Indiana Tribüne, Volume 16, Number 21, Indianapolis, Marion County, 9 October 1892 — Page 7
9&1s. WmMaSesgnl's LedkNSlauf. Ueber Mascagni' Lebenslauf n;!ihlt , einer seine? Freunde. Aristide Golddacher. in der ?!. Fr. P?.". da der Componist der Cavalleria rusticana mit unsäglichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, bevor er zur Höhe des Ruhmes gelangte. Sein Vater, ein Bäcker in Livorno, hatte feinen Kopf darauf gesetzt, aus Pietro einen Advoraten zu machen, und mit dem Stocke bekämpfte er desien musikalische Neis.u i--gen, bis sich ein Onkel des armen stua den an NQ hm und ihm die Mitte! gewährte, seinem Beruf zu folgen. Nach des OnZelZ Tode lenkte sich die Aufmerkfamkeit eines Kunstmäcen. des Grafen Florcstan di Lardercl, auf da? ungewöhnliche Talent des jungen Musi kers. Graf Florcstan bot ihm eine Eeldunterstuung an. damit er im Conservatorinm zu Mailand, dem ersten Musikinstitute Italiens, seine weitere Ausbildung erhalte. . So sehen rvir Mascagni in der soge nannten inlclIectucLlen Hauptstadt Italiens, verloren inmitten einer nnruhigen und lärmenden Menschenmenge, ein armer Falter, voll .Angst, sich die Flügel an den verlockenden Flammen cr Großstadt zu verbrennen. Niemand kümmerte sich um ihn; er war allein und vöüig unbekannt: eine tiefe Melancholic bemächtigte sich seiner. Am Conservatorium hatte er zu Lch. rern die Professoren Michael? Saladino für Harmonielehre und Contravunkt und Amintorc Malli für Musik Aesthetik; cr studirte jedoch wenig, wiewobl er rasch aussalzt, (r befand sich ,nals in einem Zustande moralischer Depression. Fr hatte in Livorno ein heiß geliebtes 2?escn zurückgelassen, und in jenem Pessimismus, der ihn fast niederdrückte. sab er sein Glück entfliehen, denn er glaubte in dem Kampfe um das Leben nichts mehr erreichen zu könneu, während cr sich in Livorno in seincr ftirrmischcn Knabenzcit oft goldenen Traumen hnigegeben hatte. Tie Lage eines jungen armen Maestro war da mal in Italien geradezu verzweifelt. Wie einen b?gabicn Librettnten finden, der kein Honorar gefordert hätte? Wie konnte gelingen, sich im Theater geltend zu machen, welches bei uns zu je nen Zeiten nichts mehr als ein Markt war. wo die enorme und verwegene (.soncurrenz. die nur das Geld zum Ziele hotte. Gott wein wie viele Genies erstickte? Es waren die Zeiten,, wo man in d:n Schonscnstern der Verleger eine Unzahl von staubigen Partituren ausgestellt fah. die von den Vorübergehenden nicht einmal eines Blickes gewürdigt wurden. Nur jene Werke -wurden 'einer Prüfung unierzogen, die von einigen Tau sendgulÄen-Bcrnknoie-n begleitet wurden. welches Geld die zur Mise-en-scene nothwendigen Auslagen darstellte, und nachdem Mas.agni. der bereits den Entwurf zur Cpcx Rate li ff (nach Heine) gemacht, m der Nahe gesehen, welches Elend die Periuche dar .italieni schen Musiker erwartete, warf cr Feder und Papier fort und verlor das Vcr--tränen zur Arbeit und ine Hoffnung. Tiefer Ais; in einer edlen und leidenschastlicheu Seele wirb von Mascagni selbst in einem Briefe geschildert. Er schrieb ihn. nachdem cr Zeuge des xU umphes der Billig einer Oper seines Freundes Pnccini. bei deren ersten Auf fudrung ttn .lieatre ai erme m Mailand gewesen. Dcr Eindruck jenes Abendsschreibt cr wird in meinem Herzen für immer tief emgegraben bleiben: es war nicht Neid, was ich empfand; nein, aber ich sah meinen liebsten Freund ein Ziel erreichen, das ron mir -schon fett Langem geträumt wurde. und ich brannte vor Sehnsucht, es ihm Kleich;uchun: ich sah nur nicht die Möglichkeit, dies zu verwirkliche. Im Geiste kehrte ich in das Zimmer meines Onkels n, und die berautchenden Visionen traten wieder vor mein gnstiges Auge. Och, die Kunst! Meine ichöne Kunst! Werde ich also jenen Ruhm, nach welchem ich so begierig gelechzt und von dem ich so oft mit offenen Augen geträumt, nicht erreichen können?.. .. Von jenem Tage on konnte ich keine Aube mehr finden. Ich fühlte eine .irofc? Erleichterung, wenn ich allein, ganz allem auf einsamen, entlegenen Etraßcn wandelie, und ich forschte nach der Zukunft, die mir ganz finster erschien, und die trübsten Gedanken stiegen in meinem Geiste aus. Wnn die unsicheren Schritte mich unbewußt in eine beleuchtete und belebte Ctrase führten, suchte ich meine Gestalt zu ver leiste, beim ich alauike. daß alle Menschen die Trauer von meinem Ge sichte httablescn, die Thränen in mei nen Augen gewahren müßten, und es kostete mir große Ueberwindung, mich in Gegenwart meiner Freunde zu fassen und eine heitere Miene zu zeigen. Ja dieser furchtbaren Gcislesverfas fung blieb Mascagni eines schönen T ges von der täglichen Zusammenkunst im Cafe Biffi aus. und man sah ihn nicht mehr er war aus Mailand der schwunden. Um ihT wiederzufinden,, muffen wir einer jener zahlreichen Opere!tenGeseN. schasten folgen, die sich in ärmlichsten Äerhältnisjeu auf den wurmstichigen Bühnen der trostsosester: VolkZtheater herumtreiben wo mehr gefastet als ge sungen und mehr über' das (Sfead Aslilcht als gelacht wird. Mascagni tsat bei einer solchen Opere!tenGeseü Schaft als Orchestcr'Dir'gent mit einem sxirum von sechs Francs täglich ange stellt, und in dieser Eigenschaft zog' er durch halb Italien nach allen Nichtun gen herum, die eigene Trostlosigkeit und Letrübniß mit den geflickten Tw kots und den schlecht geschminkten Ge sichtern der mageren Operetten-Tänger vergleichend. Zu jener Zeit war e-, Qls jenes junge Mädchen, das er so innig liebte, aus Livorno an ihn schrieb, sie gebe ihm sein Wort zurück, da sie niemals einen jungen Mann hcirathen tsurd-,dcr tttsGltesfür dieZukunsl
