Indiana Tribüne, Volume 15, Number 363, Indianapolis, Marion County, 18 September 1892 — Page 7

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Ewig fJStt

D?r. Curtlfam Schoü. - Ufer der Orge, in der Nähe von SelleJ'FontaZnes, steht cm in modernem Stile sebautes, elegantes Schlößchen. E5 ist m AbHange des Hügels, inuiit ten eines FiasenpIatzeS gelegkn und von einem kleinen Gehölz umgeben, so daß rs nur von den wenigen Leuten bemerkt werden hr.n, welche die Orge nach In bijy rudern. Gelegentlich bat auch Kehl ein Fischer, der sich eitien guten Platz zum Angeln aussuchen wollte, oben auf der Höhe zwei Gestalten bemerkt: eine Frau, 'deren Gesicht durch einen dichten Schleier verhüllt war, und. auf ihren Arm gelehnt, einen jungen Mann. Aber beim geringsten Geräusche, das die Ruder verursachten, verschwanden die beiden Personen in einer Allee oder in einem Gebüsche. Die Bewohner von Jnvrv hatten M vergebens bemüht, den Schleier desGeheimnisieS zu lüften, m welchem sich die erst kürzlich im Schlöffe Angekommenen gehallt hatten. Der Gärtner und die Dienstboten sprachen einen in der 6tv,cnd unbekannten Du lest, nach der Meinung eines Handelsreisenden war es niederöretoniich. Nur die alte Haushalte: :n sprach französisch, aber sie rvete die wenigen Worte, die beim Einkauf nie den Hausbedarf nothwendiz gesprochen werden mußten. Dem nach waren die Neugierigen aus ihre eigenen Muthmaßungen angewiesen, und der Ea'lwirth und der Kramer hat ten sich dahin entschieden, rufe der junge Mann ein Geisteskranker sein müsse, den seine Familie in dem einsamen, auf der andseite durch eine hohe Mauer, auf der anderen Seite durch das Wasser eingeichlosstne Schlößchen verborgen kalte. D:e Frau war entweder eine Verwandte oder bezahlte Wärterin, und als ein aus Belles-Fontaines kommen der Maler einmal fragte, wer der $8e sitzer des dunklen, gebeimnißvollen Hei nen xxU wäre, antwortete man ihm rhne Zeajrn: Ein Wahnsinniger wohnt bv?t "sin: 10. Juli 1S34, bei fast tropische Hitze, verließ ver Vicvmte de Montbrun um neun Uhr Morgen? sein in der Nue Vernet gelegenes Hotel und ging die Champs Elmess hinunter. Er wollte ein Pftrd besehen, das ihm ein Händler in der Äus.de la Pepiniere angeboten hatte. Die Blumenkorbe in den Anlagen leuchteten in schönster Pracht, und die sie umgebenden Blattgewächse waren mit künstlerischem Geschmack in den verschiedenften Farben abgetönt, gleich den Rosetten der fremdländischen Ordens Teloratwnn. Auf dem 3!ondel warfen die vier Springbrunnen ihr Wasser in die Luf:, das in allen Ziegenbogenfarben wie Diamamstaub erglänzte. Herr von Montbrun gehörte zu den Parisern, die niemals Paris verlassen. Da Meer", meint: er, ist fu? die Fischer und für die Seeleute Ca. Es hat ja auch seine Schönheiten, gewiß, aber es ist jeden Tag nur eine Stunde erträglich. Sowie die Ebbe beginnt, bleibt so übelriechen der Schlamm zurück, dast der große Abflußkanal dagegen wie Kölnisches Wasser duftet. Und auf dem Lande ist eö, genau genommen, eben so heiß wie in Paris, nur mit tem Unter schiede, daß man dort nicht weiß, was man mit den Abenden anfangen soll. Wenn man über Nacht die Fenster offen läßt, wird man von den Mucken zersto chen, schließt man sie, dann sehnt man sich nach ter Nue Noyale oder Ebanssee d'Antin, wo man von zwölf Uhr Nachts beim Mondenschein in Ruhe seine Ei garre rauchen kann, ohne von irgend einem geftugettsn Unzeheuer bedroht, oder von einer Fledermaus umflattert zu werden." ES siel dem Vicsmte auf, daß die Futzgänger so spärlich waren. Da siegen sah er aus crLm einmündenden Straßen mit Koffern beladene Wagen kommen. Der Anblick der Vorbercitun gen für das Naticnalfest am 14. Juli schnürte ihm das Herz zusammen. Die Politik hatte mit seinem Unwillen nichts zu thun, unter dem Kaiserreich würde ihm der 15. August ebenso unangenebm gewesen sein. Denn der richtige Pariser tsi ein Feind aller öffentlichen Festlich Zeiten, die seine Ruhe stören oder seine Gewohnbeiten unterbrechen. Ueberall sah er Mafien, Pfähle und Fähnchen. Wohin kann ich mich auf drei Tage zurückziehen ' dachte Herr von Moni brun. Im vergangenen Jahre war er nach St. Germain gegangen, aber dort batte man eben so viel Spektakel ge macht, ebenso viele Petarden abgefeuert, wie in Paris. Da fiel ihm ein, daß er sich vorgenommen hatte, in der Bretagne umherzureisen, bevor dieser alte Winkel bes Landes durch die moderne BauthatigXeit feiner Oriainulität beraubt würde. Er wollte sich Bitte, FonZereö noch einrnal ansehen, einen Tag in Saint-Malo veNosilen und zurückkommen. Auf diese Weise würde er das Gedränge und die JlZummation vermeiden. -Weil die Piovinz bei solchen Festen Varis über fluchet, muh der Variier ihr das Feld räumen. Zwei Tage danaa?, am Sonnabend Abend, kam Montbrun in Vitre an. Wenn man in der Provinz über alle Schönheiten des Ortes eine Uebersicht haben iuil?, muß man sich am Sonntag an die Kirchthürsn posücen. Deshalb stand Montbrun schon um acht Ubr Mor gens auf der Schwelle der Basilika von St. Martin und wartete das Ende der Messe ab. Bei der Abreise von Paris batte er ein Paar Zeilen an Fräulein Paula Salimbert, eine Tänzerin des Eden-Theaterö". auf die Post gegeben. Paula war ein prächtiges Matche, eine Trastevcrincrin mit schwarzen Feuer äugen ; sie war zuerst in Neapel aufge treten, war eine Saison lang im italie nischen Tbcater in Nizza gewesen und dann nach Paris gekommen, um ihre vollendeten Formen und ihre eigensin nize Grazie zur Geltung zu bringen. Montbrun war damals achtundzwanzig Jahre alt, war auf den Brettern sehr zu Hause und verband mit seinen persönli chen 5!en?n die Verfübrungskunst von sechsziztausend Francs Rente. Er stellte sich vor unv wurde !n Gnaden aufae nommen. Das Verhältniß war im ersten Halbjahre entzückend : Liebessce nen. Treuschwüre, gemeinschaftliche Spa ierritte uns vergnügte Souvers Wechselten mit einander ab. ... .In Versailles, Viü d'Avray jind

zSWLWW Bcüzwal konnte man die schöne 'Ama zone in Begleitung Montbrun'S häufig j t. . x. ii z. I. . i . v .. !

