Indiana Tribüne, Volume 16, Number 7, Indianapolis, Marion County, 25 September 1892 — Page 2
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Lnstize Nache. (Sine lustige Rache haben, wieder Voss. Ztg." aus Pans geschrieben okd, en einem jüngsten 'i-oi'.ntg Pa rifer Sonntagsausflügler an der Bahn fcertoaltuua dafür genommen, daß sie 5ie Reisenden als Hornvieh bchndelte und wegen Ueberfüllung der Personen nzazcn in Viehwagen beförserte. In HarfKur wollten die Meisenden erst böse werden, aber im nächsten Mozncnt fügten sie sich und stiegen mit un heimlicher Ruhe in ihre Viehwagen ein. M war ihnen ein lustiger Einfall ge tommer:. den sie sofort in? Werk setzten. Der Zug ging ab und der Schaff itti kam, um die Fahrkarten zu lochen. Er wandte sich an einen Reifenden mit der stehenden Formel: Ihre Fahr karte, bitte!" Muh!" antwortete der Angesprochene. Verdup sah ihn der 'Schaffner an und wiederholte feine Äuffordernng. Muh! Muh'." schallte 5 i&rn krastia entacgen. Der Schaff ner versuchte fein Glück mit dem Nach sten Fahrkarte, bitte!" .Muh! j Muh!- dröhnte es zurück und Muh! Muh!- stimmten alle übrigen Insassen des Viehwagens ein. Der Schaffner, der einsah das er nichts ausrichten Konnte, ging ärgerlich ab und wandt 'sich dem folgenden Viehwagen zu. !Muh! Muh!", brüllte es ihm aus 'allen Ecken entgegen, als man feiner an sichtig wurde. Schleunig zog er sick zurück und rnrf tete auf der nächsten Haltestelle die Lcgebenheit dem Stationsvorsteher. Da Vollen wir gleich Ordnung fchafscn," sprach dieser gewichtig, pflanzte sich 'breit vor die Thür eines Viehwagens hin und begann mit einer Miene, dik tie Absicht einer Standrede erkennen ließ: A&rc meine Herren " Muh! Muh! Muh !" erscholl daGebrüll den ganzen Zug entlang, daß die Wände der Wagen dröhnten. Der Stationsvorsteher zuckte heftig die Achseln und verschwand, der Zug aber lführ weiter. Bald war er an der ($nd Kation Montivilliers angekommen. Hier mußte alles aussteig'en. Der Schaffner berichtete dem StationZbeam iira rasch, was vorging, und dieser war iso ungeschickt, die Sachlage ganzlich zu 'verkennen und auf'Z hohe Roß der Tienstordnung zu steigen. Er stellt $ch selbst an den Ausgang des Bahnböses und verlangte die Fahrkarten. ,Muh! Muh!" machten die Reisen'den und eilten unter Sprüngen nach der Thür. Der Beamte wollte innen entgegen treten, er drohte mit Strafanzeige und 'faßte einen der Fahrgäste am Kragen. Da gingen die anderen nach Rindviehart mit' gesenkten Köpfen auf ihn loZ und unter betäubendem (Gebrüll stiegen sie mit Scheitel und Stirn von allen Seiten so lange nach ihm, bis er sich geMungen sah, den Gepackten loszw lassen und selbst Fersengeld zu geben. Ein triumphirendes langgezogeneZ .Muh !' verfolgte ihn, bis er ver schwand, dann gab die ganze Gesell schast einem lachend dabeistehenden Be dienftetcn die Fahrkarten gutwillig ab und entfernte sich wohlgcmuth Italienisches Famttienidyll. Die mit einander verwandten Fami litti Maifa und Zerbi in Genua wäre seit langer Zeit verfeindet und mußten fast jede Woche wegen Beleidigung, Bedrohungen und Schlägereien vordem Wichter erscheinen. Am' Morgen fccl 25. August sollte wieder einmal gegen die feindlichen Verwandten,, die sich einige Tage mit Mefferstichen regalirt hatttn, verhandelt werden. Auf dem Wege zum Gericht trafen sich die Maffa md die Zerbi in der San Bernardo strahe. Ohne sich auf Weitläufigkeiten und FriedenspräliminarieNeinzulasien, inscenirten sie sofort einen kleinen Stra Henkampf, den sie, als sich zu viel Voll Änfammelte, im. Laden des SchlofferZ Luigi Zerbi fortsetzten. Hier im La den fanden sie auch Alles, was man zu ner regelrechtenKiiegsführung braucht: man bewaffnete sich mit Feilen, Nafpel, Meißeln, Stühlen, Messern, Kammern .und Schnapsflafchen irnC schlug lustig auf einander los. Die Schlacht nahm wie alle Schlach. ten einen tragischen Ausgang, und dit Italienischen Blätter sind in der Lage, jurnfangrciche Kriegs bulletinS zu vcr iönmtlichen. Danach find vier Brü ldern Zerdi zusammen 5V Mesjerstich .beigebracht worden. Francesco Zcrbi, ibtm außerdem mittels eines Hammers itt Schädel eingeschlagen wurde, ist seinen VerleZungen bereits erlegen. Einem Frauleiu Paula Zerbi wurde jtin Ohr abgeschnitten und ein Auge 'usgestochen. Den Damen Mafia er ging es noch schlimmer? die Mutte, femlla hQl überhaupt kein ganzes ode, Msundes Glied mtix amIörper, unl ihre beiden Töchter Marie tta und Fran jzilta wurden in einem Zustande in ba! Ärankenhaus eingeliefert, daß bei ihrem .Anblick zwei Krankenwärter in Ohnmacht fielen die männlichen Verttt in der Familie Maffa sind ähnlich zu gerichtet worden. Der angesagte Pro cen konnte unter solchen Umstanden natürlich nicht stattfinden, dafür ist nltt eine neue Untersuchung eingeleitet worden. Bis jetzt sind zwei Zerbi und bm Maffa. die weniger schwere Wun den davongetragen haben, verhafte worden. Verschiedene Meinnn jgen. Schneid' rlehrling: Aber. Va Uz, ein so großes Stück Zeug willst Du Zurückbehalten? Da mußt Du Dir doch ein Gewissen daraus machen." Mri ster: Unsinn, eine Jacke mache ich Dik Daraus!" Gewissenhafte Aussage. Mchter: Nun. und als der Angc. .klagte Ihnen die Ohrfeige gegeben hatte, was geschah dann?" Kläger: Dann gab er mir noch eine dritte!" Äichter: Sie wollen wohl sagen eine sattelte!" Kläger: Nein. Herr Nichin die zweite hab' ich ihm gegeben!
