Indiana Tribüne, Volume 16, Number 165, Indianapolis, Marion County, 5 March 1893 — Page 7

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Meißen in Chicago. Su dem Tredener Anzeigrr." Tie königliche Porzellanmanufaktur ju Meißen, die bekanntlich seit wenigen Jahren den vorher noch nie so hoch ge stiegenen Jahresumsatz von fast 2 Millionen Mark erreicht hat, verkauft alljährlich fast den vierten Theil ihrer gesammtcn Verkaufsmaare nach Ame rtfa. Es ist daher wohl begreiflich und gerechtfertigt, wenn die Manufaktur be schlössen hat, die Weltausstellung zu Chicago möglichst glanzvoll zu beschicken um neue Absatzqueüen für ihre Erzeugnisse in den Vereinigten Staaten von Amerika und weiterhin zu suchen. Die Meißner Ausstellung wird überaus reichhaltig und glanzvoll sein. Mehr als 1000 einzelne Gegenstände sind für die Ausstellung zusammengestellt, ja größtenteils besonders für die Aus stellung angefertigt worden. Letzteres verdient besondere Beachtung und Anerkennung. da die B!eißncr PorzellanManufaktur ihren Geschüstsbetrieb in erste Linie zu stellen hat und nur nebenbei andere Arbeiten erledigen lann. Tie Berliner Manufaktur, die weder auf Geschäft-.ewinn zu sehen hat, noch je einen erzielt hat, gewinnt dadurch volle Mue für Ausgaben, wie die Khicagoer Ausstellung sie ihr bietet. Besteht die Meißner Manufaktur den Wettbewerb mit Erfolg, so darf sie sich das unter den obwaltenden Umständen zu besonderem Ruhme anrechnen, stünde sie etwa zurück, so würden die ganz der jchzedencn Ausgaben, die beiden gestellt sind, eine genügende Erklärung abgeben. Tie für Chicago bestimmten Gegenstände sind jetzt in einem großen Saale der königlichen Porzellanmannfaltur so aufgestellt, wie sie es in Chicago sein werden. Man schreitet auf einigen stufen empor zu dem ziemlich großen Raume, der links und rechts durch ein Geländer aus Holz und Bronze abge grenzt ist. Aus ihm stehen je vier große Vasen in Blau- und Buntmalcrei mit Kompositionen nach Preller d. Aelt., Grosse und Bendernann. Betreten wir den Raum selbst, so stoßen wir zunächst auf einen kostbaren Schmuckkasten, links und rechts zwei mächtige Vasen, in der Mitte steht der Haupttisch mit den Pate -sur-pateMalereien, links und rechts davon je ein Tisch mit vornehmem Gebrauchsgeschirr, an den Wänden links und rechts je drei Tische und Eckständcr mit figürlichen Gegenständen. Ten oberen Abschluß des Einganges bilden reiche, in der Farbe fein abgestimmte Draperien. Tie Schautafeln sind mit tcrracottafarbigcm Sammet drapirt, Rokoko-Etageren Gold aus elfcnbeinfarbigem Grunde zieren die Decken des Raumes, in seine Hinterwand ist zwischen kostbaren Spiegcln eine Porzellanthüre eingelassen und von der Decke hängen Porzellantronleuchtcr yerab. Ein köstliches Hauptstück der Ausstellung ist der chmuckkasten aus Ebenholz mit Bronze und Porzellanbelag. Auf einem viereckigen Hauptstück sitzt ein geschwungenes ' Oberstück, bekrönt von einer Gruppe der Juno mit drei Amoretten, die ihr Spiegel, Perlenbalsband und Blumen überreichen. Tie reizende Gruppe, die in der Manufaktur selbst entworfen ist, zeigt in ihrem anmuthigcn Aufbau und in ihrer Durchführung treffliches Verständniß für die Cigenschasten des Porzellans und ihre künstlerische Verwerthung. Tie große Porzellanplatte an der vorderen Seite in Pate-sur-pate stellt die Schönheit dar, die beiden Seucnplat ten veranschaulichen die der Schönheit gewidmeten Gaben des Meeres (Perlen, Korallen u. s. w.) und der Erde (Diamanten und Edelsteine), dargebracht von Wasser und Erdgeistern. Höchst reizvoll und 'anmuthig ist der Hintergrund, von dem die Massemalcreien sich abheben, als leichtes Blumenspalier behandelt. Das Gan;e wirkt ungemein duftig und zart. Tie Füße des Kastens sind als Rokokoschmünge behandelt, die sich oben zu lieblichen Kinderhcrmcn entwickeln. Die Kästchen weisen Limoges-Emailmalcrei auf, während der geschwungene Aufsatz noch Gelegenheit für feine Goldreliefmalerei u. a. geboten hat. Das ganze Kästchen ist mit größter Sauberkeit und Genauigkeit gearbeitet und macht einen überaus vornehmen und anmuthigen Eindruck. Schon bei der keramischen Ausstellung des Dresdner Kunstgewerbever eins konnten wir mit hoher Anerkennung auf die neuen Errungenschaften der Meißner Manufaktur, die Massenmalerei (pal sur pate) und die Goldund Platindecoration hinweisen. Beide Techniken, die dem eigenthümlichen Wesen des Porzellans