Indiana Tribüne, Volume 16, Number 151, Indianapolis, Marion County, 19 February 1893 — Page 2

Farbstoffe in Nothweinen

ES gibt zur Prüfung der in den s??thwemen enthaltenen Farbstoffe ver schieden? Methoden. Eine der verhält Zlißmäßig einfachsten ist die von W. Stein, welche sich auf daZ Verhalten der Farbstoffe zur Wollfaser und Thon, erde stützt. So, zum Beispiel, ist Fuchsin leicht auf folgende Art nachzu weisen: Man erhit die Weinprobe mit wenig weißem Baumwollengarne oder Baumwollengewebe zum Kochen, läßt erkalten und wäscht aus. Neiner Wein färbt so wenig, daß nach kurzem Stehen unter Wasser die Baumwolle farbloZ erscheint. War Fuchsin vor Handen, so bleibt sie dauernd roth (rosa dis karmostn) gefärbt. In anderen Fällen verfährt man auf nachstehend bezeichnete Art: 1. Man bringt einige .Wollfäden in den Wein und läßt ihn in der Kälte etwa eine Viertelstunde stehen, gießt dann ab und wäscht auZ. Die Wolle ist bläulich gefärbt: der Wein enthält Indigo; sie ist deutlich rosa bis karmosm gefärbt und die rothe Farbe verschwindet durch ver dünntes Ammoniak, ebenso wie durch .verounnte Salzsäure: Fuchsin. Wäre Indigo neben Fuchsin vorhanden, ss färbt sich das verdünnte Ammoniak bläulich. Im Zweifelsfalle wird die Flüssigkeit im Wafferbade eingetrocknet !und mit einigen Tropfen Wasj'er über !gosfen, worin sich der Indigo lost. 2. 'st kein Fuchsin erkannt worden (die Gegenwart von Indigo schließt eine künstliche Rothfärbung nicht aus), so erhit man etwa 10 E.(L des WeineS mit Wolle unter Zusatz einiger Tropfen Alaunlösung zum Kochen und läßt etwa eine Stunde stehen. Nach dem Auswaschen gießt man reichlich Kalk wasser auf und läßt ungefähr eine Viertelstunde stehen. - Die Farbe des WeineS wird dadurch schmutzig bräunlich; wird sie flcischroth oder karmofin, so sind Rothholz oder Cochenille vorhanden. Man wäscht auS und übergießt mit wässeriger schwe seliger Säure; sie wird zu gelb ent färbt: Nothholz; sie wird nicht entfärbt, sondern nur roth mit gelbem Ton: Cochenille. War dagegen die Farbe durch Kalkwasser graublau bis blau ge worden, so ist Blauholz vorhanden. 3. Ist weer das eine noch das andere ge funden, so trocknet man einen Tropjen Des Weines, wie oben angegeben, auf weißem Flicßkarton ein und bringt ihn dann auf einer Porzellanschale in eine Lösung von essigsaurer Thonerde. Die Farbe geht von Blauroth oder Violett ;in Blau über: der Wein enthält dann .sicher Malven oder Ligusterbeeren. Eine Concertgeschichte. . Cine fatale Concertgeschichte wird in Musikalischen Kreisen Berlins colportirt iund viel belacht. Eine bekannte Sän gerin hatte dort jüngst ein Concert an gemeldet. Ta sie an die zur Zeit eben falls in Berlin weilende Schriftstellerin jD. Sch. durch Bande der Freundschaft eknüpft ist, so lag nichts näher, als daß eben diese Heldin der Feder der JüngerinMelpomenenZ erklärte, selbst verständlich- ihr Concert besuchen zu wollen. In der frohen Hoffnung, un ta dem Publikum eine fühlende Brust mehr zu finden, war die Sängerin ge rade im Begrfff, sich im Wagen nach dem Ott des Concerts zu begeben, als man ihr ein Briefchen nachbrachte. Am Ziel angelangt, öffnete die Künstlerin rnit begreiflicher Spannung das duftende Couvert und las etwa folgende Zeilen: Theuerste Freundin! Die Feder zit tert mir in der Hand, so aufgeregt, so zerwühlt istmein ganzes Sein durch die Kunstgenüsse, die Sie mir eben in hrem Concert bereitet haben. Ich kam nach Hause und wollte mich zur Ruhe begeben. Aber der Sturm, den Ihr Gesang, geliebte Schwester in Apoll, hier drinnen erregt hat, läßt sich so leicht nicht besänftigen. Nein! mein verzückter Geist sieht Sie noch immer inmitten der jubelnden Menge wie eine siegreiche Königin, und durch die ge heimnißvolle Stille der Nacht um mich her klingt mir Ihre Stimme an'ö Ohr. Ihre süße Stimme, die mich gepackt hat mit dem Ungestüm einer Naturge walt. Da ich nun morgen abreise, also nicht zu Ihnen fliegen kann, um un Ihrem Halse mein Cntzückeu und meinen Dank auszujauchzen, so sende ich hiermit den Tribut, den ich Ihrer Größe zolle. Ihr Concert wird unver geßlich bleiben Ihrer O. Sch." Wenn die Schreiberin das erstaunte Gesicht Ihrer Freundin beim Lesen dieser Zeilen gesehen hätte, wäre sie über die Pünktlichkeit der Post und ihres Dienstmädchens nicht sehr erbaut gewe sen. Warum mußte Minna, ruft das Berl. Tagebl." auZ, dem wir diese Geschichte entnehmen, den Brief auch einen halben Tag zu früh in den Kasten werfen! DeSbalb. Seit mein Mann Stadtverordneter ist, ist er ein ganz Anderer. So kann er j. A. reaelm'äöia in der Nacht, wenn er am Tage Sitzung gehabt hat, kem Auge schließen. r 1 11- v kl er Zluesyai ocnli nicyit yiegen rne ner bauolunaen ihn etwa so auf? Da: nicht, aber er schläft immer in der Sikuno!

