Indiana Tribüne, Volume 16, Number 90, Indianapolis, Marion County, 18 December 1892 — Page 3
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Das VxrliimgmlZ. Roms in gwei 2!tbeilu,ieu vru I. rett $" Barnsw. (4. Fortsetzung.) .Fürchten Sie etwa, es könnt? gegen die landläufigen Anstandsgesehe ttto feen, wenn eine junge Dame einein Herrn auf seinem Zimmer ihren Besuch macht? Ich denke, in diesem Fall wird Ihr Besuch bei einem armen Krüppel keinen Anstoß erregen." Cr wollte ein Krüppel sein, dieser stattliche Mann mit den tiefernsten Augen, über deren Schönheit man ihre Atinöhcit vergaß. Sie 'pZauderten bald wie ein paar alte Bekannte zusammen und Ange konnte sich nicht genug wundern, daß es so war. Dazwischen fch meisten ihre Au gen immer nach d?ni Bilde, das über hzm Harmonium hing und zu dem sie gern einen Comment? gehabt. Seine edle Einfachheit forderte ihr Vertrauen wohl heraus, aber sie legte ihr da ZurückHaltung auf, wo sie bei ihm ein iehcimniß vermuthete. Abgesehen hier von gab sich Anqe zum ersten Mal wie der ganz, wie sie fühlte und dachte, so daß cr sehr bcld wußte, wie hcftig ihr junger Geist gegen bett adeligen Zopf seiner Familie revoltirte, wie wenig sie sich in ,hre neue Umgebung zu schlier wußte. Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort, das schnell sich handhabt, wie des Messers Schneide!" citirte er lächelnd nach einem leidenschaftlichen Ausfal! von ihr. Ange ward beschämt, sie fühlte. daß sie den Tadel ticr&ietii. Weshalb ermuthcgten Sie mich, Herr Graf, zu solcher O?senhei.?" Weil ich gern zur Verbesserung Ihrer Stellung beitragen möchte." Sie sind sehr gütig, doch wie sollte Ihnen das gelingen!" Sie trauen mir wenig Einfluß zu. Nicht weniger, als den anderev Gliedern Ihrer Familie." Vielleicht sangen es diese nicht rich tigvan," erklärte Graf Leonce und strich sich mit seiner langen, schmalen Hand das dichte, leicht ergraute Haar aus der Stirn. Ch," sagte Ange, weiter aber sagt sie nichts. Sie zweifeln, daß ich es besser berjle Heu könnte? Nun gut, lassen Sie uns einen Patt schließen, wollen Sie mich als Ihren Anwalt nehmen?" Er streckte ihr bei diesen Worten seim Hand entgegen. Es - war der erste Händedruck, welcher ihr auf Schloß' Tanner wurde, und Ange legte halb verlegen, halb erfreut ihre kleine, kühle Hand in die seine. Er hielt ihre Hand fest. Für uns Blinde ist die Hand nicht ohne Bedeutung. Sie hilft uns den Charakter eines Menschen erkennen." Und wie fällt Ihr Urtheil über den meinigen aus?" forschte Ange leb haft. Pflegt man fein Urtheil immer gleich den Leuten in's Gesicht zu sagen ?" fragte er lächelnd zurück. Sie weichen geschickt aus, Herr Graf." Sie entzog ihm ihre Hand. Und ich vergesse, daß Comtesse Mar gucrile von ihrem Spazierritt längst zurückgekehrt sein muß und mich suchen wird." J Gut, so lassen Sie Marguerite Ste suchen und hier finden." Das geht nicht. Was würde die .Frau Gräfin dazu sagen?" Sehr wenig. Meine, Mutter hat Sie zu meiner Vorleserin bestimmt, das Heißt, wenn Sie dieses Amt übernehmen Dollen." Ich? 0. Herr Graf, Sie wissen WXa weiß nichts, als daß mich Ihre Güte beglücken würde." Hier wurde ihr Gespräch unterbrochen. Marguerite, die Schleppe des Reitklei des nach sich ziehend, das reizende Ge sichtchen vom Ritt erhitzt, die blonden Flechten halb gelöst, stürmte mit lautem Jubel herein. Lieber, goldener Onkel, also wirklich zurück! Das ist ja herrlich, aber schelten muß ich Dich, daß Du uns Deine Ankunft nicht gemeldet." Sie umarmte und küßte ihn. ' Fred und ich hatte? uns allerlei hübsche Ueber rafchungen sür Dich aasgedacht, und' nun . doch vor Allem." unterbrach sie sich, ohne ihm Zeit zu einer Antwort zu .lassen) sage, Oukelchen. wie ist die Operation verlausen? Ist sie geglückt?" Man gab mir wenig Hoffnung, ds ist sie unterblieben." Armer Onkel! Diese dummen Aerzte, sie verstehen alle mitsammen nichts. Bist Du nicht furchtbar im glücklich. Ich würde rasen, verzweifeln, wenn ich blind bleiben müßte!" Jetzt erst bemerkte sie Ange,, welche bei ih'.er stürmischen Begrüßung sich in den Hintergrund zurückgezogen und zu dem Bilde getreten war, das sie mit im widerstehlichem Jntereste anzog. Wie in aller Welt kommen Sie denn hierher, Ange?" Durch mein Spiel," nahm der Graf sofort das Wort, nicht wahr, Fräulein ,'Saterno, ich wurde für Sie eine Art Rattenfänger