Indiana Tribüne, Volume 16, Number 83, Indianapolis, Marion County, 11 December 1892 — Page 7

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OerWnnderravSk. Cin Cuiturbild Asien. aus H albs ?s Heinrich Lagltk. 5!t d?m jüngst vor dem Wiener Schwurgerichtswfe zur Verhandlung gelangten großen Zolldefraudations' Prozeß hat auch de? Wunderrabbi von Sadagura (eine Stunde von (Zzernottrifc entfernt) eine bedeutsame Rolle gespielt. Von dem gewaltigen Ein flufe. den der sogenannte Wunderrabbi in Galizien nd der Bukowina aus die breiten Schichten deö strenggläubigen jüdischen Voltes hat, kann man sich im Westen kaum eine Vorstellung machen. Er ist eine Macht, mit dem selbst die Regierung unter Umständen rechnen muß. 1110 ans dieser Thatsache erklärt es sich auch, daß die Steuerbehörde in der Bukowina diesem einflußreichen Manne gegenüber bei der Steuern fchätzung ein Auge zugedrückt hat. Die Ühajsidim (die frommen, ortho boren Juden), welche in Gakizien und der Bukowina die überwiegende Mehr zahl der israelitischen Bevölkerung bil den. bringen dem Wunderrabbi die größte Verehrung und blinden Glauben entgegen. Es dürfte in gegenwärtigem Augenblicke, da der Wunderrabbi durch den Bukowina? ZollhinterzichungsVroi5Z5 wieder emmal aus S .apet ge macht worden ist, von allgemeinem Interesse sein, dieser eigenthümlichen Erscheinung, die man in unserem fort eichrittenen Zeitalter kaum für mög lich halten sollte, näher zu treten. ! Der pglnijche Jude Israel Baal Dchem (aiickj Bescht genannt), der als Begründer m Cha'ssidismus) ortho doxen Judcnthums) in seiner heutigen Form zn 'betrachten ist, hat not mehr als hundert Iahten für die An Hanger semer Lehre daZ Dogma dcZ blinden Glaubens und der unzertrennlichen An Kanglichkeit an den Nadbi aufgestellt. An 'diesem Glaubensschc halten die Ehassiöim, welche mit dem Aabbi die - one. die Zierde und das Licht des :ltalls" erblicken, auch heute noch un .,chütterlich fest. Auch lehrt der chas Idaische Katechismus, daß derjenige, der so glücklich ist, mit dem Rabbi in Berührung zu kommen, zu preisen sei. denn dessen Augen werden erleuchtet, dessen Blick reicht bis in die ferne ZuZunft und cr wird die Gottheit von Angesicht zu Angesicht schauen. Wer aber den Rabdi mit Geld unterstützt, dem werden alle Sünden vergeben, weil Geschenke an den Radbi gegeben, bei Gott die Stelle der Opfer vertreten. Wer dem Rabbi Geschenke darbringt, der wird vor traurigen Zufällen be wahrt; dem Rabbi Geld geben, ist das einzige und bewährteste Mittel, um zur wahren Religion zu gelangen. So lautet die vortreffliche 'Glaubenslehre Baa!Shems, die noch heute, trotz Ei scnbahn und Telegraph und wie die zahlreichen Zeugen fortschreitender Cul turentwlckclung des Menschengeschlechtes beißen, ihre nach vielen Tausenden zählenden fanatischen Anhänger hat. Tie Anhänger dieser Lehre sind besonders stark in der Bukomina vertreten, wo sie sich um den bis tief in Rußland hinein bekannten Wunderrabbi von Sadagura schaaren, der feinen Glaubt gen die Gelegenheit bietet, zur wahren Religion zu gelangen." De? Wunder tatibi von Sadagura versteht es vor trefflich, die Dummheit seiner..Anhänger für sich auszunutzen. Er erfreut sich einer fo zahlreichen Kundschaft, daß mancher Rechtsanwalt froh wäre, wenn er nur den tausendsten Tbeil davon chesciße. In seinem luxuriös ausgestatteten Palast empfängt der Radbi. umgeben von einem zahlreichen Troß von Haus officieren- und Vertrauten, die den Audienzwerbern- die in Gestalt von Banknoten abzugebenden Visitenkarten abnehmen, die Glürflichra, denen der Zutritt in das Allerheiligste gestattet wird. Und wahrend der Rabbi den Bemchern d:e Handstäche hinreicht, in der jegliches Geschenk eine gute Auf nähme findet, sorgt seine Umgebung für Reklame. Werthvoll sind auch Gold. Silber und Edelgeflein, welche von seinen An Hängern aus der Bukowina, aus Gali zien, Rumänien und Rußland dem schlauen Rabbi gespendet werden. Der Segen Gottes ruht auf dem Hause Da vids", murmelt andächtig der Cbassid. wenn er sich an dem Anblick der Schätze des Rabbi ladt. In Sammt und Seide gekleidet, von Gold nnd Edelsteinen strotzend, stolziren die zahlreichen Fami Uenangehorigen des Wundermannes einher oder jähren in glänzenden Ka rossen durch die von Noth und Elend der Bewohner zeugenden armseligen Straßen Sadaguras. 