Mißverstanden. Dienerin: 5ine Cmpfehlung von meinem gnädi gen Herrn; der Herr Professor möchte morgen Mittag bei ihm speisen. Grüßen Sie nur vielmals, ich werde die Ehre haben, aufzuwarten. Das thut nicht nöthig! Ein Lohnkellner ist schon bestellt! : Fatal. A: Denk Dir nur. was unser'm Prozessor wieder passirt ist! War er da neulich bei einer Hoch zeit eingeladen; am Schlüsse des Mah !es klopft er, da er einen Toast aus bringen will, an's GlaS, ruft aber in seiner Zerstreutheit: Zahlen'.- ' Bissig. A: .Warst Du fcenn in dem neuen Gasthos zufrieden? Me waren denn die Betten?" B: Kkuune-il-fionl"

!703-lNZ.

(Hin Jahrhundert europäischer ultnrentwickl.) Allen Naturgesetzen zum Trotze ging vor einem Jahrhundert die Sonne im Westen auf. Heller Frührothschein stieg am Firmamente jenseits des Rheins empor, die Herzen erquickend und erfreuend, und die leuchtenden Strahlen durchbrachen stellenweise auch das Gewölk, welches damals über dem übrigen Enropa lagerte. Das war anno 1789. Die großen und schönen Ideen, welche von Rousseau und Bol taire, von Diderot, Montesquieu und Anderen der Oeffentlichkeit übergeben worden, schienen mit einem Ruck in ihrer vollen -Reinheit im Staatsleben Frankreichs ihre Verwirklichung finden zu sollen. Der Feudalismus daselbst brach wie ein morscher Baum zusammen; die Menschenrechte wurden proklamirt, die Gleichheit aller Staatsbürger ohne Unterschied der Konfession zum Gesetze erhoben, und zum ersten Male in der Geschichte geschah es, daß bevorrechtete Stände alle ihre Privilegien freiwillig zu Gunsten der Allgemeinheit hingaden. Mag auch bei jener Abstimmung, welche im hohen Aufschwung der Begeisterung, in der berühmten Nacht vom 4. August, vorgenommen wurde, mancher Aristokrat sein Botum für die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nur unter dem unwiderstehlichen Eindrucke des Augenblicks abgegeben ha ben, mancher vielleicht auch von der Empfindung geleitet gewesen sein, daß die neugeschaffene Lage früher oder spater doch wieder den alten Zuständen Platz machen würde, jene Abstimmung bleibt doch für alle Zeiten ein Ereigniß von entscheidender historischer Bedeu tung. Diesseits des Rheins spiegelten si h die Pariser Ereignisse zunächst fast ausschließlich in dem Schaffen der gei stigen Größen des deutschen Volkes wider, während die Politik des Tages davon fast unberührt blieb. Sie besruchteten Kant und Schiller; auch Goethe nahm zu den Thatsachen der Revolution Stellung, wenn auch mit der tastenden Vorsicht des überragenden Genies, wel ches den Ereignissen auf den Grund sieht und über dieselben hinweg den Blick zu den ewigen Problemen der Menschheit richtet. Diesen Sonnenausganq überlohte später die Flamme der Zerstörung. Die Männer des Schreckens gingen an die Arbeit: die Guillotine übte ihr furchtbares Werk; es schien, als ob alle Früchte der geistigen Erhebung von 1789 in einem Meer von Blut und Schrecken unter gehen sollten. Und dennoch muß man an das Jahr 1793 anknüpfen, wenn man das aus der französischen Revolution sich ergebende Rejultat der bisherigen Kultur entwickelung in Europa festzustellen ver sucht. Auf den furchtbaren Thaten der Revolutionsmänner von 1793 ruht der Schleier der Vergangenheit, welcher die entsetzlichsten Geschehnisse in 'ein wohl thätiges Halbdunkel hüllt; das neue Frankreich vermag seine Existenz doch nur von der Zeit abzuleiten, in der die große Revolution zu Ende-gegangen war und eine neue Ordnung der Dinge sich festsetzte. Das Konsulat wurde in Frankreich vom ersten Kaiserreiche ab gelöst; die absolute Monarchie erschien als galvanisirter Leichnam für kurze Zeit wieder auf dem Plane; das Bür gerkönigthum und das zweite Kaiser reich mußten immer wieder der Repu blit weichen, die nun wohl dauernd ihre Herrschaft über das Gebiet Frankreichs behaupten wird. Die monarchische Tradition in Frankreich ist abgestorben, die noch lebenden Prätendenten aus den Häusern der Orleans und Bonaparte verfügen nicht über jene VolkSthüm lichkei't, welche ihnen die Massen zuführen könnte. Heute freilich, an der 100. Jahres wende von 1793, bietet Frankreich ein trauriges Schauspiel dar. Teputirte und Senatoren werden unter der Anklage, ihre ideale Mission verrathen und ihre Stimmen an die Interessen einer Geschäftsunternehmung für baareZ Geld verkauft zu haben, nach MazaS ge brgcht. Das ist jedoch keine Erscheinung von absoluter Neuheit, die etwa gerade der dritten Republik auf's Kerbholz geschrieben werden könnte. Haben doch selbst die SchreckenSmänner der großen Revolution, wie Camille Des moulins und Andere, von den Geldern der Ostindischen Compagnie ihre mit dem Charakter schlichter VolkSmänner