Xie Rose von Z?ort Jackson.
Wo Karl üleuitt jRetfltr. Metropolitan Hotel", nicht wahr, oas llingl sehr victversprcchcnJ? In großen, wcibschwarzcn Buchstaben steht es an der Wand eines sechsstöckigen Ge baudes nahe des Levee und dein French Market in New Orleans. Einigerma ßen enttäuscht aber wird man. wenn man weiter liest: .Kost und Logis 3z Dollar per Woche"; man denkt sich, das ist doch verdächtig wenig. Der junge Mann jedoch, welcher, in irühem Sinnen versunken, auf einer Bank neben der Thür saß, hielt diesen Betrag keineswegs für einen geringfügigen-, für ihn war es sogar eine enorme Summe, denn tr hatte keinen Nickel in der Tasche und mit dem heutigen Tage war die Woche abgelaufen, für die er im Vcraus bezahlt hatte. Mit nervöser Hast wandte cr sich jedesmal zur Thür, wenn diese geöffnet wurde, fürchtend, in das malmende Gesicht des Werthes zu blicken. Das fremdartige Leben und Treiben um ihn konnte ihn feinen finsteren Grübeleien nicht entreißen, ds Rasseln der Fuhrwerke und das Gejohle einer Bande zcrlumpter Negerknaben drang wie aus weiter Ferne an fein Ohr. Wieder ging die Thiir auf. Es war ein harmloser Landsmann, der sich neben ihn setzte. Immer noch keine Arbeit?" begann er das Gespräch. Leider, nein!"' .Ja. ja, es sind halt schlechte Zeiten. Was ist Dein Geschäft?" Ich bin Architekt." Sa? Schon lange im Lande?" Erst sechs Monate. Vor vier Wo chen kam ich von New Po:k hierher, honend, gelegentlich der Weltausstellung Beschäftigung zu finden; bin aber sehr enttäuscht worden. Nicht einmal eine Stelle als Geschirrwaschcr ist zu haben." Der andere zog eine Zeitung aus der Tasche. Hie? lese ich eben, da werden 200 Mann gesucht, an dcr Rortheastern Railroad zu arbeiten; der Lohn ist ei. 75 per Tag!" Mein lieber Mann, da ist uns ja geholfen!" rief der jüngere freudig er regt und sprang auf. Aber Du siehst mir nicht aus, als ob Dn die schwere Arbeit aushalten könntest." Ich muß sie aushalten, wenn auch nur für einige Tage." Gut, versuchen wir's. gehen wir morgen früh zusammen hin. Wie heiß' Du denn eigentlich?" Otto Lenz." Ich. Jacob Bämrle.Am folgenden Morgen, noch vor Sonnenaufgang, schritten die beiden fo rasch zu Freunden gewordenen Männer in südlicher Richtung der Dauphin Straße entlang und erreichten nach halbstündiger Wanderung das Geleise der Northeastern Eisenbahn. Auf einer Reihe von Flat Gar", woran eben die Locomotive angekoppelt wurde, saßen die Arbeiter, wohl an die hundert Mann, die Schaufeln neben sich, die blechernen Lunchkannen in der Hand haltend. Der Superintendent, bei dem sie anfragten, bedeutete ihnen, sich vom Vormann Schaufeln geben zu lassen und aufzusteigen. Nicht lange, so brauste der Zug an den niedrigen Bretterhäusern der Vor orte vorbei, durch Gärten und Wiesen, hinein in den Urwald mit feinen kah lcn. bleichen, vom hängenden Moose erstickten Bsumriesen, abwechselnd mit dunklen Eypreffen. mit Röhricht und Schilf bewachsenen Sümpfen nnd dunkelbrauncn Waffertümpeln. Wo das Geleise einen Einschnitt durch eine bäumlose Bodcncrhöhung machte, hielt der Zug an und die Mannschaften fprangen ab. Die Arbeit begann, welche darin be stand, den Gründ auszugraben und aus die Waggons zu werfen. Es er forderte große Muskelkraft und eine gewisse nur durch Uebung zu crlangendc Gewandtheit, den feuchten, schwerat, an der Schaufel festklebenden Bo den aus einer Entfernung von minde stens zehn Fuß aus die Ears zu schleudern. Otto Lenz versuchte dies Kunst stück vergeblich. Ihm fehlte nicht mir die Körperkraft, sondern auch die Ge , wandthcit. Dazu hatte er eine stumpfe. rostige Schaufel erhalten, welche den klebrigen Grund fo fest hielt, daß es ihm tn$ alle? Anstrengung nicht g lingen wollte, auch nur eine ordentliche Scyaufc! voll auf die Ear zu bringen. tn anderen Arbeitern, meistens traf tige vierschrötige Jrländer, entging die Unfähigkeit des Renen nicht. Allerlei spöttische und schadenfrohe Bemer kungcn wurden laut, wovon Otto nichts verstand, wie "sokr Dutekmari" und Greettiorn". Auch die Aufmerksamkeit des Vormannes wurde bald auf ihn gelenkt, welcher sich dann hinter ihm aufstellt?, und feine Anstrengun gen mit Bemerkungen begleitete, welche den Uebrigen ein rohes EÄächter entlockten. Jakob übersetzte flüsternd einige die ser Glossen. Deine Schaufel sei kein Theelöffel, meinte er, und der Stiel sei nicht von Salzbretzel-Telg gemacht. Tu brauchst deßhalb keine' Angst zu haben, ihn zu zerbrechen. Otto' Gesicht glühte vor Scham und Zorn. Ticke Schweißtropfen rannen ihm über die Wangen; in seiner Hand hatte sich eine Blase gebildet, welche ge platzt war, und ihm empfindliche Schmerzen verursachte. Endlich mußte er rnnehalten, um feinen schmerzend? Rücken gerade zu strecken und die prik kelnden Schweißtropfen fortzuwischcn. Da trat der Vormann zu ihm, riß ihm die Schaufel aus der Hand und sprach 'Das rst nichts! Du kannst nicht arbeiten, mach', daß Tu schnell fortkommst!" Einen Augenblick schien es. als wolle sich der junge Deutsche aus den JrläN' der stürzen, doch besann er sich recht.
