Indiana Tribüne, Volume 16, Number 193, Indianapolis, Marion County, 2 April 1893 — Page 2

Gespenster.

Der Kopenhagens Berichterstatter der Jndepcndence belge" erzählt fol. gende sonderbare Geschichte: (5s ist seil langer Zeit kein Geheimniß mehr, im Königspalaste zu Stockholm gehen Gespenster um. Man wußte es schon vor vielen Jahren, daß es im Schlosse spukte, man ließ deshalb einen Seiten, flügel des Schlosses niederreißen und ihn später wieder aufbauen, aber die Geister waren nicht verschwunden und aaden sich auch in dem neuen Bau ihren nächtlichen Vergnügungen hin. Vor einem Monat weilte das dänische KrönPrinzenpaar in Stockholm und nahm im Schlosse Wohnung. Schon in der ersten Nacht ereignete sich etwas Ungewohnliches; ein Kammerh?rr wurde plötzlich vo?: unsichtbarer Hand aus dem Bette gezogen und auf einen Tisch gesetzt. Am folgenoen Morgen fragte ihn Prinz Johann, ob er nicht in seinem Zimmer einen furchtbaren Lärm gehört habe. Am Abend dieses Tages schrieb Prinzessin Louise in einem Saale, in dem alle Lichter brannten. Plötzlich erschien ein Gespenst, löschte zwei Lichter aus und sah die Prinzessin scharf an; die Dame, die als sehr bcherzt gilt, finde nun ihrerseits den Eindringling aus der vierten Dimensie, der sich darauf schleunigst zurück zog'imd im Eorridor verschwand. Aber es pafsirten noch ärgere Geschichten. Prinz Christian, der älteste Sohn des Kronprinzen, wollte aus einem dunklen Zimmer etwas holen, kam aber schon nach wenigen Augenblicken bleich und zitternd zurück und sagte, daß das Zimmer angefüllt sei mit sonderbaren Ge stalten, die ihm den Eintritt verwehrten. Zum Schluß noch eins: Einen Tag vor seiner Abreise spielte der KrvN' Prinz von Dänemark mit dem Prinzen Gunav von qweoen eine- Partie Whist.. Plötzlich wurde der letztere weiß wie die Wand und erklärte, daß ein riesengroßer Mann hinter ihm stände und ihm in die Karten guckte. Der Riese schien über diese Mittheilung sehr indignirt zu sein, denn er verschwand sofort. Das Sonderbarste aber ist, daß alle Mitglieder der dänischen und der schwedischen Königsfamilie an diese Gcistererscheinung glauben (?). So behauptet wenigstens der Berichterstatter der Jndepcndence beige". Ans der guten, alten Jrit. Landgraf Wilhelm IX. von HessenKassel, als erster Kurfürst restaurirt, nachdem er den auf dem Wiener Con gretz angestrebten Titel König der Katten" nicht hatte erlangen können, befahl, d?ß die ganze Armee rviedcr Zöpse tragen und Puder im Haar süh ren solle. Da nun die Haare der Soldaten oft nicht lang genug worcn, um die falschen Zöpfe daran zu bcfefti gen, so wurde angeordnet, falsch; Zöpfe an die Uniformkraqen, aber nicht an die Hüte zu heften. Dieser Befehl war die olge eines seltsamen Vor falles. Der 'Kurfürst bemerkte einst. als er aus dem Schlosse kam und die Wache schnell in's Gewehr trat, einen Ofsicier mit zwei Zöpfen. Warnen hat man zwei Zöpfe?" donnerte die alte Hoheit. Der Ofsicier hatte den Hut eines Kameraden, an welche des sen Zopf befestigt war, ergriffen, und der seinige hing an den eigenen Haaren. Unnachsichtlich erhielt der unglückliche Lieutenant Arrest, und es ging d gedachte Befehl. Um echte und schöne Zöpfe zu meu gen, setzte der Kurfürst einen Prns auf eine den Haarwuchs befördernde Salbe. Of freiere, die echte Zopfe vorzuweisen vermochten, erhielten eine Zops-Werqu tung. In ganz Europa wurde der Kurfürst wegen dieser ZopfMan. ver spottet. Man erzahlt sich noch m Kaj sel. wie ein Engländer vor denr Schlosse WllhelmShöhe erst mit einem fast schen keldicken Zopfe, der bis an die Knie verabreichte, und dann sogar Mit viu. fünf blS beinahe zur Erde herabhän . genden Zöpfen auf und nieder spazierte. Klugerweise nahm der sonst leicht ae -reizte Landgraf von diesem Aergerniß keme Notiz. Am 21. November 1813 zog der Landgraf auf Wilhetmshöhe wieder ein. Der Ämtmann Möller begrüßte ihn mit -einer schwungvollen Anrede. Da hob der Kurfürst' seinen Stock und schrie: Kerl, wo hat Er seinen Zopf?" ..Halten zu Gnaden, Durchlaucht, der ist nicht mebr Mode!" J2lch was, Mode," rief der Kurfürst. die Mode hat der Franzos in's Land gebracht. Aber im Zopf allein sitzt die Treue und die Ehrllchleit, und wer 1 neu Zopf abschneidet, der ist kein treuer Heue mchrr Da wuchsen im Kattenlande die Zöpfe über Macht zu Hunderten auf tült Plltt. Mlhelm I. starb 1821. Der erste Akt seines Sohnes und Nachfolgers Wilhelm II. war das Zopfabfchneiden. Die Soldaten warfen die abgefchnitte nen Zoöle in die Fulda, und der Spie gel des Stroms war mit diesen schmim enden Leicken bedeckt. Die 5'l'esiahriaen Kai sermanöver in Elsaß-Lothringen sollen mit ganz besonderem Glänze in's Werk gesetzt werden. Außer dem Kaiser werden die meisten deutschen Fürsten persönlich oder durch Mitglieder ihrer Häuser dabei vtreten sein. Auch Ber treter des Kaisers tisxz Oesterreich, viel leicht auch des Königs von Italien. werden erwartet. Ju der Nähe von Metz wird die große Kaiserparade statt finden. An dieser wird auch die bavri sche 10. Jnfanterie-Brjgade theilueh rnen, die für die Zeit der großen Herbste Übungen die Besatzungen von Metz bil den wird. Neben den glänzenden mi litäriichen Veranstaltungen sollen auch größere Festlichkeiten stattfinden, welche seitens der staallichen und städtlichen Behörden dem flauer und beucn fürst lichen Giften zu Ehren gegeben wer den. it ttaizermanöver waren schon für den legten Herbst geplant, aber wo gen der Eholeragefahr vom Kaiser ab c.e!agt worder,.