so gar nicht in Einklang zu bringenden Luxusbedürfnisse bezahlt, und die groß artigen Corruptionsprocesse, welche dem Ende deS BürgertönigthumS voraus gingen, bilden ein Analogon zu den heutigen Vorgängen in Frankreich. . Die Algierische MinenCompagnie spielte im Jahre 1847 dort jene Rolle, welche zur Zeit der Panama-Gesellschast zugefallen ist. DaS französische Volk jedoch blieb in seinem innersten Kerne von jeglicher Korruption unberührt deS Verstandes, immer wieder sich aus der Erniedrigung emporzuheben; der Ideen gehalt der politischen Freiheit und deS geistigen Fortschritts hat in den Herzen dcr Franzosen so tiefe Wurzel geschla 9 l. daß Freiheit und Fortschritt, alle Kämpfe und Venrrungen überdauernd. unverrückt das leitende Prinzip für das öffentliche Leben Frankreichs geworden sind. Es ist immer nur die oberste Schichte der eben herrschenden Gezell schaft, welche die Sünden begeht, aber immer wieder wachsen neue Generativnen empor, welche die kranke Gesell schaft regeneriren und dem Staate wie der Gesellichaft neue Stützpunkte vcr leihen. Wenn wir nun unsern Blick von Frankreich hmweq auf die Einmirkun gen richten, welche die Ideen der fran zösischm Revolution auf das übrig! Europa übten, so müssen wir uns zu nächst nach der politischen Richtung hin eine Thatsache gegenwärtig halten. Die Theorien des Herrn von MonteZ qrneu haben im übrigen Europa' prak tisch nicht zu halten vermocht, was fix

versprachen. Die Lehre von der Drei theilung der öffentlichen Gewalten im Staate'scheiterte und wir haben da bei vorzugsweise Teutschland und Oesterreich im Auge an den Ver Hältnissen. In Frankreich hatte die Revolution die Monarchie und den Feudalismus mit allen Wurzeln auZ dem Boden gerissen; die nachfolgenden Monarchien mußten die kurze Periode der Restauration ausgenommen, welche eben an dem mangelnden Verständnisse für die Nothwendigkeit zu Grunde ging, den Gedanken der Volksfouoeräne tät shren Tribut zollen. Anders in Teutschland und Oester reich. Hier ragten die Bollwerke deS Feudalismus noch als festes Mauerwerk empor und als im Jahre 1848 von oben herab den Völkern in Deutschland und Oesterreich Verfassungen als Gnadengaben verabreicht wurden, da fehl tcn für diese. Einrichtungen die natür liehen Voraussetzungen. ' Es zeigte sich bald, daß der herrschenden und erekuti ven Gewalt die gesetzgebende Gemalt des Volkes keineswegs als gleichgearteter Faktor gegeüberstehe. EZ zeigte sich bald, daß die Exekutive von derPerfon des Herrschers kaum zu trennen sei. Die beiden zusammengenommen repräsentirten thatsächlich die herrschende Staatsgewalt, der gegenüber die Par' lamente höchstens Körperschaften mit berathender Stimme darstellen. So ist. es ja in den meisten parlamentarisch regierten Staaten Mitteleuropas bis zum heutigen Tage geblieben. Das natürliche Schmergewicht der öffentlichen Gewalten drückt die Bedeu tung deZ Parlamentarismus herab und kaum in einem der größeren kontinentalen Staaten Europas vermöchte man zu behaupten, daß das Parlament die gleiche Machtfülle repräfentire, wie die mit dem Herrenhause verbündete Exe kntive. Man kann in dem einigen deutschen Reiche die Beobachtung ma chen, daß der im allgemeinen Stimm recht zum Ausdruck gelangende allge

meine Volkswille nicht entfernt das gleiche Machtquantum darstellt, wie der Wille der Regierung. In den Vertretungskörpern Preußens und der andern deutschen Bundesstaaten aber spielen auch heute noch die Herren von und zu" eine eingreifende Rolle. Und gar erst in Oesterreich, wo die Verfas jung durch das besondere Wahlrecht des Großgrundbesitzes dem hohen Adel an Stelle der alten, wett werthvollere neue Privilegien gab und wo der LiberaliZmuS gezwungen ist, diese durch nichts begründete Sonderstellung der Aristokra tic als eine Art Schutzwchr für das Deutschthum mit in Kauf nehmen. So leben wir denn heute, ein Jahr hundert nach dem Abschluß der fran zösischen Revolution das Pnnzip der VolkssouveränetÜt noch immer über den embryonischen Zustand nicht hinausgekommen. Wer trägt die Schuld hieran? Es ist nothwendig dieser rage ehrlich und unerschrocken ms Gesicht zu sehen, und wenn man dies thut, wird man das Bürgerthum, we nigstenS in seinen höhern Schichten, von gewissen Vorwürfen nicht freizu sprechen vermögen. Die mächtige Neu gestaltung des indnstriellen Lebens be gleitet den Aufbau des neuen politischen Europa seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts. Als in Frankreich das sinkende Königthum mit seinen durch den FeudclismuZ verschuldeten Finanz Nöthen kämpfte, denen Nccker und Eol bert vergeblich abzuhelfen suchten, er schien in England Adam Smith'S epochemachendes