Indiana Tribüne, Volume 16, Number 14, Indianapolis, Marion County, 2 October 1892 — Page 6
i Swe Nrine GeschO e vo . G. 3?tV4l). Sr ist nervös, der gute Herr Toc toii" so habe ich mehr als einmal seine Bekannten sagen hören. Im Grunde genommen war er weder das Eine noch das Andere. Doctor" nan nten sie ihn nur aus schuldiger Hochachtung und keine Nervosität wär wirklich nichts als ein eingebildetes Leiden. Doch ich will meine kleine Geschichte ordnungsmanig beginnen und dem Leser vor Allem meinen Helden vor stelln. Es ist Herr Konrad Ulrich ode? Wal. demar Mnthcr, unter welchem Schrift stellernamen er seinen Freunden und Bekannten als gefeierter Epiker sattsam bekannt war. Das große Publikum freilich hatte von Konrad Ulrich ebenso wie von Waldemar Günther nicht die leiseste Ahnung, obwohl er schon vier äußerst elegant ausgestattete Werke im Elbstverlage hatte erscheinen lassen, zur Freude seines Anhang-, zum Schrecken der Kritiker. Tenn Konrad dersehtte nicht, den lederen jedes neue Buch pflichtschuldigst zuzusenden. Daß sich aber keiner der gestrengen Herren Recensenten entschlieszen konnte. Wal dcmar Günthers seltenes Talent begeistert anzuerkennen, daß sie sich vielmehr alle immer von Neuem über sein Ge fchreibset wielnd belustigten, das war es, nur das. was unseren guten Konrad nervös gemacht hatte. Er ward zerfallen mit sich und der Welt, aber er dichtete weiter. In dem Hanse, das ihm sein Vater neben einem hübschen Vermögen vererbt hatte, hatte er sich, scrnab von dem Lärm der Straße, auf den Hof hinaus ein Studirzimmer herrichten lassen und Niemand durste ihn stören, wenn er dort über seinen Versen brütete. Daß dieses sein AllerheiligsteS vom Professor unten im Parterre Konrad's Blech schlniede"genannt wurde, ist dem gattbe gnadeten "Dichter glücklicher Weife nie zu Ohren gekommen. ich glaube, er wäre im Zorn gestorben, wenn er eZ erfahren hätte. Das, was der nervöse Epiker vor allem beanspruchte, war die peinlichste 9iuh? in der Umgebung feines Studiezimmcrs. Miether mit Kindern nahm er grundsätzlich nie in sein Haus und scüien ihm' auch sämmtliche Wohnun szrn leer stehen. Einmal freilich ist er mit diesem Grundsatz arg hineingefal' len. Da war nämlich der Regierungsrath Bottiche? gekommen, um die Wohnung im zweiten Stockrrerk zu besichti gen. Haben Sie Kinder?" hatte ihn Konrad Ult ich gefragt und: Neun!" batie der Regierungsrath geantwortet. Konrad hatte: ..Nein!" verstanden und der Akiethskontrakt war vollzogen wor den. Wer aber schildert des HzuswirthZ Schrecken, als der Negieruugsrath mit neun mehr oder weniger unerzogenen Rangen in das stille Haus einzog! Unr der Kontrakt lies aus fünf Jahre? Ter Nervöse wähnte, das würöe ein Nagel zu seinem Sarge werden. Mit gröle rem Eifer denn je sorgte et nun. daß die gestrenge Hausordnung von allen Parteien pünktlich eingehalten wurde. Da war jedes Teppichklopfen im Hof, jedes Gehen auf den Hintertreppen in Holzpantoffeln und dergleichen mehr aus das AuZdrücklichste untersagt. - Im Hausflur aber war mit mächtigen Buchstaben zu lesen: Jedes Singen, Muficiren und Ausrufen im Hos ist verboten!" Zu aLedem war der Haus rnann ein penfionirter Wachtmeister, der, wenn ja einmal gegen die Vor fchriften gefehlt wurde, mit donnernder Stimme Ordnung schaffte. Der Herr Doctor ist ja so nervös!" Nun trat eines Tages ein Creigniß ein, welches von weittragendster Bedeu tung werden solNe. ' In seiner Blechschmiede" faß Wal demar Günther an seinem Schreibtisch. Er sann und kann und war nervösei äks je: denn just an wichtigsten Stelle seines neuesten Epos versuchte er vergebens den rechten Reim zu sin den. troH des Reimlexikons, welches er immer zur Hand hatte. Da aus einmal entsetzlich! Himmel schreiend!" ertönten unten im Hos die krächzenden Töne eines verstimm tm Leierkastens. .Die blaue Donau!" rief Konrad; 0, UbersolcheUnverschämtheit!" sprang auf und stürzte zu? elektrischen Klingel, seinen dienstbaren Geist herbeizurufen. Und Friedrich kam. Der Hausmann soll kommen aber in Eile!" herrschte ihn der Nervöse an, und schon war Friedrich auch wieder draußen, den Befch! seines Gebieters auszuführen. Diesem aber zuckte es in allen Gliedern, wenn er die Töne des Marterinstru rnents vernahm. Inzwischen war der Hoskünstker sehr sinnreich von der blauen Donau zur kleinen Fischerin übergegangen. Unser Held raste. Mir das mir!" rief er ein über das andere Mal und durch maß tu langen Schritten fein Zimmer. Ter Hausmann aber kam und kam nicht. Pflichtvergessener Söldlmq! Ich werde ihn hinausjagen, wenn er nicht aus seinem Posten ist! so begann Konrad emen inhaZisschwerkn Mono log, indes der Leiermann im Hofe sein Repertoire weiter verfolgte und die all beliebte Kreuzpolka intonirte. Bitt dentyar keine Ruhe werden - heute?- rief der Dichter und fügte gleich darauf hinzu: hat sich denn Alles gegen mich verschworen?" Denn er hörte von zwei weiblichen Stimmen den geistreichen Text der Polka fröhlich mitsingen: Siehst Du wohl, da kommt trl" Ihr werdet von mir hören!- fcon nerte Komad und rührte, wohl eine ganze Minute lang die elekrische UüiU gel. Aber weder Friedrich noch der Hausmann kamen. So schritt! du Slexvöfe denn zur Setbsthitse. Es rnußte dem grausamen Spiel ein End gemach! werden? Er stürzte an daZ
Er ist nervös.