snssRs zeitig. Hastig wandte er sich ab, um die Thränen, welche Schmerz und Zorn seinen Augen erpreßten, zu verbergen. Zu seiner freudigen Ueberrafchung warf auch Jakob seine Schaufel hin, n sprach auf seinen fragenden Blick: Das wäre mir eine nette Freund schaft, wollte ich Dich schon gleich in Stich lassen!" Es war schon spät am Nachmittage, als die Beiden in Schweiß gebadet, müde und hungrig wieder in New Or leans ankamen. Mißmuthig und schweigend schlenderten sie an der Levee entlang. Bei einem der am Ufer sie genden großen Flußdampfcr blieben sie stehen, und schauten sich das Treiben einer Schaar Farbiger an. welche mit ameisenartiger Geschäftigkeit die schweren BallenKistcn und Fässer an Borö rollten. Ein Mann mit bärtigem wet tergebräunten Gesichte, welcher die bei den Teutschen, von dleien unbemerkt, schon einigemal? scharf firilt hat, tra nun zu ihnen und fragte: Sucht Ihr Arbeit? Ja!" tlarg es wie aus einem Munde. Gul. ich suche Leute an der Levee zu arbeiten, unten in Fort Jack son; Akkordarbeit, 14 Cents die Yard, guter Lohn, 4 Dollar für Board wöchentlich. Der Dampfer fährt gleich ab, sreie Fahrt, wollt Ihr mitkom' wen?" Das einstimmige Ja" der Beiden kaum abwartend, überreichte er jedem eine Karte Das ist Euer Paß". Ehe sie sich noch von ihrer Ueberrafchung er holt hatten, war er verschwunden. Das acht aber etwas sehr plotmch! murmelte Otto ganz verdutzt. Ja, Junge, das rst Amerrka", er widerte Jakob lächelnd; gehen wir gleich an Bord!" Scyon übergoß me Abendsonne mii purpurnem Scheine die Fluthen des Baters der Ströme", als der Damp ser die Anker lichtete und rauschen stromabwärts zog. Otto und Jakob hatten sich auf emt Speckkiste gcsekt, und beobachteten daZ Treiben der ,.I!cnswbuts", wie dik farbigen Dockarbeiter genannt werden. Warum gehen wir eigentlich nicht auf's Oberdeck?" fragte Otto nach einer Weile. ..dort ist es doch entschiede? gemüthlicher!" Das schon, aber wir sind keine Ka. jütenpasfagiere, da würde man unS bald wieder herunter spcdlren." Versuchen werde ich's tvotzdem!" Oben war es freilich viel schöner und ngenehmer, da gab es gepolstert- Sitze, weiche, dunkelrothe Teppiche, alles waz luxuriös und zugleich praktisch einge richtet. Behaglich auf den weichen Sitz zu rückgclehnt. athmete Otto in tiefen Zügen die frische, reine Luft ein. Da drang ein Helles Lachen an sein Ohr, welches ihm seltsam sympathisch in die Seele klang. Er wandte sich um. Ihm zunächst saß ein junges Madchen. An ihren Schooß gelehnt, stand ein ungefähr vier Jahre alter Knabe, wel cher sich vergeblich bemühte, ihrezufammengedallte zierliche Hand zu öffnen. Der Begleiter dieser Beiden, äugen scheinlich der Vater, war ein älterer Herr mit grauem Knebelbart, ernsten Zügen und militärischer Haltung. Otto wußte nicht, was er an dem jungen Mädchen mehr bewundern sollte: die braunen sonnenheuen Augen, oder den feingeschnittenen Mund.' um welchen ein Zug erquickender Herzens güte lag; die rosigen Wangen oder die kastanienbraunen ' Haare, welche, in krausen Locken unter einem breitrandi gen Strohhut hervorquellend, das lieb reizende Antlitz umrahmten. Sie be diente sich der franzosischen Sprache, die auch er vollkommen beherrschte. Ihm war. als hätte er ihre Stimme schon oft in den schönen Träumen seiner Kindheit vernommen. Eine Hand, die sich plötzlich schwer auf seine Schulter legte, störte ihn im sanft aus seinen angenehmen Empsindüngen. Vor ihm stand ein Mann in dunkelblauem Anzüge mit blanken Knöpfen. Vour Ticket!" herrschte er ihn an Als Otto erklärte, er habe dasselbe bereits unten abgegeben, wurde ihmbedeutet, sich schleunigst hinunter zu begeben. Sehr verlegen erhob' er sich, und die Röthe der Scham färbte seine Wangen, als er verstohlen zu dem jungen Mädchen blickte, ob sie den Auftritt bemerkt hätte. Ja, sie hatte ihn bemerkt aber kein Spott, keine Mißach tung sprach aus ihren Zügen, sondern ein warmes Mitleid strahlte ihm aus ihren feelenvollen Augen entgegen. Fest und ties schaute er sie an, und es war ihm, als müffe sie in seinen Augen sein ganze Schicksal lesen und verstehen. Erhobenen Hauptes stieg er die Trepp hinunter. ,Das hatte ich mir gleich gedacht," meinte