Indiana Tribüne, Volume 16, Number 35, Indianapolis, Marion County, 23 October 1892 — Page 2
SaS Kegelspiel in Rußland
Zu den mancherlei Tingen, welch? deutsche Kolonisten nach Rußland der pflanzt haben, gehört, wie man uns schreibt, auch düZ Kegelspiel, da? in Petersburg ganz heimisch geworden ist und sich namentlich der Gunst der Ofsiciere erfreut, die es besonders im Lager sehr eifrig pflegen. Es führt im Zarenreich den echt russischen Namen Kegli. Aber der Ruffe versteht es nicht, sich an dem kräftigen und gesunden Spiel selbst allein zu erfreuen. Es hat für ihn erst dann den rechten Reiz, wenn es sich gleichzeitig um einen hohen Einsatz dabei handelt. Ungewöhnlich hoch wurde zu Zeiten des Kaisers Nikolaus in der Petersburger Garde gespielt, trotz der strengen Strafen, mit denen der Zar die Glücksspiel zu bedenken pflegte. Die größte Summe aber, die woh! überhaupt beim Kegeln verloren worden ist. hat der Sohn jenes alten Jakoblew zugesetzt, der das jetzige Winterpalais mit Eisenblech gedeckt hat und in der Gunst des Kaisers Nikolaus seh? hoch stand. Lieutenant Jakoblem. der im Gegensatz zu seinem Vater Vater und Söhne! ein wüster Lebemann war. verspielte im Jahre 1840 auf der Kegelbahn an einem einzigen Nachmittag rund eine Million Rubel! Es war unmöglich, dem Zaren das zu verheimlichen. Nikolaus war außer sich vor Entrüstung und ließ den jun gen Verschwender sofort aus der Liste der Armee streichen. Aber der Alte that ihm leid und er sandte deshalb zu diesem einen Adjutanten,' der ihm die Strafe so schonend als möglich mittljek Im und den Alten zugleich der dauernden Gnade des Zaren versichern sollte. Der Adjutant fand Jakoblew an feinem Arbeitstische über den Büchern sitzen. Er ü bermittelte ihm den Gruk des Kai sers und rückte dann mit seiner Unglüisbctschast heraus, daß der junge Jakoblew feine Entlassung bekommen hatte. Wie vom Schlage gerührt sank der Alte in den Lehnstuhl zurück. Endlich raffte er sich auf und zitternd und den kalten Schweiß auf der Stirne fragte er: Hm Gotteswillen, was bat er verbrochen?" Der 'Ossicier erzählte den Vorfall von der verlorenen Million. Da schöpfte der Alte tief Athem, trocknete den Schweiß, und sich erhebend, sagte er: ' Gottlob, daß ts nur das ist! Ich glaubte Wunder, was er verbrochen habe! Aber meinen Sohn so hart zu strafen, um solcher Kleinig keit willen!" Der Alte wurde damals auf achtzig Millionen Rubel geschätzt. Zar Nikolaus lie die Bahn abbrechen: beim Abschied des jungen Jakoblew verblieb es. Die Probe.
' Cm glücklicher Ehegatte hatte kein rechtes Zutrauen zu der Liebe seiner Gattin. In einer romantisch sentimentalen Anwandlung beschloß er, sich einen Beweis von der wahren Gesinnung seiner Frau zu verschaffen, da durch, daß er sich aushängte, natürlich nur in effigie. izt stoppelte also mit vieler Mühe eine Puppe zusammen, verschaffte sich eine ihm täuschend ähnliche Maske, be kleidete diese Puppe mit seinem gewohnlichen Anzug und hing sie auf den Woden in eine schwach beleuchtete Ecke. Er selbst barg sich hinter dem Schorn stein, während ein Brief seiner Gattin den begangenen Selbstmord meldete. Er hatte nicht lange zu warten. Bald hörte er seine Frau mit dem Dienstmädchen die Treppe herauf Um jnen. Wenn der Esel sich hatte aufhängen wollen' meinte sie, dann hätte er's schon lange gethan! Aber wahrhaftig, da hinten hängt er! Weißt Du, Ma rie, wir werden ihn abschneiden! Geh in die Küche und hole das Messer, aber renne nicht so, sonst fällst Du! Marie hör mal'! Das Küchenmesser ist ganz stumpf, fällt mir eben ein? geh lieber 'mal 'rum zu Tante Lehmann und erzähl ihr unser Unglück und laß Dir ein recht scharfes Messer geben. Marie, hör 'mal! Tante Lehmann ist cm Ende gar nicht zu Hause; gestern meinte sie, sie müsse heut auf den Markt; geh lieber zu Frau Doctoren. den kürzesten Weg übe? die Brücke, da kannst Du gut in einer Viertelstunde zurück sein! Marie, frage auch gleich, ob ihr Jüngstes noch nicht besser ist; ich lasse schön grüßen! Marie, lauf doch nicht so! Hör 'mal, auf dem Rückwege dring' gleich ein Pfund Zucker mit, aber vom Kaufmann an der Ecke; der ist fetzt recht süß! So, nun geh! Da hängt er nun an der neuen Wasch leine; hätte auch einen alten Strick nehmen können und was nun erst das Begräbnis kosten tvirol Ter Teufel soll Dich holen!" schreit er und fvringt hinter dem Schornstein hervor; sie kreischt auf, läuft hinunter, er ihr nach; sie stolpert, er auch; beide fallen die Treppe hinunter, während der Wirth seine Thür öffnet , und lä chelnd sagt: Immer Arm Zn Arm immer zärtlich immer wie die Turteltauden!" " Variante. Wem Gott will rechte Gunst erweifen. Den schickt er in die weite Welt, , Damit er satt bekommt das Reisen Und ihm's zu Haus erst recht gefällt. Schnelles Avancement. Familienvater A.: Mir waren Vu den schon lieber, als diese, Mädels! Hat man auch seine Sorgen damit, , so wird doch einmal vaZ daraus!",, Familienvater : B. :,: ' O aus den Mädeln erst recht! Sehen Sie, mein ältester Sohn ist erst Lieutenant und meine jüngste Äochtcr!!! bettitskGencrÄ linl ' :S:'l-B;'iMfi Wer Allen gefallenwill, muß P5" t 1 15?M? J;,f5fl