Fenster und öffnete es. Mit einem Blick Überschaute er die Situation. Unten im Hof der Leicrmann, um ihn her die Rangen des RegierungsratheZ, die jenen luftig umtanzten, und in allen Stockwerken geöffnete Fenster, aus denen weibliches Dienstpersonal blickte und sich des so seltenen Genusses erfreute! Die beiden Mädchen des Professors im Parterre waren die Sängerinnen. deren Stimme er vorher vernommen hatte. Ich werde (Zuch die Hausordnung lehren!" dachte Konrad und laut rief er den Leiermann an. Könner: Sie nicht lesen? Wie? Musiciren ist hier verboten! Ich bin nervös! Ich halte es nicht aus! Hören Sie nicht? Ruhe will ich Ruhe, Ruhe, Ruhe!" Und richtig der Leiermann endete die schöne Polka. Wenn aber der Dichter gewähnt hatte, den fahrenden Spiekmänn niederzuschmettern, so hatte er sich bitter getäuscht. Dieser viel mehr wendete ' sich schmunzelnd nach oben und rief den Vorredner in echtem Berliner Jargon folgendermaßen an: Nee wat Sie aber vor cene scheene Stimme haben!" Ein schöner Erfolg der fulminanten Ansprache! So also wurden des Hauswirths ernste Worte beantwortet! Und wie die Mädchen in den Fenstern alle kicherten und lachten! Eine rief sogar einer Freundin ganz vernehmlich zu: Det war aber jut jejeben!" Und eins der Kinder, das größte, sagte bittend zum Leiermann: Ach noch ein Stück Herr Kapellmeister, bitte, bitte!" Und dieser rief wieder tragend zu Kon rad hinaus: Ters ick?" Professors Auguste aber fügte hinzu: Man bloß noch Cenen. zum Abgewöhnen!" Das war alles Schlag aus Schlag gegangen. Konrad war außer sich. Wüthend schloß er das Fenster. Unten aber begann das vierte Bravourstück mit obligatem Gesang: Ach.'ich hab' sie' ja nur auf die Schulter geküßt!" Der nervöse Herr konnte es nicht mehr aushalten. Er nahm Hut und Stock und stürmte fort. Wie war ihm fo wohl, als er auf der Straße war. Wenn er aber heimkommt, wird er fürchterlich Musterung halten! o eilte er weiter. Jetzt stand er vor Brauses Bier haus-, welches früher sein Stammlokal gewesen, aber jetzt schon seit Jahren nicht mehr von ihm besucht worden war. Am runden Tisch saßen wir damals all' seine Freunde und Bekannte. Sie, Herr Doctor? DaZ ist schön!- Ich denke. Du bist ner vös?" Was führt dinn Sie hier her?" Kommen Sie nur, das Bier ist immer noch ausgezeichnet!- So scholl es ihm von allen Seiten entgegen. Und Konrad setzte sich und ein fragen hin und her begann es war eine lustige, fröhliche Unterhaltung. Auf dem Nachhaufewege sagte der Nervöse zu sich selbst: Ich werde jetzt öfrer zu Brause gehen! Das wird mich aufheitern!" Und er hat es gehalten und feine Nervosität hat sich'allmalig verloren. Wer aber weiß, was geworden wäre, wenn damals nicht der Leiermann verzeihe mir. Waldemar Günther, daß ich die kleine Geschichte verbreitet habe! Der Zimmergymnastiker.