zu i.vö Fehler hatte Paula, sie war umrträg lich eifersüchtig, Othello wäre em George Dandin gegen sie gewesen. Wenn Montbrun im Theater eine Dame lorg' nsttirte, rig sie ihm sein GlaS fort und begann zu schluchzen. Als der Vicomte sich einmal einen Augenblick an Wagen der Frau .5. aufhielt, bekam sie einen Ncrvcnznfall. Wenn Du mich derlassen follrest," jagte sie oft, indem sie einen Dolch in der Luft schwang, so todte ich erst Dich und dann mich." Als Herr von Montbrun sich entschied, die kleine Reise nach der BretaZ!'.e zu ma chen, war der kritische Moment gekommen, in welchem ein übersättigter Lied baber sich fragt, ob er dem Gegenstände seiner bieberiaen Neiaung lieber zehn tauserld Francs unter Eouvert zuschicken oser ihm lieber eine vlente von fünf jehnhundert Francs aussetzen solle. Im Coupe hatte Montbrun nur den einen Gedanken : wie er es anstellen könne, Paule Salimbert niemals wiederzusehen. Die Messe war vorüber. Zwei oder tret Mannet verliefe die Kirche und setzten ihre Hüte erst nach Ueberschrclte der Schwelle wieder auf. Dann kamen die Mütter mit ihren Töchtern, einige Frauen mit gissen Hauben und hier und da ein Beamter oocr ein Notar, kein Apotheker, Plötzlich fuhr Montbrun zu jammert. Mitten unter der Menge war ihm der Kopf eines jungen Mädchens erschienen. War es ein Zauberbild, eine Erscheinung, ücccr sah er wirklich dieses ideale Gesicht? Selbst in seinen $liX hendsten Träumen hatte er sich niemals etwas vorstellen können, was diesen: überbischen Bilde auch nur annähernd glich. Das erste war die stille Reinheit, die fromme Heiterkeit, die strahlende Jung fräuüchkeit, kur; ein Hauch des Geistes, der im Anfanz über den Wassern schwebte." Es war ein engelhaftes We sen. Montbrun fragte sich, ob es denn möglich sei, daß ein solches Geschöpf existtre. Er wagte kaum zu athmen, aus Furcht, daß die von droben gesandte Lilie in den Himmel znrückkehre. Das junge Mädchen stieg die Stufen der Kirche her unter und lächelte einer Frau in den besten Jahren zu, jedenfalls ihrer Mutter. Montbrun folgte den beiden Damen inftictiv, ohne es zu wissen. Sie gingen in ein sehr bescheiden aussehendes Hauö. Er merk:s sich den Namen der Straße und zog im Hotel die nöthigen Erkun digungen ein. Das hübsche Fräulein 's Das ist Fräulein v. Larade. Jhr Vate, war ein vortrefflicher Man, seine Fami lie war vcr der Revolution seh? reich ge Wesen, dann hatte man von einem Ge: schlecht zum andern immer StückeLandes und Wiesen verkauft, um standesgemäß leben zu können. Schließlich war der arme Herr von Larads gezwungen ge Wesen, in dem kleinen Häuschen Wsh nunz zu nehmen, das vordem seine Jn tendanten bewohnt hatten. Dort lebte er nmr, so gut es ging, mit seiner Ge mahlin, einer geborenen Lacoche Glaieul. und seiner Tochter Jeanne. Ihm waren, wenn es hoch kam, zwölfe bis fünfzehn hundert Francs Einkommen geblieben, aber die Damen verstanden die Kunst, von nichts zu leben, und er, der arm Nerl, gönnte sich nicht einmal de Schnupftabak. Der Vicomte schrieb an seinen Notar nach Paris und bat ihn, sich mit einem seiner Kollegen in Bit in Verbindung zu setzen und diesem mit' zutheilen, daß er, Montbrun, aus gut Familie sei, für einen Ehrenmann gelt und etwas Vermögen habe. Danach sollte der Notar in Pitre ihn in eine Fa milie einführen, in welcher er das Glüä zu finden hoffte. Die Dinge geschahen so, wie sie der Vicomte geregelt hatte. Er wurde vorgestellt, begrüßte zitternd Jeanne von Larade, kam häufiger in's Haus, und ferne Werbung wurde angenommen. Indessen wurden ihm folgew de Verpflichtungen auserlegt: er sollt feine Frau allsonntäglich zur Mesie be gleiten und wenigstens einmal im Jahu zur Beichte gehen.' Montbrun versprach Alles, waS man von ihm verlangte, unö verbrachte die wenigen Wochen, die itzn noch von feiner Vermählung trennten, in einer Axt von Ekstase. Als er von fei: ner Verlobung in's Hotel zurückkam, zitterte er bei dem Gedanken, daß Jeann jetzt vielleicht das Weib eines Andere hätte sein können, wenn er selbst nicht zw fällig nach Vitre gekommen wäre. Adet nein, das Schicksal hat,seine Gesetze; fu war für ihn bestimmt, er war gekom inen, weil er kommen mußte Mitten in das Entzücken