so voll entsprechen, sind inzwischen noch weiter entwickelt worden und werden in Chicago in großartiger Weise vertreten sein. Da sind zunächst zwei mächtige glatte Vasen von Hm Höhe, an denen auf königsblauem Grunde mit Platinfarbe die Tageszeiten nach des Peter Corne lius Wandbildern in der alten Pinakothek zu München aufgemalt sind. DaS dunkel leuchtende Königsblau mit dem durchscheinenden Sildcrgrau des Platins wirkt überaus vornehm und schön. Gleicher Art sind die beiden großen Gefäße in klassischen Formen, die mit Gruppen des Hähnelschen Bacchantenzuges geschmückt sind. Hic? ist der Grund eine aus Eisen gewonnene Glasur, die mit ihrem Braun mit gelblichen Tönen der Wirkung des Schildpatts nahe kommt und nach ihm benannt ist. Auch die Massemalerei tritt uns in noch höherer Vollendung entgegen, als früher. Das Versahren ist bekanntlich folgendes: man färbt die Grundmasse eines Gefäßes mit Scharffeuerfarbe und malt darauf nicht mit Farbstoff, sondern mit weißcrPorzellanmaffe.darauf kommt die Glaiur, dann wird das Ganze ge brannt. Der reliefartige Figurenschmück liegt sonnt unter der Glasur, c? wirkt kamcenartig und besonders reizvoll insofern, slz.arbige Grund

durch die zartdemalten weißen Stellen durchschimmert. Tiefe chmuckweise gehört zu den ältesten und dem Stoffe angemessensten in der Keramik Für Porzellan wurde sie bis vor kurzem nur in Sevres angewendet. Jetzt wird sie auch in Berlin und Meißen gebraucht, in Meißen (wenigstens nach den Berliner Proben aus dem vorigen Jahre, die wir gesehen haben) mit weit besserem Gelingen als in Berlin. Es kommt darauf an, die Erhebung nur gerade so hoch zu machen, daß der Grund noch durchscheint, dabei aber nicht so flach zu werden, daß die Bemalung als eine Fläche wirkt. Die Arbeiten der Meißner Manufaktur treffen unseres Erachtens hier gerade das Richtige. Zugleich mit der Massenmalerci hat man in Meißen auch die Reihe der charffeuerfarbcn, d. h. der Farben, die mehr als 1500 Grad C. Hitze vertragen, ohne zu verbrennen, stetig ernieilert. Auch das Gelb, das früher ncch fehlte, izt gefunden, so daß nun rnctjr die ganze Farbenrcihe für Unterglasurmaicrei zur Verfügung steht, ein glänzender Erfolg der keramischen Ehe-.nie

j Die Hauptstücke der Massemalerei.. Die nacy uuicago geyen, nno eine groe übür mit sechs eingelegten Platten und :ine große Tischplatte, die aus sechs Platien zusammengestoßen ist. Die einzelnen Bilder veranschaulichen die Jahres- und die Tageszeiten, das mittelfte den Gott Helios auf dem Sonnenwagen, durchweg gefüllig angeordnete Gruppen von gefälligem Reize. Verschiedene andere Techniken, wie die farbige Goldmalerei, sind herangezo gen, um den verbindenden Schmuck zwischen den Hauptbildern herzustellen. Auch sonst sinken sich zahlreiche Stücke, bei denen eine ähnliche Verbindung z. V. von Massemalerei mit Platinund erhabener Goldmalerei mit Glück versucht ist. Außer den großen Stücken sind noch eine Menge großer und kleiner Vasen, Schmuckteller, aber auch Schalen, niedliche Kästchen, Büchsen mit Massemalerei ausgestellt. Sie bekunden sämmtlich die bervorrageude Leistungsfähigkeit der Meißner Manufactur auf diesem Gebiete. Heroorzuheben sind aus dieser Gruppe noch zwei Vasen mit bronzenen Bouquets für elektrische Beleuchtung, die von der sächsischen Bronzcwaarenfabrik K. M. Seisert in Würzen in bekannter Vol lendung hergestellt sind. Tie vollendete Kunstfertigkeit der Meißner Vkodclleure auf dem Gebiete naturalistischer Blumcnbildncrei ver anschaulichen zwei Kronleuchter mit hängenden Bougucts und ein Spiegel nebst Wandtisch, die mit Blumen und Ranken überaus reich und prächtig ausgestattet sind. Vom ästhetischen Standpunkte aus wird diese zerbrechliche Blu menbildnerci zwar verworfen, doch würde die königliche Porzellanmanufaktur, da ihr von vornherein ein andcres Gepräge gegeben worden ist, als ihren beiden stitbildenden Schwesteranstalten. nicht gut daran thun, auf eine Technik zn verzichten, auf welche fortgesetzt Austräge eingehen und welche vermöge der technischen Ueberlieferung in Meißen so vollendet dasteht wie nirgcnds andersiro. Ter kleinere Kronleuchter, der für 36 Lichter eingerichtet ist. stammt seinem Entwürfe nach aus früherer Zeit und ist im älteren Rokokostil gehalten, mährend der größere Leuchter für 24 Lichter mehr dem' Stile König Ludwig? von Bayern entspricht, wie er in den neuen bayerischen Königsschlössern