Indiana Tribüne, Volume 16, Number 62, Indianapolis, Marion County, 20 November 1892 — Page 7

- ml" ii i: . i 'üi: , -P'lfi.:1;:!... ilW1 '! ":; i'ii'i'a:1;;!.'!1,"': 'd-,f-m- ... .,, . ... .,., ;l. ;l: Itii!.''1 ',: "" 'f W:!; ',Ji,i:.ü;' liii 'l..'lilf.lif't.jl'.'l

ir

SS20BE39ES

EGO SUM PETRUS. ÄuS den Erlebnissen eines Qs sic iers in A n a m. I J,a iza:i?. Das Diner war zu Ende. Man saß gemüthlich im Kreise, bei einer Tasse Mocca und einer Cigarre, und da die Gesellschaft 511 einem guten Theil ans Marine - Qsftcicren, tSMomalbearnten. Afrika forschern und ähnlichen erotischen Gewachsen bestand, so drehte sich bald das Gespräch um die Colonialpolitit und um Erlebnisse in fernen dunklen Weltthcilcik. Besonders v:cl erphlte ein Oberst, dessen gebräunte (tzesichts färbe und zn früh grau gewordenes Haar bewies, daß cr in den Gegenden, über die man sich unterhielt, lange ge-! Wesen war und darum auch h; t UICI -Cc inerkensnierthes erlebt hatte. Er wußts in der That manches Interessante, manches Merkwürdige recht wirksam zu erzählen. Bitte, noch eine, noch eine letzte Ge schichte," bat einer von der GeicUjchaZt. hM- rVi.rft ehen im Nt'kirin mar. es ?lnd?ren ,u überkamen, auch von ibren Erlebnissen zu erzählen. Wie. eine lekte Geschichte?" erwi. h?r er rhrrti- mitten Sie nickt, da ich bereits meinen ganzen Sack ausgcleert habe? Tas heißt, so ungefähr." i fügte er bei mit einem Lächeln, das be ' ' - . - . weiten sollte, dan das Berlanaen ibninWirklichkeit nicht in Verlegenheit bringe. lZr schickte uch in der That an, die Berheißung feines Lächelns zu erfüllen. ;ie wollen also noch e:ne beschichte von mir? Und da ich als Soldat so oft gegen die Barbaren, die wir bekämpf, ten. Urtbeile in vollstrecken battc. so soll es wohl eine Piraten oder Ääuber geschickte sein?" -Räuber, Piraten oder Rebellen, es ist un? Einerlei." rief es im Chöre. Gut denn," erwiderte er. Ich bin in meinem Leben oft genug aus Piraten gestoßen, auf meinen Zügen! durch eroberte Länder, wo wir nm der eigenen Sicherheit n?il!cn und um' ffurcht um uns her zu verbreiten, an Blutthaten uns gewöhnen und als Räude? die armen Teufe! behandeln mußten, die nur halbe oder gar keine Räuber waren. Aei dieser Äeschäftigung bekommt man nur zu leicht ein Gefühl der Gleichgiltigkcit gegen das Ting, das man Menschenleben heißt" und das sonst für so kostbar gehalten wird. Mißachtung des eigenen und zumal des fremden Lebens ! Niemals habe ich ein so naiv schreckliches Beispiel dafür gesehen wie damals, als ich eines Tages auf zwei Menschen stieß, einen französischen Soldaten und einen Ana miten, von denen der erstere sich gerade anschickte, den letzteren an den Hauptast einer Banane aufzuknüpfen ; beide trugen bei dem Geschäfte die größte Gleichmüthigkeitur Schau. Was machst Du da?" fragte ich den SolZzatcn. der eben dem Anamitcn die Schlinge um den Hals legte. 'Die Sie sehen, Oberst," erwiderte er, ohne sich in seinem Vorhaben stören zu lassen, hänge ich diesen Schurken, diesen Mörder und Räuber !" Em Räuber ' Bist Du dessen sicher ?" Sicher ? Das will ich wohl mci nen i Und worauf stützest Du Deine Mei nung V Darauf wendete sich der Soldat, ohne sein Opser loszulassen, gegen mich und deutete mit dem Zeigefinger seine? Im ken Hand auf fein Äuge: ..Sehen Sie, Oberst, ich habe ein Auge dafür. Mein Auge täuscht mich niemals !" .Schon möglich, mein Freund' sagte ich zu ihm. aber wenn ich, der ich jetzt mit Dir spreche, der bravste Anomite von ganz Anam wäre, so wäre es mir doch verdammt unangcnehm, auf meinem Wege einem so scharfen Auge wie dem Deinigen zu begeg nen. Laß diesen Unglücklichen lausen, , und da, trink etwas auf meine Gesund heit!" Der Soldat nahm das Geldstück, da; ich ihm bot. entfernte mit einem gewif icn Bedauern die Schlinge vom Halse des angeblichen Räubers, und dieser ging ruhig weg. ohne mir für seine . Rettung auch nur zu danken.- Den i habe ich gerettet. Aber ich konnte nicht überall sein, und der Strick war oft in Thätigkeit. Auch war ich selbst nicht immer so glücklich, helfend ein greifen zu können, wie Sie gleich ersah ren werden. Es war im Jahre 1835. Ich be .and mich in Long Sai, ein Ort von ein paar Hütten am Strand von Hue. wo mein Hauptquartier war. Ein kleines Kriegsschiff lag an der Küste, und um Ihnen gleich einen Beleg von der Lage zu geben, in der wir uns bt fanden, brauche ich Ihnen nur zu a gen. daß die Naaen dieses Schiffes ekne besondere Bestimmung bekommen hatten. Es verging nämlich selten ein . Sag, wo nicht ein, , zwei drei und zu 'weilen, eine ganze ? Äieihe änamitischer Räuber an den Raaen baumelten; sie wurden unter Bedeckung aus dem Innern des Landes gesandt mit der kurzen, Ordre., sie aufzuhängen, und unter diesen Umständen konnte ich mich nicht ' weigern, die Ordre zu voll, ziehen. Mehrere Male hätte ich gern diese Unglücklichen .befragt, um wenigstens einige Erklärungen zu bekommen und etwas für sie thun zu können- aber es war unmöglich, denn keiner tonnte oder verstand das ranzöjiZche. Ein Dolznetschcr! Ich brauche absolut einen Dolmetscher! So reklamirte ich eines Tages. Und man versprach, mir einen zu verschaffen. Irr der That.' eines schönen TageS kam wieder ' ein Trupp Anamtten, bleiche, von Ermüdung und Elend erschöpfte Gestalten, , unter der Anfüh rung eines Eingeborenen, der sofort an wich herantrat und mir einen Brief überreichte mit den Worten: Ego sum Fetxua! .a$s, ;4