Jakob lächelnd, daß Dich der Petrus da droben wieder zur Hölle hin unter schicken würde." Otto antwortete nicht. Er lehnte sich auf die Brüstung und blickte in die Abenddämmerung hinaus, welche mälig die Erde umschleierte und die Baum Wipfel am Ufer wie die Zacken dunkler Gewölke erscheinen ließ. An, fein Ohr schlug das Stampfen der Maschine und das Rauschen der Fluthen, in seinem Herzen ab?r klang traumhaft leise eine silberhelles Lachen. Dort stand er noch, sinnend und träumend, aN 'schon der Mond über den dämmerigen Urwaldern emporstieg und sein goldenes Bild auf den Wellen badete, die es zitternd und tanzend mit sich fortriffen. ; ' !, Um Mitternacht erreichte der Dam pser Fort Jackson. Außer den beiden Teutschen stiegen nur nsH drei Personen an's Land, der militärisch aus sehende Mann mit seinen beiden Kindern. Sie schritten schnurstracks einem bestimmten Punkt zu. wie Leute, welche bekannt sind und wissen, wohin si; wollen. RüUlchenderlos sich der Dam pser ttromadwärts. Otto und standen noch rathlos am Ufer. Vor ihnen m oammengen Monvlichte, in
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weitem Halbbogen von der dunkel Mauer des Urwaldes umgeben, erhoben sich die niedrigen Walle des Forts. Hier und da blickte ein Kanonenrohr aus dem hoh?n Grase. Rechts, im Hinter gründe, zeichneten sich die Umrisse eines Hauses ab. Links nabe am Ufer crhot sich ein schupcnartigeS niedriges Ge bäude, etwas weiter flackerte ein großeFeuer, in dessen Schein sich dunkle Ge stalten bewegten. Torthin lenkten sie ihre Schritte. Was ist denn das?" fragte Ottc verwundert. Er meinte die großen erhöhten Punkte, womit das Ufer in der Nähe der Baracke bedeckt war. Bald wurden sie darübe? aufgeklärt. ES waren je an vier in den Boden ge rammte Stäbe befestigte Mosguito Netze. Tarunter lagen schnarchende, brummende und rauchende Gestalten. Eln lcifcs feines Summen ließ sich vernehmen. Otto blieb stehen und gak sich eine Ohrfeige. Verdammte Mük' ken!" Das kann noch schön werden." brummte Jakob, und schlug sich mit dez flachen Hand auf beide Wangen, na. dort am Feuer wird es wolzl besser sein!" Freilich, etwas bester war es dort, das heißt wenn man sich entweder i? den dicksten Rauch stellte, oder sich von der Gluth fast rösten ließ. Sonst schien das Feuer die kleinen Plagegeister we nig zu genircn. Auf dem Boden lagerten etwa 12 Mann, Jrländer und Neger; erster bliesen aus kurzen Thonpfeifen mächtige Rauchwolken von sich, letztere ver wünschten den Boß. der nicht hinrci chend für Mosquito-Nctze gesorgt hatte. Unter fortwährenden Kämpfcn'mit den blutdürstigen Infekten verging der Rest der Nacht qualvoll und sehr langsam. Nachdem sie' das aus schwarzem Kaffee. Brod und Molaffes bestehend! Frühmahl zu sich genommen und noch zu ihrem großen Erstaunen bemerkt hatten, wie ein dem Koch als Gehilfe dienender Neger den Tisch mit einem Besen absegle ging es an die Arbeit. Der Vormann begleitete sie. Durch eine mit Schilf bedeckte Fläche führte aus dem Damm eines Grabens ein Fußpfad entlang. Sie kamen nahe an dem Hause vorbei, welches sie schon bei ihrer Ankunft bemerkt hatten. Mit seiner blüthenumrankten Veranda lag es friedlich in einem schönen Garten, von Banana-Gebüschen, Orangen und Magnolia-Bäumen umgeben. Otto erröthcte heftig.' Auf der Veranda faß die schöne Fremde mit einer vanoaeveir m warnar, aur einem Schaukclstuhl. Neben ihr auf dem Boden spielte der Knabe mit feinem ungefähr zweijährigen Schwesterchen. Bald erreichten sie das Gehölz, um welches der Fluß einen weiten Bogen machte, und durch welches der südliche Theil des neuen Dammes gebaut wer den sollte, dessen Länge und Breite die hmdurchgezchlagene Straße bezeichnete. Der Vormann gab ihnen die nöthigen Anweisungen, und begab sich nach dem nördlich vom Fort gelegenen Revier, wo die Übrigen Arbeiter mit dem Bau der Hauptlünge der Levee beschäftigt waren. Die beiden Freunde begannen ihr mühfeliqes. martervollcs ' Tagewerk. Ein dichtes Netzwerk von Baumwurzeln durchzog den naffen schwerzen Boden und hinderte ne be: jedem Spatenstich. Gestrüpp und Fächcrpalmen-Gebüsch ritzte ihnen die Hände blutig. Heiß brütete die Sonne über