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Nltfiüdter in der Großstadt Ton ras Günther oseuyagen. Es war ein köstlicher Sommerabend. Wir hatten am offenen Fenster des Cafe Bauer PlaS genommen und schauten mit Interesse auf das rege Leben und Treiben unter den Linden. Zahlreiche Equipagen, schnelle Droschken jagten hin und her, Fußgänger jeglichen U ters und Standes gingen lachend und plaudernd auf und ab. Alles be leuchtet von dem Schein des elektrischen Lichtes: es war ein so wundervolles Bild, wie nur eine Großstadt, wie nur Berlin es zu bieten vermag. Wir tauschten unsere Bemerkungen über die sen und jenen Spaziergänger, sahen aber bald wieder schweigend auf da! Gewühl. An der Ecke der Linden und der Jriedrichstraßc stauten sich die Wst gen und die Menschen, der Schutzmann senkte seinen erhobenen Arm. und einen Augenblick später flutbete der Strom weiter. Herrgott, werden nutne gute Tante und meine kleinen Cousinen aber Augen machen, wenn sie morgen Abend hier sitzen," fagte endlich mein Freund. ..Welche Tante?" fragte ich. So viel Du mir bisher aus Deinem Leben erzählt hast, besitzest Du gar keine 25er wandten." Tu hast Recht, auch ich erfuhr erst heute Nachmittag von dem Vorhauden sein jener sogenannten Tante. Man erinnert sich meistens seiner Verwandten ja nur dann, wenn man in Nokh ist ; und so hat auch jene liebenswürdige Tante, die aus einem ganz kleinen Nest morgen zum ersten Mal nach Berlin kommt, sich plötzlich meiner ninnert und bittet mich, morgen ihr treuer Be gleiter sein zu wollen." Thue es nichts fuhr ich entsetzt em por, um Gottesmillen, thue es nicht. Tu weißt noch nicht, was Dir bevor sieht, aber ich, ich habe es einmal durch gemacht, ein Mal und nicht wieder. Ich habe tä erfahren, was es bedeutet, Kleinstädter in der Großstadt herum;' führen." Aber ich begreife Dich gar nicht." unterbrach mich mein Freund, was versetzt Dich denn Plötzlich in solchz Ausregung?" .Wirst es gleich erfahren, gedulde Dich nur, bis der Kellner uns zwei neue Sherry-Cobler gebracht hat und ich mir eine neue Cigarre angezündet." Bor einigen Jahren, ich war da mals noch Offizier und so stolz auf meine Uniform wie nur Ciner. erhielt ich eines Tages von ciner mir nur sehr oberflächlich bekannten Tante eine Karte etwa folgenden Inhaltes: Na also, lieber Hugo, ich habe mich endlich entschloffen, nach Berlin zu kommen, um den berühmten Profeffor N. wegen meines alten Magenlcidens zu konmltiren. Line und Mine, das sind Deine beiden bildhübschen Cou finen, begleiten mich. Na also, lieber Hugo, morgen Mittag 1 Uhr 20 er warten wir Dich am Bahnhof in der Friedrichstra damit Du uns Berlin etwas zeigst." Pünktlich stand ich zur befohlenen Zeit auf dem Perron. Ich hatte mir meine schönste Uuiform angezogen, ich wollte Eindruck machen auf die Herzen mcmer Acrwandten. O, daß ich doch an jenem Tage das ruhige, weniger auffällige Gewand eines friedlichen Bürger? angelegt hatte! Endlich'hielt der Zug. Mit zahllosen Kisten bewaff net entstiegen meine zärtlichen 93er wandten, die ich nur schwer nach alten Photographien wieder erkannte, dem Coupee. Na. Hugo," begann meine Tante, nachdem sie mid; zum Ergötzen der Zuschauer gehörig abgeküßt hatte, das ist nett von Dir, daß Du gekommen bist. Nun nimm mir 'mal meine Pa lete ab." Ich winkte einen Dicnstmann herbei und wollte ihm die Sachzn einhand! gen. Ader wie eine Lowm ihr Junges, so vertheidigte die alte Dame ihre Schachteln. Nein. Hugo, auf keinen Fall, man kann nie vorsichtig genug sein, wer weiß, ob dieser als Tienstmann ge kleidete Mensch nicht ein verkleideter Dieb ist." Nanu, die Olle hat wohl einen Vo gel," brauste der Dlenstmann auf. Aber beste Frau Tante, wie können Sie nur so etwas denkend bemerkte ich zögernd. Na, Hugo,- sie begann fast alle Sätze mit dem Worte mna"t wenn Du Dich gettirst. dann gib .man die Sachen wieder her.Dabei entriß sie mir die Schachteln und belud damit sich und die beiden Cousinen, die verlegen kicherten und, sich heimlich mit dem Ellenbogen anstoßend, mich bisher gemustert hatten. Endlich gelang es mir, die Tante zu versöhnen, die Kasten wanderten wie der auf meinen Arm, und beladen wie ein Packesel trottete ich hinter deu Damen her. Ein Wagen nahm uns auf und führte unS zu dem Hotel. . Na, Hugo, das ist ja ein ganz niedliches Haus, wenigstens von au ßen, aber wer weiß, wie es von innen aussieht. Der Portier erschien und fragte nach unserem Begehr. Ich möchte ein Zimmer mit drei Betten haben," sagte meine Tante. , Thut mir leid, ein Zimmer mit drei Betten baben wir nicht." - Was, das haben Sie nicht?" fing nun die Tante an. Was, in solch einem großen Hause nicht 'mal ein Zim mer mit drei Letten? Na, Hugo, Du scheinst uns ja in ein recht nettes Haus geführt zu, haben. Ich sag' es ja immer, in den großen Städten ist Alles Schwin del. Alles nur auf den Schein berechnet. Nicht 'mal ein Zimmer mit drei Betten! Sagen Sie 'mal, wo schläft denn eine alte Dame, die mit ihren beiden Töchittri'bol'&oterau Ich stand wie auf Kohlen, müßige Kellner und Zimmermädchen hatten sich ' !.' 1. -. 'iji. zTji ti w.iVXVviif. , : :.,x,lAi" -hZ ics 'i'ilf ,!!,z ,,..: i.
