Indiana Tribüne, Volume 16, Number 186, Indianapolis, Marion County, 26 March 1893 — Page 3
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Ein 3mai am. Äiisjose, eräli!anj tun Ztio Eirnlt. Im Hoftheatcr einer kleinen Residenz trat du naieno.aa.irte Sängerin Hulda Wüchset zum' ersten Mal in Rossinis Aarbier von Sevilla" als Rosine auf. Tcr regierende Fürst Adalbrt saß in seiner Loge, neben ihm die Fürstin Jrmgar), seine zweite Gemahlin, und seine beiden Kinder aus erster (5he, die kaum sechzehnjährige Prinzessin Mag dalene mit dem vierzehnjährigen Erb Prinzen Robert. Im dunklen Hintergründ der Loge hatte der Adjutant Seiner Turchlaucht. Hanptmann von Pilgram, Platz genommen.' Die Herrschasten übten die Höflichkeit hoher Häupter, sie waren pünktlich zur Stelle, einig? Äkinuten vor dem Anfang der Vorstellung. Das mäßig große Haus roor ziemlich gefüllt. Die Augen des Publikums richteten sich mehr auf die Fürstin als den Landesvater ; denn sie hatte sich die Liebe aller Kreise der Bevölkerung durch ihre Leutseligkeit gewonnen, der Jedermann anfühlte, dat; sie nicht Komödie war, sondern aus dem Herzen kam. Vor Jrmgards Einzug in das Hauptstadtchen war es anders gcmejen. Fürst Adalbert hatte sehr früh die Negierung angetreten und die jüngste Tochter eines Königshauscs heimgeführt, die lebenslang Unzufriedenheit darüber an den Tag legte, über kein größeres Land ge bieten zu können. Ihr Stolz, ihre Kälte beleidigten die sehr zur Ergebenheit geneigten Unterthanen. Niemand betrauerte ihr Hinscheiden, man empfand es vielmehr wie eine Erlösung und jubelte nach Jahresfrist der neuen Her ein entgegen, die der Fürst aus wahrer Zuneigung, nicht aus politischen Rücksichten gewählt. Schon ihre äußere Erscheinung nahm ungemein für sie ein. Die stattliche Gestalt paßte zu der des Gemahls, ihr seingeschnittenes Gesicht, die großen, blauen Augen, das aschblonde, leichtgcroellte Haar, .der liedliche ug um den Mund erinnerten Manchen, der die Gemäldegalerien Jta licns gesehen, an ein Madonnenbild von (Jarlo Dolci in den Florentiner Uffizien. Jrmgards Vater hatte als junger Herr die Universität besucht, und zwar mit einem Eifer, als muste er später öurch seine Kenntnisse seinen Unterhalt gewinnen. Bis in's Alter blieben ernste Studien seine Liebhaberei, und da er großes Vergnügen daran fand, seine Tochter selbst zu unterrichten, so ging ein Theil seiner gelehrten Bildung auf Jrmgard über. Sie prunkte nie damit, nur gelegentlich kam ihr seltenes Wissen anspruchslos zum Vorschein. In den fünf Jahren, die sie jetzt den Hof zierte, hatte sie ihre Vorgängerin vollständig vergessen gemacht, selbst Prinzessin Magdalene imd Prinz Robert vermißten die rechte Mutter nicht, der sie im Grunde nur eine bedeutende Hinterlassenschaft verdankten, welche einstweilen noch von Räthen ihres Vaters verwaltet wurde. Jrmgards Mitgift war nur gering, sie durfte auch später kein großes Erbe erwarten, achtcte aber das Geld so wenig, daß sie niemals rechnete. Für ihre eigene Person machte sie keine übertriebenen Ausgaden, doch ihre Umgebung beschenkte sie ct mit nahezu maklozer relgebiglett, and wer sich um Unterstüyung an sie sandte, konnte gewiß sein, mehr zu empfangen, als er erbeten. Der Fürst ermähnte sie mitunter zur Einschränkung. dann versprach sie lachend, sich bessern zu wollen, hielt indessen nicht lange Wert. Glücklich, wie sie sich selbst suhlte, wünschte sie die ganze il3cit glücklich zu sehen. Auch heute faß sie mit dem Ausdruck voller innerer Zufriedenheit im Thea ter, nickte Dem und Jenem in den Logen gegenüber freundlich zu, wendete jedoch, sobald der Kapellmeister den Taktsto.-k. erhob, die Blicke mit ungetheilter Aufmerksamkeit auf das Orchestcr. der Ouvertüre laufchcnd. Ter Ge-sang begann. Fräulein Witcpska ließ, ehe sie die Bühne betrat, leine große, aber eine geschmeidige Stimme hören, deren Wohllaut sich sofort dem Ohr cinichmeichelte. Die Mienen des Fürsten wurden sehr gespannt. Die Einleitung hinter der Szene ging zu Ende, Roiine zeigte sich dem Publikum. Sie war keine Schönheit im eigentlichen Sinne, aber sie war mehr, war eine Eigenthümlichkeit. Jeocr Zug des Gesichts lag im Streit mit den anöern, doch gerade dieser beständige Kampf verlieh ihrem Wefen ungewöhnliches ' Leben. Die Farbe der Augen veränderte sich von Minute zu Minute, jer,t hatte sie einen kindlichen, dann wicder einen dämonischen