Klang durch die Insel zitterte, da reihte sich der wasfenblinkende KreiS der schonen Silberschildnerinnen vor dem säulengeschmuckten Palaste. Die Königinnen standen in deS Krei ses Mitte, angethan mit Gold und Pur pur, und zwifchen ihnen und dem Prinzen trug , ein weißgedeckter Tifch auf gold'ner Platte den Becher, aus dem der Jüngling den betäubenden Trunk thun sollte. Miaiphone reichte ihm den Becher. Die Stunde ist gekommen!" sprach sie ernst. Leere diesen Kelch und schlummere dem LooS entgegen, das unser Stahl besiegeln mufc. Doch Deinen Wunsch?" Erhabene Königinnen," erwiderte sanften ToneS der Prinz, ich füge mich mit männlichem Muthe in das Schicksal, welches Eure Satzung mir bereitet. Doch nicht in des Schlummers Armen will ich Eurem Recht den Zoll bezahlen, nein, offenen AngeS, wie es einem ritterlichen Manne ziemt, ei pfängt der KS? nigsfohn den Todesstoß. Und da Ihr mir denn einen Wunsch gewahrt, so hört meine Bitte, mag sie gleich Euch seltsam scheinen: von königlicher Hand will ich sterben. . Ich stehe vor drei Königinnen, einander gleich an edlem Sinn und göttlicher Schönheit. Wenn etwas einer von ihnen Vorzug zu gewähren vermag, so ist es höchstens der Unterschied in der Zahl der Sonnen, die mit der Pracht Eurer Schönheit wetteiferten. Hier biet' ich meine Brust; die Aelteste von Euch mag sie durchbohren!" Hier, wo die Erzählung interessant zu werde anfängt, fehlen mehrere Blätter meiner vergilbten Handschrist; ich muthmaße es wenigstens, denn das ist doch kein Ende der Geschichte, wenn ich am oberen Rand des letzten Blattes von der Hand des unbekannten Verfassers die abgedroschene Märchenphrase sinde: Der König ihilgvn von Lusitania aber, wenn er inzwischen nicht gestorben ist, so lebt er noch heute. . . . ?" vr. E. v. Müllern. Der iUmaitn Dem königlichen Major WZteken waren vom unerbittlichen Schicksal der Abschied mit Pension und der Oberstlicutenantscharacter aus Gesundheits' rüstchtcn" beschicken worden. Dieselben Rücksichten waren es auch, die den Obcrlieutcnant a. D. bewogen, ob gleich seine Wiegenlieder im deutschen Rorden gesungen waren, im w irmeren Süöen auf den wohlverdienten Lorbccren anszurulzen. Ein freunölichüs Städtchen in eb:nfo schöner wie gesunder Lage war schnei gefunden, und eine passende Wohnung. die gerade lccr stand, öffnete bald zum Einzüge, erst den Möbeln und dann dem Obttstlieutenant un) seiner besseren Hälfte die Pforten. Beide hatten die eiste Nacht vortrcff lich in ihrem neuen Heim geruht und schliefen noch fest, als die rosenfingrige Eos bereits den jungen Tag verkündet hatte, da riß heütönendes Läuten an der Hausglocke die ahnungslosen Schlummernden aus ihren süßen Träu men. Was für ein unverständiges Gebim mel war denn das so früh?" fragte der Oberstlieutenant die einheimische Magd. Dös isch der Weckmann," erwi derte sie. Sich was. dummes Zeug! Brauche keinen Weckm'ann! Beritanden?" schrie Wüteken wild, und brummend zog die verblüffte ttathl ab. An den zwei folgenden Morgen ward nicht wieder geläutet, dafür gad es auch kein frisches Weinbrod. Am vierten Tage wollte Wüteken früh zur Jagd aufbrechen und bestellte daher am Abend zuvor: Um halb sie den wecken!" Er verschlief aber die Zeit. verfäumte die Jagd und schalt dann das arme, unschuldige Mädchen wü thend aus. daß sie ihn nicht rechtzeitia geweckt habe. Jch sagte es doch deutlich genug! Haben ie das nicht ver standen, dumme Gans?" so schloß er semc traspreoigt. Heulend erwiderte das arme Mädchen: Herr Oberschtleitnant hat jc g'sagt: Um halb sibbene Wecken, unk