elngefundcn und lauschten mii Bergnü! gen dem Redestrom der alten Dame. ' Bergebens suchte ich siedurch Zeichen und Winke zum Schweigen zu bringen. j Nein. Hugo, laß nur, das schadet
gar nichts, wenn eine alteZFrau ihrem Herzen Luft macht und die Uebelstände hier im Haufe aufdeckt." Inzwischen nahte, durch den Lärm herbeigelockt, der Herr Oberkellner. Er wurde von dem Wunsche der Dame be nachrichtigt und beeilte sich, denselben zu erfüllen. Gewiß, meine Dame, wenn Sie durchaus ein Zimmer mit drei Betten wünschen, werde ich sofort veranlassen, daß in dem Zimmer noch ein drittes Bett aufgeschlagen wird." Aber auch das war meiner Tante nicht recht: Nein, ich wünsche gar nichts, denn ich glaube, daß ich etwaige Wünsche sehr theuer werde bezahlen müssen." Ja, meine Dame," meinte der Oberkellner, dann bleibt weiter nichts übrig, als daß Sie sich in die zweite Etage bemühen. Ich habe dort zwei Zimmer neben einander, die ich Ihnen billig überlassen kann." Na. denn man z, Kinder! Hugo, faß mal wieder an!" Die Hilfe des Hausknechts ablehnend, belud meine Tante mich wieder, und in der glühendsten Hitze stiegen wir die Treppen in die Höhe. Der Kellner öff ncte die Thüren und wies den Damen zwei sehr hübsche Zimmer an. Nicht übel, geht so, was kosten die Zimmer?Drei Mark pro Tag." lautete die Antwort. Selbstverständlich beide," meinte die vorsichtige Verwandte. Thut mir sehr leid, aber so billig können wir es nicht lassen. Jede? Zimmer kostet drei Mark.Aber Hugo, das ist ja entsetzlich theuer. Jedes Zimmer drei Mark! Aber dann selbstverständlich mit Kaffee und Gepäck? Auch das nicht, meine Dame. Uebri gens. wenn Ihnen das auch noch zu theuer ist " Ich winkte dem allmählich ärgerlich gewordenen Kellner, das Zimmer zu verlassen. Na. Hugo, dann laß uns nun eine halbe Stunde allein, damit wir uns umkleiden können. Dann holst Dp uns zum Frühstück ab." Pünktlich fand ich die Damen zum Ausgehen bereit. Wir gingen die Friedrichstraße hinauf und betraten das Pfchorr, denn meine Verwandten woll ten einen der großen Bierpaläste ken nen lernen. Das Local war wie immer mit Gästen überfüllt. Die Luft, diese Luft bringt uns um!" riefen auf einmal drei Stimmen. Gut. laßt uns dann wo anders hingehen." Ja, nur fort von hier!" Unker dem Gelächter der uns nahe sitzenden Gäste verließen wir das Restaurant und' gingen zu Sedlmaqr. Nein, hier' bleibe ich keine Secunde, die Luft tödtet mich." Nimm es mir nicht übel, liebe Tante," erlaubte ich mir zu bemerken. Du muöt bedenken, dan es Dem aus drücklicher Wunsch war, in ein Bier lokal geführt zu werden, und daß hier, wo beständig geraucht wird, die Luft natürlich nicht sehr gut sein kann." Für einen Augenblick schien ich Recht zu bekommen, wenigstens gelang es mir, die Damen an einen Tisch zu führen. Laßt uns hier Plah nehmen," bat ich. Wir setzten uns nieder. Gerade als ich bei dem Kellner bestellte, stand meine Tante plötzlich auf. Nein, auf keinen Fall, an diesem Tisch bleibe ich nicht fitzen. Das Ge sicht mißfällt mir," und sie zeigte auf einen harmlosen Bürger, der in die Lektüre seiner Zeitung vertust dasaß. sieh Dlr einmal den Mann genauer an, der hat keinen guten Blick." Aber liebe Tante," wagte ich schüch tern zu bemerken. Laß nur. Hugo." unterbrach sie mich, ich habe mich noch nie in einem Menschen geirrt." Sie raffte die verschiedenen Schirme zusammen und verließ ihren Platz. Was blieb uns weiter übrig, als ihr zu folgen? Endlich hatte sie eine Ecke ge funden, in der sie vor. bösen Blicken sicher war. Ich bestellte das Frühstück. Und wenige Minuten spater kam das schone Bier. Aber, Hugo, daS ist ja gar kein Spatenbrau. Ich trinke nun schon seit einem Jahr,nein. was sag' ich. seit Jahren immer Spatenbräu zu Hause aber das schmeckt ganz anders". Ja, Tante", erwiederte ich. dann ist es doch wohl viel wahrscheinlich r. daß Du hier das echte bekommst uns in Deiner kleinen Stadt das nachgemachte, als umgekehrt. Aber meine liebe Verwandte ließ sich ihren Glauben nicht nehmen. Polternd und scheltend, daß sie überall schlecht be dient werde, verließ sie das Lokal. Meine beiden Cousinen machten den Versuch, sich meiner anzunehmen, aber sobald die zungen Mädchen den Mund öffneten um ein Wort zu meiner Ver theidigung nl sagen, hielt meine Tante ihnen den Mund zu. Das Frühstück hatten wir nur halb eingenommen, also nun man firings Mittag essen und dann die Stadt besehen". Wir gingen in ein Weinrestaurant. Der Hunger und Durst 1 überwanden, Gott sei Dank, alle anderen Bedenken meiner ' Verwandten und das Diner zzurde aufgetragen. , Es ist' natürlich selbstverständlich, lieber Neffe, daß Du heute Mittag mei? Vaftibist.lW? Erlaube aber", unterbrach ich meine Tante, selbstverständlich ist nur, daß ich Alles thue, was in meinen Kräften steht, um Euch hier den Aufenthalt fs angenehm wie möglich zu machen und da nach meiner Meinung eine gute Zau dazu beiträgt, so "