Lina'S guter Engel.

EineAuserstehllngZzksÄiche v n Hellmuth Wille. Mög? Dich Dein guter 5ngel nicht Verlassen, Lina," seufzte die alte Brendler immer wieder. Ihre hübsche Tochter hatte gleich einen guten Dienst bekommen, vielleicht einen zu guten sur das junge Ding. Das junge, lebens ustlge Ehepaar, bei dem ue diente. ließ ihr allzuviel freie Zeit. Dabei hatte Lina einen guten Lohn. Unauf horllch mahnte die Mutter spare lege etwas zurück! ES können einmal schlechte Zeiten kommen. Du kannst krank werden, ohne Stellung bleiben. Und wenn nicht, so könnte sich Dir die Gelegenheit bieten, zu heirathen, und Du 'brauchst dann eine kleine Aus steuer. Aber Lina hörte nicht. Lelchthm versprach sie der Mutter alles Mögliche. kaufte sich nachher allerlei Putz und Tand und amüsirte sich so gut als sie konnte. Ihre Dienstherrschaft ging fast jeden Abend aus. Mit aebrannten tirn löckchen. eine weiße gestickte Schürze vorgebunden eine irische Blume an gesteckt, so stand sie vor der Hausthür, unter dem Boiwand. das Hundchen der Herrschast auszuführen. Natürlich blieb sie da nicht lange allein. Der Kommis aus dem Dro guengeschäft im Hause machte ihr den Hof. Man warnte sie vor ihm: aber was, die anderen Mädchen beneideten sie nur um den hübschen schneidigenAnbeter. Sonntags sah r aus wie ein Eavalier, und er führte sie nach eleganten Tanzlokalen, Tingel-Tangel und Eoncerten, wo er den großen Herrn spielte und eine Menge Geld ausgab. Lina mutzte sich doch bei dielen Ge legenheiten fein machen" das war sie dem großmüthigen Freunde schul dig. Man hielt sie auch wirtlich für feine Leute, und Lina war außer sich vor Vergnügen. So lebte sie lustig in den Tag hinein das Leben erschien ihr Wie ein großes ytL Das Blschen Arbeit war am Ende bald gethan, in dem jungen Haushalt war ja Alles auf's Beste eingerichtet, und die Ge schäfte des Alltags gingen am Schnür chen. Ach wie 'froh war Lina, daß sie der allzu strengen Zucht ihrer Mutter entronnen war. Sie kam immer wie der und wieder, -diese brave, strenge Mutter, besah Lina's Sachen, schalt, daß die Strümpfe zerrissen und nicht gestopst waren, daß von den Taschentüchern einige fehlten. Und Geld hatte Lina niemals trotz des hohen Lohnes. Wenige Tage nach dem Ersten war immer Alles weg. Das Sparkassen buch, welches die Mutter für Lina' angelegt hatte mit zehn Mark, mühseligen Ersparnissen der alten Frau blieb leer. Aber nicht allein das leere k?parlauenouch und die zerrissenen Strümpfe machten der alten Brendler Sorge. Sie zitterte, daß die leichtsin nige ocyler ganz verloren gehen konnte. Heute, Sonnabend, war die Mut tcr wieder dagewesen, hatte ordentlich gescholten und ging jetzt mit den Wo? ten: Dn hörst nicht Lina ich weiß nichts anderes, als für Dich beten. daß Dein guter Engel Dich nicht verlasse!" Lina, ein wenig gerührt, ein wenig erschüttert von den feierlichen Worten der alten Frau, umarmte die Mutter: 's ist wirklich nicht so schlimm mit mir. Mütterchen!" Hinterher sagte sie zu sich selbst: Die Mutter ist eben alt sehr alt; sie weiß gar nicht mehr, wie eö ist, wenn man jung ist. Und am folgenden Tage. Sonn tags, ging fit mit ihrem Freunde nach Schöneberg. um zu tanzen. Ihre Herrschast war ai einige Tage verreist sie konnte weggbleiben. so lange sie wollte, und tyuij was ihr be liebte. Ihr Freund er hieß Zobel und man nannte ihn in den Kreisen der HauS und Küchenmädchen den Baron Zobel, weil er so gerne den Eavalier spielte hatte sich auf diesen Sonntag schon besonders gefreut. Man konnte vergessen, daß Lina diente. Sie sah auch ganz reizend aus in ihrem neuen hellblaue Satinkleide mit großen Blumen nach der neuesten Mode mit einem weißen Tülljabot. Lina hatte sich ordentlich geschnürt und knappe Handschuhe angezogen. Man tay ihr wahrhaftig nicht an, öaß sie ein Dienstmädchen war. Während sie wie unsinnig tanzte, sah sie draußen vor dem Fenster cm ihr be kannt erscheinendes Gesicht. Das Tanz. lokal war in einem großen Restaura tionsgarten erbaut: draußen 'an den offenen Fenstern standen die Gäste und sahen dem Tanze zu. manche viel leicht mit Neid, andere aus Langeweile andere mit spöttischem Lächeln, weil sie nicht begreifen konnten, wie man bei dem warmen Wetter auch noch tanzen konnte. Und unter all diesen fremden. glcichgiltigen Gesichtern sah Lina im Bordelfllegcn ein bekanntes traun ges das mit stillem Vorwurf nach ihr blickte. Immer, wenn sie von Neuem an dem Fenster vorbeimirbelte sag sie dieselben Augen mit dem selben Aorwurf auf jie gerichtet. Aed, das !t der gute Engel-, den mir die Mutter geschickt hat.