'Ein geistig,' beschränkter, aber dabei schlauer und habsüchtiger .Mann U herrscht die große Menge; Tausende von Menschen pilgern, oft aus weiter Ferne, zu ihm. um mitdem Heiligen" dieselbe Luft zu athmen und sich von ihm Rath und Hilfe zn erholen in allen ifttf?ir k?2 PrhimZ 7Z? .CSsttisfirrtn V 4 W -af ft ff Xjy f y ( , zen" des allmächtigen Rabbi sind gcrie oene Leute. Die sich in Sehnsucht nach dem Anblick des Heiligen" fast verzeh , rcnden frommen Pilger werden nicht so ohne weiteres !n das Allerheiligste" X. i. . nr..jj.. i 1 i- r, " I ßcr Geheimnißthucrei verbundenen , Äntichambriren wird ihnen die Erfül lung ihres Wunsches zutheil, denn das Geheimniß ist auch hier die Bürgschaft des Erfolges. Um die Person dcS .Heiligen" soll die Legende ihre Schleier weben, damit der Schwindel, nicht of fenkundig werde und dem Wunder mann nicht etwa ein Anderer in's ein tägliche Handwerk pfufchc. EZ könnte ja sonst auch ein anderer schlauer Chas siö ausZden Gedanken verfallen, daß er sich selbst zum .guten Jud" (Rabbi) eigne. Die von ' seinen '.' Anhängern viclg?rühmte Weisheit des Wunder rabbi beruht einzig und allein auf sei mm Glauben, an die Dummheit der Mnschen, und da es ihm auch nicht an rirnp i irn: rr i n q iininnii nni nri

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der nöthigen Frechheit 'fehlt, so arbeitet er mit glänzendsten Erfolgen. Der von seinen bcthörlen Anhängern abgöttisch verehrte Wunderrabbi ist da her nicht nur einer der reichsten, sondern auch der mächtigsten Männer des Lan deZ. Wenn der Rabbi im Geheimen die Parole ausgibt; Dieser Manu ist mein Feind, er darf nicht in die Ge meinde-, Landes, oder Rcichsvcrtretung gewühlt werden", oder sein Ku kurüy (türkischer Weizen) bringt Un glück, sein Korn und Schnaps Veroer den" nnd dergleichen mehr, dann wird die seinem Bannfluch verfallene Person wie ein Pestkranker gemieden und kein Chasnd würde eS wagen, mit dem so Geächteten in irgend welche Berührung zu treten. So erließ, um nur ein Bei spiel zu geben, de? Wunderrabbi von Sadagura vor einigen Jahren gegen den Großgrundbesitzer Freiherrn von Mustafa in Sadagura den Ehcrem. (Bannfluch), dessen Wirkungen für den Betroffenen als Inhaber des Schern? rechts in Sadagura sich in bedeutenden materiellen Nachtheilen äußerten. Die Geschichte dieses Banneö ist seyr in trrcnant. Die heutige Chassidimstadt Sada gura war vor etwa 130 Jahren ein zu dem Dorfe Rohozna gehörige Ackerfeld. Der in russischen Kriegsdiensten stehende Ostsccländer Peter Freiherr v. Gartenbech, den der 17671774 gegen die Türkei geführte Krieg in die Buko wina geführt hatte, errichtete, vermuth lich im Jahre 1769 auf einer Parzelle dieses umfangreichen Ackerlandes eine Münzstätte, um die sick bald eine An siedlung, bildete. Allmählich fanden sich auch die damals schon im Lande sehr zahlreichen Juden hier ein. bauten sich Häuser und nahmen hier ihren stün digen WohnsiZ?. Frhr. v. Mustafa, der Großvater des damaligen Guts Herrn von Sadagura, wurde Eigenthü mer der ganzen zu jener Zelt dem Ackerbau gewidmeten Fläche, mit Ausnähme der Münzstätte und der wenigen Wohnhäuser. Seinen Bemühungen gelang es' im moldauischen Divan das Zeugniß zu erwirken, daß Sadagura eine sehr alte Ansiedelung, ausgestattet mit dem Rechte, Mrkte abzuhalten, gewesen sei. Auf Grund dieses Umstände sowohl als anch infolge der Auslastung der Märkte in Koroloroka erhielt Sada gura ein österreichisches ' Marktprivile gium. Da aber Grund und Boden, auf dem Sandagura sich allmälig aus breitete, herrschästlich war, so mußte jeder Ansiedler von der ihm angewiescneu, engbegrenztcn Baustäche einen Grundzins zahlen. Jeder unbebaute oder nicht durch Vertrag einem dritten üb.'igebene Grund und Boden blieb und i auch heute noch Eigenthum der Dchtsnachsolg'r dcs ersten Erftehers von Sadagura. Die vor einigen Iah ren in Angriff genommene Grundbuch anlegung für Sa)agnra wurde zum Stein des Anstoßes für die dortigen Ehassidim. Die freien, lcercn Grund stücke tonnten nämlich bei der Grund buchanlegung mit Rücksicht auf die vor erwähnten Verhältnisse nur in das Eigenlhumsblatt des damaligen Ae sch'crs der Herrschaft Sadagura.Frhrn. v. Mustatza. eingetragen werden. Bis zu -diesem Zeitpunkte hatte in Sadagura zwischen Gutsherrschaft und Gemeinde der größte Friede geherrscht, und das war gut für beide Theile. Nun hatte sich aber die Situation mit Einem Schlage gänzlich geändert. Die Chassidim von Sadagura wähnten sich durch den Gutsherrn in ihrer Existenz bedroht; sie sahen Plötzlich ihren Unter gang vor Augen, da der böse Gutsherr den Platz zwischen dem Bethause Ha rnedrasch" und der Synagoge, wie sie meinten, mit Gewalt in Besitz genommen und die verwegene Absicht habe, auf diesem heiligen Orte durch Auffiel lung eines Kreuzes die größte Gottes entweihung" zu begehen. Eine scharfe, in ihrer Wirkung fürchterliche Wasse nahmen die Chassidim zur Hand, um ihren vermeintlichen Widersacher zu bekämpfen, ja, ihn zu vernichten. Nicht aus Stahl oder Eisen war diese Waffe geschmiedet, sondern mit einem Stück Papier, 16cm hoch und 18cm lang, gingen sie ihrem Todfeinde zu Leibe. Dieses an allen Ecken und Enden der Strafen anaelchlaaene Papier war nichts geringeres als das Cherem auf Bier und Branntwein, denn Frhr. v. Mustatza ist, wie gesagt, der Besitzer der Propmanon (des Brenn