Davon wollten nun aber wieder die Verwandten nichts wissen, und schließ lich einigten wir uns dahin, daß sie das Eouvert, ich aber den Wein bezahlen sollte. Endlich war das' Diner vorüber, die Zeit drängte, der Professor, der aufge sucht werden sollte, durste nicht warten, und ich rief den Kellner herbei, um zu zahlen. Schon vorher hatte ich mich mit dem Jünger Ganymeds verständigt. Wenn die Damen das Essen bezah len wollen, fordern Sie für sedes Eou vert nur 50 Pfennig, das Uebrige be. zahle ich, begriffen?" . Der befrackte Jüngling hatte mich vcrstündnißinnig angelächelt, und keine Miene in seinem Gesichte zuckte, als er die Rechnung aufsetzte: Vier Eouverts G fünfzig Pfennig zwei Mark." Na. Hugo., das ist doch endlich ein vernünftiges Restaurant, in das Du uns geführt hast, das kann ich nicht anders jagen: Suppe. Fisch. Geflügel. Braten. Eis. Butter und Käse, dasür fünfzig Pfennige, das ist nicht zu theuer." Die Damen bestiegen einen Wagen, um zu dem Professor zu fahren und ich wandte mich heimwärts, denn der kö niglich? Dienst gab mir zu thun. Es war mir unmöglich, mich am Abend und am nächsten Morgen bei der Ab reise weiter um meine Verwandten zu kümmern, und offen und ehrlich ge standen, war ich herzlich froh darüber. Erleichtert athmete ich am nächsten Morgen auf, als ich mir sagen konnte: nun sind sie fort": aber eS war noch nicht genug des Kummers. Wochen waren vergangen, fast hatte ich jenen Tag schon wieder vergessen, da erhielt ich eines Morgens folgenden -Brief. Ich habe ihn tausendmal gelesen und weiß ihn noch heute auswendig: Lieber Hugo! Erst heute, es sind, seitdem wir uns sahen, sechs Wochen vergangen, habeich mich von dem Schrecken, den ich Deiner Unachtsamkeit zuschreibe, so weit erholt, daß ich im Stande bin. die Feder zu halten. An jenem Tage, da wir uns nach dem verhältnißmäßig billigen Mit tagessen getrennt hatten, besuchten wir ein Theater, dessen Name mir Gott sei Dank, entfallen ist. Ahnungslos be traten wir das Haus, aber was sahen und hörten wir? Ein sogenanntes Sit tenbild, wie ich es nie für möglich gchalten. Ich saß wie auf Kohlen. Ob Line und Mine etwas davon verstanden haben, weiß ich nicht, bei gar zu verfänglichen Stellen hielt ich ihnen, unbekümmert um das Gelächter meiner Nachbarn, die Ohren zu. Ich aber habe Alles verstanden und mache Dir, lieber Hugo, die heftigsten Vor würfe, daß Du nicht auf das Entschied denste von dem Besuch des Theaters ab gerathen hast. Du wirst sagen: wie konnte ich wissen, daß Ihr dorthin gehen würdet" aber, lieber Hugo, das ist gar leine Entschuldigung, 'im Gegentheil, ich mache Dir noch einen Vorwurf daraus, daß Tu es. nicht wußtest. Ueberhaupt bin ich von mei ner Berliner Reise sehr wenig befrie-
digt heimgekehrt. Der Arzt hat mir ja allerdings geholfen, aber alles Andere war doch entsetzlich. Nur wie gesagt, das Mittagessen, das kann man selbst hier nicht billiger und besser haben. Wenn ich an meine Hotclrechnung d?nke, wird mir noch jetzt so schwach. vag Line mir das Riechflacon geben muß. Denke Dir, allein für Licht zwei Matf, fo viel gebrauche ich hier in zinem Vierteljahr nicht. Das hättest Du. als aufmerksamer Neffe, aber vor her mit dem Wirth anders ausmachen müssen. Im Uebrigen grüßt Dich herzlich Deine alte Tante." So. lieber Freund, nun habe ich Sich gewarnt, jetzt thue, was'Du nicht lassen kannst." - Laß uns nicht so auseinanderge hen." rief mein Freund entsetzt aus, zls er sah, wie ich mich zum Aufbruch eüstete, gieb mir noch einen guten Rath mit aus den Weg, kann'denr deiner mir helfen?" Menschen können Dir nicht helfen' intwortete ich ihm, aber behüt' Dich ott, das sei mein Reisesegen.Der Winterpalast in St. Petersburg, das Residenzichloß des Zaren, das auch der jetzige Kaiser, 'wie verlautet, im kommenden Winter zu beziehen gedenkt, nachdem er bisher einen längeren Aufenthalt in demselben vermieden hat. wurde nach seinem Wieder zufbau nach dem großen Brande im Jahre 1837 auf Befehl des Kaisers Nikolaus mit Eisenblech gedeckt. &cm eal Kleinmichel, dem die Leitung des Baues übertragen wax, schrieb einen ! Wettbewerb aus. Es liefen zahlreiche ; Meldungen ein, da die Arbeit für ein 1 h.HitS iwXam. 