Indiana Tribüne, Volume 16, Number 158, Indianapolis, Marion County, 26 February 1893 — Page 3

Inge.

iomn ren Agnes Harde?. (4. Fortsetzung.) Jngeborg versprach, mit ihrem Be gleite? an dem GartenauZgang zuwarlen, und Hellmuth wandte sich nachdem Epeisesaal, um auf kürzestem Wege in das Lesezimmer zu gelangen. Da trat aus der Thür des EaaleZ -eine Gestalt, deren Anblick ihm alleZ Vlut zum Herzen zurücktrieb und seinen FuK an den Boden fesselte. Tie da langsam die Stufen hinunter schritt, den weiten Mantel von grauem Sammt, mit Silberfuchs verbrämt, nur lose umgehängt, daß er nur eine Folie bildete für die vollendete Frauengestalt in einem hellen, kostbaren Stoff kleide das war die Cora seiner Träume, die Cora, die an seinem Her zen gezittert und gebebt unter der Gluth seiner Küsse einen kurzen Sommer nachtstraum hindurch. Sie rvar's und doch nicht, denn die verheißungsvolle Knospe hatte sich jetzt entfaltet zur vollen Pracht weiblicher Blüth'. Während er noch tiefer in den Schatten zurücktrat, sah er im blendenden Gaslicht die schönen Züge, sah das übermuthi.e, neckische Blien der dunsein Äugen, als ihr einer ihrer Begleiter etwas zuflüsterte, und hörte das silberne Lachen, wie sie sich nun zu ihrem Manne wandte. Nun. fragte Otten, als sie sich an der verabredeten Stelle trafen, doch keine Wolken am politischen Horizont, iie u:ls womöglich zwingen, morgen zu .rüsten? ' ' Nichts dergleichen, mein Freund. Jngeborg wandte sich überrascht um. Die Stimme ihres Schwagers klang so Hart und gezwungen. Aber in der Dunkelheit tonnte sie seine Züge nicht erkennen und der Arm, in den sie ihre Hand legte, bot ihr die gewohnte sichere Stüke. Zu Hause angelangt, wünschte Hellrnuth Inge eine gute Nacht und stieg leise, um die Mütter nicht zu stören, in sein, eine Treppe höher gelegenes Limmer. Jngeborg, deren Zimmer unter dem seinigen jca,, hörte während der nächsten chalben stunde das energische Aus und Ab seiner Tritte. Was mochte ihm begegnet sein, daß er nach dem weiten Wege nicht die Ruhe suchte, sondern in dem kleinen Zimmer umherging, wo ihn drei Schritte an's Ende brachten? Eine ncrvöse Unruhe bemächtigte sich ihrer, schon wollte sie ein Kleid überwerfen und hinaufgehen, da hörie sie ihn die Treppe Herabkommen, die Hausthür offnen und sich entfernen. Hellmuth stürmte die Promenade hinab. Es war kaum elf Uhr, noch funkelte das lichtergeschmückte Kurhaus. Slmi entschlossen bog er in den dunklen Park.' Oben in dem engen Raum hatte ihn das Gefühl der geraubten Freiheit, der Ohnmacht überkommen, wie es das Raubthier empfinden mag hinter den (Littern des Käsigs, der ihm die Wüste sehen soll. Hier konnte er doch we nigstens wieder athmen. Er ließ den Äachiwind um seine Stirn streichen und -blieb stehen. Tie schmale Mondsichel spiegelte sich grade vor ihm im Weiher. Wie ein Schchchen schwamm sie aus den Wellen, ein hoffnungsvolles Schiffchen des Glücks und der Liebe. Ein bitteres Auflachen des Manne? lies die Schwäne am Ufer erschrecktauffahren. Sie zocken die Köpfe unter den Flügeln vor und einer stieß vom Ufer ab und glitt geräuschlos wie ein silberner Schatten' grade über das schwankende Mondbild hin. : Ein Thor, wer fern Leben so wankcl müthigem Spielzeug anvertraut! Freilich, jetzt wird es wachsen und zuneh. men, bis es sich eines Nachts hier spiegelt im strahlenden Glänze volllommene? Rundung, um dann kleiner und blasse? zu werden und zu derschwinden in hoffnungsloser Nacht mit seinem geborgien, erlogenen Licht, das uns doch glauben machen will, es sei echt, wärmend und ledespcndend wie die c:uic,e Sonne selber. Schwör' nicht beim Mond, dem ewig wandelbaren! Nein, schwört bei ihm, all' ihr leichtfertigen Frauen und Mädchen! Ruft die Unbeständigkeit der Gestirne an zur Rechtfertigung des eigenen Wanke! rnuths. Heyden eilte weiter, durch die dunkel Yen Wege, vorbei an der Büste Holder lins, denen von Leidensfurchen durchgrabene Züge im tiefsten Tannenschat ten stehen, bis er endlich müde und erschvpst auf eine Bank fiel. Und wie nun das stürmische Blut langsamer zu fließen begann, kam auch Klarheit in das Chaos hinter der Stirn. Was vorhin seine Seele durchtobt Ijatte, war ein Nachhall der Empsin düngen, die an jenem Frühlingsmor.gen des vergangenen Jahres sich feine? bemächtigt hatten. Müde, bestaubt und erhikt war er us dem Dienst gesommert, abe? als er die Treppe zu leiner Wohnung erstieg, hatte er doch nichts gespürt, als ein un endliches Glücksgefühl, denn in einer Stunde wollte er ja feierlich um die Hand seiner Cora bitten, sich sein Glück sichern für immer. ES gibt Augenblicke in unserem Leben, wo sich die üußern Nebenumftände unvergeßlich unserm Geiste einprägen. So wird er immer sein nüchternes. einfaches Garnisonzimmer vor sich sehen, wie damals, als er die Thur oft riete. Tie Wand, .an der die sonst in Lleutenantszimmern üblichen Pferde und Hundebilder durch einen aroseri Stich des eisernen Kanzlers und die Photographieen seiner Eltern ersetzt waren, gegenüber das WanenArranoe ment von Beilen und Bogen fremder Völker, die ihm sein Bruder einmal mitgebracht, und aus dem grünen