Sie treiben jetzt Zimmergymnastik? Wie machen Sie denn das?" Nun sehr einfach. Sehen Sie z. B. so!" im. 8s&izmx 0m 1 L m vo ,Und dann etwa so!" Sehen Sie, und dann fo! Der rechte Moment. Schau spiele? (zum Tischgenossen):' Würden Sie mir nicht bis morgen. 10 Mark borgen? Tischgen osie:, Warum denn? Schauspieler: Muß heute im Ton Car loS Könia Bbilivv kvielen: und s' ist doch gar zu lumpig, roenn man da im! leeren Taschen hintritt. Die Furcht vor der Cholera, vor Steuern und sonstiger LebenZnoth scheint auch in der Thierwelt hler und da eine Panik hervorzurufen. So wnd der Kreuznach. .ata. aus Acnsheim berichtet: Ein geistig gestör ter Käfer stürzte sich hier von der GaZe rie deS Kirchthurms herab und fand sei ncn Tod."
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Kindergeschichten. Kindergeschichten erzählt eine licbens würdige Mitarbeiterin; wir aeben sie
hiermit an unsere Leserinnen weiter. Nr. 1. Kürzlich aina ich hinter zwei kleinen Buben im Alter von sieben und neun .layren. welche, aus der Schule kommend, in aar ernsthafter Unterhalt tung begriffen schienen; und interessant war es, die kleinen Weltweljen. welche schon in so jungen Jahren Optimis. mus und Pessimismus verkörperten. zu belauschen. Der Kleinste sagte mit erleichternden Seufzer der Genugthu ung: Wir Menschen haben es doch am besten auf der Welt!- Nanu wieso?" war die anzweifelnde Ge gensrage des Aeltercn. Well wir so viel können!" erwiderte das kleine, selbstgefällige Menschenkind. Sosort jagte der größere Knabe einen Sper lmg aus, der vor rhm auf dem Wege hüpfte, lakonisch die Worte ausstoßend: Der kann fueaen. der Mensch nicht." 0, wenn der liebe Gott uns Flügel gegeben hätte". vertheidigte der kleine Optimist seine Ueberzeugung mit einer seinen Jahren angemeuenen Logik, so könnten wir auch fliegen." Der neunjährige Knabe schlug ein kurzes, überlegen klingendes Lachen an. Gott hat uns aber keine Flügel gegeben. siehst Du wohl Z Und ich will Dir sagen. selbst wenn er uns welche gegeben Hätte, dann Du magst es ruhig glauben, dann wär' wieder noch was Anderes da, daß wir doch nicht fliegen könnten !" Nr. 2. Auch eine Auffassung. Emma und Sophie kommen an einem kalten, klaren 2Bin tertage aus der Schule, 'ieh nur, Sophie die schöne Schlitterbahn r und hm ! saust auch schon Emma von einem bis zum andern Ende der angepriesenen glatten Flüche hin unter. Sophie ist einige Schritte roei ter gelaufen ; dort drüben auf dem Platze weiß sie ebenfalls eine herrsche, beut Moraen aus dem Hinwege zur Schule schon erprobte Glatteisstelle. Sie nimmt einen kühnen Anlauf, doch. o wcy : xa mti wird man o siegreich gewonnen, wie von ihrer klei neu Freundin. Sophie stolpert und stürzt schreiend hin. Das Knie sich reibend, erhebt sie sich wieder und weist mit sittlicher Entrüstung aus die Stelle, welche Anlaß zu dem Falle gegeben. Nein, Emma, diese Schlechtigkeit der Menschen ! Da haben sie Sand aus die Schlitterbahn gestreut, damit mau hinfallen soll !" Die Schwätzerin. ev: n Führer: Hier ist ein famose Echo. Tourist: Um Gotteswillen, sagen Sie meiner Frau nichts davon, sonst fängt die mit ihm ein Gespräch an und dann kommen wir in den ersten zwei stunden nicht von hier fort! Moderne Mädchen. Eben aufgestanden. Gleich in 'Liebesbanden, Rosa-Brief kam an, Lacht sie: Süßer Mann! Jungfer sie frisirt Liest sie. wie pikirt. Ohne Scham und Schand' Zola's neu'sten Band; Dann den Teint, den fahlen. Schnell sie thut bemalen, Nun den falschen Zopf Auf den blonden Kopf. Dann herbei das neue Kleid, Mode nach der letzten Zeit Jetzt die Spiken und Geschmeide, O, das giebt 'ne Augenweide! Und in einer Viertelstunde Mgcht sie im Salon die Runde, Spielt Klavier und singt dazu: aO wie schön, wie schön bist Tu! Doch nun kommt die Fron Mama, Töchterchen sitzt schüchtern da, . Spielt von Liebe keine Spur Das Gebet der Jungfrau" nur. Eine heitere Geschichte aus ernster Zeit passirte in Erfurt mit einem auf der Eisenbahn eintreffenden Hamburger. Derselbe sträubte sich energisch! der auf dem Bahnhöfe anwesenden SanitätZ.Commisston Folge zu leisten und sich und sein Gepäck im städtischen Krankenhause desinficiren zu lasten. Aber, alles , Sträuben . half nichts. Ein paar kräftige Fauste packten ihn und beförderten ihn!,nach der bereitstehenden Droschke, .welche die Uedersührung nach dem Lindenweg be sorgt?. Als die Prozedur vorüber war. erklärte der entrüstete Hamburger, in einer Stadt nicht bleiben zu wollen, in welcher man dem Fremden so übel mitspiele, sprachs. fuhr nach dem Bahnhof und löste eine Jahrkarte nach Gothä., um dort, da er versäumt hatte, sich in Erfurt die bereits erfolgte Tesinsektion bescheinigen zu lassen. sofort aus's Neue in den Näucherungs-Appa rat zu spazieren.