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verspreche, der eine Ichwanlendc sociale Stellung bcnke, und der in der Dun kclhcit und iin Elend sterben werde! Arm am Beutel und krank im Her zen. sah Mascagni seine Tage immer trauriger werden. Das beständige Herumirren von Stadt zu Stadt tödtete ihm Gei!t und Körper. Im Jahre 1887 treten wir Mascagn, ,n Neapel ohne Beschäftigung, weil die Thca ter-Gesellschaft. welcher cr angehörte. sich ausgelöst hatte. Wir sehen MaS cagni von neuem niedergedrückt, er müdet. elend und zum Uebcrflusfe krank. Eine edclmüthme ffünnlerm, welche an demselben Theater sang, wo Mascagni dirigirte. hatte für ihn ein liebevolles Mitleid: nc vslegte ihn mit der größten Selbstaufopferung, und MaSca.tni gcnas und erwachte zu neuem Leben. Sie verehelichten sich. In welch' anderer Weise hätie Mascagni seine große Dankbarkeit dieser rau gegenüber zelgen können, als .dan er sie zum Weibe nahm? Und nachdem cr die Idee. Operetten-Orchester zu birigiren. aüfge geben, reiste er mit feiner Frau nach Uerignola, einem Städtchen unweit Neapel, mz ihm oie oalante Stelle eines Dirigenten d:r stästischen Musikkapelle mit einem Mosalsgehalte von hindert Fran s angeboten wurde. (5s war nicht viel, aber diese Summe war wenigstens sicher. Schon halte sich MaZcagui resignirt, in der Dunkelheit und in Armuth zu leben, als mit einem Male ein Lichtstrahl die Finsterniß erleuchtete. Es kam der von Sonzogno im Jahre 188!) ausgeschriebene Konkurs für einaktige Opern. Dieser Wettbewerb, der ledigZich zu dem schönen Zweck ausgeschricben wurde, den Muth und das Pertrauen junger Komponisten zu heben und das eine oder andere verborgene Genie zu entdecken", sicherte dem Sieger unter den Konkurrenten eine Prämie von mehreren taufend Gulden zu. Daß er den Preis gewann, das; sein Wert bei der Premiere einen ungchcuren Erfolg hatte ist bekannt, weniger bekannt aber dürfte der Umstand sein, dah Sonzogno den Kapellmeister von Cerignola vor der Premiere neu einkleiden lasten muhte, damit er im Falle des Erfolgs sich vor dem Publikum sch?n lasten konnte. Maseagni besindet sich gegenwärtig mit seinem Berleger Cozogno in Wien, wo er im Verlaufe des italienischen Opcrugastspiels .'Freund Fn" und die .EavaUeria" dirigircn wird. ' Vtsirenkheil verdeutsche! Weöpen 4$&n hrrm eigenen Interviewer.) Bei dem russischen Botschafter in Paris. Die Thatsache, das; Herr Baron von Mohrcnheiin eine Summe Geldes zu rückgewiescn hatte, die von dem Marquis Mores für Rugkand gesammelt worden war. fchicn mir überaus merkwürdig. Denn ich wußte. dfc 91 ue land sehr knapp war. Der Koloß aus den allgemein bekannten thönerncn Fü ßen halte häufig nicht das Geld zu den Transporten nach Sibirien ,m Hause. und Nachbarn erzählten, oft genug fehle es ihnen an dem nöthigen Talg licht auf dem Schwarzbrod. Nun ober hatte Baron Mohrcnheim das schone baare Geld von der Hand gewiesen, welches der genannte Marquis von den Antiiemiten und mulsensreun tsm zusammengebettelt hatte. Wenn im Namen eines armen Mcn schcn. der 1cld braucht. Gels zurückgc wiesen wird, und wenn im Namen eines Reiches, das nichts hat als Schulden. bie Annahme einer Summe verweigert wird, so ist das kein fepafe. Ich machte mich also ruf den Weg. nm mir dieses Nathsels Lösung zu rer schaffen. Ah. sagte der Diener des Botschaf, ters. Sie' sind Interviewer? Da be daure ich. der Baron läßt sich nicht interviewen. Er hat strenge Ordre gegeben, jedem Interviewer die Thür zr weisen. Das haben Sie nicht nöthig, ant wortete ich. ich sehe ja die Thür vor mir. Rasch öffnete ich sie und stand vor dem russischen Botschafter. Tieser sah mich erschrocken au. und um ihn zu beruhigen, sagte ich: Womit kann Ihnen dienen?, Damit, daß Sie mir Ädieu sagen, antwortete dcr Botschaster. Also Adieu! rief ich, indem ich micb setzte. Mein zurückhaltendes Wesen gefiel den, berühmten Diplomaten, uns er nahm gleichfalls Platz. Sie wisjen. begann er, daß ich mich nicht interviewen lasse, ich bitte Sie also, nicht zu erwarten, daß ich Sie ir gend etwas frage. Ich könnte auch nichts antworten. erwiederte ich, denn ich bin svrachlos. Wodurch? fragte mich der Votschaste? ahnungsvoll. Durch die Zurückweisung der Geld' summe, welche MoreS für die russischen Nothleidenden gesammelt hat, versichert ich den Frager. Und warum macht Sie das sprach' los? srate er aufdringlich. Weil ich mir denke, daß ich das Geld nicht zurückgewiesen hätte, und ich bin doch nicht in so großer Verlegenheit wie Rußland, antwortete ich ausweichend. Aber das Geld war mit gemeinen antisemitischen Nedensartcn begleitet. iedes JrankstM war in eine nieder lrüchlige Phrase gewickelt, und das ärgerte den Zaren, sagte darauf der Botschafter. Geruhen Se. Majestät, Philosemit zu sein? fragte ich ganz dumm. Im Gegentheil, antwortete dcr Ba ron aufrichtig, er ist wüthend auf die Juden, weil sie die russischen Staatsanleihm nicht kaufen und ihn also nicht eigennützig ausplündern wollen. Er will abex von den Juden ausgeplün dert sein. Also er ist ein Antisemit, aber er will nicht, daß cs ausgefprocher wird.