'Jiw'wynrgJEC'JBraS

im Ärics enthielt die Nachricht, daß ich noch an demselben Tage die zwanzig Anamitcn zu hangen hätte, die der Dolmetscher Petrus mir zuführe. Tann folgte ein begeistertes Loblied auf diesen Leeren, einen Burschen von großer Zukunft, der zwar nicht fest im französischen sei, dafür aber von den Missionaren, die ihn unterrichteten. Latein gelernt und den Namen Petrus bekommen habe, ans den er nicht wenig stolz sei. Endlich hatte ich also einen Dolmet scher. Ich betrachtete ihn aufmerksam, er wollte mir aber nicht gefallen. Er trug eine höchst demüthige Miene zur Schau, so lange er sich von mir dcobachtet glaubte; den Gefangenen qe gen über zeigte cr sich unverschämt und ! k 4-fr. vv m i Art Einsts .iit. tuuf niuiym, iauv um iui ivuuii iuit' ie:V. ....Ä. 1 1 . , v : . fiiiiu tjuiutuu iiiuuv. luuvruiv? antwortete er mir, als ich die erste paar französischen Worte an ihn gerich tet hatte, stotternd und in einem ganz phantastischen Latein, daß er mir1 diese letztere Sprache gelernt habe. Das war entschieden ein ganz eigen iöümlichec Dolmetscher. Schließlich. sagte ich mir, muß man mit dem zu. .

jua irni, .d X..'hmt?.itfhnrt ivimijirt iinfc mit fri,

trottn jem, was der wmraei sl; es tollte dcÄ m.Ut mit recvten tngcn zu gehen, wenn es mit dem Blschen La ttin, Defcn ich mich von meiner ugertb. her noch erinnere, und dem scrntgen, fc. S f i t J. 1 s. 1. llui.M aucrui qui, iiiuji ijuiuu rn'trM tn3 i'.t UprftSrtVM-U'nt IUii4VVf UIIV g. WfcUVlvlli Während dessen standen die zwanzig Räuber da und starrten vor sich hin, glcichgiltig gegcn ihr Schicksal und nur Minden, dan it txn wenig ausruzzen konnten. Sle wußten was chncn be vorstand, denn das chin mtt jemen behängten Raaen wiegte sich vor ihren Augen. Aber es schien sie nicht zu be kümmern. "Eamus irptur!" sagte ich jetzt zu meinem Dolmetscher. Petrus wandte sich sofort zu seinen ! Gefangeum und richtete mit einem verachtungsvollen Blick, den ich heute noch seh? einjge Worte an siez dann stellte cr sich an ihre Spike und mar schirte mit ihnen dem Schisse zu. Ich folgte ihnen, indem ich mir überlegte, wie ich diesen Burschen mit der großen Zukunft nützlich verwenden könnte. Bor Allem dachte ich mir, muß ich nach -Lok-Dai gehen cs waren nur ein paar Stunden dahin um bei den Missionären, die ihn unter richtet hatten, zu erfahren, was sie von j rhm hielten. Inzwischen waren wir auf dem Schiffe angekommen. Ein alter Matrose spazierte darauf herum, eine Pfeife rauchend, und so sehr war er an sein tägliches trauriges Geschäft ge wöhnt. daß er nicht erst wartete, bis ich ihn anredete. Aufzuhängen?" fragte er. Gut. Oberst. Sie können ruhig gehen." i f f fcV " . M I süirne feine Pfeife wegzulegen, oegann er seine Vorbereitungen. Miirt, rt(tTif !Mt 'Jitrf uwrtrrt der Unglücklichen zu sehen, nahm ich v ... . , ' "' "v"" o"1"""" mir ocn -peiiud yer uno inacgic igin oegrelflich, dan er der Hinrichtung seiner LandZleute beizuwohnen habe. IZsns bsniss'.m , antwortete er grinsend. Und hochmüthig erhobenen Hauptes hielt cr Revue über feine Ge fangenen. Ich zog mich rafch zurück, und ritt hinüber zu den Missionären. Sobald ich ihnen den Zweck meines Kommens auseinandergesetzt hatte, gab es einen endlosen Schwall von Lobsprüchen. Petrus," h:en es, unfer bester zoglina! Ein prächtiger, thatkrästiaer Bursche! Ein Mann mit einer Zukunft, einer großen Zukunft!" Kurz, ich beian an ihm eine wahre Pcrle. Als ich gegen Abend zurückgc . , i . r i ( r cv tcvri war, vanc na) mein 'cimrauen gegen ihn vollständig gelegt Bevor ich mich in meine Hütte zurück zog. wo ich den Befehl hinterlassen hatte, mich zu erwarten, ging ich noch zum Schiffe hinüber, um nachzusehen, ob Alles in Ordnung sei. Es war Alles in vollendeter Ordnung. Der altc.Matrose, immer mit dcr Pieife im Munde, zeigte hinauf. ach d;r Raa. an der untcr einer frischen Brise die gestreckten Kadaver der Räuber baumelten. Zählen Sie diejelben nur." faite er. Ich zählte und war sehr überrascht. Ich zählte noch einmal und meine Verwunderung wuchs. Der Matrose bemerkte cs. Was haben Sic. Oberst?" frug er. Was ich habe? Ich habe Dir heute früh zwanzig Räuber zum Hängen ge geben und hier oben an der Raa hängen ihrer einundzwanzig!" Tcr Vcatrose fing setzt auch zu zäh len an : Emundzwanzig! Ganz richtig! Die Rechnung stimmt !" Rein," rief ich,, die Rechnung stimmt gar nicht! Ich habe Dir zwan zig Räuder gegeben und nicht einundzwanzig!" Sind Sie dessen ganz gewiß?" Der Matrose fuhr sich mit der Hand an die Stirne. ' .So so also das war es." achte er. Es war Einer dabei, der xoxz sich absolut nicht hängen lassen. Der hat einen Spektakel erhoben. Umstände gemacht, sich gedreht, geschrien, getobt! Bald wandte er sich an mich, bald an seine Kameraden. Ich weiß nicht, welche Sprache er redete; ich erinnere mich nur noch, daß er immer schnc: Kgo sum Petrus! Ego sum Petrus! Der Kerl! Es war zum Lachcn!" Ein Schauer überrieselte mich; ich packte den Matrosen an der Brust. Elender." rief ich, das war der Dolmetscher! Tu hast den Dolmetscher mltgehängt!" Der Matrose sah mich ruhig an. Der Dolmetscher?" sagte er dann. .Ja, warum hat er es denn nicht gesagt, statt immer fein Kgo sum Petrus zu stottern? Ich habe ihm den Petrus ordentlich heimgezeben.! Dieses Geskcht hätten Sie sehen sollen, das er machte, als ich ihn hinauszog! Selbst die Ank?rfiY.di nach inr gehängt wurden.