- dachte sie. .gewiß, er soll Acht auf mich ge ven!" Da? traurige Gesicht gehörte dem ehemaligen Gesellen ihre? BaterS, dem Wilhelm. Er hatte sich teitber als Meister niedergelassen und schüchterne versuche gemacht, sich ihr zu nähern. R1 X. ' t ... nvrr er irar iyr zu wenig yaoiq. zu wenig lustig, mit einem Worte zu langweilig. Sie lechte ihm in' Ge sicht nein, das war nichts. Seit Lnge hatte sie ihn nicht gesehen. und nun stand er da draußen, der Krause, und sah zu. wie sie mit Zobel tanzte und wie dieser ihr den Hof wachte, Krause traute sich nicht herein. dcnn er konnte nicht tanzen. Der arme Krause jedensauZ seufzte er. Nur

onnte man es bei dem LZrm nicht

hören, vizit v'tna ward nlcyl geruyrr. Warum beobachtete und beaufsichtigte man sie? Sie trieb es wie toll. anztc. lachte, trank. Immer wieder auchte das stille, traurige Gesicht in dem Getümmel auf. Endlich ver chwand es. Mochte es. tolchen guten Zngel brauchte sie 'nicht! Sie tollte und raste fort! Und in dieser Nacht wich wirtlich der gute Engel von ihr, ver sank er in das Dunkel. Wahrhastig, sie ist es, aber nicht wieder zu erkennen !" dachte Krause. Er hatte in der Markthalle Mauer straße einen kleinen Verkaussstand für Bürstenwaarcn errichtet, eine Art Fi liale seines Geschäftes in der Markgra fenstraße. Eine Verkäuferin besorgte den Stand in der Markthalle' und grause ging von Zeit zu Zeit hin. um das kleine Waarenlager und das junge Mädchen zu kontrolliren. Das hatte er auch heute gethan. Und da sah er das Mädchen, welches ihm Lina schien, blaß, abgemagert, ernst, ganz einfach gekleidet, in einem altsränliichen Um schagetuche. wie sie es vorher nie ge tragen haben würde. Lina hatte einen großen 'Einkausskorb am Arme und kaufte billiges Gemüle. Kartonel, ge räucherte Heringe, lauter Waaren, wie man ihrer in einem bescheidenen Haus halt bedarf. Eine lange Weile hatte Krause bei seinen Bürsten gestanden und Lina zugesehen. Jetzt kam sie hart an ihm vorbei. Guten ag. Fräulein Lina." sagte er ein wenig spöttisch. Wie geht's ?" Wir haben uns lange nicht geiehen ?" Lina dankte kurz und versetzte : Wir haben einander wohl nicht ver mißt r Ihre kurze angebundene Welse reizte ihn und er entgegnete : Wann kom men Sie denn wieder nach der Linde" in Schöneberg ? Ich habe jetzt tanzen gelernt. Fräulein Lina vielleicht wur den Sie mir jetzt einen Tanz vergön nen ?- Er wollte das Mädchen, das von dem Geliebten, dem eleganten Tänzer von einst, verlassen worden war, beschämen und verwirren. Aber Lina hob stolz den Kovs: Sie wilsen, Herr Krause, daß ich den Tanzboden nicht mehr be suche, . und daß Ihre böse Rede schlecht angebracht ist." Er verstummte. Ja. er wußte von ihrer Mutter, daß Lina den Tanzboden nicht mehr besuchte. Aber er hatte sich rächen wollen für jenen Abend, da er von außen traurig zusah und sie ihn am Arm ihres AnbeterS verlachte. Aber er hatte Unrecht gethan, 's ist 'n armes unglückliches Mädchen jetzt", sagte er sich. Er blickte ihr nach. Wie stolz sie ging, wie hübsch sie sich hielt, trotz des großen Korbes, noch immer ein äußerst nettes Mäd chen trotz alledem schade um sie! Und er seufzte, während er die vor handcnen Schauerbürstcn" zählte. Die kleine Verkäuferin schnitt ein böses Ge sicht; der Herr hatte doch gar lein Auge für sie und sie war auch nicht übel. Indessen schleppte Lina ihren schweren Einkausskorb nach Hause; es war recht heiß,- obgleich erst kurz vor Ostern. Ten Festtagsbraten kaufte Madame selbst. daS war eine große Sache. Lina hatte nur das Alltagsfutter zu besor gen viel, aber billig! Sie diente jetzt in der kinderreichen Familie eines kleinen Kaufmannes, ein Posten mit vieler Arbeit, schlechter Kost und mäßi gem Lohn. Doch hatte sie keine Wahl gehabt. Ihr erstes Tienstzeugniß war schlecht und demselben