von Hameln." . Ange gab es lachend zu. Na, Ihr scheint in kurzer Zeit gute Freunde geworden zu sein. Wenn darüber Großmama nur nicht die Anstendskrämpfe kriegt! Und ich kann ' such furchtbar efferfüchtiz werden? ; ; fürchten Sie sich davor nicht.Ange?"' Natürlich, ich strecke gleich die Wasfen rief Ange und , entschlüpfte. ' Ist sie' nicht reizend Onkelchen? Schade, daß Du , sie nicht sehen kannst, : Ich sage Dir, ein paar Lichter hat sie, ? um mit ; Fred zu sprechen, d.e einen durch und durch brennen. Im Vertrauen gesagt, ich glaube, er ist furchtbar ver Q liebt in mein Fräulein, er gestand mir,' seine letzte Flamme in Heidelberg wäre das reine Strohfcuec gegen die Gluth, welche sie entzündet!" y :. f. 1 Nun, wenn er unZ da nur nicht das Haus über dem Kopfe ansteckt! Wie stellt sich Fräulein Saterno zu
ihrem seungen Ant
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,Das ist es ja eben. eigentlich ga? nicht und darüber ist er rein rabiat. Er meint, sie müsse bereits eine Liebe haben, anders könne er sich ihre Kälte nicht erklären. Ich muß aber jetzt fort, cs iü die höchste Zeit, daß ich Toileite zum Tbce mache. Du erscheinst boch bei vW , i Jchdei.se " iff Nun. dann auf Wiedersehen!" Damit war sie wie ein Wirbelwind aus dem Zimmer. Unverändert derselbe kleine, flatter hafte, luftige Vogel, unverändert, wie alles hier im Schloß." dachte Graf Leonce. Nur Mary scheint sehr vcrändert. Sollte hieran die ungesunde, verbrauchte Luft von Schloß Tanner, welche keinen freien, kräftigen Athemzug gestattet, die Schuld tragen?" Er trat vor das Bild der Nonne, und obgleich er es nicht sehen konnte, erhoben sich doch feine Augen zu ihm empor. Du bist auch ein Opfer des selben geworden, gelicble Marianne, und ihrem zersetzenden Einfluß erlegen. Ob niemals meiner Mutter die Neue gekommen. Dein junges, blühendes Leben zerstört, die Zukünst des Sohnes den Vorurtheilen ihrer Geburt geopfert zu haben ? Ob cs für sie niemals Nachte giebt, wo sie schlaf- und ruhelos das Engherzige. Erbärmliche solcher Vorur theile erkennt? Weshalb scheint es so unendlich schwer, mit allem Althergebrachten zu brechen, ein neuer Mensch zu werden, der .sich nur nach dem großen, reinen Vorbilde der Natur seine Gesetze und eine einzige große Gemeinde mit dem obersten Gesetz de Liebe schafft?" Langsam ließ er sich an dem Hr monium nieder. Seine vereinsamte Seele rang nach einem Ausdruck dessen, was sie erfüllte. Ohne Wissen und Wollen griffen seine Hände die Accorde Luthers und dahin brauste cs mächtig: Eine feste Burg ist unser Gott, eine gute Wehr und Waffen!" . IV. Gewohnheit ist ein weiser Verbünde ter, der schließlich ohne langen Kamps das erzielt, was uuS zu besiegen im möglich scheint. Ange, die selten eine Stunde des Tages wie die andere verlebte, mußte hier streng nach der Tageseinteilung, wie die alte Gräfin sie vorschrieb, sich richten. Anfangs glaubte sie. sie müßte hierüber moralisch undphysilch zu Grunde gehen. Statt dessen erfuhr sie aber, oaß diese Unterordnung in anderer Willen ihr vortreffliche Dienste that, ihr nicht allein keine Zeit zu gefährlichem Grübeln ließ, sondern ihr auch einen Lebenszweck anwies, der ihr mehr und mehr das Gefühl der Verein samung nahm, unter dem sie besonders schwer gelitten. Die unausgesetzte Selbstbeherrschung, welche sie der alten Gräfin.gegcnüberüben mußte, kräftigte ihren Geist und stählte auch ihren Körper. Dazu kam die regelmäßige Be wegung in frischer Luft. Sie blühte förmlich auf. ihre dunklen Augen ver loren ihren schwermüthigen Ausdruck, ihre Bewegungen wurden abgerundeter, anmuthiger. Die Hast und Un sicherheit, mit denen sie anfangs jeden Befehl der Gräfin entgegennahm, machten einer größeren Unbefangenheit Platz, bei der ihre ursprünglich sorglos angelegte Natur wieder hervorbrach und die herben Eindrülke gemildert wurden, welche ihre unglückselige lobung mit Feldheim hinterlassen. Tiefe Veränderung konnte am we nigsten dem scharfen Auge der Gräfin entgehen. Sie war mit derselben nicht einverstanden und hätte es lieber ge sehen, wenn Ange weniger hübsch, we niger gewandt und sicher sich gezeigt. Sie vermißte ihre ängstliche Bescheiden heit die beflissene Zurückhaltung, mit der . sie sich an den Grenzen festhielt, welche die Gräfin ihrem Verkehr mi Marguerite gezogen. Sie hatte keinen Augenblick daran gezweifelt, daß