1... a! tl i. u. .uimiivuuwuij, ui vcui jciwuiuiLj iiirgr als 40u0 Personen gewohnt Habens keine unbedeutende war. Unter Andern hatte sich auch der vielfache Millionär Jakoblew um die5llebernahmeewor den und seinen Preis angegeben Der Zar war diesem Mann, der sich durch Fleiß und Umsicht vom einfachen Äauernjungen bis zum Grsßkaufmann und Großgrundbesitzer hinaufgearbeitet hatte, sehr gewogen: , Er wollte seine Reellität- aber, doch einmal auf die Probe stellen und ließ ihm durch Gene, ral Kleinmichel, sagen,, es habe sich ein Anderer erboten, die Arbeit um einen Kopeken auf 's Pfund billiger zu übernehmen; sei er hierzu ebenfalls bereit, so solle er den Zuschlag erhalten. Ter Alte besann sich nicht einen Augenblick und erklärte dem General, ' er handle mit seinem Kaiser nicht. Ablassen könne er den einen Kopeken nicht, wolle aber Seine Majestät , ihm die allerhöchste Gnade erweisen, die Bedachung des Palastes von, ihm als ein Geschenk anzunehmen, so würde er seinen Stolz darein setzen, sie so solide und schön wie möglich herzustellen. Der Zar war über die Antwort sehr erfreut und Jakoblew erhielt Ut Arbeit ohne Ab
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Tcr ZugdeS HrzenS. Bon OSkar Jufli. Hier müssen wir einen haben'! er klärte ich meiner Frau kategorisch. Ein Gartengrundstück ohne Hund ist eine Glocke ohne Klöppel, eine Hochzeit ohne Carmcn. Elbcrfeld ohne Barmen. Er darf nicht so groß sein, wie der Hund unseres Freundes, der, wenn er guter Laune ist. sein schönes Haupt zwischen die Teller auf den Tisch legt und in seiner Zärtlichkeit die Freunde derart anspringt, daß sie rücklings auf den Boden fallen. Er darf aber auch nicht so klein sein, daß man ihn für eine ausgewachsene Ratte hält und daß der Dieb, dem er impornrcn soll, ihn auslacht. Er soll wachsam sein, damit nicht Krethj und Plcthi den Garteu b? tritt und nächtliche Besucher in verbre chcrifcher Absicht seine Stimme und Zähne fürchten. Er soll aber auch nicht so wachsam sein, daß man keinen Augenblick schlafen kann, weil er bei jedem uns gar nicht interessirendcn vorüberfahrenden Wagen fein Alarmsignal gibt. Meine Frau stimmte bei und wir gingen auf die Suche. Auf die Suche ist wohl nicht da rechte Wort. Es ist schwc,r, einen Hund nicht zu kausen, wenn man mit der Idee umgeht, dies zu thun. Man muß sich in hundereichen Gegenden das sind solche, wo keine Hundesteuer eristirt in Acht nehmen, ein sremdes Köterchen freundlich anzusehen. Gewöhnlich hat man ihn dann sofort aufdem Halse und man muß dem Besitzer nachdrücklich auseinandersetzen, daß und warum man nicht in der Kauflaune ist. Ein Mann mit einem allerliebsten schwarzen Dachshündchen, das eine Marke trug, begegnete uns. Als wir dem Thierchen unsere Aufmerksamkeit zuwandten, erklärte der Besitzer: der ist Nlcht verlauflich, aber dieser hier. l5r zog dabei zwar keinen Dolch, aber ein Hündchen aus dem Gewände, das nicht viel grö her war, als ein Dolch. ES war die Tochter des Vaters, den er gewisser mähen nur als Aushängeschild vor sich hertrabcn ließ, war blind, winselte und streckte die Beinchen aus wie eine Fliege. Wir erklärten, daß wir ich zuviel Zutrauen zu unserer Erziehungskunst hätten, und gaben dem Manne den Rath, uns das Thierchen noch ein paar V!onate aufzuheben, ehe wir uns entschieden. ' Aber die Stunde des Verhängnisses nahte. Am Bahnhofe einer kleinen lind nahen Station sprang uns ein weiß und schwarz gefleckter drolliger Kerl mit freundlichen Augen, spielend und neckluftig entgegen, der unser bei der Herzen im Nu'eroberte. Mit einem Hunde gehts' einem fo wie mit der Liebe, die Entscheidung ist blitzartig. Wenn wir den bekommen könnten, sagten wir zueinander und warfen Polio denn er war es begehrliche Blicke zu. Da hatten wir abcr'.fchon die Antwort: ein Herr in Civil und einem grauen Bollbarte erklärte: Bitte, das Hündchen ist zu haben. Ueber den Preis werden wir uns schon einigen"'. Nun hatten wir ihn. Es gibt eine Anekdote, in der zemand zu einem junaen Mädchen aufs Gcrathewohl, ohne sie näher zu kennen, sagt: Mein Fräulein, lieben Sie mich?", worauf diese antwortet:' Ja", worauf dieser, auss heftigste erschrocken, zu sich sagt: Jesfus, was habe ich angerichtet!" So ging es uns. als der Herr des Hundes zusagte. Wir baten uns . Bedenkzeit aus,' aber