Blick, die Glieder bewegten sich mit laccrtenhafter Behendigkeit.' die. ganze Ersacinung wirkte fremdartig, als wäre sie einem unbe kannten, unbenennbaren Volke cntsprossen. Tcr Fürstin entging nicht, wie die Sängerin ' den Fürsten fesselte. Es war da etwas Neues, ganz Neues, was seinen Sinn gefangen nahm. Prinzessin Magdalene beschäftigte sich wenig mit den'Vorgängen auf den Brettern ; die Stellung, die sie ihrem Sessel gegeden, erlaubte ihr, den zurückgezogen sitzenden' Adjutanten zu oeobachtcn, und sie preßte die Lippen wie in verhaltcnem. Schmerz zusammen, als sie wahrnahm, daß der Offizier gar nicht auf die Bühne sah. Pilgram schaute gleich einem, Träumenden unablässig die Fürstin an. Seine Durchlaucht gab eigenhändig das erste Zeichen zum Beifall, der sich durch das ganze Haus sortpflanzte. Die Tebütantin verneigte sich dankend gegen die Hofloge,' die Fürstin rührte keine Hand, ebenso unbeweglich blieb der Adjutant, bis sein Gebieter ihm über die Schulter zurief : .Sind Sie eingefroren, Pilgram ? So klatschen Sie doch !" Zu Befehl, Durchlaucht !" fuhr der Hauptmann verwirrt auf und schlug in öie Hände Ter erste Akt tälcfc. Ter Kür!! war
hingerissen und äußerte sein Entzücken : Ein wunderbares Mädchen ! Pilgram. rufen Sie mir den Intendanten ! Ich will ihm danken, daß er diese Kraft ausfindig gemacht und uns geonnen !" Der Offizier eilte hinaus. Der Fürst wandte sich an sein? Nachbarin : Du sagst kein Wert, Jrmgard ? Begeistert sie Dich nicht 's So lx'nle ich mir eine Lamia," versehe sie leise. Lamia ? Ich gestehe meine Unkenntnin." sagte er. Mir fallen jene mythologischen Fabelgeschöpse ein. die für Dienerinnen der Hekate galten und allerlei Gestalten annehmen konnten, um Menschen zu berücken." Ter Fürst lachte : Erstaunlich, was Du Alles weißt !" Besonders Männern wurden die Lamien gefährlich !" vervollständigte Jrmgard mit leisem Nachdruck ihre Erklärung. Indem kehrte Pilgram zurn-ck mit dem Intendanten des Theaters, der die Lobsprüche seines Sonverans geschmeichelt entgegennahm und sich mit dem Auftrag, der Sängerin die Anerlen nung der hohen Herrschaften auszudrücken, wieder entfernte. Durch den Beifall des Fürsten anqeregt, sang und spielte Fräulein Witepska im zweiten Akt. dem legten der Oper, mit einem Feuer, das die ganze Zuhörerschaft entzündete, ausgenomwen die Fürstin, die Prinzessin und den Adjutanten. Der Fürst begriff die Kälte seiner nächsten Umgebung nicht. ..Das ganze Publikum ist enthusiasm:rt,Jhr allein habtkeinenEeschmack lautete sein Tadel. Am folgenden Morgen bildete die neue Primadonna das allgemeine Stadtgespräch. Im Laufe der Woche trat sie zum zweiten Male auf. die Hofloge war wieder beseht wie das erste Mal. das Verhalten der Insassen war dasselbe. Verdrossen warf der Fürst hin: Wenn Euch die Witepska nicht gefällt, so bleibt künftig zu Hause, ich will Euch nicht zu Genüssen zwingen!" Gemahlin und Tochter machten von der Erlaubniß Gebrauch, um so eisriger dagegen besuchte seine Durchlaucht fortan die Oper, ja er gebot dem Intendanten, nur noch Werte znr Aussührung zu bringen, in denen sich eine Partie sür Fräulein Witepska fand. Alsbald gab die entschiedene AusZeichnung, welche die Künstlerin erfuhr, Veranlassung zu Gerüchten, die sich aus Theaterkreisen durch die ganze Residenz berbreiteten. Das bisher so ungetrübte eheliche Glück der geliebten Fürstin schien bedroht. Hu'lda Witepska mußte in Hofconcerten singen, dem hohen Herrn genügte es nicht,' sie nur auf der Bühne zu sehen. Die Fürstin duldete, was sie nicht verhindern konnte, ihre Natur war aber zu aufrichtig, als daß ihr geheimer Schmerz sich unter erkünsteltem Lächeln hätte verbergen lassen. Die Heiterkeit verlor sich von ihrem Antlitz. Ter Gemahl achtete nicht daraus. Endlich gab ihm der Leibarzt einen Wink: Ich kann Ew. Durchlaucht nicht verhehlen, das: ich um die Gesundhcit der Fürstin einigermaßen besorgt bin." Der Fürst sah ihn überrascht an: Wie'o" w Ifc U . Nehmen Durchlaucht nicht eine ge wisse Veränderung im Aussehen unferer hohen Frau wahr?" Nein! Aber der Arzt sieht schärfer." Und in vertraulicher Weise knüpfte der Fürst an: Scrgen Sie. lieber Hofrath Böhr, könnte ihr vielleicht ein LuftWechsel wohlthun, etwa eine Reise in den Süden?" Zur Trennung von den Ihrigen," versenke der Gefragte, würde die Fürstin, wie ich sie kenne, sich schwer entschließen." Wenn dieNothwendigkeit vorliegt?"