die junge Gesellschafterin blindlings, ohne alle Kritik sich ihren Wünschen fügen werde. Dessen fühlte sie sich jetzt weniger sicher und deshalb versäumte sie keine Gelegenheit, um Ange'S untergeordnete Stellung auch' gegen ihre Umgebung zu betonen. Als Graf Leonce seiner Mutter mitge theilt, daß Fräulein Saterno einwillige, seine Vorke.erin zu werden, erklärte'sisofort: Fräulein Saterno hat einfach zn thun, was man von ihr fordert; dafür wird sie bezahlt." Ihr Sohn wandte dagegen ein, daß Fräulein Saterno doch nur als Gesellschafterin für Marguerite cngagirt wor den und es daher eine Gesälligkeit von ihr sei, wenn sie das Amt einer Vor leserin auch bei ihm übernchmer wollte. Dagegen muß ich protestircn." entschied seine Mutter. Fräulein Saterno's Zeit geHort uns. Ob sie dieselbe als Gesellschafterin und Mallehrerin Marguerita s oder als Deine Vorleserin verwerthet, kommt nur insofern in Frage, als ich meine Zustimmung dazu geben muß,, und diese hast Du. Damit,, ist die Sache abgemacht. Du aber, wirst wohl thun, ihr keine unangebrachte Dankbarkeit zu zeigen; diese, möchte nur dazu beitragen, das " ohne dies etwas hochgetragcne Köpfchen der jungen Person zu verdrehen und immer mehr die Grenzen zu verwischen, welche ich auch vonDeiner Seite ihr gegenüber festgehalten zu sehen wünsche." - . - ' Du 'drückst sie damit zu einem gewohnlichen Dienstboten herab, ' über welchen Standpunkt ihre Bildung sie aber erhebt," antwortete Leonce. ' Y Bildung!" warf seine Mutter ärger llch hin; das ist das heutige Feldge1$rn, damit will man alle Standes unterschiede verwischen. Bildung er-, hält heutzutage - schon eine Ladenmamsell, ja jede 5?ammerjungser. Wenn' das bischen Malen, Klarierspielen, , Rkchtschrciben oder, richtiger gesagt, das Nippen' an allem und j edem, wo bei ma n si ch tj wie mit vieler ici Süßigkeiten den Magen, den Geist
ESS8C überladen kann, ben Menschen Bildung gäbe, dann würde freilich kein Unter schied mehr in der Gesellschaft fein wnl Deine Mutter könnte 'sich schließlich mil ihrer Jungfer ebensogut zu Tische setzen, als wie mit ihrer Freundin, der Fürstin Leonard." Du haft aber selbst Fräulein Sa terna an Deiner Familientasel einen Platz angewiesen!" Ja. das habe ich. Es geschah aber lediglich aus dem Grunde, um eine bessere Controle über die Gesellschaf' terin Marguerite" zu gewinnen und sie stets in i'hre untergeordnete Stellung zurückzuweisen, wenn sie diese aus dem Auge verliert. Marguerite ist ein eigenwilliges, verwöhntes Kind und sehr leicht geneigt, jeden Rangunter schied zu vergessen. Da h?ißt es für mich, doppelt aufmerksam sein. Ich hoffe, diese Auseinanderseung genügt, um Dir die Haltung anzudeuten, welche ich von meinem soha der jun gen Person gegenüber erwarte." Sie genügte ihm allerdings, überzeugte ihn aber durchaus nicht, daß sie die richtige sei. Er kannte aber zu genau die Härte, den Hochmuth seiner Mutter, um ein Gespräch weiter zu verfolgen, die Waffen für ein junges Mädchen zu scharfen, dem er mit einer schneidigen Antwort nur schaden, nichts nützen tonnte. Auch war Graf Leonce bei aller Liberalität seiner Ansichten lieber ein stiller als offener Gegner der mütterlichen Vorurthcile und fühlte sich zu ohnmächtig in seiner Blindheit, um der eigenen Mutter den Fehdehandschuh hinzuwcrfeu. Nur insofern opponirte er ihr, daß cr Ange gegenübet, niemals verlebend ihre bescheidene Stellung mar kirte. Er war der Einzig" welcher ebenso freundlich, zuvorkommend in Gegenwart seiner Mutter' zu ihr war. als wenn sie mit ihm allein war, und durch die Eonsequcnz. mit der er dies zum Staunen und Aerger seiner Mutter durchführte, unbewußt auch Graf Alfons zur Rücksicht und Höflichkeit gegen das junge Mädchen zwang. Marguerite hatte zum Beginn einen schwachen Versuch gemacht,' Ange wit eine Gleichgestellte zu behandeln. ' Sehl bald war ihr aber unter den strengen Blicken ihrer Großmutter der Muth hierzu verloren gegangen. Sie war nicht feige von Natur, aber doch in an' ererbten und anerzogenen Vorurtheilen groß geworden. Dazu kam bei allem Uebermnth, der eine Mitgift ihres hei teren Eharacters war, ' doch eine ge Heime Furcht vor ihrer Großmutter. Als Kind schon hatte sie der despotischen Frau, aus Furcht vor ihrem Zorn, lieber ein geringes Vergehen abgcleug net, als es offen eingeständen, und ihre Großmutter, welche eine Tanner