Tuch des Tisch.'s, der ihm zum Schreiden und Arbeiten diente, zwei Briefe. Die Gardine deZ offenen Fensters hatte sich in der durch sein Eintreten cntstan denen Zugluft gebläht und flatterte nun in der Luft. Mit der ihm eigenen pedantischen Sorgfalt befestigte er sie erst, ehe er nach den.Briefen griff. Ter eine war von großem Format, dazu, wie er sofort sah. von der Hand des Oberstlieutenants adressirt, eine Einladung oder dienstliche Meldung der tonnte warten. Dagegen hier das zierliche, cremefarbene Billetchen mit dem strengen Jasminduft und den cle ganten flüchtigen Schriftzügen, die er erst innig zu küssen Pflegte, ehe er öffnete auch pedantisch forgsültig, denn ein aufgerissenes Eouvert kam ihm vor wie ein schmutziger Teller, von dem man eine Lieblingsspeise essen sollte ein sonniges Lächeln ging über seine Züge; was wollte sein Liebling? Wa ren c nur ein paar warme Worte, ein herzliches Glückauf zu dem bedeutungs reichen Tage? Fassungslos sah er auf das Schrei den. Tie Worte waren so kurz und klar, und doch schien es ihm, als starre er auf die sremden Zeichen einer Papy. rusrolle. Geliebter! Vergib mir, wenn ich Dir Schmerz bereite, aber es geschieht zu Deinem, wie zu meinem Besten. Trot meiner leidenschaftlichen Liebe zu Dir, wäre ich an Deiner Seite nicht glücklich geworden, -dinn ich bin ein Weltkind, ein Schillervogel, dem Deine Klause immer ein Gefängniß gewefen wäre und Du ein Kerkermeister. Darum habe ich mich gestern mit Herrn Borger verlobt. Als wir uns am Nachmittag sahen, fand ich nicht den Muth, es Dir zu gestehen und Abschied von Dir zu nehmen. Die Ber hältnisse kommen uns zu Hilfe. Du bist versekst, wenn Du zurückkehrst, bin 'ich verheirathet. Lebe wohl, und, wenn Du kannst, so vergib mir. Ich war Deiner großen reinen Liebe nicht werth, aber die Er innerung an sie wird nie ersterben in dem Herzen Deiner Eora." Mit zitternden Fingern griff er nach dem großen Couvert. Es war die förmliche Anzeige der Verlobung Coras von Waldau mit Herrn Baron Berger, Berlin. Auf die Stunden, welche nun folg ten, konnte er sich nicht besinnen. Sein Bursche kam anfragen, ob der Herr Lieutenant nicht zu Tisch iu's Casino gehe. Beim Anblick seines Herrn wollte er, erschreckt, zum Stabsarzt gehen. Hellmuth wies ihn ab, befahl ihm, zu packen und machte seine Meldung schriftlich. ' - Als er des Abend? im Zuge saß um dem Geleit der Kameraden zu entgehen, hatte er seinen Plan geändert und benutzte den Nachtkurier schaukelte ihn die gleichmäßig rollende Bewe gung in einen fieberhasten Schlaf voll wilder Phantasicen. Er stand mit sei ncm Bruder auf schwankem Schiff in heulendem Sturm. ' Tie tosenden Wo gen jagten sie einem jelsigen User zu und sie wußten es beide, dort erwartete sie der Tod. Durch das Grün der Bäume in dem dunketn Eyprenenwald schimmerten zwei weiße Gestalten. Wenn eine schäumende Woge das Schiff hob. erkannte er deutlich Inge und Eora. Jnaeborq stand auf einem überhängen

den Zellen, in weißem Brautkleid, mit wehendem Schleier und ausgebreiteten Armen, den Geliebten auch noch in gemeinsamen Tode zu empfangen: Cora zerpflückte einen Strauß gluihrother Rosen und streute die Blätter m die Brandung, und als er sie rief mit dem Herzensschrei der Sehnsucht, da flatterte sie aus ein paar großen schillernden Flügeln dem sichern Innern zu und durch die todenden Waner horte er das glockenreine, herzbethörende, leichtsinnige Lachen. ' ' O, dieses Lachen! Wie oft hatte daZ rhn in den ersten Wochen aufgeschreckt aus dem bleiernen Schlaf der Erschö pfung, wenn sich das tagsüber derbannte Bild auf leichten Sohlen in eine Träume geschlichen, die mühsam erzmungcne Ruhe von Neuem zu ge sührden! Dann hatte am Morgen wieder der Kampf begonnen, in dem die Verachtung mit Geißelhieben auf die Liebe peitschte, bis die zarte Gestalt zuckend am Boden