meinte der uurft. Die klugen Augen des Weißkopfs ruhten fest auf ihm: Mir scheint. Ihre Durchlaucht verbürgt im Gemüth etwas, was sie beunruhigt und quält uns ihr körperliches Wohlsein beein trüchtigt." Warum nicht gar?" lachte der Fürst, aber das Lachen klang ein wenig gezwungen. Ich täusche mich schwerlich. Durch' laucht." fuhr der Arzt unbeirrt fort, auch die junge Seele unserer Prinzessin kommt mir bedrückt vor. Es steht mir nicht zu. einzudringen, doch ich bin überzeugt, dem Gemahl und Vater wäre es leicht, die Ursache zu ergründen." Ueber die Stirn des Fürsten flog eine kleine Wolke, die dem Arzt hinrei'chcnd andeutete, daß dem hohen Herrn unbehaglich zu Muthe war. Ter Fürst ließ seinen anssteigenoen Unwillen auch in dem schärferen Ton merken, den er anschlug: Sie sehen Gespenster, guter Hofrath! Ernste Sorgen liegen unseren Damen fern; vorübergehende Verstim mungen, die Jeden heimsuchen, muß man nicht beachten. Folgen Sie darin meinem Beispiel." Hiermit war das Gespräch abgeschnitten. Der alte Doctor wußte, das Ding müsse anders angegriffen wer den. Er ging zur Prinzessin, deren Melancholie nach seiner Meinung in der Furcht und Gefahr wurzelte, die über ihrem Familienleben schwebte. .Prinzefsin,- hob er an, ich muß Ihnen gestehen, Sie gefallen mir seit einiger Zeit gar nicht. Ich bin doch so bevorzugt, Ihnen von frühester Jugend an dienen zu dürfen, wer oder was hat mir Ihr Vertrauen entzogen?" Ja, ja," fuhr er lebhaft fort, als sie die Lippen öffnen wollte, Sie betrachten den alten Böhr nicht mehr al$ Ihren Freund! ES gab eine Zeit, wo Sie ihm Alles mittheilten, was auf dem kleinen Herzen lag.- , Wie ein Hauch zog es durch die Stille des Gemachs. Ach, liebster, bester Hofrath, wenn ich sprechen dürfte!" Er bemöchtiate sich ihrer zierlichen
Hand, bückte sich zum tfiifc daraut nieder und fragte: Wer verbietet cs Ihnen, sobald Sie iprcch.'N wollen?" S?:ihi'i:D schlug sie tu Augen nieder: 'Ich kann cs'nicht!" Wenn ich nun erriethe, was auf Ihnen lastet? fragte n von Neuem. Sie wandte sich mit tiefem Erröthen ad. Er dämpite seinen Ton bis zum Flüstern: Fräulein Witepska bereitet Ihnen srge!" Blikschnel! kebrte sie sich ihm wieder zu und sah ihn gross an: Was sagen Sie?" Er wurde unsicher: Sollte ich mich irren. Prinzessin'" Taf; er auf falscher Fährte gewesen. bewies die Erregung,, in welche Magdalcue gericth. Her? Hofrath. Sie glauben doch nicht, Papa konnte seiner fürstlichen Würde und Ehre ctwasvergeben? Die Witepstu ist ihm als Sängerin angenehm. Wer sich untersängt. Schlüsse daraus zu ziehen " sie hielt inne. Ich bitte tausendmal um Berzeihung." stotterte der Hosrath, es war nur der Gedanke, der mir zufallig " Nein." unterbrach sie ihn scharf. Ihr bedanke ist das nicht, den haben Andere Ihnen eingeflüstert, aber daß ein Mann, der meinen lieben Papa so lange kennt, dergleichen Berleumdun gen nicht mit aLcr Entschiedenheit zu rückweist, das schmerzt mich!" Tu gutes, unschuldiges Kind! dachte der Arzt im Stillen, laut entgegnen er: iic sind vollständig im Recht, gnädigste Prinzessin. das'Geschwät zu 'verachten, nur verdiene ich Ihren Zorn nicht; denn ich habe es nach Kräften als grundlos widerlegt. Hochstehende Personen sollten nicht allzu großmüthig sein, ihre Herablassung wird von Unverständigen oft salsch gedeutet. Ich sreue mich, daß ich mich Ihnen, Prinzessin. gegenüber im Irrthum besunden. Ich bildete mir ein, das erbärmliche Gerücht wäre zu Ihnen gedrungen " Und ich glaubte daran?" fiel Magdalene ein. Möglich, daß Mama so schwach ist: denn sie leidet an einer Niedergeschlagenheit, die ich mir nicht zu erklaren weiß." Augenblicklich," sagte Böhr schnell, liegt mir nur daran, zu hören, woran meine liebe Prinzessin leidet. Bin ich noch Ihr alter greund, so beweisen S!e mir's durch ein offenes Geständniß! Magdalene blickte ein paar Secun den zu Boden, plötzlich reichtest' dem Hofrath beide Hände. Sie huben es immer gut mit mir gemeint, doch halten Sie mich vielleicht noch für ein Kind." Tann müßte ich," versetzte er, mit weniger Liebe und Freude Ihre geistige Entwickelung verfolgt haben." Die Prinzessin rückte dem alten Herrn einen Lchnstuhl zurccht und ließ sich neben ihm nieder, dann begann sie langsam: Wollen Sie mir einen Dienst leisten?" Jeden, den Sie befehlen!" dersicherte er. Es wird Ihnen nicht schwer fallen bei dem Einfluß, den Sie auf Papa und sein gutes Herz besitzen. Legen Sie Ihre Fürbitte ein. daß man mich nicht standesgemäß vermählt!" Böhr stutzte: Ist davon schon die Rede geween!" Nein, aber ich sürchte, es wird bald