der sumpfigen Landschaft. Kein Lufthauch milderte die drückende Schwüle. Zu einer fast unerträglichen Blage wurden die blut gierigen Stechfliegen,, denen sie sich nicht erwehren konnten, fo lange sie im Schubkarren amaen. Gelicht und Hände waren bald von den schmerzhaf. ten Stichen mit rothen Beulen bedeckt. Jakob war fchon öfters daran, sein Werkzeug hinzuwerfen. Seltlam, dies' mal war es Otto, der ihn zurückhielt, der selbst bei den schwersten Plagen ich' murrte. Endlich kam der Abend und brachte Ruhe. DamitdieNeuangekommenen ein einigermaßen erträgliches Lager fünden, hatte der Vormann angeordnet, dan i zwei Mann unter einem MosquitoNcx schliefen. Als Jakob schon im tiefen Schlafe schnarchte, blickteOtto noch sinnend durch die wimmelnde iummende Mosauitto Wolke, welche auf dem Netze schwebte. zum Mond empor, welcher groß und klar im dunklen Actbermecre schwamm. (?r dachte an das schöne holde Mäd chen, und nahm ihr Bild mit in tixie Traume. . Zwei Wochen später war es. um die Mittagszeit. Die Arbeiter saen um den langen rohen Hölztisch beim Mahle. welches aus fettem gelbem i-peck. vraun rothen dicken Bohnen, Molasscs und Brod bestand, nebst einer m Blechte säßen verabreichten, 'Kaffee genannten grauen Flüssigkeit. Otto Lem, wel cher bescheiden am unteren Ende des Tisches saß, schien der Löwe des Tages zu sein. Little Dutchh". wie man ihn nannte, war rn Aller Mund, und nur lobende und anerkennende Wortewaren es, die über ihn laut wurden. Das unerhörte Ercigniß, welches ihn zum Helden gestempelt, bestand darin, daß er, dem man höchstens 24 .Stunden prophezeit, nun schon 14 Taae ausae halten, hingegen sein Freund. .Big Dutchyl. hat , die Flinte in's Korn ge worden uns war am age vorher avgc' t rA m - ,, . iiüirtiiyisr1' . ' '' " reist. Sobald das Mäht beendet war. hing sich -der junge Mann seinen Rock, den er stets bei sich trug aus berechtigter nurcdt. er moste ibm aettoblen werden. über den Arm und schritt langsam der tt. . .,:, I -w . w .. tr Aroeil laile zu. eine Augen Ml teten heller, als er das blüihenumrankte Haus gewahrte. Nicht die Sucht, als Veld zu, gelten, noch der. Gedanke an den 1 Verdienst hatten es ihm möglich j gemacht, ? vas w - . W M ! sür ihn sast Unerwig
sestr liche zu ertragen, nein, die Liebe hatte es gethan. Die tiefe starke Liede zu dem schönen Mädchen dort in jenem Haust, das gewöhnlich auf der Veranda saß, wenn er vorbeikam, das seinen hrsurchtsvollcn Grug und die stumme hrrtrfii ffittir W iirtr prrnilirf il?nlsl W 'VUUW fVtlVi 4-MVfct VIIVVV.V w I Legrand hieß sie. aber man nannte sie nur die Rose von Fort Jackson. Sie war die älteste Tochter Viktor Legrand's. des Commandanten oder vielmehr Auf scher und Wächter des Forts, der das selbe mit Hilfe einiger Untergebenen vom gänzlichen Verfall bewahrte. Er gab sich keine Rechenschaft darüber, wo zu diese Liebe führen sollte, erfühlte nur, daß er nicht leben konnte ohne das holde Wesen, deffen Blicke wie Sonnenschein in sein Herz sielen und ihn die härtesten Entbehrungen, Anstrengungen Ulid Widerwärtigkeiten willig ertragen ließen. Wenn er des Morgens und Mittags auch nur für einen Moment seine Blicke in die ihrigen tauchte, so schöpfte er Muth und Kraft daraus für den ganzen Tag. eine innere hoffnungsfrcudige Seligkeit ließ ihn alles Unangenehme und Beschwerliche ver essen. Ein Schatten verdüsterte seine Stirn, als er näher kam. und das weiße Ge wand der Geliebten ihm nicht von der Veranda cntgegenschimmcrte. Wo mochte sie sein? Immer langsamer wurden seine Schritte, vielleicht kam sie noch. Weit konnte sie nicht sein, denn ihr kleines Schwesterchen krabbelte auf Händen und Füßen den Psad entlang, der sich mit jenem verband, auf welchem er wandelte. Mit fast ängstlicher Gcnauigkeit maß er seine Schritte ab. iind blieb endlich stehen. Sie kam nicht. Das Kind kroch behaglich vor sich hinlallcnd, immer näher. Plötzlich war es instinktiv ode? durch ein Geräufch verursacht er mußte sich um wenden. Kaum zwei Schritte von ihm entfernt. ruhte eine riesige Klapperschlange. Sie mochte sich wohl auf dem Pfade gesonnt haben, und durch sein Nahen aus ihrer Ruhe gestört sein. Pfeilschnell erhob sie ihren