lag. Und als sie endlich todt war, die Märchenaugen geschlossen für immer, als das Traumcsdunkcl stiller Seligkeit dem nüchternen hellen Verstandslicht wich da schien ihm seine Seele ein Trümmerfeld, besät mit den trau rigen Torsos seiner Ideale, da lagen Wahrheit, Treue. Recht. Zucht und Sitte zerbrochen am Boden und selbst das hohe Kreuz des Glaubens schien zu wanken. Nach Monaten .erschien das blosse Geucht einer neen Morgenröthe, mühsam erkannte er - in dem matten Schimmer den alten Wahrspruch semeZ Geschlechtes: per aspera ad astral Aber das Lieht fmieiuihm von nun an aufbewahrt für den neuen Morgen der Seele, sein Weg hier unten lag vor ihm in der kalten Dämmerung der Pflichterfüllung und Rezignatlon. Er stand auf und suchte sich in dem Dunkel aus den rechten Psad zu finden. Nein, nicht Liebesleidenschaft hatte, ihn heute durchtobt. Das war vorbei, wie er wähnte, für immer. Aber es galt. q zu wappnen tur- emen neuen Kampf; denn eines stand fest er wollte nicht fliehen wie ein Feigling, nicht einen Fug breit wollte er welchen. Mochte die vielbewunderte Baronin Berger die Augen niederschlagen, wenn sie ihm morgen gegenübertrat, er wollte sie kühn und frei zu ihr erheben, denn er hatte gesiegt. Noch vor einer Stunde hatte er geruncen mit dem Dämon der Rache. Er wußte eö, wenn er wollte, war Cora jetzt in seine Hand gegeben, denn er hatte ja den Schlüssel zu diesem Räthselwesen, sah wie durch GlaZ in die Seele dieses leidenschaftlichen Ge schöpfeS. das die kurze, innerlich leere

Ehe sittlich nicht gereift haben konnte. Wenn er wollte, so warf sie sich in wenigen Tagen freiwillig wieder in feine Arme wie einst unter dem Jasminstraucb und dann konnte er sie seine Lcrachtun i füülen leisten. Aber er wollte nicht! Geradeaus ging seine Bahn cr folgte einem verlocken den Irrlicht. Durch die kürze Sommernacht brach schon schattenhastes Dämmern, als die wachsame Inge die Treppenstufen leise knarren hörte. Gleich daraus schloß sich oben eine Thür und dann wurde alles still. Mit einem Seufzer der Erleichterung und einem Gebet im Herzen schloß sie die Augen. IV. So kam's, dar, am nächsten Morgen Eora mit einem leisen Schrei des Schreckens ihr kunstvoll geschliffenes

Glas auf die Steinplatten des Elltabethbrunnens fallen ließ, als plötzlich Heyden vor ihr stand. Jngeborg, die oben an der. Ballustrade lehnte,' sah, wie die schöne Frau nach dem ersten Augenblick der Bestürzung ihm beide Hände entgegenstreckte, die er mit ruhi ger vösllchkelt an die Lippen führte. Wenige Augenblicke später stand die Baronin neben ihr, begrünte Frau von Heyden mit so kindlicher Ehrfurcht, Inge mit so offenbarer Freude, daß von einem Ausweichen oder Zurückweisen dieser Liebenswürdigkeit gar Nicht jbte Rede iein konnte. Heyden selbst schien das auch gar nicht zu wünschen, wenigsten? plauderte er völlig unbeiangen mit dem Baron Berger und einem sranzosi!chen Marquis, der in dessen Begleitung war. während Lieutenant Otten nch sofort zu den Damen gesellte. Er sand aber bei seinem frühern Ideal diesmal nicht die gewohnte Aufmerksamkeit. Eora war zerstreut; zum ersten Male achtete sie nicht auf die bewundernden Blicke, die ihrer auffallenden Erschei nunq folgten, sondern sah zu Heyden hin. der ihren Manrl und den Marquis kopshoch überragte, und als letzterer, ihr Schatten, seit sie sich vorgestern in. Wiesbaden getroffen, jetzt die beiden allein voraehen lieh, um durch einige geschickte Manöver an ihre Seite zu aelangen, wurde er auch höchst ungnädig empfangen. Als man sich den Eolonnaden wieder näherte und sich Heqdens verabschieden wollten, schloß sich die Baronin ihnen an. Ich muß erst meinen Verlust ersetzen. memte sie lachend; vorhin, als Sie vor mir standen, gleich Banquos Geist, verlor ich so die Eontenance, daß ich mein Glas zerbrach. Man könnte säst glauben, Frau Baronin hatten ein schlechtes Gewissen, scherzte Otten. Einen Augenblick später stieg em leuchtendes Roth bis unter ihre lichten ü-tlrnlöckchen. aber auch nur einen Augenblick, dann beugte sich sich abIchlconehmend zu Frau von Heyden und bat so inständig, sich ihreranzunehmen. sie ein wenig zu chaperonniren, denn ihr Mann habe ost in Franksurt zu thun, daß die herzensgute alte Dame gern einwilligt?. liora versprach noch, heute vor dem Diner ein Stündchen anzusprechen, dann löste sich die Gruppe, Heyden tchob den alten Ludwig bei Seite und lenkte den Fahrstuhl in einen einsamen Weg, der Promenade zu. Kaum zwei Stunden später