Werk: Ueber die Ursachcn des Nationalreichthums", die SchöpfungSgezchichte, wenn man es so nennen darf, der neuen industriellen Welt. Gleichzeitig begann der Dampf aus den Ventilen zu strömen, die Mafchi nen singen an ihre eisernen Arme zu bewegen, die Dampfkraft trat als neues Kulturelement in Funktion. Ein neuer Revolutionär, mächtiger noch in seinen Wirkungen als jene philofophi sehen Ideen, welche den Umsturz in Frankreich herbeigeführt hatten, erschien damit auf dem Plane. Die Dampfkraft und die künstlerische Organisation deS Handwerks hätten ne deneinander nicht bestehen vermocht; daß sie einander ablösten, war mehr als ein Werk deZ Zufalls. Am Zei chentifch deS Technikers, der die ersten Dampfmaschinen für den industriellen Betrieb erbaute, entstanden die Hebel, welche bestimmt waren, die alte Welt aus den Angeln zu heben. Wen.l ihnen dies bisher nur zum Theil gelun gen ist, so war es nicht die Schuld der Maschine, welche das Ihrige dazu gethan bat, dem Fortschritt zu dienen. ES ist ein richtiger Instinkt, der die Reaktionäre aller chattirungen mit aufrichtigem Hasse gegen die technischen Neuerungen erfüllt; sie ahnen den un trennbaren und Unüberwindlichen Zusammcnhang zwischen den technisch? Neuerungen und dem Emporsteigen der menschheitlichen Kultur. Großes und Mächtiges hat die Technik schon gcschaf fen. Sie Hai die gewaltigen Massen des Urgesteins durchbohrt und Landengen durchbrochen, um Länder und Völker miteinander zu verbinden: sie hat die industrielle Produktion auf eine vordem nicht geahnte Höhe emporge hoben, sie erzeugt . täglich ungeheuere Reichthümer und immer mehr nähert sie sich dem großen Ziele, das Menschengeschlecht von der Last der schweren körperlichen Arbeit möglichst zu befreien. Hier aber sind wir an einem Punkte angelangt, wo die Erscheinungen zu kritischen Bemerkungen herausfordern. ES kann dem besitzenden Bürgerthum, welches seine Intelligenz, seinen Unter nehmungSgeist und fein mobiles Kapi tal der modernen Industrie zur Ver fügung stellte, die ihm dafür mit großen Reichthümern dankt, nicht zum Vor wurf gemacht werden, wenn der neuen Gestaltung der Dinge zahlreiche Existen zen zum Opfer sielen. . DaS ist nun einmal die unzertrennliche Begleiter scheinung eines jeden tiefeingreifenden Umschwungs. Ter Gastmirth an der Chaussee, den der Ertrag seiner Oer.

berge zum wohlbestalltenManne machte, solange die schwerbeladenen Lastwagen vor seinem einladenden Hause die Rast stunde hielten, muß es sich gefallen lassen, daß die vorübersausende Eisenbahn ihm die KMidschaft wegnimmt.

Der frei umherschweifend: Jage? der menschlichen Urzeit mochte die Thätigkeit des an einer geeigneten Stelle sich festsetzenden Ackerbauers als einen Eingriff in seine Eristenz betrachten. Aber der Erste, der die primitive Waffe mit dem ebenso primitiven Werkzeug vertauschte, das geeignet war. die Scholle zu bearbeiten,' war ein Mann des Fortlchritts. und darum ist es kleinlich und verkehrt, die Maschine und Diejenigen, die aus ihrer Anwendung materiellen Vortheil ziehen, für die mannigfachen krankhaften Erichemungen der Gegenwart verantwortlich zu machen. Wohl aber darf eZ ohne Feindlellgkeit gesagt werden, daß das Bürger thum des Kontinents es vielfach nicht m der rechten Weie verstanden hat. seiner idealen Kulturmliiion gerecht zu werden. Nachdem es durch die Arbeit der vom Dampf bewegten eisernen Sklaven reich und mächtig geworden. wäre es seine Aufgabe gewesen, die Masse des Volkes zu sich heranzuziehen und mit ihr vereint eine neue, auf die Arbeit und den Erwerb basirte, jedes Privilegium der Nichtarbeitenden ausschllevende Gesellschaftsordnung auszu bauen. Die oberen Schichten des reich gewordenen Bürgerthums aber gingen andere Wege. Die Ansammlung großer Mittel stattete sie mit neuen Bedürfnissen aus ; eZ ward vielfach zur Mode, den Adel in seiner Lebensweise und seinen Gewohnheiten nachzuahmen; man bewarb sich um Titel und Würden und mancher relchgewordene Fabrikant, der eZ sich zur Ehre hätte schätzen sollen, einen strebsamen jungen Standesgenos sen als Schwiegerlohn m seme Familie aufzunehmen, war stolz daraus, durch die reiche Mitgift seiner Tochter einem herabgekommencn Edelmann die Mittel zur Fortsetzung des arbeitslosen stau deZgemäßcn" Wohllebens darbieten zu dürfen. Der politische Idealismus, der das Bürgerthum zu seiner Höhe empor gehoben hatte und dessen weitere Vflege ihm für die Zukunft die dominirende . , i rr i , Stellung im toiaaic acica:rt yuoen würde, machte immer mehr dem OpportunismuS Platz; den an der Macht gebliebenen Ueberresten der früheren Rechtsordnung wurden immer neue Opfer dargebracht und während sich