Indiana Tribüne, Volume 16, Number 151, Indianapolis, Marion County, 19 February 1893 — Page 7

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Der Wahnwitz derZett. Es gehört ein großer Ernst dazu, daß sich ein denkender Mensch durch die blinde eichtglärdigkeit unserer Tage nicht die Freude am Leben verkümmern läßt. Der Aberglaube beginnt wieder frech zu werden, wie vor einem Jahrtausend. Seine schüchternen Versuche in den letzten Dezennien scheinen ihn bedeutend ermuthigt zu haben, und wer Ohren hat zu hören und Augen zu lesen, wird keinen Moment daran zweifeln können, daß sich die Anstrengungen den Strom der vernünftiger Entwick lung nach rückwärts zu stauen, mit je dem Tage vergrößern. Der finstere Geist, welcher dem menschlichen Ge schlechte durch die ganze Gefchichte wie ein doser Schatten folgte, wechselt die Methoden seines Angriffes. Ehedem benutzte er die Dummheit der Volks masscn für seine Zwecke; heute, da die Menge gebildeter und vernünftiger ist als früher, lolcttirt er mit der Wissenschaft selbst und hängt sich mit wissenschastlicher Maske den Gelehrten an die Fersen. Und siehe da er macht Proselyten über Proselyten. Man läuft ihm nach, wie einen: neuen Rattenfänger, man raucht in unbesonnener Weise das Opium seiner Mystik, man studirt den Unsinn seiner riesenhast anwachsenden Literatur und breitet über das Ganze den Mantel der wissenschaftlichcn Autorität. In dem. zuletzt genannten Umstände liegt die große Gefahr. Wenn ein Gelehrter von Ruf eine Sache der Er kenntniß mit seinem Ansehen deckt, so ist dies in den Augen der Menge eine Art von notarieller Legalisirung, welche sich auch der gesunde Menschenverstand nicht zu beanständen getraut. Vor einiger Zeit war hier an derselben Stelle die Nede von derselben Sache. Damals verblüffte ein dunkler Ehrenmann von einem sogenannten Fatir die gelehrten Kreise; damals regte eine ehrenmerthe Miß Abbott leichtgläubige Physiker mit ihren Taschenspielereien auf; damals sprach man in wissenschaftlichen Gesellschaften von den Experimenten Professor Richets in Paris, welcher den Muth besaß und noch besitzt, zu behaupten, daß es Menschen gebe mit der Kraft, durch bloßes Dentcn und Wollen andere in der Ferne ledende Menschen in bestimmter Weise zu beeinflussen. Daß ich heute neuerdings von dem Aberglauben der Zeit rede, hat einen doppelten Grund. Erstens kann man gegen sllcn Unsinn, ob er nun in einfachem Gewände oder mit akademischem Firnie herumgehe, nicht oft genug auftreten. Zweitens hat sich gegen Ende des vorigen Jahres in Mailand ein Vorgang von großer Tragweite abgespielt, über den schon seinerzeit in italienischen und deutschen Blattern berichtet war. Aber der officielle Bericht in deutscher Sprache ist erst jetzt erschicnen in jenem Ä!onatsorgan der Spiritisten, welches zu Leipzig und in Vitro Vork erscheint, den merkwürdigen Titel Psychische Studien- sührt und von dem russischen Staatsrathe Alexander Atsakoff reoigirt wird. Nach diesem Vorderichte die Sache selbst! In Italien lebt die ieheimnißvolle Cignora Eufapia Paladino, welche alle Anlagen zu einem den Verkehr mit der Geisterwelt vermittelnden Medium in sich fühlt und seit lange? Zeit ihren Landsleuten die ttöpfe verwirrt. Ihr Impresario ist ein , Signore Ercole Ehioia. ' Dieses Frauenzimmer scheint nun auch das Richet'sche Vermögen der Fernwirkung zu haben. Auch der in neuerer Zeit viel genannte Eesare Lom broso. Professor der medizinischen Fa. tultät zu Turin, ließ sich in cine Prüfunz der Kunststücke der Signvra ein und wurde Spiritist. So erhielt der unglückliche deutsche Professor Zöllner einen Glaubensgenossen jenseit der Alpen. Die Sache machte Aussehen und wurde in nüchternen wissenschaftlichen Kreisen peinlich empfundm. Da fielen aber wie eine Bombe die Artikel Torelli-Violliers, des Tirectors des conservativen Carriere della ftri" in d'e Tiscussion hinein. Torelli erklärte, von dem Medium Eusapia selbst einmal dupirt worden zu sein. Er habe aber die Dame später entlarvt und nachdem er die Mach?" der Letzteren durch Zeichnungen in seinem Blatte nachgewiesen, setzte er eine Summe von 3001) Francs aus. falls das Medium im Beisein einer zur Hälfte von ihm zu wählenden Aerztecommission nur eil: einziges seiner Wunder zu leisten vermöge. Das Medium'soll hierauf nicht eingegangen sein. Wie dem nun sei auf die Aerztecommission" komme ich noch zurück Lombroso war Spiritist geworden und mit ihm viele Andere. Der Wahnwitz hatte gesiegt. Das wei' tere Hin und Her kann als wenig be deutend übergangen werden bis zum September des Jahres 1892. Hier erst kommt die Katastrophe. In der Via monte di Pieta 11 zu Mailand steht das Haus des Signore Giorgi" Jinzi, Doctor der Physik-. Dahin brachte Ehiaia, der Protector. die Signora Paladin!, das Medium, und aus Grund einer an sie durch den schon genannten Staatsrath Aksakoff ergangenen Einladung erschienen sieben Gelehrte aus Italien, Deutschland und Frankreich, um in siebzehn Siungen die spiritistischen Kunst stücke der Eusapia Paladino und Komp. wissenschastlich zu untersuchen. Wenn der Leser weiterhin liest, welche Namen darunter sind, wird er an einen Scherz glauben. Wäre es nur einer! Aber eZ ist nichts als Ernst, trauriger Ernst. Das Protokoll liegt heute vor uns; es gibt leinen Zweifel. Und nun die Äamen, die unter diesem Protokolle stehen: Schiaparelli, Dircctor des astrono mischen Observatoriums in Mailand. Brofferio. Professor der Philosophie in Mailand.