folgte eine ver hängnißvolle Pause, eine Pause, über welche Lina keine Auskunjt gegen konnte und wollte ein Abgrund eine furcht bare Lücke, ausgesüllt mit Elend, Noth. physischen Leiden, hoffnungsloser Aer jweiflung. Sie wollte sich todten aber es fehlte ihr an Muth. Sie blieb am Leben, genas, mußte schleunigst einen Dienst suchen, denn sie mußte ja ihr Kind versorgen, das arme kleine Geschopschen, das sie aus seinen großen, dunklen Augen so fragend anblickte ; WaS soll ich hier?" Seit das Kind da war. fühlte sie sich im Grunde nicht mehr so ganz Unglück lich! ES war doch gar zu niedlich, das Kleine! So lange sie es bei sich hatte, spielte sie damit, lachte eS an, liebkoste eS. Ganz eigen ward ihr dabei zu Muthe: cS gehörte ihr, so ganz ihr. eS sah sie an, wie aus einer anderen Welt. und es erschien ihr trotz aller Leiden der Vergangenheit, trotz aller Sorgen der Zukunft wie ein Geschenk Gottes. Aber der Vater des Kleinen war fort. verschollen: er sollte nach seiner Heimath gegangen sein, nach Pommern ooer Ostpreußen. Und sie. Lina allein batte für das kleine Geschöpichen zu sorgen. Das war ihr auch nicht zu viel, schien ibr richt zu schwer; eS war ja doch ihr Kind. Ohne zu klagen, hatte sie den schweren Dienst bei Neumann angenom men. quälte und plagte sich seit einem Jahre. Wenn sie daS MonatSgeld für das Kleine bezahlt hatte, blieben ihr noch immer emiae wenige Mark, um ibre Stiefel besohlen zu lassen, um eine Schürze ode? sonst etwas Unerläßlichen zu kaufen. Sonst hatte sie vor den Schaufenstern gestanden, um den Putz, der dort aus gekramt war, mit begehrlichen Blicken zu mustern. Jetzt sah sie nichts, als die winnaen Kleidchen und tz-churzchen. die Schühchen und Etrümpfchen für die kleinste Ausgabe des Menschengeschlechts. Der Kleine macht jetzt die allerersten Gebversuche. Zu den Festtagen sollte er das erste, kurze Kleidchen bekommen und die ersten Schühchen sie hatte das ja auch schon gekaust, und am er sten Festtage wollte sie die Sächzlchen hinausbrlnzen und dem Kleinen gleich .anziehen: auch eine guietsckende Gum mipuppe war als Ueberraschung vorbe reitet. An sich selber dachte Lina nicht. durfte sie nicht denken. Früher hätte sie sich zu den Festtagen sicher ein neues Kleid beschafft, wohl auch einen hübschen Hut cder Sonnenschirm. Jetzt ging das nicht an und sie sehnte sich auch nicht darnach. Wenn nur der Kleine sein Kittelchen

und seine Schuhe hatte wie reizend, würde er in den neuen Schuben herum

tappeln; wie würde er vor Freude krü hen über die Gummipupve. Unabläs sig dachte sie daran, sah das kleine i gürchen. hörte sein Helles Sümmchen. Indessen flog die Arbeit nur so von ihrer Hand. Es gab eine Menge zu thun Fenster' zu putzen, udöden scheuern. Möbel zu klopfen. Schürzchen und Kleiochcn für die Kind.'r zu plätten und schließlich einen Kuchen für die Festtage zu backen. Dazu konnte, man nicht bei einer Arbeit bleiben die Kinder hatten Ferien und verlangten bald dies, bald das. Da hatte Alsred Tinte verschüttet, da brauchte Lisbeth eine saubere Schürze, da quälte Gustav um eine Stulle, da war Annchcn auf die Nase gefallen und mute gewaschen und getröstet werden. Madame sete die Garderobe für die Kinder in Stano: alle Arb it lag aus Lina s schultern. Am Beginn ihrer Laufbahn märe sie nie in ein Haus mit so viel Kindern gegangen. J?At aber war sie geduldig geworden. Wie aut nur, daß ich die Sachen für den Kleinen gekauft hclbe." sagte sie sich. ..ich wäre gar nicht mehr sortgekommen." Bis tief in die ?!acht hinein scheuerte sie. Aber morgen morgen! Nach dem Kaffee durfte sie fort. In einer halben stunde war sie mit dem Omnibus draußen in Schöneb?rg und dann eilte sie zu dem Kleinen. So sehr er an semer Pnegerin hing, so streckte er doch immer die Aermchen nach ihr aus er kannte sie: Ach. könnte sie den Kleinen einmal ganz bei sich haben. cs wäre ia zu schön! Die Thränen traten ihr. während sie die Muschel der Wasserleitung scheuerte, ins Auge. Nie nie würde sie das Würmchen, das sie in Schmerz geboren, das sie mit ihrer Hände Arbeit ernährte, bei sich haben können. Kein Mann mehr würde um sie werben und wenn so würde er doch das Kind nicht in Kauf