saß Eora wirklich, mit berechneter Einfachheit gekleidet, aus dem Rosenaltan und plauderte so heiter und unermüdlich, daß die alte Dame oft in ihr ansteckendes Lachen einstimmte. Sie war ganz fröhliches, unbefangenes Kind, und wie einem solchen konnte man auch ihr nicht ürnen, wenn tic nch mitunter einen Schkitt über die gebotenen Grenzen hinauswagte, auch ernste Dinge mit ihrem leichtfertigen Spott überschüi nie. Auf Hellmuths Fraqe. was sie denn hierher geführt bade, lehnte sie sich , in den Stuhl zurück, fodaß die kleinen Füge in den gelben Lederlchühchen un ter dem Saum hervorsahen, schlug die strahlenden Augen mit gemachter Me lancholie zum Himmel aus und sagte feierlich: Ich soll mich erholen. Alle lachten. Da richtete sie sich schnell auf und sagte eifrig: Ja gewiß. Denken Sie denn, es ist nicht furchtbar anstrengend, die ganze Saison hindurd jede Nacht um zwei nach Hause zu kommen, von Diner zu Souper zu eilen und dazwischen zur Erholung Wohithätigkeitsvorstellungen zu leiten, Tbeater zu spielen, keine Pre miere zu versäumen und Reitstunden im Tattersall zu nehmen? Hieltest Du' das aus, Inge? Ich würd.' es gar nicht probiren, entgegnete diese ruhig. Du kommst in der Klause wohl auch nicht in Versuchung. Die Antwort war ihr entschlüpft, ge aen ihren Willen. Aber sie ärgerte sich fchon die ganze Zeit hindurch über die kühle Gelassenheit, mit der Inge ihr gegenüber an Hellmuths Seite saß, selbstverständlich, als müßte das so sein. Sie war noch immer die alte Cora. jedem Impulse nachgebend, ohne jede Selbstbeherrschung. Inge hatte ihre ernsten Augen fest auf die Sprecherin gerichtet, als sie er widerte: Also nur auf den Mangel an Ver suchung kommt es deiner Meinung nach an? Wenigstens bei uns gewöhnlichen Menschenkindern. Heilige machen na. türlich eine Ausnahme. Ich habe nie die Absicht gehabt, mir eine Aureole zu verdienen. Jetzt lachte sie schon wieder und schüttelte so übermüthig den schönen Kopf, daß sich die Lichtfunken in dem goldenen Haar fingen, als wollten sie sie mit dem verickmäkten fteiliatnickifin mit mm i , w i 1 7 " " y Trotz umgeben. ! Frau von Heyden hatte bei Inges

Worten erstaunt aufgehorcht. Es hatte 'ast etwas Feindseliges in ihnen gele zen, etwas, das ihrcr sanften Tochter sonst so fremd war. Als Cora gegangen, fragte dieselbe )aher: Dir scheint diese Frau von Berger sohl kein angenehmer Zuwachs zu 'ein? Rein, Mama, ich liebe sie nicht. Wir ind ja aber nur noch wenige Tage zier, und ich denke, auch Hellmuth wird zichts dagegen haben, wmn wir unsern Aufenthalt möglichst abkürzen. Sie sah ermunternd zu ihrem Schwager hinüber; aber dieser streifte ruhig )ie Asche von feiner Cigarre und sagte )ann: Warum? dazu liegt doch keine Nothvendigkeit vor. Ich habe noch eine !boche Urlaub, also könnt ihr euer Lrunnentrinken immerhin noch sünf !cge fortseien, ehe ich euch heimgeleite. Es wa? so ein ziemlich großer Kreis zeworden, in dem man sich täglich beregte. OttenS, Berger und der Marzuis genossen, was ihnen die schöne Umgebung bot, und ganz konnte sich .nge der lärmenden Gesellschaft doch .licht entziehen, obgleich sie es am lieb iten gethan hätte. ' - Das Herz that Inge weh, wenn sie

30 dieser schönen gesallsüchtigen Frau zuf Hellmuth sah.' Offenbar war er für Cora der Hauptanziehungspunkt, alle ihre kleinen Manöver galten ihm zllein, Otten und der Marquis wurden ziemlich nebensächlich behandelt. Freilich konnte sie nicht wissen, wie er darüd:r dachte. Hellmuths Gedanken las man ihm nicht von der Stirn ab, scheinbar kam er der liebreizenden Besucherin auch nicht einen Schritt ent gzgen, wie das wahre Gesicht hinter diese? steinernen höflichen Maske aussah. ahnte Inge Nicht. Ihr Herz litt unbelchreibllch um ihn. Sie beide hatten von Anfang an eine tiefe Sympathie verknüpft, er war ihr Halt und Stütze gewesen in dem schiff bruch ihres Glücks, sie hatte sich in den Jahren ihres geschwisterlichen Verkehrs daran gewohnt, in ihm das Urbild des deutschen Edelmannes zu sehen, d. h. das Bild eines edlen Mannes, der nicht nur oberflächlich den Gesetzen der Sitte und Ehre folgt, sondern aus dem lnne ren Dränge der Seele gut und wahr handeln mun, weil das -Recht semer Ratur das einzig mögliche scheint. Und nun kam dlezer Schmetterling mit seinen farbenglänzenden Flügeln und versuchte, Honig zu saugen aus dem Mark der Eiche; wagte es diese leichtsinnige Frau, mit ihren kinderkleinen Händen zu rütteln an den Grundsesten der Ehre und des Gewissens! Eine