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Gerosa. Professor der Physik an der Hochschule für Bodenkultur in Portici. Ermacora, Doktor der Physik in Pa. dua. Finzi, Doktor der Physik in Mailand. Du Prel, Doktor der Philosophie in München. Atsakoff. kais. russycher wirklicher Staatsrath. Den Sitzungen haben, ohne das Protokoll zu unterschreiben, beigewohnt: Aichet, Professor an der medizinischen Fakultät in Paris lfünf Seancen). Lombroso, Professor der medizinischen Fakultät in Turin (zwei Seancen). Die letzte Sache will ich sogleich erledigen. Ob Lombroso das Protokoll unterschrieben oder Nicht, ist gleichartig wir wissen, daß er ein Spiritist ist. Was Nichet betrifft, so erklärte er zwar selbst, daß die Mailänder Experimente sür ihn noch keine zwingende Beweis kraft" besitzen. Das ist nun eine sehr löbliche Vorsicht. Allein bei einem Physiologen, der an eine Fernwirkung des Willens glaubt, läßt sich fast mit Bestimmtheit voraussagen, daß er auch tm in der Luft liegenden spiritistischen Wahn über kurz oder lang in die Arme znken wird. Sehen wir uns noch einmal die Nainen an. Außer dem .Schriftführer Zlksakoff sind darunter ein weltberühmter Astronom, drei Phisiker, zwei Phi losophen. zwei Physiologen. Man könnte sie nicht schöner aussuchen, um eines der schärfsten und geistvollsten Edikte gegen das Unwesen des Aber glaubenZ von ihnen verfassen zu lassen. Was aber sehen wir an Stelle desien? Wir sehen diese Männer einem Rufe aus dem Abgrunde menschlicher Thorheit folgen; wir sehen sie mit einem Schlage den ganzen Schatz ihrer wissenschastlichen Erkenntnisse preisgeben! Wieso, fragt ihr. Vor den Augen der drei Phyttker steigt das Medium sammt dem Stuhl, auf dem es sitzt, in die Lust und läßt jich auf einem Tische nieder, und die drei Physiker glauben es, sie haben es unterschrieben, und dennoch werden sie hingehen und ihren- Schülern die Schwere als ein in der gesummten Natur herrschendes Gese darstellen!? Der Leser wird es mir gern erlassen, alle die Kunststücke der Signora Euso pia hier anzusühren es ist der alte sattsam bekannte spiritistische HokuSpokus: Klopslaute in Stühlen und Ti schen. Erheben der letzteren von der Erde, Erscheinungen von Händen, Abdrücke von Fingern in Thon, phos phoreszirende Funken alles aus der Geistersphäre. Merkwürdigerweise scheint das spiritistische Geistcrreich aus lauter Dummköpsen zu bestehen, denn es ist noch kein einziger vernünftig r Gedanke, ja nicht einmal eine mehr als kindische Handlung aus dem Sput her vorgegangen.) Nichtsdestoweniger erklären Alle, die den Bericht unterschrieben, daß unter den gegebenen Bedingungen keine der bei mehr oder minder starker Beleuch tung erhaltenen Erscheinungen durch irgend ein künstliches Mittel' hätte erzeugt werden können und das; dasselbe auch gelte bezüglich des größten Theiles der Erscheinungen wahrend vollkommener Dunkelheit. Diesem Geständnisse gegenüber, welches das übersinnliche Vermögen der Frau oder des Fräuleins Eusopia constatirt, werden alle Reserven, die sich die genannten Gelehrten in Beziehung auf einige unter den gemachten Versuchen aus Miß trauen gegen die Exactheit (!) auferle gen. gänzlich bedeutungslos. In der qanzen Sache liegt ein prin zipieller Fehler; das ist der Glaube, daß die Wissenschaft Alles untersuchen müsse, weil dies ihrem Charakter der Objektivität entspreche. Diese Mei nung ist grundfalsch. ES gibt Dinge, welche die Vcrnunst von vorncherein abweist. Kein wirklicher Natur orscher wird darüber nachdenken, ob es möglich sei, daß die Sonne morgen nicht mehr im Osten, sondern im Westen aufgehe, und wenn ein Greis vor ihm erschiene, der ihm sagte, er sei tausend Jahre alt und habe den Sturz des römischen Reiches noch gesehen würde er ihm nicht die Thüre zum Irrenhaus aufmachen? Und wenn sich eine Frauensper son mitsammt dem Sessel in die Luft erhebt da gehen sieben Gelehrte hin, nicht um sich wie bei einem Prestidigi tateur zu unterhalten, nein! sondern um an neue Naturkräfte zu glauben, welche den Denkern von Galilei bis zu Helmholz herauf entgangen sein sollten! Was wollen sie denn, die Sieben, im Haufe des Herrn