ausgeprägt ist. Achnlich ist der größere, üöeraus pnhtige Spiegel, der mit seinem Wandtisch und seiner Bckrönung von Amoretten gegen 4m hoch ist und von dreifachen Leuchterarmen flankirt wird. Mit plastischen Ornamenten, Früchten und Blumen sind endlich auch zwei große Prunkvasen ausgestattet, die von Standbildern der Flora bekrönt sind. In dem üvpigen Blumenwerke, das den B.'lag bildet, tummeln sich Schmetterlinge. Käser und Kolibris. Um zu er messen, welche Fülle von peinlich genauer Arbeit in diesen farbenfrohen Stücken steckt, muß man wissen, daß der Bildner jedes, auch das kleinste Alüttchen, einzeln formt und ansetzt. Tie Blumenmalerei der königlichen Manufaktur ist namentlich durch die vier schon hier ansgcftelltcn ' großen Platten, welche die Jahreszeiten in ge lungenen Compositionen darstellen, vertreten. " Ein fünftes Bild zeigt in gleich tresslicher Malerei einen Flor von Chrysanthemum. So große Platten bis zu 75 crn fehlerlos herzustellen, bietct erhebliche Schwierigkeiten; noch mehr ist dies bei den großen Platten mit Massemalerei der Fall, weil diese dem Scharffeuerbrande ausgesetzt werden müssen. Ihre wohlgelungene Herstellung bildet ein besonderes Ver dienst der königlichen Manufaktur, bei dem sie kaum eine Nebenbuhlerschaft zu fürchten hat. Von den berühmten Tafelgeschirren der königlichen Manufaktur' ist das Brühl'sche und ein zweites mit breitem blauem Rande und Blumenschmuck für die Ausstellung gewählt worden. Dazu kommen endlich eine Fülle von Ta felaufsätzen, Uhren, Figurengruppen und Figuren, welche aus den verschie denen Schassensperioden der königlichen Porzellanmanufaktur stammen. Viel schönes und köstliches ist darunter, das schönste und köstlichste aus alter Zeit, von Kandler und seinen Genossen. Man hat wohl daran gethan, die zeit liche.Trennung der verschiedenen Bildwerke auch in der Aufstellung festzuhalten. Die reizvollen Gebilde der Ro tokozeit gruppiren sich in den Eckstän dern und an der Rückwand um Kändlers Gruppen der Galathee und des Pluto, während die modernen Arbeiten für sich gestellt sind. Von den modernen Arbeiten auf diesem Gebiete sind etwa besonders zu nennen: die große Uhr mit den drei Parzen von Andresen, Gtück und Friedm von Schwabe in Nürnberg, die Erfindlmg des, Porzellans durch Bottger

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von Hcttmich in Meißen, aseloufjätze von dem odengenannten, von Hirt in Münzen, Schreitmüller (f) und Spieler in Dresden. Ein Seld. Am Neujahrstage 1893 starb in Swinemünde ein Mann, der in mehr als in einer Beziehung rin Held ge nannt zu werden verdient: der Lootsen commandcur Friedr. Müller. Er wurde 1835 in Luckau als ein Sohn eines König!. Forstmeisters geboren, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und widmete sich, nachdem er seiner Wehr Pflicht als Einjähriger bei den Lübbener Jägern Genüge geleistet hatte, dem Seemannsberufe, dem er bis zu seinem Ende mit Leib und Seele gedient hat. Es war vor dem deutsch-sranzösischcn Kriege, als Müller als Kausfahrercapitän in einer preußischen Ostscestadt die Bekanntschaft der Familie eines hohen Militärs machte und eine lcidcnschastliche Liebe zu der schönen Tochter des Hauses faßte, eine Liebe, die erwidert wurde. Indessen, der schnell geschlossene Scelenbund mußte gleichviel aus welchen Gründen vor der Hand eine Herzenssache der beiden jungen Leute bleiben. Müller ging wieder seinem Berufe nach. Er lag im Juli 1870 mit seiner Brigg im Hafen von Eardisf. als der gro'e Krieg ausbrach. Sein Eom mando einem andern anvertrauen und in die Reihen der Vaterlandsverthcidigcr eilen, war für den Braven selbstverständlich. Er nahm, in das 5l. Regiment eingereiht, an den S ''lachten von Weißendurg. Wörth, Sedan, der Eernirung von Paris und an den Ausfallgefcchten von La Malmaison und vor dem Mont Valerien Theil. Ter junge Held that seine Pflicht um so freudiger, als er ein glücklicher Zu fall! unter den Augen des Vaters seiner Geliebten kämpfte; für besondere Auszeichnung in der Schlacht bei Wörth wurde ihm das Eiserne Kreuz und das Ritterkreuz zweiter Klasse des Bayerischen Militär Verdienstordens verliehen, und der Kronprinz war es selbst, der ihm das Eiserne Kreuz überreichte. Als Ofsicier kehrte der Eapi tän aus dem Kriege zurück, eilte dorthin. wohin iifli sein Herz zog. hielt um die Hand der Geliebten, der Tochter seines Generals, an, und sie wurde ihm nickt