präcis halb sibbene habdc mit dem Kaffee die Wecken auf dein Tisch geschtande, die ich selber hab g'holt. weil Herr Oberschtleitnant den Wcckmanu habbe verböte." Nunmehr ging unserm Oberstlicute nant Wüteken ein großartiges Nordlicht auf: Wecken heißen die .Semmeln. und Wcckmann heivt daSieniae Mit glied der Bäckcrkunst, das die frischen Wecken Morgens zu den scunden trägt. Kathi erhielt General'Ablaß. dei Weckmann wurde wieder zugelassen, unc jeden . Morgen lagen zu Wüleken; Freude die schonen frischen Arödchen aus dem icasseetische. Gegenseitige Grotzmuty. Ein Gensdarm, so berichtet man aus Kelheim in Bayern, attrapirte jüngst, als die Kälte noch arg und die Donau noch zugefroren war, einen armen, halberfrorenen Handwerksburschen, doch dlesem war die kalte Freiheit noch he der als die warme Gefanaenschaft: des halb nahm er in einem unbewachten Moment ÄelöauZ, schnurrstracks üdei die Donau der kühne Wächter todcsverachtend nach. Aber weil da Glück den Lumpen hold, kam der Stromcr hinüber und der Vensdarm brach ein. Als das der Bersolate merkte. fühlte er ein menschlich Rühren, teerte um und half seinem Verfolger heraus. Auch der Gensdarm spürte jetzt hiuwic. derum ein solch' menschlich Nühren und stellte seinem Äctle? vor. , daß bei An zeige dieser That eine sichere Belobigung erfolgen werde. Doch der Handwerks burschet.-autedem Landfrieden nicht und meinte, ihm sei eine sofortige Belohnung lieber, was auch der Gerettete einsah, ihm zwei Mnrt schenkte und ih.'l in Frie den entließ.
ZU Friedenspfeife. Itnc LumoriltisSe SelSichte von R. Wald.
Professor Volkmcrs Geburtstag fiel in die Flittcrwochcn. Tie kleine Zrau war ihrem Gatttti aus ihrer Heimath, dem Nheinlande, uach dem nordischen Königsberg gc folgt, wo der erst scchsunddrcißig'.ahrige Mann an der Universität einen Lehr stuhl inne halte, und als er feine ge liebte Klarn heimgeführt, da fehlte ihm nichts zu stinem Glück. Nichts? Dc h etwas, er entbehrte es schwer. "Hinter dem prächtigen Strauß am ffrühstuckstisch saßen bald die beiden Glücklichen, und immer wieder dankteer seinem Weibchen, denn ste hatte ihn zum Geburtstag mehr als reich be schenkt mit all den kleinen Aufmerksam leiten, die nur ein liebendes Weib dem Manne bereiten kann. Tas, ist aber viel zu viel, liebes Frauchen, und das Meiste hast Du selbst gemacht; wie hattest . Tu denn nur die Zeit dazu, dies Alles unbemerkt zu arbeiten?" Dazii habe ich mehr Zeit, als mir lieb ist, muß ich Tich doch täglich viele Stunden entbehren, gar nicht die ge rechnet, während welcher Du zu Hause arbeitest. Jet mußt Du aber auch Deiner Mutter Gcburtstagskiste auf machen, sie ist schon gestern früh gekom men, und ich bin furchtbar neugierig, zu sehen, was sie Dir vi" s geschickt hat." Das bin ich auch," antwortete der Professor, erhob sich vom Frühstücks tisch, natürlich niät ohne den obligaten Kuß. der ja bei Neuvermählten niemals vereinzelt bleibt, und ging dann, die längliche Kiste, die ihm seine liebe, alte Mutter geschickt, aufzubrechen. Ach. Socken natürlich, die Mutter schenkt mir immer Socken, ich habe noch keine anderen an den Füßen gehabt als solche, die sie gestrickt. Und hier, ja, was ist denn das Tabak, und hier meine erste Braut, die der zweiten weichen mußte, meine Pfeife auch der Tabaksbeutel ist nicht vergessen, sieh nur hier. Weibchen, und auch mein Monogramm hat die Mutter darauf gestickt" Klärchen aber war längst von seiner Seite gegangen und saß in einem Stuhl 'am Fenster, als ob sie Alles, was jet)t in der Stube vorging, nicht interessirte. Aber