feines Trau mes hinein kam durch die direkte Ver Mittelung seines Notars denn dicsil allein kannte seinen Aufenthaltsort der Brief eines Freundes. Dieser Freund. Mitglied deS Petit Club schrieb ihm, daß Paula Salimbert ihn allenthalben suche und die furchtbarsten Drohungen gegen ihn auSgestoßm habe. Montbrun beauftragte seinen Freund, der Trastede' rinerin vierzigtaufend Francs mit dem Bemerken zu übermitteln, daß er nach Amerika abgereist sei, und datz sie ihn nie wiedersehen werde. Endlich war de, große Tag gekommen, der Chevertraz war unterzeichnet worden. Zwei Freunde der Familie Montbrun waren hcrbeige eilt, um dem ?!euvermählten als Zeugen zu dienen, und am 10. September uni 11 UhrMittagö stiegen die Gäste in die Wagen, um nach der Mains zu fahren. Montbrun und einige Herren plauderten mit dem Standesbeamten, als plötzlich ein herzzerreibender Schrei und ein furchtbares Weinen sie erzittern lieg. Sie stürzten an die Fenster, auf dem Hofe schien ein Handgemenge stattzusin den. Was geht denn vorT"'schm Montbrun wie erstickt. Eine unbekannt irau hat Fraulein von Larade Vitriol m's Gesicht gegossen. Eine Halste deS Gesichts ist entstell:, ein Auge verloren ; man bringt das arme Mädchen in das Haus ihrer Eltern." Montbrun san! zu Boden und blieb bewußtlos liegen. Nachden er sich erholt hatte, versuchte er vergebens, bis zu seiner Verlobten zu ge langen. Saget Shm, daß er mich nie wiedersehen soll," hatte sie ausgerufen, und die Thränen, die sie dabei vergoß, brannten auf den krischen Wunden wi, Feuer. Herr von Montbrun ging ganz Zn Schmerz auf. Das Fieber raste in sei' nen Adern, sein Herz war wie von einer Zange gepreßt. Äm nächsten Tage lZien er enentschluß gefaßt zu ha

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den. Er schickte em lange? Telegramm nach Paris und bekam mit dem nächsten Eilzuge ein kleines Packet. Die Unbe kannte war gleich nach dem begangenen Verbrechen verhaftet worden und hatte ausgesagt, daß sie Paula Salimbert heiße und die That aus Rüche begangen hab. Montbrun schloß sich in sein Zimmer ein und öffnete das Packetchen, welches eine kleine Portion Weißen Pul vers enthielt. Er faltete ein Taschen luch zu einer Binde zusammen, maß zwei Löffel des Weißen Pulvers ab und schüt tete es auf die Binde. Dann legte er die Binde um seine Augen und band sie fest zu. Zwei Stunden Mer fuhr er vor dem Hause des Herrn de Larads vor. Er stieg aus und stützte sich auf den Arm des Notars von Vitre. Kommen Sie nicht herein," bat ihn Frau Larade, Jeanne würde darüber sterben." Sa gen Sie ibr, daß sie mich ruhiz empfan g?n darf." sagte Herr von Montbrun. Unsere Heirath kann voäzogen werden, sobalv Jeanne ausgehen darf. Sie kann mich einpfangen ihr Bild wird in ewiger Schönheit in meinem Herzen leben ich bin blind !" Herr und Frau von Montbrun haben sich auf ibr einsames Vesi.chum in Jnvish zurückgezogen. Jeanne betet den Man an, der ihretwegen aus den An ölick des Himmels, der Felder und de? Blumen verzichtet hat. Und der Blinde i Er hat das unberührte Bildniß der idea len Jungfrau bewahrt, welche er die Stufen der St. Marrinskirche hat her absteigen sehen. Er ist glücklich, denn in derselben Nacht, in welcher er sich cerurtheilt hat, sieht er sie ewig juna nd ewig schön. Sie Lage der Landwirthschaft. Von der Lage der Landwirthschaft lN den östlichen' Provinzen zeichnet ein Gutsbesitzer der Provinz Posen in ei nem Brief sagendes recht trostloses Bild : Hier in der Provinz Posen herrscht xofyt Noth auf dein Lande. Seit dein Frühzahr hatten wir keinen durchdringenden Rogen; feit drei Monaten aber ist eine derartige Dürre eingetreten, das; die schweren Bödeir sich nicht mehr mit dem Pflug bearbeiten lassen und bei weiterem Anl?a!ten dieser Witterung ein groner Theil der nächsten Win-teungs-Ernte überhaupt in Frae gestellt ist. da späte Herbstsaaten in unserein Klima kaum halbe Ernten geben. Die Seradella. die Wiesen, die Hackfruchte versprechen zum Theil gar keine, zum Theil eine traurige Ernte. Die jungen Klcepflanzen sind gänzlich der branut und verschwunden. Daß bei dieser Witterung die Mauseplage nicht ausbleibt, ist wohl erklärlich. Auf meinem Nachbargute werden täglich binter