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Der Deserteur. Vsn Karl Sttuttt Kerger.
Mitternacht war es. Eben lugte der Vollmond über die Wipfel der Ahornbäume, welche eine schattige Allee rings um den Exercierplatz der Jeffer-son-Barracks bildeten. Nur das einsörmige Geräusch der Tritte des langfam aus und abschreitenden Postens unterbrach die tiefe Stille. In der Brust des Zungen Soldaten aber stürmte es. Verworrene Gedanken jagten sich in seinem Gehirn, die der, seine Brust erfüllenden heißen Sehnsucht nach Freiheit entsprangen. .Freiheit!Herrmaun Förster blieb betroffen stehen, denn er hatte das Wort ziemlich laut gerufen. Ein bitteres Lächeln umspielte seine Lippen. Selbst wenn er gehört worden, wer würde es verstehen ? Vcn seinen Vorgesetzten sicher keiner. Thor, der er war ! Ja wahrlich, ein Thor war er gewefen. hatte er denn sonst zum zweiten Male freiwillig den gestreisten Sklavenrock angezogen, nachdem er. um das erste Mal den ihm aufgezwiingenen zu entgehen. Heimath und Geliebte ver lassen hatte ? Er nahm seinen Marsch wieder auf, und wahrend er so aus- und abschritt im dämmerigen Mondlichte, zog in bunten Bildern die Vergangenheit an seinem Geiste vorüber. Ten schönen Märchentraum der Kindheit hayc frühzeitig die Wirklichkeit zerstört, deren Rouhheit und Nacktheit ihm keine zärtliche Mutter mit den Blumen der Liede bedeckte. Fremde Menschen machten den armen Findling schon früh darauf aufmerksam, daß er eigentlich gar kein Recht habe zu er stiren, daß dieses Privilegium nur solchen" gebühre, die vorsichtiger in der Wahl ihrer Eltern gewesen. Bald aber sah mau. daß die Körperkraft des trotz aller Entbehrung kerngesunden Knaben sich vorteilhaft verwenden ließ. Jahre vergingen, unter schwerer Arbeit, im grauen Einerlei. Dann erwachte in seinem Leben ein Sonnenstrahl? die Liebe. Es waren die blauen Äugen Gertrud's, der Tochter seines Brvd Herrn, welche den Funken in seine? Bust entzündeten. Er fand Gegen liebe, und siehe, die Arbeit wurde tfnn nicht langer schwer, er sehnte sich nicht mehr fort in die weite Welt, der einsame Bauernhof am Saume einer melancholifchen Haide, von düstern Fichtcnwäldcrn umkränzt, wurde ihm zum Paradiese. Zwei Jahre lang träumte er den schönen Traum, den nur einmal so überquellend und beseligend der Mai des Lebens bringt. Und dann ein Stückchen weißes Papier, es wurde das Wölkchen am Horizont seines Glücksbimmels, das bald zu einem schwarzen Sturmgewölt anschwellen und best Sonnenschein aus seinem Leben verja gen sollte. Das Papier enthielt die Einberufung zum Militär. Er wurde Soldat in einer entfernten Residenz stadt, wurde mißhandelt, geknechtet, tvrannisirt, aber söes ertrug er ohne Murren, mochte auch der 'Mannsgrimm in ihm kochen, er dachte an seine geliebte Gertrud und daß dies Leben nur drei Jahre dauern würde. Celten nur schrieb er ihr. Einen Brief aus zusetzen war für ihn ein schweres Stück Arbeit. Wozu auch? Hatten sie sich doch beim heimlichen Abschied ewige Liebe und Treue geschworen. Auch sie schrieb wenig. Zuletzt aber fiel ihm der Ton ihrer Briefe auf, diese Gereiztheit, diese seltsamen Anspielungen und Befchuldi gungen verstand er nicht. Dann blie ben ihre Briefe ganz aus. Eines Ta ges erfuhr er von einem Bekannten aus seiner Gegend, der auf Urlaub gewesen war, daß Franz Lindholt, ein reicher Bauerndursche, um seine Gertrud freie, daß ihr Vater diese Verbindung wün sche und sie derselben nicht ganz abhold zu sein scheine. Eine heiße Angst, daß er seine iroisch? Seligkeit verlieren könne, ergriff ihn. und zugleich eine grimme Wuth, daß dies möglich sein könne. Er schrieb ihr einen Brief voll Fragen und Bitten und Vorwürfen. Keine Antwort. Seine Hoffnung sank von Tag zu Tag. Erst jetzt spürte er mit voller Wuth die Slavenkette des Militarismus. Kaum konnte er die Sehnsucht gebieten, hinzueilen zu ihr. in ihren Augen sein Urtheil zu lesen, von ihren Lippen bestätigt zu hören, was er immer und immer noch nicht glauben konnte. Er vernachlässigte seinen Dienst, zog sich die Ungnade sei ner Vorgesetzten zu und die Folge war, das; ihm der nachgesuchte Urlaub ver weigert wurde. Tage der Vcrzweif lung. ohnmächtiger Wuth, düsterer Schwermuth folgten, bis endlich der gesunde Kern in ihm die Oberhand ge wann. Er legte sich einen Plan zu recht. Durch unermüdlichen Dienst eifer, durch skavische Unterwürfigkeit ge wann er allmälig die Gunst seiner Vor gesetzten zurück, und als er dann wie der um Urlaub anhielt, wurde er ihm bewilligt. Mit vor Aufregung geratheten