und tzschanlrechtes) tn sadagura. ltt Cherem aber ist ein Bannfluch, mit dem entweder Personen ode? auch be stimmte Gegenstände. Lebensmittel u. s. w. belegt werden. Die Talmudisten unterscheiden vier Arten des Cherem. welcher wegen Uebertretung theils mosaljcher und theils. Rabbmal Gesetze verhangt wurde. Obwohl schon unter. Kaiser Joseph II. den Rabbinern jeder Aus'pruch des Bannes untersagt wurde, so geschieht es doch noch heutigen Tages, am Ende des 19. Jahrhunderts, daß mit dem Cherem nach Bedarf operirt wird. Ein mit dem Cherem beleg ter Mensch wird von den Chassidim wie ein AuSzätziger betrachtet, 'von jeder Gemeinschaft ausgeschlossen und dem Haue und der Verachtung preisgegeben. Ja, selbst über das Grab hinaus reicht die furchtbare Wirkung des Cherem So ereignete es sich vor wenigen Iah ren, daß in einem Städtchen Galiziens ern armer Jude sammt keiner Familie mit dem Cherem belegt wurde.' Während der Dauer der Excommu' nication starb der einzige Sehn der qe ächteten Familie, ein hoffnungsvoller Student. Da der Vater von seinen Glaubensaenonen wie die, Pest qemie den wurde und es keiner der Chassidim bei Strafe des Chercms wagen durste mit ,dcm Ausgestoßenen in Berührung zu treten, so blieb dem armen Manne nichts anderes übrig, als das Grab für seinen Sohn mit , eigenen Händen zu graben , und den Leichnam des eigenen Kindes selbst zur ewigen Ruhe zu bet iiciti i ; :: y-J Der im jüdisch'deutschen ' Kauder w'schgesaßte Cherer ! über den

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Freiherrn v. Mustatza verhangi wuxvx, gelangte in zwei, jedoch inhaltlich wenig verschiedenen Ausgaben zur Veröffent lichung. Ich laste nachstehend eine sinngetreue Verdeutschung eines dier interessanten Schriftstücke folgen: .Die Stimme des Fluches kündigt an: Bier und Schnaps trinket nicht. Unsere Arüder, Söhne Israels, Be wohner Sadaguras! Oeffnet eure Au gen und sehet, daß wir uns in einer großen Drangsal befinden, indem wir und unsere Häuser an den Baron Mustatza verkaust sind; obwohl derselbe persönlich gutherzig ist und das Beste der Stadt will, wird er aber von' sei nen schlechten Rathgebern, nämlich Ga bor und Parolla, zum Schlechten bere det, uns von unsern Häusern zu ver tilgen, denn der Baron Hai alle leeren Plätze der ganzen Stadt aus sich inta bulirt. Auch der Platz zwischen dem Bet IlamedrasciV und der Synagoge ist in feiner Hand, mit demselben'nach Wunsch zu verfügen, und wer weiß, ob er dort noch nicht ein Kreuz aufstellen wird auf so einem heiligen Orte? Gibt es denn eine größne Gottesentweihung als dieses ? Auch Hutweide nimmt er stückweife jedesmal weg und sogar diesen leeren Platz, gegenüber dem . Friedhofe, für welchen er Tausende Gulden genommen hat. um ihn leer zu lassen; am Ende hat er sogar ein Wohnhaus aufgestellt und wer weiß, wie viel Lasten und Fronen (!) er auf uns noch auferlegen wird und auf unsere Häuser. Man kann sich gar keinen Rath geben gegen über ihm denn, als sein Rathgeber Parolla Bürgermeister war, hat dieser alle Acten und Rechtsurkunden dem Baron übergeben, welche wir gegen ihn hatten, und der Baron hatte sich auf alle intabulirt. Auch auf unsere Lei ter der Stadt können wir uns nicht verlassen, daß die uns von unserm Be dränger befreien, obwohl sie uns ver sprochen haben, das Beste zu fördern, sind aber ihren Versprechen nicht nach gekommen. Ter Baron hat sich auch den Platz gegen Mendel Ebner und gegenübe? dein heiligen Rabbiner zugeeignet, und die Leiter der Stadt sagen gar nichts dazu. Darum ist die Gemeinde auf sich falbst gewiesen, und wir müssen uns selbst von diefcn Drangsalen befreien, ihm diesen Raub von seinem Rachen ent reißen: darum haben wir uns und der Mehrheit der hiesigen Bevölkerung ver boten, daß wir nicht den Branntwein und das,Bicr des Barons trinken, so daß nns solches wie Schweinefleisch und Aas verboten bleiben soll. Auch ihr sollt zu eurem und eurer Kinder Wohl unter dem Bande des Bannfluches und des Fluchschwures schwören, wie auch alle eure Angehörtgen, daß ihr nicht trinket Branntwein und Bier des Barons und es sei vcr boten wie Schweinefleisch, bis er einen Vergleich mit der Stadtbcvölkeruug wegen der Hutweite, aller leeren Platze und Stadtangelegenheiten abschließt, so Wie die Grundhcrren in allen Orten Oesterreichs mit der Bevölkerung nch verglichen haben, denn dieses soll jeden jUi feinem Wohle berühren, darum soll jeder einzelne der Mehrheit im Namen Gottes sich anschließen. Süß wird dem sein, der uns gehorchen wird und es wird über ihn' der gute Segen hm men." Ein Widerruf des Cberem kann nur durch die ..Religionsweisen" erfolgen, ..