tiese Bitterkeit stieg in Inge auf, fast haßte sie dieses blonde, lachende Geschöpf, in dessen Augen so deutlich das Verlangen geschrieben stand, und ein ehrlicher Zorn gegen Hellmuth erfüllte sie, daß er diesem Spiel nicht ein Ende machte. Dabei war sie nach wie vor auf die Gesellschaft Lieutenant Ottens angemiesen. Ottens sagte sich. dlß auf die Dauer das stille matte Leuchten der echten Perle dem Funkensprühen des Diamants vor zuziehen sei, und eines Abends, als man von einem gemeinsamen Spaziergang heimkehrte und er eine Weile schweigend neben Heyden einhergegangen war, sagte er plötzlich: Ein offenes Wort, alter Junge, wie stehst du mit deiner Schwägerin? Hellmuth nahm die Cigarre aus dem Munde und sah den Sprechenden verständnißlos an. Mit Inge? Aber vorzüglich. , , Das meine ich nicht. Hast du nie die Absicht gehabt, um sie zu werben? Um meines BruderS Frau? Nein, niemals. Es klang sehr ehrlich und war Wahr heit. Dieser Gedanke war Hellmuth nie gekommen. Es lag doch so nahe, murmelte Otten. Der andere schwieg. Wie sollte er sagen, was ihn daran gehindert, diesen naheliegenden- Gedanken zu ergrei sen? Sie ginge eine Weile schweigend weiter, dann faßte Otten einen Ent schluß und sagte: Du hättest also nichts dagegen, wenn ich in eller Form um Frau von Heyden anhielte. - ES schoß Hellmuth blitzschnell der Gedanke durch den Kopf, daß die Klause ohne Inge sehr einsam sein werde. Ueber daZ lichte Bild der Heimath, das er im Herzen trug, siel in Gedanken ein tiefer Schatten. Aber das 'war selbst süchtig, und so sagte er: Wie könnte ich? Inge ist ja auch mcht vo'.l mir abhängig, sondern voll ständig frei. Bist du deiner Sache übrigens so ncher? Ölten seufzte tief auf. Deine Schwägerin ist daZ seltsamste Geschöpf, das ich kenne. Mem Wer den kann ihr doch nicht entgangen fein, aber ich müßte lügen, wollte ich saqen, daß sie mich auch nur mit einem Blick ermuthigt hat. Sie entspricht elgent lich auch nicht dem Ideal, das ich mir von meiner zukünftigen Frau entwor sen, aber dennoch Nun? fragte Hellmuth, fast be lustigt durch des Freundes kläglichen Ton. Dennoch kann ich mir nichts lieberes denken, als diesen klaren Kopf, das treue Herz neben mix zu haben für im mer, brach dieser jetzt fast begeistert auS. Ich kann dir das nicht so erklären, aber seitdem die Baronin Berger hier ,st, mein alter Schwärm, wie du weißt. sind mi auf emmal die Augen aufge aänaen. Wir Männer sind doch wie Kinder immer nach den glitzernden Spielzeugen strecken wir die Hände auS, und wenn wir S haben, dann steh plötzlich die treibende Mechanik still und auS dem Wunderwerk wird unnüHer Tand. Du hast recht,- sagte Hellmuth leise. Aber wir sind selbst schuld, wenn wir uns täuschen lassen und müssen dann

:ie Folgen tragen. Und nun. Glück

zuf, Hüit. Mit warmem Händedruck tttnn!cn . !iy vewe. Inge verlieren! Der Gedanke ver ieß ihn heute nicht mehr. Wie die Nutter sie vermissen würde, deren rechte Hand sie war! Und die Leute im Dorf, 2ll' die Kranken und Armen," für die re ,mmcr Zeit, Liebe und Hüte hatte! Über das war ja undenkbar. Sie vürde nein sagen, gewiß. Sie und der eichtsinnlge Uten daZ war emsach ächerlich! Warum war ihm eigentlich nie der Gedanke gekommen, sie zu heirathen? Er lag doch so nahe, wie der Freund gesagt hatte. Freilich, er hatte schwer an seiner Enttäuschung gelitten und hre Trauer hatte tie ihm unnahbar ge macht. Und dann liebte er sie wie eine Schwester, wie eine Freundin. Solch warme, herzliche Zuneigung sei nicht stark genug, ium zwei Herzen ur diezes Leben zu verbinden, hatte er gemeint, die müssen zusammengelöthet werden in der Gluth einer großen Leidenschast. Nun, seme Leidenschaft hatte er hiner sich! Wenn er heute Cora ansah und an die Zeit dachte, da ihr Anblick sein Blut in Wallung ' gebracht, ihre Schmeicheleien seine 'Älnne berauschten, dann erröthete er vor Scham. Wie raurlg, daß em icder Mann auf ,erne Zeit seines Lebens zurücksehen muß, in der die Materie semen Geist beherrscht, und doch konnte er zu seiner Entschuldiquna saqen, daß er Cora nicht nur begehrt, sondern geliebt hatte, mit der echten einzigen Liebe teines Herzens. Daß aber auch eme solche Liebe ster den kann, wenn der kalte Hauch der Verachtung über die Flammen der Lei' denschast fährt er hatte eS in diesen Tagen zur Genüge erfahren, kein MuSkel seines Herzens zuckte bei dem koket ten Spiel, das sie mit ihm trieb; er beobachtete sie, wie die kleine Forelle das Hüpfen und Tanzen der Libelle, an