niemals der Lüge fähig gehalten, hatte ihr geglaubt. Als sie die Kinderschuht ausgetreten, lernte sie durch ihren Bru der den strengen Blicken ihrer Großmutter mit weniger Furcht und mehr Schlauheit trotzen. Sie that und sprach in ihrer Gegenwart nicht, wofür sie eine Rüge zu erwarten gehabt, dagegen hinter ihrem Rücken manches, wofür sie strengen Tadel erwarten konnte. ' Der junge Graf war jetzt in Berlin und sollte auf seines Vaters Wunsch die diplomatifche Carriere einschlagen, wie Marguerite Ange vertraute. Glauben Sie nicht, daß er dazu wie geschaf fen ist?" Ange blickte von der Porzellanfchaü auf. auf welcher sie für ihre Schülerin ein leichtes Felddlumenbouquet anlegte, das in einem Glase vor ihr auf dem Tisch stand.. Wenigstens hat er hier vortreffliche Vorstudien machen kön nen." gab sie lachend zu. Marguerite!" rief die Stimme des Grafen Alfons. Was will nur der Ritter mit dn eisernen Maske von mir?" In demselben Augenblick erschien ge. nannte? Ritter auf der Terrasse, wo Ange Marguerite Malunterricht er theilte. Tu scheinst vergessen zu haben, daß Du mit meiner Frau für die.sen Morgen einen Spazierritt verab redet hast! Die Pferde sind bereits vom Reitknecht vorgeführt,, sie erwarten Euch am Schloßportal." Wahrhaftig, das hatte ich verges. sen!" Marguerite sprang auf und warf dabei 'das Glas mit den Feld' blumcn um, so daß sich das ganze Wasser über den Tisch und die Schale ergoß, an welcher Ange gearbeitet. Eine schöne Beschc'erung! Daran ist wieder Deine unweibliche Heftigteil schuld," tadelte Graf Alfons. Ach was, die Sache ist nicht schlimm, Sie bringen sie bald wieder in Ordnung. nicht wahr,, Ange?" Damit stürmte sie von der Terrass in'Z Schloß. Graf Alfons folgte ihr, indem er. etwas von unbegreiflicher Formlosigkeit zwischen den Zähnen murmelte. , Ange räumte die Malutcnsilien zusamm'en und trocknete den Tisch ab. Sie sah die Unterrichtsstunde heute für beendigt an und fühlte keine Lust, für sich weiter zu arbeiten. Der schöne, klare Herbstmorgen lockte sie hinaus in Uz sonnenbeschienenen Park, dessen gel des Laub wie flüssiges Gold leuchtete. Flüchtigen Fußes durcheilte sie die Kastanienallee, welche nach dem See sührte. Das welke 'Laub raschelte un ter : ihren leichten Schritten, und ein kleiner Buchsink hüpfte lustig vor ihr her. In der Nähe des Gießbachs bemerkt sie Graf Leonce.' Er saß auf einer Bank unter einer Rothbuche; zu seinen Füßen lag Hector, ein großer, schöner Neufundländer, der Führer des Grafen auf l seinm Spaziergängen. , Als sich Ange dem Platz näherte, fprang er mit einem lauten Freudengeheul empor und ihr entgegen. Sie wehrte energisch seine Lledkosungen ab. 'Nicht so stürmisch, Hector, Du wirfst Mich ja um ii Hector. hierher!" gebot Graf Leonce. 'Wie hübsch, daß Sie gekommen, Fraulein Angelie!" Und r streckte ihr die Hand entgegen. , ;,:,t . . : : ''.?
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Sie drückte sie herzlich, unbefangen. Sie hatte jede Scheu vor ihm verloren und stand mit. ihm viel mehr auf freundschaftlichem als ceremoniellem Fuß. Er rückte zür Seite und sie nahm neben ihm Platz. Erwarteten Sie mich. Herr Graf?" Ich erwarte Sie stets, das heißt, ich sehne immer den Augenblick herbei, wo ich die Stimme meiner freundlicher Vorleserin höre." Sie nahm dieses Compliment ohne Zweifel, daß H nicht ehrlich gemeint sein möchte, mit sanftem Erröth'en ent gegen. Ich habe aber keine Lektüre mitgebracht, denn ich beabsichtigte eigentlich inen Spaziergang." Darf ich Sie begleiten?" Natürlich; vielleicht- gestatten Sie mir, daß ich Sie führe, Herr Graf?" Ich danke, Fräulein Angelie, so hilflos bin ich nicht. Sie glauben gar nicht, wie mir jeder Weg. auch der versteckteste, weit über den Park hinaus bis zur Haide bekannt ist. Es sind ja kaum sechs Jahre, daß ich blind bin." Erst sechs Jahre!" wiederholte Ange, und doch haben Sie sich an Ihre Blindheit schon so gewöhnt, daß Ihnen niemals ein Wort der Klag entfährt!" Er lächelte mechanisch. Was würde mir das helfen! Ich würde nur zu der einen Last eine zweite hinzufügen." Ange seufzte. Sie dachte, wie schwer sie durch ih!r Hadern mit ihrem Geschick die eigene Last mehrte. Mit was beschäftigen Sie sich in den vielen Stun' den, wo Sie allein sind?" Mit dem Schicksal nahestehende? Menschen. Noch eben beschäftigte ich mich mit Ihnen!" Mit mir. Herr Graf?" fragte Ange ungläubig. .'