dem Pfluge auf etwa 20 Morgen 52000 Mäuse todtgcschlagen. Wenn nun auch die WinterungS-Ernte ziem lich gut ausfiel, so tragen doch die oben genannten Umstände, verbunden mit dem starken Preisfal! der Producte dazu bei, die diesjährige Ernte im Ge sammtresultat als die schlechteste im legten Jahrzehnt erscheinen zu lassen. Natürlich mtt die Börse diese traurige Lage der Landwirthe nach Möglichkeit aus." Im Anschluß an diesen Brief sei auf eine Zusammenstellung aufmerksam gemacht, welche die statistische Abtheilung des ungarischen Ackerbauministeriums in Actreff dcs Ertrages der Weizenernte und des mittlimaßtichen Verbrauch-Z an Weizen im Jahre 1892j93 ver öffentlich!. Der Ertrag Großbritanniens beträgt 23 25 Millionen Hektoliter, der zu importircnde Beoarf 56 53 Millionen Hektoliter. Der Ertrag Frankreichs beträgt 105 Millionen, der Importbedarf 15 Millionen. Deutschlands eigener Ertrag 3435 Millionen. Importbedarf 50 Millionen. Italiens eigener Ertrag 40 Millionen, Importbedarfs 12 Millionen. Oester ichs eigener Ertrag 17 18 Millionen. Importbedarf 810 Millionen. Der Ertrag der Weizen erporlircnden Staa ten weist einen Ueberschuß für den Ex Port aus: in Rußland vsn 25 Millio nen. Ungarn. Kroatien und Slavönien 19 7j10 Millionen, Rumänien 9 Millionen, Türkei 3 Millionen. Bulgarien und Cstrumelien 2 3N0, Serbien 0,70 Millionen. Ver. Staaten von Nord Amerika 38 Millionen, Canada 2.3 t. Ostindien ll 4110 Mienen, Afrika 1 Millionen. Australien 3 2s10 Mil. lionen. Der Ertrag an Roggen wird auf 440 Millionen pettollter geschäht, gegen 370 Millionen im Jahre 1801 i Die Dressur der Kriegshunde. Die Kölnische Volkszeltung" ist in der Lage, über die Schulung derKricgs Hunde in der deutschen Armee folgende Mittheilungen zu machen: Gleich das Erste, was dem eben in die Armee eingetretenen vierfüßigen Netrutcn eingedrillt wird, ist eine rcchj schmierige Aufgabe für den Lehrer, wie für den Schüler: man verlangt von dem Kricaskmnde nickzts mehr und nicktZ weniger, als daß er schweigen lernt. Er muß dahin gebracht werden, feinen natürlichen Antrieb, den zum lauten Bellen, unkcr allen Umständen zu im terdrücken und nur durch ein dumpfes Knurren anzuzeigen, wenn er den Feind wittert. Die intelligentesten Hunde gelangen sogar dahin, auch bei den aufregendsten Anlässen das tiefste "Schweigen zu bewahren. Sie theilen ihre Wahrnehmungen lediglich durch Bewegungen mit. ' Ueberhaupt hat der Hund viel Begabung für mimische Darstellung;, besonders durch die Hai tung seines Schwanzes vermag er die verschiedensten Empfindungen und Ge fühle auszudrücken. Aber der schwierigste Theil der Trcs. für besteht doch darin, dem Hunde be greiflich zu machen, daß, während ein Hund sei er nun braun, weiß, gelb, grau oder schwarz, klein oder grok immer nur ein Hund bleibt, der Mensch dagegen ein Freund oder ein Feind ist je nach der Farbe seiner Beinkleider. Diese seinen Unterschiede verwirren na.

,,,, türlich zuerst ie Hundcköpse vollständig. Um sie ihnen fest und deutlich einzuprägen, bediente man sich des so!genden Mittels: Einige von den deutschen Soldaten mußten eine Zeit lang russische und französische Uniformen anlegen und in dieser Kleidung die Hunde auf jede denkbare Weise ungerecht behandeln und sie in russischer und französischer Sprache schimpfen. Das prägie sich den Thieren gut ein, und da der Hund rachsüchtig ist. so spart er nun den Biß seiner scharfen Zähne sür die feindlichen Uniformen auf. Ohne Zwei scl wird der deutsche Hund diese am Tage nicht verkennen. Wie aber wird es damit in dunkler Nacht, wenn es nicht möglich ist, Farben zu unterscheiden und der Hund sich nur noch durch selnen Geruchzinn leiten lätzt k Las ist ein Punkt, der den Dressirmeistern noch Stoff genug zum Nachdenken geben konnte. ' Wenn aber auch in diesem Punkte kein positiver Ersclg erzielt werden sollte, so sind die Dienste, die der Kricgshuud auch bei Nacht leisten kann, doch von hervorragendcr Bedeutung. Er merkt mit seinem feinen Spiirfinn irgend eine verdächtige Annäherung viel früher, als der Wachtposten, weichem er beigegeken ist und kann diesen aus die Gefahr ausmerksam machen. Die Entscheidung, ob Freund oder Feind, muß er dann