Wan gen stand er am Fenster des kahlen Eoupee und blickte auf die im jungen FrühliUgsschmuck prangende Landschaft. Viel zu langsam fuhr ihm der Zug und zuweilen viel zu schnell, wie eben die Gefühle des HoffenS und Bangens in seiner Brust abwechselten. Endlich konnte er den Zug verlassen. Rasch durcheilte er das kleine Städtchen, hinaus in das weite, stille, dustende Land. Ein deutsche Meile hatte er noch zu wandern. Bald schon grüßten ihn dunkle Fichtengruppen. rothe Ziegeldü cher über blühenden Obstdäumen als alte Bekannte. Die saftgrünen Blatter der (?rlen, blinkten im FrnhImgssONncnstrahl. Fern am Saume der flel der. von wo das laute Hub" und Hof' der, Ackerer drang.' schimmerten wie Marmorsäulen die Stämme der Birken. Tie Pappeln am Wege? ran d, von Illbilirenden Lerchen umkreist.
lispelten bekannte Melodien. Da wurde ihm so traut und heimathlich zu Muthe, und wie ein süßer Hauch aus dem Pa radiese seiner Kindheit zog es durch feine Brust. Plötzlich gewahrte er fern auf der Landstraße eine gelbe Staubwolke. Was konnte es sein? Eine Hecrde oder ein Ackerwagen war es nicht. Endlich unterschied er eine von zwei Gäulen ge zogene Kutsche, von einer zweiten gefolgt. Ein eigenthümliches Gefühl der Scheu, das er selber nicht verstand, bewog ihn. sich zu verbergen. Rasch sprang er über den Graben und stellte sich hinter die Erlenhecke, von wo aus er. ohne selbst gesehen zu werden, die Landstraße überblicken konnte. Die Fuhrwerke kamen naher. Fröhliches Gelächter drang an sein Ohr, schon konnte er einzelne Stimmen unterscheidcn. Er bog die Zweige auseinander, um besser sehen zu können. In der ersten Kutsche saßen vier Per sonen. War's denn möglich Das war ja der alte Haidbauer, sein Dienstherr, mit seiner Frau. Und dieser gegenüber saß Franz Lindholt, und neben diesem saß eine Mädchengestalt mit weißem Schleier. einem blühenden Mnrtkenkränz auf dem prächtigen goldblonden Haar. Es war Gertrud. Vor seinen Augen flimmerte es. ein schmcrzhaitcs Stechen durchzuckte seine Brust. Langsam drang er durch die Hecke, sprang über den Graben, lehnte sich müde an den Stamm einer Papvel und blickte den rasch fortrollenden Fuhr werken nach. Die Sonn? strahlte und die Lerchen jubilirtcn wie vorher, aber ihm war der Frühling entwichen, ein eisiger Hauch hatte die duftenden Blüthen in seiner Brust gelödtet. Lange stand er am Stamm der Pappel, und zuletzt kam eine seltsame Ruhe über. ihn. die Ruhe eines grauen, stillen December tages. Er wanderte langsam weiter, bog aber bald von der Landstraße ab. kreuzte Wiesen und Felder und erreichte endlich einen einsamen Fichtenwald. Dort streckte er sich in's duftige Moos und lauschte dem Brausen der Wipfel, welches wie Geistergelispel die heilige Slille durchklang. Unbeweglich lag er da. bis in den Wolken dos Adendroth erlosch:' dann schritt er weiter. Einmal blieb er mit ten auf einem fremden Felde stehen und betrachtete lange einen Stern, der groß und glänzend am westlichen Hori zontc stand. Hefler Lamvenschimmer strahlte ihm aus den Fenstern der Wohnräume und Küche des geräumigen Bauernhofes enrgegcn. von der Tenne klang Tanzmusik und fröhliches Stimmengewirr. Unbemerkt erreichte er das Kämmerchen, worin er früher mit einem Knecht zusammen geschlafen hatte. In einem Spinde hingen noch die Kleider. Hastig vertauschte er die Uniform mit einem starken Arbeitsanzug und entfernte sich so unbemerkt, wie er gekommen war. Die Unisorm versenkte er. mit Stei nen beschwert, in einen Teich. Nun war er frei, jetzt hinaus in die wette Welt! Unter mancherlei Strapazen und Entbehrungen erreichte er Rotterdam. Von dort kam er als Matrose nach ?!ew-Bork. Hier im Lande der Freiheit boten sich ihm genug Gelegenheiten zu einer erfolgreichen Laufbahn, aber die innere Zerfahrenheit mit sich selbst raubte ihm den Sinn für Beständigkeit. Immer wieder zog er weiter, und ein rollender Stein setzt bekanntlich kein Moos an. So vergingen fünf Jahre, und noch hatte er es zu nichts gebracht. Er befand sich in St. Louis, seine Mittel waren erschöpft und zum ersten Male konnte er keine Arbeit finden. Als ?r nun eines Tages an einem Retruten Anwerbe-Bureaü vorüberkam und sich unterrichten ließ, daß der Soldat in Amerika für seine Dienste gut bezahlt und wie ein Gentleman" behandelt würde, kam ihm der Gedanke, sich an iverben zu lassen und sich selbst hindurch zu zwingen, fünf Jahre lang beständig zu bleiben. Gedacht, gethan. Sechs Wochen war er jetzt Soldat und schon hatte er den raschen Schritt wohl hundert Mal bereut und ver Dünscht. Zwar die Disciplin war hier nicht so strenge wie in Deutschland, die Willkür aber eben so groß, welches ihm um so unerträglicher war, weil er krwartet hatte, als freier Mann und nicht als Sklave behandelt zu wer)en. Ein Geräusch von Tritten weckte nn sercn Helden aus seinen Betrachtungen. Dunkle Gestalten tauchten aus; er wurde abgelöst. Am folgenden Tag gab es Löhne. Hermann Förster erhielt noch nichts, denn der Lohn des ersten Monats vurde den Rekruten zurückbehalten. Da er auf Wache gewesen, wurde er heute nicht zur Aiishülfe im Garten oder zum Reinigen dr Wege und An