.Und weshalb nicht mit Ihnen? Gehören Sie nicht jetzt auch' zu meinem Umgebung?" Ja. aber " Wollen Sie mich mit dem aber" an die Äorurtheile meiner Familie ttinncrn?" Ange antwortete nicht. Ist es mir wirklich nicht gelungen, Sie von meiner freundschaftlichen Gesinnung, der gesellschaftlichen Gleichbercchtigung. die ich Ihnen neben einräume, zu überzeugen?" Gleichberechtigung! Ä, Herr Graf, daran glauben Sie doch nicht!" So. zweifeln Sie wirklich an der Ehrlichkeit und Tauer meiner Freundschaft für Sie? Sie denken vielleicht, daß diese ebenso einer Wandlung unterworfen, wie jenes welke Laub? Hat das Leben Ihnen wirklich schon so herbe Erfahrungen gebracht, daß in Ihrem jungen Herzen Glaube und Vertrauen an die Uneigennützigkeit freundschaftlicher Gesinnungen vernicht tet sind?" Er hemmte unwillkürlich seine Schritte und wandte Ange sein schönes Gesicht zu, als vermöge er in ihren Zügen die Antwort zu lesen. Als sie schwieg, fuhr er fort: Sie leiden, und ich ahne die Quelle Ihrer Leiden. Werden Sie mir zürncn, wenn ich zu Ihnen spreche wie ein Bruder zur Schwejter, wie der reund -.. (x ,- . . .. ' w y 1 zum reunoek sie rewcn ooco. welch' c&lr Leid ist die Liebe!" - Auch dann noch edel," fragte Anat leise, wenn wir an einen Unwürdigen' die heiligreinen Gefühle unseres Her zens dahmgegeben haben?" Eine reine Liebe adelt auch einen unwürdigen Gegenstand. Wird denn die Liebe nicht ohne Vorbedacht, ganz allein aus sich heraus in uns erweckt? Was so willenlos geschieht, ist an höheres Naturgesetz und muß uns heilia bleiben!" Auch dann noch, wenn wir betro gen werden in dem Glauben an die Reinheit der Gesühle, erniedrigt durch " Sie schwieg und vollendete nichr. Zu welcher Offenheit hatte sie sich hin reißen lassen? Nein," sagte er ernst, durch 'hr plötzliches Verstummen seltsam erschüttert, nein, dann war es Leidenschaft, nicht Liebe, und diese gleicht dem Rausch, der verfliegt und eine schmerz liche Leere zurückläßt." Das waren fast dieselben Worte, welche ihr Feldheims Tesinition der Liebe abgenöthigt hatte. Aber ich liebte rein." So darf auch keine Bitterkeit in Ihrem Herzen zurückbleiben " Ich vermag das nicht," gestand sie, leidenschaftlich, vermag nicht zu glauben, daß ein Gott der Liebe Leider schickt, welche die Seele vergiften!" Graf Leonce war durch 'ihr Gcständniß seltsam bewegt und zu gleicher Offenheit hingerissen, sagte er leb hast: Und doch haben Sie wohl niemals das Leid kennen gelernt, welches man. tief in der Brust verbirgt, das keinen Namen hat, bei dem aber dennoch die Seele zu Eis erstarrt, das Leid, das keine Thräne kennt das stets ein kalter Dämon ist, der unser Inneres Mitleidslos mit tausend Qualen zerreißt? ,D? Leid das habe ich gekannt!" , Ihre Hand erfaßte unwillkürlich die seine und drückte sie in stummer Theilnähme. Er zuckte '' leicht zusammen, und ein trauriges Lächeln umspielte feine Lippen. Einen Augenblick schwier gen sie beide. - - ' i; 1 -y i Hektar, welcher an Graf Leonce'S Seite dahingetrabt, drängte sich jetzt zwischen den Grafen und Ange und preßte seinen schönen Kopf dicht an ihr Knie. : '-r-:v.;;.:.-' Sehen Sie. Ange. felbft der Hund möchte Sie trösten ) und bittet für Mich um Vertrauen. sagte Graf Leonce. , Sie lächelte. 'Heute nicht, ein an dercS Mal, die Zeit reicht zu , dem nicht aus, was ich zu vertrauen hätte. Ich muß auch jetzt an die Rückkehr denken.", Schweigend verfolgten sie jetzt ihren Weg, die Seele zu voll, um Worte zu finden. :;seM 1,. - PBWtMl'Yi
V. , Rathen Sie einmal, welche Neuigkeit ich für Sie habe!" rief die kleine Comtesse Ange entgegen, als diese von ihrem Spaziergange zurückgekehrt, sie in ihrem Zimmer aufsuchte. Ist vielleicht Graf Fred durch das Staatseramen gefallen?" scherzte Ange. ( Aber Ange quelle idee! Ein Zraf Tanner durch das Staatsexamen fallen! Undenkbar!" Weshalb? Er könnte doch auch einmal wie andere Sterbliche, wenn nicht Lücken in seiner Bildung, so docb Pech haben." ' Glauben Sie? Das wäre schrecklich! Papa ist eben so.streng wie Großmama und würde ihm das Pech tat vergeben. Doch ni weshalb Gespenster heraufbeschwören? Rathen Sie ich sage, rathen Sie!" Ich bin kein Oedipus!" Nun gut, so muß ich Ihnen helfen. Denken Sie, Großmama will an mei ncm Geburtstage ein großes Fest geben, auf dem ich der Nachbarschaft zum ersten Male