allerdings seinem Führer überlassen. Während es danach verhöltnibmüßig leicht, den Hund zu einem brauchbaren Wachtposten abzurichten, ist es viel schwieriger, ihn zu lehren, Depeschen richtig zu überbringen. Der Hund ist ein geborener Müßiggänger; er liebt es. die Schule zu schwänzen, und es gehört viel Zeit, Geduld und Strenge dazu, um ihn dazu zu bringen, daß er Ablenkungen, die ihm etwa auf dem Wege begegnen, widersteht. Wenn der Hund erst gelernt hat, sich in der Nacht zwischen zwei angegebenen Zielen sicher hin und her zubewegen, ist es jedenfalls rathsamer, ihn in der Nacht zu Botendiensten zu verwenden als bei Tage, da die Versuchungen, die an ihn herantreten, im hellen Tageslicht weit größer sind. Es hat sich übngens als praktisch erwiesen, nur wcibliche Hunde zur Dienstpflicht in der Armee zuzulassen. Die Kricgshunde bilden also gewissermaßen ein Amazonenkorps. Das erste, was ein vierfüßiger Dcpefchentrager lernen muß, ist. sich vor den Augen des Feindes zu verbergen. Und was den Hund beiondcrs geeignet sür diese gefährliche Mi sion macht, ist seine instinktive Abneigung gegen jeden Fremden. Wenn sie Träger einer Depesche sind, verbergen sie sich in einem (Äraben oder hinter einer Hecke, sobald sie von weitem einen Fremden schen; erst wenn der Verdächtigc vorbei ist. stürmen sie in verdoppcltem Galopp ihrem Ziel entgegen, um die verloren gegangene Zeit wieder einzubringen. Der deutsche Soldatenhund trägt ein leichtes eisernes Halsband, und wenn ihm eine Depesche übergeben wird, steckt man diese in ein ledernes Söckchen, das man an dem Halsbande befestigt; Munition oder Proviant nimmt er auf die gleiche Weise in einem Korbe mit. Die größte Schwierigkeit findet der Lehrmeister der Hunde aber darin, ihre Angst vor dem Geräusch der Schießwassen zu überwinden, die z. B. bei dein Abfeuern einer Kanone ganz furchtbar wird. Der muthigste Hund wird bei der ersten Detonation versuchen, Reißaus zu nehmen, und erst lange Gewohnheit kann ihn mit dem Lärm der Kriegsmaschinen vertraut machen. Ist seine Angst einmal überwunden, so wird er der tapferste und gehorsamste Soldat. Die Spie sind der Art, welche man in der deutschen Armee mit Vorliede ausbildet wegen ihrer großen Muskelkraft und ihrer hervorragenden Gelehrigkeit. Und unter ihnen gibt man wieder den grauen den Vorzug, weil sie nicht so weithin leuchZen wie die weißen. Ter.Thicrmaler Jean Vungartz. de? sich Mit der Abricht nng von Kricgshunden sehr eingehend beschäftigt hat. hält jedoch in einer vor Kurzem herausge gebenen Schrift den schottischen Schäferhund, in seiner Heimath Collie genannt, sür das bei weitem geeignetste Material zur Kricgsausbildung Namentlich rühmt er diesen Thieren einen erstaunlichen Orientirungssinn und treue Anhänglichkeit nach. Auch in dem Sanitätswesen ist der Hund heute ein wichtiges Glied, und im nächsten Kriege wird er sicherlich eine bedeutend: Äkolle im Dienste des Rothen Kreuzes spielen. Die Hunde suchen mit großem Geschick die Verwundeten auch an den verborgensten und unzugänglichsten Stellen auf. bringen ihnen Waffer, Branntwein und andere Stärkungen, rufen die Krankenpfleger herbei und ziehen die Verwundeten auf kleinen Wagen zum Hospital. Bei alledem entwickeln sie einen Eifer, der oft ge radezu erstaunlich ist. oer nranenwelr. Eine Frau kann sich keinen festern m& reinern Freund erwählen, als den Liebhaber einer andern. Jean Paul. Liebesbriefs sind die einzigen Dinge, die man nicht umherliegen lassen darf; die Frauen haben die Manier, sie überall hinzulegen. Man hört sie auch häufiger im Gerichtssaale verlesen, als in literw rischcn Vorlesungen. Noriac. Die Frauen lügen mit soviel Grazie, daß nichts sie besser kleidet, als die Lüge. Byron. Eine schöne Frau ist das Paradies de, Augen, die Hölle der Seele und das Fegefeuer des Geldbeutels. ?Fon!enelle. Krankheit ist eine Art spanische Wand, die die Frauen sehr gern zwischen sich unr den Sturm eines Streites schieben. :-t-: - . --;:i Balzac. . La n ö lich. ., Pastor : Nun. wie geht es Ihrem lieben Großpapa, ist er wohl und munter? Fraulein vom Lande: Na, raufen kann er nimm aber Mist laden, das &et halt noch.

PW? urt

David Garric? und Edmund Kenn.