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Warum nicht? fragte icy, um dem Botschafter gefällig zu fein. Weil man doch nicht wissen kann, meinte er. Vielleicht fallen die Juden doch auf eine Anleihe rein. Ich will es ihm wünschen, warf ich freundlich ein. 'Aber warum vertreibt er denn die armen Juden von Haus und Heerd? fragte ich den Staatsmann. Um zu zeigen, was auch der reichen Juden wartet, wenn sie sich die Taschen noch länger zuhalten, antwortete mi der Vertreter des Zaren. Das scheint mir aber nicht ganz weise gehandelt zu sein, meinte ich. Wenn man die Juden gewinnen will, muß man sie doch nicht mißhandeln, und wenn man sie mißhandelt, muß map doch nicht eine Geldsammlung zurückweisen, weil die einzelnen Gaben mil antisemitischen Conditorsprüchen be gleitet sind. Ter Botschafter hochte auf. Es cnt stand eine Pause. Er hatte äugenschcinlich etwa gehört, was ihm gan' neu erschien. Nachdem cr genug das Schweiger genosien hatte, brach cr cs. (5r rief: Was Sie da sagen, ist bedeutend. Sie haben Recht. Wer sich beliebt bei Menschen machen will, darf nicht blindlings auf sie einhauen. Allerdings nicht, behauptete ich. Ich werde darüber an den Zaren schreiben, sagte er. indem er sich erhob. Hoffentlich begreift er diesen neuen Kurs. Cs wurde bisher in Rußland nach anderen Principien regiert. Freilich, sagte ich, aber es war ich richtig. Das ist eine Kritik der russischen Rc gierung, die ich nicht dulden kann, rief er plötzlich, indem er klingelte. Ein mit einer Knute geschmückter Kosak trat ein. Baron Mohrenheim herrschte ihn an: Geben Sie dem Manne fünf un zwanzig O. warf ich dankend ein, ich bin un bestechlich! Das Wort unbestechlich hatte den russischen Beamten derart au?;er Fafsung gebracht, daß er die Knute fallen ließ. Draußen war ich. Hoch lebe Rußland! riefen einige Pariser, welche an dem Palais der rusnichen Botschaft vorübergingen. (?yolcragschtchten In der Jlie-Zeitung" findet sich da folgende, eines Kommentars nicht be dürfende Inserat: Zum 1. Septem der d. I. hatte ich meine Stellung in Hamburg aufgegeben und reifte am Sonnabend, den 3. Sept., zu meinem in Osterwiek wohnenden Vater, der dem Polizeicommissar Cberlein gelegentlich einer Anfrage etwa acht Tage zuvor mein Kommen mitgetheilt hatte. Als ich Abends Uhr auf dem Bahnhofe in Osterwicck ankam, erwartete mich mein Vater und ein Herr, der mir als Krankenwärter vorgestellt wurde: ich begrünte meinen Batcr. ohne ihn körpcrlich zu berühren. Wir drei traten gemeinschaftlich den Weg an und im? wurde mitgetheilt, daß ich drei Tage ilolirt und unter ärztliche Aufsicht gc bracht würde: ich fand darin nichks Besonderes, da mich ein Arzt in Hamburg auf solche Schritte schon vorbereitet hatte. Wir kamen nach dem Krankenbzus, mein Vater muhte sich verabschieden und ich trat mit dem Herrn KrankenWärter in's Krankenhaus, hi?r sgte mir derselbe, da kein Zimmer mchr frei, brächte cr mich nach gcgcni'il'er, wo ich ein schönes Zimmer crlzieitc. Es war stockradcnfinfter und ich konnte, obne jegliche Lo-alkenntniL in Öfter wicck. nicht sehen, wohin ich gebracht wurde. Es war ein grönercr Raum, dessen schmutzige Wände und dito Iu dosen gerade nicht dc'n besten Eindruck auf mich machten, edenfodas sogenannte Bett, ein strammer Strolnack mi! Decke: ich bekam als Abendbrot Kaziee und Butterbrot, am zweiten Abend Braunbicr und Butterbrot, das vor mir unberührt geblieben ist. Die liXx wurde abgeschlossen und ich meinem Schicksal überlassen. Ich fand keine Rübe, und als dcr Tag endlich graute nd ich die Teil'malcr und Gräber ah, wurde mir c-1 unheimlich zu Muthe und als ich dic Blutflecke un Fußboden gewahrte, dämmerte cs in mir auf. dag man mich zedcnfalls in der Leichenhalle ifoiiri hülle. Ein junger Mann, der vor den Fenstern des LocalZ auf und abqi::,;. lmn heran UN) sagte mir. NllZM! A Fenster geössnct uns rnich in ein &z sprach mit ihm angelassen, daß ich miÄ in der Leichenhalle befände, aus dcr kurz zuvor die Leiche einer an Vr?bs gestorbenen ,rau entfernt fei. In wel. scher Verfassung ich mich darnach brfanv, das mag- jeder für sich ermessen, to'na er sich zugleich in meine Lage hineinoer sept. Dem Krankenwärter, dcr kam, nm in dem Zimmer Rouleanr anznm.:chcn, damit nicht Alle, die Sonnas d'n Friedhof besuchen. Mich in zeneni innrer sehm könnten, hab: ich i:: drei . licher Erregung energiiche Bonv.ii'e über diese Unterbringung gemacht: der selbe wiederholte mir. er' habe keinen Raum im Krankenhause gehabt und ihn treffe keine Schuld. G'cgcn t Uhr Mittags kam endlich der Arzt, der mich untersuchte und sür gesund erklärte und mir gestattete, in's Freie zu gehen. der auch über meine (Zntlagung mW dem Herrn (Zommifjar sprechen wollte. Min Vater, der natürlich meinte, daß ich im Krankenhause untergebracht war, wollte mich Mittags besuchen ; cr wurde aber abgewiesen weil der Arzt noch nicht dagewesen. Sonntag AbenL mußte ich in demselben Raum zubrin qen : nach schrecklich ' durchlebter 9cachj bin ich am Montag Morgen aus der l verschlossen gebliebenen ' Leichenhalle zum Polizeibureau gegangen und habe dort erklärt, daß ich keinenfalls noch eine . Nacht in derselben ubrinoen