Oberkörper ungefahr zwei Fuß hoch vom Boden. Mit unheimlichem, fast dämonischem Ausdruck funkelten ihm die kleinen gelben Augen entgegen. Wie eine rothe gezackte Flamme zuckte einigemale blitzschnell die Zunge hervor. Von einem panischen Schrecken ergriffen, wandte er sich und stürmte in wilder Hast davon. Ungefähr 20 Schritte weit ge kommen, schämte er sich aber seiner Furcht und blieb stehen. Großer Gott das Kind! Das Blut in seinen Adern erstarrte. Nicht uhnend die furchtbare Gefahr, kroch die Kleine fröhlich kreischend im iner naher, grade auf das giftige Rcptil los. Nur noch einen Schritt, und Otto wollte schreien, aber die Kehle war ihm wie zugeschnürt. Er mußte sie retten, aber wie er hatte keine Waffe. Das Kind hatte jetzt den Pfad erreicht. Er sah, wie das Haupt des Thieres sich langsam duckte, wie die rothe, spitze Doppelzunge hervorzuckte. Sich seines Vorhabens kaum selbst be wußt, stürzte er vorwärts und warf sich, seinen Rock ausgespreizt vor sich hal tcnd, auf die Schlange. Mit Händen und Knieen drückte er das unheimlich zischende und klappernde Thier mit all' seiner Kraft zu Boden. Das Kind, durch das Heranstürmen des fremden Mannes erschrocken, fing laut an zu schreien, worauf ein riesiger Neger, der Gärtner, zwischen den Orangenbäumcn erschien. Hilfe eine Klapperschlange!" rief Otto ihm auf französisch zu. Der Schwarze kam mit einer starken Mistgabel hcrbeigerannt. Die Zinken derselben stieß er durch den Nacken dc Thieres in den Boden. Inzwischen waren auch die übrigen Bewohner des Haufes alarmirt worden, und kamen herbcigestürmt. allen voran Rosa, mit blasser Angst in dem lieblichen Gesichte., das sich aber sogleich erhellte, als sie das Schwesterchen unversehrt fand. Als letzte kam die Mutter des Kindes, eine stolze blaffe Ercolin. Sie war die zweite Frau Legrand's, und nur um einige Jahre älter wie seine Tochter. Während die Frauen und der kleine Knabe den geretteten Liebling herzten und kosten, und der Neger dem giftigen Thiere vollends den Garaus machteerzählte Otto dem alten Herrn kurz den Borsall. In stummer Rührung drückte ihm dieser die Hand, und führte ihn mr Veranda. Dort faß nun der junge Mann, vor sich eine Flasche Rothwcin. im Kreise der liebenswürdigsten Fami lie, ihm gegenüber das' errathende ge liebte Mädchen, so daß es ihm war, als sei alles nur ein schöner Traum. Auf Drängen' seines Wirthes erzählte er dann den mit Aufmerksamkeit iflid Theilnahme Zuhorchenden kurz seine Lcbensgefchichte. Es freut mich," begann Herr Lcgrand, als er geendet hatte,' herzlich, daß es mir möglich ist, etwas zur Besserung Ihrer Lage beitragen zu können. Zwar den Dienst, den Sie mir heute geleistet haben, kann ich Jhnen nie nach Gebühr vergelten In New Orleans habe ich einen Bruder, welcher einer der bekanntesten und gefuchtesten Architekten der Crescent City ist., An diesen gebr ich Ihnen ein Schreibens welches Ihnen sofort eine gute einträgliche Stellung in der Firma Legrand & Co. sichern wird. Aber bis morgen std Sie, noch unser Dasi.""lf ,,z Aus denU Oberdecke des Dampfers, welcher am folgenden Nachmittage stromabwärts Fort Jackson verließ, saß Otto Lenz und blickte mit leuchtenden Augen nach dem Orte zurück, wo er das Glück feines - Lebens ' gefunden hatte. Als derselbe hinter einer Biegung des Flusses seinen Augen entschwand, lehnte kr sich zurück und träumte von der vergangenen Nacht. Hand in Hand hatten jie zusammengescffen aus der Veranda, im dämmerigen Mondlicht, vom süßen Tust der Magnolien und Orangen
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umfloffen, in seligen Wonnetaumel des Liebens und Geliebtseins. Soda!) er sich eine Stellung errungen hat. wird sie sein für immer, die auf so seltsame Weise gefundene, schwer erkämpfte, heißgeliebte, schöne Rose von Fort Jackson. Daö Ende krönt ZaS ädert. Es gibt Theaterabende, an denen Einer mehr mitspielt, als auf dem Zettel verzeichnet ist, und das ist' der Teufel. In hundert Masken ist er da. Verspätungen. Versprechen, Pausen, fälsche Abgänge gehören dann zum Gelindesten da oben. Aus den ernstesten Scenen lugt er wie mit breitem Kladderadatschgesicht hervor. Am schlechtesten kommt dabei der