knekdottschck u! beten Sein in 1t, Adolpd shut. Die englische Bühne hatte zwei Shake-spearc-Darstcller, die zu den größten Tragöden gehörten, welche die Welt gesehen sie hießen David Garrick und Edmund Kcan. Beide haben dazu beigetragen, dab die gewaltigen Gestalten des unsterblichen Butten eine uncrmcßliche Voltsthümlichkeit erlangten. Beide waren Eharacterspieler allerersten Ranges. aber es konnte keimn größeren Unterschied geben als zwischen diesen beiden Männern. Während Ersterer ein harmonischer Künstler war, der seine eigenen Leidenschaften beherrschte und die Kunst über Alles fetzte, war Legerer ein Mensch mit allerlei Lastern und Schwächen, ein gewaltiges, aber verkommenes Genie, der im Elend untcrgmg und das Komodiantenthum in Verruf brachte. David Garrick war ein edler, hcchge bildete? Künstler, der nur eure Leidenschaft hatte, die des Fiscyfangs. Er stand oft mit dem ersten Hahnenschrei auf und warf seine Angelleine in das Bassin von Carlton-House, um zu angeln. Eines Tages besuchte der Herzog von Guiches, damals Gesandter in Lon--don. den Lord Londonderry auf seiner Besitzung in Earlton-House, wo auch Garrick weilte. Der Lord und sein Ge folge waren auf der Jagd und der Her-, zog traf Niemand zu Hause, als einen Mann, der starr einen Karpscn bctrachtete, dessen Schuppen in der Sonne diamantartig glänzten. Er hatte eine weiße Jacke an uud sah wie ein HausHofmeister aus. Wr ist Londonderry. wir?" Er ist auf der Jagd und kommt erst um acht Uhr nach Hause," war die Antwort. Da lautete die Glocke prm Frühstück. Der Herzog und der Mann in der weißen Jacke begaben sich in den Spcifcsaal. Als der Thee aufgetragen wurde, meinte der Herzog: Sie haben ganz den Accent Garricks!" löarrick gab sich zu erkennen und spielte auf stürmisches Verlangen des Herzogs :ine Scene aus Hamlet vor, während kr in der einen Hand ein Messer und ir der anderen eine Butterstulle hielt. Berühmt war der Humor Garricks. Hier nur einige Proben: Als der Schauspieler Woodward zum krsten Male die Rolle eines Liebhabers in einem Lustspiel übernahm, wohnte Garrick der Vorstellung bei. Ersterer jragte den Lederen Tags darauf, wie er mit seinem Spiel zufrieden gewesen, uud scte hinzu: Wenigstens habe ich mir alle Mühe gegeben, die Schönheiten in der Rolle herauszuheben." Das haben Sie allerdings," meinte Garrick, denn ich habe sie alle ver mißt." Ein Wucherer fragte den Tragöden einst in einer Gesellschaft, was er unter Rechtschassenheit verstehe. Wozu die Frage?" versetzte Garrick, mischen Sfe sich nicht in Sachen, die Sie nichts angehen." Von den plölichm Launen und Ein fällen des Mimen liefen allerlei Geschichten um. Hier nur eine: Als Garrick einst in Paris war, lud der berühmte französische Schauspieler Prville ihn auf sein Landgut ein. Der englische Eollcge machte dem französischcn den Vorschlag, in einer der Methskutschcn hinzufahren, die von Paris nach Versailles gehen, da Prville's Landgut an diesem Weae lag. Als sie sich hmcin gcscht hatten, befahl er dem Kutscher, zuzufahren, der aber antwortete ihm: er müßte erst feine Zahl von vier Personen haben, sobald er die hätte, würde er fahren. Garrick wollte nun Predille ein Pröbchen feiner Kunst geben. In der Zeit nämlich, da der Kutscher sich nach anderen Mitfahrern umsah, hüpfte er aus der Thür, gimz um die Kutsche herum, verstellte sein Gesicht und bot sich dem Kukschcr als einen dritten Paffagier an. ohne daß Letzterer das Geringste vom Be trüge bemerkte. Dies that er noch einmal und wurde zum Erstaunen Prville's als ein vierter Passagier auf genommen. Nun sprang er zum dritten Male heraus und redete den Kutscher als Fremder an, der ihm aber mit grämlichem Tone antwortete, er habe feine Zahl voll. Er würde auch wirklich ohne ihn abgefahren fein, wenn nicht Preville herausgerufen hätte: da der fremde Herr nur ein kleiner Mann wäre, so wollten sie ihn noch mitnehmen und zusehen, wosie Platz fänden. Garrick sah zu Paris die SchauSpielerin Dubais, die in einer Rolle zwar lebhaft dc!lamir!e, aber, wenn ste nichts zu sprechen hatte, auch durch ihr Spiel nichts sagte. Das ist ein gut herziges Mädchen!" rief Garrick aus, sie 'gräth wohl bisweilen in Zorn, aber sie besänftigt sich auch gleich". - Was Edmund Kean betrifft, so giebt es nur wenig Schauspieler, welche die Launen des Schicksals so sehr erfahren hätten wie er. Als der nachher so berühmt gewordene Kean als Nachfolger Garricks am Trurylane - Theater in London im Januar 1619 auftrat, um mit Geld und Ehren überhäuft zu werden, war er den Abend zuvor von der bittersten Noth heimgesucht worden. Er hatte kein Brod und kein Holz im harten Winter, keine Arzenei für fein krankes Kind war im Hause aber schon ein paar Tage darauf gab es den grüßten Ueberfluß. Die Direktion hatte mit ihm auf acht Pfund Gage wöchentlich abgeschloffen gehabt. Sie zerriß den Contract und bot - ijm freiwillig eine Gage von zwanzig Pfund. Ein Unbekannter sandte ihm ein höchst schmeichelhaftes Schreiben, und beigeschlossen war eine Banknote von hundert Pfund. ; Der berühmte Bier brauer Whitebread besuchte ihn, um seinem kleinen Sohne eine Note von jünszig Pfund in die Hand zu stecken. Die Herzogin von St Albans fuhr vor und bat ihn, fünfzig Pfund als Geschenk anzunehmen und das Comite des Theaters kam , bald darauf mit 'inem svlchm von fünshunirt Pfund.