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würde : ebenfalls war meinem Bater mein Aufenthalt mitgetheilt und a'.'ch dicfcr hatte energisch Protest gegen dies Verfahren eingelegt. Bald da. rauf bin ich dann im Krankenhause in einem sehr freundlichen Zimmer mit gutem Bett untergebracht. Dienstag Mittag wurde ich entlassen, ohne sonst belästigt zil werden. Da die ungcheuerlichsten Sachen verbreitet werden, mögen diese Thatsachen zur Klarstel lung dienen. Osterwicck (Hatt), den 8. September 1892. Hedwig Hatten Hauer." Einer der Edelsten." Der Freiherr Job von Mantcuffel, Majoratsherr auf Topper. Kreis Züllichan, Sohn des verstorbenen General feldmarschalls und Statthalter, von (5lsas;-Lothringen. wurde in Berlin in einer Droschke erster Klasse durch den Gerichtsvollzieher Fischer verhaftet. Die Veranlassung hierzu ist folgende: Der Herr Baron 'hatte im Jahre 1889 mit feiner Frau, einer geborenen Gräfin Schmettow, und feiner Schwester, der Eyrenstistsdame, Frcifröulcin Jsabella von Mantcussel. gemeinschaftlich bei einer großen Berliner Juwelier-Firma auf Credit ein Perlencollier von hohem il'jertijc entnommen und dasselbe sogleich auf einem eihamtc versetzt. Bald darauf wurde über das Vermögen des Herrn Baron von Manteufsel dcr (5on curs verhängt, ohne daß die Firma bis dahin tro!; 'mehrfache? Pfändungen zu ihrem Gelde gekommen wäre. Seit einigen Tagen hält fich nun dcr Herr Baron nebst Gemahlin und drei Kindern im Germania-Hotel amAlcxanderpla? auf und führt eine sehr tostspielige Lebensweise, welche die außerordentliche Korpulenz des Herrn Baron wohl als unabwcislich erscheinen läßt. Dies erfuhr die geschädigte Firma, welche nun sofort die Gelegenheit zu einer erneuten Pfändung bei dem Baron benutzte. Herr von Acanteuffel mußte dem Gcrichtsvollzreher nach dem Ge schäftslokal der Juwelier'- m folgen und 1 e der hier vorgeno.:. e n Laibes untcrluchung fand man ,uc .iickcluhr lowic sünf einzelne Markstücke vor. Nach diesem Resultat wurde dcr Herr Baron zur Ableistung des Ossenba rlingseidcs zum Amtsgericht befördert. von wo cr bereits am Nachmittage wie der freigelassen wurde. Noch am Tage vorher ist dcr Herr Baron nach Aus tage des Tro',chlenkutlchcrs No. 2037. dessen Wagen cr den ganzen Tag belegt hatte, den Fahrpreis von 25' Mark schuldig geblieben. Der Tod auf dem Montblane. Ueber den auf dem Montblanc er folgten Tod des Oxforder Univcrsitäts Professors Wcttlesyic geht aus Genf unter dem 30. August folgender aus tuyrlicye Verlcyt zu: vergangenen Dienitag unternahm der englische Pro fessor Wettleshic in Begleitung der bei den Führer (sornte und Simon von Chamounir aus einen Aufstieg zum Montblanc.Givk. Um :! Uhr Mor gens gingen die Bergsteiger fort, zogen an der Groutergruppe vorüber und ü?ernachteten ans dem Volaz-Gipfcl. ' Mittwoch früh nm vier Uhr nahmen , sie bei günstigem Wetter den barsch : wieder auf. wurden jedoch gegen ein ' Uhr Nrtchmiüaas von einem Unwetter ' überrascht. Da der Engländer aber eine bcwundernswcrthe Ausdauer an : den Tag legte, beschloß man. weite? zu ' gehen und zu versuchen, ob sich nicht noch vor Einbruch der Nacht die Schutt , Hütte auf der Vallosspie erreichen ließe. Der Föhn todte o heftig, daß man diesen Plan bald aufgab, und da man sich nun mit dem Gedanken vertraut machen mußte, im Freien zu übcrnac ten. höhlten die Führer im -Eise eine Grube aus. die fährn war, drei Perso nen aufzunehmen. Wahrend sich aber : die beiden Führer um ihr eigenes und ': um das Schicksal des Engländers sehr besorgt zeigten, war dcr lebtere sehr ' froh gestimmt und erzählte allerlei schnurren: um sich wach zu erhalten. fing er sogar an. schottisch: und irische Vollslicder zu nnqcn. Als der Morgen hereinbrach und das Unwetter noch immer nicht nachgelassen Mitte, weigerten nö) die Führer, ihren Schlupfwinkel, so unbequem er auch war. zu verlassen, aber Professor j Wettlcchic bestand darauf, den Ausstieg um evcn PNlö. civn wenn cr vaz Leben kosten sollte, fortzusetzen. Die Geiellschast machte sich aur den Weg. aber kaum war man 150 Meter weit gegangen, als der Professor wankte und ZU Boden stl'lnie. Die Fülzrer tlönten ihm. damit cr wieder zu sich käme, ! llognac ein. ihre Muhe war aber ver geben?, da dr ?n,i!