in den darausfolgenden Tagen wurde uns klar, Pollo ist, den wir suchen, und wir kehrten zu dem Besitzer zurück, um den Handel probeweise abzuschließen. Borher aber kamen eine Mass Erkundigungen, man will doch vorsichtig bei solchen Geschäften sein. Warum er verkaufte? Seine Frau mochte das Thier nicht leiden und er selbst habe sortwährend Angst, daß der Hund von einem der Bahnzüge über sahren würde. Der Herr hatte jetzt eine blaue Uniform und die fcuerrothe Mütze des Stationsvorstandes, und sein wciß-schwarzcr Begleiter sah ihm ln's Gesicht, als ob er jedes seiner Worte verstehe. Das Thier war zwar voll ständig Locomotiv'fromm, aber bei den 100 Zügen, die hier täglich verkehren, war es ein reines Wunder, daß er noch nicht längst zu Knochenmehl zerfahren war. Ferner, welcher Rasse er ängehöre? Davon wußte nun unser Gewährsmann nichts genaues zu sagen; nur daß er keine reine Abstammung hatte und kein blaues Blut in seinen Adern rollte, stand auer Zweifel. Er mochte der Bastard zwischen einem FoxTcrricr und einem Hunde sein, dessen Eltern ein Windhund und eine Bullenbcißcrin gewesen sein dürften, wobei nicht ausgeschlossen war, daß ein Spitz und ein Wachtel in die Familie seiner Ahnen gekommen waren. Der Hund paßte in .leine der gangbaren Rassen, hatte aber von jeder etwas und war in folg?: dessen cutl sechl interessantes Exemplar. Das Kaufgeld wurde auf zehn Mark festgesetzt, so viel, als das Thier unserem Berkäufer gekostet hatte,, zahlbar nach meiner ; Wahl in einigen Wochen,nachdem wir Erfahrung übe? ihn gesammelt, und der verdutzte Hund l mit ;;. einem u m ) den , Ha 1 s b er schlungenen Bindfaden wurde zu uns in den Wagen gesetzt. tK Wir wunderten unS über die Ruhe, welche der Verkäufer ob der Trennung an den Tag legte, und die Verz'weif lung des Hundes, als es sich durch die anziehenden Pferde sich von Hause fort geführt sah. Das Word mir nachträglich ganz klar, denn sein Herr wußte wahrscheinlich, daß er ihn nie wiedersehen würde, und der Hund wußte es nicht. Ich habe ein Kind noch nicht so jammern , sehen wie Pollo. der in diesem Augenblick ganz aufgelöst von Schmerz war, und wenn wir ihn nicht mit vereinten Kräften auf das Kissen niedergedrückt hätten, zweifellos durch das Fenster auf die Landstraße gefprun gen wäre. Meine Frau war so gerührt von seiner Anhänglichkeit, daß
pe den Schlag öffnen und ihn zurücke laufen lassen wollte, womit aber dem bisherigen Besitzer sehr wenig gedient gewesen wäre. - j Wir redeten ihm mit allen Schmei ( chclnamcn zu, streichelten und schmei' chelten ihn vergebens. Nachdem wiV eine Biertelstunde gefahren, hörte sein :
lauter Schmerz auf ; er nahm jetzt den, Ausdruck, eines still -resignirten Frondeurs an, der uns mit traurigen, vor wurfsvollen Augen ansah, unö schließ lich. nachdem er eine Zeitlang studirt, mit wem er zu thun hatte, zu wedeln anfing, eine Gemüthsäußerung, welche von uns mit einem wahren Jubel be grüßt wurde. Als wir ihn dann ohne Unfall in unfere Wohnung gebracht hatten, nahm er augenblicklich eine OcularJnspcction der ihm fremden Räume vor. Er bestieg die Sosas und prüfte die Weichheit der Polstcruv.A, suchte die Küche in allen Theilen ad und sprang mit einem wahren Wissens drang auf die Fcnsterbrettchen, um die Gegend, in der er sich besaud, zu inspi crrcn. Das war, wie wir spater leider ein sehen mußten, keine müßige Neugierde. Er sammelte bestimmte Merkmale, an denen er den Rückweg wieder zu finden vermöchte, und sein erster Gedanke, mit dem er seinen neuen Dienst antrat, war der: wie komme ich in den alten zurück? Aber ob er wie der Menfch in seinem dunklen Dränge sich des rechten Weges wohl bewußt war, ob er seine Heimath im Anblick der sich ihm bietenden Speisen und Getränke vergessen hatte, er zeigte trotz seines Heimwehs einen Appettt. um den wir ihn beneiden konnten. Wir standen in der erleuchteten Küche und sahen, das Dienstmädchen und die Herrschast, vereint zu, mit welcher Schnelligkeit das improvisirte Abendbrot, Suppe mit eingebrockten Ueberblcibseln unseres Mittagmahlcs, unter seinen gierigen Schlucken verschwand. Wie die Teller leer und blank wurden, fühlten wir uns hochgeehrt, und sein Appetit gab uns Gedrückten Host nung, daß er sich in unserm Hause wohl fühlen würde. Und nun war er zu Hause; er wedelte und zeigte bei unserm Abendbrot der Hund war natürlich als Gast vorgegangen eine überraschende Gemüthlichkeit. Er machte allerlei Kunststücke und bettelte so un genirt, als