nehmen. Als eine endlose Mühe und Plage 'lag das Leben vor ihr da rüber. wie ein ferner Sonncnschimmer. die Hoffnung, daß der Kleine wuchs. gedieh, bratwurde. Nun waren noch die Lampen zu putzen dann konnte sie zu Bett gehen. Die Uhr war halb eins. Freilich beim Tanzen sonst -war sie ost so lange wach geblieben. Jeyt aber dachte sie nicht mehr an den Tanzboden, sie wünschte sich nichts mehr. a!Z ihr Kind. Wie gut hatte es Madame. Sie sorgte und plagte sich ja auch, aber sie hatte doch ihre Kinder bei sich. Ein herrlicher Cstermorzen lachte. Den ganzen Tag freute sich Lina. Es gab .trop. aller Vorarbeiten viel zu thun, denn Madame ging mit den Kindern spazieren und Lina batte alle Hausarbeit allein zu besorgen. Es war auch Annchens Geburtstag daran hatte Lina zu wenig gedacht. Nun kam die Tante zu Besuch, dann die Groß mutter und zwei Töchter des Haus Wirthes. Lina mußte Eh'ocolade kochen und ein Abendbrot bereiten. Sie konnte nicht abkommen. Drinnen freuten sich die Eltern mit ihrem Kinde und sie sie konnte nicht zu dem ihren. Es hatte kein Festtagskleidchen uno keine neuen Schuhchen. Lina weinte bittere Thränen und sühlte es schwer, daß sie nur ein armer, abhängiger Dienstbote war. Spät Abends, während man drinnen beim Abendbrot saß. lief sie eiligst fort. um 'die Sächclchen ihrer Mutter zu ge den, die in der Nähe wohnte. Die Mutter sollte sie gleich morgen früh nach Schöneberg bringen. . Als Lina hastig die Thür zu dem Stübchen öffnete, in dem ihre Mutter wohnte, prallte sie zu rück. Da saß Krause neben der Mut ter am Tischc aber gleichviel. Lina raffte sich ein Herz und nachdem sie den Mann kurz gegrüßt, trug sie der Mut ter mit fliegenden Worten ihr Anlie gen vor. Ab ich muß doch gleich srüh zu dem Herrn Professor aufwarten! Wenn ich fertig bin", wandte ihr die Mut, ter ein. Da sagte Krause: .Ich will's besor gen, wenn'S Lina recht ist ich schicke ohnehin hinaus' zu einem Kunden. Wenn Fräulein Lina will " Aber es muß gesagt werden, daß der Kleine gleich angezogen wird e ist morgen ja Festtag uud .Nachmit' tags komme ich vielleicht. j;ch danke auch schön!- Und fort war sie. Als sie am nächsten Tage um vier Uhr Nochmittags mit ihrer schweren Arbeit fertig war und die Erlaubniß zum Ausgeben erhalten hatte, eilte sie. flog sie nach Schöneberg. Ganz am Ende dcS Dorfes, in einer auf.das Feld mimdenden Nebenstraße, die noch von keiner modernen Villa, von keinem fünfstöckigen ZinZkasten ver unstaltct ist. steht hart an dem Gekeife der Eisenbahn daS WSrterhäuZchen. Darinnen haust der Bahnwärter mit seiner Fran. zwei eigenen und 'einem fremden Kinde: das letztere hat die junge Frau in Pflege genommen, um des ManneS schmales Einkommen ein wenig zu vergrößern. Sonntags hat zwar der arme Mann noch härteren Dienst als s?nst. aber er feiert den Tag des Herrn auf seine Weise. Er hat sich ein lleineS'Gärtchen angelegt, das sich schon mit den ersten frischen Sprossen schmückt. Schon belebt sich das Ge ranke des wilden WeinS. schon bräunen sich die Spitzen an den Zweigen des Apfelbaums. Unter diefen sitzen am Sonntag die sauber gewaschenen und geputzten Kinder des Bahnwärters und schauen .fröhlich dem Baler zu' wenn er den vorüberrasselnden Zügen Honneur macht. Heute aber ist das Bänkchen von einem Fremden besetzt. Da Lina von der Straße ablenkt, auf das Häuschen zu, sieht sie, dort in seinem Sonntags staat Herrn Krause sitzen und aus den Knieen schaukelt er ibr kleines Miezchen, das mit dem neuen Kleidchen angetban ist 'und die blanken neuen Schühchen zappelnd bewundert. Nun wird das Kleine die Mutter gewahr. Es jauchzt auf: Mammam! und Lina sinkt zu

Trune's Füßen nieder, ihr Kind mi! .küssen fast erstickend. Du mein Liebstes, Bestes, mein E?'.gel Tu!" Und Krause fährt mit der verkehrten Hl.iud übe? sein Gesicht und sagt dann zög'rn): Lina was meinen Sie wär' das nicht ein Engel für uns Beide?" Karoline drückt ihm warm und dankbar die Hand. Sie blickt mit inniger Rührung bald auf ihn, bald auf-ihren guten Engel, der beute wieder aufer stand.- war. Dicht neben ihnen braust der Zug vorüber und der BahnHärter erweist demselben straffer noch Us zuvor seine Ehrerbietung. Kleider aus (ölas.