änder schon nacd w.ngcn Mlliu'cn !c:ucn ylcist aufgab. Die Führer lösten die cich' icn dem Stricke, der die drei Bergsteiger zuiam mengehalten hatte, kos.' bullten sie in seine Wolldecke und kluchtetcn sich, nach dem lic das Ende des Unwetters abae wartet hatten, in die ValloZhütte, wo sie frierend und hungernd zwei Nächte durchwachten. Jel-t erst konnte der Ftth er imon ohne Lcbcnzgcfah? den Adjlleg wagcn und aus (hamounix Hil-e herbeiholen. Sonntag Abend .. -i. s 1. 1 n . -t ' leyrie er mir ocyi ergsuyrern zur Un glücksstätte zurück und mit großer Mühe gelang es endlich, die reiche des Pro i.:: ot.f ... n. ric,zors in -lijai zu ,cyan.en. ie ärztliche Untersuchung ergab, daß Pro sessor Wettleshic infolge einer Gehirn. erschütterung. die ihrerseits eine Folge t... . . i uuj ocm ccrftflipi ykrrlcyenden wauc war, gcsioroen l. ir st er (zum Sonntagsjäger, der, statt der .vsen. iSon enat .(Sunh geschossen hat) : Sie, wenn Sie mit den Hunden fertig sind, sagen Sie's uns, da t. I & i 1 ..U. Xik.liÜ . s U . - mu nvoj Iklzrillg uuieij:n Ion nen!" Das Tiroler-Pationals iied. Tiroler-Sal?ger: Zum Schluß der Vorstellung wörde mer noch singe tos Tiroler 5!ctionollied: Mei Stuggarr, dich muß i vttlojsen!"
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QUx kluger Papagei. Vrehm hat in seinem Thierlebcn eine Erzählung über einen grauen Papagel wiedergegeben, deinen Verstand angeblich so weit ging, day er die Borkommnisse iu seiner Umgebung nach Menlchcnart beurtheilte, gegebene Be sehlc verstand und richtig ausführte. Sie llingt unleugbar em wenig nach Jagdgefchichte, und es mag wohl etwas von der Uebectreibung mit unterlaufen sein, deren sich dilettirende Beobachter (denn von einem solchen stammt der Bericht) nicht leicht erwehren, wenn sie die Eigenschaften ihrer Lieblinge beschrei ben: In einer der letzten Nummern des französischen Blattes ..La Naturc" findet sich eine ähnliche Mittheilung, die von einem gebildeten Beobachter herrührt, augenscheinlich frei von bcwußter Uebertreibung ist und bezüglich dcr unbewußten nur an wenigen Stellen eine kritische Anmerkung herausfordert. Der Gegenstand derselben ist ein Papagei von der gleichen Art. wie der bei Brchm erwähnte, ein grauer Jocko mit rothem Schwanz, zur Zeit 48 Jahre alt und wohl conscrvirt. Ehe ich ihn erhielt, schreibt Herr Nicaise. Mitglied dcr Anthropologischen Gesellschaft, war er in Paris in'cinem Haufe, wo viele Miether wohnten. Er ahmte das Rufen und die Zänkereien dcr Spähen, die sich auf dem Dach und auf dem Hof umhertrieben, tauschend ähnlich nach, ebenso die Rufe, welche auf der Straße erschollen, insbesondere den des Trödlers. Oft hat er den Ruf Marcuand d'habits" so trctl wiedergegeben, daß die Bewohner des Hauses sich dadurch täuschen lkßen. 1870 schenkte mein Schwager ihn mir. und ich schickte ihn aufs Land. Dort bereicherte fich seine Tonliste um alle die Geräusche, die in der freien Natur vorkommen, den Ruf der Wachtel. der Eule, der Elster, des Huhüs und Hahns. Eine seiner Meisterleistungen ist die phonische Darstellung des Schweineschlachtens: er muß einmal dabei gewesen sein, hat die Procedur seit 22 Jahren nicht mehr mit angehört. wiederholt sie aber noch heute zuweilen mit virtuoser Treue. Erst kommen die abgebrochenen, bald tiefen, bald hohen Laute des Thieres, welches an den Ort d.'r That geschleppt wird, dann das Gequike der Äugst und des Abstechcns. und das macht cr mit einer Hingebung und Kraft, daß die Fenster llirr'en und man ihm Stlllichweigen gebieten mufc weil cs nicht auszuhalten ist. Der Papagei beobachtet jede Hand lung, die von einem Geräusch begleitet ist. und wenn cr die Vorbereitungen dazn sieht, bringt er das entsprechende Geräusch hervor. Wenn ich mich einem onencn Fenster nähere und mich n schr5e. es zu schließen, so macht cr so fort das Geräuich des Fenstcrzuschla sens. ehe ich noch die Fensterflügel be rührt habe: ähnlich verfährt er, wenn er liebt, dar. ich cm Fenster önncnwill. Nehme ich ein Schnupftuch in die Hand, so schneuzt cr sich; erfasse ich meinen Ueberzicher, jo macht er alsbald mit den Flügeln die Bewegungen, die ich machen werd?, um den !koi anzuziehen. Ergreife ich eine Wasserflasche. so