-f:-jt. '? ! , rr oars leooqj, um uningieu zu yaoen, nicht erzwunaen sein. So macht . B. jeder Auftrag der Behörde den Wider plfr tim IfnK K.Ujit ? tu miitniiiuiii. uuu U iiiyui; cg, daß. als im vorliegenden Fälle an den Stadtrabbincr und die Vorsteher der Cultusgcmeinde (Kahal) der Auftrag erging, den Bann aufzuheben, der Cberem zwar widerrufen, eine Stunde darauf aber an allen Straßenecken und Bethäufern ein Widerruf des Widerrufs" angeschlagen und der Bann noch verstärkt ja sogar gegen den amtircn den Commipr der Bannfluch geschlcu dert wurde. Der mit dem Cherem be legte Gutsherr mußte schließlich klein beigeben und mit den Chassidim pac tuen, weil die Haupleinnahmequellc seines Gutes, die Propination, ganzlich zu versiegen drohte, wodurch er wirth schaftlich ruinirt worden wäre. Unter diesen Umständen darf man sich nicht wundern, wenn Beamte, denen es um die Durchführung ihnen ertheil ter Aufträge zu thun ist. und andere, die sich etwa zur Volksvertretung bc fähigt glauben oder sonst welche Schmer zen haben, um die Gunst des cinfluß reichen Wunderräbhis buhlen. Das fortschrittlich acunnte. autaeklärte u denthum hat in Galizien und in der Bukowina unier dem Ehassidismus viel zu leiden. So wird z. B. in Sada aura mit allen Mitteln den Mvilila: tionsbeftrebungen der dortigen intelli genten jüdischen Äeoölkerung. die aller dingS nur einen kleinen ' Bruchtheit bildet, vom Wunderrabbi und seinen verblendeten Anbänacrn entaeaenaear beitet; ja. eS ist so w.'it gekommen, daß die dem Fortschritt' bulöiaenden ilraeli tischen Bewohner Sadaguras durch die den Beseylcn lyrcS Heiligen willenlos aehorchendcn Cbassidim unablässig ver folgt werden, so daß jeder intelligente Jude in Sadagura von dieser mahn witzigen Meute wie ein Wild umstellt und so lange gehetzt wird, bis er ent weder zur Fahne des Wunderrabbis fchwort oder auswandert. Q . Die verblendeten Chassidim sind nicht zu verdammen, fie sind her zu bctla gen. In Armuth. Elend und Unmisjenheit niedergehalten kämpfen sie einen furchtbaren Kampf um ihr Dasein. Diesem materiellen, und moralischen Elend kann mir durch die Ausklörung der untern Volksschichten wirksam ent gegengetretcn werden. Vor Allem müßte dem WunberrabdiSchwindcl dasHand werk gründlich gelegt werden, was zwar nicht ohne Schwierigkeiten ginge, im merhin aber möglich wäre. Dieser suche, die Kinder der Chassidim zum Besuche der Volksschulen anzuhalten, müßten immer wieder gemacht .werden.

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Es ist nicht daran zu zweifeln, daß äucy diese bcdauernswerthcn Menschen der Kultur gewonnen werden könnten, wenn die Bekämpfung des kulturfeind lichen Chassidismus 'mit Geschick und Energie durchgeführt würde, was bisher leider nicht der Fall war. Die nächste NosenmontagöMaS kcrade in Köln. Ueber den großen Maskenzug am kommenden Rosenmontag theilt die ftota. Ztg." bereits Folgendes mit: Der Zug wird die Rückkehr ocS Prinzen Carncval aus dem Lande der Märchen und Sagen darstellen. Für ihn sind folgende Prachtwagcn in Aussicht ge nommen: Prinz Carneval (Held Sieg sried) thront als Drachenbesicger auf einem Wagen, der im Vordergrunde Alberich und die Rhein-Nifen aufge nommen hat. Ter besiegte Riescndrache (Griesgram) liegt, umgeben von alten Deutschen und Nibelungen, zu dcS Prinzen Füßen. Ein Prachtwagcn. gestellt von der Großen CarncvalSge fcllschast. zeigt Oberon, den König der Elfen. . Die Große Kölner Carnevals Gesellschaft hat den Wagen der Alham bra mit dem berühmten Lömenhof her zustellen übernommen. Scherehsade er zählt dort das Märchen aus Tausend und der Elften Nacht. Von der Ge sellschast Eifel ist die Ausführung des Wagens Aaycnthurm in Aussicht gc nommen, in dessen untern Partieen sind die Heinzelmännchen beschäftigt, den Schwachen in ihrem Thun und Treiben beizustehen. Elf Bürgermei stcr zu Pserde. , denen ein Musikcorps mit Pauken und Trompeten voraufrei tet, haben vom Prinzen Carneval einen großen Silberfchaö in Empfang ge nommen. welcher 'aus Anlaß des sieben zigjährigen Jubiläums des Carneval, rttif tinem inrtpn tVrärfiftrt ,,kk,4 :SS :S, S riv ahiii vvivuvt llllituiur I . . " f Vjjjj Funken . Infanterie und .Artillerie I

sind in neuer. Ileidsamer Tracht iqe. , "T-iTT' boten und bewachen nicht nur dielen ls luckenh,,en W.ssenz! ,. herrlichen Schatz, sondern sorgen a4iÄ.ä'S