hatten ihr Vergnügen daran. Als sie schon an der Raa hingen, lachten sie noch!" Das ist; schloß der Oberst, meine Geschichte. Armer Petrus! Es war ein Bursche, der einen weiten Weg vor sich hatte, wiö seine Lehrer mir sagten. Ach weiß nicht, ob diese Prophezeiung 'ich erfüllt hätte, wenn ihm nicht der ,atale ZnfaÜ, den ich erzählt habe, zu gestoßen wäre. So viel wenigstens ist sicher, daß er hochgestiegen ijti" v m m m. Ei Besuch in einem Hamburger KinderAsyl.

Vor einigen Tagen besuchte ich eines der zahlreichen Kinder-Asyle. in denen Kinder an der Cholera erkrankte? oder verstorbener Eltern vorläufig untergebracht werden. Erschütternd ist der Anblick dieser Kleinen, die ahnungslos von einem schweren Geschick betroffen sind, die warme hingebende Nächsten liebe thut Alles, was in menschlicher Macht steht, die Gegenwart freundlicher zu gestalten und die Zukunft der armen Lerlassenen einigermaßen zu sichern. Nachdem die Kinder aus den ver feuchten Wohnungen geholt sind, wer den sie zunächst im sogenannten Kur ; scher Kleidung versehen, ihre eigenen Sachen werden verbrannt; dann bringt man sic in eine Uebergangs-Station, wo sie ärztlich beobachtet werden und schließlich in eins der Asyle, wo sie bleiben, bis die genesenen Angehörigen sie in die gesäuberten Wohnungen zu rückholen, oder, wenn sich keiner meldet, der Staat für ihre definitive Unterbrin gung sorgt. Das Asyl, das ich besuchte, liegt auf der Uhlcnhorst, in unmittelbarer Nähe des Waisenhauses; es hat bis zu drei hundert Kinder zur Zeit verpflegt, jetzt, anV Ende der Epidemie, ist die Zahl eine bedeutend geringere. Nur frei willige Kräfte versorgen es; eine Anzahl Damen widmen sich mit rührender Hingebung in aufopferndster Thätigkeit Tag und Nacht die Pflege der Berwai c.... -.. slYVi-s. ,3 S.. I stcn ; junge Madchen ltts den ersten ffamilim kommen iedcn Mrk ei. ! halb sieben und jeden Abend, die Klei ncn zu waschen und anzuziehen, die Großen bei der Verrichtung aller häuslichen Arbeiten, wie Bettcnmachcn, Rcinmachcn der Waschgeräthschaften, Stuben uns Eorridorc zu überwachen, andere, deren Hände fönst wohl mit zierlichen Stickereien beschäftigt waren, bessern unermüdlich aus, Bolls schul lchrcr und Lehrerinnen unterrichten und beschäftigen die Kinder während der Tagesstunden. Zunächst sührte man mich in die Nähstube, einen großen Saal, in dem ans Tischen und Bänken eine unendliche Menge guter, neuer Wäschcaeaen fKrhi rtitfti'fisiltttSf (Tt Vn3siriTtS iirt ttrt I