geschehen?" Nun, und wenn, liebe Prinzessin? Mre es nicht möglich, daß eine Wahl getroffen würde, die Ihnen zusagte?" Nein, jede standesgemäße Heirath wäre mein Unglück!" Er blickte sie forschend an: Sie betonen da standesgemäß in einer Weise, die mich auf eine Vermuthung bringt. Sollte Ihr Herz bereits Wünfche hegen die Sie verstehen mich. Prinzessin!" Sie nickte leise. Meinen Wünschen ist keine Erfüllung beschicken." Das ist seltsam!" sprach er bcdächtig. Einer offenbaren Berirrung ist Ihr edler Sinn nicht fähig. Esckönnte sid nur darum handeln, daß man Ihnen erlaubte, einen nicht ganz ebenbürtigen Gemahl zu sich zu erheben. Und waium sollte man das nicht? Liegen doch Beispiele vor, auf die wir uns berufen dürfen." Daran habe ich auch gedacht," er wivcrte sie, aber er selbst würde meine Hand ausschlazcn." Der alte Herr znckte auf seinem Sitz: Prinzessin! Undenkbar! Welcher Mann könnte das Glück Ihres Bestes" Mcadalene ließ ihn nicht enden: Ue'derzcugen Sie sich!" Wer ist es?" Feines Roth stieg in ihre blassen Wangen bei dem hörbaren Geständniß: PapaS Adjutant!" Im Nu, stand Bohr aufrecht vor ihr: Unser Hauptmann von Pilgram? Die Mittheilung sollen Sie nicht bereuen, theuerste Prinzessin! Ich finde Ihre Neigung vollkommen begreiflich. Herr von Pilgram ist ein tadelloser Kavalier t und ein ehrenhafter Charakter. Seine Durchlaucht ichätzt lhn nach Gebühr, und ich zweifle keinen Augenblick, daß der Fürst seine Genehmigung ertheilt." .Ich sagte Ihnen ja schon," wandte sie, schwermüthig aufschauend ein: Herr von Pilgram würde meine Hand ausschlagen." Der Hofrath gestikulirte heftig: Daö große LooZ hat noch Niemand auögeschlagen! Die Frage, ob er etwas von Ihrem Gefühl ahnt, ist überflüssig, er läßt sich sem Glück nicht träumen. Ich werde gelegentlich einmal die Sonde anstzen, mit aller Vorsicht, versteht sich!" Ich weiß das Ergebniß voraus," sprach sie resignnt. Er ergriff wieder ihre Hand: Wenn der Respekt es gestattete, uiüßte ich meine junge Herrin eine'juilge Thörin nennen. Ich sehe den schönen Tag kommen, wo Sie über Ihren heutigen Kleinmuth lächeln, Prinzessin." Gott befohlen, lieber Hofrath," der adfchiedete sie ihn ernst. Böhr hatte bei seiner Anhänglichkeit an die Fürstentochter irn Stillen den
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Entschluß gefaßt, rasch an's2Zerk zu gehen, um Magdalencn bald zu ihrem ersehnten Glück zu verhelfen. verschob alles Andere, was"cr vorgehabt, und suchte den ÄdjUtan:en aus. Doch im Vorzimmer seiner Durchlaucht fand er ihn nicht. Ter Kammerdiener wußte nur, Pilgrim sei auf Befehl d:s Herrn weggegangen; :oohin, konnte er nicht sagen.' Ter Hofrath wartete ein: Viertelstund; vergeblich'. Ten Fürsten, der im Kabinet mit dem Minister arbeitete. durfte er nicht stören. Unmuthig brach er endlich auf und hinterließ, er werde wieder kommen. Fürst Adalbert hatte, nachdem er den Leibarzt gesprochen, den Adjutanten zu Jrmgard geschickt mit der Weisung, sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Tie Fürstin," sügte er hinzu, soll nicht in bester Laune sein. Suchen Sie den Grund zu erforschen. Pilgram! Merken Sie aber, daß nur, wie ich fast vermuthe, wieder Ebbe in der Kasse herrscht, dann deuten Sie dreist an, ich sei kein indischer Rajah!" Pilgram vertheidigte die hohe Frau, sie gebe doch nur für Andere mit vollen Händen hin. was sie habe, dies sei ihre einzige Schwäche. Tie ich nicht länger unterstützen kann und will," erklärte ihr Gemahl bestimmt. Ter Adjutant ging. Er verschwieg dem Gebieter wohlweislich, wie die gerügte Schwäche Jrmgards zugcnommen, seit der Fürst seine Sympathie für die Sängerin immer unverhohlener zu erkennen gegeben. Und der Fürstin verschwieg Pilgram ebenso, daß Seine Durchlaucht sich mißbilligend über ihre Freigebigkeit geäußert; denn er entdeckte gleich beim Eintritt schweren