arme Publitus weg. während die gottlose Horde hinterher Rampe nur zu geneigt ist, zur Abwechselung einmal Sckinkluder anstatt Komödie :ii mt lcn. Solch ein Abend war's heute im Stadtthrater zu M. nicht. Romeo und Julia" waren nie ernster genommen worden, so oben wie unten. Der letzte Akt sand die verklärtesten Thränendrüsen unter Wasser. Ne Prachtvorstellung, nicht?" mur melte sogar der Directo'r in vcrschwikgencr Logenecke seiner Lebens- und Aühnengesährtin sie ist Primadonna zu. Selbst Dein Kollege von der Oper spielt heut recht wacker!" Tu meinst den alten Papa Montague? War das nicht unser dicker Bassist Pichel?" Nu ja, es geht." 'Wer da weiß, was Bassisten im Schauspiel anzurichten im Stande sind, wird aus diesem lakonischen es geht" schon die tiefste Hochachtung für Herrn Pichel hergeleitet haben. Er kommt ja wohl noch einmal?" warf Madame noch wie träumend ein. Ach. jetzt ist nichts mehr zu bcfürchten; das Stück ist ja gleich aus!" Ja, das Stück ist gleich aus, aber noch ein bischen früher, als der gute Director ahnt. Der Schwärmer Paris liegt bereits erstochen da, Romeo hat ausgeliebt und gelitten, Julia ein dito: und nun treten in die Erscheinung: der ewig zu spät ankommende Fürst von Verona, die beiden kratzbürstigen Väter, nämlich Capulet und unser feister Opern-Montague, und hintendran, völlig unbemerkt, noch Einer und zwar eben jener ganz oben erwähnte. Im nächsten Moment schon soll Alles sein unheilvolles Walten- mit Schauder" gewahr werden. Pichel. der dircct von der sechsten Flasche Bier in die Gruft der Eapulets gestiegen, vollbcwußt, daß ihm nicht mehr passircn kann, hat er doch nur noch dem Klageruf Mein Sohn!" alles Uedrige ist ihm wohlweislich ge, strichen Leben zu verleihen, dieser Pichel wählt jetzt den erstbesten Leich' nam zum Zielpunkt seiner Schritte, bricht über ihn mit Glanz zusammen, läßt seinen Jammerschrci ertönen und überlegt nun, ob's heute wohl zum sollden Skat kommen werde. Unglücksmensch, Sie sind ja falsch! Ich bin Paris! Ihr Sohn liegt ein Haus weiter!" haucht- der überraschte Todte den unglücklichen Vater an. Sonst Grabcsschweigcn im ganzen Hause; der Director wagt gar nicht mehr hinzusehen. In Pichel dämmert's; er, der bereits die stärksten Komödien geschmissen", er wird das schon machen. Ruhig steht er auf. läßt Paris Paris fein, wä.-.delt feierlich zu Romcon hinüber und be grüßt dessen vor Lachen zuckenden Leich nam mit einem so rührend-naiven Und Du erst, mein Sohn!!", daß die verhärtetsten Thränendrüsen jetzt windelweich werden vor Gelächter. Nicht mehr gar viele achten auf die eben einsetzende stimmungsvolle Schlußbetrachtung des braven Fürsten von Verona. der, höchst verwirrt gemacht durch Pichcls unvorhergesehene Evolution, statt des von Shakespeare Gegebenen etwa folgendes zunl Vorschein bringt: Demi wahrscheinlich, liie gab es ein größer Leid, Als Romeo's und und Und feiner Adelheid!" ruft es da grell vom Olymp herab, und damit ist der Abend völlig zu Gunsten SatanZ entschieden. ' m m m Verschiedene Tinten. Er war ein armer Schreiber Der liebte die Lucinve; Daß feine Gluth sie abne. Schrieb er mit'rother Tinte. Sie war 'ne öxme Nähtnn, Die liebliche Lucmdc; Ihm ihre Treu' zu zeigen. Schrieb sie mit blauer Tinte. Und als sie sich dann hatten. Der Schreibe? und Lucinöe Da saßen alle Beide Gar tief in schwarzer Tinte. Schlimme Besserung. Frau: .Früher hat sich mein Mann alle Sonw tag einen Rausch angetrunken !" Hoch, würden: Allerdings gute Frau! ; Er hat mir aber das Versprechen gegeben, dies nimmer zu thun .... und das hat er wohl gehalten? ' Frau: , ;.G'wiß, Hochwürden, ehrlich! 8 Aber jetzt betrinkt er sich halt dafür jeden Wochen, tag!" . WIHV ezogen. Wenn ' ich Mittags meinem Mann was vorsetze, das er nicht gern ißt. rührt er's kaum an!" Im Gegentheil da läßt ker meinige erst recht nichts übrig, sonst bekommt er's am Abend wieder." ß -'l! ii ttWi fiWff n f g run d. Vertheidiger: Bedenken Sie. meine Herren Geschworenen, .daß der Angeklagte schwerhörig und demnach die Stimme des Gewissens nur undeutlich zu vernehmen in der Lage ist!" In der Ehe verleidet Manchem die kchne Hallt: das Ganze.
Reform unseres KaZenderS.