UUIIW M U I l..uubt, VtWtVtMkL'k. .. . CTi , ri . w Lt Y Wfinton GtZhtltäahnnm Min dare für den Postdicnst im deutfchen

tel. Oüte für jedes Alter und Geschlecht ,.:.. n.. !. -f...r)... , , i II I E U . 11 1 I iJLl l- 1 HL III II 1L .11 111 I III I I Spielzeug und Beschästigungsgegcnstanden, mit, Allem, was ein Kindcrherz i : :xn.. ,..-...,., ... line Arnahl kanten war fietsfti Eine lnzahl Damen war beschäftigt. die immer neu eintreffenden Sendungen zu ordnen und zu vertheilen: zwei kleine Knaben, in etwas unzureichender Toilette, warteten auf die schnell be schasste Ausbesserung einiger nothwen diger Kleidungsstücke; ein kleines Mädchen, das von der genesenen Mutter gerade abgeholt wurde, ließ sich von Kopf bis zu Fuß neu einkleiden, auch nicht das Strumpfband und die Haar schleife fehlten an der reichen Auswahl der Liebesgaben, und den strahlenden Blicken des Kindes sah man es an, daß cs wohl noch nie so zierlich und sorgfäl tig gekleidet war; zum Schluß erhielt cs noch eine Puppe, denn in der Wich nung, in die es zurückkehren sollte, war ja so Vieles verbrannt und vernichtet, da sollte doch ein kleiner Trost nicht fehlen, und mit einem herzlichen Kuß nahm die Kleine Abschied von den freundlichen Pflegerinnen; ein frö)li ches, geschäftiges Treiben herrscht in dem Raum, so daß man fast vergessen konnte, welch' unsäglich trau rige Zustände dies Alles geschaffen haben. Tann ging ich weiter durch helle, luftige Schlafräume, .in jedem etwa 30 elfcrne Kmdcrbettftellen aneinander gereiht stehen, dazwischen ein großes Bett für die überwachende Dame, durch lange Corridore, in denen jedes Kind sein reinliches Wafchgeräth an Haken und Bort hat. durch den Speisesaal, in dem lange Reihen an Waschschüsseln aufgestellt sind, damit jedes Kind sich, wie die Cholerazcit es erfordert, vor dem Essen die Hände wäscht. In den Baby-Saal konnte ich leider nur einen flüchtigen Blick werfen, weil die Kleinen in ihrem Mittagsschlaf nicht gestört werden durften, aber es war ein allers liebster Anblick, die schlafenden, rothbackigen Kinder in ihren sauberen Bettchen in Zangen Reihen und dazwischen die pflegenden Damcn hier ein wei nendes tröstend, dort ein unruhiges sorgsam zudeckend. , Zuletzt kam ich in den großen Garken, wo eine Anzahl Knaben und Mäd chen unter sieben Jahren, sdie größeren Kinder hatten Unterricht) 'fröhlich spielte. Alle sauber gewaschen und kahl geschoren, so daß' man das Geschlecht oft nur an den verschiedenen farbigen Bändern erkennen konnte, beschäftigte sich Jeder nach seiner Reigung: hier versammelte eine Dame tlcint. Mädchen um sich, die eifrig ausnähten, dort kniete eine andere im Kreise einer klcincnSchaar beim Rundspiel; junge Männer ezcrcirtcn milden großen Knaben und bauten 'mit den kleinen; ein ältlicher Herr, der offenbar noch nie einen Kinderwagen geschoben hatte, fuhr zwei bleiche Knaben sorg'am umher. 1 Einige Kinder freilich weinten und verlangten nach der Mutter, andere laßen still abseits, das Spielzeug unberührt vor sich und mit ängstlicher Scheu sich von der lärmenden 'Ächaar fern haltcvd; die meisten aber waren frieden und glücklich; sie haben gute