Jinzi, wenn sie nicht schon von vornherein die spiritistischen Dinge sür möglich gehalten hätten! Sie sind ja gar nicht die Männer dazu, einen aiche'nspielerschmindel .aufzudek 1 O . r.rx. ich. u,u aruvri wicocr cm .laiaxn spieler oder ein Geftändniß des MedU umS selbst. Die Wissenschaft hat wahrhaftig etwas' Besseres zu thun, als den Ta schenspielern auf die Finger zu sehen. Gerade sie ist die einzig berufene, den Aberglauben von der Schwelle zu wei sen, nicht aber ihm die Möglichkeit der Ausbreitung zu bieten. Wie hat es unseren großen Kant gcr.'ut, daß er sich einen Augenblick hatte tzinreißen lassen, an die Möglichkeit Swedenborg'scher Visionen zu glauben. Und lebte 'dieser HeroZ aller Denker heute, in einer Zeit, in welcher der gebildete Theil des Vsl kes von vornherein in einer liberaleren Auffassung der Dinge auswächst, als früher wie hätte er sie zu Paaren 'getrieben, diese Geisterseher aus den Laboratorien und Studirstuben! So geht das nicht, daß die Welt neuerdings dem Aberglauben und seinen Folgen ausgeliefert werde! Die Summe der Dummheit ist gerade groß genug auf der Erde, als daß sie noch durch tollen Uebermuth oder durch wissenschaftlich verbrämte Gaukelei vermehrt werden sollte. Esisterst zwaWZ Iah jer, daß

Menko nicht nur Indianern, ndern vor Weißen noch ein Hexenproceß stattfand und etwa zehn Jahre, daß sich in der menschlichen Gesellschaft wieder ein Geist einzunisten droht, der längst verschollen zu sein schien. Seine enge Verwandtichast mit dem spiritistischen Spuk sollte uns vor dem letzteren ganz besonders . warnen. Nicht lange vor seinem Tode sprach Professor Meynert noch ein scharfes Wort über diesen ganzen'Gcgenstand. Ja." rief er einem Redner in einer wissenschaftlichen Gesellschaft ungefähr zu, der Aberglaube ist epidemisch und diese Epidemie so stark geworden, daß selbst Professoren der Physiologie davon ergriffen werden" ein Testament der Wissenschaft jichen Gesinnung von lapidarer Kraft! Schon einmal habe ich dieses Wortes erwähnt. In wichtigen Dingen muß man die Geduld haben, das Gute unverdrossen zu wiederholen. R o b. F r a n c e s ch i n i.

Cine tragische LiebeSgesäiiHtr. Blätter aus Venezuela berichtn it:i folgendes tragische Ereigniß, das den Epilog einer Licbcsgeschichtc fciltct : Ein gewisser Jose Boleros, ein vornehmer und reicher junger Mann aus Earacas, hatte vor Jahresfrist eine sehr schöne Dame verführt und ihr die Ehe versprachen. Die Idylle dauerte nur kurze Zeit. Eines Tages erfuhr Maria, daß ihr Geliebter sich mit einer reichen Erbin verloben werde. Mit Thränen in den Augen fragte sie ihrm Jose, ob das wahr wäre, und als sie eine bejahende Antwort erhielt, unterdrückte sie ihren wilden Schmerz und entfernte sich, ohne von dem Treulosen Abschied zu nehmen, aus der Stadt. Zwei Monate später schenkte das arme Mädchen einem Kinde das Leben und kehrte, nachdem sie es der Sorge einer Wärterin anvertraut hatte, nach Caracas zurück, um Beschäftigung zu suchen. Während im Palaste . der jungen Brau des Boleros diet Vorbereitungen für die bevorstehende Hochzeitsfeier getroffen wurden, brach in Venezuela der Bürgerkrieg aus, und der junge, thatendurstige' Bräutigam verschob die Hochzeit auf eine spätere Zeit und ließ sich in die Reihen der Regicrungstruppcn aufnehmen. Bei einem furchtbaren Zusammenstoß zwischen den kämpfenden Parteien wurde er jedoch schwer verwundet und sterbend in das städtische Krankenhaus getragen. Als der Krieg ausgebrochen war, trat die junge lebensmüde, von Allen verlassene Marie, nachdem sie die Zukunft ihres Kin des gesichert hatte, als barmherzige Schwester in das Krankenhaus ein' und pflegte mit großem Eifer und Verstandniß die Verwundeten, die in jenen Tu gen in großer Zahl nach dem Kranken haus gebracht wurden. Ein unglücklicher Zufall wollte es, daß unter den der Sorgsalt der Schwester Marie anvertrauten Verwundeten sich auch der schwerkranke Jose befand, der nach einer langen Krankheit, dank der vorzüglichen Pflege, über den Tod triumphirte und wieder gesund wurde. Natürlich erkannte er sofort in seiner hingebungsvollen Pflegerin seine ehe malige Geliebte und