In einem Hallenser Verlag ist eine beschichte der Glasspinnerei erschienen, welche der gern nach allem Neuen grcilenden Mode ncue und überraschende perspectiven eröffnet. Es ist bekannt. )aß sich aus Mineralien Gespinnste und Äewebe herstellen lassen, allein das öersahren war di-hcr so schwierig und as Erzeugniß sür den practische'n Gebrauch so wenig geeignet, daß man sich llothgedrungen darauf beschränkte, sel!ene und außerordentliche Prachtstücke, zder. man mochte sagen, glänzende Spielereien für luxuriöse Launen zu Lesern. Das schimmernde Leichentuch, reiches im nvalidcndom zu Paris den Larg Napoleon des Ersten überwallt. :st aus icherer, mit goldglänzendem Älasgcspinst durchwirkter'Scide gefer !igt; König Ludwig der Erste' von Bayern hatte ein ganz mit solchen Ta peten ausgeschlagenes Eabuiet. Nun ist aber dem l319 gebornen. spater in Wien ansässigen Franzosen Jules de Lrunfaut eine wunderbare Vervollkommnung des Versahrens gelungen, )ie die Fabrikation auch von Nutzgcweden aus mineralischen Stoffen, und speciell aus Glas ermöglicht. Man senke nur Kleider aus Glas! Brünfaut's Verfahrn gibt seine Vlassädcn. nur ein Hundertstel bis sechs Tausendstel eines Millimeters stark, dünner als der Kokonfaden, den die Seidenpuype aus ihrem Munde spinnt. Es gibt ein Glasgewebe fast so weich wie Seide, schmiegsam wie Wo'e und von größerem Gianzeffette als die Edelmetalle. Die Glasgcflechte fangen nicht Feuer und sind leicht rein zu halten, da eine Abspülung mit Wasser genügt, sie vom Schmus zu befreien. Endlich sollen sie sogar wär mer a!Z Schaswolle halten. Das oben erwähnte Werk (Verfasser E. Herr mann) nennt eine lange Reihe von Gegenständen, die bereits aus dieser Glaswolle" verfertigt werden: darunter Kunstblumen. Lampenteller. Brau! schleier. die weich wie Flaum sind, so wie Rheumatismus- und Gichtmatta! uns das 'Alles kann mittels Bürste und Wasier gewaschen und neu verjüngt werden. Nur umfassen die Farben, welche dem Glase verliehen erden können, eine kleine Skala, da sie feuerbeständig sein' müssen, um der Flamme beim Schmelzen zu widerste hen. Bis jetzt wurden weiß. grün, lila, rosa, gelb, gelblich braun und blau erzeugt. Ferner gibt das Buch eine Aufstel lung der Preise, z.B.: Ballkravatten Z bis 5 Mark. Manschetten 4 Mark 20 pfg., Damenkravatten 2 Mark 50 Pfg., Nrägen i Mark 70 Pfg. ttis 8 Mark Z5 Pfg.. Uhrketten 85 Pfg'. bis 3 Mark ZO Pfg., Kleidergarnituren l Mark 30 Vfg. die Elle. Damenjäckchen 42 bis 67 ZNark. Damenhüte 17 bis 50 Mark. 'Sin Faden von etwa 166 Kilometern öänge wiegt ein Loth und tostet 2 fi. 2115 Brunfaut sein unter dem Namen Glaswolle bekanntes Produkt zu ZNarburg in Steiermark ausstellte. öielt ein zufällig anwesender Schaf süchter aus Frankreich dasselbe für die Wolle des besten RambouilletSchafes. Diese Glaswolle auf den Loden geworfen und mit Füßen getre !en. widerstand dem Zerstampft- und Zerriebenwerdcn wie jedes andere animalische Produkt. Die von ihm erzeug !en Glasgespinnste wurden nicht nur zu Posamentirfransen, Polstern. Teppi chen. Sbawls. Federn u. s. w. verar, deitet. sondern auch vielfach in Brokate, sowie in Sammt und Seidenstoffe, die für schwere Staats und Prachtgewän der bestimmt waren, eingewebt. Auch bei Muffelinen sür Ballkleider, bewährte sich der gläserne Einschlag, indem er o?n seidenen an Schönheit des AuS sehen? übertraf. Bisbcr hat das Glaj' zeipinnst trotzdem keine industrielle Be Deutung gewonnen. Um es zu einem Marttprodukte zu machen, müßte die maschinelle Erzcuguna möglich sein. und dann bandelt cS sick noch darum. die Glasföden vor Absptttterung zu be büten. Wenn diese beiden Beoingungen erfüllt sein werden, dann spazlcrm ivir sicherlich einmal in gläsernem Ge wand. Worum hat er da S nickt gesagt! Janos aus Gr.Kanicza befin o.'l sich besuchsweise in Wien. In einer Vogelhandlung erregt ein sprechender Papagei seine böchste Bewunderung. Er bezahlt ihn mit 200 fl. und läßt ihn an seinen Freund Geza schicken. Zurückgekehrt in die Heimath, trifft er seinen Speci. Servus, Geza!" .Servus. lieber Freund, Reise gut'be kommen?- Ausgezaichnet! Wos möcht Papogsi?- O, danke für die Aufmerksamkeit. War'n blschen zähe!" - .Wer? Papogei?- Freilich, mußte sechs Stunden braten!" Woas? Du host Papogei gebraten ?" .Freilich hob i!" Geza, DU bist ain Rindvieh. Woar ia gelehrter Pa pogei. konnte ja sprechen!". .Ah warum Hot er das nicht gesogt!" Verr at hen. .Emil, es ist schauderhast, was ich von Dir hab' hören müssen. Du seiest gestern Abend total bctrunkcn gewesen!" .Ha. Verleumdung! Wer verbreitet eine solche Lüge?" .Herr Müller hat's ieiner ftrni erzählt!" 'Was? Der! ' Der lag a bei mir unter'm Tisch!"

Der Hof der Königin Elisabeth.