;rt. WJgTCH "Wohnung, wärme Kleidung, schmack hastes Essen, Spielzeug in Hülle und Fülle und dabei liebevolle Behandlung, das ljt mehr, als nianche von ihnen bisher gekannt baben: für das, was sie betroffen hat, haben sie noch kein Ver ständuiß: srazt man sie nach den Eltern, so sagen sie' meistens, die Mutter ist fortgeholt, ob sie dann im Krankenhaus gestorben, ob d:; Bater ihr nachgefolgt ist, ob die Geschwister noch leben, da von erfahren die Kleinen nichts. Jedes Kind trägt am Hals anen Zettel mit seinem Namen, dem Namen, soweit man ihn kennt, denn bei aller Sorgfalt mußten Verwechslungen vor kommen in der ersten Zeit des Schrekkens. wo man die Kranken von der Straße auflas und die Kinder allein bei det Leichen der Eltern oder in lee ren Wohnungen fand. Manchmal stellt ein solcher Irrthum bei einer zu fälligen Begegnung sich heraus: so fand ein Lehrer im Asyl seine kleine Schülerin unter einem anderen Namen: das kaum genesene, geschwächte Kind, mit dem schon im Krankenhaus die Verwechslung vorgegangen war, hatte bei all dem Schrecklichen. Unerwarteten, das es durchleben mußte, auch diesen Jrrthilm als etwas Dazugehöriges ljin genommen; als man es den vermemt lichen Eltern zuführen wollte, zeigte es sich, daß Beide inzwischen gestorben waren, und man brachte es in's Asyl; als man nun den richtigen Namen er fuhr, fanden sich auch die lebenden El tern. denen man das schon todt ge glaubte Kind wieder bringen konnte. - Auf dem Schooß einer Dame saß ein abgezehrtes, etwa dreijähriges Kind, das nicht laufen und nicht sprechen konnte: man erzählte mir. daß es aus dem 5irankenhause gekommen sei und man feine Herkunft nicht kenne; wahr scheinlich seien die Eltern todt, das Kind könne leine Auskunft geben; meldet sich auch in Zukunft Niemand, so wird das kleine Wesen namenlos und einsam durch die Welt gehen. Ein Theil die ser und der rn den anderen Asylen untergebrachten Kinder wird noch von UUllLUtUlUUUtU VlUl'll IIUIU l.UUJ l. ' , v. 7.. 5 " r1"?" aj$ML ' den von Fremden für eigen angcnom mm, c:ne groe Anzahl aber bleibt zurück und wird vom Staat in's Wai senhaus untergebracht oder iu Privatpflege gegeben. Bis zur Konfirmation wird für sie gesorgt, dann stehen die armen, noch so hilfsbedürftigen Wefen allein da. Für diese Kinder wird ein Fonds gesammelt, um sic bei ihrem Eintritt' in die Welt mit einigen Mitteln auszurüsten, oder ihnen eine wei terc Ausbildung zu Theil werden zu lassen. Dromedare im Postdicnst. Ueber die Verwendbarkeit der Drome ! Schutzgebiete von Südwe.tafrika be. ttcuttt anmmann Z'kranczoiZ im . - " . . . v t. rx i -.i .Teutsch. Kolonialbl.' Die der Truppe im Juni 1891 übersandten 10 Dromedare sind von mir auf Reisen in den verschiedensten, Thei len des Schutzgebietes zur Beförderung des Gepäcks der Mannschaften und für den Postpacketdienst zwischen Walfisch bai und Windhoei verwandt. In den trockensten wie in den feuchtesten Klimaten blieben sie gleich leistungsfähig. Von Krankheiten der Rinder, wie Lungenseuche und Gallcncntzün dung. sind sie verschont geblieben, ebenso von der in der Zeit des jungen Grases wüthenden Pfcrdckrankheit. Im Ertragen von Durst und Hunger übertrafen sie selbst das Damara-Rind. Auf dem Wege von Lehntitang nach Geinab blieben sie sechs Tage ohne Wasier und zeigten am siebenten Tage in Gcinav leine oczonocre kdux oanach. Die Marschgeschwindigkeit entspricht bei einer Belastung von 250 Pfund der des Ochsenwagens, also etwa 4000 bis 4200 Meter in der Stunde. Sie bleibt dauernd dieselbe, während man bei dem Ochscnwagcn nach den ersten Stunden eine Bcrlangsamung feststellen kann. In der steinigen Randcrhebung des südlichen Namalandes waren die sechs von mir mitgenommenen Dromedare die einzigen Thiere, die nicht fußkrank wurden. Die unbeschlagcnen Pferde mußten geführt und den Zugochsen mußten, um den Wagen weiter zu befördern. Schnhc angelegt werden. In Gegenden, wo cs an Wasfer und Wcide fehlt, wo ausgedehnte Dünen oder tief cingcschnittcne Wasserrinnen die Gc gend durchziehen, wird sich das Tromcda? als Transportmittel empfehlen. In unserem SchnhaMet' würde dies der Fall sein in dem Damarabcrgland außerhalb der Hauptverbindungcn in dem längs der Küste sich hinziehenden Tüncngcdiet. den steinigen 'Rand crhcdlingen des Namalandes und in dem Turstfclde der Kalahari.,,, Toch muß dabei bemerkt werden., daß die Anschaffungskostcn der Tromcdarc gegenübcr denen der bisher für Trans, portzwecke benutzten Zugochsen sehr, be deutend sind. ' Höflich. A: Sie unverschäm ter Mensch, wie können Sie sich denn untersteben, mich auf die Hühneraugen . ' er - zu tretest s nifwciioigen sie gu tiast, aber es war nicht meine Absicht, Ich wußte ja gar nicht, daß Sie welche haben. Ein Bauernhofbesit;er in Tamerom bn Stettin hatte einen bösartigen Hund und wollte ihn durch einen Schuß todten : das Thier lief jedoch in den Stall und huschte in das dort befindliche Stroh. Hier feuerte der Besitzer auf den Hund und tödtete denselben auch, aber gleichzeitig loderte aus dein 'ct?o.i die flamme auf, wel ch?5 durch den, Schuß in Brand gesetzt ' ffs?. -v ' , ... .. V ' war. -ic irimnnic veroreiicie ficy mii großer Schnelligkeit über das ganze Gehöft,, erfaßte ,auch das Nachbargrundfluck. und, trotz umfaffender Ret tungZarbciten wurden in kurzer Zeit 18 Gebäude ein Raub der Flammen, ' und das w.'gm eines Hund?s !

Liu5ÜIil

Das Mädchen.