suchte seine frühe ren Beziehungen zu ihr wieoer aufzu nehmen, aber Marie zeigte sich seinen Schwüren und Liedesworten gegenüber kalt und gleichgiltig'und setzte allen sei nen glühenden Versicherungen und sinn reichen Vorschlägen stets eine kategorische Weigerung entgegen. Eines Abends aber Jose saß gerade auf einer Steinbank vor dem Krankenhause zeigte sich das junge Mädchen nach heftigen Seelenkämpfen geneigt, den Worten und Schwüren des noch immer heißgeliebten Mannes Glauben iu schenken. Jose hielt oie wiedergewonnene Geliebte in seinen Armen; plötzlich aber riß sich daZ Mädchen von ihm los, richtete sich auf und sagte: Nun gut, wenn es wahr ist. was Du mir schwörest, so schreibe sofort an Deine Braut, daß Tu sie jetzt nicht heirathen kannst! Jose antwortete nicht, aber sein cyni scheS Lächeln sagte mehr, als jede Ant wort. DazogMariaein Dvlchmesserher vor, und stieß es ihm mit den Worten: Du wirst sie doch nicht heirathen-, in die Brust. Der Vorfall hat in Cara raS bedeutendes Aufsehen erregt, da der ermordete junge Mann einer der vornehmsten Familien deS Landes angehört. uS der Berliner Gesellschaft. AuS der Berliner Gesellschaft wissen die Hamburger Nachrichten- ein Ge fchichtchen zu erzählen, welches so nied lieh ist, daß wir es hier weiterplaudern vollen: Er war bis vor Jahresfrist einer der flottesten Lebemänner Berlins, auf dem grünen Rasen, hinter den Kulissen und in den intimen 5kabinetS bei Dressel und Hiller ebenso bekonnt, wie auf den Parketts unserer SalonS. Vor Jahresfrist trat zum Entsetzen seiner Freunde und einer kleinen Rotte vom königlichen Ballet der große Umschwung ein: Er verheirathete sich und wie die böse Welt sagt, nach der Hochzeit verliebte sich in seine eigene Frau. Und daS war wirklich kein Wunder, denn sie ist ein bezauberndes Frauchen, schön, liebenswürdig und klug. Man sah ihn fast kin volles Jahr lang nur in Gesellschaft der reizenden Gattin, und man gab ihn verloren. ' Aber- daS Unglück wollte, daß der Verführer in Gestalt feines besten Freundes aus Petersburg nach Berlin verseht wurde und eines schönen Te cembertages ven alten Bekannten zu einer Partie sine aufforderte, die er mit seiner hm! seiner Freundin nach Dresden unternehmen wollte, in dessen Nähe ihm ein verständiger Onkel eine prächtige Herrschaft hinterlassen hat. Dabei ' war ja nun - eigentlich nichts, außer der Freundin. Diese aber erschien unserem guten sagen wir: Lvthar! denn doch als ein arger Stein de5 Anstoßes für einen artigen Ehemann;

er sagte ao. aver die spöttischen Neben seines einstigen Kameraden so vieler vergnügten Stunden brachten seine guten Absichten schließlich doch zum Wanken und zum Scheitern. . Unter dem Vorwand einer JagdPartie verabschiedete er sich von den häuslichen Penatm, und die kleine Baronesse brachte ihm höchst Eigenhändig das Eentralseuergeweh? mit dem lächelnden Waidmannsgruß: Viel Pech!" Und als besagter Lothar am dritten Tage heimkehrte er hatte sich herzlich schlecht amüsirt und war ein bedrücken des Schuldgefühl nicht los geworden, da empsing ihn die Gattin wieder mit einem Lächeln auf den rosigen Lippen: Nun? Wie war's? Und die Jagdbeute. Du trefflicher Nimrod?" Acht Fasanen und - Und das alles mit diesem Gewehr?" unterbrach sie ihn. - Er bejahte, sie aber öffnete den Hin terlader und brach in Thränen aus denn im Lauf stack ihre Visitenkarte, die sie am Tage der Abreise hineingesteckt, die kleine mißtrauische Baronin! Es ist dem guten Lothar glücklicher Weise gelungen, sein Frauchen durch ein osiencS Geständniß und tiefe Reue zu versöhnen nicht gleich freilich, aber doch allmälig! Welche gute Frau geht denn auch über Weihnachten hinaus mit Streit in's neue Jahr? Er durfte neulich sogar wieder nach dem Elub komm:,- der reuige Sünder, und da. erzählte er zur Warnung selbst die Ge schichte. Woher aber hatte Ihre Frau Gemahlin die gefährliche Kriegslist?" fragte ein Bekannter. Lothar zögerte einen Augenblick dann iprudelte er heraus: Ich Hab's auch wissen wollen, und Asta hat's mir vtrrathen: Mama machte es immer so, wenn Papa zur Jagd fuhr."' So erben sich Gesetz und Rechte" . mixt sclUame Sttte.