als junge Dame präsentirt werden soll. Ist daS nicht herrlich?" Dabei um saßte sie Auge und tanzte mit der Widerstrebenden im Zimmer um her. Sie scheinen ja gar nicht erfreut zu sein." rief sie enttäuscht und gab Ange frei; ich dachte, Sie würden vor Ueberraschung 'die Contenance ver lieren." Glauben Comtesse, daß die meinige auf so schwachen Füßen steht?" scherzte Ange. Bewahre. Doch, da fällt mir ein, ich sollte Sie zu Großmama schicken; sie hat einen Auftrag für Sie. Bitte, be eilen Sie sich, sonst ist wieder ein Ge witter im Anzüge." Ange fand die alte Gräfin in ihrem Boudoir, inmitten von zahlreichen Car tons, aus denen die Jungfer ihr ver -schieden? Stosse, Blumen, ' Spitzen un Bänder vorlegte. Sie folgen meinem Ruf etwas fpät. Hat Comtesse VZarguerite Sie davon avertirt. daß ich Sie sofort zu sprechen wünschte?" Ich 'kam soeben erst von einem Spa ziergange mit Graf Leonce zurück," entschuldigte sich das junge Mädchen. Gnädigste Gräfin," rügte Gräsin Tanner. ' Wie oft muß ich Sie auf diesen Formfehler aufmerksam machen. Rika," wandte sie sich an die Jungfer, reichen Sie mir von meinem Schreib tisch die Liste, mit den gedruckten Eiw ladungskarten." Nachdem sie das Gewünschte erhalten und nochmal flüchtig durchgesehen hatte, beausträgte sie Ange, die Karten zu couvertiren. und nach der Liste die Adressen zu schreiben aber deutlich und gut. darauf mache ich Sie aufmerk sam. . Noch Eins," fuhr sie fort, als Ange ihren Auftrag 'schweigend tnU gegengenommen, Graf Leonce glaubt, daß es Ihnen eine Freude machen würde, dem Feste beizuwohnen. Sie mögen daher für diesen Tag die Trauer ablegen und in einem einfachen weißen Kleide erscheinen, welches Ihnen meine Jungfer aus einem ausrangirten meiner Enkelin zurichten wird; natürlich unter der Bedingung, sich stets bescheiden im Hintergründe zu halten und, wenn man Ihres Dienstes bedarf, stet? zur Hand zu sein." . Ange bedürfte ihrer ganzen Äe herrschung, um in ruhigem, höflichem Tone der Grasin zu erklären, daß sie, wenn sie von der gütigen Erlaubniß Gebrauch machen sollte, jedenfalls in ihrem schwarzen Kleide erscheinen möchte. Von ihrer Erlaubniß Gebrauch ma chcn! Welche Antwort! Unerhört-' Lag darin nich' offene Rebellion? Gräfin Ta:.ner maß das junge Mädchen mit einem Blick, der ihr das Blut heiß in die Wange jagte. Ich glaube, mich deutlich genug ausgedrückt zu haben, daß ich Ihre Anwesenheit auf dem Balle wünschte, damit Sie sich nützlich mächen." sagte sie in scharfem Tone.' Was Ihre Toilette anbetrifft, so kommt' diese hierbei, so wenig m Frage, daß Sie UV Ihrem schwarzer Anzüge erscheinen mögen." . Damit machte sie eine majestätische Handbcwegung, und Ange war tvU la)txu - i Mit heißen Wangen eilte Ange aus ihr Zimmer und schleuderte in offener Empörung die Liste sammt den Karten auf den Tisch. Weshalb hatte sie nicht gewagt, dieser hochmüthigen Frau entgegenzukreten. weshalb hatte sie, ihren Befehl hingenommen, wie eine Leibeigene? Glaubte Graf Leonce wirklich, ihr eine Gunst zu erwrisen, wenn er für sie die Erlaubniß zum Besuch des Festes auswirkte, da er doch ganz genau wissen mußte, in welcher Form ihr seine Mut ter diese ertheilen, welchen Platz sie ihr dabei zuweisen würde? O, wie wenig rechnete der Aristokrat, der Sohn dieses Hauses mit ihrem Stolz? Oder setzte er etwa voraus, daß sie keinen , Stolz besitze, der sich gegen solche Zumuthungen emvore? Ein abgelegtes Kleid der Comtesse sollte sie tragen, die Stellung einer Dienerin auf dem Balle cinnehmen, und hiervon versprach man sich wirklich Vergnügen für sie! ,O, cS wa empörend! , Sie würde keine einzige Adresse schrei ben. sie würde es hierbei auf den orn der Gräfin ankommen lassen, und sollte sie morgendas Schloß verlassen müssen; morgen, und er,- der sich ihr so theilnehmend, so edel und gütig gezeigt, würde dann vergebens auf ihre Stimme lauschen, von der er ihr gesagt, daß er sie stets herbeisehntet Aber weshalb hatte er ihr das angethan? Er, so klug, bei aller Blindheit , so hellsehend, er mußte doch wissen, daß seine stolze Mutter sie nimmermehr zu Jhresglei. chcn zählte, ihr . mit der, Erlaubniß zum Besuch des . Festes : nimmermehr eine Freude machen. ' sondern nur eine neue Demüthigung bereiten konnte. ,,, : Ange sah nach der Uhr. Es war gerade die gewohnte Zeit zur Lesestunde, also die Gelegenheit gegeben, ihr ge.