deren todtem Körper sie wohl die verhängnißvolle Angelschnur sieht. V. Baron von Berger und seine Frau nahmen nach der Nuckkehr von der Brunnenpromcnade ihr Frühstück em. Der Sonnenschein siel m breiten Fluthen durch die hohen Fenster des eleganten Windsor Hotel, das sie bewohnten. Aber die Gesichter der Gatten sahen verstimmt und mlnmuthig aus. Du bist doch erst vorgestern m Frank' surt gewesen, rief Eora schmollend, ich mag mich nicht immer allein hier lang' wetten! Seh? gütig, wenn Du es vorziehst. dich zusammen mit mir zu langweilen. Die Worte waren getränkt m spöttischer Höflichkeit. Uebrigens, du hast ia deinen passe temps, meine Theure, neue sowohl. wie alte, den Marquis oder die en steis leinenen Heyden die schöne Cora sorgt selbst für ihre Unterhaltung. Die lunge Frau klopfte vor Zorn mit dem Fu auf den Teppich. Das schöne Gesicht war ganz dunkel geworden. Ich glaube, mein Herr Gemahl thut mir die Ehre an, ei ersuchng zu werden, ein Zeichen von wenig Geschmack und bürgerlicher Gejmnungsart. Pardon, wenn in solchen Klemigkeiten die bürgerliche" Stimme einmal laut wird ist es mir eben noch nicht aelnnacn, darin deine echt blaublütlge Nonchalance zu erreichen, denn er beugte sich vor, daß sem heiler Athem sie fast streifte und eine wilde Flamme zuckte in semen begehrenden Augen am denn ich, ich nebe dich noch. Sie bog den schlanken Oberkörper zurück und streifte ihn mit einem bösen Blick. Desto nnbeareiflicher ist deine Seh: sucht nach der Kaiserstadt. Du hältst mich doch nicht für Kind genug, um mir weismachen zu wollen, daß dein GeschäitZsreuno dich in solch zarten Rosabmets um em Rendezvous bittet? ' Sie tippte leicht auf die Brusttasche seines Rocks, in der er vorhin, als der Diener die Bneie brachte, em klemes duftendes Schreiben gesteckt hatte. Er sprang aus und ging schnell au s Fenster. ' Ein Kind bist du in der That Nicht, trotzdem würde ich dich bitten, mich nicht zu sehr zu reizen eine Scene in einer so vernünftiger Ehe, wie die un seriae ist.. .. Sie lachte spöttisch, aber nicht mit dem gewohnten girrenden Tauben lachen. Du hast recht und besonders eine Eifersuchtsscene. Seien wir also wie der auf der Höhe der Situation. Fahre nach Franksurt ich will mich nicht hindernd in deine Amüsements drän gen aber was dem einen recht, ist dem andern billig kein lächerliches Spioniren nacb meinen Schritten! Ich weiß allein, wie weit ich zu gehen habe. . Sie wollte an ihm vorüber, da kam er auf sie zu. eraritt sie an den Hand gelenken und preßte fast heifer hervor: Ein gutes Wort, Cora. und ich fahre nicht, nicht deut und nie mehr. Was ich suche, ' ist ja .nur Betäubung. Glaubst du, ich fühle die Schmach nicht. nur den Körper fernes WeideS zu be sitzen und kein Recht an die Seele zu haben? Sie riß sich los. Um meine Seele haben Sie damals nicht geworben. Und wenn ich es jetzt thue? rief er leidenschaftlich, vor der schönen Frau m die Kniee sinkend. . Cora maß ihn mit einem langen Blick. . Es ist zu spat, sagte sie kalt. Ja der Thür wandte sie sich noch einmal nach ihm um. Sie würden sich auch in dn Rech ung betrügen. Meine Seele ist lein Kaufobject und Tauschhandel ist bei civlllsirten Böllern a unmodern ge worden.

Also gnädige Frau kommen in der '

That nicht zur Reunion. Lieutenant Otten stellte diese Frage an Jngeborg, als deren getreuer schatten er die Brunnenpromenade zinäbging. Man war eben am Roll stuhl 'der alten Dame angelangt und machte, wie gewöhnlich, einige Minu ten Halt. . Hellmuth mit Cora und ihrem Mann kreuzten gerade jetzt ihren Weg. Wie konnten Sie überhaupt auf diese Vermuthung kommen? Sie wissen ja. öaß ich noch in tiefer Trauer bin. Ter Badeaufenthalt gestattet doch eine Ausnahme. Zudem ist es ja ngentlich eme geichlonene Gesellschaft. Reine der gewöhnlichen Abendunterhaltungen in den untersten Tanzsälen, zu denen jedermann ungehindert Zutritt hat. Ich freue mich so sehr, rief Cora, eö ist der auserlesenste Kreis der internationalen Creme, die diese wenigen gro ßen Bälle in den obern unbenutzten Räumen gibt. Eine Einladung ist eine große Auszeichnung. Auch die anwe senden Fürstlichkeiten nehmen daran Theil. Du kommst doch, evden? fragte Cllen. Ich hatte nicht die Absicht. Große Gesellschasten muß man gezwungener Weise genügend mi.tmachen. Aber ich traf vorhin einen hohen Voraesenten, der den ausdrücklichen Wunsch äußerte. mich zu sehen. Immer der Sklave des Dienstes. In diesem Falle eine erträgliche Tv rannci, meinte Berger, der