solchergestalt eine neue herrschende Schichte bildete, lösten sich die unteren Klassen immer mehr vom Bürgerthum los, um sich schließlich zum Klassenkampse gegen dasselbe zu organisiren. AuZ der Studirstube des Naturfor schcrS ist der technische Fortschritt in die Welt hinausgetreten, und weiterschafsend und forschend legte die analytischkritische Methode der Beobachtung der Naturerscheinungen die Grundlage zu einer neuen Weltanschauung. Auf der lombardischen Ebene klirrten die Schwerter Oesterreichs und Italiens aneiuander, als abermals ein Mann der angelsächsischen Rasse aus seiner stillen Studirstube ein Buch in die Welt binausschickte, das die Geister in tiefe Aufregung versetzte. ( rr . ir. . .1. rr. . . . crr . i s war ugarieä Darwins en über die Entstehung der Arten. Was Andere vor ihm schon zum Theil vorgeschaut und vorgearbeitet,das hatte der englische Naturforscher mit einer ge waltigen Geistesthat zu einem einheitlichen System zusammengefaßt: eine ganz neue Auffassung von der Ent. stehung der thierischen Organismen. An keiner Stelle seines Werkes trat Charles Darwin der biblischen Weltschöpfungslegende offen gegenüber. Aber die Vertreter der kirchlichen An schauungen begriffen die umwälzende Bedeutung seiner Lehre und ein er bitterter Kampf entspann sich um die neue Theorie von einem Ende Europas bis zum andern. Seither haben die Naturwissenschaften noch manche mächtige Quader in den Bau der neuen Weltanschauung :ingefügt, und mag auch Manches von dem,' was wir über jene geologischen Revolutionen zu wissen glauben,' deren Folge die heutige Gestaltung der Erdobersläche bildet, vielleicht durch neue Wahrnehmungen und Entdeckungen wieder berichtigt werden, so hat doch die naturwissenschaftliche Untersu chungsmethode, w:lche mit dem Gesammtnamen des Darwinismus" bezeichnet wird, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eins derartig gründlegende Umgestaltung des Geisteslebens der Kulturmensch'). herbeigeführt, daß keine Macht der Erde die' denkenden Geister wieder zu den Anschauun gen der Vergangenheit zurückzuführen vermögen wird. Noch steh?n wir inmitten des durch die Darwin'sche Lehre hervorgerufenen geistigen Kampfes; aber nicht er allein ist es, der unsere Zeit bewegt. Zwei große Entmicklungen schreiten hauptiächlich in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts nebeneinander einher, und sowie über Haupt in der Kulturgeschichte keine für allein dastehende Erscheinung eristirt, vielmehr die verschiedenartigsten Aus drucksformen des geistigen Schaffens und Ringen? mit eineinder wetteifern, so bleiben auch jene beiden großartigsten Entmicklungserscheinungen, die unse rem Jahrhundert ihr Gepräge derlei ben. nicht unabhängig und' unbeein flußt von einander. Der Dampfbe trieb in der Industrie und die natur wissenschaftliche Weltanschauung, be steht wirklich ein Zusammenhang zwi sehen diesen beiden? Gewiß, und er ist tiefergehend als eine oberflächliche An schauung der Dinge annehmen ließe. Der mächtige Umgestaltungsprozeß, den die immer mehr sich ausbreitende Ver Wendung der Dampfmaschine mit sich brachte, mußte sich,, wie bereits weiter erwähnt, .'nothwendig in einer Verän derung der Besigverhältnisse zum AuZdruck bringen. Diese Veränderungen zogen den Blick

der Wissenschaft auf sich, die von Adam Smith begründete Wissenschaft der Nationalökonomie, die sich vordem mehr' mit der Allgemeinheit der wirthschaft!!chen Vorkommnisse beschäftigt hatte, stieg immer mehr zu den Einzelheiten derselben herab, die analytisch-kritische Methode der Naturwissenschaften bemächtigte sich des gesellschaftlichen Le benZ, die Nationalökonomie wurde zu? Socialökonomie und eZ entstanden jene Zukunftstheorien, als deren Anhänger zur Zeit Millionen von Menschen den Kampf gegen die bestehende sociale Ordnung führen. Der bürgerliche Liberalismus hat nicht Zeit genug gehabt, um durch fei nen ethischen Inhalt den Effekt der unter seiner Herrschaft sich vollziehenden wirthschaftlichen Umwälzungen ausglei chen zu können, und seine zahlreichen Feinde thaten das Ihrige, ihn in seiner Wirksamkeit möglichst zu beeinträchtigen. Jahrhunderte hindurch hatte der FeüdalismuS freien Spielraum gehabt, die Kirche stand ihm in dem Bestreben zur Seite, die Gemüther der Menschen zu beeinflussen und diese letzteren seinen Zwecken dienstbar zu machen. Dem bürgerlichen Liberalismus ist niemals eine solche Hilfe zu Theil geworden. Er war immer auf sich allein gestellt und nie konnte ihn die Empsindung verlassen, daß die leitenden Mächte des Staates im innersten Herzen von der aufrichtigsten Gegnerschaft gegen ihn erfüllt seien, wenngleich sie sich vielfach äußerlich