verweigert. Am 1. November 1872 erhielt er die LootscN'Kommandeurstclle in Thies som auf Rügen, die er über zwölf Jahre inne hatte. Hier hat er beroie fen, daß der Mensch in einem verhältnißmißig engen und kleinen Kreise l'iroßcs zu leisten im Stande ist. Durch hingebungsvolle Thaten zeichnete sich seine' Amtsführung aus; manches Mcnschenlcben verdankt dem Tapferen Ret tung ans Todesgefahr manches dem sichern Untergänge geweihte Fahrzeug wurde durch seine Umsicht und That kraft geborgen. So ward ihm für seinebei der Bergung derMannsckastder deutschen Bark Selma- am 5. Tczem der 1875 b.'nncsene Aufopferung die Rettungsmedaille am Bande verliehen und von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger die silberne Ancrtennungs Medaille zuerkannt. Am 1. Januar 1885 wurde Müller auf den Lootsenkommandeurpostetl zu Swinemünde berufen, dem er bis zum legren Athemzuge mit stets gleicher Vslickttreue und oft bewährtem Opfermnih vorgestanden hat.. Noch im ver gangenen Jahre wurde ihm in Aner lennung seiner bei verschiedenen Strandungsfallen ei;trvickelten verdienstvollen Thätigkeit durch den Kaiser der Rothe Adlerorden'4. Klasse verliehen. Ten Strapazen eines so schweren, verant wortungsvollen Berufes war auch der stärkste Körper, nicht gewachsen; sie brachten dem Tapferen vorzeitiges Siechthum und frühen Tod. Ein freundliches Geschick aber hat eZ gewollt, daß sich ein Dichter fand, dies Helden'.eben poetisch zu verklären. Friedrich Müller ist der Held von SpielhagenS 1877 erschienenem Roman Tie Sturmfluth-. ?!ach Spiclha gens eigenen Worten verdankt der Roman dem Lootzenkommandcur Mül :er icnr viel, wiener wurde ut Sturmfluth" geschrieben worden sein. auch wenn der Dichter ihn nicht kennen gelernt hätte; der Roman würde dann eben einen anderen Helden bekommen haben, was nach Spielhagens Theorie so viel bedeutet, al5: er würde ein wesentlich anderer geworden sein. Schon im Sommer 1874 stand die Grundideedes Romans für Spielhagen fest : die dichterische Kombination der großen pommerschen Sturmfluth vom November 1872 und des großen Bor senkrachs vom Frühjahr des nächsten Jahres, die er. wie bekannt, der Zeit nach ldentisch fein laßt. Das war o eine Konzeption der Idee, wie sie, nach Karpeles' Ausspruch. dem Künstler gleichsam aus den Wolken, aus dem EchooL der Götter" zufällt. Und rrun. zur rechten Stunde, kam die Begegnung mit dem Lootsenkommandeur, und der große Entwurf des Plans mit dem. Helden stand fertig da. Spielhagen weilte im Sommer 74 in Herinqsdorf als Badegast. Ta kam eines guten Tage- der Lootsencommandeur Müller mit seinem Boote von Thiessow hcrübergesezelt. Doch geben wir dem Dichter das Wort: .Irgend ein gemeinschaftlicher Bekannter muß uns einander vorgestellt haben. Ich fand in ihm einen schonen, rüstigen Mann, aus dessen offenen Zügen Freimuth und Herzlichkeit. Intelligenz und Bravheit sprachen. Auch ich kann ihm nicht unsympathisch gewesen sein; es wäre sonst woyl nicht möglich gewesen. dan er mir in den wenigen Stunden unseres Beisammenseins seine Lebensgeschichte. jowcit ic sür mich von In teresse sein konnte, erzählt hätte Der Lootjencommand.'nr fuhr noch an dem elbcn Abend weiter wabrickein lich nach swinemünde 'ich habe ihn nie wieocrge eycn. Dieses zufällige .kurze Zusammen.

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tretten also bc!chccrte dem Dichter seinen Helden. Wer Tie Sturmfluth- kennt, der weiß ja. wie Spielhagen sein Modcl verwerthet hat. Dle Modlsicatlonen, denen er es unterwerfen mußte. sind ganz äußerlicher Natur: der Eharakterkern, auf den es dem Tichter vor Allem ankommt, wurde durch dieselben nicht berührt. Die gerade, bieterc und tapfere Natur des Menschen, die Lanterkcit nnd Wärme, seines Herzens, die ruhige Klarheit seines Verstandes, seine Pflichttreue im Berufe: alle diese Züge finden wir im Romanhelden wieder. Auch der Lebensgang Beider zeigt in lemcn Hauptmomenten und cntjcjci denden Wendungen die größte Aehnlichkeit. - ' ' Wie Müller, so empfängt auch der Held des Romans auf einer englischen Rhede die Nachricht vom Ausbr'uch des Krieges; wie Jener, eilt er sofort zur Fahne, kehrte als Offizier und d.irch Ordensschmuck ausgezeichnet, heim, verliebte sich in die Tochter eines hoh'n Militärs, gewinnt sie nach Ueberwin dung mancher Hindernisse, wird Loot' senkommandeur u. s. w. ?ogar die Ansicht über die Entstehung der schrecklichen Sturmfluth. welche