für die Ruhe und Sicherheit der Stadt her PJilht I in den fröhlichen Tagen. Besonders humoristisch ausgestattet soll der Wa gen der fieoen Schwaben werden, ebenso der Wagen Till Eulcnspiegels und der des Rattenfängers von Ha meln. Der alte Cunib'crispüh wird die Vergangenheit und ein Wagen mit einem Storchnest die Gegenwart rcprä fenUren. Auch ein Wagen mit dem -MV viii wuuvit viui Li cvrt,nr fA h,vhtn .l.... v-w v V)uH.v h!! ""'ir chen sowie ein Wagen mit den Heren ' . . . - der WakpurgiMacht erscheinen in dem Zuge. Der kölner Bauer hat sich au " " ' dem Laulbrunnen des Altenmarktes einquartirt; dieser Wagen mit dem j Jan von Werth Brunnen soll ein Glanzstück des Zuges werden. ' DiesÄ Prachtwagen sollen den hervorragendsten Theil deö Zuges bilden, der' noch durch kleinere, sich an die Hauptidee anlehnende Waaen sowie durch präch. tige beritten? und Fußgruppen verschö nert wird. Bor jedem sind Borreiter. Bannerträger ?c. vorgesehen, sodaß die ganze Gestaltung der einzelnen Theile des ua eine reicgc und vornegme werden wird. Ueber den Besuch, den vor Kurzem der russische Tomaneumi nister Ostromski den jüdischen Ackerbau Kolonien im Gouvernement Jekaterinoslaw abgestattet hat, verlautet nach der Köln. Ztg.-, der Minister sei ganz erstaunt über den vortrefflichen Zustand der Colonien gewesen; er äußerte' wiederholt, er habe gefürchtet, die Colonien beständen eigentlich nm auf dem Papier, und freue sich, däß er sick aetäuickt babe. Die Kolonisten er klärten sich mit der Laae sebr zufrieden,

nur eins sei mißlich: daß sie nämlich der um einen Tag weniger!" seufzen zu wenig Land hätten. Ter Minister die rebellischen Sinne. Ich werde etwas rieth ihnen, ihre Besitzungen durch den sehen und es zum letzten Male , gesehen Ankauf von Kronländereien zu vergrö j haben; ich werde etwas hören und es ßern. Die Juden entgeqneken, 'das zum-letzten Male gehört haben; den Gesetz gestatte das nicht. ' Ter Minister i Druck einer, treuen Hand ich werde versprach dann, in dieser Sache sein! ihn zum letzten Male gefühlt habm. Möglichstes zu thun, und meinte, zum ! Der Zeiger an der Uhr. er gleitet zwei Kurator sich wendend: Mit einer Bek,mal des Tages über die Sekunde hin. völkerung von 7000 Köpfen kann man! zu welcher dereinst meine Seele in nicht spayen, ich werde für Sie sorgen." einem letzten Hauch verfliegen so. Jmereffant ist. daß der Oberrabbiner j Der Mensch regt sich und bewegf sich telegraphisch den Juden gestattet hatte, mit dem sicheren Bewußtsein des Werden Ministe? zu fahren, obgleich ein ' gehens. Stunde sur Stunde sieht er dohe? jüdischer Festtag war. Die seine Lebensgefährten dahinsinken, und Zahl der im Jahre 1891 aus Rußlanö doch trägt er'mebr Leid um solchen Ver ausgewiesenen Juden soll über 109,000 lust, als ob des Gedankens, daß der betragen. Trauernde von heute, morgen selber Ganz Antwerpen Sei betrauert werden wird. Wundersame schaftigt sich augenblicklich mit der toll Oekonomie des (schicks! Wir behän kühnen Jesste Merrilevs, einer Sänge gen den Stab, der über unserm Haupt rin des Scala-Tbeaters", die vor eini gebrochen ist. mit Blüthen nnd Früch. ger Zeit bei den Löwen des Thierbän ' ien und bereden uns es sei des Lebens digers French debutirtc. Die junge grünender Zweig. Mit meinen Thra Schönheit hatte eS gewagt, eine Wette nen benetze ich den Boden, in den ich surrt $)fitfrrtn 911 fittfWott tt Ha m.: Of. ixnUAt Vtn&d kZ

)u w i vt ji nnyiti, vv -tu3 Mvor tn der Etzampagnerlaune geschlossen: sie hat im Löwenkasig Ta a.'Ra'Voom.Te-Ay'' gezungen. Jesste r . . , r , t '. cerrileos iana zwar mli was re molo und in recht, schnellem Tempo, aber Ne sang; die braven Löwen, lagen stumm dabei als sie jedoch im wil den Tanze ein recht appetitliches Figur chen zeigte, da wurden die Bestien un4 geduldig, ihr Sinn für Gourmandise wurde rege, doch Frenchs Auge, der an Cf-X. .". v . 3 fT I- - a ri V t yi rucc jtyut uc uiga uiuiu, umi ne IM jaun. Ä0 ging alles gut ab und Jesste MerrilevS ist in Antwerpen Löwin des TagesBei Voltaire ließ sich einst ein Engländer melden. Dieser versicher te, daß eS ihm ein außersrdentlicheK Vergnügen aewähre, die Bannlfchaft des berühmten Nkannes zu machen und daß er sich dies Vergnügen schon lange ge wünscht habe. Mylord", erwiderte Voltaire, meine Schuld ist es nicht, daß Sie dieses Vergnügen nicht schon langst genossen. 1 Ich erwarte Sie schon seit vollen zwernndsiebenzig , Jahren. Sie sehen wenigsten? daraus, daß ein Fran zose daß Aeußerfte thut, um einem Eng lsnder ein Vergnügen zu bereiten." ,A uf derBüne desLe bttis ist meist die Eigenliebe Souffleur, Wl:

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Vom Tode. Ewt Nosemberbttrachtunz von Porzs. .Todt'.Klingt das Wort uicht dumpf und düster, als wäre es der Hall der Todtenglocke selber? Meine Hand, die das Wort nieder, schreibt, ist noch warm, mein Auge sieht das geschriebene Wort; aber das Herz in mir schaudert vor der Grabestälte und die Seele erbebt vor dem furcht baren Geheimniß, das es birgt. Denk ich den Gedanken zu Ende, so wankt meine glaubensstarke Ueberzeugung und kein philosophischer Lehrsatz vermag mich mit der Idee der Entsagung zu versöhnen. Etwas regt sich. unablässig in meinem Innern, das den Gedanken zurückweist;, der Instinkt lehnt sich mit Rufen des Entsetzens auf; der leiden schaftliche Drang des Fortbestehens cmvört sich gegen ihn mit aller ihrer Ener ßie. Zu je größerer Empfänglichkeit ich mich selber erzogen, je feiuer ich meine Nerven ausgesponnen habe zur möglichst vollständigen