ahmt cr das Geräusch des fließenden Waffers fowie auch dasjenige des Wasserschluckens nach. Sieht cr eine Kabe oder hört er, daß man eine Kahe rus't. so miaut und faucht cr in allen Tonarten: cntjprcchcndes gilt für Hun dc, Pferde und Efcl. Er achtet auf die Gespräche, welche in seiner Gegenwart geführt werden, und mischt sich mit Auöruscn, wie Ah und Oh hinein; diese Aeußerungen der Billigung oder des Erstaunens fallen stets auf den richtigen Augenblick, wo sie llnngemüß sind. Er schüttelt sich vor Lachen, wenn man etwas Lächerliches mit einiger Lustigkeit var ihm sagt. (Hie? ist eine dcr Stclltm. wo die Aussaizung des Berichterstatters billig in Zweifel gezogen werden mnß. Es wäre zu ermitteln, ob der Vogel auch dann lacht, wenn man ihm etwas Lächerliches mit gleichgültiger Miene erzählt; da der Verfasser den Zusatz nut Lumglclt" au-druallch macht, ist anzunehmen, daß das nicht der Fall sei; der Papagei entnimmt den Anreiz zum Lachen also wahrscheinlich Nicht aus dem Text des Gefazten. sondern aus der Miene des Sprechenden, und ebenso wird es wohl nm die sinnge mäßen vch und Oh nchen, mit denen o sich an der Untethaltuna betheiliat.) Hat er etwas nöthig, so ruft cr seine Herrin bei ihrem Vornamen Marie, und wenn sie dann nicht bald kommt. erüält seine Stimme inen deutlichen lang von Ungeduld. An einem Win lertage stand sein Käsig vor dem Herd; in brennendes Schc,t route heraus und hüllte ihn in eine Wolle von Asche, Rauch und funken, -etne Herrin hörte ihn Marie, Marie!" rufen, wie ein Mensch in großer Gefahr und großcm Schreck schreit, eilte herzn und ret tete ihn. Wenn man ihm sein Mittagesten zibt, legt er sich regelmäßig sein Aröt' chcn mit. Confitüren sür den Abend zu' rück. Männer liebt er nicht, kratzt und beißt vielmehr nach ihnen. Aber gegen Frauen und namentlich gegen kleine Mädchen ist er zärtlich; sie können ihn shne Bedenken anfassen. Seine Her rin liebt er wie närrisch, gehorcht iht zuf's Wort, und wenn sie ihn durch kleine Schläge mit dem Finger straft, leckt er die Hand, die ihn züchtigt, indem er kleine Schreie, die Bitten iim Verzeihung, ausstößt. ' s "; Wenn ich von draußen 'nach Hause komme, merkt er mich (vermuthlich am schritt) und meldet mich bei 'semer Herrin an, indem er zwei bestimmte Noten. C-c singt, die zweite eine Octave höher als die erste. Dieses Signal gibt er nur für mich und sür keinen andern Hausgenossen. Mit demselben begrüßt er mich auch, wenn ich in sein Zimmer trete. Besonders bemerken?werth ist er aber als Freund der Musik
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und als Eomponist". Tanzt man ihm eine Polka mit Gesang vor. so begleitet er sie mit abgestoßenen Tönen, taktrichtig und mit dcr Sicherheit eines Musikers. Er improvisirt wahre Musitstücke. die er mit immer andern, sich nie wiederholenden Variationen ausführt, und das mit einem Geschmack, einem Stil und einem Brio. um die ihn ein Schüler des Eonservatoriums beneiden könnte. Er schließt seine Stücke auf der Tonica. Wenn seine Herrin es ihm befiehlt, improvisirt er in Gegenwart beliebiger Personen und unterbricht sich zuweilen durch Lachen oder durch Ausrufe, auf diese Weise andeutend, daß es ihm Freude macht, Zuhörer zu haben. Ehe er zu singen anfängt, präludirt er ost mit Trillern und Bocaliscn, ähnlich wie eine Sängcrin. Seine Improvisationen wer den gepfiffen und haben etwa den Klang einer kräftigen, biegsamen Flöte; cr ahmt auch die singende Menschenstimme nach, wobei cr ost aus dem tiefen Baß in Sopran umschlägt, dabei aber die Melodie richtig fortsetzt. Er liebt es seinen Käfig zu öffnen, in den Zimmern umhcrzuspazicrcn und sich durch Anbeißen der Möbel unnüt) zu machen. Alle Hakenverschlüsse, mit denen sein Käfig gesperrt wurde, hat er öffnen gelernt. Ein Vorlegeschloß mit einem Riegel, dcr durch eine Feder geöffnet wurde, hat er untersucht und ist schließlich auch mit ihm fertig geworden; er drückte mit einem Fuß auf die Feder und öffnete während dessen das Ehar nier mit dem Schnabel. Ein Vorlegeschloß mit Schlüssel dagegen, das ihn seit einigen Monaten gefangen hält, hat cr noch nicht bewältigt; er dreht am Schlüssel, aber die Feder ist zu start für ihn. So weit geht der Bericht des B sihers. Sieht man von den Stellen ab, die wir durch eingeklammerte An merlungen hervorgehoben haben, so enthält cr nichts Unwahrscheinliches. Der Papagei erscheint zunächst als ein Tongenie, richtet demgemäß bei allen Gelegenheiten sein Augenmerk zuerst auf 'die erzeugten Töne, und das Gedächtnißbild dieser