Trübsinn aus ihren Zügen. Fühlt meine gnädigste Herrin sich nicht wohl?" fragte er theilnehmend. Sie warf die Lipp auf: Als wüßten Sie nicht, Pilgram, was an meinem Innern zehrt! Es gibt Menschen, die viel Liebe brauchen,' zu denen gehöre ich, und Andere, die vi.'l Liebe verbrauchen, zu denen gehört der Fürst. Ich bin zu stolz, ihm Vorwürfe zu machen. Was würde es auch nützen? Die Entfremdung wüchse nur." - Ihre Augen hafteten am Boden, während sie sprach: so entging ihr der Blick voll Leidenschaft, mit d:m Pilgram ihre Gestalt überflog. Wenn Ew. Durchlaucht sich verletzt fühlen." entgcgncte er, sollten Sie nicht Trost und Entschädigung in dem Bewußtsein finden, wie 'ung'ctheilt die Liebe, des ganzen Volkes Ihnen gehört?" Nur ein Seufzer antwortete ihm. Da fuhr er fort, aber seine Stimme bebte: Es ist keine Phrase, wenn ich meiner Herrin betheure, daß es Herzen gibt, die jeden Augenblick Blut und Leben für Sie opfern würden." Jrmgard schüttelte traurig ihr, schönes Haupt. Und wenn Ihr Euch Alle vereinigt, könnt Ihr mir die Liebe ersetzen, die mein Höchstes aus Erden war?" Sie machte eine rasche Bewegung gegen den Spiegel, der ihre volle Gestalt wieder gab. betrachtete ihr Bild, als wollte sie es mit dem einer Anderen vergleichen, seufzte und sprach hastig heiter, ohne Namen zu nc:-.nen: Tie Bezeichnung. die ich ihr ahnungsvoll am ersten Abend gab. war schon richtig, sie ist eine Lamia, und er fühlt 'seine Schuld, er würde sich sonst nicht loszukaufen su chen! Toch mein Herzeleid wird ihm noch theuer zu stehen kommen! Die Summe, die Sie mir neulich gebracht, Pilgram, ist wie Schnee geschmolzen, ich habe frisches Geld nöthig." Wieviel, Turchlaucht" fragte er ruhig. Möglichst viel! Verschwendete ich früher bisweilen, ohne zu wissen, was ich that, so werde ich jetzt mit Willen verschwenden!" Aber Turchlaucht müssen sich bis morgen gedulden," sagte der Adjutant, ich kann hute nur Ihren Wunsch mclden, an der Gewährung ist nicht zu zweifeln, doch eine beträchtliche Summe läßt sich nicht im Augenblick flüssig machen." Tie Fürstin war mit der Verheißung Zufrieden und gab dem Officier das Zeichen, sich zu' entfernen. Er tüßte ehrerbietig ihre Hand und trat den Rückweg zum Fürsten an. Als 'er das Vorzimmer erreichte, hörte er vom Kammerdiener, wie drin gend der Hofrath ihn zu sprechen verlangt. Er ging daher nicht in's Kabi nct, sondern in den Korridor, um den Hojrath draußen abzufangen. Pst! Hauptmann von Kapernaum!" flüsterte es hinter ihm. Böhr war eine Scitentreppe heraufgestiegen. Was beliebt, würdiger Hipvokrat?" gab er den Scherz zurück. Fünf Minuten unter vier Augen im Schloßgarten!" winkte der Arzt, und der Adjutant folgte ihm. In der wintertahlen Allee, die Beide auf nahm, schob der alte Herr vertraulich seinen Arm unter den des jungen Man neS und blinzelte ihn schlau an: Sind Sie neugierig, was ich Ihnen zu sagen habe?" Einigermaßen!" - Sie 'sollen ein Geheimniß hören, um das außer mir keine Seele auf der Welt weiß." Weshalb bin gerade ich .der AuSer wählte?" Weil die Sache Sie angeht. Sie sind ein Sonntagskind!" Entschuldigen Sie. bester Hofrath, ich bin am Freitag geboren, dem sprichwörtlichen Unglückstag!" So wird der Aberglaube durch Sie zu Schanden. Herr von Pilgram; denn Sie können ein Glück machen, wie wenig Menschen. Eine hochstehende Dame will Ihnen überaus wohl. Sie dürfen sich ihr nur nähern." Ter Adjutant schritt ruhig neben ihm weiter. Ter Hofrath wußte nicht, was er aus PilgramS Schweigen machen sollte, er streifte ihn mit einem Seitenblick: .Man würde Ihr Entgegenkommen nicht ungern sehen, man würde Sie er