lagen kommandirt, welches ihm, dem .Dutchman", sonst oft seitens seiner irdischen Vorgesetzten passirte. Nachdem er das schlechte Mittags mahl verzehrt hatte, welches nur aus Kartoffel, dicken Bohnen, Brod und Kaffee bestand (der Fetzen Fleisch, den es noch gab. war nicht zu genießen) be gab k? sich zu den Schlajsalen hinauf, um ein wenig zu lesen und sich auf die Nachmittags Dreß Parade" vorzube reiten. yben bot sich ihm ein überraschender Anblick. Mitten im Saale stand ein Theil der Mannschaften in einer dichten Gruppe zusammen, in deren Mitte er beim Näherkommen den Sergeanten O'Leary gewahrte, der die Deutschen und besonders ihn nicht leiden konnte und den auch er von ganzem Herzen haßte. Er saß aus einem hohen Stuhl. Bor ihm stand ein Tisch, mit grünem Tuche bebangen, woraus eine Wachs tuchdecke mit rotdcn und schwarzen Fe! dern lag, kurz ein Spieltisch. Herrmann wollte seinen Augen nicht trauen. War es denn möglich? Der
Sergeant hielt eine Spielbank und' nahm in Rouge et noir den armen Soldaten den kargen Gehalt ad? Kein Zweifel, so war e?. Bald entdeckte er noch mehr. Oder war es uur Zufall, daß eine gewisse Clique von Landsleuten des Sergeanten die meisten und größten Gewinne zog?n. die gezogen wurden? Die übrigen Mitspielenden, meistens harmlose Re kruten, schienen dies gar nicht zu bemerken, und wenn, mochten siewohl lieber ihr Geld verlieren, als wie die Feindschaft des gesürchtetm Vorgesetzten herauszufordern. Das Rechtsgefühl empörte sich in dem Deutschen und als er sah. wie ein gutmüthiger Schotte seinen letzten Dol jar setzen wollte, flüsterte er ihm zu: Sei vernünftig, gib doch diesem Schwindler nicht Alles!" In feiner Erregung hatte er ziemlich laut gefprochkn. Unheimliche Stille folgte. Plötzlich sprang der Sergeant auf und stürzte mit den Worten: You god cl Dutchman!" vorwärts und stieß dem jungen Manne so Heftig mit der geballten Faust vor die Brust', daß er rückwärts zu Boden taumelte. So gleich sprang er aber wieder auf. Seine Wangen brannten, seine Augen glüh ten. die Lipven hatte er fest zusammen gekniffen. Vier Manu sprangen ihm entgegen, aber mit einem gewaltigen Stoß schleuderte er sie von sich. Aber schon kamen dem Sergeanten einige von seinen Landsleuten zu Hilfe. Er wurde von der Uebermacht überwältigt und zur Wache abgeführt. Sechs Tage strenger Arrest liegen Widersetzlichkeit gegen den Vorgesetzten, lautete das Urtheil, welches am solgenden Morgen über Herrmann Förster gefällt wurde. Er wurde mit den ein gefangenen Deserteuren zusammengesperrt, mußte ihr elendes Lager theilen, unter Aufsicht der Wache in den Steinbrüchen arbeiten und wurde behandelt wie ein Verbrecher. Schweigend, in finster'm Trotz ließ er Alles über sich ergehen. Sein Entschluß war gesaßt, sobald er frei war, wollte er desertiren. Der Tag seine? Entlassnng aus dem Arrest kam. Des Abends beim Roll" Eall" antwortete er kräftig sein Hier!" und begab sich gleich zur Ruhe. Die Lampen in den Sälen wurden ausge löscht. Hier und da wurde noch halblaut gesprochen, welches aber bald verstununte und einem Schnarchconcert Platz machte. Draußen singen die Wipfel an zu brausen, grelle Blitze zuckten durch die Nacht und ferner Donner rollte. Nicht lange, so rauschte ein heftiger Regen nieder. Leise erhob sich Herrmann nun und schlüvste in seine Kleider. Das Tosen des Sturmes verschlang das Geräusch seiner Tritte. Unbemerkt gelangte er in'S Freie, wartete unter einem Schuppen bis der Regen nachgelösten hatte und befand sich bald auf der Straße nach Earondelet. Dort bestieg cr einen Straßenbahnwa gen nach St. Louis. Er erinnerte sich, baß ein Bekannter aus seiner Hcimath. seines Zeichens ein Schneider, vor zehn Jahren mit seiner Familie nach Amcnka ausgewandert war und sich in St. Louis niedergelassen hatte. Wenn er diesen sand, war ihm geholfen. Richtig fand er im ..Directory' die Adresse und stand darauf bald vor einem hohen Tenemenihause.