Der Gencre.l von Sichart in Mainz schreibt cn die Berliner .Rlltionalzci, tung": Unser großes Jahrhundert mit seinen Fortschritten und Umwä! zungen aus al!cn Gcbieien könnte nicht würdiger bkscklossen werdcn. als da durch, daß auch unser Jahreskalcndcr eine Eintheilung erhielte, welche für das praktisch,' Leben zweckmäßiger und ve? nünstiaer ist. als solche der bestehende Knlendcr bietet. Oder ist es vernünftig daß 7 Monate des Jahres 31 Tage. 5' Monate 30 Tage und l Monat 2ö bezw. 29 Tage zahlen? Ist es vor thttlhaft. daß ein bestimmtes Datum mit jedem Jahre um einen Wochentag, mit jedem Schaltjahr um zwei Wochen, tage fortschreitet, während es ohne groe Schwierigkeiten möglich ist. die kinicknen Jahrestage stets auf denselben Wochentag zu legen? Ist es vernünf tig. das Osterfest n einem Jahre Mitte Marz. im andern Mitte April zu feiern und dadurch für unser bürgerliches Leden mau deute nur an die Schulen stets rerschicden lange Zeitabschnitte der Halbjahre zu schaffen? Ist es ver uünstig. daß wir am Schluß des Iahres. wenn einer der Weihnachtstaze nicht zufällig auf einen Sonntag fällt, unter 10 Tagen 5 Festtage haben? Unser bestehender Kalender löst durch seine Schalttage die Ausgabe vortrcff. lich, das Längenmaß des Jahres mit der Umlaufszeit der Erde (335 Tage. 5 Stunden, 43 Minuten. 45 Selun den) so gut. als dieses nur möglich ist, in Einklang zu bringen; aber' die in nere Eintheilung des Jahres entspricht in keiner llöcise mehr den Anforderungen. welche das bürgerliche Leben der Jetztzeit an dieselbe zü stellen berechtigt ist. Unsere Bestrebungen nach einer rationellen Eintheilung der Tageszeit für Arbeit und Rube sollten deshalb zunächst einmal auf eine vernünftige fundamentale Eintheilung des Jahr'eZ gerichtet sein." Zu diesem Zwecke schlägt Gen. v. Eichart vor: 1) Jedes Quartal erhält 9! Toge. den ersten Monat zu 31. die beiden anderen Mo notc zu 30 Tage. Nur das 4. Quar tat und im Schaltjahr auch das 2. Quartal erhalten 92 Tage durch Zu fügung eines Tage an den Schluß des betreffenden Quartals, des 31. Tecem der und 30. Juni. 2) Der 1. Tag jedes Quartals, also der !. Januar. I. April. 1. Juli und Oktober, .fällt ein für alle Mal ans den Sonntag; der l. Tag sidcs zweiten Quartalmo nats fällt dann stets auf den Mittwoch, der 1. Tag jedes dritten Quartalsmo' nat auf den Freitag. Der 30. December und der 30.Junr fallen dann stets auf einen Sonnabend. Der 31. December jedos Jahres und der 31. Juni jedes Schaltjahres heißen der Jahresübertag (kurz Uebertag) und der Schalttag und werden zniischen den Sonnabend und Sonntag des 30. Te cember und 1. Januar resp, des 30. Juni und 1. Juli als 8 Wochen- und Arbeitstag eingeschoben, so daß die letzte Woche des ersten Halbjahres anstatt 73 Tage zählt. 3) Ostern fällt, stets auf den 1. April, Psiingsten also auf vcn lö. Mai. Der erste Weihnachttag sällt stets auf Sonntag, 'den 2i. December. 4) Der Anfang des Iah res, alfo der 1. Januar, wird um ll Tage zurückvcrlcgt auf den kürzesten Tag. Der 1. April fällt dann etwa auf Frühlingsanfang, der 1. Juli ge nau auf Sommers, der t. October etwa auf Herbstes Anfang. Zur Ausscheidung dieser elf Tage werden in den ersten 9 Jahren nach Einführung des Kalenders die 9 Ucbcrtage und die beiden Sckalttage gestrichen. 5) Die neue Zeitrechnung wird mit dem Jahre 190! begonnen. it also mit dem Be ginn des Jahres 1910 durchgeführt. Schade! Cr nennt sich einen sslk ma6 man; Ja. ja. dZs heißt schon viel errungen Bedauerlich bleibt nur dabei. Daß er sich besser nicht gelungen! Das brave Klä rch en. Mutter: Sie sollten einmal sehen, Herr Weidlich, wie schnell mein Klär chen einschläft, wenn ich sie einsinge. Nicht wahr, Klärchen?" Klärchen: Ja wohl, Mama." (Nachdem die Mutter das Zimmer auf ein paar Minuten verlassen.) Sie muffen es Mama nicht wiedersagen, Herr Weid lich. aber ich thu' nur immer so. als wär' ich eingeschlafen, bloß damit Mama mit ihrem schrecklichen Swgcy cufhörk." Frauen Usf. Junge Frau: Ich bitte Dich, lieber ,'Manfl, -'Zahle,, mir doch meine , Hut - ,Rcch:nnrg vom vorigen Jahr! s'läßtmisichtWa sen. wenn ich daran denke!" Mann: Hier hast Tu den Betrag: ich bin ja froh, wenn Dir das Gewissen endlich erwacht. Doch was bat dieses Wunder bewirkt?" Junge Frau: Meine Absicht, mir zwei neue zu bestellen!" Stoßfeu fzer. Wie bequem ts diesen Männern gemacht ist hier das Standesamt und gleich daneben die Kirche A- man sollte es nicht für mög lich halten, daß sie diesen kleinen Gang so sehr scheuen!" Der nicht. ant Zs t i sche Ulk" läßt einen Antisemiten" solgenden Seufzer ausstoßen: Ich be greife gar nicht, wie nur das Herz, das' große. 'poetisch?, liebende Herz, sich ge rade einen so jüdischen Namen auswah len konnte!" Ein schöner Trost. Wenn Sie kein Geld haben, so trösten Sie sich mit dem Bewußtsein, daß ich Ihr Freund bin!" Und inwiefern soll da) ein Trost für mich sein?" ,Ei nun, ich habe auch feinst" . Aus dem Nekrolog auZ einen Schreinermeisicr Der Verstorbene war langjähriges Mitglied unseres Bürgcrvcreins und hielt bis zu seinem Ende treu zu der Fahne, zu der kr gratis die Stange geliefert hatte.