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muthigen, eine Erklärung zu wagen; ie trügen einen Scha davon, um den mancher gürstensohn Sie beneiden würde." Jetzt erfolgte endlich eine Antwort: Herr Hosrath, ich verstehe Ihre An dcutungen nicht!" Böhr drückte den Arm seines Beglciters: Sie verstehen mich recht gut, Sie sind nur vorsichtig, mir gegenüber haben Sie das nichr nöthig; denn ich bin es. der die Initiative ergriffen, in Ihrem Interesse." Ich kann nur wiederholen," ver setzte Pilgram gemessen, daß ich nicht errathe, von welcher Tame Sie spre chen!" Der Leibarzt schüttelte den Kopf über diese Schwerfälligkeit. Muß ich's Ihnen denn noch näher legen? . Lassen Sie Ihre Gedanken hochstiegen, so hoch wie möglich! Errathen Sie nun Ihre Gönnerin?" Nein!" Das ist stark!" sprudelte Böhr her. aus. Herr. Sie haben es in der Hand, zum Schwiegersohn des Fürsten aufzusteigen!" Mit jähem Ruck befreite sich der Adjutant von seinem Führer und starrte ihn erbleichend an. Der Arzt deutete den Farbenwcchsel falsch, er lachte: Ein Anderer würde bis an die Ohrcnläppchen roth werden, Sie dagegen werden bis an die Lippen blaß. Ja, ja. mein Verehrter, ich habe Anzeichen, auf deren Untrüglichkeit ich schwören kann! Unsere Prinzessin Magdalene liebt Sie! Werben Sie actrost bei Seiner Durchlaucht, der Fürst ist ein zu gütiger Vater und Ihnen zu wohlgeneigt, um sich über Standesvorurtheile nicht hinwegzusehen." Pilgram stand, noch immer stumm und unbeweglich. Der Hosrath wurde ungeduldig. Ja, glauben Sie mir etwa nicht? Oder sind Sie dergestalt berauscht, daß Ihnen die Zunge gelähmt ist?" Ich sühle keinen Rausch, nur sehr nüchternen Schmerz!" sprach der Ossicier tonlos. Was?" rief Böhr, riß den Hut ab und fuhr sich mit der Hand über den kurzgeschorcnen weißen Scheitel. Pilgram seufzte: Hat die Prinzessin wirklich eine Neigung für meine geringe Person gefaßt, 'so kann ich ihr nur einen Freund wünschen, der sie davon zurückbringt, der ihr wenn eZ kein anderes Mittel gibt mein Geheimniß verräth, meine hoffnungslose Liebe zu einer Dame, der ich gleichgiltig bin." Ter Arzt stülpte den Hut wieder auf und murmelte etwas, was einer Verwünschung ähnlich klang. Dann legte er die Hand aus Pilgrams Schulter: Hören Sie einmal, junger Herr, wenn ich an Ihrer Stelle wäre, wissen Sie, was ich thäte?" Nun?" Der Dame, die sich nichts aus Ihnen macht, brächte ich ein Ständchen, sänge vor ihrer Thür das alte Studcntenlied: Und will sie mich nicht haben, so mag sie's nur sagen, So soll gleich ein Kreuzdonncrwetter d'reinschlagen! worauf ich mit der Mandoline unter die Fenster der Prinzessin zöge und im höchsten Tenor fortsehtei Toch will sie mich lieben, so sag' sie'Z behende. Dann nehm' ich mein Gläslein in meine zwei Hände Und rud're d'rauf los!" Ten Schluß fistulirte Böhr mit kräch. zender Stimme, so daß Pilgram lä cheln mußte, obgleich ihm 'nicht da, nach zu Muthe war. Der Hofrath nahm dies sür ein günstiges Zeichen und fragte: Wirkt meine Medicin, verehrter' Patient? Ich würde mir auf Ihre Heilung etwas einbilden." Tie Miene des Adjutanten verdüsterte sich: Ich bin unheilbar. Mein Herz in andere Bahnen zu lenken, ist mir unmöglich. Ich weiß, was ich verscherze. Prinzessin Magdelene hat ein Engelsgcmüth, doch um so weniger darf ich sie täuschen." Adieu, Herr Hauptmann'." Mit dem kurzen Gruß ließ der Arzt ihn stehen und verschwand. Pilgram athmete schwer; er bedürfte einiger Zeit, sich zu sammeln, ehe er seinem Gebieter die Nachricht brachte, die Fürstin befinde sich wohl. Und wie steht es mit der Kasse?" fragte der Herr. ' Ten Geldpunkt ließ sie unberührt," log der Adjutant. , . : Freut mich!" In dem Moment tastete der Ofsicier nach einer Stuhllehne. Der Fürst trat schnell auf lhn zu: .Was ist Ihnen, Pilgram?" Ich weiß es nicht, gnädigster Herr. schon unterwegs befiel mich eine Schwache" O, werden Sie mir nicht krank! Gehen Sie und legen sich eine Stunde nieder! Soll ich Ihnen den alten Böhr schicken?" . Ich danke unterthänigst, ich hoffe, mich ohne Arzt zu erholen." Auch am besten, wenn man die Natur walten läßt." stimmte der Fürst bei. ' Sie sind heute vom Dlenst.be urlaubt, lieber Pilgram. sorgen Sie nur, daß Sie morgen wieder bei Wege sind." ' Der Adjutant zog sich in seine Zim mer zurück, die ihm in einem Flügel des Schlosses eingeräumt waren, streckte sich aber nicht zur Ruhe h:n, sondern setzte mit fliegender Feder eine Depesche auf, die er durch seinen Burschen in's Telegraphenamt tragen ließ. Währenddessen hatte die Prinzessin den Leibarzt durch den Schlolzhos gehen sehen und ihm geschwind einen Lakaien nachgeschickt, der idn zu ihr heraufholen mußte. Lieber Hofrath," empfing sie ihn. ich will Sie nur bitten, unser voriges Gespräch zum Th:il zu vrressen und den nerrn durchaus n:.t ra tcndlren!