Dieser gottegnadete Charakterdarstel ler war von den gewaltsamsten Leidenschaftcn beherrscht. Er führte ein wüstcs Lcbm und brachte durch seine Ausschreitungen und Laster lange Zeit hindurch den Beruf des Schauspielers in Mißachtung. In seiner Jugend und in den Momenten, wo er seine böse Neigungen zu zügeln wußte, schuf cr jedoch künstlerische Gebilde von hoher Vollendung, von erschütternder LebensWahrheit, welche Bewunderung erweckten und den Namen Edmund KeanZ mit unvergänglichem Ruhme bedeckten. Namentlich als Shakespcare-Darste!-ler gehörte cr Zu den größten Tragoden, ,welcke je gelebt haben. Sein Shylock. Macbeth, Richard III., Othello und Jago waren bewunderungswürdige Glanzleistungen, und man vergaß die Schwachen des Menschen, weil die gros?en Schöpfungen des Künstlers leine Kritik auskommen ließen. Lewes, de: bekannte Biograph Goethes und ein Bekannter Edmund Keans, hält ihn für den größten Schauspieler, den er je gesehen. Er vergleicht ihn mit der Rachel, die als Frau ganz das war. was er als Mann war. Er wus'tc dir Gemüther so gewaltig zu erregen, brachte durch sein Accente, sein Mimenspiel und seine Gcberde so unauslöschliche Eindrücke hervor, daß die Zuschauer st. von der Leidenschaft dieses Alles mit sich fortreißenden Geistes gewaltig gepackt wurden. Und doch war dieser Künstler vor. Mutter Natur nicht mit jenen Formen bedacht, welche sofort die 'Gunst des Publikums sich erobern. Er war klein nnd unansehnlich, und auch das Organ war anfänglich spröde, aber Fleiß und Genie besiegten diese Hindernisse, ganz so, wie es bei Seydelmann und Dawison der Fall war, die äußerlich nichts Bestechendes hatten und doch sich zu unsterblichen Menschendarstcllcrn cmPorschwan gen. Durch die löwenglciche Gewalt seiner Haltung und die Anmuth feine? Vcwegungcn vermochte dieser kleine häßliche Schauspieler die tiefsten Wirkungen hervorzurufen und das verwöhnte Londoncr Publikum zur Bewunderung hinzureisen. Selbst als ihn die Gicht bereits plagte und sein: durch übermä feige Weingcnus; verschuldete Heiserkeit ihn in der vollen Entfaltung seiner Stimmmittel hinderte, war doch das hinreißende Pathos, welches in seinem ganzen Wesen zum Ausdruck kam, von unwiderstehlicher Kraft. Berühmt war befonders fein Othello, und namentlich riß cr im dritten Aktk hin, da cr. durch Jagos Sticheleien und Einflüsterungen gereift, aus ihn losstürzte, ihn an der Kehle packte nnd bei dem ödlannten Ausbruch: Beweise, Schur!', mir. daß mein Weib ver liebt!" zu einem Riefen zu wachsen schien. Ich will bei diesem Anlaß erwähnen, daß zu den größten Verehrern KeanZ auch Lord Byron gehörte, der einst, als Kcan im Stück Sir Gilcs" wieder einmal meisterhaft spielte, in seiner Loge Weinkrämvse bekam. Der große britische Dichter war e3 auch, der zu den Tirectoren des Dnlrylane - Theaters nach dem ersten Auftreten Keans das Wort sagte: Ihr habt ein Genie unter Euch und wißt es nicht, aber er wird durchfallen wie so viele Andere, wenn wir ihn ichs emporheben und ganz London zwingen, ihn zu schen. Kean hat das Zeug in sich, daß wir Hymnen auf ihn dichten, und deshalb dürfen wir ihn nicht dem Zufall überlassen. Wir müssen vereint handeln, zu den Eigenthümern und Redacteuren der Zeitungen gehen und sie bitten. Personlich zu erscheinen und über Kean Artikel zu schreiben." Diese Artikel gefielen, aber Kcan nicht immer, und er hatte oft manchen erbitterten Strauß mil der Kritik aus-

zufcchten. Er sagte einmal: Diese Herren verstehen ihr Amt nicht. Sie loben mich, wenn ich mir keine Mühe gebe, zu gefallen, und kein Lob verdiene, aber ignoriren jene Stellen, wobei ich mich am meisten abgequält habe. Sie glauben, weil meine ?lrt zu spielen, neu ist und natürlich erscheint, ich niemals studire, und sprechen daher von dem plötzlichen Impuls des Genies. O, es giebt keinen plötzlichen Impuls! Der rechte Zwnstlc? spielt nicht mit spontaner Eingebung, Alles ist voraus studirt; denn wozu würde man sonst die Probe halten! Manch mal spielen wir beffer, manchmal schlechter, aber das hängt von bcsonderen Umständen ab; doch die Aufführung bleibt sich gleich. Ich habe alle diese Rollen tausendmal in Provinztheatcrn und vielleicht besser gespielt, bevor man mich als den großen Schauspieler cr klart hatte, und bin begeistert applaudirt worden, aber mein Ruf ist damals nicht bis London gedrungen." Oft schüttete er sein Herz vor dei Wittwe feines berühmten Vorgängers David Garrick aus, die eine große Verehrerin feiner Kunst war. Bah!" sagte sie. schreiben Sie doch künstig Ihre Krititen selbst! David hat es auch so gemacht!".. .. Und die böse Fama erzählt, daß Kean diesen Nath befolgt haben soll. Die außerordentlichen Erfolge, welch, unser Künstler am Drurylanc-Theater erzielte, stiegen ihm schließlich zu Kopf. Er wurde hochmüthig und wollte es den tollsten Lebemännern der Hauptstad! zuvorthun, indem er in sechsspänniger Equipage einherfuhr, einen gezähmten Löwen bei sich führte, Wetten bis zu 1000 Guineen einging und in haßlichen Orgien seine erworbenen Schätze ver. praßte. DasUebermaß seines DünkelZ brachte ihn nach und nach um die Gunst seiner Gönner, und schließlich war sei nes Bleibens in London nicht mehr. Er mußte wieder an .Provinztheatern gastiren und kam allmählich so herunter, daß er zuweilen außer Stande war, sich ein; Mittagsmahl zu verschaffen, und mit hungerndem Magen den Othello spielen mußte. Ueberdies sprach er dem Grog leidenschaftlich zu, und in angeheitertem Zustande vergaß er sich