der Kapitän Schmidt beim Essen im Spei sesaal des Schlosses Golm vorträgt, hat Spielhagen aus dem Munde des Lootsenkommandeuers Müller: nur daß sich der Tichter die Freiheit nimmt, aus einem Erklärer des Geschehenen' einen Propheten der Zukunft zu machen. So viel Menschenleben zu retten, wie glücklich müssen Sie sein! Es wird zu Ihrem Glück nicht beitragen, ich meine: es wird die Beseligung. die Ihr Herz erfüllt, nicht vermehren; aber es ist recht und schicklich, daß so schönes, gottbegnadetes Thun auch vor den Augen der Welt seine Auszeichnung finde." Das sind die Worte, die im SchlußkapitelZdeS Romans der würdige Ne gierungspräsident von Sundin an den Held.'N richtet; das sind auch die Worte des Dichters an sein Modell. ES mag den bescheidenen Sinn des Mannes peinlich berührt haben, sich selbst im Spiegel der Dichtung zu schauen; das Bewußtsein aber, welches allem echten Verdienst eigen, daß sein Thun des Rühmens werth war. wird ihm über dieie Empfindung hinweggeholfen ha den. Qj s o Berdro w. ritt Skanvaz im rnler ycater. Man schreibt aus Gent: Im hiesigen öniglichen Theater hat sich eine höchst ikandalöfe fecene aus der Bühne wäh rend der Borstellung abgespielt. Zum ersten Mal in dieser Saison wurden Die Perlenfischer- von Bizet gegeben und zwar als Benesiz-Borstellu'na für den Tenor Galaud. Tie zwei ersten. Atte waren ohne Zwljchcnfall vorüber gegangen. Da qinq der Vorhanq zum dritten Akt auf. Bekanntlich muß der Tenor, in diesem Akte, an einem Pfo:!en festgeknüpft stehen, während die Ehöre einen Todesqefana ausführen. Als der Borhang aufging, waren alle Darsteller an ihrem Platze, nur Nadir (der Tenor) fehlte an feinem Pfosten. Ruhiges Erstaunen des Publikums. .adir, sagte Jeder, hat wahrscheinlich einen Eintritt verpaßt: er wird schon erscheinen, und geduldig fügte sich ein eder dem Zufall. Indessen ging die Vorstellung wci cer. Nun hatte Nadir feine Arie zu fingen. Das Orchester spielte weiter. aber der Tenor war noch immer nicht erschienen. Tann kamen die Arien der 'eila, des Zurga, die Ermordung des letzteren; aber immer kein Nadir. Schon hatten sich einige .Rufe: Ter Tenor! Lcr Tenor!- hören lassend Jetzt sing ein oueniarm an. glichen. Pfeifen, olamische nnd französische Schimpswörter flogen durcheinander im Saale herum; dann hieß es: Galaud! Gakaud! Ter Regisseur! Weg mit ihm! u. s. w. Doch der Borhang siel. Da wurde das Geschrei noch heftiger. Endlich ging der Vorhang wieder auf und der Regisseue, im Frack und weißen Handichuhen, erschien auf - der Bühne: Meine Damen und Herren ?ß Ter dritte .'lkt soll wiederholt werden.- Tie Zuörer protestirten. verlangten den Teaor; plötzlich erscheint derselbe, aber wie ein Rasender rennt er über die Bühne. Bald folgen ihm zwei andere Solisten. Im Saale erhebt sich eine Stimme: '.Rettet euch! Feuer! Feuert In einem Nu drängt Alles nach den Thüren, während auf der Bühne der Regisseur oaZ Publikum anredet und durch die Versicherung beruhigt, daß durchaus kein Feuer ausgebrochen sei. Auf diese Versicherung hin drang das Publikum wieder in den Saal, und der Skandal fing von Neuem an. Jetzt verlangte man Entfchnldignngcn von der Tir'ek tion, von dem ausgeoliebeuen Künstler, von der Regie. Zweimal erschien der Regisseur, ohne zu Wort kommen zu können. Endlich trat der Tenor Galaud vor den Borbang und setzte aus einandee. er habe nicht 'spielen können, w.'il der Regisseur ihm nicht die Teiorationcn nach seinem Geschmack habe einrichten wollen! Begreiflicher Weise wurde die .plikation mit stürmischen Protesten empfangen. Was war oHcr weiter anzusaugen? Tie Vorstellung war aus; es hatte eben 12 Uhr.geschlagen und den Zuhörern blieb' weiter nichts übrig, als nach Hause zu gehen. Es ist kaum anzunehmen, daß nach diesem Zwischeniall Mr. Galaud vor dem Genter Publikum je 'wieder erscheinen wird. Indessen hat ihm seine BenefizVorstellung ein hübfcycS Sümmchen einaedrackl ' D ie feine Wirthschaft. Gast (zum Kellner): Haben Sie Bces. steak? Kellner: Bedaure, ist eben alle geworden! Gast: Oder lallen Ausjchnitt? . Kellner: Bedaure. ist auch eben alle geworden! Gast: Na, dann geben Sie mir Käse und Brud! Kellner: Ich muß bedauern, ist auch alle geworden! Gast (wüthend): Himmeldonnerwetter, rufen Sie den Wirt!)' Kellner: Thut mir sehr leid, ist auch alle geworden er ist aus's- Gerichi gegangen, . um seinen Eoncurs anzumcl-den!

nsere Frauen. Ebret die granrn!