Töne gesellt sich für ihn mit dem der betreffenden Handlung. Daß cr seine gepfiffene Musik selbständig variirt und combinirt. spricht sür eine höbe Ausbilduug seines inneren Gehörs, der Einbildungskrast für Tonfclgen: cs ist kein Grund vorHanden, weshalb man diese nicht bei einem Thiere mit so dorzüglicher akustischer Begabung annehmen soll. Wohl die bemertenswertheste Eigenthümlichkeit seiner Musik ist in dem Satze ausgesprochen: er schließt auf dcr Tonica. Dies deutet darauf, daß sein Musikgefühl, ungleich dem der Singvogel, dem menschlichen analog ist. indem sich für ihn wie sür uns' dcr melodische Werth der Tonfolgcn auf ihrem Zusammcnhang nut einem bestimmten Grundton aufbaut. Die Erziehung mag dabei mitgewirkt haben, weil die Menschen, deren Musik er gehört Hai. gleichfalls auf dcr Tonica schließen: aber daß cr überhaupt, auch durch ErZiehung, dahin kommen tonnte, sich diese Acgel anzueignen, spricht dasür, dqß dieGrundlagen seiner Empfindung für den Wohlklang den unsrigen ganz ähnlich sind. Die Klugheit, welche cr beim Oeffncn des Käfigs beweist, siebt in Harmonie mit seiner körperlichen Ausbildung, findet sich deswegen, wenn auch häufig weniger ausgesprochen, bei anderen seinesgleichen; wem die Natur ein Paar Füße gegeben hat, die wie Hände zu gebrauchen sind, und dazu einen mannigfach verwerthbaren Schnabel, der hat auch, wenn er im allgemeinen gut begabt ist, leicht Klugheit genug, um sich dieser Einnchtungen sür die Zwecke zu bedienen, zu deren Erreichung sie tauglich sind. Chinesische Anomalien. Die Sohne des Reiches der Mitte sind nicht nur die Antipoden des Euro päers vom geographischen Standpunkte aus öetrachtet, sondern auch ihre Denkungsart und Handlungsweise ist zumeist völlig von dcr unsrigen verschieden. Er lacht, wenn er dir erzählt, daß seine Eltern oder nächsten Verwandten gestorben sind: eine Braut, die. wenn sie zum Hause ihres zukünftigen Ge mahls getragen wird, nicht laut jam merte und.weinte, als betrauerte sie den Tod einer ihr nahestehenden Person. würde man als ein gefühJoses Geschöpf betrachten. Anstalt zu fragen: .Wie geht cs dir?" erkundigt sich der (Zhinefc: Hast du deinen Reis gcgesscn?" Für Lebewohl" gebraucht er: Gelze lang sam." Er erkundigt sich Uicht nur aufs angelegentlichste nach deiner Gesundheit. sondern er tragt auch, wie alt du bist. und solltest du schon im vorgerückten Aiter stehen, so beglückwünscht er dich; er erkuudigt sich auch, was dein monalliches Einkommen ist, wie viel Miethe du bezahlst, überhaupt richtet er viele andere höfliche Fragen an dich, die wir als unverschämt und ungeschliffen cr achten würden. Andererseits hüte dich. sich bei ihm nach dem Wohlbefinden seiner Frau zu erkundigen; auch frage ihn nicht nach dem seiner Tochter, seine Söhne wird er dir aber von selbst vorführen: sage ihm auch keine Cchmeiche'eien, wenn du siehst, daß sein jüngster männlicher Sprößling recht gesund aus ieht, denn sollte er krank werden oder ihm etwas zustoßen, so würde man dir die Schuld zuschreiben. Wahrend du deinen Hut abnimmst, sobald du sein Haus betrittst, hat er seine Kopfbedeckung aufgesetzt, ehe er dich empfängt; e? schüttelt feine eigenen Hände, anstatt daß er die deinen ergreift, er setzt dich zu seiner Linken, als dem Ehrensitze, und reicht er dir etwas, so thut er es mit beiden Händen. Auch wird er dir möglicherweise mit Stolz einige Bretter zeigen, die für seinen zukünstigen Sarg bestimmt sind, und die ihm. seine pflichkgetreuen Söhne zum Geschenk gemacht haben. Sehen wir uns chinesische Bücher an, so wer
den wir sind'N. daß auch hier qM linkshändig hergcht: das Ende ist der Slnfang und der Anfang ist da? Ende; die Linien sind senkrecht und nicht wa gerecht wie bei uns; der Leser legt sein Lesezeichen auf dem Untcrende der Seite ein und nicht oben: Fußnoten befinden sich am oberen Rande oder kommen sonst mitten im Text vor. Die Kleidung des Chinesen weist, verglichen mit der unsrigen. eb.n falls viele Abweichungen auf. Den Äang des Beamten zeigen verschiedenfarbige Knöpfe, die sich auf der Spitze seines Bcamtenhutcs befinden, und anstatt der Epauletten, Goldborte u. s. w. hat seine Uniform auf der Brust wie auf dem Rücken gestickte Thiere und Vögel: die Feder des Mandarinenhutes stcbt nicht senkrecht, sondern hängt am Hintertheil herunter, wie der Schwanz eines Vogels. Das Tragen von Arm bändern ist nicht nur auf die Frauen beschränkt, auch Männer schmückt sich )äiifig mit solchen. Weder Männer noch Frauen tragen Handschuhe, aber ihre Aermel sind so lang, daß sie oft ein paar Fuß über ihre Hände reichen und so bei Kälte als Muff dieucn tön nen; auch werden sie als Taschen vcr wandt, die der Chinese sonst nicht kennt. Die Kop'wölbung des Chinesen ist rasirt, dagegen trägt cr das Haar feines HinterkopseZ so lang wie das einer Frau. An seinem Barte kann man ungefähr sein Alter schätzen: bis zu ft nein vierzigsten Jahre ist sein Gesicht glatt rasirt; sobald cr aber ins Schwabcnaltcr tritt, pflegt cr feinen Schnurr bart, der allerdings nicht recht zur Et'