Frauchen, so sich doch hier meine alte Studentenpseise. freue Dich doch mit!" Das ist unerhört, ich soll mich noch mitfreuen. Ich begreife nicht, wie Du Dich freuen kannst! Ja. aber so seid Ihr Männer, Eure Versprechen gelten nichts? Hast Tu mir nicht.' als wir verlobt waren, versprochen, im Hause nicht zu rauchen? Im Freien kannst Du ja thun, was Du willst, aber in der Wohnung dulde ich nicht Eigarren dampf, geschweige denn den greulichen Pseifenqualm.Kmd. sei nur nicht so erregt uud höre mich ruhig an. Es ist ja leider jawohl leider wahr, daß ich Dir das Versprechen gab, in unserer Wohnung nicht zu rauchen, ich habe es gehalten bis heute und werde es auch, das heißt, wenn Du daraus bestehst, denn ich hoffe. Du siihst ein. welch eine Entbeh rung es für mich, einen bisher leiden schaftlichen Raucher, ist. dies plötzlich zu lassen; solltest Tu aber nicht so ver nünftig 'sein, so werde ich zwar nicht in unseren, aber in meinen Räumen meine Pfeife rauchen, in meiner Ar deitsstube. da habe ich allein mein Heim aufgeschlagen. Meinetwegen kannst Du die Gardinen dort abnehmen, aber rauchen werde ich dort, das merke Dir. und nicht nur Cigarren, nein, auch Pfeife, hier die liebe Pfeife, die mir meine gute Mutter geschickt. So, nun weißt Du meine Absicht, und nun sei gut und erlaube mir auch im Wohnzimmer das Rauchen, sonst wür dcst Tu nach Tisch immer auf meine Gesellschaft verzichten müssen, und denke. Klarchen, nach Tisch, wo wir die schönsten Plauderstündchen haben, wo Du Dich gemüthlich auf das Sopha zur Siesta legst, 'ich im Schaukelstuhl bei Dir siyc. Dein liebes, süßes Händchen halte. Nun. Weibchen " Schon in den ersten Wochen unse rer Ehe." schluchzte Klara, bist Du Deiner Frau so überdrüssig, daß Du sie einer abscheulichen Angewohnheit opfern willst." Du willst mich aus Deinem Arbeitszimmer verbannen und behauptest doch immer, daß Tu c.m besten arbeiten kannst, wenn ich bei Dir säße. Ach. ich bin so unglücklich " Mein kleines Weibchen, ich kann Tich nickt weinen sehen, ich will Dir noch ein Zugeständnis machen. Du sollst bei mir bleiben, auch im Arbeitö zimmer, ich werde erst nur ganz wenig rauchen, bis Du Dich allmählich daran gewöhnt hast, und die Gardinen, die läßt Du einmal mehr waschen als sonst, ich will Dir dafür auch einen Zuschuß zum WirthschaftSgeld geben." O pfui, schäme Dich. Du willst, ich soll für Geld meine Ueberzeugung än dern. nein, eS bleibt dabei die Pfeife oder ich." Nur nichts auf die Spitze treiben, Klara, Tu weißt, ich gebe allen Deinen Wünschen nach, wenn ich nur eine Spur von Berechtigung darin erblicke, aber eigensinnig mußt Du auch nicht sein. Also noch einmal, kleine Frau, schlag ein, willige in die Pfeife, ich verspreche Dir auch bei dem nächsten mißlungenen Mittagsessen nicht eine Miene zu ver ziehen." Wohin verirren wir uns doch manch mal in der besten Absicht; Professor Volkmer hatte die schwächste Seite sei ner Frau berührt, sie war eben keine große Köchin. Was der Professor durch seinen Zuspruch nicht erreichte, das tha ten diese Worte, das Taschentuch sank von denZlugen, die Thränen verschwan den. " Zu. gütig, Herr Professor", und Klärchen sprang beleidigt mit Heftigkeit empor and sah ihren Gatten mit ioro
v .-. -;. .';-:' -v - ' fpruuenocn ugrn uii, ity uct jtuiic uu Nachsicht, ich werde uoeryauvt nicht mehr kochen. Diese elende Geburts tagskiste. aber natürlich, alles Unheil kommt von den Schwiegermüttern." Fast wäre jett auch der Professor heftig geworden, dach er besann steh, nahm Hut und Stock und eiite, ohne seine Frau anzusehen, die Treppe hinunter. Klara sah ihm wie erstarrt nach. Was war aus dem stets gütigen Manne geworden, der ihre kleinen Launen immer scherzend ertragen ! Hatte