Ani Osnabrück wird berichtet, in dortiger Gegend bestehe noch die Sitte, daß der Erwerbe? einer bäuerlichen Stätte oder aus eine solche Heirathende Ehemailtt seinen Familiennamen mit dem Ramen der Stätte vertauscht; nach einer höhrren Orts erlassenen Bestim mung sei das seit Karl dem Großen bestehende Gewohnheitsrecht aufgehoben, ein landwirthschastlicher Verein in der Rähe von Osnudrück habe aber neuerdings die übrigen landwirthschastlichen Vereine aufgefordert, dahin wirken zu wollen, daß jene Verfügung rückgängig gemacht werde. Diefe Versuche werden ohne Zweifel erfolglos bleiben, zumal da nicht eine Bestimmung höheren OrtS in ZZrage kommt, sondern eine rechts giltige gerichtliche Entscheidung, die von den Verwaltungsbehörden deS Betherligten wahrscheinlich zur Kenntniß gebracht worden ist. Die gleiche Sitte herrscht, so schreibt die Magoeb. Ztg.", auch in einem großen Theile Westfalens, obwohl schon, wenn wir nicht irren, im Jahre 182ö ein gerichtliches Erkenntniß das Ver fahren für rechtlich unzulässig bezeichnet hat und seitdem die Gerichte stets den selben Standpunkt eingenommen haden. Dadurch ist wenigstens so viel erreicht worden, daß ein Bauer, der die Erbtochter eines anderen Bauernhofes heiratbet. nicht mehr einfach feinen Ramen mit dem feines neuen BesiteS oder seiner Frau vertauscht, sondern daß er den lepten ?iamen seinem eigenen Ramen mit dem Worte genannt" an hängt. Heißt also der junge Ehemann Wortinann. sein Schwiegervater aber Schulte, so nennt er sich officiell Wortmann genannt Schulte und wird so auch in amtlichen Urkunden, z. B. im Grundbuch?, ausgeführt; im gewöhnlichen Leben aber nennt er sich und wird er von allen Gemeindcgenossen nur Schulte genannt. Seine Kinder lernen den eigentlichen Namen ihres Vaters kaum kennen, in der dritten Generation geht er aber, wie man ruhig behaupten kann, fast immer verloren. Bei der Führung der 5?ir chenbücher wurde früher wenigstens nur ein sehr geringes Gewicht darauf gelegt, daß die Eintragungen unter dem richtigen Ramen erfolgten. Vielleicht üben die bürgerlichen Standesregister mit der Zeit einen günstigen Einfluß aus. doch wird dieser sich im besten Falle nur sehr langsam geltend machen. Die Ermittelung des richtigen Namens ist häufig, beispielsweise, wenn ein paar Generationen hindurch keine männlichen Erben des HoseS vorhanden waren, j ondern Fremde hineinheiratheten, sehr schwierig und manchmal, nur mit Hilfe deS Grundbuchs, in dem in der Regel, aber auch nicht immer., der richtige Name fortgesührt wird, möglich. NSthselfrage. Welcher Unterschied ist zwischen Menschen und .Zensterscheiben? Diese schwixen innen, jene außen. Von den preußischen Polizeibehörden werden ' gegenwärtig nach einer vorgenommenen Zählung 25,S3l Personen steckbrieflich verfolgt. Unter den Gesuchten besindeis sich 1 Marquis. 3 Freiherren, 4 Grasen, 10 Professoren, 14 Rechtsanwälte. 16 Aerzte. 5 Pastoren, 5 Dr. phil., I Gemeindevorstände. 130 Lehrer. 84 Studenten. 25 Redakteure, 45 Schriftstellcr beziehungsweise Journalisten. 26 Architekten. 4 Ingenieure, 22 PostAssistenten, 23 Bankdeamtcn. 53 Kas. sirer. 23 Bankiers. 110 Buchhalter. 108 Fabrikbesitzer, 5 Rittergutsbesitzer, 52 Inspektoren. 67 Bauunternehmer. 170 Agenten. 103 Schauspieler, 260 Musiker, Lt2 dem Militärstande Angehörende darunter ' Major, 2 Kapitäne. 3 Premier- und 10 Secondlieute. nants, sowie 1 Roßsrzt), ferner 1264 ttaus- und Handelsl-ute, 6600 Hand werker, 5000 Fabrik und Bergarbeiter, 3460 landwirtschaftliche Arbeiter, 630 Kellner. 182 Zuhälter, 140 Zigeuner, 440 Dienstmädchen, 3! 6 Kellnerinnen, Llö Prostituirte und 162 Kinder.

DaS Abenteuer der Sängerin.

ZxlI dem Englischen von Reg. Fürst. Folgende Episode im Leben der berühmten Sängerin Madame Vestris ereignete sich im Winter des Jahres 1847, als der Stern ihres Ruhmes immer noch im hellsten Glänze strahlte, trotz ihrer fünfzig Jahre. Sie hatte kurze Zeit vorher den bekannten Chas.' Mathews. den' Jüngern, gehciratbet und weiltein seiner Gesellschaft in Paris. Der'. Hauptzweck ihres Pariser Aufenthaltes galt dem Engagement einer Ballettruppe für ein neues Schau spiel, welches unter ihrer vereinigten Leitung in einem der großen Londoner Theater in Vorbereitung war. .Der Zufall wollte es, daß d. Ausführung ihres Vorhabens ausschließlich Mathews -anheimfiel, da seine Frl in Folge einer Fußverstauchung an jeder Mitbetheiligung verhindert war. Sie befand sich als unfreiwillige Gefangene in ihrem Hotel in der Rue Samt Honore, wofür sie die tröstende Entschüdigung hatte, ihre Verehrer, deren es in Paris verade so viele gab, wie ln London, empfangen zu dürfen. Eines Abends befand sie sich allein in ihrem kleinen, aber eleganten Salon, welcher zu den Wohnräumen führte. Ihre Kammerzofen waren in dem nächsten Zimmer, von wo sie ab und zu das Bellen der kleinen Wachtelhündchen, Flock und Floß, hören konnte, die Madame Vestris stets auf ihren Reisen begleiteten. Eine Mo? gcnzeitung zur Hand nehmend, wurde ihre Aufmerksamkeit schon nach einem flüchtigen Blick über den ersten Artikel gesesielt, denn er besprach ein Er eigniß, welches ganz Paris schon seit einer Reihe von Tagen in Ausregung hielt. Cine Anzahl' von Einbrüchen