IWÄ' WW,'iWi1 n b'NWMnMttdlKil so weit, daß cr manchmal in seiner Rolle plötzlich innehielt, um seine Talenke in der Nachahmung des Hahnengeschreis, des Hundegebells, in der Vauchredncrci oder in halsbrecherischen Sprüngen zu zeigen. Wieder geriekh er in die bitterste Noth, wie zur Zeit dor feinem Engagement in London, als er weder- Brod noch Holz im ganzen Winter hatte und sich für sein krankes Kind keine Arznei verschaffen tonnte. Die schönen Zeiten, da er einst von einem Anonymus ein höchst schmeichei haftes Schreiben mit einer Baninotk von hundert Pfund und von der Her zogin von St. Albans fünfzig PfunJ erhielt, waren ein für allemal dahin der Dämon des Alkohols rcrschlLng Alles und machte seine Verehrer ihm abwendig. Die legten Jahre seines Lebens ver brachte er in wüster Gesellschaft, trieb sich in allen pelunlcn herum uud vcr scherzte sich dadurch auch den lcz?tcneft seiner einst so außerordentlichen Vcl'z thümlichteit. Seine phystfchcn und geistigen Kräfte nahmen zu seyende ab, und er lebte nur noch von der Hand in den Mund, ein kümmerliches, qualvol--les Dasein! Am 25. Mai 1833 spielter er mii seinem Sohn?, dem später glcichfallZ sehr berühmt gewordenen Eharles Kcan, zum ersten und zum legten Mal aus der Bühne zu Boston den Othello"; mitten in seiner Rede brach er zusam wen und hauchte sein Leben ans ei starb auf dem Felde der Ehre, wie der Soldat im Kriege. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß Edmund Kean sehr viel für das 33c ständniß des grölen Dramatikers aller Zeiten. Shakespeare, gethan. Von d englischen Vähnenausgabe Shakespeares kann man fast behaupten, daß sie aus feiner Auffassung der Hauptrollen be ruhe. Mit dein ihm eigenen leidenschaftlichen, raschen und syiupatbischen Verständniß sah er eben Effecte, wo andere Schauspieler nichts gesehen hatten, und so wird de? Name Kcans neben dem des britischen Tichterheros stets genannt werden. ine DueLgeschilzte. Der canl. philol. Stumv und der cancl. rned. Pump haben einanrcr fürchterlich behbigt und stchcn sich nun auf der Pistolcnmcnsu? unter schweren Bedingungen gegenüber. Die Distanz ist abgelucssen, die Tueuanten stehen auf ihren Plänen. Da mahnt sie bu Unparteiische, bevcr er an die Verirr sung der Pistolen schreitet, die festem Gegenstände, als da sind Geldbörsen, Uhren. Notizbücher, Mener u. dgl., abzulegen. Stump, kommt der Ausforderung ohne Weiteres nach; Pump dagegen legt zwar ein Notizbuch und seine Börse ab, obwohl man ledere kaum als festen" Gegenstand hatte bezeichnen können, mit der Uhr aber will er absolut nicht herausrücken. Vergeb lich wiederholt der Unparteiische sein Auffordcruiig zum zweiten und drittel, Mal. Erst als er droht, oen rcnitc!!' ten Pump nicht mehr als Gentleman betrachten zu können, falls er sich noch länger weigere, den Anforderungen des Eoder zu genügen, greift diefer schweren Herzens nach seiner Uhrkctte und zie'.l mit einem: Na. wenn denn fein muß!" daran ein phänomenales Erempla? von einem Hausfchlüffe! auZ der Westentasche hervor. Das schallende Gelächter sämmtlich?! Anwesenden kann man sich denken. Pump stimmte schließlich selbst ein, di Beiden schössen einmal pro fonna da, neben und noch am glnchen Tage sah: der gutmüthige Stump mit Pump vor'Z Leihamt, um seinen Gegner vom Mor gen in den Stand zu fetzen, seinen Zeit andeute? auszulösen. Albumblatt. Kommt's manchmal anders, all du denkst. Du darfst nicht die Hoffnung lassen; Mit jedem neuen Morgenroth Gilt es, von, Neuem Muth zu soffen. Es muß ja auch der kräftige Baum Wohl manches Dukend Blüthen wagen. Eh' ihm das karge LooZ vergönnt. Nur eine reife Frucht zu tragen. Verschiedene Plätze. Im Kopfe wohnt 3 Wissens Gold, Im Herzen thront Tas Schäfchen hold. Was Herz und Geist Nicht will behagen. Das liegt zumeist Uns schwer im Magen. A. Frank!. Der Antrag! Esminerzien rath: Herr Baron, Ihr Antrag ehrt mich sehr, ich gebe Ihnen gern die Hand meiner Tochtcr. aber ich sag' Ihnen gleich, die Hand ist sehr groß! Baron: Na, Herr Eommcrzicnrath, desto mehr kann sie ja damit mitbringest! Guter Trost. GeschäftZinHaber; Meinem Eonnirrcnten schicken Sie jedesmal so gute Waare, während ich den ärgsten Schund erhalte. Aei. senden Ja, der muß gute Waare de kommen, sonst würde er mich das nächste Mal hwau-wersen. Zeit ngSnotiz. Bergan, zene Nacht ist der Kassier des Kauf, manns Schlipserl mit dessen Kasse und Frau durchgegangen. Ein nennrns werther Schäden ist ihm dadurch nicht entstanden! Das Geheimniß der Ge seNgkcit besteht in der Kunst, mit Lah. men gleichen Schritt zu halten. Vom Tadel fordert ihr stets Begründung, beim Lobe verzichtet ihr gerne darauf. - Kein Gelehrter fallt dorn Himmel; aber so mancher ist trodem aus den Kopf mallen.

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