An einem Sonntagmorgen im Jahre 1598 begaben sich der junge deutsche Edelmann und sein Reisebegleiter (der Versasser deszvorliegenden Vuchez) nach Greenwich. um der englischen Königin ihre Aufwartung zu machen. Im lm pfangsfaal des Schlosses, zu dem die Fremden auf Veranlassung des Ober Hosmarschalls Zutritt erlangten, fanden sie die höchsten geistlichen und weltlichen Würdenträger des Reiches versamw.?!t. die gekommen waren, um ihrer Gebie terin auf ihrem Wege zur Schloßtapelle ihre Huldigungen darzubringen. Ter königliche Zug war von außerordentlichem Glanz. Voran schritten zahlreiche Prächtig gekleidete Grafen und Barone, dann kam der Kanzler, der den Staatssiegel in einer rothseidenen Börse trug, während ihm zur Seite das königliche Scepter und das königliche Schwert getragen wurden.' Hinter ihrem Kanzler schritt Elisabeth selbst einher, mit majestätischer Würde, wie Hentzner schreibt. Sie zählte damals fünfundscchzig Jahre. Ihr Gesicht war länglich und voller Falten, in ihren kleinen dunklen Augen lag ein freundlicher Ausdruck, ihre Zähne waren schwarz. Sie trug falsches rothes Haar und auf dem Haupte eine goldene Krone. Sie war an jenem Sonntagmorgen in ein weißseiderles. mit erbsengroßen Perlen eingefaßtes Gewand gekleidet, das den Busen völlig entblößt zeigte. Ueb.'r ihre Schultern wallte ein schwarzseide ncr. mit Silberfäden durchzogenen Mantels eine Hosdame trug ihre sehr lange schleppe. .Und wie sie in sol chcr Pracht dahinschritt", liest man in der Schilderung des deutschen Reisen dm. .sprach sie sehr herablassend bald zu Diesem, bald zu Jenem, ob es nun ein fremder Gesandter oder Jemand war. der sich in anderer Eigenschaft eingefunden hatte, in französischer, italienischer und englischer Sprache: außerdem beherrscht sie nebeu ihrer großen Kenntniß im Griechischen und Lateinischen auch die spanische, schottische und holländische Sprache. Jeder, der das Wort an sie richtet, kniet nieder: hin und wieder hebt sie einen Knieen den mit ihrer Hand empor. In unsercr Gegenwart überreichte ihr ein döhMischer Edelmann Namens Slawataein Schreiben, und nachdem sie ihren Handschuh abgezogen hatte, hielt sie ihm ihre rechte Hand, die von Edelsteinen erstrahlte, als Zeichen besonderer Gunst zum Kuß entgegen. Und wohin auch immer sie ihr Gesicht wandte, während sie dann weiterschritl, sielen Alle auf die Knie nieder." Eine Schaar weißgekleideter Hosfraulein, die sich nach dem Urtheil Hentzners durch große Schönheit auszeichneten, folgte der Königin, während zu ihrer Seite sünfzig Männer mit ver goldeten Schlachtäxten einhergingen. Auf ihrem Gange zur Kapelle wurden ihr 'Bittschriften überreicht, und jedes Mal, wenn sie eine solche in Empfang nahm, erscholl der Ruf: .Lang lebe Königin Elisabeth!- den sie mit den Worten: .Ich danke Euch, meine guten Leute!" erwiderte. Der königliche Gottesdienst dauerte kaum eine halbe Stunde, die unsere Landsleute benutzten, um den Vorbereitungen zur Tafel beizuwohnen, und die Schilderung, die Hentzner davon entwirst, läßt mit der obenerwähnten Thatsache dcS Niederkniens vor der Königin keinen Zweifel darüber zu, daß damals der englische Hof von keinem anderen der Christenheit an knechtischer Unterwürfigkeit übertroffen wurde. Zunächst betraten zwei Edelleute den Speisesaal und drei tcten, nachdem sie dreimal mit allen Zeichen der tiefsten Ehrfurcht niedergekniet waren, das Tischtuch auf der Tafel aus. Bevor sie sich entsernlen, knieten sie noch einmal nieder. Dann erschienen zwei andere, von denen der eine einen Hcroldstab. der andere ein Salzfaß, einen Teller und Brot trug. Auch sie knieten nieder, und ebenso zwei Hofdamen, die ihnen Belgien. Die eine, in weiße Seide gekleidet, rieb die Teller mit Brod und Salz ab. während die andere, mit einem Vorschneidemeffer in der Hand. daS Hereintragen der Speisen erwartete. Die Dienir, denen diese Aufgabe zufiel, waren in rothe Scharlachlivrce mit einer goldenen Rose aus dem Rücken, gekleidet. Bierundzwanzig folgten hintereinander, jeder mit einer vergoldeten Schüssel in der Hand, die sie einem Edelmann überreichten, der sie auf die Tafel stellte. Die Dame mit dem Vorschneidemeffer nahm dann von jeder Schüssel einen Bissen und führte ihn demjenigen Diener, der sie hereingetragen hatte, zu Munde, damit die Königin vor Vergiftung sicher sei. Und während diese Vorbereitungen zur Tafel getroffen wurden, schallte der Speisesaal wieder von Trompetenklän gen und dröhnendem Kcsselpaukenlärm. Schließlich erschienen eine Anzahl un vermählter Hofdamen, hoben die Schüsseln mit ehrfvichtsvollcr Feierlich keit von der Tafel und trugen sie nach dem Speisezimmer der Königin, die sich nach Belieben von den Gerichten bedienen ließ, woraus diese wieder nach dem Speisesaal zurückgetragen wurden,' UM an der allgemeinen Hostasel BerWendung zu finden.. Gefährliche Bewunderer. Der verstorbene Richard Aurton reiste in Afghanistan in der Verlleidung eines mohamedanijchen Fakirs. Er spielte diese Rolle so gut. daß die Bewohner den schmeichelhaftesten Begriff von seiner Heiligkeit bekamen. Um so größer war daher fein Erstaunen. als in einem Dorfe, wo er die gleichen Erfolge gehabt hatte, die Aeltesten Abends zu ihm kamen und ihn ba ten, möglichst rasch abzureisen. .Ja, warum denn?" sragte er, .Ich meinte, die Leute sähen mich sehr gern! .Freilich", lautete die Antwort. .Und zwar so sehr, daß sie überlegen, ob eZ nicht ein großer Segen für dc5 Dorf wäre, wenn man Ihr Cxib hier t'ilit." Burton trat schleunigst seie rcis: c.