hatte in schneller Aufeinanderfolge stattgefunden, ohne daß man deren Urhe der entdecken konnte. Es ging mit ziemlicher Gewißheit aus einer charakteristischen Uebcteinstimmung bei allen jenen Verbrechen hervor, daß sie das Werk ein und des selben Thäters waren. Seine bevorzugte und in der That einzige Methode bestand darin, sich in die Schlafräume vornehmer und reicher Damen einzu schleichen und sich, wenn letztere im Schlaf lagen, in den Besitz ilrer Juwelen und anderer Werthsachen zu setzen. Wenn sein Opfer zufällig erwachte, hatte er nicht vor der Anwendung von Gewalt zurückgeschreckt, um sein ruchloses Ziel zu erreichen. Der einzige Schlüssel zur Entdeckung deS Verbrechers lag in der Kenntniß, daß er nur zwei Finger an seiner linken Hand hatte ein Umstand, der von einer Dame bemerkt worden war, welche die Geistesgegenwart hatte. Bewußtlosigkeit zu heucheln, während sie im Halbdunkel ihres Boudoirs seine verdrecherischen Operationen geheim beodachtete. Eine Panik herrschte in Fole dessen unter allen für reich bekannten Damen, und sarkastische Aeußerungen fielen von allen Seiten über die Unzu länglichkeit des polizeilichen Apparats. Madame Vestris war eine Frau von ausnahmsweise großer Geistesgegenwart, trotzdem konnte sie sich eines tlei nen Schauers der Furcht nicht erwehren, als sie nach Beendigung der Lektüre durch den Salon zur Thür ihres BoudoirS hinkte, in der Absicht, ihre Zofen zu sich zu rufen und sich für die Nacht zurückzuziehen. Bevor sie in ihr Boudoir trat, wendete sie sich noch einmal um. um die Wachskerzen eine? Kandelabers auszu löschen, die noch außer der kleinen Lampe, bei welcher sie gelesen hatte, brannten. Der Kandelaber stand aus einer Säule und warf einen hellen, wagerechten Schein über den Fußboden, so daß der Schatten der umherstehenden einzelnen Möbel sich deutlich auf dem Getäfel des ParquetS abhob, besonders dn des großen Tisches, an welchem sie bis jetzt gesessen hatte. Als sie einen letzten Blick über das Zimmer warf, wurde sie plötzlich von Furcht ergriffen, denn sie bemerkte, direkt vor ihrem Fußschemel, den deutlich markirten Schatten eines unter dem Tisch zusammengekauerten ManneS. Sie verblieb äußerlich vollkommen ruhig, aber ihr Entsetzen stieg ausS Höchste, als sie das Abbild einer Hand mit nur zwei Fingern wahrnahm oder wahrzunehmen glaubte. Sie war überzeugt, daß der mysteriöse Verbreche?, dessen Greuelthaten die Stadt in Aufregung versetzten dort versteckt lag und wahrscheinlich 'den ganzen Abend über so gelegen hatte, in unmittelbarer Berührung mit den Falten ihres Gewändes. Nachdem Madame Vestris durch eine schnelle und schreckhafte Folgerung, die jedes Weib begreifen wird, diese Ueberzeugung gewonnen hatte, war sie sür einen Augenblick fast versteinert.' Ihre Juwelen waren ihres Glanzes und ihrer Kostbarkeit wegen allbekannt, und man wußte, daß sie solche stets in einer Kassette neben ihrem Bett aufbewahrte; ebenso bekanntwurde es bald in Paris, daß sie sich zeitig zur Ruhe zu begeben pflegte, während ihr Gatte durch seine Pflichten bis zur späten Nachtstunde vom Hotel ferngehalten wurde. Ihre Mädchen schliesen am entlegenen Ende eines äußern Korridor, und so war sie während einer beträchtlichen Zeit buch ftäblich allein im zweiten Stockwerk des Hctels. Mit allen diesen Einzelheiten hatte der Räuber sich jedenfalls vertraut ge macht und wartete nun die Gelegenheit ab, seinen Weg , der Plünderung und Gewaltthätigkeit anzutreten, der mög licherweise in Mord endigen konnte. Diese Gedanken und Schlüsse flogen mit blitzartiger Schnelligkeit durch Mädame Vestris' Gehirn, dann , aber erlangte sie durch üußerste.Selbstbeherrschung nicht ihre Unerschrockenheit und kalte Ueberlegung wieder, sondern entwarf schnell einen Plan, sich aus der Gewalt des gefährlichen Gastes zu be freien und ihn durch List zu fangen. Ohne die Lichter auszulöschen, be

gann sie eine leichte Opern-Melodie zu trillern, während sie ihren Platz wieder

einnahm und bic silberne Tischglocke berührte, dnrch welches Zeichen sie nach ihrer Gewohnheit ein oder das andere ihrer Mädchen zu sich zu rufen pflegte. Sie that dies mit einer Anwandlung von Furcht, denn wenn möglicherweise ihre beiden Hündchen die Dienerin begleiteten, würden sie mit ihrem feinen Spürsinn sofort die Anwesenheit des versteckten Räubers herausschnüffeln, welcher dann wohl unverzüglich zum Angnff schreiten dürfte. Glücklicher weise erschien' das gerufene Mädchen ohne die Hunde, welche sich in einem der entlegenen Zimmer in den Schlaf gelullt hatten. Adele," sagte Madame Vestris, denken Sie, daß das Geschäft des Ju weliers Vernac in der Rue des Italiens noch geöffnet ist?" O ja, Madame", erwiederte das Mädchen, es ist heute Sonnabend, wo alle Geschäfte erst um zwölf Uhr, Nachts geschlossen werden, und es ist jetzt erst wenig nach zehn." ' ' Dann habe ich sofort einen Austrag für Sie", sagte die Künstlerin. Er besitzt mein kostbares Diamant-Eollicr und das mit Saphiren und Brillanten besetzte Diadem in Reparatur, die er mir heute Abend zurückzusenden versprach. Ich werde nicht schlafen gehen, ehe ich sie nicht neben meinem Bette weiß. Er möge sie mir durch einen seiner Leute wieder zustellen, gleichviel