sie seine Mutter beleidigt? ja, aber die Schwiegermutter war ja auch wirtlich schuld, und nur weil sie das Richtige ge troffen, war er so erzürnt. Das reizende Frauchen weinte heftig, wie unglücklich fühlte ste sich ! Ob er wohl lange bös sein wird? Nein, sicher lich nicht, er wird gewiß bald wieder heimkehren, seine kleine Frau küssen und nicht mehr von der Sache reden. Es verging eine Stunde, die zweite, immer weitere. Klara wurde ungedul dig, dann ängstlich, zuletzt sehr böse; der Tag verrann, schon früh am Abend legte sie sich zu Bett, und obwohl sie noch wachte, stellte sie sich doch schlasend, als Felix nach Hause kam. Er that gar nicht, als ob ihn dies verwun derte, und bald zog auch er die Decke über sich und fiel in seinen bekannten gesunden Schlaf. Als Klara am nächsten Morgen auf wachte, war ihr Mann schon aufgestanden, sie suchte ihn, fand ihn aber nicht, bis sie an sein Studirzimmer kam, da merkte ste. daß er darin sei, denn durch die Thüre konnte ste den beizenden Geruch des Tabakrauchens verspüren. Was sollte sie thun? Nachgeben? Nein, tausendmal nein. Mit kurzem Gruß verließ Felix das Haus, um nach der Universität zu gehen; Klara öffnete, als er fort war, rasch die Thür zu seiner Arbeitsstube, da strömten ihr schier undurchdringliche Rauchwolken entgegen. Sie schlug die Thür zu; nein, nicht einmal aufräu men will ich, er soll fühlen, daß er gegen meinen Willen raucht." Und doch, die Stunden schienen Klara zu Tagen zu werden, sie konnte nicht arbeiten, nicht lesen, selbst nicht schreiben, denn ihr Leid wäre ihr in die Feder gestossen, und sie durfte eine solche Niederlage auf keinen Fall be kennen. Zum Abendessen erschien Volkmer sehr pünklich. aber das sonst nie sich erschöpsende Gespräch kam immer wieder in's Stocken. Volkmer betrachtete seine Frau verstohlen, war denn noch gar keine Nachgiebigkeit in dem lieben Antlitz zu lesen? Nein, es blieb umi wölkt, zuletzt beinahe traurig. Ein ' paar Tage immer dasselbe, nein, es war nicht zu ertragen! War denn eine ; Pfeife so schlimm? So viele Frauen ertragen es ja. und wie glückich würde , ihr Mann sein, sing Frau Klara zu . überlegen an. Sie war ja gesund und Rauch coniervirt, am Ende war es doch besser, nachzugeben. Nachgeben, ja. das ist nicht so leicht wie das einleiten! Sollte sie sagen, sie hatte eingesehen, dav sie Unrecht habe? : Nie und nimmer, damit hätte ne sich zu l viel vergeben, so dachte Klara. Wie aber sonst? Dieser Zustand ist nicht zu ertragen, es muß wieder so werden wie früher, so traulich, so wonnig. .Aber wie. wie diese Wandlung voll bringen, wie den ehrenvollen Rückzug antreten? In Volkmer? Innern ging so ziem lich dasselbe vor, er vermißte die Zärt lichkeit und die Nähe seiner Frau sehr, und schließlich war er ja so lange ohne Pfeife ausgekommen, warum sollte sie jetzt so unentbehrlich sein? Diese Ge danken stiegen in Felix' Kopfe auf, als er. nachdem der Kriegszustand schon ei nige Tage gedauert hatte, eines schönen ages vom Kolleg nach Hause ging. Er schwankte immer noch, ob er nach geben sollte, als er aber an die frühere reizende, gemüthliche Häuslichkeit dachte und das unerträgliche Leben, das er jetzt hatte, da stand der Entschluß fest: die Pseise sei dem Frieden geopfert. Schneller als sonst eilte Volkmer die Treppe hinauf, er wollte nach langer,. lanaer'elt. ihm kam es wie eine Ewia keit vor. sein Weibchen wieder