ynvxz.'zrsi .Ich bin bereits so voreilig gewesen," gestand er. und die Verlegenheit spiegelte sich dabei in seiner Haltung. . Magdalene zuckte leicht zusammen: .Ah!"' ' Er wagte nicht, ihr in'S Gesicht zu sehen: Ich bereue es, Prinzessin! Aber er ist tief zu bedauern, eine hoffnungslose Leidenschaft " Ich wußte es," siel sie, anscheinend gefaßt, ein. Sie kennen die Dame?" forschte der Arzt neugierig. Magdalene ging über seine Frage hinweg: Leisten Sie mir nur den Dienst, um den ich Sie gebeten, lieber Hofrath: wenn über kurz oder lang meine Vermählung in Frage kommt, treten Sie für mich ein und erklären meinen ausgesprochenen Widerwillen gegen jede Ehe!" Soll ich das wirklich, theuerste Prinzessin?" versehe er. Gestatten Sie mir, aus meiner Erfahrung darauf hinzuweisen, daß die meisten Äcädchen durch die verschiedensten Umstände genöthigt werden, einer ersten Neigung zu entsagen, und später einsehend wie es zu ihrem Heil war!" Manches Herz ist trostbedürftig, und wartet auf Zuspruch, anderen ist jede Tröstung lästig und zuwider; Magdalena ermüdete sie. darum suchte sie abzubrcchen. Lassen wir's gut sein'." Dessenungeachtet suhr der Arzt fort: .In Ihren glücklichen Jahren, Prinzessin, überwindet der Mensch Alles leicht." Es kommt wohl," bemerkte ne, aur die Natur des Menschen an." Bohr beachtete den Einwurf nicht. Es wäre doch ein Jammer, wenn eine holde Blume verblühen sollte, ohne mit ihrem Dust " Magdalene unterbrach ihn. seine Hände ergreifend: Verlieren Sie kein Wort mehr! . Ich danke Ihnen von Herzcn sür die väterliche Gesinnung, die Sie mir heute bewiesen, rechne aber fest darauf, daß die abgethane Angelegenbeit ' nie wieder zwischen uns erwähnt, selbst nicht angedeutet wird. Leben Sie wohl!" Die Entlassung war so klar ausgcdrückt, daß der' Hofrath die Lippen schließen und ungesäumt die Thür suchen mußte. Die junge Prinzessin blieb allein. Sie brach nicht in Thränen aus. Man hatte sie in echter Frömmigkeit erzogen, sie wußte daher, wo sie einen Anhalt fand. Auf der Etagere in ihrem Boudoir standen Bücher,' sie zog einen kleinen Band, in schwarzem, gepreßtem Leder heraus, ihr Konsirma-tions-Gcsangbuch, und lange ruhte ihr Auge auf den Bersen: Wenn mir am allerbängsten Wird um das Herze sein. Dann reiß' mich aus den Aengsten Kraft Deiner Angst und Pein!" Einen gab es'am Hofe, dem vielleicht noch banger um s Herz war als ihr Pilgram verließ den ganzen Tag nicht seine Klause. Am nächsten Morgen empfing er von der Post einen schweren Briet mit fünf Siegeln. Boisichha öffnete er den Umschlag, entnahm ihm eine Anzahl großer Bankicheine, durch blätterte sie und gab ihnen eine andere. unbeschriebene Hülle, während er die ursprüngliche im Kamin auflodern hen. Die 'ertypapiere in der Brust laiche, verfügte er sich, bevor er den Dienst bei dem Fürsten antrat, zur Fürstin Jrmgard. Da kommt mein Netter!" rief sie ihm heiter entgegen. Oder bringen Sie mir nichts? Dann augenblicklich rückwärts. Don Rodrigo!" Er zog das Packet hervor: Sehen Sie hier, hohe Frau! Ich bin so glücklich. nicht mit leeren Händen erscheinen zu müssen." Aber wie haben Sie's angestellt? Hat der Fürst nicht gemurrt?" Es ging schnell vorüber," sagte der Adjutant, 'das Geschenk überreichend. Jrmgard nahm es, doch ihr liebreizendes Gesicht veränderte sich dabei, eine Falte trat zwischen die feingefchwungenen Brauen. ' Ich wollte," sprach sie halblaut vor sich hin, eS wäre noch wie ehedem, und ich hörte Borwürse. Es muß weit gediehen sein, daß er mir nichts mehr ab schlägt." (Fortsetzung folgt.) Fatale Gewohnheit. Der Hauptmann von Drachensels liebt es, von sich häufig per Wir" zu sprechen. Nun, Johann," fragt er eines Tages seinen noch nicht lange eingestellten Diener, wie viel haben wir denn noch Wein im Kellner ?" Zwei Flaschen, Herr Hauptmann !" entgegnet dieser. Wie." ruft Drachenfels, und vor drei Wochen waren es noch mindestens fünfzig !" Sehr wohl.' Herr Hauptmann'! Sie sagten aber damals: Nicht wahr, Johann, ein famofcs Weinerl das ! Ten lassen wir uns aber auch gehörig schmecken und da" Nun. da ?" Und da haben wir ihn' uns auch gehörig schmecken lassen!" . Mißverständnis Studiosus Bummel (schreibt an seinen Vater): Lieber Vater, da ich bei meinem Kneip Wirth sür ein .Katersrühstück noch mit fünfzig Mark im Rest bin. wollte ich Dich hiermit bitten, mir dieselben umgehend zu schicken. Vater (der den Brief gelesen): Was die Stadtleut' doch sür curiose Menschen sind, bei uns im Dorfe laufen so viel Kater herum, da mag ihn keiner geschenkt verzehren, und in der Stadt zahlen sie soviel Geld dafür! AuS Versehen. Von einem Bürgermeister gelangt an die Behörde das Verzeichniß über die im Sprengel vorgekommenen Geburten. Am Schlüsse desselben heißt es: Aus Versehen wurde noch geboren und getauft: Anna Marie, Tochter des Wastelbauern in Erdäpfelberg." ,, .. Starker Glaube. A.: Fürchteten Sie während des Gewitteis nit sür Ihre Villa?" B.: Nein, r.ziT.t Gattin war ja zu Haufe, an der:n ZtzvLt Ui2t Alles ab!"