mit düsterer Miene das Aufbliyen des Triumphes in CoraS Augen bemerkte. Bisher waren ihm die vergeblichen Bemühungen seiner Frau nicht entgangen, zudem fürchtete er Heyden weniger als den Marquis, obgleich dieser bei Cora augenscheinlich weniger Chancen hatte. WaS sich Cora von diesem Abend versprach, konnte er freilich nicht ahnen, da er die Vergangenheit nicht kannte, nicht wußte, wie es seit dem Wieder sehen am Brunnen in ihr gährte. Gerade m der ersten Zeit hatte Cora in dem Rausch ihrer Ehe scheinbare Be friedigung gefunden, es war ihr alles neu und überraschend, sie kam sich wie eine Fee vor, die durch Berührung mit ihrem Zauberstab jeden Gegenstand in Gold verwandeln kann. Zudem schmeichelte ihrer maßlosen Eitelkeit Bergers schrankenlose Bewunderung. Für selbstsüchtige Naturen ist es entschieden bequemer, geliebt zu werden, als zu lieben. Das Vergessen des Ichs, das täglich neue Aufopfern der Seele, die Hingabe des Geistes an den Geliebten, alles, was edcl Geartete hoch über sich selbst erhebt und sie auch in Entsa gung und Schmerz noch ein süßes, wehmüthiges Glück finden läßt, beansprucht eben erne Kraft und Tiefe der Empfindung, die wohl der Rausch der Leidenschaft auch Schwächlingen gibt aber nur sur eme vergängliche Spanne Zeit. So steigt auch der Jaunkonig ver suchsweise auf irr die Sonnenregionen des Lichtes; aber geblendet und ermattet sinkt er bald wieder in sein gewöhn tes Gebiet, hinter Hecken und Zäunen, während der stolze Aar mit ruhigem Fittich den blauen Aether durchmißt. Cora von Waldau war nur leichtlebig gewesen, die Baronin von Berger aber wurde bald leichtzinnig. Aus der Lust an der Bewunderung wurde bald eine Sucht und bald schienen ihr die gewöhnlichsten Mittel der Koketterie erlaubt, um eine Schaar von Bewunderern um sich zu sammeln, in deren Augen sie nichts weiter lesen wollte, als die frivole Sprache sinnlicher Leiden schaft. Zudem war sie noch so zung verheirathet und dann hatte sie Hellmuth Heyden durchaus-' noch nicht ver. geNkN. Es gab in dem glänzenden Xtbtn die ser gefeierten Frau doch noch eine dunkle Stelle in diesem reizenden Köpf chen,daZ so viel an Vergnügungen und Putz dachte, stand, doch, ein flammendes Mene Tekcl. Die Erinnerung cm jenen Liebes. tranm unter dem JaSminstrauch kam m stillen Stunden immer wieder, und bald suchte Cora sie ebenjo eifrig, tau sie sie anfangs geflohen. Die Sehnsucht nach etwas Besserm Reinerm, als ei ihr dieses Leben bot, war nicht ganz ge starben, sie schlief nur den Schlaf der Betäubung, und immer, wenn sie zu kurzem Erwachen die Augen aufschlug, sah sie sie an. mit dem treuen, wahren Blick der Liebe, dea nur Heyden allein für sie'gehabt. Ihr Leben war leer, trotz aller Zer ftreuungen, denn auch die elegantestl Frau vermag, uicht den ganzen Tag der unbequemen Gesellschaft des eigenen Ichs zu entfliehen. Für die edelste Sehnsucht deS Frauenherzens, du Sehnsucht nach nnem Kinde, war Coro nicht sittlich reif genug. Der Mütterliche Instinkt schlier so vollständig,, da ihr dieser Gedanke, wenn er ihr, über Haupt einmal kam, nur Mißhehser und Verstimmung erweckte. (Fortsetzung folgt. Eine arausiaeG e scblÄ te. Frau Stampfer!: Wenn i a.berzläu, bisch wär', Frau Nachbarin,. döÄ hätr an Unalück geb'n könna!" Frau Pum. verl: WaS is bna denn, zuaa'sto-. fctn?" Frau Stampserl: .Stelln'; Jhna vor! Letzten Freitag, tüia me: Wastl so krank im Bett a'lea'n is. sar. unsre zwa Uhren of oamal zur selb'r. Sekunden ftillg standen:' tzrau Pum? verl: Lerriefes! Und nacbber?" Frau Stampserl: ,7iaHZ yoo i ä IM wieder 01309 nr Ein sonderbares Lei den. Riöter: .Warum sind Sit uiÄ'. beim erstin Aufruf vorgetreten? 5eu: .nkolae emes trüberen Obren' leidens höre ich halt Alles ein bisse! fpüirr'. ' WaS ist eine Mesal. l i a n c , ? Wenn ein doppelter Buch. Halter ein einfaches Mädchen heirathet

Nuch ei Mittel gegen die Choler