Wicklung gelangt, und noch äktcr. läßt cr alles wachfeik, was allerdings nicht viel heißt, da der Chinese einen nur sehr schwachen Bartwuchs hat. Frauen sowohl wie Männer tragen Jacken und Hosen und die Männer lange Gewän dcr. Die Damen des Oecidents schnü ren ihre Taillen in einen Cuiraß. in China verbinden die mandcläugigen Schönen ihre Füße. Wir schwärzen unsere Fußbekleidung, die Chinesen malen die Seiten ihrer dicken Sohlen weiß. Schwarz ist im Westen die Farbe der Trauer in China ist sie weiß, grau und blau. Frauen rauchen eben so gut wie Männer und beide Geschlech ter gebrauchen die Fächer. Zerreißt jemand seinen Rock, so setzt der Schneider den Flecken stets von außen an. Der chinesische Coinpaß zeigt nach Süden, nicht nach Norden, wie bei uns; auch sagen die Chinesen nicht nordwest, noröost. südost. südwcst. son dern westnord. ostnord. ostjüd. loestjüd. In chinesischen Fahrzeugen wird das Kochen im Hinterthcilc des Bootes be sorgt und nicht vorn: ihre zum Fortbewegen dcr Boote dienendm Riemen bestehen au? zwei Theilen, die in der Mitte aneinander befestigt sind. Beim Lavircn dreht sich die chinesische Dschunke anstatt um ihr Hcck.um ihren Bug. Dcr Chinese dreht seinen Namen um: zuerst kommt der Familienname und dann sein eigener; und in dcricl. ben Weise versetzt er unseren An sich ten zufolge seine Titel und Ver wandtschastsgraöe. Anstoit zu sagen: Seine Ercellcnz der Gisardte. sagt er: der Gesandte Seine Ercellenz: aus Onkel Schmidt macht er Schmidt Onkel. und Herr Schul? wird Schultz Herr. Bei m chin esi ichen Da t u m l cm in t zuerst das Jalzr. dann der Msnat und zuletzt der Tag. Er dreht iich die Bruchzahlen um. und anstatt zu sagen: vier Sechstel, jagt er! von Sechsteln vier. Das Blatt seiner Säge ist in einem rechten Winkel zu dem Rahmen gesetzt, und der bezopfte Tischler sitzt bei seiner Arbeit und gebraucht seinen Fuß, um das Hol; festzuhalten: fein Maß steckt cr in seinen Strumpx. Der Chinese besteigt sein Pferd von der rechten eite. Die Näder irgend einer Ma schine. welche durch Menschenkrast in Bewegung gesetzt wird, drehen fich stets in dcr Richtung, die der entgegengesetzt ist. in-welcher sich die Zeiger einer Uhr bewegen. Lcichensieine werden dem Todten stets zu Füßen gelegt. Der Bauer errichtet übcr den Ochsen, der mittels einer endlosen Kcttenpumpe das Wasser auf seine Reisfelder pumpt, ein Wetterdach, er silbft aber verrichtet dieselbe Arbeit in dcr glühenden sonne, ohne irgend welchen Schutz. Zimmer leutc bringen das Dach auf einem Hause an. ehe die Mauern des Gebäudes er richtet werden. Ter chinesische Wachter schlägt des Nachp ein Instrument, um so die Ticbe wissen zu lassen, ws er sich befindet, ansiatt den Versuch zu machen. sie zu sangen. In den Andern dcz Wegen; ig da; Drachenfliegen eine Liebkingsunter Haltung dcr Jugend; in China vcrtm ben sich die erwachsenen Personen viel sach damit die Zeit, während die Kin der zuschauen. Die Aushängeschilder der Läven hangen von den Dächern herab. Alle Läden sind weit offen, der Ladentisch steht unmittelbar an der Straße; des Nachts wird natürlich die lZassenfrönt der Häuser mittels dicht an einander passender Laden geschlossen. In China küßt die Mutter ni'e t Kind und der Bräutigam nie seine Braut, da das Küssen unter dem Volke unbe kannt ist. Die Teufel sind im Reich der Mitte weiß, der Arbeiter hat keinen Sonntag und ein großer Theil der Be völkerun'g bekennt sich zur selben Zeit zu drei Äeligionen. nämlich: Consu nanismu, Buddhismus und Taois' mus. Ein Mörder kann nicht gehängt oder geköpft werden, bis er seine Schuld eingestanden hat. TaZ chme fische Gesetz erkennt sieben Gründe für die Scheidung an. und darunter ist die Geschwätzigkeit des Weibes wob! tffcr in teressanteste. Eine alte Jungfrau oder ein alter Junggeselle sind eine große Seltenheit in China ein gelellschass. licher Znstand, den in den Ländern des Westens wohl manche Coatochier gern kinaeiührt sehen möchte. (Ostas. Lloyd.) Nichts macht so alt, als der Cifer. zunz zu scheinen.