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ESSZSSXXS2
Dichter nd auftnann. Kleosos war ein Dichter in Korinth. an dessen Thür Frau Sorge schon oft mit schwerem Finger geklopft. Er fühlte den Mangel an irdischen Gütern um so mehr, als ihm gegenüber ein Kaufmann wohnte, den die Gottin des Glücks reichlich mit ihren Gaben bedachte. Wennder arme Dichter nun hungernd in der Vorhalle des Hauses saß und das Rumoren seines Magens sich in das gesättigte Lachen der zu einem Mahl bei dem Kaufmann versammelten Gaste milchte wer wollte es ihm da verdenken, daß er verstimmt wurde und ein bitteres Gefühl über die Ungcrechtigkeiten im menschlichen Leben in ihm aufstieg? Unter diesem Eindruck machte er einst seiner Erbitterung in einem Poem Luft, indem er den Kaufmann heftig angriff und satyrisch mit einer dummen GanS verglich, die mit Glücksnudeln fett ge macht würde. Das Gedicht war 'so voller Ironie verstecktem Spott, daß Kleosos fast darüber erstaunte und sich im Stillen schon freute, mit welcher Wuth Arisoles, der Kaufmann, es lesen würde. Dieser jedoch blieb äußerst ruhig da bei. rief seinen Sekretär, übergab eZ diesem und sragte, was er zu thun rathe. Den Vösewicht bestrafen lassend war die Antwort. . Mit Nichten!" versehe der Kauf, mann, rufe sogleich sämmtliche Schrei ber Korinth's zusammen, daß sie das Gedicht einige tausend Mal abschrei ben!" ,. Das geschah. Nun wurden Leute gedungen, die mußten durch die Straßen der Stadt ziehen und die Schmähschrift zum Kauf ausbieten. ' Und da die Menschen schon damals, genau wie heute, dergleichen gern lasen, so war die Auflage gar bald vergriffen und eine neue mußte fertiggestellt werden. Auch in die anderen Städte des Landes wurde sie verschickt und der schlaue Kaufmann strich nicht nur hierfür die Silberlinge ein, sondern sein Geschäft war plötzlich eines der besuchtesten, denn von allen Seiten strömten Neugierige herbei, die Einkäufe machten, um den Geschmähten zu sehen. Kleosos, der Dichter, sah mit Erstaunen und nicht geringem Aerger, daß sein Gedicht gerade das Gegentheil von dem bewirkte, was es bezwecken sollte, und daß er damit dem Verhaßten mit eigener Faust eine Glücksnudel bereitet hatte. Noch erstaunter war er aber, als Arisoles eines Tages zu ihm trat und sprach: Kleosos, ich nehme es Dir nicht übel, daß Du mich mit einer GanS verglichest, obgleich Du damit im Unrecht warst, denn Klugheit und Gelehrtheit mag vielleicht bei Euch Dichtern wohnen, aber Schlauheit findet Ihr nur bei dem Kaufmann. ' Wie hättest Du getobt und gezetert, wenn ich wie Du gethan. Siehe, ich verstand selbst das, was zum Schaden berechnet war zu nutzen. Doch, da ich mich an anderm Eigenthum nicht bereichern mag. auch Vortheil genug von Deinem Gedicht habe, so bringe ich Dir die Summe, die der Verlaus deuelben ergeben." Da war der Dichter 'sehr beschämt und wollte das Geld nicht nehmen; aber Arisoles drang in ihn und sagte: Laß uns gute Freunde werden, und daß Du ferner nicht Hunger leidest, beauftrage ich Dich, von Zeit zu Zeit ähnliche Verse zu schreiben sie werden uns Beiden zum Vortheil gereichen." Damit reichte er ihm versöhnend die Hände und Kleosos schlug ein. So wurde er der Vater der Reklame doch Schmähgedichte verfaßte er nicht mehr. Enttäustduug. Der Verleger einer Zeitung reist nach dem Ahcin in die Sommerfrische und gibt bei seiner Abreise in der Redaction den Auftrag, ihm die täglich erscheinenden Nummern zuzusenden. Nach einigen Tagen trifft von ihm in der Redaction eine Kiste mit 25 Flaschen Nüdc-Heimer und folgendes Schreiben ein: Ueber die außerordentlich gut gelungene erste Nummer unseres Blat tes habe ich mich sehr gefreut und ersuche die Herren, beifolgende Tropfen auf mein Wohl zu leeren. Es lag eigentlich in meiner Absicht, die Anzahl der Flaschen zu verdoppeln; leider jedoch stand die zweite der gesandten Nummern des Blattes nicht auf der Höhe der ersten und muß es schon aus diesem Grunde bei der gesandten Anzahl Flaschen bleiben. Was nun die dritte der erhaltenen Nummern betrifft, so muß ich Sie leider höflich ersuchen, in Anbetracht des äußerst dürftigen In Halts derselben, doch von meiner oben ergangenen Aufforderung gefälligst keinen Gebrauch machen zu wollen, son dern den Wein durch den RedactionS dicncr nach meiner Privatwohnung zu senden." DieGelegenheit erfaßt. Notar: Schreiben Sie diesem Mann, daß seinem Gesuche nicht entsprochen werden kann; das wäre noch schöner, einem völlig Unbekannten fünfzig Mark zu pumpen." Schreiber: Darf ich, Herr Notar, an Stelle des völlig Unbekannten vielleicht daS Darlehn in Anfpruch nehmen, mich kennen der Herr .Notar ja doch schon seit acht Tagen." , Glaubwürdig. Stotterer: Mei mein Fräulein, i i ich lie liebe S S Sie!" Fräulein: DaZ haben Sie gewiß schon vielen Damen gesagt?" Stotterer: N-nein! I i ich bi bin froh, da daß i Z ich eö , glück glücklich ei einmal hcrausha hab'!" Kaufmännische Liebeser k lä rung. Gnädiges Fräulein, die Ehe ist ein Geschäft. Ich gedenke ein solches Geschäft zu gründen. Wfoen Sie wohl gesonnen, als Theilhäberi einzutxettn?