Gema,hlin, Frau, Weib! Auf den ersten Blick erscheint es uns. als ob diese Dreitheilung eine ebenso überflüssige als willkürliche wäre, denn alle drei sind verhelrathete welbhche Wesen und sie sollen in unserer' Be trachtung auch durch keinerlei ausübende Erwerbsthätigkeit von einander ver schieden sein. Und doch finden wir, wenn wir jede einzelne von den dreien näher betrachten, daß sie weiter nichts, als ihr gleichartiges Geschlecht, und wenn sie Mütter ünd. etwa noch diese scheinbar auszeichnendfte aller Berufsarten verbindet. Ja. sogar noch als Mutter sind sie von einander fast ebenso verschieden wie in allem Ucbrigen, jn Bildung, Letj. "... ....v .r.nr x. iii x. oensanicyauungeil uno gcicmcyaimmci und pekuniärer Stellung, und aus diesen hervorgehend in ihrer äußern Erschcinung und ihrer Beschäftigung. Die Gemahlin lebt fast nur für die Außenwelt, für die Gesellschaft, dem Weibe ist diese ganze sogenannte Gesellschast ein Märchen, sie lebt ausschließlich ihrer Familie, ihrer Arbeit, während die Frau als bindendes Mittelglied zwischen beiden steht, sowohl in Gesellschast. als auch für ihre Familie lebt. .Indem wir alle drei einmal in ihrem täglichen Leben belauschen, wollen wir, wenn auch nur in skizzenhaften Umrissen, uns von jeder ein Bild zu entwerfen suchen. Die Gemahlin erwacht im luxuriösen Gemach, berührt die elektrische Klingel, die Kammerzofe erscheint, bereitet alsbald mit Beimi schung stärkender und wohlriechender Zuthaten das Bad, hält die duftige Morgentoilette bereit. Beim Früh stück, welches mit den Morgcnjourna lcn im lauschigen Boudoir prüsentirt wird, erkundigt sie sich nach dem Gemahl, der vor einigen Stunden bereits seinen Spazierritt unternommen, und nach dem lieben Töchterchcn, welches, von der Gouvernante geleitet, ' schon den Weg zur Schule angetreten. Die Wirthschafte?! tritt ein,' um ihre Be fehle für den Tagentgegenzunehmen. Weroe beim Lunch nicht anwesend sein, zum Abend einer Einladung zu Mr. E. V. folgen; der Kutscher soll das. Coupe in einer Stunde bereit halten!" Indessen hat das Kammermädchen die Glasbomle, eine parfümirte warme Seifenlöfung enthaltend, ge reicht, worin die rosigen 3!ägel sür die eben angemeldete Manieure" vorbereitet werden. Dieser Hand- folgt alsbald die Haar Künstlerin, dann vollendet die Dame unter Mithilfe der Zofe in erstaunlicher Raschheit ihre Toilette, besteigt den wartenden Wagen und erscheint zur festgesetzten Stunde im Atelier der Kleider-Künstlerin; nach ermüdender Anprobe und Besprechung sind noch einige dringende Einkäufe persönlich zu erledigen. Die Ausmahl zwischen den vorgelegten Artikeln erfolgt rasch und entfchleden, schon lm Weggehen bcgrlf fen, heißt es: "send and charge", die ser lockende Passepartout durch die größten feinsten Läden. Heimgekehrt, geht die Wandlung der Straßen- in die bereit gehaltene ele gante Vesuchstoilctte fast im Bühnentempo vor sich, inmitten dieses Scenen Wechsels regt sich in der Salondame die Mutter: Meine Lilly, habe sie heute noch nicht gesehen, lassen Sie rasch die Kleine rufen!- Das graziöse zarte blondlockige Persönchen macht seine ErI scheinung, küßt die Mutter förmlich auf beide Wangen; mchts Stürmisches, keine überzeugungsvolle Herzlichkeit kommt zum Durchbruch. Während Mama? Handschuhe zugeknöpft werden und die Armbänder übergestreist, löst sich die Zunge'der kleinen Evastochter: Mama, wie hübsch siehst Du aus! Weißt Du auch schon, Miß L. hat ste !" Ach. bitte Liebling, jetzt nicht erzählen, bin in furchtbarer Eile, muß fort, auf heute Abend!" Da gehst Du aber wieder zum Diner!- hallt es noch der Davoneilenden nach. Die feurigen Rappen ziehen an, das wärmste Muttergefühl wird erkalten in rastlosem Jagen, welches das Salonleben der Gemahlin des Mr. D. auferlegt. Der Lunch verläuft glänzend, sie bildet den Mittelpunkt der Gesellschaft, ist von den Schönen die Schönste, die Gewandteste in Form der Bewegung und Rede. Befriedigt verläßt sie den Kreis, um alsbald in der Versamm-' lung eines prominenten FraucnvereinS zu erscheinen; sie betheiligt sich an der Debatte, ihre Ansichten, welche Zeugniß ablegen sollen von echt weiblicher Gefühlsmärme, werden allgemein gebilligt. Noch ganz in ihren Gedanken vertieft, macht sie ibre obligate Spazierfahrt durch den Park; sowohl Natvrschönheit als die bekannten, meist gelangweilten Physiognomien der Equi-pagen-Jnfassen bemerkt sie kaum mehr, sie'sieht nur sich und sich allein. Jn ihren Räumen angelangt, wird dieser Kultus vor den Spiegeln fortgesetzt, desKopfeö edles Oval durch eine kunstvolle Haartracht zur vollen Elel tung gebracht, der wohlgepflegte Nacken, die formenschönen Arme umrahmt von der duftigen Farbenpracht der kostbaren Toilette,' die strahlend leuchtenden Augen gehoben durch das Fenster der funkelnden Edelsteine. Ihre ganze Erscheinung athmet Licht und Glanz, und doch begrüßt sie so kühl ihren Gatten, welcher gerade noch, rechtzeitig erscheint, um die strahlend schöne Gemahlin in den Wagen zu geleiten. Auch in diesem kurzen nahen Beisammensein hat sie noch keine Zeit, keine Ruhe für ihn; sie eilt im Geiste voraus in die schimmernden Festräume, wo sie die erwarteten gesellschaftlichen Auszeichnungen mit eben solch ausgesucht höflichen Redewendungen erwidern, ihre Rolle als geistreiche, liebenswürdige, geröandte bezaubernd? Gesellschaftsdame, als bewunderte Gemahlin des reichen Mr. D.. vollendet durchführen inufc.