den Anschein gaden, den Ideen des Fortschritts zu h'uldigen und ihnen die Wege zu ebnen. Ein englischer Kulturhistoriker ist es. der den Ausspruch that, niemals habe eine Regierung oder ein Herrscher einer fortschrittlichen Einrichtung freiwillig daS Dasein gegeben: jede Neuerung im Staats- und Gesellschaftsleben sei' das Produkt eines Kampfes, der in dem Augenblicke zum ganzen oder zu einem theilweisen Siege führte, wo die Herrsehenden Elemente es in ihrem Interesse gelegen fanden, sich mit der unabwendbar gewordenen Neuerung zu befreunden. So sind denn auch in der That die Ideen des aufrichtigen Fortschrittes, seitdem sie vor einem halben Jahrbundert im öffentlichen Leben der Staaten Mitteleuropas zum Durchbrüche gelang, tcn, in Wahrheit niemals die herrschenden gewesen. Die herrschenden Ideen in unseren europäischen taatZwesen sind faktisch die konservativen. Der Geist der obersten Gesellschaftsschichten ist nicht von den modernen Anschauungen über die Beziehungen des Staates zu dem Individium, über das Verhältniß der Kirche und des positiven Glaubens zu dem Gemüthe des Einzelmcnschen belebt, in den maßgebenden Kreisen" gelten nach diesen Richtungen hin die Anschauungen der Vergangenheit, die Traditionen des Gewesenen als das allein Richtige und Wahre, neben denen die Theorien von der geistigen Freiheit und von dem Rechte des' Individuums noch immer als etwas mit mehr oder weniger Wohlmollen Geduldetes um ihre Anerkennung ringen. Man braucht blos in den öffentlichen Vertretung körpern bei der Berathung principieller Fragen die aus den Reihen der konservativcn Parteien und selbst von den

Bänken der Minister laut werdenden Erörterungen zu vernehmen, um sich mit tiefem Bedauern vollkommen klar darüber zu werden, daß hier noch immer zwei gegensätzliche Weltanschauungen fast unvermittelt einander gegenüberstehen, daß hier eine weite Kluft gähnt, über die höchstens gebrechliche Not'ystege, aber keine festen Brücken hinüberführen. AuS diejer unüberwundenen Gegenfätzlichkeit der Anschauungen erklärt sich ja auch jene weitgehende Duldsamkeit, welche von den maßgebenden' Kreisen der mitteleuropäischen Staaten gewissen Erscheinungen der Gegenwart entgegengebracht wird. Von allen Seiten' erbebt die Hydra der Reaktion ihr Haupt; wirthschaftliche Unzufriedenheit und die mangelnde geistige Durchbildung der unteren Schichten deZ BurgerthumS vereinigen sich zu einem wüsten tobenden und lärmenden Aufruhr gegen die freiheitliche Gestaltung des öffentlichen Lebens; wir gewahren krankhafte Ent artungcn der Geister, die unS mit staunen erfüllen. ES ist uns mitunter, als sähen wir an die Stelle der Sansculotten von14793 die Schreckensmänner der Gegenwart an der Arbeit, die moralische Guillotinen aufgerichtet haben, um Alles zu vernichten, was lhrcm fanatischen Irrwahn widerstreb!. Und wenn wir unseren Blick zur Ju gcnd hinwenden, zu Denjenigen, welche die kommende Generation rcprazenti ren. die Juaen, auS der die Lehrer des Volkes, die Richter und Anwälte, die öffentlichen Funktionäre aller Art und die Wortführer der öffentlichen Mei nung hervorgehen werden, welcher An blick bietet sich erst hier uns dari Nur der kleinste Theil derÄtudentenschaft an den deutschen Hochschulen ist den Ideen oeS ruhigen, zielbewußten Fortschrittes ergeben, die überwiegende Mehrzahl der wissenschaftlich arbeitenden Jugend deS Deutschen Reiches huldigt einer Auffaf fungdcr nationalen Idee, der nicht die geistiae und wirthschaftliche Freiheit als Leitstern voranschwebt. Nicht für Freiheit. Gleichheit und Brüderlichkeit erwärmt sich em großer Theil der deut schen Hochschüler, der Absonderung, der Trennung, der ständigen Gllcderunq der Gesellschaft reden sie das Wort. Aber es liegt trotz alledem kein Grund vor. der Zukunft trüb entgegen zu schauen. Ein chaotisches Ringen und Kämpfen zeigt sich unseren Blicken. wenn wir daS geistige Leben der Zeit in'S Auge fassen; überall Platzen schroffe Gegensätze aufeinander; . die Gespenstcr der Vergangenheit tauchen empor und gleichzeitig wird im camen der Zukunft die bestehende Ordnung der Dinge bekämpft. AuS den dunklen Nebelmassen jedoch, die sich über unsern Häuptern zusammenballen, wird zuverlässig eine neue Welt erstehen. Man braucht' hieran nicht zu zweifeln, alle

führenden Geister der Zeit suchen den Weg zur weiteren Befreiung der Menschheit von Knechtschaft und. Irr mahn, von materieller und geistiger Bedrückung. Und sie werden ihn sin den. Aus dem Dunkel der Gegenwart leuchtet als Wegweiser für die Zukunft die strahlende Idee einer gekräftigten Menschheitsempsindung, der gesteigerten Humanität und der sozialen Ge rechtigkeit hervor. H. F.