kränktes Herz wenigstens gegen ihn zu entlasten. Sie nahn eine herausfor dernde Miene an, schloß Liste und Kar ten in ihr Pult und beeilte sich, Graf Leonce ihre Entrüstung fühlen zu lassen.. Als sie aber die Schwelle seines Zim mers überschritten, sank ihr der Muth. Ein stiller Friede, eine fast heilige Ruhe wehten ihr entgegen, an welche sich die wilden Wogen erregter Leidenschaften ebensowenig heranwagten, wie an seine hohe, edle Gestalt, sein durchgeistigtes Gesicht, in dem die glanzlosen Augen wie erloschene Sterne blickten. Er reichte ihr mit seinem mclancholi schen fächeln die Hand und forderte sie auf, mit der Lektüre zu beginnen. Auch er schien verstimmt und zu keiner Unter Haltung aufgelegt., Sie gehorchte, aber ihre Gedanken waren nicht bei der Sache. Er fühlte es, fühlte das leife Beben in ihrem Ton und die Anstren gung. welch: ihr das ruhige Lesen kostete. Lauen Sie Goethe's Gespräch mit Eckermann ruhen. Fräulein Ange. und sagen Sie mir. was Sie beschäftigt. Hai Sie Jemand gekränkt, verletzt?" setzte er hinzu, als Ange verlegen schmieg. Ja, und ohne Schuld sind Sie da bei nicht." platzte sie endlich mit rück sichtsloser Offenheit heraus. Ich?" Er lächelte. Wie wäre das möglich!" Aber es ist so." So reichen Sie Ihre Klage ein." sagte cr in halb scherzendem ha drin gen.dem Tone. Weshalb veranlaßten Sie Ihre Frau Mutter, mir zu befehlen, auf dem Gartenfest zu erscheinen?" Hat meine Mutter meine Bitte, Ihnen eine Freude zu bereiten, in einen Befehl gekleidet? fragte er ent täuscht. Ja, wenigstens vermag ich ihrer Äufforderung keinen anderen Namen zu geben." .Werden Sie sich niemals an die Härten und Sonderbarke ten meiner Mutter gewöhnen können?" Sonderbarkeiten nennen Sie den Hochmuth dieser Frau?" brauste Ange auf. Sie ist meine Mutter," sagte er uni wurde sehr blaß. Der leise Vorwurf, der in dieser Ant wort lag, machte Ange wohl ihre Rück 'sichtsloslgkeit klar, brachte aber dennoch kein Wort der Entschuldigung auf ihre 'Lippe. Soll ich Ihnen das Ägnns Bei vorspielen, das unsere Bekanntschaft eingeleitet?" fragte er, mit Anstrengung sich , zur Ruhe und Unbefangenheit zwingend. Sie war beschämt, schwieg aber be harrlich. Er seufzte tief auf. erhob sich und nahm ebenso schwebend am Harmonium Platz. Bald rauschten dit mächtigen Accorde durch das weite, hohe Gemach. Man hat nicht mit Unrecht gesagt, oaß die Musik mehr wie jede andere Kunst geeignet ist, das Gemüth zu be ruhigen, den Geist zu sammeln, daß keine Kunst die Saiten unserer Seele so gut wie sie zu stimmen vermag. Schmerz, Hoffnung, Angst, Aegeistc Mng, Liebe, Glaube, Verzweiflung. Meue wie immer die Stimmender Seele auch Heißen mögen, sie zittern und' klingen nach, um sich zuletzt von ,allem Schmerz' zu lösen und in begei sterter Andacht , zu einen. Auch aus Angers ' sich trotzig gegen jede sanft Regung auflehnendes Herz übte daZ Spiel seine Wirkung" aus. Zorn, Haß, Bitterkeit sielen von ihr cö, und ihre Seele strebte wieder nach Harmonik zurück. .Sie hatte sich leise erhoben und war an das Harmonium neben seinen Stuhl getreten. So lautlos es geschehen, gehört hatte er es doch. Ist der Zorn gewichen?" fragte er und wandte ihr seine lichtlosen Augen zu indem er die Accorde sanft aus klingen ließ. Sie haschte nach seiner Hand und drückte verstohlen einen Kuß darauf. Das Blut schoß , in sein bleiches Ge sicht, er entzog sie ihr hastig. Nicht diese Demuth. Ange" er nannte sie unbewußt bei diesem Namen , sie peinigt mich und ist Ihrer nicht wür big Sie trat zurück und .sagte kindlich: Ich wünschte. Sie um Verzeihung zu bitten.' Es thut mir so leid, daß ich so hestig geworden bin." Es arbeitet: in ihm ein mächtig auf wallendes Gefühl, es wollten Worte über seine Lippen, zärtliche, Leidenschaft' liche Worte, welche die Ahnungslose sicherlich erschreckt hätten. Er rang mit sich und sagte matt lächelnd: Das sreut mich, ich wußte, daß Sie nur in der Uebercilung gesprochen." y (Fortsetzung folgt.) ' . Gute Nachbarschaft. In einer der alten Gassen in Köln.- n welchem die schmalen hohen Häuje? zusammengedrängt liegen, wurde spät Abends regelmäßig an einem Hause die Klingel gezogen, und , wenn der Hausherr dadurch aus dem, ersten Schlaf erwachte und aus dem Bette sprang, um zu ' sehen, wer der Ruhestörer sei, war Niemand an der Thür. Nachdem er ; tine : Zeitlang vergebens aufgestanden war, legte er sich eines Abends im Fenster auf die Lauer. Da sieht er nun endlich gegen Mitternacht, wie fein nächster Nachbar heftig klin gelt und dann rasch in die Nische seiner Hausthür tritt worauf seine Frau ihm öffnet. , Andern TageZ macht der auf diese Weise belästigte Nachbar dem Ans dern einen Besuch und fahrt ihn an, wie er denn dazu komme, jede 'Nacht an seiner Klingel zu ziehen. Tet well ich Uechl säge. W antwortete ' Jener, uns Schell geit nit mieh. und do saht ming Frau, schell cckesch henevve; bat hören ich esu got, als froher uns Scbell." ' RME s gi bt schlecht e Menschen, die Gutes säen, aber nur, um die Früchte desselben zu ernten.