Von allgemeinem Interesse dürste eine Verhandlung sein, die vor dem Schöffengerichte in Wismar gesührt wurde. Ter verckntwortliche Ncdac leur deZ Mecklenb. Tageblattes" zu Wismar war vom Grafen Schlieffen Schliefsen-berg wegen Beleidigung bei der Staatsanwaltschaft angezeigt or den, und diese hatte öffentliche Klage erhoben. Graf Schliessen hatte in der Cholerazeit herzförmige Kupferplätt chen an seine Gutsleute vertheilt, da mit sie dieselben als Schutzmiitel gegen die Cholera um den Hals tragen soll' ten. Der Redacteur Dr. Wagener hatte sich darüber lustig gemacht. Der Vertreter der Anklagebehörde sührte aus, daß, obwohl die Thatsachen wahr seien, doch eine Beleidigung vorliege. Von Autoritäten sei bewiesen, daß daZ Tragen von Kupfer gesund sei. Um Talismane handle es sich nicht, denn eS feien Kupferplättchen ohne Inschrift in Frage gekommen. Wenn dem Grafen Schlieffen Aberglauben vorgeworfen würde, so sei das eine Ehrenkränkung. Die Stellung des Grafen als Landrath und Neichstags-Abgeordneter erschwere die Beleidigung. .'Er beantrage 10k)' Mark Geldstrafe und Publicationsbe fugniß für den Grafen Schlieffen. Ter Angeklagte deftritt mit Entschie denbeit die Absicht der Beleidigung und berief sich einmal darauf, daß die ge meldete Thatsache als wahr erwiesen, dann aber mit der Empfehlung solcher kupferner Herzchen ein grober Unfug geschehe, da diese , zweifellos vollständig nutzlos seien, andererseits aber eine große Gefahr darin liege, in Zeiten einer schweren Seuche den Leuten ein nutzloses Mittel in die Hand zu geben . und sie zu dem verkehrten Glauben zu bringen sie seien dadurch vor Ansteckung geschützt, so daß sie schließlich bei der Verschleppung der Seuche nichts Ernstliches mehr thäten. Ter Ncdakteur nahm es zugleich als zweifelloses Recht der Presse 'in Anspruch, das Pu. blikum über alle Vorgänge im ofsentli chen Leben zu belehren, vor allem aber dann, wenn sonst eine Schädigung der Menschheit als unausbleiblich erscheine. Der Angeklagte verwahrte sich noch be sonders gegen die Auffass ...lg. daß durch die Stellung des Grafen Schliessen als Landrath und Reichstags-Abgeordneter die Beleidigung eine schwerere werde, da vor dem Gesetz alle gleich seien. DaZ Urtheil lautete nach einstündiger Bera thung auf eine Geldstrafe von 100 M. und Zuerkennung der Publikationsbe fugniß an den Grafen Schliessen. Als erschwerend wurde der Bildungsgrad des Angeklagten und die hohe Stellung des Grasen Schlieffen angesehen. Der Angeklagte hat Berufung gegen das Urtheil eingelegt, so daß die Sache noch einmal vor der Strafkammer zu Schmerin zur Verhandlung kommen wird. Die richtige Diagnose. Ter Herr Doctor sitzt ait seinem Pulte und schreibt eilig, als eS pocht und, trotzdem kein Herrein" ertönt, ein Herr das Zimmer betritt. .Guten Morgen, Herr Doctor!" Ter alte Herr läßt sich nicht stören, er. schreibt ohne von dem Eintretenden. Notiz zu nehmen, ruhig weiter. Guten Morgen, Herr Doctor, ich komme " .Nehmen Sie einen Stuhl." sagt der Arzt, um ruhig weiter schreiben zu können. Der Patient' setzt sich .verdutzt, um nach einigem Räuspern auf's Neue zu beginnen: Mein Herr Doctor! Ich komme. um mit Ihnen. wegen, meiner verfluch ten Nerven " Er hält erstauntiinne, denn der-Arzt macht noch immer keine Anstalten, aus ihn zu hören. Der-Bogen unter seiner Feder bedeckt sich immer mehr mit de Doctors Schritt.. Eine kleine. Weile noch wartet der Patient, dann beginnt er wieder, diesmal merklich erregter: .Schon eme ganze Zeit leide ich an meinen Nerven. Man empfahl mir, ich möchte mich an Sie wenden, Sie würden mich wieder in gesunden Zu stand versetzen. Nun sagen Sie mir. soll ich See- oder Alpenluft genießen, oder verordnen. Sie mir eine Wasser kur. Ja. alle.Wedter, warum ant Worten Sie denn nicht?" Mit offenem. Munde bleibt der Pa tient sitzen, denn: auch auf diesen direc ten Appell hm.blubt der Do:ior stumm. immer eifriger schreibt er. Da. wird's demiPatienten zu arg, seine (5i regung bricht sich so mächtig Bahn daß er aufspringt und wiühend den. Arzt anschreit: .Himmelkreuzdonnerwetter! Warum komme ich, denn dann zu Ihnen, wenn. Sie sich nicht sür Ihre Kranken, son dcrn für andere Dinge interessiren? Schock schwere noth, Herr wollen Sie mich anhören? Jetzt erst: legt der Arzt. die Fedrr. fort und spricht: ,JchwLll.:e mir nur das viele- Fra. gen ersparen, jetzt weißlich es, Sie sind wirklich nersös!Falsch ausgedrückt. threr : ..Tu warst Astern wieder nicht iruder Schule !- Junge : Verzei hen Sie. Herr Lehrer, der Storch hat Air gestern ein Beüderlein gebracht !" Lehrer : .Waö geht das Dich an f DaZ ist doch Sache Teiles BaterS !" Junge : C. mein Vater wird sich , morgen schon seUst bei Ihnen entschul dige ! Er zahl! doch nicht.. Erster Studi,suS: .Deine . Wirthin sagte mir soeben, sie wolle Dich stei artn!" Zweiter Studiosus: .Wie dumm von ihr. meine Schuld bei ihr. noch zu vergrößern!" Im Examen. Professor (zum Studenten, der eben eifrig eine seine Thesen verteidigt): ..Ich glaube, Sie sind im Irrthum, Herr Candidat! - Studiosus (schnell): Gilt'S a Maß?'"