. . . auf ver sckiedene lwortenausvercyleoene I U C II. Lrn Mu!!,r E. An Lulu! Sie fragen, was ein junges Mädchen thun soll, um sich bei den Herren beliebt zu machen? Dies ist schwer zu sagen, denn was den' einen gefällt, mißfällt den anderen. Es gibt eineMasse heirathsfähigcr und hcirathslustiger j'unger Damen, die gute brave Gatttnnen geben würden, aber sie sind zu ehrlich und können den Herren keine Komödie vorspielen, und das wollen viele Herren haben. Eine Frau, die' sich gibt, wie sie ist, mögen die Herren nicht leiden; aber eine gezierte, geschrankte Puppe, die ihnen Brei um den Mund schmiert, ist. was sie lieben. Eine jnnge Tamc hatte ihrer Mutter versprochen, einfach und natürlich zu sein; als sie in Gesellschast kam. sprach sie nur von Verständigen Sachen. Ta zog sich einer nach oem Anderen -ihrer, durch die Ncuchcit ihrer Erscheinung angezogenen Verehrer von ihr zurück und sie mußte Mauerblümchen spielen. Sosort änderte sie ihre Tactik und sprach solchen Unsinn, daß sic oft selbst erstaunt war, wie ihr nur Jemand zuhören mochte. Seit dieser Zeit ist sie die populärste Dame ihres Kreises. Wie ist dies möglich," werden Sie fragen, ich will es Ihnen erklären. Kindisches, einsaitiges Gebahrcn gilt bei den Herren, wenn die Dame noch jung und hübsch ist, für lieblich und naiv; spricht ein Mädchen verständig, so ist cs ihnen unbequem sie wollen in Gesellschast junger Damen lachen, scherzen, tandem; ne wollen nicyl ourazschaut werden; kluge Mädchen sind ihnen fatal, in der Gesellschaft von diesen wird cs ihnen unheimlich. Sie wollen unberührte, gläubige, fromme und sanfte Wesen, die sic nach Belieben zu modcllircn gedenken, und bedenken nicht, daß. wenn ein Mädchen Eharacter hat rnid ihnen widersteht, sie auch später als vcrhcirathete Frau Anderen widerstehen kann. Um sich bei einem zungen Mann beliebt zu machen, muß sie mit dem Zeitgcist voranschrcitcn und die Tagcsercigmsse beherrschen: deßhalb braucht sie aber nicht die ganze Zeitung zu ftudiren, nur fo viel, oaf; ne zuwclicn ein Wort einwerfen oder als Dammbrcchcr funairen kann, denn eine gute Zuhörerin ist besser, wie die brillanteste Unterhaltcrin. Man braucht vielen Herren nur das Gefühl beizubringen, dafz sie' verstanden und gewürdigt werden und die Schleußen ihrer Beredsamkeit öffnen sich von selbst. Auch auf ihre Liebhabereien muß man eingehen. Ist einer bei der Miliz, so thut seine Dulcinia gut daran, sich bei einer Parade an den Rinnstein zu stellen oder ans eine Treppe, wo er vor beitommen muß und ihm zuzuwinken. Sic kann ihm dann später sagen, wie schneidig er ausgesehen hat und wie gut ihn die Uniform kleidet u. f. w. Ist er ein Sänger, fo gehe sie in die on certe, in welchen er singt und bewundere seine Stimme vergleiche ihn mit einem Mierzwinsky, . -Karl Formcs. Schott oder Niemann. Ist er Advocat, so bewundere sie seinen Sprachund Gedankcnreichthum und stelle ihn Gladstone und ' Talleyrand an die Seite; Arzt, so muß cr sosort ein Koch oder McKcnzie sein: Journalist, dann ist er ein Horace Grccly oder Dana kurz, Honig und Taffy das ist es. was die Herren lieben. Die Wahrheit können die l.oräs and Masters am allerwenigsten vertragen: und den Muth, ihre Fehler einzugcstehen. haben sie auch nicht, denn in meinem Artikel .Knaben" habe ich gesagt: ..Man solle junge Männer, die in töchtcrrcichen Häusern verkehren, nicht sofort verloben dies Getratsch habe schon manchen jungen Mädchen geschadet. Es gäbe aber nicht blos weibliche Tratschen, jondern auch männliche.- Dies Letztere, hat mir der Herr Redacteur ausgestrichen. Sie sehen, daß ich nicht auf mein Geschlecht hacke, wie sie sich ausdrücken. Jetzt eben würde ich an ihrer Stelle ein bischcn Politik treiben; aber daß es ihnen nicht geht wie einem mir bekanntcn jungen Mädchen, die zu einem Herrn sagte: ..Ich bin republikanisch-. Warum?" srug sie der junge Mann, Si können ja doch mcht stimmen". Das macht nichts", erwiederte sie, mein Onkel ist republikanisch und da sind Tante und ich cs auch". Sind Sie für Schutzzoll? frug der junge Mann. Schutzzoll ! Was ist das?" rief sie. Sehen Sie, wenn junge Mädchen noch nicht einmal wissen, was der kleinste GtraßenZunge weiß (denn man hört sie doch jeden Abend in den Straßen iree tracle, no free trade'V lind What's the matter vith Harrison? Ha 's all right! What's the matter with Clereland? He s in the 5oup!" singen) dann brauchen sich die Herren nicht zu alteriren. ihr Monopol ist gerettet. Solche Damen machen ihnen keine Eoncurrenz: solche Damen trachten darnach sich hübsch zu machen; sie sind, so zu sagen, auf den Mann dressirt. Solche junge Damen gelten dann als naiv; ihre Unwifscnhcit gilt als Unschuld, ihreTenk faulhcit als Bescheidenheit. . Wird aber ein solches Mädchen Gattin, dann hapert es: ihrem Manne kann sie nie eine ebenbürtige Gefährtin werden: keine Erzieherin , sür ihre Kinder, denn nichts irritirt . einen Mann mehr als wenn er bei , seinem Weibe auf kein Verständnis stößt und zur Erziehung einer Kinder braucht man eigene Gedanken und festen Willen. Oder Sie können von irgend welchen Tagesereignissen, sprechen, aber nur so viel, daß sie ihn zum Reden bringen; hören Sie ihm' dann andächtig zu, so geht er nach Hause und spricht mit seinen Leuten von Ihnen und erzählt, was für ein sympathisches Mädchen Sie Zlnd. wie gevttdet, tmt vejchnden bu

sich benehmen. Von der Sympathie kommt cs bald zur Liebe und von der Liebe zur Heirath ist nur ein kleiner Schritt. Aber, sagen Sie mir, warum wollen Sie sich so vicle Mübe geben, den Herren zu gefallen? Weil Sie erzogen wurden, die Ehe als Bestimmung des Weibes zu halten; das ist sie auch. Aber in unserem Zeitalter, wo das weibliche Geschlecht in der Mehrzahl ist und überdies den Frauen so viele Erwerbszweige zur Verfügung stehen, kann ich nicht einsehen, daß die Ehe als einziger Hafen angesehen wird. Es können, da die Herren in der Minder zahl sind, doch nicht alle Mädchen geheirathet werden, es müßte denn Mormonismus eingeführt werden. Tie Angst, als alte Jungfer zu gelten. treibt Manche zu einer übereilten Ehe. Echeirathct ist schnell, aber den Knoten wdcr zu lösen, das ist etwas Anderes. Sicher ist doch, daß das zufricdenc, thätige Leben eines ledigen Mädchens dem Loose der unglücklich verheirathcten Frau vorzuziehen ist. Früher war für das Streben, einen Mann zu bekommen, noch eine Entschuldigung: da aber jetzt sast alle Professioncn und Geschäfte den Frauen offen stehen, denn Frauen leisten jetzt beinahe Alles, was Männer leisten, und der Sclbsterwerb der Frauen ist ehrenhast und lohnend, setzt braucht man doch den Herren der Schöpfung keine so große Concessionen zu machen. Es ist doch viel angenehmer, allein aber unadhängig durch das Leben zu gehen, als sich ' von einem Manne ernähren zu lassen, der uns nach den ersten paar Monaten als eine Bürde betrachtet und uns die Ausgaben für uns und unsere