Der gute Schneidermeister, der sich eben mit seiner Gemahlin zur Ruhe begeben wollte, war höchlichst erstaunt, als so spat noch an die Thür geklopft wurde und ein Soldat herein trat. Kennen Sie mich nicht mehr, Meister Bügeler?" fragte Hcrrman. Jener schüttelte verduft sein Haupt. Ich bin der Herrmann Förster vom Haidbauernhose!Als das Ehepaar sich von feiner Uebcrraschung erholt hatte, begann er, von seinen Schicksalen zu erzählen, von seinem festen Entschluß zu dejerti ren, erbat sich zum Schluß zu diesem Zwecke einen abgelegten Anzug. Dieser wurde ihm gerne bewilligt. , Während er im Nebrgemoche seine Kleider wechselte, bereitete die Schneidersfrau einen kakten Ausschnitt und der Gemahl holte in einer Blechkanne Bier herauf. Der junge Mann inußte sich hinsetzen, effcn und trinken und dabei wurde von alten Zeiten qcplau dert. Du schreibst doch auch zuweilen nach Hause?'' fragte ver Schneider bei läufig. In den fünf Jahren, seit ich hie? bin. habe ich nichts von draußen ver nommen!" Ist's möglich? Dann weißt Tu's wohl noch gar nicht!" ,,Was?" Ja, weißt Du'Z denn nicht? Der alte Haidbauer und seine Frau sind vor vier Jahren kurz nacheinander ge storben und da hat der Franz Lindholt. der die Gertrud geheirathet hat, den Hof übernommen, der aber ganz unglaublich verschuldet gewesen sein soll, so daß der Franz ihn nicht langehat halten können und da ist er mit seiuer Frau und einem Kinde herübergekommen nach Amerika." Was, rief Herrmann erregt. .Franz Lindholt ist mit seiner grau in Amerika? Ja, nun warte mal, das ist noch nicht Alles, der Franz hat sich nämlich in Missouri oben. Nicht weit von Wood ville. eine kleine Farm gelaust und soll auch ganz gut ausgemacht haben, da hat er sich aber, im März ist's ein Jahr geworden, seh? stark erkältet,, hüt sich hinaelegt und ist gestorben." Herrmann war ganz bleich geworden und starrte den Sprecher mit großen, glühenden Augen an. Allmälig stieg eine dunkle Nöthe in seine Wangen und mit einem tiefen Athemzuge mai rnelte er: Wer hatte das gedacht!'', , , Er schien auf einmal von einer großen Unruhe befallen zu sein und ver adschied?te sich bald darauf mit herzli' chen Dankesworten von den braven Leuten.