wenn es immer so gewesen wäre und immer so bleiben sollte. Nachdem er sich gesättigt, benutzte er unser bestes Sopha, um, während wir lasen, einen kleinen Borschlaf zu riskiren, und als wir zu Bett gingen, begab er sich willig nach dem für ihn zurechtgcbautcn Lager. Er schlief den Schlaf des Gerechten, nur in der Morgenstunde kam er an mein Bett und läppte so lange, bis ich ihn einzusteigen bat, und ich gewährte ihm auf leinen Füßen eine mir ziemlich unbequeme Nachtruhe, um ihm seine erste Nacht in der neuen Heimath recht angenehm zu machen. Er geht nicht mehr von uns, war mnn Berdict, so fein hatte er in seinem Leben weder geschlafen noch gespeist, das hatte uns sein früherer Be'rpfleger wieverholt versichert. Er war nicht ver wöhnt worden und die Sonne der Liebe hatte ihm nicht geleuchtet. Als aber das Dienstmädchen ihm in der Morgenstunde das Pförtchcn öffnete, um ihm eine Gartenpromenade zu ermöglichen, machte er ohne vorherige Anzeige, ohne einen Dank auSzusprechen, ganz unaufhaltsam eine Diversion nach den Kreuzlatten des Zaunes, schwang sich durch.'die Litte und im nächsten Augenblicke durch die Wälder, durch die Auen nahm er seine Flucht und lachte der Verfolger. , Wir waren so verblüfft wie beleidigt. Wir vermochten sein freundliches Aenehmen nicht mit seiner schnöden Descrtion in Einklang zu bringen. Später machten wir uns klar, daß er hier unter dem Einfluß einer gewissen Suggestion handle. Er hatte es sich bei uns entschlcdcn ganz wohl sein lasfen, aber der Zug des Herzens war stärker als er, ; und er stürmte, von einer gehttmnißvollen Macht getrieben, dahin, wo er sich hingchörig glaubte, wo man ihn aber garnicht haben wollte. , Denselben Nachmittag brachte ihn sein Dienstmädchen zurück. Jetzt wollten wir uns dem Ereignisse gegenüber besser vorsehen: er mußte angebunden werden. , Sein Borbcsitzer hatte uns das schon als Pflicht gemacht, aber wir sollten pfiffiger, sei nund glaubten, ihn durch liede und gute Behandlung bei uns fester zu binden, als mit Leinen und Ketten. Nachdem er eine Stunde am Fenster sitzend dem wieder rückkeh renden , Dienstmädchen , nachgeweint hatte, erinnerte er sich, daß er bei uns schon einmal eine vergnügte Nacht zu gebracht hätte, und begann sich häuslich ju fühleu. Jetzt aber wollten wir den Undankbaren in Ketten schlagen . und wir wanderten mit ihm, den wir an einer Strippe führten, nach dem eine halbe .Stunde entfernten h nächsten Dorfe, um die erforderlichen FolterWerkzeuge einzukaufen. , Wir führten ihnfM an diesen Traasport Zeit meines Lebcns denken. Pollo" wurde er gerufen, aber er hörte nicht. Er ging sei nen Weg, ohne im geringsten auf unZ Rücksicht zu nehmen, dafür mu ßten wir diesem fomchrlhunj;;! Jede Minute verknotete er sich die Leine u m die Füße oder würgte sie um den Hals oder schnürte sich den Schwanz ein, und es bedürfte stets einer größern Operation, um ihn zu befreien. Tann fand Mjeden Augenblick etwas an den Bäumen und Zäunen, was feine Auf merksamkcit in Anspruch nahm, und wir mußten so lange stehen bleiben, bis er sich satt gesehen hatte. Dann wieder wollte er aus irgend welchem Grunde eine Richtung nehmen, die unserem Ziele gerade entgegengesetzt war, und dann hatte er noch andere Minuten lange Unterbrechungen, die zu hindern unsere Humanität nicht zugab. Am schlimmsten aber war es m Dorfe
selbst, wo er Aufsehen erregte und ws aus jedem HäuZHen ein Hund vor die Thür trat, rm mit Pollo ein freundschaftliches BcrhäUÄß anzuktrüpfen. Wie er da bald hin-, bald herzerrte, wie wir bald nachgaben, bald vorsorg lich und in Herzensangst zurückzerrend intervenirten, wo Gefahr in Aussicht stand, das war herzzerreißend. Es mochte ihm augenscheinlich Cpaß.-. uns seine Launen fühlen zu lassen, und wir waren von dem durch seine Kreuz- und Querzüge dreimal gemachten Wege müde, ehe der große Halsbandeinkaüj vor sich ging. Aber auch das machte keinen Eindruck, obwohl die aus silber glänzenden Querstreifen mit rother Tuchunterlage bestehende Niviere ihm außerordentlich zu Gesicht stand. Als wir auf dem Nückwegeeincn Augenblick in die schöne Aussicht versunken anbiel ten, benutzte er einen unbewachten Moment, um sich mit einem kühnen Ruck und Sprunge frei zu machen. In Verzweiflung lächelnd, suchten wir ihn