Kinder auf das Buttcrbrod streicht. Ein lcdigcs Mädchen braucht doch die Aufregung und den Aerger nicht durchzumachen, den Fraucn ausstehen müssen. um sich die Liebe ihres Mannes zu erhalten, oftmals ohne Erfolg, denn bei vielen Herren ist der Schritt zur Ehe nur ein Rausch; sobald sie das Weib besitzen, leiden sie an permanen tcm Katzenjammer. Wie 'bald wird die zärtlich vcrhätschelte Braut zum Kochtrippcl. zum Burschen, zum Ofsiccjungen u. s. w. bcnützt! Anfangs macht sich das freiwillige Frauchen ein Bergnügendaraus, dem geliebten Mann behilflich zu sein; dann wird cs ihr zur' Pflicht gemacht, und ein klein wenig später bekömmt sie bei dem geringsten 'Versehen oder einer Vergeßlichkeit einen Rüffel, der sich gewaschen hat. wo cs doch gar nicht zu ihren Pflichten gehört ihm die Halste feiner Gcschäftspstichten ebzuncymcn. Jede Frau hat doch genug zu thun, wenn sie ihren Haushalt versorgt und ihre Kinder erzieht und pflegt aber da denken die Herren nicht daran. Der Haushalt ist bei ihnen Nebensache; die Erziehung ihrer Kinder Unsinn die sollen sich selbst helfen die Alten sind auch aufgewachsen wie die Lilien auf dem Felde. Tie Ehe ist. wenn beide Gatten harmoniren, köstlich, besonders für die Frau, da die Frau nur ihren Mann liebt und nicht das anze Geschlecht, wie er. Aber wie viele harmonische Ehen finden Sie? Schaden Sie sich um, haben Sie unter Ihrer Bekanntschaft je ein glückliches Ehepaar gesehen? Ich nicht. Tliere isa skeleton in everjbody's closet. Die meisten Frauen schweigen über ihre ehelichen Verhältnisse, und je stolzer sie sind, um so schweigsamer, denn sie schämen sich, es zu gestehen, daß sie einen Irrthum gemacht haben und tragen ihre Ketten mit Ergebung. Die Ehe liefert der Frau noch einen Schatz ihre Kinder; aber auch dieses Glück muß sie theuer bezahlen. Die Sorgen und Schmerzen. die sie um ihre Kinder dulden muß, wiegen die Freuden wieder reichlich auf. Eine ledige Person muß die Kinderfreude entbehren,' aber der Leiden um ihr Kind ist sie auch enthoben. Wenn ein Mädchen einen Mann wirklich liebt, dann kann sie alles mit ihm tragen und Noth und Sorgen mit ihm theilen. Aber einen Mann zu heirathen, blos um einen Mann zu besitzen, daran hat schon Manche ihr ganzes Leben zu kauen gehabt. Und sehen Sie sich einmal die Mo ralität der Herren an. Haben Sie diesen Sommer in den Zeitungen von dem Wormser-Skandal gelesen t Wie muß die junge Gattin dieses sauberen Herrn 'fühlen. Wie muß sie aus allen Himmeln stürzen ! Natürlich bleibt ihr doch die Thatsache nicht verborgen und dann gibt es nur zwei Wege : entweder sie bildet sich 'zum Eiscrsnchts brachen aus und beargwohnt ihren Mann fortwährend (für dieses Verhältniß werden wohl viele Männer ein Verständniß haben), oder sie rächt sich. Hier will ich aber einer Jeden, die in ihrer Verzweiflung am Scheidewege steht, zurufen: Besinne Dich? Der Mann, der. Dir zu Deiner Rachedienen soll, ist auch kein Josef, wozu also die Veränderung ? Da h:ißt es bei dem Manne zur Beschmichtigung seiner Frau : Das ist Gelderpreffung. Abe? er hat doch Mrs. Olive Kent Grund zum Erpressen gegeben. Daß aber der Vater der ' jungen Frau sich nicht über den Aspiranten auf die Hand seiner Tochter erkundigt hat ! Aber da , wird aus Angst, daß Töchter sitzen -bleiben könnten, lieber ein ganz junges, unberührtes Mädchen so einem Wüstling in die Arme geworfen und manchmal blos, weil der junge Mann Geld hat. Der Vater tröstet sich und die Mutter mit den Worten : Wenn man so, penibel sein, wollte., andere junge Männer sind auch kerne Engel. Die Frau aber,, die soll sein wie tm Spieael.auf dem man jeden Hauch sehen kann ja. Bauer, das ist etwas ganz anders. , Sie glauben einen Freibrief zu haben und wenn er auch nicht indossirt, dann nehmen, sie ihn sich; eine Frau bekommen sie doch. Bei einem Bcgrädniß eines Herrn Potter in Jamaica fanden sich zwei Wittwen ein; ein Predige? Smith hatte , sogar ünf