ob reparirt oder nicht. Bringen Sie mir das Schreibzeug aus meinem Boudoir." Adele that, wie ihr geheißen, worauf. Madame Vestris mit fester Hand, noch ihr Liedchen summend, folgende Zeilen niederschrieb: Monsieur ! Der zweisingrige Schurke liegt versteckt unter demselben Tisch, an welchem ich jetzt dies schreibe, ohne irgend welchen Verdacht, daß ich von seiner Anwesenheit etwas weiß. Requiriren Sie sofort Polizeimacht und verlieren Sie keinen Augenblick zu eilen zu Madame Vestris." Hier!" sprach die heroische Sängerin, den Brief ihrer Dienerin überreichend, dies wird mir meine theuren Juwelen sicher ohne Verzug zurückschaffen und zu gleicher Zeit dem unpünktlichen Monsieur Vernac cine kleine Lektion geben. Nehmen Sie etwas Kleingeld, benutzen Sie den ersten besten Fiaker und seien Sie so schnell als möglich wieder zu Hause." Adele war eben im Begriff, das Zimmer zu verlassen, als ihre Herrin bei dem Gedanken, allein mit dem verwegenen Patron zu bleiben, von plötzlicher Furcht wieder ergriffen, sie zurückrief. Bevor Sie gehen", sagte sie mit angenommener Sorglosigkeit, holen Sie mir Marie zur Gesellschaft; ich möchte sehen, ob sie schon einige Fortschritte in der Stickerei gemacht, die ich sie in London lehrte". Ich bedauere, Madame", entgegncte Adele, Marie nahm sich die Freiheit, heute schon etwas zeitiger zu Bett zu gehen". Dieses trage kleine Ding!" rief die Dame lachend, aber es schadet nicht, ich werde mich während Ihrer Abwesenheit allein amüsiren, indem ich meine Partie aus dem neuen Stück noch einmal durchprobe". Adele entfernte sich, und Madame Vestris blieb allein allein mit dem gefürchteten Banditen, der durch eine einzige zufällige unkluge Bewegung ihres Fußes unter dem Tisch oder selbst durch ein verrätherischcs Zittern ihrer Stimme zu seinem teuflischen und mörderischen Vorhaben aus der Unthätigkeit geweckt werden konnte, welcher bloße Gedanke das Blut in ihren Adern gerinnen machte. Aber sie hatte eZ sich einmal in den Kopf gesetzt, eine Rolle zu spielen, die sie noch nie zuvor gespielt hatte, und meisterhaft führte sie dieselbe bis zum Schluß durch. Sie recitirte die Strophcn ihre: Partie immer und immer wieder; sie sang, sie trillerte, sie jubilirte in einer Weise, welche ein Auditorium von Tausenden zu entzückter Bewunderung hingerissen haben würde, und alles dieses für jenen einzelnen todbringenden, im. Versteck lauernden Zuhörer, dessen unterdrücktes Athmen sie manchmal in den Pausen ihres Gesanges zu vernehmen wähnte, und den sie nur auf Handbreite von ihren zitternden Gliedern entfernt wußte. Während dieser erzwungenen Heiterkeit und Unbefangenheit war sie die Beute einer solchen. geheimen und nerdösen Angst, die nur von dem empfindlichsten der weiblichen Eharactere in ähnlicher Intensität nachgefühlt werden kann. Die Sekunden dehnten sich zu Minuten, die Minuten zu Stunden aus, und als sie schließlich ihre Stimme gänzlich erschöpft hatte, sank sie mit einem Seufzer zurück und beunruhigte sich selbst, indem sie mit leiser und melodischer Stimme vor sich hinsummte. Endlich nach Verlauf einer Stunde, obgleich sie ihr eine Ewigkeit dünkte, hüpste ihr Herz vor Freuden hoch aus, als sie ein Gerassel von Rädern vor dem Hotel hörte. Einige Augenblicke später betrat Adele das Zimmer, jedoch mit einem so zaghasten Blick, daß ihre Herrin anfangs befürchtete, ihr Austrag wäre unausgerichtet, aber Adele hatte selbst etwas von einer Schauspielerin an sich; ihrem Benehmen merkte man es nicht an, daß ihr diejenigen folgten, welche die Gewißheit der Rettung und Erlösurg brachten. Fast augenblicklich Postirten sich drei Polizisten in den Salon, denen sich nicht allein Monsieur Vernac,,der Juwelier, sondern auch Mr. Matews, der Gatte der Madame Vestris, anschloß, der vor einem Theater zufällig getroffen worden war. Sobald die heldenmüthige Frau ihres Mannes ansichtig ward, flog sie mit einem krampfhaften Aufschrei in seine Arme, dabei so vollständig ihr verftauchteS Fußgelenk vergessend, daß sie P'itä noch lange nachher nicht fassen

konnte. Gleichzeitig kehrten diePolizisten den Tisch um und packten den darunter verborgenen Verbrecher. Er setzte sich verzweifelt zur Wehr, denn er war ein kräftiger Raufbold und bis zu den Zahnen bewaffnet, aber nach kurzem Kampfe wurde er übcrwältigr und hinter Schloß und Riegel gebracht, nachdem die heroische Künstlerin in kurzen Worten berichtet hatte, wie sie seine Gegenwart in ihrem Salon cntdeckt und durch welche Kriegslist sie ihu in's Netz gelockt hatte. Der Verbrecher entpuppte sich als ein gewisser Dufrcsne, ein Galeerensträfling aus Toulon, der schon im Süden Fiankreichs einen gefürchteten Namen hatte, bevor er aus dem Gefängniß ausgebrachen, worauf er seine alte Laufbahn mit einer Reihe schwerer Verbrechen fortsetzte. Er war ein zäher, abgehärteter und gewissermaßen origineller Schurke und soll bei seiner Verurtbeilung mit vieler Nonchalance ge äußert haben: Ich muß schon die Kriegslist verzeihen, die mich in'5 Verderben stürzt. Parbleu! Während einer vollen Stunde war ich der ein zige Zuhörer der größten Sängerin und Schauspielerin Europas, welche sich die erdenklichste Mühe gegeben hat, mich zu unterhalten."