Immer weiter wanderte er. in tüth Ncher Richtung, durch die stillen Stra ßen. Mitternacht mochte es sein, als er die Vororte erreichte. Rechts zeigten ihm die grünen und rothen Signalla ternen einen Güterdahnhof. In dun kelu Reihen standen die Waggons auf dem Neywerk der Schicnengeleise. Torthin lenkte er feine Schritte, schwang sich in einen leeren Wagen, zoz die 'Thür hinter sich zu. streckte sich auf den harten Boden nioder und war bald, von großer Müdigkeit übermannt, ent schlasen. Ein dumpfes sollen und Rütteln weckte ihn. Verwundert rfeb er sich die Augen und gewahrte, daß sein Nacht quartier sich bewegte. Durch die Ritzen strahlte der helle Tag. Als er die Thüre aufschob, gewahrte er. daß der Zug mit -vollem Dampf in's Land hi naussuhr. Bei der dritten Haltestelle wurde er von einem Bremser entdeckt. Diese? drückte ihm. nachdem er erfahren hatte, daß das Städtchen Wo?d?ill 60 Meilen weiter an derselben Bahn liege, sein letztes Funfundzwsnzig-Eentstck in die Hand und durfte mitfahren. Als der Zug um die Mittagszeit an einer kleinen Station hielt, erkundigte sich Herrmann, wie weit es noch bis Woodville fei. Zehn Meilen, hieß es. Statt wieder den Zug zu besteigen.reiste :r zu Fuß auf den Landweg weiter. Mit plötzlicher Angst war ihm der Ge xinte in die Glieder gefahren, er könne ,u früh in Wsodville'ankommen. Ja, vaö wollte er denn eigentlich dort? War ie nicht die Wittwe eines Anderen? Mußte er ihr nicht ein Fremder fein? Welches Recht hatte er, vor sie binzutre itir? Er blieb er schroben stehen und sann nach. Wäre es doch nicht besser, wenn er weiter reiste? Wozu die alten un den wieder aufreißen? Aber das heiße Verlangen seines Herzens siegte über die kalte Vernunft. Er wollte sie ja nur fragen, ob sie damals seinen Brirs erhalten habe. Nach verschiedenen Erkundigungen erreichte er das lieblich von Obstbau wen umgebene, zwischen blühenden Feldern liegende Farmhau s. Sein Herz klopfte, heftig, als er sich aber der Thür nahte, tarn eine seltsame Ruhe über ihn. Die Magd, bei welcher er sich nach Mrs Lindholt erkundigte, führte ihn in's Wohnzimmer, wo er Platz nahm. Sobald aber aus dem Nebengemache der Klang der geliebten Stimme an sein Ohr drang, die er seit Jahren nicht vernommen hatte, war es um seine Ruhe geschehen. Er sprang aus und stützte sich mit den Händen aus die Dischkante, denn seine Knie bebten. Die Thür ging auf. Sie war es. Schöner noch war sie geworden und weiblicher. Ein Zug stiller Schwermuth um die Lippen verlieh dem Gesichte et was rührend Liebliches. Sie stutzte, erblaßte und starrte ihn
an, als sähe sie ein Gespenst. .Mrs. Lindholt ich bin ' stotterte er. Sie starrte ihn noch immer grok an. sank dann auf einen Stuhl unl murmelte: Du. Herrmann?" Ihre Fassungslosigkeit gab ihm seine volle Ruhe wieder. Verzeihen Sie, Frau Lindbolt,sprach er, ich wollte Sie nicht er schrecken, nur fragen wollte ich hast Du damals meinen Bruf nicht erhalten?" Sie blickte ihn in maßlosem Erstau nen an. sprang plötzlich auf. ergriff seine Handund fragte eindringlich erregt: Sag' mir die Wahrheit. Hermann, hast Du damals in der Residenz ein Verhältniß gehabt mit einer Wirths tochter und hast Dn auf meine letzten drei Briefe einmal geantwortet?Was sagst Dn? D.eimaZ hast Du geschrieben und keine Antwort von mir erhalten? Um Gotteswillen, svrich wer bat die Briefe an Dich in Em pfang genommen und die Deinen bc fördert?" Mein Vater!" . .Und wer hat gesagt, das? ich mii einem anderen Mädchen ein Verhältniß hatte?" Elaus Waldmann schrieb es, der bei Deinem Regiment stand!Der Freund Franz Lindholt's? Oh, nun ist mir Alles klar! Gertrud." fuhr er nach einer Pause mit funkelnden Augen fort und ergriff ihre Hand, man hat uns betrogen, schand lich betrogen um unser Glück! Ich schwöre es Dir, Gertrud, nie hat ein anderes Bild in meinem Herzen ge wohnt, wie das Deine man hat uns schmählich belogen und betrogen!" Allmälig legten sich die stürmischen Wogen der Erregung, sie vermochten mit' Ruhe über die Vergangenheit zu reden, und Alles, was zwischen ibnen dunkel gewesen, klärte sich auf. Eine Stunde war im Nu vergangeN, da off nete sich die Thür und em dreijähriges, blondlockiges Mädchen trat herein, stutzte aber beim Anblick des Fremden. Komm nur. Gretel," sprach die Mutter lächelnd, .und gib dem ftem den Onkel die Hand!" Die Kleine, ganz das Ebenbild der Mutter, kam zögernd näher und ließ ihre großen Augen prüfend auf dem Fremden haften. Er mochte ihr wohl gesallen. denn vertraulich streckte sie lhm ihr Händchen entgegen. Sanft zog er sie auf seinen Schooß und küßte sie auf die Stirn. Willst Du den fremden Onkel auch ein wenig lieb haben?- fragte er sie leise. Statt der Antwort schlang sie ;n!!!H ihre Aermchen um seinen Naen und schmiegte ihr Köpfchen an seine Äange. , Herrmanns leuchtende Augen begeg neten denen der :rcthcnden jungen Mutter. In diesem stummen Blick' lag mehr als was tause.id Worte sagen können, aus , diesem Blick strahlte daß Moraettroth einer glücklichen Zeit. .