Empfängniß aller Wonnen des Daseins: um so bit tercr wird der Gedanke des Scheiden, um so furchtbarer die Nothwendigkeit, der unerbittlichen Auflösung sich zu fü gen; sich vertraut zu machen mit dem Begriffe des Äufhörens, ohne Ausweg, ohne Trost. Bisher warst Tu fortan bist Du nicht mehr. Bist nicht mehr. l ob Dich auch die Engelschörc des Himmels mit Hymnen uud Psalmodlen erwarten; bist gewesen, ob auch die Toktrin vom ewigen Leben lehren mag:. ich war, ich bin und ich werde sein immer dar bis an's Ende aller Zeiten. Denn nur der Stoffwechsel ist die wahre Er lösung. die eigentliche Form des ewigen Lebens; meine Unsterblichkeit ist der nimmer ruhende Kreislauf meiner Atome. Aus neuen und immer neuen Sto WM sich t S,rm. bleibt f t 1t n . v . ANv Itlhav Itatä TM nfi im vlt ltUlt 4U UilVIVUUVVll Vkt Vltlb Un "'c 0c-. ,. U"JUl -wti4u fiiuiii. uy-iwtu leben, 'ich will nicht sterben! Ich will leben in der Form und Weise, wie mir das brennende Verlangen danach ein gepflanzt ist. Krampshast klammere ich mich an Dich an. Du süße Gewöhn hcit des Daseins! Ausgestattet mit Allem, was mir die Wonne der Erde zu vermitteln vermag nnd all' ihre ! Herrlichkeit in Dust und Geschmack, in r.- k. "V ri r i v Tonen und Farben, m Licht und m ()-.. . et 7Q w;i g""cn: 4f" n"n .mei" f5r i Hl?! trtith tot Mittrt it nflmiitti ? Zl 1 iviaim ,ZZ inn iAUn , frtltm Ivi'ltrti' w. ,u.vm ,u vcrgeyen sur immer uno ewig? Nein, nein' O laßt mich nicht ster. ben! O leben, leben, nur leben! Schwelgen und baden im strahlenden Lichte des Weltalls, ohne Aufhören, in alle Ewigkeit! Wozu sind denn selbst in , die wmzlg,ie oa,er oes srorpers au sende von Garantien der Erhaltung niedergelegt? Wozu diese Berschwen dung,'wenn Du mit eigenen Händen Deine großen Reichthümer wieder veroeudest, o schaffende Macht! Weshalb sind Deine Gefahren starker, als die Mittel zu unserem Schutze? - Ach, wes halb muß das Leben selbst es sein, das uns sterben lehrt? Im sprießenden Keime liegt auch schön das schwarze Samenkorn der Verwesung. Die erste Lustwelle. die in die Lungen eindringt, die erste Regung welche die schwellende Frucht antreibt', zu Tage zu treten, der erste Herzschlag. sie 'sind allesammt nur die ersten Körner des verrinnenden Sandes. Wieder um einen Tag mehr!spricht die fromme Demuth beim Et i wachen an jedem neuen Morgen. Wie liltillt vlvvdt wv.iuiu.i yuyv.. ,iv lige Lehre verkündet mir vergeblich, daß diese Trennung nur eine zeitweilige sei ; das natürliche Gefühl der Wirklichkeit,, die mächtigen Impulse der Leibhaftig , kcit strafen Glaube und Beispiel Lügen. O. Mutter. Mutter. ?oas hier brennt das lindert mir kein Sakrament!" Also ruft wilden Wehes voll die schöne Äcönore und gräbt die Finger nagcl' in dett gequälten Busen: Was frommt mir' die - Stimme von - , nf r .-rt zven, was lou Mir aue yno.opyiek Tort auf der Bahre hingestreckt liegt mein theures 5kmd., Das liebe Ge sichlchen ist bleich, die süßen Lippen sind fahl und kalt, d.e rosigen Nägel an den Fingcrchcn . blan geworden. Ach. saget mir doch nicht Worte des Tkostes! Euere Rede klingt albern und eitel; lästert meinen Schmerz nich! mit' scha ler Theilnahme! Das herzige Kindchen ist gestorben und ist nicht mehr. ' Der Iltis lebt und der Maulwurf, mein holdes Kind aber ist todt!- klagt der greise König. Und durchdrängen nicht der schmerzhaften Mutter selbst tausend Schwerter das Herz, als sie ans Kreuz dinaesunken klagte ob des Sahnes Ver derben?, Und sie wußte doch, daß er ge ' raden Weges aufgefahren sei gen Him 'mel, an die Seite seines göttlicken Va-

Die Religion ist gar klug. In der

emen Hand halt ste die himmlische Palme und weist naS dem Lohne hin, der dir in den lichten Höhen werdm soll; mit der anderen reicht sie dir den blühenden Zweig langen, irdischen Le bens als herrlichen Preis, so du Vater und Mutter ehrest. Dieses Dasein hie nieden ist also doch nicht eine bloße Ver suchsstation, eine bloße Vorbereitungs schule für das ewige Heil, sondern es scheint dieses sogcngnnte Jammerthal doch auch zugleich ein ganz angenehme Aufenthaltsort zu sem. Gewiß! Ein guter, ein lieblicher Wohnsitz, weil er der einzige ist. Rennt Ihr sie doch alle arm", die dahinge gangen, obgleich sie alle selig wurden. Ein guter, ein lieblicher Wohnsitz. Der einzige? Flammend in ewigem Feuer kreisen dort in den Höhen über uns im unendlichen Nacheinander der Zeit Tausende von Welten, und jede von ihnen reißt unbekannte, dem Vergehen geweihte Wesen mit sich durch die Ewig' seit dahin, die in verhängnißvollen Momenten ihres Seins wohl' zu unse rem Gestirne aufblicken mögen, um von hier Tröstung und Hilfe zu erhof fcn; von hier, wo hinwieder wir Elende flehend und vertrauend den Blick zu ihnen erheben, nach den ferne strahlen' den Welten. Und was wollen die Begriffe scrn und groß" besagen? Die menschlichen