m m m Weshalb Herr Lehman nicht strk ven wollte. Sine Seschichte. die somit wirklich au! dem Lebe ist. Sterben mögen wir wohl mehr oder weniger alle nicht gerne; ich habe wenigstens niemals Jemanden kennen gelernt, der dies Geschäft mit Leidenschaft betrieben hätte. Herr Lehmann hatte aber geradezu eine krankhafte Aversion dagegen. Als er das erste Mal erkrankte, da war seine liebe Frau noch jung, und Herr Lehmann hatte es daher ziemlich leicht, einen Entschuldigungsgrund für seine sonderbare Abneigung gegen den Tod zu finden. Er meinte einfach dem Arzte gegenüber: Sehn Se mal, Herr Docter, meine Olle is noch jung un Jeld hat "se ooch. Es würde ihr also sofort wieder Eener heirathen, nich wahr?" Allerdings!", entgegncte der Arzt, das ist wohl mehr als wahrscheinlich!" Na ja, sehn Se woll!" sprach Lehmann triumphircnd, un denn würde ick nachher im Grabe jar kcene Ruhe finden! Das Sterben könnte mir also nischt uutzen! Sehn Sie das ein, Herr Dokter?" Hm! Ja. das sehe ich ein!" antwortete der brave Arzt, und so machte er denn Herrn Lehmann wieder gesund. Mittlerweile waren einige zwanzig Jahre vergangen und Frau Lehmann war inzwischen recht alt und häßlich geworden, da lag Herr Lehmann mal wieder auf den sogenannten Tod. Na, wie ist es denn mit dem Ster ben, lieber Herr Lehmann?" fragte der freundliche Arzt. Det is immer noch nischt!" erwiderte Herr Lehmanu bestimmt, denn sehen Se mal, Doktcrchen, jetzt is meine Olle alt und da nimmt ihr Keener mehr un se steht denn janz alleene uff de Welt un det würde mir erst recht keene Ruhe in'n Jrabe lassen. Der Zweck wäre also janz verfehlt! Nicht wahr, det iZ Ihnen doch klar, Dokterchen?" Und richtig, der Arzt sah auch diesmal die Triftigkeit der Lehmann'schen Gründe ein und heilte ihn. Dann aber kam er etwa zehn Jahre später das dritte Mal. Mutter Leh. mann hatte bereits -vor einigen Jahren das Zeitliche gesegnet und somit hätte man eigentlich annehmen sollen, dag für Herrn Lehmann absolut kein plausibler Vorwand zum Nichtstcrben vorHanden gewesen wäre. Dennoch sträubte er sich mit aller Energie: LiebeS Dokterchen," rief er, nich wahr, Se meinen doch ooch, daß meine Olle in'n Himmel nu jlücklich is un ihre ewige Ruhe jefunden hat?" O, ganz sicher, lieber Herr Lehmann. denn sie war ja stets eine brave Frau!" Nich wahr. Herr Doktor, det is ooch meine Ansicht. Un weil ick doch ecn rücksichtsvoller un juter Mensch bin, so will ick ihr daher auch lieber in ihre Ruhe jarnich stören, denn, janz unter uns gesagt, ick habe mir mit die olle Zanktippe cijentlich während unsere janze Ehe wat ehrlichct zurechtjekabbelt un det würde sicher sofort wieder losjehen; also müssen Se doch einsehen, det et besser is, wenn ick noch en bisken hier bleibe, nich wahr, eenzijet Dokterchen?" Einer derartigen Logik konnte sich nun selbstverständlich der wirklich brave Arzt auf keine Weise entziehen und so blieb ihm denn nichts weiter übrig als Herrn Lehmann auch diesmal wieder gesund zu machen. Der Letztere lebt heute noch, wovon sich Jeder imBerliner Adreßbuch überzeugen kann! ! ! I ü r g e n f e n. Jeros ejeff und Latchi noss fanden in einem Meteoriten, der in Nowo-Urei (Gouv. Pensa in Rußland) gefallen war, ein grobes, schwarzeS Pulver, das die Härke des Diamanten besaß. Weinschenk entdeckte in dem Meteoriten von Arva kleine Körnchen, die den Rubin ritzten, und König machte dieselbe Beobachtung an einer Probe von Meteoreisen. daS in der Nähe von Eanon-Diadlo in MittelAmerika aufgefunden worden war. Friede! endlich gewann aus einem Meteoritenstück soviel von diesem schwarzen Pulver, daß er eS einer genauen Analyse unterwerfen konnte. DaS Ergebniß der Untersuchung aber -bestätigte die Annahme der übrigen Gelehrten vollständig; es war Diamant, der nur der schwarzen nickt krystallisirtcn Varietät angehörte. Diese Diamantcnkörnchcn, die in Gesellschaft von Schwefeleisen und Phosphorverbindungcn in kleine Höhlen eingefügt sind, können sich aber wohl nur während der Konsolidirung der Meteormasse gebildet haben. Des halb ist e5 vielleicht auch möglich, in einem elektrischen Schmelzofen, der eine Wärme von 2000250 Grad hervorzubringen vermag, die gewünschten Bedingungen zu vereinigen, um, wenn auch noch nicht krystallisirte Diamanten, doch vorerst wenigstens diese schwarze Varietät zu fabriz'iren. Auf dem P o l i z e i a m t e. Sie behaupten also, der Herr des her renlos hier eingelieferten Hundes zu sein? Ja! Wie sieht er aus? , Braun mit weißen Flecken! Das stimmt. Worauf hört er denn? Auf den Ohren natürlich! Worauf sonst wohl? Er glaubt es nicht. Stüdter: Kauf' mir den Glücksthaler ad, Hannes, um fünf Mark kannst' haben, so lang man den in der Tasche hat, geht Einem niemals das Geld aus. Bauer: Sell glaub' i net, willst mi bloS anfchmier'n!