(?lne FuÄSgescksickZte. .0. meine Herren, dafür, daß die Thiele nicht blos Instinkt, sondern j geradezu Verstand besiyen. weiß ich e:n ! außerorsentlich interessantes Beispiel! M'ein Elternhaus war eine kleine Försterei in Steiermark mitten im tief sten Walde. Wir hielten dort neben anderem HauZgethier auch ein ganz hübsches Huhnervolk. das aber plötzlich auf unerklärliche Weife abnahm. 'Die Hühner wurden immer weniger und weniger zuleht blieb nur noch eine einzige brütend: Henne übrig. Eines Morgens aber vernahmen wir ein lautes ängstliches Gegacker. und als ich sofort, nichts Gutes ahnend, nach der Tenne lief, fanden sich nur noch einige Federn von dieser Henne vor: der schlaue Fuchs, desien wir nie habhaft werden konnten, hatte auch sie gefressen! So dachten wir wenigstens! Wie erstaunten wir aber, als es einige Tage spä ter auf dem Heuboden zu piepsen und zu quiksen anfing und wir auch der Lrutlorl, war vergessen worden ungk sühr sünszohn wunderhübsche Küchelchen herumlaufen sahen. Von der alten )cnne aber keine Spur. Wir konnten uns daS Räthsel nicht erklären. Kurz und gut! Die Hühner wurden größer, aber dann plötzlich auch wieder weniger von Tag zu Tag und schließlich kam es zu demselben Ende wie das erste Mal, daß nur noch eine einzige brütende Henne übrig blieb. Und aus einmal war auch sie wieder weg. Jht aber legte ich mich denn doch in der Rüh5 des Brutkordes auf die Lauer und nun stellen Sie sich vor. meine Herren, was ich sah! Ich lag gar nicht lange dort, da kam der Fuchs " .Aha, er wollte sich auch noch die Eier holen?!.I. warum nicht gar! Er setzte sich darauf und sing an, sie auszubrüten, wie das erste Mal, damit er wieder Hühner zum Stehlen kriegte! Na, ich erwischte ihn aber!" Ostern.

Hoch von allen Thürmen hallt es. Durch die weiten Lande schallt es. Aus den Gotteshäusern singt es. Und in allen Eeclen klingt ksi Auscrstanden! Auferstanden! Aus des Hrabes Nacht und Banden Ist der Heiland auferstanden. Und das Ostersestgelaute Jubelt in d:e Welt es heuteAuferstanden! Aujerstanden! Ausgelöscht sind Leid und Schmerzen; In den gramzerriss'nen Herze. Ist ein neues, frisches Weben. Ist ein neues, jivhes cden . Auserstanden! Auferstanden! Es beginnt sein Neugestalten Tcr Natur geheimes Walten; Bald bereu? an allen Wegen Ist des Frühlings holder Segen Auserstanden! Auserstanden! Bald bereit? mit mächt'gem Drängen Wird der Lenz die knospen sprengen, Und dann ist aus grüner Hülle Neu der Blüthen reiche Fülle. Auferstanden ! Auferstanden ! Doch die Freiheit, reckt sie wieder Nicht von Neuem auch die Glieder? Sch U die Fessel sie zu Schanden? Ist auch sie aus Nacht und Banden Auferstanden! Auferstanden! Dir physikalischen Kräfte hat man sich als Bewegungen feinster und nicht sichtbarer Theilchen der Ma terie vorzustellen. Was wir als Schall empfinden, beruht auf einer gewissen charalterischen, durch äußere Beranlassungen hervorgerufenen Bewegung der welche mittelst der Schallleitungs Apparate des Ohrs an die Gehörnerven gelangt und sie specifisch erregt-, d, h. die Empfindung des Schalles wachruft. Ebenso kommt die Lichterscheinung und die strahlende Wärme von Schioingun gen des AetherZ. der den freien taum und dir Poren der Körper überall aus füll!, zur Wahrnehmung. - Auch der MagneilSmuZ und die Elektricität sind solche Krafle, die man in einer undenkbar seinen und eigenartigen inneren Bewegung der betreffenden Substanzen suche muß. Auffallend ist nun der Umstand, baß eine dieser Funktionen unter gewisten Aerhältnisjcn in eint andere umgesetzt werden kann. So wird (UM ein schon bekanntes Beispiel zu wühlen), wenn Wasier r.erdampst, aus Wärme die Erpansionskraft des Wassergases erzeugt, d. h. das Bestreden desselben, einen möglichst großen Raum auszufüllen. Diese Kraft hat man mittelst der Dampfmaschinen zur Erzielung von mechanischer Bewegung und Ardcitsleistung zu verwenden geußt. und sie scheint geeignet. daZ Menschengeschlecht durch Entbürdung von niederer Arbeit immer mehr und allgemeiner zu Bildung und geistiger Thätigkeit, zur Lösung immer größerer Kulturaufgaben, zu immer ' höherer Vervollkommnung zu führen, wenn einmal die Macht des Mammon?, welcher die Kraft der Elemenie wie der Menschen vorlüusig in feinem Interesse ausbeutet und den größten Theil der Menschheit in gedrückter Abhängigkeit blt orhroAtn sein wird. y . i 1 Bertheilung von Noth standsgeldern. Bürgermeister: Vom Landeshilfverein sind uns an Noth-stand-gelder ll)00Mark zugeschickt worden. Wir wolle uns nun berathe, wie mer se am bcschtc verth:ile. Ich meen', 's wär's Ällereenfachste, wir nemmeten die Steuerlist' her, un wer die meischte Steuer bezahlt, kriegt cach die meischte Unterstützung." Alle: .Recht, Borgermeeschter ! So mache m'er's, die arme Leut' hawe jo doch am wenigste verlöre." Manches Geheimniß wür:e 'man nicht erfahren, wenn eZ ni.t ein (I,'::imniß wäre.