Bewohner des Mars (wenn es deren gibt. waS übrigens wahrscheinlich ist), dürften unvergleichlich stattlichere Bur sche sein, als unser Einer. So haben beishielsweise angestellte Proportional Berechnungen ergeben, daß ein einziges Haupthaar unseres Mitmenschen auf dem Mars von solchen Dimensionen sein muß, daß sich im Lumen desselben ganz bequem drei unserer beladcncn Lastwagen bcwcgen. oder cin Zug Sob daten entwickeln könnte. Und was ist eigentlich diese .Propor tion Ein Begriff aus der Studier stube, ein beschränktes Kompromiß, eine nothdürftige Ueberbrückung der zwischen dem Unfaßbaren und der Ahnung gähnenden Kluft. Die emsige Forschung, das kritische Urtheil, die Wissenschaft, die mit ihren Mikroskopen ßnd analytischen Säuren das Weltall köst und wiederum zusammenschweißt : sie halten betreten inne vor dem Atom, innerhalb dessen ganze Serien neuer Welten beginnen, in deren Geheimnisse ihre beschränkten Hilfsmittel nicht mehr einzudringen vermögen. Denn wer mag wissen, ob nicht unser ganzes Sonnensystem und all das, was wir das Uuiversum der Schöpfung nentten, etwa im Knoten eines Buseut'uches ein gebettet oder aufgehängt ist, das irgend ein junges Weib festgeknüpft hat an seinem blühenden Leibe ? Ob 'nicht vielleicht im Knauf ihrer Busennadel, mit welchem sie ihr Tuch knapper ge nestelt, ein ganzes Getriebe von Welten um ein unbekanntes Centrum schwirrt? Durch mein Fenster dringt der Strahlder Morgcnsonne und in'seincm breiten Streifen wimmeln, von mei nem Hauch bewegt, vielleicht Myriaden von Monden und sonstigen Gestirnen. Weshalb sollte dieses flimmernde Licht band in den Augen von Geschöpfen, die kleiner sind als wir, nicht die Milch straße sein können? In letzter Lösung wenn ander das menschliche Denkvermögen im Vor dringen bis zum Aeußerstcn nicht ver sagt in letzter Analyse bin ich also im , Leben wie Im Tode eins und ver eint mitdem Staube meiner Lieben. Und in diesem Sinne verbindet denn auch ein und derselbe Gedanke den blin den Glauben mit der aufgeklärten Er kenntniß. In ihren letzten Schlußfol gerungen, in der Auflösung in ihre Atome gleyen Glauben und Winm zu sainmen. Die Idee des Christenthums verschmilzt mit der heidnischen Philo sopbie. Die Verwesung ist das ewige Leben. Das Gewesene ist nichts Ande res als das Werdende, das Nichtsein Aibt Zcugenschast vom Sein wie ja denn auch unsere einzige feste Basis jenes uncrsaßliche Nichts ist, in welchem die Systeme der Himmelskörper schwelet. Wäre es nicht gar so nlederichmet ternd, ich könnte mich an dem Gedan ken erheben, daß der Mensch nichts, weiter ist. als eine der unzähligen Zu saw.mensetzungen von Kraft und Stoff, ausgestattet mit. der Befähigung zu ei ner' gewissen Summe , von Aeüßerun gen; daß die Meisterhand der Natur in der vergänglichen Hülle ein Organ zum Denken angebracht hat, welches uncnd lich ist wie die Natur selber, welches ihr Spiegel ist und zur Göttlichkeit erhebt; daß es die Natur ist, was in uns denkt und schließt und erwägt; daß unsere Vernunlt ein Theil von ihrem Ganzen ist: daß in unse.em Gehirn sie selbst über sich selber nachdenkt; daß unsere Atome aus dem Kosmos stammen von Anbeginn her und wi.er dahin zurück kebren. Unser in eine enge Hülle einaezwängtcs Denken bricht weit über die Schranken hinaus Und vereinigt sich im ii. .. . rt ? . . . .ooe mir ocm aumaeyilgen uno uneno lechen Denken der Natur. Der Tod ist Erlösung im heidnischen. Seligwerdung Ci-I 4tAH 1YW. k&'.i.Yi j' ..Sk HU UlllllUyiil, UUllllJ4UUUU( UUU XCXl vollkommnnng im philosophischen Sinne. - In jeder dieser drei Anschauungen ist die Todesfurcht überwunden und der tiefste Schmerz löst sich in der Seligkeit und m der Ahnung. ' Worte. Worte, Worte! Nicht eines von allen gibt mir meine Lieben wie der. die unter der Scholle modern. ,, Ich habe ein Recht anzuklagen, und zu t an n. . . . . : t , 1 nagen. ,:Kcm erz vericymiizl Mit einem anderen Herzen, die Wurzelfafern beider verwachsen ineinander, , beide pochen harmonisch in einem und demselben Gefühle und nun tritt die Na tur dazwischen und spricht das Macht Sbot:f .Ich bedarf der einen Hälste in mei nem Haushalte!" ,, , Und kühl und fest, ohne Haß und ohne Liebe, reißt sie von einander, was so alualklig zn einander aebörte. was

sich gegenseitig erkannt hatte, eben auf ihr eigenes Geheiß. Und sie sprich' gelassen: Was willst Du? Die Gattung ist gewahrt; der Einzelne zahlt nicht. Du hast nicht gefragt, ob Du gebsren wer den willst;' Du hast zu schweigen, wen? es gilt zu sterben." Gleichwie der ungastliche Winter du Behaarung fördert 'und verdichict. so hat das Bedürfniß -uns den Glauben anerzogen, diesen Pelz der fröstelnden Seele. Wir tragen ihn. aber wir fn&