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Hieroglyphen Das einfache Memoriren der hieroglyphischen Zeichen und Figuren hat an und für sich keinen Werth, umsomehr, - da man ja ohne Kenntniß der altegyptischen Sprache keine einzige kstelle übersetzen, respective entziffern könnte; es gibt wohl Inschriften, welche symbolisch gehalten sind, das heißt, wo jedez Zeichen das Wort bedeutet, wel ches es vorstellt, aber dabei würde man doch zu keinem rechten Resultat kom men. Das alte Egypten hatte drei Schriftarten, welche sich successive ent wickelten. Bereits in der frühesten historischen Zeit, daZ heißt, schon in derjenigen Epoche, aus welcher die ersten Jnschrif ten vorhanden sind, tritt uns das hieroglyphische Schriftfystem fertig entgegen. Einer Entwicklung und Ver vollkommnung der Hieroglyphen zu. folgen, ist deshalb unstatthaft, denn die ältesten Inschriften zeigen uns die. selben fast ebenso vollkommen abge schlössen und vollendet, wie die viel späteren Monumente; ja, in den alte sten Texten kommen bereits Abbildungen des Schreibzeug", der Papyrus rolle" :c. vor. Die Form der Hieroglyphen blieb 3000 Jahre lang bis zur Zeit der Römerherrschast die gleiche. Die erwähn ten ältesten Inschriften sind in Stein gemeißelt oder in Holz geschnitten .und erhielten sich deshalb so lange, während die ersten Versuche der Schreiber auf und mit vergänglicherem Material her gestellt wurden und beinahe sämmtlich zugrunde gingen. Die Hieroglyphen schrift setzt sich auZ zwei Hauptelemen ten zusammen, aus Lautzeichen und Begriffszeichen. Die Lautzeichen zufallen in alphabetische und Silbenzei chen. Das Altegyptische ist eine wort arme Sprache voller Homonyme und Synonyme und so mußte man hinter beinahe jedes Wort ein Bezrissszeichen setzen, um Verwechslungen zu ver meiden. Bei Namen setzte man bei männlichen einen Mann, bei weiblichen eine Frau oder ein Ei hinter das Wort oder bei Dingen die Veriffshieroglyphe, um dasselbe genauer zu präcisircn. Da einfache Alphabet der Egypter hatte 31 Buchstaben, die Gesammtzahl der Hie roglyphen beträgt mehr als L00 Zeichen. Tcn richtigen Weg zur Entzisserung der Hieroglyphen eingeschlagen zu. haben, ist unstreitbar das Verdienst Franois EhampoUion-Figeac's, weiters Tenon. Brugsch. Ebers. Lanth, Reinisch, Dümichen u.s.w. Ten besten. Leitfaden zur Entzifferung der Hieroglyphen gab die im Jahre 1799 bei der Schanze von St. Julienne bei Rosette (Raschid) von Franzosen gefundene In schrist auf Grauwacke in dreisprachigen. Text : Hieroglyphen, Demotisch und (griechisch (der sogenannte Stein von Rosette), welche sich jetzt im British Museum in 'London besindet. Sehr erschwert wird das Verständniß der Eigennamen u. s. w. dadurch, daß die Griechen und Zeitgenossen der Egypter die Worte so änderten, daß sie für sie mundgerecht" wurden. Hier einige Beispiele: Ehur iaro, hapi (Nil), Tcchen (Obelisk), Sa (Sai), Kemi (Egypten), Rutn (Egypter), Tape (Theben), Mennnofer (MemphiZ), (Lapu-ro-han-t gleich. Schlenpel von der Schleuse des Kanals (Labyrinth), Pium (El-Fayonni), Chufu (Eheops), Chafra (Chefrem). Nahe gleich Ort der Ansiedlung, Niederlassung (Oase), Sa-ra, Par-aa (König, hohe Pforte), Hu gleich Wächte? (Sphynx) :c. :c. Also zur Entzifferung ist die Kenntnis der egyptischen Sprache unumgänglich nothwendig. ! Die Quadratur des Zirkels. Das Problem der sogenannten Oua dratur des Zirkels ist uralt. Es ver langt, daß man ein Quadrat wirklich construire, welches mit einem gegebenen Kreise denselben Flächeninhalt hat. Auf dem conftruiren" liegt hier der Ton. Denn durch die Hilfsmittel der Rechnung kann und ist die Aufgabe längst gelöst worden, nicht aber, wenn nur Zirkel und Lineal zu Hilfe genom men werden. Also nur dies ist daZ Problem: Mit alleiniger Zuhilfenahme von Zirkel und Lineal ein Quadrat zu zeichnen, welches einem bestimmtenKreise mathematisch genau inhaltsglcich ' ist. Die Lösungsversuche dieser Aufgabe sind alle gescheitert. Aber die Ouadratoren ließen sich da durch nicht abschrecken, immer wieder über die Sache nachzudenken umsowe niger als es bis vor zehn Jahren keinem Mathematiker gelungen war, einen Beweis für die Unmöglichkeit der Aufgäbe zu . erbringen. Endlich gelang dies im Juni 1882 dem Professor Lindemann, jetzt in Königsberg, nachdem der französische Akademiker Hermite wichtige Vorarbeiten geliefert hatte. ES ist aber jetzt streng bewiesen, daß eS un möglich ist, mit alleiniger Benutzung von Zirkel und Lineal ein Quadrat zu zeichnen, das emem vorliegenden Kreise mathematisch genau inhaltsgleich ist. Der Beweis war natürlich nicht mit den älteren elementaren Hilfsmitteln zu .führen, denn dann wäre er sicher schon den Bemühungen eines Archime des, eineS CartesiuS. eines Hugyeusoder eines Newton gelungen. Es waren vielmehr Hilfsmittel erforderliche wie sie nur von den erst in den letzten Jahrzehnten ausgebildeten Theilen de? höheren Algebra geliefert werden konn ten mit anderen Worten, es bedürfte der direkten oder indirekten Vorarbeit von vielen Jahrhunderten, um endlich einen Beweis für die Unlösbarkeit deS historisch gewordenen Problems mög lich zu machen. j m m m Modern. Cr: Du liebe Frau, ich möchte 'mal wieder meine Leibspeise Sauerkraut mit Leber Würsten!" Sie: .Gedulde Dich noch bis übermorgen morgen haben wir die Waschfrau; der kann man so etwas Ordinäres doch nicht vorfetzen!"