DaS Weib

erwacht in schmucklosem Raum, aufge schreckt von dem schrillen Ton der Weckuhr, ihr Hausrock ist bald angelegt, schon steht sie am Ofen, schon knistert das Feuer, schon brodelts im Topf., Dann weckt sie aus tiefem, schweren Schlummer ihren Mann, der durch seiner kräftigen fleißigen Hände Arbeit die Familie erhält. Die größeren beiden Kinder huschen noch schlaftrunken in ihre Kleider, die Mutter achtet daraus, dan eZ möglichst sauber dabei zugeht. Bald freut sich Alles am warmen Frühmahl, das frische Butterbrod mundet namentlich den Kindern vortrefflich. Mit vorsorglicher Gewandheit rüstet das Weib nun den im Kessel mitzunehmenden kräftigen Lunch sür den Mann, und auch, was die Kinde? in ihren Büchsen mitbekommen. Sind nun die Großen alle aus dem Haufe fort, dann kommen erst die Kleinen und das Kleinste dran, dieses wird gebadet und genährt, die anderen gepflegt und gesäubert. Eines nach dem Andern, bis alle drei sein reinlich anzusehen den flinken Händen der Mutter entschlüpsen. Tann beginnt erst die Arbeit des Weibes, sie kehrt und stäubt und scheuert, oder wäscht und bügelt, sie kocht und bäckt, sie näht und flickt, ihre fleißigen Hände regen sich vom frühen Morgen bis zum späten Abend, dabei achtet sie doch stets noch auf die Kinder. Will sie mit diesen hinaus in's Freie, dann heißt es rasch die Kinder und sich zum Ausgehen bereit machen, denn sonst ist das Erste wieder schmutzig, bis sie mit dem Letzten fertig ist; ihre EquiPage ist der Baby-Wagen, welcher die beiden Jüngsten enthält. Mit einer Hand bewegt sie ihn vorwärts, mit der andern lenkt sie an bedenklichen Straßenübergangen noch das dritte Kind, und wird dieses allzu müde, dann trägt sie es gar noch eine Strecke weit auf dem Arm.' Täglich können wir solche Züge von rührendster, selbstvergessener Ueberbür dung des braven Weibes beobachten! Auf' dem Heimwege werden gleich die Einkäufe für das Abendessen besorgt, und das Geld hierfür genau auf den Ladentisch hingezählt; mit Kindern und Paketen beladen kehrt sie heim, das Baby will aber gerade nicht mehr ruhig bleiben; da wird mit einem Arm immer wacker darauf losgekocht, auf dem an dern das Baby gehalten. Kommt der Mann heim und auch die Kinder von der Arbeit, dann gibt es einen aufrichtigen treuen Gruß, der Mann nimmt das Baby, bis Alles zum Effen bereit. Alle setzen sich um den einfachen rein lichen Tisch, die Mutter sorgt für All flink und umstchtig, wann sie selbst ißt, das weiß man kaum. Für den Mann ist nach dem Essen die Tagesarbeit meistens abgeschlossen. er kann ruhig rauchend seine Zeitung lesen: des Weibes harren noch unzäh lige Verrichtungen, das Kleinste muß noch gefüttert und, zur Ruhe gebracht, auch die anderen Kinder in's Bett ge schickt, der Tisch und das Geschirr wieder gereinigt, vielleicht auch noch ein nöthiges Kleidungsstück ausgebessert werden. Sie kennt keinen Feierabend, keinen Sonntag, ihre Kräfte sind schier endlos, sie scheint taufend Hände zu haben und dazu ein braves, wackeres Herz. Sie führt nicht immer höflich wohlgesetzte Reden, aber deren Sinn ist treu und bieder. Ihre Kinder erzieht sie zu Fleiß und zur Gottesfurcht und dient ihnen selbst als leuchtendes Vor bild. Die Frau erhebt sich des Morgens in wohnlich de baglichcm Raum, begibt sich in saube ren, einfachen Morgenanzug zuerst nach der Kinderstube. Je nach den Erfordere nissen des Alters wird mit Hand ange legt bei der Toilette der Kleinen. Die Mutter beobachtet mit verständig prü fendem Blick die Haltung des Körpers, die Beschaffenheit der Haut und der Haare, die Zähne, das Wachsthum der Nägel. Nichts entgeht ihr, sie bemerkt nicht nur jeden fehlenden Schuhknopf, son dern sieht mit klarem Auge auch die Fältchen und Haken im Gemüth des Kindes. Hier wird zur Nachgiebigkeit und Hilfsbereitschaft, dort zur Ruhe, hier zur Schnelligkeit, überall zur Em tracht und Liebe ermahnt. Mit frischen Geflchtchen und hellen Stimmen verel niqt sich. Alles zum Frühstück, der Va ter erhält zärtliche Grüße und Küsse von der klemen Schaar. Die Frau sorgt dafür, daß beim Frühstück jeder das Seine bekommt und anch verzehrt. daß alle rechtzeitig aufbrechen, daß die reinlich gefüllten Lunchkörbchen Alles enthalten, was für vernünftige Ernäh runq nöthig ist, daß die Kinder gegen Wind und Regen oder Sonne geschützt und. Voll Lust und Eifer entzendet sie die werdenden Menschen nach den ver schiedcnen Bildungsstätten, sie' bringen einen frischen wohlgepflegten Körper, den von der Mutter geweckten frohen Sinn, ein empfängliches Gemüth und offenes Auge für alles Gute und Schöne Mlt. .' . Sind der Mann und die Kinder nun alle fort, dann wendet sich die Frau den häuslichen Geschäften zu; sie er theilt dem Dienstmädchen kurzen und bündigen Bescheid, ihre Arbeit va nünftiq nach der vorhandenen Zeit ein theilend. Denn Abends wird Besuch i zum Essen erwartet; alsbald macht die Frau die nöthigen Einkäufe, we:se erwägend und berechnend, daß Alles schön und aut und doch nicht zu theuer werde. Heimgekehrt, begibt sie sich in die Küche, um das Deffert für den Abend zu machen, für die Zwischen zeit alles vorzubereiten, die Getränke kalt zu stellen. Dann inspicirt sie die ganze Wohnung, mit gewandtem Blick und flmker Hand das fehlende oemer kend. Hier sehlt ein frisches Teckchen, .dort ein ordnender Faltenwurf, da " sind zudringliche Stäubchen zu entfer'nen, eine hübschere Stellung der Vase mit einigen frifchen Blüthen zu geben; sie sieht nach-lhren Pflanzen, nach dem