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Dumas über den Haß. Alexander Dumas hat sich ganz der? Philosophie ergeben und behandelt mit Eifer den Haß. Nachdem er neulich r?:it Recht bemerkt hatte, e werde zu! viel Haß in das Gcscllschaftsleben hin eingetragen. Ragen wie Klasscnbaß spalteten und schädigten tief die Menschheit, ergeht cr sich heute in Be trachtung über anonyme Briefe. J erhielt und erhalte noch rmmcr viele anonyme Briefe", so schreibt er. Ich ziehe sie weitaus den andern vor. Sie, haben den großen Vortheil, daß man nicht genöthigt ist. sie zij beantworten. Beim ersten Satz: Ein Freund setzt Sie in Kenntniß", vder: Alter Esel", weiß ich, woran ich bin; ich lese nicht weiter und werfe den Brief ins Feuer oder wo anders hin, wo er die Möglichkeit hat. die Luft, aus der er cntstanden, wiederzufinden. Aber alle Welt ist nicht so erfahren und denkt nicht so philosophisch wie ich. und es ist zweifellos, daß bei gewissen gewöhnlichen Leuten der anonume Brief ein wahres Unglück hervorrufen kann. Er ist das einfachste und billigste Sprcngmittcl des laufenden Hasses: er ist das Dynamit der Dienstmädchen., der Bemakelten und leider manchmal auch der Frauen von Welt. Ein Fetzen Papier und darouf ein paar Worte,, die, anders gestellt, einer guten Handlung dienen könnten. Drei Sous für die Briefmarke das ist als Kapital anläge nicht ruinös und das Ergebnif; ist tief einschneidend. Das' kann man eine schöne Arbeit des HasseZ nennen; der berühmte Ravachol konnte eS auch nicht besser machen. Ter oder, die Elende, welche den anonymen Brief geschrieben, hat die Folgen, die er hatte, nicht blos vorausgesehen, sondern auch gewünscht, sonst würden sie sich die Mühe nicht genommen haben, ihn zu schreiben. Da die Folgen erreicht worden, die Operation gelungen ist, gebe man sich nun Rechenschaft von 'den himmlischen Frcuden deS unsichtbaren Correfpondenten Freuden, die um so tiefer, je geheimnißvoller sie sind und je mehr sie ganz das Eigenthum des oder derjenigen sind, welche diese Freu den empfinden. Gehaßt werden ist aber daS Privi legium irgend eines Verdienstes, Ta lentes. irgend einer Berühmtheit beim Manne, der Schönheit und des guten Ruscs bei der Frau. Jeder erhabene Geist würde selbstverständlich 'vorziehen,' von der ganzen Welt geliebt zu werden' obwohl die allgemeine Sympathie ge wöhnlich das Diplom der Mittelmäßig, ksit ist, aber wenn man sfch als einen Mann von Verdienst fühlt und nicht die Gerechtigkeit erntet, die man ver dient, so hat man in dem ungerechten und dadurch excestven Haß eine natür liche Entschädigung, die man nicht ge ring achten soll. Bor allem ist dieser Haß im Grunde genommen ein unwillkürliches und unwiderstehliches Zeug niß von Achtung. Mau haßt niemals den, welchen man verachtet. cI Tenlerr' wir übrigens auch daran, daß hundert sehr ungerecht und laut schreiende Feinde dem Angegriffenen immer ir gendwo einen neuen, unbekannten Freund wachrufen, der über ihre Unge rechtigkeit und Ungeschicklichkeit empört ist, und daß schließlich einige Geister von dieser Art das ausmachen, was an d!e öffentliche Meinung nennt l Ei Freund j,f r Schwiegermütter. In Wort und Schrist hatte er schon oft den Beweis dafür zu erbringen gesucht, daß die bo-haften Wie über Schwiegermütter niemals einer edlen Natur cntfvrinaen. Auch sein neuester Artikel in de Morgen Zeitung- drückte wieder in rührender Weise den Herden Mißmuth aus, den, seiner Ansicht nach, billig denkende Menschen empfinden müssen wenn stets die unschuldigen Schwieger mütter zum Gegenstand des Spottes gemacht we:d?n. Dieser Artikel erregte begreiflicherweise Sensation in den Kreisen jener Damen, denen der Himmel einen oder mehrere Schwiegersöhne' beschieden hatte. Al-bald fanden sich auch zahlreiche Schwiegermütter bchufZ Besprechung zusammen, um dem Edelsten der rwh 9 v - -r x'tcufcu in gcouyrenocr veize zu danken. .Wer den Muth hat, der öffentlichen Meinung zu trotzen und den Verfolgten zu schützen, dem gebührt Tank und Hochschätzung.- So meinte eine biedere Matrone, eine verfolgte Schwiegermutter von sechs Schwicger söhnen, und als man ihr ob dieses Aus spruchcs lauten Beifall zollte, da bean fragte sie: Man möge eine Deputation entsenden, welche dem Artikelschreibcr den heißen Tank für seine offene Sprache und seine muthige Inschutznahme ausdrücken solle. Und so' geschah es auch. Zwölf der anwesenden Damen wurden entsendet, um den Tank sämmtlicher Schwieger mütter zu übermitteln. Sofort begah sich die Deputation aus den Weg. Es war ein kleines Häuschen, in welches sie eintraten und' worin ihr Schutzbeflissener, der Dichter Krügcrl, wohnte. Im Vorzimmer empsing die Deputation eine ältere Dame. Wtö wünschen Sie?" frug diese etwas unwirsch. .Wir möchten Herrn Krügerl sprechcn. um ihm " . Mein Schwiegersohn empfängt keine Damenbesuche, darf keine empfangen und nun machen Sie. daß Sie fort' kommen!Roch ern Wort wagte die Sprecherin doch mit eine? Wucht wurde die Thüre zugeschlagen, daß die weißen Milch'cheiben in Scherben umherflogen. . :.D er schreibt s ür die Schwieger ' mütter?- frug draußen eine Dame die - , , 4 andere. r,.''. " Qrmrr ntr'Ä hpnffrr d r n, i, k!?4. , . i . ' "' ;!:: '... ' f - P o e s i e u n d P ro s a. ben Sie gern zu denMusikali schen Soil
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