umürmen und ihr diese Eröffnung machen. Er öffncne die Thür zum Wobnimmer, sie war nicht .da, auch in der Schlafstube und der Küche keine Spur von ihr. Aergerlich runzelte Volkmer die Stirn. sie wollte ihn das Alleinsein , fühlen lauen, ist gewlö spazieren gegangen, wirklich ein bedenklicher Eigensinn. Nun. der Klügere gibt nach, dachte der Professor und öffnete die Thür zu seinem Arbeitszimmer, um der Pfeife an der Wand einen würdigen Platz zu geben, damit er sie. wenn schon nicht rauchen, so doch sehen könne. Ja, was ist denn das? Der Qualm! Wer raucht denn da?.. .. Klara sitzt beim Schreibtisch, die lange Studentenpfeife v cm m . . jr. - t . i. . . im reizenoen cunocyen, aoer oas yei tere Lächeln um ihre Lippen ist ge fchmunden, bleich und fahl sieht sie aus. Aber Weibchen, Närrchen, was machst Du denn da ?" rief der Professor außer sich vor Erstaunen. Ich rauche die Fridenspfeife," ant ortete sein Frauchen mit zuckenden Lippen, und schon entsank das unheil volle Instrument ihren Händchen und der kleine bleiche Kopf sank an ihres starken ManneS Brust. Beruhige Dich nur, Kindchen, ich will auch nicht mehr Pfeife rauchen." Du mußt," sagte Klara ganz ent schlössen, indem sie das Köpfchen hob und sich durch die Lust, welche durch das schnell geöffnete Fenster' eindrang, wieder erholt hatte, ich habe einge sehen, daß 'es wirklich ein großer Ge nuß ist." ' Nein. Klärchen." lachte der Profes sor, an den Genuß Deinerseits glaube ich nicht, aber wenn Du einverstanden bist, dann soll die alte Pfeife mir noch manchen Genuß verschaffen zn dem Glück, das sie mir mit dem Bewußtfein Deiner Nachgiebigkeit gegeben. Siehst Du, nicht nur UebleS, auch Gutes kommt von Schiegermüttern.- .... .
is.mrzMxaj!M
.Felix, wie kannst Du mich nur arr mein? abscheulichen Worte erinnern kannst Du sie mir vergeben ?" Das ist längst geschehen. Weibchen wie könnte ich Dir auch döse sein !" Ein herzlicher Kun bcschlon dasBündniß auf's Neue, und in den Flittcrwochen bleiben Küsse nicht ver einzelt. Londoner Theater. Ueber Aeußerlichkeitcn im Innern eines . Londoner Theaters" plauderts Wilh. F. Brand in der Frkf. Ztg.1 Stalte and Dress Circle (Parket unl 1. Rang) bleiben während des erster Theils der Vorstellungen gewöhnlich leer. Die vornehme Welt in England dinirt spät ;und eheste dann die Reise in's Theater" zurückgelegt, ist der Abend, schon so weit vorgerückt, daß die Be sücher von Parterre (Pit) und Gallerie sich unmöglich so lange gedulden wür den. Für sie wird daher gewöhnlich erst ein besonderes Stück aufgeführt welches indessen stets von einer Beschaf fenheit ist. die von dem oft gerühmten Kunstverständniß des Pit wenig genug vorausfetzen läßt. Beginnt diefe's nun in der Regel um halb acht oder uin acht, so nimmt das eigentliche StüZ des Abends vielfach nicht vor halb neun oder auch erst um neun Uhr seinen Anfang. Es kommt daher auch oft genuz vor, daß einzelne Stücke erst nach Mit ternacht vorüber sind. Das erste Stück ist zu Ende. Auch die Stalls haben sich heute ungewöhn lich früh gefüllt. Es herrscht eine E? regung im Hause, wie selten in einem englischen Theater. All London" ift zugegen. Es ist eine tirst night, eine erste Aufführung, die hier ebenso viel Anziehungskraft ausübt, wie in ande ren großen Städten. Auf der Galerie ward eben ein lustiges Lied angefan gen und der Pit stimmte rasch mit ein. Plötzlich wird es dann unter brachen. Ein halbes Dutzend Stim men rufen den Namen eines bekann ten Politikers aus, der in diesem Au genblick eintritt. Ein vielstimmige Hurrah ertönt, dem aber