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Vogel, auch nach ihrer Toilette für den Abend. Zum Lunch kehren nun die jüaeren Kinder aus der Schule heim; mit brciter Wichtigkeit berichten sie ihrer theil nehmenden lieben Mama Alles, was sich Bedeutendes zugetragen; sie freut sich im Stillen über das wachsende Selbstbewußtsein, die Selbständigkeit und im Ehrgeiz der Kleinen. Während diese sich gemeinsam am Spiel erfreuen, hat auch die rau Zelt, die deutschen und englischen Taqesblätter zu lesen; sie verfolgt alle Vorgänge auf dem Be rufsgebiet ihres Mannes, auch in der Politik, der Wissenschaft, der Erzie hunq. Haben fich später auch die an deren Kinder eingesunken, so treten sie. reinlich gekleidet, mit der Mutter den alltäglichen SpJuerqanq an. macht die jungen Wesen aus die chön hett der Natur, auf die technischen Fortschritte im Verkehr aufmerksam; was ihnen begegnet, wird besprochen und erklärt, die Kinder können endlos fragen, fast ebenso endlos ist die Geduld der Mutter. Nun geht es aber rasch nach Hause, die Frau will selbst noch den Tisch decken, sie thut es mit Accuratesse und Schönheitssinn, indessen sollen die Kinder ihre Schularbeiten erledigen. Dabei muß die Mutter diesem bei einer Sprachaufgabe, jenem bei einer Rechnung Rath ertheilen; auch das Ueben am Klavier überwacht sie, heute allerdings nur aus der Entfernung, da war ein' falscher Ton und das Tempo zu ungleich, im Vorübergehen erblickt sie unrichtige Handhaltung. Ueberall ist ihr aufmerksames Auge und Ohr. sie sieht Alles, hört Alles; nachdem sie in der Küche noch die Speisen geprüft und angeordnet, hat sie auch ihre und der Kinder äußere Erscheinung der Gäste würdig gemacht, welche soeben gleichzeitig mit dem Vater von Frau und Kin dern fröhlich begrüßt eintreten. Bei Tische verläuft Alles glatt, das Essen ist schmackhaft, die Bedienung einfach und nett, die Kinder artig, während die Hausfrau aufmerksam ihren Pflichten obliegt, kann sie sich doch noch lebhaft an dem Gespräch beteiligen, durch eine passende Bemerkung ihr Verständniß bekunden. Sind nachher die Kleinsten zu Bette gebracht, dann mag die Frau sich im Verein mit den Herren am Besuch eines Theaters erfreuen, und so nach treuer Pflichterfüllung Erholung und gesstige Anregung finden. David Strauß, vielleicht geleitet von ähnlichen Beobachtungen, faßt seine philosophische Kritik, bei welcher meiner Ansicht nach die Frau allzuscharf beurtheilt ist, in folgenden prägnanten Kraftsätzen zusammen: ' Wenn man aus Liebe heirathet, wird man Mann und Weid, wenn man aus Bequemlichkeit heirathet, Herr und Fran und wer aus Verhältnissen tzeirathet, G:mahl und Gemahlin. Man hat sür sich allein ein Weib, für seine Hausfreunde eine Frau und für die Welt eine Gemahlin. Die Wirthschaft besorgt das Weib, das Haus die Frau, den Ton die Gemahlin. Den kranken Mann pflegt das Weib, ihn besucht die Frau und nach seinem Besinden erkundigt sich die Gemahlin. Man geht spazieren mit seinem Weibe, fährt aus mit seiner Frau und macht Partien mit seiner Gemahlin. Unsern Kummer theilt das Weib, unser Geld die Frau und unsere Schulden die Gemahlin. Sind wir todt, so beweint uns unser Weib, beklagt uns unsere Frau und geht in Trauer unsere Gemahlin. AuS allen Himmeln gefallen. Junger Ehemann aus Boston, im Schatten der Sphinx und der Pyrami den-zu seiner jungen Gattin, welche träumerisch vor sich hinstarrt: Woran, theures Weib, magst du wohl jetzt den ken? Vielleicht wie der große Napoleon an die Jahrtausende, die von der Spitze dieser Bauwerke auf uns her niederschauen? Oder an jene alterZgrauen Zeiten, als das auserwählte Volk dort unten fern im Nilthale seine Lämmer weidete? Junge Frau (vertraulich): John, das ist mir alles zu gelehrt; aber ich habe wohl daran gedacht, ob eine tüchtige Schüssel mit Bohnen und Speck uns Beiden hier nicht ausgezeichnet chmecken würde? Neckt berukiaend. Angeschener Bürger (kommt athem los in eine Kneipe in Oklahoma herein gestürzt): Tanner, dein Knirps von Jungen hat sich eben vonseinem Onkek die Schrotflinte geben lassen und damit den Prediger Harps in's linke Beiit geschossen!' , Wirth Tanner (stolz zu einem soeben angekommenen Fremden): Denken Sie. nur, Fremder; der Junge ist noch nicht, ganz 5 Jahre alt, und schießt schon wie ein Alter!