OISSSSSKtBtSBSSBSEZSSBSSStZ

Frauen. Noch schlimmer sind die Leute, die. wie es diese Woche pafstrte. ein Kind aussetzten ; der Mann, Texter. der noch mcht einmal Geld genug hat. um das Kind seiner Schande zu ernähren, setzt cs aus. Ach. meine Liebe, die Ehe hat ihre Schattenseiten; k ist wie die Lotterie, sehr vicle Nieten und nur wenige Trefftr und wenn man sich nicht sehr gut versorgen kann oder in seinen Mann nicht sterblich verliebt ist. so daß man Alles von ihm ertragen kann. dann däucht mir. ist es kein so großes Un glück lcdig durch das Leben zu gchen. denn sehen Sie, so frei wie ein sich selbst ernährendos Mädchen ist ein- verheirathete Frau niemals. Ta braucht der Mann noch kein Tyrann zu sein aber so denkt er doch, er muß das Geld verdienen und sic giebt cs nur aus: 'daß sie auch arbeitet und dadurch auch sie aus die Halste des errungenen Ver mögens Anspruch machen kann, daran denkt er nicht. Und wie viele Frauen haben kcwe Stimme im Hause: wenn sie nur einen Stuhl anders stellen wol len. heißt cs: Immer verändern'." Sic dürfen keine Wünfche Hz ben. führt der Mann sie einmal indas TH.'ater, so ist es eine Gnade; oft muß die Frau um das Nothwendigste betteln und'schmeicheln. was doch zu verlangen ihr Recht wäre, während ich cine An zahl Wittwen und Mädchen kenne, die sich allerhand Vergnügungen wie Oper. Theater, kleine Exkursionen. Reisen u. s. w. gönnen können, ohne Jcmanden zu fragen. Auch sind sie im Stande, in ihrer kleinen Wohnung kleineThecs, Kasfecgcscllschasten oder Kränzchen zu geben, ohne angebrummt zu werdcn. Viele denken: fa. aber wenn ich alt werde, bin ich so allein. Ach, ciucr Mutter fliegt auch cm Vogel nach dem andern aus dem Rest, und dann ist sie doch auf sich angcwic sen in wie vielen Familien wird denn das Alter noch geehrt? Und wenn wir sterben müssen, so muffen wir dies selbst besorgen; ob unsere Lieben umas Bett stehen oder ob wir allein sind, dies ist für den Tod dasselbe. In Einen; ist die Natur gerecht und dics ist bei der Geburt wie bei dem Tode dies müssen wir selbst besorgen. ) Anmerkung. Mutter S. trägt in diesem Artikel mit ctwas starken Farben auf und gestattet sich manche Extravaganzen, welche der verständigen Leserin wohl ausfallen werdcn. Auch ist sie wohl mehr Männcrscindin. als nöthig wäre. Der Artikel enthält jedoch, trol'. der Uebertreibungen, so viele Wahrheiten, daß wir nichts besonders abschwäch? wollen, um so weniger, als Mutter S." ihre Meinung in allgcmein verständliche Sprache kleidet und frei von der Lcber weg" fchrcidt.' Dc Redaction. Der Geist des 5o!umvuö. Wie der Geist des alten Eolumbus dieser Tage in einem schlcswigschen Bauern mächtig wurde, zeigt folgende Eicrgeschichte. die der M. Z." aus der Nähe von Flcnsburg uiitgcthcilt wird. Von einer Beerdigung heimkehrend, hatte sich der größere Theil des Gnolgcs in den Krug begeben, um. altgeheilig tcm Brauche getreu, einen Abschiedstrunk u thun. An einem dcr Tische hatte zwischen zahlreichen Bauern auch dcr Schullehrer des Ortes Platz gcnommen; fein blank gewichster, sorgfältig vor jeder feindseligen Berührung bchütcter Eylinderhut stand neben ihm auf cincul zweiten Stuhl. Während man sich an Speise und Trank erfrischte, kam das Gespräch auf die wichtigsten Tagescrcignifse. u. A. auch auf die Eolum busseicr in Genua und auf Eolumbus selbst, über den natürlich der Schullehrcr seine Zcchgenossen in überlegencr Weise zu belehren wußte. Bon der Person deS Eolumbus bis zum Ei ist nur ein Schritt: was man über das Ei und seine Eigenschaften wußte, wurde ausgvkramt und. bis endlich einer aus der Gesellschast die Frage aufwarf, wie viel Hühnereier wohl des Schullehrers Eylinderhut bei gestrichenem Maß beherbergen könne. Einer dcr Bauern behauptete 40 Stück, was der Schullehrer, in Gedanken den Kubikinhalt seiner Angströhre ausmcssend, entschieden bestritt. Da der Bauer jedoch bei seiner Ansicht beharrte, so schlug der Schullehrer schließ lich cine Wctte vor, dcrcn Einsaf, in der gesammtcn am Tische gemachten Zeche bestand. Die Wirthin muß ihren Eiervorrath aus der Spciftkammer herbeschaffen, und langsam, Ei für Ei. begann der Bauer von dem Borrath m den prächtig blinkenden Hut zu legen, während der Schullehrer das Geschäft das Zählens übernahm. Bis 35 war er gekommen, als der Hut thatsächlich ringsum bis an den Rand gefüllt war. Tnunlpircnd erhob er sich und bt gann seinen Gegner, dcr verloren hatte, zu brüden. Aber fein spöttisches Gesicht zog sich denn doch in recht ernste . Falten, als der Bauersmann seine gewaltige Hand langsam auf die in dem Hute liegenden Eier herabsinken ließ und.'eS in dem Prachtcylindcr unheimlich zu knacken und zu knistern ansing. Als die Hand wieder verschwand, war im Hute neuer Pla geschaffen, und gleichzeitig legte der Bauer die noch fehlenden 5 Eier zu den übrigen. Z Tode erschrocken, machte sich der Lehrer an seinen Hut; ein Blick, hinein, und ein Wehklagen erschallte von seinen Lippen. Denn freilich, dort unten wars fürchterlich, die Angströhre war unretlbsr verloren. Und doch mußte er noch obendrein die Wette bezahlen und dazu den Spott der Gesellschaft einernten; denn der Bauer bestand darauf, gewonnen zu haben, da es nicht Abgemacht sei, daß sämmtliche Eier heil im Hute bleiben sollten. Reflexion ein es Vag a. bunden: Merkwürdig, je mehr ich ab. magere, desto fettiger wird mein Pa lktvt. . ' ' ' :';i:

.11, :