durch Vorhalten von Stöcken, Apportircn, Springen und Laufen in guter Stimmung zu halten. Er biß m der That den Schäker heraus, tanzte, spielte, hüpfte neben seinem keuchenden Brodherrn einher, und schon glaubten wir ihn glücklich hinter dem Drahtgitter des Gartens geborgen, da besinnt er sich, und die Situation überschauend, setzt er sich nach seiner Hcimath in Trab unaufhaltsam uncinholbar und ward nicht mehr gesehen. Tief resignirt fchrieu ich meinem Ber käufer. daß wir kein Opfer wollen und' nicht ein Individuum zu einer Liebe zwingen mögen, die demselben nicht vom ' Herzen - geht. Man hatte unZ, wohl gesagt, daß es vier Wochen währe, ehe sich ein Hund an den Gedanken gewöhnt. an dem neuen Schauplatze sei ner Thätigkeit oder Unthätiglcit hei misch zu sein. Er Hatte offenbar nurdas Gefühl, daß er bei uns zn Gaste war: aber einen (Äaft, der nichts bezahlt niemals sich bedankt und in seine Hei math zurückkehrt, so wie sich die ge ringste GelegendeZt dazu findet, kann man eigentlich nicht auf die Lange dul den. Dennoch sandte uns der Herr Bahnlwfsinspektor noch zum zweiten: Male seinen Pollo zu? wir wollten ihn nun festbinden, in vier bis sechs Wochen würde die Erinnerung an das alte Da sein verblassen und er keine Anwand lung mehr verspüren, zurückzukehren. Wir wagten noch einen dritten Versuch, bchündelten ihn karg und mit- Miß trauen. Als ob ihm dies mehr impo nire, als unsere frühere Aufmerksamkeit und Liebe, bot er nun alle Licbenswür digkeit auf, deren er fähig war, um un scr Vertrauen wiederzugewinnen. Er setzte sich neben mich auf den Stuhl, suchte mich auf alle Weise zu reranlas. sen, mit ihm zu spielen, bettelte, stellte sich todt. Wenn ich nur fünf Minuten ; aus dem Zimmer ging, heulte er wle ein verstoßenes Kind', frohlockte bei mei nem Wiedereintritt, als wärm wir die ältesten und unzertrennlichsten Freunde.Dieser Iubelquictsch kann nicht lügen. erklärte ich geschmeichelt, fetzt ist end lich die Ueberzeugung bei ihm dt:rchgi brochen, daß er eine warme Heimstätte bei uns gefunden hat. Endlich ist er unser!" Zwei Tage und zwei Nächte lullte er uns in dieses unbedingte Vertrauen.. Wo ich stand, schob cr mir seinen Kopf zwischen die Arme, sprang meiner Frau auf den Schoß und zeigte die trcucsten Augen. Aber als einmal zufällig die Thür dem Postboten geöffnet wurde, drang er unbemerkt aus dem Zimmer ; nach dem Garten und im nächsten Au' gcnblick trottete er die ihm wohlbekannte Straße nach seiner alten Hcimath . der Zug des Herzens hatte ihn über , mächtig zurückgetrieben. Sehr geehrter Herr!" - schrieb ich. mit zitternder Feder. Es soll nicht sein: Ihr Hund wird bei uns nicht heimisch. Wir geben es auf. um die Liebe eines Thieres zu buhlen, welches uns nur zum Narren hUi und dessen Herz bei , Ihnen weilt. Ich kann ihm weder dieselbe alte Decke geben, unter welcher er selig schlummernd sein Mit tagsschläschen bei Ihnen abhielt, noch , die Eisenbahnzüge vorüberfahren las. ,g sen. die ihm in seiner alten Heimstätte-; j eine so liebliche Abwechslung gewähr ten. Ich hoffe, daß Sie und Ihre Gat tin, durch die, Treue Ihrer Ercatur ge führt, sich seiner wieder annehmen wer den. wie Wetter von. Strahl des Käth chens von Heilbronn. Ich verzichte auf seinen Äcsitz." Umgehend kam die Antwort; dasBriefchen hatte einen Trauerrand. Sehr geehrter Herr! Wir hätten, das Thier gern wieder zurückgenommen. Seme unverbrüchliche Treue hatte mich zu Thränen gerührt, selbst die Abnci gung meiner Frau überwunden, aber es sollte nicht sein. Weder Ihnen noch uns war Pollo bestimmt. Als er in tollen Sätzen, athemlos von der langen, weiten Tour, dem Bahnhossgebäude- ; zueilte, feinen Blick unverwandt auf seine frühere Herrschaft gerichtet, die mit gemischten Gefühlen ihn zu hMillW kommnen auf dem Bahnsteig getreten war, rollte der Schnellzug über die Schienen und im nächsten Augenblicke schatte tt:?hacht. z !! Der Zug des Herzens war ihm de HuzdesTods f . Bezahl t sich das Annon ciren? Auf diese Frage geben die Mainzer Nachr." mit nachstehender verbürgter Thatsache Antwort: Ein. Mann annoncirtest daß er Demjenigen 5Wark zahleW Apfel zu schicken würde. I n wenige? als 14 Tagen hatte er 15 Säcke der prächtigsten Aepfel beisammen. Hierauf zahlte er vergnügt 5 Mark für den größten Apfel, den er erhalten. Eine mitfühlende Seele. Was$ Du kommst aus dem e$ amt, Freund? Aber, bester. Junge, wenn D in Geldverlegenheit bist, warum kommst Du nicht zu mir? Ich hätte Dir denn auch gleich 'was zum Versetzen mitgegeben
lill'V'l !,V'ii,, ,' Äfflil ! !!O IfeliSfi:!' nei'jj i;!5: 1 i!1 il1 I i i '. ' 'l!ijr!i!i'!! l:-r!-i'J; !: ;:!: 5 fSfläiilif!:? .r.',' :l X ffliiS'Hiäi'