Eine Milliarde. Ueber die Bedeutung einer Milliarde in Gold und in Silber hat sich in die sen schönen Tagen des PanamascandalS ein offenbar sehr gelangweilter Franzose Rechcnschast zu geben versucht und ist dabei zu folgenden interejanten Ergebnissen gelangt: In Gold wiegt cine Milliarde' 322',580 Kilogramm, ihr Volumen beträgt ungefähr zwölf Ku bikmeter. Zu Golddrath versponnen, könnte sie einmal um den ganzen Erd-! ball gelegt werden, und es würde noch Draht für eine hübsche Schleise übrig bleiben. Eine Milliarde in Silben wiegt 5 Millionen Kiligramm, ihr Volumen beträgt 477 Eubikmeter. Sie würde, versponnen, einen Trahifaden mit einem Durchmesser von vier Milimctern liefern, den man einmal um den ganzen Erdball legen könnte. Um eine Milliarde Gold fortzuschaf fen, müßte man vierundsechzig Bahnwagen zur Verfügung haben, die auf den Schienen einen Längenraum von 400 Metern einnehmen würden; für eine Silbermilliarde brauchte man fo gar 1000Bahnwagcn von je fünf Tonnen Raumgehalt; aus dem Bahnkörper würden diese Wagen sich über 6 Kilo meter ausdehnen. Einen eine Milliarde darstellenden Goldblock können kaum 0000 (!) Personen von der Stelle be wegen. Was die Silbermilliarde an belangt, so könnte sie in angemessene? Weise über 500.000 Personen vertheilt werden, indem man jedem Jndididuun: 10 Kilogramm zu tragen gäbe. ' Zum Schluß noch etwas Militärisches : AuS einer Milliarde könnte man 32 ausgewachsen? massiv goldene oder 034 sil berne Soldaten anfertigen. Indische Abenteuer. Aus Indien erzählen englische Vlätter: Mehrere englische Officiere waren ausgegangen, um Tiger zu jagen, mußten sich aber gegen Abend ohne Beute auf den Heimweg begeben. Da ihre Waffen sämmtlich noch geladen waren, beschloße die Herren, sie unterwcgs nach irgend einem Ziele abzuschießen, um sich nach dem verfehlten Jagd vergnügen durch solchen Wettkampf eine kleine Zerstreuung zu machen. Sie mußten an einem Felde vorbei, auf dem einige Eingeborene arbeiteien; bald daraus sahen sie am Boden einen gro ßen irdenen Krug von der Art, wie die Hindus ihn zum Wassertragen benutzen, und da ein solches Gefäß mit wenigen Kupfermünzen dem Bescher ersetzt werden konnte, wurde es einstimmig zur Zielscheibe erwühlt. Alle Herren wa ren in gleicher Weise als vortreffliche Schützen berühmt. Nummer Eins begann zu schießen; seine Kugel streifte die rechte Seite des Gefäßes.' Nummer Zwei schoß gerade darüber hinweg. Nummer Drei ein wenig zu sehr nach links, traf gerade den Erdboden unter dem Kruge und bedeckte diesen mit Staub. In. diesem Augenblick erhob sich in seinem Innern ein klägliches Geschrei, und als die erschrockenen Schützen näher traten, ent deckten sie darin einen unglücklichen Hindusäugling, den die arbeitende Mutter zur besseren Sicherheit vor gefährlichen Thieren im Kruge geborgen hatte, um das Kind nach beendeter Ar beit wieder hervorzuholen. Erst der letzte Schuß hatte das Kind aus seinem gesunden Schlaf erweckt. Daß das Schießen nun aufhörte und die Herren ihre bisher unerhörte Ungeschicklichkeit im Tressen dankbar priesen, ist selbst. verstandlich; aber es verdient noch der Erwähnung, daß das Kind der erklärte Schützling der Ossiziere und auf deren Kosten wie ein eigener oh:l auf's Sorgsamste erzogen wurde. Fataler Nachsaß. Angehender Tonkünstler: Nun, mein verehrter Herr Professor, wie haben Ihnen meine Eompositionen gefallen? Kritiker: Was soll ich dazu sagen? Ich denke, man wird sie vielleicht noch spielen, wenn Mozart, Haydn, Mendelssöhn und Mcyerbeer längst vergessen sind'." Tonkünstler: Wirklich?Kritiker : Gewiß, aber vorher nicht!" A u,ch eine falsche VeHandlung. Tu, wa.m haben denn die Huber's auf einmal den Arzt gewechselt?- Ja, weißt Du, der letzte, den sie hatten, hat ihre Tochter, unrichtig behandelt!" Ja, wieso denn?- Er hat eine Andere geheiratet!Enttäuschung. Herr: O, wenn ich doch Ihre Photogr hie hätte! Langhaariger Dichter (gescneichelt) : Meine Photographie? Herr: Als Etikett sür mein neues Haarwuchsmit-tel!