ren gleichwohl darin. Der Schwache klammert sich an die Religion, der Skeptiker an die Philosophie. Beide suchen den Schlüssel des Gclimmsscs, und Beide der Eine betend, der An dere docirend pfeifen in der dunkler Stube w:e furchtsame Kinder. Todt ist todt verloren ist verlo ren!- Der Tod ist das Aufhören. Selbst das Bestechende des Ruhcgcdan kens vermag mich nicht zu bekehren. weil ich mir ja dieser Ruhe .gar nicht bewußt sem rann. Das einnge Gute. das der Tod an sich hat. ist: daß er durch den erstarrenden Gedanken der Trennung die Wärme unseres Herzens erhöht, dan wir den Inhalt unseres kurzen Lebens mit den Schätzen der Liebe bereichern, gleichwie sich der Frühling im hohen Norden beeilt, während der karg bemessenen sonnigen Tage mit allen seinen Halmen und Blüthen in drängender Hast an's Tageslicht fre ien. Der Tod gewährt uns die schmerzliche Wonne der Erinnerung Hoffnung bringt er keine. Die Mutrer steht dem Todeskampfe ihres geliebten Kindes mit verzehrendem Schmerze zu. aber ihre Empfindung ist in keinen Vergleich zu bringen mit der starren Entsagung des Vaters, der mit ihr an der Wiege die , Nacht durchlvacht. Die Mutter tragt die Linderung im eigenen Her zen: sie hat den Glauben an ein künstiges Leben, das sie dereinst wieder vcr einigt mit dem Kinde, dort jenseits, im Reiche der ewigen Senhkeu. Sie hält ihr Glaube aufrecht und seinen Trö stungen gefellt der Sänger die ftmigen: Weshalb auch sollte sie das Kmd be weinen? hat th ja doch das Süßeste genozlen, was das udische DaZem zu bieten hat: der Sonne Schein und de: Mutter Kuß." Der zweifelnde Vater aber fleht in stummem Brüten vor dem frisch aufge worfenen Grabhügel, denn er weiß oder vermeint zu wissen, daß es kein Wiederschen gibt; er beweint einen voll ständigen, immerwährenden Verlust; er hofft auf keine Wiederbegcgnung mehr. Und auch die Theorie des Stoffwechsels bietet seinem zerrissenen Herzen keine Beruhigung; die Annahme etwa: daß er deremst, nach Zehntau senden von Jahren vielleicht, in Gestalt einer Trauerweide am Rande eines murmelnden Waldbachcs das gewölbte Zelt seiner Zweige über ein Thalblüm chen herabneigen' werde, welches ehedew sein kleines Töchterchen gewesen. Grausames Geschick! Welchen Zweck haben in Deinem Haushalte die Müh scligkeit und all der Jammer der verwnndeten See ? Bereitet mein Eter den den-wcichen Pfühl künftigen Wohl ergehens? Ist meine gramzerfresscne Brust die Pflanzstätte dereinstiger Glückseligkeit? Sind sie das: wohlan! So mag mir der Schweiß von der Stirne tropfen, dann mögen meine Thränen dahinfließen, dann mag mein Herzblut verrinnen! Titelsucht. Von Zeit zu Zeit hört man immer wieder, von hübschen Proben moderner Titelsucht. Die höchste Staffel ist kürz lich in München erreicht, wo vor Kurzem ein Arbeiter des Hoftheatcrs in einer Todesanzeige seiner Frau den stolzen Titel gab: Kgl. Hostheater farbenreibersgehilfensgattin" !!! Einige Wochm ist es her, daß ganz München über ein Mädchen lachte, das sich auf dem Standcsamte den Charakter Oberplakatanschlägerstochter" bei legte. Gerade die Register und Aus schreibungcn (Aufgebote) des Standes amtes liefern oft bezeichnende Beiträge zur Geschichte der socialen Verhältnisse. Wie es im Mittelaltec nicht sclim ge schah, daß adelige Landfassen in den Bauernstand und städtische Patrizier in den Bürgerstand zurücktraten, so kehren .jetzt arme Adelige in das gemeine Volk" zum Broterwerb zurück. Hierzu war in früheren Jahren die Ablegung des Adelstitels nöthig, wozu die Reu. zeit nicht mehr zwingt. Dieser Tage war auf der Aufgebo! tafel des Standesamtes München I angeschlagen ein Fräulein Franziska Hann v.'Weyern, Kleidermachcrin", welche die Ehe mit einem Schreincrmei ster eingehen will, und des Weiteren ein Herr Adolf v. Boithenbcrg. Tagelöhner", der eine Näherin heimzuführen beabsichtigt. Beide Namen gehören zw:i alten und vornehmen obe'rplälsi schcn Adelsgeschlcchtern an, ein Zweig des alten Geschlechtes der edeln Hann v. Weyern reicht bis nach Preußen. Jetzt verschwindet der Adelstitcl unier dem schlichten Namen eines Schreinns, der keine Ahnung hat von der Geschichte des ruhmreichen Geschlechts scincrBraut. Wenn man diesem Adelstitcl die Hofzheaterfarbenreibersgehilfensgattin ge genüberstellt, so kann man 'wohl von einer bitteren Ironie des Lebens spre chen. - : ' U e b e r g r i s f. Dem' Herrn Buchhalter Müller, der zwölf' Jahre allein in einem Kontor arbeitete, wird ein jüngerer Kollege beigegeben. Am ersten Tage an dem Beide, "im Geschäft arbeiten, kommt ein Herr in' Kontor, fragt nach dem Principal, und da die ser nicht, anwesend, geht er wieder, den .Herrezl guten Morgen" wünschend. Der neu Angestellte sagt ebenfalls sehr höflich guten Morgen!" Da dreht sich Herr Müller um und sagt zu seinem jüngeren College: Ich muß recht sehr bitten, sich keine Ueberqriffe zu crlau den! Wenn der Herr Chef nicht hier ist. saae ich anten V!oraen"l- - ; " 4

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