ebenso rasch ein Pfeifen und Zischen folgt, bis ein neues Lied, die schnödesten 'Bemerkung gen, ein allgemeines Gelächter oder der Eintritt einer andern hervorragenden Persönlichkeit immer neue Scenen her beiführcn. Da tritt ein bekannter Kritiker in's Haus. Jubelnder Zuruf! Doch ein Anderer muß durch ein Feuer weniger schmeichelhafter Zurufe Spieß ruthen laufen. So bleibt die höchste Instanz der Kritik das Publikum selbst. Es kritinrt auch seine Kritiker. Nur schade, daß diejenigen, die hier am meisten Spektakel machen, am we nigsten zur Kritik berufen 'sind. Sie lärmen eigentlich nur um des Lärmen? willen. Aber die vornehme Welt und die Kritisirten im Publikum selbst? Sie geben sich wohl den Anschein, als merk ten sie von all' den Ausschreitungen nichts; aber auch den Ltall-Vesuchem machen dergleichen Scherze Spaß den unkritisirten wenigstens. Das Recht der freien Meinung? äußerung läßt sich nun einmal kein Engländer nehmen, wenn diese auch noch so wenig am Platz ist. Wehe aber auch der Direktion,' die etwa den Wün schen des Publikums nicht Rechnung, trüge! So hatte es sich jüngst ein Di rektor beikommen lasten, eine Anzahl' von Pläken im Pit vorher zu besetzen, ehe das Publikum Zutritt fand. DaZgalt diesem für eine unerhörte Schmä lerung seiner Rechte. Natürlich war dies außerdem zu dem Zwecke geschehen, die Plätze mit Freunden des Hauses mit einer Art Elaque zu füllen, die ein englisches Publikum nun einmal unter keinen Umständen dulden will. Da5 Publikum benahm sich denn auch so ent schieden feindselig, daß die VorstellunA lange Zeit gar nicht ihren Anfang neh men konnte, und selbst als der Direktor in einer Ansprache von der Bühne her ab sich zu entschuldigen suchte, so gut er konnte, wollte sich de? Unwille lange Zeit nicht legen. Vom Pit her ertön ten auch wohl die Rufe der Kellner "Ale or Stout" und die verschiedenen Getränke, die hier von der schon erreg ten Menge auf ihren Plätzen selbst ein genommen werden, sind nicht geeignet, Ruhe herzustellen. Ein neues Liev wird angestimmt. Dieses Mal Go1 save the Queen. Doch auch dieses stößt auf Wiederspruch und wird von einem Gassenhauer, von Pfeifen und Fußstampfen zeitweise übertönt. Doch die loyalen Untertba nen Ihrer Ma'estä't wollen sich nicht übertrumpfen lassen und setzen ihrer seits um so kräftiger ein. Le? Lärm wird immer wüster, da wird' der Vor hang aufgezogen. Aber haben die Künstler aus der Bühne keine Bange, vor .einem solchen Publikum aufzutre ten? Keineswegs. Wie lärmend eS sich auch geberdet, es ist im Grunde ge nommen doch recht gutmüthiger Natur und ist gegen alles Andere kritischer, als dem gegenüber, was auf der Bühne vorgeht. Die Hervorragendsien Dar stelle? werden, sobald sie auftreten, alle sammt mit Beifall empfangen und der säumen auch nicht, nach allen Seiten hin erst dankend sich zu verbeugen. Daß die Gesammtdarstellung, 'daZ Stück darunter leidet wäS thut das? Mit dem Urtheil über solche Dingt übereilt sich Jsohn Bull nicht gern. ' Er erwagt das Ganze erst reiflich und be schläft es auch lieber erst. Am nächsten Morgen aber weiß er genau, was er von dem Stück hält sobald er sein Zeitung gelesen hat. Zeitgemäße Annonce. Ich habe in der Jndustrielot?erie den Hauptgewinn, eine vollständige Woh nungseinrichtung im Werthe von 20,. 000 Mark, gewonnen und suche eine : hierzu passende Frau. Sein bestes Zeu gn iß. Studiosus Bummel, der durch . allß Examina durchgefallen ist, erzählt mU Stolz, daß sein Jmpfzeugniß das best Zeugniß ist. welches er je erhalten hau denn es steht darauf: .Mit Erkolä!
